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Information Weiße Federn
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 02:39 PM - No Replies

Die Sonne war brennend heiß und strahlte mit aller Helligkeit. Es war einer dieser Tage, an denen man am liebsten draußen am See sein wollte um sich abkühlen und genießen zu können. Aber er musste ja in der Schule sitzen. Er sah sehnsüchtig aus dem Fenster und bemerkte dabei nicht, dass ihn Frau Kleist, die gerade unterrichtete, wütend ansprach.
Schon mehrmals hatte sie seinen Namen genannt und die ganze Klasse sah zu ihm.
„Könnte der Herr vielleicht aus seinem Traumland zurück zum Unterricht kommen und uns die Aufgabe lösen?“, fragte Frau Kleist und wurde dabei im wütender.
Erst als André ihn mit dem Fuß anstieß, bemerkte er es und lehnte sich trotzig in seinem Stuhl zurück.
„Haben sie gehört, was ich soeben sagte?“
„Ja, es ist angekommen. Und wenn sie so gütig wären und mir die Aufgabe noch einmal stellen werde ich sie beantworten, ansonsten kann ich ihnen nicht helfen“, meinte Lucas gleichgültig.
„Raus! So eine Art muss ich mir nicht bieten lassen.“
„Wie sie meinen, aber beschweren sie sich nicht, wenn ich das nächste Mal die Hausaufgaben nicht habe“, meinte Lucas noch während er aufstand und ging zur Tür.
Ihm war es egal, dass die Frau mit dem Zeigestock in der Hand, ihm gerade wütend und außer Fassung anstarrte, auch dass ihn seine Mitschüler mit teils verwunderten, teils verwirrten oder auch argwöhnischen Blicken verfolgten. Er wollte nur raus aus dieser Schule.
„Ach und noch was“, sagte Lucas als er schon an der Tür war und sich umdrehte.
„Sie sollten mal über die Farbkombinationen ihrer Kleidung nachdenken, es wirkt doch eher etwas zu schrill, auch wenn sie meinen dadurch Aufmerksamkeit zu bekommen.“
Dann ging er und ließ die Tür ins Schloss fallen. Frau Kleist blieb erstarrt stehen. Dass sie Lucas nicht leiden konnte war kein Geheimnis. Gründe dafür gab es viele, einer war seine Art mit manchen anderen umzuspringen, ein anderer seine Neigungen in Bezug auf seine Beziehungspartner, denn diese waren ausschließlich männlicher Herkunft.
Letzteres war allen anderen so ziemlich egal. Dem Einen mehr und dem Anderen weniger. Lucas ging die Treppen nach oben und ließ sich auf dem Dach nieder. Er setzte sich auf den Beton und schloss die Augen. Er genoss das Gefühl der Sonne auf seiner Haut und träumte etwas vor sich hin.
„Hey, sag mal, was ist los? Du bist heute ja wieder mal sehr aggressiv“, sagte André plötzlich und setzte sich zu ihm.
„Ich weiß auch nicht. Ich will hier raus! Mir geht das heute alles auf den Geist. Ich weiß nicht was los ist. Eigentlich lasse ich mir meine Laune nicht verderben, aber heute kriege ich gar nicht erst gute Laune“, sagte Lucas leise und legte sich hin.
André sah ihn verwirrt und besorgt zugleich an.
„Wer hat dich sitzen lassen?“, fragte André aus heiterem Himmel.
„Was? Niemand“, sagte Lucas verwirrt und sah erst jetzt Andrés grinsen.
„Ach man. Du Blödmann. Du weißt doch, dass ich schon lange keine Beziehung mehr hatte.“
„Stimmt, bei dir sind zwei Monate wirklich lang. Immerhin wechselst du deine Liebhaber wie Unterwäsche“, sagte André grinsend.
„Na komm, die Unterwäsche wechsle ich schon häufiger“, meinte Lucas nun lächelnd.
„Na endlich, ich dachte schon ich müsste noch mehr raus hauen um dich endlich wieder lächeln zu sehen“, meinte André leise und lächelte ebenfalls.
„Danke“, sagte Lucas sanft und zog André zu sich.
Er küsste ihn kurz auf die Stirn.
„Na komm wir gehen wieder runter.“
„Oki doki“, meinte André und stand auf.
Die beiden waren sehr gute Freunde, auch wenn sie sich manchmal um den gleichen Typen stritten. Aber das gehörte auch dazu. Zwischen ihnen lief aber nie mehr als nur das normale Freundschaft. Keine Liebesspielchen oder sonstiges in diese Richtung.
André wollte sich nicht in ihn verlieben und deshalb ging er manchmal auf Abstand, aber das war vielleicht auch gut so, denn mit denen, die mal mit Lucas ein Verhältnis hatte, war nun keine Freundschaft mehr zwischen Lucas und denen möglich. Meistens blockte Lucas ab und ließ niemanden an sich ran.
Außer André war kaum einer in der Lage mit ihm auch nur Ansatzweise vernünftig zu sprechen.
„Sag hast du schon das Neuste gehört?“
„Was denn?“
„Wir kriegen einen neuen Schüler, leider in der Parallelklasse. Er soll …“
„Er?“, fragte Lucas grinsend.
„Hey, lass mir auch mal ne Chance“, sagte André beleidigt.
„Das überlege ich mir noch.“
„Ja, ja. Wir müssen wohl wieder etwas streiten.“
„Warum?“
„Weil er vom Erzählen her, deinen wie meinen Geschmack voll ins Schwarze trifft.“
„Was denn? So einen Traum gibt’s doch gar nicht.“
„Oh doch. Na Morgen soll er den ersten Tag haben.“
„Okay. Dann weißt du, wo ich morgen zu finden bin“, meinte Lucas lächelnd.
„Ja, ja. Ist ja mal wieder typisch.“
„Ich weiß“, sagte Lucas noch und setzte sich an seinen Platz. Der Rest des Tages verlief unspektakulär. Ende der Schule, Gang nach Hause und dann war es auch schon fünf Uhr Abends und Lucas hatte nun auch keine Lust mehr noch etwas zu unternehmen und ging in sein Zimmer.
xxx
Als André am morgen aufwachte, war es gerade sieben und sein Wecker würde gleich klingeln, also stand er schon auf, wenn er schon mal wach war und ging ins Bad. Er fragte sich was der neue für ein Typ sein würde und machte sich den morgen über so seine Gedanken darum, bis es ihm müde wurde und er es ließ.
Er machte sich soweit fertig und ging los um Lucas abzuholen. Er wunderte sich schon etwas als, er diesen vor der Tür stehen sah?
„Was hat dich aus dem Bett getrieben. Sonst schläfst du immer noch wenn ich hier ankomme.“
„Sollte ich die Frage an dich weiter leiten? So früh warst du noch nie hier“, sagte Lucas grinsend.
„Tja. Wir haben wohl beide den gleichen Grund“, meinte André und zuckte mit den Schultern.
„Scheint mir auch so. Na, dann lass uns den Neuen mal begutachten.“
„Klar.“
„Ach ich muss noch kurz zum Direktor, wegen der Sache gestern“, sagte Lucas genervt.
„Geht klar. Ich sage Bescheid.
„Danke.“
Daraufhin ging Lucas los. Als er dort ankam und klopfen wollte, machte jemand die Tür auf und lief ihn fast um.
„Morgen“, sagte der Andere mürrisch.
„Morgen. Wer ist dir über die Leber gelaufen?“, fragte Lucas wie immer auf die Stimmung der anderen reagierend.
Der Andere kam dabei aus seinem Konzept und sah ihn verblüfft an.
„Privates“, sagte er dann knapp und ging an Lucas vorbei.
Lucas ging ins Büro und setzte sich, als der Direktor ihm einen Platz anbot.
„Was sollen wir mit dir machen? Das ist in zwei Monaten der vierte Besuch von dir.“
„Ich habe ihr nur gesagt wie meine Meinung zu ihrer Kleidung war, sie fragt doch immer nach Farbkombinationen.“
„Das meinte ich auch nicht. Ich meinte die Sache mit der geistigen Abwesenheit.“
„Ich hatte einen schlechten Tag.“
„Ach so? und das gleich zweimal im Monat?“
„Ja.“
„Na gut, geh zum Unterricht.“
„Jepp.“
Auf dem Weg zum Klassenraum, kam ihm der Typ von vorhin entgegen. Er achtete nicht auf den Weg und lief Lucas fast um, da dieser auf stur schaltete und nicht ausweichen wollte.
„An deiner Stelle wäre ich vorsichtig, so durch die Gegend zu rennen, man begegnet manchmal ein paar Typen denen man besser aus dem Weg geht.“
„Was geht dich das an?“, fragte der andere ebenso stur.
„Du bist neu oder?“
„Ja und?“
„Hör lieber auf manche Ratschläge. Sie könnten dir von nutzen sein“, sagte Lucas und ging.
„Hey, da bist du ja schon“, sagte André erfreut.
„Ja, hat nicht so lange gedauert, wie ich dachte.
„Hast du den neuen nun schon gesehen?“, fragte André begeistert.
„Nein, aber deiner Stimmung nach zu urteilen, scheint er ja nicht verkehrt zu sein“, meinte Lucas lächelnd und setzte sich.
„Na ja. Mit ihm gesprochen habe ich noch nicht, aber er sieht toll aus.“
„Na dann.“
„So Leute. Damit auch ihr wisst, wer von nun an mit euch zusammen am Sportunterricht teilnehmen wird und auch in den Wahlpflichtkursen dabei ist, werde ich euch mal unseren neuen Schüler vorstellen“, sagte der Direx.
Ein Junge in ihrem Alter kam in den Klassenraum. Groß, gut gebaut, fand Lucas. Der neue trug normale Jeans und ein weißes Hemd, welches aber die oberen drei Knöpfe offen hatte und Blick auf seinen Körper gab. Sein Haar war so lang das ihm bis kurz über die Augen reichte und dunkel.
Er hatte braune Augen. Nach einigen Minuten dämmerte Lucas etwas.
„Das ist Jamie Hunter. Er wird diese Woche auch erst mal bei euch sein, da die Anderen ja auf Klassenfahrt sind“, sagte der Direktor und sah in die Klasse.
„Am Besten setzt du dich zu Lucas und André. Scheint der einzige Platz zu sein der frei ist.“
„Okay“, sagte Jamie und setzte sich in Bewegung.
Die Augen der Mädchen verfolgten ihn und die Jungs sahen nur Argwöhnisch kurz hin. Bei seinem Aussehen aber kein Wunder. André bekam seinen Mund kaum wieder zu.
„Starr nicht so. Das fällt auf.“
Lucas stieß ihn an.
„Sorry“, sagte André nur leise.
Als Jamie näher war, erkannte er Lucas ebenfalls und grinste. Dabei sah er nach unten. Er setzte sich vor die beiden in die freie Bank.
„So sieht man sich wieder“, meinte Lucas grinsend.
André sah ihn entgeistert an.
„Tja. Ich hätte vorhin wohl freundlicher sein sollen, wenn ich es jetzt ne Woche mit dir aushalten muss“, meinte Jamie und setzte sich so, dass er André und Lucas sah.
„Ja, hättest du, jetzt musst du meine schlechte Laune ertragen“, meinte Lucas und grinste.
„Scheint so. Du bist aber auch stur.“
„Dass sagt der Richtige.“
„Ähm… entschuldigt kurz. Du sagtest, du hast ihn noch nicht gesehen, Lucas.“
„Sorry, vorhin wusste ich noch nicht dass er es ist“, meinte Lucas und lächelte sanft.
„Verzeihst du mir Kleiner?“, fragte Lucas und lächelte lieb.
„Nein. Du hast ja nicht die Wahrheit gesagt.“
Also das übliche Spiel, dachte sich Lucas und spielte mit.
„Gut. Wenn du mir nicht verzeihst, brauche ich heute Abend ja auch nicht bei dir sein.“
„Was. Du willst mich also auch noch allein lassen, was denkst du dir eigentlich.“ Jetzt fing André an zu lachen. Er kämpfte schon eine Weile dagegen an, aber jetzt konnte er nicht anders. Jamie hatte ihrem Gespräch zugehört und war etwas verwirrt.
„Du hast verloren. Also? Was krieg ich?“, fragte Lucas grinsend.
„Na ja. Eigentlich das Übliche, aber vor Augen Fremder? Ich weiß nicht, ob ihn das stören würde“, sagte André grinsend und sah Jamie an.
„Ich weiß ja nicht, worum es geht“, sagte Jamie lächelnd.
„Na dann, auch nicht schlimm. Dann brauche ich ja nichts befürchten.“
„Wie meinst du das?“, fragte Jamie.
„Wenn du nicht weißt, was ich meine, wirst du wohl nur etwas irritiert sitzen und kein Wort rauskriegen, also werde ich wohl mal meinen Einsatz liefern“, sagte André und gleich darauf folgten Taten.
Er küsste Lucas sanft auf die Lippen und blieb ein wenig dabei als Lucas den Kuss erwiderte. Erst dann löste er sich wieder von ihm und setzte sich. Wie er sagte brachte Jamie kein Wort raus.
„Du hast ohne mich Cappuccino getrunken, dafür musst du mir nachher einen holen“, sagte Lucas grinsend.
„Klar, aber erst in der Pause.“
„Seid … ihr ein Paar?“, fragte Jamie verwirrt.
„Nein, nur sehr gute Freunde. Aber wenn du Interesse hast, wir sind bei noch solo“, meinte Lucas grinsend und sah Jamie in die Augen.
Dabei bemerkte er einen blauen Schimmer in dem Braun von Jamies Augen.
„Nein. Ich denke nicht.“
„Na gut. Ein Versuch war es wert. Ich heiße übrigens Lucas und der Kleine hier ist André“, sagte Lucas und deutete auf André.
„Ich bin nicht klein.“
„Im Gegensatz zu mir schon.“
„Nur fünf Zentimeter“, protestierte André.
„Ihr seid wirklich kernig. Streitet ihr euch denn nur?“, fragte Jamie grinsend.
„Nein, wir sind die besten Freunde und das hier ist kein Streiten. Nur ein wenig Geplänkel“, sagte Lucas erklärend.
„Daran gewöhnst du dich, dass ist bei uns Normalzustand“, meinte nun André und grinste.
„Na, da habe ich mich ja auf was eingelassen“, sagte Jamie nur kurz und drehte sich um, um dem Unterricht zu folgen.
xxx
André ging gerade über die Straße um zu seinem Elternhaus zu gelangen, als ihn jemand rief. Er dachte erst es wäre Lucas, denn sonst nannte ihn nur Lucas André. Er drehte sich grinsend um und blieb gleich darauf erstarrt stehen.
„Hey? Alles in Ordnung?“, fragte Jamie, der ihn gerufen hatte.
„Ja, ja. Geht schon. Ich hatte jetzt nur jemand anderes erwartet“, sagte André stockend.
„Lucas, habe ich Recht?“, fragte Jamie etwas beleidigt.
„Ja, weil nur er mich bisher André genannt hat. Alle anderen nennen mich Andy oder auch Andre.
„Passt aber irgendwie nicht. André passt besser zu dir. Weswegen ich dir überhaupt nach bin. Ich wollte dich fragen, ob du heute schon etwas vorhast? Ich bräuchte nämlich etwas Hilfe.“
„In welchen Dingen denn?“, fragte André grinsend.
„In allen.“
Als Jamie das breiter werdende Grinsen bemerkte, wurde er etwas rot.
„Nicht in allem, in schulischen Dingen. Und ein wenig Gegendkunde wäre nicht schlecht. Ich kenne mich hier überhaupt nicht aus“, verbesserte sich Jamie schnell.
„Ach und deshalb bist du mir gleich einen halben Kilometer von der Schule aus gefolgt?“
„Nein. Ich wohne drei Häuser weiter. Na ja und als ich dich gesehen habe, kam ich auf die Idee doch gleich mal zu fragen ob du mir helfen kannst. Ich hätte sonst dich und Lucas in der Schule gefragt“, sagte Jamie verlegen.
„Ach so. Klar helfe ich dir. Wann willst du denn?“
„Wenn du Zeit hast heute noch?“
„Geht klar. Ich komme zu dir. Drei Häuser weiter sagst du?“
„Ja. Das wo noch keine Gardinen an den Fenstern sind.“
„Okay. Ich bin so gegen drei bei dir.“
„Danke“, sagte Jamie erleichtert und ging weiter.
André ging auch rein und machte sich sein Essen. In zwei Stunden war er also bei Jamie. Aber ihm war, als hätte er da noch etwas vergessen.
„André vergiss die Kleine nicht abzuholen. Ich geh zur Arbeit“, sagte seine Mutter, als sie in die Küche kam.
Sie arbeitete als Friseuse und hatte diese Woche Spätschicht.
„Mist ich wusste doch, da war noch was.“
„Warum? Hast du was geplant?“
„Ja, aber dann muss er eben mit. Ich hol sie pünktlich halb vier ab.“
„Danke“, sagte seine Mutter noch und ging los.
Nach dem André gegessen hatte, machte er noch schnell seine Hausaufgaben und schnappte sich dann seine Jacke und Schlüssel. Wenige Sekunden später klingelte er bei Jamie. Sein Haus war nicht schwer zu finden. Nicht nur das keine Gardinen dran waren, der Garten sah total verwildert aus. Da würde seine Familie noch ihre wahre Freude mit haben.
„Hallo. Komm rein“, sagte Jamie lächelnd.
„Hübsch habt ihrs hier“, sagte André grinsend. Drinnen sah alles frisch renoviert aus, aber dennoch wirkte es warm und war auch elegant eingerichtet, fehlten eben nur die Gardinen.
„Ich weiß. Unser Garten muss noch ran. Das wird nächstes Wochenende noch eine Tortur.“
„Soll ich helfen?“
„Du scherzt“, sagte Jamie ungläubig.
„Nein, dass war mein Ernst. Ich weiß wie anstrengend das ist und ich mache gerne solche Arbeiten. Ist mal was anderes, als ständig drinnen sauber zu machen oder Schularbeiten. Und da ich wenig Zeit für Sport habe, vergnüge ich mich dabei“, sagte André lächelnd.
„Du machst wenig Sport?“, fragte Jamie verwundert.
Hatte da jemand nur die Hälfte mit bekommen?
„Ja, hast du mir zugehört oder bei dem Teil meines Satzes abgebrochen?“, fragte André grinsend.
„Nein, nein. Ich habe zugehört, aber du siehst mir eher aus als wenn du recht gut mit Sport bei der Sache wärest.“
„Nein, das ist Veranlagung, bin ich auch ganz froh drüber, aber trotzdem wäre mir mehr Sport schon ganz recht, dann würde ich sofort wieder die Hausarbeit und den Garten fallen lassen würde“, sagte André lächelnd und sah hinter Jamie die Uhr. Schon viertel, langsam wird’s knapp.
„Jamie, du würdest mir einen riesen Gefallen tun, wenn du deine Jacke und Schuhe anziehst, dir deine Schlüssel nimmst und mitkommst“, sagte André verzweifelt.
„Warum?“
„Ich muss um halb vier noch beim Kindergarten sein, das hatte ich vorhin total vergessen.“
„Und ich soll wohl mit.“
„Ja. Bitte. Danach bin ich auch zur Hälfte für dich da.“
„Zur Hälfte?“
„Ja. Ich muss sie schließlich noch beschäftigen.“
„Wen?“
„Mein kleines Schwesterchen. Sie ist erst zwei und braucht viel Beschäftigung.“
„Och wie süß. Noch so klein?“, fragte Jamie und zog sich an.
„Ja. Du magst Kinder?“
„Richtig“, sagte Jamie lächelnd.
„Dann geh ich mal der Annahme, du willst später eigene.“
„Nein.“
„Was?“
„Erkläre ich ein anderes Mal nicht heute“, sagte Jamie lächelnd.
„Na gut“, sagte André nur gleichgültig und ging aus dem Haus.
Jamie schloss noch ab und folgte André zum Kindergarten.
„So kann ich gleich die Gegend etwas kennen lernen.“
„Ja. Genau“, meinte André grinsend und zeigte Jamie auf dem Weg zum Kindergarten noch einiges. Dort angekommen war es dann aber auch schon fünf nach halb. Er ging in den Gruppenraum seiner kleinen Schwester, die gleich auf ihn zu gerannt kam und ihm in die Arme lief.
„Oh hallo André, heute mit Begleitung? Hast du Angst das die Kleinen dich sonst wieder überfallen?“, fragte die Erzieherin.
„Das tun sie auch so“, meinte André verzweifelt, als ihn zwei der Kleinen am Pullover festhielten.
„Spielst du noch mit uns, André?“, fragte ein kleiner Junge und sah ihn fragend an.
André sah kurz zu Jamie und dieser lächelte leicht und nickte.
„Dann müsst ihr Jamie aber auch erst fragen, sonst ist er beleidigt“, sagte André und sah den Kleinen lächelnd an.
„Hey vergiss mich nicht“, meldete sich seine kleine Schwester.
„Keine Angst Lissi, dich kann man nicht vergessen. Bei so einem Wirbelwind fragt man sich eher wo er ist, wenn er nicht da ist“, sagte André und grinste seine Schwester an.
Auch Jamie war in die Hocke gegangen und beschäftigte sich mit ein paar von den Kindern, die ihn zum Spielen aufgefordert hatten. André beobachtete ihn dabei etwas. Jamie konnte gut mit Kindern umgehen und würde später sicher auch einen guten Papa abgeben, also warum wollte er keine Kinder.
Nach und nach wurden die Kleinen von ihren Eltern abgeholt, bis nur noch zwei da waren.
„Sollen wir die beiden nach Hause bringen. Die Eltern würden sich sicher freuen. Sonst sind die zwei noch so lange hier“, fragte André und nahm Lissi auf den Arm.
„Klar, ich rufe dann kurz bei den Eltern an.“
Die Erzieherin ging zum Telefon und kam nach einigen Minuten zurück.
„Okay. Alles klar. Die Eltern freuen sich. Frau Schmidt ist richtig froh, das sie nicht noch mal raus muss, sie hat wieder soviel Arbeit mit nach Hause nehmen müssen.“
„Gut, dann kommt mal ihr zwei, oder wollt ihr gar nicht zu eurer Mama?“, fragte André die Kleinen.
„Doch“, kam es im Einklang.
André grinste leicht und nahm auch noch den kleinen Richi auf den Arm. Jamie nahm Olli. Als sie Olli nach Hause gebracht hatte, gingen sie noch zu Frau Schmidt um auch Richi nach Hause zu bringen.
„Oh. Hallo André. Das ist lieb das du mir den kleinen nach Hause bringst. Ich hatte wirklich so viel zu tun, sonst hätte ich ihn längst abgeholt“, sagte Frau Schmidt dankbar.
„Keine Ursache. Wenn ich schon mal da bin. Aber jetzt muss ich Lissi auch nach Hause bringen, damit sie den Sandmann nicht verpasst“, sagte André grinsend.
„Okay. Danke noch mal. Und bei Gelegenheit, kannst du mir ja mal deinen Freund vorstellen, aber jetzt muss ich weiter machen.“
„Geht klar“, sagte André und verabschiedete sich.
„Das machst du also am Nachmittag, weshalb deine Zeit für Sport begrenzt ist, hm?“, fragte Jamie lächelnd.
„Ja, aber irgendwie ist das auch Sport. Die Kleinen sind manchmal echt anstrengend, aber es macht Spaß.“
„Das merkt man“, sagte Jamie leise. Er hatte Lissi auf dem Arm, die ein wenig eingeschlafen war.
„Ein Kind steht dir gut“, sagte André grinsend.
„Danke.“
„Noch mal auf vorhin zurück. Wieso willst du keine Kinder, wenn du sie doch so gern hast. Und vorhin hat man auch gesehen, das du gut mit Kindern klar kommst“, sagte André verwirrt.
„Hast du es noch nicht gemerkt?“, fragte Jamie lächelnd. André wurde immer verwirrter. Jamie schien dies zu bemerken und sah kurz nach unten. „Also nicht“, sagte er kurz.
„Nein“, meinte André leise.
„Weswegen ich keine Kinder will ist eigentlich ein simpler Grund. Ich würde schon Kinder wollen, aber ohne die dazugehörige Frau und Mutter“, sagte Jamie und sah Lissi an.
André blieb erstarrt stehen und vergaß sogar kurz zu atmen.
„Hey, wenn du mir nicht umkippen willst, solltest du schleunigst wieder das Atmen anfangen, oder hast du vergessen wie das geht?“, fragte Jamie besorgt.
André schüttelte mit dem Kopf und atmete einmal tief durch.
„Geht’s wieder? Ich wollte dich wirklich nicht so sehr schocken, aber du hast gefragt“, sagte Jamie leise, als André sich langsam wieder in Bewegung setzte.
„Tut… mir leid. Das kam etwas plötzlich. Ich war nicht darauf gefasst, dachte jetzt kommt so was wie, ich bin nicht in der Lage Kinder zu zeugen, oder ich will keine, damit ich meine Berufskarriere durchziehen kann“, sagte André stockend.
„Nein. Das wäre für mich nie ein Grund um keine Kinder zu haben. Aber ich kann mit Frauen nun mal nichts anfangen und sie interessieren mich auch nicht sonderlich, als Freunde okay, aber in einer Beziehung will ich keine Frau“, erklärte Jamie leise. Vor Andrés Haustür nahm André ihm Lissi ab und schloss auf.
„Willst du noch mit rein kommen, ich hatte ja nun praktisch den ganzen Tag überhaupt keine Zeit für dich.“
„Ja, einen Moment habe ich schon noch Zeit“, sagte Jamie lächelnd und folgte André ins Haus.
André gab seiner kleinen Schwester noch etwas zu essen und setzte sie später in die Badewanne. Jamie beobachtete ihn dabei und mit jedem kleinen Teil, den er mehr über André wusste, wuchs sein Interesse. André erzählte die während er Lissi badete ein wenig über sich und stellte auch Jamie ein paar Fragen.
„Warum seid ihr hergezogen?“, fragte André ihn.
„Weil mein Vater eine neue Arbeitsstelle hat und von hier dichter dran ist. Außerdem wollten meine Eltern schon lange in ein eigenes Haus ziehen und dies bot die beste Möglichkeit.“
„Aber ich muss dich vorwarnen. Die Parallelklasse ist noch um einiges verrückter, als unsere.“
„Da kann man sich ja auf einiges freuen.“
„Ja. Aber sei unbesorgt. Wenn es dir zuviel wird. Lucas und ich stehen dir gern zur Seite“, sagte André grinsend.
„Danke. Sag mal, diese Sache heute Morgen. Macht ihr das öfter?“
„Kann vorkommen. Wir kennen uns schon acht Jahre und er hat von uns beiden als erster erkannt, das er doch eher auf Jungs steht. Na ja, einige Zeit später hat er mit diesem Spiel angefangen. Wir spielen eine ernste Situation um andere etwas zu verwirren, und wer als erstes lacht, muss dem anderen etwas geben. Erst waren es Kleinigkeiten. Was weiß ich. Essen kochen oder so. Bis er mich einmal aus Freude einfach geküsst hat. Er hatte ein Spiel gewonnen beim Fußball und war danach zu mir gekommen um es gleich zu erzählen. Und als er seine Freude nicht mehr halten konnte, hat er mich geküsst. Und dabei war es nicht nur ein normaler Kuss. Ich fühlte mich anfangs etwas überrumpelt, aber ich habe ihm nachgegeben, weil es mir gefiel. Er hat es gemerkt und sich nach einer Weile wieder von mir gelöst. Dabei grinste er verlegen. Er konnte ja nicht ahnen dass ich so reagieren würde. Er wollte es eigentlich nur aus Spaß machen, nur ist dabei kein Spaß geblieben. Ich hatte es vorher schon manchmal bemerkt, aber erst da wurde mir klar, das ich schwul bin und dabei ist es bis heute auch geblieben.“
„Wart ihr zusammen?“
„Nein. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht dazu bereit und wir fanden es besser es zu lassen, weil wir beide Angst hatten das unsere Freundschaft darunter leidet. Außerdem hat es nie wirklich gefunkt. Es war nur ein Kuss, wenn auch ein etwas heftiger. Seitdem ist mein Spieleinsatz ein Kuss für ihn.“
„Und was bekommst du, wenn er verliert?“
„Sein Spezialgericht. Er kocht für sein Leben gern, aber er hat nur ein Rezept welches von seiner eigenen Hand ist und das variiert er und bisher durfte nur ich es essen. Er sagt, das er es mal seinem Freund kochen will“, sagte André lächelnd.
„Ach so. Deine kleine Schwester dürfte schon recht müde sein.“
„Ich merke das schon. Ich glaube heute schläft sie noch während des Sandmanns ein“, sagte André lächelnd und nahm sie aus der Wanne. Er trocknete sie ab und zog ihr etwas an. Dann gingen sie ins Wohnzimmer und schalteten den Fernseher ein. Jamie saß mit Lissi schon vor auf der Couch und Lissi fragte ihn aus, ob er auch Sandmann guckt. Da Jamie die alten Folgen ebenfalls kannte, konnte er ihr davon erzählen. André setzte sich zu ihnen und rutschte etwas runter um bequemer sitzen zu können. Lissi sah gespannt die Geschichte des Sandmanns an. André fielen nach und nach die Augen zu und er schlief etwas ein. Jamie bemerkte dies recht schnell und ließ ihn schlafen. Als der Sandmann zu Ende war, brachte er Lissi ins Bett und wartete bis sie schlief. Dann ging zurück ins Wohnzimmer und setzte sich wieder neben André. Er strich ihm die Strähnen aus dem Gesicht und weckte ihn damit sanft.
„Wer wollte während des Sandmanns einschlafen?“, fragte Jamie grinsend.
„Wo ist Lissi?“
„Im Bett. Sie schläft. Aber sie hat den Sandmann durchgehalten. War wohl etwas viel für dich heute, hm?“
„Das müsste ich dich eigentlich fragen.“
„Tja. Ich bin aber nicht eingeschlafen, das bist du“, sagte Jamie lächelnd, als André sich setzte. „Ich muss auch nach Hause und du solltest auch ins Bett.“
„Klar. Aber ich bring dich noch ein Stück.“
„Kannst du machen, aber warum, wenn du jetzt schon schläfst.“
„Weil ich noch zur Mülltonne muss. Flaschen wegbringen.“
„Ach so. Has du eigentlich keinen Dad?“
„Doch. Der kommt aber nur am Wochenende. Er arbeitet weiter weg.“
„oh. Auch nicht so toll, oder?“
„Och es geht. Ist Gewöhnungssache.“
„Na dann“, sagte Jamie lächelnd und stand auf. „Wir sehen uns ja morgen in der Schule.“
„Ja. Und vergiss nicht. Wir haben erst zur zweiten.“
„Geht klar. Also dann, bis morgen“, sagte Jamie und ging.
„Schlaf gut.“ André schmiss noch die Flaschen weg und ging nach Hause. Nach einer Dusche fiel er erschöpft ins Bett und schlief sofort ein.
„André, du kommst zu spät. Steh auf“, sagte Andrés Mutter am nächsten Morgen und versuchte ihn zu wecken.
„Bin ja schon wach“, meinte André verschlafen. Er sah auf den Wecker und bemerkte wie spät es schon war. Er sprang auf und zog sich schnell an. Dann ging er ins Bad und anschließend noch in die Küche, um etwas zu essen. Er schnappte sich seine Sachen und lief los. Die Stunde hatte schon begonnen, als er in der Schule ankam. Er klopfte kurz und ging in den Klassenraum. „Entschuldigung. Ich habe verschlafen“, sagte André und setzte sich.
„Das ist selten dass du zu spät kommst. Wirst du etwa krank?“, fragte Lucas besorgt.
„Nein. Ich hatte meinen Wecker nicht gestellt“, meinte André nur. Jamie sah ihn grinsend an, als André zu ihm sah.
„Der Sandmann hat wohl gute Arbeit geleistet“, meinte Jamie daraufhin.
„Ja. Scheint mir auch so.“ Lucas sah André fragend an. Doch dieser gab ihm ein Zeichen es später zu erklären. Nach der Stunde waren nur noch wenige im Raum und unterhielten sich
„Also? Was ist mit dem Sandmann?“, fragte Lucas.
„Ich bin gestern eingeschlafen, als mein Schwesterchen diesen eben genannten sich angesehen hat.“
„Und woher weißt du davon, Jamie?“
„Ich war bei ihm zu der Zeit“, sagte Jamie leise.
„Ich wollte ihm gestern eigentlich nur sagen was wir dieses Schuljahr bisher gemacht haben. Bis mir einfiel das ich Lissi abholen musste und da habe ich ihn mitgeschleift.“
„Und die Kleinen haben dich wieder überfallen.“
„Ja, aber nicht nur mich. Jamie war auch dran. Na ja und am Abend ist er eben noch mit zu mir gekommen, aber fiel mit erzählen war auch nicht.“
„Ach, also noch ein Kindernarr“, sagte Lucas grinsend. „Dann willst du sicher auch eigene.“
„Nein“, sagte Jamie und lächelte, als ihm Andrés Reaktion in den Sinn kam. Dieser schien den gleichen Gedanken zu haben und rutschte etwas unter den Tisch.
„Nein? Warum?“, fragte Lucas grinsend.
„Du fragst obwohl du es weißt“, meinte Jamie grinsend.
„Tja. Ich bin nur höflich. Ich will es von dir hören und nicht nur vermuten.“
„Na dann. Ich bin schwul“, sagte Jamie leise.
„Okay. Damit hätten wir das. Die Mädchen werden dieses Merkmal verfluchen, glaub mir.“
„So sehr stört mich das auch nicht“, meinte Jamie nur.
„Na wenn du meinst. André?“, fragte Lucas daraufhin und hielt ihn fest, als dieser fast mit seinem Stuhl umkippte. „Was sollte das werden?“
„Nichts“, sagte André verlegen.
„Du bist etwas blass, ist wirklich alles in Ordnung. Du bist schon die ganze Woche so matt.“
„Geht schon. Den einen Tag halte ich schon noch durch.“
„Besser du gehst nach Hause. Wir haben heute Sport.“
„Erst die letzten beiden Stunden, da kann ich immer noch gehen.“
„Na gut“, sagte Lucas misstrauisch. Jamie sah ihn besorgt an. In der Stunde schlief André fast wieder ein und bekam nur die Hälfte des Unterrichts mit. Bis ihn jemand antippte.
„Geh besser nach Hause. Du kriegst doch eh nichts mit“, sagte Jamie leise. André sah auf und ihm in die Augen. Er versank leicht darin und schüttelte dann den Kopf.
„Nein. Ich komme schon klar.“
„Sturkopf.“
„Ich weiß“, sagte André grinsend.
„André? Geht es ihnen nicht gut?“, fragte der Lehrer plötzlich. André erschrak etwas und sah nach vorn.
„Er ist heute nicht ganz auf dem Dampfer.“ Antwortete Lucas für ihn.
„Wenn es nicht mehr geht, bringt dich jemand nach Hause.“
„Okay“, sagte André und stützte seine Stirn auf die Arme. Nach der Stunde kam der Lehrer zu ihm.
„Du gehst besser nach Hause. Du siehst nicht gut aus. Heute passiert eh nichts Neues. Jamie bringt dich heim.“
„Warum nicht ich?“ beschwerte sich Lucas.
„Weil du den unterricht gut gebrauchen kannst. Also, geht das in Ordnung Jamie?“
„Ja“, meinte dieser und packte seine Sachen zusammen. André packte seinen Kram auch zusammen und stand auf. Dabei schwankte er kurz, fing sich aber schnell wieder.
„Ruh dich gut aus“, sagte Lucas besorgt.
„Ja. Bis dann“, sagte André und ging mit Jamie mit. Als sie bei André zuhause ankamen, ließ sich André auf sein Bett fallen. Er bemerke nicht das Jamie auf ihn zukam, erst als dieser seine Hand auf Andrés Stirn legte.
„Du hast Fieber“, sagte er nach einer Weile. André sah ihn verlegen an und setzte sich.
„Tut mir leid, das du jetzt mit musstest.“
„Schon okay. So bleibt mir der restliche Schultag erspart. Außerdem macht es mir nichts aus, mich um dich zu kümmern.“
„Ach wirklich?“, fragte André grinsend und stand auf. Er ging langsam in die Küche, wobei Jamie ihm folgte.
„Wirklich“, sagte Jamie nach einer Weile. André sah ihm in die Augen und bemerkte das leichte Lächeln. „Du bist süß, wenn du so verlegen bist.“
„Süß also“, sagte André grinsend. Er setzte sich, während der Wasserkocher, das Teewasser erwärmte.
„Ja. Geh ruhig schon in dein Zimmer. Ich bring dir den Tee mit. Nicht das du mir hier noch umkippst“, sagte Jamie besorgt, als André sich mit beiden Händen durchs Gesicht fuhr.
„Okay“, meinte André nur leise und stand auf. Er ging langsam in sein Zimmer, wenn auch auf wackligen Beinen und ließ sich ins Bett fallen. Er schloss die Augen und bemerkte nicht mehr, dass er einschlief. Jamie stellte den Tee auf den Kleinen Tischen und kniete sich neben das Bett. Er legte André richtig ins Bett und decke ihn zu. Dann legte er ihm einen feuchten Lappen auf die Stirn. André schlief die nächsten zwei Stunden und wachte auch nur auf, weil seine Mutter ins Zimmer kam.
„Oh. Du bist schon da? Was ist denn los?“
„Ich habe mir wohl ne Grippe eingefangen“, sagte André leise und stützte sich auf die Ellenbogen.
„Na dann ruh dich aus. Das du mir nicht noch was Ernsteres kriegst. Und wer ist dein Freund?“, fragte sie lächelnd.
„Mum? Die Betonung kannst du weg lassen. Er ist neu in unsere Klasse gekommen und heißt Jamie“, sagte André verlegen und sah zu Jamie.
„Hallo. Ich wurde beauftragt ihren Sohn heil nach Hause zu bringen“, sagte Jamie lächelnd.
„Das war lieb von dir. Es würde mir auch ganz recht sein. Wenn du noch etwas bleibst. Ich muss nämlich Lissi abholen.“
„Geht klar“, sagte Jamie und setzte sich wieder neben das Bett.
„Also dann? Ich denke ich fahr gleich noch einkaufen. Bin so gegen acht wieder hier.“
„Klar“, sagte André leise und ließ sich zurück sinken. Seine Mutter ging und damit waren sie allein. „Stört es dich, wenn ich dich kurz allein lasse?“
„Nein. Aber sagst du mir wo du hin willst?“
„Duschen“, sagte André grinsend. „Willst du vielleicht mitkommen?“
„Verlockendes Angebot, aber ich denke, dann würde ich mich sicherlich bei dir anstecken.“
„Hast du sicher schon.“
„Ich hoffe nicht. Wie sieht das denn aus? Dann denken die noch wir hätten ein Verhältnis“, sagte Jamie grinsend.
„Du kannst das Spiel noch nicht gut genug“, sagte André grinsend. „Machst du essen?“, fragte er dann lächelnd.
„Ich kann aber bestimmt nicht so gut kochen wie Lucas.“
„Macht nichts. Such dir was du brauchst.“
„Okay.“ André suchte sich noch alles zusammen und verschwand im Badezimmer. Jamie grinste leicht und ging in die Küche. Er suchte sich einiges zusammen und fing an.
„Singen kannst du also auch?“, fragte André leise und lächelte, als er in die Küche kam. Jamie hatte das Radio eingeschaltet und mitgesungen. Er sah André verlegen an.
„Nur wenn ich in der Küche bin“, sagte Jamie erklärend.
„Na gut. Dann eben nur hier. Was machst du denn zu essen?“
„Etwas, was mir meine Mutter immer macht, wenn ich krank bin.“
„Und das wäre?“, fragte André leise und stellte sich neben Jamie, um in den Topf sehen zu können.
„Ein altes Rezept meiner Familie. Eigentlich wie eine Hühnersuppe nur etwas nahrhafter und es schmeckt besser.“ Erklärte Jamie.
„Richt nach Provencekräutern.“
„Sind auch drin“, sagte Jamie grinsend.
„Dachte ich mir fast, du Witzbold.“
„Du zitterst etwas.“
„Ich weiß. Mir ist auch kalt.“
„Dann wird’s Zeit das du was isst.“
„Ich hol nur zwei Teller.“
„Stehen die nicht hier irgendwo?“
„Nein. War kein Platz mehr, stehen im Flur.“
„Ach so. Aber kipp nicht um.“
„Keine Bange“, sagte André und holte wie angedroht die Teller. Als er zurück war, hatte Jamie das Essen auch fertig und füllte es auf die Teller, die eher Schüsseln glichen, da sie mehr tief als breit waren. „Wir können in meinem Zimmer essen.“
„Okay. Aber einen Löffel brauchst du trotzdem, denke ich.“
„Denke ich auch. Die zweit Schublade neben dir“, sagte André grinsend und ging schon vor. Er setzte sich vorsichtig auf sein Bett und gab Jamie eine der Schüsseln, als dieser sich neben ihn setzte. Daraufhin schaltete André den Fernseher ein. Als er seine Schüssel leer hatte, stellte er sie auf den Fußboden, ebenso Jamie.
„Na ist dir wärmer?“
„Noch nicht sonderlich“, sagte André leise. Er sah zum Fernseher und sah aus dem Augenwinkel heraus, was Jamie machte. Dieser zog sich die Decke über die Schultern und rückte näher an André heran, um ihn damit auch in die Decke einzuschließen.
„Man du zitterst wirklich noch sehr heftig“, sagte Jamie besorgt.
„Ich weiß. Aber ich garantiere für nichts, wenn ich einschlafe“, sagte André und sah Jamie grinsend an.
„Also auf eigene Gefahr.“
„Ja.“
„Na dann muss ich wohl vorsichtig sein, falls du wirklich einschlafen solltest“, sagte Jamie lächelnd. André sah ihm dabei in die Augen und versank darin. Er drehte sich schnell wieder um und sah zu Fernseher, lehnte sich aber dennoch mit seinem Rücken an Jamies Brust. „Hey? Alles in Ordnung?“
„Ich sagte doch ich garantiere für nichts“, sagte André leise.
„Ach so?“ Jamie glitt mit seiner Hand um Andrés Hüfte und unter dessen T-Shirt.
„Jamie?“
„Hm?“
„Was machst du da?“, fragte André verwirrt. „Ich meine, nicht das mir nicht gefallen würde, aber du verwirrst mich ein wenig.“
„Dann klappt’s ja“, sagte Jamie grinsend und schob Andrés T-Shirt hoch und zog es ihm aus. „Ich denke nur, so wird dir auch nicht wärmer, also mache ich dir warme Gedanken“, sagte Jamie grinsend.
„Ach, hast du das vor, ja?“
„Nein. Aber ohne T-Shirts kann ich dich eher wärmen“, meinte Jamie daraufhin sanft und zog sein eigenes aus, ehe er André wieder in den Arm nahm. Dieser lehnte sich wieder an und schlief auch nach einiger Zeit ein. Jamie legte ihn hin und sich daneben. Er nahm André in den Arm und hielt ihn fest.
„Jamie?“, fragte André nach einer Weile.
„Was denn?“
„Ich glaube, wenn du mich nicht ganz so an dich drückst, wäre es bequemer“, sagte André und lächelte Jamie an.
„Entschuldige. Aber wenn ich dich jetzt loslasse, fällst du aus dem Bett. Du schläfst nämlich sehr unruhig“, meinte Jamie leise und grinste.
„Das ist mein Normalzustand im Schlaf. Ich liege morgens auch meistens unten.“
„Warum hast du dann ein Bett?“
„Weiß ich auch nicht“, sagte André und legte seine Hand auf Jamies Brust. Dann schloss er wieder seine Augen und träumte etwas vor sich hin.
„Dir scheint ja zumindest nicht mehr kalt zu sein“, sagte Jamie grinsend, als er spürte wie Andrés Hand über seine Brust glitt.
„Ich sagte doch du liegst auf eigene Gefahr hier.“
„Ich weiß. Dein Fieber ist auch wieder runter. Ich denke mal du brauchst nur etwas Erholung“, sagte Jamie leise und strich André durchs Haar.
„Kannst du trotzdem so liegen bleiben?“, fragte André verlegen.
„Ja. Ich habe vorhin schon Zuhause angerufen und gesagt, das ich heute wahrscheinlich wegbleibe.“
„Ach hast du vorhergesehen, das ich dich frage?“
„Nein. Ich wäre auch anders nicht gegangen, weil ich dich mit Fieber nicht allein gelassen hätte. Da hätte ich eh nicht schlafen können, weil ich mir Sorgen gemacht hätte.“
„Du kennst mich doch kaum.“
„Und? Ist das ein Grund?“
„Nein. Aber ich bin gerade zu gedankenverloren, um einen logischen Gedanken zu fassen zu bekommen.“
„Was hat dich denn deiner Gedanken beraubt?“
„Dein Geruch.“
„So schlimm?“, fragte Jamie grinsend.
„Nein. Du riechst gut. Irgendwie süß.“
„Vanille“, sagte Jamie lächelnd. „Ist in meinem Duschbad drin.“
„Mein Lieblingsduft.“
„Habe ich schon gemerkt.“
„Woran?“
„Du hast Vanillekerzen stehen.“
„Hätte ja sein können, das ich keine anderen habe.“
„Deshalb riechen auch deine Sachen danach“, sagte Jamie grinsend.
„Erwischt“, sagte André lächelnd und sah Jamie an. „Woher weißt du wie meine Sachen riechen?“
„Weil ich dir vorhin dein T-Shirt ausgezogen habe und außerdem ist mir der Geruch schon in der Schule heute und gestern Nachmittag aufgefallen“, sagte Jamie lächelnd.
„Worauf hast du denn noch alles geachtete?“
„Dein Umgang mit Kindern. Du warst ganz anders als am Vormittag in der Schule. Kinder merken wenn was nicht stimmt und so wie sie auf dich zugelaufen kamen, haben sie dich wohl sehr vermisst.“
„Da muss ich ja aufpassen was ich mache, wenn du alles dokumentierst“, sagte André grinsend.
„Nein. Das musst du nicht. Ich sehe dir nur gerne zu.“ Gestand Jamie leise.
„Das heißt wohl, du hast mich eben auch beobachtetet als ich geschlafen habe?“
„Nein. Da waren Nachrichten im Fernsehen. Ich habe dich doch dafür die ganze Zeit im Arm halten können.“
„Langsam wird das kein Spiel mehr“, sagte André verlegen.
2. Kapitel
„Wer sagt das es eines ist“, meinte Jamie unsicher. André setzte sich auf und sah ihm in die Augen.
„Ich habe wohl doch gewonnen“, sagte André grinsend.
„Wie meinst du das?“
„Das war nicht nur ein Spiel gestern, zwischen Lucas und mir. Er hat mich ausgehorcht und ich habe das Gefühl er hat absichtlich keine weiteren Versuche gemacht.“
