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Information Dream as if you’ll live forever
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:25 AM - No Replies

PROLOG
Endlich war es soweit. Heute Nacht sollte ihm niemand etwas anhaben können.
Nicht angewiesen auf Pseudofreunde, die versuchten, mit falschen Grundlagen sein Vertrauen zu erschleichen.
Dabei hatte er sich so sehr jemanden gewünscht, bei dem er endlich er selbst sein konnte. Mit dem er seine Gedanken teilen konnte. Bei dem er sich sicher fühlen konnte.
Aber so war die Welt nun mal nicht. Die Welt … die Menschen … hatten nichts für ihn übrig.
Kalt und unnahbar. Und so wurde auch er nach und nach kalt und unnahbar.
Er fühlte sich im Stich gelassen, von der Welt verraten.
Die Schmerzen in seinem Inneren kehrten mit voller Wucht zurückt.
Die Enttäuschung drohte ihn zu zerbrechen … oder hatte sie das bereits getan?
Die Straßen glänzen von dem vielen Regen, die Temperaturen verraten, daß es auf denn Winter zugeht. Auf den Straßen sind zu dieser Stunde nur noch wenige Autos unterwegs.
Von irgendwoher klingen die Sirenen eines Krankenwagens, die aber schnell in der Ferne verstummen.
Die große Leuchtreklame erhellt mit ihrem stetigen grellen Flimmern die Dunkelheit, spiegelt sich dabei auf dem nassen Teer und trotz der vorgerückten Stunde scharen sich unablässig neue Besucher um den Eingangsbereich des Clubs. Nicht wenige von ihnen werden von den Türstehern wieder abgewiesen. Und nicht wenige von ihnen machen ihrem Ärger lautstark Luft. Die Türsteher beeindruckt das nicht im Geringsten. Sie tun nur ihren Job, für den sie außerordentlich gut entlohnt werden. Sie sind angewiesen, nur diejenigen Gäste in den Club zu lassen, die entweder auf der Namensliste stehen oder eine persönliche Einladung vorlegen können.
Zwei sich sehr vertraut wirkende junge Männer sind ebenfalls auf dem Weg in den viel besuchten Club. Als der eine stehen bleibt, dreht sich der andere sofort fragend zu ihm um.
Für einen Moment scheint es, als würde die Zeit stehen bleiben. Wortlos sehen sie sich in die Augen, ein ängstlicher Blick bei dem einen … ein warmer aber trauriger Blick bei dem anderen. Für einen Moment scheint sich die Ewigkeit einem neuen Gesetz zu beugen. Eine Sekunde, ein kurzer Augenblick nur …
Der ängstliche lacht und schließt zu seinem Freund auf, hakt sich dabei mit einem Arm bei ihm unter. Zusammen betreten sie den Club ohne Probleme …

Ein Tag …
Ich hab mich schon so lange auf den Abend gefreut. Endlich kann ich mich mal gehen lassen, endlich einmal einfach nur Spaß haben. Seit Monaten schon hatte ich tagtäglich viel zu viel zu tun und heute, endlich! wieder einmal Zeit für mich. Ich habe den ganzen Tag schon rein gar nichts gemacht, das heißt, doch, eigentlich schon. Ich habe mich in meine lockeren Kuschelklamotten geworfen, was eher selten der Fall ist. Denn sonst muß ich immer darauf achten, elegant und gepflegt zu wirken.
Gepflegt bin ich zwar in meinen Wohlfühlklamotten auch, aber eben nicht besonders elegant. Auf meine Weise gekleidet habe ich mich den ganzen Tag in meinem Appartment verkrochen, habe sämtliche Telefone vom Netz getrennt und auch mein Handy auf stumm geschalten, ich hatte sogar die Türklingel deaktiviert. Niemand sollte mich an meinem freien Tag stören. So dermaßen abgeschottet habe ich mich auf meine Couch geworfen und endlich wieder einmal ein Buch zur Hand genommen. Ich muß dazu sagen, wenn ich einmal zum Lesen komme, dann richtig.
Dann kann es schon passieren, daß ich an einem einzigen Tag ein komplettes Buch durchlese. Ich versinke dann regelrecht in der Scheinwelt. Träume von großer Liebe, von ungebrochener Freundschaft, von Freiheit und Frieden.
Frieden … welch wunderbares … welch großes Wort. Ich bemühe mich seit Jahren schon, mich nicht zu sehr von den täglichen Kriegsmeldungen in den Nachrichten beeinflussen zu lassen.
Es gehört einfach zu meinem Job, stetig strahlend guter Laune zu sein. Oder zumindest so zu wirken als wäre es so. Die Menschen wollen einen lachenden Star sehen, nicht einen, der an der Welt zerbrochen ist.
Bitte nicht falsch verstehen, ich verschließe meine Augen nicht vor dem Leid in der Welt. Ich bin kein Optimist, wie er im Buche steht. Ich sehe die Zukunft nicht durch eine rosarote Brille, die mir Friede und Freude vorgaukeln möchte, wo das Gegenteil der Fall ist. Ich weiß sehr wohl um die Probleme der Welt. Doch was hilft es mir und anderen, wenn ich dadurch den Sinn fürs Leben verliere?
Unsere Welt braucht Menschen, denen ihr Wohl am Herzen liegt, die mit Freude versuchen für eine bessere Zukunft zu sorgen. Ich meine, es gibt doch genügend Menschen, denen es entweder egal ist, wie es weitergeht oder die nicht den Mut haben, etwas verändern zu wollen. Doch wo soll das denn hinführen?
Sollen wir denn alles den Bach runtergehen lassen?
Ich hatte bisher soviel Glück in meinem Leben, auch wenn nicht immer alles so einfach war. Auch bei mir gab es richtig schwere Zeiten, an denen wir kaum etwas zu essen hatten. Wo meine Schwester und ich auf der Straße gesungen hatten, um uns wenigstens etwas zu essen kaufen zu können.
Das prägt einen schon sehr früh. Aber ich hatte nie … niemals auch nur den Hauch von Mutlosigkeit. Ich wußte immer, wenn es besser werden soll, müssen wir etwas dafür tun. So einfach ist es.
Und genau aus dem Grund tue ich noch immer etwas dafür. Gut, ich kann vielleicht nicht mehr selbst auf der Straße stehen und sammeln gehen. Ich kann nicht selbst an den vielen Protesten teilnehmen, weil mir ganz einfach die Zeit dafür fehlt. Aber ich tue meinen Job und ich bekomme dafür sehr viel Geld. Und mit diesem Geld kann ich meinen Teil für eine bessere Zukunft beitragen.
Ich habe mich schon vor längerer Zeit dazu entschlossen, verschiedene Organisationen wie zum Beispiel die PETA zu unterstützen. Ich habe mir die Organisationen sehr genau ausgesucht, es sind welche, die durch und durch nach meiner Denkweise handeln oder so vorgehen, wie ich es tun würde, wenn ich könnte.
Im Moment bin ich sogar an einem noch größeren Projekt dran, denn ich habe begonnen, ganze Teile des Regenwaldes in Costa Rica aufzukaufen.
Das hänge ich aber nicht so sehr an die große Glocke, denn es könnte unter Umständen gefährlich werden, wüßten einige Gesellschaften das so genau. In dem Fall agiere ich eher im Stillen … aus dem Hintergrund heraus.
Für die Tier- oder auch Umweltschutzorganisationen kann ich immerhin mit meinem Namen eintreten, was alleine schon sehr viel ausmacht. Normalerweise behagt es mir nicht, wenn die Menschen einem nur nacheifern, weil man wer ist und nicht, wegen der Sache an sich. Aber bei dem Thema achte ich da nicht darauf. Es geht schließlich um unser aller Zukunft. Wie die Welt gerettet wird, ist da erst mal zweitrangig.
Es ist mir schon klar, in dem Ausmaß können sich nur wenige beteiligen, aber es kommt nun mal auf jeden an. Egal wie viel oder wenig er dazu beitragen kann.
Einen Beitrag, um unsere Welt ein Stück weit vom Abgrund wegzuziehen. Um die Grausamkeiten und die Dummheiten der Menschheit auszugleichen.
Aber heute will ich nicht an all das denken. Den ganzen Nachmittag habe ich, während ich mein Buch las, klassische Musik gehört. Habe mich gefangen nehmen lassen von den sanften Klängen. Habe mich treiben lassen in einem Meer harmonischer Melodien und fand für einen Moment Ruhe und Frieden in mir.
Gegen Abend bin ich dann doch noch einmal raus, habe mich mit Freunden und meinem Bruder zum Essen getroffen.
Sicherlich, ich weiß, daß nicht alle davon meine echten Freunde sind, aber mein Herz ist einfach zu groß. Ich versuche ständig für alle und jeden da zu sein.
Ich weiß auch, daß ich dringend selbst jemanden bräuchte, der für mich da ist. Bei dem ich einfach mal ich sein kann. Ohne Vorbehalte, ohne darüber nachdenken zu müssen, was am nächsten Tag in der Presse stehen könnte.
Bei dem ich dieses großartige Gefühl des absolutem Vertrauens empfinden könnte. Den ich lieben könnte und dessen Liebe auch ich mir sicher sein könnte.
Gibt es einen solchen Menschen?
Irgendwo vielleicht?
Ich weiß es nicht.
Dieses Leben fühlt sich manchmal so schwer an, die Tragödie dieser Welt, ihr langsamer stetiger Untergang, der Leichtsinn, mit dem so viele Menschen mit sich und ihrem Umfeld umgehen. Die stetige Intoleranz und Arroganz. Ich verstehe einfach nicht, wie manche Menschen so grausam sein können, warum sie sich so gleichgültig gegenüber der Welt und auch noch sich selbst gegenüber benehmen können. Dabei sind wir doch alle gleich, alle haben ein Recht darauf zu leben und ihr Leben so zu führen, wie sie es gerne möchten. Und wenn es nun zwei Männer sind, die sich lieben … na und? Hauptsache ist doch, daß sie überhaupt dazu fähig sind, zu lieben.
Viele Menschen um mich herum verstehen nicht, warum ich so lebe, wie ich lebe.
Ich rühre kein Fleisch an, esse kein Geflügel und auch keinen Fisch. Aus diesem Grund werde ich oft verspottet. Verspottet als übertriebenes Sensibelchen. Ich bin in dem Sinne ein Außenseiter und war es auch schon immer. Außerhalb meiner Familie hatte ich immer das Gefühl, nicht richtig ernst genommen zu werden. Seltsam, schließlich ziehe ich Millionenverträge an Land. Aber das hat weniger mit meiner Person zu tun, sondern mit meinem Talent.
Dass ich keine Tiere oder tierischen Stoffe zu mir nehme, hat übrigens nichts mit meiner Erziehung zu tun, sondern allein mit meiner Einstellung. Es widerstrebt mir, das Fleisch von toten, gequälten Lebewesen zu mir zu nehmen. Wer hat nicht schon mindestens einmal in seinem Leben gesehen, unter welchen Bedingungen diese armen Kreaturen ihr Leben fristen müssen. Unter welchen Angstzuständen und welcher Panik sie ihren letzten Weg antreten. Und unter welcher Pein sie schließlich abgeschlachtet werden.
Aber ich will nicht ungerecht erscheinen. Hatte man doch früher, vor einigen Jahren eine weitaus brutalere Sichtweise zu dem Thema… denn früher wurde das Vieh oft einfach aufgeschlitzt und an den Beinen aufgehängt, damit es langsam … mit jedem Tropfen Blut, das ihren geschundenen Körper verläßt … dem Tod ein Stück näher kam. So lange, bis sie letztendlich ihre Erlösung fanden.
Heute wird dazu eine humanere Art gewählt: Mit einem Bolzenschuss direkt auf die Stirn sollten die größeren Tiere verenden. Wobei auch hier der sofortige Tod nicht garantiert werden kann. In der Regel wird das Tier dadurch einfach nur betäubt und blutet besinnungslos und benebelt langsam aus. Blöd nur, wenn das Tier dabei wieder zu Bewußtsein kommen sollte. Aber wen stört das schon großartig.
Nun, MICH stört es gewaltig. Und eben das ist der Grund, warum ich keine Tiere esse. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange das eigentlich schon so geht.
Irgendwann … da konnte ich es einfach nicht mehr. Ich hab angefangen, mich vor dem Steak oder Braten auf dem Teller zu ekeln. Hatte bei jedem Bissen nur den Gedanken an warmes Blut im Kopf. Da hab ich einfach aufgehört, sowas zu essen. Einmal ist es mir sogar passiert, daß ich mich übergeben mußte, als mir in einem Restaurant irrtümlich Steak serviert wurde. Glücklicherweise habe ich es noch bis zur Toilette geschafft. Also, das passiert mir zwar mittlerweile nicht mehr, und darüber ich auch ganz erfreut. Aber wer wagt es nun, mich nach meiner Lebensweise zu fragen?
Naja, wie schon erwähnt, ich möchte heute nicht an solche Dinge denken.
Nicht heute.
Das Abendessen mit meinen Freunden und mit meinem Bruder war sehr sehr schön, wir hatten viel zu lachen. Ich spielte dabei wie so oft den Barden, imitierte legendäre Schauspieler wie James Dean, der irgendwann einmal gesagt hatte: „Dream as if you’ll live forever, live as if you’ll die today. (dt. „Träume, als würdest du ewig leben, lebe, als würdest du heute sterben.“).
Alle lachten sie, keiner sah den wirklichen Sinn hinter den Worten, die wahre Bedeutung hinter diesem Zitat. Keiner, bis auf meinen Bruder, der mich liebevoll ansah und zustimmend nickte.
Was bitteschön ist so lustig an diesem Zitat??
Ist es denn lächerlich, seine eigenen Träume in diesem verdammten Leben zu haben?
Ist es denn nicht erstrebenswert, tagtäglich zu versuchen, diese Träume zu erreichen?
Ich seufze leise bei dem Gedanken daran.
Ach ja, was ich noch sagen wollte, die anderen gehen sehr gerne mit mir aus. Die Kosten gehen auf mich und jeder hat seine Freude. Wer ist schließlich nicht sofort dabei, wenn es etwas umsonst gibt.
Meinem Bruder ist es dabei aber nicht sehr recht, daß ich für ihn mitbezahle, es ist ihm unangenehm. Aber ich lache darüber nur, ich habe soviel von dem Geld, warum sollte ich es nicht auch für meine Familie verwenden? Und außerdem macht es einfach Spaß, meine Familie zu verwöhnen. Sie sind schon so lange mein einziger Halt. Mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und auch meine Schwester … ich liebe sie alle und bin ihnen dankbar für ihre Gegenwart. Dafür daß ich diese wunderbaren Menschen meine Familie nennen darf. Nach dem nächsten Projekt möchte ich eine kleine Auszeit nehmen. Mich eine Weile nur um meine Familie kümmern, einfach mit ihnen zusammen sein und an ihrem Leben teilhaben.
Nebenbei möchte ich mich in der Zeit noch mit meiner geliebten Musik beschäftigen. Ich hab schon als Kind Gitarre gespielt und es machte mir immer riesigen Spaß. Die Musik läßt mich zur Ruhe kommen, sie nimmt mich gefangen und entführt mich in eine andere bessere Welt. Wie oft habe ich abends einfach nur auf Veranda gesessen und mit geschlossenen Augen ein paar Klänge gespielt. Es war einfach traumhaft. Damals kam meine Schwester dann auch auf die Idee, eine kleine Band zu gründen. Ich war sofort Feuer und Flamme und wir verpflichteten auch gleich zwei unserer besten Freunde. So hatten wir unsere eigene kleine Band und veröffentlichten sogar ein paar, von uns gecoverte, Songs. Nachdem ich aber in meinen jetzigen Beruf gewechselt hatte, blieb mir für die Band kaum noch Zeit. Nun, genau das möchte ich in meiner Auszeit nachholen. Die anderen waren freudig begeistert, als ich ihnen davon erzählte. Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich soweit ist. Ein paar Wochen nur noch…
Dann wird mein aktuelles Projekt abgeschlossen sein. Wieder ein neuer Film, dessen Inhalt auch eher düster und nach Endzeit wirkt. Es geht darin um einen Witwer, der auf einem Atomtest-Gelände lebt und der eigentlich nur noch auf das Ende der Welt wartet. Der den Glauben an unsere Welt, an die Menschheit verloren hat. Die Stimmung ist so düster, daß sie sogar die anderen Darsteller sehr mitnimmt. Keiner hat eigentlich so richtig Lust, an dem Projekt weiterzuarbeiten. In einem makaberen Scherz meinte ich vor einiger Zeit, daß bei diesem Dreh wahrscheinlich noch jemand sterben würde. Das war natürlich nicht ernst gemeint, aber die Stimmung am Set ist teilweise richtig depressiv. Ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich nicht aus diesem Projekt aussteigen sollte. Scheiß auf die Vertragsstrafe. Ich hab genug Geld, es würde mich nicht wirklich jucken. Das soll keinesfalls überheblich klingen, im Gegenteil. Aber was ist denn nun wichtiger? Die eigene Gesundheit oder das Geld? Ich könnte es mir mehr als locker leisten, aus dem Filmprojekt auszusteigen. Und vielleicht werde ich das auch noch tun.
Und jetzt stehe ich vor diesem Scene-Club. Aus allen Richtungen strömen noch immer Besucher herbei. Ein Blick auf meine Uhr verrät mir, daß es bereits weit nach Mitternacht ist.
Ich bin einigermaßen nervös, eine innere Unruhe erfüllt mich. Ob ich doch besser nach Hause gehen sollte? Mein Bruder geht vor mir und dreht sich nach mir um, als ich stehen bleibe. Fragend sieht er mich an, wir sehen uns einige Sekunden direkt in die Augen. Es ist, als führten wir eine stumme Unterhaltung, alles andere wird still, ausgeblendet. Ich sehe nur noch seine schönen Augen, die den meinen so sehr ähneln. Sehe ich Liebe darin? Traurigkeit?
Mit einem plötzlichen Ruck geht die Welt ihren hektischen Lauf weiter, ich reiße mich zusammen und schließe zu meinem Bruder auf. Lachend hake ich mich bei ihm unter und wir treten zusammen durch die nur für geladene Gäste offene Tür.
Der Raum ist nicht so vollgestopft, wie es von außen den Anschein hatte und im ersten Moment scheint es düster… meine Augen gewöhnen sich nur langsam an den verdunkelten Raum. Sehr groß ist er eigentlich auch gar nicht.
Wendet man sich nach links, so erblickt man eine halbrunde Bar mit einigen Barhockern davor und schräg gegenüber, also auf der rechten Seite vom Eingang aus gesehen, befindet sich eine weitere Bar, diese aber in langer gerader Form. Geradeaus kommt man direkt zur Tanzfläche, die im Moment vollbesetzt ist. Und ich weiß, daß sich hinter dieser Tanzfläche noch eine abgegrenzte Sitzgelegenheit befindet. Abgegrenzt in dem Sinne, daß um die Sesseln und Sofas herum einzelne Pflanzenwände angebracht wurden. Vor dem engen Durchgang blockieren zwei äußerst beeindruckende Gestalten den Weg, um Unbefugten die Grenze aufzuzeigen.
Ich weiß, daß ich nicht zu den Unbefugten gehöre und so steuere ich, immer noch bei meinem Bruder eingehakt, den Sitzbereich an. Auf unserem Weg werden wir von zahlreichen Pseudofreunden begrüßt, umarmt und in nicht sehr aufregende Gespräche verwickelt. Die Aufmerksamkeit gilt da überwiegend mir. Wie sollte es auch anders sein, Leaf ist schließlich ‚nur’ mein kleiner Bruder. Der wichtigere bin ich, nach deren Meinung.
Ich hasse es, dass so oft Unterschiede zwischen Menschen gemacht werden. Sie werden so oft nur nach dem beurteilt, wie viel sie erreicht haben. Wie viel Geld auf ihrem Bankkonto liegt und mit wem sie zu tun haben. Ich habe das schon früh lernen müssen, konnte diese Art der Menschenbeurteilung, oder vielmehr MenschenVERurteilung aber niemals annehmen. Früher habe ich deswegen oft Streitereien provoziert, habe mir einen Spaß daraus gemacht, wenn sich diese Pseudofreunde ertappt fühlten. Wer gibt schon gerne zu, daß er nur an deinem Geld interessiert ist?
Es ist aber nicht jeder so, nein, denn viele reagieren auf solch ehrliche Worte auch mit Empörung und Zorn. Diese Sorte ist dann erst mal richtig beleidigt und würdigt dich keines Blickes mehr … zumindest für die nächste halbe Stunde. Und spätestens nach einer Stunde kommen auch sie wieder angekrochen. Man kann schließlich nicht zulassen dass der gute Kontakt zum fetten Bankkonto ganz abreisst.
Und ganz wenige … nur eine Handvoll Menschen … sind ehrlich an dir interessiert. Ganz ehrlich an deiner Person, an dem, der du wirklich bist. Das sind dann überwiegend die Menschen, die du schon kanntest, als der Weltruhm noch nicht vorhanden war. Als du wie jeder andere auch eine graue Maus in der Weltgeschichte warst, nichts weiter als ein Zahnrad in der Mühle der Gesellschaft.
Vielleicht sollte ich meine Gedankengänge auch hier etwas detaillierter erklären: Zu dieser Handvoll Menschen ‚von früher’ zählen nämlich auch nur diejenigen, die nicht neidig auf meinen Erfolg reagierten. Bei vielen vielen ‚Freunden’ hieß es dann nach kurzer Zeit, ich sei total abgehoben und arrogant und würde mit meinen ‚armen’ Freunden nichts mehr zu tun haben wollen. Wenn ich sie zum Essen einladen wollte oder ihnen ein Flugticket schenken wollte, damit sie mich besuchen könnten, hieß es nur: „Seht, wie der mit seinem ‚tollen’ Geld rumschmeisst. Jetzt muß er auch noch damit angeben!“.
Dabei wollte ich einfach nur meine Freunde um mich haben.
Aber ich will nicht undankbar erscheinen, ich bin froh, daß sich die wirklichen Freunde herauskristallisiert haben und ich bin froh, daß ich mit dem Geld, das ich reichlich verdiene, vieles verändern und bewegen kann.
Und mittlerweile habe auch ich nochmal dazugelernt: Anstatt mich über diese Menschen zu ärgern oder mit ihnen zu streiten, nutze ich deren Kontakte, wenn ich sie brauche. Ich tue damit niemandem etwas Böses und auch diese … Personen schätzen sich glücklich, weil sie mir helfen konnten. Natürlich nicht, weil sie MIR helfen konnten, sondern weil sie in der Presse oder in der High Society oder sonstwo gut dastehen, weil sie einem wie mir helfen konnten (meiner Meinung nach ‚durften’).
Bei der Sitzgelegenheit herrscht ausgelassene Stimmung, es wird viel gelacht und mein Bruder und ich werden herzlich begrüßt. Ganz so, als wären wir seit Jahren befreundet. Ich mache mir da keine Illusionen, denn hätte mein letzter Film gefloppt, wäre ich nicht einmal an den beiden Aufpassern vorbeigekommen. Dass mein nächster Film kurz vor der Premiere steht, hat sicherlich auch nicht wenig damit zu tun. Es ist zu erwarten, daß er (genauso wieder der vorherige) seinen Siegeszug durch die Filmbranche ziehen wird. Nicht, weil er so erheiternd wäre oder der modernen Filmszene entsprechen würde. Nein, bestimmt nicht. Sondern deshalb, weil der Film aufrütteln wird. Die Geschichte alleine fasziniert schon in einem ungeheuren Maße und wird vermutlich verängstigen, verschrecken, aber eben auch aufrütteln. Ein Aufruf an die Menschheit, sich mit ihrem eigenen Abgrund zu beschäftigen. Sich ihren Ängsten und Dämonen zu stellen. Ich freue mich schon jetzt auf die ersten Kritiken.
Leaf und ich nehmen nebeneinander Platz und ich spüre, wie er einen Arm um meine Hüfte legt und mich ganz nahe an sich zieht. Ich liebe es, wenn mein Bruder diese körperliche Nähe sucht, denn es gibt mir ein Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit. In diesem Gefühl lehne ich mich eng an ihn und lege meinen Kopf auf seine Schulter. Für einen Moment schließe ich meine Augen und als mich plötzlich ein inniges Gefühl der Zuneigung durchflutet, sehe ich ihn lächelnd an und drücke meine Lippen auf die seinen. Er sieht mich total überrascht an und ich kann nur noch lachen. Da legt er seine freie Hand (die andere ruht ja immer noch auf meiner Hüfte) um meinen Nacken und zieht mich langsam an sich heran.
In dieser Sekunde höre ich auf zu lachen und blicke gespannt in seine Augen. Er sieht mich fragend an, lächelt und drückt nun seinerseits seinen Mund auf den meinen. Ganz sanft läßt er seine Zunge über meine Lippen streicheln und ich öffne diese, mehr überrascht als bei klarem Gedanken. Mit geschlossenen Augen lasse ich mich in dieser Explosion aus fantastischen Gefühlen fallen. Ich spüre, wie seine Zunge zärtlich die meine berührt. Erst ganz vorsichtig tastet sie danach und sie fühlt sich dabei irgendwie kühl an … feucht und kühl, es ist ein wunderbares Gefühl. Wir versinken in einen traumhaften Kuss.
Als sich unsere Lippen trennen sehen wir uns tief in die Augen, ich versinke regelrecht in ihnen. Wir lächeln beide und ich lege meinen Kopf wieder an seine Schulter. Es ist ein wundervoller Abend, ich bin so glücklich wie schon lange nicht mehr.
Obwohl es schon zwei Uhr morgens ist, bin ich hellwach. Der Abend wurde immer schöner, wir lachten und feierten einfach ausgelassen. So ausgelassen, als gäbe es nie wieder die Gelegenheit dazu. Ich fühlte mich meinem Bruder noch nie so nahe wie heute.
Irgendwann fing auf der gegenüberliegenden Couch jemand an, ein paar Dinge auf dem niedrigen Tisch zu verteilen. Darunter befanden sich mehrere kleine durchsichtige Plastiktütchen und auch ein Gefäß, das mich an eine dieser Duftlampen erinnerte, mit dem Unterschied, daß die oben aufliegende Schale um einiges größer und tiefer war, als es normal der Fall wäre. Auch befand sie sich näher als üblich über der Kerze. Desweiteren kamen mehrere Einwegspritzen zum Vorschein, die allesamt einzeln verpackt waren. Ich merkte, daß Leaf mich beobachtete und so schaute ich in seine Richtung. Er hob nur die Augenbrauen und zuckte mit den Schultern.
Wir waren beide neugierig und warteten gespannt, was unser Gegenüber nun vorhatte. Er holte eines dieser kleinen Apothekertütchen raus, auf dem sogar der Inhalt zu lesen war: „Vitamin C – für die kalten Tage“. Verwundert drehte ich mich nochmal zu meinem Bruder, aber der schaute genauso ratlos wie ich drein.
Unser Gegenüber begann nun einige der anderen, durchsichtigen Tütchen zu öffnen und jeweils einen großen Teil davon in die Schale zu schütten, zum Schluß goss er etwas von seinem Mineralwasser nach und verrührte es vorsichtig mit dem Löffel. Er ließ kurz suchend seinen Blick über den Tisch wandern und entdeckte schließlich das Gesuchte: eine Scheibe Zitrone. Diese nahm er und begann deren Saft in die Mischung zu pressen.
Nachdem die Mischung vollendet war, zündete er die kleine Kerze darunter an. Erst tat sich gar nichts, aber nach ein paar Minuten fing die Flüssigkeit zu dampfen an und der Besitzer begann langsam mit dem Löffel zu rühren.
Die Leute um uns herum beobachteten die Prozedur genauso erwartungsvoll wie mein Bruder und ich.
Schließlich fing der Beschäftigte zu grinsen an und rief laut: „Leute, heut ist euer Glücksabend … ich geb ne Runde aus.“
Fragend schaute ich zu Leaf, er zuckte mit den Schultern und meinte: „Warum nicht?“
Und so ließen auch wir uns jeder eine der nun gefüllten Spritzen geben. Ich wartete, bis die anderen selbige angesetzt hatten, um zu sehen, wie man das überhaupt macht.
Auf einen letzten fragenden Blick zu meinem Bruder, der mir zunickte, setzte auch ich die Nadel an und bemühte mich, die Spitze an die richtige Stelle zu bekommen. Als derjenige, der die Runde ausgegeben hatte, meine Unsicherheit bemerkte, fragte er: „Soll ich sie für dich ansetzen?“
Erleichtert lachte ich und nickte. Also nahm er mir die Spritze aus der Hand und setzte sie an der richtigen Stelle an. Ein kurzer Einstich und schon drückte er den Inhalt direkt in meine Vene.
Ich schließe für einen kurzen Augenblick meine Augen, sehe das Flimmern der Clubbeleuchtung durch meine Lider. Innerhalb von Sekunden beginnt sich um mich herum alles zu drehen und ich öffne mit einem Ruck meine Augen. Irgendwie erheitert sehe ich zu meinem Bruder. Ich weiß nicht, warum ich lachen muß, aber ich tue es. Mein Bruder lächelt mich an, in seiner Hand sehe ich die ebenfalls leere Spritze.
Ich stehe auf … immer noch lachend … nehme seine Hand und ziehe ihn mit mir. Zusammen drängen wir auf die Tanzfläche, die Gesichter der anderen wirken so komisch, irgendwie verzerrt. Alles ist unnatürlich laut und grell und alles scheint so durcheinander. Ich torkle mehr, als dass ich gehe, aber so richtig auffallen tut mir das im Moment nicht. Im Gegenteil, als ich beinahe stolpere bekomme ich einen Lachkrampf deswegen. Ich kann mich nicht mehr halten, ich muß einfach lachen. Mein Bauch verkrampft sich schon, ich bekomme kaum Luft, aber ich kann einfach nicht aufhören zu lachen. Ich fühle mich so unendlich gut, kaum zu glauben, daß ich heute zu Hause bleiben wollte. Könnte tausend Sachen auf einmal machen. Aber eine Sache liegt mir dabei besonders am Herzen …
Als wir nach einer ganzen Ewigkeit endlich am anderen Ende der Tanzfläche angekommen sind, sehe ich die noch immer offen stehende Tür zum Ausgang.
Egal, ich will nicht raus, ich will ihn hier … genau jetzt und genau hier.
Ich dränge mich an meinen Bruder, spüre wie er seine Hände wieder um meine Hüfte legt. Außer Atem schmiege ich mich fest an ihn und fixiere ihn mit einem erwartungsvollen Blick in die Augen, er versteht.
Ich spüre, wie seine Hand langsam über meinen Hintern gleitet, wie er ihn sanft anhebt und mich noch fester an sich drückt. Ich keuche erregt, denke nicht mehr nach. Unsere Lippen treffen sich zu einem erneuten, diesmal aber leidenschaftlichen Kuss. Wild spielen unsere Zungen miteinander und ich merke, wie seine Hand langsam zu meiner Vorderseite wandert, während er mich mit der anderen noch immer festhält. Seine Hand stoppt erst in meinem Schritt. Erregt ringe ich nach Luft. Er beginnt, sanft die Linien meines harten Gliedes nachzufahren. Als ich meinen Kopf in den Nacken lege, überhäuft er meinen Hals mit zarten Küssen. Und endlich massiert er meinen Schwanz. Erst sehr zurückhaltend, vorsichtig, doch dann immer fordernder. Ich stöhne, es ist mir egal, daß wir uns mitten in einem gut besuchten Promi-Club befinden. Scheiß drauf, was geht DIE das an?
Ich drücke meinen steifen Schwanz gegen seine Hand, reibe mich daran. Gleichzeitig taste ich meinerseits nach seiner Vorderseite.
Ich grinse ihn aufreizend an und schnurre: „Brüderchen … du bist ja total geil auf mich.“
Er lächelt amüsiert. Statt einer Antwort leckt er mit seiner Zunge über meine Lippen und knabbert leicht daran.
Mein Atem ist beschleunigt.
Ungeduldig öffne ich seine Hose und hole seinen Schwanz heraus. Ich will ihn verwöhnen, er ist schließlich mein Bruder. Ich streichle mit meinem Daumen sanft über seine schon feuchte Spitze und küsse ihn dabei.
Gerade noch völlig in Geilheit gefangen, küssen wir uns jetzt nahezu zärtlich. Behutsam streichle ich über seinen Schwanz, nehme seine Bälle in die Hand und massiere sie. Schließlich beginne ich endlich seinen übersteifen Schwanz zu massieren, bewege meine Hand dabei fordernd auf und ab, ganz so, wie er es auch bei mir tut.
Der Höhepunkt läßt nicht lange auf sich warten, zu aufgegeilt ist unsere Stimmung. Wir versinken in einem zärtlichen Kuß. Er nimmt mich fest in seine Arme und ich dränge mich dicht an ihn. Spüre seine Wärme, die mich in dem Moment vom Abgrund fernhält. Wir stehen lange da und schmusen hemmungslos miteinander. Zwischendurch sage ich kichernd: „Ich wußte gar nicht, daß du so gut küssen kannst.“
Er lacht nur ausgelassen und meint: „Und ich wußte nicht, daß ich dich so gerne küsse.“
Ich strahle ihn glücklich an und er lächelt ebenfalls. Er hält mich noch immer in seinen Armen und ich habe meine Hände auf seine Brust gelegt. Verträumt blicke ich ihn an und versinke nahezu in seinen wunderschönen Augen. Manchmal verzerren sich seine Gesichtszüge, aber wenn ich kurz blinzle ist alles wieder normal. Wir stehen noch immer engumschlungen da, und sehen uns in die Augen.
Noch nie habe ich mich einem Menschen so nahe gefühlt. Noch nie habe ich mich so wohl gefühlt, ich bin so glücklich wie ich es noch nie war.
Meine Gedanken drehen sich im Kreis,
Liebe …
Unsicherheit …
er ist mein Bruder …
was wird morgen sein? …
Verständnis …
Vertrauen …
sein Lächeln verzerrt sich …
ich schließe meine Augen und öffne sie wieder …
alles normal …
Verwirrung …
Er fragt mich etwas, ich verstehe ihn nicht. Dicht an meinem Ohr wiederholt er die Frage: „Ist alles in Ordnung?“
Ich sehe ihn nur verständnislos an.
Wie kann alles in Ordnung sein, nach dem, was ich gerade getan habe … BRUDER! Ich schüttle meinen Kopf … nein … diese Gedanken sind nicht die meinen. Ich habe es gewollt, ich liebe meinen Bruder. Es ist eine Liebe, die ich nicht beschreiben kann, sie ist tief, echt und einzigartig. Vorbehaltlos und stark. Ich wollte meinen Bruder verwöhnen, möchte, daß es ihm gut geht.
Schnell nicke ich als Antwort auf seine Frage. Mir wird schwindlig und ich schüttle den Kopf. Ich sehe seinen besorgten Blick.
Benommenheit umnebelt mich, das Schwindelgefühl nimmt zu. Ich bin verwirrt, weiß nicht, was mit mir los ist. Mein Bruder führt mich langsam nach draußen, ich höre Wortfetzen … „frische Luft“ … „gehen“
Ich beginne zu husten … dabei bin ich doch gar nicht erkältet.
Wir sind draußen …
Ich versuche zwischen dem ganzen Husten zu atmen …
ich kriege keine Luft …
Angst …
ich versuche panisch Luft zu schnappen, will tief einatmen …
ich kann nicht …
mein Kopf tut weh, ich habe Schmerzen. Als würde mein Gehirn anschwellen …
ich fühle einen unglaublichen Druck in meinen Augen …
Panik …
ich habe das Gefühl meine Lungen platzen …
Verzweiflung …
Dunkelheit …
BREAK TO END
EPILOG
Es war ein wunderschöner Tag. Die Temperaturen waren überraschenderweise noch einmal angestiegen und auch wenn es nicht wirklich heiß war, so war die Sonneneinstrahlung doch sehr angenehm zu spüren. Eine kleine Gruppe hatte sich vor dem kleinen Häuschen auf dem Gelände versammelt. Sie standen eng beieinander und versuchten sich gegenseitig Trost zu spenden.
Nicht wenige weinten in den Armen eines Bruders, einer Schwester. Die Eltern blieben für sich. Sie beide wirkten noch sehr gefasst, als sie aus der Kirche getreten waren, nun aber hatte auch sie die Trauer erfasst.
Ein junger Mann hielt sich von der Gruppe fern. Wie alle anderen auch war er schwarz gekleidet, nur er trug eine schwarze Sonnenbrille. Nicht, um seine Augen vor der Helligkeit zu schützen, sondern um seine Tränen zu verbergen.
Der strahlende Sonnenschein konnte nicht darüber hinwegtäuschen.
Er hatte Mühe, sich aufrecht zu halten und als die Tür zu dem kleinen Nebengebäude geöffnet wurde, drohte er völlig zusammenzubrechen.
Ein Sarg wurde von sechs jungen Männern langsam herausgetragen. Wäre der Anlass kein solch bedrückender, so würde man den Schmuck darauf durchaus bewundern können. Der Sarg selbst bestand aus dunkelbraunem, hochglanzpoliertem Holz und war über und über mit weißen Blumen bedeckt. Rosen, himmlisch duftende weiße Lilien, Margariten, weiße Nelken, weiße Chrysanthemen.
Wäre der Anlass ein anderer …
Am Grab angekommen, wurde der Sarg ein letztes Mal auf der Windevorrichtung aufgebahrt.
Der anwesende Priester begann mit seiner Rede.
Es war keine übliche Grabrede, er sprach davon, welch wunderbarer Mensch die Erde verlassen hatte. Welch großartiges Talent von uns genommen wurde.
Er begann, aus dem Leben des jungen Menschen zu erzählen, der hier seine letzte Ruhe finden sollte. Man hörte Schluchzen, es flossen Ozeane an Tränen.
Schließlich wurde es still, der Priester hatte seine Rede beendet und der Sarg wurde wenige Minuten später in das ausgehobene Grab hinabgelassen. Die Angehörigen warfen je eine Schaufel frischer Erde darauf und entfernten sich unter Tränen.
Nur ein einziger junger Mann blieb alleine zurück. Erst als er sich alleine glaubte, nahm er seine Sonnenbrille ab. Zum Vorschein kamen rotgeweinte, aber wunderschöne Augen.
Langsam sank er mit einem Bild seines geliebten Bruders in der Hand auf seine Knie herab. Versuchte seine Gedanken zu ordnen, versuchte einen Sinn darin zu finden.
Er fand ihn nicht.
Mit einem lauten Schluchzen brach der Schmerz aus ihm heraus.
Er fiel dabei vorne über, schlug mit den Fäusten auf die Erde vor ihm ein.
Er schrie verzweifelt seinen Schmerz hinaus. Schrie bis sein Hals schmerzte und hörte auch dann nicht auf.
Doch nichts geschah.
Sein Bruder kam nicht, um ihn in den Arm zu nehmen, wie er es so oft getan hatte. Sein Bruder kam nicht, um ihn mit seinem strahlendem Lächeln aufzumuntern.
Und er kam nicht, um einfach nur da zu sein.
Immer wieder sah er die Bilder vor sich … er hatte nach einem Krankenwagen geschrien. Sein Bruder in seinen Armen … die Panik in dessen Augen. Der starre leblose Blick wenige Minuten später.
Er hatte ihn geschüttelt, ihn angeschrien, ihn angebettelt bei ihm zu bleiben. Hatte versucht, ihn zu beatmen. Seinen Körper mit Sauerstoff zu versorgen.
Bis er endlich … endlich nach einer Ewigkeit die Sirenen näher kommen hörte.
Von da ging alles recht schnell. Die Sanitäter hatten sich schnell Platz geschaffen. Hatten Ausrüstung dabei. Versuchten seinen Bruder zu retten.
Immer und immer wieder …
Doch die Augen blieben starr …
So wie kurz zuvor in seinen Armen …
In Memory …
INFORMATION
Der intravenöse Konsum ist wohl die bekannteste Konsumform des Heroingebrauchs.
Da die zumeist in Europa erhältliche Heroinbase nicht in Wasser löslich ist, braucht man einen Hilfsstoff, um es in Lösung zu bringen. Das Heroin wird also mit einer Säure (Ascorbinsäure – in Pulverform (Vitamin C) oder Zitronensaft) und Wasser gemischt.
Zitronensaft ist dabei besonders gefährlich, da hier kleinste Partikel in die Blutbahn gelangen können. Die Säure bewirkt beim Aufkochen die für die intravenöse Injektion notwendige Bildung eines wasserlöslichen Heroinsalzes.
Das Heroin wird häufig auch zusammen mit Kokain als sogenannter Cocktail injiziert.
Bei theoretischer Betrachtung müßte dieses ohne Folgen bleiben, da sich die beiden Hauptwirkungen (Heroin = beruhigend, Kokain = belebend) eigentlich aufheben müssten.
Jedoch ist es sogar vielmehr der Fall, daß dieses Gemisch, das auch als ‚Speedball’ bekannt ist, die Wirkungen der beiden Substanzen wechselseitig um ein Vielfaches verstärkt.
Die durch den Heroinkonsum ausgelöste Euphorie intensiviert sich und die durch den Konsum von Kokain möglichen Angstzustände werden abgeschwächt.
Die Gefahr einer Überdosierung ist dabei besonders hoch, da durch die weiteren Bestandteile eine genaue Mengenportionierung kaum möglich ist.
Bei einer Überdosierung besteht die erhöhte Gefahr einer Atemdepression, die unbehandelt zum Atemstillstand und dieser unbehandelt zum Tode führen kann (der so genannte „goldene Schuss“). Grund dafür ist, daß die Stoffe einzeln gesehen bereits muskelentspannend wirken und zusammengeführt diese Wirkung um ein vielfaches gesteigert wird, wovon letztendlich auch die Lungenfunktion beeinträchtigt wird.
Einzelwirkungen:
KOKAIN bewirkt eine Erhöhung der Atem- bzw. der Pulsfrequenz, eventuelle Atemunregelmäßigkeiten, gleichzeitig eine Verengung der Blutgefäße und damit eine Erhöhung des Blutdruckes. Dies kann unter anderem Konsequenzen wie Kreislaufüberlastung, Atemstillstand sowie zu Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Oft weitet sich das bis zum Herzversagen und schließlich den Tod aus.
HEROIN ist euphorisierend, schmerzlindernd und zugleich schlaffördernd. Übelkeit, Muskellähmungen, Verstopfung sind weitere Folgen. Weitere Wirkungen auf den ungewöhnten Körper sind die emetische (gr. Emesis = Brechreiz) und eine gefährliche atemdepressive Wirkung.
Das Atemzentrum wird gedämpft und die Herzfrequenz wird vermindert, was zum Atem- und/oder Herzstillstand führen kann. Heroin gehört, wie alle Opiate, zu den stärksten illegalen Drogen und wird als das gefährlichste überhaupt beschrieben

