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Information Die Brüder – Der Film
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:21 AM - No Replies

Langsam rollte der Zug im Bahnhof ein. Den Koffer zwischen die Beine geklemmt, den Rucksack geschultert, so verharrte ich an der Tür und wartete, dass der Zug zum Stillstand kam.
Endlich war es soweit. Irgendwie konnte ich es immer noch nicht glauben, dass ich die Rolle des Kais bekommen hatte. Es waren doch noch so viele andere Mitbewerber beim Casting gewesen, die mehr Eindruck machten, als meiner einer.
Der Zug bremste noch einmal etwas ab, ich spürte es, weil es mich leicht nach vorne zog. Dann stand er. Ich drückte den Hebel hinunter und stieß die Tür auf. Mein Koffer in der Hand, versuchte ich halbwegs stolperfrei auf den Bahnsteig zu gelangen.
Ich schaute auf meine Uhr, dann auf die des Bahnsteiges. Der Zug hatte dreizehn Minuten Verspätung. Na toll, gleich am ersten Arbeitstag zu spät zu kommen. Ich zog den Griff des Koffers heraus, damit ich ihn über den Bahnsteig ziehen konnte.
Kurz durchatmen und los. An der Rolltreppe angekommen, hob ich meinen Koffer wieder an und fuhr langsam nach unten. Das Studio, das mir die Bahnkarte zukommen ließ, hatte auch geschrieben, dass mich jemand vom Bahnhof abholte.
Wie sollte ich diesen jemanden erkennen, oder erkannte der jemand mich? Langsam kam die Unterführung in Sicht, die letzten Stufen der Rolltreppe versanken im Boden. Nun stand ich da, etwas unsicher und schaute mich um.
„Tobias Gerber?“, hörte ich eine Stimme hinter mir.
Ich drehte den Kopf und sah einen jungen Mann vor mir, der einen Zettel in der Hand trug, auf dass er immer wieder schaute.
„Ja, der bin ich“, antwortete und stellte meinen Koffer ab.
„Ah gut, endlich… hallo Tobias. Ich bin Paul… Mädchen für alles!“, meinte der junge Mann und streckte mir seine Hand entgegen.
„Hallo Paul“, begrüßte ich ihn nun auch.
„Du willst sicher noch in die Pension, bevor wir aufs Filmgelände fahren, oder?“
„Du… ich weiß nicht mal wo ich unterkommen werde. Ich hab die Bahnkarte geschickt bekommen und es wurde mir mitgeteilt, dass ich hier abgeholt werde… mehr weiß ich nicht.“
„Das sieht der Grete mal wieder ähnlich.“
„Grete?“, fragte ich.
„Grete ist die Sekretärin vom Chef, schon ein etwas älteres Semester, sie vergisst ab und wann etwas. Okay, dann bring ich dich erstmal in Pension, damit du weiß wo du unterkommst und auch deine Sachen unterbringen kannst.“
Ich nickte ihm zu. Die Vorfreude, die ich im Zug noch empfand, war mit einem Mal verschwunden. Jetzt fühlte ich mich eher unwohl und unsicher. Paul schnappte sich ohne Worte mein Koffer, als wär der Koffer leer.
Auch etwas, was ich an mir auszusetzen hatte. Mein fast zierliche Figur. Ich hatte ja schon einiges probiert, war sogar im Fitnessstudio, aber nichts hatte sich an mir verändert. Aber gerade, weil ich diese zierliche Person war, hatte ich die Rolle des Kais bekommen.
Als ich die Geschichte zum ersten Mal im Internet gelesen hatte, konnte ich dem Kai nachfühlen. Gut, ich hatte keinen Herzfehler, aber vom Aussehen her, unterschieden wir uns nicht. Und als ich das Drehbuch halb verschlungen hatte, war mir meine Rolle sehr sympathisch. Kai war eigentlich wie ich, recht ruhig und zurückhaltend. Meine Gesangsausbildung war für die Rolle hervorragend.
So folgte ich mit meinem Rucksack auf dem Rücken Paul durch den langen Korridor, der sich unter den Gleisen des Bahnhofs entlang zog. Wenig später öffnete sich das Ganze zu einem großen Raum, wo ein reges Treiben herrschte.
„Ich steh direkt vor dem Bahnhof, wir sind gleich beim Wagen“, sagte Paul, drehte dabei kurz den Kopf zu mir und lächelte.
Er verlangsamte sein Tempo, denn er schien zu merken, dass ich mit meinem Gepäck nicht so schnell nachkam.
„Hast du ein Handy?“, fragte Paul.
Ich nickte erst.
„Ähm… ja klar.“
„Gut, dann gebe ich dir nachher meine Nummer, damit du immer anrufen kannst, wenn du Hilfe benötigst.“
„… danke!“
Wir tauschten unsere Handynummer aus.
„Nichts zu danken, dass ist mein Job hier, sagte ja… Mädchen für alles.“
„Okay.“
„Du bist sehr schweigsam… verständlich, man fängt nicht jeden Tag beim Film an. Das erste Mal dabei?“
„Ja… habe bisher nur im Theater gespielt… bei uns in der Stadt.“
„Film ist etwas ganz anderes, aber das wirst du schon noch alles kennen lernen. Die anderen Schauspieler sind ja schon seit zwei Wochen da und haben bereits mit dem Drehen begonnen.“
„Das wusste ich nicht…“
„Ja, die wenigen Szenen in München wurden als erstes gedreht. Mir scheint, du wurdest über vieles nicht informiert, aber das Drehbuch hast aber bekommen, oder?“
„Ja klar, gefällt mir sehr gut.“
„Na, wenigstens etwas. Da vorne, der blaue, dass ist unser Wagen“, meinte Paul und zeigte auf einen Van mit verdunkelten Scheiben.
Dort angekommen öffnete er die seitliche Tür.
„Willst du hinten sitzen, oder bei mir vorne?“, fragte Paul.
„Vorne, wenn es okay ist.“
„Gut! Stell deine Tasche einfach hier zu deinem Koffer und los geht es.“
*-*-*
Die Fahrt war dann doch länger, als ich dachte. Nach dem wir die halbe Stadt durchquert hatten, wurden die Häuser kleiner und ich schloss daraus, das wir uns bereits in einer der zahlreichen Vororten unterwegs waren.
Vor einem kleinen zweistöckigen Häuschen ließ Paul den Wagen ausrollen.
„So da wären wir…“, meinte Paul und zog den Zündschlüssel ab.
Pauls Handy klingelte und so hatte ich Zeit in Ruhe auszusteigen.
„Ja, der ist bei mir. Habe ihn gerade zur Pension gebracht… nein das wusste er nicht… wie denn auch? Grete hat ihn nur mit dem Nötigsten versehen… Auch noch? …gut ich kümmere mich darum und gegen 12 werden wir am Set erscheinen. Bye!“
„Schwierigkeiten?“, fragte ich.
„Nein… keine die ich nicht irgendwie lösen könnte“, sagte Paul und lächelte wieder.
*-*-*
So war ich nun alleine. Ich schaute kurz aus dem Fenster. Hinter der Pension befand sich ein Garten, mit Liegstühlen und Sitzgruppen. Ob hier noch mehr vom Set untergebracht waren? Es war still, anscheinend war ich wirklich alleine.
Ich begann meinen Koffer auszupacken, als mein Handy ging.
„Ja?“
„Hallo Tobias, hier ist Mum.“
„Hallo Mum.“
„Bist du gut angekommen?“
„Ja, ein Paul hat mich vom Bahnhof abgeholt und mich in eine Pension gebracht. Schön ist es hier.“
„Geht es dir gut?“
„Mum, was soll die Frage?“
„Ich kenne deine Stimme, wenn du unsicher bist.“
„Wärst du auch… in meiner Situation, oder?“
„Ja. Du meldest dich aber, wenn etwas ist.“
„Ja Mum, das haben wir doch schon alles durch gekaut.“
„Gut, ich soll dir auch Grüße von deinem Dad sagen.“
„Danke…, liebe Grüße zurück.“
Ich weiß nicht, ob ich mich glaubhaft anhörte. Dad war von Anfang an gegen diesen Job. Ich würde meine komplette Zukunft verbauen, meinte er. Nur der schnöde Mammon ließ ihn zustimmen.
„Melde dich wieder…, ich muss Schluss machen, Oma kommt gleich vorbei.“
„Sag ihr auch liebe Grüße, Mum…bye.“
TUT TUT TUT…
Ich drückte das Gespräch weg. Mum war eigentlich auch nicht begeistert. Doch da hatte sie keinen Zugriff auf mich, konnte mich nicht kontrollieren. Ich war ganz froh, etwas gefunden zu haben, dass ich aus dieser häuslichen Enge heraus kommen konnte.
Eine halbe Stunde später hatte ich meine Sachen in den Schränken verräumt, genau richtig, denn es klopfte an der Tür.
„Ja?“
Die Tür öffnete sich und eine ältere Dame schaute herein. Sie hatte eine dunkelblaue Arbeitsschürze an und darunter eine weiße Bluse. Ihr blondes Haar war gefärbt, denn an den Haarwurzeln, schaute helles grau hervor.
„Hallo, ich bin Trude. Bin die Besitzerin der Pension.
„Hallo Trude, ich bin Tobias…“, sagte ich und gab ihr die Hand.
„Frühstück gibt es hier, den Rest der Mahlzeiten werden am Set eingenommen. Falls du Wäsche hast, da drüben in der Schublade hat es Beutel. Einfach hinein tun und vor die Tür stellen.“
„Danke“, meinte ich.
„Paul hat angerufen, du sollst dich bitte fertig machen, er kommt gleich, dich abzuholen.“
„Ja, danke.“
„Tobias?“
„Ja?“
„Wenn etwas ist, komm ruhig zu mir.“
Ich nickte. Dann ließ mich Trude wieder alleine. Ich schnappte meine Sachen, zog mir die Jacke über und verließ das Zimmer. Ich verschloss die Tür und machte mich auf den Weg nach unten.
Dort angekommen, fuhr gerade Paul vor. Ich verließ das Haus und ging zum Auto.
„Hallo Tobias… und schon etwas eingelebt?“
„Ja, geht…“
Ich schnallte mich an und Paul gab Gas.
„Hier dein Tagesplan für heute, aber ich kann es dir auch so sagen.“
Er reichte mir ein Blatt.
„Um zwölf Uhr, wie gesagt Mittagessen, eine halbe Stunde später, musst du aber schon in der Maske sein und wieder eine Stunde später gibt es den ersten Dreh.“
„Ohne Probe…?“, fragte ich entsetzt.
„Keine Sorge, Manuel kann super erklären, was er im Kasten haben möchte.“
Jetzt war mir doch etwas unwohl. Ich hätte nicht gedacht, dass ich gleich am ersten Tag meines filmischen Lebens einen Dreh hatte. Paul konzentrierte sich auf den Verkehr und eine halbe Stunde später fuhren wir auf das Gelände des Filmstudios.
„So, ich bringe dich jetzt erst einmal in die Kantine und stell dich ein paar Leuten vor, wenn schon jemand da ist.“
Ich nickte. Er steuerte den Wagen zu anderen, die sich auf einem kleinen Parkplatz befanden. Zögerlich stieg ich aus, folgte ihm aber dann, weil er schnellen Schrittes eines der Gebäude betrat.
„Paul, ich brauch das Skript für Freitag noch“, rief eine Frau, die an uns eilig vorbei lief.“
„Kein Problem“, rief Paul ihr nach.
Er schob mich durch eine Tür. Dahinter war die Kantine, die halb gefüllt war.
„Hallo Paul, wenn hast du denn da bei dir?“
Eine Gruppe am Tisch drehte alle ihre Köpfe in meine Richtung.
„Das ist Tobias…, spielt den Kai.“
Der Angesprochene erhob sich. Schwarze, lockige Haare und ein breites Grinsen auf den Lippen.
„Hallo Tobias, ich bin Felix und spiele den Andreas. Darf ich dir unsere kleine Gruppe vorstellen?“
Andreas also und er gab sich, so wie ich ihn mir laut Drehbuch vorgestellt hatte. Mein Blick wanderte zum Tisch und da saßen tatsächlich Zwillinge. Wer wohl mein männlicher Gegenpart sein würde?
„Hallo“, meinte ich und nickte.
„So, dass sind Lukas und Simon“, stellte mir Felix die Zwillinge vor.
„Öhm…, wer ist wer?“, fragte ich verlegen.
Alle lachten.
„Ich bin Lukas“, meinte der eine blonde Zwilling und reichte mir die Hand.
„Dann bist du wohl Simon“, folgerte ich.
„Sieht so aus!“, kam es von Simon grinsend.
„Ich bin Florian, spiele den Raffael.“
„Hallo“, meinte ich und schüttelte ihm die Hand.
„Timo alias Martin…“, kam der nächste.
„Hier setz dich…, ist das dein erster Film?“, meinte Felix.
„Ja…“
„Wie die meisten von uns. Willst du etwas essen?“
„Nein…, danke habe keinen Hunger.“
Am liebsten hätte ich mich in irgendein Mauseloch verkrochen. Die Sache war mir oberpeinlich. Jeder starrte mich an.
„Ihr dreht schon zwei Wochen?“, fragte ich zögerlich um auch etwas gesagt zu haben.
„Ja, wir waren in München, war cool“, erzählte Lukas, „die Erwachsenen sind richtig lustig.“
„Wir haben auch heute unseren ersten Drehtag“, kam es von Florian und zeigte auf Timo.
„Bist du eigentlich wirklich krank?“, fragte plötzlich Simon.
„Nein… ich sehe immer so aus.“
Ein Lacher ging durch die Runde. Ich entkrampfte mich und wurde gelöster. Die Tür zur Kantine ging auf und ich traute meinen Augen nicht, da kamen doch wirklich Katja Riemann und Martina Gedeck herein.
Gut ich wusste vom Drehbuch her, das hier einige Filmgrößen mitspielten, aber jetzt so original direkt vor mir, ich war einfach nur baff.
„Jungs, ihr solltet euch langsam fertig machen, in einer Stunde geht der Dreh los und ihr müsst noch in die Maske“, hörte ich Martina rufen.
„Martina, darf ich dir deinen Filmsohn vorstellen… Tobias, gerade eingetroffen.
Jetzt war es mit meiner frisch gewonnenen Ruhe endgültig aus. Mir wurde kalt und warm gleichzeitig. Martina und auch Katja kamen zu uns an den Tisch.
„Hallo Tobias“, meinte Martina und reichte mir ihre Hand.
„Hallo Frau Gedeck…“, sagte ich unsicher und schüttelte ihre Hand.
„Tobias, hier am Set sagen wir alle DU, ich bin Martina… okay?“
Ich nickte.
„Für mich gilt dasselbe, ich bin Katja.“
Auch sie reichte mir die Hand. Wow ich war total von den Socken. Zwei meiner Lieblingsschauspielerinnen standen in echt vor mir und boten mir das DU an.
„Ich hole mir etwas zu essen“, meinte Katja und ging zum Tresen zurück. Martina folgte ihr.
*-*-*
Ich war mit den anderen in die Maske gegangen. Vom Ausstatter Theo hatte ich feine Klamotten bekommen… Stoffhose, Hemd und Wollpulli und nun saß ich fertig angezogen auf dem Stuhl und wartete, das Conny sich mit meinem Gesicht beschäftigte.
Lukas wurde entlassen und nun war ich an der Reihe. Sie lass kurz in meinem Skript und sah dann mich wieder an.
„Leichter Puder und noch einmal durchkämen und du bist perfekt!“, sagte sie und lächelte mich an.
Die Tür ging auf und Paul kam herein.
„Wie weit seid ihr?“
„Fertig“, meinte Conny und legte ihre Haarbürste zurück.“
„Gut, dann komm Tobias, wir sind etwas spät in der Zeit.“
Ich folgte ihm auf den Flur.
„Wo müssen wir denn hin?“
„An den Bahnhof, wir haben einen ICE für uns.“
„Einen richtigen ICE?“
„Ja, oder wo würdest du die Szene im Abteil drehen.“
„Ach so, ich dachte hier mit Greenscreen oder so.“
„Das verwendet man bei Actionszenen Tobias“, sagte Paul und lachte.
Wir verließen das Gebäude und gingen zum Van. Lukas war bereits eingestiegen, saß vorne bei Paul. Ich nahm hinten Platz, während Paul die Tür schloss, den Wagen umrundete und selbst einstieg.
Er startete den Motor und fuhr recht zügig vom Gelände. Bis zum Bahnhof verging nur eine viertel Stunde. Er bog in die Tiefgarage ein und suchte einen Parkplatz. Endlich gefunden, stiegen wir gemeinsam aus.
Während der ganzen Fahrt hatte sich Lukas nicht einmal zu mir herum gedreht, geschweige denn etwas mit mir gesprochen. Und mit so etwas sollte ich eine Liebesszene drehen. Ich folgte den beiden durch die Bahnhofshalle zu den Gleisen hinauf.
Der Zug stand am gleichen Gleis, wie auf dem ich angekommen war. Es waren zwei Triebköpfe und ein Waggon dazwischen. Gerade noch rechtzeitig schlüpften wir durch die Tür, bevor sie geschlossen wurde.
„Sind alle da?“, hörte ich eine mir bekannte Stimme.
Manuel Bender kam auf mich zu, der Regisseur.
„Hallo Tobias, wir haben uns noch nicht gesehen.“
„Stimmt, aber ich bin auch noch nicht so lange hier.“
Lukas drückte sich an mir vorbei.
„Lukas, du kannst dich gleich ins Abteil setzten.“
Er folgte tonlos Manuels Anweisungen. Es ging recht eng zu, denn auch der Kameramann saß bereits im Abteil und ebenso die Frau für den Ton.
„Du nimmst den Laptop, ziehst die Ohrstöpsel an und wir werden dich zirka eine halbe Minute drehen, bis Tobias ins Abteil kommt und du ihn entdeckst.“
Lukas nickte und nahm den Laptop zu sich.
„Tobias du wartest bis ich dir ein Zeichen gebe.“
Auch ich nickte und war aufgeregt.
„Wir spielen das einmal durch und dann drehen wir! So Ruhe!“
Alles wurde still. Lukas legte den Kopfhörer an und vertiefte sich im Laptop. Dann kam Manuels Zeichen und ich betrat das Abteil. Der Zug war nun in voller Fahrt, denn draußen heizte die Landschaft vorbei.
„Hallo“, sagte ich und natürlich kam keine Reaktion.
Ich stellte meine Tasche ab und ließ mich in den Sitz fallen. Dann schaute ich wieder zu Lukas, dessen Blick gerade zu mir wanderte und er zusammenzuckte. Er riss sich die Stöpsel aus den Ohren.
„Hast du was gesagt?“, fragte er mich.
„Ja Hallo hab ich gesagt.“
„Ähm, hallo.“
„Fährst du auch nach München?“
„Ja, zu meinem Bruder.“
„Ich in die Herzklinik.“
Lukas klappte den Laptop zu und legte ihn neben sich ab.
„Auch jemanden besuchen?“
„Nein, muss zu einer Untersuchung, ich hab einen Herzfehler.“
Er schaute mich durchdringend an.
„Fühlst du dich nicht wohl, oder warum bist du so blass? Übrigens ich heiße Sebastian.“
„Ich bin Kai, nein ich sehe immer so aus, wegen meiner Krankheit.“
„Hört sich schlimm an.“
„Man kann damit leben.“
„Und warum fährst du alleine, wenn ich fragen darf. Deine Eltern nicht dabei.“
„Ach die. Immer unterwegs. Heute London morgen New York, sind nicht so viel zu Hause.“
„Du vermisst sie?“
„Ja sehr, aber ich bin es gewohnt, nur per Telefon mit Ihnen verbunden zu sein.“
„Du kommst auch aus Frankfurt?“
„Ja, aber Frankfurt ist so groß, wäre ein Zufall wenn wir uns über den Weg gelaufen wären. Zudem verlasse ich so wieso das Haus selten, weil ich keine Freunde habe.“
„Gehst du nicht zur Schule?“
„Ich hab einen Privatlehrer, leider.“
„Leider? Fände ich toll.“
„Ist toll, wenn einer nur für einen da ist, aber kennen lernen tust du dadurch niemand, keine
Klassenkameraden oder so.“
„Da hast du wieder Recht, aber jetzt hast du ja jemanden kennen gelernt.“
„Danke. Was hast du eigentlich so interessiert an deinem Laptop gearbeitet,
Hausaufgaben?“
„So zusagen. Ich geh auf die Musikschule und am Ende des Monats muss ich ein
selbstkomponiertes Lied abgeben, als Prüfung.“
„Hört sich wirklich interessant an, kann ich mal rein hören?“
„Sicher.“
Lukas nahm sein Laptop wieder und klappte es auf.
„Und der Text?“
Er reichte mir ein Blatt und plötzlich rief Manuel: „Cut!“
Ich fuhr zusammen. Ich war so in die Rolle vertieft gewesen, dass ich alles um mich herum vergessen hatte.
„Hast du es aufgenommen?“, fragte Manuel den Kameramann, der es nickend bestätigte.
Hatte er nicht gesagt, wir spielen das einmal durch und filmen dann erst?
„So und nun kommt das Lied, Tobias bist du bereit?“
Boah, ich hatte das Lied zwar zu Hause tausendfach probiert, es jetzt einfach so vor allen singen? Ich räusperte mich und musste kurz husten. Paul drückte sich in das Abteil und gab Lukas und mir eine Trinkflasche.
Dankbar sah ich ihn an und trank etwas.
„Du machst das gut“, flüsterte er und nahm uns die Flaschen wieder ab.
„Bereit?“, fragte Manuel noch einmal.
Ich nickte und Lukas ebenfalls.
„Dann weiter im Text… RUHE!“
Wenige Sekunden später begann die Melodie, die ich so oft gehört hatte auf dem Laptop zu spielen. Anfänglich summte ich die Melodie nur mit, so wie im Skript es beschrieben wurde, dann nahm ich allen Mut zusammen und begann zu singen.
Jahre sind vorbei
Schmerzen sind geblieben
ich fühl mich so allein
vermisse deine Liebe
Geh mit mir wenn du willst
Allezeit bis in den Tag
Ich seh dich dort oben
Was ich fühl wenn du weinst
Zeig mir deine wahre Macht
über mich
The love you feel
neverending like you are
my only shinning star
he makes you see
the lonely comes
Eternity
Jahre sind vorbei
und ich schau auf die Sterne
ich sehe wie du weinst
ich hör es aus der Ferne.
Sekundenstill war alles ruhig und plötzlich fing es im Abteil und auf dem Flur an zu klatschen. Sogar Lukas lächelte mich etwas an. Der Kameramann nickte Manuel zu und der schaute zufrieden drein.
„Klasse Tobias! Du hast das so glasklar gesungen, super! Da Manni alles bereits mitgedreht hat und eure Natürlichkeit in der Szene überzeugend ist, werden wir alles was im Kasten ist wahrscheinlich schon nehmen können. Ihr zwei seid ein gutes Team!“
Verlegen schaute ich zu Lukas, der mir zum ersten Mal richtig in die Augen sah, ohne irgendwelche Regieanweisungen.
„Bekommt ihr auch den Rest der Szene so hin?“
„Wir werden es versuchen“, sagte plötzlich Lukas, dass erste was er bisher gesagt hatte.
Wieder gab Manuel Anweisungen und es folgte die Stille.
„Wow, hast du eine geile Stimme“, sagte Lukas begeistert und ich wusste nicht, war es
gespielt oder kam es von Herzen.
„Danke, ich habe ja auch Gesangunterricht.“
„Kein Wunder.. so schön hat sich das Lied noch nie angehört..“
„Das ist ein Duett… oder?“
„Ja. Aus meiner Schule will jemand mit mir singen.
„Und mit wem willst du es dann vortragen, singen?“
„Eigentlich gar nicht, aber ich muss. Am liebsten würde ich nur Klavier.“
„Wieso denn nicht, du hast doch eine sympathische Stimme.“
„Nein, nicht dein Ernst. Ich halte sie als sehr unerträglich.“
„Bist du gut im Klavier spielen?“
„Ja wieso?“
„Also ich gebe dir einwenig Unterricht im Singen und du mir im Klavierspielen, okay?“
„Wenn du meine Piepstimme ertragen willst, gerne.“
„Gut wenn ich wieder in Frankfurt zurück bin, fangen wir damit an.“
„Und wann wäre das?“
„Ich muss über Nacht in der Klinik bleiben, Moment auf meinem Ticket steht, wann ich
zurückfahre.“
Ich nahm meine Tasche vom Boden und suchte das Ticket. Ich wurde nervös, weil ich es nicht gleich fand. Dann schaute es plötzlich aus einem Fach heraus. Lukas hatte seines auch heraus gezogen.
„He, wir fahren mit dem gleichen Zug zurück, dann können wir wieder zusammen fahren“,
meinte Lukas und sah mich dabei lächelnd an.
Ich wusste wieder nicht, ob es gespielt war oder echt, aber das gefiel mir, was ich da gerade sah, die Augen funkelten so herrlich.
„Machen wir weiter?“, unterbrach Lukas meine Gedanken und legte seine Tasche wieder neben sich.
Ich nahm den Laptop an mich.
„Was ist das?“, und zeigte auf den Monitor.
Lukas schaute auf.
„Das sind nur Gedanken, die ab und zu aufschreibe… nichts Wichtiges.“
„Darf ich mal reinschauen?“
„Meinetwegen.“
Ich tat so, als würde ich auf dem Monitor etwas lesen. Aus dem Blickwinkel heraus sah ich, wie Manuel mir ein Zeichen gab. So sagte ich den Text auf, wie er im Skript stand.
jede Trennung tut weh
ein Abschnitt des Lebens geht zu Ende
man denk alles bricht zusammen
der Schmerz zu groß
weil die Erinnerung zu frisch
jeden Tag neu
das Neue man noch nicht sieht
oder es nicht sehen will
weil unbekannt und eben neu
nur sehr langsam es geht
viele den Anfang nicht sehen
und es doch ein Anfang ist
viele neue Dinge kommen
helfen den Schmerz zu bändigen
bis er irgendwann langsam
in den Teil der Erinnerung übergeht
und man es ablegt
wie einen Mantel nach dem Regen
und nur noch selten daran denkt
was früher war
aber bis zu dieser zeit
den Schmerz ertragen muss
mit der Gewissheit
es geht vorbei
es kommt was neues…
© by Pit
Ich lehnte mich zurück und schaute zum Fenster. Wie oft hatte ich diesen Text geübt und erst jetzt brachte er Gedanken zum Vorschein, die ich verdrängt hatte, genauso wie die Geschichte, die ich gerade spielte.
„Was ist?“, sagte Lukas und schloss den Text auf seinem Laptop.
„Dein Text hat mich an was erinnert, was ich schon lange verdrängt hatte.“
„Nicht abgelegt?“
„Na ja auch abgelegt, kann man schon sagen.“
„Schmerzhaft?“
„Ja sehr.“
„Möchtest du darüber reden?“
„Ich weiß nicht.“
„Ich bin ein guter Zuhörer.“
„Habe ich mittlerweile gemerkt. Aber ich weiß nicht ob ich soweit bin, darüber zu reden.“
„Du musst nicht Kai, ich will nicht, dass du etwas tust, was du nicht möchtest.“
„Würde dir das schon gerne erzählen, Sebastian, aber ich weiß dann nicht wie du reagierst.“
„Wir wäre es, wenn du es mal drauf ankommen lässt?“
„Meinst du?“
„Versuch es einfach.“
Ich schaute wieder zum Fenster hinaus und begann zu erzählen.
„Es war vor zwei Jahren, als ich Markus kennen lernte. Er war wie ich in der Herzklinik in München. Nur mit dem Unterschied ich war Privatpatient und seine Operation hatten irgendeine Organisation übernommen, die minderbemittelten Familien, die Kosten für so aufwendige Operationen übernahmen.“
Lukas saß nur da und schaute mich an.
„Am Anfang wusste ich nicht ob er nur von meinem Reichtum fasziniert war, oder wirklich nur als Freund meine Nähe suchte, so war ich im Denken schon von meinen Eltern eingenommen. Aber schnell wurde mir klar, dass da noch mehr zwischen uns war. Ich fühlte mich wohl in seiner Gegenwart, nicht mehr einsam wie die vielen Wochen zuvor im Krankenhaus oder zu Hause. Wenn ich ihn mal eine Stunde nicht zu Gesicht bekam, vermisste ich ihn schrecklich. Während der Nacht lag ich oft wach und wünschte mir, er wäre jetzt bei mir. Bis wir uns eines Tages näher kamen und er mir einfach einen Kuss gab.Total verwirrt machte ich den größten Fehler, den man begehen konnte, ich schmiss ihn aus meinem Zimmer.“
Ich sollte diese Rolle, den Text traurig spielen und ich brachte es wirklich fertig, dass Tränen über meine Wangen rollten.
„Am nächsten Tag, versuchte ich mich zu entschuldigen.“
„Und?“, kam es von Lukas.
„Er war nicht mehr da, er war verlegt worden. Jemand vom Personal der Klinik hatte unseren Kuss beobachtet und es meinen Eltern gemeldet. Sie sorgten dafür, dass Markus in ein anderes Krankenhaus verlegt worden war, wie ich später von einer Schwester erfahren hatte.“
„Du hast nie wieder was von ihm gehört?“
„Nein ich traute mich nicht Kontakt aufzunehmen, wegen meiner Eltern.“
„Aber die sind doch eh nie da?“
„Jetzt ja, früher war das nicht so..“
„Hast du noch seine Adresse?“
„Irgendwo in meinem Geldbeutel ist ein Bild mit Adresse.“
Ich stand auf und holte meine Brieftasche hervor. Ich fragte mich, ob die Hunderter echt waren im Geldfach, fand aber schließlich ein verknittertes Bild und zog es heraus.
„Das ist Markus? Der sieht verdammt gut aus!“
„Dir macht es also nichts aus, dass ich mich in einen Jungen verliebt habe?“
Hatte ich die Frage gestellt oder meine Rolle?
„Wieso sollte es das? Jungen oder Mädchen ist doch egal“, beantwortete Lukas die Frage,
wie es im Skript stand.
Eine kleine Pause entstand, dann redete ich weiter.
„Kenne genug Leute die darauf allergisch reagieren“, sagte ich dann.
„Ich weiß, habe ich auch schon mitgekriegt.“
„Hast du selbst schwule Bekannte?“
„Nicht direkt, einer hat sich gerade geoutet bei mir, mein Klassenkamerad Raffael.“
„Und wie hast du reagiert, du kennst ihn doch schon länger nehme ich an.“
„Überrascht, weil ich es nicht bemerkt hatte.“
„Wieso solltest du denn es merken?“
Lukas griff nach meiner Hand. Sie fühlte sich warm und weich an.
„Lieber Kai, … ich bin selber schwul und normalerweise merkt man als Schwuler so etwas, wenn man jemanden gleichgesinnten gegenüber hat. Na ja wenn man ihn länger kennt mein ich.“
„Du bist auch schwul?“, sagte ich mit gespielt fassungsloser Stimme.
„Ja, mit jeder Faser meines Körpers.“
„Einen Freund?“
„Leider nicht und ich hatte auch noch nie einen.“
„So super wie du aussiehst und noch keinen Freund?“
„Nein“, sagte Lukas und schüttelte den Kopf.
Ich wusste zwar, dass dies alles Text war, aber es kam mir plötzlich alles so realistisch vor.
„Hast du es auf mich abgesehen?“, sprach ich weiter und lächelte.
„Warum nicht, so etwas Liebes sollte man sich nicht durch die Finger gehen lassen.“
Lukas Blicke ließen mich erröten.
„Ähm.. meinst du das jetzt echt.., oder willst du mich verschaukeln?“
„Wie schätzt du mich denn ein?“
„Der ICE Graf Hindenburg läuft mit fünfminütiger Verspätung gleich im Hauptbahnhof München ein“, dröhnte es aus dem Lautsprecher.
„Diese Antwort bleib ich dir jetzt schuldig. Hier meine Handynummer, wir sehen uns
morgen Abend hier im Zug, okay?“
„Cut“, rief Manuel, „Jungs, das war super! Wenn ihr so weiter macht und alle so toll spielen, wird der Film früher fertig. So Leute zusammen räumen, für heute sind wir fertig!“
*-*-*
Etwas geschlaucht ließ ich mich auf mein Bett fallen. Lukas war nach dem Dreh nicht mehr aufzufinden. So fuhr ich mit Paul alleine nach Hause. Nach Hause. Im Augenblick hatte ich das nicht, auch vorher schon nicht mehr.
Seit dem Outing bei meinen Eltern lief nichts mehr in geregelten Bahnen. Meine Eltern misstrauten mir, kontrollierten mich ständig. Irgendwer hatte ihnen über Schwule ein Floh ins Ohr gesetzt.
Seitdem war ich angeblich süchtig, würde Drogen nehmen, mich betrinken und rauchen. Nicht eins davon machte mich. Die ständigen Besuche beim Doc, mein Blut testen zu lassen, waren schon peinlich.
Noch zwei Monate und ich wurde achtzehn. Mit dem Geld, dass ich für diesen Film bekam, würde ich versuchen irgendwo anders mir etwas aufzubauen. Nur weg von den Eltern. Es klopfte.
Etwas genervt stand ich auf und ging an die Tür. Felix stand davor.
„Sorry ,die Störung. Paul hatte vergessen dir das Skript für morgen zu geben.“
„Danke“, meinte ich und nahm den Hefter entgegen.
„Hast du heute Abend noch etwas vor?“
„Nein, aber ich werde früh zu Bett gehen. Der Tag war heftig. Erst die Anreise, dann noch der Dreh… war etwas viel.“
„Ich glaube du solltest wirklich mehr Sport treiben, deine Kondition aufbauen.“
„Kommt noch… du vergisst, dass ich später kräftiger aussehen muss im Film.“
„Stimmt, ich freu mich drauf.“
„Auf was?“
„Auf den Dreh in Amerika.“
Ich nickte. Spielpartner Andreas verabschiedete sich und ich schloss die Tür. Amerika. Als mir der Produzent das erzählte, das wir vier Wochen in Amerika drehten, freute ich mich riesig. Doch mittlerweile war die Freude verflogen.
Was würde sein, wenn die vier Wochen vorbei waren und ich wieder nach Deutschland zurück musste. Im Augenblick hatte ich keinen Plan, was auch nicht sonderlich für eine Besserung meiner Laune beitrug.
Alles war nur Bruchstückhaft durchdacht, nichts richtig entschlossen. Ich ließ mich wieder auf das Bett fallen. Morgen war die Krankenhausszene dran, wo ich Lukas alias Sebastian meine Liebe gestehen sollte.
Den Text konnte ich in und auswendig, das machte mir auch keine Sorgen. Es war Lukas, über den ich mir Gedanken machte. Während dem Dreh schien alles so echt, sogar seine Augen sagten dass, was er spielte. Ja spielte… er spielte es einfach nur sehr gut.
Ich wusste nicht, was mich geritten hatte, mir vorzustellen, wie in dieser Geschichte hier jemanden kennen zulernen und mich auch eventuell in ihn zu verlieben. Ich war eben ein Träumer, wie es mir meine Mutter immer vorwarf.
Doch die Traumwelt hatte auch etwas Gutes für sich. Ab und zu konnte ich in sie entfliehen und alles was um mich herum geschah vergessen. Doch den Schritt zurück in die Realität wurde immer heftiger.
Ich dachte an die leuchtenden Augen von Lukas und schlief irgendwann ein.
*-*-*
Ich wusste nicht wie viel Uhr es war. Etwas hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich suchte meine Armbanduhr und fand sie auf dem kleinen Tischchen neben dem Bett wieder. Kurz nach zwei Uhr.
Ich lag noch in voller Montur auf dem Bett. Ich lauschte ins Dunkle, aber nichts war zu hören. So stand ich auf und fing an mich auszuziehen. Nur noch in Shorts schlich ich mich kurz auf den Flur um in das Bad zu kommen.
„Hör auf mit den Mist“, hörte ich es plötzlich aus dem Nebenzimmer.
„Was interessiert dich das, dir geht es gut, du bist der Star zu Hause.“
Das hörte sich nach Simon und Lukas an. Wer aber sprach, wusste ich nicht, da ihre Stimmen auch gleich klangen.
„Rede doch nicht so ein Blödsinn.“
„Mum hat dich immer bevorzugt, du bist ihr ein und alles.“
„Lukas, du redest gequirlte Scheiße! Niemand von uns ist je bevorzug worden.“