„Versuche an mich ranzukommen?“
„Ja. Sonst ist er davon nie abzubringen. Alle die er neu sieht, werden erst mal angegraben.“
„Da schein ich ja Glück gehabt zu haben“, sagte Jamie grinsend und zog André wieder zu sich runter.
„Nein, hast du nicht, denn jetzt hast du mich an den Hacken“, sagte André grinsend.
„Das will ich doch wohl hoffen“, sagte Jamie grinsend und strich André eine Strähne aus dem Gesicht, ehe er sich ihm näherte und sanft küsste. „Da war doch Vanille im Tee, oder irre ich mich.“
„Nein. Tust du nicht. Ist Vanille-Kirsch Tee“, sagte André lächelnd.
„Na dann beschwer dich nicht, wenn ich dich nicht mehr loslasse.“
„Keine Angst. Solche Beschwerden wirst du nicht von mir hören“, sagte André lächelnd und küsste Jamie ein weiteres Mal. „Du bleibst also?“
„Ja. Ich lass dich jetzt nicht allein, nachher kippst du mir doch noch um“, sagte Jamie leise und strich André durchs Haar.
„Dann könntest du aber wenigstens deine Jeans ausziehen“, sagte André grinsend.
„Ach und warum?“
„Erstens wäre es sonst unfähr mir gegenüber, da ich auch nur Boxershorts anhabe und zweitens fühlt sich das seltsam an, als wenn es nicht Nacht, sondern Nachmittag ist und dann kann ich nicht schlafen.“
„Na gut. Dann lass mich kurz aufstehen“, sagte Jamie leise und lächelte. André wickelte sich aus der Decke aus und machte sein Bett, während Jamie seine Hose auszog. Die Decke in die die beiden sich gerollt hatten, legte André auf die eigentliche Decke drauf, damit es noch etwas wärmer war, da André noch immer nicht wirklich warm war. Dann legte er sich ins Beet und sah Jamie zu, der den Fernseher ausschaltete und die drei Teelichter auspustete, ehe er zu ihm ins Bett ging. André legte sich diesmal auf die Seite, auf der die Wand war und drehte sich zur Seite um. „Besser?“
„Ja“, sagte André und kuschelte sich in Jamies Arme. Kurz darauf war er eingeschlafen. Jamie nahm ihn sanft in den Arm und schlief auch ein.
„André, du hast Besuch.“ Rief seine Mutter nach oben. Es war erst 11 Uhr und irgendwie konnte André nicht sagen, wer da jetzt zu ihm wollte und sagte gar nichts. Jamie war nach dem Frühstück nach Hause gegangen und wollte am Nachmittag noch Mal vorbeikommen.
„Hey. Du reagierst also nicht auf die Worte deiner Mutter, hm?“, fragte Lucas und kam ins Zimmer.
„Ich war in Gedanken“, sagte André lächelnd. Er lag auf dem Bett und starrte in die Luft, das Buch welches er lesen wollte, lag auf seiner Brust.
„Weit bist du ja noch nicht gekommen“, sagte Lucas grinsend und deutete auf das Buch.
„War mit anderem beschäftigt. Du wusstest das, habe ich recht?“, fragte André grinsend.
„Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, sagte Lucas scheinheilig. Er wusste sehr wohl, was André meinte und fing auch an zu lachen, als André ihn musterte. „Natürlich wusste ich es. Sonst hätte ich schon sonst was angestellt, ihn rumzukriegen.“
„Du bist echt nicht ausgelastet. Wird Zeit das du einen Freund kriegst.“
„Ja, ja. Jetzt erzähl. Was habt ihr gestern gemacht?“
„Nicht viel. Ich habe die meiste Zeit geschlafen. Er hat Essen gekocht und weil mir kalt war hat er mich gewärmt.“
„Und sicherlich auch hier übernachtet“, sagte Lucas grinsend.
„Ja.“
„Und da lief nichts?“
„Nein. Ich wollte nur noch schlafen, weißt du wie Fieber einen schafft?“
„Ja. Die beste Methode jemanden Herz zu gewinnen, scheint mir. Muss ich auch mal ausprobieren.“
„Das habe ich wohl vorher schon geschafft. Er hat mich gestern Nachmittag genaustens beobachtet.“
„Das heißt, er hat deinen Lieblingsduft wohl auch herausgefunden.“
„Ja. Und wäre das noch nicht genug, riecht er auch noch nach Vanille“, sagte André leise und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht.
„Hey. Alles in Ordnung?“, fragte Lucas besorgt.
„Ja. Ich habe aber immer noch Fieber, das schlaucht etwas. Außerdem kann ich mich nicht auf mein Buch konzentrieren. Ich schweife immer wieder ab.“
„Jamie scheint dich ja gleich ganz eingenommen zu haben. Aber ihr passt zusammen. Aber falls was sein sollte, sagst du es mir, klar?“
„Ja. Kommst du her?“, fragte André leise und drehte sich zur Seite. Lucas legte sich neben ihn und sah ihm in die Augen.
„Du bist bis über beide Ohren in ihn verschossen, habe ich Recht?“
„Ja.“
„Kommt er heute noch mal her?“
„Heute Nachmittag. Er musste vorhin erst mal nach Hause, da er ja noch erklären muss, warum er die Nacht nicht zu Hause war. Und da seine Eltern wohl noch nichts wissen, wird das nicht einfach.“
„Ich bin froh es hinter mir zu haben, das Versteckspiel geht einem nur noch mehr auf die Nerven, je länger man wartet.“
„Mir brauchst du das nicht sagen, meine Mum weiß es und unsere Klasse und noch so einige andere“, sagte André lächelnd. „Ich schlaf noch Runde. Weckst du mich wenn er kommt.“
„Ich wecke dich nur, wenn er erscheint. Wenn er kommt bist du hoffentlich wach“, sagte Lucas grinsend.
„Blödmann“, sagte André nur flüsternd.
„André. Deine Mutter hat essen gemacht. Willst du nicht aufstehen?“
„Nein. Ich schlaf lieber noch.“
„Dann wirst du aber nicht gesund, also raus aus dem Bett.“
„Nein“, sagte André störrisch, ohne die Augen zu öffnen. Plötzlich spürte er, das ihn jemand küsste und machte nun doch erschrocken die Augen auf, als er Jamie sah vergas er zu atmen.
„Hey. Atmen musst du selbst“, sagte Jamie leise und küsste ihn erneut. André legte seine Arme um ihn und zog ihn näher an sich. Er erwiderte den Kuss leidenschaftlich und schloss seine Augen.
„Ich will nicht stören, aber das Essen wird kalt“, sagte Andrés Mutter verlegen. Lucas grinste nur und versuchte nicht gleich laut loszuprusten.
„Wir sind gleich da.“
„Beeilt euch.“
„Ja“, sagte André und ließ Jamie los. „Hör auf zu grinsen. Hättest ja mal was sagen können“, sagte André zu Lucas.
„Ich versuche seid einer viertel Stunde dich überhaupt wach zu kriegen und dann willst du von mir erarten, das ich es schaffe, euch beide zu trennen. Na du kommst auf Ideen.“
„Seid einer viertel Stunde?“
„Was meinst du, warum ich als einzige Möglichkeit, dich zu wecken nur noch die gesehen habe, dich zu küssen“, sagte Jamie lächelnd.
„So lass ich mich aber gern mal öfter wecken.“
„Jetzt aber raus aus dem Bett, damit du was in den Magen kriegst.“
„Na gut. Dann eben aufstehen“, sagte André leise und setzte sich um aus dem Bett zu klettern. Jamie nahm ihn kurz in den Arm und hielt ihn sanft fest. „Was denn?“, fragte André flüsternd.
„Nichts, aber seid letzte Nacht konnte ich dich noch nicht wieder im Arm halten“, sagte Jamie leise.
„Stimmt“, meinte André lächelnd und drehte sich um. Er küsste Jamie kurz auf die Lippen und nahm dann seine Hand, um mit ihm in die Küche zum essen zu gehen.
„Da bist ja. Dein Vater hat angerufen er kommt morgen Abend erst nach Hause. Sein Flug ist ausgefallen. Überleg dir was.“
„Ja. Ich weiß. Ich denke später drüber nach“, sagte André und sah nach unten. Lucas sah ihn wissend an und setzte sich an den Tisch. Jamie verstand nicht ganz worum es ging, aber er konnte es sich denken. Nach dem Essen gingen die drei wieder zurück ins Zimmer. André ließ sich ins Bett fallen und schloss die Augen.
„Was meinte deine Mutter vorhin?“, fragte Jamie nun vorsichtig, nachdem er sich neben André aufs Bett gesetzte hatte. André setzte sich hin und lehnte sich an die Wand.
„Er hat es seinem Vater noch nicht gesagt, aber wenn du nun öfter hier bist, bleibt es unvermeidbar, das er es herausfindet.“
„Ich kann mich auch zurück halten.“
„Das ist es gar nicht. Es reicht ein falscher Blick zu André im falschen Moment und ihr seid beide entlarvt. Das ist nicht böse gemeint. Ihr seid ein süßes Paar, aber es ist nun mal offensichtlich, wenn man euch sieht“, sagte Lucas besorgt. André hatte sich in Jamies Arme gelegt und die Augen geschlossen. Ihm fiel nichts anderes ein, als es seinem Vater vorsichtig zu sagen. Er war nicht der Typ Mensch der gleich ausrasten würde, aber sein Vater war auch nicht wirklich begeistert von einer solchen Sache und dann auch noch sein eigener Sohn, das wäre hart und er würde es André auch spüren lassen, was er davon hält.
„Und wenn ich nicht herkommen, wenn dein Dad da, sondern du nur zu mir?“, fragte Jamie leise. Er spürte die Wärme von André durch sein T-Shirt hindurch und strich ihm über die Stirn. Das Fieber war wieder etwas gestiegen und als André Jamie ansah, waren seine Augen ein wenig glasig.
„Ich will aber eigentlich nicht mehr verstecken spielen. Er wird aber auch nicht besonders Heldenreif reagieren. Ich meine. Er ist nicht gegen Schwule, aber nur solange, wie er nichts damit zu tun hat. Und nun ja, ich bin sein Sohn und damit hat er sehr wohl zu tun, denke ich“, sagte André und lächelte leicht. „Gleich wieder da“, sagte er daraufhin und stand auf.
„Wo willst du hin?“, fragte Jamie misstrauisch.
„Mir ist schlecht“, sagte André leise und ging ins Bad. Jamie sah ihm besorgt nach und sah dann zu Lucas.
„Er ist immer gut mit seinem Vater klar gekommen, aber wie gesagt sein Vater hat seine Meinung und die zu ändern ist nicht einfach.“
„Ich würde ihm gerne helfen.“
„Ich weiß. Ich auch.“
„Ich sehe mal nach ihm.“
„Mach das. Ich sehe mal ob noch etwas von seinem Lieblingstee da ist.“
„Ist noch da. Ich habe ihm gestern welchen gemacht.“
„Scheint wohl auch deiner zu sein.“
„Ich mag alles was mit Vanille zu tun hat“, sagte Jamie grinsend.
„Kein wunder das du dich verliebt hast.“
„Ich weiß“, meinte Jamie sanft und ging zu André ins Bad. „Hey? Geht’s?“
„Na ja. Ich glaube ich muss heute etwas aufpassen was ich esse“, sagte André leise und spülte sich den Mund aus.
„Lucas macht dir Tee. Vielleicht geht’s dir danach wieder etwas besser. Du solltest dich auch etwas ausruhen.“
„Ich weiß. Aber nur wenn du hier bleibst.“
„Ich muss leider heute Abend nach Hause. Ich muss morgen immerhin zur Schule und für dich mitlernen.“
„Stimmt ja. Ist ja schon wieder Sonntag heute.“
„Ja. Mein Kleiner. Na komm. Ins Bett mit dir.“
„Jep“, sagte André und ging in sein Zimmer zurück. Jamie legte sich neben ihn ins Bett und nahm ihn den Arm. Lucas stellte den Tee auf den kleinen Schrank neben dem Bett und setzte sich wieder auf den Stuhl.
„Geht’s dir wieder besser?“, fragte er dann besorgt und sah André an.
„Ja. Aber ich habe immer noch keine Lösung.“
„Ich weiß. Soll ich dir vielleicht beistehen, wenn du es ihm sagst?“
„Nein. Ich denke da muss ich allein“, sagte André leise und schlief ein wenig ein. Jamie strich ihm leicht durchs Haar und zog die Decke über ihn.
„Ich muss nach Hause. Bleibst du noch?“
„Ja. Ich geh erst heute Abend. Ich hab es ihm versprochen.“
„okay. Dann sehen wir uns ja morgen in der Schule.“
„Jep.“ Lucas strich Andre noch einmal über die Stirn und ging dann. Jamie blieb noch eine Weile, ehe er vorsichtig aufstand, ohne Andre zu wecken. Er ging zu seinem Tisch und schrieb ihm einen Zettel. Diesen legte er neben das Bett und küsste Andre noch einmal sanft, ehe er ging.
„Andre? Hey. Wie geht’s dir heute Abend. Deine Mutter sagte schon dir geht’s nicht gut“, sagte Andres Dad, als Andre verschlafen ins Wohnzimmer kam. Er fühlte sich jetzt noch elender, als am Tag zuvor, außerdem fehlte ihm Jamie. Richtig, Jamie. Er musste da ja noch etwas klären.
„Dad? Kann ich mit dir reden?“
„Ja natürlich, komm her.“ Andre blieb jedoch dort stehen wo er war, um sich ein wenig sicherer zu fühlen. Die Nähe seines Vaters hätte ihn davon abgehalten es zu sagen.
„Ich weiß nicht recht, ob dir das gefallen wird, was ich dir jetzt sage, aber ich würde es nicht sagen, wenn es mir nicht wirklich wichtig wäre“, sagte Andre leise. Er spürte wie ihm seine Beine nachgaben. Sein Kopf tat ihm weh und er spürte das Fieber durch seinen Körper jagen, jetzt noch heftiger als zuvor. Aber er spürte auch die Last in sich, die er loswerden wollte.
„Was ist es denn, was dir so wichtig ist?“
„Dad, ich … bin schwul“, sagte Andre leise und sah seinem Dad in die Augen. Er konnte sehen, wie das Lächeln aus dessen Augen verschwand und versteinerte. Er spürte die Kälte durch den Raum jagen.
„Okay. Das war nicht ganz das, was ich dachte zuhören zu kriegen, aber gut. Ändern kann ich dies wahrscheinlich auch nicht“, sagte sein Dad, aber trotz der versöhnlichen Stimme, konnte Andre das verbitterte hören.
„Dad?“
„Nein. Geh lieber, sonst weiß ich nicht was ich als nächstes sage und ich würde dich damit auf Garantie verletzen.“ Andre kannte diesen Ton und zog sich zurück. Aber er wollte nicht in sein Zimmer. Er zog sich an und ging ein wenig raus. Als er die Tür öffnete empfing ihn an angenehm kalter Winter. Er zog die Jacke noch ein stück höher und lief ein paar Schritte, bis er Blicke spürte. Er sah sich vorsichtig auf und sein Blick fiel genau in Jamies Augen.
„Andre? Was machst du hier. Du solltest lieber im Bett bleiben“, sagte Jamie besorgt und nahm ihn in den Arm.
„Ich wollte mir nur ein wenig die Füße vertreten. Du warst heute noch gar nicht bei mir“, sagte Andre lächelnd.
„Ich wusste nicht, ob das ne gute Idee wäre, wegen deinem Dad.“
„Er weiß es seid ein paar Minuten“, sagte Andre leise und sah nach unten.
„Und wie hat er reagiert?“, fragte Jamie vorsichtig.
„So, wie er sonst reagiert, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Er hat mich weggeschickt, damit er mich mit seinen Worten nicht verletzt“, sagte Andre noch immer leise und legte sich eine Hand auf die Stirn. Ihm war trotz der Kälte verdammt heiß, und er wollte nichts lieber als schlafen.
„Na komm ich bring dich ins Bett. Du brichst mir hier noch zusammen.“ Jamie brachte ihn zurück und ging auch noch mit ins Zimmer. Als Andre sich wieder ins bett gelegt hatte, setzte Jamie sich neben ihn und strich ihm über die Stirn. „Schlaf noch“, sagte Jamie sanft und küsste ihn kurz auf die Lippen. Andre schlief tatsächlich ein und ergriff dabei Jamies Hand.
„Wie geht’s ihm?“, fragte plötzlich Andres Dad.“ Jamie erschrak etwas, hatte sich aber schnell gefangen.
„Nicht so gut“, meinte Jamie leise und sah Andres Dad prüfend an.
„Ich bin nicht wütend, nur verwirrt. Ich will nichts ändern, da ich weiß wann ich dies kann und wann nicht, und hier kann ich nichts ändern. Aber gebt mir ein bisschen Zeit mich daran zu gewöhnen, okay?“
„Ja.“
„Ach so. Wenn ich das richtig verstanden, habe, muss ich dich wohl im Augen behalten“, sagte Andres Dad nun grinsend.
„Warum?“
„Na falls du ihm irgendwie wehtun solltest, kriegst du es mit mir zu tun.“
„Da müssen sie warten bis Lucas mit mir fertig ist. Aber ehrlich. Ich will ihm nicht wehtun.“
„Das will ich auch hoffen.“
„Kann Jamie heute nicht hier bleiben?“, fragte Andre leise und machte die Augen auf.
„Wenn ihr nichts anstellt.“
„Ich denke dazu bin ich nicht in der Lage.“
„Na gut. Aber denk dran. Jamie muss Morgen zur Schule.“
„Ja.“ Als Andres Dad weg war, sah Jamie ihn an. Andres Augen waren etwas glasig, aber immer noch strahlten sie. „Was denn?“, fragte Andre leise und lächelte.
„Nichts. Ich musste nur gerade feststellen das ich deine Augen faszinierend finde.“
„Ach so?“
„Ja“, meinte Jamie leise und strich ihm durchs Haar. „Schlaf weiter. Damit du mir schnell wieder gesund wirst.“
„Okay. Aber geh nicht weg.“
„Nein. Ich lass dich nicht allein.“ Daraufhin schlief Andre wieder ein. Jamie hielt seine Hand fest und beobachtete ihn eine Weile, ehe er aufstand und in die Küche ging.
„Hey. Was ist denn?“, fragte Andres Dad.
„Ich wollte ihm einen Tee machen.“
„Du weißt ja sicher wo alles ist, oder?“
„Ja. Müsste seine Mutter nicht auch bald hier sein. Ich meine ich habe Lissi noch gar nicht gehört.“
„Die kommen heute später, Lissi ist auf einem Kindergeburtstag. Eigentlich wollte Andre mitgehen, aber der sollte das Bett lieber hüten.“
„Ach so“, meinte Jamie und machte den Tee. Er war noch gar nicht richtig im Zimmer, als Andre sich nach ihm umdrehte. „Ich habe deinen Lieblingstee gemacht“, sagte Jamie lächelnd.
„Riech ich schon.“
„Ach ja?“
„Ja. Vanille riech ich überall heraus“, meinte Andre und setzte sich auf. Jamie setzte sich neben ihn und gab ihm die Tasse. „Wie spät ist es?“
„Sieben Uhr. Warum?“
„Dann müsste Lissi bald kommen.“
„Ich denk die ist zum Geburtstag.“
„Und?“
„Na ist der nicht immer bis acht oder neun?“
„Na ja. In unserem Alter schon, aber Lissi ist erst zwei“, sagte Andre grinsend.
„Stimmt auch wieder.“
„Ich geh mal eben duschen.“
„Klapp nicht ab.“
„Nein. Aber du kannst ja mitkommen, dann kannst du sicher gehen“, sagte Andre grinsend.
„Nein, lass mal. Deinen Dad wird das nicht begeistern.“
„Glaub ich auch. Du kannst ruhig den Fernseher anschalten“, sagte Andre, während er alles zusammensuchte.
„Ist gut“, meinte Jamie und blieb erst noch eine Weile sitzen, ehe er aufstand und den Fernseher anschaltete.
Andre stand der Weil unter der Dusche und ließ das heiße Wasser über seinen Körper laufen. Eine ganze Weile stand er nur so da, ehe er sich einseifte und dann das Wasser abdrehte. Er trocknete sich ab und zog sich seine Boxershorts an. Als er in sein Zimmer kam, saß Jamie auf seinem Bett und hatte die Augen etwas geschlossen. Der Fernseher lief und zeigte irgendeine Serie.
„Bin fertig.“ Hauchte Andre ihm ins Ohr, als Jamie nicht reagierte, als er sich neben ihn setzte. Jamie sah ihn erschrocken an und lächelte dann.
„Ich bin wohl etwas eingeschlafen.“
„Ja. Aber ich hätte mich an deiner Stelle hingelegt.“
„Kann ich ja immer noch“, meinte Jamie und küsste Andre, während er ihn nach unten drückte und sich über ihn beugte. „Du schmeckst gut“, sagte Jamie grinsend.
„Ich weiß. Aber ich scheine noch etwas anderes bei dir bewirkt zu haben“, meinte Andre grinsend.
„Was meinst du?“, fragte Jamie leise und sah Andre verwirrt an.
„Na ja. Deine Hand scheint dann wohl ein Eigenleben zu führen, wenn du nicht weißt wohin sie unterwegs ist.“ Andres Grinsen wurde breiter. Erst jetzt bemerkte Jamie, das er mit seiner Hand über Andres Bauch geglitten war und mit seinen Fingerspitzen schon Andres Shorts berührte. Er zog verlegen seine Hand zurück und stützte sich neben Andre auf.
„Tut mir leid, aber ich kann dir wohl nicht widerstehen. Außerdem schmeckst du nicht nur gut, du riechst auch lecker.“
„Nach Hustensaft, ja“, sagte Andre lächelnd.
„Nein nach Vanille. Der Hustensaft stört mich nicht. Da kann ich mir meine Portion wenigstens auch gleich einverleiben, ohne selbst etwas nehmen zu müssen.“
„Auch ne Möglichkeit. Aber wenn du mehr willst, musst du warten bis ich wieder gesund bin. Ich bin gerade nicht in der Lage dazu mich verführen zu lassen.“
„Das hatte ich eigentlich auch nicht vor. Aber vielleicht würde es ja helfen, das du schneller gesunde wirst“, sagte Jamie lächelnd.
„Ja klar, und dann bist du krank, du Dummkopf“, meinte Andre lächelnd und zog Jamie an sich. „Aber wenn du hier liegen bleiben willst, ziehst du dich besser etwas aus. Denn wie du so schön gesagt hast, kannst du mich ohne T-Shirt besser wärmen“, sagte Andre lächelnd.
„Na, wer wird denn hier unanständige Gedanken hegen?“
„Tu ich doch gar nicht“, sagte Andre und lächelte scheinheilig.
„Ja, ja, mein kleiner Unschuldsengel“, sagte Jamie und stand kurz auf, um sich bis auf seine Shorts auszuziehen und den Fernseher auszumachen. Dann legte er sich neben Andre und küsste ihn noch eine Weile, bis sie einschliefen. Jamie wurde am morgen von Andres Mutter geweckt und sah sie verschlafen an.
„Du musst aufstehen. Immerhin musst du zur Schule.“
„Ich weiß, danke.“
„Schon gut“, meinte sie lächelnd und ging. Jamie sah zu Andre der noch tief schlief. Er stand vorsichtig auf und zog sich an. Als er fertig war, setzte er sich auf die Kante des Bettes und küsste Andre sanft auf Lippen.
„Wo willst du schon hin?“, fragte Andre leise und sah Jamie verwirrt an.
„Ich muss zur schule, kleiner. Schlaf ruhig weiter. Ich komm heute Nachmittag wieder her. Okay?“
„Ja. Sagst du Lucas das er wegen der Mannschaft sieht dass das Training nicht ausfällt. Er schludert immer wenn ich nicht da bin.“
„Mach ich“, sagte Jamie grinsend. „Na dann schlaf noch, und kurier doch schön aus, ja?“
„Mach ich. Bis heute Nachmittag.“ Daraufhin küsste Jamie ihn noch einmal und ging dann. Andre schlief wieder ein.
„Und wie geht es ihm?“, fragte Andres Mutter.
„Er ist noch etwas matt, aber ich denke es geht ihm bald besser. Ist sein Vater noch sehr wütend?“
„Nein. Er muss es nur verarbeiten, Andre hat ihn etwas überrumpelt, das wird schon, mach dir keine Sorgen. Er hat dich außerdem schon als Schwiegersohn akzeptiert, als er gesehen hat, wie du mit Lissi umgehst. Nicht jeder kann so gut mit Kindern umgehen“, sagte Andres Mutter lächelnd.
„Da hat aber noch jemand einen Narren an ihm gefressen“, sagte Andre plötzlich leise und grinste. Er stand in der Tür und hatte sich an den Rahmen gelehnt.
„Ich muss doch sehen, wo dein Schwesterchen bleibt, wenn du anderes im Kopf hast.“
„Ja, ja. So kann man das ja auch drehen.“
„Ja, Mann kann das, Frau nicht“, meinte sie grinsend. „Was willst du eigentlich schon hier?“
„Hab noch was vergessen.“
„Ach so?“ Jamie stand etwas verwirrt in der Küche und trank den Kaffee, den ihm Andres Mutter gegeben hatte. Als Andre auf ihn zukam, dachte er, das Andre an den Schrank hinter ihm ran will und wollte gerade einen Schritt zur Seite gehen, als Andre ihn am Pullover festhielt und an sich zog. Er küsste ihn leidenschaftlich und als er sich langsam von ihm löste, sah Jamie ihn etwas verlegen, aber auch verwirrt an.
„Jetzt kann ich wieder einschlafen“, sagte Andre und grinste ihn an.
„Na dann los, bevor du noch länger krank bist. Sonst muss ich wirklich aufpassen, nicht selbst krank zu werden“, sagte Jamie grinsend.
„Schon im Bett“, sagte Andre und verschwand wieder.
„Na wenn du ihn so im Griff hast, brauch ich mir ja keine Sorgen machen.“
„Nein. Ich pass schon auf ihn auf“, meinte Jamie nun grinsend. „Aber hätte er damit nicht warten können, bis ich im Flur bin.“
„Also ich habe nichts dagegen wenn ihr euch vor meinen Augen küsst, aber passt bei Lissi etwas auf. Und ich denke vor seinem Vater wäre ein solcher Kuss auch nicht angebracht, ein kurzer Kuss okay, aber lasst es nicht ausarten“, sagte Andres Mutter besorgt.
„Keine Sorge, das haben wir nicht vor.“
„Dann ist gut.“
„So ich muss los. Muss schließlich noch meine Sachen holen.“
„Okay. Dann mach das. Viel Spaß heute.“
„Ohne Andre etwas schwierig“, meinte Jamie grinsend.
„Mann. So war das nicht gemeint“, sagte Andres Mutter grinsend.
„Weiß ich doch. Also dann. Ich denke wir sehen uns heute ja auch noch.“
„Ja bestimmt.“ Und schon war Jamie weg.
„Na du kommst mit ihm ja gut klar.“
„Ja. Außerdem passt er doch gut zu André. Er ist sehr freundlich, lieb, ihm ist seine Situation bewusst und er passt auf Andre auf. Was willst du mehr. Ach so und er liebt ihn über alles.“
„Ich weiß, aber der Gedanke, dass mein Sohn einen Freund und keine Freundin hat, ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ich meine Enkelkinder seinerseits können wir dann wohl vergessen. Hoffentlich wird Lissi nicht lesbisch. Opa wollte ich schon noch werden“, meinte Andres Dad grinsend.
„Keine Angst das passiert schon nicht. Nun lass deinem Sohn seine Liebe und mach das du einkaufen kommst.
„Schon unterwegs.“
„Morgen Lucas. Liebe Grüße von Andre. Du sollst das Fußballtraining nicht ausfallen lassen“, sagte Jamie grinsend und setzte sich auf seinen ehemaligen Platz.
„Keine Bange, aber warst du denn so früh schon bei ihm?“
„Nicht schon, immer noch. Er hat mich ja nicht gehen lassen.“
„Ach? Und seine Eltern waren einverstanden, wobei ich seinen Vater mehr meine.“
„Er weiß es. Und er meinte nur, ich solle daran denken das ich zur Schule muss. Aber er sagte auch das er sich an den Gedanken erst gewöhnen muss.“
„Dann ging’s ja ganz glimpflich ab.“
„Ja. Außer das er danach etwas orientierungslos durch die Straße lief. Andre meine ich. Dadurch ist sein Fieber wieder gestiegen.“
„Man. Der Kerl passt wirklich zu wenig auf sich auf.“
„Das kann ich ja jetzt übernehmen“, meinte Jamie grinsend.
„Vor allem solltest du jetzt in deine Klasse gehen. Es klingelt gleich.“
„Schon weg. Bis später.“
„Jep.“
Als Jamie im Unterricht saß, konnte er sich nicht wirklich konzentrieren. Ihm ging Andre nicht aus dem Kopf. Er würde sich besser fühlen, wenn er wüsste das es Andre gut ginge und er in der Nachbarklasse saß und dem Unterricht folgte, aber dem war leider nicht so.
„Herr Hunter, wären Sie so freundlich meine Frage zu beantworten?“
„Welche war das denn?“, fragte Jamie erschrocken. Er hatte aus dem Fenster gesehen und durch seine Gedankenabwesenheit nicht mitbekommen, das der Lehrer etwas von ihm wollte.
„Ich weiß das Sie den ersten tag da sind, aber Sie könnten doch wenigstens so tun als wenn sie zuhören würden.“
„Entschuldigung. Ich bin heute nicht ganz da.“
„Das merke ich. Also, jemand anderes. Und Sie will ich nach der Stunde sehen Mister Hunter.“
„Okay.“ Jamie versank wieder in seinen Gedanken und als alle aus dem Raum waren, kam der Lehrer auf ihn zu.
„Also was ist los?“, fragte er als er vor Jamie stand.
„Ich fühl mich heute nicht so gut.“
„Und warum?“
„Weil es jemandem den ich sehr gern habe nicht gut geht und ich mir Sorgen mache.“
„Und dieser Jemand ist Ihre Freundin?“
„Nein“, sagte Jamie und grinste über die frage. „Nicht ganz so.“
„Und warum müssen sie da grinsen? Ist es ein Freund?“
„Ja. Das schon eher. Hören Sie ich würde gern heute nach Hause gehen, aber ich weiß das dies nicht geht, also quäl ich mich so durch. Es wäre nett von ihnen, wenn Sie nicht weiter nachfragen. Ich werde es eh nicht sagen. Also dann, ich will nicht unhöflich klingen, aber ich habe Hofpause.“
„Schon gut. Ich frag nicht weiter, aber Sie sollten wirklich dem unterricht folgen.“
„Ich weiß.“ Daraufhin ging Jamie nach unten. Auf dem Flur traf er Lucas und lief ihn fast um.
„Hey, nicht so stürmisch. Wohin willst du?“, fragte Lucas und grinste.
„Schon das dritte mal. Ich weiß nicht wohin ich will. Doch ich weiß wohin, aber da komme ich jetzt nicht hin“, sagte Jamie leise und grinste leicht.
„Andre geht’s gut. Er hat mich eben angerufen. Mann du Blödmann könntest ihm mal deine Handynummer geben.“
„Ach her je. Das hab ich ganz vergessen. Da sieht man mal wie sehr er mir im Kopf rumspuckt.“
„Tja. Ich hab sie ihm gegeben. Er will dich später anrufen. Er war eben beim Arzt und der sagt, in ein zwei Tagen kann er wieder zur Schule. Er soll aber bis dahin zuhause bleiben und sich nicht anstrengen, sonst könnte er zusammenbrechen. Er ist etwas schwach auf den Beinen.“
„Das hört sich aber doch schon besser an“, sagte Jamie erleichtert.
„Ich soll dich lieb grüßen und er schenkt dir nen Kuss. Du sollst ihn nicht vergessen heute Nachmittag.“
„Nein. Ich vergesse ihn sicher nicht.“
„Das habe ich ihm auch gesagt“, sagte Lucas grinsend und ging mit Jamie auf den Schulhof. „Wann hast du dich eigentlich in ihn verliebt?“
„Als ich ihn am Morgen auf der Treppe gesehen habe. Er hat ne Stufe vergessen, weil er wegen der Bücher auf dem Arm nichts sehen konnte. Ich habe ihn rechtzeitig aufgefangen und ihm dabei wohl etwas zu lange in die Augen gesehen. Jedenfalls bin ich darin versunken und als ich ihn dann in der Klasse gesehen habe, hat mein Herz wie wild geschlagen. Als ihr euch geküsst habt, war ich etwas gebremst, aber deine Anspielung kam auch zu schnell, sonst hätte ich ihn gleich gefragt.“
„Ach so? Dann muss ich an meiner Technik feilen.“
„Musst du.“
„Aber es stimmt er hat schöne Augen. Ich hatte mich auch eine Zeitlich in ihn verliebt, aber mir war unsere Freundschaft wichtiger, als ihn ganz zu haben. Außerdem weiß ich, das er sich nicht in mich verliebt hätte.“
„Warum?“
„Weil er zu dem Zeitpunkt viel zu verwirrt war und er einen Freund gesucht hat und niemanden mit dem er auf eine Beziehung eingehen konnte.“
„War er schon mal mit jemandem zusammen?“
„Na ja. Ob man das Beziehung nennen konnte weiß ich nicht. Er hatte mal etwas mit einem aus dieser Schule angefangen, aber richtig Liebe war es nicht. Er war neugierig, das war alles. Aber er hat es schnell sein lassen und es bis dahin gelassen halbherzige Beziehungen einzugehen. Dafür musste ich ihm alles erklären, aber es blieb beim erzählen. Wie gesagt, die Freundschaft war wichtiger.“
„Ach so.“
„Höre ich da Erleichterung?“
„Ja. Ich hatte nämlich noch keinen Freund.“
„Und du dachtest, das er dir voraus wäre und du ihm unterlegen wärest oder ihm nicht alles geben könntest?“
„Ja.“
„Dann sei beruhigt. Selbst wenn. Er würde dich nie wieder hergeben. Ich habe ihn noch nie so verträumt gesehen, wie wenn du in seiner Nähe bist. Er liebt dich, mach dir da mal keine Sorgen.“ In dem Moment klingelte Jamies Handy. Er sah auf das Display und lächelte sanft. Lucas konnte sich nun denken wer es war.
„Na? Was gibt’s?“
„Wollt nur mal testen, ob die Nummer stimmt“, sagte Andre.
„Ach so. Und wie geht’s dir?“
„Ganz gut. Besser würde es mir gehen wenn du hier wärest.“
„Liebend gern, ich kann mich hier eh nicht konzentrieren, aber leider muss ich ja hier bleiben.“
„Du Armer. Du sollst aber auf den unterricht achten und dir keine Sorgen um mich machen. Ich komm schon klar“, sagte Andre sanft.
„Ich weiß aber das lässt sich nicht abstellen. Was machst du gerade?“
„Ich liege im Bett und hör Musik.“
„Schalt mal dein Radio ein und stell auf 80,5.“
„Warum?“, fragte Andre, während er dies tat.
„Wirst schon sehen“, meinte Jamie nur grinsend und sah nach unten.
„Hab ich. Und nun?“
„Jetzt hörst du dir das an und wenn ich heute Nachmittag zu dir komme, will ich deine Meinung?“
„Jamie?“
„Hm?“
„Die kann ich dir jetzt schon geben.“
„Ach wirklich?“
„Ja.“
„Dann lass hören“, meinte Jamie lächelnd.
„Ich liebe dich.“
„Ich dich auch, aber ich meinte das Lied.“
„Ich auch.“ Daraufhin grinste Jamie leicht und schloss kurz die Augen. Er hörte im Hintergrund das Lied.
„Wie kannst du so schnell raus finden, was ich damit meine?“
„Na ja. Es hört sich verdammt danach an, das du mit deinen Gedanken gerade an etwas süßes denkst.“
„Ach so?“
„Ja. Ich muss Schluss machen. Mum hat essen fertig. Das Lied kannst du mir bei Gelegenheit persönlich vorsingen.“
„Mach ich. Bis heute Nachmittag.“
„Jap. Hab dich lieb.“ Und damit legte Andre auf.
„Hört sich echt nicht schlecht an“, meinte Lucas grinsend, der seinen Walkman angeschmissen hatte und sein Radio auf die Frequenz.
„Danke.“
„Woher kannst du so gut singen?“
„Liegt in der Familie.“
„Ach so. da kann man ja neidisch werden. Was sagt Andre?“
„Er will das ich es ihm persönlich vorsinge und jetzt erst mal etwas isst.“
„Ach so. Na dann kannst dich ja in Ruhe auf den Unterricht konzentrieren. Sag mal woher wusstest du, das das Lied gerade läuft?“ Jamie zog seinen Walkman aus der Tasche und zeigte ihn Lucas. „Kein wunder. Na gut. Wir sehen uns nächste Pause.“
„Jep. Bis dann.“
Andre setzte sich nach dem Essen wieder in sein Zimmer und schaltete das Radio ein. Er hatte das Lied auf Kassette aufgenommen und spielte es noch einmal ab. Er schlief dabei ein und träumte ein wenig von Jamie. Als er Vanille roch, machte er die Augen auf und sah sich Jamie über sich.
„Wirkt also doch besser, als ein Kuss“, sagte Jamie lächelnd und reichte ihm die Tasse Tee.
„Na? Schon hier?“, fragte Andre leise und küsste Jamie leicht. Dieser legte seine Hand in Andres Nacken und spielte mit dessen Haarsträhnen.
„Ich war nur kurz zu Hause. Hausaufgaben mach ich später“, sagte Jamie lächelnd.
„Ach, hast du es ohne mich nicht ausgehalten?“
„Genau.“
„Ich komm nächste Woche wieder zur Schule.“
„Das freut mich.“
„Das Lied heute Nachmittag. Wann hast du das aufgenommen?“
„Vor einer Woche ungefähr. Als ich das erste Mal gesehen habe.“
„Deine Band ist hier?“
„Nein. Die sind in der nächst größeren Stadt. Ich habe schon oft einfach so ein Tape geschickt und sie haben die Musik dazu aufgenommen. Unser Manager hat Leute fürs Zusammenschneiden.“
„Ach so. Also höre ich demnächst öfter mal ein Lied von dir?“
„Ja. Wenn du auf diesem Sender bleibst. Ist der einzige der unsere Lieder spielt.“
„Na dann lass ich ihn an“, sagte Andre leise und trank einen Schluck Tee. „Machst du den Fernseher etwas an?“
„Ja. Was willst du denn sehen?“
„Ich weiß ja nicht was läuft“, meinte Andre grinsend.
„Schon klar. Ich schalt mal durch.“ Als Jamie etwas Vernünftiges gefunden hatte, setzte er sich hinter Andre und massierte ihm die Schultern etwas. „Du bist leicht verspannt.“
„Das ist die Erkältung. Aber mach ruhig weiter. Das tut gut“, meinte Andre leise und schloss die Augen.
„Andre? Hast du Hunger?“, fragte Andres Dad, während er ins Zimmer kam. „Oh, Stör ich?“, fragte er grinsend.
„Nein. Ich habe aber Hunger. Was soll’s denn geben?“, fragte Andre lächelnd.
„Nichts besonderes, aber das behältst du sicher im Magen“, sagte Andres Dad und ging in die Küche zurück.
„Ist dir immer noch schlecht?“
„Ja. Je nach dem was ich esse“, sagte Andre und sah Jamie an. „Keine Sorge, ich werde schon gesund“, sagte Andre sanft und küsste Jamie leidenschaftlich.
„Okay. Jetzt habe ich mich mit Sicherheit angesteckt“, sagte Jamie lächelnd.
„Ach quatsch. Das haut dich nicht so leicht um.“
„Ach wirklich?“
„Ja. Es sei denn du willst dich doch anstecken.“
„Nein, eigentlich nicht.“
„Wirklich?“
„Ja.“
„Sicher?“
„Hey. Na warte“, sagte Jamie grinsend und drückte Andre aufs Bett um ihn abkitzeln zu können. Andre versuchte Jamies Hände abzuwehren, aber langsam ließ seine Kraft nach und er konnte vor Lachen kaum noch atmen.
„Gnade, ich gebe mich geschlagen“, sagte Andre lachend und hielt die Hände hoch.“
„Gut ich lass dich gewähren.“
„Wie gütig“, sagte Andre schwer atmend und zog Jamie zu sich runter um ihn zu küssen. Als Andre hörte wie jemand die Treppen hochkam, ließ er Jamie los und setzte sich wieder hin.
„So ihr zwei. Esst erst mal. Ich will keine Klagen hören. Ich habe mir Mühe gegeben“, sagte Andres Dad und stellte ein Tablett auf den kleinen Tisch.
„Danke Dad“, sagte Andre lächelnd.
„Na dir scheint es ja wieder recht gut zu gehen. Oder sehe ich das falsch.“
„Nein ist auch so. Aber das liegt an Jamies Musik.“
„Ach, du machst Musik Jamie?“
„Ja. Schon einige Jahre. Aber es gibt nur einen Radiosender der unsere Lieder spielt.“
„Welcher?“
„Auf 80,5.“
„Hm. Den werde ich glaube ich mal einschalten. So nun esst aber.“
„Jep.“
„Ach Andre. Du sollst dich nachher etwas um Lissi kümmern. Mum und ich wollen noch schnell einkaufen fahren.“
„Oki.“
„Also dann. Ich schick Lissi nach zu dir.“ Und damit ging sein Vater wieder.
„Na dann haben wir ja nachher etwas zu tun.“
„Ach willst du mir helfen?“
„Ja. Denkst du ich lass dich mir ihr allein?“
„Danke. Du bist ein Schatz.“
„Weiß ich doch“, sagte Jamie und schob Andre ein Stück Brot in den Mund.
„Sag mal, willst du mich jetzt füttern?“
„Ja“, sagte Jamie grinsend.
„Ich kann aber allein essen.“
„Na und. Du bist der Patient, also verhalt dich auch so und genieß es verwöhnt zu werden.“
„Denkst du dann auch für mich mit?“
„Nein. Das wäre zuviel des Luxus, außerdem will ich ja nicht das du mir verblödest.“
„Ja, ja. Du Blödmann. Aber erst will ich nen Kuss.“
„Wenn du gegessen hast.“
„Nö“, sagte Andre grinsend und schmiss Jamie um.
„Und nu?“
„Keine Ahnung. Gibt’s du auf?“
„Nein. Ich gebe mich selten geschlagen“, sagte Jamie grinsend.
„Schade das du nicht kitzlig bist.“
„Tja. Du dafür umso mehr.“
„Na lass das. Sonst brauch ich gar nicht erst anfangen zu essen.“
„Na gut. Aber den Kuss kriegst du dennoch erst nach dem Essen.“
„Nö. Den will ich jetzt“, sagte Andre lächelnd und verhakte seine Finger mit Jamies, um diesen außer Gefecht setzen zu können. Da er ihn gleichzeitig mit seinem Körper behinderte, sich zu wehren, hatte er freies Spielfeld. Er stahl sich seinen Kuss und grinste Jamie an.
„Das ist unfähr.“
„Ach ja, aber abkitzeln ist fair.“
„Genau.“
„Na warte, jetzt lass ich dich erst Recht nicht gehen.“
„Das werden wir ja noch sehen. Dein Magen knurrt nämlich.“
„Na gut. Eß ich eben erst, bevor ich dich weiter ärgere“, sagte Andre leise und setzte sich. Nach dem sie gegessen hatten, brachte Andre die Sachen in die Küche und brühte noch zwei Tassen Tee auf. Als er zurückkam, war Jamie ein wenig eingeschlafen und lag auf dem Bett. Andre grinste sanft und stellte die Tassen auf den kleinen Schrank. Als er Jamie übers Gesicht hauchte schlug dieser die Augen auf und lächelte ihn an.
„Ich war müde.“
„Ich habe nicht dagegen“, meinte Andre grinsend. „Aber lass mich mal mit unter die Decke.“ Jamie rückte etwas zur Seite und ließ ihn ins Bett.
„Wie kann es sein, dass du so süß bist?“, fragte Jamie leise.
„Weiß nicht. Damit habe ich nichts zu tun. Da musst du schon meine Eltern fragen“, sagte Andre grinsend. Daraufhin kassierte er einen Kuss und kuschelte sich dann in Jamies Arme. „Bleibst du die Nacht?“
„Soll ich denn?“
„Ja. Ich will nicht allein sein.“
„Bist du doch nicht.“
„Ich will nicht allein sein im Bett“, meinte Andre leise.
„Na klar bleibe ich, aber morgen habe ich Unterricht. Wir kriegen übrigens noch einen Neuen.“
„Männlich oder weiblich?“
„Männlich. Und wenn ich Lucas Geschmack treffe, dann hätten wir einen Kandidaten für ihn.“
„Und woher weiß mein Engel das?“
„Das weiß dein Engel, weil es jemand aus meiner alten Schule ist und in meiner Band die Gitarre bedient.“
„Ach so?“
„Ja. Seine Eltern ziehen hierher.“
„Na dann muss ich wohl wieder mal Kuppler spielen.“
„brauchst nicht, denke ich, das macht der ganz allein?“
„Lucas?“
„Nein. Der Gitarist.“
„Ach so. Na dann“, sagte Andre leise und schmiegte sich noch enger an Jamie. „Äm… Ich will mich ja nicht beschweren, aber jetzt wäre es nicht passend. Meine Eltern sind zu Hause, ich darf mich nicht überanstrengen. Ich denke das verschieben wir“, meinte Andre grinsend und sah Jamie an.
„Entschuldige, dafür kann ich nichts. Das sind die Naturgewalten.“
„Ach die sind das immer, na dann will ich mal nicht so sein“, meinte Andre lächelnd und küsste Jamie sanft, während seine Hand auf Erkundungstour ging.
„Na? Ich denke nicht?“
„Das will ich auch nicht, aber ein bisschen spielen darf doch erlaubt sein“, sagte Andre grinsend.
„Dann beschwer dich nicht, wenn ich auch ein wenig spiele.“
„Keine Angst. Beschwerden hörst nur, wenn du nicht abschließt.“
„Ich geh ja schon“, meinte Jamie und stand auf.
„Das merke ich mir. Wenn ich dich so schnell aus Bett kriege, muss ich das öfter anwenden. Ich habe nämlich vorhin schon abgeschlossen“, sagte Andre grinsend
„Na warte, das wirst du noch bereuen.“
„Ach wirklich?“, fragte Andre und versuchte sich mit einem Kissen vor einer Kitzelatacke zu schützen. Doch Jamie überwand das Kissen, allerdings nicht lange, was zu einer Kissenschlacht ausartete.
„Andre? Wir gehen, Lissi schläft, sieh mal ab und zu nach ihr.“ Rief seine Mutter durch die Tür. Erst jetzt bemerkte Andre die Federn, die durchs Zimmer flogen. Dabei waren die Kissen noch heil.
„Alles klar.“ Rief er raus. „Sag mal, wo kommen die Federn her?“
„Weiß ich nicht, aber du siehst süß aus mit den ganzen weißen Federn im Haar“, sagte Jamie leise und strich ihm durch die Haare. Andre bemerkte nach einer Weile den kleinen Riss in seinem Kopfkissen, welches normalerweise nur im Bettkasten lag und nur nicht dort war, weil Jamie mit hier war die eine Nacht, und mit einem zweiten Kissen war es doch bequemer.
„Na ja. Muss Mum wohl nähen. Aber jetzt geht’s eh nicht. Also was jetzt?“, fragte Andre grinsend.
„Jetzt will ich dich küssen und nie mehr loslassen.“
„Dann tu das.“ Bot Andre ihm an und kaum ein paar Sekunden Später, lag er unter Jamie.