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Information Drachenblut
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:24 AM - No Replies

Faolan
Seit meiner Entführung aus Hammerfell und der Flucht aus der Festung Helgen, in Himmelsrand, einem riesigen Gebiet, ist nunmehr ein halbes Jahr vergangen, das für mich die reinste Hölle war. Diese Flucht wurde mir nur durch einen sehr mächtigen Drachen, mit Namen Alduin, wahrscheinlich mehr oder weniger ungewollt, ermöglicht.
Zuviel habe ich in diesem halben Jahr erlebt und durchgemacht und bräuchte dringend Ruhe, um all das Erlebte zu verarbeiten. Am liebsten würde ich mich in meinem Haus „Gut Stolzspitze“, in Einsamkeit, auch einer Stadt in Himmelsrand, zurückziehen und einfach nur die Seele baumeln lassen.
Mit dem Töten von Drachen und anderen diversen Aufgaben, zur Rettung dieses und auch schon anderer Fürstentümer und dessen Bewohner, habe ich mir die Anerkennung und den Titel des Thane, in allen Fürstentümern, verdient, stelle somit etwas Höheres dar, als ein normaler Bürger und bekam obendrein Diener aus jedem der Fürstentümer, von dem jeweiligen Jarl „geschenkt“.
Sie hören sich meine Sorgen an, versuchen mir zu helfen und mich vor den vielen Feinden zu beschützen, die mich bedrohen… aber die Erfüllung ist es dennoch nicht. Mir fehlt etwas… nur weiß ich einfach nicht was.
Sicher, ich genieße die Bewunderung vieler Leute, habe einiges an Reichtum angehäuft, Häuser gekauft und vieles andere mehr erreicht, wie beispielsweise den Titel des Erzmagiers, dessen Gemächer ich ebenfalls bewohnen kann, in der Akademie von Winterfeste, die mir zudem gehört. Aber es gibt auch ebenso viele oder beinahe noch mehr Feinde… die mich hassen, mich am Liebsten töten und hinrichten lassen wollen.
Warum…?
Weil ich das legendäre Drachenblut, mit dem Körper eines Menschen und der Seele eines Drachen, bin und mir, bei einigen Missionen, noch ganz andere Feinde gemacht habe.
Ich kann die Seelen, der von mir getöteten Drachen, die es hier nicht gerade selten gibt, in mich aufnehmen und für mich verwenden.
Mein Name ist Faolan und ich gehöre dem Volk der Rothwardonen an… nicht gerade eine Rasse, die hier gern gesehen wird. Ich bin achtzehn Jahre jung, 1,70m groß, schlank und weise eine leichte Bräune auf. Meine Augen sind ebenfalls braun, meine Haare lang und schwarz, die mein Gesicht sanft umrahmen.
Meinem Aussehen nach, bin ich aber kein Krieger, was ab und an ein Vorteil für mich ist, da man mich so auf den ersten Blick nicht sofort erkennt und ich somit auch nicht gleich angegriffen werde. Derzeit befinde ich mich in Rifton, einer ziemlich dunklen und ungastlichen Stadt, im Fürstentum Rift.
Jemand erzählte mir etwas von einem Amulett… das Amulett von Mara, der Göttin der Liebe und des Mitgefühls. Dieses Amulett möchte ich mir kaufen, denn es soll gute Eigenschaften für Magier haben, was mir, als angehenden Magier, von Nutzen sein kann.
So erreiche ich den Tempel von Mara, in Rifton und betrete diesen sogleich. Dem Priester, der mich empfängt, gebe ich einen Almosen und er freut sich, verkauft mir auch das Amulett und erzählt mir obendrein etwas von Liebe und Heiraten. Au man, als ob ich je vorhätte zu heiraten… tze…
Das Amulett hänge ich mir um den Hals, denn es sieht wirklich toll aus… es gefällt mir eben. Nachdem ich den Tempel verlassen habe, brauche ich erst mal was zu trinken und besuche so die Taverne „Bienenstich“.
Schon auf dem kurzen Weg dorthin erscheint es mir seltsam, dass ich dauernd angeflirtet werde. Na ja, eigentlich bin ich das aber schon gewohnt, dennoch nervt es mich sehr und so reagiere ich auch nicht darauf und lasse mich auf nichts ein.
So betrete ich die Taverne, in der sich ein Söldner befinden, der zudem ein Magier sein soll.
Diesen will ich anheuern. Leider weiß ich nicht genau wie er aussieht und muss so schauen, wie ich ihn finde. Vielleicht sollte ich mich bei der Bedienung erkundigen.
Unter den bewundernden Blicken beinahe aller Leute, in der Taverne, gehe ich zum Tresen und setze mich, wobei ich meinen Blick ein wenig schweifen lasse.
„Ein Wasser, bitte“, bestelle ich, denn ich trinke keinen Met und auch keinen Wein… der Barkeeper nickt, nachdem er mich begrüßt hat.
Das Wasser stellt er vor mir auf den Tresen. Ich bedanke mich und frage ihn leise:
„Ich suche hier einen Söldner, der zudem Magier sein soll. Angeblich befindet er sich hier. Könnt ihr mir helfen?“
„Sicher, er sitzt dort drüben, auf der Bank, neben dem blonden jungen Mann.“, meint er und zeigt auf ihn… unauffällig.
Mit einem Nicken, danke ich ihm und schaue, ebenfalls sehr unauffällig, zu ihm hinüber. Was ich sehe, gefällt mir, auf den ersten Blick, ganz und gar nicht, dennoch brauche ich ihn für meine nächsten Missionen…
*-*-*
Marcurio
Wie eigentlich jeden Tag sitze ich hier, im Bienenstich, einer Taverne in Rifton, und trinke Met. Was soll ich auch sonst tun? Seit der Krieg vorbei ist, gibt es für Söldner, wie mich, kaum noch, oder gar keine Arbeit mehr.
Mein Name ist Marcurio und ich bin vierundzwanzig Jahre jung… ursprünglich aus Cyrodiil stammend. Ich bin sehr groß und schlank. Mein männlich-markantes Gesicht zieren zwei blaue Augen. Auf meinem Haupt befinden sich mittellange, schwarze Haare, die nach hinten zu einem Zopf zusammen gebunden sind.
Heute sitze ich mal nicht allein auf dieser Bank. Nein, heute sitzt ein Freund bei mir und wir unterhalten uns angeregt. Was ich jedoch dann zu sehen bekomme, verschlägt mir die Sprache und ich höre meinem Freund kaum noch zu.
Ein sehr junger Mann betritt die Taverne, der dazu bildhübsch ist, und geht nach vorn an den Tresen. Ich kann nicht anders und schaue ihm nach, erst dann spüre ich den Arm meines Freundes, der mich leicht angestoßen hat.
„Hey, hört ihr mir überhaupt noch zu?!“, fragt er mich und ich nicke nur… fasziniert von der Schönheit dieses jungen Mannes.
Eric bemerkt meinen Blick, folgt diesem und grinst… nickend.
„Seid ihr jetzt zum anderen Ufer gewechselt, oder was? Na, sei es drum… das Bübchen könnt ihr jedenfalls vergessen, mein Freund. Dieser junge Mann ist das Drachenblut, er nimmt die Seelen, der von ihm getöteten Drachen in sich auf und er ist bekannt wie ein bunter Hund. Es wundert mich, dass ihr offensichtlich noch nie von ihm gehört habt.
Er ist doch der Held von ganz Himmelsrand und darüber hinaus. Ich werde euch mal etwas über ihn erzählen. Er ist Mitglied bei den Sturmmänteln und hat mit ihnen im Krieg gekämpft. Er wird auch Sturmklinge genannt… was das bedeutet, könnt ihr euch sicher vorstellen. Stellt euch ihm entgegen und ihr seid tot.“
Nur nebenbei höre ich die Ausführungen meines Freundes, über den jungen Mann, jedoch gilt mein Blick noch immer ihm… ihm allein und ich habe mir vorgenommen ihn zu erobern.
„Hallo!? Ihr hört mir ja überhaupt nicht zu!“, entrüstet sich Eric und spricht resignierend weiter: „Lasst es, er ist einige Nummern zu groß für euch.“
„Das werden wir ja sehen.“, erwidere ich, als ich sehe, dass er sich von dem Barhocker erhebt und sich in unsere Richtung bewegt.
Mein Herz beginnt schneller zu schlagen, während ich ihm, mit meinen Blicken, folge.
Dann scheint mein Herz einen Schlag auszusetzen, um anschließend heftig weiter zu schlagen, als er genau vor uns stehen bleibt.
Eric spricht ihn zuerst an: „Was braucht ihr?“, fragt er den jungen Mann, ohne ihn zu begrüßen, doch reagiert dieser gar nicht auf ihn, sondern richtet seinen Blick auf mich, was mich doch glatt ein wenig verlegen werden lässt.
„Ihr seid Marcurio?“, fragt er mich, mit eiskalter Miene.
„Ja, der bin ich. Was braucht ihr?“, antworte ich ihm, nachdem ich meine Stimme wieder gefunden habe.
„Euch… ich brauche euch. Ich habe mehrere Missionen zu erfüllen und heuere euch an… falls ihr interessiert seid“
„Sicher, ich bin interessiert. Wenn ich euch begleiten und helfen soll, kostet das aber fünfhundert Septime.“
„Die habe ich hier. Ihr seid angeheuert. Hier, nehmt das Gold.“, erwidert er und reicht mir tatsächlich einen Beutel, voll mit Goldstücken, den ich sogleich an mich nehme und diesen verstaue.
Kurz, und mit einem frechen Grinsen, schaue ich meinen Freund an, der erst das Drachenblut, dann mich erstaunt… es nicht fassen könnend… ansieht.
Ich stehe auf und stehe nun direkt vor ihm, schaue ihm, der etwas kleiner ist, als ich, fasziniert in die Augen, die das märchenhaft schöne, liebliche Gesicht zieren und doch weiß ich… kann ich es beinahe spüren, dass er eine wilde…. ungezähmte Bestie ist, mit der man sich nicht leichtfertig anlegen sollte.
„Da ihr meinen Namen kennt, wie nennt man euch?“
„Mein Name ist Faolan und ich stelle eine Bedingung. Wenn ihr mich begleitet… trinkt ihr keinen Wein und keinen Met und ihr tut nur das, was ich euch sage. Ist das klar?!“
„Sicher, alles klar. Ich verstehe. Schöner Name, Faolan… das heißt kleiner Wolf, wenn ich mich nicht irre.“, rutscht es mir heraus.
„Ja, das solltet ihr euch auch gut einprägen und daran denken… wenn ihr versucht meine Befehle zu verweigern oder diese zu missachten. Wenn ihr mir helft wird es euch an nichts fehlen, trinkt ihr jedoch auch nur einen Schluck Met oder Wein, kann ich sehr ungemütlich werden und ihr seid eure Arbeit, bei mir, wieder los. Habe ich mich klar ausgedrückt?!“
Ich nicke nur… etwas eingeschüchtert… schaue ihn an, kann ihm jedoch nicht mehr wirklich in die Augen sehen. Seine Augen haben sich verengt, sehen aus, wie die eines Raubtieres… eines gefährlichen Säbelzahntigers.
„Gut, dann sind wir uns ja einig. Folgt mir!“, befielt er mir, bevor er die Taverne verlässt.
Ich verabschiede mich noch kurz von meinem Freund, dem nichts mehr zu alledem einfällt.
„Viel Glück, mein Freund“, wünscht er mir noch, mit einem fast schon mitleidigem Blick, dann verlasse auch ich die Taverne, mich ein letztes Mal umschauend… weiß ich doch nicht was mich erwartet… außer dem kleinen wilden Wolf, der vor der Taverne auf mich wartet und dessen Name Faolan ist… und doch ist es der erste Schritt…. ihn eventuell besser kennen zu lernen… ihn und sein Herz vielleicht zu erobern.
Außerdem scheint er ohnehin noch zu haben zu sein, was mir das Amulett, das er um seinen Hals trägt, verrät. Es ist das Amulett von Mara, der Göttin der Liebe und des Mitgefühls. Sollte ich erreichen, was ich mir vorgenommen habe, werden wir Rifton irgendwann wieder sehen und den Tempel der Göttin gemeinsam betreten.
Bis dahin ist es aber sicher noch ein sehr harter und weiter Weg…
*-*-*
Faolan
Endlich hatte ich erreicht, was ich wollte und Marcurio angeheuert. Zwar sind fünfhundert Septime eine Menge Gold, aber zum Einen habe ich mehr als genug Gold und zum Anderen hatte von mehreren Seiten gehört, dass er ein Meister in der Magie sei und genau das wollte ich für mich nutzen.
Irgendwann, endlich, verlässt er den Bienenstich und kommt auf mich zu.
„Da seid ihr ja endlich. Was hat euch aufgehalten?“, empfange ich ihn, mürrisch.
„Ich habe mich von meinem Freund verabschiedet, wenn es recht ist.“, verteidigt er sich bissig.
„Schon gut, kein Grund gleich aus den Galoschen zu fallen. Ich habe hier etwas für euch, das euch in euren magischen Fähigkeiten unterstützen dürfte.“
„Ich bin ein Zauberlehrling und kein Packesel.“, meint er, beinahe beleidigt: „Also gut.“, fügt Marcurio jedoch hinzu, während ich mir meinen Teil denke.
Von wegen Zauberlehrling… ihr seid ein Meister eures Fachs… soweit ich weiß.
„Hier, das ist eine königliche Vampirrüstung, die eure Magie schneller wieder aufbaut. Zieht das bitte an, ihr werdet es brauchen.“
Nur mit einem gehorsamen Nicken nimmt er die Rüstung an sich und meint: „Also, ich geh mich dann mal umkleiden, das kann ich ja unmöglich hier, auf der Straße, tun.“
„Gut, aber beeilt euch ein bisschen.“, willige ich ein und Marcurio verschwindet wieder im Bienenstich, wo er offensichtlich ein Zimmer hat.
Ich warte draußen auf ihn und beginne mich schon zu langweilen, als er wieder heraus kommt und mir beinahe die Augen aus dem Kopf fallen… hart schlucken muss.
Na, aber hallo… das ist doch mal eine Verwandlung… wow…, ist alles was ich gerade denken kann, bei seinem Anblick.
Minutenlang kann ich ihn einfach nur noch anstarren, während mein Herz zu rasen beginnt… heiliger Talos… das hatte ich so wirklich nicht erwartet…!!!!
„Ähm… können wir dann?“, holt mich Marcurio aus meinen schwärmenden, verträumten Gedanken zurück.
„Ja, sicher… kommt mit“, gebe ich von mir und mache mich, mit ihm zusammen, auf den langen Weg nach Solstheim.
„Wohin geht es denn eigentlich?“, will mein Begleiter wissen.
„Wir reisen jetzt nach Solstheim, in die Region Morrowind. Dort gibt es Ärger und ich kann das nicht allein schaffen.“
Solstheim kenne ich ganz gut, denn auch dort hatte ich schon einige Missionen erledigt und dadurch Privilegien erlangt. So hatte man mir, für meine Hilfe, ein Anwesen geschenkt, das nun mir gehört und ich nutzen kann. Es ist nicht so toll, wie Gut Stolzspitze, in Einsamkeit, aber es reicht aus, um sich zu erholen und auszuruhen, ohne gleich nach Himmelsrand zurückreisen zu müssen.
„Ah,… Solstheim, davon hörte ich schon, aber ich bin noch nie dort gewesen.“
„Nun, dann habt ihr jetzt die einmalige Gelegenheit dazu.“, sind meine letzten Worte, ehe wir zwei Tage später Windhelm erreichen, wo mich sogleich ein Drache angreift, den ich mit einem Drachenschrei von Himmel hole und bekämpfe.
Hier zeigt dann auch Marcurio was genau in ihm steckt, denn er hilft mir, mit seiner Magie, so dass der Drache alsbald Geschichte ist und ich seine Seele in mich aufnehmen kann.
Ohne mich in meinem Ruhm zu sonnen, gehe ich auf das Schiff „Nordmaid“ zu, dessen Kapitän etwas brummig, aber ganz okay ist.
„Nach Solstheim, nehme ich an.“
„Richtig, seid ihr bereit?“
„Sicher, wir legen gleich ab.“
Ich nicke ihm zu, dann gehe ich an die Reling und stütze mich, mit den Händen auf dem Geländer ab.
Die Nordmaid legt ab und ich schaue in die Ferne… nachdenklich, denn ich weiß nicht so genau was mich erwartet. Wie ich vor kurzem erfuhr, soll es dort ein anderes, sehr viel älteres Drachenblut geben, das einen Anspruch auf den Titel erhebt.
Heiliger Talos, als ob ich stolz auf diesen Titel wäre und diesen unbedingt für mich beanspruchen will. Aber es lässt sich nicht ändern. Kultisten, die zu dem anderen Drachenblut, Namens Miraak, gehören, verfolgen mich schon eine ganze Weile und greifen auch andere Bewohner an… das ist es, das ich nicht zulassen kann und weswegen ich mich zwangsläufig um Miraak kümmern muss.
*-*-*
Marcurio
Rifton verlassend, gehen wir nach Windhelm, wie Faolan meinte, würden wir von dort aus, mit einem Schiff, nach Solstheim reisen. Als wir aber den Hafen von Windhelm erreichen, hat es ein Drache auf Faolan abgesehen und greift ihn an.
Natürlich zeige ich ihm hier sehr schnell, was ich kann und greife den Drachen ebenfalls an. Nachdem der Drache endlich am Boden ist, schlägt Faolan zu, killt ihn erbarmungslos und nimmt seine Seele in sich auf, etwas das ich, bis jetzt, noch nie zu sehen bekommen habe. Es sieht beeindruckend aus, wie der junge Mann, von so zarter Gestalt, diesen großen Drachen besiegt und dessen Seele förmlich in sich aufsaugt.
Dank, seitens der Bewohner und anderer Leute, nimmt er nicht an, geht an Bord und ich folge ihm.
Irgendwie und trotz seiner etwas schroffen Art tut er mir leid, denn ich sehe, wie er an der Reling des Schiffes steht und in die Ferne schaut. Sicher hat er schon sehr viel durchmachen müssen, dennoch glaube ich, dass er in den richtigen Händen schnell weich werden könnte.
Da kommt mir eine Idee. Mit ein wenig Mitgefühl und Einfühlsamkeit müsste Faolan, so nach und nach, seine kalte Art verlieren. Ich müsste es nur richtig angehen. Ein wenig menschliche Wärme und Zuneigung würde ihm sicher gut tun und wenn ich ihn zusätzlich beschütze… und das nicht nur, weil er mich bezahlt hat… sondern, weil ich es wirklich will… sollte alles andere kein Problem mehr sein.
So würde ich seine harte Schale vielleicht doch noch knacken. Zumal er auf den zweiten Blick, mit dem er mich in Rifton, vor der Taverne bedachte, nicht abgeneigt zu sein schien.
Auf der Überfahrt nach Solstheim, stelle ich mich zu ihm und schaue ebenfalls in die Ferne, wo Himmelsrands Berge immer kleiner werden und das Wasser des Meeres in der untergehenden Sonne zu glühen scheint. Etwas warte ich ab, ehe ich ihn anspreche und wage es dann einfach:
„Ihr kämpft gut. Mit euch an der Seite braucht man keine Angst zu haben, was“
„Na ja… es geht… könnte besser sein. Aber ihr… seid wirklich sehr gut, im Umgang mit der Magie. Das bewundere ich an euch“
„Stellt euer Licht bitte nicht unter den Scheffel. Ihr seid ein wunderbarer Kämpfer, euer Kampfstil ist legendär… sagenhaft und…“, ich mache eine kurze Pause, bevor ich weiter rede, will nichts Verkehrtes von mir geben… wage es dann aber doch: „….ihr… seid ein toller, junger Mann und märchenhaft schön. In euren Augen könnte man sich verlieren, wenn man nicht aufpasst“
Nach diesen Worten schweige ich, hoffend es nicht übertrieben zu haben, immerhin kennen wir uns noch nicht so lange und auch nicht so gut.
Sein Blick fällt auf mich. Er scheint beinahe durch mich hindurch zu schauen…. sein Blick ist zweifelnd… mit einer Mischung aus Skepsis und Misstrauen… er schweigt dennoch… sagt nichts… dreht sich um und geht davon.
Trotz allem konnte ich in seinem Blick sehen, dass so etwas wohl noch niemand zu ihm gesagt hat und ich scheine somit einen sehr empfindlichen Nerv bei ihm getroffen zu haben, denn auch die Traurigkeit konnte ich in seinen tollen Augen sehen.
Er ist zwar ein legendärer Kämpfer… ein Drachenblut, aber… er ist auch ein Mensch und ein Mann… dazu ein bildhübscher Mann und auch Männer möchten vielleicht ein wenig erobert und auch beschützt werden… zumal er ja noch sehr jung zu sein scheint.
Ich werde derjenige sein, der ihn erobert und sein Herz gewinnen wird.
*-*-*
Faolan
Eilig, als sei ich vor irgendetwas auf der Flucht, verlasse ich das Deck… etwas das mir eigentlich niemals passieren würde… Flucht… tze… dieses Wort kenne ich normal gar nicht… aber jetzt und hier… nein, ich bin nicht geflohen… ich… bin… beleidigt und habe mich zurückgezogen… ja, so könnte man es wohl ausdrücken.
So ziehe ich mich in die Kajüte, unter Deck, zurück und schließe geräuschvoll die Tür, die dann krachend ins Schloss fällt und den Rahmen ächzen lässt.
Unruhig laufe ich in der Kajüte hin und her, wie ein gefangener Säbelzahntiger in einem Käfig und schlage ab und zu, mit der flachen Hand, fluchend auf den Tisch, der mitten in der Kajüte steht oder mit der Faust, an eine der Holzwände.
Wie kann er es wagen… mir so etwas zu sagen… mir, dem Kriegerprinzen… dem Drachenblut… tze… was bildet er sich überhaupt ein?! Die schwarz-rote Klinge, meines Drachenknochenschwertes, welches ich selbst hergestellt habe, hätte ich ihn dafür kosten lassen sollen. Das würde ich auch tun, sollte er es wagen mich noch einmal so zu beleidigen!
Sicher, es war eigentlich keine Beleidigung in diesem Sinne… eher ein Flirt… und wahrscheinlich hätte sich jeder Andere über solche Worte gefreut… nur ich eben nicht. Tja, und doch beschäftigt es mich, lässt mich nicht los… verdammt noch mal, das darf doch wohl nicht wahr sein!
Eine Träne verlässt mein rechtes Auge und läuft über meine Wange. Auch das noch, klar, das hat mir jetzt auch noch gefehlt… hier herum zu heulen… tze… nicht mit mir! Verächtlich wische ich mir die Träne aus dem Gesicht, als sei sie ein lästiges Insekt.
Es dauert noch etwas ehe ich mich wirklich wieder voll und ganz im Griff habe und nicht mehr so direkt an Marcurios Worte denken muss. Noch bevor wir Solstheim erreichen, wasche ich mir kurz das Gesicht und trockne es ab, anschließend bekleide ich mich mit einer schweren Rüstung, dem Ebenerzharnisch, den passenden Stiefeln, Handschuhen und den Helm dazu.
Den Ebenerzharnisch hatte ich da einst von einem daedrischen Prinzen… einer Art Gottheit… bekommen, weil ich etwas für diesen erledigt hatte. Diese Rüstung schützt und warnt mich, auch vergiftet sie Gegner, sobald diese mich angreifen.
Mit im Gepäck habe ich neben meinem Drachenknochenschwert und den dazu gehörenden Bogen und Pfeile, einen Magierstab in Form einer Rose, mit dem ich einen Dremora-Fürsten beschwören kann, der dann für mich kämpfen würde. Diese Rose hatte ich ebenfalls von einem daedrischen Prinzen bekommen, der ein wenig seinen Schabernack mit mir getrieben hatte und sich hernach mit dieser Rose bedankte.
Na ja, dieses Thema ist jetzt nicht so ein tolles Kapitel und ich verdränge es gern, aber die Rose ist sehr praktisch und hat mir schon sehr oft in der Not geholfen… zum Beispiel beim Töten von Drachenpriestern, was auch nicht gerade ein Vergnügen ist.
Das sind nur zwei der Sachen, die ich dabei habe, aber ich habe noch sehr viel mehr dabei… na ja, nur für den Fall der Fälle, der hoffentlich nicht eintreten wird.
Eine gefühlte Ewigkeit später, klopft es an meine Kajüte… der Kaptain, der mir sagt, dass wir gleich Solstheim und damit Rabenfels erreichen.
Noch einmal schaue ich mich um, ob ich auch nichts vergessen habe, verlasse dann die Kajüte und gehe an Deck, wo ich auch schon auf Marcurio treffe, der mich grinsend anschaut, ich ihn jedoch nicht beachte und somit erst einmal ignoriere.
Nur ein „Gehen wir!“, bekommt er von mir zu hören, nachdem das Schiff angelegt hat. Ich verlasse mit meiner Begleitung das Schiff und mache mich sogleich auf den langen Weg zum Skaal-Dorf, deren Bewohner meine Freunde sind.
Allgemein mag ich Solstheim nicht sonderlich, aber die Bewohner hier, sind schon etwas netter und dankbarer als die Menschen in Himmelsrand. Natürlich mögen mich hier auch nicht alle… aber die Meisten schon.
Je näher wir dem Dorf kommen, desto kälter, fast schon eisig, wird es… kaum aushaltbar, aber ich bin das ja schon gewohnt. Meine Begleitung ist diese Kälte allerdings nicht gewohnt, kennt das so nicht und friert natürlich ordentlich, was mich grinsen lässt und ich mir meinen Teil denke.
„Hört auf zu jammern!“, herrsche ich ihn an: „Seid ein Mann und reißt euch zusammen, verdammt noch mal!“ und das, obgleich ich eigentlich aus einer sehr warmen Gegend komme und Kälte somit normal auch nicht gewohnt bin, denn Hammerfell liegt ja an der großen Alik′r Wüste.
Marcurio ist nun ruhig und jammert eben nicht mehr, nickt nur eingeschüchtert, dann laufen wir weiter. Der Weg ist weit, jedoch nicht allzu lang und wir haben das Dorf bald erreicht. Sogleich betreten wir die Hütte des Schamanen und seiner Tochter Frea, die von meinem Schlag ist und ich sie deswegen auch gut leiden mag. In der Hütte ist es angenehm warm, so dass wir uns ein wenig aufwärmen können, während ich mit beiden alles Nötige bespreche, nachdem ich ihnen meine Begleitung vorgestellt habe.
Wie ich erfahren muss ist es ein langer, steiniger Weg zu Miraak und ich muss einige Dinge vorerst bewältigen, ehe ich auf Miraak treffen und ihn besiegen kann.
Ich bedanke mich für die Hilfe und die guten Ratschläge, dann verlassen wir das Dorf wieder in Richtung, des fast schon mystisch – romantisch wirkenden Städtchens, Rabenfels… diesmal, dank meiner Fähigkeiten, per Schnellreise.
Rabenfels und nur wenig später auch mein Anwesen erreicht, betrete ich es mit meiner Begleitung, zeige ihm hier alles und weise ihm das Gästezimmer zu.
„Dies ist das Gästezimmer, wohin ihr euch zurückziehen könnt, solltet ihr etwas brauchen, dann bedient euch“
Das ist alles, was ich zu sagen habe, anschließend ziehe ich mich in mein Zimmer zurück und schließe die Tür. Erleichtert atme ich auf, setze mich an den Tisch, esse und trinke etwas, dann gehe ich zu Bett und denke noch lange über das Bevorstehende nach, bis mich der Schlaf übermannt.
*-*-*
Marcurio
Nun, ich habe wohl doch einen Fehler gemacht, als ich diese Worte an Faolan richtete. Er scheint es mir sehr übel genommen zu haben. Als wir Solstheim erreichen und er wieder an Deck kommt, erkenne ich ihn kaum wieder, denn er trägt nun eine schwarze… schwere Rüstung und diese kenne ich ganz genau. Diese Rüstung ist ein daedrisches Artefakt… habe ich doch schon einiges darüber gelesen und auch Nachforschungen angestellt.
Ich frage mich nun allerdings schon, wenn er solch eine Rüstung, wie den Ebenerzharnisch, besitzt und trägt… warum will er mich dann dabei haben? Noch zumal Faolan diesen Magierstab, in Form einer Rose, der mir ebenfalls nur allzu bekannt vorkommt, dabei hat. Ich weiß, dass man damit einen Dremora-Fürsten beschwören kann. Lange habe ich schon nach diesem Artefakt gesucht… es jedoch nie gefunden… aber er… er hat es.
Faolan muss eine wirklich starke Persönlichkeit sein und schon viel erreicht haben. Jemandem, der diese und wahrscheinlich noch ganz andere Artefakte der daedrischen Prinzen besitzt, wage ich gar nicht zu widersprechen oder mich zu widersetzen, denn dieser junge Mann würde über Leichen gehen… soviel ist mir nun auch klar.
Die Kälte in dem Skaal-Dorf setzt mir ordentlich zu, doch darf ich nicht jammern und tue es auch nicht mehr, nachdem er mich schroff zurecht gewiesen hat. Allerdings tut mir die Wärme, im Haus des Schamanen, schon sehr gut und so sehe ich das erste Mal, seit er mich anheuerte, dass er tatsächlich ein Herz besitzt. Denn so wie er diese Frea begrüßt… das hat schon etwas mit Freundschaft zu tun…. und macht mich ein wenig eifersüchtig.
Auch wie sich Faolan mit diesen Leuten unterhält, kann ich direkt diese Herzlichkeit spüren und in mir keimt wieder so etwas wie Hoffnung auf.
Nach dieser Unterhaltung sind wir wenig später wieder in Rabenfels, in seinem Haus, wie er sagt, mir hier auch alles zeigt und dann das Gästezimmer zuweist.
Es ist nicht allzu schön hier, aber es ist warm und ruhig und ich muss nicht hungern oder dursten…. zudem bin ich sehr viel Schlimmeres, als das hier, gewohnt.
So setze ich mich erst einmal hin und denke über alles Mögliche nach, während ich etwas esse und trinke.
Wozu soll ich ihn begleiten, wenn er doch so super ausgerüstet ist? Was bezweckt er damit? Nun, ich würde ihn fragen müssen… etwas anderes hat jetzt keinen Sinn, zudem ich todmüde bin und nur noch ins Bett falle.
Mit einem Gedanken an Faolan schlafe ich schließlich ein.
*-*-*
Faolan
Die Nacht über habe ich gut geschlafen und fühle mich wohl, als ich erwache. Kurz mache ich mich frisch, kleide mich an und verlasse mein Zimmer, um im Essbereich zu frühstücken.
Jedoch habe ich nicht lange meine Ruhe, denn schon taucht Marcurio auf und wünscht mir einen guten Morgen. Ich erwidere den Gruß nur mit einem Nicken, während sich Marcurio zu mir setzt.
Das ist auch gut so, denn ich habe einiges mit ihm zu bereden. Meine Ausführungen beende ich mit den Worten: „Wenn wir den Tempel und die Dwemer-Ruinen hinter uns haben, entlasse ich euch aus meinen Diensten denn, dann benötige ich eure Dienste nicht länger. Ihr könnt alsdann tun und lassen was immer euch beliebt.“
„Nun, dann würde ich euch gern weiter begleiten und beschützen, so gut ich kann… wenn ihr es zulasst, Faolan“, bekomme ich von meiner Begleitung zu hören und schaue ihn, mit zu kleinen Sehschlitzen verengten Augen, an.
„Warum? Was versprecht ihr euch davon?“
„Darf ich offen zu euch sprechen?“
„Sicher, nur zu“
„Ich… habe mich in euch verliebt, Faolan. Mein Herz gehört euch, seit ich euch im Bienenstich sah. Deswegen möchte ich euch begleiten und beschützen… notfalls mit meinem Leben, wenn es sein muss.“, bekomme ich von Marcurio zu hören und sehe ihn misstrauisch an.
„Das… das… kann nicht euer Ernst sein!“
„Doch, Faolan, das ist mein Ernst und ich mache euch hiermit eine kleine Kampfansage. Ich werde… solange um euch kämpfen und euch den Hof machen, bis ich euch erobert und euer Herz gewonnen habe… wie auch immer und mit welchen Mitteln auch immer, das verspreche ich euch. Es sei denn, ihr tötet mich, denn eher werde ich keine Ruhe geben“,
Nach seinen Worten, weiten sich meine Augen und ich wende mein Gesicht von ihm ab.
Anschließend geht alles sehr schnell und ich drücke ihn gegen die nächste Wand, halte mein Schwert gegen seinen Hals und herrsche ihn drohend an:
„Seht ihr dieses Schwert? Das ist ein Drachenknochenschwert. Es wird sich durch euren Körper bohren, wenn ich solche Worte noch einmal von euch zu hören bekomme! Habe ich mich klar ausgedrückt?! Außerdem, woher wollt ihr wissen, dass ich wie ihr empfinde… vielleicht mag ich ja doch eher… weibliche Rundungen“
„Ja…“, röchelt er… kann aber nicht weiter reden, was ich mit einem diabolischem Grinsen quittiere.
„Gut, dann wäre das ja wohl geklärt.“, sind meine nächsten Worte, anschließend lasse ich ihn los, was zur Folge hat, dass er, mit einem gequälten „Au…“ zu Boden fällt… mich aber nicht weiter kümmert und nur ein Schulterzucken meinerseits folgt.
Mein Schwert bekommt seinen Platz wieder an meinem Rücken, wo ich es an der Rüstung befestige und mit einem „Wenn ihr dann soweit seid, können wir los“ mein Haus verlasse.
*-*-*
Marcurio
Hmm… das war wohl nichts. Ich habe mich zu weit aus dem Fenster gelehnt und es zu spüren bekommen. Allerdings bin ich, trotz allem, noch immer nicht bereit aufzugeben.
Sicher, ich muss diese Niederlage hinnehmen und tue dies nicht ganz ohne Schmerzen, aber dieser kurze Augenblick, als er nach meinen Worten sein Gesicht von mir abgewendet hat, zeigt mir, dass es da doch etwas gibt… etwas, das er nicht bereit ist zuzulassen… noch nicht.
Nachdem ich mich kurz erholt habe, stehe ich auf, nehme was ich brauche mit und folge Faolan nach draußen, wo er schon ungeduldig auf mich wartet.
Nur kurz sieht er mich an, aber er spricht nicht mit mir, sondern marschiert schnurstracks seinem Ziel entgegen.
Ich muss mich schon mächtig beeilen, um mit ihm Schritt halten zu können, aber ich schaffe das und laufe schließlich neben ihm.
„Faolan, ich habe eine Frage“
Er bleibt unvermittelt stehen und schaut mich an… nickt kurz.
„Warum soll ich euch begleiten, wo ihr doch bestens ausgerüstet seid?“, frage ich Faolan… auf seine Rüstung und die Rose zeigend…. ahnend, dass das sicher nicht alles an Ausrüstung ist, was er dabei hat.
„Das werdet ihr noch früh genug erleben, glaubt mir“, ist seine Antwort, bevor er weiter geht und ich ihm folge.
Auf dem Weg zum Tempel beschütze ich ihn vor allen möglichen Kreaturen, Banditen, Magiern und Getier, denn nur so werde ich vielleicht doch noch sein Vertrauen gewinnen.
Einen sehr weiten und beschwerlichen Weg später erreichen wir den Tempel, wo wir auch auf Frea treffen, die mit uns gemeinsam die unterirdischen Gänge des Tempels betritt.
*-*-*
Faolan
Den Tempel erreicht sehe ich Frea wieder und wir begrüßen uns sehr herzlich. Zu dritt betreten wir den unterirdischen Bereich und gehen immer der Nase nach. Viele Gefahren und Fallen lauern auf uns. Es zerrt schon sehr an unseren Nerven, aber wir müssen stark sein und bleiben. Marcurio erweist sich hier als wahrer Meister der Magie und ich bin nun wirklich froh, ihn dabei zu haben.
Während wir uns durch die unterirdischen Gänge kämpfen, auf dem Weg zum zentralen Punkt, überlege ich tatsächlich Marcurio doch eine Chance zu geben… ihn mit auf meine weiteren Reisen und Missionen zu nehmen.
Er ist einfach der Beste und sieht in dieser königlichen Vampirrüstung einfach nur… toll aus. Noch immer spuken mir allerdings seine Worte im Kopf herum, die ich einfach nicht aus meinen Gedanken verbannen kann.
Viel Zeit darüber nachzudenken habe ich aber nicht, denn schon wird es kritisch. Mehrere Kreaturen greifen uns an und wir haben alle Hände voll zu tun. Wieder erweist sich Marcurio hier als unbezahlbar, denn er setzt seine Magie sehr intelligent und gezielt ein…. Wahnsinn… einfach super!
Etliche Umwege, Kreaturen, Fallen und Rätsel später, erreichen wir schließlich einen spärlich erhellten Raum, in dessen Mitte sich ein Sockel befindet, auf dem ein schwarzes Buch liegt.
Ich weiß, was ich tun muss und nehme das Buch an mich… lese es und habe so die erste Begegnung mit Miraak… auf einer anderen Ebene.