Mir wurde langsam kalt auf dem Flur. Nur in Shorts konnte ich hier nicht länger stehen bleiben. Auch wenn mich es mich brennend interessierte, was die beiden zu bereden hatte, konnte ich hier nicht stehen bleiben, zudem drückte meine Blase.
Ich tapste leise auf zehenspitzen weiter auf die Toilette. Wenige Minuten später, als ich die Spülung drückte, kam es mir plötzlich unheimlich laut vor. Ich hoffte, ich hatte niemanden geweckt.
Nach dem ich mir die Hände gewaschen hatte, schlich ich zurück ins Zimmer. Aus dem Zimmer von Lukas und Simon drang kein Laut mehr. Als ich gerade meine Tür öffnen wollte, die gegenüber lag, wurde die Tür der beiden aufgerissen.
Wenn ich vor mir hatte wusste ich nicht, dazu kannte ich die beiden zu wenig. In der schwachen Flurbeleuchtung sah ich aber, dass mein Gegenüber geweint haben musste.
„Lukas?“, flüsterte ich leise.
Er schloss die Tür und lief an mir vorbei. Ich sah ihm nach, bis er auf der Treppe nach unten verschwand. Eine Gänsehaut überlief meinen Körper und mir blieb nichts anderes übrig, als wieder in mein Zimmer zu gehen.
Ich lief zum Stuhl und zog mir wieder mein Tshirt über. Danach ging ich zum Fenster und schaute hinaus. Schemenhaft sah ich eine Gestalt unten sitzen, die rauchte. Lukas rauchte? Wenn es überhaupt Lukas war, ich bekam auf meine Frage keine Antwort.
Die Überlegungen, wen ich jetzt vor mir hatte, verwirrten mich total und an Schlafen war vorerst nicht zu denken. Ich setzte mich aufs Bett, schlug die Decke über meine nackten Füße und nahm das Skript für morgen in die Hand.
Aber selbst auf den Text konnte ich mich nicht konzentrieren. Ich fuhr zusammen, denn es klopfte an meiner Tür. Ich legte das Skript zur Seite und ging die Tür öffnen.
„Hi…“, meinte mein gegenüber.
Da ich vermutete, dass es sich um Lukas handelte, weil logischerweise er nur geweint haben konnte, nach dem ich ein Teil des Gespräches mitbekommen hatte, wunderte ich mich jetzt schon, dass er bei mir klopfte.
„Sorry…, war eine blöde Idee bei dir zu klopfen.
Mein Zögern hatte ihn falsch schlussfolgern lassen.
„Nein… komm rein…“
Er atmete tief durch.
„Hättest du etwas dagegen, wenn ich heute Nacht bei dir schlafe?“
Die Frage kam jetzt überraschend, aber da mir schon wieder kalt wurde, nickte ich. Er trat in mein Zimmer und ich schloss die Tür. Wortlos kickte er die Schuhe von den Füßen, zog sein Shirt aus und machte es sich auf der zweiten Betthälfte bequem.
Ich stand immer noch an der Tür und schaute ihm dabei zu. Sein muskulöser Oberkörper ließ mich schlucken. Gegen mich der blasse dünne Typ, war der der Muskelberg. Ich fing wieder an zu zittern, so beschloss ich ebenfalls ins Bett zu gehen.
Zögerlich nahm ich ebenso mein Tshirt ab und kuschelte mich anschließend in meine Decke. Ich griff nach der Lampe und löschte das Licht.
„Gute Nacht“, sagte ich leise.
„Gute Nacht“, kam es weinerlich zurück.
Ich starrte in die Dunkelheiten und atmete tief durch.
„… willst du reden?“
Ein Schluchzen bekam ich zur Antwort. Zaghaft und zitternd tastete ich mich mit meiner Hand Richtung Lukas. Ich wusste nicht, ob ich das überhaupt wollte, was ich im Begriff war zu machen.
Ich berührte seine Schulter und er zuckte zusammen.
„… mach das nicht…bitte…“, hörte ich ihn leise wimmern.
Ich rutschte etwas zu ihm hinüber, bis ich dicht hinter ihm lag.
„Was soll ich nicht machen?“, flüsterte ich.
Lukas atmete tief durch und drehte sich auf den Rücken. Seine Augen klitzerten im schwachen Schein der Straßenlampe, der durch das Fenster fiel.
„Weißt du, warum ich die Rolle für den Sebastian bekommen habe…?“
„Ähm… ihr seid Zwillinge…, ich dachte deswegen.“
„Ja schon… aber warum ich den Part von Sebastian bekommen habe…?“
„Nein…, weiß ich nicht…“
„Weil ich die dreckige Schwu…“
Weiter ließ ich ihn nicht reden, ich legte meine Hand auf seinen Mund.
„Tu das nicht Lukas…“, flüsterte ich.
Ihm kullerten Tränen über die Wangen. Er war schwul und hasste sich dafür? Tausend Gedanken auf einmal durchströmten meinen Kopf auf einmal. Aber ich versuchte einen klaren Kopf zu bewahren.
Das war nicht die Traumwelt, die ich so liebte, es war die Realität und ich hatte eine süßen Typen neben mir liegen, der wie ich schwul war, aber starke Probleme damit hatte.
„Ich finde es nicht… schlimm, wenn du schwul bist“, sagte ich leise.
Seine Augen wanderten in meine Richtung und sahen mich lange an. Er nahm meine Hand von seinem Mund.
„Ich ekle dich nicht an?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Warum solltest du mich anekeln… du bist normal wie ich.“
Lukas stieß Luft aus.
„Was ist normal?“
„Kann ich dir nicht sagen… Lukas… Ich weiß nur eins, wir sollten jetzt versuchen zu schlafen, damit wir fit sind, für den Dreh…“
„Du hast Recht… und dich stört es wirklich nicht, dass ich schwul bin?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Hast du auch nichts dagegen, wenn ich mich etwas an dich kuschle?“
Ich musste lächeln.
„Nein…“
„Warum grinst du jetzt?“, fragte Lukas irritiert.
Ich atmete tief durch.
„Ist etwas komisch… oder?“
„Dass ich dich das bitte?“
„Nein, nicht das. Ich sehe nur dich und mich… Ich der Schwächling, du der starke Typ und du kriechst bei mir unter…“
„Komm, so schwach siehst du doch gar nicht aus“, meinte Lukas.
Ich hob meine Augenbraun und sank in mein Kissen. Lukas rückte näher zu mir und ich legte meinen Arm über seine Brust. Es fühlte sich gut an. Plötzlich spürte ich seine Hand, wie er sich auf meinen Arm ablegte.
„Gute Nacht…“, flüsterte er.
„Gute Nacht.“
*-*-*
„Aufstehen… Frühstück!“, brüllte jemand auf dem Flur herum.
Verschlafen öffnete ich meine Augen. Ich sah eine Hand, die unter meinem Kopf hervorschaute. Im Nacken spürte ich heißen Atem. Lukas lag direkt hinter mir, sein Gesicht an mir vergraben.
Sein Arm lag um meinen Bauch, als würde er mich festhalten. Sein Atem wurde unregelmäßig, anscheinend schien er auch auf zu wachen. Wenn es sich so anfühlte, morgens neben jemanden aufzuwachen, wollte ich das nicht mehr missen.
Aber das hatte nicht ich zu entscheiden und da war ja auch noch, dass Lukas nichts über mich wusste.
„Morgen…“, brummte es hinter mir.
Lukas zog seine Hand unter mir heraus und auch der Arm auf meinem Bauch verschwand. Schade.
„Morgen“, sagte ich und drehte mich herum.
Sein blondes Haar lag wirr im Gesicht. Ich fand es irgendwie süß, aber traute mich auch nicht es auf die Seite zu Streifen.
„Es gibt Frühstück…“, flüsterte ich.
Er öffnete die Augen und sah mich an. Am liebsten hätte ich mich jetzt weiter vorgebeugt und ihm einen Kuss gegeben. Mein Bauch fing heftig an zu kribbeln.
„Danke…“
Ich schüttelte den Kopf. Er sah mich fragend an.
„Nicht dafür“, meinte ich und stand auf.
Er tat dasselbe, zog sich sein Shirt über und sammelte seine Schuhe ein.
„Bis gleich“, meinte er und verließ mein Zimmer.
Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Ich war im Begriff, mich zu verlieben. Hatte es aber einen Sinn? Ich kannte Lukas nicht einmal richtig und wurde zudem in keiner Weise schlau aus ihm.
Ich zog mich an und schnappte mir meine Sachen für das Bad. Duschen könnte ich noch nach dem Dreh.
*-*-*
Diesmal war da Auto voll. Neben Lukas und Simon waren auch Florian und Timo mitgefahren. Es herrschte Schweigen, keiner sagte einen Ton. Schon beim Frühstück merkte ich, dass etwas nicht stimmte.
Lukas und Simon schaute sich nicht an, schauten beide recht böse drein. Ich war froh, als Paul auf das Filmgelände bog. Schnell waren alle ausgestiegen. Ich lief direkt zur Maske, sollte doch in einer Stunde der Dreh beginnen.
Theo hatte schon eins dieser Krankenhaushemdchen bereit gelegt, dass ich anziehen sollte.
„Ich glaube, heute muss ich dich noch etwas blasser machen“, meinte Conny.
„Noch blasser? Dann bin ich weiß…“
Conny kicherte. Sie trug etwas Puder auf und verteilte es mit einem großen Pinsel.
„Hallo Tobias“, hörte ich Theo rufen.
Ich hob die Hand zum Gruß, denn reden konnte ich gerade nicht.
„Du ziehst nachher nur dein Shirt aus und das Hemd dann an. Die Hose kannst du anlassen, du bist ja während der Szene zugedeckt.“
Ich winkte noch mal mit der Hand, als Zeichen dass ich es verstanden hatte.
„So, du kannst den Mund wieder öffnen… fertig“, hörte ich Conny sagen.
Ich öffnete nicht nur den Mund sondern auch die Augen und sah direkt in den Spiegel. Ich erschrak ein wenig, wie blass man mit Schminke doch werden konnte.
„Ich sehe fürchterlich aus“, merkte ich an.
„Dann ist es genau richtig. Ich helfe dir beim umziehen, okay?“
Ich nickte. Vorsichtig zog ich mein Shirt über das Gesicht, ohne es zu berühren. Conny reichte mir das Hemd, in dessen Arme ich schlüpfte. Sie umrundete mich und begann hinten die Bändchen zusammen zubinden.
„So, dass sollte reichen. Paul wird sicher gleich kommen und dich abholen.“
Ich setzte mich wieder auf meinen Stuhl und wartete. Mein Blick fiel wieder auf den Spiegel. Ich sah jetzt wirklich richtig krank aus.
„Bist du fertig?“, riss Paul mich aus den Gedanken.
„Ja.“
„Dann komm“, meinte er und machte eine einladende Bewegung.
Ich folgte ihm durch einige Korridore bis wir eine größere Halle erreichten. Hier waren die verschiedenen Zimmer aufgebaut, wie ich erkannte. Paul führte mich in eines davon, das einem Krankenzimmer täuschend echt nachempfunden war.
„Morgen“, hörte ich Manuel ohne ihn zu sehen.
„Können wir?“, fragte er weiter, als er endlich in meinen Sichtbereich kam.
„Morgen“, sagte ich.
Manuel betrachte mich kritisch, fing aber dann an zu lächeln.
„Das passt hervorragend Tobias…, aber ins Bett mit dir. Könnte mal jemand die Schläuche und das Zeugs an Tobias anschließen?“
Ich kletterte ins Bett und deckte mich bis ungefähr zur Brust zu. Ein Mann und eine Frau kamen und schlossen alle möglich Kabel an mir an und Schläuche. Ich war froh, dass dies nicht real war, denn ich konnte Spritzen nicht leiden.
Als die beiden fertig waren, wurden noch die Maschinen um mich herum in Betrieb genommen. Die Scheinwerfer gingen an und schränkten mein Sichtfeld stark ein. Lediglich die Schuhe der Leute konnte ich sehen. Sonst blendete mich das Licht.
„Ist etwas?“, hörte ich plötzlich Pauls Stimme neben mir.
„Ich sehe nur noch Sternchen, das Licht ist so stark.“
„Manuel“, rief Paul plötzlich neben mir.
„Was Paul?“
„Tobias sieht nichts mehr, einer der Scheinwerfer muss ich anscheinend genau anstrahlen.“
„Muss ich mich denn um alles selber kümmern?“
Manuel war laut geworden und sein Ton gefiel mir auch nicht.
„Scheinwerfer vier etwas nach links“, war sein nächstes Kommando.
Plötzlich wurde es besser. Die Sternchen waren zwar noch da, aber das Licht nicht mehr so stark.
„Besser?“, hörte ich Pauls leise Stimme.
Ich nickte.
„Ah, die zwei Herren kommen auch endlich, können wir dann endlich anfangen?“
Manuel schien heute nicht gut drauf zu sein.
„Also, ihr haltet euch jetzt einfach genau an das Skript und keine Überraschungen bitte, davon hatte ich heute Morgen schon genug!“, rief Manuel.
Meine Sicht wurde besser und ich konnte Simon und Lukas erkennen, wie sie gerade hinter der Trennwand verschwand. Paul kam mit einer Filmklappe zu mir.
„Krankenhauszimmer die erste“, rief er, knallte das Ding zusammen und verschwand wieder.
Die Tür ging auf und eine Schwester betrat das Zimmer, dicht gefolgt von Lukas und Simon. Doch bevor Lukas mit seinem Text beginnen konnte, meldete sich Manuel zu Wort.
„Halt…! Jungs, dass ist doch kein Trauermarsch! Lukas du besuchst einen Freund, dann benehme dich auch so.“
Du lieber Himmel, wie war der denn drauf, das wurde ja immer schlimmer.
„Alles zurück auf Ausgangposition!“, rief Manuel und die drei verließen das Zimmer durch die Tür, durch die sie gekommen waren.
Paul kam wieder.
Krankenhauszimmer, die Zweite!“
Und wieder ließ mich der Knall etwas zusammenzucken. Wieder ging die Tür auf und die Szene von eben wiederholte sich.
„Hallo Kai“, sagte Lukas mit einem Lächeln.
„Hallo Sebastian.. ähm Phillip, wer ist jetzt wer, man, euch kann man ja wirklich nicht
auseinander halten.“
Lukas umrundete mein Bett, beugte sich zu mir herunter und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Halt!“
Wieder Manuels Stimme. Ich seufzte und sah, dass Lukas Blick traurig wurde.
„Lukas, was ist mit dir los? Gestern habt ihr so prima zusammen agiert und jetzt? Du gibst Tobias eine Kuss, als hätte er eine schlimme ansteckende Krankheit!“
Was labert der da für eine Scheiße, ich fand es angenehm, wie Lukas den Kuss auf dien Wange hauchte.
„Die ganze Szene noch einmal und Ruhe am Set“, brüllte Manuel.
Das gleiche Spiel noch einmal von vorne.
„Krankenhauszimmer, die dritte“, rief Paul.
Die Zimmertür ging wieder auf, die zwei kamen herein.
„Hallo Kai“, sagte Lukas mit einem Lächeln, das nicht echt war.
„Hallo Sebastian.. ähm Phillip, wer ist jetzt wer, man, euch kann man ja wirklich nicht
auseinander halten.“
Lukas umrundete wieder mein Bett, beugte sich zu mir herunter und gab mir einen weiteren Kuss auf die Wange.
„Du bist Sebastian!“
„Bist du dir sicher!“
„Ja du riechst nach Sebastian, also musst du Sebastian sein.“
Simon trat von hinten an Lukas und schnupperte an ihm, was bei mir automatisch ein Grinsen erzeugte.
„Warum sollte ich eigentlich kommen?“, führte Lukas seinen Text weiter.
„Ich kann morgen Abend leider nicht mit euch zurück fahren, sie wollen mich bis
Sonntag hier behalten. Und ich wollt“, fing ich an zu stottern, „ …dich halt noch mal
sehen vorher… bevor du abreist.“
„Hat das einen bestimmten Grund?“
Lukas schaute mich etwas komisch an und ich wurde rot.
„Soll ich hinaus gehen?“, fragte Simon, wie es im Text vorgeschrieben war.
„Nein Phillip musst du nicht, du bekommst ja es sowieso mit…, ich glaub ich hab mich in deinen Bruder verknallt.“
„Cut!“, schrie Manuel wieder, „warum nicht gleich so? Simon und Lukas sollen sich gleich fertig machen für die Szene im Abteil.“
Und schon war Manuel verschwunden. Lukas sah mich kurz an und folgte seinem Bruder nach draußen.
Die Frau und der Mann kamen wieder und befreiten mich von den Apparaten. Paul kam auch hinzu.
„Du Tobias, ich muss die beiden an den Bahnhof bringen, findest du selbst in die Maske zurück?“
„Ja, kein Problem“, antwortete ich, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob das stimmte.
„Danke Tobias!“
Paul verschwand und ich stand auf. Die Lichter gingen aus und die Kameras wurden weggefahren. Ich versuchte mich zu erinnern, welchen Weg ich mit Paul gelaufen war.
„Suchst du etwas?“, fragte mich plötzlich ein Mann.
„Öhm ja… wie komme ich zur Maske.
Der Mann lächelte mich an.
„Drei Korridore weiter und dann links.“
„Danke.“
Ich lief also den beschriebenen Weg und fand tatsächlich die Maske und auch Conny.
„Hallo Conny, kannst du mich von diesem Leichenhemd befreien?“
„Aber sicher doch.“
Sie band hinten alles los und ich konnte mich befreien. Ich schaute mich um verwundert um.
„Wo sind die Klamotten für den nächsten Dreh?“, fragte ich irritiert.
„Der wurde auf heute Mittag verschoben, du hast also Pause“, antwortete Conny.
„Und was mache ich so lange?“
„Setz dich in die Cafeteria, wie es die anderen auch tun, wenn sie warten.“
„Aha…“
„Komm, ich mach dir noch den Puder weg, sonst ruft mir noch jemand den Krankenwagen, weil er denkt, dir geht es nicht gut.“
Ich musste lächeln.
*-*-*
Der Mittagsdreh zog sich in die Länge, ständig hatte Manuel etwas aussetzten, dass ich bald nicht mehr wusste, wie ich meine Rolle zu spielen hatte. Ich wusste auch nicht, wie oft wir die Szene durchspielten.
„Noch einmal!“, rief Manuel und verschwand hinter seinem Tisch.
Den Schauspieler, der den Christian und Butler der Familie spielte kannte ich nicht. Er stellte sich mir gegenüber und ich nahm wieder meinen Koffer auf.
„Bahnsteig, die 54.“
Ich holte Luft
„Christian was soll das? Ich werde schon abgeholt“, sagte ich im ärgerlichen Ton, was nun bei der Fülle der Drehs mittlerweile echt war..
„Ihre Eltern haben mir die Anweisung gegeben, sie umgehend nach Hause zu bringen.“
„Ich will aber nicht.“
„Bitte machen sie mir keinen Ärger, sie wissen wie ihre Eltern sind.“
„Ja weiß ich zu genüge. Und was wird aus meinem Freund Sebastian, der steht nämlich bereits hinter ihnen.“
Der Schauspieler drehte sich kurz zu Lukas.
„Der junge Mann sollte wenn es geht einen weiten Bogen um sie machen, ihre Eltern
werden sonst die nötigen Schritte gegen ihn ein leiten.“
„Christian, was soll die Scheiße, darf ich kein Privatleben haben?“
„Ich habe nur meine Anweisungen, die ich zu befolgen habe.“
Er nahm meinen Koffer, packte mich am Arm und zog mich von Lukas fort. Ich drehte meinen Kopf und sah, wie Lukas in die Knie ging.
„Kai… Kai … komm zurück… ich liebe dich…“
„Cut! Die Szene ist gestorben! Wir drehen Morgen weiter.“
Manuel verschwand recht schnell, während die anderen anfingen zusammen zuräumen. Ich ging zu Lukas und half ihm auf.
„Was ist mit dem heute los?“, fragte ich.
„Ich weiß es nicht“, blaffte Lukas mich an und wischte sich die Tränen aus den Augen.
Er sah mich noch mal kurz an und ging dann einfach. Was war das jetzt? Mir ging diese Kaltschnäuzigkeit langsam auf die Nerven.
„Lukas?“, rief ich, aber er reagierte nicht.
*-*-*
Das Abendessen hatte ich in der Pension auf dem Zimmer eingenommen. Man war so freundlich mir etwas einzupacken. Am nächsten Tag stand der nächste Dreh erst am Mittag an, so beschloss ich am Morgen etwas auf Erkundungstour zu gehen.
Außer den Weg zum Studio, oder zum Bahnhof hatte ich noch nichts anderes gesehen. Andreas hatte mir erzählt, dass es möglich wäre über Wlan ins Internet zu kommen, er hatte mir sogar das Passwort gegeben.
Ich fuhr mein Laptop hoch und freute mich zu sehen, das ein Netz vorhanden war. Ich gab das Passwort ein und schon war ich drin. Ich rief die Emails ab, aber es hätte mich schwer gewundert, wenn mir jemand geschrieben hätte, wer denn auch?
Ich surfte eine Weile und vergaß die Zeit dabei. Erst ein klopfen ließ mich aufsehen. Er war kurz vor zwölf. Ich legte mein Laptop zur Seite und ging zur Tür. Davor stand wieder Lukas.
„Öhm… kann ich wieder bei dir schlafen?“
Eigentlich war ich ja sauer auf ihn, weil er mich sonst links liegen ließ, aber diese Augen…, ich konnte einfach nicht nein sagen. Ich schob meine Tür weiter auf und ließ ihn eintreten, bevor ich sie wieder verschloss.
„Danke…“
Ich nickte und ging wieder zum meinem Bett zurück. Ich wollte noch den Laptop herunter fahren, weil ich keine Lust hatte, weiter im Internet zu surfen, wenn Lukas daneben war.
„Deins?“
Wieder nickte ich und packte es in die Tasche zurück. Lukas kickte wieder seine Schuhe in die Ecke, zog das Shirt aus und legte sich auf seine Seite. Fehlte nur noch, dass jemand kam und „Bettszene die Zweite rief“.
Grinsend zog ich mich ebenfalls aus und legte mich auf meine Bettseite. Kaum lag ich zugedeckt im Bett und hatte das Licht ausgemacht, schob sich Lukas heran, nahm mich in den Arm und wenige Minuten später schlief er friedlich.
Ich dagegen war hell wach. Sollte das jetzt die ganze Zeit so gehen? Ich wusste nicht weiter. Machte es einen Unterschied, wenn ich ihm sagte, dass ich genauso empfand wie er, nur dass ich keine Schwierigkeiten damit hatte wie er.
„Warum schläfst du nicht?“, brummte er plötzlich neben mir.
„Weil ich nicht schlafen kann.“
„Wegen mir.“
„Ja und nein…“
„Hä?“, fragte er und hob den Kopf an.
„Wäre es ein Unterschied für dich, wenn ich auch schwul wäre?“
„Nein… und jetzt schlaf.“
„Lukas?“
„Ja?“
„Ich bin auch schwul.“
„Okay…“
War das jetzt wirklich so einfach?
„WAS?“, fuhr Lukas hoch.
Lukas fuhr so schnell hoch, dass er viel zu weit nach hinten kam, mit der Folge, dass er aus dem Bett flog. Ich konnte nicht anders und musste kichern.
„Du verarscht mich jetzt, oder?“
Ich schüttelte den Kopf. Es klopfte an meiner Tür. Ich schlug die Decke zurück, ging an die Tür und öffnete sie einen Spalt. Felix stand vor mir. Nur in Shirt und Shorts rieb er verschlafen seine Augen.
„Ist alles okay bei dir…?“
„Öhm ja…“
„Es hat gerade so einen gewaltigen Rumps gegeben…“
„Ich bin nur gestolpert, aber es ist nichts passiert. Aber lieb, das du vorbei geschaut hast.“
Felix nickte und tapste wieder zu seinem Zimmer zurück. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel herum. Als ich mich umdrehte, blieb ich geschockt stehen. Lukas hatte bereits Shirt und Schuhe angezogen.
„Wo willst du hin?“, fragte ich.
„Mir einen anderen Platz zum Schlafen suchen.“
„Warum?“
„Bei Leuten, die mich zum Narren halten, bleibe ich nicht.“
Ich ging zu ihm hin.
„Ich habe dich nicht zum Narren gehalten, Lukas. Meinst du wirklich, ich sage aus Spaß ich bin schwul?“
Er sah mich ungläubig an
„Dann schlaf doch woanders“, meinte ich jetzt säuerlich und schloss die Tür auf.
Trotzig lief er an mir vorbei und verließ das Zimmer. Ich knallte die Tür zu. Es war mir egal, ob ich die anderen weckte. Das musste ich mir nicht geben. Dieses Arschloch, Was dachte er eigentlich wer er ist.
Ich warf mich aufs Bett und vergrub mich mein Gesicht im Kissen. Warum tat er das? Ich versehe das nicht. Warum glaubte er, dass ich ihn anlog? Warum fing ich jetzt an zu heulen? Der Typ konnte mir doch scheiß egal sein.
Wir drehen hier nur einen Film, alles ist nur gespielt. Gespielt. Mittlerweile spielte ich nicht mehr, gestand ich mir ein. Ich hatte mich in Lukas verliebt, obwohl er sich so daneben benahm.
Es klopfte an meiner Tür, aber ich reagierte nicht. Ich wollte niemand mehr sehen. Es klopfte wieder. Ich nahm mein Kissen und legte es auf meinen Kopf, damit ich es nicht mehr hören konnte.
Lukas, warum tust du das? Ich weinte, ungehindert flossen die Tränen. Warum nur?
*-*-*
Gepolter auf dem Flur weckte mich. Ich schaute auf meine Uhr. Es war kurz nach acht Uhr. Die anderen gingen bestimmt zu ihrem ersten Dreh. Ich richtete mich auf. Dann hörte ich draußen Stimmen.
Dann wurden Türen zu geschlagen und ein Auto fuhr weg. Ich strampelte die Decke weg und stand auf. Ich war alleine, dann war auch sicher das Bad frei. Ich schnappte mir mein Duschzeug und schloss meine Tür auf.
Auf dem Boden vor meinem Zimmer lag das Script des heutigen Tages. Ich nahm es hoch und überflog die Zeilen. Ich war erst gegen drei Uhr mittags dran. Ich schloss meine Tür und ging ins Bad.
Eine viertel Stunde später, war ich in meinem Zimmer und zog mich an. Alleine frühstücken, danach stand mir jetzt der Sinn. Kein blödes Gespräch oder dumme Anschuldigungen. Mein Gedanke schweifte wieder zu Lukas.
Vielleicht sollte ich mich daran gewöhnen, dass es wieder mal nur ein Traum war, in dem ich mich verloren hatte. Es war echt an der Zeit, dass ich mir diese Träumerei aus dem Kopf schlug, denn sie brachte mir eh nur Schmerz.
Ich verließ wieder mein Zimmer und ging nach unten. Es war wirklich niemand da und so konnte ich ungehindert mir die Sachen holen, die ich frühstücken wollte. Ich suchte mir einen Platz am Fenster und begann gedankenverloren zu essen.
„Guten Morgen“, schreckte mich eine Stimme aus den Gedanken.
Ich drehte meinen Kopf Richtung Tür und da stand Trude.
„Morgen“, brummelte ich mit vollem Mund.
„Ganz alleine heute?“
Ich nickte.
„Gut, dann bekommst du gleich Gesellschaft“, meinte Trude und verschwand wieder.
Och nein, ich wollte keine Gesellschaft, besonders nicht Trude. Sie meinte es sicher gut, aber mir war jetzt nicht nach einem Gespräch.
„Guten Morgen, du bist sicher Tobias…“
Ich schaute zur Tür und verschluckte mich fast an meinem Brötchen. Da stand Hannes Jaenicke und lächelte mich an.
„Guten Morgen“, erwiderte ich und nickte.
„Auch Drehpause?“
Ich nickte wieder und wunderte mich, warum er nicht im Hotel frühstückte.
„Ich liebe Trudes Kaffee. Im Hotel die Brühe kann man nicht trinken.“
Somit war meine Frage beantwortet. Er belud sich seinen Teller und kam dann an meinen Tisch.
„Ist der Platz noch frei?“, fragte er grinsend.
„Ja“, sagte ich verlegen und musste auch grinsen.
Er stellte alles ab und setzte sich zu mir. Nachdem er am Kaffee genippt hatte begann er sein Brötchen zu schmieren. Trude erschien.
„Brauchst du noch etwas?“, fragte sie Hannes.
Er schüttelte den Kopf.
„Auch gut“, sagte dann Trude und verschwand wieder.
„Wie bist du an die Rolle gekommen?“, wollte Hannes plötzlich wissen.
Schwer schluckte ich am letzten Bissen Brötchen. Ich trank kurz von meiner Milch und räusperte mich.
„Ich… ich habe davon gelesen, dass dieser Film gedreht wird und ich kannte die Geschichte. Dann habe ich im Internet gesurft und entdeckt, dass noch Jungschauspieler für den Film gecastet werden.
„Das stand alles im Internet?“
„Ja. Ich habe dann eigentlich nur so aus Spaß einen kleinen Text geschrieben, ein Bild von mir dazu und das Ganze dann, als Mail weggeschickt.“
„Und sie haben ganz unerwartet geantwortet?“, lächelte Hannes.
Ich nickte.
„Ich bin dann gegen den Willen meiner Eltern zu diesem Casting gefahren. Es wurde Probeaufnahmen gemacht und bevor ich wieder ging, hatte ich die Rolle in der Tasche.“
„Deine Eltern hatten da etwas dagegen? Hört sich abenteuerlich an. Bei uns läuft das etwas anders. Wir kriegen Drehbücher zu geschickt und können dann entscheiden, ob und die Rolle liegt oder nicht.“
„Und warum hast… ähm du dir diesen Film heraus gesucht?“, fragte ich leise.
„Weil mir die Geschichte gefällt…, erinnerte mich erst an das doppelte Lotchen von Erich Kästner. Aber es ist nicht nur ein Wiederfinden des eigenen Bruders, es ist auch ein Kampf mit eigenen Ich, weil man sich selbst kennen lernen muss oder wie man so schön sagt, sich finden muss.“
Ich nickte und biss wieder von meinem Brötchen ab.
„Und nach zwei Filmen im Ausland, wollte ich auch mal wieder hier drehen, in Deutschland. Hier habe ich Freunde die ich selten sehe und dann treffen kann.“
„Aber es wird doch auch vier Wochen in den Staaten gedreht“, warf ich ein.
„Das sind aber nur vier Wochen. Sonst bin ich drei oder vier Monate weg.“
„Ihre Freunde sind ihnen wichtig?“
„Ja, selbstverständlich. Ohne richtige Freunde wäre mein Leben langweilig. Es ist immer wieder schön nach München zurück zukehren und sich mit dem einen oder anderen zu treffen.“
Ich nickte.
„Hast du denn keine Freunde?“
Ich schüttelte den Kopf. Er hob die Augenbraun.
„Bisher habe ich noch niemand kennen gelernt, der auf meiner Wellenlänge war“, erklärte ich und nippte an der Milch.
„Das ist schade. Freunde oder einen Freund, das ist sehr wichtig! Und wie sieht es mit einer Freundin aus?“
Wieder schüttelte ich mit gequältem Gesichtsausdruck den Kopf.
„Das tut Leid…, ich wollte dir nicht zu Nahe treten.“
„Bist… du nicht.“
Mir fiel es immer noch schwer ihn einfach zu duzen, aber irgendwie war er so… vertrauenswürdig.
„Ich…, ich habe… keine Interesse an… Mädchen“, stammelte ich.
*-*-*
Hannes hatte mich dann noch in die Stadt mitgenommen. Ich schlenderte an den Auslagen vorbei, nahm aber nicht richtig wahr was da in den Schaufenstern lag. Meine Gedanken hingen an dem Gespräch mit Hannes und die Sache mit Lukas.
Ich wusste nicht, wie ich die Rolle weiterspielen sollte, wenn ich genau wusste, Lukas hatte etwas gegen mich. Konnte ich dann noch überzeugend den Kai bringen. Ich schaute auf die Uhr.
Es war kurz vor eins, also noch etwas Zeit. Vielleicht sollte ich mir doch etwas gönnen. Warum mir der Gedanke gerade vor einem Schmuckladen kam, wusste ich nicht. Ich drückte meine Nase an der Scheibe platt.
Dort fand ich verschiedene Armbänder, die mir gut gefielen und auch noch relativ günstig waren. So betrat ich den Laden und zehn Minuten später war ich stolzer Besitzer eines neuen Armbandes.
Ich überlegte, ob ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Pension fahren sollte, oder Paul anzurufen, der mir ja seine Handynummer gegeben hatte. Ich nahm mein Handy heraus und hätte es fast fallen lassen, weil es in diesem Augenblick zu klingen begann.
„Ja?“
„Hallo Tobias, hier ist Paul.“
„Kannst du Gedanken lesen?“
„Nein, wieso?“
„Ich habe gerade darüber nach gedacht, ob ich den Bus nehmen soll, oder dich anrufe.“
„Für den Bus wäre es jetzt etwas spät.“
„Wieso, der Dreh beginnt doch erst um drei.“
„Leider nicht, es wurde wieder alles geändert und dein Dreh beginnt bereits um Zwei. Wo bist du, damit ich dich abholen kann.“
„Davon habe ich nichts gewusst.“
„Konntest du auch nicht, Manuel hat das eben erst bekannt gegeben.“
„Öhm… ja okay.“
„Und wo bist du jetzt?“
„Ach so… Moment, ich muss schauen, da ist gerade kein Straßenschild.“
Ich lief den Weg zurück, den ich gekommen war, bis zur nächsten Kreuzung.“
„Schillerstraße Ecke Bochumer Weg.“
„Gut, nicht weglaufen, in einer viertel Stunde bin ich bei dir.
„Danke Paul.“
„Nichts zu danken!“
*-*-*
Ich saß jetzt schon seit zwanzig Minuten in der Maske und keiner kam. Weder Conny noch Theo hatten sich bisher blicken lassen. Da ich mich noch immer nicht in diesem Gebäude auskannte, war es zwecklos sie zu suchen.
Ich hörte Stimmen auf dem Flur und hoffte dass die beiden dies wären. Aber es waren die anderen Jungs, die Zwillinge mit Felix.
„Also ich fand es cool“, meinte Simon zu seinem Bruder.
„Mir ist fast schlecht geworden, du solltest an deinem Fahrstil etwas ändern!“, entgegnete Lukas.
Sein Blick fiel kurz auf mich, dann wandte er sich wieder ab. Dies war Felix nicht entgangen und er schaute kurz zwischen mit und Lukas hin und her. Ich senkte meinen Blick. Es tat weh mit Lukas in einem Raum zu sein und auch noch zu sehen, dass andere es mitbekamen, dass da irgendwas nicht stimmte.
„Und Bruderherz, schon auf die große Kussrolle vorbereitet?“, fragte Simon plötzlich.
„Könntest du dich nicht einfach um deinen Kram kümmern“, meinte Lukas leise.
„So da bin ich“, stürmte Conny in die Maske, „entschuldigt, Manuel hat mich mit seinen Anweisungen aufgehalten.
Sie sah mich kurz an.
„Wir machen dich wieder etwas blasser, aber deine Augen brauchen wir nicht schminken… wohl eine kurze Nacht gehabt?“
Sie lächelte mich an und ich verdrehte die Augen, während sie dann mit den Schultern zuckte. Nun kam auch Theo herein. Er brachte nur meine Sachen, da die anderen anscheinend schon ihre Klamotten anhatten.
So zog ich mich schnell um. Ich wollte niemanden in Zeitbedrängnis bringen. Conny legte Hand an und machte mich wieder Totenblass.
„So fertig“, meinte sie und trat dichter an mich heran.
„Bist du empfindlich gegen die Scheinwerfer, oder warum sind deine Augen rot unterlaufen?“, flüsterte sie fast.
Ich schaute sie nur an.
„Entschuldige…, war nur ein Frage.“
„Kein Problem“, sagte ich leise.
*-*-*
Manuel war noch schlimmer, als ein Tag zuvor. Laufend unterbrach er die Szene, weil ihm einfach dies nicht passte oder jenes nicht. Martina nahm ihn dann irgendwann zur Seite und redete etwas mit ihm, für uns hörbar. Dann wandte er sich wieder zu uns.