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Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 02:38 PM - Replies (1)

„Scheiße! Alles nur noch Scheiße!“ Eben komme ich von meinem Arzt, habe seine für mich schicksalhaften Worte noch im Ohr: „Herr Lukas Kowalski, ich kann Ihnen leider nichts Gutes berichten. Die Chemotherapie hat bei Ihnen nicht gewirkt. Ihre Erkrankung ist sogar schneller fortgeschritten, als ich annehmen konnte. Bereiten Sie sich darauf vor, dass Ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt. Ich gebe Ihnen noch maximal 6 Monate, in denen Sie wohl sehr leiden müssen! Ich würde Ihnen sehr empfehlen, dass Sie sich um die Einweisung in ein Hospiz bemühen…
Was habe ich nur verbrochen, dass auf mich die Schicksalsschläge nur so einstürzen! Erst dieser blöde Verkehrsunfall und die lange Krankschreibung. Dann bald darauf der erste Krebs, der aber besiegt werden konnte, und nun dieser schlimme Rückfall. Ich bin zwar erst 26, war davon aber bereits fünf Jahre krank, mit kurzen Unterbrechungen. So krank, dass ich durch meine ständigen Bettlägerigkeiten meine ganzen Freunde verloren habe. Wer will schon ständig mit einem schwer Kranken zu tun haben… Und mit Familie kann ich leider nicht glänzen. Trotz alledem – besonders schlimm finde ich meine ständige Einsamkeit. Andere haben ihre Arbeitsstelle und Kollegen – ich habe ständig frei und habe niemanden. Bin ja nach der langen Krankheit und Harz-IV jetzt sogar schon Rentner. Mit 26!
In letzter Zeit bekomme ich richtig starke Depressionen. Ich habe große Angst zu sterben und will gegen meine Krankheit kämpfen, doch ich spüre deutlich, wie meine Lebenskräfte nachlassen. Und ich habe zeitweise wahnsinnige Schmerzen, die nur mit den aller stärksten Medikamenten eingedämmt werden können. Mein Spiegelbild zeigt mir ein graues und viel älter aussehendes Gesicht. Und meine Haare… Mein Körper ist bereits deutlich vom Verfall gekennzeichnet, der ehedem muskulöse Körper wirkt sehr mager und schwach, ähnlich einem klapprigen Gerippe, nur noch als Vogelscheuche gut geeignet. Lange Strecken kann ich nicht mehr laufen, habe sogar große Mühe, die Treppen zu meiner Wohnung in Rostock-Evershagen hinauf zu steigen. Ich mag nicht daran denken, wie es erst in vier Wochen sein wird…
Dermaßen missmutig und schlecht gelaunt, bin ich auf dem Weg vom Doktor durch die Kröpeliner Straße zur Straßenbahnhaltestelle hin. Inmitten dieser ganzen Masse von Menschen, von denen diese Straße ständig erfüllt zu sein scheint, fühle ich mich trotzdem wie auf einer einsamen Insel. Leute, ich bin doch noch da, lebe doch noch, aber niemand nimmt von mir irgend eine Notiz… Eine kleine Gruppe unterhält sich lautstark und ich bewundere mit in der letzten Zeit sich steigerndem Neid die lebensfrohen, gesunden, jungen Männer in meinem Alter, als ich fast über ein aufgestelltes großes Werbeobjekt stolpere. „TOP 5 REISEN: Mittelmeer jetzt preisgünstig erleben!“ Fluchend weiche ich dem Schild aus und nehme wie gewohnt die Richtung in mein Lieblingskaffee, um dort meinen obligatorischen Cappuccino zu trinken. Da – Christian, mein ex Kollege, kommt mir entgegen! Aber der schaut sofort weg, als er meinen Blick bemerkt… Der Christian, von dem ich glaubte, dass ich in ihn einen guten Freund hätte… Im Guten hat man viele Freunde, doch im Schlechten merkt man erst, ob es wirklich welche sind. Deutlich spüre ich Schmerzen und aufkommenden Schwindel, von dieser neuen Enttäuschung ausgelöst.
Nach dem Cappuccino und einem kleinen Eisbecher, den ich mir heute mal gönne, steht mir wieder dieser Werbeträger vor den Füßen, als ob ihn einer extra für mich zurecht gerückt hätte. Ich lese Malta… Ja, das war schön: Damals, der Urlaub mit meinen Klassenkameraden nach der Schule, kurz bevor wir alle auseinander drifteten, und als ich noch so gesund war… Wie schön wäre es, die Zeit zurück drehen zu können, alles noch einmal erleben zu können. Nur 253 € mit Flug und Halbpension! Eigentlich mein Preis, extra für mich gemacht und als Einladung zu verstehen. Ob ich das bis dahin noch schaffen würde? Einmal noch das Leben genießen, soweit es geht, und Kraft für den letzten Gang holen. Wenn schon sterben, dann vorher möglichst noch etwas Spaß haben. Vielleicht stürze ich mich dort zum Schluss von den Dingli Cliffs, damit es schneller geht… Je mehr ich darüber nachdenke, je mehr gefällt mir diese Eingebung. Da die Sparkasse fast auf dem Weg liegt, will ich noch meinen Kontostand überprüfen.
1004 €, aber auch ein Dispo wäre noch drin… Jetzt ist mir alles egal! Die ahnen ja nichts von meinem Leiden, wissen nur von meiner kleinen Rente, die sicher monatlich meinen Kontostand ausgleicht. Soweit wie möglich hebe ich alles Geld ab, lasse nur was für die fällige Miete zurück. Mit Dispo wegen Autokauf, erzähle ich. Dann gehe ich zum Reisebüro zurück. Der Werbeträger ist nun weg.
* * *
Ich muss mich langsam an die Temperaturen hier gewöhnen. Ist schon sehr heftig, von 18 Grad zu hause auf über 30 Grad hier, wenn man nicht so auf dem Damm ist. Immer nach Möglichkeit die Schattenseite nehmend, bin ich vom Busbahnhof kommend auf den Weg durch die Merchants Street und bewundere wie früher die schöne Architektur. Als ich gerade die kleine Kirche schräg vor mir genauer betrachte, bemerke ich in der Nähe des rechten Glockenturmes oben Jemanden, der dort zusammen gekauert und mit umkrempelten Jeans sitzt. Neugierig geworden auf den Ort und den Ausblick, gehe ich in die Kirche hinein. Mein Vorhaben wird schnell erkannt und ich bekomme die Richtung nach oben gewiesen. Sehr mühsam und langsam quäle ich mich die Wendeltreppe empor.
Auf der steinernen Brüstung sitzt ein Mann in Richtung Straße gewandt. Er hat die Ellbogen auf seinen Knien abgestützt, das Gesicht in den Händen verborgen. Ungepflegte lockige, braune Haare, die schon eher wie eine Wucherung wirken, hüllen ihn ein. Auf seinem Nacken wachsen etliche Haarbüschel, die schon längst mal hätten ausrasiert werden müssen. Eine Brille liegt neben ihn. Er ist mit einem dunklen Pullover gekleidet. Seine ausgebleichte Jeanshose, ein vormaliges Blau ist nur noch zu ahnen, ist an den Füßen hoch gekrempelt, wohl wegen der heißen Witterung. Die Beine sind gut gewachsen und von einem hellen Haarflaum bedeckt. Trotz des etwas abweisenden Aussehens geht von ihm eine gewisse Anziehung aus. Er scheint überdies noch ziemlich jung zu sein und auch sehr schlank. Als ich mich neben ihn setze, bemerkt er mich wohl nicht mal.
Plötzlich beginnen die Glocken zu läuten. Dermaßen laut, dass es mir scheint, meine Eingeweide nehmen Schaden, so sehr bringt das Glockengeräusch mein Innerstes zum Schwingen. Es drückt mir regelrecht die Luft ab und peinigt meinen kranken, entzündeten Körper weit bis über ein für mich erträgliches Maß hinaus. Dann spüre ich, wie der Fremde, genau wie ich wohl sehr erschreckt, sich reflexartig und Schutz suchend an mich ran drückt und meinen Arm berührt. Endlich hebt er seinen Kopf und hellblaue Augen sehen mich an, von Angst erfüllt weit aufgerissen. Tränen haben Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Es ist vom Schmerz gezeichnet, der scheinbar auch schon da war, als das Glockengetöse noch fehlte. Dunkle Ringe unter den rot geweinten Augen zeigen es an. Sein hübsches Gesicht ist von einem kurzen Stoppelbart bedeckt. Er ist wohl etwas jünger als ich, erst knapp über zwanzig, nehme ich an. Ich spüre, dass der Fremde großen Kummer haben muss. Auch der betrachtet mich jetzt eingehend. Mir fällt auf, dass ihm meine offensichtlich etwas aufdringlichen Blicke nicht zu stören scheinen, so setze ich meine Musterung einfach fort. Was ich sehe gefällt mir sehr. Er hat wohl in etwa meine Größe von 1,80 m, scheint ein recht sportlicher Typ zu sein und entspricht in seinem Äußerem fast meinem Ideal für einen Mann.
Als das Glockengeräusch endlich nach lässt, bemerke ich, dass wir uns körperlich ziemlich angenähert haben und will, jetzt doch etwas peinlich berührt, mich schnell wieder trennen. Ich fühle aber auch, dass mir die Nähe des Anderen irgendwie gefällt und so beschließe ich spontan: „Egal, was der jetzt von mir denken mag – ich halte ihn jetzt weiter fest, will dessen Nähe weiter genießen. Wer weiß, ob ich das jemals wieder kann – einen anderen Mann so berühren…“ Der Fremde schaut erst erstaunt, doch langsam hellt sich sein Gesicht ein wenig auf. Es ist zu ahnen, wie schön sein Gesicht eigentlich sein könnte mit einem Lächeln und ganz ohne Tränenspuren und Schmutz. Und ohne Schmerz. Wir schauen uns unentwegt weiter in die Augen. Es kribbelt bei mir schon etwas, und ich glaube, ich bin gerade dabei, mich in diesen Mann zu verlieben.
* * *
Xavier heißt er also und ist erst 21, hat er mir auf englisch erzählt, als ich ihm meinen Namen verraten habe. Schade, dass nun hier oben eine ziemliche Unruhe durch die Touristen aufgekommen ist, die uns den Platz streitig machen wollen.
Wieder unten in der Kirche angekommen, zündet er zwei Kerzen an und drückt mich in die Bankreihe, setzt sich daneben und fängt inbrünstig zu beten an. Obwohl ich nicht sehr gläubig bin, spüre ich trotzdem die Wirkung des in einer mir unbekannten Sprache gesprochenen Gebetes auf meine Seele. Irgendwie doch sehr schön. Und hatte ich gestern noch starke Depressionen, weichen diese langsam einem wohligen Gefühl, was sich Liebe nennt.
Xavier kann viele Sprachen sprechen, aber von jeder immer nur ein bisschen. Richtig wohl nur maltesisch, glaube ich, was aus dem Arabischen stammt, aber davon kapiere ich gar nichts. Er fordert mich auf, ihm ruhig zu folgen. Dabei textet er mich regelrecht mit seinem Misch-Masch zu. Er stammt eigentlich vom Balkan, lebt aber schon lange hier und hat es zu einem Kioskbesitzer an guter Stelle gebracht, was ihm ein bescheidenes Einkommen ermöglicht, erfahre ich. Momentan arbeitet aber ein Schüler für ihn dort, der Ferien hat und dem er vertrauen kann.
An einem Park, den „Lower Barracca Gardens“, bitte ich erst mal um eine Pause. Xavier sein Redeschwall verwirrt mich und sein vorgelegtes Tempo ist für mich viel zu hoch, und eigentlich hätte ich ihn schon längst laufen lassen müssen, wenn nur sein betörender Anblick nicht wäre und erst wie er sich bewegt… Einfach perfekt. Auf einer Bank kann ich mich endlich ein wenig ausruhen. Und jetzt mal schweigend, mustert mich Xavier eingehend. Seine Hände sorgen für starke Energieimpulse, wenn sie meinen kranken Körper berühren.
Ich kann dann nicht mehr anders, als Xavier in seine Wohnung zu folgen, die nur unweit entfernt liegt. Ich würde jetzt schon alles für ihn tun. Ein scheinbar sehr altes, kleines Haus, das reichlich vom Patina der langen Vergangenheit eingehüllt ist, vollkommen aus dem für die Insel typischen Sandstein erbaut, welches immer fast gleich um die Ecke zu finden ist, ist sein Heim. Hier hat er eine kleine, einfach eingerichtete Wohnung. Sein ganzer Schatz sind wohl seine Bücher, die eigentlich überall zu finden sind, denn die Regale sind bereits stark überfüllt. Eine recht breite, ordentlich bezogene Matratze ist sein Bett, auf das ich mich einfach nur fallen lasse, da sonst nichts zum Sitzen einlädt. Als Xavier nur mal schnell verschwinden will, lasse ich mich nach hinten fallen. Meinem Ruhebedürfnis habe ich nichts mehr entgegen zu setzen und ich schlafe umgehend ein.
Nun bin ich schon einige Wochen hier bei meinem Pfleger. Deutschland ist mir zur Zeit so was von egal. Die gute Betreuung und die Liebe, die mir Xavier gibt, tun mir richtig gut. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so geborgen gefühlt. Aber auch meinem Freund bekommt seine neue Aufgabe anscheinend sehr gut, denn auch er war die letzten Jahre oft sehr einsam und ist froh, jemanden zu haben, um den er sich sorgen kann. Jetzt ist er sogar mit seiner Fröhlichkeit und dem quirligem Wesen für mein Leben unverzichtbar geworden. Ich vertraue ihm bereits so sehr, dass ich meine ganzen Angelegenheiten in seine Hände gelegt habe. Meine Rente wird demnächst auf Xavier sein Konto überwiesen werden. Auch wenn es nur schlappe 668 € sind, werden diese hier dringend gebraucht, denn nur allzu oft muss Xavier sein Kiosk geschlossen bleiben, weil ich mal wieder dringend auf ihn angewiesen bin, immer wenn es mir sehr schlecht geht. Außer in den Garten, der sich zwischen den Häusern befindet, kann ich das Haus nicht mehr verlassen. Bei den hier oft spielenden Kindern habe ich wenigstens etwas Ablenkung, wenn Xavier arbeitet.
* * *
Eines abends kommt er vor Freude strahlend in unser Zimmer und hält mir eine Tüte unter die Nase. „Schau mal: Das ist eine Medizin nach einem alten Rezept, was mir mein Opa mal verraten hat, welches dir vielleicht noch helfen könnte. Wir sollten es jedenfalls gleich mal ausprobieren.“ Er verrührt die Medizin in ein Glas Mineralwasser und hilft mir liebevoll, es aus zutrinken. Dann werde ich wohl von der Wirkung etwas müde und lege mich hin.
Ich bekomme eben noch mit, wie Xavier am Telefon eine Liste vorliest mit Namen und Geldsummen auf seinem Konto, wo auch meines dabei ist. Und was von „voller Dosis“ und dass Doktor Schischang heute noch eine frische Leiche ins Kühlfach packen soll. Auch dass er schon einen neuen Fisch an der Angel hat… Gerade, als ich tief entsetzt und auf das Schwerste enttäuscht, endlich zu verstehen beginne, schwinden mir die Sinne. „Warum nur immer ………..“
Bemerkung: Das war das bittere Ende für gewöhnliche Pessimisten.

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Information Vi & Vi
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 02:37 PM - No Replies

Ich griff nach meinem Duschgel, öffnete die blaue Tube und verteilte das fast durchsichtige Zeug auf meinem Körper. Alles wurde eingeseift: Achseln, Brust, Bauch, Scham und besonders die Haut zwischen meinen beiden Apfelhälften.
Eine Stelle in dem Tal würde gleich besonders beansprucht werden, da war ich mir sicher, denn Nikolaj hatte sein Kommen avisiert, zum ersten Mal nach seinem Sommerurlaub. Nikolaj ist zwar verheiratet, hat Frau und drei Kinder, wovon allerdings nur die beiden Jüngeren von ihm sind, aber trotzdem haben wir Spaß miteinander.
Ok, ich gebe es zu, ich mache für ihn die Beine breit und diene ihm als Notnagel, wenn seine Frau ihn mal wieder nicht ranlässt oder ihre Tage hat, aber sein Notnagel ist immerhin 22 Zenitmetern lang und hat einen Durchmesser von mehr als zwei Zoll. Also: Wer ohne Sünde ist, der werfe bitte den ersten Stein.