Die Angst mischt sich nun doch in meine Gedanken, um dieses Vorhaben, aber nun ist es zu spät, denn ich bin mittendrin… zudem hat mich Miraak herausgefordert… dieser Herausforderung muss ich nachkommen.
Alles geht dann doch sehr schnell. Wir treffen uns noch einmal mit dem Schamanen, im Skaal-Dorf, anschließend geht es, gemeinsam mit Neloth, einem Dunmer, des Hauses Telvanni, der die Magie ebenfalls beherrscht, durch die Nchardek Dwemer-Ruine.
Wieder ist es ein langer Weg durch die Ruine, wieder müssen wir kämpfen, dieses Mal aber gegen mechanische Feinde, doch diese sind sehr alsbald besiegt und das nächste schwarze Buch ist dann sehr schnell gefunden, selbstverständlich erst nachdem ich wiederum einige Rätsel lösen musste.
Auch dieses Buch nehme ich an mich und muss es sogleich lesen. Tentakel umgeben mich plötzlich und ich befinde mich in einer vollkommen anderen Welt. Diese muss ich allein meistern, was nicht wirklich einfach ist und sehr an mir zehrt.
Am Schluss zeigt sich mir… wie schon einige Male zuvor… Hermaeus Mora… auch ein daedrischer Prinz, der mir ein weiteres Wort der Macht beibringt.
Danach scheint der Spuk vorerst vorbei zu sein und ich befinde mich wieder in meiner Welt, werde sogleich von Neloth befragt.
Mich zur Ruhe zwingend, erzähle ich ihm was geschehen ist.
Neloth geht sodann wieder zurück in sein Dorf, doch für mich ist das alles hier noch nicht vorbei. Noch einmal gehe ich zum Skaal-Dorf, wo sich der Schamane opfert, seine Geheimnisse an Hermaeus Mora preis gibt und stirbt, was mir sehr leid tut, doch brauche ich das letzte Wort der Macht, ohne das ich Miraak nicht besiegen kann.
Frea trauert um ihren Vater und bittet mich Miraak schnell zu besiegen, das ist nun auch mein Wunsch, was mich dazu veranlasst, sogleich nach Rabenfels zurück zu reisen, mir einen ruhigen Ort zu suchen und das schwarze Buch… „Wachträume“… erneut zu lesen.
Marcurio folgt mir noch immer, ist irgendwie immer an meiner Seite… doch jetzt… muss ich wiederum ohne ihn auskommen… er kann mir hierbei nicht helfen. Er steht mir dennoch bei… bleibt einfach da, während mich wiederum diese schrecklichen Tentakel umgeben und mein Geist in diese andere Welt reist.
Dieses Giftgrün, von dem die Ebene umgeben ist, behagt mir nicht, doch muss ich jetzt hier durch… allein… ohne Marcurios Hilfe.
Ich kämpfe mich durch diese Welt… deren Kreaturen mir Angst einjagen, die ich jedoch nicht zeige, sondern mich mutig durchschlage.
Letztlich erreiche ich eine Plattform, wo ich noch ein Wort der Macht lerne und mich sodann ein Drache angreift dessen Willen ich aber zu beugen weiß und er mich auf seinem Rücken zum höchsten Turm dieser Welt bringt.
Dort treffe ich Miraak persönlich und stelle mich ihm entgegen.
Auf irgendwelche Höflichkeiten lege ich keinen großen Wert, sondern greife ihn sogleich gezielt an.
Es ist ein harter Kampf auf Leben und Tod… denn es kann nur ein Drachenblut geben… und das wird nicht Miraak sein… ich weiß es einfach.
Schon saugt Miraak die letzte Drachenseele in sich auf, um sich zu heilen… auch ich heile mich währenddessen… erhole mich ein wenig… dann geht der Kampf weiter… in die letzte Runde.
Hermaeus Mora greift schließlich ein und tötet Miraak… nennt mich seinen Champion und ich bin somit das letzte und noch einzig lebende Drachenblut.
Meine Belohnungen sind angemessen und so nehme ich auch wirklich alles an, was ich bekommen kann.
Das letzte Portal betrete ich und befinde mich sogleich wieder in meiner Welt, sehe noch Marcurio vor mir stehen… spüre noch wie meine Beine weich werden… dann wird um mich herum alles dunkel….
*-*-*
Marcurio
Was ich sehen muss, ist wirklich beängstigend und ich bin froh Faolan begleitet zu haben.
Als wir jedoch alles soweit hinter uns haben, muss er abermals dieses Buch lesen und wird wiederum von diesen Tentakeln umgeben. Ich bleibe bei ihm stehen, versuche ihn gedanklich zu stützen, dennoch fühle ich mich macht-und hilflos, weil ich ihm nicht so helfen kann, wie ich es ihm versprochen habe.
Es dauert eine gefühlte Ewigkeit ehe die Tentakel wieder verschwinden, was für mich das Zeichen ist, dass es vorbei ist… er sieht mich noch an…. aber dann… sackt Faolan in sich zusammen und ich kann ihn gerade noch so auffangen.
Tja, soviel zu… ich kann alles und bin so unglaublich hart im Nehmen… alles klar.
Mit Faolan in den Armen, bücke ich mich und hebe noch das schwarze Buch auf, das zu Boden gefallen ist, dann hebe ich Faolan hoch und bringe ihn in sein Haus, wo ich ihn auf das Bett lege. Erst dann befreie ich ihn von dieser schweren Rüstung und decke ihn mit einer Decke zu.
Nur kurz muss ich Faolan allein lassen, um Wasser aus dem Brunnen zu holen, dann bin ich auch schon wieder bei ihm. Anschließend befeuchte ich ein Tuch, das ich ihm auf die Stirn lege, hoffend, dass es ihm bald wieder gut geht.
Aber jetzt habe ich endlich die Gelegenheit ihn richtig zu betrachten, ohne dass er mich abwehren kann. So unglaublich hübsch, wie Faolan ist kein anderer Mann und er liegt so friedlich da… ein bildhübscher Engel.
Zu gern würde ich noch etwas bei ihm sitzen bleiben, aber auch mich hat das alles ziemlich mitgenommen, so dass ich mich erhebe und brav in das Gästezimmer gehe… die Tür jedoch offen lasse… nur zur Sicherheit, falls etwas sein sollte. Vollkommen fertig lege ich mich schließlich ins Bett und schlafe sogleich ein.
Doch kann ich nicht wirklich gut und lange genug schlafen… viel zu groß ist die Sorge um Faolan. So stehe ich irgendwann wieder auf und schaue nach ihm, aber noch immer liegt er friedlich im Bett… noch nicht wieder zu sich gekommen.
Es war wohl wirklich alles ein bisschen viel für ihn, dennoch sehe ich, dass sich Faolan langsam zu erholen scheint. Sanft lächelnd setze ich mich zu ihm auf das Bett und nehme vorsichtig das Tuch von seiner Stirn. Sacht, wie ein Hauch, streichle ich seine rechte Wange… so als könne er jeden Moment erwachen.
Aber Faolan soll noch nicht erwachen… soll sich besser noch etwas erholen, genug hat er durchmachen müssen… eigentlich fast schon zu viel.
Noch etwas in meinen Gedanken gefangen, sehe ich, dass Faolan seine Augen öffnet und nun doch erwacht. Schlaftrunken schaut er mich an… und… tatsächlich lächelt er sanft…
…wow… was für ein wunderschönes Lächeln der Kleine hat…
*-*-*
Faolan
Ich fühle mich noch etwas geschwächt, als ich die Augen öffne und erwache. Meinen Blick lasse ich ein wenig schweifen, dann sehe ich Marcurio auf meinem Bett, neben mir, sitzen, der mich liebevoll, aber auch etwas besorgt anschaut.
Ruhig spricht er mich an:
„Na, wieder im Lande, hm? Ihr habt mir ja einen ganz großen Schrecken eingejagt, wisst ihr das eigentlich“, mit diesen Worten spüre ich seine Hand auf der Meinen, spüre wie eine leichte Hitze mein Gesicht erfasst und ich wahrscheinlich errötet bin.
Natürlich, denn mir ist es peinlich, dass ich zusammengebrochen bin und nun hier liege. Zudem sich Marcurio so liebevoll um mich kümmert, wo ich ihn doch so… ungerecht und mies behandelt habe.
„Möchtet ihr etwas trinken?“, fragt er mich und erhebt sich auch schon.
Ich nicke ihm dankbar zu und er bringt mir, wenig später, einen Becher Wasser. Behutsam hebt er meinen Kopf ein wenig und lässt mich trinken, bis ich nicht mehr mag, dann stellt er den Becher auf dem Beistelltisch ab.
„Geht es euch jetzt besser, oder braucht ihr noch etwas?“, fragt mich Marcurio, mit ruhiger Stimme.
„Nein… bitte… ich… würde gern mit euch reden… bitte, bleibt“, gebe ich leise von mir.
Marcurio grinst frech, wofür ich ihn hätte schon wieder… aber nein… ich will ihn nicht mehr so schlecht behandeln… das hat er nun wirklich nicht verdient.
Er bleibt sitzen und hält wieder meine Hand in der Seinen.
Mir fällt es sehr schwer auszusprechen, was ich gerade fühle, dennoch versuche ich es:
„Marcurio… ich… danke euch für alles, was ihr für mich getan habt und möchte mich gleichzeitig für all das entschuldigen, was ich euch angetan und wie ich euch behandelt habe. Es tut mir leid. Bitte, vergebt mir.“, sind meine Worte, dann wende ich mein Gesicht, peinlich berührt, von ihm ab.
Tränen beginnen aus meinen Augen zu rinnen, die ich nicht mehr aufzuhalten vermag. Die Tränen tropfen leise… einsam… auf das Kopfkissen, wobei plötzlich der ganze Stress und die Anspannung, der letzten Zeit, von mir abfallen, was dazu führt, dass ich einfach drauf los weine… schluchzend…
*-*-*
Marcurio
Tatsächlich lässt Faolan mich endlich an sich heran. Ich helfe ihm so gut ich es vermag und stelle den Becher anschließend wieder weg. Seine Hand in der Meinen haltend, streichle ich über seinen Handrücken… sanft… wieder wie ein… Hauch.
Natürlich muss ich ihn anschauen, kann den Blick nicht von ihm abwenden… viel zu schön sieht er aus, wie ein Tautropfen auf einer wunderschönen Blüte… im Sonnenlicht glitzernd.
Was ich dann von ihm zu hören bekomme, lässt mich aufhorchen. Faolan entschuldigt sich und dankt mir. Das sind so ganz neue Töne und doch freuen sie mich. Als er aber sein Gesicht von mir abwendet und ich ihn weinen höre, kann ich nicht anders, hebe ihn behutsam ein klein wenig hoch und in meine Arme… drücke Faolan tröstend an mich.
„Schhh… es ist gut. Ich habe euch doch schon längst vergeben. Es war alles zu viel in letzter Zeit, nicht“, rede ich ruhig auf ihn ein, während ich ihn einfach nur tröstend festhalte.
Faolan lehnt sich an mich, krallt sich richtig an mir fest… von Weinkrämpfen geschüttelt…, als wäre er am Ertrinken.
Lange dauert es ehe sich Faolan wieder einigermaßen beruhigt und sich nur noch still an mich lehnt… sich von mir halten lässt.
Natürlich genieße ich es ihn halten zu dürfen, dass er mich endlich an sich heran lässt, nehme so auch die Gelegenheit wahr und erforsche streichelnd seinen Körper ein wenig… so unauffällig wie möglich natürlich… und gehe dabei hoffentlich nicht zu weit.
Entspannt liegt er noch immer in meinen Armen, dann höre ich ihn ruhig und gleichmäßig atmen, was mir zeigt, dass er wohl wieder eingeschlafen sein muss… aber es zeigt mir auch, dass Faolan mir endlich zu vertrauen beginnt.
Behutsam lege ich ihn in die Kissen zurück und decke ihn auch wieder, mit seiner Decke, sacht zu. Ich weiß, wie sehr er jetzt seinen Schlaf braucht und sich noch einige Zeit erholen muss, ehe wir zurück nach Himmelsrand reisen können.
Während Faolan den Schlaf der Gerechten schläft, kümmere ich mich ein wenig um das Haus und bereite schon mal etwas zu Essen zu. Sicher würde er Hunger haben, wenn er wieder erwacht…
*-*-*
Faolan
Ich weiß nicht warum, aber ich empfinde es gerade als sehr angenehm in den Armen von Marcurio zu liegen, festgehalten und getröstet zu werden. Es ist ein warmes, wunderbares Gefühl, welches ich nie zuvor erlebt habe.
Schließlich schlafe ich, in seinen Armen, selig ein… fühle mich geborgen und beschützt.
Als ich wieder erwache, fühle ich mich schon sehr viel besser. Einen Duft nach Essen kann ich wahrnehmen und ich bekomme richtig Hunger. Hat Marcurio etwa gekocht…?
Es scheint wohl so und ich finde es total lieb von ihm. Schnell stehe ich auf, ziehe mir etwas an und gehe anschließend dem Duft entgegen.
Tatsächlich sehe ich meinen Begleiter an der Feuerstelle stehen und kochen, was mich schmunzeln lässt. Langsam und leise gehe ich auf ihn zu, stelle mich hinter ihn und flüstere ihm zu:
„Das sieht sehr lecker aus und es durftet auch so.“
Leicht erschrocken, weil er wahrscheinlich nicht mit mir gerechnet hat, dreht er sich zu mir um, doch sieht er mich lächelnd an.
„Ihr solltet noch liegen bleiben, Faolan.“
„Nein, es geht mir wieder viel besser… dank euch.“, entgegne ich, sanft lächelnd und decke dann schon mal den Tisch.
Er ist total lieb und so besorgt um mich… ich beginne Gefühle zu spüren, die weit über das Mögen hinausgehen… nur …was soll ich jetzt tun…?
Es ihm sagen…?
Undenkbar!
Obwohl, bei genauerer Betrachtung, hat er mir ja schon eine Liebeserklärung gemacht… die ich sehr schroff zurückgewiesen habe.
Jedoch muss ich auch wieder an seine kleine Kampfansage denken… und dass er nicht aufgeben würde… nun, dann werde ich wohl abwarten müssen, ob er diese Worte erneut an mich richtet.
Ihn von mir aus auf seine Liebeserklärung ansprechen… für mich… unmöglich…!
Das Essen ist fertig und mein Begleiter trägt es auf.
„Mal sehen ob es auch so gut schmeckt, wie es aussieht.“, necke ich Marcurio ein wenig und muss direkt grinsen, als er mich so total süß anschaut.
Ich setze mich und nehme mir etwas von dem wirklich lecker aussehenden Essen.
„Lasst es euch schmecken.“
„Danke, ihr euch auch.“, erwidere ich und beginne zu essen.
Wow… das ist wirklich lecker und mein Magen schreit nach mehr.
„Das ist wirklich gut, danke.“, lobe ich Marcurio, der nun ebenfalls isst.
„Es freut mich, dass es euch schmeckt.“, gibt er zurück.
„Wenn wir fertig sind, mit dem Essen, würde ich gern wieder zurück nach Himmelsrand reisen wollen.“, muss ich unbedingt los werden.
„Fühlt ihr euch denn schon wieder so gut?“
Oh, wie süß, er sorgt sich richtig um mich.
„Ihr sorgt euch um mich? Warum?“, spreche ich meine Frage offen aus.
„Ja, ich mache mir große Sorgen um euch. Warum, das wisst ihr ja. Wie ich euch schon sagte… Ich habe mich in euch verliebt“
Diese Worte zu hören… heiliger Talos… es treibt mir wieder die Tränen in die Augen.
„Wirklich?“
„Ja, wirklich und es ist kein Grund zu weinen.“, antwortet Marcurio, steht auf, kommt auf mich zu und nimmt mich liebevoll… so sanft und zärtlich in die Arme.
Ich kann nicht anders und lehne mich an ihn. Mir tut es mehr als gut, einen so tollen Mann an meiner Seite zu haben und… mich an ihn schmiegen zu können.
„Ich würde euch gern eine Chance geben.“, höre ich mich sagen und spüre wieder die leichte Röte in meinem Gesicht aufsteigen….
*-*-*
Marcurio
Ich kann es kaum glauben. Jemand muss Faolan ausgetauscht haben. Er verhält sich so ganz anders. Kann es wahr sein, dass ich endlich sein Herz gewonnen habe?
Er lobt mich, lächelt mich an, lässt sich von mir in die Arme nehmen und nun… will er mir tatsächlich eine Chance geben. Ich kann es kaum fassen, und doch freue ich mich wahnsinnig.
Eine ganze Zeitlang halte ich ihn noch in den Armen, dann löse ich mich von ihm und schaue ihn liebevoll an.
„Wohin möchtet ihr denn zuerst, wenn wir wieder in Himmelsrand sind?“, frage ich meinen Angebeteten.
„Als erstes möchte ich gern nach Einsamkeit, denn ich möchte mich ein wenig erholen und etwas anderes zum Anziehen brauche ich wohl auch… wenn… wir dann nach Rifton gehen… und… wenn ihr noch wollt… dann…“, er spricht nicht weiter, aber ich weiß worauf Faolan hinaus will.
„Meint ihr damit, dass ihr und ich… den Tempel von Mara aufsuchen und… ihr mich heiraten möchtet?“, frage ich Faolan mit einem frechen Grinsen, kann es mir einfach nicht verkneifen.
„Ja, das… meine ich damit.“, antwortet er mir, mit einem sanften, unglaublich hübschen Lächeln.
Mein Herz macht, bei seinen Worten, beinahe einen Luftsprung, so dass ich am Liebsten sofort mit Faolan nach Rifton aufgebrochen wäre.
Aber ich übe mich in Geduld, bin schon zufrieden, dass ich ihn tatsächlich erobert und sein Herz gewonnen habe. Irgendwie kann ich es noch immer kaum glauben… es ist alles wie ein Traum.
Wir essen zunächst in Ruhe auf, flirten dabei aber auch heftig miteinander. Ich lasse ihm Zeit, denn er soll keinen Stress haben. Faolan ist endlich mein… das allein zählt für mich.
Nach dem Essen säubern wir alles noch, ziehen uns anschließend um und verlassen das Haus, gehen zum Hafen, wo wir mit der Nordmaid nach Himmelsrand zurück reisen.
Dieses Mal ist die Überfahrt von Romantik geprägt. Gemeinsam stehen wir an der Reling, halten uns an den Händen und schauen in die Ferne, wo Rabenfels langsam in der Weite verschwindet… schauen ab und zu hoch zu den Sternen, die am nachtblauen Himmel zu glitzern scheinen,… träumend.
Immer wieder sehen wir uns lächelnd an und wären wohl noch länger so da stehen geblieben, wenn der Kaptain uns nicht Bescheid gegeben hätte, dass wir längst in Windhelm angelegt haben.
Nachdem wir das Schiff verlassen haben, machen wir uns auf den langen Weg nach Einsamkeit, wo wir erst einige Tage später ankommen und sogleich zu seinem Haus, wie er meinte, gehen.
„Hier werden wir wohnen, wenn ihr wollt“, erklärt mir Faolan.
„Wow, das ist ein wirklich schönes Anwesen.“, bewundere ich mein zukünftiges Zuhause, in dem ich mit Faolan, nach der Hochzeit, leben werde.
„Bitte, schaut euch in aller Ruhe hier um…. ich werde mich inzwischen noch ein wenig erholen.“, erklärt Faolan, dann zieht er sich zurück und ich beginne meinen Rundgang durch das Anwesen, wobei ich auch auf seinen Huscarl… seinen Diener… treffe.
Was ich sehe gefällt mir sehr. Alles ist hier vom Feinsten… sehr edel ist es eingerichtet und es ist riesig… beinahe könnte ich mich hier verlaufen.
*-*-*
Faolan
Endlich sind wir wieder in Himmelsrand angekommen und machen uns sogleich auf den Weg nach Einsamkeit. Der Weg ist sehr weit, doch wir schaffen es gemeinsam und erreichen bald schon Gut Stolzspitze… mein Anwesen… wo ich bald mit Marcurio leben werde.
Zwar besitze ich noch einige andere Häuser und auch die Magierakademie, in Winterfeste, doch werden wir wohl hauptsächlich hier wohnen.
Von der Reise bin ich nun doch schon ein wenig erschöpft, zumal ich mich vorher von den Ereignissen noch nicht einmal richtig erholt habe, so dass ich mich ins Schlafzimmer, das sich in der oberen Etage befindet, begebe und mich sogleich ins Bett lege… nur ein wenig Ruhe… mehr brauche ich nicht.
Marcurio darf sich derweil hier umschauen, denn ich vertraue ihm inzwischen sehr, würde ihm sogar mein Leben anvertrauen. Ich weiß, dass er mich, vor wem auch immer, beschützen würde.
Wie lange ich geschlafen habe, weiß ich nicht, als ich jedoch erwache ist es draußen schon wieder dunkel, so habe ich wohl doch den ganzen Tag verschlafen. Es hat mir wirklich gut getan und ich fühle mich sehr gut.
So erhebe ich mich, setze mich zunächst in meinem Bett nur auf, schaue um mich und sehe Marcurio auf einem Stuhl am Tisch sitzen… es scheint, als hätte er meinen Schlaf bewacht… wie lieb…
„Sitzt ihr schon lange dort?“
„Na ja, ein wenig… ich musste doch euren Schlaf bewachen, damit euch nichts geschieht.“
„Danke… das ist so lieb von euch.“, erwidere ich, mit einem leisen, sehr verlegenen Kichern: „Dann werde ich mich mal fertig machen… und dann… gehen wir nach Rifton.“, höre ich mich sagen und schon spüre ich abermals diese leichte Röte in meinem Gesicht aufsteigen.
„Kein Grund gleich rot zu werden.“, muss ich mir von Marcurio anhören, was diese Röte, in meinem Gesicht auch nicht besser… eher schlimmer… werden lässt.
Schließlich stehe ich auf, schaue ihn kurz, mit einem Lächeln an, dann verschwinde ich in einem der anderen Räume, wo ich mich fertig mache und einkleide.
Jetzt bin ich doch schon ein wenig aufgeregt, denn ich weiß nicht was mich erwartet. Auch weiß ich nicht, ob ich überhaupt mit jemandem zusammen leben kann, da ich es eben nicht gewohnt bin.
Sicher, ich mag Marcurio… liebe ihn vielleicht auch… doch die Aufregung vor der Hochzeit zerrt sehr an meinen Nerven.
Ich schaffe das…. ich schaffe das… ich will es…, sind meine Gedanken und doch zittere ich innerlich sehr.
Als ich schließlich fertig bin, verlasse ich das Zimmer wieder und treffe draußen sogleich auf meinen zukünftigen Mann, der sich ebenfalls fertig gemacht hat und… wow… zum Verlieben aussieht und mich beinahe schwach werden lässt.
Meine Verlegenheit will einfach nicht weichen und meine Gesichtsröte eben auch nicht.
„Seid ihr dann soweit?“, fragt mich Marcurio…. ich nicke ihm nur zu, während er mich lieb anlächelt und ich meinen Blick sogleich senke.
Gemeinsam verlassen wir Gut Stolzspitze und Einsamkeit, um uns mit der Kutsche nach Rifton fahren zu lassen. Rifton erreicht verlassen wir die Kutsche, die natürlich auf uns wartet, und gehen sogleich zum Tempel, wo wir den Priester antreffen und das Aufgebot bestellen.
Wie er uns sagt, würden wir noch einige Stunden warten müssen, dann würde er die Zeremonie vollziehen und uns trauen.
Wir nicken und verlassen den Tempel wieder.
Vorerst trennen sich unsere Wege und ich gehe etwas herum… spazieren, schaue mir die Gegend an, die zwar auch nicht sehr einladend ist, mich aber ein wenig ablenkt.
*-*-*
Marcurio
Faolan sieht hinreißend aus, in dieser sehr feinen und edlen Bekleidung, die er gerade trägt und ich kann meinen Blick nun noch weniger von ihm lösen, bin stolz darauf ihn bald meinen Mann nennen zu dürfen.
Mein Kleiner scheint richtig verlegen und auch etwas aufgeregt zu sein… genau wie ich, denn auch ich war noch nie verheiratet, dennoch freue ich mich auf die Hochzeit mit dem hübschesten jungen Mann, den ich je gesehen habe.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir Rifton und bestellen, im Tempel bei Priester Maramal, das Aufgebot für unsere Hochzeit, wobei ich das erste Mal sein wahres Alter erfahre… süße achtzehn Jahre jung ist mein Kleiner…. herrje…
Es ist ein seltsames, aber auch aufregendes Gefühl.
Wir verlassen den Tempel… müssen noch einige Stunden ausharren und trennen uns erst einmal wieder. Wie Faolan meint, will er noch etwas allein sein… sich ablenken. Ich verstehe das, auch wenn ich mir große Sorgen um ihn mache und schon irgendwie Angst habe, er könnte doch nicht zur Hochzeit erscheinen.
Aber ich gebe ihm die Zeit, die er benötigt… vertraue ihm und gehe in die Taverne Bienenstich.
Dort treffe ich Eric, der hocherfreut ist, mich wieder zu sehen und mir gleich etliche Fragen stellt, mir auch einen Becher Met anbietet.
„Nein, danke, ich trinke keinen Met und auch keinen Wein mehr“, antworte ich und schaue ihn, mit strahlenden Augen an, was er natürlich bemerkt.
„Was ist los mit euch, hm? Ihr strahlt ja so und warum trinkt ihr nicht mehr? Wartet… ihr seht auch ganz anders aus. Was ist geschehen?“
„Tja… ich …werde in wenigen Stunden heiraten.“
„Ihr meint… ihr habt das Drachenblut… erobert?“
„Ja, ich habe Faolans Herz gewonnen… und das ging nicht ganz ohne Schmerzen ab. Aber jetzt vertraut er mir und liebt mich.“
„Ah… jetzt verstehe ich alles. Na dann, viel Glück, mein Freund. Ich freue mich für euch“
„Danke“
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile über alles Mögliche, auch über Faolan, was wir zusammen erlebt haben und über diverse andere Dinge. Dann ist es auch schon an der Zeit, die Taverne wieder zu verlassen und den Tempel aufzusuchen.
Ob Faolan da sein wird?
Mit gemischten Gefühlen gehe ich zum Tempel und tatsächlich steht Faolan ebenfalls davor… es erleichtert mich und ich bin sehr froh.
Lächelnd begrüße ich meinen zukünftigen Mann und er lächelt zurück… wieder einmal ist dieses Lächeln… der Sonne gleich… wunderschön.
Faolan scheint nun sehr viel ruhiger zu sein, was sich auch auf mich auswirkt.
„Gehen wir rein?“
Er nickt zaghaft, schaut mich an. Ich öffne die Tür und lasse erst ihn eintreten, bevor ich den Tempel ebenfalls betrete.
Es sind sehr viele Leute anwesend, die uns anschauen, während wir zum Altar schreiten und die Musik spielt.
Vor dem Altar stehend, beginnt Priester Maramal zu reden. Es sind schöne, gute Worte und im Tempel ist es absolut still… eine Feder könnte man fallen hören.
Schließlich kommt die alles entscheidende Frage und ich antworte:
„Ja, ich will. Für immer und ewig“
Erwartungsvoll schaue ich Faolan an, als der Priester auch ihm die Frage stellt.
*-*-*
Faolan
Nachdem ich ein Weilchen herum gegangen bin, setze ich mich auf eine Bank und schaue hinauf zu den Sternen… die so wunderschön am Nachthimmel funkeln.
Langsam beruhige ich mich und die Aufregung lässt nach, denn die Ruhe hier tut mir gut.
Schließlich sehe ich, dass es langsam hell wird und ich mache mich auf den Weg zum Tempel, den ich wenig später erreiche. Ich schaue mich noch einmal um, dann erscheint Marcurio und wir betreten gemeinsam den Tempel, nachdem wir uns angelächelt haben und uns einig sind.
Jetzt, da wir, unter den Blicken vieler anderer Leute, die ich zum Teil auch kenne, zum Altar schreiten und die Musik erklingt, entflammt meine Aufregung wieder und doch höre ich dem Priester zu.
Jetzt, aber…. wird es wirklich ernst und als Marcurio schon seine Antwort gibt, bin ich drauf und dran, alles hinzuwerfen… davon zu laufen… aber ich tue es nicht… meine Beine gehorchen mir einfach nicht…. ebenso wenig meine Lippen…
Auf die Frage des Priesters antworte auch ich:
„Ja, ich will. Für immer und ewig“
Jetzt ist es zu spät und ich kann nicht mehr zurück.
Der Priester gibt uns seinen Segen und erklärt uns für verheiratet. Damit ist nun unser Bund der Ehe vollzogen… ganz offiziell. An diesen Gedanken muss ich mich allerdings doch erst gewöhnen, während mein Mann übers ganze Gesicht strahlt, mich in die Arme nimmt und ich so meinen ersten Kuss von ihm erhalte, den ich nur zaghaft erwidere.
Die Zeremonie ist beendet und die Leute verlassen den Tempel, nachdem sie uns alles Gute gewünscht haben.
Wir fahren mit der Kutsche wieder nach Einsamkeit… in mein… nein… unser Zuhause.
Hier in Einsamkeit ist es schon wieder dunkel und die Straßen sind, bis auf einige wenige Leute, leer. Wir betreten Gut Stolzspitze, durch einen der drei Eingänge, schließen hinter uns die Tür und stehen erst einmal etwas… verloren…. da.
Was nun?
Mein Mann ist es dann, der die Initiative ergreift, mich in die Arme nimmt und leidenschaftlich zu küssen beginnt, was ich nur mit großen Augen quittiere, dennoch den Kuss erwidere.
Mir ist es peinlich, weil ich das gar nicht kenne… nicht weiß was mich noch erwartet und sich so langsam ein mulmiges Gefühl in meinem Inneren ausbreitet…
*-*-*
Marcurio
Endlich ist die Ehe vollzogen… die Ringe an unseren Fingern beweisen es. Faolan ist mein Mann und ich brauche mich endlich nicht mehr zurückhalten… nehme ihn in die Arme und küsse ihn… erst einmal nur ganz sanft.
Faolan scheint es nicht zu kennen, denn er errötet lieblich…. aber er erwidert meinen Kuss dennoch… wenn auch zögerlich.
Erst sehr viel später befinden wir uns wieder in Einsamkeit und in unserem Haus.
Zunächst stehen wir da… wie bestellt und nicht abgeholt.
Ich traue mich dann doch, nehme meinen Liebsten in die Arme und küsse ihn leidenschaftlich. Wiederum erwidert er den Kuss, doch spüre ich, dass er zögert und Angst zu haben scheint.
Aber… nun ja, da wird er jetzt wohl durch müssen. Wir sind den Bund der Ehe eingegangen und ich werde ihn jetzt zu meinem Mann machen.
Viel zu lange schon… warte ich auf diesen Moment.
Nein, ich werde ihm natürlich keine Gewalt antun, ihm aber dennoch zeigen, wie schön Liebe und Zärtlichkeit sein können… behutsam und langsam… aber davonkommen werde ich ihn auch nicht lassen.
Sacht löse ich erst einmal den Kuss wieder, hebe meinen Mann hoch und bringe ihn nach oben, ins Schlafzimmer, wo ich meinen Kleinen vorsichtig auf das große Bett lege.
Faolan piepst auf, was mich grinsen lässt, denn er hat ganz offensichtlich nicht damit gerechnet.
Ich lege mich zu ihm auf das Bett und beginne ihn wieder liebevoll, leidenschaftlich zu küssen, während meine Hände langsam, zärtlich, über Faolans Körper wandern, diesen streichelnd erforschen.
Ganz langsam erreiche ich seine Brustwarzen… streichle diese sanft… auch seinen Bauch… bis kurz vor seinem Unterleib… wobei sich Faolan etwas zusammen zieht… mich wegdrücken möchte. Er ziert sich und will es offensichtlich nicht.
Den Kuss lösend, flüsterte ich ihm zu:
„Habt keine Angst, mein Liebster, ich werde euch nicht weh tun.“
„Aber…. ich… es fühlt sich so… seltsam an… ich… habe Angst.“
„Dass es sich seltsam anfühlt ist ganz normal, weil ihr so etwas sicher nicht kennt. Lasst mich euch zeigen, wie schön Liebe und Zärtlichkeit sein können. Wenn euch etwas nicht gefällt… sagt es und ich höre sofort auf.“, erkläre ich meinem Liebsten und Faolan nickt… scheint sich wieder zu entspannen, auch wenn er mich noch etwas skeptisch ansieht.
Während ich meinen Kleinen weiter küsse, beginne ich ihn langsam und sehr behutsam zu entkleiden, streichle seine seidige Haut… küsse mich an seinem Körper herab, von dem ich kaum genug bekomme.
Jedes Fleckchen Haut, das zum Vorschein kommt, ist so rein und wunderschön…. so makellos und vollkommen, dass meine Finger und Lippen nicht widerstehen können.
Faolan beginnt nun schon leise zu seufzen… scheint es zu genießen.
So küsse ich mich langsam und genussvoll an seinen Körper herab… .entkleide ihn dabei vollständig, bis er nackt vor mir liegt und ich mir genüsslich, mit der Zunge, über die Lippen lecke.
In dieser Nacht verführe ich meinen Mann auf die zärtlichste Art und Weise, auch wenn ich seinen Widerstand erst einmal sanft umgehen musste.
Ich weiß natürlich, dass es ihm ein wenig wehgetan haben muss, doch da musste er jetzt einfach durch… so leid es mir auch tut.
Mein Traummann…. das Drachenblut Faolan ist nun endlich mein Mann.
*-*-*
Faolan
Sehr schnell bestätigt sich mein mulmiges Gefühl, denn was Marcurio nun mit mir tut… ist mir sehr unangenehm… ja, peinlich, so dass ich meine Beine am Liebsten zusammendrücken würde… es aber nicht tue.
Es fühlt sich dennoch toll an… zumindest vorerst, als er jedoch in mich eindringt… bereitet er mir damit Schmerzen, doch hört er nicht auf… stößt weiter in mich… bis er laut stöhnt und wohl gekommen ist.
Aber auch ich erreiche noch einmal meinen Höhepunkt, den ich laut aus mir heraus stöhne.
In diesem Moment habe ich mir geschworen so etwas nie wieder zu tun… und ich hasse ihn dafür gerade sehr. Ob wir darüber reden können… ich weiß es nicht… da es mir ohnehin schon peinlich genug ist.
Natürlich weiß ich, dass der Sex eben dazu gehört… dennoch mag ich es irgendwie nicht so wirklich.
Marcurio ist so zärtlich, sanft und lieb zu mir… nachdem das vorbei ist und er sich mir entzogen hat… dass ich ihm eigentlich gar nicht böse sein kann… eigentlich…
In seine Augen mag ich ihm jetzt nicht schauen, schließe meine Augen deswegen, versuche alles zu verdrängen… wende meinen Kopf zur Seite… weg von ihm.
„Liebling, was habt ihr denn, hm?“, fragt mich mein Gatte flüsternd.
„……“
Zunächst kann ich nur schweigen, muss dies alles erst verarbeiten.
Es dauert etwas, ehe ich meinem Mann antworte:
„Ich… es… war mir… peinlich… und… es hat wehgetan. Ich will das nicht noch einmal tun“
„Schh… hey… alles gut. Das tut nur beim ersten Mal weh. Das könnt ihr mir ruhig glauben, und dann wird es euch immer mehr Spaß machen“
„Nein… ich… ich…“
Er erwidert nichts weiter, sondern nimmt mich sanft in die Arme und streichelt mir über den Kopf.
„Lasst euch Zeit. Ich würde doch niemals etwas tun, das euch schaden könnte“, haucht mir mein Ehegatte zu: „Ich liebe euch… mehr als alles auf der Welt“
So viel Verständnis hatte ich nicht erwartet, doch tut es mir gut und mein Gatte nimmt eine Decke, in die er mich einhüllt, mich weiter fest hält und ich mich an ihn schmiege.
„Ich…. ich liebe euch… auch…“, hauche ich ihm, kaum hörbar, zu….
*-*-*
Epilog
Der Magier Marcurio und das Drachenblut Faolan blieben auf ewig zusammen. Niemals trennten sie sich voneinander und Faolan lernte so auch immer öfter Liebe und Zärtlichkeit kennen, auch wenn er sich anfangs noch etwas dagegen sträubte und sich zierte.
Ab und an verhielt sich Faolan noch wie ein Jugendlicher… zickte sehr oft herum und musste so von Marcurio ab und an zur Ordnung gerufen werden. Es dauerte lange und kostete Marcurio einiges an Nerven, ehe Faolan endlich erwachsen und verständiger wurde und Marcurio bewies sehr viel Geduld mit Faolan, denn er liebte ihn abgöttisch und von ganzem Herzen.
Beide mussten sich natürlich auch erst an das Zusammenleben gewöhnen, was oftmals nicht so ganz ohne Streitigkeiten abging… jedoch war die Versöhnung hernach immer wieder sehr schön.
Gemeinsam bestritten sie noch einige aufregende, manchmal sehr gefährliche Abenteuer… wurden ein wunderbares Team, das perfekt miteinander harmonierte und somit unbesiegbar war… gegen jeden Feind.
Niemand… wirklich niemand kam jemals gegen den Magier und das Drachenblut an.
~ ENDE ~