„Okay, fangen wir noch einmal von vorne an und versuchen alles richtig zu machen…“, sprach er viel ruhiger als vorher“, Lukas zur Tür.
Ich setzte mich wieder aufs Bett und kauerte mich zusammen. Das war leicht, weil ich auch in dieser Verfassung war.
„Wiedersehen die 23!“
Wieder hörte ich die Tür auf gehen, wie schon die zweiundzwanzig Male davor.
„Kai?“, hörte ich Lukas sagen.
Laut der Regieanweisung, fuhr ich hoch und stürmte auf Lukas zu. Dieses Mal hätte ich ihn wirklich fast umgerissen, aber Lukas konnte es gerade noch ausbügeln. Manuel beendete dieses Mal die Szene nicht.
„Dann lass ich euch zwei mal alleine, kommt aber bitte nachher runter, wir sollten da noch was reden“, sprach Martina, die ja meine Mutter spielte.
„Danke“, meinte Lukas in Richtung Martina.
„Ist nur zum Wohle meines Sohnes, hätte ich viel früher tun sollen.“
Mit diesen Worten schloss sie die Tür hinter sich. Ich dagegen schaute Lukas an und strich über sein Gesicht, fuhr durch seine Haare.
„Du bist es wirklich, ich träume nicht!“
„Ich kann es auch nicht fassen, dass ich hier stehe“, sagte Lukas.
Mein Lächeln war dieses Mal echt, aber nur weil Lukas diesen Satz jetzt so oft schon gesagt hatte.
„Wie hast du das fertig gebracht?“
„Ich hab gar nichts, das waren meine Mum und mein Bruder, sie haben mich hier her
gebracht.“
„Und wie hat es deine Mutter fertig gebracht meine Mutter umzustimmen?“
„Erstens kennen sie sich, sie haben wohl zusammen studiert, und zweitens wusste deine Mutter nicht Bescheid, die Aktion, war von deinem Vater.“
„Ich hab ihn nie leiden können, er ist doch nur hinter dem Geld meiner Mutter
hergewesen.“
„Das Geld gehört ihr?“
„Ja alles, die Firma, das Haus, das ganze Geld, gehört zu drei Vierteln meiner Mutter und ein Viertel gehört mir.“
„Ihm überhaupt nichts?“
„Nein, nur das jährliche Gehalt, das ihm als Vorstandvorsitzender der Firma zusteht.“
„Dann bist du ja eine richtige gute Partie“, sagte Lukas und drückte mich fest an sich.
Ein Kribbeln durchfuhr meinen Körper.
„Soso, also auch auf mein Geld aus“, meinte ich gespielt entrüstet.
„Ich will dein Geld gar nicht“, antwortete er, „ich will nur dich!“
Und dann kam der Augenblick, wo Manuel immer abgebrochen hatte. Doch dieses Mal blieb er ruhig und uns machen. Ich gab ihm einen Kuss, und ich spürte, dass die anfängliche Gegenwehr, wie in den vorhergegangen Szenen verschwunden war. Plötzlich drückte sich Lukas von mir weg und keuchte.
„Was schon aufhören?“, fragte ich, ebenfalls nach Luft japsend.
Dieser Kuss fühlte sich viel zu echt an, als das Lukas das so überzeugend hätte spielen können.
„Kai langsam, willst du mich umbringen? Ich krieg keine Luft mehr.“
„Oh sorry, war ich zu stürmisch?“
„Ja, aber es hat mir gefallen.“
Auch dieser Satz kam von Lukas Herzen, das sah ich seinen Augen an. Ich ließ von ihm ab und lief zum Fenster.
„Da fährt ein Wagen, die Auffahrt hoch, jetzt wird es interessant, das ist mein Vater…“
*-*-*
Die Szene war im Kasten und ich hatte immer noch weiche Knie. Dieser Kuss eben mit Lukas war anders, aber ich konnte nicht sagen warum. Es wurde alles recht schnell umgebaut, damit wir die nächste Szene weiter spielen konnten.
Lukas stand neben mir vor der Tür und sagte nichts. Ich wartete auf unser Zeichen, dass wir den Raum betreten sollten. Ich spürte dass Lukas dicht hinter mir stand, als Manuel uns einen Wink gab.
„Also wusste ich es doch, dieses Individuum ist doch hier.“
Das war mein Stichwort und ich ging ins Zimmer.
„Lass die Finger vom Bruder meines Freundes, sonst wirst du mich kennen lernen“, sagte ich sauer.
Dieser Jochen, der meinen Vater spielte drehte sich um.
„Kai auf dein Zimmer“, befahl er mir und plötzlich hatte ich das Gefühl, meinen wahren
Vater vor mir zu haben umso gereizter reagierte ich.
„Du hast mir gar nichts mehr zu sagen“, sagte ich kühl.
„Treib es ja nicht zu weit, junger Mann.“
Ich lief noch einige Schritte weiter auf ihn zu, vorbei an Martina, was eigentlich nicht in der Szene stand.
„Wenn es hier einer bunt treibt bis du es. Kaufst eine Jacht, obwohl du weißt Mutter wird sehr schnell Seekrank. Du hast diese kleine Hütte im Schwarzwald gekauft, auch wenn Mum allergisch gegen Kälte reagiert… du hast nie etwas für sie oder gar für uns gemacht.“
„Muss ich mir das von diesen Schnösel lassen Elisabeth?“
„Christian“, rief Martina, „pack doch bitte die Koffer meines Mannes.“
„Für wie lange ist der Aufen…?“
„Für immer Christian, für immer!“
„Elisabeth was soll das?“
Martina trat neben mich, als wollte sie mich in Schutz nehmen.
„Das fragst du noch, Kai hat ganz Recht, du bist die letzten Jahre nur am Raffen
gewesen, und wie meine Anwälte heraus gefunden haben, ziemlich viel Geld verspekuliert. Aber lieber Heribert, dass hat jetzt ein Ende. Mit sofortiger Wirkung bist du gekündigt, und was uns beide betrifft, die Scheidungspapiere werden dir umgehend zugestellt von meinen Anwalt.“
„Elisabeth…“
„Heribert du hast ein Fehler gemacht… das liebe Geld ist mir eigentlich ganz egal, aber heute wurde mir klar, wie du systematisch einen Keil zwischen mich und meinen Sohn getrieben hast. Und das werde ich dir nie verzeihen. Und nun mach das du mir aus den Augen kommst.“
Während sie das sagte, legte sie ihren Arm um mich. Jochen rannte Wutentbrannt aus dem Zimmer und knallte die Tür zu.
„Cut…, wow, das war ja einmalig. Tobias ich muss dich loben, man hätte meinen können, Jochen ist dein wirklicher Vater, so wie du ihn angegiftet hast!“
Wenn der mal wüsste. Lukas stand etwas unbeholfen im Zimmer, während Martina immer noch ihren Arm um mich hatte.
„Wir drehen gleich weiter, dann haben wir die ganze Szene im Kasten und brauchen morgen nicht noch einmal anfangen… und Tobias… Weiter so!“
Ich lächelte Manuel an, während Martina mich etwas drückte.
„Hast du wirklich super gemacht“, flüsterte sie.
*-*-*
Die Szene war schnell im Kasten. Es machte Spaß mit Martina zu spielen und auch wenn ich sie privat nicht richtig kannte, ertappte ich mich dabei, wie es wäre, wie sie meine Mutter sein würde.
Paul brachte uns wieder in die Pension. Während Simon und Felix sich angeregt unterhielten, saßen Lukas und ich nur schweigend da. Ich sah aus dem Fenster, also bekam ich nicht mit, ob er mich ansah.
Auch später, nach dem Abendessen verzog ich mich gleich in mein Zimmer um eventuellen Launen zu entgehen. Dieses Mal klopfte niemand an die Tür und so hatte ich eine ruhige traumlose Nacht.
Recht früh wachte ich auf und umso mehr beeilte ich mich dann mit dem Aufstehen, damit ich vor den anderen noch ins Bad konnte. Als ich wieder ins Zimmer zurück kam hörte ich dann in den Nachbarzimmer, wie es langsam lauter wurde.
Ich zog mich fertig an und wollte zum Frühstücken hinunter. Auf dem Flur begegnete mir dann Lukas. Er sah mich an und wollte etwas sagen. Doch dann drehte er sich weg und lief ins Bad.
„Morgen Tobias“, hörte ich Felix rufen.
Warum war dieser Kerl immer so gut drauf?
„Morgen Felix.“
„Bist du schon fertig?“
Ich nickte.
„Gut, dann sehen wir uns gleich bei Frühstück.“
„Okay“, sagte ich und lief die Treppe hinunter.
*-*-*
Der Zeitplan von Manuel war eng und in den folgenden Tagen wurde eine Szene nach der anderen abgedreht. Selbst die Erwachsenen stöhnten. Dafür gab uns Manuel dann ab Donnerstag frei und wollte uns erst wieder Montag sehen.
Ich fragte mich, was ich das ganze Wochenende tun sollte. Lust mit den anderen die ganze Zeit abzuhängen hatte ich auf alle Fälle keine. So lag ich mittags, während die anderen noch weggingen, bereits in meinem Bett.
Als es klopfte, fuhr ich zusammen, denn ich dachte ja, ich wäre alleine im Haus.
„Ja?“, rief ich und die Tür ging auf.
Ich sah Lukas im Flur stehen.
„Darf ich reinkommen?“, fragte er.
Ich seufzte und nickte, denn ich wusste nicht im Augenblick, ob dies etwas bringen würde. Langsam kam er herein und schloss leise die Tür. Er hielt kurz inne und kam dann ans Bett. Er hatte sicher überlegt, wo er sich hinsetzten sollte.
Lukas lief auf die andere Bettseite und ließ sich m Fußende nieder. So saß er dann eine Weile da, bis er plötzlich wieder seine Schuhe wegkickte und sich komplett aufs Bett setzte. Ich schaute ihn nur an und sagte nichts, er spielte an dem Zipfel seiner Shorts und hielt seinen Kopf gesenkt.
„Ich hab mich wohl total blöd benommen…?“
Ich beschloss erst einmal gar nichts zu erwidern. Er schaute kurz auf, aber um gleich wieder den Kopf zu senken. So einfach wollte ich es jetzt doch nicht machen. Klar wusste ich jetzt genau, dass ich mich in ihn verliebt hatte, aber dieses Gehabe konnte ich nicht haben und brauchte es mir auch nicht antun.
„Warum hast du nicht gleich gesagt, dass du schwul bist…“
„Hätte das etwas geändert?“
Lukas zuckte mit den Schultern.
„Ich kann damit nicht umgehen…“
Das hatte ich gemerkt, oder bekam es jedes Mal zu spüren.
„Wie machst du das …, du hast offensichtlich keine Schwierigkeiten damit.“
„Doch habe ich…“
Wieder hob er den Kopf und schaute mich lange an, dann wanderte sein Blick wieder Richtung Bettdecke.
„Du findest dich auch pervers und eklig…?“
„Nein, das habe ich nicht gesagt.“
Er nickte, obwohl es mir vorkam, dass er nicht verstehen würde, was ich sage.
„Warum hast du dann Probleme?“
„Mit meinen Eltern…“
„Was ist mit ihnen…?“
„Sie akzeptieren mich nicht mehr… wollen volle Kontrolle über mich haben…“
„Aha…“
Er saß immer noch da und zupfte an seiner Shorts herum.
„Ich will nicht… schwul sein…“, meinte er plötzlich.
„Kann man sich das aussuchen?“, fragte ich.
Lukas schaute mich an.
„Du hast das ernst gemeint…“
„Was?“
„In der Filmszene…“
„Lukas, welche Filmszene?“
„Als wir den Krankenhausdreh gemacht haben und du sagtest, du hast dich in mich verliebt…, so wie du mich dabei… angeschaut hast…, dass war echt oder?“
Ich schaute ihn lange bis ich unmerklich mit dem Kopf nickte.
„Warum ich…?“
„Ich weiß es nicht recht…, vielleicht habe ich mich in den Sebastian verliebt…, nicht in Lukas…, der ständig seine Launen an anderen auslässt.“
Sein Kopf fuhr hoch und er sah mich traurig an.
„… und… du meinst… wir könnten…“
Er seufzte und atmete tief und lang durch.
„Was können wir?
„… ach vergiss es… blöde Idee.“
„Lukas…“
„Hm?“
„Komm her“, meinte ich und breitete meine Arme aus.
Erst zögernd, kam er näher. Ich bekam ihn zu fassen und zog ihn zu mir. Er legte seinen Kopf auf meine Schulter und kuschelte sich eng an mich. Ich streichelte ihn durchs Haar.
„Vielleicht lässt mich der Lukas dich mal kennen lernen und blockiert nicht alles von vorne herein. Nur Sebastian… das will ich nicht.“
Er hob seinen Kopf an und wir blickten uns genau in die Augen.
„Meinst du…, ich schaffe das?“
Ich nickte und lächelte ihn dabei an. Mein Kopf wanderte langsam auf ihn zu. Es klopfte und ich öffnete die Augen. Erschrocken sah ich auf das Kissen dass ich im Arm hatte. War das wieder nur ein Traum?
Etwas durch Wind, lief ich an die Tür. Vor ihr stand Trude.
„Habe ich dich geweckt?“, fragte sie.
„Nein, ich habe mich nur etwas ausgeruht.“
„Ähm, heute morgen kam dieser Brief mit der Post, den hatte ich total vergessen, sonst hätte ich ihn dir schon beim Essen gegeben.“
„Nicht schlimm… danke.“
„Dann hat vorhin noch Hannes angerufen und nach dir gefragt.“
„Hannes?“
Ich machte große Augen.
„Ja, in einer halben Stunde ist er da und holt dich ab.“
„Mich?“
„Wenn du Tobias Gerber heißt, ja, dann meinte er dich.“
Sie lächelte mich an.
„Hat… ähm hat er noch etwas gesagt?“
„Ja, du brauchst dich nicht in Schale schmeißen. Solltest aber etwas zum Duschen mitnehmen und etwas zum Umziehen später.“
„Ähm… okay.“
„Ich sage dann mal tschüss, wir sehen uns sicher morgen beim Frühstück.“
Ich nickte und schloss die Tür. Der Brief war Nebensache geworden und ich legte ihn auf der Kommode ab. Hannes wollte mit mir weggehen und ich solle mich nicht in Schale schmeißen. Also ging ich an den Schrank und schaute, was er zu bieten hatte.
Plötzlich kam mir alles so alt und abgetragen vor. Ich griff nach einer Jeans und einem braunen Pulli und wenig später, als ich gerade meine Schuhe zugebunden hatte, klopfte es erneut an meiner Tür.
Wieder ging ich zu ihr und öffnete sie.
„Hallo Tobias und… fertig?“
Vor mir stand wirklich Hannes.
„Ähm… hallo Hannes. Moment… meine Jacke noch…“
Ich lief zum Bett und griff nach meiner Jacke und meinem Rucksack, der nach Anweisung mit dem Rest gefüllt war.
„Gut, dann können wir los. Du siehst etwas blass um die Nase aus, alles okay mit dir?“, fragte er, als ich meine Zimmertür hinter mir schloss.
Ich nickte nur und folgte ihm nach unten. Wir verließen das Haus. Auf der Straße stand ein Audi.
„Einsteigen und anschnallen.“
Artig stieg ich auf der Beifahrerseite ein und schnallte mich an.
„Und ab geht die Post“, meinte Hannes und startete den Motor.
Ein sattes Brummen ließ den Wagen leicht vibrieren und machte fast einen kleinen Hüpfer, Als Hannes Gas gab. Nicht wie erwartet, fuhr er mit mir Stadt auswärts.
„Ich dachte mir, ein wenig Aufbauprogramm könnte dir gut tun“, sagte Hannes.
„Aufbauprogramm?“
„Ja. Unsere Unterhaltung hat mir viel zu denken gegeben. Du spielst in deiner Rolle einen selbstsicheren aber kranken Jungen und privat…, da ist Tobias Gerber, ein stiller Junge der sich versteckt.“
Da hatte er leider Recht, aber ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte.
„Jetzt schau nicht so…“
„Äh… ich weiß nicht was ich sagen soll.“
„Zu allererst, du musst wissen, dass ich absolut nichts gegen Schwule habe, sonst würde ich in diesem Film ja wohl nicht mitspielen. In meinem Freundeskreis gibt es auch Schwule und mit ihnen komme ich prima klar.“
Ich spürte, wie sich mein sämtliches Blut oberhalb des Halses staute.
„Und ich habe eben gemerkt, dass dir die Selbstsicherheit fehlt, verstehen tu ich das noch nicht, aber dazu möchte ich dich einfach besser kennen lernen.“
Ich schaute ihn fragend an. Wir waren mittlerweile auf einer Schnellstraße und verließen Frankfurt.
„Was…, was meinst du mit verstehen.“
„Ich verstehe nicht, wie du so selbstsicher ohne Patzer deine Rolle spielst, als wärst du Kai. Aber wenn man dich nach den Dreharbeiten sieht, ist von dieser Selbstsicherheit nichts mehr übrig.“
„Das ist eine… Rolle.“
„Ich weiß selbst, dass viele Menschen eine Rolle spielen, auch im richtigen Leben. Aber bei dir ist der Unterschied… richtig KRASS.“
„Krass?“
„Ja, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass du das nur spielst. In diesem Kai steckt sicher mehr Tobias, als dir selbst klar ist.“
Ich dachte über die gesagten Worte nach, konnte sie aber nicht richtig nachvollziehen.
„So, da sind wir“, meinte Hannes und bog auf ein Grundstück.
Wir fuhren einen schmalen Schotterweg entlang, bis wir ein Haus erreichten. Ich wusste absolut nicht, was wir hier wollten.
„Komm, aussteigen, man erwartet uns schon.“
Man erwartete uns? Ich schnallte mich ab und steig aus. Hannes umrundete den Wagen, legte seine Hand auf meine Schulter und dirigierte mich Richtung Haustür. Diese öffnete sich schon und ein junger Mann trat heraus.
„Hallo Hannes, schön dass du wieder mal Zeit hast, vorbei zuschauen.“
„Hallo Adrian. Ja ist lange her.“
Sie umarmten sich.
„Das hier ist Tobias, von dem ich dir am Telefon erzählt habe.“
„Hallo Tobias!“, meinte Adrian und reichte mir die Hand.
„Hallo“, sagte ich leise.
Ich fühlte mich nicht sehr wohl in meiner Haut, auch wenn Hannes ein sehr netter Kollege war.
„Es ist alles vorbereitet, ihr könnt gleich loslegen“, sagte Adrian und betrat wieder das Haus.
Ich folgte den beiden durch das Haus, ohne ein Wort zu sagen. Die zwei Herren vor mir tauschten kurz Informationen aus, was so alles in der letzten Zeit passiert war und ich war überrascht, dass Hannes überhaupt noch Zeit hatte, irgendwen zu besuchen.
Durch eine kleine Tür in der Küche traten wir wieder nach draußen. Vor mir tat sich ein großer Garten auf. Was mir gleich auffiel, waren die großen Bäume die hier standen. Bei näherem Hinsehen konnte ich dann den Grund unseres Kommens sehen.
„Welche Kopfgröße hast du?“, riss mich Hannes aus den Gedanken.
„Hm?“
Er lächelte mich an.
„Kopfgröße…, für den Helm.“
„Ähm… ich weiß es nicht.“
„Egal, wir werden sicher etwas finden“, meinte Adrian und kam mit irgendwelchen Gurten auf mich zu.
„Und was gibt das jetzt?“, fragte ich unsicher.
„Wir werden etwas klettern“, meinte Hannes und legte sich seine Gurte selbst an, als würde er nie etwas anderes tun.
„Klettern…, da hinauf?“, meinte ich.
Ich sah wieder zu den Bäumen hinauf und sah jetzt, dass dort Brücken und viele Seile vertäut waren.
„Angst?“, fragte Hannes.
Ich nickte.
„Gut!“
Hä? Was soll daran gut sein, dass ich Angst habe? Fragend schaute ich Hannes an.
„Der erste Schritt zur Selbstsicherheit, zuzugeben, dass man vor etwas Angst hat.“
„Aha“, meinte ich leise und ließ mir von Adrian helfen, bis ich alle Gurte fest hatte.
„Dein Aha sagt mir, dass du nicht wirklich verstehst, was ich jetzt meine.“
Ich nickte Hannes zu.
„Wenn du dir eingestehst, dass DU vor etwas Angst hast, kannst du daran arbeiten.“
Daran arbeiten und wenn ich das nicht wollte? Adrian setzte mir einen Helm auf, der mir auch passte. Er pfriemelte an meinem Hals herum, bis auch dieser fest saß.
„Wir fangen leicht an“, meinte Adrian und lief mit mir zu einem Baum.
Er nahm ein weiteres Seil, knotete etwas daran herum und zog es dann durch den Karabinerharken meiner Ausrüstung.
„Egal, was passiert Tobias, du bist gesichert, dir kann also nichts passieren.“
Beruhigend fand ich die Worte nicht, schon alleine, dass er ansprach, dass etwas passieren könnte, machtem ich noch nervöser.
„So, nun schau dir den Baum an.“
Ich machte das, was Adrian mir sagte.
„Du siehst verschiedene Äste und musst überlegen, wie du den besten Weg nach oben klettern kannst.“
Für mich eine logische Erklärung erst überhaupt nicht nach oben zu steigen.
„Hannes gehst du vor?“, fragte Adrian.
„Kann ich machen, kein Problem“, antwortete Hannes und fing gleich an auf den Baum zu klettern.
Bei ihm sah dass so leicht aus, jeder Griff und Tritt saß.
„So und jetzt du Tobias“, meinte Adrian und schob mich leicht Richtung Baum.
Ich griff nach dem ersten Ast und stellte meinen Fuß auf den darunter liegenden. Langsam zog ich mich nach oben.
„Guter Anfang!“, hörte ich Adrian sagen, „und egal wer etwas sagt, schau ab und zu auch nach unten, damit du weißt, wie hoch du bist und dass du einen sicher Stand mit den Schuhen hast.“
Das hätte er jetzt nicht sagen brauchen, ich war so schon nervös genug. Langsam aber sicher gewann ich an Höhe und kam Hannes immer näher. Adrian folgte mir im gewissen Abstand. Am letzten Ast vor der Plattform hielt mir Hannes seine Hand entgegen, die ich dankbar ergriff.
Etwas keuchend stand ich nun wieder sicher auf der Plattform.
„War doch gar nicht so schwierig, oder?“, meinte Adrian, der nun ebenfalls die Plattform erreichte.
Ich nickte und musste etwas lächeln.
„So, dann machen wir gleich weiter.“
„Wir klettern wieder hinunter“, meinte ich und drehte mich schon zum Abstieg.
„Nein, hier geht es weiter.“
Ich sah ihn mit großen Augen an, denn vor mir gingen nur zwei Seile zum Nachbarbaum. Adrian griff nach meinem Karabinerharken und befestigte ihn an dem oberen Seil.
„Hannes macht es dir wieder vor und dann bist du dran.“
Mein Drehkollege klinkte sich ebenso ins obere Seil ein. Ich bekam weiche Knie, als ich sah, dass Hannes sich am oberen Seil hebend über das dickere Seil zum Nachbarbaum hangelte. Ungefähr in der Mitte sah es so aus, als würde er gleich herunter fallen, das untere Seil kam ordentlich in Bewegung.
Sicher kam er dann auf der nächsten Plattform an.
„So und jetzt du Tobias. Mach es genauso wie Hannes. Ein Tipp… immer nur eine Hand oder einen Fuß umsetzten, nie beides gemeinsam, sonst kann es passieren, dass du zu arg ins Schwingen kommst.“
„Aha“, meinte ich ängstlich.
Ich stellte meinen linken Fuß auf das Seil, das sich sofort leicht in Bewegung setzte. Meine Hände krallten sich an das Führungsseil. Langsam Schritt für Schritt hangelte ich mich Richtung Hannes.
„Keine Angst, dass schaffst du schon“, rief mir Hannes entgegen.
Das Führungsseil wackelte verdächtig unter meinen Füßen und eine kleine Unachtsamkeit meinerseits hatte dann fatale Folgen, mein nächster Schritt ging ins Leere. Ein Schrei entglitt meiner Kehle.
Meine Befürchtung völlig abzustürzen, bewies sich aber als falsch, denn das obere Seil hatte ich noch fest im Griff. Nur meine Füße baumelten in der Luft.
„Versuch wieder draufzukommen“, feuerte mich Hannes an.
Gar nicht so einfach, denn es schwang hin und her.
„Soll ich helfen kommen?“, rief Adrian.
„NEIN!“, rief ich zurück und war über mich verwundert, wo plötzlich dieser Ehrgeiz, dies alleine zu schaffen, her kam.
Ich schwang etwas nach vorne, bis ich mit einem Fuß das Seil zu fassen bekam. Wenige Sekunden später stand ich wieder drauf und atmete erst einmal tief durch.
„Klasse!“, kam es von Adrian, „und gleich weiter!“
Sklaventreiber. Aber bei diesem gedachten Wort musste ich nun selber grinsen. Also hangelte ich mich weiter, bis ich endlich Hannes erreichte und wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Ich fiel ihm regelrecht in die Arme.
„Hat doch funktioniert!“, meine Hannes.
„Jetzt weiß ich wie sich meine Hose an der Wäscheleine fühlen muss“, meinte ich und zog meine Klamotten zu Recht.
Hannes fing schallend an zu lachen und mittlerweile war auch Adrian angetroffen. Ich schaute mich um und sah nur einen dicken Balken, der unseren Baum mit dem Nächsten verband.
„Muss ich jetzt da rüber?“, fragte ich.
„Ja!“, antwortete Adrian und klemmte meinen Schutz um.
„Da ist ja gar kein Seil zum halten…“
„Du sollst ja auch balancieren!“, erklärte Hannes.
„Da hinüber?“, sagte ich entgeistert.
„Ja“, meinte er und lief bereits los.
Bei ihm sah das alles so leicht aus und ich hatte jetzt schon die Hosen fast gestrichen voll.
„Tobias… nicht trödeln… komm“, rief Hannes ohne sich herum zu drehen.
Ich atmete noch einmal tief durch und folgte ihm. Wie viel Meter waren das? Zehn… zwanzig? Ich schaute zu Boden hinunter und bekam wieder weiche Knie.
„Dir passiert nichts, du bist gesichert“, sagte Adrian hinter mir.
Wenn er das meinte. Ich setzte den ersten Fuß auf den Balken und stellte fest, dass er zumindest nicht wackelte. So lief ich im Gänsemarsch einen Schritt nach dem anderen hinter Hannes her.
Plötzlich empfand ich das gar nicht mehr so schwer, ich ertappte mich sogar, dass es mir Spaß machte. Wie ein Trapezkünstler hatte ich die Arme ausgestreckt und überquerte den Balken. Mit einem breiten Lächeln kam ich beim nächsten Baum an.
„Geht doch!“
Hannes lächelte ebenfalls.
So hangelten wir uns die nächste halbe Stunde von Baum zu Baum. Bei manchen Sachen hatte ich schon etwas Schiss, aber ich fiel nicht einmal herunter. Am letzten Baum angekommen, war ich fast traurig, dass wird schon durch waren.
„Und wie fühlst du dich?“, fragte Hannes.
„Ich glaub ich könnte Bäume ausreisen“, antwortete ich grinsend.
Er lachte und Adrian auch.
„Und was machen wir hier?“, fragte ich es, denn ich konnte es kaum abwarten weiterzumachen.
„Darauf freue ich mich schon die ganze Zeit“, meinte Hannes griff nach eine Bügel, der an einem Stahlseil hing.
„Und ab geht die Post“, meinte er und stieß sich von der Plattform ab.
In Schussfahrt glitt er Richtung Boden, bis er ungefähr fünfzehn Meter von uns aufkam.
„Geil!“, hörte ich ihn rufen.
Adrian zog an einem Seil, den Bügel zu uns zurück.
„Jetzt du.“
Ich schaute ihn kurz an und griff nach dem Bügel und wartete.
„Auf was wartest du?“
„Dass du mich sicherst.“
Adrian lachte.
„Hier brauche ich dich nicht sichern. Die paar Sekunden hältst du dich mit eigener Kraft.“
„Aha.“
Ich lief an den Rand der Plattform, atmete noch einmal tief durch und stieß mich ab. Etwas zu heftig für meinen Geschmack, den ich schaukelte ganz schon wild hin und her. Aber plötzlich machte es Spaß, aber da war ich schon fast unten und hatte ich wieder Boden unter den Füssen.
„Cool!“, meinte ich und wäre am liebsten gleich noch einmal hinauf gestiegen.
Kurze Zeit später standen wir wieder am Haus und entledigten uns der Schutzausrüstung.
„Und, bemerkst du etwas?“, fragte mich Hannes.
„Was meinst du?“
„Wie fühlst du dich gerade?“, fragte er.
„Gut…, irgendwie stark und… zehn Zentimeter größer.“
Hannes lächelte.
„Weißt du noch, wie es dir vorher ging?“
Ich nickte.
„Ich … hatte Angst.“
„Die jetzt verflogen ist.“
Wieder nickte ich.
„Du hast gemerkt, du kannst das… Du hast dir selbst vertraut!“
Ich schaute ihn an.
„Du weißt, dass du singen kannst, also singst du. Du kannst deine Rolle, also spielst du. Du musst dir einfach mehr zutrauen und wenn du merkst, du hast vor etwas Angst, dann probiere!
Irgendwann verfliegt die Angst und es macht so wie jetzt sogar Spaß!“
„Wollt ihr noch duschen?“, fragte Adrian, der die Sachen verräumt hatte.
„Ja, gerne, wir wollen noch wohin“, antwortete Hannes und schaute dann zu mir, „Dein Rucksack ist noch im Wagen…?“
Ich nickte.
„Gut, wir holen noch die Sachen und kommen vorne wieder herein.“
„Okay“, meinte Adrian und verschwand im Haus.
Währenddessen umrundete ich mit Hannes das Haus, bis wir wieder an den Parkplatz kamen. Er öffnete en Kofferraum und nahm eine Tasche heraus. Ich zog meinen Rucksack vom Rücksitz.
Die Haustür stand schon offen, also gingen wir wieder hinein.
„Hannes, du kennst dich ja aus. Ich mach inzwischen einen Kaffee“, hörte ich Adrian irgendwoher rufen.
„Oh, Kaffee. Das ist ein gute Idee.“
Ich folgte Hannes durch den Gang, den wir vorhin gegangen waren, nur bog er dieses Mal links ab und vor uns waren zwei Türen. Eine mit Frauenaufkleber und ein Aufkleber mit Männer. Erst jetzt wurde mir richtig bewusst, ich ging mit Hannes duschen.
Ich wurde noch unruhiger, als ich sah, dass es sich nur um einen Duschraum handelte und nicht um Kabinen. Unruhig ging ich zur Bank stellte meinen Rucksack ab und begann mich wie Hannes auszuziehen.
Hinter mir hörte ich, wie eine Brause angestellt wurde. Hannes schien schon bei den Duschen. Es hatte ja keinen Zweck, ich musste duschen. Beim Klettern hatte ich ganz schön geschwitzt und wo Hannes noch mit mir hinwollte, wusste ich nicht.
So rutschte nun auch das letzte Kleidungsstück herunter, die Shorts. Ich griff nach meinem Shampoo und drehte mich um. Hannes selbst wusch sich gerade die Haare und ich konnte ihn in voller Pracht anschauen.
Durchtrainiert und behaart. Ich schämte mich jetzt fast etwas. Weiß, fast ohne Haare, keine sichtbaren Muskeln. So lief ich an eine andere Dusche und drehte den Hahn auf. Warmes Wasser prasselte auf mich nieder und ich vergaß einen kurzen Augenblick, dass ich nicht alleine war.
Ich durchfuhr meine Haare mit den Händen und fuhr fast zusammen, als Hannes neben mir anfing zu sprechen.
„Das tut jetzt richtig gut“, meinte er.
Unsicher und beschämt schaute ich zu ihm hinüber und er grinste. Er legte den Kopf schief.
„Was ist?“, fragte er.
Ich hatte einen Kloß im Hals und konnte nicht antworten. Er kam zu mir herüber und nahm mich einfach in den Arm.
„Ich steh zwar absolut nicht auf Männer Tobias, aber dich finde ich irgendwie süß“, raunte er und ließ mich wieder los.
„Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich tu dir schon nichts.“
„Ähm… dass… ist es nicht.“
„Was dann?“
„Du…, du siehst… so gut aus, durchtrainiert… und ich.“
Er legte seine Hand auf meinen Mund.
„Ich trainiere viel um fit zu bleiben, denn ich bin ja auch schon etwas älter als du. Du bist gerade mal… siebzehn, oder?“
Ich nickte.
„Meinst du, ich habe in deinem Alter anders ausgesehen? Du bist noch in der Entwicklung, warte noch drei vier Jahre, wie du dann aussiehst… vielleicht noch etwas Sport, das wird schon. Und wenn ich das aus meinem Geschmack so heraus sagen kann, du hast ein unheimlich süßes Gesicht für einen Jungen. So, jetzt sollten wir uns aber beeilen, wir wollen noch wo hin.“
„Wo denn?“, fragte ich und spürte immer noch wie mein Gesicht glühte, nach diesem Kompliment.
„Das bleibt eine Überraschung.“
*-*-*
Frisch duftend und gestylt saß ich wieder neben Hannes im Wagen. Wir fuhren wieder in die Innenstadt. Ich schaute auf Hinweisschilder, konnte mir aber keinen Reim daraus machen, wo wir hin fuhren.
Plötzlich bremste Hannes ab und fuhr in eine kleine Einfahrt. Lieferanteneinfahrt Zoo.
„Der Zoo?“, rutschte mir heraus.
„Ja“, meinte Hannes und parkte den Wagen ein.
„Der hat doch sicher schon zu.“
„Nicht für uns.“
Fragend schaute ich ihn an. Er zog den Schlüssel ab und stieg aus. Ich folgte ihm.
„Wie viel weißt du über mich?“
Ich schaute ihn an.
„Öhm, du bist Schauspieler…“
„…, nein ich meine über mein Privatleben?“, unterbrach er mich.
„Nur das, was du mir erzählt hast.“
„Dann erfährst du jetzt noch etwas über mich… komm!“
Ich folgte ihm zum Tor, wo er den Klingelknopf betätigte. Es meldete sich jemand und Hanns sagte seinen Namen. Ein Summen folgte und Hannes und ich betraten das Zoogelände.
„Wenn ich etwas Zeit habe und in der Stadt bin, komme ich immer hier her und besuche meine Freunde.“
Freunde? Da war ich jetzt aber gespannt. Wir kamen an ein Haus, wo ein Pfleger uns begrüßte. Hannes schien bekannt, denn der Mann redete ihn mit Du an. Ich wurde vorgestellt und gemeinsam betraten wir das Haus.
Ein seltsamer Geruch machte sich in meiner Nase breit. Ich konnte frisches Heu erkennen, aber auch einen typischen Geruch, dass hier Tiere sein mussten. Nach ein paar weiteren Türen und Gängen kamen wir endlich an den ersten Käfig.
Erstaunt sah ich Schimpansen, die teileweise auf irgendwelchen befestigten Ästen oder einfach auf dem Boden saßen. Aber wir blieben nicht hier, sondern gingen weiter. Der nächste Käfig kam ins Blickfeld.
„Darf ich dir meine Freunde vorstellen?“, sagte Hannes plötzlich.
Ich konnte einen Oran Utah ausmachen und machte große Augen. Dann kam mir ein Bericht im Fernsehen in Erinnerung, der Hannes zeigte, wie er sich um Oran Utahs bemühte, die schwarz auf einem Markt verkauft wurden.
„Komm, keine Angst, die sind ganz lieb“, meinte Hannes und schob mich vor sich her.
Der Pfleger stellte einen Korb mit Früchten ab und schloss hinter sich die Tür. Ängstlich schaute ich mich um. So nah war ich noch nie an einem Oran Utah gewesen. Bisher saßen die Tiere an ihrem Platz, aber seit wir den Käfig betreten hatten, setzten sie sich auch in Bewegung.
Hannes setzte sich einfach auf den Boden, da wo er stand. Nervös tat ich dasselbe. Ein Tier lief direkt auf Hannes zu.
