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Meier-Jobst, Max - Die Sache mit Peter (2017)

#1

       


 Die Sache mit Peter, das ist zunächst einmal eine klare Angelegenheit: 13-jähriger Junge wird von 30-jährigem Pädophilen verführt.

    Soweit die Fakten. Kein Aber, keine Beschönigungen. Daran ändert auch die Tatsache, dass das Kind sich seiner Homosexualität bereits bewusst ist, nichts.

    Dieses Kind gibt es nicht mehr. Denn Die Sache mit Peter ist die Geschichte vom jähen Ende einer Kindheit, erzählt mit anderthalb Jahrzehnten Abstand, genährt aus lange verdrängten und endlich wiederentdeckten Erinnerungen.

    Dieses Kind war ich. Das ist meine Geschichte. Eine Geschichte nicht nur von Grenzen, die fließend sind und dennoch leicht verletzbar – sondern tatsächlich auch von Liebe.

    Coming Out – oder lieber doch nicht? Eine schwule Kindheit


    Seit meinem sechsten Lebensjahr weiß ich, dass ich schwul bin. Auch wenn ich damals noch nicht einmal das Wort, geschweige denn seine Bedeutung kannte, verknallte ich mich in Mitschüler, Lehrer, Boygroup-Sänger, Fußballer… Schnell lernte ich, dass meine Gefühle nicht der Norm entsprachen. Ich behielt sie daher lieber für mich, aber ich störte mich nicht an ihnen, im Gegenteil, ich genoss es, ein Geheimnis zu haben, das mich, so glaubte ich, von allen Menschen auf der Welt unterschied, einzigartig machte.

    Schwulsein war für mich im Grundschulalter so ein bisschen wie Zauberkräfte oder Gedanken lesen: Ich konnte etwas, das kein anderer Junge konnte, nämlich mich in Jungs und Männer verlieben. Und welche Magie ist größer als die der Liebe?

    Coming of Age: Im Nirgendwo zwischen Junge und Mann

    Wenn ich heute alte Fotos von mir ansehe, stelle ich fest: Mit zwölf, dreizehn und selbst mit 14 sehe ich noch immer wie ein kleiner Junge aus. Auch wenn ich mich zu dieser Zeit schon längst nicht mehr so fühlte.

    Mein straßenköterblondes, von meiner Mutter im zeitlosen Topfstil geschnittenes Haar stand mir damals in alle Richtungen ab. Meine Haut war glatt wie ein Babypopo, ohne den geringsten Flaumansatz. Das galt übrigens für meinen ganzen Körper: Haare hatte ich lange Zeit wirklich nur auf dem Kopf. Und dazu nicht einmal Pickel. Nicht, dass ich mir eine hartnäckige Akne gewünscht hätte, wie sie so manchen meiner Klassenkameraden plagte, aber ein oder zwei Pubertätspusteln als Zeichen voranschreitender Reife wären schon nicht verkehrt gewesen. Ich sah nicht nur unreif aus, ich war es wirklich.

    „Boylove“ oder der Mythos vom „guten Pädo“

    Es ist heute noch so und es war auch zu meiner Jugend, in jenen frühen Tagen des Internets, kaum anders: Wenn man als Kind oder Teenager beginnt, das Netz für sich zu entdecken, immer auf der Suche danach, die so alterstypische Neugierde zu befriedigen, und wenn man dabei den Fehler macht, sein wahres Alter preiszugeben – dann dauert es nicht lang, bis man mehr oder weniger eindeutige Angebote von Pädophilen bekommt, sogenannten Boylovern (bzw. Girllovern).
    Manche dieser Männer schmeichelten mir mit großer Empathie, aufrichtigem Interesse, intelligenten Komplimenten – andere waren plump, ordinär, machten mir Angst, widerten mich an, versuchten mich zu täuschen, zu benutzen. Dass auch beides beinahe gleichzeitig geschehen konnte, das lernte ich leider erst, als es zu spät war…