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Information Dienstreise ins Glück
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:23 AM - No Replies

Es gab Zeiten, in denen der Zivildienst 13 Monate dauerte. 1997 gehörte dazu. In dieser Zeit spielt die folgende Geschichte. Genauer gesagt – in einem winzigen Zeitraum innerhalb dieses verlängerten Jahres der Zivizeit.

Zitat
Auch diese Geschichte beruht in Ansätzen auf wahren Begebenheiten – die Zivildienstschule zum Beispiel gibt es wirklich, auch wenn der Ortsname ein bisschen verfremdet ist. Der Personen-Widererkennungswert allerdings liegt bei null, Zufälle ausdrücklich ausgenommen, aber die sind ja nicht beabsichtigt.

Ich war in einem kirchlichen Krankenhaus auf der Station für Inneres untergebracht, was für die Story nicht für Belang ist, aber wenigstens erwähnt werden sollte. Übrigens muss niemand denken, dass in einer kirchlichen Einrichtung dieser Art in jedem Krankenzimmer drei Kruzifixe installiert sind und der Pfarrer die Operationen durchführt. Ärzte, Patienten, Krankenschwestern und –brüder sind normale Menschen „wie du und ich“, lediglich die Verwaltung wird von der Institution gesteuert, die an höhere Mächte glaubt.
Ich hatte genügend Zeit, in den ersten zehn Wochen meines Dienstes auf Station in alle alltäglichen Prozesse auf einer solchen Station hineinzuschnuppern, wobei das Wort schnuppern in manchen Fällen durchaus wörtlich zu nehmen war. Von der Betreuung von Pflegefällen über das Managen einer Stationsküche bis hin zum hausinternen Patiententransport reichte die Bandbreite der Tätigkeiten. Hey, eigentlich könnte darüber ein extra Werk verfasst werden.
Nachdem ich also die ersten zweieinhalb Monate abgeleistet hatte, stand mein Einführungslehrgang auf dem Programm. Ein Dienstausflug der Kategorie äußerst sinnlos: In der bereits absolvierten Zeit war ich nun wirklich in alles wichtige mehr als eingeführt, aber den gesetzlichen Anforderungen muss schließlich Genüge getan werden.
Der zentrale Anlaufpunkt für Zivis am Anfang ihrer Karriere (na ja, Anfang…) war die Zivildienstschule im brandenburgischen Schlöhne. Da es bei einem Krankenhaus mit fünf Etagen und angrenzendem Altenheim nicht nur einen Wehrersatzdienstleister gibt, versuchte ich, bei den Kollegen, die dieses Abenteuer schon hinter sich hatten, Informationen rund um diese Reise zu erhaschen.
Interessant war, dass die Kollegen meines Zivi-Jahrganges ihren Dienst zwar einen Monat später angetreten hatten, der Einführungslehrgang bei ihnen aber bereits komplett absolviert war. Carsten, den ich schon sehr lange aus meiner Schulzeit kannte und der im zum Haus gehörenden Altersheim Dienst tat, berichtete mir, das die Zivildienstschule vom Ort Schlöhne selbst rund zwei Kilometer entfernt liegen würde. Schlöhne selbst, so warnte er mich vor, sei mit viel Wohlwollen als ruhiges Dorf zu bezeichnen. „Die Phrase „tote Hose“ hat dort ihren Ursprung“, erklärte Carsten nach seiner Rückkehr in die Zivilisation. Er hatte direkt eine Woche vor mir das Vergnügen, zu diesem Lehrgang delegiert worden zu sein. Die Zivildienstschule selber – mitten im Wald, ein abgeschotteter Gebäudekomplex. Aber, seinen Spaß würde man trotzdem haben. Wenn man improvisieren könnte.. Soviel zum Bericht vom Carsten. Na dann – rein ins Dorf – Vergnügen im Wald.
Zum besseren Verständnis: 1997 war es alle andere als selbstverständlich, mit einem Handy in der Tasche rumzulaufen, und da ich zu dieser Zeit trotz meiner 20 Jahre aus gewissen Gründen vorübergehend ohne Führerschein war (wer sein Geld schon mal mit Pizza-Taxi-Fahren verdient hat, weiß, was ich meine!), würde meine Mobilität vor Ort äußerst eingeschränkt sein.
Immerhin: Rund 200 Zivis, natürlich alle männlich, fünf Tage lang in einem Gebäudekomplex untergebracht – es würde sich der ein oder andere netten Anblick bieten, ebenso wie vielleicht die ein oder andere Gelegenheit. Wenn die bekannte Zehn-Prozentregel griff, würde es ca. 19 weitere Leute geben, denen es überhaupt nichts ausmachen würde, mal eine Woche keine weiblichen Wesen vors Auge zu bekommen. Gelegenheit für mich, eventuell das Glück meines Lebens zu finden. Allerdings befanden sich meine Hoffnungen auf einer Skala von null bis 100 im unteren einstelligen Bereich.
Pünktlich Montag früh zum angeordneten Abreisetermin stand ich am heimischen Hauptbahnhof und wartete, ob nicht vielleicht andere Reisende aus meiner Heimatstadt so aussehen würden, als müssten sie eine Woche auf einem isolierten Grundstück im Grünen zubringen. Nein.
Nach 45 Minuten Fahrt hielt der Nahverkehrszug in Würmersfelde. Einen der zusteigenden Passagiere hatte ich sofort im Verdacht, dass gleiche Reiseziel wie ich zu haben. Er setzte sich direkt auf die gegenüberliegende Sitzbank. Nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hatte, fragte er mich sofort: „Auch nach Schlöhne?“. Ich nickte, und augenblicklich war der Bann gebrochen. Mein neuer Bekannter begann sofort, wie ein Wasserfall zu erzählen. Unter anderem erfuhr ich, wo er seinen Zivildienst verrichtete, wo, wann und wie er sein Abitur erreicht hatte und warum seine Freundin ihn hatte sitzen lassen. Den Grund allerdings konnte ich mir bei seiner fesselnden Art zu erzählen auch selbst an zehn Fingern ausrechnen: die Dame hätte taub sein müssen, um es länger mit ihm auszuhalten. Das mich vor allem dieser Fakt zu hundert Prozent null interessierte, band ich ihm nicht auf die Nase – außerdem hatte ich überhaupt keine Gelegenheit dazu.
Nachdem ich bestens über ihn informiert war, gab ich notgedrungen einige stichpunktartige Informationen über mich heraus, wobei ich den einen oder anderen Fakt für mich behielt.
In Fellendorf mussten wir umsteigen, hatten aber fast eine Stunde Aufenthalt. Das Wetter spielte prima mit, grau in grau, leichter Westwind sprühte uns feinste Regentröpfchen ins Gesicht. Außerdem erweckte der Bahnhof dringend den Verdacht, von diversen politischen Umwandlungen verschont geblieben zu sein. Nachdem wir ausgekundschaftet hatten, wo unser Anschlusszug abfahren würde, begaben wir uns auf die Suche nach einem Kiosk. Tatsächlich entdeckten wir eine Möglichkeit, unseren Kaffeedurst zu stillen.
Mein Würmersfelder Bekannter wollte unbedingt noch irgendwelche Zeitungen mitnehmen. Im hinteren Foyer des Etablissements entdeckte er dann auf einem Tisch eine Anzeigenzeitschrift, in der er sofort lebhaft zu blättern begann, ganz zum Unmut der Kiosk-Inhaberin. „Wollen sie bitte die Zeitung bezahlen, ehe sie sie lesen?“, erkundigte sich unwirsch die Dame. „Aber die lag doch dort hinten auf dem Tisch!“, versuchte mein sparsamer Kompagnon sich zu rechtfertigen. „Da haben sie ja überhaupt nichts zu suchen!“, klärte uns die Dame auf. Zähneknirschend zahlte er das Blatt, um Lektüre für die weitere Zugfahrt zu haben. Ich knirschte nicht, vielleicht hätte ich dadurch meine Ruhe.
Wir begaben uns zu einer Wartehalle, deren inneres und äußeres Aussehen einen imposanten Eindruck machte. Von außen sah sie aus, als hätte schon König Barbarossa Unterschlupf gesucht. Die Wände im Inneren glichen einer Kontaktbörse genauso wie einer politischen Diskussionsbühne, eine Art festmontiertes Internetcafe, nur ohne Bedienung und Online-Anschluss. Fußballfans aus halb Deutschland hatten sich hier verewigt, die uns wissen ließen, wer denn auf- oder absteigen würde. Politische Statements, für fast jede bekannte Partei, natürlich auch mit nicht druckreifen Notizen für die politische Gegnerschaft. Durchreisende hatten Angaben zu ihrer Reiseroute vermerkt. Bayern, Preußen, Saarländer – die halbe Nation schien diese Wartehalle auf dem Fellendorfer Bahnhof zu kennen.
Nachdem wir alle Notizen gründlichst studiert hatten, war es an der Zeit, den Bahnsteig zu wechseln. Während wir auf den Regionalexpress nach Crossberg warteten, stellten wir Vermutungen über unsere Mitreisenden an. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass einige der Beobachteten durchaus auch Schlöhne als Reiseziel haben könnten. Tatsächlich, ein junger Mann, den wir auf dem Bahnsteig aufgrund seiner Kleidung im Verdacht hatten, ein Lederfetischist zu sein, sprach uns im Zug an: „Na, wo geht’s hin?“.
Nachdem unser Reisekomitee Schlöhne nun auf drei Mann angewachsen war, entstand eine rege Unterhaltung. Unser Dritter hieß Michael, war Motorradfreak ohne Führerschein (daher die Lederausstattung) und in einer Jugendherberge als Hilfshausmeister beschäftigt. In Crossberg, auch hier hatten wir ein wenig Aufenthalt, stieß ein vierter Teilnehmer zu uns, ein Lockenkopf, der sich schnell als Stimmungskanone outete. Er stellte sich als Torsten vor.
Dann entstand eine kleine Auseinandersetzung, wie der Aufenthalt zu überbrücken sei. Leder-Micha (mit diesem Namen wurde er von Torsten bedacht) hatte das dringende Bedürfnis, sich im Presse-Shop nach einschlägiger Fachliteratur (Motorräder) umzusehen. Auch Rene aus Würmersfelde wollte noch eine Tageszeitung erwerben, während Torsten und ich dringend noch ein Tässchen Kaffee trinken wollten. Also erfolgte also eine Einigung: vorübergehende Aufspaltung von uns vier Zivis in interessengebundene Zweiergruppen.
Kurz vor der Abfahrt entstand ein kleines Problem: Trotz intensiver Fahndungsmaßnahmen war es uns nicht möglich, den ausgewiesenen Bahnsteig zum Zug nach Schlöhne zu finden. Ein Bahnmitarbeiter schickte uns zum östlichen Ende, von dort wies uns ein Rangierer Richtung Westen. Nachdem wir zwei Tunnel durchquert, drei Überführungen passiert und mindestens dreimal die Bahnhofshaupthalle durchstreift hatten, entdeckten wir durch Zufall eine Skizze, die uns den richtigen Weg wies. Siehe da, drei Mal waren wir am hervorragend versteckten Zugang zum Bahnsteig bereits vorbeigetigert.
Im Zug selber war es nun ein offenes Geheimnis, wer in Schlöhne aussteigen würde. Dort erwartete uns ein Kleinbus, der insgesamt 15 Zivis aufnahm.
Ich studierte die Anwesenden Lehrgangs-Touristen und kam für mich zu dem Schluss, dass es eine langweilige Woche werden würde, wenn die anderen 175… aber abwarten.
Wir passierten das Dorf, und nach ca. zwei Kilometern bog der Bus in ein umzäuntes Gelände ein – unser Bestimmungsort war erreicht. Einige äußerten den nicht ganz ernstgemeinten Verdacht, von der Bundeswehr entführt worden zu sein. Tatsächlich, Ähnlichkeiten mit einer Kaserne waren der Zivildienstschule nicht streitig zu machen..
Wir luden unser Gepäck aus und betraten das Hauptgebäude des Komplexes. Auch hier reifte in mir der Eindruck, dass die vergangenen Jahre spurlos am Haus vorbeigegangen waren, ähnlich wie beim Fellendorfer Bahnhof. Dann kam es zur Zimmeraufteilung. Die zuständige Dame klärte uns auf: „Es gibt Raucher- und Nichtraucherzimmer. Da Rene Nichtraucher war, Torsten bereits jemanden mit ähnlichen Hobbys gefunden hatte und ich keinen weiter kannte, teilte ich ein Zimmer mit Leder-Micha und richtete mich in Gedanken darauf ein, in den kommenden Tagen zum Motorrad-Experten zu mutieren.
Nachdem wir von der routinierten Zimmerzuweiserin unseren Schlüssel erhalten hatten, suchten wir nun unser gemeinsames Quartier auf. Dazu mussten wir eine Art Appellplatz überqueren, der momentan als Parkgelegenheit von Zivis missbraucht wurde. Dieser Platz war umschlossen von drei verschiedenen Gebäuden, angeordnet in übersichtlicher Position und glänzend durch architektonisch wertvolle Konstruktion, früher jedenfalls musste das so gewesen sein. Eines jener Häuser, das eigentlich noch den besten Eindruck gemacht hatte, war wegen Bauarbeiten geschlossen.
Nachdem wir unsere Betten bezogen hatten, begaben wir uns zurück zum Hauptgebäude, wo uns mitgeteilt wurde: „Hier in den großen Saal, meine Herrschaften!“. Dort begann die Hausherrin, die Direktorin der Einrichtung, uns mit irgendwelchen Begrüßungs- und Belehrungsfloskeln zu bombardieren. Zunächst wurden die vorderen Sitzreihen, die aus unergründlichen Ursachen leer geblieben waren, besetzt. Ausführlich wurde dann das Programm dargelegt, ständig unterbrochen von den humorvollen Einschüben der Wehrdienstverweigerer. Irgendwann, nach etlichen Minuten, kam Lady Chef dann zum Kernpunkt, der Aufteilung in vier verschiedene Seminargruppen. Ich hatte meine Kernpunkt-Aufgabe bereits erledigt und hatte ganze drei Leute entdeckt, die es auf den ersten Blick wert waren, genauer hinzusehen. Und zwei davon saßen direkt zusammen, tauschten bei genauerer Betrachtung ziemlich eindeutige Blicke aus. Versteckte, aber nicht gänzlich unsichtbar verliebte Blicke, die mir zeigten, dass ich hier nicht allein war. Oder doch?
Jeder der vier künftigen Gruppenleiter bekam die Gelegenheit, kurz darzulegen, womit man sich befassen würde. Eine ältere Dame, die ich im Verdacht hatte, schon etliche Jahre und vor allem auch in anderen politischen Systemen pädagogisch tätig (gewesen) zu sein, bot an, sich mit dem Thema Schule in der DDR zu beschäftigen. Ja, sie schien dafür prädestiniert. Ein unvermeidliches Thema hatte Referendarin Nummer zwei auf Lager: Rechtsextremismus in Deutschland. Noch besser, was die dritte Dame für ein Thema im Gepäck hatte: Auseinandersetzung mit aktuellen politische Problemen. Dann erschien der einzige Mann auf der Bühne. Seine Art, das Thema zu präsentieren, hob sich ein wenig von den anderen ab. Rechtsprechung in Deutschland, so lautete der Titel seines Kurses. Klang ebenfalls nicht interessant, aber der Ton macht die Musik. Auf alle Fälle waren wir uns rasch einig, das alles nichts mit unseren Zivi-Stellen zu tun hat. (Oder doch? Wie werde ich verurteilt, wenn ich eine falsche Tablette an den Mann oder die Frau bringe? Gar nicht, Zivi darf keine Medikamente austeilen.)
Nach kurzer Rücksprache entschied sich die komplette Truppe, mit der ich angereist war, für den jungen Mann, der sich locker und frisch gegeben hatte. Aber was viel wichtiger war: es galt zunächst, den ersten Hunger zu stillen. Da die eigentliche Kantine sich im Haus befand, dass zu dieser Zeit wegen Bauarbeiten gesperrt war, durften wir in der hausinternen Kneipe essen. Von dieser öffentlichen Lokalität fragten wir uns im Verlauf des Lehrgangs oft genug, wie sie ohne Wehrdienstverweigerung hätte existieren können. Die Kundschaft bestand zu 98 Prozent aus Zivis. Durch die eng gestellten Tische entstand eine fast „romantische“ Atmosphäre, was bei einer Männlichkeitsquote von 100 dem überwiegenden Teil natürlich nicht gefiel. Es musste intensiv darauf geachtet werden, dass man nicht versehentlich vom Teller des Nachbarn eine Nudel fischte.
Nach dem Essen fanden wir uns im Seminarraum ein, wo zu nächst vier Freiwillige gesucht wurden, einen anderen Kurs zu belegen: Akuter Platzmangel. Unser junger Seminarleiter bot an, das Los entscheiden zu lassen, aber vier Zivis ließen sich auch freiwillig zum Wechsel bewegen. Ich atmete auf: Der Zufall hatte dafür gesorgt, dass sowohl das vermeintliche Pärchen als auch Kandidat Nummer drei in meinem Kurs feststeckten. Nun konnte es losgehen.
Falko, unser Chef für die kommenden fünf Tage, erläuterte zunächst, wie er sich den Ablauf vorgestellt hatte. Dieser Plan wurde von allen zur Kenntnis genommen und sofort akzeptiert. Nach einer kurzen Einführung in das Thema war der erste Tag schon wieder erledigt, oder fast erledigt. Nach dem Abendessen war eine weitere Vollversammlung anberaumt, um uns über die Möglichkeit der Freizeitgestaltung aufzuklären und uns dadurch bereits von einer solchen abhielt.. Den motorisierten Schlöhne-Touristen unter uns konnten die Diskos oder Eishockeyhallen der unweit gelegenen Städte empfohlen werden. Für die anderen blieben nur die hausinternen Varianten. Zum Beispiel luden drei Fernseher zum gemütlichen Beisammensein ein. Weiterhin existierten Billardtische, Standfußballgeräte sowie Fachräume für Töpferei (?!) und Musikkapellen. Tatsächlich fand sich eine Truppe, die beschloss, bis zum Aufenthaltsende Musik zu produzieren, unter anderem mit Rene und Torsten. Übrigens, vom Resultat bekam niemand etwas zu hören – außer den Bandmitgliedern – offensichtlich ist nicht jeder „born to be Superstar“ – jedenfalls nicht von dieser 97er-Oktober-Schlöhne Band.
Vielleicht besser so?
Einen besonderen Service bot der Wachdienst, der das Gelände ab 18:00 Uhr betreute und darauf achtete, dass keiner der Belegschaft gemopst wurde. Er entlieh Spiele aller Art (Memory? Monopoly?) sowie Queues und Billardkugeln. Nachdem ich alle Möglichkeiten sondiert hatte, entschloss ich mich, mich intensiv einem der Fernseher zu widmen.
Dank geschickter Planungen der UEFA und des DFB hatte ich als bekennender Fußballfan (ja, wirklich!) die Gelegenheit, mich während des Schlöhne – Aufenthaltes mit dem runden Leder zu beschäftigen, da ja niemand anderes zum Beschäftigen da war. Montag zweite Bundesliga, Dienstag und Mittwoch UEFA-Cup sowie Champions-League und Donnerstag trafen sich die Vereine des Pokalsieger-Wettbewerbs. (den gab es damals noch, die jüngeren Fans mögen in Fußball-Geschichtsbüchern nachblättern)
Die Abende ab 20:15 Uhr waren gesichert, aber davor? Lediglich am Dienstag begannen die Übertragungen bereits ab 16:00 Uhr, und schließlich waren die Seminare schon gegen 15:30 Uhr beendet. Aber auch da hatte die flexible Leitung der ZDS (Zivildienstschule) Lösungen für die verbleibenden Tage parat.
Jeden Nachmittag wurden diverse Fahrten zu diversen Attraktionen der näheren Umgebung angeboten. Ich entschied mich, zusammen mit den anderen Dreien unseres Vierergespanns, für die Donnerstagsfahrt – in ein idyllisches Städtchen an einen Fluss, der Deutschland von Polen abgrenzt. Die geografische Lage war einkaufspolitisch betrachtet der interessante Fakt dabei. Genauer gesagt das andere Ufer als Tor zum Osten Europas.
Am Abend des ersten Tages entstand bei einigen Gästen das dringende Verlangen, ihre Angehörigen über die gute Ankunft am Bestimmungsort zu informieren. Dabei jedoch wurde die Existenz eines kleineren Problems festgestellt. Im gesamten Gelände existierte nur eins der Allgemeinheit zugänglichem Telefon, direkt in der Eingangshalle des Hauptgebäudes. In einer Nische stand der unscheinbare Apparat, und an seinen Tasten heftete ein kleiner Zettel: Defekt. Sechs Buchstaben, die unseren letzten Kontakt zur Öffentlichkeit abreißen ließen. An diesem wunderschönen Abend verdienten sich die Drei unter uns fast 150 Zivis eine goldene Nase, die mit Handy angereist waren. Zu unverschämten Tarifen, die sogar die der Telekom noch übertrafen, durfte jeder, der Bedarf hatte, seine Nachrichten per Funktechnik übermitteln. (wie bereits erwähnt: damals war noch nicht selbstverständlich, das jeder mit einem kleinen Kasten jederzeit irgendwo anrufen konnte – manchmal vielleicht auch besser so.) Im Nachhinein betrachtet erstaunlich, dass es mitten im Schlöhner Forst damals schon komplette Funkabdeckung für Mobiltelefonnetze gab.
Ich entschloss mich, an irgendeinem Nachmittag die zwei Kilometer ins Dorf zu spazieren und mich nicht an der Aktion: „Mobilfunk macht Millionäre“ zu beteiligen.
Frisch ausgeschlafen und gut gelaunt wurde am nächsten Morgen das Frühstück eingenommen. Anschließend versammelten sich die vier Gruppen, um die Seminare fortzuführen. Jeder der Teilnehmer unseres Kurses bekam die Gelegenheit, sich und seine Tätigkeit vorzustellen.
Ich hörte mir die mehr oder weniger spannenden Erzählungen der Kursteilnehmer mehr oder weniger gelangweilt an, bis die Reihe an den ersten Boy des vermeintlichen Pärchens kam. „In aller Kürze: Marcel, 19, bin seit drei Wochen in einer Behindertenwerkstatt in Waldau. Die Arbeit mach unglaublich viel Spaß – viel mehr als dieser Lehrgang bis jetzt“. Marcel erntete Gelächter der Zivis und ein gequältes Lächeln von Falko. „Ich weiß, dass es nicht die sinnvollste Art des Diensturlaubs ist. Aber Vorschrift ist Vorschrift, wir werden das beste draus machen.“ Auch er erntete, und zwar Zustimmung seiner Schutzbefohlenen. Dann ging es mit der Vorstellung weiter, direkt neben Marcel saß sein heimlicher Schatten. „Dann bin ich wohl dran. Matthias, 18 – seit drei Wochen in einer Behindertenwerkstatt in Waldau, wo mir vor allem der Umgang mit den Menschen unglaublich viel Spaß macht.“ Falko stellte die Frage, die eigentlich überflüssig war: „Ihr beide seit also zusammen auf einer Dienststelle?“
Die beiden schauten sich an, Matthias nickte kaum wahrnehmbar – und Marcel schmetterte in die Runde: „Wir sind nicht nur zusammen auf einer Dienststelle, wir sind auch privat zusammen. Also richtig zusammen.“ Schweigen im Walde bzw. im Seminarraum. Ich nutzte die Gelegenheit, zu Kandidat Nummer drei zu blicken. Der unglaublich süß vor sich hin lächelte, also schien er der Situation auf alle Fälle erst mal nicht völlig angewidert gegenüberzustehen. Falko fand zuerst seine Worte wieder. „Ja, ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass wir hier nicht jeden Tag ein Liebespaar begrüßen dürfen. Genauer gesagt – er grinste – ihr seit die Ersten.“ Gelächter im Raum. Nach einigen wohlwollenden Äußerungen ging Falko wieder zum Programm über und die Talkrunde in den zweiten Teil.
Der dritte Kandidat in meiner persönlichen Auswahl war Nicky, der seine Vorstellung ausgesprochen kurz gestaltete: „Nicky, 18, Zivi in der Blutspende als Fahrdienst.“ Damit war es das, er gab den Staffelstab an Leute weiter, die etwas erzählwütiger waren. Erstaunlich, in welchen Branchen es überall Zivildienststellen gibt. Fast überall, wo Arbeiten anfallen, die unter der Würde des qualifizierten Personals sind. Danach durften wir erläutern, aus welchen Beweggründen der Einzelne den Dienst an der Waffe verweigert hatte. Nach dem Mittagessen in „gemütlicher“ Atmosphäre startete dann das eigentliche Thema: „Rechtsprechung in Deutschland“. Wir definierten den Begriff, es wurde erläutert, welche Vorstellungen jeder mit dem Begriff Recht verknüpfte, und siehe da, schon war es 15:30 Uhr. Feierabend.
Alle, die Gelegenheit hatten, die Flucht zu ergreifen, verließen das Gelände. Die Übriggebliebenen interessierten sich entweder für Fußball – oder wurden für Fußball interessiert. Darunter war auch Nicky, der ebenfalls mit Interesse das Geschehen auf dem grünen Rasen in der flimmernden Kiste beobachtete. Wir wechselten das ein oder andere belanglose Worte über die fußballerische Situation im Land des Europameisters. (1997 war Deutschland amtierender Champion des Kontinents).
Der Tag klang aus mit etlichen Runden Billard in der Kneipe. Dort entwickelte sich ein neuer Volkssport. Zwei Leute bedienten uns in dieser gemütlichen Lokalität – der Wirt und seine Tochter. 200 Zivis – und eine Tochter! Viele versuchten nun, ganz speziell auf sich aufmerksam zu machen. Weiterhin waren alle Besucher des Etablissements bemüht, den Namen der Dame zu ergründen – zwecklos.
In dieser Angelegenheit war ich mit einem kleinen Vorteil bedacht: Carsten aus dem Altersheim hatte eine Woche vorher ein Gespräch zwischen Vater und Tochter belauscht, das die junge Dame als Heike geoutet hatte. Diesen Kenntnisstand hatte er in seine Berichterstattung einfließen lassen, und ich konnte davon jetzt profitieren. In einem unbeobachteten Moment nutzte ich meinen Wissensvorsprung: „Heike, bringst du mir bitte ein Bier“. „…???…“.
Nachdem ich sie aufgeklärt hatte, lachte sie und bat mich, meine Erfahrungen als kleines Geheimnis zwischen uns zu belassen. Als Gegenleistung trank ich einige Biere auf Kosten des Hauses – Prost.
Den nächsten Morgen begannen wir mit einem Kurzfilm über Konfliktbewältigung, den wir anschließend ausdiskutierten. Nachdem Falko unsere Kreativität mit einem bekannten Bölkstoff trinkenden Comic-Helden erhöht hatte (per Video), konnten wir uns an ein Rollenspiel heranwagen: Angreifer und Angegriffener. Falko war der Gauner und jeweils einer von uns durfte seinen Lösungsvorschlag für die Situation darbieten. Anschließend gab es eine sehr aufschlussreiche Pro- und Kontradiskussion zum Thema, dann Mittagessen und im Anschluss wieder unsere bekannte Trickfilmfigur mit Liebe zum Bier.
Am Nachmittag hatten wir einen Polizisten zu Gast, der interessante Fakten zum Thema bot und außerdem neugierige Fragen aller Art beantwortete. Pünktlich um 15:30 Uhr war dann der offizielle Teil erledigt. Da die Fußballer erst am Abend in Aktion treten sollten und die meisten Programmgestalter damals am Nachmittag Leute wie Bärbel Schäfer, Arabella Kiesbauer und Hans Meiser beschäftigten und auch wirklich ins Quoten-Rennen schickten (nicht jeder Trend hält ewig) und ich keinesfalls beabsichtigte, mich mit Tontöpferei auseinanderzusetzen, beschloss ich zusammen mit Leder-Micha ins Dorf zu wandern.
Dort wollten wir versuchen, eventuell doch noch Kontakt zur Heimat herzustellen. Ein Mitarbeiter der bezaubernden Gastgeberanstalt hatte uns den Weg, der sich einem ca. 30 Minuten Fußmarsch absolvieren lassen würde, präzise erklärt. Nachdem wir 15 Minuten lang unsere Lungen mit hervorragender Waldluft vollgesaugt hatten, erreichten wir eine Weggabelung. Über diesen Reichtum an Auswahlmöglichkeiten hatte uns der freundliche Ortsansässige leider im Dunkeln gelassen. Wir beratschlagten und versuchten, den richtigen Weg anhand unserer recht vagen Ortskenntnisse zu ermitteln. Wir multiplizierten den vermutlichen Verlauf der Bundesstraße vor der Zivildienstschule Richtung Schlöhne mit dem von uns bereits absolvierten Weg. „Nach links“, waren wir uns einig. Nach einigen Metern stellten wir fest, dass das Gelände zu unserer rechten Hand hermetisch abgeriegelt war, inklusive Stacheldrahtzaun. Die letzte Benutzung schien allerdings schon etliche Zeit zurückzuliegen.