„Hallo alter Freund“, sagte Hannes und hob langsam eine Hand.
Der Oran Utah griff nach der Hand und schlang seine Arme um Hannes.
„Das ist Pinto, der Älteste in der Truppe“, erklärte Hannes und streichelte dem Tier über den Rücken.
Wie konnte er die Tiere auseinander halten, für mich sahen die alle gleich aus und die drei restlichen Tiere kamen mir nun sehr Nahe. Der Pfleger hinter mir gesellte sich zu mir und hob mir zwei Äpfel entgegen.
„Keine Angst, sie werden dir nichts tun, solange Hannes und ich bei dir sind“, meinte er und setzte sich zu mir.
Sehr beruhigend. Ein Tier setzte sich genau vor mich und starrte mich an.
„Reich ihm den Apfel“, meinte Hannes, was ich auch dann tat.
„Hast du die alle gerettet?“, fragte ich, ohne zu Hannes zu sehen.
Hannes lachte.
„Nein, die sind alle hier in Deutschland geboren und Pinto hier ist sogar eine Handaufzucht.“
„Handaufzucht?“
„Ja, seine Mutter wollte oder konnte ihn nicht ernähren, so haben es die Pfleger vom Zoo übernommen und es ist ja auch ein prachtvolles Kerlchen aus ihm geworden, nicht Pinto?“
Ein kurzer Blick zu Hannes zeigte mir, wie anhänglich Pinto war. Plötzlich spürte ich eine Hand an meinem Hals, ich drehte meinen Kopf wieder zurück. Ich atmete tief durch, denn es war keine menschliche Hand, sondern eine der Tiere.
Das Tier zog sich an mich und machte es sich zwischen meinen Beinen bequem. Genüsslich kaute es an seinem Apfel.
„Gabor scheint dich ja schon ins Herz geschlossen zuhaben“, meinte der Pfleger neben mir, der gleich zwei Oran Utahs an sich hängen hatte.
Das Fell dieses Gabors fühlte sich so unheimlich weich an, sanft streichelte ich über den Arm.
*-*-*
Ich war schon fast etwas traurig, als wir den Käfig wieder verlassen hatten. Gabor war richtig zutraulich geworden und wir hatten sogar etwas herum getobt.
„Na…, gefallen?“, fragte Hannes neben mir und riss mich aus meinen Gedanken.
„Ja!“, antwortete ich und schaute immer noch zu den Tieren.
„Die Tiere haben keine Vorbehalte, sie spüren nur irgendwie, ob jemand gut oder böse ist“, sprach Hannes weiter.
„Beneidenswert“, rutschte mir heraus.
„Finde ich auch! Komm, wir wollen noch etwas Essen, bevor ich dich zur Pension zurück fahre.“
Ich lächelte ihn an. Wenig später hatten wir den Zoo verlassen und saßen wieder im Auto. Hannes fuhr nur ein paar Straßen weiter und hielt dann vor eine Pommesbude. Erstaunt schaute ich ihn an.
Hannes fing an zu lachen.
„Wir sind zwar für einen Besuch in hiesigen Lokaltäten richtig gekleidet, aber du solltest mal an deinem Klamotten riechen.“
Ich hob meinen Arm und roch an meinem Ärmel. Stimmt, irgendwie roch ich nach Gabor. Ich musste grinsen, er hatte Recht.
„Zudem gibt es hier die beste Currywurst weit und breit“, meinte Hannes und verließ den Wagen.
Ich schnallte mich ab und folgte ihm nach draußen. Auch hier schien Hannes bekannt zu sein, das Paar hinter der Theke begrüßten ihn herzlich. Etwas später standen wir an einem der Stehtische, wo ich genüssliche ein Stück Wurst in den Mund schob.
„Und, wie schmeckt es?“, fragte Hannes.
„Guuut“, antwortete ich mit vollem Mund.
Hannes trank etwas von seiner Wasserflasche, bevor er sich das nächste Stück Wurst angelte.
Ich lächelte ihn an.
„Ich glaube, heute Abend habe ich den richtigen Tobias vor mir stehen.“
Ich verschluckte mich etwas und versuchte das mit einem Schluck Wasser aus meiner Flasche zu beheben.
„…ähm… wie meinst du das?“
„Du trittst ganz anders auf, als heute Mittag, als ich dich von der Pension abholte. Selbstsicher und mit guter Laune.“
„Das ist auch kein Wunder…, dass hat alles sehr viel Spaß gemacht.“
„Das habe ich gemerkt und was hast du für dich erkannt?“
„Hm…?“
„Hast du für dich etwas gelernt?“
Kurz durchflossen die Bilder des Mittags meinen Kopf und ich nickte.
„Dann haben wir ja unser Tagesziel erreicht“, meinte Hannes und biss von seinem Brötchen ab.
*-*-*
Ich drehte mich und plötzlich durchfuhr mich ein höllischer Schmerz. Meine Beine fühlten sich an wie Blei. Der Wecker zeigte mir, dass ich langsam aufstehen sollte, wenn ich noch etwas essen wollte.
Ich erhob mich und spürte, wie unbarmherzig der Muskelkater zuschlug. Das Klettern auf den Bäumen schien sich wohl jetzt bemerkbar zu machen. Langsam setzte ich meine Füße auf den Boden.
Jeder Schritt Richtung Tür spürte ich, jede Muskel, die ich am Körper besaß, meldete sich. So schien es mir auf alle Fälle. Schwerfällig ging ich direkt zur Dusche, drehte sie an und stellte mich darunter.
Der gewünschte Effekt blieb aber aus. Einige Muskeln entspannten sich zwar, aber der Großteil tat immer noch weh und das heute, wo die Gartenparty gedreht werden sollte. Es half nichts, ich musste da durch.
Eine Stunde später saß ich mit den anderen wieder im Bus und fuhren zum Set. Aufregung machte sich breit, denn heute sollte ich das erste Mal Westlife real kennen lernen und mit ihnen singen.
Am Set angekommen, wunderten wir uns, dass am Tor so ein Auflauf von Menschen war.
„Es ist komisch, dass irgendwie immer wieder durchsickert, wenn jemand Prominentes zu Gast ist. Die Teenies sind nur wegen Westlife da“, erklärte Paul und verringerte sein Tempo.
Ich musste grinsen, da viele Augen plötzlich in den Bus gerichtet waren. Sogar Fotos wurden geschossen. Eine gefühlte viertel Stunde später für der Bus endlich auf den Parkplatz vor dem Studio.
Vor den Proben sollt ihr gleich in die Maske“, sagte Paul, bevor er uns alleine ließ.
So lief ich mit Felix, Simon und Lukas direkt in die Maske. Nacheinander bekamen wir unsere Filmidentität aufgemalt, wurden mit Klamotten versorgt und frisch gestylt erschienen wir eine halbe Stunde später am Set.
Ein Mann baute sich vor dem Team auf und begann zu reden. Lukas flüsterte mir zu, dass es sich um Markus Strellinger handelte, dem Produzenten. Er sagte ein paar Worte zum Film, begrüßte gesondert, die Gruppe Westlife und anwesenden bekannten Schauspieler.
Wenig später übergaber Manuel das Wort. Draußen vor der Tür wurde es laut und Manuel brach ab. Der Grund des Lärmes waren die Statisten, die auf der Party für die gewisse Füllmenge sorgten, wie es Manuel ausdrückte.
Er erklärte noch einmal die erste Szene, wie er sie sich genau vorstellte und beorderte alle an ihre Positionen. Es brauchte natürlich acht Anläufe, bis diese Szene im Kasten war. Meine Nervosität stieg, denn nun stand mein Part mit Westlife an.
Ich lief zur Bühne und wurde den Jungs einzeln vorgestellt. Lukas hatte bereits am Klavier Platz genommen und mein Gegenpart Christian, der den Phillip spielte, stand nun auch bereit. Mittlerweile war die Gruppe der Schauspieler um einiges gewachsen und ich hatte Schwierigkeiten, mir alle Namen zu merken. Max gespielt von einem Gunnar, stellte sich an das Mikro, während ich und Christian unsere Plätze einnahmen.
Manuel gab seine Anweisungen, Paul kam mit der Klappe und es wurde still auf dem Set.
„Also liebe Leute zuhören. Jetzt hört ihr was, was ihr danach so nie wieder hören werdet, weil es eine einmalige Zusammenstellung ist. Westlife singen mit Phillip Kammerer und Kai von Söder, das Lied Der Stern. Das Lied wurde von Sebastian geschrieben und komponiert.“
Nachdem Gunnars Worte geendete hatten, begann die ganze Schar vor uns zu johlen und die Musik setzte ein. Ich schloss kurz die Augen und genoss Lukas das kurze Vorspiel der Band. Dann holte ich tief Luft und begann zu singen.
Vergessen waren die Leute vor mir, mein Blick war nur noch auf Lukas gerichtet. Als ich etwas später zum zweiten Mal mit dem Refrain begann, setzte wie ausgemacht Westlife ein. Eine Gänsehaut lief mir den Rücken herunter.
Ich konnte nicht anders und lächelte etwas, wunderte mich auch, dass Manuel nicht unterbrach und uns weiter singen ließ. Langsam kamen wir zum Ende und die letzten Akkorde wurden gespielt.
Für ein paar Sekunden herrschte völlig Stille, bevor ein riesiger Jubel ausbrach, der Manuels „Cute“ fast untergehen ließ.
*-*-*
Manuel schien von diesem ersten Durchgang so fasziniert, dass er beschloss keine weitere Szene zu drehen und gleich zur nächsten überzugehen. Mir war flau im Magen. Dass ich nicht gefrühstückt hatte, bereute ich nun.
Die Kameras wurden umgestellt und alles für den nächsten Dreh gerichtet.
„Ich dachte, ich muss dich nachschminken“, sprach mich Conny plötzlich von der Seite an, „…ist dir nicht gut?“
Ich schüttelte den Kopf und hielt mir den Magen.
„Soll ich Paul etwas sagen und unterbrechen lassen?“
„Nein, so schlimm ist es nicht“, log ich.
„Alle auf ihre Plätze“, schrie Manuel und Conny räumte den Platz neben mir.
Das übliche Vorspiel kam und zum Schluss die berühmte Klappe.
„Na, wie hat dir das gefallen?“, begann Gunnar seinen Text und trat zwischen mich und Lukas.
„Wow, Max, danke, das ist das beste Geburtstagsgeschenk das ich je bekommen habe.“
„Das ist noch nicht alles, wenn Westlife ihr nächstes Konzert in London im Kolloseum haben dann seid ihr dabei.“
Wir im Skript beschrieben, liefen wir von der Bühne. Schon auf der Treppe spürte ich, wie mir schwindlig wurde. Aber ich wollte nichts sagen und spielte meinen Part weiter. Ich tippte, wie in der Szene verlangt, Lukas auf die Schulter, der sich zu mir drehte.
„Sebi, mir ist plötzlich so komisch, ich muss mich setzten.“
Dass mir wirklich so elend war, merkte keiner, auch nicht, dass meine Beine sich plötzlich wie Gummi anfüllten. Schon automatisch griff ich nach Lukas.
„Holt doch jemand einen Krankenwagen“, schrie Lukas.
Meine Beine gaben nach und ich sank in Lukas Arme am Boden.
„Kai was ist mit dir..?“
Das ich mir mehr an den Magen griff, als wie verlangt ans Herz, schien keiner zu merken. Es wurde weiter gedreht. Lukas nahm meine andere Hand und hatte wirklich Tränen in den Augen.
„Kai bitte nicht… las mich nicht allein… bitte.“
Mir war zwar nicht zum Lächeln zu Mute, aber ich tat, wie es per Skript verlangt wurde.
„Ich liebe dich, Sebi…“, hauchte ich, dann verschwamm alles um mich herum und wurde schwarz.
*-*-*
Als ich meine Augen öffnete, nahm ich ein großes Stimmengewirr um mich herum wahr.
„Er kommt wieder zu sich“, hörte ich Lukas Stimme.
Ich erkannte Hannes und die anderen neben mir stehen.
„Was ist denn… passiert?“, fragte ich.
„Du bist ohnmächtig geworden“, kam es von Hannes, der neben mir kniete.
„Ohnmächtig?“
„Ja und Manuel meinte, er hätte noch nie jemand so überzeugend einen Zusammenbruch spielen sehen, bis wir merkten, dass du wirklich weg warst.“
Ich versuchte mich aufzurichten.
„Halt, mach langsam“, meinte Hannes und half mir mit Lukas auf.
Meine Knie waren zwar noch etwas weich, aber das flaue Gefühl im Magen war weg.
„Ich glaub…, das gestern war etwas zu viel und dann kein Frühstück“, äußerte ich meine Vermutung laut.
„Warum hast du denn nichts gesagt“, sagte Hannes.
„Ich dachte, das vergeht wieder…, ich spüre jeden Muskel.“
„Warum?“, wollte Lukas wissen.
Er konnte ja nicht wissen, was ich mit Hannes unternommen hatte. Da ich ja so überzeugend gespielt hatte, war alles im Kasten und das Set wurde bereits abgebaut. So erzählte ich in kurzen Sätzen, was ich gestern erlebt hatte.
„Wow“, entfleuchte es Lukas.
„Ich bring dich zurück in die Pension und du Lukas schaust, dass Tobias etwas Vernünftiges zu Essen bekommt und anschließend sich hinlegt.
Lukas nickte.
*-*-*
Zwei Wochen waren seit diesem Vorfall vergangen und Lukas wich mir immer noch nicht von der Seite. Zwei Tage nach Drehende hatte mein Training in der Muccibude begonnen. Die anfänglichen Schmerzen waren mittlerweile weg und ich freute mich sogar über meine geringe Gewichtszunahme.
Nun saß ich im Flieger und schaute zum Fenster hinaus. Der Tag war klar und ich konnte das Wasser sehen. Lukas neben mir döste, so hatte ich meine Ruhe. Im Gedanken war ich noch am Flughafen, wo überraschenderweise, oder sollte ich peinlicherweise sagen, meine Eltern auftauchten.
Sie überschütteten mich mit Anweisungen, aber mir ging es ja nicht alleine so. Die Eltern der anderen Jungschauspieler waren ebenfalls gekommen. Mein Vater schien seine Skepsis abgelegt zu haben und hatte mir viel Glück gewünscht.
Ich schloss die Augen und versuchte mir vorzustellen, wie es am neuen Drehort wohl sein würde. Darüber schlief ich ein. Etwas unsanft wurde ich von Lukas wach gerüttelt.
„Hallo“, nuschelte ich.
„Hi“, brummte es sanft in mein Ohr, „du solltest dich anschnallen, wir sind fast da.“
„Ja?“
Mit einem Mal war ich hellwach.
„Du hast die ganze Zeit fest geschlafen.“
Ich nickte und rieb mir die Augen, während Lukas mich die ganze Zeit anstarrte.
„Was?“, fragte ich und streckte mich etwas.
„Du siehst süß aus“, lächelte Lukas, „wenn du schläfst.“
„Weiß ich nicht“, grinste ich zurück, „hab mich noch nie dabei beobachtet.
Lukas Kopf kam näher.
„Du…?“
„Ja?“, meinte ich.
„Mir sind da Gedanken durch den Kopf gegangen… und wollte dich fragen…“
„Was?“
„Sind wir zwei jetzt so richtig zusammen?“
Ich schaute ihn an und setzte mich richtig auf.
„Also wenn man das Bett teilt, sich ständig die Ermahnungen anderer Anhören muss, dass man doch mit dem Geknutsche aufhören soll… ich denke JA!“
Lukas lächelte über das ganze Gesicht.
„Wie kommst du jetzt zu dieser Frage?“
„Ich weiß nicht…, vielleicht bin ich für dich nur eben ein Filmflirt…, solange gedreht wird.“
„Das denkst du von mir?“
Er zuckte mit den Schultern.
„Lukas, ich spiele die Rolle des Kais nicht nur, ich habe mich wirklich in dich verliebt.“
„Hört, hört!“, kam es aus der Reihe hinter uns, wo Simon und Felix saßen.
Ich kletterte auf meinem Sitz, so dass ich zu den beiden schauen konnte.
„Etwas dagegen… Schwager?“
Felix sah Simon an und kicherte. Der schüttelte den Kopf.
„Ich sicherlich nicht. Die Nervensäge ist viel ruhiger geworden, seit er mit dir zusammen ist.“
Nun drehte sich Lukas ebenso um.
„Wer nervt hier wen?“, fragte er.
Felix kicherte amüsiert weiter.
„Lukas jetzt tu nicht so, als dass dies nicht stimmen würde. Du warst oft unausstehlich und deine Launen unerträglich!“
Nun musste ich auch grinsen.
„Tja, da siehst du mal was mein Kleiner neben mir alles kann.“
„Das habe ich schon von Anfang an gewusst, dass Tobias etwas auf dem Kasten hat…, jedenfalls mehr als du!“
Eine Flugbegleiterin trat an uns heran.
„Würden sie bitte die normale Sitzposition einnehmen und sich anschnallen?“
Lukas und ich nickten, setzten uns und schnallten uns an, wie geheißen. Mein Blick wanderte zum kleinen Fenster neben mir.
„Cool, oder?“, fragte Lukas, der sich zu mir herüber beugte.
Deutlich war die Grenze zwischen Meer und Land zu sehen. Die Häuser wurden mehr, der Flieger sank immer deutlicher. Ich konnte sogar sehen, wie sich die Klappen der Flügel sich noch mehr nach unten bogen.
Die Häuser wurden größer und der Boden kam immer näher. Noch kurz bevor die Landebahn erreichten, überquerten wir eine große Straße. Ein kurzen Ruckeln durchzog die Maschine und wir rollten auf der Landebahn aus.
Wie ich feststellen konnte hatte auch hier Paul alles in der Hand. Die Formalitäten waren schnell getätigt und um unser Gepäck mussten wir uns auch nicht kümmern. Wenig später schon saßen wir alle in einem Bus und fuhren Richtung City.
Schon von weitem konnte ich die Wolkenkratzer sehen, die je näher wir kamen immer bedrohlicher wirkten. Den anderen Jungs ging es ebenso wie mir. Sie schauten nach draußen und waren einfach nur sprachlos.
„Zum ersten Mal in New York?“, hörte ich vom Gang her jemanden fragen.
Ich drehte mich um und Hannes stand vor mir.
„Italien war bisher das weiteste…“
Er lachte und lief weiter nach vorne. Ich drehte mich wieder dem Fenster zu und schaute weiter.
*-*-*
Auch im Hotel ging alles recht zügig zu. Gegen meine Erwartung waren wir in einem recht noblen Hotel untergebracht. Auch fand ich es cool, das ich ein Zimmer mit Lukas teilen konnte.
Beide waren wir damit beschäftigt unsere Sachen auszupacken, als es klopfte.
„Ja?“, rief Lukas und lief zur Tür um die zu öffnen.
Paul kam zum Vorschein.
„Hi ihr zwei. Ich wollte euch nur über den heutigen Tagesablauf verständigen. Gegen ein Uhr gibt es für die ganze Crew unten im großen Saal Mittagessen und um zwei treffen wir uns dann vor dem Hotel. Wir werden mit dem Bus die verschiedenen Drehorte besichtigen.“
„Wow, wir fahren zum Rockefellercenter?“, fragte ich verwundert und gleichzeitig erfreut.
„Unter anderem, also ihr wisst Bescheid, wir sehen uns später“, sagte Paul und verschwand wieder.
Lukas ging zurück an seinen Koffer. Seine Fröhlichkeit vom Flugzeug war gewichen. Mit ernstem Gesicht räumte er seine Klamotten in den Schrank. Ich hielt inne und beobachtete ihn.
Er schien es zu bemerken und blieb ebenfalls stehen, ohne sich aber zu mir umzudrehen.
„Was ist los?“, fragte ich.
„Nichts.“
Ich ließ meinen Stapel Shirts aufs Bett gleiten und ging zu ihm hin. Ich drehte ihn zu mir und nahm ihn in den Arm, egal ob wir die Hemden zwischen uns verknitterten.
„Warum habe ich das Gefühl, dass ich, obwohl du der Stärkere bist, immer der Stärkere sein soll.“
Er hob den Kopf und schaute mir in die Augen. Sein Blick war traurig.
„Bist… du doch auch! Schau dich an…, seit du Gewicht zugelegt hast, Farbe bekommen hasr…, weißt du wie gut du aussiehst?“
Ich musste lächeln, weil ich mich geschmeichelt fühlte. Vorsichtig stupste ich Lukas an der Nase.
„Und du bist doof…!“
„Hä?“
„Warum fühlst du dich plötzlich so schwach? Lukas du hast keinen Grund dazu…“
„… was wird… nach dem Film?“
„Was meinst du?“
Er befreite sich aus meinen Armen. Trotzdem bewahrte er den Sichtkontakt.
„Tobias, sei ehrlich, was wird, wenn wir mit dem Drehen fertig sind?“
*-*-*
Nach der Besichtigungstour war Lukas verschwunden. Ich fand ihn nicht bei den anderen und er war auch nicht im Zimmer. Noch immer hatte ich die traurigen Augen vor mir, als er mich fragte, was aus uns werden würde.
Ich hatte ihm keine Antwort geben können, weil ich selbst nicht wusste. Jeder würde nach Hause fahren und das war schon weit von einander weg. Nach einem langen Gespräch mit Hannes hatte ich mich entschieden, auf die Schauspielschule nach Hamburg zu gehen.
Er wollte mir da helfen, was mir den Entschluss irgendwie erleichterte. Aber es war ein Weg ohne Lukas, wobei ich aber auch nicht dessen Pläne wusste. Darüber hatten wir uns nicht unterhalten, zumindest nicht ausführlich.
Auf meinem Bett lag das Script für den nächsten Tag. Da mir Paul erzählte, wie schwierig es war, einen Termin für Dreh‘s in Manhattan zu bekommen, sollte morgen der ganze Tag genutzt werden.
Ich beschloss das Abendessen ausfallen zu lassen und wollte mich Bett fertig machen. Gedankenverloren zog ich mich aus und ging ins Bad. Die Dusche ließ die Zeit um mich herum vergessen.
Als ich nach einer gefühlten Stunde wieder das Bad verließ, fand ich Lukas auf dem Bett sitzend vor. Er blätterte im Script und sah nicht auf.
„Hallo…“, sagte ich leise.
Er nuschelte etwas vor sich hin, aber ich verstand es nicht. So setzte ich mich, nur mit Handtuch in den Hüften, neben ihn.
„Ich habe dich vermisst…“, versuchte ich wieder ein Gespräch zu beginnen.
„…sorry…, ich musste meinen Kopf frei bekommen.
Ich schaute zur Decke und atmete tief durch.
„Hör mal Lukas…, ich kann dir deine Frage nicht beantworten.“
„Hm?“
Immer noch starrte er stur auf das Script. Ich griff nach seiner Hand.
„Lucas, ich habe mich entschieden, nach dem Film nach Hamburg zu gehen um dort die Schauspielschule zu besuchen und…
„… du willst wieder Schluss machen.“
Entsetzt starrte ich ihn an. Er hob seinen Kopf und nun sah ich die roten Augen. Er musste geweint haben.
„Wie…, wie kommst du denn da drauf? Ich überlege die ganze Zeit, was man machen kann. Ich wäre in Hamburg und du in Berlin. Aber ich…“
„Ich brauch dich…!“, schoss es aus Lukas hervor und plötzlich schlug er beide Arme um mich, drückte sich fest an mich.
Sichtlich überrascht, hob ich nur zaghaft die Hand und streichelte ihn über den Rücken.
„Ich habe dir schon im Flugzeug gesagt, dass ich dich sehr lieb habe. … du hast nie erzählt, was du nach dem Film vor hast, Lukas, darüber haben wir nicht gesprochen.“
Ein leises Wimmern konnte ich vernehmen, mehr aber kam nicht von Lukas. Es klopfte an der Tür, aber Lukas rührte sich immer noch nicht. So befreite ich mich aus seinen Armen und lief zu unserer Zimmertür.
„Ja?“
„Hier ist Paul, ich bring die Klamotten für morgen vorbei“, drang durch die Tür.
Ich zog die Tür auf, ohne darüber nachzudenken, dass ich nur das Handtuch um hatte. Paul kam ins Sichtfeld, beladen mit zwei Klamottenhüllen.
„Hallo Tobias, Manuel meinte um Zeit zu sparen, sollte morgen jeder schon umgezogen sein. Geschminkt wird Vorort!“
„… okay.“
Ich wollte ihm die Sachen abnehmen, aber Paul drückte sich einfach an mir vorbei. Er legte die Hüllen auf mein freies Bett und hielt kurz vor Lukas inne. Sein Blick wanderte zu mir, doch ich zuckte nur mit den Schultern
„Okay, ich muss weiter, habe noch mehr zu verteilen, man sieht sich vielleicht später!“
Und schon war Paul aus unserem Zimmer verschwunden und ich schloss die Tür wieder. Lukas saß immer noch unbeweglich auf seinem Bett und starrte auf den Boden. Ich ging zu ihm und kniete mich, so gut es mit einem Handtuch um die Hüften ging, zu ihm hin.
Mit einem Finger drückte ich sein Gesicht nach oben, bevor ich seine Hand nahm.
„Lukas…, mir ist das wirklich ernst. Ich habe mich dich verliebt. Ich möchte mir dir zusammen sein, dich viel besser kennen lernen, egal was kommt…, der Film vorbei ist. Aber dazu müssen wir auch reden… planen…“
Er schaute mich starr an.
„Du… du lässt mich nicht alleine?“, kam es leise über seine Lippen.
„Nein. Ich dachte eigentlich, das ist klar!“
Lukas atmete tief durch und wischte sich über das Gesicht.
„Hast… du dich schon einmal angeschaut?“, fragte er.
„Was meinst du?“
Er stand auf und zog mich vom Bett.
„Schau dich einmal an.“
„Wieso?“
„Da ist nichts mehr, von dem Tobias, den ich vor ein paar Wochen kennen gelernt habe.“
Ich wusste nicht, was er jetzt meinte.
„… ähm ich bin doch immer noch derselbe.“
„Nein. Nach deinem Training siehst du viel besser aus, die Blässe ist weg, du wirkst so selbstsicher…“
Ja, er hatte ja Recht. Mein Äußeres hatte sich sehr geändert, dass sagten selbst meine Eltern vor dem Abflug in Deutschland.
„Mag sein, dass ich anders auf dich wirke“, ich griff wieder nach seiner Hand, „aber deswegen habe ich mich doch nicht verändert. Ich bin immer noch Tobias Gerber, der sich in einen unheimlich süßen Typ verliebt hat.“
Sein Blick änderte sich und ich dachte auch so etwas wie ein kleines Lächeln auf seinen Lippen zu sehen.
„Ich wirke vielleicht selbstsicher, aber ich bin immer noch der ängstliche Typ, wie damals, als ich dich im Speiseraum in der kleinen Pension bei Trude zum ersten Mal gesehen habe.“
„Du hast dich verändert…“
„Gefällt dir das nicht?“
„Doch…“
„Aber?“
Er zog seine Hand zurück und lief zu einem der großen Fenster in unserem Zimmer.
„Tobias, ich… du…“, er drehte sich wieder zu mir, „du wirkst so selbstsicher, siehst super aus, du kannst jeden haben…, was willst du dann noch mit mir? Wenn der Film heraus kommt, wird dich jeder kennen und…“
Er drehte sich wieder weg und schaute hinaus. War das Eifersucht auf mich oder wie kam er jetzt auf den Gedanken, ich würde mir jemand anderen suchen? Langsam lief ich zu ihm hin und nahm ihn von hinten in den Arm.
„Ich liebe nur dich“, flüsterte ich leise, „will nur dich…, niemand anderen.“
Ich spürte seine Hand auf meinem Arm.
„Ich habe einfach nur Angst“, erwiderte er leise, „… dich zu verlieren.“
„Wirst du nicht…“
Er drehte sich um und unsere Blicke trafen sich wieder. Er wirkte plötzlich so zerbrechlich.
*-*-*
„Wo bist du mit deinen Gedanken“, hörte ich Katjas Stimme hinter mir.
Manuel hatte uns endlich eine Pause gegönnt und ich hatte mich auf die Dachterrasse verzogen.
Mein Blick wanderte über die Skyline der Stadt, bevor ich mich zu Katja umdrehte.
„Überall und nirgendwo.“
Sie stellte sich neben mich, lehnte ihre Unterarme auf die Brüstung, während ihr Blick ebenfalls in der Ferneschweifte.
„Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass in der Rolle des Kai Söden mehr Tobias Gerber steckt, als er verträgt?“
Ich schaute zu Katja, die immer noch ihren Blick über die Hochhäuser wandern ließ.
„… weil es vielleicht so ist…“
Ich wusste nicht, warum ich so vertraulich mit Katja reden konnte. Klar hatten wir während der Dreharbeiten schon manches Gespräch geführt, aber nie war es so direkt. Sie drehte sich plötzlich um und lehnte gegen die Brüstung.
„Als ich meinen ersten Film drehte, dachte ich auch, ich muss mich voll ins Zeug legen. Resultat davon war, dass ich nach drei Wochen, meine Rolle und mein Privatleben nicht mehr auseinander halten konnte.“
„… damit hat es nichts zu tun. Ich spiele nur den Kai, ich bin es aber nicht, auch wenn viel von mir in diese Rolle einfließt.“
„Vielleicht wirkt gerade deshalb dein Auftreten als Kai so echt, weil du so viel Herzblut hinein legst. Aber die Gefahr, zu sehr mit der Rolle zu verschmelzen, besteht trotzdem.“
Ich schaute wieder kurz zu ihr.
„Aber die Rolle ist vorbestimmt. Am Schluss das Happy End. Aber im realen Leben gibt es nicht immer ein Happy End.“
Katja lachte.
„Tobias, du hörst dich gerade an wie ein alter weißer Mann.“
„Wieso? Muss man erst alt werden, damit man so etwas begreift?“
„Nein, muss man nicht. Aber du hast noch so viel vor dir, du wirst noch viel lernen.“
Ich nickte und sah sie lange an, bis sich unsere Blicke trafen. Mein Kopf senkte sich.
„Ich… ich habe mich… in Lukas verliebt…“
„Und? Weißt du in wie viele Kollegen ich mich schon verliebt habe?“
Sie drehte sich nun ganz zu mir und nahm meine Hand.
„Tobias, ich denke ich weiß wie du dich fühlst. Aber versuche es aus dem Blickwinkel zu betrachten. Liebe ist etwas Schönes…, genieße jeden einzelnen Augenblick und denke nicht darüber nach, was kommen könnte.“
*-*-*
„Aussichtsplattform, die Achte!“
Wie im Skript stehend, stand ich etwas abseits und spürte Lukas Hand an meiner Seite. Ixh sah zu ihm und lächelte.
„Als ich nach der Operation in meinem Zimmer lag, dachte ich daran, wie es wäre mit dir hier oben zu stehen, mir kam dabei der Film Schlaflos in Seattle in den Sinn.“
„Aber da war doch Tom Hanks da drüben“, antwortete ich Skriptgemäß hob den Arm und zeigte auf das Empire State Building.
„Ja aber wie sie da so aus dem Fahrstuhl kam, sie ihn sah und ihre Blicke sich trafen. Sie da standen und sich einfach anschauten. Da wünschte ich mir, diese Szene mit dir zu spielen.“
Ich spürte seine Hand, wie sie sanft durch mein Haar strich.
„Und zu was einer Überlegung bist du dann am Schluss gekommen?“
„Das ich noch etwas für dich habe.“
„Noch ein Geschenk?“
„Ja!“
Dieses Mal blieb Lukas mit seiner Hand nicht hängen und zog ohne Probleme das kleine Kästchen hervor, was bisher die Dreharbeiten jedes Mal gestoppt hatte. Manuel ließ weiter spielen.
Langsam öffnete Lukas das Kästchen und der Goldring kam zum Vorschein. Er entnahm den Ring und schob ihn mir langsam auf den Finger. Auch dieses klappte ohne Probleme. Ich besann mich wieder auf meine Rolle.
„Kai ich weiß nicht was ich sagen soll“, legte die beschriebene Kunstpause ein, „ich weiß nur wie sehr ich dich liebe.“
Diesen Satz im Script hatte ich dieses Mal voll Überzeugung gesagt, weil es real auch stimmte. Umso mehr zuckte ich zusammen, als jemand, in dem Falle Simon, der Phillip spielte, mir auf die Schulter tippte.
„Darf ich euch beiden was fragen?“
„Immer heraus damit“, nahm Lukas seinen Text auf.
„Ihr beide werdet aber nicht in Amerika bleiben…?“
Ich atmete tief durch und antwortete ihm.
„Bruderherz, die Verlockung ist zwar groß, aber nein, Kai und ich werden wieder nach Deutschland fahren, ich zumindest wenn unser Aufenthalt hier vorüber ist. Warum fragst du überhaupt?“
„Ich hatte die Befürchtung, meinen soeben gewonnen Bruder wieder zu verlieren…“
„Keine Sorge großer Bruder, mich wirst du nicht mehr so schnell los.“
Nun kam auch noch auch Felix in der Rolle von Andreas dazu.
„Was zieht ihr so Trauerminen, es gibt doch gar keinen Grund dafür.“
„Eigentlich keinen. Ich bin jedenfalls der glücklichste Mensch der gerade rum läuft. Ich habe den süßesten Freund den man sich wünschen kann, und dazu die zwei besten Brüder, die jemand haben kann“, sagte Lukas und begann jeden von uns zu umarmen.
„CUTE!“, hörten wir Manuels Stimme.
„Schluss für heute, die Szene ist im Kasten.“
Wir vier atmeten gleichzeitig aus und waren froh, dass die Szene nicht noch einmal gedreht werden musste. Ich zog den Ring vom Finger ab, ebenso Lukas und gab sie einem Helfer. Es war die letzte Szene im Film gewesen, Manuel hatte sie bis zum Schluss vor sich her geschoben. Ich wollte schon wie die anderen die Terrasse verlassen als mich etwas an meinem Ärmel zog. Ich drehte mich um und Lukas stand hinter mir.
„Was ist?“
„Kommst du mal?“
Ich folgte im über die Plattform, auf die andere Seite, wo nicht soviel los war.
„Du… Tobias…“, er pfriemelte an seiner Jacken im Innenteil und ich musste grinsen, weil es genauso war, als vorhin die Dreharbeiten abgebrochen wurden. Auch jetzt zog er ein kleines Kästchen hervor.
„Was hast du vor?“, fragte ich, „die Szene ist im Kasten…“
„Tobias…ich… die Szene eben, hat mich auf eine Idee gebracht…“
Er öffnete das Kästchen und ein Silberring kam zum Vorschein.
„Er ist zwar nicht so prachtvoll, wie eben der in der eben in der Szene, aber dieser kommt von meinem realen Herzen!“
Er entnahm den Ring und hielt ihn dicht vor mein Gesicht. Ich konnte Lukas in Innenteil lesen. Ich spürte, wie meine Augen feucht wurden.
„Lukas…“
„Ich… wollte, dass du etwas von mir immer bei dir trägst“, sagte er und schob mir den Ring auf den Finger, … ich liebe dich!“
Ich fuhr auch dieses Mal zusammen, weil wie in der Szene zuvor, mir jemand auf die Schulter tippte. Nur war es nicht Phillip, wie eben, sondern Hannes stand vor mir, mit zwei Sektgläsern in den Gläsern.
Auch die anderen standen alle da und hatten Gläser in der Hand.
„Gratuliere!“, flüsterte Hannes.
„So ihr Lieben“, ergriff Manuel das Wort, „es ist alles im Kasten. Die nächsten Wochen beim Schneiden werden zeigen, ob wir etwas nachdrehen müssen, aber ich bin zuversichtlich! Unten ist eine kleine Feier vorbereitet, mit der ich mich bei euch für die gute Zusammenarbeit bedanken möchte. Also Danke an euch alle und viel Spaß!“
Alle klatschen und hoben ihr Sektglas. Lukas drehte sich zu mir und hauchte mir einen Kuss auf dich Wange. Mit Tränen in den Augen sah ich ihn an und flüsterte: „… ich liebe dich auch!“
*-*-* Ende *-*-*