    Zunächst aber führte ich mich auf wie eine Lolita und genoss unverhohlen die Aufmerksamkeit dieser Männer, die sich ganz ihren als „Knabenliebe“ getarnten Trieben hingaben. Auch dann, als mir diese Aufmerksamkeit erstmals bewusst außerhalb der virtuellen Welt zuteil kam: In Gestalt von Peters scheuen, aber eindeutig bewundernden Blicken – dem Beginn unserer zunächst noch so harmlosen Beziehung.
    Peter machte keinen Hehl daraus, dass er auf mich, dass er auf Jungs stand. Aber er war doch ganz anders als die Pädosexuellen im Internet. Nicht ich war ihm, sondern er mir ins Netz gegangen. Er war gar nicht auf der Jagd gewesen, als wir uns kennen lernten. Ich hatte ihn mir geangelt, lief – angezogen nur von seinen verräterischen Blicken – immer wieder scheinbar zufällig an seinem Haus vorbei, sprach ihn irgendwann sogar an, buhlte schon bald um seine Gunst und Nähe.
    Und dennoch war am Ende er es, der mich verführte (manche würden sagen: vergewaltigte), und nicht umgekehrt. Ich war die Versuchung, der er nicht widerstehen konnte. Seine Absichten mögen die besten gewesen sein. Seine Taten waren es nicht.
    Heute glaube ich, ein „guter“ Pädophiler ist nur derjenige, der versucht, keiner zu sein, obwohl genau das in Zeiten ständig neuer Enthüllungen von Missbrauchs-Skandalen und Kinderporno-Ringen unmöglich scheint. Und dennoch: Wir sollten Menschen niemals für das verurteilen, was sie fühlen, wünschen oder denken. Sondern nur für das, was sie tun.

    Über mich: In erster Linie Autor, nicht Opfer

    Seit meiner Jugend ist Schreiben meine Leidenschaft. Ich absolvierte schon früh diverse Praktika bei Lokalzeitungen, studierte schließlich Medienwissenschaft und arbeite aktuell, nach einem Volontariat bei einem namhaften Verlag, als freier Journalist für diverse Online- und Zeitschriften-Redaktionen. Geboren wurde ich Mitte der 1980er in München, wo ich auch aufwuchs. Gemeinsam mit meinem Partner und zwei schläfrigen Katern lebe ich heute in Norddeutschland.
    Die Sache mit Peter ist mein erstes Buchprojekt. Trotz oder gerade wegen des brisanten Stoffes lehnten die meisten Verlage es direkt ab. Als ich die Hoffnung beinahe schon aufgegeben hatte, meldete sich schließlich doch noch ein Lektor bei mir. Er war voll des Lobes für meinen Mut und meinen Schreibstil, doch schnell forderte er einige wesentliche Änderungen: Damit das Buch gut verkauft werden könne, müsse ich es unbedingt entschärfen. Die Schilderungen der sexuellen Handlungen seien zu drastisch, die Verurteilung des Täters hingegen nicht eindeutig genug. Und ob ich denn bereit wäre, in Interviews zum Thema Missbrauch über mein Schicksal zu sprechen, um mein Buch zu bewerben?

    Nein, dazu war und bin ich nicht bereit und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, es ohne Verlag im Rücken zu probieren. Denn weder möchte ich ein Blatt vor dem Mund nehmen und schon gar nicht mich vor irgendeinen Karren spannen, in eine Schublade stecken lassen: Ich, das arme Missbrauchsopfer, und Peter, der üble Kinderschänder – und jetzt ein „mutiges“ Buch, um mein ach so schweres „Schicksal“ zu verarbeiten. Das mag gutes Marketing sein, aber auch eine Lüge. Die Wahrheit ist wesentlich komplexer…
    Apropos Wahrheit: Max Meier-Jobst ist, Sie mögen es mir nachsehen, nicht mein echter Name. Ich stehe zu meiner Geschichte, zweifelsohne, aber ich muss auch an diejenigen denken, die darin außer mir noch vorkommen und deren Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre ich respektieren und schützen will: Eltern, Freunde und ja, auch Peter (der eigentlich gar nicht Peter heißt).

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Google translate:

    Quote:
    he thing with Peter, that is a straightforward matter first: 13-year-old boy is seduced by 30-year-old pedophile.

    As far as the facts. No buts, no beautifications. The fact that the child is already aware of his homosexuality does not change that.

    This kid does not exist anymore. Because the thing with Peter is the story of the sudden end of a childhood, told with a decade and a half distance, nourished by long-suppressed and finally rediscovered memories.