*-*-*

Pfingsten vor drei Jahren kreuzten sich unsere Wege das erste Mal, ganz unromantisch an der Pissrinne eines Toilettenwagens auf dem Schützenfest der Bürgerschützen auf dem Lessingplatz.
Eigentlich mag ich solche Festivitäten nicht, aber mich hatte auch nur die Not in besagtem Wagen getrieben: Meine Blase drohte wegen zu vielen Bockbiergenusses zu platzen. Zu dieser vorgerückten Stunde hätte ich mich normalerweise einfach an nur einen Baum gestellt, aber, aufgrund des immer noch sehr regen Treibens auf dem Festplatz, war das leider nicht möglich.
Eigentlich wollte ich mir ja nur Erleichterung verschaffen, allerdings konnte ich mein Gehör nicht ganz abstellen und so schnappte ich die eher gelallte Äußerung des Typen ganz rechts auf.

„Bei deinem Eumel kann ich verstehen, dass deine Alte dich nicht immer ranlässt!“

Ich wurde neugierig und riskierte einen Blick auf das beste Stück meines Nebenmannes. Bei dem Anblick lief das Wasser nicht nur aus Klein-Vincent, sondern mir auch im Munde zusammen: ein wahrhaft göttliches Teil, fast so lang und so dick wie eine 0,33er Bierflasche.
Ich musste mich in acht nehmen, um nicht zu sabbern. Zugegeben, ich war damals chronisch untervögelt, hatte ich mich doch kurz vor Ostern von meinem Freund getrennt, aber das ist eine andere Geschichte.
Mein Blick wanderte auf die in Grau gestrichene Decke des Wagens und ich versuchte, mich durch das Zählen der Farbnasen irgendwie abzulenken, denn ich merkte plötzlich, wie mein Anhängsel begann, ein gewisses Eigenleben zu entwickeln.
Ich konnte alles gebrauchen, aber das? Nein! Nie im Leben! Aber plötzlich tippte mir mein Nebenmann auf die Schulter und blickte mich mit glasigen Augen an.

„Was sagst du dazu? Da hat mich der liebe Gott schon mit dem Teil gesegnet, …“

Er deutete auf sein Gemächt.

„… aber mehr als zwei Drittel gehen nicht rein.“

„Hast du es mal am anderen Eingang probiert?“

Welcher Teufel ritt mich? Er drehte sich zu mir um.

„Was meinst du?“

„Nicky, der Typ fragt, ob du deine Alte schon mal in den Arsch …“

Der Mann vom äußeren Rand war doch noch aufnahmefähiger, als ich vorher gedacht hatte. Er ahnte wohl, was ich meinte

„Du weißt schon: so wie die … Schwulen, … von hinten!“

„Günni! Wenn meine Babutschka meinen Russenpimmel nicht ganz in ihrer Mumu kriegt, wie soll sie ihn dann … hinten rein … kriegen?“

Er wirkte fast verzweifelt.

„Beim Darm gibt es kein Ende, an das man stoßen kann!“

Besagter Günni, ich nehme einfach mal an, mit richtigem Vornamen hieß er Günther, hatte wohl doch in Bio aufgepasst.

„Loch ist Loch!“

„Das müssen wir noch genauer ausdiskutieren!“

Er schlackerte ab und zog mich ins Freie. Was sich danach genau zugetragen hat, weiß ich heute auch nicht mehr, aber am nächsten Abend, ich hatte mich gerade für die Sauna vorbereitet, klingelte es an der Tür.
Nikolaj wollte das Gespräch fortsetzen und ich spürte Lenins Rache zum ersten Male tief in mir. Der Sex mit dem knapp fünf Jahre jüngeren Russen ist geil und ziemlich intensiv, obwohl er nach außen hin immer noch die harte Hete markiert.
Schon beim zweiten Treffen fing er an, mich beim Akt zu küssen und zu wichsen. Nach zwei Monaten nahm er mein Zepter in den Mund, nach einem Jahr wollte er auch mal das Gefühl einer Prostatamassage erleben.
Zwar lässt er sich nicht oft ficken, aber an und an darf ich auch ran. Insgesamt würde ich sagen: Der gute Nikolaj ist ebenso verzaubert wie ich, aber er ist Russe und kann daher, wie er immer wieder sagt, dem eigenen Geschlecht nicht zugeneigt sein.
Allerdings würde jeder neutrale Beobachter etwas anderes sagen, wenn er uns beim Sex zuschauen würde. Aber mir soll’s egal sein, ich habe meinen Spaß und er hat den Seinigen und nur darauf kommt es an.

*-*-*
Dank der Spülung, die ich mir von der Dusche verpasst hatte, konnte ich ohne Weiteres mit drei Fingern in mich eindringen und in mir spielen. Wohlige Schauer durchfluteten mich, besonders als ich dann auch noch mit der anderen Hand meinen Hintern durchwalkte.
Ich bin zwar kein schlanker und ranker Adonis mehr, aber im Vergleich mit meinen ehemaligen Koabiturienten, von denen ich einige immer mittwochs in der städtischen Sauna treffe, habe ich mich sehr gut gehalten.
Auch mit über vierzig schwabbelt und wabbelt nichts, alles an mir ist in festem und adäquatem Zustand, Fahrradfahren und Schwimmen hilft anscheinend doch, eine gute Figur zu behalten.
Ich freute mich auf das, was da gleich kommen sollte, als es an der Tür klingelte. Nicolai konnte es nicht sein, denn der Russe hielt sich penibel an die ausgemachten Zeiten und das geplante Treffen sollte erst in einer halben Stunde stattfinden.
Ein erneutes Klingeln erfolgte und dann klopfte es fest an der Wohnungstür.

„Vincent! Bist du da? Komm mal schnell, ich … muss dir was zeigen!“

Was wollte meine Obermieterin von mir?

„Moment!“

Ich duschte mich ab, stieg aus der Tasse, griff mir das Badetuch.

„Bin sofort bei dir!“

Im Bademantel taperte ich barfuß an die Wohnungstür und öffnete.

„Inge! Was gibt es denn?“

„Komm mit in den Keller, dann wirst du schon sehen, was los ist.“

Im Waschkeller angekommen deutete sie nach oben.

„Ich wollte gerade meine Waschmaschine beladen und habe dann das gesehen: Bei dir regnet es durch!“

Ich schaute empor, aus der weiß getünchten Decke tropfte es tatsächlich. Gut, es waren jetzt zwar keine Sturzbäche, die herunter flossen, aber Wasser war deutlich zu erkennen.

„Augenblick, wir sind direkt unter meiner Dusche, ich muss mal …“

In meinem Badezimmer angelangt, nahm ich erst jetzt den immer noch erhöhten Wasserstand in der Tasse wahr. Mein Abfluss schien tatsächlich verstopft zu sein. Wo war denn jetzt wieder dieser dämliche Pömpel?
Aber auch nach Einsatz der Saugglocke lief es nicht schneller ab. Inge war mir wohl leise gefolgt, ich erschrak, als ich mich umdrehte und ihre 165 Zentimeter in voller Größe vor mir standen.

„Ich hab noch Abflussfrei. Wenn du was haben willst …“

Natürlich wollte ich! Keine zwei Minuten später stand ich wieder in meinem Badezimmer und war unschlüssig, was ich machen sollte. Ich entschied mich dann aber doch, zuerst zu Ende zu duschen, auf die paar Liter Wasser mehr würde es jetzt auch nicht mehr ankommen.
Die beiden Abflussrohre von Waschbecken und Dusche vereinigten sich sowieso auf ihrem Weg zum Fallrohr und ich hatte wirklich keine Lust, mir das Shampoo über dem Waschbecken auszuspülen.
Als ich fertig war, schüttete ich, getreu dem Motto, dass Viel auch viel hilft, den gesamten Inhalt des Rohrfreis in die Emaille. Es blubberte und schäumte, es würde alles nun seinen gewohnten Gang gehen.
Auch der Sex mit Nikolaj nahm seinen üblichen – für mich ziemlich ausfüllenden – Gang: Seit Neuestem bleibt er nach seinem Abgang einfach in mir und fickt dann, nach einer kleinen Zigarettenpause, einfach weiter, ehe wir die Rollen tauschen.
Das Rohrfrei hatte, wie ich einen Tag später feststellen musste, keine Verbesserung der Ablaufsituation gebracht. Bis zur Achillesferse stand ich nach nur fünf Minuten im lauwarmen Wasser, ich musste also härtere Geschütze auffahren.
Nach der Arbeit, Donnerstag ist immer mein Präsenztag im Verlag, suchte ich deshalb eine Drogerie auf und erstand dort, neben der Ersatzpackung für Inge, ein Spezialmittel, das – laut Aufschrift – jedwede Blockierung beseitigen sollte.
Aber, außer einem Loch in meinem Portemonnaie, brachte es keinen großen Erfolg, der Abfluss weigerte sich immer noch beharrlich, seinen bestimmungsmäßigen Auftrag zu erfüllen.
Irgendwie musste das Problem gelöst werden. Zwar machte mir das Wasser an den Füßen nicht viel aus, ich mochte es sogar, aber die Tropfen aus der Kellerdecke bereiteten mir dann doch einige Sorgen.
Das Haus, in dem ich wohnte, war Baujahr 1911 und die Kellerdecke war nur gemauert. Alter Zement und Wasser? Außerdem befand sich die gesamte Elektroverteilung keinen halben Meter von der Stelle entfernt, wo es, je nach Füllgrad der Dusche, mal mehr oder mal weniger tropfte.
Hätte es sich um den Abfluss am Waschbecken gehandelt, ich hätte selber Hand angelegt, aber da der Casus Belli unerreichbar unter der Dusche lag, konnte ich das nicht. Ich machte das, was jeder vernünftige Mensch in einem solchen Fall tun sollte.
Ich rief meinen Vermieter an und teilte ihm mit, welches Ungemach dem Hause widerfahren war. Er versprach, sich am Montagmorgen persönlich vom Ausmaß des Schadens zu überzeugen und alles Weitere dann dort mit mir zu besprechen.

*-*-*

Als Werner Keimburg dann auftauchte und ich ihm das Tropfen aus der Decke plastisch demonstrierte, zuckte er mit den Schultern.

„Ich würde das normalerweise ja selber machen, aber mein Rheuma! Ich bin froh, mich überhaupt etwas bewegen zu können. Ich werde wohl teure Handwerker beauftragen müssen.“

Mein Mitleid hielt sich in Grenzen.

„Mir soll das egal sein, nur … ich habe keine Lust, plötzlich mit der Dusche im Keller zu landen. Außerdem … die Elektrik könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.“

„Ach! Die Leitungen sind sehr gut abgeschirmt, da wird schon nichts passieren.“

Der Schreiner glaubte wohl selbst nicht an das, was er mir gerade gesagt hatte.

„Wann können die Handwerker denn anrücken?“

Anscheinend hatte er nicht nur Rheuma, augenscheinlich litt er auch unter Gedächtnisverlust. Ich weiß nicht, wie oft ich ihm schon mitgeteilt hatte, dass ich als Lektor eher der Heimarbeiter bin und bis auf meinen Präsenztag im Verlag meine Arbeit in meinen eigenen vier Wänden verrichtete.

„Bis auf Donnerstag immer!“

„Alles klar, dann weiß ich ja Bescheid.“

Wir verabschiedeten uns und ich machte mich wieder an meine Arbeit: 400 Seiten eines Autoren, der Kommata nur nach dem Zufallsprinzip in seinem Text verteilt, korrigierten sicher nicht von alleine.
Ich war gerade auf Seite fünfzehn angelangt, da klingelte das Telefon. Mein Vermieter teilte mir mit, dass die Sanitärfirma am Mittwochmittag kommen würde. Ich machte mir eine entsprechende Notiz und versuchte, meine Gedanken wieder auf den wirren Wortsalat, der auf dem vor mir liegenden Papier herrschte, zu konzentriere.

*-*-*

Es klingelte. Verschlafen blickte ich auf den Wecker, es war kurz nach Sieben. Ein erneuter Gong ertönte. Wer, um alles in der Welt, wollte um diese Uhrzeit zu mir? Ich rieb mir meine Augen, ich hätte kaum drei Stunden geschlafen, mittlerweile war ich bis auf Seite 118 an diesem tollen Werk vorgedrungen.
Ich warf mir den Bademantel über und schleppte mich mehr zur Tür. Ich wollte denjenigen, der Einlass begehrte, erst zur Sau zu machen und dann umbringen, oder was es umgekehrt? Ich drückte den Öffner, machte meine eigene Wohnungstür auf und holte schon einmal tief Luft, um gleich richtig loslegen zu können.
Durch die Haustür lugte ein blonder Schopf und blickte leicht verstört in meine Richtung.

„Guten Morgen. Wir sind die Handwerker von Sanitär Lammers und kommen wegen der defekten Dusche.“

Ich konnte nur noch stöhnen! Es war zwar Mittwoch, aber hatte mein Vermieter nicht etwas vom Mittag gesagt? Für mich war es noch tiefste Nacht!

„Dann kommt mal rein.“

Der junge Bengel griff nach unten und betrat, mit Werkzeugkiste in der Hand, den Flur. Wie alt mochte er sein? Keine zwanzig, eher jünger, aber meine Augen waren noch nicht voll einsatzfähig. Er grinste mich frech an, als er an mir vorbeiging, er roch nach Deo.

„Wo ist denn die Dusche?“

„Durch die Küche, die Tür auf der rechten Seite.“

Ich wohne ja in einem Altbau und die Badezimmer sind erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nachträglich eingebaut worden.

„Aha!“

Man hörte, wie die Tür geöffnet wurde.

„Wo ist denn das Licht? Ah … da!“

Es klingelte erneut.

„Das wird mein Kollege sein, der war noch nebenan beim Bäcker.“

Ich zuckte nur mit den Schultern und drückte erneut den Öffner. Der Mann, der jetzt in den Flur trat, war etwas kleiner, dafür aber auch erheblich stämmiger als sein junger Kollege, sein Blaumann spannte sich regelrecht.
Er sah zwar nicht aus, wie eine Presswurst, aber viel fehlte nicht. Das wenige Haar, das er noch auf dem Kopf hatte, trug er offen. Er grüßte durch ein Kopfnicken und folgte mir durch die Küche ins Bad.
Der Alte warf einen Blick in meine Wasserspiele und wandte sich dann seinem Azubi zu.

„So, Viktor, nun erzähle mir mal, wie du gleich vorgehen willst. Das wirst du in einem halben Jahr bei deiner Prüfung auch gefragt werden. Also: Ich höre!“

Der Blondschopf war also Lehrling. Von dem fachlichen Gespräch der Zwei verstand ich nicht viel, ich kümmerte mich um den Kaffeeknecht. Als ich mich wieder zu ihnen umdrehte, grinste der Alte.

„Ich brauch keine Angst zu haben, die Prüfung packst du mit Links. Wie lange wirst du brauchen?“

Der Junge strich sich über das Kinn.

„Mauer aufstemmen, Abfluss ausbauen, Rohr mit der Spirale reinigen, neuen Abfluss anbringen? Ich denke mal, in zwei Stunden müsste alles erledigt sein.“

„Alles klar! Ich lass dich dann jetzt allein und fahr auf die Baustelle in der Plangeallee, da herrscht das komplette Chaos.“

Er lächelte mir zu und deutete einen Gruß an, als er durch die Tür verschwand.

„Auch einen Kaffee?“

Ich blickte den jungen Blaumannträger an. Er kam aus dem Badezimmer und hängte seine Arbeitsjacke über den Stuhl. Der Oberkörper, den er mir präsentierte, war nicht von schlechten Eltern: wohl definiert, aber nicht übertrieben.

„Gerne!“

Die Situation war wirklich zu klischeehaft! Wie viele Geschichten von Sex mit Handwerkern hatte ich in meinem Leben gelesen? Der junge, gut aussehende Klemper und die Frau im Negligé!
Moment, ich hatte auch nur einen Bademantel an und nichts darunter. Ich wurde zwar nicht mehr rot, aber ich eilte dann doch besser erst einmal ins Schlafzimmer, um mir etwas Ordentliches überzuziehen.
Klein-Vincent hüpfte, als ich alleine im Schlafzimmer am Schrank stand und nach einer Unterhose suchte. Jetzt müsste eigentlich die Tür aufgehen, der Adonis reinkommen und mich aufs Bett werfen, um mich dann, nach allen Regeln der Kunst, zu vernaschen.
Ich schüttelte mich und verscheuchte augenblicklich diesen Gedanken; der Knabe war mir eindeutig zu jung. Ich vermutete, er war noch keine zwanzig, er hätte mein Sohn sein können und ich brauche einen Mann im Bett und kein Kind.
In Jeans und T-Shirt machte ich mich dann wieder auf den Weg in die Küche. Ich wollte mir gerade die Kanne greifen, als der blonde Recke aus dem Bad kam und mich angrinste. Was hatte er da in der Hand?
Nein! Scheiße! Mist! Ich hatte vergessen, das Eckregal in meiner Dusche auszuräumen. Erdboden tue dich auf und verschlinge mich! Gut, Shampoo und Duschgel hat ja jeder in seiner Nasszelle stehen, aber der Dildo mit dem Saugfuß, den ich ab und an, an die Wand pinnte, um mich dann damit selbst zu pfählen.
Ich verdrehte die Augen, als er mir das Gummiteil süß lächelnd reichte.

„Ich glaube, das Teil sollte sie mal besser wegstellen. Nicht dass es noch schmutzig wird.“

Er zeigte mir seine strahlend weißen Zähne.

„Wäre doch echt zu schade.“

„Äh, danke.“

Wurde ich Rot? Ja, ich wurde rot!

Mit Hammer und Meißel machte er sich ans Werk. Den Türkentrank schenkte ich in zwei Becher ein und warf dann einen kurzen Blick ins Badezimmer. Der Knabe lag ausgestreckt auf dem Boden und streckte mir seinen süßen Hintern einladend entgegen. „

Wie willst du den Kaffee?“

Er blickte mich grinsend schräg von unten an.

„Schwarz! Ich will ja noch schön werden.“

„Als ob das nötig wäre!“

Ich biss mir selbst auf die Zunge, als ich mich wieder zur Arbeitsfläche ging.

„Danke für das Kompliment.“

Ein erneuter Schlag mit dem Hammer erfolgte. Etwas später beugte ich mich, mit einer Tasse in der Hand über ihn. Das Deo hatte sich mit leichtem Schweißgeruch gepaart: Ich hätte mich fast vergessen können.

„Hier! Ihr Kaffee?“

„Waren wir nicht schon beim Du?“

Ein Lachen zierte sein Gesicht.

„Ich bin Viktor!“

Normalerweise bietet ja der Ältere dem Jüngeren das Du an, aber was sollte es.

„Vincent.“

„Auf den Kuss verzichten wir wohl besser, denn … mit Kaffee kann man schlecht anstoßen.“

Flirtete er mich jetzt etwa an?

„Stimmt, ist auch etwas früh am Morgen.“

Ich erhob mich wieder, denn noch länger in seinem Geruchskreis? Ich wäre vielleicht schwach geworden. Er trank einen Schluck.

„Aber guten Kaffee machst du, das muss man dir lassen!“

„Danke!“

Ich drehte mich um und setzte mich an den Küchentisch. Warum wurde ich verlegen? Die Hammerschläge nahmen an Intensivität und Tempo zu, dann ertönte ein „Ja!“, der Durchbruch war anscheinend geschafft.

„Vince, kannst du mir bitte mal die Taschenlampe reichen. Die müsste ganz oben im Werkzeugkoffer sein.“

Er nannte mich Vince! Sollte ich geschmeichelt sein? Ich ging zu diesem metallenen Kasten und kam mit der Leuchte zurück.

„Bitte.“

„Danke!“

Er leuchtete in das Dunkel unter der Tasse.

„Mann, stinkt das!“

Ein leichter Geruch nach Moder und Fäulnis machte sich in der Luft breit.

„Was ist los?“

„Wasser! Der Boden ist in Mitleidenschaft gezogen worden.“

Er griff direkt in das Loch.

„Unter der Dusche hast du noch Holzboden … und der scheint durchgefault zu sein.“

Das hörte sich nicht gut an.

„Und nun?“

„Mal abwarten.“

Victor widmete sich wieder seiner Arbeit und ich setzte mich an den Küchentisch. Eine Zigarettenlänge später kam er mit einem ziemlich braun aussehenden Plastikteil in die Küche und entleerte es im Küchenwaschbecken. Es stank bestialisch.

„Aber sag mal, tut das nicht weh?“

Was meinte er?

„Äh, was soll wehtun?“

„Na, das Teil, das in der Dusche war, ist doch ein Schwanz, oder?“

Er nahm mein Nicken geflissentlich zur Kenntnis.

„In deinem Badezimmer ist aber keine Spur von einer Frau zu entdecken, nur Rasierzeug und Aftershave. Also bist du wahrscheinlich schwul und … schiebst dir das Teil wohl in deinen Arsch.“

Ein denkender Handwerker im dritten Lehrjahr! Ich nickte.

„Ja, ich bin schwul und nochmals ja, ich schiebe mir ab und an das Teil in meinen Hintern. Schlimm?“

„Nein, nur …“

Er starrte verlegen auf den Boden.

„… das Teil ist wirklich fett und du redest so offen darüber, wir … wir kennen uns doch gar nicht. Von daher …“

Ich legte ein Lächeln auf meine Lippen.

„Du hast mir eine Frage gestellt und ich habe geantwortet.“

„Aber noch nicht, ob es auch schmerzhaft ist, wenn du …“

Er legte den Duschabfluss vorsichtig ins Spülbecken.

„Das Ding ist doch fast so dick wie ein Zweizollrohr.“

Wurde das hier eine Fragestunde über schwulen Sex?

„Genau fünf Zentimeter Durchmesser. Trocken klappt das nicht, dein Loch sollte ziemlich glitschig und geweitet sein, bevor du ihn dir …“

„Geweitet? Ich hab mir ja schon mal in der Wanne einen Finger in den Arsch gesteckt, aber mehr ging echt nicht rein und so ein Teil? Das ist doch unmöglich!“

Er schaute mich fragend an. Ich atmete tief durch.

„Nein, dein Loch ist dehnbarer, als du denkst. Du schmierst dir mit Dusch- oder Gleitgel deine Rosette gut ein und machst das gleiche wie in der Wanne: Finger tief rein. Erst spürst du eine gewisse Enge, dann aber wird es plötzlich weiter. Jetzt drehst du den Finger, schiebst ihn rein und raus. Nach ein paar Minuten wirst du, mit einer weiteren Portion Gel, einen zweiten Finger dazu stecken können und später auch drei. Dann kriegst du das Teil auch rein.“

„Werde ich mal testen.“

Er grinste mich an und ging zu seinem Werkzeug. Aus der Metallkiste nahm er einen Akkuschrauber und ein biegsames Etwas von zwei Meter Länge, ging damit wieder ins Bad.
Ich folgte ihm und wunderte mich etwas.

„Was machst du denn jetzt?“

Er legte die Sachen auf den Boden, stellte sich an die Toilette, klappte den Deckel auf und nestelte an seiner Hose.

„Erst einmal Pinkeln und dann kümmere ich mich gleich um die Verstopfung im restlichen Abfluss, deshalb bin ich ja hier.“

Viktor pullerte tatsächlich vor meinen Augen. In welchen Film war ich denn hier? Wollte er mich anmachen? Wollte er testen, ob ich ihn anspringen würde? Ich wollte mich zwar abwenden, aber allein der Anblick, wie er sich erleichterte, zog mich magisch an. Er beobachtete mich, wie ich ihn beobachtete.

„Kann es sein, dass du vielleicht selber …“

Er schlackerte ab, packte seine menschliche Schlange ein, und drehte sich langsam zu mir um.

„Dass ich schwul bin?“
Der Azubi zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß nicht, was ich bin oder sein darf.“

Ich machte einen Schritt auf ihn zu und legte meine Hand auf seine Schulter.

„Es ist egal, was andere Leute von dir denken, denn sie können ja nicht dein Leben für dich leben.“

Er legte seine Hand auf meine.

„Wenn du mein Umfeld kennen würdest, würdest du anders denken!“

Ich näherte mich ihm.

„Wenn du mal reden willst, du bist jederzeit hier herzlich willkommen.“

Der Mann im Blaumann machte einen Schritt auf mich zu, unsere Nasen waren weniger als eine Zigarettenpackung voneinander entfernt, ich konnte seinen heftigen Atem spüren.

„Du willst mich doch nur vernaschen!“

Ich grinste ihn an.

„Auch wenn ich es gerne würde, aber … du könntest mein Sohn sein.“

Seine Lippen näherten sich meinem Mund, wir berührten uns fast.

„Äh, ich sollte jetzt weitermachen, denn wenn Theo gleich kommt? Er wird sich fragen, was mich so lange aufgehalten hat und … ich will keinen Ärger kriegen.“

„Du hast recht. Dann …“

Ich trat einen Schritt zurück.

„… will ich dich nicht länger stören.“

Er legte sich wieder auf den Boden, das biegsame Metall verschwand in der Öffnung, leichtes Stöhnen drang aus seinem Mund. Dann richtete er sich auf und spannte das freie Ende des Stabes in den Akkuschrauber.

Ein Sirren erfüllte den Raum. Sein Blick glitt an mir hoch.

„So, jetzt mach ich das Rohr frei. Hast du zufällig auch einen Gartenschlauch? Den bräuchte ich jetzt.“

Was wollte er bewässern?

„Im Keller hängt einer. Was willst du damit denn machen?“

„Die Leitung gleich durchspülen.“

Er grinste mich an.

„Durch die Schwingungen am Ende der Spirale löse ich die Ablagerungen von der Innenseite des Rohrs. Wenn ich sie nicht wegspüle, dann wäre ich in einem Monat wieder hier.“

„Wäre das so schlimm?“

Ich blickte ihn fast flehentlich an. Er zeigte mir ein Grinsen.

„Eigentlich nicht, aber ich würde dich lieber privat besuchen und nicht wegen der Dusche. Mit dir scheint man vernünftig reden zu können, von daher …“

„Das kann man natürlich.“

Ich drehte mich um.

„Ich hohl dir dann mal den Schlauch.“

Die nächsten Schritte waren einfach: Viktor machte das Endstück ab und schickte mich wieder in den Keller. Als ich so etwas hörte wie: „Wasser marsch!“, gab ich entsprechenden Druck auf die Leitung.
Es schien zu funktionieren, denn ich hörte ein Klackern in der Leitung. Die Blockade schien behoben zu sein. Viktor rief mich nach oben, denn er wollte noch einmal die elektrische Spirale einsetzen.
Als ich den Hahn im Keller ein zweites Mal aufdrehte, war das Geräusch innerhalb des Rohres nicht mehr ganz so stark wie beim ersten Mal. Der Akkuschrauber wurde ein drittes Mal eingesetzt und diesmal war danach nur noch das Rauschen des Wassers zu vernehmen.
Als der Schlauch wieder aufgerollt war und ich aus dem Keller kam, stand eine Gestalt vor der Haustür; der Altgeselle begehrte Einlass.
In meinem Badezimmer war der Azubi bereits dabei, einen neuen Abfluss unter die Dusche zu bauen. Als er seinen Vorgesetzten sah, berichtete er von den durchgeführten Arbeiten und wartete wohl auf dessen Reaktion.
Der alte Mann kniete sich hin, streckte seinen Arm in die Öffnung und überprüfte die Arbeit des Lehrlings.

„Gut gemacht. Jetzt bring mal den Abfluss an und dann machen wir noch einen Dichtigkeitstest.“

„Alles klar, Chefchen.“

Der Junge lachte und der Alte stöhnte.

„Einen Kaffee?“

Der Alte nickte.

„Und? Was meint der Fachmann? Machen Sie das Loch gleich zu?“

Der alte Blaumannträger schüttelte mit dem Kopf.

„Um Gottes willen! Unter der Dusche ist es nass wie am Amazonas; das muss erst einmal trocknen, frühestens in sechs bis acht Wochen … Aber ich weiß nicht, wie stark das Holz mittlerweile in Mitleidenschaft gezogen worden ist.“

„Das heißt?“

Ich blickte ihn neugierig an. Der Mann mit dem Kinnbart atmete tief aus.

„Herr Winter, sie leben in einem Altbau, wir können nur feststellen, dass ein Schaden vorliegt, aber wir wissen nicht, wie lange der Schaden schon bestand. Je länger das Holz der Nässe ausgesetzt war, desto schlimmer könnte es sein.“

Ich blickte ihn erschrocken an.

„Und was sollen wir jetzt machen?“

„Das Beste wäre, ihr Vermieter würde die Tragfähigkeit des Holzes überprüfen lassen.“

Er zuckte mit den Schultern und trank einen Schluck.

„Das Holz ist und bleibt angegriffen. Die Tasse könnte – auch bei normaler Belastung – an einer Ecke absacken und was dann mit den Leitungen passiert? Es könnte wieder durch die Decke tropfen.“

Die Aussichten hörten sicher nicht besonders an. Der grau melierte Blaumannträger erzählte noch ein paar Anekdoten, ehe er durch Viktor in seinem Redefluss gestört wurde. Der meldete Vollzug und wartete wohl auf die Abnahme seines Werkes.
Der alte Mann tat seinem jungen Kollegen den Gefallen und dann, nach bestandenem Dichtigkeitstest der Tasse, machten sich die zwei Handwerker auf, meine Wohnung zu verlassen. Die Verabschiedung mit dem Altgesellen war eher förmlich, Viktor raunte mir ein: „Bis die Tage!“ zu.
Ich informierte meinen Vermieter über die erfolgte Reparatur und die Aussagen des Altgesellen, aber Werner Keimburg winkte nur ab. Er würde sich selbst vom Zustand der Bodendielen überzeugen, der Schreiner kannte sich ja schließlich mit Holz aus.
In der Woche vor meinem Geburtstag verschloss er endlich die noch immer klaffende Lücke in meiner Duschumrandung.

*-*-*

Viktor besuchte mich tatsächlich zwei Tage später. Wir saßen im Wohnzimmer und unterhielten uns bei einem Bier über Gott und die Welt. Gut, ich gebe es zu, ich legte meinen Arm um seine Schultern, aber nur prophylaktisch.
Der Azubi brauchte dringend eine Schulter zum Anlehnen. Ich erfuhr so einiges von meinem jugendlichen Gast. Er stammte aus einer Patchwork-Familie, seinen eigentlichen Erzeuger hatte er im Alter von drei Jahren bei einem Autounfall verloren.
Als er in die Grundschule kam, lernte seine Mutter, die ehrenamtlich für die Caritas in einem Übergangsheim für Aussiedler arbeitete, dort ihren „Neuen“ kennen, den er immer nur als „Typ“ bezeichnete. Seinen Namen erfuhr ich nicht, aber ich fragte auch nicht nach.
Einen Draht zu seinem Stiefvater hatte er nie gefunden, der Typ hatte sich auch nie darum bemüht, ein vertrauensvolles Verhältnis zu dem Kind aufzubauen. Der kleine Viktor kam sich ungeliebt, unverstanden und verloren vor.
Dieses Gefühl steigerte sich noch mit der Geburt seiner beiden Geschwister, er war nur noch das Anhängsel seiner Mutter. Da aber der neue Mann das komplette soziale Umfeld der Familie ziemlich stark prägte, wollten Freunde und Bekannte der ursprünglichen Familie nichts mehr mit Mutter und Sohn zu tun haben.
Auch Kontakte zu Freunden und Mitschülern waren begrenzt, Viktor wurde durch seinen Stiefvater zum Ausgestoßenen, zum Einzelgänger.

*-*-*

Die Frage ist eigentlich obsolet, bereits bei seinem ersten Besuch hat er sich mir gegenüber komplett geoutet. Im Laufe der Zeit lernten wir uns immer besser kennen und ich hatte echt einen Narren an dem Azubi gefressen.
Zwar hatte ich tieferen Gefühlen eine Abfuhr erteilt, der Altersunterschied war mir einfach zu groß, aber ich gefiel mir in der Rolle des Mentors und väterlichen Ratgebers. Während der nächsten Wochen waren wir samstags immer unterwegs, ich wurde wieder zum Discogänger. Zwar fühlte ich mich in den heutigen Musiktempeln erst etwas unwohl, aber er machte mich wieder jung. Ein paar Dinge fielen mir aber doch auf: Nach dem zweiten oder dritten Besuch in den musikalischen Berieselungsanlagen hatte ich mehr Spaß an den gemeinsamen Ausflügen ins schwule Nachtleben des Ruhrgebiets als er und meine Gesprächspartner an der Theke waren meistens jünger als die Typen, mit denen er sich unterhielt.
Nach Halloween kam es zu einer Änderung des samstäglichen Programms: Nach unsern Ausflügen setzte ich Viktor nicht mehr in der elterlichen Siedlung ab, er nächtigte bei mir. Sein Stiefvater hätte sich, wie er mir sagte, die frühmorgendlichen Störungen beim Heimkommen verbeten.
Er sollte dann doch lieber erst zum Mittagessen wieder auf der familiären Bildfläche auftauchen. Der Typ schien wirklich ziemlich merkwürdig zu sein, aber eigentlich musste ich ihm dankbar sein.
Trieb er mir dadurch doch seinen Ziehsohn doch in die Arme respektive in mein Bett. Allerdings gab es keinen wilden, animalischen Sex, es gab nur Streicheleinheiten, Küsse und gegenseitige Liebkosungen.
Am ersten Freitag im Dezember stand Viktor, beladen mit einer großen Sporttasche, vor meiner Tür. Ich war etwas überrascht, wir waren erst für Samstag verabredet und die Wechselwäsche, die er normalerweise mitbrachte, passte in eine Plastiktüte.

„Ich hab Stress zu Hause!“

Beschämt blickte der Azubi zu Boden.

„Gibst du mir Asyl?“

„Komm rein.“

Ich nahm ihm die Tasche ab und führte ihn ins Wohnzimmer.

„Was ist denn los?“

„Vorgestern, nach der Arbeit, war ich im Sex-Shop und …“

Er ließ sich auf die Couch fallen. „… habe mir dort Jocks in Schwarz gekauft und die dann kurz durchgewaschen.“

Ich konnte mir ein hämisches Grinsen nicht verkneifen.

„Und wahrscheinlich zum Trocknen auf die Heizung gelegt und da dann vergessen.“

„Genau! Mama hat sie gestern beim Saubermachen entdeckt und mich zur Rede gestellt. Ich glaube aber, sie hat es geschluckt, dass die für den Sport wären.“

Mein Boden musste interessant sein. Ich zwinkerte ihm zu.

„Wohl eher für den Matratzensport. Und warum dann der Stress, wenn sie es dir abgenommen hat?“

„Sie hat es auch dem Alten erzählt! Als ich vor zwei Stunden aus der Schule kam, kam der Typ in mein Zimmer und machte mich total zur Sau.“

Er blickte mich aufgeregt an.

„Was ich denn mit diesem ‚schwulen Zeug’ will? Ob ich vielleicht selber einer dieser verdammten Arschficker wäre und für jeden Schwanz die Beine breitmache.“

„Damit ist die Frage, ob deine Eltern Bescheid wissen, ja auch geklärt.“

Ich kratzte mich am Kinn. Trauer lag in seinem Blick.

„Der Alte würde mich achtkantig aus der Wohnung schmeißen, wenn ich ihm jetzt die Wahrheit sagen würde. Ich kann mich erst outen, wenn ich meine Prüfung bestanden habe und auf eigenen Beinen stehe. Mama ahnt vielleicht was, aber … offiziell ist nichts. Sie liebt mich zwar, aber gegen den Alten? Da kommt sie leider nicht an.“

„Naja, wenn sie erfährt, dass ihr Sohn sich jetzt schon schwule Unterwäsche kauft, …“ Ich kicherte und Viktor boxte mich in die Seite. „… dann könnte sich das bald ändern.“

„Du bis ein gemeiner Schuft, Vincent Winter; weißt du das? Ich leide hier Höllenqualen und du machst dich über mich lustig!“

Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.

„Mache ich wirklich nicht, …“

Ich grinste ihn an.

„Aber mir drängt sich eine ganz andere Frage auf!“

„Wie ich damit aussehe?“

Er blickte mich lüstern an, ich nickte.

„Moment, ich hab sie sogar an!“

Er erhob sich vom Sofa und es dauerte keine halbe Minute, da stand er nur noch in dem kleinen Schwarzen vor mir und wackelte aufreizend und lasziv mit den Hüften.