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Information Dichter ohne Worte
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:20 AM - No Replies

Feuer brannte im Kamin. Augen erschienen hinter seinen verschlossen Lidern. Er saß ganz still. Vergaß alles um sich. Er wusste nicht wie lange er schon auf dem Boden gesessen und in den Kamin starrte. Das Lichte des Feuers brannte allmählich runter. Langsam, aber dennoch beständig.
Er legte ein neues Stück Holz nach und gab sich wieder seinen Gedanken hin. Gedanken an ein paar Augen. Strahlend, wie die Sonne. Hell und doch so dunkel vor ihm. Nichts hatte ihn sein Besitzer daraus lesen lassen. Nichts wusste er von ihm. Nur dieser Augen hatten sich in sein Gedächtnis eingebrannt.
Nein, eingebrannt war nicht das richtige Wort. Eingeschlichen und festgeklammert, traf es eher. Er schloss wieder die Augen, erinnerte sich an ihn. Ein Engelsgleiches Gesicht. Schwarzes Haar, fein wie tausende Seidenfäden. Ein Mund so rot, zu einem sanften Lächeln verzogen, ohne fies oder gar aufdringlich zu wirken.
Ein Körper, der bei seinen Bewegungen geschmeidig wirkte, als wären die Bewegungen nicht wirklich, sondern Einbildung. Warme Hände hatten sich um seine Hand geschlossen und ihn mit unglaublicher Kraft aus dem Schnee gezogen. Dabei hatten ihn zwei Augen angesehen, sie so strahlend schimmerten in allen erdenklichen Farben, in allen Silbertönen, gemischt mit dem Blau des Schnees und dem goldenen warmem Schimmer der Sonne.
Hinzu beförderte seine rote Winterjacke einen leichten Rotstich in seine sanften Augen. Er konnte sich nicht erinnern welche Farbe die eigentlich war, welche Farbe diese Augen hatten wenn kein Schimmer in ihnen lag. Er legte sich hin und schlief schon nach wenigen Augenblicken ein, aber nicht, ohne noch einen Gedanken an diesen wunderschönen Augen zu verschenken.
Erst dann schlief er ein und erwachte erst am nächsten Morgen wieder. Jemand hatte eine Decke über ihn gelegt. Das Feuer war runter gebrannt und es roch nach süßen Brötchen. Er öffnete langsam die Augen und blieb jedoch noch einen Moment liegen.
„Du solltest nicht auf dem Boden schlafen bei der Kälte“, sagte jemand hinter ihm flüsternd.
Er drehte sich langsam um. Hielt die Decke leicht fest und sah dem Fremden in die Augen.
„Morgen“, sagte dieser lächelnd.
Er starrte ihn nur an, zu keinem Gedanken fähig. Zu keiner Bewegung im Stande.
„Bist du seit gestern stumm?“, fragte der Fremde grinsend.
„Nein. Ich bin verwirrt“, antwortete er leise und schloss wieder die Augen.
Nach einigen Augenblicken öffnete er sie wieder und setzte sich auf. Als er den Fremden wieder ansah, versank er in dessen Augen. Sie strahlten wieder, wie zwei kleine Feuer.
„Hey? Ist alles in Ordnung, oder hast du dich doch erkältet?“
„Nein. Mir geht’s gut. Wie heißt du?“
„Ach stimmt, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Jason. Ich wohne seit gestern auch in dieser Herberge“, sagte der Fremde fortwährend lächelnd.
„Wie ist dein Name?“
„Ich heiße Felic. Ich bin seit drei Tagen hier.“
„Freut mich deine Bekanntschaft zu machen Felic. Du hast einen außergewöhnlichen Namen.“
„Nur in diesem Land. In Griechenland ist es ein sehr häufiger Name.“
„Kommst du aus Griechenland?“
„Nein. Aber meine Eltern.“
Felic sah Jason sanft an. Er fühlte sich plötzlich wieder müde und sah zum Kamin.
„Hier im Haus wohnt niemand sonst, oder?“
„Nein. Nicht wenn du allein hier bist.“
„Ich bin allein hier“, sagte Jason leise und setzte sich neben Felic.
Dieser lehnte sich an die Couch und starrte in das längst erloschene Feuer.
„Hast du Lust ein wenig in die Eishalle zu gehen?“
„Ich kann zwar nicht wirklich mit den Dingern umgehen, aber ja“, meinte Felic leise und stand auf.
„Ich muss mich nur kurz umziehen.“
Felic ließ die Decke fallen und ging nach oben. Er ging ins Bad und anschließend in sein Zimmer um sich anzuziehen. Als er nach unten kam, stand Jason am Fenster. Es hatte wieder angefangen zu schneien. Ein wenig traurig sah er aus, wie er da am Fenster stand.
Felic ging leise auf ihn zu und sah ihm in die Augen. Sie schimmerten noch immer, aber es war ein anderes Schimmern.
„Ich bin fertig. Wir können gehen, wenn ich was gegessen habe.“
„Na dann los“, sagte Jason lächelnd und atmete einmal durch, nachdem er seinen Schrecken überwunden hatte, den Felic ihm mit seinem plötzlichen Auftauchen verursacht hatte.
Sie gingen gemeinsam zur Eishalle und ließen sich Schlittschuhe aus. Jason war schon eher fertig und bemerkte schnell, das Felic Schwierigkeiten mit seinen Schnürsenkeln hatte.
Er grinste ihn an und sagte nach einer Zeit lächelnd: „Meinst du, du schaffst es vor dem Sommer deine Schuhe anzuziehen?“
Nein“, kam es von Felic verzweifelt und grinste ebenfalls.
„Warte. Bevor du dir einen Knoten in die Finger machst“, entgegnet Jason und fuhr sich mir einer Hand übers Gesicht, als er sah wie Felic seine Schuhe letztlich zuschnüren wollte.
Jason hockte sich vor ihn und öffnete das Knäul Schnürbänder. Dann machte er sich daran Felic die Schuhe richtig zu zuschnüren. Dieser hielt sich an der Bank fest und sah Jason dabei zu. Es war ihm etwas peinlich, seine Schuhe nicht allein anziehen zu können und errötete dem entsprechend etwas.
„Fertig. Jetzt versuch mal drauf zu stehen!“, sagte Jason und reichte Felic eine Hand, um ihm aufzuhelfen.
Felic nahm Jasons Hand und stand auf. Stehen ging erstaunlich gut. Als er jedoch einen Schritt gehen wollte, stolperte er leicht und strauchelte, fand aber im letzten Moment sein Gleichgewicht wieder.
Jason grinste leicht und sagte dann leise: „Bist du sicher, dass du es auf dem Eis versuchen willst, wo du kaum so darauf gehen kannst?“
„Ja. Ich habe doch jemanden der mich festhält. Oder nicht?“, fragte Felic leise und lächelte.
„Doch hast du. Na komm. Bevor wir wieder Sommer haben.“, sagte Jason provozierend.
„Na warte. Du wirst sehen, wenn ich mich erst mal eingelaufen habe. Hole ich dich schnell wieder ein“, sagte Felic grinsend und folgte Jason.
„Hochmut kommt, bekanntlich vor dem Fall“, meinte Jason amüsiert.
Und wie er erwartet hatte glitt Felic auf dem Eis aus, als er es gerade geschafft hatte, mit beiden Beinen einigermaßen fest zu stehen. „Sagte ich es nicht eben?“, meinte Jason grinsend und half Felic auf die Beine
Eine Weile hielt er seine Hand noch fest, ehe er ihn losließ und ein Stück von ihm weg glitt.
„Versuch mal das kurze Stück zu mir“, sagte er lächelnd.
Felic hielt sich noch an der Bande fest und lief etwas unsicher. Als er los ließ, um doch frei zu laufen, glitt er leicht aus. Jason hielt ihn erneut fest und wäre beinahe ebenfalls ausgerutscht, konnte sich aber im letzten Moment jedoch noch festhalten. Was Felic jetzt erst auffiel, waren die immer wieder wechselnden Farben des Lichts, wie in einer Disko.
Es lief gute Musik, die eher zum Tanzen, als zum Schlittschuhlaufen einlud. Ein Gebiet in dem sich Felic wesentlich besser gefühlt hätte. Er lehnte sich an die Bande und schloss einen Moment die Augen. Er konzentrierte sich auf die Musik und ließ sie auf sich wirken.
„Hey? Geht’s dir gut?“, fragte Jason leicht besorgt.
„Ja. Ich habe mich nur erschreckt.“
„Wovor?“
„Davor, das sich meine Gedanken auf Abwege begeben hatten“, sagte Felic und lächelte verlegen.
Er war völlig versunken in das Gefühl für einen Moment nicht allein zu sein. Es fühlte sich gut an, aber auch irgendwie ungewohnt. Seine Eltern hatten ihn immer wieder weggeschickt, zu irgendwelchen Fahrten. Sie wollten in den Ferien keinen Familienausflug machen und wenn er in der Schule war, waren seine Freunde recht dürftig.
Alles nur oberflächliche Bekanntschaften. Aber bei Jason war es anders.
„Hey. Nicht träumen. Komm her. Und zwar ohne stolpern“, meinte Jason grinsend, nachdem er sich weiter wegbewegt hatte. Felic atmete kurz durch und ließ die Bande langsam los. Er bemerkte die leichte Einkerbung am Rand des Eises, welche zur Band eine kleine Wölbung bildete, rund um die Eisfläche.
Er begriff, dass er vorher zu dicht an dieser gelaufen war und daher sein Gleichgewicht verloren hatte. Jetzt versuchte er diesen Fehler nicht zu wiederholen und versuchte Schritt für Schritt voran zu kommen. Ein kleines Stück hatte er bereits geschafft, als Jason ihm ein Stück entgegenkam und ihn zur Seite zog.
Keinen Moment zu spät, denn es raste jemand an ihnen vorbei, der wohl vergessen hatte, dass noch andere auf der Bahn waren. Dadurch verlor Felic jedoch endgültig sein Gleichgewicht und fiel Jason in die Arme. Dieser hielt ihn einen Moment fest und stellte ihn dann wieder auf die Füße.
„Das war meine Schuld, entschuldige“, sagte Jason leise und drückte Felic an die Bande, damit dieser ihm nicht hinfiel.
Felic sah verlegen in Jasons Augen, die vom Eis und dem Licht in allen Regenbogenfarben glitzerten.
„Lass es mich noch mal versuchen“, meinte Felic lächelnd, nur um aus dem Bann zu entfliehen, den Jason aufbaute.
„Okay. Aber fall nicht…“
„Du fängst mich schon auf“, sprach Felic lächelnd und lief ein kleines Stück.
Er wurde allmählich sicherer und stand schon mal fest auf den Kufen.
„Trotzdem. Zieh deine Finger ein, solltest du fallen.“
„Okay“, kam es von Felic und lief weiter.
Jason lächelte, als er die Fortschritte bemerkte. Es waren schnelle Fortschritte und Felic wurde allmählich schneller. Jason folgte ihm und lief neben ihm her. Er ließ ihn gar nicht erst an die Bande um doch noch hinzufallen, sondern bemühte sich Felic in der Mitte des Eises zu halten, wo die Rillen noch nicht so geprägt waren.
Sie fuhren nach einer Weile gleich schnell und Jason verlor Felic für einen Moment auch aus den Augen und lief ein wenig rückwärts ehe er wieder normal lief. Als er ihn nicht sah, dachte er sich nichts weiter dabei und lief weiter. Er lief seinen eigenen Stil und versuchte seine Techniken etwas auszubauen.
Er drehte eine leichte Pirouette und als er sich umsah, bemerkte er dass es nicht so voll war, wie es den Anschein hatte. Er wartete einen Moment ab in dem in seinem Umkreis niemand war und sprang plötzlich ab. Er drehte sich dreimal in der Luft und kam fast auf derselben Stelle wieder auf, an der er abgesprungen war.
Eine Waage hinten ran sicherte ihm sein Gleichgewicht und dabei bemerkte er auch Felic der nicht weit von ihm an die Seite gefahren war und ihn ungläubig ansah. Er hatte noch um einiges mehr Publikum, aber das störte ihn nicht. Er war es gewohnt, Blicke auf sich zu ziehen und er kannte seine Ausstrahlung auf dem Eis.
Genug hatten sie ihm geschildert. Er lief auf Felic zu und kam vor ihm zum stehen.
„Woher kannst du so gut laufen?“
„Ich bin im Verein“, sagte Jason lächelnd.
„Soll ich dir ein bisschen was beibringen?“
„Nein. Ich versuche erst mal auf zwei Beinen zu laufen“, meinte Felic und grinste.
„Okay“, erwiderte Jason sanft und lächelte amüsiert…, „lass uns noch etwas laufen.“
„Okay“, sagte Felic und erschrak, als Jason seine Hand nahm und ihn wieder auf die Mitte des Eises zog.
Erst dort ließ er ihn los und lief wieder ein Stück. Felic sah ihn verwundert an und ihm fiel auch wieder die leichte Traurigkeit in dessen Augen auf. Stellte jedoch keine Fragen, wobei Jason ihn eh nicht gehört hätte. Es war zu laut geworden, seit Techno- lief.
Stattdessen lief er neben Jason her und hielt auch seinem Tempo stand. Er hatte dabei keine Mühe. Nach einer Weile lief er ein Stück voraus und blieb vor ihm abrupt stehen. Jason hatte dies erwartet und kam direkt vor ihm zum Halt.
„Läufst du wegen mir langsamer oder wirst du langsam müde?“, fragte Felic leise.
„Ich laufe von mir aus langsamer, da ich vorhin ein wenig zuviel riskiert habe mit meinem Sprung.“
„Warum?“
„Weil mein Trainer mich gesehen hat und er mir ans Herz gelegt hatte, nicht zu sehr aufzufallen“, sagte Jason sanft und lächelte.
„Ach so. Aber ein kleines Wettrennen darfst du mit mir machen, oder?“
„Ist da jemand in den Genuss gekommen?“
„Ja“, strahlte Felic und schon lief er los.
Jason blieb verdattert einen Augenblick stehen, holte Felic aber nach kurzem ein und lief an die Bande. Felic kam fast Zeitgleich zum stehen und hätte beinahe wieder sein Gleichgewicht verloren, als er zu hart an der Bande ankam und sie nicht zu fassen bekam.
Jason fing ihn auf und verlor dabei selbst sein Gleichgewicht. Er fiel neben Felic auf das Eis und blieb einen Moment liegen. Es war schon fast leer und somit bestand die Gefahr überfahren zu werden nicht mehr. Jason war wie auch Felic völlig außer Atem und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht, ehe er seine Augen wieder öffnete und leicht lachte.
Felic sah ihn überrascht an. Er verstand nicht den Grund, für Jasons Lachen und war desto mehr irritiert. Jason stand langsam wieder auf und half Felic hoch, der sonst beinahe wieder auf dem Eis gelegen hätte.
„Lass uns langsam gehen. Die Halle wird schon recht leer. Ich glaube die schließen gleich“, meinte Jason noch immer strahlend.
„Okay“, kam es von Felic außer Atem.
Er fuhr Richtung Ausgang und wartete neben den Bänken auf Jason, ehe sie in die Umkleide gingen. Dort musste man seine Schuhe lassen und sein Gepäck. Zum Schutz der Eishalle. So konnte niemand sagen, es wäre keine Sicherheit für die persönlichen Sachen gewährleistet.
Jason hatte seine Schuhe als erster aus und zog seine Straßenschuhe wieder an, während Felic noch mit den Schlittschuhen kämpfte.
„Das An und Ausziehen müssen wir noch üben. Aber ansonsten lernst du schnell“, sagte Jason bewundernd.
Felic sah ihn verlegen an und wurde von seinen Gedanken unterbrochen als Jemand dazu kam.
„Er lernt zumindest schneller Schlittschuhzulaufen, als du deinen Respekt zu kontrollieren. Ich sagte doch, keine Sprünge wenn du auf der öffentlichen Bahn bist“, ermahnte der Trainer, Jason.
Jason zuckte unmerklich zusammen, als er die Stimme vernahm und stand auf, als er Felic von den Schuhen befreit hatte.
„Mir war aber nun mal nach Springen und außerdem habe ich aufgepasst.“
„Ja, so wie der Kerl von damals“, sagte der Trainer wütend und ging.
Felic sah Jason verwirrt an und vergaß völlig, das er noch seine Schuhe anziehen musste.
„Mist.“
Jason hatte dies leise gesagt und drehte sich wieder zu Felic um. Als er ihn einen Moment angesehen hatte musste er grinsen. Felic starrte dem Trainer verblüfft hinterher und sah daraufhin Jason verwirrt an.
„Vergisst du gerade, dass du Barfuss hier sitzt? Wenn du dir nicht was an die Füße ziehst erkältest du dich“, meinte Jason sanft und hockte sich wieder vor Felic.
Dieser war zu verwirrt, um überhaupt etwas zu denken und kam auch zu keiner Reaktion. Auch nicht, als Jason ihm seine Schuhe anzog und zuband.
„Soll ich dir mal was sagen?“
„Was denn?“
„Du kommst mir wie ein Kind vor, wenn du so verwirrt bist. Wie alt bist du überhaupt?“
„17.“
„Was? Echt?“
„Ja. Was ist daran so falsch?“, fragte Felic noch immer verwirrt.
„Die Tatsache, dass du wie 15 aussiehst. Das du nur ein Jahr jünger bist, als ich hätte ich nicht gedacht.“
Jason sah Felic verblüfft an und dieser grinste.
„Du hast mir meine Frage erspart“, sprach Felic daraufhin.
„Welche?“
„Wie alt du bist. Nun weiß ich es.“
„Tust du“, bestätigte Jason sanft, „na komm, wir sollten zurückgehen.“
„Ja, ich komm ja schon“, sagte Felic und stand auf.