    This kid was me. This is my story. A story not only of boundaries that are fluid and yet easily vulnerable - but also of love.

    Coming out - or rather not? A gay childhood

    Since the age of six, I know that I'm gay. Even though I did not even know the word, let alone its meaning, I fell in love with classmates, teachers, boy band singers, footballers ... I quickly learned that my feelings did not conform to the norm. I preferred to keep them for myself, but I did not bother with them; on the contrary, I enjoyed keeping a secret that made me, I believe, different from all the people in the world, unique.

    Being gay was a bit of a magical experience for me in elementary school: I could do something no other boy could, falling in love with boys and men. And which magic is greater than that of love?

    Coming of Age: Nowhere between boy and man

    When I look at old photos of myself today, I notice: at twelve, thirteen and even at fourteen, I still look like a little boy. Even though at that time I did not feel that way anymore.

    My street-toed-blond hair cut by my mother in timeless pot-style stood in all directions at that time. My skin was as smooth as a baby's bottom without the slightest fluff. By the way, that applied to my whole body: For a long time, I really only had hair on my head. And not even pimples. Not that I wanted a stubborn acne like some of my classmates had, but one or two pubertal pustules as a sign of advancing maturity would not have been wrong. Not only did I look immature, it really was me.

    "Boylove" or the myth of "good pedo"

    It's still the case today, and it was not much different to my youth, in those early days of the Internet, when you, as a child or teen, start discovering the web for yourself, always looking to satisfy that age-typical curiosity and if you make the mistake of revealing your true age, it will not be long before you get more or less explicit offers from pedophiles, so-called boy-eyelids.

    Some of these men flattered me with great empathy, sincere interest, intelligent compliments-others were clumsy, vulgar, scared, disgusted, trying to fool me, to use. That both could happen almost at the same time, unfortunately I did not learn until it was too late ...

    At first, however, I behaved like a lolita, unabashedly enjoying the attention of these men, who indulged in all their instincts camouflaged as "boyish love." Even when, for the first time, this attention came to me consciously outside of the virtual world: In the guise of Peters shy, but clearly admiring glances - the beginning of our initially so harmless relationship.

    Peter made no secret that he was on me, that he was on boys. But he was very different from the internet on the internet. Not I was him, but he went into the net. He had not been on the hunt when we met. I had fished him, ran - attracted only by his treacherous glances - over and over again seemingly randomly past his house, even spoke to him at some point, soon vied for his favor and closeness.

    And yet, in the end, it was he who seduced me (some would say raped), and not the other way around. I was the temptation he could not resist. His intentions may have been the best. His actions were not.

    Today, I believe a "good" pedophile is just the one who tries to be none, even though in times of constantly new revelations of abuse scandals and child pornography wrestling seems impossible. Yet, we should never judge people for what they feel, want or think. But only for what they do.

    Writing has been my passion since my youth. I completed various internships at local newspapers early on, finally studied media science and currently work, after a traineeship at a well-known publishing house, as a freelance journalist for various online and magazine editors. I was born in the mid-1980s in Munich, where I also grew up. Together with my partner and two sleepy cats, I live in northern Germany today.

    The thing with Peter is my first book project. Despite or because of the explosive substance, most publishers rejected it directly. When I had almost given up hope, finally a lecturer came to me. He was full of praise for my courage and my writing style, but he quickly demanded some major changes: To be able to sell the book well, I must necessarily defuse it. The descriptions of the sexual acts are too drastic, the conviction of the offender, however, not clear enough. And if I would be willing to talk about my fate in interviews about abuse, to promote my book?

    No, I was not and I am not ready for that and therefore I decided to try it without a publisher behind me. Because neither I want to take a leaf in my mouth and certainly not put me in front of any cart, put in a drawer: I, the poor abuse victim, and Peter, the evil child molester - and now a "courageous" book to my oh to process such a heavy "fate". That may be good marketing, but also a lie. The truth is much more complex ...

    Speaking of truth: Max Meier-Jobst is, you may look it over me, not my real name. I stand by my story, no doubt, but I also have to think of those who still exist in it apart from me and whose privacy and privacy I want to respect and protect: parents, friends and yes, even Peter (who is not actually called Peter).
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