„Na? Wie gefalle ich dir?“

„Mehr als gut!“

Ich streckte meine Hände nach ihm aus, die er auch ergriff, und zog ihn zu mir, drehte ihn, der nun zwischen meinen Beinen stand, hin und her und dann um seine eigene Achse. Ich vergrub meine Nase in seiner Spalte und atmete den Duft, den er verströmte, tief ein.
Der Knabe machte mich einfach verrückt. Meine Zunge tanzte über seine Apfelbäckchen, während meine Finger sich an seiner Vorderseite langsam in Richtung des elastischen Bündchens vortasteten: Der Stoffbeutel war mehr als gut ausgefüllt.
Der angehende Sanitärfachmann beugte sich langsam nach vorne und zog dabei seine zwei Hügel weit auseinander, bot meiner Zunge somit eine größere Spielfläche, die ich auch gerne nutze.
Allerdings hatte er anscheinend etwas anderes vor, denn der süßeste hintern der Welt übernahm die Initiative: Viktor ließ sich zwar weiterhin lecken, aber er bestimmte durch Drehungen und Wendungen, wo und wie tief ich mit meiner Zunge an seine Haut kam.
Mir wurde es reichlich eng in meiner Jeans. Als ob er Gedanken lesen konnte, spielte er plötzlich mit meinem Reisverschluss und hatte – so mir nichts, dir nichts – meinen Gürtel geöffnet und versuchte sich nur am Hosenknopf.
Als auch dieses Hindernis beseitigt war, nestelte er an meinen Beinen, versuchte, die Jeans auf den Boden zu befördern. Sein Unterfangen war, durch mein Anheben des Beckens, von Erfolg gekrönt, meine Retro lag noch schneller als die Jeans auf dem Fußboden.
Meine achtzehn Zentimeter freuten sich über die gewonnene Freiheit. Viktor griff nach meinem Szepter, streichelte ihn mit der einen Hand, walkte meinen Beutel mit den Fingern der anderen Hand.
Plötzlich wurde es feucht an meiner Kuppe; er hatte meine Vorhaut zurückgezogen und beförderte nun Unmengen seines Speichels auf mein empfindliches Stück Fleisch. Viktor machte einen Schritt nach vorn, um dann, im Zeitlupentempo, sein göttliches Hinterteil abzusenken.
Meinen Stab hielt er dabei die ganze Zeit fest umschlossen, dirigierte ihn langsam durch seine Ritze. Was hatte er vor? Wollte er wirklich, dass ich ihn aufspieße?

„Was … was … machst du da?“

Ich konnte nur noch stöhnen.

„Nach was sieht das denn aus?“

Er hatte meine Kuppe an seine Öffnung positioniert, verharrte einen Augenblick. Dann senkte er sich, Millimeter um Millimeter, nach unten, zischend und schnaufend atmete er aus und ein. Unberührte Enge umschloss meinen Freudenspender, der immer tiefer in den Lehrling eindrang.
Endlich spürte ich seine Beckenknochen in meinem Schoß. Stöhnend beugte er sich nach hinten, sein Rücken lehnte an meiner Brust.

„Endlich drinnen! Können wir erst einmal so etwas sitzen bleiben? Ich muss mich erst an deinen Prügel gewöhnen.“

„Alles, was du willst. Aber …“

Meine Hände umschlungen seine Brust und ich zwirbelte an seinen Nippeln.

„… bist du dir sicher, dass ich …“

„Ja, verdammt noch mal! Ich will, dass du der erste Mann bist, der mich …“

Er japste und versuchte, seinen Hintern wieder ein Stück anzuheben, aber es schien doch zu schmerzhaft zu sein. Ich streichelte über seine Brust.

„Wenn es dir zu sehr weh tut, wir können auch …“

„Ich will es! Ich habe lange genug geübt.“

Er schaffte es, sich um fünf Zentimeter zu erheben und ließ sich dann wieder fallen. Seine zweite Hubbewegung dauerte etwas, ich ließ ihm alle Zeit der Welt, die er brauchte. Der dritte Hub ging dann schon besser und danach glitt er in einem gewissen Rhythmus auf meiner Stange auf und ab.
Aber, wie das immer so ist mit der Jugend, sie wurde zu schnell zu übermütig. Seine Bewegungen wurden zu unkontrolliert und er hüpfte mir von der Stange, verlor das Gleichgewicht und kam auf dem Teppich zu liegen.

„Verdammte Scheiße! Ich … ich … will doch nicht nur halb entjungfert werden.“

„Ganz ruhig, mein Engel!“

Ich packte ihn bei den Hüften und dirigierte ihn in Richtung Sofa.

„Stütz dich mit den Händen von der Couch ab.“

„So?“

Er robbte in Position und ich rutschte ihm auf Knien hinterher. Zwischen seinen Beinen angekommen, ließ ich Klein-Vincent das Futteral, dessen er gerade beraubt worden war, wieder suchen.

„Genau so. Und jetzt lass mich mal machen.“

Ich hatte die dünnste Stelle gefunden und stieß unbarmherzig zu. Er stöhnte, japste auf. Ich hielt seine Hüften umklammert, rückte ihn in die richtige Stellung und begann dann mein Werk.
Langsam zog ich mich zurück, um dann wieder nach vorn zu preschen. Er stöhnte erneut auf, aber diesmal wohl eher aus Geilheit als vor Schmerz. Nach ein paar Bewegungen hatte ich den richtigen Rhythmus gefunden und pflügte durch seinen Acker.
Er gluckste vor Freude und Geilheit.

„Ja … komm … tiefer … tiefer … ich … ich …“

Ich schob die schützende Stofffülle beiseite und griff mir sein Teil, der Schwanz des Azubis sonderte einen Vorsaftfaden nach dem anderen ab. Ich wichste ihn mit Rechts und pflügte mit meiner Egge seine Furche.
Mit der linken Hand, meine Finger lagen auf seiner Hüfte, der Handballen auf seiner Arschbacke, versuchte ich, sämtliche Bewegungen mit seinem Hinterteil auf mich zu, zu unterbinden.
Es gelang mir einigermaßen. Viktor stöhnte und wand sich vor Lust, je lauter er wurde, desto mehr zog sich seine Rosette zusammen. Lange würde jetzt auch nicht mehr aushalten können.

„Wo … wohin soll ich?“

Auch ich war von der Lust gefressen, kaum eines klaren Gedanken fähig. Er drückte sich von der Sitzfläche ab, sein Kopf wanderte in meine Richtung.

„In mich! Ich … ich … will … dich in mir!“

Er drehte seinen Kopf in meine Richtung

„Markier mich, ich … ich … will dein sein!“

Reden konnte ich nicht, meine Antwort gab ich ihm auf andere Weise. Wild und unkontrolliert stieß ich zu und entließ meinen Nektar in das Dunkel seiner Grotte. Ich hatte gerade meinen letzten Schuss abgefeuert, als er mit seinem Oberkörper nach hinten schnellte und mich so zu Boden warf. Viktor zappelte auf mir wie ein Fisch auf dem Trockenen, als er sich selbst von Kopf bis Fuß einsaute.
Als er sich einigermaßen gesammelt hatte, drehte er sich, immer noch auf mir liegend, um und blickte mir glückselig in die Augen. Unsere Lippen suchten und fanden sich, wir umklammerten uns heftig, während wir knutschend durch das Zimmer rollten und ich auf ihm zu liegen kam. Ich leckte ihm über die Nasenspitze.

„Du bist verrückt!“

„Nach dir!“

Der Azubi küsste mich erneut. Mühsam erhob ich mich. Mit wackligen Knien blickte ich ihn von der Tür aus an.

„Nicht weglaufen!“

„Im Leben nicht!“

Er lachte mich an.

„Dazu bin ich viel zu fertig … und … zu glücklich.“

Im Kühlschrank lag noch eine Flasche Veuve Clicquot, ein Geschenk von Justin, einem rothaarigen Geschichtsstudenten, dessen Magisterarbeit ich Korrektur gelesen hatte. Bisher war mir das teure Blubberwasser immer zu schade gewesen, um es zu trinken.
Aber jetzt erschien es mir angebracht, den Tropfen zu konsumieren.
Als sich das Wohnzimmer wieder betrat, lehnte der angehende Sanitär- und Heizungsinstallateur an der Couch und sah ziemlich mitgenommen, aber auch sehr glücklich und zufrieden aus.
Mit zwei Sektgläsern aus dem Schrank setzte ich mich ihm gegenüber, entkorkte die Flasche, schüttete den perlenden Schaumwein in die Kelche und reichte ihm eins der kristallenen Trinkgefäße.

„Auf dich!“

„Auf uns und …“, wir stießen an, „… eine baldige Wiederholung.“

Wir tranken und ich robbte mich neben ihn, meine Hand legte sich um seine Schulter, sein rechtes Bein platzierte Viktor auf meiner linken Extremität, unsere Köpfe berührten sich.

„Wenn du willst …“

„Ob ich will?“

Er schaute mich an, als ob ich ihm mein Exemplar des Wachturms hätte verkaufen wollen.

„Natürlich will ich und, ehe du fragst, ich will ausschließlich nur dich und mit dir.“

„Bist du dir sicher? Ich meine, das Alter …“

Ich zog die Augenbrauen hoch.

„Ist nur eine Zahl auf dem Papier!“

Er küsste mich und blickte mich schelmisch grinsend an.

„Wenn ich dir nicht zu jung und zu unerfahren bin, du … du bist mir nicht zu alt!“

Ich atmete tief durch, Tausende Gedanken schossen mir gleichzeitig durch den Kopf; was würde die Zukunft bringen? Wie wird das Morgen werden? Ich war mir ziemlich unsicher.

„Aber …“

„Nichts aber! Wenn ich was in den letzten drei Monaten gelernt habe, dann sind es drei Dinge!“

Viktor drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

„Erstens bin ich wirklich schwul und diese Einsicht habe ich dir zu verdanken. Dein offener Umgang mit mir, als wir uns damals kennengelernt haben, war wahrscheinlich der letzte Tropfen, der mein Erkenntnisfass zum Überlaufen brachte.“

Er strich über meine Brust.

„Zweitens habe ich auf unseren Touren durch die Szene festgestellt, dass ich mit Typen in meinem Alter nicht viel anfangen kann und drittens, ich …“

Er blickte mir tief in die Augen.

„… und drittens: Ich liebe dich!“

Mir blieb die Spucke weg, mein Mund wurde trocken, mein Herz raste.

„Kannst du das bitte noch einmal wiederholen?“

„Alles?“

Er lachte.

„Der letzte Punkt reicht vollkommen!“

Ich streichelte seinen Hals.

„Ich …“, er leckte meine Wange, „… liebe …“, seine Zunge strich über meine Lippen, „… dich!“

Unsere Zungen spielten miteinander. Der Klempner entzog sich mehr und blickte mich scharf an.

„Hast du das jetzt verstanden?“

Ich nickte, ganz langsam und bedächtig.

„Ich wollte es nur noch einmal hören!“

„Und? Wie sieht es bei dir aus?“

Er blickte mich erwartungsvoll an. Ich bohrte meine Zunge in seine Nase.

„Ich habe mich in dem Moment, als du hier zum ersten Mal zur Tür reingekommen bist, in dich verguckt und als du … im Bad … damals … da war es um mich geschehen. Ich hätte aber nie geglaubt, dass es …“

„… so kommt, wie es gekommen ist? Dass das Gefühl auf Gegenseitigkeit beruht?“

Er blickte mich fragend an.

„Dass so ein junger Kerl wie ich sich in einen alten Mann wie dich …“

„Genau!“

Ich küsste ihn.

„Tja, ich bin immer noch in der Ausbildung und von wem kann ich wohl am meisten lernen?“

Er lachte mich an.

„Aber bilde dir bitte ja nicht ein, dass ich ab jetzt immer die Beine breitmachen werde. Gut, es ist was anderes, einen richtigen Schwanz im Arsch zu haben als einen Dildo, aber …“

„Einen Dildo?“

Ich blickte ihn erstaunt an.

„Sag bloß, du hast …“

Er lachte.

„Ich hab mir kurz nach unserem ersten Treffen einen gekauft und dann immer damit gespielt, wenn ich die Gelegenheit dazu hatte. Warte! Ich zeig ihn dir.“

Er krabbelte zu seiner Tasche und holte das Gummiteil hervor. Zwar war das Exemplar, das er in Händen hielt, nicht ganz so groß wie das Teil, das er damals in der Dusche gefunden hatte, aber es war auch nicht von schlechten Eltern.
Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

„Aber eins muss ich offen und ehrlich gestehen: Dein Schwanz in mir gefällt mir dreimal besser als das künstliche Teil hier, mit dem ich geübt habe.“

„Will ich dir auch geraten haben!“

Ich knuffte ihn in die Seite. Wir quatschten eine Runde, rauchten uns eine, tranken den französischen Schaumwein und liebten uns noch einmal, diesmal lag Viktor von Anfang an auf dem Rücken.
Der Pizzadienst, den wir danach anriefen und der schon nach einer Viertelstunde lieferte, befriedigte zwar unseren Hunger, aber auch nach der Nahrungsaufnahme blieb – zumindest bei mir – das komische Gefühl im Magen, man könnte es auch als Schmetterlinge bezeichnen.
Den Nachtisch nahmen wir im Bett ein, serviert wurde Viktor auf Stiel. Ich machte danach zwar den Vorschlag, die Dusche aufzusuchen, aber der Lehrling wollte lieber ungewaschen ins Reich der Träume hinübergleiten, wir hätten uns ja loslassen müssen.
Der Blonde spielte an mir und ich spielte an ihm. Erst gegen 3:00 Uhr schliefen wir, eng umschlungen und ineinander verkeilt, ein.
Als ich wach wurde, es war so gegen halb neun, spürte ich sein steifes Teil in meinem Rücken. Ich rutschte nach unten und kümmerte mich liebevoll um die morgendliche Verspannung meines Liebsten.
Wie sich das anhörte? Mein Liebster! Sollte ich mich wirklich auf ihn und die Beziehung mit ihm einlassen? Die merkwürdigsten Gedanken kamen in mir hoch, als ich mit meiner Zunge an seiner Eichel spielte.
Sollte ich das Wagnis eingehen? Es könnte ja auch schief gehen! Aber was hatte ich schon zu verlieren? Nichts! Was konnte ich gewinnen? Alles!

„Schatz, so kannst du mich jeden Morgen wecken, aber lass uns erst einmal frühstücken.“

Mein Engel reckte sich und zog mich zu sich hoch.

„Gut, essen wir im Bett?“

Ich blickte ihn erwartungsvoll an. Viktor winkte ab.

„Lass mal besser! Kaffee geht in Ordnung, aber mehr? Ich weiß zwar, dass es heißt: ‚Wer noch nie im Bette aß, der weiß auch nicht, wie Krümel piken!‘ aber Schatz! Ich lass mich lieber von etwas anderem von dir piken als von Brötchenkrümeln!“

Die Jugend kann so unromantisch sein. Den Kaffee gab es dann aber auch in der Küche. Wir lachten, scherzten, fütterten uns gegenseitig; es war ein sehr, sehr genussvolles Frühstück, das wir uns einverleibten.
Nach einer Zigarette ging es ab unter die Wasserberieselungsanlage, etwas Sauberkeit musste schließlich ja auch sein. Aber auch in der Dusche konnten wir die Hände nicht voneinander lassen.
Diesmal war ich es jedoch, der sich vom Waschbecken abstützte, und der Azubi zeigte, dass er auch aktiv sein konnte. Ich genoss es, Viktor als Objekt seiner Begierde zu Verfügung zu stehen.
Er war gerade auf mir zusammengebrochen, als es an der Tür klingelte. Bekam ich ein Einschreiben? Es klingelte erneut und eine Faust schlug gegen die Tür.

„Vincent! Komm endlich aus der Dusche!“

Ich rappelte mich auf und grinste meinen Spatz frech an.

„Waren wir etwa zu laut?“

„Nein!“

Der Azubi lachte.

„Du warst zwar aufgespießt, aber geschrien wie am Spieß hast du nicht, nur … sehr lustvoll gestöhnt, mein Engel.“

„Es tropft wieder durch! Schau dir das mal an!“

Auch wenn die Stimme durch die Tür gedämpft wurde, es war eindeutig die ehemalige Schneiderin, die davor stand.

„Moment! Wir kommen gleich!“

Ich blickte Viktor an, dem die Situation wohl nicht ganz geheuer vorkam.

„Das ist nur Inge, meine Obermieterin! Mal schauen, was sie wieder hat.“

Wir trockneten uns notdürftig ab und, während ich in meinen Bademantel schlüpfte, wickelte Viktor das nasse Badelaken um seine schlanken Hüften. Der Lehrling wirkte leicht verunsichert.

„Ich … äh … soll ich mich im Schlafzimmer verstecken? Oder weiß sie, dass du …“

„Jepp, sie hat schon öfter Männer bei mir ein- und ausgehen sehen, nur … meinen festen Freund und Lover hat sie nie kennengelernt, aber …“

Ich blickte in ein leicht erschrockenes Gesicht.

„… den gibt es ja auch erst seit gestern Abend.“

Viktor küsste mich erleichtert.

„Ich dachte schon!“

Ich grinste zurück.

„Keine Angst! Bis gestern war ich ja noch Single und … dann kam ein Engel.“

„Bei dir tropft es wieder durch!“

Das waren die ersten Worte, die ich hörte, als die Tür geöffnet war.

Zu dritt schauten wir uns die Bescherung an: Inge in ihrem Kittelkleid, ich im Bademantel und mein Engel nur mit dem Handtuch um die Hüften. Was meinte mein Viktor? Mein Viktor! Wie das klingt!

„Das liegt eindeutig an der Dusche! Moment!“

Die kleine Blonde blickte ihm hinterher, als er die Treppe nach oben stürmte und dabei das Handtuch verlor.

„Knackiger Hintern! Dein Neuer oder nur ein One-Night-Stand?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, Viktor wirst du jetzt öfter sehen, er … er ist mein Freund.“

„Mir persönlich wäre er zwar etwas zu jung, aber wenn es passt, warum sollte man nicht?“

Sie lachte mich an.

„Dann sage ich mal: Herzlichen Glückwunsch!“

„Danke dir. Wir sollten mal nach oben …“

Ich deutete auf die Treppe. Sie ging vor, ich folgte ihr. Viktor hatte sich eine Jeans überzogen und kniete vor der Dusche.

„Da haben wir das Problem.“

Er deutete auf die hintere Ecke der Dusche. Zwischen dem oberen Rand der Duschtasse und den Resten der Silikonfuge, die einst direkt die Emaille mit den Wandfliesen verbunden hatte, klaffte ein Spalt von mindestens zwei Zentimetern.

„Die Tasse ist abgesackt und dadurch ist wohl der Abfluss rausgesprungen.“

„Dann ruf mal Keimburg an, der soll das diesmal aber vernünftig fertigmachen lassen.“

Sie ging zur Tür, drehte sich aber noch einmal grinsend um.

„Übrigens, wenn die einzige Waschmöglichkeit in der Wohnung defekt ist, hat man Anrecht auf eine Unterbringung im Hotelzimmer, sagt jedenfalls Hans-Hubert vom Mieterverein. Ein romantisches Hotelzimmer für zwei Verliebte …“

Viktor wurde leicht rot, mir erging es nicht anders.

„Ich werde dann mal unseren Vermieter anrufen.“

Das Gespräch mit Werner Keimburg dauerte keine fünf Minuten, er wäre sowieso auf dem Weg in die Stadt und würde sich die Sache selbst vor Ort anschauen. Viktor, der Dank des eingeschalteten Lautsprechers mitgehört hatte, ging an seine Tasche.

„Ich glaube, es ist besser, dass ich gehe, wenn gleich dein Vermieter kommt.“

„Wieso?“

Ich ging auf ihn zu und nahm ihn in die Arme, küsste ihn.

„Hast du Angst, dass man uns zusammen sieht?“

„Nein, aber …“

Er stand da, wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

„Aber was?“

Nachbohren kann ich auch.

„Er könnte mich erkennen, Lammers arbeitet doch öfters für ihn. Außerdem …“

Er wirkte kleinlaut.

„… wir haben den Schaden selbst verursacht! Hätte ich dich nicht … in der Dusche …“

Ich stupste ihn auf die Nase.

„… hätten wir weniger Spaß gehabt! Aber was sagte der Alte, mit dem du damals hier warst? Der Boden ist beschädigt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nachgibt.“

„Stimmt auch wieder!“

Diesmal drückte er seine Lippen auf meine.

„Und was machen wir?“

„Ich zieh mich erst einmal an, du brauchst ja nur noch ein Shirt. Obwohl …“

Ich strich über seine Brustwarzen und ließ meine Hand auf seinem Herzen liegen.

„… der Anblick ganz angenehm ist. Aber er würde mich zu sehr ablenken, denn ich kann mich an deinem Anblick nicht sattsehen.“

„Und wenn du mich so berührst, wie jetzt, würde ich dich am liebsten schon wieder …“

Er schaute zu Boden.

„… in mir haben. Bin ich schlimm?“

Ich umarmte ihn, zog ihn an mich, streichelte seinen Kopf.

„Überhaupt nicht! Nur wenn ich noch öfters ran soll, brauch ich so eine kleine blaue Pille.“

„Die brauchtest du gestern doch auch nicht!“

Er gab mir grinsend einen Kuss.

„Ich brauche Montag wohl eher ein Kissen, wenn ich mich irgendwo setzen soll.“

*-*-*

Werner Keimburg kam und sah sich den Schaden an.

„Das ist wirklich Mist! Ich hätte doch auf sie hören sollen und die Festigkeit des Bodens im letzten Jahr überprüfen sollen. Was machen wir nun?“

Viktor räusperte sich.

„Erst einmal muss die Dusche komplett raus, damit wir uns den Schaden ansehen können. Wahrscheinlich sind die Balken durchgefault, also … wenn die Kellerdecke tragfähig genug ist, Estrich legen, die Leitungen erneuern und dann wieder alles zusammensetzen.“

„Sie scheinen vom Fach zu sein.“

Mein Vermieter blickte meinen Engel an, der nur nickte.

„Ich würde das ja selber machen, aber mein Rheuma. Ich werde also, wohl oder übel, am Montag damit die Handwerker beauftragen müssen. Was das wieder kosten wird?“

Der Kerl hatte Geld wie Heu, gehörte ihm doch auch das Nachbarhaus, ebenfalls mit drei Parteien, mit dem wir uns eine gemeinsame Heizung teilten.

„Und wo sollen wir in der Zwischenzeit duschen? Wir können ja auch bis zum Abschluss der Arbeiten in ein Hotel ziehen.“

„Äh, daran habe ich jetzt gar nicht gedacht.“

Mein Vermieter wurde verlegen. Viktor grinste breit.

„Herr Keimburg, ich mache ihnen einen Vorschlag: Gegen Kostenerstattung und eine kleine Aufwandsentschädigung in Höhe einer Monatsmiete für Herrn Winter hier …“ Er deutete auf mich. „… repariere ich den Schaden. Ich bin vom Fach und weiß, wovon ich rede.“

Man sah, wie es im Kopf meines Vermieters rechnete.

„Äh, einverstanden! Können wir denn die alte Dusche weiter verwenden? In einer anderen Wohnung gab es Probleme mit dem Bahamabeige. Da musste ich, wegen einer abgeplatzten Ecke an einer Badewanne, doch glatt das ganze Badezimmer komplett renovieren lassen, nur um die Wohnung wieder vermieten zu können. Hat mich fast 4.000 Euro gekostet, vom Stress will ich gar nicht mal reden.“

Mein Azubi strich sich durch die Haare.

„Die Teile werden seit Jahren nicht mehr hergestellt und Tassen dieses Formats werden mittlerweile mit 500 Euro gehandelt, Minimum! Eventuell kann ich sie günstiger besorgen, aber ich muss sie mir erst einmal von unten anschauen. Ich sage das ja nur, dass sie vorher Bescheid wissen und sich nicht hinterher über die Kosten aufregen.“

Der Herr mit den grauen Haaren winkte ab.

„Keine Sorge, junger Mann: Ich kenne die Preise!“

Die beiden gaben sich die Hand und die Sache schien damit erledigt zu sein. Ich wünschte meinem Vermieter auch noch ein schönes Wochenende und blickte dann, zugegebenermaßen leicht irritiert, meinen Lover an.

„Was war das denn gerade?“

„Ich repariere die Dusche und du wohnst einen Monat mietfrei.“

Der Azubi lachte mich an.

„Wenn alles klargeht, können wir Montagmorgen, wenn ich zur Arbeit muss, wieder in die Dusche steigen und da weitermachen, wo wir gerade aufgehört haben.“

„Montag? Du willst also länger bleiben?“

Ich war etwas irritiert. Sein Augenaufschlag war unnachahmlich.

„Darf ich nicht? Ich hatte nämlich vor …“

„Natürlich darfst du!“

Ich blickte ihn intensiv an.

„Was hast du vor?“

„Du liebst mich ja auch und willst mir bei meinem Outing helfen, da dachte ich …“

Er suchte wieder den Boden ab.

„Also, ich hab mir heute Nacht überlegt, ich fahre Sonntagmittag zum Essen nach Hause und sag meinen Leuten, was Sache ist. Entweder sie schmeißen mich raus oder …“

Das konnte ja heiter werden! Scheinbar hatte er alles schon durchdacht.

*-*-*

Nach einer Einkaufstour durch zwei Baumärkte und seine Firma begannen die eigentlichen Arbeiten in meinem Badezimmer. Die Dusche war relativ schnell ausgebaut und auch die morschen Balken waren schnell entsorgt.
In einem großen Bottich rührte Viktor Estrich an. Da, wo gerade noch marode Dielenbretter lagen, war nun das Grau des modernen Bodenbelags zu sehen. Mehr konnten wir im Moment nicht machen, das Gemisch musste erst einmal aushärten.
Da das Anmischen des Mörtels jedoch in der Küche erfolgt war, sah selbige entsprechend aus: Putzen war erst einmal angesagt. Gut, ich hätte Viktor dafür zwar auch nach draußen in den Garten schicken können, aber dem Schneetreiben, das kurz nach Mittag eingesetzt hatte, wollte ich ihn auch wieder nicht aussetzen.
Ich brauchte ihn heil und gesund und nicht krank und gebrechlich. Die vier 25-Kilo-Säcke, die er verarbeitet hatte, hinterließen ihre Spuren selbst im hintersten Winkel meiner Küche.
Als wir mit der Wisch- und Putzaktion fertig waren, die Tagesschau hatte mittlerweile begonnen, war der neue Boden soweit begehbar, dass Viktor weitermachen konnte.
Er wechselte komplett die Abflussrohre. Viel Dreck gab es nicht, aber erneutes Wischen, zumindest in meinen Wasserspielen, war angesagt.

*-*-*

Wir wuschen uns, so gut es ging, am Waschbecken. Zwar wäre mir eine Dusche jetzt lieber gewesen, aber es musste auch so gehen. Viktor spritzte mich mit Wasser voll und ich tat es ihm nach, am Ende waren wir nass wie zwei begossene Pudel.

„Ich glaube, wir müssen unsere Hosen erst einmal zum Trocknen aufhängen.“

„Und uns dann auf der Couch lieben?“

Er küsste mich. Ich blickte ihn auf seinen jugendlichen Körper und musste grinsen.

„Du scheinst ja echt einen Faible für Jocks zu haben.“

„Sie sind echt bequem, und …“

Er wackelte mit den Hüften und streckte mir dann seinen süßen Hintern entgegen. „… man ist immer bereit, sich seinem Liebsten sofort hinzugeben.“

„Dann sollte ich meine auch mal wieder anziehen.“ Lachend ging ich zum Schrank, nahm mir ein Exemplar in Weiß und zeigte es ihm.

„Ab und an halte ich ja auch gerne hin.“

„Das haben wir ja in der Dusche erlebt.“

Er grinste mich an.

„Darf ich deine mal anziehen?“

„Tu‘ dir keinen Zwang an.“

Ich warf ihm das Teil zu. Er wechselte die Unterhosenfarbe und strahlte mich an.

„Na? Wie sieht das aus?“

„Zum Anbeißen heiß! Wenn ich nicht schon in dich verliebt wäre, …“

Ich leckte mir lasziv die Lippen. Wir machten es uns auf der Couch gemütlich und genossen kurze Zeit später das Essen, das wir beim Chinesen bestellt hatten.

„Wann hattest du das Teil den zum letzten Mal angehabt?“

„Vor zwei Wochen.“

Wurde ich verlegen? Ziemlich!

„Wie hieß er denn?“

Er grinste mit frech an.

„Vince! Auch du kannst das weiße Zeug in deinem Beutel nicht einfach so ausschwitzen! Da deine schwule Geschichte erheblich länger ist als meine, wirst du auch schon mit mehr Typen im Bett gewesen sein als nur mit mir. Also? Wer war es?“

Soviel Weisheit aus jugendlichem Munde.

„Der Typ heißt Nicky, ist achtunddreißig, verheiratet und so eine Art Fickbeziehung von mir. Besucht mich meistens einmal im Monat, wenn …“

„… seine Frau ihre Tage hat?“

Er strich sich durchs Haar.

„Ist das nicht etwas billig?“

„Wieso? Weil ich für ihn die Beine breitmache … äh … breitgemacht habe? Sein Kolben ist … naja noch größer als der Dildo, den du damals bei mir in der Dusche …“

Ich war eindeutig verlegen.

„Es ist … nein, es war … einfach nur Sex, gemeinsam den Druck ablassen.“

„Und nachdem er dich gefickt hat, geht er wieder zu seiner Frau und schlüpft da unter die Decke? Und das stört dich nicht?“

Seine Stimme klang leicht verächtlich. Ich atmete tief durch.

„Was er zu Hause macht, interessiert mich nicht, das ist seine Sache. Wenn er hier war, dann … dann hatten wir beide unseren Spaß! Küssen, Blasen, Streicheln … alles gemeinsam und gegenseitig, nur … er fickt mich öfter als ich ihn.“

„Und wie lang geht das schon?“

Der Ton war schon etwas friedlicher. Ich blickte ihn entschuldigend an.

„Seit über drei Jahren! Ich habe Nikolaj auf dem Schützenfest am Lessingplatz getroffen. Er stand mit ziemlich dicken Eiern dar, seine Alte hatte ihn wohl mal wieder nicht rangelassen.“

„Nikolaj?“

Viktor bekam große Augen.

„Wie weiter?“

„Smirnoff oder Smernoff oder so ähnlich!“

Ich blickte in ein ziemlich verwirrtes Gesicht.

„Beim ersten Mal dachte ich, er wollte nur mal wieder einen wegstecken, aber später? Wenn du mich fragst, er ist eine typische Schrankschwuchtel, aber er behauptet immer, Russen können nicht homosexuell sein.“

„Kann es auch Smerinow sein?“

Viktor sprang, wie von der Tarantel gestochen, vom Sofa.

„Hat er eine Tätowierung am linken Oberarm? Den russischen Doppeladler?“

Nun war ich verwirrt. „Der Name kann hinkommen und das mit der Tätowierung stimmt auch. Sag bloß, du kennst den Typen?“

„Kann ich mal kurz an deinen Rechner?“

Eindringlich schaute er mich an.

Was hatte er vor?

„Tu‘ dir keinen Zwang an!“

Viktor setzte sich an den Schreibtisch und als der der Rechner betriebsbereit war, ging er ins Internet und rief die Internetpräsenz der hiesigen Bürgerschützen auf. Er klickte sich durch die Page und deutete aufgeregt auf eine Person.

„Ist er das?“

Ich sah ein Gruppenbild, der Hofstaat des letzten Jahres.

„Das ist er! Aber woher kennst du ihn?“

„Das ist mein Stiefvater!“

Er blickte mich intensiv an.

„Und die Frau neben ihm meine Mutter!“

Ich musste schlucken.

„Oups!“

„Na warte! Den mache ich zur Schnecke!“

Viktor war mehr als sauer.

„Mich macht er fertig, ist aber kein Deut besser! Nein, er ist sogar noch schlimmer, denn … er betrügt Mama!“

„Sorry, aber …“

Ich zuckte nur mit den Schultern. Der Azubi atmete hörbar durch die Nase ein.

„Du kannst ja nichts dafür. Aber er, dieses verlogene Arschloch! Wenn ich das Mama erzähle, wird …“

„… das leider nicht viel bringen!“

Ich legte meine Hände auf seine Schultern und massierte sie. Erschrocken blickte er mich an.

„Wieso? Es ist doch die Wahrheit!“

„Schatz, es ist zwar richtig, dass Nikolaj und ich im Bett waren, aber ich habe unsere Spiele nicht auf Video aufgenommen, leider! Es fehlen somit die Beweise, es steht sein Wort gegen deins.“

Ich strich ihm über die Haare.

„Der Sohn outet sich als schwul, Nicky regt sich auf, poltert los und droht mit Rauswurf. Dann beschuldigst du ihn, selber dem eigenen Geschlecht zugetan zu sein.“

„Ja, so in etwa wird das ablaufen.“

Mit großen Augen blickte er mich an.

„Was dagegen?“

„Was wird deine Mutter machen?“

Ich ging vor ihm in die Hocke.

„Auch wenn deine Mama dich liebt, sie dürfte im ersten Moment geschockt sein. Noch ist es nur eine unausgesprochene Ahnung, die sie hat, nach deinem Outing ist es dann echte Gewissheit, dass ihr ältester Sohn tatsächlich schwul ist. Dann erzählst du, dass dein Freund, Schock Nummer Zwei; Hilfe, mein Kleiner ist verbandelt, …“

Der Lehrling lächelte mich an.

„Mit neunzehn ja wohl nicht ungewöhnlich, oder?“

„Stimmt, aber ihr Liebling ist schwul, das ist der kleine aber feine Unterschied! Und dann hat ihr Sonnenschein sich einen Kerl geangelt, der, um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, sein Vater sein könnte und damit in ihrem Alter ist, Schock Nummer Drei.“

Ich grinste ihn an.

„Dann soll sie noch realisieren, dass ihr Mann seit über dreieinhalb Jahren eine Affäre hat? Und das ausgerechnet auch noch mit dem Freund ihres Sohnes? Schatz! Was verlangst du von deiner Mutter?“

Viktor verzog das Gesicht.

„Und was sollen wir machen?“

„Ich brauche erst einmal ein Bier, um nachzudenken.“

Ich zeigte ihm meine Grübchen. Als ich mich erst erhoben hatte, war der Blondschopf schon auf dem Weg in die Küche. Ich setzte mich in den Schreibtischsessel und lehnte mich ganz zurück, ließ meinen Gedanken freien Lauf. Viktor stand wohl am Kühlschrank.

„Brauchst du ein Glas?“

„Nur wenn du eins brauchst, mein Engel.“

Ich dachte weiter nach. Das Öffnen der Flaschen war zu hören.

„Dann trinken wir mal aus der Pulle.“

Als er mit den braunen Trinkbehältnissen in der Tür stand, fiel es mir wie Schuppen aus den Augen.

„Jetzt weiß ich, warum Nikolaj die Jocks als schwules Spielzeug erkannt hat.“

„Und warum?“

Er reichte mir die Flasche und wir stießen an.

„Ein schwuler Mann trägt beim Sex mit ihm Jocks.“

Ich trank einen Schluck.

„Die Unterhosen werden also mit Homosexualität gleichgesetzt, dann findet deine Mutter das gleiche Wäschestück bei dir, also zählt er eins und eins zusammen und …“

„Das leuchtet ein!“

Viktor zog sich den Hocker, der zu meiner Couchgarnitur gehörte, zu mir heran und setzte sich. In seiner linken Hand hielt er die Bierflasche, mit seiner Rechten ordnete er den Inhalt des weißen Baumwollbeutels.

„Aber hilft uns das jetzt weiter?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß es nicht, noch nicht! Wir werden wohl unsere Gehirnzellen noch weiter anstrengen müssen, um eine vernünftige Lösung zu finden.“

„Uns fehlen halt die Beweise!“

Er wirkte geknickt. Ich drehte mich zum Rechner und klickte mich erst zu und dann durch meinen Bilderordner.

„Hier, das sind die einzigen Nacktaufnahmen von ihm, die ich habe.“

„Du hast den Typen auch nackt?“

Viktor hatte sich erhoben und stand nun wieder neben mir. Ich grinste ihn an.

„Ja, er liegt mir seit knapp einem Jahr mit einem Dreier in den Ohren. Da man aber den dritten Mann meistens vorher sehen will, habe ich die Bilder gemacht.“

„Und? Ist es mal zu einem Dreier gekommen? Ich meine, …“

Der Azubi starrte mit großen Augen auf den Bildschirm.

„Sein Teil ist ja wirklich dick.“

Ich griff in den weißen Beutel.

„Das hier gefällt mir besser. Aber, um deine Frage zu beantworten, es kam nie zu einer Gruppenspielerei; hat leider nicht geklappt!“

„Und woran lag das?“

Er grinste mich frech an.

„Magst du etwa keine Dreier?“

Die Frage verwunderte mich etwas, ich zog meine Augenbrauen hoch.

„Doch, aber wenn du nur zwanzig Minuten Zeit hast, um ein derartiges Spiel zu organisieren und dich selbst noch vorbereiten musst, ist das meistens zum Scheitern verurteilt. Seine Vorlaufzeit vor einem Treffen beträgt maximal eine Stunde, außerdem … dürfte es ab jetzt einige Probleme geben: Ein Dreier als Paar?“

„Ist das unmöglich?“

Viktor reckte mir seinen Hintern entgegen. Ich ließ meine Finger durch seine Spalte gleiten.

„Unmöglich ist nichts, aber … das Paar muss Sex und Liebe trennen können, will es auch nach dem Akt immer noch ein Paar sein. Eifersüchteleien sollte es dabei nicht geben, denn das macht keinem der Beteiligten Spaß!“

„Schon entsprechende Erfahrungen gemacht?“

Er drehte seinen Oberkörper zu mir. Ich grinste ihn an.