XXX

Er folgte Jason und sie gaben noch ihre Schlittschuhe ab, ehe sie gingen. In der kleinen Hütte angekommen, entfachte Felic ein Feuer im Kamin um die entstandene Kälte zu vertreiben. Es war bereits dunkel. Die Sterne erhellten das Himmelszelt. Lichter in den einzelnen Häusern waren zu sehen.
Sie waren doch tatsächlich den ganzen Tag in der Eishalle. Felic fiel erschöpft auf die Couch und schloss die Augen. Er bemerkte erst jetzt, wie sehr er ausgelaugt war. Als Jason sich neben ihm auf die Couch fallen ließ, erschrak Felic leicht und sah ihn erschrocken an.
„Hast du Hunger?“
„Da fragst du noch. Na klar habe ich Hunger“, sagte Jason grinsend und stand auf.
„Lass uns mal sehen was so da ist. Da lässt sich sicher etwas zusammenschustern.“
„Okay“, kam es von Felic noch etwas erschrocken, hatte sich aber bald wieder gefangen und begleitete Jason in die Küche. Sie fabrizierten sich etwas und aßen dann. Nach dem Essen machten sie Küche wieder sauber und gingen ins Wohnzimmer zurück. Jason setzte sich vor den Kamin, während Felic duschen ging.
Jason schloss die Augen und ließ den Tag noch einmal vor sich ablaufen. Ihm fiel es schwer, Felic’s fragenden Blick zu vergessen. Er sah dabei so kindlich aus.
„Schläfst du schon?“, fragte Felic leise und setzte sich neben Jason.
„Nein. Wie könnte ich“, antwortete er leise und sah Felic an.
Felic lächelte.
„Wie wär’s mit einem Kartenspiel?“
„Gern…, aber ich geh noch nur kurz Duschen.“
„Okay. Könnte aber etwas warm sein.“
„Umso besser. Ich bin völlig ausgekühlt“, sagte Jason lächelnd und ging nach oben.
Felic teilte der Weil die Karten aus und starrte wieder ins Feuer. Als er gerade wieder einen Scheit hinein warf, kam Jason zurück.
„Da bin ich wieder. Du duscht wirklich heiß“, meinte er und seine Wangen waren noch gerötet, von der Wärme.
„Ich liebe Wärme. Meine Eltern sind immerhin Griechen. Da unten ist es warm, verdammt warm und ich bin dort zum Teil aufgewachsen“, sagte Felic lächelnd.
„Ich bin Kälte zwar gewöhnt, aber Wärme mag ich viel lieber“, sagte Jason sanft und setzte sich an den Kamin.
Sie spielten einige Runden Romme, bis Felic sich hinlegte und an die Decke sah.
„Ich bin KO.“
„Kein Wunder. Den ganzen Tag auf dem Eis. Das bist du nicht gewöhnt…“
„Musst du den ganzen Tag trainieren?“
„Hin und wieder“, kam es von Jason leise.
Felic fiel wieder die Traurigkeit auf und diesmal konnte er nicht anders. Er setzte sich hin und sah Jason in die Augen. Diese strahlten vom Feuerschein rot und Felic versank einen Moment darin.
„Was denn?“
„Warum sahst du vorhin auf dem Eis so traurig aus, als du allein gelaufen bist?“ platzte es aus Felic raus.
Er erschrak selbst und sah Jason verlegen an.
„Das hat noch nie jemand bemerkt“, sagte Jason verblüfft.
„Ich schon. Und ich habe es dreimal mitbekommen.“
„Drei Mal?“
„Ja. Zweimal auf dem Eis und eben, als du mir von deinem Training erzähltest.“
„Mein Vater setzt mich unter Druck beim Laufen. Es machte lange nicht mehr so viel Spaß wie am Anfang, als ich es von meiner Mutter lernte. Er war dabei, als ein völlig irrer Typ auf voller Bahn Sprünge geübt hat. Er sprang meiner Mutter in den Weg und verletzte sie tödlich. Deshalb ist er vorhin so ausgeflippt, als ich einen Sprung versucht habe.“
„Das war dein Vater? Ich dachte eher dein Trainer.“
„Beides. Er hat mich nach Mutters Tod weiter unterrichtet und deshalb bin ich die Hälfte der Ferien hier. Die andere Hälfte der Ferien übe ich in Berlin.“
„Da wohne ich.“
„Dann warst du sicher schon mal da. Es gibt ein riesen Freizeitzentrum in Berlin. Da ist auch eine Eishalle.“
„Ja. Da war ich schon mal.“
„Heute hat das Laufen wieder richtig Spaß gemacht. Ich hatte das Gefühl wieder frei zu sein“, meinte Jason verlegen.
Felic’s Blick ebenfalls verlegen streifte Jasons Blicke. Er versank wieder in dem Farbenspiel und bemerkte nicht mal dass Jason ihn fragend ansah. Erst als dieser ihn an der Schulter berührte.
„Was?“, fragte Felic verwirrt.
„Täusche ich mich, oder warst du eben ganz weit weg?“, fragte Jason leise und lächelte.
„So weit war das gar nicht“, antwortete Felic ebenso leise.
„Warum bist du hier?“
„Weil meine Eltern keine Lust hatten, mich am Hals zu haben.“
„Was?“
„Sie haben mich her geschickt, weil sie keine Lust hatten mit mir in den Urlaub zu fahren. Schon seit fünf Jahren.“
Felic und legte sich wieder hin. Er schlief leicht ein. Als er seine Augen wieder öffnete, lag Jason neben ihm und sah ihn an. Er lächelte und strich Felic eine Haarsträhne aus dem Gesicht, als dieser verlegen wurde.
„Jason?“
„Hm?“
„Auf die Gefahr hin, dass du mich für aufdringlich hältst, oder gar eklig, aber deine Augen faszinieren mich.“
„Warum sollte ich es eklig finden, wenn du meine Augen schön findest?“, fragte Jason leicht verwirrt.
„Weil … ach vergiss es, nicht so wichtig.“
Felic wollte sich gerade wegdrehen, als Jason ihn an der Schulter zurück auf den Boden drückte und sanft auf die Lippen küsste. Felic war zu erschrocken über diese Reaktion und konnte nicht reagieren. Erst als Jason sich von ihm löste.
„War es das, was du sagen wolltest?“
Felic nickte.
„Dann kann ich dich beruhigen. Ich finde es weder aufdringlich, noch eklig. Warum auch. Ich fühle mich ebenso zu dir hingezogen.“
Daraufhin hob Felic den Kopf und küsste Jason sanft auf die Lippen. Dieser erwiderte den Kuss zärtlich und bat mit seiner Zunge um Einlass in Felic Mund. Dieser öffnete seinen Mund bereitwillig und schob seine eigene Zunge in Jasons Mund. Jason küsste ihn dermaßen leidenschaftlich, das Felic alles um sich vergas.
Er fühlte wie Jason mit seiner Zunge weit in seine Mundhöhle eingedrungen war und erwiderte nur noch die Küsse. Als Jason seine Zunge nach einer Weile aus Felic Hals und Mund nahm, sah dieser ihn errötet an. Seine Gedanken waren derart verdrängt worden, dass er nichts sagen konnte.
Jason nutzte diesen Moment um ein Kissen und eine dicke Decke zu holen. Er legte sich wieder neben Felic und deckte sie zu, nachdem Felic an ihn gerückt war.
„Lass uns diese Nacht hier liegen bleiben.“
„Ja“, hauchte Felic in Jasons Ohr.
Eine Weile küssten sie sich noch innig, bis sie einschliefen.
„Felic, mein Engel, wach auf.“
Vom Kuss geweckt, öffnete Felic widerwillig die Augen und blinzelte in das helle Zimmer.
„Morgen“, meinte Jason sanft und küsste Felic erneut.
Dieser schob seine Zunge in Jasons Mund und spielte mit ihr. Er löste sich von Jasons Lippen und stand auf. Er ging ins Bad und zog sich danach um. Jason hatte sich bereits angezogen und war dabei Frühstück zu machen. Als Felic in die Küche kam, wurde er von dem Kaffeegeruch begrüßt, den er schon im Zweiten Stockwerk gerochen hatte.
Er stellte sich hinter Jason und umarmte ihn leicht. Jason drehte sich zu ihm um und küsste ihn auf die Stirn dabei stellte er Butter auf den Tisch. Jason hatte ein hautenges T-Shirt an und seine schwarze Jeans vom Vortag. Er hatte noch nasses Haar und roch nach einem süßen Blumenduft.
Etwas wie Jasmin oder Flieder. Felic lehnte sich an Jasons Brust und nahm den Geruch in sich auf.
„Hey. Alles in Ordnung?“ fragte Jason sanft.
„Ja. Ich bin nur noch etwas müde.“
„Das kann ich ändern“, sagte Jason sanft und hob Felic’ Kinn an.
Er küsste ihn leidenschaftlich auf die Lippen und schob ihm seine Zunge weit in den Mund. Er berührte Felic’ Hüfte mit seinen Händen und glitt mit seinen Fingern unter dessen T-Shirt, welches ebenfalls eng an dessen Körper anlag. Er schob das T-Shirt ein Stück hoch und streichelte Felic’ Brust.
Dann zog er es ihm aus und küsste ihn auf die Brust. Er leckte mit seiner Zunge sanft über Felic’ Brustwarzen und folgte mit seinen Fingern einer Linie auf Felic’ Brust. Nach einer Weile küsste er ihn wieder auf die Lippen und entzog sich ihm. Felic wollte ihn weiterküssen, doch Jason grinste ihn nur an.
„Wenn du jetzt nicht wach bist, hilft nur noch der Kaffee“, sagte Jason sanft und gab Felic den Kuss, den dieser noch verlangte, indem er sich auf Zehenspitzen stellte.
Jason war ein kleines Stück größer als Felic und diesen Unterschied nutzte er nun, um Felic zum Tisch zu bekommen. Er entzog sich ihm und zwang ihn auf die Sitzbank.
„Du solltest erst mal etwas Essen. Du bist schon recht dünn“, meinte Jason besorgt und deutete auf Felic Oberkörper der nun entblößt war. Felic sah ihn verlegen an und nahm sich ein Brötchen.
„Ich bin schon immer so. Da hilft auch kein Training.“ Kam es von Felic lächelnd und sah Jason an, der definitiv durchtrainiert war.
Auch Felic war durchtrainiert, jedoch nicht so muskulös.
„Dann isst du wohl zu wenig“, meinte Jason neckisch.
„Gewiss nicht. Ich esse manchmal soviel, das man sich fragt wo es hingeht“, sagte Felic grinsend und küsste Jason, als er aufstand und sich Kaffeesahne holte.
Jason ergriff ihn, als Felic sich gerade setzen wollte und zog ihn auf seinen Schoß. Felic setzte sich auf Jasons Beine und sah ihn fragend an, kassierte jedoch nur ein neckisches Grinsen und einen leidenschaftlichen Kuss, wobei Jasons Zunge wieder weit in Felic’ Mund eindrang.
„Ich liebe dich, mein Engel.“
Jason sanft und hielt Felic dabei an der Hüfte fest.
„Ich dich auch“, meinte Felic verlegen.
Er war leicht errötet, nachdem sich Jason von ihm getrennt hatte.
„Habe ich dich deiner Gedanken beraubt?“, fragte Jason grinsend.
„Ja. Wie kannst du so gut küssen?“
„Tja. Übung macht den Meister.“
„Du hattest wohl schon mehrere Liebhaber“, meinte Felic etwas entrüstet.
„Nein. Eine sehr lange Beziehung und zwei kleine Affären, natürlich nicht zur gleichen Zeit“, versuchte Jason ihm richtig zu erklären.
„Also mehr als ich“, sagte Felic leise und küsste Jason sanft.
Und wie viele Beziehungen hattest du?“, fragte Jason neugierig.
„Eine. Die dafür aber auch gründlich schief ging.“
Jason fiel der traurige Ausdruck in Felic Augen auf und nahm ihn fest in den Arm.
„Denk nicht daran. Ich will nicht, dass du traurig bist“, sagte Jason sanft und küsste Felic auf die Stirn.
Nach dem Frühstück begleitete Felic Jason in die Eishalle. Dieser hatte Training und musste somit hin. Er hatte noch eine Stunde bis sein Vater da sein würde um ihn zu trainieren.
„Komm mit mir aufs Eis“, bat Jason Felic sanft und sah ihn lächelnd an.
„Ich habe keine Schuhe“, sagte Felic und deutete auf seine Füße.
„Ich hol dir welche“, meinte Jason lächelnd und schon war er weg.
Er kam mit ein paar Schlittschuhen zurück und gab sie an Felic weiter. Jason zog seine eigenen an und sah dann zu Felic, der sein bekanntes Problem hatte. Jason lächelte sanft und hockte sich wieder vor ihn. Er zog ihm die Schuhe an und schnürte sie zu.
Als er Felic von unten ansah, küsste dieser ihn leidenschaftlich und schob ihm seine Zunge in den Mund. Jason erwiderte den Kuss auf die gleiche Art wie schon am Abend in dem er seine Zunge weit in Felic’ geöffneten Mund schob und beinahe seine Mandeln berührte.
„Na komm, bevor mein Vater hier ist.“
„Ja“, sagte Felic verträumt und stand auf.
Er konnte diesmal wesentlich besser stehen und auch laufen, aber dennoch blieben Anfangsschwierigkeiten auf dem Eis. Jason musste ihn ein paar Mal auffangen und stahl sich dabei jedes Mal einen Kuss. Nach einiger Zeit, die beide allein gelaufen sind, nahm Jason Felic’ Hand und drehte sich so, das er rückwärts lief.
Er zog Felic an sich und sah ihm in die Augen.
„Ich kann dir ja ein bisschen was beibringen“, meinte Jason sanft.
„Und was?“, fragte Felic lächelnd und stahl sich einen kurzen Kuss.
„Wie wäre es mit etwas leichtem?“, fragte Jason leise und zog Felic noch ein Stück näher an sich.
„Mach meine Schritte nach, dann kommst du von allein in meinen Rhythmus.“
„Okay“, sagte Felic sanft und versuchte neben Jason zu kommen.
Als er mit ihm in einem Rhythmus war, bewegte sich Jason ein kleines Stück hinter Felic und hielt ihn an der Hüfte.
„Was hast du vor?“
„Ich gleiche mich deinem Stil an, damit ich dir nicht in die Quere komme. Du bist nämlich noch immer etwas langsamer als ich.“, hörte Felic Jason hinter sich sagen.
Jason beobachtete Felic’s Füße. Dieser drehte sich noch im Laufen um und hielt sich Jasons Händen fest.
„Ich will dir lieber in die Augen sehen können“, sagte Felic lächelnd.
Jason grinste und hielt seine Hände fest.
„Da kann ich dir aber keine Schritte beibringen“, meinte Jason grinsend.
„Ich muss mich kurz aufwärmen, mein Vater kommt gleich. Ich bin gleich wieder in deinen Armen, mein Engel“, sagte Jason und holte sich noch einen Kuss, ehe er sich von Felic entfernte und Schwung holte.
Er lief ein wenig rückwärts und sprang ab. Vierfach schaffte er die Drehung noch und auch die Landung war nicht so wacklig wie sonst. Er versuchte noch einige Pirouetten und Sprünge und fuhr wieder langsam auf Felic zu der selbst auch ein wenig übers Eis lief. Jason näherte sich ihm und nahm ihn in den Arm.
„Noch ein paar Runden?“
„Jan kleines Wettrennen?“
„Ich nehme keine Rücksicht.“
„Das will ich auch hoffen, wie soll ich sonst schneller werden?“ fragte Felic sanft lächelnd und küsste Jason sanft.
Und schon war er unterwegs. Jason blieb einen Moment verdattert stehen, folgte ihm dann aber und holte ihn nach einigen Augblicken auch ein. Nach drei oder vier Runden, sah er seinen Vater in der Tür stehen. Er lief Felic vor die Füße und fing ihn aus dem Schwung auf.
„Was denn?“ fragte Felic verwirrt.
„Ich muss trainieren. Bleibst du und siehst mir zu?“, fragte Jason sanft.
„Ja. Da kann ich dich wenigstens in Ruhe betrachten“, sagte Felic grinsend.
„Dann werde ich mir wohl noch besondere Mühe geben müssen, mein Engel“, sprach Jason leise auf dem Weg zum Ausgang an der Bande.
„Dad? Kann Felic hier bleiben und zusehen?“
„Warum nur zusehen. Ich denke ehe er sich langweilt, könnte er mitmachen. Ich bring ihm schon ein paar leichte Sachen bei, nachdem du den Anfang gemacht hast. Und so schnell wie er lernt, habe ich noch niemanden auf Kufen laufen sehen. Ich denke, er wird im nu einiges können“, sagte sein Vater begeistert.
„Außerdem habe ich sehr wohl bemerkt, dass du in den letzten Wochen nicht mehr so viel mit Eislaufen am Hut hattest. Ich habe euch gestern etwas beobachtet und ich denke es ist eine gute Idee, wenn ihr zusammen trainiert.“
Jason sah seinen Vater verblüfft an.
„Wie alt bist du, Felic?“
„Siebzehn“, sagte antwortete dieser verwirrt.
„Wirklich? Ich hätte dich nach deiner Art und deinem Aussehen für jünger geschätzt“, meinte Jasons Vater überrascht.
„Das habe ich auch erst gedacht“, sagte Jason nun, da er seine Sprache wieder gefunden hatte.
„Nun. Dann brauche ich mir ja keine Sorgen machen, dass ich dich zu sehr belaste, denn du siehst mir kräftig genug aus. Das einzige, du kannst in den Sachen nicht weiterlaufen, die Hose ist Okay, aber du solltest deine Jacke ausziehen. Dir wird nachher warm. Nur zu ein paar Regeln. In den Pausen die machst ziehst du dir sie wieder an, denn ich will nicht das du dich erkältest. Zweitens, du sagst sofort, wenn du nicht mehr kannst. Und drittens“, damit wandte er sich an beide, „keine Liebeleien in meiner Gegenwart, zumindest nicht auf dem Eis. Klar?“, fragte er dann grinsend, als er die verlegenen Gesichter der beiden sah.
„Ja“, antworteten beide gleichzeitig.
„Gut. Na gib deine Jacke her. Dann können wir anfangen. Aufgewärmt habt ihr euch ja bereits, wie ich gesehen habe.“
„Sag mal, Dad, wie lange hast du uns beobachtet?“ fragte Jason misstrauisch.
„Schon eine ganze Weile. Ungefähr ne halbe Stunde“, gab dieser grinsend zur Antwort
Als Felic dies hörte, erschrak er so sehr, das er ausglitt und auf seinem Hintern landete. Jason sah neben sich und senkte den Blick, als er Felic nicht sah. Dieser hatte ein Auge zusammen gekniffen.
„Alles in Ordnung?“, fragte Jason besorgt und half ihm wieder auf die Beine.
„Ja, ich war nur etwas zu sehr erschrocken“, sagte Felic verlegen.
„Keine Angst. Ich habe kein Problem damit“, kam es von Jasons Vater, „Jason habe ich schon mal bei einer etwas peinlicheren Situation erwischt, also keine Sorge.“
„Wobei denn?“ fragte Felic neugierig.
„Ich war am Knutschen mit meinem damaligen Freund und wir lagen halbnackt im Bett. Mein Dad wollte nur fragen ob wir Hunger hätten und hat uns etwas überrascht“, kam es von Jason verlegen.
Felic musste daraufhin grinsen und sein Blick wurde neckisch. Als Jason ihm daraufhin ganz leicht in die Seite boxte, begegnete er dem warnenden Blick seines Vaters, der aber auch lachen musste.
„Na gut. Dann fangen wir mal an. Jason du könntest heute an deinem Programm weiterarbeiten. Ich hol nur noch das Radio, dann kannst du loslegen. Kann sein, dass ich dich nebenbei zur Seite hole, damit du Felic etwas zeigen kannst. Denn alles kann ich mir nicht mehr zutrauen.“
„Okay.“
Damit stieß Jason sich an der Bande ab und lief los. Sein Vater holte das Radio. Als Jason ihn nicht mehr sah, fuhr er zu Felic und umarmte ihn.
„Du bist mir noch einen Kuss schuldig!“, sagte Jason sanft.
„Ach wirklich?“, fragte Felic grinsend und drehte sich um.
Jason hielt ihn fest und sah ihm die Augen.
„Eigentlich nicht, aber ich hätte gern noch einen“, meinte Jason daraufhin und war etwas überrascht, als Felic ihn küsste.
Er brauchte aber nicht lange um sich wieder bewegen zu können und erwiderte den Kuss leidenschaftlich. Er schob seine Zunge wieder in Felic Mund und liebkoste ihn ausgiebig im Mund. Er drang weit mit seiner Zunge in Felic Mund ein und spielte mit dessen Zunge.
Erst nach Minuten wie es Felic schien, denn sein Zeitgefühl leidet in den Armen Jasons, löste dieser sich von ihm. Felic sah ihn sanft an und war wieder errötet.
„Regel Nummer drei schafft ihr wohl nicht.“
Jasons Vater. Felic erschrak und wäre ausgerutscht, wenn er sich hätte umgedreht. So drehte er sich nur in Jasons Armen einmal um sich selbst.
„Na gut. Dann fangen wir mal an. Felic? Meinst du, du kannst dich von Jason lösen und ein Stück hierher kommen?“, fragte Jasons Vater grinsend.
Jason küsste Felic kurz in den Nacken und ließ ihn daraufhin los. Jason fing an sein Programm zu üben und Felic blieb mit dessen Vater am Rand. Jason Vater zeigte ihm einige Schrittkombinationen und Pirouetten. Felic verstand sehr schnell wie die einzelnen Kombinationen funktionieren und hatte sie bald im Kopf und konnte sie ihm nachmachen.
Jasons Vater sah bewundernd zu, wie Felic die kleine Kür ohne weitere Fehler mit allen Schwierigkeiten nachmachte. Jason selber war stehen geblieben und sah seinem Engel zu. Er war verblüfft, denn er konnte nicht glauben, das Felic gestern das erste Mal auf dem Eis stand und jetzt schon die schwierigsten Grundschritte konnte.
Sogar einige Pirouetten, die ihm Jasons Vater gezeigt hatte, beherrschte er sofort. Noch dazu war er sehr beweglich und konnte auch die schwierigsten Pirouetten, die eine hohe Konzentration und gute Standhaftigkeit und Gleichgewichtssinn brauchten.
„Jason mach weiter“, rief ihm sein Vater plötzlich zu.
Felic hatte seine kleine Kür beendet und sah zu Jason, der ihn verlegen musterte. Felic lächelte sanft. Daraufhin arbeitete Jason an seiner Kür weiter.
„Na gut. Warst du gestern wirklich das erste Mal auf dem Eis?“, fragte Jasons Vater ungläubig.
„Ja. Ich schwöre. Ich hatte bis gestern nie etwas mit Eislaufen im Sinn“, antwortete Felic und wurde rot.
Jasons Vater überlegte einen Moment.
„Würdest du dir auch Sprünge zutrauen?“
„Ich weiß nicht.“
„Du musst bei Sprüngen immer beachten, je höher du springst, desto mehr müssen deine Beine abfangen. Einfache und zweifache Sprünge sind daher noch einfach abzufangen. Dreifache und vierfache, wie sie Jason springt erfordern starke Beine. Du kommst mit dem Fünffachen Körpergewicht auf dem Eis auf und das gilt s auszugleichen.
Da es in den Eiskunstlaufregeln verboten ist, auf zwei Beinen zu landen, musst du mit einer Standwaage versuchen dein Gleichgewicht wieder zu regulieren“, erklärte Jason Vater.
„Willst du es mal versuchen? Einen Einfachen oder zweifachen. Die anderen lassen wir erst mal.“
„Ja“, sagte Felic lächelnd.
„Okay. Jason? Kommst du mal?“
„Ja“, hörte Felic, Jason rufen und der zu ihnen hinüber glitt.
„Erstens. Du solltest nicht aus einem Sprung in eine Mondpirouette gehen, das sieht aus als würdest du die Landung nicht können. Zweitens. Kannst du Felic einen einfachen Sprung zeigen?“
„Klar, welchen?“
„Versuchen wir es mal mit dem Touloup.“
„Okay.“
Jason ging ein Stück von den beiden weg und nahm etwas Anlauf um besser abspringen zu können. Dann sprang er ab und drehte sich einmal um sich selbst. Als er mit der Standwaage wieder auf dem Eis ankam, sah er seinen Vater fragend an.
„Gut. Versuch es!“, meinte Jasons Vater daraufhin zu Felic.
Dieser ging ein Stück von der Bande weg und nutzte dies auch zugleich als Anlauf um dann abzuspringen und es Jason gleich zu machen.
Als er wieder auf dem Eis war und auch sicher landete sahen Jason und sein Vater sich verblüfft an. Felic stand etwas verlegen in der Mitte des Eises und sah die Beiden an. Jason stand bei ihm in der Nähe.
„Ich glaube wir versuchen mal etwas anderes. Jason, zeig ihm mal den zweifachen Axel.“
„Okay. Als Jason gerade absprang, bemerkte er Felic Augen, die sanft schimmerten. Es sah aus, als würde er sich jede Bewegung einprägen und nur erst einmal nachmachen, ehe er seinen eigenen Stil beim Wiederholen hinzusetzte.
„Felic, wenn du abspringst versuch dich nicht vorher umzudrehen.“
Felic nickte und nahm etwas Anlauf. Dann sprang er ab und schaffte auch diesen Sprung.
„Er lernt verdammt schnell“, sagte Jasons Vater überrascht.
„Ja, dafür dass er gestern das Eis zum ersten Mal gesehen hat.“
„Stimmt.“
Jason zeigte Felic noch einige Sprünge und Kombinationen, ehe sie beide erschöpft auf die Bänke fielen.
„Na gut, dass reicht für heute. Kommt mit. Ich mach euch etwas zum Abendessen. Ihr müsstet total ausgehungert sein, da ihr kein Mittag hattet. Beide sahen sich verwundert an und Jason.
„Wie spät ist es denn?“, fragte Jason misstrauisch.
„Fast sieben. Ihr habt den ganzen Tag trainiert“, kam es von Jasons Vater lächelnd

XXX

Jason half Felic später noch aus den Schuhen und sie gingen in ihre Hütte zurück. Felic verschwand gleich im Bad, während Jason erst mal auf die Couch fiel und fast einschlief. Jasons Vater kochte ihnen Abendessen. Er war eine Hütte weiter und wartete nur auf die Zwei.
Als Felic wieder ins Wohnzimmer kam und Jason ansah, hatte dieser die Augen geschlossen und schlief fast. Felic holte sich kurz ein Glas Wasser und trank einen Schluck. Als Jason sich noch immer nicht bewegte küsste Felic ihn sanft auf die Lippen. Jason erwiderte den Kuss sanft und legte Felic eine Hand in den Nacken. Er schob seine Zunge leicht in Felic Mund. Felic löste sich von ihm
„Du kannst ins Bad.“
„Ich will nicht, ich bin völlig KO. So fertig war ich lange nicht mehr.“
Jason total erschöpft, zog Felic plötzlich wieder zu sich und küsste ihn leidenschaftlich. Als er ihm seine Zunge in den Mund schieben wollte, schmeckte er eine Flüssigkeit in seinem Mund und schluckt sie runter. Dabei hörte er jedoch nicht auf Felic zu Küssen und er schob auch seine Zunge weit in Felic Mundhöhle und liebkoste ihn dort.
„Was war das eben?“
„Mein Getränk. Ich hatte eigentlich Durst“, sagte Felic grinsend.
„Warum hast du es dann nicht runtergeschluckt?“
„Weil ich auf die Schnelle nicht dazu kam, da du es mir zu schnell wieder genommen hast.“
„Entschuldige, aber du schmeckst eben gut. Was war das überhaupt?“
„Nur Wasser.“
„Es schmeckte aber süßlich.“
„Das war wohl ich“, meinte Felic und grinste, ehe er Jason sein Wasser über den Kopf kippte.
„Hey“, schrie dieser erschrocken.
Felic grinste ihn lieb an.
„Nun geh erst mal Duschen, sonst steht dein Dad in der Tür und du bist noch nicht fertig.“
„Das lass ich aber nicht auf mir sitzen“, kam es von Jason und zog Felic an sich.
Er zog ihn so heftig zu sich, das dieser über die Lehne rutschte und sich auf Jasons Beine legte und sich dem Kuss hingab. „Jetzt kann ich duschen gehen“, meinte Jason lächelnd und bemerkte Felic’ errötete Wangen.
„Habe ich dich deiner Gedanken beraubt?“
„Ja“, sagte Felic leise und küsste Jason noch einmal ehe dieser aufstand und ins Bad ging.

XXX

„Da seid ihr ja, ich dachte schon ihr hättet wichtigeres zu tun, als zum Essen zu kommen“, sagte Jasons Dad grinsend.
„Nein, noch nicht“, gab Jason zum Besten und küsste Felic sanft auf die Lippen, ehe er sich setzte.
„Du lernst die Schritte schnell. Wie kommt das?“, fragte Jasons Vater und kam auf das Eiskunstlaufen zurück.
„Ich weiß nicht“, meinte Felic wahrheitsgemäß.
„Ich hatte nie so richtig fiel mit Schlittschuhen am Hut. Mich hatten eher Snowboarden und Skilauf interessiert“, versuchte Felic zu erklären.
„Jetzt nicht mehr?“, fragte Jason nur grinsend.
„Ich habe mir überlegt, wenn du Interesse hättest, ich könnte dich unterrichten. Vielleicht kannst du dann mit Jason zusammen an Turnieren teilnehmen. Das Potential hast du alle mal“, sagte Jason Vaters begeistert.
Felic sah ihn einen Moment an und bemerkte dann Jasons Blick. Jason wirkte nervös. Er konnte es nicht leiden wenn sein Vater so direkt war, aber er hatte Recht. Felic hatte das Potential Eiskunstläufer zu werden.
„Ich muss darüber nachdenken. Das kommt zu plötzlich. Gestern konnte ich mit den Schuhen noch nichts anfangen und krieg sie ja nicht mal allein an oder aus, und heute wollen sie mich schon trainieren. Das geht zu schnell.“
Er wirkte zwar etwas unsicher bei dieser Antwort, aber er klang überzeugen.
„Ist Okay. Ich wollte dich auch nicht überrumpeln. Tut mir leid“, meinte Jasons Vater lächelnd.
Felic wirkte plötzlich etwas angespannt und machte auf Jason den Eindruck, dass er sich überhaupt nicht so wohl bei dem Gedanken fühlt, etwas zu machen, wobei es öffentlich werden könnte. Das Abendbrot verlief schweigend. Jason hatte Felic’ Hand genommen, unter dem Tisch und wollte ihn damit etwas beruhigen.
Sie wuschen noch das Geschirr ab und räumten es weg. Jason ließ sich in der Hütte seines Vaters auf die Couch fallen und schloss die Augen. Er erschrak etwas, als Felic sich an ihn lehnte.
„Hey. Du bist plötzlich so still. Alles in Ordnung?“
„Ja, ich weiß nicht, wenn ich an Turnieren teilnehme, könnte es auch ins Fernsehen, oder sonst wo hinkommen, oder?“
„Natürlich, bei dir bin ich mir da sogar sicher. Deine Art auf dem Eis ist faszinierend, aber warum hast du davor solche Angst?“
„Meine Eltern haben sich seit vielen Jahren nicht mehr um mich gekümmert. Ich will nicht, dass sie dann plötzlich ankommen und mich dann von einen auf den anderen Tag beschützen wollen. Die sollen mich in Ruhe lassen.“
„Dann kannst du es ihnen doch sagen. Außerdem, sieh mal, du bist fast achtzehn, du kannst ausziehen und dann hast du deine Ruhe vor ihnen.“, sagte Jason sanft.
„Du kannst aber auch den schweren Weg nehmen und dich mit ihnen aussprechen“, meinte Jason beruhigend und nahm Felic’ in den Arm.
„Na komm. Du schläfst mir doch gleich ein. Ich bring dich ins Bett“, kam es von Jason sanft und stand auf.
Felic folgte ihm und in ihrer Hütte ging Felic in sein Zimmer und zog sich bis auf die Unterhose aus. Er hätte sich zwar einen Pyjama angezogen, aber Jason umarmte ihn plötzlich und küsste ihn sanft auf den Rücken und im Nacken, ehe er sich vor ihn stellte und ihn leidenschaftlich auf die Lippen küsste.
Er nahm Felic auf den Arm und legte ihn vorsichtig aufs Bett. Felic hielt sich an ihm fest und schlief ein. Jason stand noch mal auf und deckte seinen Engel zu. Dann ging er in die Küche und wollte noch etwas trinken.

XXX

„Hey“, sagte plötzlich sein Vater leise.
„Na, was trägt dich her?“, fragte Jason lächelnd.
„Habe ich ihn so sehr überrumpelt?“
„Ja, aber er ist auch müde gewesen. Er schläft.“
„Oh, warum war ihm die Frage plötzlich so unangenehm?“
„Er hat kein gutes Verhältnis zu seinen Eltern. Er sagte er will nicht das sie herkommen, wenn sie ihn irgendwo sehen.“
„Ich verstehe, aber wir können ihn doch in unserm Haus mit aufnehmen, mit eigenem Zimmer und so. Dann könnt ihr euch auch mal von einander etwas fern halten.“
„Habe ich ihm auch vor geschlagen. Daraufhin ist er eingeschlafen.“
„Er ist faszinierend. Kaum hat Schlittschuhe an den Füßen, kann er schon die Höchstschwierigkeiten. Obwohl du sie auch schon schnell drauf hattest.“
„Aber erst innerhalb eines Jahres, er kann alles innerhalb eines Tages“, sagte Jason bewundernd.
„Ich würde gern mal mit ihm zusammen laufen.“
„Seid ihr doch heute“, meinte Jasons Vater verwirrt.
Sie saßen nun auf der Couch und Jason hatte seine Augen geschlossen.
„Ich meinte richtig zusammen laufen, ein Paarlaufprogramm“, kann es leise von Jason leise und stellte sich Felic vor.
„Dich hat’s aber heftig erwischt.“
„Ja, er ist aber auch ein Engel. Er strahlt so auch wenn er traurig ist. Aber ich sehe ihn lieber wenn er lacht, da sieht noch süßer aus“, sagte Jason verträumt.
Eine kleine pause entstand.
„Ich bin auch müde, gute Nacht“, sagte Jason dann plötzlich und stand auf.
Sein Vater ging wieder zurück und Jason legte sich vorsichtig neben seinen Engel. Felic schmiegte sich an Jasons Brust und schlief nun noch tiefer.