Nachdem wir ein weiteres Mal rechts abgebogen waren, stellten wir wieder etwas fest. Diesmal, das mitten aus dem Wald Schienen herausliefen und schnurgerade in das isolierte Grundstück hineingingen. Leder-Micha analysierte: „Ich denke, der Weg hier umkreist nur das Gelände. Hier bei den alten Schienen geht ein Trampelpfad entlang. Von dort kommen wir bestimmt zum Bahnhof Schlöhne“. „Hm“, entgegnete ich und dachte mir im Stillen: „Der Bahnhof Schlöhne hatte keine Abzweigungen. Und die Hauptstrecke ist das hier nicht. Aber gut, vielleicht stimmte die Richtung ja doch zufällig“. Gesagt, getan – Waldluft soll gesund sein.
Nachdem sich dann jedoch der Trampelpfad vom Verlauf der Schienen trennten und wir dann noch eine stillgelegte Ackerfläche überquerten, ohne auch nur einen Anhaltspunkt des Dorfs Schlöhne zu erkennen, wagte ich erstmals, den seit etlichen Minuten in mir immer stärker werdenden Verdacht auszusprechen: „Vielleicht haben wir einen Abzweig verpasst?“. Auch Michael beschloss, diese Möglichkeit jetzt ernsthaft in Betracht zu ziehen. Nach weiteren zehn Minuten überquerten wir erneut eine Bahnstrecke. Diese allerdings ließ den Schluss zu, durchaus zu einer im aktuellen Kursbuch der DB befindlichen Route zu gehören.
Plötzlich standen wir auf einem Weg, der nach links und rechts parallel entlang der Gleise verlief. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon eine gute Stunde unterwegs. Wieder versuchten wir, den Verlauf der Bundesstraße zu rekonstruieren, die wir hinter dem angrenzenden Waldstück vermuteten. Nachdem wir uns auf eine Richtung geeinigt hatten, gingen wir den schnurgeraden Weg immer an der Bahnstrecke entlang.
Zwanzig Minuten später. Zum Zeitvertreib hatten wir uns eine tolle Beschäftigung gesucht. Wir analysierten die am Waldesrand stehenden Pilze. „Also verhungern tun wir nicht“, stellte Leder-Micha fest. „Hm, also ich weiß nicht, ob der Genuss von Fliegenpilzen und Knollenblätterpilzen unbedingt zu empfehlen ist. Aber verhungern tun wir dann auch nicht, stimmt. … Da würde ich lieber so ein Pils vorziehen“, und deutete auf eine achtlos weggeworfene Bierbüchse im Gras, allerdings bereits geleert. Und das vor geraumer Zeit, wie der Zustand der Büchse verriet. „Spricht dafür, dass sich hier schon andere von unserer Unterkunft verlaufen haben“, überlegte Micha. Eine interessante Art der Schlussfolgerung. „Gut möglich. Aber wenn ich mich nicht irre, steht dort ein Fahrrad am Baum. Vielleicht endlich mal jemand, der weiß, wo es hier langgeht“. „Das Fahrrad?“ „Na ja – es wird nicht allein hergeradelt sein“, vermutete ich keck.
Tatsächlich trafen wir auf zwei ältere Damen, die sich offensichtlich ebenfalls mit Pilzen beschäftigten „Siehe da, es scheint hier auch essbare Pilze zu geben“, teilte Micha mit. Die Damen sahen uns ein wenig misstrauisch an, als wir sie ansprachen. Wir erklärten unser Anliegen und unser Ziel. „Da sind sie falsch. Hier geht es nach Crossberg. Schlöhne liegt genau in der entgegengesetzten Richtung“. Wir bedankten uns, tauschten vielsagende Blicke und traten den Rückweg vom Hinweg an – unser Ziel Telefon hatte jetzt endlich wieder eine Richtung gefunden.
Vorbei an Pilz und Pils erreichten wir nach ca. 25 Minuten wieder die Stelle, an der wir diesen Bahnparallelweg betreten hatten – 10 Minuten später tauchten die ersten Gehöfte von Schlöhne auf. Ein freundlicher Herr lotste uns zu der bewussten Telefonzelle. „An der Schule“, hatte er uns gesagt. Als wir Schlöhnes Bildungseinrichtung erreicht hatten, sahen wir uns suchend um. Erneut mussten wir einen einheimischen Passanten zu Rate ziehen. „50 Meter zurück, dann links rein. An der Sporthalle!“. Nach weit über zwei Stunden hatten wir endlich unser Ziel erreicht.
Erwartungsvoll strahlte uns das leuchtend gelbe Telefonhäuschen an. Ich zückte meine Telefonkarte und betrat – den Münzfernsprecher. Natürlich wies mein Portmonee keine fernsprechertauglichen Münzen aus. Also ließ ich Micha den Vortritt, der die Gelegenheit nutzte, ausführlich mit seiner Heimat zu telefonieren, wobei ich mir nicht sicher war, ob er seine Familie kontaktierte oder den Motorradhändler seines Vertrauens. Während er telefonierte, tippte mir von hinten jemand auf die Schulter. Es war Nicky, der ähnlich wie wir überlegt hatte, die fußballfreie Zeit zur fernmündlichen Kontaktaufnahme zu nutzen. Immerhin hatte er keine großflächige Erkundungstour benötigt, um die nächste Zelle ausfindig zu machen. Wir tauschten kurz unsere Erfahrungen aus, lachten herzhaft und verabredeten uns am Abend zum Fußball und Billard, während Micha unverdrossen weiter schwatzte. Nachdem seine Angelegenheiten geklärt waren und das damit verbundene Gespräch ein Ende fand, hatte er sogar noch überraschenderweise zwei Markstücke übrig, die er mir großzügigerweise leihweise und zinsfrei überließ. Zweieinhalb Stunden Laufzeit, fünf Minuten telefoniert.
Da wir nicht beabsichtigten, den gleichen Weg zurückzugehen, erkundigten wir uns erneut bei einem Einheimischen. „Zur Zivildienstschule? 15 Minuten geradeaus“. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen, als wir zehn Minuten später das Gelände betraten. Jetzt kannten wir auch unseren Fehler. Wir waren in den Wald hineingelaufen, hätten uns aber links orientieren müssen. Immerhin waren wir pünktlich zum Abendessen wieder in unserer Unterkunft. Unser Tischnachbar erkundigte sich bei uns: „Ihr schlagt ganz schön zu – was habt ihr denn gemacht heute Nachmittag?“. Wir zwinkerten uns zu. „Wir waren nur mal schnell im Ort telefonieren“.
Der Abend begann für Nicky und mich vor dem Fernseher mit einem echten Gurkenspiel, so dass wir uns noch in der Halbzeit dafür entschieden, vom Grün des Rasens im TV zum Grün der Billardplatte zu wechseln. Dort focht Leder-Micha ein Kugel-Duell mit einem jungen Mann aus, der sofort ebenfalls der Kategorie Motorrad-Freak zuzuordnen war. Lederhose und Harley-Davidson T-Shirt sprechen eben Bände. Die Beiden verstanden sich sichtbar gut und begossen die gemeinsamen Interessen mit etlichen Getränken.
„Der ist von meinem Zimmer. Lars ist ein netter Kerl, aber auf Dauer ziemlich nervig.“, informierte mich Nicky. Ich registrierte das, verglich in Gedanken meinen Zimmergefährten mit Lars und kam zu dem Schluss, dass sich diese beiden gesucht und gefunden hatten. Bei Gelegenheit sollten beide prüfen, ob sie nicht aus Versehen mit einander verwandt sind. Nicky schien ähnliche Gedanken zu haben: „Sowas kann eigentlich nur der Kategorie Zwillinge angehören“. Wir lachten, spielten noch mehrere Runden Billard, redeten dabei über Gott und die Welt und hatten damit deutlich länger überlebt als die Leder-Fraktion, die sich bereits zurückgezogen hatte.
Als Nicky und ich das letzte Bier tranken, waren wir von 200 Zivis die letzten Überlebenden, alle anderen hatten sich bereits auf ihre Zimmer zurückgezogen. Auch wenn wir grade so richtig im Quatschen waren und der Durst noch nicht völlig gelöscht war, beschlossen wir, den Abend zu beenden. Vor seinem Zimmer nahm mich Nicky flüchtig in die Arme und sagte: „Schlaf gut, mein Freund“ Ich lächelte und ging in Gedanken weiter – wir verstanden uns prima, ein gewisses Prickeln, von Minute zu Minute stärker werdend, war der ganzen Angelegenheit nicht abzusprechen. Und dann die Offenheit, mich so kurz nach unserem Kennenlernen bereits zu umarmen, sein süßes Aussehen, seine ganze Art … hey, irgendwie begannen meine Hormone Achterbahn zu fahren.
Als ich meine Zimmertür öffnete, wurde die Talstation erreicht: In meinem Bett lag Lars, die leere Wodkaflasche vor seiner … eigentlich meiner … Schlafstätte bewies mir, dass es vermutlich nicht viel Sinn haben würde, ihn zu wecken. Ähnliches galt für Micha, der in seinem Bett lag und intensivst damit beschäftigt war, das Holzgestell zu zersägen. Ich flüchtete – und es blieb mir nur ein Zufluchtsort. Wenn Lars mein Bett benutzte, würde ich seins nehmen müssen.
Die Hormone begannen ihre Loopings wieder verstärkt in Angriff zu nehmen … in dem Zimmer, dass ich jetzt aufsuchen würde, würde auch Nicky sein. Ich hoffte, dass er nicht sofort nach unserer Verabschiedung in Tiefschlaf verfallen war und wurde nicht enttäuscht. Noch auf dem Flur kam er mir entgegen und sagte: „Ich weiß nicht, ob ich mir Sorgen machen muss. Lars ist nicht in seinem Bett.“ Ich streichelte ihm flüchtig über die Schulter. „Sehr ehrenwert – aber umsonst. Der Herr hat sich eine besondere Ausnüchterungszelle ausgesucht.“ … Fragende Blicke … „Mein Bett.“ Wir waren noch einmal zurückgegangen und ich zeigte ihm das sich bietende Bild. Nicky lachte, wurde dann aber ernst: „Hoffentlich hat er sich nicht ne Alkvergiftung zugezogen“. „Ich glaube nicht, Atmung und Puls gehen ganz ruhig. Tiefschlaf ja, toxikologisch unbedenklich.“ „Dann ist ja gut, Herr Doktor. Und wo wollen sie ihre Nachtbereitschaft verbringen?“ „In der Nähe eines lieben, netten Menschen, der mich im Ernstfall immer weckt.“ Was erzählte ich da eigentlich für einen Quark? Immer schön mit der Tür ins Haus fallen und das frisch gedeihende Pflänzchen der Freundschaft niedertrampeln…. Nicky tat, als hätte er den tieferen Sinn überhaupt nicht verstanden.
Im Zimmer setzten wir uns an einen kleinen Tisch. „Wir sind noch viel zu nüchtern für den Laden hier“, analysierte Nicky und holte zwei Büchsen Bier aus seinem Schrank. „Na ja, die paar Bierchen heute Abend haben die anderen wohl deutlich übertroffen.“ Wir saßen auf seinem Bett, tranken, redeten und redeten, verstanden uns einfach nur großartig und so, als ob wir seit Jahren die besten Freunde waren.
Irgendwann mitten in der Nacht sagte Nicky leise: „Komm, lass uns Brüderschaft trinken“ Ich nickte, wir vollzogen den Akt und ich stellte die interessanteste Frage des noch sehr jungen Tages: „Mit oder ohne Kuss?“ „Keine halben Sachen“, kam die eindeutige Antwort ganz nah neben meinem Ohr. So nah, dass Nickys Atem Gänsehaut verursachte. Das allerdings war nichts gegen den Kuss der folgte. Sekunden trafen sich unsere Lippen. Flüchtig nur, aber doch mindestens ein paar Atemzüge länger als nötig…. Ich genoss es, die folgenden Sekunden blieben ohne Worte und gaben Zeit, diesen wunderschönen Moment fest auf der internen Festplatte zu speichern.
Nicky schaute mich an und fragte völlig unvermittelt: „Was denkst du über unser Paar, über Matthias und Marcel?“ Ich überlegte kurz: „Die beiden sind glücklich und verdammt sicher, wenn sie sich hier vor einer wilden Horde freilaufender Zivis outen“
Er nickte nachdenklich. „Ja, noch vor einem halben Jahr war das undenkbar. Da war Matze still, schüchtern, in sich gekehrt. Bis dann plötzlich Marci in sein Leben trat. Die beiden haben sich kennen gelernt beim Vorstellungsgespräch in der Behindertenwerkstatt, und es hat sofort gefunkt. Noch am gleichen Abend haben sich die beiden das erste Mal geküsst – in der stillen Ecke eines Eiscafes. Pech war nur, dass durch einen ganz dummen Zufall Matzes Eltern im gleichen Cafe waren und durch einen Spiegel diesen ersten zarten Kuss beobachtet haben.“
„Stopp mal, woher bitte weißt du das alles? Hat Lars gestern bei den beiden seinen Rausch ausgeschlafen und die Jungs haben dir hier ihre Lebensgeschichte erzählt?“ Nicky lachte, wurde dann aber schnell ernst. „Marcel und ich sind Cousins.“
Ich möchte nicht gesehen haben, was ich in diesem Moment für ein Gesicht machte. Die Frage, die mir als nächstes einfiel, war dann: „Wie hast du von den beiden erfahren?“ „Okay, die Geschichte in aller Kürze: Natürlich waren Matzes Eltern zunächst geschockt, und vor allem die Mutter brauchte ein bisschen, um das ganze zu überwinden. Bemerkenswert war das, was sein Vater draus machte: „Junge, es kann nicht sein, dass Du uns darüber so lange im Unklaren gelassen hast. Was denkst Du, wie wir reagieren? Haben wir jemals was gegen Schwule gesagt? Du bist unser Junge, du bleibst unser Junge und du sollst glücklich werden. Dabei können wir Dich aber nur unterstützen, wenn du uns bedingungslos vertraust. Es gibt Idioten, genügend sogar wahrscheinlich, und es ist nicht auszuschließen, dass du mit denen Probleme kriegst. Aber dann wollen wir für dich da sein“ Nach dieser Rede, die sich Matze Wort für Wort gemerkt hatte, er hat sie mir später immer wieder erzählt, schwebte er im siebten Himmel. Marcel und Matthias lebten ihre Liebe im engeren Familienkreis völlig aus, und das kam auf der 19. Geburtstagsfeier von Marcel dann auch bei mir an. Beide Familien haben es völlig akzeptiert, das einzige schwarze Schaf war meine alte Freundin. Als sie anfing, über die Beiden im übelsten Maße herzuziehen, habe ich sie kurzerhand auf die Straße gesetzt und ihr den Laufpass gegeben.
Ein weiteres Mal hätte ich mich nicht selbst sehen wollen. Freundin??? Verdammt, ich war auf dem besten Wege, mich zu verlieben. Nein, ich hatte mich verliebt. Und dann diese Geschichte.
Ich hatte jetzt auch nichts mehr zu verbergen und beschloss, völlig ehrlich zu sein. „Nicky, danke für so viel Offenheit und Vertrauen. Aber ich glaube … Marcel und Matthias sind nicht die einzigen hier in Schlöhne, die sich nicht für Frauen interessieren. … Nicky, ich glaube, ich habe mich in dich verliebt.
Schweigen.
Nicky sah mich an, legte mir liebevoll den Arm um die Schulter. „Oh Mann. Wir haben uns hier vor zwei Tagen erst kennen gelernt, haben gestern erst so richtig zueinander gefunden. Du bedeutest mit wirklich viel, du bist so hintergründig, so offen, so lieb. Ich sage so was nicht so schnell, aber Du bist ein echter Freund. Mehr als das. Wir haben Brüderschaft getrunken – also sind wir Brüder. Aber Liebe …. nein, lieben kann ich dich nicht. Ich bin nicht schwul“
Wumm, dass hatte gesessen. Es wäre aber auch zu schön gewesen.
„Nicky, dass ist… irgendwie…“ Mir kamen Tränen in die Augen. „Irgendwie gibt es hier sonst immer das Happy End an dieser Stelle“
Er sah mich an, hatte immer noch seinen Arm um meiner Schulter. „Hey, ich will nicht, dass sich irgendwas ändert. Freunde fürs Leben?“, er sah mich fragend an. Ich nickte, er bedeutete mir viel zu viel, um alles in Frage zu stellen. Schon komisch, wie sich zwei Jungs in zwei Tagen so nah kommen können. Ich wusste, dass die tiefe enge Verbundenheit zwischen uns bleiben würde. Sie war an diesem Abend erst geknüpft, aber war schon untrennbar. Aber es war keine Liebe.
Eine Erkenntnis, die dafür gesorgt hatte, dass die achterbahnfahrenden Hormone dem Bedürfnis nach einer Zigarette Platz gemacht hatten. Gedankenverloren angelte ich mir eine Kippe aus der Schachtel, wollte sie anzünden und wurde von Nicky unterbrochen. „Bitte, kannst du zum Rauchen nach draußen gehen? Ich vertrags nicht.“ Ich lächelte ihn an: „Na klar.“ Er nahm seinen Arm von meiner Schulter, streichelte mir über den Hinterkopf.
Ich stand auf und überlegte, wo ich jetzt ungestört im Haus ein Zigarettchen verbrennen lassen könnte. Ich entschied mich für den Fernsehraum, schon mal deswegen, um im Videotext das Endergebnis des Gurkenspiels nachzulesen. Ich verzichtete auf Licht, setzte mich auf die Couch, griff im Dunkeln zur Fernbedienung und erschrak plötzlich: Im gegenüberliegenden Sessel war plötzlich ein Feuerzeug aufgeflammt. „Mein Gott, hast du mich erschreckt.“, warf ich dem Nachtraucher ein wenig vorwurfsvoll entgegen. Trotz meines vorübergehend erhöhten Adrenalinspiegels verzichtete ich weiterhin auf Benutzung der Deckenlampe und schaltete als Lichtquelle das TV-Gerät ein.
Mein Gegenüber wirkte traurig, hatte auf den ersten Blick kurze blonde Haare und litt offensichtlich an Schlaflosigkeit. „Was machst Du hier“, fragte er mich. Ich zündete meine Zigarette an und erwiderte: „Rauchen, und du?“ „Dito, ich heiße übrigens Sebastian.“ Ich stellte mich vor und erkundigte mich, was ihn in der Nacht um drei – so spät war es mittlerweile – an die Zigarettenschachtel trieb. „Ach, ich hab da so einen Blödmann auf meinem Zimmer, zu Hause Stress und … und … und überhaupt.“ Plötzlich durchschüttelte ihn ein Weinkrampf, ein Weinkrampf aus dem Nichts. „Die Nacht der Tränen“, ging mir durch den Kopf. „Komm rüber“, forderte ich ihn auf und zog ein Taschentuch aus meiner Tasche. Ich staunte, dass er es tat. Ich staunte noch mehr, dass er sich aufs Sofa setzte, sofort meine Nähe suchte und nur noch ein „Entschuldigung“ hervorbrachte, ehe er völlig in Tränen versank.
Eben war ich noch tief im Tal der Trauer, jetzt brauchte er wohl meine Hilfe. Ich zottelte ihm kurz über die blonde Mähne. „Hey, ist gut! Wollen wir noch ein Bier trinken?“ Er nickte und schluchzte. „Warte, ich bin gleich wieder da.“
Ich eilte in mein Notquartier, schilderte Nicky kurz die Situation, er drückte mir zwei Bier in die Hand und bat mich um Verständnis: „Ich werd mich jetzt schlafen legen. Sei so gut und mach leise, wenn du nachher kommst. Okay, Bruder?“ „Kannst dich auf mich verlassen, Bruder,“ entgegnete ich ihm und kehrte in den Fernsehraum zurück, wo sich Sebastian etwas zu erholt haben schien.
„Alles okay?“, fragte ich ihn und drückte Sebastian das Bier in die Hand. Er nickte, öffnete die Büchse und trank schweigend. „Wenn du reden willst, dann rede“, bot ich ihm an. Er aber suchte einfach nur meine Nähe, trank binnen kürzester Zeit aus, rauchte dabei eine weitere Zigarette, stand dann auf, sagte danke und verschwand.
Auch ich rauchte noch mal, leerte mein Bier in aller Ruhe, holte mir noch das Ergebnis des Gurkenspiels und wankte dann, mittlerweile auch etwas angeschlagen, in Richtung Zimmer. Nicky schlief bereits, auch ich fiel in mein (oder Lars’?) Bett und begann unverzüglich mit der Nachtruhe.
Am Donnerstag stand nach dem Unterricht die Fahrt zur Grenzstadt an. Die City an sich interessierte keinen, wohl aber die andere Seite des Ufers – EINKAUFEN!!! Es soll etliche Seminarteilnehmer gegeben haben, die bei der Rückkehr ins Heimatland ganz schön gezittert haben – verdammte Schmuggelei! Ich hatte mir gemäß den Vorschriften eine Stange Zigaretten mitgebracht. Nicht mehr, als erlaubt. Dafür, dass Nicky mir später seine mitgebrachte Stange auch noch überreichte, konnte ich nichts.
Am Abend, ich ging gerade über den Parkplatz zum Abendbrot ins Hauptgebäude, als mir an einigen Autos der Zivis etwas auffiel. Ich erspähte Autokennzeichen, die mir bekannt vorkamen – aus den Nachbarkreisen meines Heimatstädtchens. Sofort versuchte ich, vorsichtige Ermittlungen über die entsprechenden Besitzer anzustellen. Würde mir am kommenden Tag die Zugfahrt ersparen. In der Nähe eines in Frage kommenden Fahrzeugs stand ein junger Mann, der damit beschäftigt war, die Windschutzscheibe seines Autos zu reinigen. Ich sprach ihn aus blauem Dunst heraus an: „Sag mal, wem gehört der Fiesta neben dir? Hast du ‘ne Idee ?“ „Dem Schwulen neben mir aus’m Zimmer … warum willste das wissen?“ Ich hatte wenig Lust, dem Scheibenputzer zu erklären, warum ich den Fahrer zu sprechen zu wünschte. Aber schon mal der Begriff schwul sorgte dafür, dass ich es ihm erklärte: „Ich suche jemanden, der mich preisgünstiger als die Bahn in heimische Gefilde transportiert.“ Der Putzwütige schaute mich ein bisschen verwirrt an, während ich auf Antwort lauerte. Jetzt wollte ich schließlich wissen, wer da eventuell noch ganz besonders einen männlichen Mitfahrer suchte. „Wende dich an Sebastian aus Zimmer 17, aber wenn du mitfährst, pass auf, dass er mit dir nicht in einen stillen Waldweg einbiegt.“ Er lachte dreckig, blickte auf seine saubere Windschutzscheibe und verschwand.
In mir begannen die Mühlen des Gedächtnisses zu mahlen. Sebastian? Hatte der Typ Sebastian gesagt? Bei 200 Zivis war die Gefahr aber natürlich groß, dass da noch ein Sebastian rumlaufen würde. Aber Sebastian hatte zu mir gesagt, er hätte Stress mit seinem Zimmergenossen. Das könnte auf den Herren mit der sauberen Scheibe sehr gut passen.
Auf alle Fälle war ich fest entschlossen, die Fahrkarte zu sparen und bemühte mich zu Zimmer 17. Ich klopfte. Jemand rief herein, ich öffnete die Tür…. und sah natürlich den Sebastian, der mir in der vergangenen Nacht seine Tränen offenbart hatte. Er schaute mich recht giftig an, was überhaupt nicht zu seinen traurigen, aber wunderschönen Augen passte. „Was willst du? Komm, streu Salz in die Wunden!“ „Pass auf. Ich weiß nicht, was du heut nacht gehabt hast. Und wenn du es mir nicht erzählen willst, deine Sache. Ich hab dich gern getröstet, auch ohne Worte. Und ich hab’s verdammt noch mal gern gemacht. Basti, was ich wissen will: Du kommst aus meinem Nachbarkreis, und ich hab keinen Bock, mit dem Zug nach Hause fahren. Nimmst du mich mit?“ Er sah mich mit großen Augen an, nickte und sagte leise: „Das bin ich dir schuldig. Und danke, dass du heute nacht da warst.“ Wir lächelten uns an.
Nachdem das Heimfahrt-Problem keins mehr war, konnte man den letzten Abend in unserem „Waldgefängnis“ feuchtfröhlich ausklingen lassen. Jeder gab noch eine Runde aus – zum Schluss Heike, wohl weil sie endlich Feierabend machen wollte.
Alle, die an diesem zivi-internen „Abschlussseminar“ teilgenommen hatten, konnten oder wollten sich am Freitagmorgen nicht mehr so recht auf das offizielle Lehrgangsende konzentrieren. Weder Nicky und ich, die nach dem „offiziellen“ Teil wieder in einem Zimmer stundenlang quatschten. Micha und Lars schliefen wieder ihren Rausch in einem Raum aus, einem Raum, der einen Großteil meines Gepäcks beinhaltete. Bevor wir tief am Freitag Früh vom Schlaf heimgesucht wurden, schworen Nicky und ich uns ewige Freundschaft. Ein Schwur, der wieder mit einem Kuss verbunden war. Ging da doch noch was? Nein verdammt, kein Vertrauensbruch gegenüber meinem Bruder! Das war das letzte, was ich dachte, bevor ich einschlief. Gegen fünf Uhr. Noch drei Stunden bis zum Aufstehen. Mein letzter Gedanke vor dem Gang in Morpheus Arme: „Wer zur Hölle würde uns zum Frühstück aus dem Bett holen?“
Wir schafften es selbst, aus den Federn zu kriechen. Die Frage nach dem Wie sei dahingestellt. Todmüde absolvierten wir das letzte Frühstück und die finale Unterrichtseinheit. Anschließend erfolgte noch ein letztes gemeinsames Mittagessen in der mittlerweile tatsächlich gemütlich erscheinenden Enge der Kneipe, wohl auch deshalb, weil einige schon geflüchtet waren. Rene, Micha und Torsten gehörten dazu, ohne das ich mich von ihnen hätte verabschieden können. Ich saß mit Matthias, Marcel und Nicky an einem Tisch. Wir verabschiedeten uns wenig später. Ich wünschte Matze und Marci viel Glück und nahm Nicky vor dem Rest der übrig gebliebenen Gesellschaft zum Abschied in die Arme. „Ich hoffe, wir sehen uns schnellstmöglich wieder.“ „Verlass dich drauf, Bruder.“ Er stieg mit den anderen in den Bus, der zum Bahnhof fuhr. Ich war allein und sah mich nach Sebastian um. Der stand bereits hinter mir und jagte mir einen gehörigen Schrecken ein, als ich mich umdrehte. „Lass uns fahren“. Wenig später verließen wir die Wald-Idylle der Schlöhner Kaserne, die früher wirklich mal eine war, wie wir zum Schluss an der Rezeption noch erfuhren.
Es hieß Adieu Zivildienstschule, wir brausten Richtung Heimat, das ganze inklusive einiger derart riskanter Überholmanöver, die mich nah an den Herzinfarkt brachten. Ähnlich wie der Fahrer neben mir. Sebastian war… unbeschreiblich. Wir redeten, ich genoss seine Art, seine süßen Augen. Und irgendwann tat er tatsächlich das, wovor man mich gewarnt hatte: Er bog in einen Waldweg ein und hielt an. „Warum hast du mich vorgestern Nacht in den Arm genommen?“ „Du warst traurig. … und ich kann keine süßen, traurigen Jungs sehen.“ Er schaute mich sekundenlang an, plötzlich machte es klick in ihm und er fing zu erzählen an. „Die haben mich in Schlöhne alle nur fertig gemacht. Ich hab dem Steffen nur gesagt, dass ich mich für mich Matthias und Marcel freue und auch gerne… auch gerne einen Freund hätte. Und dann hat der Arsch mich so hintergangen. Hat es wirklich jedem erzählt, der ihm über den Weg gelaufen ist. Und dabei kein gutes Haar an mir gelassen. Weder er noch die anderen“. Ich lächelte ihn an: „Du bist an die Falschen geraten. Und dank Steffen weiß ich, dass uns ein bisschen mehr verbindet als nur die geografische Lage“ Er sah mich ungläubig an; „Ist das dein Ernst?“ „Mein voller Ernst “
Sebastian machte einen Schritt auf mich zu und legte seinen Arm auf meine Schulter. „Du bist so lieb. Aber kannst du mich auch lieben?“ Eine gute Frage. Noch vor zwei Tagen war Nicky meine große Liebe, die er jetzt mit der Bruder-Rolle getauscht hatte. Basti war aber zweifellos aus dem gleichen Holz geschnitzt. Und ich war dabei, mich zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit zu verlieben. Es funkte mitten auf einer einsamen Lichtung – und wieder so kurzfristig. Seine Frage aber ließ ich zunächst noch unbeantwortet.
Bastis Fiesta hielt bei mir vor der Tür. „Und nun?“, frage er mich voller Abschieds-Angst. „Komm mit hoch, wenn du willst. Er wollte und saß später bei mir im Zimmer. „Kannst du dir vorstellen, dass aus uns was wird?, fragte er mich eindringlicher.“ Ich antwortete ihm. „Nein. Ich kann es mir nicht vorstellen . …. Ich weiß, dass aus uns was wird. Ich liebe dich.“ Wir versanken in einem nicht enden wollenden Kuss.
Am Sonntag saßen wir alle in dem Garten, der Matzes Vater gehörte und der nach der Flutung eines ehemaligen Tagebaus direkt am Wasser lag. Nicky war das einzige Opfer … er hatte seine Freundin verloren und nicht so schnell „Ersatz“ gefunden wie ich. Obwohl Basti alles andere als Ersatz war. Meine große Liebe… Ich hatte nie daran geglaubt, mich binnen kürzester Zeit zu verlieben. Und dann war es gleich zweimal in zwei Tagen passiert. Geschichten, die das Leben schreibt. Ich hatte allen Grund, glücklich zu sein. Wie Matze und Marci neben mir und der Mann in meinen Armen. Basti….
Einen Tag später betrat ich meine Station. Der Dienstalltag begann wieder. Aber nach dem Ende eines langen Arbeitstages lauerte jetzt das große Glück.
Basti und ich, Marcel und Matthias sowie Nicky werden Schlöhne nie vergessen. Lebenswege, die sich kreuzten, um sich nie wieder zu trennen.
Basti, Matze, Marci, Nicky… Danke, dass es Euch gibt! So war es 1997, und so ist es in diesem Jahr immer noch.
ENDE