„Leider! Aber ich war der dritte Mann in der Runde, von daher war das nicht ganz so schlimm für mich. Ich war gerade dabei, den Jüngeren der beiden zu ficken, als der Ältere mich von seinem Lover runter riss und einem Streit vom Zaune brach, der sich gewaschen hatte.“

„Hört sich echt nicht prall an.“

Viktor zwinkerte mir zu.

„So etwas würde ich nie machen!“

„Dich mit mir streiten oder das andere?“

Ich blickte ihn fragend an. Der Azubi drehte sich um und lehnte sich an den Schreibtisch.

„Streit in der Öffentlichkeit wird es mit mir nicht geben, das kann man intern regeln und nicht vor Publikum! Und wenn man sich auf einen Dreier geeinigt hat, dann zieht man das auch durch. Man kann dann hinterher zwar sagen, das ist nichts für uns? Aber mitten im Akt?“

Meine Hand wanderte an seinem Oberschenkel entlang.

„Das stimmt. Und was machen wir jetzt?“

„Na, wir könnten …“

Er spreizte die Beine weiter auseinander.

„… etwas üben.“

Ich schüttelte lachend den Kopf.

„Du bist wirklich ein kleiner Nimmersatt.“

„Von dir kann ich halt nie genug kriegen!“

Er führte meine Hand in seine Spalte.

„Ich von dir auch nicht!“

Meine Finger spielten an seiner Rosette.

Viktor grinste mich an.

„Wenn du da rein willst, solltest du es etwas rutschiger machen!“

„Moment! Ich hole dann mal das Gleitmittel.“

Ich erhob mich und eilte ins Bad, Melkfett musste ausreichen. Als ich wieder in der Tür stand, sah ich, wie er an sich intensiv herumspielte, mir wurde es ziemlich eng in meiner Retro. Ich ging auf ihn zu und setzte mich wieder in den Sessel.
Plötzlich kam mir ein Gedanke.

„Wann hat Nicky dich eigentlich zum letzten Mal nackt gesehen?“

Verwunderung lag in seinem Blick.

„Äh? Das ist Jahre her! Wieso fragst du?“

„Mir ist gerade was durch den Kopf geschossen, aber …“

Ich winkte ab.

„… die Idee ist zu hirnrissig.“

„Erzähl schon!“

Er blickte mich erwartungsvoll an.

Ich atmete tief durch.

„Dein Stiefvater will doch einmal einen Dreier erleben, … den kann er kriegen und ehe du fragst, du wirst der dritte im Bunde sein!“

„Ich?“

Viktor schnappte nach Luft.

„Vince! Du tickst linksrum! Wie soll das denn gehen?“

„Wenn er das nächste Mal bei mir anruft, werde ich ihm sagen, ich hätte einen Dritten gefunden, der mitmachen will.“

Ich blickte in seine Richtung. Der Lehrling schüttelte den Kopf.

„Derjenige bin ja wohl ich, aber … er wird mich doch erkennen!“

„Wird er nicht! Denn der dritte Mann im Bunde ist ungeoutet und macht es nur in Maske, will aber Bilder haben, wie er …“

Ich streichelte über seine Oberschenkel.

Viktor tippte sich an die Stirn.

„Was soll das denn bitteschön bringen? Ich meine außer Bildern, wie er einen Typen mit Skimaske fickt.“

„Wir stellen dann einen Teil der Bilder nach und montieren sie dann zusammen.“

Meine Finger krabbelten ein Stück nach oben.

„Der Maskenmann liegt auf dem Hocker und lässt sich … Wenn Nick dann weg ist, legt sich Viktor auf das braune Teil, in die gleiche Position und wird diesmal mit Gesicht abgelichtet. Dann scheiden wir den Oberkörper des Maskenmannes aus und …“

Mein Engel atmete tief durch.

„Das könnte klappen, aber … ich müsste mich, egal wie wir es auch drehen und wenden, von meinem Stiefvater vögeln lassen. Bei seinem Mörderteil?“

Er grinste mich an und griff sich die Dose mit dem Melkfett.

„So aufnahmefähig bin ich ja noch nicht, da müssen wir viel üben, und … damit fangen wir sofort an! Keine Widerrede!“

*-*-*

Am Sonntagnachmittag, Viktor hatte mich tatsächlich nur für das familiäre Mittagessen verlassen, bauten wir die Dusche wieder ein. Der Abfluss funktionierte ohne Probleme, auch beim Ablassen des vollen Tasseninhalts gab es keine Spuren von Nässe, weder im Keller noch unterhalt der Dusche. Mein Azubi hob die Emaille noch einmal an, stopfte Glaswolle hinein und ließ dann vorsichtig die Tasse wieder auf ihre Auflage sinken.
Mit zwei Holzkeilen an der linken Seite der Dusche wurde für entsprechende Spannung gesorgt und dann wurden die restlichen Hohlräume mit Bauschaum ausgeschäumt und die Tasse erneut gefüllt. Er lachte, als er fertig war.

„So, morgen früh kommt dann der Rest!“

„Was muss denn noch gemacht werden?“

Ich blickte ihm über die Schulter. Er deutete auf die emporquellende Schaummasse.

„Der noch überstehende Bauschaum wird morgen abgeschnitten, dann wird verfliest und mit Silikon abgedichtet.“

Ich wuselte ihm durch seine Haare.

„Morgen früh oder morgen Abend?“

„Lieber abends, denn sonst würden wir eine Stunde weniger Schlaf kriegen.“

Er stand auf und küsste mich.

„Außerdem, bei unserem Trainingsprogramm …“

„… werde ich mir die blauen Pillen doch verschreiben lassen müssen.“

Ich kniff ihn leicht in sein süßes Hinterteil.

„Damit soll man übrigens mehr als zwei Stunden …“

„Wirklich?“

Er verschraubte lachend die Augen.

„Dann sollten wir uns das wirklich mal überlegen! Du zwei Stunden in mir? Aber … was mach ich dann am nächsten Tag mit meinem Hintern?“

„Am besten einen Plug tragen, dann bleibt das Gefühl erhalten.“

Ich lachte ihn an.

Er zog einen Flunsch.

„So ein kolbiges Teil in meinem Allerheiligsten? Nein, wir machen vorher einen Abdruck von deinem Schwanz, den werde ich dann mit Freuden tragen.“

„Dann werde ich mal im Netz suchen, ob ich so ein Bastelset bestellen kann.“

Ich leckte mit meiner Zunge über seine Lippen, die er mir bereitwillig öffnete. Ich stöhnte, denn er griff mir sofort wieder an meine Kronjuwelen, ich würde gleich wohl wieder ran müssen.

*-*-*

Am frühen Montagabend erledigte Viktor die restlichen Arbeiten und wir weihten anschließend die Dusche ein: Diesmal wurden wir nach seinem Kommen in mir nicht gestört. Als wir uns trocken rubbelten, blickte Victor mich fragend an.

„Meinst du tatsächlich, dass er mich nicht erkennen wird, wenn er … naja … er mich aufgespießt hat? Er wird doch meine Stimme erkennen, oder? Ich kann ja schlecht die ganze Zeit stumm bleiben.“

„Daran hatte ich gar nicht gedacht.“

Ich streichelte über seine Wange.

„Wir müssen uns etwas anderes ausdenken, um Nicky in die Spur zu kriegen.“

„Und ich möchte meinen ersten Dreier nicht unbedingt mit meinem Stiefvater haben.“

Er grinste mich an.

„Du solltest schon dabei sein, aber Nikolaj? Auf den Typen kann ich echt verzichten.“

„Das glaube ich dir sofort.“

Meine Lippen suchten seinen Mund, als sich unsere Lippen gerade vereinigten wollten, klingelte es. Konnte man eigentlich nie ungestört sein?

„Erwartest du noch einen heimlichen Verehrer?“

Victor blickte mich mit lachenden Augen an. Ich grinste zurück.

„Meinen Sexsklaven habe ich in die Freiheit entlassen, Dates habe ich auch nicht ausgemacht, denn mein Freund war ja in den letzten Tagen permanent bei mir … also: nein!“

Die Türglocke ertönte erneut. Victor lachte.

„Da scheint aber jemand hartnäckig zu sein.“

Ich griff mir meinen Bademantel.

„Dann schauen wir doch mal, wer vor der Tür steht.“

„Ich zieh mir dann erst einmal etwas an, denn nackt empfange ich nur dich und keinen Besuch.“

Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen und verschwand ins Schlafzimmer. Er schaute ihn kopfschüttelnd hinterher und drückte den Türöffner. Ein Poltern war zu hören.

„Na endlich! Ich dachte schon, du würdest mich gar nicht reinlassen. Hallo Vincent!“

Im Hausflur stand Nikolaj.

„Nick? Was machst du denn hier? Warum hast du nicht angerufen?“

„Sorry, bin etwas durch den Wind! Erwartest du noch Besuch zum Sex?“

Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

„Oder machst du jetzt immer im Bademantel die Tür auf?“

„Äh, ich war gerade unter der Dusche, hatte am Wochenende wieder einen Rohrbruch.“

„Dann kann ich ja ruhig reinkommen.“

Grinsend kniff er mir ins Gemächt, als er sich an mir vorbei ins Wohnzimmer drängte.

„Hast du ein Bier für mich? Ich muss mit dir reden!“

Ich atmete tief durch, musste mich erst einmal beruhigen: Sein Stiefsohn stand nackt in meinem Schlafzimmer, während der Russe es sich auf meinem Sofa bequem machte. Ich schaute ihn leicht entgeistert an.

„Nikolaj, was gibt es denn? Ich wollte eigentlich gerade …“

„Ich brauche dringend deine Hilfe, denn ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll. Ich brauche einen Fachmann.“

Ein Flehen lag in seinem Blick.

„Es geht um Victor, Cordulas Sohn aus erster Ehe.“

„Aha!“

Ich blickte ihn an.

„Aber warte kurz: Ich zieh mir mal kurz was über, … bin gleich wieder da.“

„Von mir aus kannst du so bleiben!“

Er lachte hämisch, als ich ihn alleine ließ. Im Schlafzimmer blickte ich in das erschrockene Gesicht meines Liebsten. Er konnte nur leise flüstern:

„Ist das … etwa Nikolaj? Was … was will der denn hier?“

Erst nickte ich, dann zuckte ich mit den Schultern. Ich schlüpfte in eine Jogginghose, griff mir ein Shirt und legte, als ich die Klinke in der Hand hatte, meinen Zeigefinger auf den Mund. Die Tür ließ ich aber einen Spaltbreit offen, er sollte ruhig hören, was im Wohnzimmer über ihn gesprochen wurde.
Mit zwei Flaschen Bier in der Hand betrat ich wieder mein Wohnzimmer. Der hoch aufgeschossene Russe saß da wie ein Häufchen Elend.

„Ich bin ja nicht gerade ein Experte in Sachen Kindererziehung. Also? Wie kann ich dir denn bei Victor helfen?“

„Der Junge ist …“

Er trank einen Schluck.

„… genau wie du! Er ist auch schwul und deshalb brauche ich deinen fachmännischen Rat. Ich weiß echt nicht, was ich mit ihm machen soll.“

Ich musste grinsen.

„Wieso? Ihr habt doch eine Gemeinsamkeit und auf die kann man aufbauen.“

„Was? Ich bin Russe und kann daher nicht schwul sein!“

In seiner Stimme lag ein Grollen.

„Nikolaj, jetzt hör endlich mit diesem Quatsch auf! Das Märchen kauft dir niemand ab und, wenn du ehrlich mal bist: Du glaubst selber nicht daran!“

Mein Blick verfinsterte sich.

„Ob es dir passt oder nicht: Du bist genauso schwul wie ich, … aber, wenn dir das lieber ist, dann sagen wir: Du bist bi!“

Er grummelte immer noch.

„Ich bin auch nicht Bi! Ich bin Russe und …“

„… hast Sex mit einem Mann, den du auch genießt!“

Ich schüttelte meinen Kopf.

„Und sag jetzt bloß nicht, dass es anders ist, denn dann machst du dich nur noch unglaubwürdiger, als du eh schon bist!“

„Wieso?“

Frustration lag in seinem Blick. Ich atmete tief durch.

„Wie lange treiben wir es jetzt miteinander? Mehr als drei Jahre, oder? Wenn es damals nur reine Neugier gewesen wäre, wie es ist, einen Mann in den Arsch zu vögeln, dann wäre die nach dem ersten Fick ja befriedigt gewesen, oder? Aber Nikolaj macht jetzt von sich weiter, genießt es, will mehr!“

Ich trank einen Schluck.

„Seit über drei Jahren leckst du mir mein Loch feucht, du bläst mich, du küsst mich, du machst für mich die Beine breit, also … wenn ich das Ganze einmal zusammenfasse, komme ich zu dem Ergebnis: Du liebst schwulen Sex, kannst nicht mehr ohne ihn. Oder wie soll ich deine Bemerkung von Gerade auffassen, ich solle doch im Bademantel bleiben? Du wolltest doch wieder, oder?“

„Ja, als ich dich so sah …“

Er wurde plötzlich kleinlaut.

„Ist ja schon gut!“

Ich war gerade so schön in Fahrt.

„Und wenn ein Mann schwulen Sex liebt, ohne ihn nicht mehr leben kann und will, aber noch mit einer Frau verheiratet ist, dann ist er entweder Bi oder eine verklemmte Schrankschwuchtel. Du kannst es dir aussuchen, was du lieber bist!“

„Aber? Ich hab doch Kinder mit Cordula?“

Der einst ach so stolze Russe wirkte plötzlich hilflos. Sollte ich weitermachen? Innerlich nickte ich.

„Na und? Etliche Homosexuelle merken erst nach ihrer Silberhochzeit, dass sie eigentlich doch auf Männer stehen. Aber, weil ihr Umfeld es früher so wollte, haben sie geheiratet und Kinder gekriegt, weil man das als Mann ja so macht: Man baut ein Haus, pflanzt einen Baum und zeugt einen Sohn!“

Ich blickte ihn über den Flaschenrand an.

„Wer weiß, wie du dich entwickelt hättest, wärst du nicht in den Weiten Russlands sondern in einem liberaleren Umfeld aufgewachsen?!“

„Ich auch nicht!“

Seine leise Stimme stockte.

„Aber? Was soll ich jetzt mit Victor machen?“

Ich verdrehte die Augen.

„Ihn so nehmen, wie er ist: als menschliches Wesen mit all seinen Gefühlen und Bedürfnissen! Wenn er auf Männer steht, dann steht er halt auf Männer! Wo ist das Problem?“

„Aber … ich … ich kann ihm das doch nicht durchgehen …“

Er war eindeutig durch den Wind.

„Was kannst du nicht? Du liebst schwulen Sex, er liebt schwulen Sex! Der einzige Unterschied ist, du kamst erst mit fünfunddreißig zu dieser Erkenntnis, er schon mit neunzehn!“

Scheiße! Ich hatte mich verplappert.

Der Russe schaute mich irritiert an.

„Ich soll es ihm erlauben?“

„Du kannst deinem erwachsenen Sohn nicht das Rauchen in deiner Wohnung verbieten, wenn du selber eine brennende Zigarette in der Hand hältst. Aber, auch wenn du, um dein Verbot glaubhaft zu machen, zum Nichtraucher mutierst, du kannst ihm das Rauchen außerhalb deiner Vier-Wände nicht untersagen, er ist ja schon groß!“

Ich grinste ihn an.

„Und ich geh sogar noch einen Schritt weiter: Wenn dein Victor einen Freund hat, dann hast du den Mann an seiner Seite zu akzeptieren, denn es ist die Entscheidung deines Stiefsohnes, wem er sein Herz schenkt und wem nicht.“

Er wirkte ratlos.

„So weit habe ich noch gar nicht gedacht. Kannst du nicht mal mit ihm reden?“

Ich stutzte.

„Und? Was soll ich sagen? Etwa: ‚Sorry Victor, dein Stiefvater steht selbst auf Schwänze, kann aber nicht aus seiner russischen Haut. Sei ihm deshalb bitte nicht böse, wenn er sich homophob dir gegenüber benimmt, eigentlich hasst er nur sich selber.‘ Schwebt dir so etwas vor?“

„Ich bin doch nicht schwulenfeindlich!“

Entrüstung war zu hören.

„Wirklich nicht!“

Ich blickte ihn ernst an.

„Nein? Hast du nicht gerade gesagt, du kannst ihm seine Homosexualität nicht durchgehen lassen? Aber deine eigene Vorliebe für Schwänze geht in Ordnung, oder wie? Sorry, mein Lieber, das ist mehr als bigott, das ist Scheinheiligkeit pur!“

„Und was soll ich jetzt machen?“

Ich schüttelte nur mit dem Kopf.

„Ziehst du deine harte Linie durch und schmeißt ihn, nur weil er Männer liebt, aus der Wohnung, du wirst Cordula mit Sicherheit verlieren! Eine Mutter wird ihren Sohn immer mehr lieben als ihren Ehemann; denn sie war es, die ihn geboren hat. Sie würde ihn auch dann noch lieben, wenn er in den Knast kommen würde. Aber Victor? Victor ist nur schwul! Er ist kein Mörder, kein Vergewaltiger, kein Räuber, kein Dieb, er steht nur auf das eigene Geschlecht. Du hast also schlechte Karten, denn sie wird dein Verhalten ihrem Sohn gegenüber auf die gemeinsamen Kinder übertragen und die Konsequenzen ziehen und gehen.“

Das Bier tat jetzt gut.

„Ich glaube auch nicht, dass sie ultrareligiös oder ultrakonservativ erzogen worden ist, denn sie hat ja einen russischen Aussiedler geehelicht. Von daher besteht kein Anlass, nicht zu ihrem Sohn zu stehen. Pech für dich!“

Mein Boden musste wirklich interessant sein!

„Weiter?“

„Wenn sie erfährt, dass du seit über drei Jahren eine Affäre hast, wird sie ebenfalls die Koffer packen und dich verlassen. Das ist es kein einmaliger Ausrutscher, den man vielleicht noch verzeihen könnte, es ist … eher eine Zweitbeziehung. Der Vertrauensbruch ist einfach zu groß. Und das Schlimmste für sie wird sein, dass du ein Techtelmechtel mit einem Mann hast. Sie kann nicht mit den Waffen einer Frau gegen ihre Nebenbuhlerin kämpfen, da es keine Zweitfrau gibt. Tut mir leid, sie wird die Waffen strecken und dich, samt Kindern, verlassen!“

Ich blickte ihn teilnahmsvoll an.

„Egal, wie du es drehst oder auch wendest, du kannst sie nur verlieren!“

„Was soll ich jetzt machen?“

Er wirkte resigniert. Ich klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.

„Wenn dein Stiefsohn zu seinem Freund ziehen möchte, mit ihm leben möchte, dann lass ihn ziehen, besser noch, organisiere seinen Umzug! Dann wird seine Mutter sehen, dass du einzig und allein um sein Seelenheil besorgt bist, dass es dir nicht egal ist, was aus ihm wird. Versuche, ihn auf deine Seite zu ziehen, denn, falls deine schwule oder bisexuelle Ader je auffliegen sollte, kannst du wirklich jeden Verbündeten brauchen!“

Seine Augen blickten mich groß an.

„Ich soll ihn in der Sache unterstützen?“

„Etwas anderes wird dir nicht übrig bleiben, mein Lieber. Die sexuelle Orientierung deines Ältesten hat auch dein Leben durcheinandergebracht und Fragen aufgeworfen, die du erst selber einmal beantworten musst, ehe du wieder zur Tagesordnung übergehen kannst. Aber woher weißt du eigentlich, dass er schwul ist? Hat er sich euch gegenüber geoutet?“

Jetzt spielte ich Detektiv. Er rutschte auf der Couch hin und her.

„Nein, gesagt hat er nichts, aber …“

„Aber was?“

Ich wollte ihn schwitzen sehen. Er starrte auf die Flasche, die er in Händen hielt.

„Cordula hat so eine arschfreie Unterhose bei ihm entdeckt, so eine, wie du sie auch manchmal anhast, wenn wir …“

„Eine Jock?“

Ich grinste.

„Das ist dein ganzer Beweis? Das ist etwas wenig!“

„Nein, ich hab ihn zufällig aus der schwulen Kneipe rauskommen sehen. Du kennst die alte Klappe an der Martinskirche?“

Er blickte mich an, ich nickte.

„Ich habe beobachtet, wie er da reinging.“

Kopfschüttelnd grinste ich ihn an.

„Auch unheimlich tolle Beweise! Ins Blue gehen auch ganz normale Leute, er kann einen Freund begleitet haben. Und auf einem öffentlichen Klo kann man auch nur sein Geschäft verrichten, man muss ja nicht gleich …“

„Erstens wohnen wir nur zwei Straßen entfernt, und …“

Ein Lächeln umspielte seine Lippen.

„… und zweitens, braucht man, selbst bei Durchfall, keine dreiviertel Stunde für den Gang aufs Klo!“

Meine Stirn legte sich in Falten.

„Hast du die Zeit gestoppt?“

„Nein, ich wollte … naja … mal wieder …“

Er wurde verlegen.

„Ehe ich mir selber einen von der Palme wedel, geh ich halt lieber ins Pissoir und lass an mir spielen. Ich kann ja nicht immer zu dir …“

„Das wirst du sowieso nicht mehr können, denn …“

Ich räusperte mich verlegen.

„… seit Freitag … bin ich wieder … in festen Händen. Ich glaube nicht, dass mein Freund es toll finden würde, wenn wir weiterhin … unsere Spiele miteinander spielen.“

Er sank in sich zusammen.

„Das ist jetzt doch nicht dein Ernst? Das kannst du mir nicht antun!“

„Doch das kann er!“

Der blonde Lehrling stand plötzlich im Türrahmen. Der Russe riss die Augen groß auf.

„Victor?! Was machst du denn hier?“

„Meinen Freund besuchen!“

Er ging grinsend auf seinen Stiefvater zu. Was hatte er in der Hand.

Seinen Augen wurden groß wie Unterteller.

„Deinen Freund? Vincent ist dein Freund?“

„Ja, er ist der Mann, den ich liebe und …“

Der Kleine lächelte ihn süffisant an. Der Mann auf dem Sofa sackte endgültig in sich zusammen.

„Aber … er … er ist ja älter als ich …“

„Ich weiß, aber ich liebe Vince trotzdem … oder gerade deswegen.“

Der Azubi warf mir einen Luftkuss zu.

„Und, wie ich gerade erfahren habe, hat er nichts dagegen, wenn ich zu ihm ziehe. Und genau das werde ich am Wochenende auch machen!“

Ich musste grinsen, er hatte wirklich jedes Wort mitbekommen. Nikolaj war immer noch weiß wie die Wand.

„Aber … Cordula … wird … nie im Leben zulassen, dass … du ausziehst.“

„Doch, das wird sie, denn ich werde ihr Morgen endlich sagen, was mit mir los ist, und ich werde ihr auch sagen, dass ich zu meinem Freund ziehen werde.“

Er grinste immer noch hämisch.

„Und du wirst sie entsprechend bearbeiten und mich dabei unterstützen. Haben wir uns verstanden?“

„Das … das … kann ich nicht machen! Das … das … geht nicht!“

Nikolaj wirkte mehr als konsterniert.

„Doch, das wirst du, denn …“

Der Azubi hielt seinem Stiefvater sein Mobilteil vor die Nase. „… ich habe euer komplettes Gespräch mitgehört, jedes Wort, von Anfang an!“

„Du hast was?“

Rote Farbe schoss in sein Gesicht, um sofort wieder zu verschwinden. Victor legte einen unschuldigen Blick auf, umklammerte grinsend seinen Mobilknochen.

„Ich habe dein ganzes Geständnis! Angefangen mit der Bitte nach dem fachmännischen Rat, den du von Vince haben wolltest, bis hin zu deiner Spielerei auf der Klappe an der Martinskirche. Also, wenn du nicht möchtest, dass Mama jemals davon erfährt, dann wirst du deine Frau von der Notwendigkeit meines Auszuges überzeugen. Meine Geschwister hätten dann ja jeder ein eigenes Zimmer, nur mal so als kleine Argumentationshilfe.“

„Du … du willst mich also erpressen? Das ist jetzt nicht dein Ernst!“

Der Russe hatte sich erhoben, starrte seinen Stiefsohn funkelnd an.

„Also, Erpressung würde ich das jetzt nicht nennen, das klingt viel zu hart. Ich … ich würde es eher als kleine Entscheidungshilfe bezeichnen, denn wer weiß, … wenn du das Problem in meinem Sinne löst, vielleicht darfst du dann mal … mit uns zusammen spielen.“

Frech grinsend kam er auf mich zu, drückte mir einen Kuss auf die Lippen.

„Und wenn du uns jetzt entschuldigst? Du kannst gleich Mama sagen, ich schlafe heute hier und bin morgen um sechs bei ihr, um mit ihr zu reden!“

Gesenkten Hauptes schlich sich der einst so stolze Russe aus meinem Wohnzimmer. Als die Tür nach gefühlten Ewigkeiten endlich ins Schloss fiel, bekam mein Engel einen Lachanfall, wie ich ihn nur aus schlechten amerikanischen Sitcoms kannte. In welchem Film war ich hier?
Irritiert blickte ich meinen Engel an.

„Kannst du mir verraten, weshalb du so lachst?“

„Mein Handy hat gar keine Diktierfunktion!“

Er küsste mich erneut.

„Und, ehe du fragst, Videos kann ich damit auch nicht aufnehmen.“

Jetzt musste auch ich lachen.

„Dann hast du die ganze Zeit nur geblöfft?“

„Seit wann ist die Wahrheit ein Blöff? Ich habe doch nur gesagt, dass ich euer ganzes Gespräch mit angehört habe, von einer Aufzeichnung habe ich nie gesprochen.“

Er grinste mich hämisch an.

„Was kann ich denn dafür, dass der Typ meint, ich hätte euren Small Talk auf Band, nur weil ich ihm mein Handy unter die Nase gehalten habe? Du wirst mich doch nicht verraten?“

„Meine Lippen sind versiegelt!“, ich wuselte durch seine Haare, „aber mal was anderes: War das gerade ernst gemeint? Das mit dem gemeinsamen Spielen?“

„Na klar, denn irgendwie müssen wir ja richtiges Beweismaterial in Händen haben.“

Er griff direkt in meine Jogginghose.

„Und jetzt lass uns in Schlafzimmer gehen und dort noch etwas üben, damit ich sein Teil dabei auch aufnehmen kann.“

*-*-*

Cordula und ich haben uns eine Woche später zum Essen in der Stadt getroffen, sie wollte unbedingt den Mann kennenlernen, für den das Herz ihres Sohnes schlug. Wir verstanden uns auf Anhieb, gut, der Beginn unseres Gespräches glich eher einem vorsichtigen Abtasten, aber das Eis zwischen uns schmolz relativ schnell dahin.
Wir gingen auf die gleiche Schule, sie war allerdings zwei Jahrgänge unter mir. Ich weiß nicht warum, aber sie schreibt es meinem Einfluss zu, dass sich das früher eher angespannte Verhältnis zwischen Stiefvater und Stiefsohn erheblich gebessert hat.
Gegen seine Besuche bei uns hat sie nichts, im Gegenteil, sie schickt immer eine kleine Aufmerksamkeit mit, wenn er zu uns zum Skat kommt.

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Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 02:36 PM - No Replies

Vorwort:
Meinem Onkel gewidmet, der mir immer wie ein guter Freund und Vater war, der wie ich in Bützow zur Schule ging. Und meiner alten Heimatstadt.
„Tack“, macht mein neuer Gehstock auf dem Bürgersteig bei jedem zweiten Schritt. Ich bin auf meiner täglichen abendlichen Runde durch Bützow, meiner Heimatstadt seit nunmehr 75 Jahren.
Es ist kurz nach halb Zehn und ich bleibe wie immer an derselben Stelle stehen. Um mich zu erinnern, aber auch um zu verschnaufen. Hier, in diesem grauen Gebäude in der Nähe vom Marktplatz, bin ich mal zur Schule gegangen, habe später lange dort gearbeitet.
Ich höre immer noch das Kinderlachen in meinen Ohren, sehe zahlreiche, ihre Schultaschen schleppenden Kinder, die munter schwatzend auf dem Weg zur Schule sind.
„Guten Morgen, Herr Krause!“, zu Tagesbeginn.
„Guten Morgen“ – fast vierzig Jahre lang.
Nun ist das alte Haus schon lange nicht mehr benutzt. Und ein nicht benutztes Haus bekommt keine neue Farbe, keinen neuen Putz. Grau, alt, hässlich. Selbst für Mäuse ein schlimmer Ort, so ganz ohne weg geworfene Pausenbrote. Die neue moderne Schule ist weit weg, draußen am Stadtrand.
Mir kommt es so vor, als hätte man nur die Kinder aus dem Ort verbannen wollen. Und die Stadt hat jetzt ein großes Gebäude mehr, welches von der Baulichkeit nur einem vorbestimmten Zweck dienen kann, das ungenutzt als hässliches Objekt mitten im Zentrum stehen.
Damals als Schüler bin ich oft erst nach dem ersten Klingeln von zuhause los gelaufen. Bin trotzdem noch pünktlich gewesen, und musste nicht mal die Straßenseite wechseln! Wie immer rege ich mich innerlich auf und gehe lieber schnell weiter. Vorbei an Häusern, Jahrhunderte alt und oft etwas schief und krumm. Nicht nach Norm, aber mit viel persönlicher Note.
Schon als Kind habe ich die dicken, groben Balken bewundert, die an den unmöglichsten Stellen in unserer Wohnung sichtbar waren. Mein Bruder hat das später extra als dekoratives Element in sein Haus eingebaut. Und dann die schiefen Wände und Fenster. Alles sehr stabil, auch noch in fünfhundert Jahren und vielen folgenden Generationen.
Leider mangelt es immer mehr an den Bewohnern. Keine Arbeit, kein Geld, keine Bewohner, und auch keine Heizung im Winter im leeren Haus. Leerstand und Abriss. Wie die Karies frisst sich diese Krankheit durch die Häuser der kleinen Stadt, immer mehr Lücken hinterlassend. Nun, wenn einer kleinen Stadt in fünfzehn Jahren nach der Wende ca. 2700 Bürger „abhanden“ kommen, kann man sich die Auswirkungen vielleicht vorstellen. Ein großes Möbelwerk mit mehreren Betriebsteilen, welches europaweit ausgeliefert hat, existiert lange nicht mehr, und, und, und… Es ist die reine Tristesse und Hoffnungslosigkeit. Wo ist die Zukunft? Tief gebückt und in Gedanken, klappere ich über den Marktplatz. „Tack. Tack. Tack.“
Das Geräusch des Gehstockes verstummt, denn eine Flasche kommt geflogen und ich erschrecke. Mit einem lauten Klirren ist die Pfandflasche hinüber und ich fast vor Schreck tot. Neue Scherben neben den schon vielen anderen im Marktbereich. Nun sehe ich sie. Der „Stolz“ der Stadt, ein ganz besonderer Teil unserer Jugend: Springerstiefel, kahlköpfig, besoffen und laut krakeelend, kein schöner Anblick. Die Flaschen bleiben später mitten auf dem Mark zurück. Günstigstenfalls aufgereiht stehend, oft aber in Scherben. Nicht nur die Häuser gehen kaputt, mit ihnen wohl auch ihre Bewohner. Innerlich. Eltern, schon lange mit Harz-4 lebend, satt aber ohne Zukunft, können ihren Kindern schlecht positive Werte vermitteln. Dabei ging es der Stadt mal richtig gut als Universitätsstadt und Bischofssitz, ganz früher. Ich merke auch bei Familiengeburtstagen, wie die Stimmung im Ort sinkt. Ich habe von der Rettung gehört, die „Experten“ den ostdeutschen Stätten mit Einwohnerschwund zugedacht haben – abreißen! Warum aber nicht viel lieber wieder Möbel bauen hier im Ort, erst mal so als Notlösung…
Ich, wie immer mit Anzug und Krawatte bekleidet, bin der absolute Gegensatz zu den Jugendlichen, nicht nur vom Alter her. Getreu meinem Motto: Wer sich und auch seine Mitmenschen mag, kleidet sich entsprechend niveauvoll, würde ich selbst als Sozialfall nicht auf die Krawatte verzichten wollen. Solche Kleidung am Körper wie bei den Jungs da – das würde meinen Lebensgenuss arg mindern.
Haben wir was falsch gemacht, dass hier alles so gekommen ist? Und wenn, was? Wo sind die ganzen „Jungen Wilden“ hin mit ihrer unbändigen Energie und Lebenskraft, mit ihrem jugendlichen Optimismus, der Lust auf Veränderung? Sind die Besten alle abgewandert, und der „Rest“ blieb hier? Machen die jetzt die USA stark… Ich versuche, mir die ganzen jungen Leute wieder ins Gedächtnis zu rufen, die sich mir mit sehr guten Leitungen und ihrem starken Charakter über die Jahre eingeprägt haben. Es waren doch sehr viele, zu viele für meinen Kopf im Moment. Ganz die Körperhaltung und Gedanken auf Depression eingestellt, mache ich trotzdem meine Runde, und denke, und denke… Vor Tagen habe ich in den Nachrichten gehört, es wurde wieder was angesteckt bei einer Randale auf dem Markt. Mir kam es so vor, als hätte ich Brandstellen auf meinem Körper gespürt, so hat es mich getroffen.
Wieder in meiner Wohnung, sorge ich für Gemütlichkeit. Das ist für mich ein Glas Rotwein (oder zwei) spät am Abend und der neue Mac. Einen Fernseher hatte ich noch nie, denn das wäre für mich arge Zeitverschwendung. Wie immer schaue ich nach neuen Mails und habe etliche Zeit damit zu tun, alle meine Kontakte zu pflegen. Für politische Nachrichten muß auch noch Zeit sein. Oft bin ich aber auch einfach nur am Musik hören. Unter anderem die Auswahl an Musikvideos auf Youtube hat es mir sehr angetan. (Vier Lautsprecher-Boxen und ein hochwertiger Verstärker sorgen für den von mir bevorzugten Klang.) Dann sind noch nicht alle neuen Bücher gelesen. Und mit alten Freunden will ich noch telefonieren. Und noch was schreiben. Also Langeweile ist nicht so mein Ding. Heute könnte ich etwas Melancholisches für meine Seele vertragen. Vielleicht alte Filmmusik? Ich gehe in Gedanken durch, was ich so kenne, aber das habe ich schon zu oft gehört. Meinem Lieblingsurlaubsland entsprechend, bin ich schnell bei italienischen Meistern in meiner Auswahl angekommen. Kurz die Titel angehört, dann dringt mir eine Melodie ins Ohr, die mich sehr berührt. Orchestermusik. Ein Dirigent, nicht mehr jung, scheinbar groß gewachsen, schlank und sehr würdevoll, schwingt seinen Taktstock vor Leuten beinahe jeden Alters. Und auf jedem Gesicht ist eine Verzückung, als würden sie nicht nur ihre Arbeit erledigen – nein, sie machen den Eindruck, als hätten sie momentan das aller schönste Erlebnis in ihrem Leben. Ich lese: Ennio Morricone.
Seine Musik ist von einer so urgewaltigen Kraft, meine Sinne sind dem mehr als aufgeschlossen, aber der Mann auf dem Podest und sein Orchester, dieses Miteinander, und dieses geistige Leuchten, was von dem älteren Herrn auszugehen scheint, der dadurch für mich zu einem, trotz seines Alters, sehr schönem Mann wird – das fasziniert mich sehr. Hatte ich dieses überaus freudige Miteinander mit meinen „Orchestern“, also Klassen, und ich als „Dirigent“ – Lehrer auch schon mal so erleben dürfen? Ich muss mir leider eingestehen, eher sehr wenig. Mehr, wenn ich die Pausen angekündigt habe… Hin und weg von der Musik, lade ich mir alle verfügbaren Stücke herunter und rette sie schnell auf CD.
Nun bin ich so aufgedreht, und wie immer an dem Punkt, wo ich mich unbedingt mitteilen muss. Mein alter Schulfreund, nur einige Häuser weiter wohnend, ist mir oft eine große Hilfe und leiht mir geduldig sein Ohr. Mit der CD in der Tasche, bin ich auf dem Weg zu ihm.
Paul. Er sitzt wie immer in seinem großen TV-Sessel, oder für ihn passender formuliert: Thron. Hat es doch bei seiner massigen Gestalt und Erscheinung etwas Erhabenes, wie er so dasitzt, der alte erfahrene Personaler. Mit einem wachen Blick, der alles aufzusaugen und zu verstehen scheint. Trotz aller Krankheiten und Schmerzen, die ihn plagen, habe ich ihn niemals klagen hören. Nach einem einleitenden Austausch von täglichen Neuigkeiten erzähle ich über die Musikvideos, meine Gedanken, meine Gefühle. Als wir kurz darauf vor dem Monitor an seinem Schreibtisch sitzen, in den Ohren die feinen Klänge, schließt er seine Augen und ich kann sehen, wie er tief bewegt ist. Wir reden und reden über die Situation im Ort, die Jugend, die große Politik. Was uns antrieb, ganz früher mal, und was geworden ist. Unser nicht lösbares Kernproblem ist das Warum. Warum sitzen DIE da fast jeden Abend und benehmen sich so… Dann meint er, „Du, als wir noch ganz klein waren, da waren wir so schlau und haben unseren Eltern Löcher in den Bauch gefragt. Haben wir das vergessen? Lass es uns raus kriegen – wir gehen einfach hin und sprechen mit ihnen. Ich glaube, unser Job ist noch nicht richtig erledigt…“ Nach Stunden von der Konversation erschöpft, schlafen wir, so da sitzend, ein.
Am Abend sind wir unterwegs. Für ihn sehr mühevoll, mein „Tack-Tack“ erfolgt ganz langsam. Fünfe sind schon da. Als wir direkt auf sie zugehen, erlischt das laute Gespräch. Die Frage: „Was in aller Welt können die alten Knacker von uns nur wollen?“, ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Aggressivität ist zu spüren, eine Flasche bewegt sich auf gefährlicher Höhe. Wir zeigen trotzdem keine Angst. Etwas in unseren Augen lässt sie wohl innehalten, von ihrem Reflex der Gewalt. Vielleicht ist da noch etwas Respekt vor unserem Alter, denn wir bekommen Platz angeboten. Springerstiefel, per Internethandel erworben, neben eleganten italienischen Schuhen, in Rom auf dem Corso gekauft. Bügelfalte neben Kampfhose. Kahle Köpfe neben kahlen Köpfen. Fünf rasiert, zwei in Natur. Der eine alte Mann mehr still innehaltend, aufmerksam beobachtend – der andere mit allen seinen Künsten der Sprache sehr aktiv. Er setzt Akzente, regt zum Nachdenken an, korrigiert fast unbemerkt, kanalisiert die Gedanken, wie zuvor in Jahrzehnten geübt und zur Meisterschaft entwickelt.
Was wir von den jungen Leuten hören, versetzt uns in Erstaunen. Die Stadt, die ganzen Ruinen jetzt, die Hoffnungslosigkeit der Eltern, die fehlende Arbeit – ja, genau das, was uns auch bewegt. Nur die Lösungsvorschläge, das geht nun gar nicht. Wir erzählen unsere Gedanken und Sorgen, auch mit welchen Idealen wir mal angetreten sind, vor Jahrzehnten. Was wir erhofften – was wir nun finden. Erstaunt beobachtet Paul den einen jungen Mann, scheint der Anführer zu sein. Eine hohe Stirn, wache, intelligente Augen und eine Mimik, die reichlich Aktivität im Kopf signalisiert.
Paul lässt sich niemals durch das Äußere täuschen, er schaut nach innen. Er sieht Jemanden, vom Antlitz einem bekannten deutschen Dichter in jungen Jahren sehr ähnlich, nur ohne dessen hohe Bildung. Er spürt, dieser Junge hätte unter besseren Umständen seiner Entwicklung ganz andere Wege nehmen können. Man hat sich einfach keine Mühe mit ihm gegeben. Was haben seine Lehrer mit ihm gemacht! Andere sorgen sich um die Lehrstelle, und dann? Und nicht mal mehr ein Kino oder sonst etwas ist im Ort.
Der alte Lehrer läuft zur Hochform auf, borgt sich Energie in der Zukunft. Man denkt: „Ja – wie dieser alte Mann möchte ich auch mal sein, später. Der hat so ein geistiges Leuchten, so eine Würde…“ Sie reden und reden lange. Neugierig werden Fenster geöffnet. Viele Leute kommen, auch die Freundinnen. Es ist was los, dort am Markt, wird erzählt. Wegen seiner Neugier kommt auch der Sohn vom Dönerhändler, die ist jetzt stärker als seine Angst.
„Die Türken“, werden sie hier genannt, dabei ist er doch ein Kurde, und vom südöstlichen Mittelmeer stammend. Zugehörig einem ganz alten Volk und Familie sogar, denn sein Großvater hat ihm einen Stein gezeigt mit einer Inschrift drauf. „Dein Name.
Du findest noch viele davon im Wüstensand“, meinte er. Ein anderes altes Volk mag sie nicht. Nun haben sie die Heimat getauscht. Dort war es im Sommer sehr heiß und trocken, im Winter kalt und feucht, die Tapeten ohne Heizung schimmelnd und überall dieser Muff, hier ist es angenehm. Und Angst hat er jetzt nur noch abends am Markt. Er hat ein markantes Gesicht, eine Schönheit ist er, das Blut in seinen Adern stark und frisch.
Er hört diese Jungs reden, beobachtet den einen interessiert und fühlt sich angezogen und jetzt ohne Angst. Nach Minuten schiebt er seinen Hintern zwischen die Sitzenden, neben ihn. Paul, beobachtend, sieht wie der sich öffnet, und nicht wie sonst gleich schlägt und brüllt. Für ihn ganz deutliche Körpersprache und er schmunzelt.
Ein Mädchen ist von der Schönheit des Kurden entzückt. In ihrem Geist sind alle Lämpchen für Partnererkennung auf Alarm. „DER Vater meiner Kinder!“ leuchtet es rot. Rot für Liebe. Aber sie spürt auch die Gefahr, die gegenseitige Anziehung der beiden Jungen. Sie wird kämpfen müssen.
Alle reden, später wird gegessen, weiter diskutiert. Alle und zusammen. Nach Stunden ist in ihnen eine Erkenntnis gereift: „Wir müssen was tun.“ Oder: „Packen wir es an.“ Wie im Viervierteltakt kreisen diese Worte durch ihre Köpfe, mobilisieren sie. Zusammen können sie es schaffen und wollen unbedingt für sich, für ihre Stadt was tun. Wie richtige Bürger.
Ich beobachte den Jungen mit dem schönen markanten Gesicht. Wäre der mir vor 60 Jahren schon begegnet… 60 Jahre – schon so lange Zeit! Ich spüre eine unendliche Müdigkeit. Eigentlich werde ich hier nicht mehr gebraucht, denn alles redet auch ohne mich. Paul sitzt schon da und schläft vor Erschöpfung…
* * *
Der alte Mann schlurft Richtung seiner Wohnung, seinen Gehstock vergessend, den er nicht mehr braucht. Bevor er sich zu Bett legt, stellt er wieder diese Musik an. Zufrieden und glücklich legt er sich hin, spürt den Geruch, der von dem Laken ausgeht. Er kann es deuten – bald wird er seine Frau wieder sehen. Zufrieden schläft er einen langen Schlaf.
Er weiß: Sein Werk und Lebensaufgabe ist vollbracht.
* * *
Vergessen wir niemals unsere Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Niemand lebt letztendlich für sich allein. Jeder kann was tun und jedes Handeln erzeugt eine Reaktion. Was sie bewirkt, kann laut Chaos-Theorie die Welt verändern. Bestimmt hat das Umfeld des Komponisten seinen Werdegang sehr beeinflusst. Die Liebe, die er mal bekommen hat, können wir heute noch in seiner Musik spüren. So kann sie sogar noch in weiter Entfernung Wunder vollbringen.