XXX

Jason wachte am nächsten Morgen sanft auf. Er spürte eine Hand an seiner Brust und öffnete die Augen, doch. Felic schlief noch. Jason beobachtete ihn sanft und strich ihm mit einer Hand durchs Haar. Felic wachte nun doch auf und sah Jason direkt in die Augen.
Dieser lächelte und küsste Felic leidenschaftlich. Mit seiner Zunge drang er in Felic’ Mund ein und erkundete wieder dessen Mundhöhle. Er spürte wie Felic sich fallen ließ und nahm ihn in den Arm. Er liebte es Felic seiner Gedanken zu berauben. Felic erwidert e den Kuss sanft und löste sich daraufhin von Jason.
„Morgen“, sagte er leise und lächelte.
„Weckst du mich jetzt immer so?“
„Ja, wenn du das möchtest tu ich es.“
„Sag mal, könnte ich wirklich bei euch wohnen?“ fragte Felic auf das Thema vom Abend zurückkommend.
„ Natürlich, ich würde mich sogar freuen. Dad sagte schon, du hättest auch dein eigenes Zimmer.“
„Ach plant er mich schon ein?“
„Ja, er will dich als Schwiegersohn“, meinte Jason lächelnd.
Jetzt war Felic doch etwas irritiert.
„Das hat er nicht wörtlich gesagt, aber er ist begeistert von dir“, beruhigte Jason, Felic.
„Ich liebe dich“, hauchte Felic und küsste Jason wieder.
„Na komm. Er erwartet uns beim Frühstück“, sagte Jason sanft und küsste Felic noch einmal.
Dann stand er auf und ging ins Bad. Als Er wieder ins Zimmer zurückkam, lag Felic auf seinem Bett. Er hatte es gerade mal geschafft sich eine Hose anzuziehen und war wieder eingeschlafen. Jason grinste sanft und ging zu ihm. Er küsste ihn sanft oberhalb des Hosenbundes und glitt mit seiner Zunge langsam nach oben.
Er spürte das Felic wieder wach wurde. Weiter glitt er nach oben, bis zu Felic’ Hals. Dort küsste er ihn noch einmal sanft und sah ihn daraufhin an.
„Wenn du jedes Mal wieder einschläfst kommen wir nicht aus dem Haus“, sprach Jason lächelnd.
„Ich will nicht aufstehen“, erwiderte Felic schlaftrunken.
Jason grinste ihn an und küsste ihn erneut am Hals. Diesmal saugte er leicht daran. Felic stöhnte flüchtig auf und klammerte sich an Jason. Dieser spürte die leichte Erregung in Felic’ Hose und grinste. Er vollendete den Knutschfleck und sah Felic sanft an.
„Erregt dich das so sehr?“, fragte Jason noch immer lächelnd.
Felic sah ihn verlegen an und küsste Jason noch einmal auf die Lippen. Dieser hielt ihn mit seinen Küssen fest.
„Jason? Wollt ihr nicht allmählich aufstehen?“, rief Jasons Vater aus dem Wohnzimmer, „ich kann es nicht leiden, wenn du dein Training später anfängst.“
„Jetzt musst du aufstehen und zwar ohne dass ich dich verwöhnen kann“, sagte Jason grinsend und ließ Felic aufstehen, der sich schnell etwas anzog.
„Hey, ihr zwei“, kam es von Jasons Vater, der plötzlich in ihrem Zimmer stand, „oh ich wollte nicht stören.“
Total verlegen stand er vor den Beiden, Jason auf dem Bett und Felic der sich anzog und aufs Bett fiel, als er stolperte, während er seine Hose anzog.
„Oh man, du brauchst einen starken Kaffee um wach zu werden“, sagte Jason grinsend.
„Wieso Kaffee? Koffein reicht völlig pur“, meinte Felic und schlief fast wieder.
„He, du wirst jetzt nicht wieder einschlafen“, sagte Jason und kitzelte Felic solange bis dieser durch sein eigenes Lachen munter war.
„Gnade, ich steh auch auf“, schrie Felic noch immer lachend.
„Wirklich?“, fragte Jason, „sonst kitzle ich dich weiter.“
„Nein, hör auf! Ich kann nicht mehr“, antwortete Felic flehend, als Jason ihn weiter kitzelte.
„Ich steh ja schon auf“, meinte Felic und war schnell aus dem Bett.
Er ging ins Bad, während Jason und sein Vater frühstück machten.
„Er ist niedlich, wenn ihr zwei so zusammen seid.“
„Ich weiß, aber er ist auch sonst süß.“
„Das meinte ich nicht. Das du ihn liebst weiß ich, aber ich meine, er ist wie ein Kind wenn du bei ihm bist.“
„Er ist ein Kind.“
„Er ist siebzehn“, sagte sein Vater konternd.
„Er ist trotzdem ein Kind, in manchen Fällen, aber es gibt auch Momente, in denen er mehr als erwachsen wirkt.“
„Ach ja?“
„Ja.“
„Über wen redet ihr?“ kam es von Felic, der plötzlich in der Küche auftauchte.
„Über dich“, antwortete Jason grinsend.
„Und worum geht’s, hab ich was falsch gemacht?“
„Nein, sicher nicht. Und wenn würde ich es dir eh verzeihen“, sagte Jason und küsste Felic leidenschaftlich.
Er drückte ihn an die Wand und hielt ihn fest, als er merkte das Felic ihm wegrutschte. Jasons Vater hatte sich derweilen dem Kaffee zugewendet und aufgegossen. Als Jason sich aus Felic Hals zurückzog und ihm grinsend in die Augen sah, wollte Felic ihn gerade weiterküssen, als Jason mit seiner Hand über Felic Wange strich.
„Nun setzt euch schon. Sonst fällt Felic noch um, wenn du ihn noch mehr verwirrst“, meinte Jasons Vater grinsend.
Jason löste sich nur widerwillig von Felic und setzte sich. Nach dem Frühstück ging’s wieder in die Eishalle. Jason übte gerade seine Kür als Felic ihm vor die Füße lief. Jason grinste leicht und wurde langsamer.
„Was denn?“, fragte er seinen Engel und sah ihm sanft in die Augen.
„Was läufst du hier eigentlich zusammen?“, fragte Felic trotzig.
„Was? Warum?“, fragte Jason überrascht über Felic Trotzigkeit.
„Du siehst total traurig aus. Für mich sieht das eher danach aus, als würdest du nicht gerade Lust dazu haben“, meinte Felic und hielt sich an ihm fest, als er leicht rutschte.
„Ich habe auch keine Lust dies zu laufen, zumindest nicht mit der Person, mit der ich laufen muss.“
„Warum? Ist sie so schlimm.“
„Mehr als das. Sie ist lästig und ihr Vater will mich mit ihr verkuppeln. Dabei habe ich meinen Engel doch schon“, sagte Jason lächelnd und nahm Felic in den Arm.
Felic sah ihn einen Moment nur an.
„Lauf mit mir“, meinte Felic ernst und sah Jason tief in die Augen.
Dieser erkannte ein Flackern in Felic Augen.
„Aber …“
„Ich weiß. Aber das ist meine Antwort auf die Frage deines Vaters. Ich mache mit“, kam es von Felic leise.
„Wirklich?“, fragte Jason ungläubig.
„Wirklich!“, sagte Felic und hätte fast vergessen zu atmen, als Jason ihn plötzlich hochhob und an sich drückte.
„Jason, du erdrückst mich ja.“ rief Felic sanft und löste sich aus Jasons Umarmung, aber nur, um ihn daraufhin zu küssen.
„Ich liebe dich“, hauchte Felic leise.
„Ich dich auch“, erwiderte Jason sanft um dann den Kuss zurück zugeben.
„Hey ihr zwei“, rief Jasons Vater plötzlich.
Jason schrak zusammen und ließ Felic los.
„Kommt her“, sagte er daraufhin etwas leiser.
„Ihr könnt euch hier nicht ständig küssen. Ihr seid nicht die einzigen die in diesem Gebäude trainieren.“
„Entschuldige, aber anders konnte ich nicht auf Felic Antwort regieren.“
„Welche Frage hat er denn beantwortet?“
„Ich mache mit“, meinte Felic ernst und lächelte.
Jasons Vater fiel die Kinnlade runter.
„Im Ernst jetzt?“
„Ja, aber nur wenn Jason nicht mit …“, Felic überlegte und sah Jason fragend an.
„Melinda?“
„Genau. Nur wenn er nicht mit ihr laufen muss.“
„Mit wem dann? Die Leute erwarten ein Paarlaufprogramm von ihm.“
„Mit mir, wenn das ginge“ kam es sehr leise von Felic, der verlegen zu Boden schaute.
„Bist du sicher? Ich meine, da werden viele Reporter sein und Jason wird um diese nicht drum rum kommen“, sagte Jasons Vater nachdenklich.
„Ja.“
„Na gut. Dann müssen wir das Programm aber umstellen.“
„Das machen wir schon“, mischte sich Jason ein.
„Wir? Felic, weiß doch gar nicht wie man ein Programm aufstellt.“
„Aber ich weiß, was Jason vorhat.“
„Wie meinst du das?“
„Leg einfach mal Musik ein“, sagte Jason zu seinem Vater und überlegte schon womit er anfängt.
Felic folgte ihm zur Eismitte und stellte sich vor ihn.
„Kannst du mit meinem Tempo schon mithalten?“, fragte Jason sanft.
„Ja, das ist kein Problem.“
„Okay. Versuchen wir’s doch mal“, meinte Jason und hörte wie hinter ihm die Musik anfing.
Etwas ruhiges, genau um in den Rhythmus zu kommen. Felic sah ihm in die Augen und fuhr ein Stück zu ihm, als Jason ihn am T-Shirt zog.
„Synchron macht sich am Besten.“
„Ist gut“, sagte Felic und schloss kurz die Augen.
Jason lief einen Halbkreis rückwärts und drehte eine kleine Mondpirouette. Daraufhin vollendete er den Kreis und sprang ab um einen dreifachen Axel zu springen. Hinten dran eine Waage und dann in die Sitzpirouette. Als er wieder oben war sah er Felic alles Zeitgleich und in Spiegelperspektive tun.
Jason spürte die Musik in seinem Körper, aber es war anders als sonst. Das Gefühl mit Felic zu laufen machte die Eisfläche warm und ließ ihn schweben. Als sie sich in der Mitte trafen drehten sie sich beide zueinander um und sprangen ein Stück entfernt wieder ab.
Felic zählte nicht mehr wie oft er sich drehte. Er folgte nur noch Jasons Gefühlen und schloss seine Augen innerlich. Nach Außen hin sah es für den Beobachter aus, als folge er Jasons Schritten, doch in Wahrheit folgte er Jasons Gedanken, seinen Gefühlen.
Er spürte die Wärme und die Zärtlichkeit, die Jason durchfloss während er lief. Als er fast am Ende des Liedes zu Jason sah grinste dieser leicht. Felic errötete und macht Zeitgleich mit Jason noch eine schnell drehende Pirouette, bevor er zur Mitte hin langsamer wurde und, passend zur Musik, die von „dem Mann in der eisernen Maske“ handelte, vor Jason auf die Knie ging und den Blick senkte, wie ein Ritter vor dem König, eine Hand auf dem Herzen.
Jason blieb stehen und legte seine Hand auf Felic Kopf. Beide waren sie außer Atem und erschöpft. Das ganze Programm (hier nicht so in allen Einzelheiten erklärt) dauerte insgesamt vier Minuten. Felic stand wieder auf und sah Jason in die Augen. Dieser lächelte sanft und strich Felic eine Strähne aus den Augen.
„Mit dir macht es doppelt Spaß zu laufen“, meinte Jason daraufhin leise.
Felic lächelte verlegen und sah zu Jason Vater, dem die Kinnlade runter gefallen war und der sich nicht bewegen konnte. Jason grinste und lief zu ihm. Felic folgte ihm und kam an der Band zum stehen. Jasons Vater konnte sich erst wieder rühren, als Jason die Musik ausmachte.
„Sagt mal, habt ihr das vorher schon mal geübt?“
„Nein, warum?“
„Weil sich das hier anfühlte, als wäret ihr beide schon ewig auf einander eingestimmt“, meinte Jasons Vater leise, „ich denke, dem steht nichts im Wege. Das wird sicher klappen mit der Gala, aber das Problem mit der Presse bleibt.“
„Das regle ich. Und du versuchst Felic aus der Halle zu bekommen, ohne gesehen zu werden.“
„Okay.“
„Warum so ein Aufwand?“, fragte Felic leise.
Er hatte sich an Jasons Rücken gelehnt und stellte sich nun an die Bande.
„Wie willst du sonst dort rauskommen?“
„So wie ich rein bin.“
„Das wird nicht gehen. Ihr beide zusammen auf dem Eis, wird die Menge neugierig auf dich machen, weil ihr eine Wärme ausstrahlt die einem, einen Schauer über den Rücken jagt. Sie werden wissen wollen mit wem der Juniorchampion gelaufen ist. Und die anderen Eiskunstläufer werden auch Auskünfte geben“, sagte Jasons Vater besorgt.
„Irgendwann erfahren sie doch sowieso wer da gelaufen ist, spätestens wenn sie die Bilder vergrößern“, meinte Felic realistisch, „ich muss also, ob ich will oder nicht, ins kalte Wasser springen.“
„Da hat er Recht“, gab Jason zu.
„Ich überleg mir etwas. Jetzt geht erst mal essen.“
„Was? War doch erst Mittag.“
„Ist fast Abendbrot. Ihr seid immer so vertieft ins laufen, das ihr die Zeit verliert.“
„Mein Zeitgefühl leidet sowieso immer in seiner Nähe“, sagte Felic plötzlich und erschrak über seine eigenen Worte.
Er sah vom Eis auf und in Jasons lächelnde Augen.
„Ach, verwirr ich dich so sehr?“
„Ja.“
„Na dann los. Sonst steht Felic morgen nicht auf und übermorgen ist die Gala. Ihr solltet euch morgen gut ausruhen.“
„Okay“, meinte Jason grinsend.
„Nicht auf die Art“, sagte Jasons Vater grinsend.
Felic sah Jason misstrauisch an und ging vom Eis. Er setzte sich auf die Bank und schloss kurz die Augen. Er war völlig ausgelaugt. Jason band ihm die Schuhe auf und sah ihm in die Augen, als Felic diese öffnete.
„Du siehst müde aus. Geht’s dir nicht gut?“
„Doch. Ich habe nur Hunger.“
„Na dann komm, ich mach was“, kam es von Jason und stand auf.
Felic zog seine Schuhe an und folgte ihm. In ihrer Hütte angekommen, ließ Felic sich auf die Couch fallen und schloss die Augen. Jason grinste sanft und machte etwas zu essen. Felic war ihm nach einiger Zeit nachgekommen und umarmte ihn von hinten.
Er lehnte sich an Jasons Rücken und küsste ihn im Nacken. Jason drehte sich langsam um und nahm ihn in den Arm.
„Was hast du?“
„Nichts“, meinte Felic nur und küsste Jason auf die Lippen.
Dieser legte ihm aber statt den Kuss zu erwidern eine Hand auf die Stirn und fühlte kurz.
„Du hast Fieber“, sagte Jason besorgt und sah Felic in die Augen.
„Meinst du nicht, du solltest dann lieber im Bett bleiben, statt aufs Eis zu gehen?“
Felic schüttelte mit dem Kopf. Er wirkte erschöpft und sein Körper war heiß. Jason nahm ihn auf den Arm und trug ihn ins Schlafzimmer. Dort legte er Felic ins Bett. Dieser war auf dem Weg dorthin eingeschlafen und wachte auch so schnell nicht mehr auf. Jason ging zu seinem Vater, nachdem er den Herd abgedreht hatte.
„Dad?“, fragte er als er in die Hütte kam.
Dieser war ebenfalls in der Küche und machte sich Essen.
„Was denn?“
„Kannst du bitte mitkommen?“
„Warum, ist was passiert?“, fragte Jasons Vater hellhörig und besorgt.
„Felic hat Fieber.“
„Du wirkst auch erschöpft. Hast du dich schon angesteckt?“
„Nein“, meinte Jason und sah seinem Vater in die Augen.
Dieser überprüfte dennoch ob Jason Fieber hatte, stellte aber keines fest. Er holte seine Arzttasche und ging mit Jason rüber. Felic schlief noch, aber sehr unruhig. Jason beugte sich über ihn und küsste ihn sanft auf die Lippen. Felic wurde dadurch wieder ruhiger, aber nicht wach. Er griff nur nach Jasons Hand und hielt ihn fest.
„Das sieht nicht gut aus“, sagte Jasons Vater plötzlich.
„Warum?“
„Er hat sehr hohes Fieber. Bei 39,5. Ich glaube, dass war alles zu viel in den letzten Tagen. Geh schlafen ich pass auf ihn auf.“
„Ich mach ihm noch Tee, falls er wach wird.“
„Okay. Hast du schon gegessen?“
Jason Schüttelte den Kopf.
„Dann iss erst.“
„Ich krieg nichts runter.“
„Dann nimm wenigstens einen Apfel oder so.“
„Ja“, meinte Jason leise und ging in die Küche.
Er machte Felic einen Tee und brachte ihn nach oben. Etwas zu Essen hatte er vergessen. Felic wachte auf, als Jason seine Hand nahm und sich neben das Bett setzte.
„Hey, wie geht’s dir?“, fragte Jason lächelnd.
„Mir ist kalt.“
„Was, du hast Fieber und das nicht gerade niedrig“, sagte Jasons Vater überrascht.
„Mir ist trotzdem kalt“, meinte Felic und Jason bemerkte das leichte Zittern.
Er küsste Felic sanft auf die Lippen. Er fühlte wie kalt Felic’ Lippen und seine Hände plötzlich waren. Seine Augen waren glasig vom Fieber.
„Hier, trink etwas, er ist noch heiß. Vielleicht wird dir etwas wärmer“, sagte Jason sanft zu ihm und hielt ihm die Tasse hin. Felic nahm ein paar Schlucke und gab Jason die Tasse zurück. Er legte sich wieder hin und sah Jason kurz an.
„Du solltest noch etwas schlafen, damit du wieder fit wirst“, kam es von Jasons Vater besorgt.
Felic schloss langsam die Augen und war auch wenig später eingeschlafen.
„Er ist erschöpft, sein Körper ist etwas durcheinander nichts Schlimmes“, sprach Jasons Vater beruhigend weiter, als Jason ihn besorgt ansah.
Als Felic dennoch zitterte, legte Jason sich neben ihn unter die Decke, nachdem er sich bis auf seine Shorts und T-Shirt ausgezogen hatte und nahm ihn in den Arm. Felic kuschelte sich eng an ihn und legte seine Hände auf Jasons Brust. Jason küsste ihn sanft auf die Stirn und schlief selbst ein.
Jasons Vater blieb wach und beobachtete Felic Zustand.

XXX

Felic hörte nach einer Weile auf zu Zittern und auch das Fieber war bis zum Morgen wieder verschwunden. Jason hielt ihn fest im Arm. Als Felic wach wurde, bewegte er sich kaum um Jason nicht zu wecken, der noch tief schlief.
„Du kannst dich ruhig bewegen, Jason schläft wie ein Stein.“
Felic drehte sich vorsichtig um und sah Jasons Vater an.
„Wie geht’s dir heute Morgen?“
„Besser.“
„Das ist gut, dein Fieber ist auch weg. Ist dir noch kalt?“
„Nein. Ich hatte eine gut Heizung“, sagte Felic grinsend und deutete auf Jason, der sich noch immer nicht rührte.
Jasons Vater legte ihm eine Hand auf die Stirn und stützte sich dabei zwischen den Beiden ab.
„Er hat kein Fieber, aber mit der Heizung das stimmt. Er hat ne ganz schöne Wärme“, sagte Jasons Vater überrascht.
Jason legte seinen Arm wieder um Felic und legte sich bei ihm auf die Brust.
„Er hat wohl nicht vor aufzustehen.“
„Nein, ich will ihn aber nicht wecken. Ich habe ihn noch nie schlafen sehen. Er war immer schon wach wenn ich langsam zu mir kam“, meinte Felic sanft und strich Jason durchs Haar.
„Dann lass ihn noch etwas schlafen. Ich mach euch Frühstück.“
„Okay.“
Felic strich Jason weiterhin sanft durchs Haar, bis dieser aufwachte und ihn sanft ansah. Jason stützte sich ab und küsste Felic auf die Lippen. Als er mit seiner Zunge über Felic Lippen leckte, öffnete dieser seinen Mund und spielte mit Jasons Zunge. Jason glitt langsam mit seiner Hand unter Felic T-Shirt und streichelte ihn auf der Brust.
„Dein Vater ist unten in der Küche“, sagte Felic grinsend.
„Macht nichts. Ich will dich jetzt küssen.“
„Ach küssen nennst du das?“
„Ja. Wie sonst?“, fragte Jason verwirrt.
„Wenn ich dem Weg deiner Hand folge, würde ich eher sagen, du willst mich verführen“, sagte Felic und lächelte.
Erst jetzt bemerkte Jason wohin er mit seiner Hand geglitten war. Er zog seine Hand von Felic Hosenbund zurück und legte sich neben ihn. Er sah Felic verlegen an. Dieser küsste ihn federleicht sm Hals und flüsterte daraufhin in Jasons Ohr.
„Wenn dein Vater nicht im Haus wäre, hätte ich dich gewähren lassen.“
Daraufhin lächelte Jason Felic sanft an, der leicht grinste.
„Dann muss ich meinen Vater wohl rausschmeißen, damit ich dich ganz haben kann“, sagte Jason und nahm Felic fest in den Arm.
Er küsste ihn leidenschaftlich und schob seine Zunge weit in Felic Mundhöhle. Dieser spielte mit Jasons Zunge und legte seine Hände auf Jasons Brust. Er spürte den schnellen Herzschlag unter seinen Händen und streichelt Jason daraufhin mit einer Hand, was dessen Herzschlag noch beschleunigte.
Allerdings nicht nur das. Felic Hände glitten federleicht über Jasons Oberkörper und als er spürte wie Jason ein leichter Schauer durchlief, sah er Jason in die Augen. Als er ahnte, warum Jason plötzlich etwas unruhig zu Mute war, grinste er leicht.
„Ich glaube ich habe deinen Schwachpunkt gefunden“, sagte Felic leise und grinste ihn weiterhin an.
Jason wurde verlegen und setzte sich auf. Doch Felic ließ ihn nicht gewähren. Er hielt Jason sanft im Arm und küsste ihn wieder auf die Lippen. Jason erwiderte den Kuss.
„Ich genieße deine Berührungen sehr, aber wenn du weitermachst bin ich die nächsten paar Minuten nicht mehr zu gebrauchen.“
„Dann ist das eben so“, sagte Felic lächelnd.
„Und was ist mit meinem Vater?“
„So wie ich das sehe, hat er noch zu tun“, sagte Felic sanft und küsste Jason sanft.
Dabei beförderte er seine Zunge in Jasons Mund und glitt mit einer Hand weiter nach unten. Er schob Jasons T-Shirt ein Stück nach oben und küsste ihn auf den Bauch. Nur ganz leicht. Er berührte Jasons Haut nur wie einen flüchtiger Windhauch. Jason schien diese Behandlung zu gefallen denn er stöhnte leise.
Felic lächelte sanft und küsste ihn wieder auf die Lippen. Jason hatte seine Augen geschlossen und hielt sich am Laken fest. Felic fühlte Jasons Anspannung, als er mit seiner Hand unter die Bettdecke glitt und sie auf Jasons Boxershorts ruhen ließ. Jasons Erregung war durch den dünnen Stoff deutlich zu spüren.
Felic verlagerte seine Küsse auf Jasons Hals und Brust und glitt dabei mit seiner Hand in Jasons Hose. Er spürte wie ein weiterer Schauer Jasons Körper erzittern ließ und er bemerkte den festen Griff seiner Hände im Laken. Er zog seine Hand zurück und berührte Jasons Hände.
Jason sah ihn verwirrt an und löste seinen Griff ein wenig, als Felic ihn besorgt ansah. Felic küsste ihn wieder auf die Lippen und bewegte seine Hand wieder nach unten. Jason stöhnte leise, als Felic’ Hand sich um sein Glied schloss und sich leicht bewegte, nicht zu schnell um Jason noch ein wenig mehr zu erregen ehe er zum Höhepunkt kam.
Felic schob seine Zunge in Jasons Mund und liebkoste mit der anderen Hand Jasons Brust. Als Felic spürte das Jason fast soweit war, zog er seine Hand erneut zurück und ging über ihm in die Schwebe. Dabei glitt er mit seinen Küssen immer weiter nach unten und zog Jason langsam seine Shorts aus.
Dieser konnte vor Erregung nicht mehr reagieren und beließ Felic die Oberhand. Dieser genoss es Jason zu verführen und gelangt mit seinen Küssen oberhalb von Jasons Schambereich an. Mit seinen Händen hielt er Jasons Hüfte leicht fest. Als er mit seinen Lippen Jasons Glied berührte, durchfuhr diesen ein weiterer Schauer.
Felic verwöhnte Jason sanft und spürte das plötzliche, aber sehr leichte Zittern, welches Jasons Körper durchflutete. Jason wollte sich von Felic trennen, doch dieser ließ ihn nicht und hielt Jason sanft mit seinen Lippen und Händen fest. Felic wollte Jason schmecken und ließ ihn nicht gehen.
Kaum wenige Sekunden später schmeckte er Jasons Sperma in seinem Mund und schluckte es runter. Jason blieb erschöpft liegen. Felic leckte den letzten Tropfen von seinen Lippen und krabbelte wieder zu Jason hoch. Dieser sah ihn erschöpft, aber lächelnd an.
„Na? Geht’s dir besser?“ fragte Felic leise und lächelte sanft.
„Ja, aber jetzt muss ich einen Moment ausruhen. … Danke“, sagte er sanft und küsste Felic zärtlich auf die Lippen.
„Du schmeckst gut“, sagte Felic grinsend.
„Ach ja?“, fragte Jason lächelnd.
„Ja“, meinte Felic sanft und küsste Jason erneute.
Diesmal schob Jason ihm seine Zunge in den Mund und erkundete Felic Mund ausgiebig, ehe er sich wieder von ihm löste. Felic war, wie so oft nach Jasons leidenschaftlichwilden Küssen, errötet und sah Jason verlegen an.
„Stimmt“, sagte Jason daraufhin grinsend.
Als Felic begriff was Jason meinte, lächelte er. Und schon machte Jason mit der Reinigung von Felic Mundhöhle weiter.
„Kommt ihr beide nun endlich mal aus den Federn? Frühstück ist gleich fertig“, sagte Jasons Vater grinsend, als er die beiden bei ihrem Tun überraschte.
„Gleich unten“, sagte Jason verlegen, da er als erster wieder sprechen konnte.
Als sein Vater weg war, sah er Felic fragend an.
„War ich zu laut?“, fragte er schließlich flüsternd.
„Nein, ich habe dich nur ganz leise gehört“, sagte Felic lächelnd.
„Dann hat er hoffentlich nichts gemerkt.“
„Ich denke nicht, die Tür war ja zu“, meinte Felic noch immer lächelnd und küsste Jason noch einmal ehe er aufstand und zu seinem Schrank ging.
Er suchte sich ein paar Sachen zum anziehen heraus und legte sie auf den Stuhl. Dann zog er sein T-Shirt aus und seine Shorts und stand nun nackt im Zimmer, während er sich seinen Pullover anzog und danach erst eine Shorts. Dann seine Jeans und Socken.
Als er zu Jason sah, bemerkte er den verträumten, aber auch begierlichen Blick.
„Hey, willst du dich nicht anziehen?“
„Ich sehe dir liebe zu, wie du dich anziehst.“
„War meine Arbeit umsonst?“, fragte Felic lächelnd und deutete auf die Bettdecke.
„Nein, ich steh ja schon auf“, sagte Jason grinsend und setzte sich, ehe er die Decke zurückschlug.
Felic sah dennoch eine leichte Erregung zwischen seinen Beinen und grinste.
„Na lange hast du ja nicht gebraucht dich zu erholen“, sagte Felic grinsend und sah Jason in die Augen.
„Ich kann leider nichts dagegen tun. Wenn ich dich angezogen sehe, reicht es ja schon mich anzustimmen, aber ganz nackt … Tut mir Leid, aber da bist du selbst dran Schuld“, kam es von Jason lächelnd.
„Ich kann mich das nächste mal auch im Bad umziehen, wenn dir das lieber ist“, meinte Felic grinsend und ging auf Jason zu.
„Nein. Das lässt du schön bleiben“, meinte dieser und küsste Felic auf die Lippen, als dieser sich zu ihm runterbeugte.
Er umfasste Felic Hüfte und hielt ihn fest, während Felic sich auf Jasons Schulter aufstützte.
„Aber ganz so ungerührt scheint dein Körper auch nicht zu sein“, meinte Jason und Felic bemerkte erst jetzt wo Jason seine Hand hatte, nämlich auf der Vorderseite seiner Hose, wo sich eine leichte Beule feststellen ließ.
„Na ja. Ich kann eben nicht widerstehen. Aber du solltest dich anziehen. Wenn du einen peinlichen Augenblick ersparen möchtest. Dein Vater ist nämlich auf dem Weg hierher“, sagte Felic grinsend.
Jason beförderte ihn aufs Bett und stand auf. Er zog sich schnell etwas an und als er gerade seine Hose zumachte, stand sein Vater im Türrahmen.
„Ihr braucht aber sehr lange“, sagte er etwas verärgert.
„Sind schon fertig.“
„Na dann los.“
Felic stand vom Bett auf und erschrak als Jason ihn nochmals zurückwarf und sich über ihn beugte.
„Mach das nicht noch mal“, sagte er lächelnd.
„Was denn?“
„Mich erst anspornen und dann sagen, das mein Vater gleich in der Tür steht. Ich hätte dich fast verführt“, sagte Jason leise.
„Ich weiß“, meinte Felic leise und lächelte während er Jason sanft auf die Lippen küsste und dann aufstand.
„Weißt du, dass du ganz schön fies sein kannst?“
„Ja“, meinte Felic grinsend und flüchtete vor Jason, als dieser nach ihm greifen wollte.
Vor der Küchentür erwischte er ihn, aber auch nur weil Felic stehen blieb um nicht gegen den Fremden zu laufen.
„Guten Morgen“, sagte Felic freundlich und registrierte das Alter desjenigen.
Er war ungefähr drei vier Jahre älter als Felic und Jason. Jason war so erschrocken, das er vergas, Felic loszulassen.
„Guten Morgen ihr zwei. Ihr braucht aber lange um aus den Federn zu kommen“, sagte der Fremde.
„Darf ich vorstellen, das ist Herr Dano. Er ist gestern hier angekommen und wohnt mit drüben. Ich habe ihn eingeladen mit uns zu frühstücken“, sagte Jasons Vater.
„Hallo, ich bin Jason“, sagte Jason noch immer verdutzt.
„Das dachte ich mir, und du bist dann wohl Felic.“
„Ja“, sagte dieser verwundert.
„Jasons Vater hat mich schon aufgeklärt.“
„Ach hat er?“, fragte Jason mit einem fragenden Blick zu seinem Vater.
„Ja, und ich muss sagen, er hat nicht untertrieben.“
„Womit?“, fragte nun Felic verwirrt, der sich langsam aus Jasons Umarmung gelöst hatte.
„Damit, das ihr zwei richtig süß zusammen seid.“
Jason wäre beinahe aus den Latschen gekippt, als das hörte und hielt sich der Wand fest. Felic dachte dabei eher daran, froh zu sein, unter sich kein Eis zu haben. Er wäre jetzt fürchterlich auf seinem Hintern gelandet. Aber so fiel ihm nur die Kinnlade runter.
„Ich bin wohl dieses Jahr leider etwas in der Unterzahl“, sagte Jasons Vater grinsend.
„Nur um das richtig zu stellen. Ich bin auch Schwul und ich habe damit daher keine Probleme. Aber ich muss sagen, ich könnte auf dumme Gedanken kommen, wenn ich dich sehe“, sagte er grinsend zu Felic.
Das gefiel Jason gar nicht, denn er funkelte ihn wütend an und nahm Felic besitz ergreifend in den Arm.
„Der gehört mir. Tut mir ja leid, aber ich werde ihn sicher nicht wieder hergeben“, sagte Jason trotzig, wobei Felic nur zu einem verlegenen Blick in der Lage war.
„Schon gut, ich werde ihn dir nicht wegnehmen. Er ist mir auch zu jung. Aber wäre er Älter würde ich es versuchen“, sagte er grinsend.
„Na los. Essen fassen. Sonst bekommt Felic wieder Fieber heute Abend und dann habt ihr keine Zeit für eure Liebeleien“, sagte Jasons Vater grinsend.
„Was für Liebeleien?“
„Ihr hätte wenigstens die Tür abschließen können.“
„Was?“, fragte Jason schockiert.
Er sah seinen Vater nur fassungslos an und Felic wäre am liebsten im Erdboden versunken. So verschwand er nur fast unter dem Tisch.
„Ich sollte euch zum Frühstück holen. Tut mir ja leid. Ich wollte euch nicht stören, also bin ich einfach wieder gegangen“, sagte Herr Dano leicht verlegen.
„Ich zieh aus“, sagte Jason noch immer fassungslos.
Es war ihm peinlich und das sah man an der Farbe seines Gesichts.
„Du bleibst hier“, sagte Jasons Vater grinsend.
„Und du kannst wieder unter dem Tisch hervorkommen“, sagte er zu Felic der etwas Blass geworden war.
„Es braucht euch nicht peinlich sein. Ich hatte mich eh schon gefragt, wann das kommt. Ich dachte mir bereits das ihr beim küssen allein nicht lange bleiben werdet“, sagte Jasons Vater um den beiden etwas nahe zukommen.
„Und jetzt esst erst mal. Nachher ist Training oder wolltet ihr nicht mehr üben vor der Gala. Immerhin muss Felic sich an Publikum gewöhnen.“
„Wie das?“
„Herr Dano wird zusehen.“
„Es wäre mir durchaus lieber, wenn ihr mich alle mit Chris anreden würdet. Mir ist es etwas unangenehm mit Nachnamen angesprochen zu werden. Zuhause, also in der Stadt in der ich wohne, macht das niemand.“
„Okay, also Chris“, sagte Felic grinsend.
„Ja“, sagte der angesprochene lächelnd.
Jason sah Felic kurz an und dann misstrauisch zu Chris. Dieser bemerkte Jasons Blick schnell und betrachtete ihn einen Moment wortlos. Felic bekam den innerlichen Kampf der beiden mit und sah Jason daraufhin in die Augen. Als er aber dessen Aufmerksamkeit nicht bekam, weil dieser noch immer damit beschäftigt war, Chris wütende Blicke zuzuwerfen, küsste er ihn plötzlich leidenschaftlich auf die Lippen.
Jason erschrak über diese Reaktion und wäre fast mit dem Stuhl umgekippt. Jasons Vater begann lautstark zu lachen und Chris sah die beiden verdattert an. Als Felic sich langsam von Jason löste, grinste er ihn an
„Ich geh dir schon nicht fremd.“
Jason erwiderte den Blick daraufhin verlegen und stahl sich noch einen Kuss.
„Na da haben wir ja noch ein paar lustige Wochen vor uns. Und nur so zum mitschreiben, Chris ist erst 22.“
Als Felic daraufhin prüfend zu Chris sah, der verlegen lächelte, fiel Jason letztlich doch mit seinem Stuhl um. Felic sah besorgt zu ihm und fragte dann leise, während er ihm wieder hoch half: „Alles in Ordnung?“
„Nein“, sagte Jason und funkelte Chris giftig an.
Plötzlich riss er Felic an sich und sagte besitz ergreifend: „Finger weg, der gehört mir.“
„Ist nicht zu übersehen. Aber süß ist er dennoch, wird wohl schwer mich zurück zuhalten“, sagte Chris grinsend.
„Dann musst du dich eben zusammenreißen“, meinte Jason nur giftig.
„Hey, Schluss jetzt. Ich bin auch noch da und ich entscheide selbst für mich. Und auf irgendwelche Machtspiele steh ich nicht. Außerdem habe mich längst entschieden, wen ich an mich ranlasse“, sagte Felic trotzig und setzte sich wieder.
Chris wurde leicht verlegen und Jason sah ihn verdattert an, bis Felic ihn runter zog und kurz auf die Lippen küsste.
„Und jetzt wäre ich dir dankbar in Ruhe frühstücken zu können“, meinte Felic und grinste als er in die Jasons Augen sah. Jasons Vater begutachtete dies alles nur grinsend. Nach dem Frühstück ging’s zur Eisbahn und Felic und Jason übten ihre Kür, während Jasons Vater und Chris sich unterhielten.
„Die beiden sind wirklich süß zusammen, aber wäre Felic nicht in festen Händen, hätte ich es wirklich versucht ihn für mich zu gewinnen“, sagte Chris lächelnd.
„Du wirst aber so keine Chance haben. Er ist über beide Ohren in Jason verliebt und er wird nicht mehr so schnell loslassen.“
„Das dachte ich mir, aber mir kommt es bald so vor, als würde es Jason nicht anders gehen.“
„Ist auch so. Die beiden hat es heftig erwischt und Jasons Traum wird sich wohl bald erfüllen.“
„Welcher?“
„Er hat mir mal gesagt, dass er mit der Person zusammen auf dem Eis laufen will, die er liebt. Und da Felic ein sagenreiches Talent hat, wird dies kein Problem mehr sein. Die beiden laufen bei der morgigen Gala zusammen.“
„Aha, das hört sich gut an, aber warum Sagenreiches Talent?“
„Was meinst du, wie lange Felic schon Eiskunstlauf macht?“
„Ich weiß nicht, bestimmt schon ein paar Jahre so wie läuft.“
„Falsch!. Er hat vor einer Woche das erste Mal auf dem Eis gestanden. Er bekommt ohne Jasons Hilfe nicht mal die Schuhe allein an“, sagte Jasons Vater grinsend und bemerkte den völlig verblüfften Ausdruck in Chris’ Gesicht.
„Wow, was anderes fällt mir dazu nicht ein.“
„Ist auch so, der Junge ist etwas besonderes, nicht nur im Eiskunstlauf.“
„Das stimmt er ist ein Junge, der Wunder vollbringen könnte.“
„Vielleicht passiert dies noch, wenn die beiden morgen zusammen auf dem Eis sind.“
„Bestimmt. Die beiden strahlen eine ungeheure Wärme aus.“
„Stimmt“, sagte Jasons Vater und beobachtete die beiden.
Felic kam gerade wieder auf dem Eis auf nachdem er einen vierfachen Sprung hinter sich hatte und fing ihn gut ab. Dabei fuhr er anschließend ein Stück rückwärts. Das Programm war anders, als sie es das letzte mal geübt hatten, lag aber wohl daran, das sie es nicht aufgeschrieben hatten und einfach so liefen wie es ihnen in den Sinn kam, was Jasons Vater wieder zu der Frage kam, wer dies sich eigentlich ausdachte.
„Jason…. Felic…, kommt ihr mal?“, fragte Jasons Vater und stellte sich an die Bande.
Die Beiden tauchten kurze Zeit später bei ihm auf und sahen ihn fragend an.
„Wer von euch läuft dem anderen eigentlich etwas vor?“ fragte er verwirrt.
„Keine Ahnung, manches mache ich vor, anderes kommt von Felic.“
„Und wie kommt es, dass ihr dennoch alles gleichzeitig macht?“ mischte Chris sich nun ein.
„Das liegt daran, dass wir wissen was der andere läuft.“
„Aha. Das verstehe ich zwar nicht so richtig aber ist auch egal.“
„Was die beiden laufen, drückt ihre Gefühle aus und der andere Antwortet darauf. Du sagtest vorhin selbst die beiden strahlen eine ungeheuerliche Wärme aus“, meinte Jasons Vater lächelnd.
Er hatte verstanden, was die beiden auf dem Eis ausdrückten, als er sie zusammen laufen sah, während die beiden sich unbeobachtet gefühlt hatten.
„Ach, jetzt versteh ich. Dann vertraut ihr euch aber wirklich ziemlich doll. Da habe ich wohl wirklich keine Chance bei Felic“, meinte Chris grinsend.
Daraufhin rutschte dieser leicht und musste sich festhalten, als Jason ihn plötzlich in den Arm nahm. Felic hielt sich an Jasons Hüfte fest und sah ihn erschrocken an.
„Du hättest auch sonst keine Chance“, meinte Jason giftig. Felic bemerkte, das Jason Chris nicht leiden konnte.
Aber die Beiden waren sich irgendwie Ähnlich, bis auf die Wärme, die Felic bei Jason verspürte und die er auf keinen Fall verspielen wollte.
Aber ein bisschen ärgern wollte Felic Jason auch, nachdem er die Eifersucht bei ihm gefunden hatte. Er löste sich aus Jasons Armen und begann zu grinsen.
„Ihr seid euch ziemlich ähnlich, ich meine du und Chris. Also warum sollte er keine Chance haben?“
Jason sah Felic verwirrt an und begriff nach einigen Sekunden dessen Spiel.
„Ich lass mich nicht von dir hinters Licht führen.“
„Schade, ich dachte es klappt. Aber recht habe ich dennoch nur nicht damit, dass er eine Chance hätte“, sagte Felic und sah Chris bedauernd an.
„Tut mir leid, aber da hat Jason Recht. Ich habe mich wie gesagt schon entschieden.“
Daraufhin lächelte Chris sanft.
„Das weiß ich, man spürt es.“
Daraufhin zog Chris Felic zur Bande und flüsterte ihm leise ins Ohr.
„Aber ich denke, ich werde es nicht lassen können dich manchmal anzustarren, du bist nämlich wirklich sehr süß. Aber um dich zu beruhigen. Ich habe nicht vor mich zwischen euch zu stellen, ihr passt zu gut zusammen.“
Daraufhin küsste Chris ihn auf die Wange und ließ ihn wieder los. Jason hatte dies misstrauisch beobachtet und sah Chris noch immer giftig an.
„Na los Jungs. Ich denke es genügt heute. Sonst seid ihr morgen nicht fit. Wir unternehmen lieber noch etwas in der Stadt. Begleitest du uns Chris?“
„Ja gern“, sagte dieser lächelnd.
Felic hatte sich schon auf eine Bank gesetzt und versuchte sich an den Schnürsenkeln. Hatte aber immer noch Probleme. Als Jason an Chris vorbei ging, sagte dieser flüsternd zu ihm: „Pass gut auf ihn auf. Wenn du ihm nämlich wehtun solltest, wirst du es mit zu tun kriegen.“
Daraufhin lächelte er.
„Keine Angst, ich werde ihn nicht verletzen, dafür liebe ich ihn zu sehr. Und dir überlassen will und werde ich ihn auch nicht. Klar?“
„Klar.“
Daraufhin waren beide wieder im Reinen und Jason ging zu seinem Engel. Er zog seine Schuhe an und sah daraufhin zu Felic.
„Hey Kleiner, du machst dir gleich einen Knoten in die Finger“, sagte Jason sanft und hockte sich vor Felic.
Dieser sah ihn verlegen an und resignierte.
„Ich weiß auch nicht, ich komme mit den langen Bändern nicht klar.“
„Schon okay. Dann habe ich wenigstens einen Grund dir in der Öffentlichkeit nahe zu sein“, meinte Jason grinsend.
„Und wenn ich es bald allein kann?“
„Dann such ich etwas anderes“, sagte Jason und stahl sich einen Kuss, als Felic noch etwas sagen wollte.
„Jason?“
„Hm?“
„Wie viele sind morgen da?“
„Ich weiß nicht, lass mich rechnen. Wenn voll besetzt ist, ungefähr 2000. das wenigste meistens 1000. Warum?“
„Nur so“, sagte Felic und schluckte.
Jason bemerkte die Nervosität und nahm ihn in den Arm.
„Hey, denk einfach nicht dran. Wir sind allein auf dem Eis, dass ist das Einzige, was du denkst okay? Dann geht dein Lampenfieber vorbei.“
„Dann kommen mir aber gewisse Ideen in den Sinn. Immerhin, allein sind wir komischerweise nie auf dem Eis.“
„Dann stell dir lieber vor Dad sieht zu und sonst niemand. Sonst bekommen wir Probleme mit den Anwesenden.“
„Okay“, sagte Felic, allerdings keineswegs beruhigt.
„Dad? Wir müssen Felic noch sein Lampenfieber nehmen. Sonst schläft er diese Nacht nicht“, sagte Jason grinsend zu seinem Vater.
„Würde er das überhaupt, auch ohne Lampenfieber?“ fragte dieser zurück und hatte es wieder geschafft Jason verlegen zu machen.
„Nun gut…, wir finden schon was.“
„Okay. Na dann los, mein Engel. Sonst fahren die noch ohne uns“, sagte Jason grinsend und kassierte dabei einen leidenschaftlichen Kuss von Felic.
Jason spürte dabei Felic Aufregung noch stärker. Er nahm ihn sanft in den Arm und hielt ihn fest.
„Hey, ist nur eine Gala. Wenn du Fehler machst ist es nicht schlimm. Hm?“
Felic nickte nur leicht und hielt sich an Jason fest. Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter.
„Schon okay, wenn du morgen nicht laufen möchtest, finden wir eine andere Möglichkeit. Aber ich denke dein Lampenfieber wird spätestens zum Auftritt verschwunden sein, dafür sorgt Jason schon“, sagte Jasons Vater beruhigend, als Felic ihn hilflos ansah.
„So nun los. Sonst ist es Abend ehe wir in der Stadt sind.“
„Ja“, sagte Felic noch immer etwas hilflos.