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Information Die letzte Sternschnuppe
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:22 AM - No Replies

Ich saß mal wieder auf meinem Lieblingsplatz und sah auf den Fluss hinunter. Mein Lieblingsplatz war eine alte Zugbrücke, die aber nicht mehr genutzt wurde. Hier saß ich gerne wenn ich meine Ruhe brauchte.
Heute brauchte ich diese Ruhe, denn in der Schule war wieder mal totaler Stress angesagt. Die Oberstufe hatte ihre Abschlussprüfungen und daher waren die Lehrer zurzeit im totalen Stress. Dann war da noch Thomas unser Obermacker in der Klasse. Er hatte sich in den letzten Wochen ziemlich merkwürdig verhalten.
Ich wusste nicht was ich von ihm zurzeit halten sollte. War ich vorher immer einer derjenigen in der Klasse, den er sich rauspickte um mich vor den anderen lächerlich zu machen. War ja auch nicht schwer, da ich nicht gerade der kräftigste war und zum anderen als Streber in der Klasse galt. Aber seit etwa einer Woche ließ er mich vollkommen links liegen, war seltsam ruhig und sprach mit keinem mehr in der Klasse.
Ich war so in Gedanken, dass ich nicht mal merkte, dass es bereits dunkel wurde. Na dann, ich wollte gerade aufstehen als ich Schritte hörte die eindeutig näher kamen.
Wer konnte denn das sein, außer mir war hier noch nie jemand gewesen. Vorsichtig schaute ich in die Richtung, aus der die Schritte zu vernehmen waren und siehe da, ich sah eine Gestalt auf der Brücke entlang gehen.
Die Gestalt blieb plötzlich mitten auf der Brücke stehen, um dann langsam zur Brüstung weiter zu gehen.
Interessant was macht man an einer Brüstung? Die Aussicht genießen? Na dafür war es jetzt schon etwas zu dunkel! Aber was dann? Die Frage wurde dann sehr schnell beantwortet. Die Gestalt kletterte langsam auf die Brüstung.
MMHHH ich wusste gar nicht, das Bungeespringen ohne das gewisse Seil in Mode gekommen war.
Nun wurde mir doch etwas mulmig und ich ging langsam auf die Gestalt zu, die auf der Brüstung stand. Als ich mich bis auf 10 Meter herangeschlichen hatte, konnte ich an den Geräuschen erkennen, dass diese Gestalt weinte. Wie ich schon sagte, ich war nicht der kräftigste aber woher ich in den nächsten zwei Minuten die Kraft hergenommen hatte, diese Gestalt von der Brüstung zu ziehen, dass kann ich bis heute nicht beantworten.
Also zum Verständnis, als ich die Gestalt da oben auf der Brüstung sah und dann noch dazu erkannte das diese weinte, ging mir nur eines im Kopf rum: Der will da runterspringen!
Also mein Kopf schaltete wohl auf Automatik, denn ich rannte los, kam an, umfasste die Person und ließ mich mit dieser nach hinten auf die Brücke fallen. Der Aufprall war ziemlich heftig, denn die Person fiel genau auf mich rauf. Ich bekam zuerst mal keine Luft und japste wohl wie eine Flunder die auf dem Trockenen lag nach Luft.
„Lass mich los du Blödmann!“ Wer oder was sprach denn jetzt mit mir, bis ich registrierte dass ich immer noch die Person in meinen Armen hielt. Aber halt mal diese nette Stimme kannte ich doch.
Nette Stimme? Dass ich nicht lache die gehörte doch eindeutig zu Thomas. Der Blödmann ging in meine Klasse und war mein größter Alptraum. Na super da rettete ich diesen Blödmann auch noch, der mich fast jeden Tag in der Schule ärgerte.
„Ich lass dich ja schon los!“
In dem Augenblick wo ich Thomas los ließ, rollte sich dieser zur Seite und Himmel sei Dank ich konnte wieder ohne Beschwerden atmen.
„Man kannste mir mal sagen, was die Aktion hier sollte? Ich dachte du springst jeden Augenblick da runter!“ das konnte ich mir jetzt doch nicht verkneifen.
Da es jetzt so richtig dunkel war konnte ich nur an den Geräuschen erahnen, dass Thomas nicht weit von mir auch auf dem Boden saß und wieder angefangen hatte zu heulen.
Eine Antwort erhielt ich aus diesem Grund wohl auch nicht. Was macht man in dieser Situation?
Ich kroch auf allen vieren in seine Richtung und tastete vorsichtig nach seiner Schulter.
„He Thomas, was ist denn?“
„Lass mich doch in Ruhe. Endlich habe ich den Mut gefunden, dem ganzen ein Ende zu
setzen und wer kommt und rettet mich! Der Klassenstreber Nummer Eins Julius.“
Na toll so wird es einem gedankt. Was hatte ich eigentlich anderes erwartet, von diesem Herrn.
„Vielen Dank der Herr für diese netten Worte! Ich werde jetzt gehen! Ach und noch was, wenn Du immer noch springen willst, viel Spaß dabei.“
Wütend stand ich auf und trabte los. Hinter mir hörte ich wie der Blödmann wieder anfing zu weinen. Man war ich wütend auf den, aber zum anderen konnte ich ihn doch hier nicht so sitzen lassen.
WARUM ICH??
Ich blieb also stehen und drehte mich zu Thomas um.
Was sollte ich bloß machen? Zum einen war er mir so was von egal, aber auf der anderen Seite konnte ich ihn jetzt wirklich nicht alleine lassen.
Also marschierte ich zurück zu ihm und blieb vor ihm stehen.
„Jetzt kommst erst mal mit mir mit!“ dabei packte ich ihn und versuchte ihn hochzuziehen.
Seltsamerweise stand er von selbst auf.
„Warum hilfst du mir?“ kam es zögernd von ihm.
„Erstens ich will jetzt nach Hause und zweitens kann ich dich hier nicht so sitzen lassen!“
Ich zog ihn dann am Arm hinter mir her. Den ganzen Weg zu mir nach Hause, sagte er kein einziges Wort.
Bei mir angekommen, öffnete ich die Tür und schob ihn in den Hausflur.
„Könntest du eventuell mir auch mal folgen, ohne das ich dich hinter mir herzerren muss?“ kam es dann doch etwas genervt von mir.
Ich bekam natürlich keine Antwort, aber wenigstens folgte er mir die Treppe hinauf. Kurz darauf standen wir vor der Wohnungstür und schloss diese auf.
Nachdem wir eingetreten waren, hörte ich auch schon meine Mutter aus dem Wohnzimmer rufen: „ Julius bist du das?“
Nach der Stimme zu urteilen, hatte sie schon einiges intus.
Thomas bekam das wohl nicht so richtig mit und ich antwortete meiner geliebten Mutter sofort.
„Ja ich bin es wer sonst. Ich geh gleich in mein Zimmer!“
So zog ich Thomas durch den Flur in mein Zimmer. Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, atmete ich erst einmal durch.
Thomas stand neben mir und sagte kein Wort.
„So setz Dich erstmal. Ich hol uns was zu trinken!“ mit diesen Worten verschwand ich aus meinem Zimmer und rannte in die Küche. Oh man, sah das hier aus, dachte ich als ich in die Küche kam. Im Mülleimer sah ich auch den Grund, eine leere Wodkaflasche lag oben drauf.
Ich ging an den Kühlschrank und holte eine Flasche Eistee raus. Dann suchte ich noch zwei saubere Gläser, dass gar nicht so einfach war. Schließlich fand ich ein Glas noch. Na das musste dann reichen und rannte wieder in mein Zimmer.
„So hier trink erst mal!“ und reichte Thomas das Glas, in dem ich vorher etwas Eistee eingegossen hatte.
„Danke!“
„So kannst du mir jetzt erzählen was los ist?“
„Sorry darüber kann ich nicht sprechen! Aber es geht mir besser!“ traurige Augen sahen mich dabei an.
„Na ja wenn Du meinst!“
„Sag mal hier wohnst du?“
„Ja warum!“
„Hast ja nicht viel in deinem Zimmer zu stehen!“
Ich sah mich in meinem Zimmer um, am Fenster lag eine Matratze auf der ich schlief. Ansonsten standen nur ein paar Obstkisten im Zimmer, in denen sich meine wenigen Habseligkeiten befanden. Dann noch ein Tisch und ein Stuhl, auf dem Thomas jetzt saß.
„ Was haste denn gedacht was bei mir im Zimmer steht?“ giftete ich Thomas an.
„Hast doch meine Mutter gehört, sie säuft wie ein Loch und hat schon den größten Teil unserer Möbel verscherbelt.“ wütend stand ich im Zimmer und ballte bei meiner Ansprache meine Hände zu Fäusten.
„Ist schon gut. Ich wusste doch nicht das du so lebst!“
„Pass auf Thomas, es geht niemanden an wie ich lebe. Ich will nur meine Ruhe, einen guten Abschluss in der Schule, um einen guten Job zu bekommen und um dann so schnell wie möglich von hier weg zu kommen.“
„Ist schon ok. Hätte ich gewusst was du zu Hause durchmachst…“
„Was dann??? Zum anderen geht es jetzt um dich. Ich bin doch nicht doof. Du wolltest da runter springen.“
Thomas sah mich trotzig an und stand auf.
„Es ist besser ich geh jetzt!“ sagte er zu mir leise.
„Ach der Herr will nicht reden und das einfachste ist zu gehen.“
„Sei mir bitte nicht sauer Julius. Ich erzähl dir das wenn ich dazu bereit bin! FREUNDE?“
Wie bitte, hatte ich mich eben verhört oder hatte er mir seine Freundschaft angeboten.
Na ja Thomas sah zwar nett aus, aber verhalten hatte er sich gegenüber meiner Person immer wie der letzte Arsch.
„Meinst du das jetzt ernst? Oder ist das jetzt so eine Phase die morgen wieder vorbei ist?“
„Nein es ist keine Phase und ich meine es ERNST!“
Nachdenklich sah ich Thomas an. Na wenn er es ernst meint, dann nehme ich das Angebot mal an.
„Na OK FREUNDE!“
Glücklich lächelte mich Thomas an und kam auf mich zu, um mich im nächsten Augenblick an sich zu drücken.
„AUA man meine Rippen!“ ohh man die taten durch die Umarmung von Thomas, aufs übelste weh.
„Sorry tut es sehr weh?“
„Ja muss wohl ne Prellung oder so was sein. Kein Wunder bei deinem Gewicht das auf mir lag!“
Erzählen konnte ich ihm ja schlecht, das meine Frau Mutter gestern im Suff mich ein wenig mit ihrem Nudelholz vertrimmt hatte. Danach ging es ihr wohl besser, aber mir definitiv nicht. Dafür sprachen schon die unzähligen blauen Flecken auf meinem Oberkörper.
„Na gut ich geh dann mal!“
„Ja und untersteh dich noch mal zur Brücke zu gehen!“ das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.
„Nein versprochen Julius und ich warte morgen früh vor der Schule auf dich!“
„Mach was du willst.“
Ich brachte Thomas noch bis zur Wohnungstür und dann verschwand er auch schon im Treppenhaus. Ich schloss leise die Tür und schlich zurück in mein Zimmer. Bevor ich dieses erreicht hatte, stand plötzlich meine Mutter im Flur:
„Julius du Stück DRECK! Habe ich dir nicht verboten Besuch in unsere Wohnung hereinzulassen?!“ die gesamte Ansage von ihr dauerte etwas länger, da sie schon vollkommen besoffen war und sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.
„Entschuldigung ich geh jetzt in mein Zimmer!“ damit wollte ich mich umdrehen und in mein Zimmer verschwinden.
„Sosch nisch du Ratschte!“ sie torkelte auf mich zu, dabei sah ich, das sie in der einen Hand ihre so geliebte Flasche Wodka hielt.
Man was jetzt noch, ging es mir durch den Kopf. Ihr Gesicht war mittlerweile wutverzerrt und dann hob sie ihre Hand, in der sie immer noch die Flasche hielt. Bevor ich noch einen klaren Gedanken fassen konnte, holte sie mit der besagten Flasche in der Hand aus. Das nächste was ich fühlte war ein Schlag gegen meine Schulter. Das tat jetzt echt weh und zum anderen bekam ich richtig Angst, denn ich sah wie sie wieder ausholte. Also versuchte ich zur Wohnungstür zu kommen. Ich hatte kaum die Tür aufgestoßen, als mich etwas am Kopf traf, danach umfing mich Dunkelheit. Ich merkte nicht mal, dass ich die halbe Treppe im Treppenhaus runterrollte.
Ich saß wie immer auf der Eisenbahnbrücke und sah mir den Sonnenuntergang an. In der Ferne sah ich ein paar Schwäne vorbeifliegen. Das einzige was mich störte war ständig dieses piepende Geräusch, das nicht aufhören wollte. Dann und wann hörte ich auch eine Stimme in der Ferne die mir immer wieder sagte ich solle doch wieder die Augen aufmachen. Hmm.. komisch ich hatte doch die Augen auf, denn ich sah mir ja den Sonnenuntergang an. Dann hörte ich Thomas seine Stimme und wie er mir irgendetwas von er sei schwul erzählte. Komisch ich konnte ihn nirgends auf der Brücke entdecken. Wo kam seine Stimme bloß her? Irgendwann wurde das dämliche piepen immer deutlicher und die Sonne verschwand, dafür wurde es total dunkel um mich.
„Ich glaube er kommt zu sich!“ war das erste was ich deutlich vernahm. Ich öffnete langsam meine Augen und sah erst mal eine verschwommene Gestalt die über mich gebeugt war.
„Wo bin ich!“ krächzte eine Stimme. Oh mein Gott war ich das, der da sprach?
„Endlich! Wenn du mich verstehst dann blinzle mit Deinen Augen!“
Na nichts einfacher als das und ich tat es dann auch.
„Hast Du Schmerzen? Wenn ja blinzle wieder mit den Augen, wenn nicht dann schließ sie einmal kurz!“
Gute Frage! Tat mir was weh? Eigentlich nicht und ich schloss die Augen kurz einmal.
„Super gemacht Junge. So jetzt bekommst du etwas damit du noch etwas schläfst.“ Kaum hatte die Stimme das gesagt, merkte ich wie ich wieder in die Dunkelheit zurück sank.
Thomas
Ich stand wie mit Julius verabredet vor der Schule und wartete auf ihn. Bis jetzt hatte ich ihn noch nicht entdecken können. Komisch war das schon, denn ich wusste, dass Julius eigentlich immer einer der ersten war, der an der Schule stand.
So langsam machte ich mir Sorgen. Einige aus unserer Klasse kamen an mir vorbei und fragten mich, auf wen ich denn warten würde.
„Ich warte auf Julius!“ kam es dann auch entsprechend von mir.
„Auf den kannste lange warten!“ kam es dann von einem Mädchen, das gerade vorbeiging und die Antwort von mir wohl gehört hatte.
„Hää wieso kann ich da lange warten!“
„Der ist heute Nacht von seiner Mutter krankenhausreif geschlagen worden.“
„Was?“ erschrocken sah ich das Mädchen an.
„Na wusstest du nicht, dass die ihn ständig verprügelt hat. Das war doch in unserem Haus immer zu hören, wenn die Alte ihn in der Mangel hatte“
Entsetzt sah ich sie an. Man und ich habe ihn hier noch die Hölle auf Erden bereitet. Schweigend machte ich mich danach auf den Weg in die Klasse, da gleich der Unterricht losging.
Ich bin so ein gefühlloses Rindvieh dachte ich und gestern, da hat er mich vor dem größten Blödsinn in meinem Leben gerettet. Ich wollte ja von dieser Brücke springen. Klar als er gestern mich gefragt hatte warum ich das tun wollte, konnte ich ihm ja nicht ins Gesicht schreien ICH BIN SCHWUL. Und nun lag dieser Julius im Krankenhaus, dem ich mein Leben verdankte. Ich musste herausbekommen in welchem Krankenhaus er lag. Als ich in das Klassenzimmer trat, merkte ich gleich, dass etwas in der Luft lag. Dann sah ich, dass vorn am Lehrertisch unser Direx stand und mit unserer Klassenlehrerin Frau Wende sprach.
Nachdem ich auf meinem Platz saß, sah der Direx sich gerade in der Klasse um.
„Hallo wie ich sehe sind jetzt alle da, dann möchte ich euch erst einmal sagen warum ich hier bin. Also einer euerer Mitschüler Julius Klarsen, wird wahrscheinlich nicht mehr wiederkommen!“
Mir stockte der Atem, nein schrie es in mir, lass ihn nicht…..
„Also er liegt im Krankenhaus im Koma, es sieht nicht gut für ihn aus.“
PUUHHH noch mal Schwein gehabt. Ich hatte schon gedacht, erleichtert hörte ich weiter zu.
„Julius wurde von seiner Mutter schwer misshandelt. Hat eigentlich einer von euch gewusst, was bei Julius zu Hause los war?“ fragend sah der Direx sich in der Klasse um. Alle sahen zu Boden, aber keiner sagte etwas.
„Ich hatte immer gedacht ihr steht zu einander und wenn es jemanden schlecht geht, hilft ihr dieser Person. Aber wie ich sehe hat nicht einer, Julius richtig gekannt. Wisst ihr was der Junge durchgemacht hat? Nun hat er keine Familie mehr und wo Julius, wenn er gesund werden sollte hinkommt, kann noch keiner sagen. Wahrscheinlich in irgendein Heim. Er hat niemanden mehr. Seine Mutter sitzt seit heute in Untersuchungshaft. Was mir auf den Herzen brennt, ist, das wenn es Julius wieder besser gehen sollte, dass ihr als Klasse euch um ihn kümmert, solange er im Krankenhaus liegt.“
Ich nickte wie alle in der Klasse und hob dann meine Hand.
Alle sahen zu mir und der Direx fragte in meine Richtung: „Ja Thomas was gibt es?“
„Ähmm wo liegt denn Julius und wenn es geht würde ich gleich zu ihm gehen!“
„Also er liegt im Sankt Joseph Krankenhaus und Du kannst nach Schulschluss dorthin gehen!“
Ich nickte, aber in mir drin war schon die Entscheidung gefallen. Nachdem der Direx aus unserem Klassenraum raus war, begann Frau Wende den Unterricht. Nachdem die erste Stunde vorbei war, packte ich meine Sachen und stürmte aus dem Klassenzimmer. Ich musste unbedingt zu Julius, um zu sehen wie es ihm ging. Mir war die Schule in dem Augenblick so was von egal. Ich rannte also wie ein besengter aus der Schule und dann zur Straßenbahn. Die kam dann auch nach einer Weile und ich sprang hinein.
Die Fahrt dauerte auch nicht lange und ich musste auch schon aussteigen. Dann stand ich vor dem Krankenhaus und lief zum Eingang. Hoffentlich lassen die mich zu Julius, dachte ich und hoffte nur das ich Glück hatte.
„Hallo können sie mir sagen wo die Intensivstation ist?“ fragte ich den Pförtner am Eingang.
Der erklärte mir dann wie ich gehen musste und nachdem er geendet hatte rannte ich auch schon los.
Nicht lange und ich stand vor einer dieser Krankenhaustüren und auf der stand Intensivstation.
Vorsichtig drückte ich gegen die Tür und sie gab nach. Als ich dann im Gang stand, sah ich mich erstmal um und ging vorsichtig den Gang entlang.
„Sagen sie mal junger Mann wo wollen wir denn hin?“ erschrocken drehte ich mich um und sah eine ältere Krankenschwester an.
„Entschuldigen sie bitte, aber ich wollte zu Julius. Er geht in meine Klasse und er ist mein bester Freund. Ich mach mir unheimlich Sorgen um ihn. Darf ich bitte zu ihm?“ toll gemacht lobte ich mich im stillen. Also im Lügen hätte ich jetzt eine Eins bekommen müssen und wie es schien kam man meiner Bitte auch nach.
„Na warte hier ich muss erst den leitenden Arzt fragen!“ daraufhin verschwand sie, hinter einer der Türen und ich stand weiterhin im Gang und wartete auf die Dinge die da kommen sollten.
Irgendwo hörte ich im Gang eine Tür schlagen und dann sah ich einen weißgekleideten Herrn auf mich zukommen.
„Na junger Mann, wie ich höre willst du zu Julius!“
Ich nickte nur, denn irgendwie hatte ich schon immer einen riesen Respekt vor diesen Weißkitteln.
„Er liegt zwar noch im Koma, aber es tut gut wenn vielleicht einer seiner Freunde mit ihm spricht! Hört sich jetzt seltsam an, junger Mann aber Menschen die im Koma liegen bekommen teilweise mit wenn jemand mit ihnen spricht. Wie ist denn überhaupt dein Name?“
„Ich heiße Thomas Konzel und bin Julius bester Freund.“
„Na dann komm mal mit!“
Ich folgte dem Arzt und er trat in einen Raum, in dem ich ihm folgte. Auf der gegenüberliegenden Seite der Tür, durch die wir eingetreten waren, sah ich auf eine Glaswand an deren einem Ende sich eine Tür befand. Durch die Glasscheibe konnte ich in den anderen Raum sehen. Dort stand ein Bett und um dieses herum eine Vielzahl an Geräten. Da zuckten Linien auf einigen Bildschirmen und ein ständiges Piepen war zu hören.
Mein Blick blieb an der Gestalt hängen, die in diesem Bett lag. Es war Julius und der sah von hier aus nicht besonders gut aus. Mir stiegen die Tränen in die Augen und liefen mir das Gesicht herunter.
„Julius es tut mir so leid. Hätte ich das doch nur gewusst von Dir und dem was du durch machen musstest.“ sagte ich leise zu mir.
„Na Thomas ich glaube er wird wieder gesund. Aber dazu braucht er Freunde die ihm helfen!“ sagte der Arzt leise zu mir und gab mir einen grünen Kittel den ich wohl anziehen sollte. Nachdem ich diesen Kittel angezogen hatte, durfte ich dann zu Julius. Der Arzt sagte nur er sehe nachher noch mal vorbei und ging. Ich selber ging in das Zimmer wo Julius lag und setzte mich auf den Stuhl der neben seinem Bett stand.
Als ich ihn dann vom nahen sah, kamen mir wieder die Tränen. Der Kopf war fast vollständig mit Binden umwickelt, nur das Gesicht war zu sehen. Sein Oberkörper war überall mit blauen Flecken bedeckt. Der untere Teil seines Körpers war mit einem Laken zugedeckt.
Er sah furchtbar aus und wenn ich so seinen Oberkörper ansah, musste er schon eine ganze Zeit lang gelitten haben. Ich Idiot und ich habe ihn in der Schule auch noch fertig gemacht und das nur weil ich mit meinen Gefühlen nicht klar kam.
Der große Tommy und schwul und um mir zu beweisen das es nicht so ist, habe ich nur jemanden gesucht den ich fertig machen konnte. Da kam mir Julius ganz recht…. Ohh Julius es tut mir so leid. Ich fing an zu weinen und merkte nicht dabei wie ich seine Hand in meine nahm. So saß ich eine ganze Weile da und heulte. Irgendwann wurde es besser und ich fing an, Julius alles zu erzählen was mir auf der Seele lag.
Auch erzählte ich ihm, dass ich schwul bin und dass ich gestern, weil ich mich selber dafür hasste, mein Leben ein Ende setzen wollte. Tja und wie er mich gerettet hatte und ich ihm dafür immer dankbar sein werde.
Während ich so erzählte, merkte ich plötzlich wie Julius Hand anfing zu zucken und dann ein Stöhnen von ihm kam. Ich wollte gerade aufspringen, als die Schwester die mir im Gang begegnet war, ins Zimmer stürmte und einen Knopf drückte. Kurz darauf kam der Arzt herein und fing an Julius zu untersuchen.
„Komm Junge du darfst jetzt nicht hier bleiben!“ dabei schob mich die Schwester in den angrenzenden Raum. Dort sah ich zu wie der Arzt Julius ansprach und dieser wohl ihm irgendwie antwortete, denn ich konnte nicht keinen Ton hören, dass Julius mit dem Arzt sprach. Es dauerte eine ganze Weile, aber dann kam der Arzt aus dem Zimmer und lächelte mich an.
„Er ist aufgewacht und schläft jetzt! Was hast Du denn gemacht?“ fragte er mich.
„Ich habe nur geredet und dann hat seine Hand plötzlich angefangen zu zucken.“
In mir reifte in dem Augenblick eine Idee, denn ich musste ihm helfen und da kamen jetzt meine Eltern ins Spiel.
„Ich muss jetzt nach Hause! Ich muss unbedingt mit meinen Eltern sprechen und ich bin morgen früh wieder hier! Darf ich doch?“ kam es fragend von mir,
„Natürlich! Ich glaube das hilft jetzt Julius mehr als alles andere!“
Daraufhin rannte ich aus dem Raum und dann aus dem Krankenhaus. Ich musste jetzt etwas tun, wovor ich solche Angst hatte, nämlich meinen Eltern alles erzählen. Aber das tat ich jetzt für jemanden den ich nie wieder im Stich lassen wollte. Und das wollte ich! Ich wollte das alles wieder gut machen was ich Julius je angetan hatte.
Ich rannte wie noch nie in meinem Leben nach Hause. Dort angekommen raste ich zum Arbeitszimmer meines Vaters und stand dann vor der geschlossenen Tür.
Als ich vor der Tür stand, kamen mir doch Zweifel, ob mein Vater mich verstehen würde, denn eines war ich mir bewusst, um Julius zu helfen, musste ich einen Schritt nach vorne tun. Das hieß für mich, ich musste mich meinem Vater und meiner Familie gegenüber outen.
Ich holte tief Luft und klopfte an.
„Ja herein!“ kam es aus dem Zimmer.
Ich trat ein, in das Zimmer meines Vaters und sah ihn hinter seinem Schreibtisch sitzen.
„Na Tommy was gibt es denn so wichtiges?“
„Paps ich muss mit Dir und Mam reden es ist wichtig. Wichtig für mich und für Julius.“
„Wer ist Julius?“
„Julius ist einer aus meiner Klasse und ich muss ihm helfen, oder besser gesagt wir.“
„Na nun komm erst mal und setz dich hin, ich hole deine Mam dazu.“
Er stand auf und ging aus seinem Zimmer. Ich setzte mich auf das Sofa und wartete.
Man wie soll ich nur beginnen? Ist ja auch egal ich werde das schon irgendwie alles erzählen. Hoffentlich verstanden sie mich.
Ich war so in Gedanken das ich nicht merkte, dass meine Eltern vor mir standen.
„Junge dein Vater sagte, das du etwas Wichtiges zu sagen hast?“
Erschrocken sah ich auf und konnte nur nicken. Jetzt war es so weit, für mich gab es jetzt kein zurück mehr. Aber der Gedanke an Julius und wie er da in dem Bett lag, ließ mich nicht los. Nein jetzt erst recht.
„Ja setzt euch erstmal! Bitte! Ich habe einiges zu erzählen und möchte das ihr versteht warum ich euch Bitte Julius zu helfen!“
Ich sah meine Eltern dabei an. Beide saßen mir gegenüber und mein Vater hatte seinen Arm um Mam gelegt und beide sahen mich ernst an.
„Ja ähmm um zu verstehen warum ich Eure Hilfe brauche muss ich wohl etwas weiter ausholen und es ist für mich nicht einfach, da ich euch auch etwas eher unangenehmes über mich eröffnen muss…..“
„Junge was auch immer du uns sagen willst, wir stehen zu dir und deine Geschwister genauso also du brauchst keine Angst zu haben!“ meine Mam sah mich dabei ernst an.
„Also wo soll ich jetzt anfangen….“
Na ja ich fing dann erst mal mit der Geschichte auf der Brücke an und als ich dann damit herausplatzte was ich auf dieser besagten Brücke eigentlich tun wollte kamen mir dann doch die Tränen.
„Junge warum das denn, wir sprechen doch über alles?“ meine Mutter stand auf und setzte sich neben mich, auf das Sofa und nahm mich in den Arm.
„Ich, ich mag keine Mädchen, wenn ihr versteht. Ich komm damit einfach nicht klar. Das ganze fing an als Marie mir einen Kuss gab und ich dabei überhaupt nichts empfand und dann sah ich in so einer Zeitschrift einen …nackten Mann…“ das letzte Wort flüsterte ich fast.
Meine Mutter drückte mich an sich und ich erzählte dann weiter. Wie ich mich gegenüber Julius benommen hatte, in der Schule und wie Leid mir dass alles jetzt tat und was ihm passiert war.
„Und nun wollte ich euch bitten, mir zu helfen! Ich will nicht, dass Julius in so ein Heim abgeschoben wird! Ihr könnt euch nicht vorstellen, was mir durch den Kopf ging, wie ich sein Zimmer gesehen hatte, wo nichts aber auch gar nichts vorhanden war. Keine Möbel, nur ein paar Holzkisten und dann war ich heute im Krankenhaus und als ich ihn so sah, da wusste ich das ich ihm helfen muss!“