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Information Vater und Sohn
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 02:36 PM - No Replies

Hatte ich alles? Noch einmal zog ich meine Tasche mit dem Laptop auf den Schoss und durchwühlte die diversen Kleinfächer. Alles war vorhanden. Leicht verärgert schaute ich aus dem Fenster.
Eigentlich konnte ich froh sein, dass es eine Filiale meiner Firma in der Nähe meines Vaters gab, denn jetzt auch noch einen neuen Job zu suchen – nein danke! Der Flugbegleiter stand nun vorne und erklärte mit seinen üblichen Ausführungen, was man in einem Notfall zu tun hatte.
Ich hörte schon gar nicht mehr hin, es war mir im Augenblick eh egal. Für was brauchte ich eine Schwimmweste, wir flogen über Deutschland, da hatte es nicht soviel Wasser. Meine Probleme lagen ganz woanders. Dass ich irgendwann wieder ins Badische ziehen würde, war ja von Anfang an klar, aber dass es doch so schnell gehen sollte…
Jede einzelne Sekunde an dem Abend, als mich meine Schwester angerufen hatte, war mir in Erinnerung geblieben. Der Schock saß immer noch tief, obwohl das Gespräch nun schon drei Wochen zurück lag.
Die Polizei hatte meinen Vater nur im Schlafanzug total verwirrt auf dem Bahnhof aufgegriffen. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie meine Schwester Tess erreicht hatten, die ihn dann abholen durfte.
Der Arzt diagnostizierte eine schwere Diabetes. Keiner zuvor hatte es bemerkt. Doch Tess arbeitete bei ihrem Mann in der Firma mit, hatte die Zwillinge zu versorgen, da hatte sie verständlicherweise auch keine Zeit, sich noch um Vater zu kümmern.
So blieb diese unheilvolle Aufgabe an mir hängen. Zu mir wollte ich ihn nicht holen, hier kannte er niemanden, vor allem kannte er sich nicht aus. So hatte ich mich von Tess überreden lassen, doch wieder in heimische Gefilde zu ziehen.
Am Vibrieren des Sitzes stellte ich fest, dass sich die Maschine in Bewegung gesetzt haben musste. Ich lehnte meinen Kopf zurück und schloss die Augen. Meine Gedanken waren ein einziges Chaos.
Ich dachte zurück… eine Woche. Da hatte ich ihn kennen gelernt. Ein Gentleman auf ganzer Linie. Robert war Engländer, wohnte aber schon mindestens zehn Jahre hier. Ich hatte ihn auf einem Geschäftsessen kennen gelernt und wir hatten uns auf Anhieb sehr gut verstanden.
Fünf Abende hintereinander hatten wir uns getroffen, bis mir bewusst wurde, dass es keinen Sinn hatte. Wieso sollte ich etwas aufbauen, wenn ich sowieso hier wegzog. Am sechsten Tag sagte ich die Verabredung ab und löschte Roberts Nummer aus meinem Handy.
Ich nahm das gesamte Wochenende, um zu packen, ging kein einziges Mal ans Telefon. Und nun saß ich alleine im Flieger. Meine Möbel, mein ganzes Hab und Gut war mit dem Lkw unterwegs.
Das Flugzeug hob ab. In zwei Stunden würde ich zu Hause sein, Tess wollte mich vom Flughafen abholen.
So versuchte ich, mir die letzten zwei Stunden meiner Freiheit in Ruhe zu Gemüte zu führen. Doch daran war nicht zu denken. Die ältere Frau eine Reihe hinter mir erzählte jemandem von ihrem Enkel, wie stolz sie doch auf ihn wäre.
Also konnte ich nur ruhen und erfuhr so jede Einzelheit über diesen Enkel. Irgendwann musste mich dann doch der Schlaf übermannt haben, denn ich wurde mit einem Rütteln am Arm geweckt.
„Könnten Sie bitte den Sitz aufrecht stellen und sich anschnallen, wir landen in wenigen Minuten.“
Die nette Flugbegleiterin lächelte mich an und lief zur nächsten Reihe. Ich brachte mich wieder in eine aufrechte Position und legte den Gurt an. Ein kurzer Blick nach draußen zeigte mir, dass es hier genauso regnete wie schon vorhin beim Abflug.
Euro Airport – der Flughafen der Region. Eigentlich praktisch, einen Flughafen für drei Länder gleichzeitig zu bauen. Mulhouse in Frankreich, Basel in der Schweiz und Freiburg in unserem Ländle.
Ich musste lächeln. Eigentlich hatte ich mir angewöhnt, hochdeutsch zu sprechen, aber kaum war ich hier, spukte mir der Dialekt im Kopf herum. Die Maschine war mittlerweile gelandet und rollte zum Terminal.
Wie lange ich hier schon nicht mehr gewesen war. Recht flott verließ ich die Maschine und nach endlosen Schleusen stand ich endlich in der großen Halle. Nur, wo war meine Schwester?
„Onkel Patrick“, hörte ich plötzlich jemanden schreien.
Jemanden? Es handelte sich um zwei fast identisch wirkende Persönchen namens Jennifer und Marcel. Und meine getreue Schwester hintendrein.
„Hallo Frau Egner, wie machen Sie das? Sie sehen immer besser aus!“, begrüßte ich lächelnd mein Schwesterherzchen.
„Du bist ein alter Schmeichler, wie eh und je“, bekam ich als Antwort.
„Onkel Patrick…, Onkel Patrick“, klang es aus Bodennähe zu mir herauf.
Ich ging also schweren Herzens in die Hocke und wurde sogleich von zwei kleinen Rackern bestürmt und umarmt. Die obligatorischen Kussattacken fehlten natürlich auch nicht. Meine Schwester hatte dann doch Erbarmen mit mir und entzog mir die zwei kuschelwütigen Monster.
„Danke“, meinte ich und richtete mich mit einem kleinen Stöhnen wieder auf.
„Was hören da meine Ohren, wird mein kleiner Bruder alt?“
„Liebste Tess, sitz du zwei Stunden auf einem zu kleinen Sitz im Flugzeug und versuche zu schlafen. Und ich erinnere dich daran, dein kleiner Bruder ist mindestens fünfzehn Zentimeter größer als du!“
Sie setzte wieder ihr typisches freches Grinsen auf. Es gab eben Dinge, die veränderten sich nie. Wir fielen uns in die Arme.
„Danke, dass du gekommen bist“, sagte Tess leise.
„Was macht der Alte?“, fragte ich Tonlos.
„Seit er die Medikamente bekommt, benimmt er sich ganz normal. Na ja, eben das, was man so als normal bezeichnen kann.“
„Es hat sich also nichts geändert… noch immer jähzornig, rechthaberisch und streitsüchtig.“
„Du tust ihm Unrecht! Er ist viel ruhiger und gelassener geworden.“
Ich schaute sie mit großen Augen an. Jahrelang hatte mich mein Vater wegen jeder Kleinigkeit verprügelt. Er hatte mich gebrochen… mit voller Wucht und da sollte ich glauben, er habe sich gebessert?
„Ja, ich weiß, was du denkst“, sprach Tess weiter.
Eine kleine Hand nahm die meinige und zog daran. Ich schaute hinunter und sah in Marcels Augen.
„Ich wusste nicht, dass du unter die Hellseher gegangen bist, liebe Schwester. Und ich sage dir auch gleich, ich mache dies hier auch nur allein wegen dir!“, erwiderte ich und mein Blick wanderte wieder zu Tess.
„Das weiß ich auch sehr zu schätzen. Aber komm jetzt, zu Hause wartet unser Essen auf uns.“
„Auch etwas, worauf ich mich tatsächlich freue… die badische Küche.“
Ich gab Marcels Ziehen nach und wir liefen in Richtung Ausgang.
„Junger Mann, würdest du bitte meinen Arm dran lassen“, sagte ich zu Marcel, der immer noch kräftig zog.
Der quittierte diesen Satz mit einem lauten Lachen und einem unverständlichen Gemurmel.
„Er hat ständig nach dir gefragt“, sagte Tess leise neben mir.
„Marcel?“, schaute ich sie fragend an.
„Nein… ich meine Vater. Du hättest mal anrufen können.“
„Schwesterherz, ich weiß nicht, ob dir bewusst ist, dass man in beide Richtungen telefonieren kann und er hatte meine Nummer.“
„Wollte dir das ja auch nur erzählen.“
„Sorry, ich bin nicht so gut drauf. Die Woche hatte ich viel Stress und dann der Umzug.“
„Schon gut.“
„Wo stehst du?“
„Drüben auf dem Parkplatz. Da du ja fast kein Gepäck bei dir hast, dachte ich, ich muss auch nicht so dicht am Eingang parken.“
Ich lächelte sie an. Mich wunderte, dass die beiden Kleinen so ruhig waren und keinen Ton sagten. Ich hatte sie als Quell jeglicher Wortwahl in Erinnerung. Jetzt waren sie nur am Kichern.
Still liefen wir über den Parkplatz, bis die beiden Kleinen losstürmten und vor einem schwarzen Touareg stehen blieben. Schwesterherz hob die Hand und bediente ihren Schlüssel. Die Blinklichter leuchteten kurz auf und schon hatten die Zwillinge die Autotüren offen.
Belustigt schaute ich zu, wie sie mühsam ins Wageninnere kletterten.
„Ganz schön fit deine zwei Racker“, meinte ich.
„Ja sind sie und ich würde sie nie hergeben wollen. Sind meine zwei kleinen Sonnenscheine.“
„Es gab Zeiten, da war dein kleiner Bruder dein Sonnenschein“, rutschte mir so heraus, wieder in der Vergangenheit hängend.
„Bist du ja auch immer noch“, meinte sie und hängte sich lächelnd an meinen Arm.
Wir erreichten das Auto und ich bestaunte erstmal dieses Prachtstück voll Kraft.
„Scheint gut zu laufen euer Geschäft, wenn man sich so ein Auto leisten kann.“
„Wir können uns nicht beklagen, an Arbeit fehlt es uns nicht.“
Mir kam der große Streit in den Sinn, dieses sinnlose Unterfangen Vater klar zu machen, dass ich nicht Schreiner lernen wollte, um den elterlichen Betrieb weiter führen zu können. Wie immer hatte meine große Schwester eine Bresche für mich geschlagen und hatte, sehr zu meinem Erstaunen, den damaligen Gesellen geheiratet.
So war der Fortbestand der Firma gesichert, auch wenn klar war, dass Tess mit ihrem Alphamännchen das Sagen hatte. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, was sie damals an diesem Machotypen gefunden hatte.
Gut, ich musste zugeben, dass Ralf auch absolut nicht mein Typ gewesen war, für mich nicht gerade eine Schönheit und dann eben dieses Machogehabe. Die blöden Sprüche über Frauen waren nicht mein Ding. Aber er schien sich gebessert zu haben, wie mir Tess immer wieder am Telefon berichtete.
Langsam zog der Touareg vom Parkplatz. In Gedanken versunken war ich eingestiegen und hatte nicht einmal bemerkt, wie meine Schwester losgefahren war. Die Zwillinge spielten mit irgendwelchen Figuren auf der Rückbank, waren also beschäftigt.
Irgendeine Musik kam über den Äther, aber verstehen konnte ich nichts. Zu laut war das Powerduo im hinteren Teil des Wagens.
„Jennifer, hör auf deinen Bruder an den Haaren zu ziehen!“, erschallte plötzlich die Stimme meiner Schwester neben mir.
Ich fuhr regelrecht zusammen und schaute nach hinten.
„Aber er piekt mir immer in den Bauch, Mama der soll auch aufhören“, kam es mit glockenheller Stimme von Jennifer.
„Junior, könntest du deine Schwester in Ruhe lassen!“, sagte Tess nun etwas schärfer.
„Ja Mama“, meinte Marcel und streckte seiner Schwester die Zunge heraus.
Ich drehte mich lächelnd wieder nach vorne und schaute, ob ich etwas wiedererkennen konnte. Schließlich war ich jetzt über ein Jahr nicht mehr hier gewesen. Der Job hatte viel Arbeit mit sich gebracht.
So war ich mehr in der Welt unterwegs gewesen, als zu Hause. Nun sollte hier wieder mein zu Hause sein.
„Du bist so still“, hörte ich Tess neben mir sagen.
Ich schaute in ihre Richtung.
„Mich geht es ja nichts an, aber gibt es da jemanden, den du irgendwann mal vorstellen möchtest?“, fragte sie.
„Nein!“
„Keine Liebe in Sicht?“
„Schwesterchen, Liebe ist Luxus und den kann ich mir nicht leisten.“
„Deine Worte hören sich so verbittert an.“
„Wundert dich das?“
Sie schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr. Mittlerweile überquerten wir den Rhein und ich konnte schon das blaue Schild >Bundesrepublik Deutschland< erkennen.
„Ralf hat sich erlaubt, im Haus einiges renovieren zu lassen. Ich hoffe, es gefällt dir.“
„Sicher wird mir es gefallen.“
„Und er hat es fertig gebracht, dir einen separaten Eingang zu schaffen, du musst also nicht immer an Vater vorbei.“
Ich nickte ohne Kommentar, auch wenn die Information meiner Schwester eigentlich eine positive Mitteilung war.
„Dein Firmenwagen wurde auch schon geliefert. Er steht voll getankt in seiner Garage“, erzählte sie weiter.
„Firmenwagen?“, fragte ich verwundert.
„Ja, der Bringer meinte, der sei für dich, reichte mir Schlüssel und Papiere und verschwand wieder.“
Davon hatte mir der Alte gar nichts erzählt. Gut, ich wusste nur, dass ich die Filiale übernehmen und wieder auf Vordermann bringen sollte. Was alles daran hing, war mir nicht klar.
„Weißt du, wo die Filiale ist, in der ich anfangen werde?“, fragte ich.
„Ich weiß nur, dass sie sich in Freiburg befindet, dort war ich noch nie. Na ja, vielleicht daran vorbei gelaufen, aber wusste ja nicht mal, dass es zu der Firma gehört, für die du arbeitest.“
„Ach so.“
„Ist alles in Ordnung mit dir Patrick?“, fragte Tess mit besorgtem Ton.
Ich schaute sie lange an, während sie sich auf den Verkehr konzentrierte. Dann wanderte mein Blick nach vorne und ich sah mir wieder die Gegend an.
„Tut mir leid, Tess. Bin im Augenblick kein guter Gesprächpartner… habe zuviel im Kopf.“
„Bereust du deinen Entschluss, wieder hier her zu kommen?“
„Das kann ich dir nicht einmal sagen. Warte ein paar Wochen, dann kann ich dir eine bessere Auskunft darüber geben.“
Mir tat die Antwort jetzt schon leid, als ich Tess‘ enttäuschten Blick sah. Aber was konnte ich ihr anderes sagen? Einige Zeit hier und ich konnte wirklich sagen, ob mir das Landleben wieder gefallen würde. Oder ob es mich wieder in die Großstadt zurückzog.
Normalerweise müsste meine Laune so langsam Tiefstniveau erreicht haben, doch dieses fröhliche Kindergelächter hinter meinem Rücken übertrug sich auf mein Gemüt. Immer öfter schaute ich nach hinten und bekam sogar ein Lächeln hin.
„Wie geht Ralf eigentlich mit dem Ganzen um?“, fragte ich Tess.
Sichtlich verwundert warf sie kurz einen Blick zu mir.
„Wie meinst du das?“
„Wie Ralf damit fertig wird, dass Vater jetzt so ist, wie er ist. Oder willst du mir erzählen, dass die beiden ein Herz und eine Seele sind?“
„Das sicherlich nicht und Ralf bemüht sich auch nicht, diesen Zustand zu ändern. Er geht ihm sogar regelrecht aus dem Weg.“
„Hat Vater auch bei ihm seine sogenannte Morallatte angesetzt und ihn niedergemacht?“
„Kann ich dir nicht sagen, ich war nie dabei, wenn die zwei sich in die Haare bekommen hatten.“
„Mama, geht es noch lange?“, rief Marcel von hinten.
„Schatz, du weißt doch, wie lange wir zum Flughafen gefahren sind und so lange brauchen wir auch wieder zurück.“
Damit gab sich Marcel wohl zufrieden, denn er quengelte nicht mehr weiter. Tess setzte den Blinker und der Motor heulte auf, als sie einen Gang zurück schaltete. Langsam fuhr sie die Auffahrt hoch.
Der Touareg brummte bis zur Ampel, an der Tess wegen dem roten Signal halten musste. „Sankt Georgen“ las ich auf dem rechten Schild. Die Ampel schaltete auf grün und Tess ließ den Turbo kräftig aufheulen, um zügig auf die Bundesstraße zu ziehen.
Es war zu meiner Verwunderung nicht viel Verkehr, da doch Freitagabend immer sehr viel Feierabendverkehr herrschte. Tess beschleunigte und war schnell wieder auf dem Tempolimit. Man merkte, dass ihr das Fahren sichtlich Spaß machte.
Nach wenigen Kilometern kam dann das Ortsschild zum Vorschein, Sankt Georgen. Wieder zu Hause. Noch einmal atmete ich tief durch, was Tess‘ Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Ich zuckte mit den Schultern und hob kurz die Augenbrauen an, was sie mit einem kleinen Lächeln kommentierte.
„Mama, darf ich im Hof Fahrrad fahren?“, fragte Jennifer.
„Wenn du Marcel nicht wieder über den Haufen fährst, ja“, antwortete seine Mutter gelassen.
„Marcel ist doof, der fährt mir ja immer extra ins Rad!“
„Stimmt gar nicht!“
„Doch tust du…!“
„Kinder, es reicht, sonst könnt ihr gleich in eure Zimmer wandern!“, warf Tess ein und augenblicklich war Ruhe.
Ich konnte nicht anders und grinste. Sie hatte die beiden Schreimäuler wohl gut im Griff. Tess verließ nun auch die Bundesstraße und fuhr die Abfahrt zur Basler Landstraße hinunter. Erinnerungen an früher kamen hoch, wie ich hier als Führerscheinneuling herum gegondelt war.
Als wir an dem einem Betonpfeiler vorbei kamen, musste ich schmunzeln. Hier hatte ich bei Glatteis, Vaters Auto meine erste Delle verpasst. Es sollten noch viele folgen. Verändert hatte sich hier nichts, alles sah noch genauso aus wie damals, als ich vor sieben Jahren hier weggegangen bin.
Auch nach einem Jahr Abstinenz, meinem letzten Besuch hier, fühlte ich mich gleich wieder zu Hause und es schien, dass auch dieselben Leute auf der Straße herum hingen. An einige Gesichter konnte ich mich noch gut erinnern.
Ich wusste nur nicht, ob sie sich auch an mich erinnerten, denn so gesehen, war ich hier im Ort kein unbeschriebenes Blatt, sehr zum Unwillen meines Vaters. Tess bog in die Blumenstraße ein, musste einem Fahrradfahrer ausweichen und setzte dann ihre Fahrt fort. Noch zwei Straßenzüge und sie bog ins Pfädle ein. Oh, es hatte neue Gehwege gegeben, es sah alles so gepflegt aus.
Meine Schwester durchfuhr nun das Tor der Firma und ließ den Wagen ausrollen. Hier sah ich auch den Transporter, dem ich gestern mein Hab und Gut anvertraut hatte. Und ich sah noch jemanden. Vater.
Er schien wohl die Leute der Umzugfirma zu überwachen. Ich atmete noch einmal tief durch und schnallte mich ab. Die Geräuschbrigarde hinter mir hatte bereits den Wagen verlassen und stürmte zur Fabrikhalle. Was natürlich die Aufmerksamkeit meines Vaters auf uns zog.
Lächelnd kam er auf den Wagen zu gelaufen. Ein kurzer Blick zu Tess und ich stieg ebenfalls aus.
Vater sah alt aus. Seine grauen Haare lagen wirr in alle Richtungen, als hätte diese eine Windböe durchforstet. Etwas unrasiert und eine Hand am Stock, humpelte er auf mich zu.
„Hallo Herr Sohn, wie war der Flug?“, fragte mich Vater und streckte seine Hand aus.
Ich schüttelte sie.
„Kurz und gut“, antwortete ich.
„Also deine Möbel sind schon fast alle im Haus. Du, die haben da einen Plan, wo sie alles hinstellen sollen, also ich finde…“
„Könnt ihr da später drüber reden?“, fiel Tess ihrem Vater ins Wort, „Jennifer und Marcel sollten dringend etwas essen.“
Eine Mutter hatte gesprochen und ich musste lächeln, weil sie damit schon zu Beginn meinem Vater den Wind aus den Segeln genommen hatte.
„Ist Ralf in der Halle?“, fragte Tess.
„Ja, vorhin war er noch dort“, kam es etwas beleidigt von Vater.
„Gut, dann gehe ich den mal holen.“
„Kann ich doch machen, muss mir eh noch etwas die Beine vertreten“, warf ich ein und Tess nickte mir lächelnd zu.
Also ließ ich die beiden stehen und lief auf die Halle zu, in der vorhin die Zwillinge entschwunden waren. Je näher ich kam, umso deutlicher vernahm ich den widerlichen Ton einer Säge.
Das Geräusch verstärkte sich, als ich die Halle durch die in dem Tor integrierte Tür betrat. Zuerst fielen mir die Neuanordnungen der Maschinen auf. Marcel stand bei einem Arbeiter auf dem Stuhl und tat ganz interessiert.
Von Jennifer war keine Spur zu sehen.
„Patrick!“, hörte ich es plötzlich rufen.
Ich drehte mich in die Richtung, aus der mein Name erklungen war. Ralf.
„Der verlorene Sohn ist endlich heim gekehrt!“, scherzte er.
„Auf Drängen deiner Frau wohl bemerkt… hallo Ralf.“
Anstatt, wie typisch bei Ralf meine Hand wild zu schütteln, zog er mich an sich und umarmte mich fest. War das der Ralf, den ich kannte?
„Worüber ich auch sehr froh bin. Tess ist mit eurem Vater deutlich überlastet. Seine Eskapaden halten uns ganz schön auf Trab.“
Ralf ließ mich los und musterte mich.
„Gut schaust aus!“
„Danke.“
Wer war der Mensch in Ralfs Hülle. So kannte ich ihn wirklich nicht.
„Ähm Tess meinte, du und die Kinder sollten zum Essen kommen.“
Er schaute kurz auf die Uhr und nickte.
„Marcel… Jennifer… ESSEN“, halte es durch Ralfs kräftiger Bassstimme in der Halle.
Wenige Sekunden später standen zwei mit Sägespänen übersäten Kids da, die ihren Vater erwartungsvoll anschauten.
„Na super, wenn euch eure Mama so sieht, hab ich wieder Ärger am Hals“, meinte Ralf und hob seinen Sohn hoch.
Der gluckste vor Lachen, als wüsste er schon, was jetzt kommt.
„Manchmal glaub ich echt, ihr macht das extra, um euren Vater zu ärgern“, sprach Ralf weiter.
Fragend beobachtete ich, wie er Marcel zu einer anderen Maschine trug und ihn dort auf der Arbeitsfläche abstellte. Dann nahm Ralf so etwas wie einer Luftdruckpistole, verbunden mit einem Schlauch, in die Hand.
„Augen… und Mund zu“, sagte Ralf.
Ich fuhr zusammen, als Ralf die Pistole in Gang setzte und ein zischendes Geräusch entstand. Die Holzspäne auf Marcels Klamotten flogen im hohen Bogen durch die Luft. Wenige Augenblicke später folgte die gleiche Prozedur mit Jennifer, auch sie lachte herzhaft.
„So ihr Racker, ab zu eurer Mama, die wartet schon“, meinte Ralf und zwinkerte mir zu.
Er schob die Kids vor sich her und als er in meiner Höhe war, legte er den Arm um meine Schulter und zog mich mit sich aus der Halle. Irgendwie war ich jetzt total verwirrt. War das wirklich Ralf neben mir?
„Was ist? Du schaust so nachdenklich.“
„Das wundert dich?“, fragte ich erstaunt.
„Na ja… ich war… hm… unser Abschied war nicht gerade rühmlich.“
„Nein, weiß Gott nicht. Mir tat der Kiefer noch ein paar Tage lang weh.“
Ralf ließ mich los und blieb stehen.
„Du hast mich auch bis aufs Blut gereizt!“
„Wir waren wohl beide nicht ganz unschuldig…“, sagte ich leise und senkte den Kopf.
„He das ist Geschichte…“, meinte Ralf und stupste mich an.
„Und woher dein Sinneswandel? Ich meine du hast mich früher nie so begrüßt, geschweige denn deinen Arm um mich gelegt.“
„Ach Patrick… vergiss einfach das Früher, ich bin wie ich bin. Und ich bin froh, dass du wieder da bist!“
Aus diesem Mann sollte einer schlau werden.
*-*-*
Ich wusste gar nicht mehr, wie gut heimisches Essen schmeckte. Auf jeden Fall hatte ich zuviel gesessen. Mit einer Schüssel weniger Kartoffelreste in der Hand lief ich zu Tess in die Küche, die bereits mit dem Aufräumen begonnen hatte.
„Findest du nicht auch, dass Vater ungewöhnlich ruhig beim Essen war?“, fragte mich Tess, ohne sich umzudrehen.
Woher wusste die Frau, dass ich die Küche betrat?
„Und wenn du dich fragst, warum ich weiß, dass du in die Küche kommst… der Rest der Familie meidet dieses Zimmer.“
Ich musste lächeln und stellte die Schüssel neben Tess auf der Spüle ab. Anschließend gab ich meiner Schwester einen Kuss auf die Wange.
„Danke für das tolle Essen. Was Vater betrifft, ist es mir selbst ein Rätsel. Völlig ungewohnt, dass er nicht stichelt.“
„Ist dir also auch aufgefallen.“
Ich nickte und nahm mir ein Geschirrspülhandtuch, um zu helfen.
„Das brauchst du doch nicht machen, deine Wohnung ist sicher wichtiger.“
„Dazu habe ich jetzt keine Lust und zudem ist es schon viel zu lange her, dass ich so ungestört mit meiner großen Schwester reden konnte.“
Nun schaute sie auf und lächelte mich an.
„Dein Wort in Gottes Gehörgang. Stimmt, ist selten, dass ich alleine anzutreffen bin. Und was möchtest du so überaus Wichtiges mit deiner großen Schwester bereden?“, sprach Tess und legte den frisch gespülten Topf auf die Abtropfe.
„Ralf!“
„Ralf?“
„Ja, wann hast du ihn ausgetauscht?“
„HÄ?“
„Verrat mir, was hast du mit Ralf angestellt, dass er sich plötzlich so verändert hat?“
„Ralf? Der hat sich doch kein bisschen verändert.“
„Da muss ich dir leider wieder sprechen. Der Mann, der mich vorhin in der Werkstatt so liebevoll umarmt hat, ist bestimmt nicht Ralf.“
„So hat er das?“
„Ja hat er!“
Tess begann zu kichern und zog den Stöpsel aus dem Waschbecken.
„Nun sag schon, was hast du gemacht, dass dein Herzblatt so einen Sinneswandel vollzogen hat. Seine Verabschiedung beim letzten Mal habe ich noch einige Tage lang gespürt.“
„Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Und du willst wissen, welche Tricks ich angewandt habe, um meinen Mann zum Umdenken zu ermuntern. Nichts! Ein paar Tage Schweigen, nachdem er dich geschlagen hatte und du Hals über Kopf abgereist bist.“
„Und das hat etwas gebracht?“
„Das Ergebnis siehst du doch. Er kam nach ein paar Tagen regelrecht angekrochen, sogar mit einem Strauß roter Rosen.“
„Das macht ein Mann normalerweise nur, wenn er einen betrogen hat“, grinste ich.
„Du brauchst aber nicht denken, ich hätte es ihm sonderlich leicht gemacht. Ich ließ ihn ein ganze Woche zappeln.“
„Schwesterherz, ich wusste gar nicht, dass so eine finstere Ader in dir existiert“, meinte ich gespielt empört.
„Ja du kennst viele Seiten deiner Schwester noch nicht, aber in dieser reinen Männerwelt in unserem Betrieb, muss ich mich dort schon irgendwie durchsetzen.“
„Du bist eine Powerfrau, wer das nicht bemerkt, der gehört eh nicht in deine Nähe.“
„Sag das mal unserem Herrn Vater.“
„Und so schließt sich der Gedankenkreis wieder“, sagte ich.
*-*-*
Gedankenverloren stand ich nun in meinem neuen alten Domizil. Erinnerungen kamen auf, wurden aber sogleich im Keim erstickt. Ralf hatte sich wirklich Mühe gegeben mit den Renovierungsarbeiten.
Er hatte mir die Pläne zukommen lassen, damit ich schon vorab hatte planen können, wo ich meine Möbel unterbringen würde. Schon allein das hatte mich verwundert, dass Ralf sich solche Mühen wegen mir gemacht hatte.
Aber jetzt wo ich meine Möbel in diesen Räumlichkeiten sah, beeindruckte es mich noch mehr, was er sich alles hatte einfallen lassen. Besonders gut gefiel mir die Theke, die Küche und Wohnzimmer voneinander trennte.
Mein Blick fiel auf die vielen Kartons, die sich noch im Flur stapelten. Ich seufzte laut. Ich würde nicht drum herum kommen, ich musste mich langsam ans Auspacken machen. Es half nichts. Schweren Herzens begab ich mich zum ersten Karton und öffnete ihn.
Zwei Stunden später und um viele leere Kartons reicher, ließ ich mich aufs Sofa fallen. Morgen sollte ich mir vielleicht noch Plätze überlegen, wo ich meine Bilder überall aufhängen konnte.
Es klopfte.
„Ja? Die Tür ist offen…“
Ich hörte, wie jemand die Wohnungstür aufzog und danach Schritte, die sich mir näherten.
„Oh, da warst du ja richtig fleißig.“
Vater!
„Ja irgendwann muss ich ja fertig werden, nächste Woche muss ich wieder arbeiten.“
Ich hob meinen Blick und sah Vater näher an. Alt war er geworden. Er sah so… ungepflegt aus, unrasiert, die Haare wirr auf dem Kopf. Der alte Trainingsanzug tat sein Übriges.
„Und was arbeitest du dann?“
Mir fiel Tess‘ Bemerkung ein, dass er schnell vergaß, was man ihm erzählte.
„Ich fange bei einer Computerfirma an“, sagte ich und entschied mich dazu, das nicht weiter zu erläutern.
„Damit kann man Geld verdienen?“, fragte er und schaute sich unschlüssig im Wohnzimmer um.
Ich erhob mich und öffnete den nächsten Karton. Dieser war voller Bilder… Erinnerungen an früher. Schnell hatte ich die Klappen wieder verschlossen. Vor Vater wollte ich nun wirklich nicht rührselig werden.
„Ja stell dir vor, damit kann man Geld verdienen, sogar sehr gut.“
„Und warum bist du dann zurück gekommen, hast du dort nicht gut verdient?“
Er wusste wirklich nicht, warum ich hier war. Vater lief durch das Wohnzimmer und schaute sich alles genau an.
„Weil ich hier ein Zweigstelle leiten werde, ich bin immer noch bei der gleichen Firma.“
„Warum hast du keine Frau, Patrick. Wenn du so gut verdienst und hier eine so große Wohnung hast … da fehlt eine Frau.“
Nicht wieder diese Diskussion. Er schien wirklich viel vergessen zu haben.
„Vater, hast du vergessen, dass ich schwul bin?“, fragte ich scheinheilig und öffnete den nächsten Karton.
Darauf kam keine Antwort. Stattdessen lief er weiter durch das große Wohnzimmer.
„Die Möbel sehen teuer aus“, sprach er plötzlich weiter.
„Das waren sie auch.“
„Du scheinst gut zu verdienen.“
Ich wollte etwas sagen, zog es aber vor nur auszuatmen. Mir schien dieses Gespräch genauso sinnlos wie schon viele Gespräche zuvor in der Vergangenheit.
„Und wo ist die Firma, in der du anfängst?“
„In Freiburg.“
„Mit dem neuen Wagen in der Garage bist du auch schnell dort.“
Also hatte er den auch schon genau unter die Lupe genommen.
„Das ist der Firmenwagen, der wurde mir bereit gestellt.“
„Und wo ist dein Auto?“
„Ich habe zurzeit keinen eigenen Wagen.“
„Du kannst gerne meinen benutzen, wenn du ihn brauchst.“
Ich schaute nachdenklich in seine Richtung und wartete immer noch, dass er mit seiner Stichelei anfing.
„Oh so spät schon, ich geh dann mal runter, denn ich möchte meine Mittagssendung nicht verpassen.“
Und schwups war er ohne weiteren Ton wieder draußen. Was war das jetzt? Gut, Tess hatte gesagt, dass er, seit er die Tabletten nahm, viel ruhiger geworden sei, aber das, was da eben vor mir gestanden hatte, war definitiv nicht mein Vater, so wie ich ihn von früher kannte.
*-*-*
Nach einem guten Abendessen bei Tess und einer langen Dusche ließ ich mich nur im Handtuch um die Hüften auf mein Sofa fallen. Mein Blick wanderte erneut durch das Wohnzimmer.
Je länger ich es betrachtete, umso mehr gefiel es mir. Auch diese himmlische Ruhe fiel mir auf. Während in der Stadt den ganzen Tag und auch in der Nacht der Autoverkehr fast unerträglich war, hörte man hier so gut wie nichts.
Es klingelte. Schien die Türglocke zu sein. Ich lief in den Flur und entdeckte neben der Wohnungstür einen Telefonhörer. Ich nahm ihn ab.
„Ja?“
„Patrick ist Vater bei dir?“, hörte ich Tess besorgte Stimme.