„Thomas erst einmal zu Dir, wen du lieben wirst ob einen Mann oder eine Frau ist eine Sache die dich alleine etwas angeht. Wir deine Mutter und ich werden dich immer lieb haben, denn du bleibst unser Sohn.“ Dabei hockte sich mein Vater vor mich hin und zog mich zu sich.
„Und wir lieben dich genauso wie deine Geschwister. Wir sind eine Familie und stehen zueinander.“
„Aber ich dachte ich enttäusche euch! Ich bin schwul Pa und da hatte ich solche Angst und gestern, da konnte ich nicht mehr. Ich musste mich überall verstellen, auch vor euch und da wollte ich nur noch eins um euch nicht zu enttäuschen….“
„Das ist aber nicht der richtige Weg, Thomas. Jetzt gehst du den richtigen Weg und das tust du nur für Julius um ihn zu helfen. Ich bin stolz auf dich, dass du uns das gesagt hast. So und nun erzähl bitte, was du dir vorgestellt hast, um Julius zu helfen.“
„Also wir haben doch ein großes Haus und mein Zimmer ist doch groß genug, da ist doch genug Platz um ein Bett noch hineinzustellen. …was ich eigentlich möchte ist, ob wir nicht Julius aufnehmen können, damit er nicht in so ein Heim kommt.“
Nun war es raus und ich sah flehend meine Eltern an.
„MMMHH Junge da verlangst du aber eine ganze Menge von uns. Pass auf, ich bespreche das erst mal mit deiner Mutter und dann sprechen wir nachher weiter!“
Ich konnte nur nicken, zu mehr war ich nicht in der Lage und stand auf.
„Ich geh erst mal in mein Zimmer!“ sagte ich dann leise und ging aus dem Zimmer.
Vor dem Zimmer, wie nicht anders zu erwarten standen meine Schwester und mein Bruder und sahen mich groß an.
„Was geht denn hier ab?“ fragte mich mein Bruder.
„Kommt gehen wir in mein Zimmer, früher oder später werdet ihr es ja doch erfahren!“
Wir gingen nach oben in den ersten Stock wo unsere Zimmer sich befanden. Nachdem meine Geschwister und ich in meinem Zimmer standen, begann meine Schwester auch schon mir Fragen zu stellen.
Meine Schwester heißt mit Vornamen Silvia und ist jetzt 18 Jahre alt und mein Bruder Uwe ist schon zwanzig und studiert an der hiesigen Universität. Also war ich das jüngste Familienmitglied.
„Nun wartet doch mal, ich erzähl euch ja schon alles!“
Nachdem wir alle saßen, begann ich zu erzählen und als ich alles erzählt hatte, sah ich meine Geschwister vorsichtig an. Man kann ja nie wissen, wer von den beiden jetzt austickt. Aber nichts passierte außer das beide fast gleichzeitig aufstanden und mich in die Arme nahmen.
„Man und warum hast du nicht mit uns gesprochen.“
„Weil ich mich nicht traute und weil ich selbst erst einmal diese Erkenntnis verdauen musste.“
„Ja und wie man sieht hättest du daher auch einen Riesen Fehler gemacht wenn nicht Julius dort gewesen wäre! Also das mit Julius ist eine gute Idee und ich denke unser Schwesterherz wird mir da zustimmen!“ dabei sah mein Bruder meine Schwester an.
„Na klar du Heini, bin ich dafür und Julius könnte ja das Gästezimmer bekommen, dann hätte er ein eigenes Zimmer.“
Na Klasse und ich hatte mir so was von in die Hose gemacht, bei dem Gedanken meiner Familie zu sagen, dass ich schwul bin.
Ich musste dann feststellen, dass das was ich als ein großes Problem angesehen hatte gar nicht existierte. Tja Leute und was sagt mir das, vorher überlegen und nicht danach, wenn man unter der Brücke liegt.
Erleichtert atmete ich durch.
„So los Leute, ab nach unten zu unseren Eltern. Da werden wir jetzt ein Wort mitreden!“
sagte mein Bruder.
Tja und dann wurde doch gemeinsam diskutiert. Was dabei raus kam, na was wohl? Natürlich sollte Julius zu uns kommen und mein Vater war auch schon am telefonieren.
Julius
Als ich das nächste Mal wach wurde, war das eklige Piepgeräusch verschwunden. Ganz so klar war mir noch nicht wo ich war, aber das es sich um ein Krankenhaus handelte, konnte ich an der Einrichtung dann doch erkennen. Mein Schädel fühlte sich an, als wenn er in Watte gepackt wäre. Aber ansonsten konnte ich meine Hände und Füße bewegen. So mit mir und meiner Motorik beschäftigt bekam ich nicht mit das die Tür aufgemacht wurde und eine Schwester hereinkam.
„Na da ist ja jemand wach und wie fühlt man sich?“ lächelnd kam diese Person dann auf mich zu.
„Bitte keine Spritze, die vertrag ich nicht. Sie wissen ja bestimmt, das ich dagegen allergisch bin!“ kam es darauf von mir.
„Oh Witze kannst du also schon wieder reißen. Na da werde ich mal eine Ausnahme machen und keine Spritze verabreichen.“ lachend stand sie vor mir.
„Na da werden sich die anderen freuen das es dir schon besser geht.“
Wenn die wüsste wie es in mir aussah, dann würde sie bestimmt nicht lachen. Ich erinnerte mich nämlich daran, dass wenn es mir ja besser ging, ich bestimmt bald wieder bei meiner versoffenen Mutter sein würde. Und das glaubt mir war bestimmt kein so schöner Gedanke.
„Na ich werde mal jetzt Fieber messen und dann den Doktor holen. Der wollte dich nämlich noch untersuchen. Ach und eh ich es vergesse, draußen sitzt noch ein Junge der zu dir möchte.“
Ähh wie jetzt Junge und zu mir??? Ich musste wohl ein riesengroßes Fragezeichen in die Luft gemalt haben, denn die Krankenschwester fing wieder an zu lachen.
„Der Junge heißt Thomas und der war die letzten drei Tage, fast jeden Tag da und hat bei dir am Bett gesessen.“
„Wie bitte? Warum denn das?“
„Er hat sich richtig Sorgen um dich gemacht und daher hatten wir ihm erlaubt ab und zu bei dir zu sitzen!“
Ah ja der und Sorgen um mich machen. Der hatte mir jetzt noch gefehlt. So wie ich aussah und zum andern so befreundet waren wir ja nun auch nicht. Wie bitte und der saß noch hier bei mir am Krankenbett, wo ich voll gedröhnt mit irgendwelchen Mittelchen lag.
„Soll ich ihn rein holen?“
Na bitte wenn es ihm dann besser ging.
„Na dann lassen sie ihn mal da draußen nicht zu lange warten!“ sagte ich.
Als ob sie nur darauf gewartet hatte, verschwand der weiße Wirbelwind. Kurz darauf klopfte es an die Tür und dann steckte Thomas seinen Kopf in mein Krankenzimmer.
„He wie geht’s Dir heute?“ kam es von Thomas bevor er seinen ganzen Körper in das Zimmer schob und auf mich zukam.
Na ja gut, jetzt wo er da war freute ich mich schon etwas. Wenigstens einer, der sich um mich Sorgen machte.
„Mir geht’s ganz gut, den Umständen entsprechend wie man sieht!“
„Ich freu mich so, das es dir besser geht. Ich war jeden Tag, bis abends hier im Krankenhaus. Mein Vater hat mich in der Schule dafür entschuldigen lassen.“
„Thomas ich freu mich ja, dass du dir Sorgen gemacht hast! Aber was soll das? Ich versteh es nicht! Wenn ich hier raus bin, dann bin ich doch wieder meiner Mutter ausgeliefert! Oder meinst du irgendjemand wird mich da raus holen? Ich hasse diese Welt! Alles!“
Ich fing an zu weinen und mein Kopf fing an weh zu tun.
Plötzlich spürte ich eine Hand, die mir die Hand streichelte. Ich sah von Thomas runter zu meiner Hand und dann wieder zu ihm. Was soll das jetzt, ich brauche keine Streicheleinheiten, sondern Hilfe.
„Vielleicht kann ich dir helfen, wenn du es möchtest?“ fragend sah Thomas mich an.
„Das war jetzt klar, dass das kommen musste! Wie willst du mir helfen?“ dabei zog ich meine Hand zurück. Was dachte sich der Penner dabei? Will mir helfen! Mir war nicht mehr zu helfen, ohne Punkt und Komma.
„Du weißt ja nicht alles, Julius, was in der Zwischenzeit passiert ist!“
„Oha was soll denn das jetzt heißen? Ist meine Mutter an einer Alkoholvergiftung gestorben? Wenn es so ist, ist es auch egal.“
„ Nein sie ist im Knast! Julius ich weiß, ich kann das alles was ich dir angetan habe, nicht wieder gut machen. Ich will aber alles wieder in Ordnung bringen und dazu gehört, dass sich mein Vater um deine Angelegenheiten kümmert! Bitte gib mir doch eine Chance!“
Thomas schniefte und ich sah kurz zu ihm auf. Tatsächlich der kann ja heulen! Quatsch hatte er doch schon mal, aber irgendwie bekam ich jetzt doch ein schlechtes Gewissen, wie ich mit ihm sprach. Na gut ich gebe ihn mal die eine Chance, vereinbarte ich mit mir selbst.
„Um was kümmert sich denn dein Vater?“
„Also ich weiß nicht ob alles schon über die Bühne ist, aber wenn dann kannst du bei uns in deinem eigenen Zimmer wohnen!“ ängstlich sah mich Thomas an.
„Du? Dein Vater? Ähhhh….“ Irgendwie war ich plötzlich nicht fähig noch etwas zu sagen. Ich fing an zu heulen und konnte nicht aufhören und dann spürte ich wie sich jemand auf mein Bett setzte und mich vorsichtig an sich drückte.
Irgendwie war der Staudamm bei mir gebrochen und eine wahre Sintflut stürzte aus meinen Augen.
Sollte einmal in meinem kurzen Leben, ein Wunsch, an einer der vielen Sternschnuppen gerichtet, in Erfüllung gegangen sein????
„Ich werde immer für dich da sein Julius und dich beschützen. Nie wieder soll dir jemand wehtun….NIE WIEDER!“
„A..bbeer ..“ schniefte ich: „Warum?“
„Weil ich meinen Eltern alles erzählt habe auch das von deiner Mutter und von mir und noch viel mehr…“
Sag mal hat der Koks genommen, ging es in meinem Kopf rum. Das war doch nicht der Thomas den ich kannte. Koks das war gut, über diesen Gedanken fing ich an zu kichern.
„He was ist jetzt los…Julius alles in Ordnung?“
„Hihihihi Thomas ich HIHIIHII ich hab grade HIHIHII gedacht du HIHIHIHIHAHAHAHA das Du HIHIHI Koks HIHIHIH genom….HIHIHIHIHI men hastHIHIHIHI.“
„Nee wieso, so was hab ich noch nie gemacht!“ kam es ungläubig von ihm.
Der Gedanke war zu komisch und als ich Thomas seinen dämlichen Gesichtsausdruck dazu sah, musste ich noch mehr lachen. Leute es tat in dem Moment so gut und als ob Thomas endlich verstand fing auch er an zu Lachen.
Tja irgendwann habe ich mich wohl wieder beruhigt und Thomas auch und er erzählte mir dann alles, was seine Familie unternommen hatte.
„So ihr beiden das reicht jetzt aber für heute!“ hörte ich eine Stimme.
Thomas sprang auf und ich konnte die Person sehen.
„Papa!“ dabei rannte Thomas auf ihn zu. Na nun wusste ich wenigstens wer der Mann war.
Man ich konnte gar nicht hinsehen, so etwas hatte ich mir immer gewünscht! Eine Familie und Eltern die mich in den Arm nahmen. Na toll meine gute Stimmung war weg.
Weg geflogen, so schnell zerbrachen Träume.
Aber was war das, dieser Mann trennte sich von Thomas, kam auf mich zu, setzte sich auf mein Bett und sah mich ernst an.
„Wer ich bin weißt du ja und mein Name ist Stephan. Und du bist wohl der Julius?“
Ich nickte, aber irgendwie bekam ich jetzt keinen Ton raus.
„Na Thomas hat dir ja wohl gesagt, dass wir dir helfen wollen, Tja und es ist alles geklärt, du wirst bei uns einziehen!“
Mir wurde jetzt doch ganz schwummrig von dem was ich jetzt alles gehört hatte. Leute ein neues zuhause und keine besoffene Mutter. Ich war so was von glücklich, ich konnte das Gefühl gar nicht beschreiben. Dies mussten wohl Thomas und sein Vater auch mitbekommen haben denn sie grinste jetzt mich an und Stephan nahm mich kurz in den Arm.
Thomas
So Leute nun waren drei Wochen vergangen und Julius sollte aus dem Krankenhaus kommen. Ich war total aufgeregt, denn ich war gespannt wie Julius sein neues Zimmer gefiel. Ich hatte mit meinen Geschwistern das Zimmer neu tapeziert und dann hatten meine Eltern noch neue Möbel gekauft. Ich selber hatte Julius von meinem gesparten Taschengeld einen CD-Spieler gekauft. Heute war nun der große Augenblick für Julius, er würde das erste Mal sein neues zuhause sehen.
In der Schule sprach es sich sehr schnell rum, dass Julius zu mir ziehen sollte. Alle waren am Anfang ziemlich erstaunt, dass der größte Obermacker der Schule, Julius half. Jedenfalls ging es mir nie besser als in den letzten drei Wochen. Ich und Julius freundeten uns wirklich an und ich verliebte mich in diesen Jungen immer mehr. Nur ich wusste nicht, ob Julius auch schwul war, ich hoffte es insgeheim. So in Gedanken, hörte ich plötzlich ein Auto, dass die Auffahrt zu unserem Haus hochfuhr. Das mussten sie sein und ich rannte zur Haustür, um Julius zu empfangen. Als ich dann draußen vor dem Haus stand, sah ich schon einen strahlenden Julius aus dem Auto aussteigen. Man in meinem Bauch flatterten wohl in dem Moment tausend Schmetterlinge rum.
„Hi Thomas und zeigst du mir jetzt mein Zimmer?“ lachend kam er auf mich zu und drückte mich an sich. Himmel war das ein Gefühl, ich drückte ihn ebenfalls an mich und wollte, dass dies nie enden würde. Ein kleiner bitterer Beigeschmack blieb und das war die Frage ob Julius eventuell schwul ist. Meine Eltern standen mittlerweile auch bei uns und freuten sich mit uns.
„Na los Thomas, nun zeig Julius sein neues Heim und sein Zimmer!“ sagte lachend meine Mutter.
„Na dann komm mal mit. Was möchtest du zu erst sehen?“
„Mein Zimmer, du hast so ein Geheimnis darum gemacht! Jetzt möchte ich es sehen.“ kam es von Julius.
„Na dann folgen sie mir mein Herr!“ brummte ich im tiefsten Ton und zeigte mit meiner Hand auf die Haustür und dann rannten wir rein und die Treppe hoch.
„So das hier ist mein Zimmer, dass zeige ich dir nachher!“ dabei zeigte ich auf eine der Türen.
„Die Tür daneben führt in das Zimmer von Uwe und die andere zu Silvias Zimmer. Dein Zimmer ist dahinten.“ kaum hatte ich ihm gesagt wo sich sein Zimmer befand, stürmte auch Julius in die Richtung. Kurz davor blieb er stehen und drehte sich in meine Richtung.
„Thomas ich möchte, das du dabei bist wenn ich das erste mal mein Zimmer sehe! BITTTE!!“
dabei sah er mich mit einem Blick an, dass irgendwie traurig und dann doch soviel Glück widerspiegelte. Ich ging zu ihm und wir betraten gemeinsam sein Zimmer.
„WAAUUU das soll meins sein?“ flüsterte er.
„Julius, ja und ich habe auch noch eine Überraschung für dich!“ und ich ging zum Kleiderschrank und öffnete diesen. Ich hatte hier den CD-Spieler reingestellt gehabt, natürlich hatte ich ihn vorher noch in Geschenkpapier eingepackt. Diesen nahm ich nun aus dem Schrank und gab es Julius.
„Was für mich? Was ist denn da drin?“
„Na mach schon auf! Ich hoffe mein Geschenk gefällt Dir? „
Julius hatte wohl nur auf diese Worte gewartet, denn er riss das Papier runter und dann stand er da und seine Augen leuchteten wie zwei Sterne.
„Das ist für mich von dir?“
Ich konnte nur nicken.
„Danke Thomas! DDDAAANNNKKKEEE“ dabei sprang er an meinen Hals und drückte mich wieder an sich.
„Wer brüllt denn hier so?“ kam es in dem Augenblick von der Tür.
„Uwe, Thomas hat mir einen CD-Spieler geschenkt! Ich hatte noch nie so ein Ding!“
kam es von Julius.
„Ja und damit du auch was hören kannst, habe ich hier etwas!“ dabei winkte Uwe mit etwas eingepacktem in der Hand.
„WOW los wir probieren das Teil gleich aus!“
Julius war so was von glücklich und man sah ihm an, das er noch nie irgend etwas geschenkt bekommen hatte. Wie ein kleiner Junge wuselte er herum. Uwe half ihm erstmal beim auspacken des Gerätes während ich nach unten lief in die Küche, um uns etwas zum trinken zu holen.
„Na Sohnemann und wie gefällt Julius das Zimmer?“
Ich drehte mich um und sah in die Gesichter meiner Eltern, die lächelnd an der Küchentür standen.
„Ich habe so etwas noch nie erlebt. Er freut sich über Dinge die für mich selbstverständlich sind. Es ist schön ihn so zu sehen! So habe ich ihn all die Jahre in der Schule nicht erlebt.“ Dabei traten mir Tränen in die Augen.
„Danke, das ihr mir geholfen habt!“ dabei ging ich auf beide zu und umfasste sie mit meinen Armen.
„Thomas wir haben Julius auch ins Herz geschlossen. Wir werden alle ihm helfen müssen, denn ich denke es braucht bei ihm etwas Zeit bis er alles hinter sich gelassen hat und neu anfangen kann.“ sagte meine Mutter und drückte mich an sich.
„Nun los bring jetzt die Getränke hoch!“
Als ich hoch kam, hörte ich schon Musik aus Julius Zimmer. Als ich in sein Zimmer kam, sah ich Silvia, die mit Uwe ein großes Poster von Westlife an der Wand befestigte. Julius stand dabei und gab lautstark Anweisungen, wie das Bild angebracht werden musste. Ich musste grinsen über die Szene. Tja ich hatte doch wirklich Glück mit meinen Geschwistern.
Julius hatte mich entdeckt und kam auf mich zu gerannt.
„Thomas sieh mal, dass Poster hat mir Silvia geschenkt. Sieht das nicht irre aus?“
„Das sieht mehr als irre aus!“ lachte ich und sah Julius an.
„Und sieh mal da auf dem Schreibtisch, der Laptop den hat mir auch Silvia geschenkt! Zeigst du mir wie man mit dem Ding umgeht?“
„Na klar zeige ich dir das!“
Als dann das Poster an der Wand endlich befestigt war, saßen wir auf dem Boden und tranken erstmal etwas Cola.
Julius konnte das alles noch immer nicht so richtig fassen, denn er quasselte wie ein Wasserfall.
„ So Leute, kommt essen!“ kam es von unserer Mutter.
„Na los Leute, dann mal Essen fassen!“
Wir gingen alle runter wo meine Eltern schon im Esszimmer warteten.
„So dann setzt euch mal. Du Julius sitzt neben Thomas.“ Ich zog Julius dann mit mir zu seinem Platz und wir setzten uns.
„Julius!“ feierlich erhob sich mein Vater vom Tisch und sah ihn an.
„Willkommen zu Hause und wie ich sehe haben dich schon alle ins Herz geschlossen!“ dabei zwinkerte mein Vater mir zu. Ich merkte wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Oh Mist wenn das jetzt Julius mit bekam.
Der kicherte aber und sah mich an.
„Thomas warum wirst du denn so rot???“
„Ach nichts! Ist schon wieder weg!“
„Na Julius und wie gefällt dir dein Zimmer?“
Na Leute die Frage hätte meine Mutter besser nicht stellen sollen, denn wie aufgezogen fing Julius an über sein Zimmer zu schwärmen.
Der Redefluss hörte nicht mal beim Essen auf und alle mussten lachen über Julius und seinen Ausführungen.
Später am Abend saßen wir im Wohnzimmer und unterhielten uns.
Julius fing dann an zu gähnen, so dass wir dann langsam uns aufmachten um ins Bett zu kommen.
„Schlaf gut Julius und wenn was ist kannst du jederzeit zu mir kommen!“
Julius lag in seinem Bett und strahlte mich an.
„Danke Thomas für alles!“ kam es von ihm.
Das waren nur vier Worte die mir aber sehr viel bedeuteten.
„Das habe ich gerne gemacht! Schlaf gut!“ dabei schloss ich seine Zimmertür und ging in mein Zimmer.
Als ich dann in meinem Bett lag und langsam rüberdämmerte, war ich der glücklichste Junge auf der ganzen Welt.
Mit dem Bild eines strahlenden Julius schlief ich glücklich ein.
Julius
Man war das ein Tag und dann noch MEIN Zimmer. Ich lag in MEINEM Bett und war glücklich. Thomas war echt lieb und sein Geschenk, dass war der Ober Hammer.
So glücklich wie ich war schlief ich ein und dann kamen die dunklen Schatten aus den Ecken.
Irgendjemand schrie, davon wachte ich auf. Ich schlotterte am ganzen Körper. Nein bitte nicht, ich wollte es nie wieder erleben, aber die Realität hatte mich wieder. Zitternd lag ich in meinem Bett. Was hatte Thomas gesagt wenn was ist, könnte ich zu ihm kommen. Ich stand zitternd auf, denn ich brauchte jemanden der mich vor diesen Träumen beschützte. Der einzige der in Frage kam, war Thomas. Also machte ich mich auf und tastete mich durch den Flur. Vor der Tür von Thomas atmete ich einmal tief durch und öffnete leise die Tür. Nachdem die Tür auf war, schlüpfte ich durch diese durch und schloss dann diese leise.
Ich stand im Zimmer von Thomas und hörte ein leises schnarchen. Leise schlich ich zu seinem Bett und tastete über das Bett. Als ich Thomas Schulter ertastet hatte, rüttelte ich an dieser.
„Ja schon aufstehen!“ kam es von Thomas und er drehte sich zu mir.
„Nein ich bin es Julius! Ich… kann … nicht schlafen! Kann… ich bei Dir schlafen?“ flüsterte ich.
„Was? Julius? Na klar komm rein!“ dabei rückte er ein Stück beiseite und ich legte mich zu ihm.
Er legte mir vorsichtig die Decke über mich und schlang seine Arme um mich.
Ohhh wie gut das tat! Ich schlief wohl gleich ein und die Alpträume kamen nicht wieder zurück, dafür hatte ich einen anderen seltsamen Traum.
Ich saß wieder auf der Brücke und lies meine Beine in der Luft baumeln. Nebel wallte um mich herum und nahm mir die Sicht. Plötzlich hörte ich eine Stimme, die nach mir rief.
„Julius? Julius? Wo bist du?“
Irgendwie seltsam und dann sah ich einen Schatten im Nebel der sich langsam näherte. Durch den Nebel konnte ich nicht erkennen wer diese Person war. Ganz plötzlich lichtete sich der Nebel und nicht weit von mir stand ein Mann, der mir irgendwie bekannt vorkam. Ganz tief in mir drin, wusste ich, dass ich vor diesem Mann keine Angst haben musste.
„Julius, mein Julius!“ dabei setzte er sich neben mich und sah mich an.
„Weißt du wie lange ich schon nach dir gesucht habe?“
„Nein woher denn?“
„Julius ich bin so froh dich hier zu sehen und wie ich sehe hast du diesen Ort nie vergessen!“
Fragend schaute ich den Mann an und antwortete dann:
„Es ist mein Lieblingsplatz, immer wenn es mir schlecht geht komme ich hierher. Ich weiß nicht warum, aber irgendetwas sagt mir das ich hier einmal sehr glückliche Momente hatte!“
„Ich weiß die hatten wir. Wir saßen oft hier und haben dem Sonnenuntergang zugesehen und du hast hier immer mit mir über alles geredet.“ dabei sah der Mann in die Ferne und ein Lächeln lag auf seinem Gesicht.
„Wer bist du?“
„Erkennst du mich nicht mehr?“
In diesem Augenblick wurde mir bewusst wer neben mir saß.
„Dad?“ ungläubig sah ich ihn an.
„Ja ich bin es!“
„Aber du bist doch t…“
„Julius ich bin hier um dir zu helfen!“
„Dad mir wurde geholfen. Thomas und seine Familie haben mich aufgenommen.“
„Ich weiß. Aber ich weiß auch, dass es dir eine ganze Zeit davor nicht gut ging.“
„Dad du hast mich einfach mit dieser Frau alleine gelassen! Warum?“
„Julius ich war sehr krank. Ich wollte für dich stark sein und habe dir davon nichts erzählt. Aber als ich es dir erzählen wollte, da war es zu spät für mich, für uns!“
Tränen traten mir in die Augen.
„Dad ich mag den Thomas sehr!“
„Ja ich weiß! Deshalb bin hier um dir zu helfen!“
„Dad ist es immer so schlimm, wenn man jemanden gerne hat und nicht weiß wie man es demjenigen sagen soll?“
„Eine gute Frage! Julius manchmal macht man sich zu viele Gedanken, anstatt demjenigen zu sagen wie gerne man ihn hat.“
„Aber er ist doch ein Junge!“
„Ist es nicht egal ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, für den man mehr empfindet?“
Ich nickte stumm und sah in die untergehende Sonne, der Nebel hatte sich gelichtet. Der Himmel war ein einziges Inferno, die verschiedensten Rottöne zeichneten sich am Himmel ab.
„Julius und wie wäre es wenn du es ihm sagst!“
„Er würde es ja doch nicht verstehen!“
„Überleg mal Julius, warum Thomas damals von der Brücke springen wollte!“
Ich sah immer noch in die Ferne und begann zu überlegen.
„Dad …du meinst…?“
„Ja Julius, ich merke du hast verstanden!“
„Aber warum hat er nichts gesagt?“
„Er hat es dir gesagt, du hast nur nicht richtig zugehört. All die Dinge die er für dich getan hat, die hat er für dich getan! Um dir zu zeigen wie sehr er dich mag!“
„Aber Dad wie soll ich ihm DAS sagen?“
„Zeig ihm deine Gefühle, die du für ihn hast! Du weißt innen drin schon genau, wie du sie ihm zeigen kannst! Den ersten Schritt hast du gemacht und nun wird es Zeit das du den nächsten Schritt tust!“
„Das werde ich tun Dad!“
Mein Vater drehte sich zu mir und nahm mich in den Arm, zärtlich streichelte er mir durch mein Haar.
„Julius ich liebe Dich! Werde glücklich und beginn ein neues Leben, lass das alte zurück! Ich werde immer in deiner Nähe sein und auf dich aufpassen! Das ist ein Versprechen an Dich!“
Ich sah auf und sah in die Augen meines Vaters. Soviel Liebe lagen in diesen Augen, es war unbeschreiblich.
Still saßen wir noch eine ganze Weile dort und sahen der Sonne zu, wie sie hinter dem Horizont langsam verschwand.
„Dad..“ ich drehte meinen Kopf zu ihm, aber er war nicht mehr da.
„Dad… bitte komm zurück!“ schrie ich, aber niemand antwortete mir.
Thomas
Irgendjemand neben mir schrie, ganz fürchterlich. Langsam wurde ich wach und merkte dann, dass es Julius war der so schrie.
„Julius wach auf, es ist doch nur ein Traum!“
Julius schlug seine Augen auf und sah mir tief in meine Augen, wie in Zeitlupe näherte ich mich diesen Augen, diesem geliebten Gesicht.
„Thomas ich mag dich so gern!“ flüsterte Julius.
„Julius ich dich auch!“
Mehr brauchten wir nicht zu sagen. Alles was Julius sagen wollte, las ich in seinen Augen die mich immer noch anstrahlten.
Ganz langsam trafen sich unsere Lippen und wir versanken in einen langen Kuss.
Epilog
Julius ging es von Tag zu Tag besser. Nachdem wir uns endlich gefunden hatten und mein Traum Wahrheit wurde, nämlich Julius in meinen Armen zu halten, waren wir die glücklichsten Menschen.
Julius und ich gingen oft zu seinem Lieblingsort, den kennt ihr ja mittlerweile. Dort erzählte er mir dann auch von seinem eigenartigen Traum, in dem sein Vater mit ihm gesprochen hatte. Schon eine komische Geschichte, aber irgendwie glaubte ich ihm, dass sein Vater ihn in dieser Nacht gesucht und gefunden hatte. Und da war noch etwas, immer wenn wir auf dieser Brücke saßen und uns den Sonnenuntergang ansahen, hatte ich das Gefühl das wir nicht alleine waren.
Meine Eltern und auch meine Geschwister wissen, dass wir ein Paar sind. In der Schule waren wir unzertrennlich und durch Julius Hilfe konnte ich auch meine Zensuren verbessern.
Erst jetzt merkte ich, was mir die ganzen Jahre gefehlt hatte, MEIN JULIUS.
So jetzt werde ich diese Geschichte schließen und den Computer ausmachen. Ich sah zu unserem Bett in dem Julius lag und schon schlief.
„Schlaf gut mein Julius! Mein ein und alles! Ich Liebe Dich!“

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Information Die etwas andere Familiengeschichte
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:22 AM - No Replies

Eine neue Geschichte spuckt mir im Kopf herum, doch weiß ich nicht wie ich sie beginnen soll. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Ich könnte mit einem
Kennen lernen anfangen, oder mitten in der Geschichte anfangen und das Kennen lernen als die Erinnerung schreiben, die sie ist, oder auch ich behalte meine Gedanken für mich allein und lasse niemanden wissen, wie wichtig mir diese Geschichte ist.
Es ist nicht leicht, etwas zu schreiben, wo man genau weiß was man sagen möchte, aber dazu nicht weiß, was daraus werden soll, wie die Geschichte endet. Eine Fantasiegeschichte ist wesentlich einfacher, denn es ist egal wie sie endet, da sie nur erfunden ist und den Leser entführen soll. Doch schreibt man etwas Reales auf und will es doch ein kleines bisschen abwandeln, ist es nicht mehr so einfach. Denn es ist schwer seine Gefühle in die richtigen Wörter zu verpacken.
Da ich weiß wie langweilig es gerade doch irgendwie wird, versuch ich mal das was ich eigentlich schreiben wollte in Worte zu fassen und hoffe es gelingt. Beginne ich einfach von vorne, dann werden wir sehen was daraus wird.

Es war ein Abend wie jeder andere. Jimmy schrieb an seiner neuen Geschichte. Er hatte seine dunklen Vorhänge zugezogen und seine Kerzen angezündet, die er in der Nähe seines Schreibtisches stehen hatte und saß an seinem Rechner. Ihm war es egal, dass es schon längst nach 23 Uhr war und er am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder aufstehen musste, denn er hatte eine seiner Ideen, von denen er nicht mehr loskam, ehe er sie aufgeschrieben hatte.
Er war so vertieft ins Schreiben, das er nicht einmal bemerkte, dass sein Vater ins Zimmer kam und eine ganze Weile neben ihm stand und ihn beobachtete beim Schreiben. Als Jimmy aufsah, wäre er fast vom Stuhl gefallen.
„Dad, erschreck mich nicht so.“ sagte Jimmy erschrocken.
„Ich steh hier schon eine Weile. Wenn du so vertieft bist kann ich nichts machen.“ Grinste dieser nur und setzte sich auf seine Couch.
„Was gibt’s?“
„Du weißt, dass wir am Wochenende besuch bekommen.“
„Ja.“
„Die wollen aber nicht wie geplant, am gleichen Abend zurückfahren, sondern über Nacht bleiben. Da bräuchten wir dann dein Zimmer wieder.“
„Solange ich Samstag Abend noch bis mindestens Mitternacht meinen Rechner nutzen kann, kein Problem, dann schlaf ich auswärts.“
„Und wo?“
„Wo wohl? Gibt ja wohl nur eine logische Übernachtung, oder denkst ich lass mir das entgehen?“
„Nein. Dachte ich nicht. Okay. Dann wäre ja soweit alles geklärt.“
„Ja, ich denke schon.“
„Na dann schreib mal fleißig weiter, aber geh nicht zu spät schlafen.“
„Keine Bange.“
Als Jimmys Vater gegangen war, ließ er sich in seinem Stuhl zurücksinken und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht.
„Okay. Weiter geht’s.“ sagte er zu sich selbst und machte sich wieder anschreiben, ehe er fast schon wieder vor schreck vom Stuhl gefallen wäre, als sein ICQ sich plötzlich meldete. Er beruhigte sich und ignorierte das ganze. Doch als die zweite Nachricht kam, sah er doch nach. Nico hatte ihn anschrieben.
>> Hey Brüderchen, du da? << wollte Nico wissen und war auch schon schreiben, des nächsten Satzes, wie Jimmy sehen konnte. Nico nannte ihn seitdem Brüderchen, seit beide feststellen mussten das sie doch recht viel gemeinsam hatten und sich sowieso super verstanden.
>> Japp bin da, aber gerade bissel beschäftig<<
>> Was machst denn? <<
>> Schreiben, was sonst? *g* <<
>> Ich weiß nicht. Hätte ja sein können das du Besuch hast. <<
>> Nein heute keinen Besuch, wollte lieber allein sein. <<
>> Was ist der Anlass? <<
>> Eine neue Story. <<
>> Ui, zeig her *neugierig guckt* <<
>> Nee nee, noch nicht, erst wenn ich noch ein Stück geschrieben hab. <<
>> Naa gut. *auch mal bisschen schreibt* <<
>> Mach das *g* <<
>> Werde ich. <<
Und schon war Ruhe. Nico war mit seiner eigenen Geschichte beschäftigt, so wie Jimmy auch.
Jimmy hatte ein ganzes Stück geschafft, ehe er keine Lust mehr zum Schreiben hatte und sich eine Geschichte von jemand anderes vornahm und ein wenig las. Was ihm zur Mitte der Geschichte auffiel, war das der Ostsee doch tatsächlich Ebbe und Flut angehängt wurde. Er musste grinsen. Er wohnte schon sein ganzes Leben an der Ostsee, aber von Ebbe und Flut hatte er noch nichts mitbekommen. Da hatte der Schreiber wohl etwas mit der Nordsee verwechselt.
Jimmy las die Geschichte zu ende und schrieb daraufhin eine Mail. Er fand die Story Klasse und nahm sich auch vor die nächsten zu lesen, aber das mit Ebbe und Flut musste er richtig stellen.
Nach dem Abschicken der Mail, sah er noch einmal in Nicos Fenster. Nico war anscheinend noch wach, zumindest war dessen Rechner noch an. Also schrieb er ihm noch kurz.
>> Hey kleiner, ich werde schlafen gehen. <<
>> Jetzt schon? <<
>> Äm… es ist jetzt fast 1 Uhr und ich darf in 5 Stunden wieder aufstehen. <<
>> Oh.. okay. Ich denke ich komme mit. <<
>> Na dann mal los. *gg* <<
>> *Brüderchen Gutenachtkuss gibt* hab dich lieb. <<
>> *Regutenachtkuss gibt und ins Bett tappst* hab dich auch lieb, bis morgen. <<
>> Bis morgen. << Und schon war er weg.
Jimmy schaltete noch eben seinen Rechner aus und legte sich selbst ins Bett.

Jimmy wurde am nächsten Morgen recht unsanft wach. Er wusste schon immer das sein Bett zu klein war, aber das er auch fast jeden Morgen unten lag, musste nicht sein. Er beschloss für den heutigen Abend, das Bett aufzuklappen, damit wäre sein erstes Problem für diesen Tag erledigt. Zweites wäre dann, wo er doch gleich das Badezimmer fand. Er bekam die Augen kaum auf und tapste halb blind durch sein Zimmer und in den Hausflur hinaus. Am liebsten wäre er gleich wieder zurück in sein Zimmer gegangen. Es war eisig im Hausflur. Draußen waren Minusgrade und sein Dad hatte die Heizung abgedreht die auf dem Flur war. Auf dem Weg die Treppen runter, drehte er die Heizung gleich voll auf und ging weiter. Als er ins Bad kam, gab‘s den nächsten Kälteschock. War doch tatsächlich die ganze Nacht das Badefenster auf.
„Man. Kriegt denn hier keiner die Fenster zu und Heizungen an?“ Grummelte er vor sich hin schnappte sich seine Zahnbürste. Ein bisschen Zahnpaste drauf und fing an sich die Zähne zu putzen. Weil‘s aber trotz Fenster zumachen, nicht warm war im Bad, was so schnell nun mal nicht ging, ging er zum Zähne putzen in die Küche und machte seinen Katzen nebenbei was zu Futtern. Als er das hatte, ging er ins Bad zurück und spülte sich den Mund aus, verschwand dann aber auch sofort wieder aus dem Bad und ging in die Küche zurück. Dort machte er sich noch schnell sein Frühstück für den Tag heute und maschierte wieder in sein Zimmer. Als er oben war viel ihm sein Tee ein, der noch in der Küche stand. Also noch mal durch den kalten Hausflur und in die Küche zurück. Mit der Teetasse in der Hand ging nun aber nach oben und setzte sich noch mal ins Bett unter die noch recht warme Decke. Er nahm sich seine Fernbedienung und schaltete durch die Musiksender. Nebenbei trank er in ruhe seinen Tee und wurde Allmählich wach. Als er die Tasse leer hatte, stand er langsam auf und suchte sich was er brauchte. Nachdem er angezogen war und seine Sachen fertig gepackt hatte, sah er noch kurz auf seine Emails und machte sich dann auch schon fertig zum losgehen, um nicht wieder den Bus zu verpassen.

Der ganze Tag wurde eigentlich Recht langweilig. Den Ganzen Tag nur ein und dieselbe Tätigkeit. Jimmy seufzte auf dem Weg nach Hause. Er war vom ständigen auf den Computer starren kaputt und wollte nur noch unter die Dusche und schlafen.
Zuhause angekommen, ließ er seine Sachen aufs Bett fallen und sah kurz auf die Uhr.
„Hm.. Zum schlafen gehen ist’s noch zu früh.“ Meinte er leise und ging nach unten, wo ihn seine Katzen gleich anfielen und ihn anmauzten. „Na ihr zwei, habt ihr nichts zum Mittag bekommen?“ Ein Mauzen der Kleinen Katze ließ ihn aufsehen. „Ach also nicht?“ fragte Jimmy sie und wieder bekam er ein Mauzen als Anwort. Er lachte. „In Ordnung ich mach euch etwas. Die beiden folgten ihm ins Bad, wo in einem Schrank das Katzenfutter stand und entnahm eine Dose. „Na kommt mit.“ Meinte er nur und ging zurück in die Küche. Als die Katzen versorgt waren, sucht er sich selbst etwas und blieb letztlich bei dem restlichen Auflauf. Während dieser in der Mikrowelle warm wurde, wunderte sich Jimmy ein bisschen dass es so ruhig war. Sein Bruder war wohl wieder unterwegs, aber eigentlich müssten seine Eltern doch schon da sein, es war immerhin schon fast halb sechs. Er zuckte kurz mit den Schultern und vernahm das Kling der Mikrowelle. Er nahm sein Essen mit nach oben und setzte sich an den Rechner. Nach einigen Minuten schaltete er den Fernseher zusätzlich ein und ließ Musik laufen. Den leeren Teller stellte er erst mal neben seinen Schreibtisch auf den Boden und fing an seine Geschichte weiter zuschreiben. Als ihm seine Ideen jedoch ausgingen loggte er sich ins ICQ ein und in seinen Stammchat und beschloss ein wenig zu surfen.
Eine ganze weile war es recht ruhig im Chat, kaum jemand sagte etwas und Nico war auch noch nicht wieder zu Hause. So beschloss Jimmy sich wieder an seine Story zu hängen und weiter zuschreiben. Er öffnete seine Datei und fing an.
Ein Geräusch des Chatprogramms schreckte ihn aus seinen Gedanken. Er schrieb den Satz noch zu Ende und minimierte die Worddatei um nachzusehen wer von ihm was wollte.
>> Hi. << schrieb Jimmy kurz seine Antwort und wartete auf Reaktion, die auch gleich darauf kam.
>> Wie geht’s? <<
>> Guti. J und selbst? <<
>> Ebenso. Wollte mal fragen ob die ganzen Mails von dir kamen? <<
>> Hm. Ich hatte nur eine geschrieben. Also können nicht alle von mir sein. << erinnerte sich Jimmy an die Storys die er gelesen hatte. Peer hatte schon so vieles geschrieben, aber bei den Geschichten konnte er nicht genug kriegen, die las er einfach zu gerne. Als ihm dann wieder einfiel, warum er die Mail geschickt hatte, sagte er das auch.
>> Ich hatte das mit Ebbe und Flut geschrieben. <<
>> Ach du warst das. <<
>> Japp. *g* war ich. <<
>> Man da recherchiert man mal nicht richtig und das fällt dann auch noch auf. <<
>> Nicht schlimm J dafür kann man sich ja bei dir melden und es sagen J aber die Ostsee hat nun mal kein Ebbe und Flut *g* <<
>> Wirklich nicht? <<
>> Nein, das ist die Nordsee. Da hast was verwechselt. *g* <<
>> Hm. Na gut. <<
>> *g* <<
>> Hast gewonnen. <<
>> Ich weiß. <<
>> Schreibst du auch? <<
>> Japp, aber hab noch nichts veröffentlicht. Magst was lesen? <<
>> Gern. J <<
>> Oki doki, kleinen Moment. <<

Jimmy suchte sich kurz den Ordner mit seinen Geschichten heraus und schickte sie ihm.

>> Hast Post. <<
>> Ich schau mal. <<

Jimmy sah derweil weiter fern und achtete nicht direkt auf den Bildschirm. Dadurch bekam er erst recht spät mit, dass Peer schon zurück geschrieben hatte. Jimmy sah nach einiger Zeit kurz zum Bildschirm und erschrak leicht, als er sah, dass da schon ne Antwort war.
Jimmy sah noch einen Moment auf den Bildschirm und schrieb dann erst.

>>Ich les die Morgen in Ruhe oder heute Abend J << hatte Peer geschrieben.
>>Oki doki. Aber ich wird ma ins bett verschwinden jetzt, bin bissel müde <<
>>In Ordnung, wir sehen uns sicher noch ma J <<
>>Hmm… ich bin hier im Moment recht selten, hast du ICQ? <<
>>Ja klar, warte… <<

Sie tauschten noch schnell ihre Icq-Nummern aus und darauf hin verabschiedete sich Jimmy und ging ins Bett. Er schlief fast sofort ein und wachte auch vor dem nächsten morgen nicht mehr auf.

„Jimmy, raus aus dem Bett. Du kommst zu spät.“ Rief seine Mutter nach oben ins Zimmer. Jimmy erschrak und sprang aus dem Bett. Als er auf den Wecker sah, erschrak er noch mehr.
„Mist, das is ja schon halb 6, wieso sagt denn keiner was?“ fragte Jimmy sich. Er suchte seine Klamotten zusammen, zog sich fix an und rannte ins Bad. Als er sich gewaschen hatte, packte er schnell noch seine Sachen zusammen für die Schule und machte sich Frühstück fertig.
„Können wir los?“ fragte sein Vater genervt.
„Ja. Bin fertig.“ Jimmy stieg ins Auto ein und schnallte sich an. Als auch seine Eltern saßen, fuhr sein Vater los. Jimmy nickte im Auto noch einmal ein und wurde erst wieder wach, als seine Mutter ausstieg. Danach war es nicht mehr weit bis zu Jimmys Arbeitsplatz. Sein Vater setzte ihn dort ab und fuhr dann selbst zur Arbeit. Jimmy ging nach oben in sein Büro und meldete sich kurz bei seinem Betreuer, der ihm neu Aufgaben zuschanzte. Jimmy machte sich an die Arbeit und versucht dabei wach zu werden. Er war am Abend wohl doch zu lange aufgeblieben. Er setzte sich an seinen Rechner und beschäftigte sich mit seinen Unterlagen, bis es an der Tür klopfte und einer seiner Arbeitskollegen ins Zimmer kam.
„Hey, kannst mir kurz helfen?“ fragte Mike und sah Jimmy flehend an.
„Ja klar, wo brennt’s denn?“
„Na ja, mein Rechner hat nen Abflug gemacht.“ Sagte Mike verlegen und ging schon mal aus dem Zimmer, als Jimmy auf ihn zukam.
„Wo sitzt du?“
„Da hinten. Im Archiv momentan noch.“
„Okay. Dann mal gucken was der gute hat.“ Jimmy setzte sich an den Rechner und sah sich erst mal an, warum der Rechner fest hing. „Immer dieser Internetleute.“ Grinste Jimmy, als er die offene Seite sah.
„Ja ich weiß.“
„Hey, is nicht schlimm, bin doch selber im Internet.“ Lächelte Jimmy, aber die Seite muss ich zumachen. Daran liegt es nämlich das der Rechner hängt.“
„Okay. Such ich mir die Seite nachher wieder.“
Jimmy schloss die Seite und startete den Rechner neu.
„So nun müsste er wieder laufen.“
„Danke. Tee?“
„Gern.“
Sie tranken noch ein wenig und frühstückten auch gleich. Danach half Jimmy Mike noch ein wenig und ging dann zurück auf seinen Arbeitsplatz. Er arbeite wie gewohnt bis 16 Uhr und ging dann nach draußen, wo sein Vater schon wartete ihn mitzunehmen.

Zu Hause angekommen ließ Jimmy sich in sein Bett fallen, als sein Bruder schon mit dem Telefon hochkam und ihm den Hörer gab.
„Wer ist das?“
„Wer wohl?“ fragte sein Bruder genervt.
Jimmy nahm den Hörer und ließ sich wieder fallen.
„Ja?“
„Hey Schatz. Wie geht’s?“
„Felix?“ fragte Jimmy erschrocken und setzte sich hin.“
„Äm.. wer sonst?“
„K..keine Ahnung. Sorry, ich war grade voll in Gedanken.“
„Schon okay. Hast du morgen bisschen Zeit?“
„Ja. Klar. Nach der Arbeit.“
„Wo treffen wir uns?“
„Wie wär’s mit dem üblichen Treffpunkt?“
„Geht klar. Also dann bis morgen. Ich liebe dich.“
„Ich dich auch. Bis dann.“
Jimmy legte auf und ließ sich wieder nach hinten fallen. Daraufhin ging er an seinen Rechner und schaltete ihn an. Automatisch startete auch sein ICQ und ließ verlauten dass ihm jemand geschrieben hat. Er öffnete das Fenster und las kurz, bevor er realisierte, dass der jenige noch online war. Es War Peer.

>>Hey J auch schon da? << Schrieb er zurück und schaltete ein wenig Licht in seinem Zimmer an.
>>Klar. Ich bin am Schreiben von ner Geschichte, da bin ich dann logischer weise auch da. *g* <<
>>Also in deinem Element? *g* <<
>>Richtig. Wie war der Tag? <<
>>Das übliche . Irgendwie nix besonderes gewesen heute. Und bei dir? <<
>>Auch nicht groß der Rede wert. Wie geht’s dir denn? <<
>>Guti, mein schatz hat gerade angerufen und gefragt, ob ich zeit hab, nu treffen wir uns morgen. <<
>>J schön. <<
>>Japp. So ich wird auch ein bissel schreiben nebenbei. <<
>>Tu das. <<
Jimmy suchte sich seine Geschichte raus und fing an zu tippen. Eine ganze Stunde verging, ehe ihn sein ICQ aus den Gedanken riss. Er schrieb den Satz zu ende und sah nach.

>>Ich wird schlafen gehen. << Hatte sein kleiner Chatbruder geschrieben.
>>Oki doki, ich komm gleich nach *schon mal gutenachtkuss gibt und sich daneben kuschelt* <<
>>Nachti kleiner Bruder *regutenachtkuss gibt* schlaf gut << und weg war er.

Jimmy schrieb noch ein paar Zeilen und entschied sich dann, das ganze für heute auch sein zu lassen und legte es bei Seite.

>>Duhu? << fragte er Peer.
>>Jaha? <<
>>Ich wird ins Bett gehen. <<
>>Okay, schlaf gut J <<
>> Du auch. Träum was süßes J *ins bett tappst und einkuschelt* nachti <<
>>Nachti J <<

In den nächsten Wochen steigerte sich das schreiben zwischen den Beiden. Jimmy erzählte immer ein bisschen mehr von sich und ebenso auch Peer ihm gegenüber.
Im Hauptchat, wo Jimmy sich immer mal blicken ließ, ging eine Stammbaumgeschichte rum, in dem die einzelnen, die den Chat regelmäßig besuchten in den Stammbaum aufgenommen werden. Jimmy machte natürlich mit und auch Nico ließ sich dann mit eintragen.
Jimmy erzählte dies auch Peer und die beiden faxten bisschen rum.

>>kann ich dich adoptieren J << fragte Peer irgendwann und Jimmy saß erst mal ein wenig unschlüssig vor dem Rechner und dachte kurz nach. Er kannte Peer jetzt schon eine ganze Weile und sie verstanden sich bestens. Peer war für ihn da, wenn er jemanden brauchte oder auch nur einfach reden wollte. Er passte auf ihn auf und schickte ihn sogar ins Bett, Damit Jimmy nicht den nächsten Morgen verschlief. Jimmy konnte ihm alles Erzählen und vertraute ihm voll, also warum nicht? Im Prinzip war er doch schon so was wie ein Vater für ihn, nur das sie sich beide besser verstanden, als es womöglich zwischen Vater und Sohn wäre.
>>Warum net? J J J <<
>>Heißt das ja? <<
>>Jupps J <<
>>*g* seinen Sohn in Arm nimmt und auf Schoß setzt. <<
>>*sich ankuschelt* <<
>>*krault* <<
>>*schnurrt* <<
>>*auf die Uhr guckt* Musst du nicht schon schlafen? <<
>>Eigentlich schon *g* <<
>>Na dann, ab ins Bett mit dir. <<
>>*noch net will* <<
>>Doch du musst früh raus <<
>>*grummel* *schmollmunmacht* <<
>>Nix da. Ins bett mit dir <<
>>hm.. na gut. *gutenachtkuss gibt und ins bett tappst* <<
>>*zudeckt* <<
>>*sich einkuschelt*<<
>>schlaf gut J <<
>>Du auch J hab dich lieb <<
>>Ich dich auch *rausgeht, licht ausmacht und tür offen lässt* <<
>>nachti J <<
>>nachti. <<

Jimmy schaltete den PC aus und ging schlafen. Eine Weile dachte er noch darüber nach vielleicht doch noch ein Stück in seiner Geschichte zu schreiben, tat die aber dann nicht, immerhin wurde er ja schon ins bett geschickt. Er schlief dann gleich ein und schlief die Nacht auch durch, bis ihn am nächsten Morgen das Telefon weckte. Es war Felix, der das Gefühl hatte, das Jimmy wieder verschlief, aber diesmal war es noch nicht zu spät, da er erst eine Stunde später da sein musste. Er schlief daraufhin noch eine Weile und stand dann auf um sich fertig zu machen und den nächste Tag zu starten.

Ab hier, setz ich mal einen kleinen Strich. Die Geschichte würde noch weitergehen, aber sie soll ja nur eine kleine Zusammenfassung zeigen und das was sie rüberbringen sollte, kam hoffentlich auch. Damit möchte ich die Geschichte beenden und dem, für den sie Geschrieben ist, damit ein Fröhliches Weihnachtsfest wünschen.
Ich hab dich lieb und ums noch mal deutlich zu machen, ich bin dir echt dankbar, das du für mich da bist und mich immer wieder auffängst, wenn ich den Halt verliere. Ich fühl mich wohl bei dir und bin gern bei dir und rede mit dir. Ich hab dich schon irgendwie als zweiten Papi in mein Herz geschlossen, und da hast du deinen Platz auch sicher. Ich hab dich lieb und in diesem Moment vermisse ich dich und freu mich darauf, wenn du wieder da bist

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