„Nein, warum fragst du? Warte, ich mach dir auf…“, und drückte den Öffner.
Nicht bewusst, fast im Adamskostüm da zu stehen, öffnete ich meiner Schwester die Wohnungstür. Sie kam schnellen Schrittes die Treppe herauf. Als sie mich erblickte, begann sie zu grinsen.
„Du hast dich gut gehalten“, meinte sie, bevor ihr Lächeln wieder verschwand, „ich war grad bei Vater in der Wohnung, mache ich eigentlich jeden Abend, aber er ist nicht da.“
„Ist das so sonderlich?“
„Ja, er verpasst sonst nie seine Nachrichten.“
„Moment, ich zieh mir etwas an.“
„Wäre ratsam, sonst bist du gleich das morgige Tagesgespräch. Der heimgekehrte Sohn rennt nur im Handtuch bekleidet auf der Straße herum.“
„Das wäre der bloße Neid, Schwesterchen. Nicht jeder verfügt über so einen durchtrainierten Körper.“
„Deine Eitelkeit hast du jedenfalls nicht verloren. Komm, spute dich, ich mach mir langsam Sorgen.“
„Weiß Ralf Bescheid?“, fragte ich, als ich ins Schlafzimmer lief.
„Nein, dem muss ich es noch beibringen. Super, damit ist der Abend wieder gelaufen.“
Ich zog mir schnell meinen Jogginganzug an, schlüpfte in meine Laufschuhe, bevor ich wieder zu meiner Schwester zurückkehrte.
„Wie meinst du das?“
„Ralf regt sich immer tierisch auf, wenn Vater verschwunden ist und keiner weiß, wo er sich herumtreibt.“
„Kam das schon öfter vor?“
„Erst zwei oder dreimal.“
„Darüber sollten wir nachher noch genauer sprechen. Also ich bin fertig… wir können?“
Ich schnappte mir meine Schlüssel und lief meiner Schwester hinterher.
„Wir laufen am Besten seine Wege ab, die er üblicherweise nimmt.“
„Ich hoffe, dass ich mich nicht verlaufe, war ja schon eine Weile nicht mehr hier.“
„Tust du sicher nicht.“
Ich schaute Tess kurz nach, wie sie noch mal in ihrem Haus verschwand. Währenddessen lief ich zur Straße hin und schaute in beide Richtungen. Natürlich war nichts zu sehen. Ich hörte eilige Schritte hinter mir.
„So Ralf weiß Bescheid, wir können los.“
„Und wohin als erstes?“
„Zum Friedhof…“
„Kein Ort, den ich im Dunkeln normalerweise besuchen würde.“
„Ich auch nicht, das kannst du mir ruhig glauben.“
Fast schweigend, liefen wir schnellen Schrittes zum Friedhof. Auch hier war ich lange nicht mehr gewesen. Irgendwie scheute ich mich davor, das Grab meiner Mutter zu besuchen. Zu viele missliche Erinnerungen kamen wieder hoch.
Vor dem Tor des Friedhof angekommen, zog Tess eine kleine Taschenlampe hervor.
„Was hast du vor? Willst du da rein gehen.“
„Nein, ich bleibe hier stehen und leuchte Grabsteine an… klar will ich da rein.“
„Ich will ja nichts sagen…“
Tess schaute mich an und ihr alt bekanntes fieses Grinsen kam wieder zum Vorschein.
„Hat mein Brüderchen etwa Schiss?“
„Also ich, äh… etwas unheimlich ist mir das schon, das gebe ich freiwillig zu.“
Meine Schwester lachte kurz auf.
„Dass ich so etwas erleben darf, dass du etwas zugibst. Nichts desto trotz, wir müssen da rein.“
„Wenn es denn sein muss.“
„Es muss.“
So folgte ich unsicher meiner kleinen großen Schwester durch das quietschende Tor. Hätte mich jetzt jemand von der Seite angesprochen, ich hätte in null Komma nichts die Hosen gestrichen voll gehabt.
Zielsicher lief Tess den Hauptweg entlang und ich hielt so gut ich konnte mit ihr Schritt. Plötzlich machte der Lichtkegel einen scharfen Knick nach Links. Nur schemenhaft konnte ich die Umrisse von Tess erkennen.
Warum kommt nie jemand auf die Idee, auf einem Friedhof Lampen anzubringen. Gab es so was nicht? Standen hier früher keine Laternen? Plötzlich stieß mein Fuß gegen etwas Hartes. Erschrocken kam ich ins Trudeln, fing mich aber kurz vor dem Hinfallen noch ab.
„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Tess und leuchtete mir mit der Taschenlampe direkt in die Augen.
Schützend hielt ich die Hand vors Gesicht.
„Ja, bin nur irgendwo hängen geblieben.“
„Über eine Leiche gestolpert?“, kicherte Tess.
„Ich weiß nicht, was daran witzig sein soll!“
Meine Schwester entgegnete nichts und drehte sich wieder um, was hieß, dass meine Augen dem hellen Strahl der Taschenlampe nicht mehr ausgesetzt waren. So folgte ich nun weiter dem Schein der Lampe und irgendwie in meinen hintersten Gehirnzellen suchte ich nach Erinnerungen, ob der Weg zum Grab meiner Mutter schon immer so weit gewesen war.
Irgendwann blieb Tess einfach stehen und ich lief sie fast über den Haufen.
„Fehlanzeige, hier ist er nicht.“
Sie leuchtete die Umgebung aus und kurz konnte ich den Grabstein meiner Mutter sehen.
„Halt, darf ich mal?“, fragte ich und nahm Tess die Taschenlampe aus der Hand.
Ich hielt den Strahl auf den Grabstein und las die Inschrift, die ich eigentlich auswendig kannte.
„Du warst lange nicht mehr hier, stimmt’s?“
Ich schüttelte den Kopf, bis mir bewusst wurde, dass Tess das nicht sehen konnte.
„Nein…“
„Ich würde dir vorschlagen mal bei Tag hier her zugehen, aber alleine.“
Kommentarlos gab ich Tess die Taschenlampe zurück. Wir gingen den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren und als wir das Tor durchschritten, atmete ich erstmal tief durch.
„Da seid ihr ja.“
„Ahhhhhhhhhhhhhh“, schrie ich und machte ein Satz zur Seite.
Tess fing neben mir an laut zu lachen.
„Was denn?“, fragte Ralf, der da eben noch nicht gestanden hatte, als wir den Friedhof verließen.
„Mein Gott, erschreck mich doch nicht so!“, rief ich und hielt meine Hand auf die Brust, um irgendwie meinen überhöhten Herzschlag zu beruhigen.
„Was… machst du überhaupt hier?“, wollte Tess neben mir wissen, die immer noch mit einer Lachattacke kämpfte.
„Ich habe Mutter angerufen, die passt nun auf die Kinder auf. Ich dachte, zu dritt finden wir ihn bestimmt schneller.“
„Gute Idee, ich weiß nicht, wie lange ich diesen Angsthasen neben mir noch alleine ertrage.“
„Nun hör mal“, protestierte ich laut, „nachts durch einen Friedhof zu laufen ist eben nicht jedermanns Sache und dann auch noch erschreckt zu werden… man ich hab mir fast in die Hose gemacht.“
Nun fing auch Ralf an zu lachen.
„Ja, ja, macht euch ruhig lustig über mich“, schmollte ich.
Ralf legte einen Arm um mich.
„Komm wir gehen weiter und keine Angst, ich beschütze dich.“
„Oh, du willst mit der Masche wohl den edlen Ritter spielen. Entschuldige, aber mit verheirateten Männer fang ich nichts an.“
Tess prustete neben mir los und Ralf entglitten die Gesichtszüge. Als Krönung streckte ich ihm noch die Zunge heraus und löste mich aus seiner Umarmung.
„Wir sollten weitersuchen“, ermahnte uns Tess, als sie sich etwas beruhigt hatte.
„Okay, wo jetzt hin?“, fragte ich.
„In den Park.“
„In den Park, ist das nicht ein gutes Stückchen zu laufen? Sollten wir nicht den Wagen nehmen?“, sagte ich verwundert.
„Nein, wir können nicht alle Wege fahren, die Vater immer nimmt.“
„Aha“, erwiderte ich und wir liefen zu dritt weiter.
„Wieso eigentlich?“, fragte Ralf neben mir plötzlich.
„Wieso was?“, stellte ich die Gegenfrage.
„Warum fängst du nichts mit Ehemännern an… bin ich so abstoßend?“
Tess fing erneut an zu kichern und ich schaute grinsend zu Ralf.
„Das sicher nicht lieber Ralf, aber ich schnappe meiner Schwester nicht den Mann weg.“
„Dazu hättest du auch gar keine Chance“, meinte Tess immer noch kichernd.
Ralf Gehirn schien auf Hochtouren zu arbeiten, seine Stirnfalten wurden immer größer.
„Und wie sollte dein Traummann aussehen?“, fragte er nun weiter.
Ich atmete tief durch. Die Frage aller Fragen.
„Es kommt mir nicht auf das Aussehen an, klar wenn einer gut aussieht, ist das vielleicht ein Bonus, aber mir ist der Mensch wichtiger. Ich möchte einen Mann haben, der ehrlich und offen ist, mir auch die Meinung sagt, wenn ich etwas falsch mache. Einfühlsam sollte er sein und Toleranz haben.“
„Da wird es doch sicher einen Menschen geben, der dem entspricht, oder gibt es da schon einen?“, fragte Ralf weiter.
Ich fragte mich still, warum Ralf so interessiert daran war.
„Es gab… da jemand, aber das habe ich… na ja egal.“
„Was hast du?“, fragte nun Tess.
Wieder atmete ich tief durch.
„Ich habe da jemanden kennen gelernt… Robert, ein Engländer. Sehr sympathisch…“
„Ja und weiter?“
„Nichts weiter, wir haben uns jeden Abend getroffen und ich habe dann die Sache nach einer Woche beendet.“
„Wieso das denn?“
Ich blieb abrupt stehen, die anderen folgten meinem Beispiel.
„Das war eine Woche, bevor ich hier her gezogen bin. Tess, was hat es für einen Sinn, einen Mann kennen lernen zu wollen, der nun 600 km von mir wegwohnt… Fernbeziehung? Nein danke!“
„Denkst du da nicht etwas egoistisch?“, kam es von Ralf.
„Wieso egoistisch?“
„Klar versteh ich… von einer Fernbeziehung würde ich mir auch nichts versprechen, aber ist es fair? … Diesem Robert gegenüber?“
„Ich versteh, was Ralf meint“, beteiligte sich nun Tess an dem Gespräch.
„Du hast diesem Robert die Entscheidung abgenommen, ob er dich weiterhin sehen will. War das nicht etwas vorschnell?“
Ich starrte auf den Boden.
„Das ist jetzt eh zu spät… seine Nummer ist gelöscht, wie sollte ich ihn noch erreichen?“
„Es ist alles möglich!“, sprach Tess und lief weiter.
*-*-*
Eine halbe Stunde später trafen wir am Park ein.
„Wir sollten uns trennen, denn ich weiß nicht auf welcher Bank er sitzt.“
„Na toll, müssen wir jetzt jede Bank in diesem Park abklappern?“, fragte ich und verdrehte die Augen.
„Nein, Vater hat nur zwei Lieblingsplätze hier im Park, deswegen der Vorschlag uns zu trennen.“
Ich nickte. Ralf lief den linken Weg und wir nahmen den rechten am Ufer des kleinen Sees entlang.
„Und hier findest du es nicht gruslig?“, fragte mich Tess grinsend.
„So lange keine Grabsteine am Wegesrand stehen, nicht!“
Sie hängte sich bei mir ein und so liefen wir fast wie ein Liebespaar am See entlang.
„Das hat mir vorhin gefallen, wie du mit Ralf umgegangen bist.“
„Wenn er mir so kommt…“
„Sein Gesicht war zum Kreischen, da hätte man ein Foto machen sollen.“
„Ja, für die Nachwelt und als Titel darunter – der Korb des Schwulen.“
Tess fing wieder laut an zu lachen, hob sich mit der Hand den Magen.
„Du…, wo wir grad wieder so vereint alleine sind. Das mit dem Alten gibt mir schon zu denken. Ich kann doch nicht die ganze Zeit über ihn wachen, dass er nicht einfach davon spaziert.“
„Da gebe ich dir Recht Bruderherz. Aber was sollen wir tun… ihn einschließen?“
Schlagartig fiel mir die Szene ein, wo der Alte mich windelweich gedroschen hatte. Er hatte mich danach in mein Zimmer gezerrt hatte und es von außen abgeschlossen.
„Wo bist du mit deinen Gedanken.“
„Nicht so wichtig.“
„Patrick ich habe das Gefühl, du frisst ganz schön was in dich hinein. Ich habe nie sehr viel mitbekommen, was Vater mit dir alles angestellt hat, es nur am Rande durch Mutter erzählt bekommen.“
„Ist vielleicht auch besser so, Tess.“
„Aber du schleppst das sein Jahren mit dir herum.“
„Was soll ich da groß erzählen? Wie er mich laufend verprügelt hat, weil ihm dies oder das nicht passte. In seinen Augen machte ich alles falsch – Nichtsnutz – Scheißhaufen… und das sind noch harmlose Worte, mit denen er mich tituliert hatte.“
„Es tut mir Leid, dass ich dir da nie zur Seite stehen konnte.“
„Wie denn auch? Am Ende hätte er dich auch noch verprügelt…“
„Meinst du?“
„Ich weiß es nicht. Meine Erinnerungen verschwimmen alle ineinander. Alles ist so kompakt und doch so ein Chaos.“
„Deswegen hast du vor sieben Jahren hier die Zelte abgebrochen und bist verschwunden?“
„Nein, da hat er die Hand nicht mehr gegen mich erhoben. Das letzte Mal, da war ich gerade siebzehn. Ich weiß nicht, ob du dich erinnern kannst. Wir hatten dieses komische Nachbarfest im Hof.“
„Nur ganz wenig, gebe ich zu.“
„Vater war wie immer voll gut drauf, stockbetrunken und laberte einen Witz nach dem anderen herunter. Die Leute lachten, fanden das toll! Und dazwischen machte er mich herunter, weil ich angeblich nicht fähig war, den Grill richtig zu bedienen.“
„Ich kann mich wirklich an nichts davon erinnern.“
„Warst du überhaupt da?“
Tess zuckte mit den Schultern.
„Auf alle Fälle war mir das vor den Nachbarn so peinlich, dass ich beschloss ins Haus zu gehen. Ich merkte nicht, dass er mir nach lief. Erst als ich im Hausflur stand, holte er mich ein, packte mich am Kragen und presste mich an die Wand.“
Tess sah mich traurig an.
„Ich war damals eigentlich darauf gefasst, dass er mir gleich ins Gesicht schlägt. Mein Hass auf ihn war so groß… und plötzlich fing er an zu kotzen was das Zeug hielt. Er ließ mich los und verschwand in der Toilette.“
„Er hat dich angekotzt?“, fragte Tess angewidert.
„… ja.“
„Und dann?“
„Ich lief hoch in mein Zimmer, entledigte mich der Klamotten, zog mich frisch an und verließ unbemerkt wieder das Haus.“
„War das da, wo du die ganze Nacht weg warst und niemand wusste, wo du bist?“
„Ja.“
„Und eine Woche Hausarrest…“
Wieder antwortete ich mit einem „Ja.“
„Oh, Patrick, ich glaube ich habe sehr viel nicht mitbekommen, das tut mir Leid.“
„Schwesterherz, das ist nun Vergangenheit, reden wir nicht mehr drüber.“
„Sollten wir aber, weil es mir so vorkommt, als hättest du das alles in dich hineingefressen.“
„Mag sein, aber ich möchte nicht immer darüber reden müssen… ähm… da vorne liegt einer auf der Bank…“
Tess lief nun etwas schneller.
„Papa…?“, rief sie.
Mein Gang wurde auch schneller und tatsächlich, je näher wir kamen, umso deutlicher konnte man erkennen, dass es unser Vater war. Aber er reagierte nicht. Tess war die erste, die bei ihm ankam.
„Papa?“, rief sie noch einmal, „mein Gott Patrick…, er wird doch nicht…“
Fast leblos schien er da zu liegen, reagierte nicht auf das Rufen. Ich wollte seinen Puls fühlen, spürte aber, dass sein Handgelenk ganz warm war. Auch konnte ich ihn leise atmen hören.
„Nein Tess, entweder er schläft tief und fest… oder ich weiß auch nicht. Ich glaube wir sollten einen Notarzt rufen.“
„Okay… Moment…“, meinte Tess und zog ihr Handy aus der Tasche.
*-*-*
„Den viel zu hohen Blutdruck ihres Vaters haben wir in den Griff bekommen, ihr Vater ist auch weitgehend stabil, aber ich möchte ihn trotzdem in die Klinik zur Beobachtung einweisen lassen.“
Der Notarzt verabschiedete sich von uns, während ich aus dem Augenwinkel heraus sah, wie Vater in den Krankenwagen gehoben wurde.
„Ich muss schnell heim ein paar Sachen von Vater zusammensuchen“, meinte Tess neben mir.
„Ganz ruhig Tess, das machen wir schon“, hörte ich Ralf sagen.
„Warum habe ich nicht besser aufgepasst…“
„Tess, hör auf, du trägst keine Schuld“, mischte ich mich nun ein.
„Patrick hat Recht, dein Vater ist immer noch im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte, wie der Arzt bestätigt hat und du bist schließlich nicht sein Anstandswauwau!“
Mit tat Tess so leid. Ich wusste nicht, ob ich ihr wirklich eine Hilfe sein würde, oder ihr eher zur Last fiel. Der Krankenwagen fuhr los und der Notarzt hinterher. Recht still liefen wir zurück zur Firma.
„Ich will dir ja nicht zu nahe treten Patrick, aber ich würde gern noch einmal auf das Thema zurückkommen“, brach Ralf plötzlich die Stille.
„Was meinst du?“, fragte ich verwundert.
„Nach deinem schnellen Abgang und meinem unrühmlichen Benehmen dir gegenüber hat mir Tess damals recht heftig den Kopf gewaschen und das auch ziemlich lange. Ich bin danach verstärkt im Internet gewesen… habe eine Seite gefunden, auf der Coming-Out-Geschichten veröffentlicht wurden. Ich wusste echt nicht, was da alles dran hängt…“
„Ja stimmt… leider.“
„Ich wollte mich einfach bei dir… noch mal entschuldigen. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich so beschissen dir gegenüber benommen habe.“
„Hört, hört!“, kam es von Tess grinsend.
„Jetzt mach dich nicht noch über mich lustig, es fällt mir schwer genug.“
„Das weiß ich“, sprach ich nun weiter, „und ich danke dir dafür. Entschuldigung angenommen.“
Jetzt strahlte Ralf wieder und langsam verstand ich, was Tess an dem Mann so toll fand. Aber damit waren meine Probleme nicht kleiner geworden. Sehsüchtig dachte ich an Robert. Die beiden hatten Recht, ich hatte überstürzt gehandelt.
Ich zog mein Handy heraus und rief die Auskunft an.
„Was machst du?“, fragte Tess.
„Einen Fehler wieder gut machen.“
Die zwei sahen mich verwundert an.
„Patrick Hersching … guten Abend. Ich bräuchte eine Nummer in Frankfurt von einem Wohnkomplex mit Namen Garden Ship… nein, da gibt es einen Portier… ja… danke!“
Mir wurde die Nummer angesagt, danach wurde ich gleich verbunden. Es klingelte, während wir fast an der Firma angekommen waren.
„Garden Ship, guten Abend, Sie sprechen mit Allen Goodway. Was kann ich für Sie tun?“
„Patrick Hersching hier, guten Abend, wäre es möglich mich mit Robert Coldwell zu verbinden?“
„Einen Augenblick, ich werde es versuchen.“
Ich wurde in die Warteschleife gesteckt und eine langweilige Melodie spielte vor sich hin. Plötzlich klingelte es wieder.
„Robert Coldwell.“
Seine Stimme, der Klang seiner Stimme. Ein Schauder lief mir über den Rücken.
„Hallo?“, fragte er.
„Hallo Robert.“
Ralf und Tess grinsten sich eins weg.
„Patrick? Patrick, bist du das?“
„Ja…“
„My God Patrick, weißt du wie ich mir Sorgen um dich gemacht hab?“
„Das tut mir Leid, Robert.“
„Ich habe bei dir in der Firma gecallt und die wollten mir keine Information geben… nur dass du eine work in Southgermany übernommen hast.“
„Ja, ich leite hier eine Filiale ab nächster Woche.“
„Patrick, warum hast du nicht mit mir… gesprochen?“
Mittlerweile bogen wir durch die Einfahrt aufs Firmengelände. Tess und Ralf liefen zu ihrem Haus und ich blieb im Hof stehen.
„Ich… ich, ach sorry… ich dachte… das wird nichts mit uns beiden… du hast dein Leben in Frankfurt…“
„Shit Patrick, hast du nicht bemerkt…, I love you… I want you…“
Der Kloß in meinem Hals wurde immer dicker.
„Ich weiß auch nicht, was mich geritten hat… ich wollte… dachte… es wäre aussichtslos.“
„Ich bin kein little Child… man kann sprechen mit mir!“
„Sorry…“
„Give me deine Adresse! “
„Für was?“
„Ich nehme morgen Airplane und come zu dir.“
„Du willst wirklich zu mir kommen? Du gibst mir noch eine Chance?“
„Du bist der first Man, wo ich denke… this is my man! Ich möchte dich better kennen lernen.“
Ich wusste ja schon sofort, als ich Robert das erste Mal gesehen hatte, dass er etwas Besonderes war, aber jetzt war ich sprachlos. Ich teilte ihm meine Adresse mit und er wollte am nächsten Morgen wieder anrufen, damit ich seine Ankunft wusste.
Nach ein paar lieben Worten verabschiedeten wir uns.
„Und?“
Ich zuckte zusammen. Unbemerkt war Tess wieder zurück gekommen. Sie kicherte wieder und ich atmete tief durch.
„Er kommt morgen hier her…“
„Echt… wow, muss ja ein ganz besonderer Mann sein, dass er dir sogar nachreist.“
„Ja, das ist Robert.“
*-*-*
Tess war noch in derselben Nacht ins Krankenhaus gefahren und ich lag nun in meinem Bett und konnte vor Aufregung nicht einschlafen. Er wollte mich trotzdem… was für ein Mann. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich noch wach gelegen hatte, aber irgendwann wurde ich von einem Klingeln geweckt.
„Ja?“, sagte ich mit belegter Stimme.
„Hab ich dich geweckt?“, kam die vertraute Stimme von Robert aus dem Telefonhörer.
„Ja, aber ist nicht schlimm, wollte eh aufstehen.“
„Okay, mein airplane arrives gegen 1:00 pm.“
Das waren noch fünf Stunden.
„Ich werde da sein“, meinte ich und lächelte.
„Nice! Okay mein Taxi da ist, ich muss gehen.“
„Dann bis später Robert.“
„I love you!“
„Ich liebe dich auch.“
Schon war das Gespräch unterbrochen. … ich liebe dich… wie einfach mir diese Worte über die Lippen gingen und das nach einer Wochen des Kennens. Zu schnell? Ich wusste es nicht. Doch die Schmetterlinge in meinem Bauch schienen sich sehr sicher zu sein.
Wenig später stand ich in der Fabrikhalle bei Ralf.
„Ich weiß nicht wann Tess vom Krankenhaus zurück kommt. Sie wollen euren Vater auf alle Fälle dabehalten“, erklärte mir Ralf.
„Ist es so schlimm?“
Ralf zuckte mit den Schultern.
„Kommst du hier klar, oder kann ich dich irgendwie unterstützen? Ich möchte nachher zum Flughafen fahren.“
„Die Kids werden von der Oma abgeholt und ich Vesper später mit meinen Leuten, du kannst also beruhigt fahren.“
Dies sagte Ralf mit einem Grinsen, als hätte er den Schalk im Nacken sitzen. Ich nickte ihm zu und verließ die Halle. Da fiel mir ein, dass ich noch überhaupt nichts zu Hause hatte. Keine Getränke und auch kein Essen.
So beschloss ich, erst einmal zum Supermarkt zu fahren und mich mit dem Nötigsten zu versorgen. Eine Stunde später war der Kühlschrank gefüllt, nötige Utensilien in den Küchenschränken verstaut.
*-*-*
Ein paar Stunden später auf dem Flughafen trat ich unruhig von einem Fuß auf den anderen, wie eines dieser Schulkids, die ihrer ersten Liebe entgegenfieberten. Das Flugzeug war gelandet und die Passagiere bereits am Auschecken.
Bis dorthin hatte ich meinen süßen Engländer noch nicht entdeckt.
„Are you looking for someone?“, hörte ich hinter mir eine Stimme.
Erschrocken fuhr ich herum und fiel fast in die Arme von Robert.
„Robert…“
„Hi Patrick… god, babe tut das gut, dich zu sehen.“
Wir fielen uns in die Arme. Ich drückte Robert an mich, als wollte ich ihn nie wieder los lassen.
„He little man, mir geht die Luft aus“, hörte ich Robert sagen, was mich dazu veranlasste meine Umarmung zu lockern.
„Danke, dass du gekommen bist und entschuldige…“
Robert legte seinen Finger auf meinen Mund und ich konnte nicht weiter sprechen.
„Let’s forget diese little äh… Episode. Jetzt bin ich hier!“
„Ja. Komm, holen wir dein Gepäck, damit wir hier verschwinden können.“
Wenig später saßen wir im Wagen und ich war Richtung zu Hause unterwegs.
„It’s nice here.“
„Ja, das stimmt und ich muss zugeben, seit ich hier bin, habe ich gemerkt, wie sehr es mir gefehlt hat.“
Der Rest der Fahrt ging eher ruhig von Statten. Als ich in die Einfahrt einbog, sah ich schon Tess und Ralf im Hof stehen. Sie lehnte sich an ihn, als würde ihn etwas bedrücken. Ich ließ meinen Wagen ausrollen und wir stiegen aus.
„Hallo Tess, darf ich dir Robert vorstellen. Robert, das ist meine große Schwester Tess.“
„Die Dame, die bisher über dein Leben wachte?“, grinste Robert und streckte seine Hand aus.
„Hallo Robert“, sagte Tess und schüttelte seine Hand.
Ihre Augen waren rot, sie musste geweint haben.
„Was ist passiert Tess?“, fragte ich einfach.
„Dein Vater hätte fast das Zeitliche gesegnet, weil er so unvernünftig gewesen war.“
Robert sah mich fragend an.
„Er nimmt die Tabletten nicht, die er nehmen muss.“
Er nickte.
„Und was wird jetzt?“, fragte ich.
„Wir werden ihn wohl in ein Heim geben müssen, denn wir können nicht ständig auf ihn aufpassen“, meinte Ralf.
„Ich habe gesagt, ich schaffe das“, protestierte Tess.
Ich griff nach der Hand von Tess.
„Schwesterherz, ich muss Ralf Recht geben. Das ist nicht zu schaffen. Und denk mal an deine Kids, die brauchen dich auch.“
Tess ließ ihre Schultern hängen.
„Ich kenn eure Familie zwar noch nicht“, fing Robert an zu sprechen, „aber bei uns ist es ähnlich gewesen und daran ist fast die Ehe meines Bruders kaputt gegangen.“
Ich wunderte mich über die gute Aussprache von Robert.
*-*-*
Drei Monate später…
Das Land war in Schnee gehüllt. Dass es eine weiße Weihnacht geben könnte, dafür standen die Chancen diesmal sehr gut. Robert war wie fast jedes Wochenende bei mir. Der Mann war sogar so verrückt gewesen, sich hier einen Zweitwagen zuzulegen.
Ich war gerade dabei, den Weihnachtsbaum aufzustellen, als eine Horde Kinder, sprich zwei Kinder, die einen Krach wie eine ganze Horde veranstalteten, in meine Wohnung einfielen. Etwas später kam auch Tess herein.
„Morgen Bruderherz“, rief sie.
„Morgen Tess, was liegt an?“
„Ich wollte nur fragen, ob Robert und du heute Abend zum Essen kommt?“
„Moment, da muss ich den Herren erst fragen.“
„Wo ist er denn?“
„Noch im Bad“, sagte ich und bereute es sofort.
Zwei Monster stürmten mit Siegesgegrölle in Richtung Bad.
„Jennifer – Marcel, ihr bleibt hier“, rief Tess, doch die beiden hörten nicht.
Wenig später hörte ich eine Tür knallen und viel Kindergelächter. Tess schaute mich an und zuckte mit den Schultern. Plötzlich wurde das Gejohle wieder lauter und Robert kam mit den zweien unter dem Arm zurück.
„Habe hier zwei Kids billig abzugeben!“, meinte er und setzte die zwei wieder auf dem Boden ab.
Tess grinste.
„Du Rob, Tess fragt, ob wir heute Abend zum Essen kommen möchten.“
„Das ist eine good idea, würde mich freuen.“
„Dann ist das wohl geklärt“, meinte ich zu Tess, die gerade meinen Baum unter die Lupe nahm.
„Ich dachte eigentlich, du schmückst ihn… wie soll ich sagen… mehr bunt?“
„Wegen Robert? Nein ich konnte ihn davon überzeugen dass der einfache Baumschmuck viel besser aussieht.“
„Stimmt. Okay, ich geh wieder, ich möchte heut Mittag noch zu Vater.“
Ich schaute Tess an.
„Du könntest ruhig mal mitgehen. Er fragt ständig nach dir“, sagte Tess.
„Irgendwann…“
„Irgendwann könnte es zu spät sein“, meinte Tess, sammelte ihre Kinder ein und verschwand.
Ich ließ mich auf Sofa sinken und starrte auf den Baum. Es war seit Jahren das erste Mal, dass ich mir einen Baum leistete. Früher hatte Vater immer einen riesigen Baum ins Wohnzimmer gestellt und obwohl sich Mutter immer wegen der Größe beschwert hatte, hatte er jedes Mal prächtig ausgesehen.
Jetzt saß ich vor meinem Baum. Groß war er nicht, aber auch nicht zu klein geraten, eben genau richtig für meine Wohnung. Das traditionelle Rot war auch keine Frage gewesen. Mir hatte Rot schon immer gefallen, das konnte man auch an meinem Einrichtungsstil sehen.
Mein Blick fiel auf den Karton mit den Kugeln. Obenauf lag die Spitze, die ich damals von Mutter geschenkt bekommen hatte. Ich sah die Szene noch genau vor meinen Augen, wie sie mir die Spitze das erste Mal gereicht hatte, damit ich sie auf den Baum setzten konnte.
Durch meine Unsicherheit auf der Leiter fiel mir die Spitze aber herunter und zerbrach in Tausend Scherben. Das Ende vom Lied war, dass Vater kam und mir eine ordentliche Ohrfeige gab, deren Spuren ich noch den ganzen Abend hatte spüren dürfen.
„Tess hat Recht, du solltest dich bei ihm sehen lassen.“
Robert war vom Bad zurück und stand im Türrahmen. Ich wusste, wenn Robert feinstes Deutsch ohne englische Einwürfe sprach, dann war es ihm sehr ernst. Ich senkte den Kopf.
„Ich kann nicht“, sagte ich leise.
„Doch du kannst Patrick, du musst nur wollen… und vor allem, du musst endlich loslassen, die Vergangenheit ruhen lassen.“
„Das sagt sich so leicht.“
Robert setzte sich neben mich und nahm mir die Kiste mit den kleinen Kugeln ab, ich konnte dabei sein Rasierwasser riechen, sog es tief in mich ein. Er nahm meine Hand, streichelte über den Handrücken.
„Ich habe nie gesagt, dass es leicht ist, Patrick. Du kannst mir glauben, keiner weiß das besser als ich. Nur habe ich den Fehler gemacht und habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen.“
Ich schaute auf und sah in Roberts funkelnde Augen. Eine Träne lief langsam über seine Wange, die ich zärtlich mit dem Daumen abwischte. Er wiegte sein Gesicht in meiner Hand.
„… es tut aber so weh…“, sprach ich leise weiter, „die Erinnerungen so frisch…, als wäre es gestern gewesen.“
„Der Schmerz sitzt tief Patrick, die Seele gebrochen…“
Ich nickte mit dem Kopf.
„… doch du musst damit abschließen, sonst gehst du irgendwann vor die Hunde…“
Ich lehnte mich an ihn und er legte seinen Arm um mich.
„Vergessen wirst du nicht, die Bilder wirst du immer sehen. Irgendwann kommt aber der Tag, an dem du mit diesen Bilder leben kannst, du keinen Schmerz mehr empfindest.“
„Glaubst du?“
Robert nickte.
„Zieh dich um und fahr mit Tess zu deinem Vater. Er ist nicht mehr der Tyrann, der er früher einmal war. Er ist ein alter, gebrochener Mann, dessen Lebensuhr langsam abläuft.“
Ich schaute Robert an.
„Come on, ich geh zu Tess und sage ihr, she shall wait for you.“
Roberts altbekanntes Grinsen zierte seinen Mund, als er sich erhob.
„Okay, ich beeile mich, bin gleich unten.“
Robert zog mich zu sich hoch und küsste mich.
*-*-*
In den ersten Tagen des Frühlings starb Vater an Herzversagen. Die alte Pumpe hatte einfach aufgehört zu schlagen. Die Trauerfeier war groß, Vater war sehr bekannt. Die vielen Reden brachten Erinnerungen mit sich.
Ich hatte angefangen, mit Hilfe von Robert, mit meinen Erinnerungen zu leben, wenn sich das anfangs auch sehr schwierig gestaltete und so mancher Abend tränenreich vorüber ging. Die Last wurde weniger, auch weil mir Robert tragen half.
Er konnte mir die Last nicht abnehmen, aber er konnte mir dabei helfen, besser damit umgehen zu können… zu lernen, dass meine Vergangenheit zu mir gehörte und eben das aus mir gemacht hat, was ich heute bin.
*-*-* Ende*-*-*

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