XXX

Jason hielt seine Hand fest, während sie in die Stadt fuhren und er spürte das leichte Zittern. Als Felic ihn ansah, lächelte Jason ihn an. Sie waren drei Stunden in der Stadt und hatten viel Spaß. Felic und Jason machten allerhand Unsinn. Sie rutschten über alle sich in den Weg stellenden Pfützen die zugefroren waren und versuchten den anderen immer wieder auszuspielen.
Von Felic Nervosität war nichts mehr zu spüren. Am ende saßen sie noch eine Weile im Cafe und tranken heiße Schokolade. Felic saß zwischen Jason und Chris und hielt unterm Tisch Jasons Hand fest. Eine Weile erzählten sie noch und fuhren dann zurück. Felic fiel auf die Couch und blieb liegen, bis Jason ihm eine Strähne aus dem Gesicht strich.
„Na wie geht’s dir jetzt?“
„Besser. Aber ich habe Hunger.“
„Gut, Dad hat schon gefragt, ob wir rüber kommen.“
In dem Moment knurrte Felic Magen. Er sah Jason verlegen an. Dieser grinste jedoch nur und fing an Felic abzukitzeln. Dieser versuchte sich zu wehren, kam aber nicht gegen Jason an, der halb auf ihm drauf lag.
„Gnade, ich kann nicht mehr“, sagte Felic flehend.
Jason blieb aber dennoch auf ihm liegen und küsste ihn leidenschaftlich. Er schob ihm seine Zunge in den Mund und drang weit in ihn ein. Felic spürte, das Jason wohl fast seine Mandel berühren musste, soweit wie er seine Zunge in Felic Mund schob. Doch dieser ließ sich nicht stören und küsste Felic weiter und irgendwie gefiel Felic diese Behandlung.
Er legte seine Arme um Jason und zog ihn dicht an sich. Er erwiderte den Kuss sanft und vergas alles um sich herum, Sogar sein Hunger war ihm egal, wenn er Jason nur noch einen Moment schmecken durfte. Dieser bemerkte es wohl, denn er gab sich Felic hin und verwöhnte ihn mit Küssen.
Er glitt langsam mit seinen Küssen zu Felic Hals und küsste ihn dort sanft, ehe er seine Zunge wieder in Felic Mund schob. Nach einer Weile sah er Felic grinsend an.
„Wir sollten essen. Meinst du nicht. Dein Magen Knurrt schon wütend.“
„Okay“, sagte Felic leise, stahl sich jedoch noch einen Kuss, der wieder leidenschaftlich wurde.
Dann stand Jason auf und sie gingen rüber zum Essen.

XXX

„Dann können wir ja anfangen“, meinte Jasons Vater lächelnd.
Nach dem Essen schlief Felic auf der Couch in der Hütte von Jasons Vater ein. Chris strich ihm sanft durchs Haar.
„Geh lieber ins Bett, hier schläft es sich nicht gut“, meinte Chris zu Felic, als dieser kurz die Augen öffnete.
„Ja, wo ist Jason?“, fragte Felic leise.
„Kommt gerade aus der Küche. Er bringt dich ja sicher rüber, oder willst du allein gehen.“
„Nein, aber ich will auch nicht hier bleiben“, sagte Felic grinsend, als er begriff worauf Chris hinauswollte.
„Schade, ich dachte ich schaffe es.“
„ Ich will lieber in Jasons Armen schlafen“, sagte Felic leise und stand auf.
„Na gut, dann nicht. Schlaft gut ihr zwei“, sagte Chris dann noch und ging in die Küche zurück, zu Jasons Vater.
„Na komm“, sagte Jason sanft und nahm Felic in den Arm. Drüben angekommen, ging Jason ins Bad und erschrak als Felic plötzlich hinter ihm in der Dusche stand. „Hey? Was ist denn?“
„Nichts. Mir ist nur etwas kalt.“
„Du bist müde, das ist alles. Aber wenn du duschen willst, solltest du dich wenigstens ausziehen“, sagte Jason grinsend.
Felic sah an sich herunter und bemerkte erst jetzt das er wirklich noch angezogen war. Jason nahm ihn in den Arm und küsste ihn auf die Lippen. Dabei zog er ihn langsam aus und schmiss die Sachen ins Waschbecken, da diese schon völlig durchweicht waren.
Er zog Felic komplett aus und verwöhnte ihn dabei mit Küssen. Als er an Felic Hals mit seinen Lippen war, fiel ihm ein, womit er Felic das letzte Mal erregt hatte und er bemerkte das der Knutschfleck schon weg war. Er küsste ihn auf dieselbe Stelle und saugte wieder daran.
Felic stöhnte dabei auf und hielt sich an Jason fest, der ihn eh schon fest im Arm hielt. Jason spürte Felic Erregung deutlich und vollendete den Knutschfleck. Daraufhin grinste er Felic an und küsste ihn auf die Lippen, ehe er ihn an die Wand drückte und mit seinen Küssen nach unten glitt.
Er berührte mit seinen Lippen Felic’ Glied und verwöhnte ihn mit dem Mund. Dabei hielt er Felic an der Hüfte fest und drückte ihn leicht an die Wand, damit dieser ihm nicht nach unten rutschte und sich verletzte. Er spürte das Felic fast so weit war und beschleunigte seine Bewegung ein wenig.
Er ließ Felic jedoch nicht gehen, als es diesem kam und schluckt es runter. Daraufhin hielt er Felic noch fester im Arm und glitt an ihm wieder nach oben. Er küsste ihn wieder auf die Lippen.
„Jetzt sind wir wieder quitt.“
Daraufhin lächelte er sanft und auch Felic grinste. Nach dem sie sich abgetrocknet hatten, ging Felic sofort zum Bett. Er kam nicht mal dazu sich zuzudecken und schlief sofort ein. Er lag nackt auf der Zudecke und schlief tief und fest, als Jason zu ihm kam.
Dieser grinste sanft und küsste ihn kurz auf die Lippen, ehe er vorsichtig die Decke unter Felic hervorzog und ihn zudeckte. Danach machte er das Licht aus und nahm ihn in den Arm. Er spürte Felic an seinem Nackten Körper und hielt ihn sanft fest, als Felic sich an ihn kuschelte.
Felic war von beiden als erster wach und sah Jason noch eine Weile zu, wie er schlief, ehe er langsam aufstand und ins Bad ging. Erst da fiel ihm auf das er noch immer nackt war. Aber er konnte sich erinnern eben bei Jason das gleiche gespürt zu haben.
Langsam kam ihm wieder in seine Gedanken, was er am Abend noch gemacht hatte und er erinnerte sich auch an die gemeinsame Dusche. Plötzlich umarmte Jason ihn sanft.
„Morgen mein Engel“, sagte er leise und küsste Felic im Nacken, seine Hände lagen auf Felic Bauch.
Wieder spürte Felic, dass Jason ebenso nackt war wie er und genoss seine Berührung, aber genau diese trug auch dazu bei, dass er wieder leicht erregt war. Er spürte wie Jason mit seinen Händen tiefer glitt und ihn berührte. Felic schloss die Augen und stützte sich auf das Waschbecken auf, welches vor ihm war.
Er war gerade fertig gewesen mit Zähneputzen. Jason bewegte seine Hand leicht und streichelte Felic sanft, während er ihn weiterhin auf den Rücken küsste. Felic griff mit einer Hand hinter sich und schloss die Tür ab. Jason bemerkte es.
„Du willst also keinen unerwarteten Besuch?“
„Nein“, sagte Felic nur leise.
Denn zu mehr war er nicht fähig. Als er seine Hand zurückzog, stockte er kurz und berührte Jason dann an dessen Hüfte. Er glitt langsam zwischen sie beide und zwischen Jasons Beine. Jason zuckte leicht zusammen, als Felic sein Glied mit der Hand umschloss und ihn massiert.
Jason führte seine Bewegung ebenfalls fort und drehte Felic nach einer Weile zu sich um.
„Wenn du mit deinem Rücken zu mir stehst, komme ich nur auf dumme Ideen“, sagte Jason grinsend.
Felic sah ihn verwirrt an und küsste ihn daraufhin auf die Lippen, während er Jason weiterhin massierte. Jason tat es ihm gleich. Felic lehnte sich an das Waschbecken und hielt sich an Jason mit einer Hand fest, als er nicht mehr stehen konnte. Jason bemerkte dies und griff mit seiner freien Hand um Felic Hüfte.
Er zog ihn nahe an sich und küsste ihn noch leidenschaftlicher, während sie beide zum Höhepunkt kamen. Felic legte seinen Kopf in den Nacken und stöhnte leicht auf. Jason lehnte einen Kopf an Felic Brust und küsste ihn dort nach einigen Sekunden, nachdem ihrer beider Anspannung gewichen war.
„Jetzt bin ich wach“, sagte Jason nach einem Moment und sah Felic in die Augen.
Dieser lächelte sanft und drehte das Wasser der Dusche auf. Er stellte sich unter und umarmte Jason als dieser sich vor ihn stellte.
„Wieso wärest du auf dumme Gedanken gekommen, wenn ich dir den Rücken zuwende.“
„Weil, wenn du mich in diesem Moment weiter erregt hättest, wäre ich ohne mein zutun in dich eingedrungen. Du standest zu dicht, als das ich da noch Spielraum gehabt hätte“, sagte Jason sanft und küsste Felic.
„Ach so, und was wäre schlimm daran?“ jetzt sah Jason ihn erschrocken an.
„Ich würde mich dir ganz hingeben, auch so“, sagte Felic daraufhin lächelnd.
„Du hast noch nicht mit jemandem einen solchen Kontakt gehabt, oder?“ fragte Jason leise.
„Nein, warum?“
„Weil es beim ersten Mal ganz schon wehtun kann. Nicht bei jedem, aber kann vorkommen und ich will dir nicht wehtun“, sagte Jason sanft.
„Aber wenn ich es wollen würde, würdest du es trotzdem tun, oder?“
„Wenn du es wirklich willst, ja. Aber ich denke das ist momentan nicht der Fall. Du sammelst ja gerade mal deine ersten Erfahrungen, so scheint es mir. Habe ich nicht recht?“
„Ja, im Großen und Ganzen schon. Ich meine ein paar Erfahrungen habe ich schon, aber ich habe nicht viel mit ihm ausprobiert. War auch besser so. Sonst hätte ich es bereut.“
„War er ein solcher Idiot?“
„Ja“, sagte Felic leise und lehnte sich an Jason der ihn nach ein paar Sekunden ein Stück weg schob und einseifte.
„Er war aber ein riesen Vollidiot. Einen wie dich lässt man nicht einfach gehen“, sagte Jason sanft und küsste Felic sanft auf die Lippen.
Felic ließ sich von Jason einseifen und abspülen und tat dasselbe bei ihm auch. Nach dem sie Duschen waren, zogen sie sich an und gingen nach unten in die Küche. Jason machte den Kaffee fertig, während Felic schon den Tisch deckte. Als Felic plötzlich ein Brötchen aus der Hand fiel, welches er aufschneiden wollte.
Jason sah ihn besorgt an und fragte dann leise: „Alles in Ordnung?“
„Heute ist ja schon die Gala“, sagte Felic plötzlich wieder nervös.
„Mist ich dachte, ich habe dir deine Gedanken weit genug geraubt, aber war wohl noch nicht“, sagte Jason grinsend.
„Hey, keine Angst, ich bin doch bei dir. Und wenn nicht anders möglich, küsse ich dich davor so leidenschaftlich das du wirklich alles vergisst, bis du auf dem Eis bist“, meinte Jason lächelnd.
„Ich mein das ernst. Ich …“ Jason unterbrach ihn und küsste ihn wie angedroht leidenschaftlich und nahm ihm dabei das Messer aus der Hand, mit dem Felic rumfuchtelte.
„Ich will, dass du nicht mehr darüber nachdenkst, bis wir in der Halle sind“, sagte Jason sanft.
„Wenn du dich jetzt schon verrückt machst, kippst du mir noch um.“
Felic nickte verwirrt. Er war wieder errötet und zu keiner Reaktion im Stande.
„Ich sehe, du hast seine Nervosität gut im Griff“, sagte Chris plötzlich, der in der Küchentür stand und die beiden beobachtet hatte.
„Ja. Aber ich weiß nicht wie lange.“
„Das wird schon“, meinte Jasons Vater nun und kam dazu.
Sie aßen zusammen und Felic tat wie ihm geheißen und verdrängte jeden Gedanken an die Gala.
„Man, ist das normal?“
Jason sah ihn verwirrt an und grinste daraufhin.
„Na wenigstens ein wenig hat es vorgehalten“, meinte Jason dann sanft.
„Ja ist es. Aber du hättest Jason erleben sollen, als er das erste Mal aufs Eis musste. Der war nicht minder aufgeregt wie du jetzt. Aber er hatte vorhin Recht. Denk nicht soviel darüber nach, das ist die beste Möglichkeit sich nicht verrückt zu machen.“
„Ich versuche es“, sagte Felic leise und sah zu Jason, der ihn noch immer sanft angrinste.
„Wie gesagt, wenn du mir durchdrehst, beraube ich dich deiner Gedanken.“
„Ich bitte darum“, meinte Felic nur leise und rutschte fast unter den Tisch.

XXX

In der Eishalle angekommen, setzte Felic sich im Umkleideraum auf die kleine Bank.
Er vergas völlig, dass er sich umziehen musste.
„Hier, ist zum Glück noch fertig geworden. Passend zu eurer Musik“, meinte Jasons Vater und drückte den beiden je ein Kostüm in die Hand.
Felic sah hilflos zu Jason und der meinte nur leise und sanft.
„Ich helfe dir gleich, warte kurz.“
Zum Glück war der Umkleideraum nur für sie beide, sonst würde Felic jetzt im Erdboden versinken wollen. Er beobachtete Jason dabei wie dieser sich anzog und begutachtete gleich das Kostüm. Es war wie die Uniform eines Leutnants oder Kardinals, wie gesagt, passend zur Musik.
Als er, bis auf die Schuhe, fertig angezogen war, ging er zu Felic. Er nahm ihm das Kostüm aus der Hand und sagte dann leise: „Du musst deine Sachen schon ausziehen. Darüber passen diese nicht.“
Damit deutete er auf das Kostüm. Felic sah ihn verlegen an und knöpfte das Hemd auf, welches er trug. Seine Jacke hatte er vorher schon auf einen Hacken gehängt. Er zog das Hemd aus und legte es auf die Bank hinter sich. Ehe er weitermachen konnte küsste Jason ihn sanft.
„Tut mir leid. Ich kann dir leider nicht widerstehen.“
Während er Felic küsste öffnete er ihm seine Hose und zog sie ihm daraufhin aus, nachdem Felic seine Schuhe ausgezogen hatte.
„Na gut, ich würde dich zwar lieber noch ein Weilchen so sehen, aber dann werden wir nicht fertig“, sagte Jason bedauernd.
„Das kannst du heute Abend ja immer noch“, meinte Felic und grinste.
„Stimmt auch wieder, na komm her“, meinte Jason und nahm die Hose von dem Kostüm zur Hand.
Auch wenn Felic dies Allein hätte geschafft, ließ Jason ihn nicht. Er half ihm dabei das Kostüm anzuziehen und befestigte daraufhin das Oberteil an der Hose, sodass es nicht störte, wenn er Sprünge oder Pirouetten vollführte. Er half Felic noch die Schuhe anzuziehen und zog seine eigenen an.
Den Umhang an Felic Kostüm, welches der Uniform eines Söldners, oder Soldaten glich, befestigte Jasons Vater, da auch Jason nicht wusste wie dieser festzustecken war, damit er nicht störte.
„Wenn du Jason zurutschst am Schluss löst du die Spange hier, damit wird er zum eigentlichen Umhang, der dich aber bei dem direkten Lauf stören würde.“
„Okay.“
„Gut, seid ihr soweit fertig?“
„Ja“, sagte Jason und Felic nickte.
„Deine Nervosität?“, fragte Jasons Vater Felic.
„Geht so. In einer viertel Stunde kann ich mehr sagen. Da lässt die Wirkung von Jasons Kuss nach.“
„Ach hält der solange vor?“
„Nein, ich habe ihn eben noch einmal geküsst“, sagte Jason grinsend.
„Passt auf, dass euch keiner erwischt.“
„Ja.“
„Na gut. Ihr seid die letzten, die dran sind, vor dem Finale. Daher habt ihr noch ein wenig Zeit. Pass auf das er nicht abklappt“, sagte Jasons Vater besorgt, aber dennoch lächelnd zu Jason.
„Ich kümmere mich dann mal um die Musik. Chris holt euch, wenn ihr noch nicht oben sein solltet.“
„Chris?“
„Ja, ich habe ihn mit hergebracht. Er hätte sonst keine Karte mehr bekommen und wir wollen unseren neuen Freund ja nicht gleich ausschließen, stimmt’s?“
„Genau“, sagte Felic grinsend und sah zu Jason der nur etwas leicht mürrisch zustimmte.
„Er bekommt mich nicht, hab da mal keine Sorgen“, sagte Felic grinsend.
„Das weiß ich, aber er ist trotzdem mein Rivale.“
„Das stimmt“, meinte Jasons Vater lächelnd, „na gut Jungs, bis später und viel Glück.“
„Danke“, sagten beide gleichzeitig.
Felic setzte sich wieder auf die Bank und sah Jason an, als dessen Vater weg war.
„Na wie sieht’s aus? Noch alles in Ordnung, oder soll ich dich ablenken?“ fragte Jason grinsend.
„Es geht noch gerade so, aber lenk mich ruhig ab“, meinte Felic sanft und sah Jason in die Augen.
Dieser stellte sich vor ihn und küsste ihn sanft wurde aber nach einer Weile immer leidenschaftlicher. Als er sich gerade wieder von ihm gelöst hatte, klopfte es und Chris kam rein.
„Na ihr zwei, sehr aufgeregt?“
„Geht schon. Jason lenkt mich ja genug ab“, sagte Felic dankend.
„Ach tut er?“, fragte Chris grinsend und sah Jason an.
„In einer halben Stunde seid ihr dran. Hat mir dein Vater eben gesagt“, sagte Chris zu Jason.
Dieser nickte und bemerkte wie Felic leicht unruhig wurde. Jason strich ihm sanft durchs Haar um ihn so etwas zu beruhigen. Es klappte sogar ganz gut. Aber Felic zog ihn plötzlich zu sich runter und küsste ihn. Chris sah ihn verwirrt an, während Jason begriff was Felic wollte.
„Schon gut. Ich hab verstanden“, sagte Jason flüsternd und hockte sich vor Felic.
Er küsste ihn leidenschaftlich und löste sich erst wieder, als Chris sich räusperte. Felic sah Jason errötet an und dieser sah fragend zu Chris.
„Es kommt jemand.“
„Danke“, sagte Jason sanft und schon ging die Tür auf. Einer derer, die alles Organisieren kam ins Zimmer.
„Jason, wie soll ich euch beide denn ansagen? Die wissen doch alle nicht wie dein Partner heißt.“
„Dann werden sie seinen Namen auch erst mal nicht erfahren“, sagte Jason grinsend.
„Das geht nicht.“
„Ich weiß.“
Daraufhin sah er zu Felic und dieser nickte kurz.
„Okay, ich schreibe seinen Namen auf. Sonst vergisst du ihn bis dahin wieder, aber kein Wort zu irgendwem.“
„Ich weiß, gib schon her, ihr seid gleich dran.“
Jason schrieb Felic’ Namen auf und gab dem anderen den Zettel, der sofort loslief. Plötzlich kam er zurück und sah Felic fragend an.
„Felicion?“
„Ja“, sagte dieser grinsend.
„Ich glaube wir haben nachher ein Wörtchen zu bereden.“
„Habe ich mir fast gedacht, wie kannst du mich einfach vergessen. Ich dachte ich hätte einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“
„Später dazu mehr, dann sag ich dir was für einen bleibenden Eindruck“, sagte er grinsend und lief los.
„Du kennst ihn?“
„Ich habe mal mit ihm zusammen in einer Band gesungen“, sagte Felic grinsend.
„Und das sagst du mir nicht?“
„Nein“, sagte Felic frech und kassierte nur einen Kuss.
„Na los, lass uns nach oben gehen, denn dein Lampenfieber ist gerade weg“, sagte Jason grinsend.
„Ja, ich glaube schon“, meinte Felic lächelnd und stand auf.
Sie gingen nach oben und Jason sah seinen Vater, zu dem sie gingen. Felic ging hinter ihm.
„Na. Wie geht’s euch?“
„Gut“, sagte Felic lächelnd.
„Kein Lampenfieber mehr?“ fragte Jasons Vater verblüfft.
„Daran ist jemand anderes Schuld. Nicht ich, ein Bekannter von ihm arbeitet wohl hier.“
„Später. Ihr seid gleich dran.“
„Ich weiß“, meinte Jason.
„Na komm, er wird uns eh gleich aufrufen.“
„Ja“, meinte Felic nur und ging mit Jason mit.
„Süß die beiden“, meinte Chris leise.
„Wer war denn vorhin bei euch?“
„Jemand der noch Felic Namen wollte, wegen der Ansage.“
„Ach daran habe ich gar nicht gedacht.“
„War auch gut so. Jetzt ist Felic’ Angst wenigstens weg.“
„Stimmt. Na dann wollen wir mal hoffen da läuft nichts schief, und vor allen Dingen, hoffentlich beherrschen sie sich, nicht wie in der Probe.“
„Ich denke schon, die beiden wissen selbst, wo sie sind.“
„Ich weiß, aber ich bin nun mal sein Vater. Ich kann nicht anders.“
„Ist mir klar.“
Nach einigen Sekunden wurden Felic und Jason auch schon aufgerufen zur Bande zur gehen.
„Und nun zum Schluss noch unseren Juniorenchampion mit neuer Begleitung heute.
Jason Dorian und Felicion Burney.“
„Schweren Namen hast du“, sagte Jason grinsend.
„Tja“, sagte Felic lächelnd und ging aufs Eis.
Er lief rechts einen Halbkreis, während Jason ihn, wie ein Spiegelbild, auf der anderen Seite folgte. Sie stellten sich in Position und wartete darauf, dass die Musik losläuft. Als es soweit war, erwachten beide aus ihrer Starre, die sie wie zwei Soldaten bei der Wache vor einem Eingang wirken hatte lassen und sie drehten einen kleinen Kreis um die Stelle wo sie standen, ehe sie absprangen und gleich am Anfang ohne Anlauf einen Vierfachen Touloup vollführten.
Mit einer Waage glichen sie wieder die Schwere ihrer Körper aus und begannen so ihr Programm. Synchron und ohne Fehler liefen sie und das Publikum war wie erstarrt. Es war nur die Musik zu hören und für die beiden auf dem Eis, die Geräusche ihrer Kufen.
Das Programm war ein völlig anderes als das was sie geübt hatten, womit auch Chris und Jasons Vater gebannt zusahen. Selbst der Sprecher sagte nichts. Felic kümmerte sich nicht darum wo er war, sondern lief einfach und erwiderte Jasons Gefühle und gab Antworten darauf, wie Jason auch.
Eine Sitzpirouette verwandelten die beiden in eine Mondpirouette noch im selben Takt, ohne noch einmal sichtbar Schwung zu holen. Die Sprünge waren sauber und alles zusammen wirkte wie ein Spiegel des anderen. Bis auf den Schluss, bei dem sie nicht mehr das gleiche machten, was Absicht war, denn Felic stellte einen Söldner und Jason einen Leutnant dar.
So sprang Felic einen dreifach Sprung, während Jason eine Waagepirouette machte, in beide Richtungen. Natürlich nach einander. Felic setzte aus der Landung des ersten Sprungs gleich noch einen Doppelten an und drehte sich dann erst zu einer Pirouette, während Jason in der Mitte des Eises Einen vierfachen in Kombination mit einem dreifachen Sprung vollführte, nicht so weit weg von Felic, damit man beide sehen konnte.
Daraufhin drehte er eine kleine Runde und machte noch eine Standpirouette, während Felic noch einmal absprang und einen vierfachen Sprung fabrizierte. Nach diesem Sprung löste die Spange des Umhangs, der daraufhin in voller Länge um hin herumflatterte.
Er ließ sich noch ein Stück auf Jason zu gleiten und ging vor ihm in die Hocke, wie ein Soldat vor dem König. Jason beendete seine Pirouette und kam direkt vor ihm zu stehen, wobei er zur Seite sah und eine Hand in die Hüfte stemmte, die andere über Felic Kopf schweben ließ.
Sie waren beide gleichzeitig in ihre Endstellung gekommen und das genau zum Ende der Musik. Felic konnte in diesem Moment vor Anstrengung nicht reagieren und er bewegte sich auch nicht, genau wie Jason. Kurz war noch die Stille in der Halle, daraufhin folgte jedoch heftiger Applaus.
Jason fand seine Kräfte als erster wieder und half Felic auf die Beine, der leicht zitterte. Das Publikum wollte eine Zugabe, aber die konnten beide diesen Moment nicht geben. Sie waren fürs ersten beide KO. Dennoch nickte Jasons Vater den beiden zu und Jason sah kurz zu Felic.
Dieser nickte leicht und Jason gab seinem Vater ein Zeichen. Die Musik wurde an einer Stelle abgespielt die zu schnelleren Bewegungen einlud. Felic ließ sich wie Jason ein Stück übers Eis gleiten, allerdings in Entgegengesetzte Richtung, und löste dabei den Umhang.
Er warf ihn zu Jasons Vater. Als Jason ihm mit seinen Augen zu verstehen gab, dass er bereit war, nickte Felic und sie sprangen beide gleichzeitig ab und fabrizierten beide einen dreifach Sprung, zum vierfachen reichte ihre Kraft nicht mehr. Daraufhin eine Pirouette und eine kleine künstlerische Einlage.
Felic fuhr Jason in der Mittelstrecke entgegen und dieser drehte sich nach einer Weile mit dem Rücken zu ihm. Als Felic nahe genug war, flüsterte er „Jetzt.“ Jason sprang mit beiden Beinen ab und machte einen Salto über Felic drüber, während dieser sich fallen ließ und auf dem Bauch liegend übers Eis rutschte, dabei aber zu Jason sah, also rückwärts rutschte.
Daraufhin stand er wieder auf und drehte sich noch einmal in der Biedermannpirouette, genau wie Jason. Danach konnten beide allerdings nicht mehr und das zeigte Jason seinem Vater. Dieser gab ein Zeichen und die Musik wurde gestoppt. Diesmal fand das Publikum einen Augenblick schneller seine Fassung zurück, aber es dauerte auch diesmal etwas.
Jason und Felic verbeugten sich kurz und fuhren zur Bande, wo Jasons Vater ihnen die Schoner für die Schuhe hinhielt.
„Das habt ihr aber nicht geübt“, sagte er dann zu beiden und sah ihnen in die Augen.
Jason grinste nur und auch Felic brachte kein Wort heraus. Er war völlig außer Puste und wollte nur noch etwas trinken. Chris gab ihm die Wasserflasche und grinste die beiden an.
„So was habe ich mir fast gedacht“, sagte er lächelnd.
„Was sagt dein Lampenfieber?“
„Ist komplett weg“, meinte Felic schwer atmend.
„Siehst du. War doch gar nicht so schlimm. Besser als ich gedacht hatte sogar“, sagte Jason grinsend und stupste Felic in die Seite.
„Ist ja gut, ich kann doch nichts dafür das ich so aufgeregt war“, meinte Felic grinsend.
„Und du sagst noch mal, du kannst nichts mit Eiskunstlauf anfangen“, sagte plötzlich jemand.
„Max., musst du mich so erschrecken?“ fragte Felic erschrocken.
„Strafe für das eben.“
„Strafe?“
Felic war verwirrt.
„Mit mir bist du nie aufs Eis gegangen, nicht mal als ich dich angefleht habe und dann zeigst du mir das hier. Wie lange kannst du schon laufen und hast mich im Dunkeln gelassen?“ fragte Max gespielt wütend.
Felic kannte dieses Spiel, Jason jedoch nicht und er fiel darauf herein.
„Schrei ihn nicht so an. Er kann es doch erst seit zwei Wochen“, sagte Jason aufgebracht.
Chris, Max und Felic fingen an zu lachen und auch Jason Vater lachte mit. Nur Jason hatte es die Sprache verschlagen.
„Erwischt, mir machst du nicht mehr vor“, sagte Max grinsend.
„Was?“
„Du bist ihm genau in die Falle gelaufen.“
„Welche Falle?“ fragte Jason noch immer verwirrt.
„Ich weiß, dass er erst seit kurzem laufen kann, zumindest konnte er es vor dem Urlaub noch nicht. Aber ich kenne sein Talent. Mit dem Singen war es genauso. Von einem auf den anderen Tag konnte er alle meine Lieder mit Perfektion und egal was ich änderte, er konnte sie fast sofort, nach einmal lesen. Ist eben ein Naturtalent der kleine“, sagte Max grinsend und boxte Felic spielerisch in den Bauch.
„Aber jetzt weiß ich, warum ihr beide so gut zusammen laufen könnt. Das war Sinn und Zweck der Falle. Aber ihr passt zusammen.“
Jason wurde verlegen. Er hatte Felic nie gefragt wer wusste, dass er schwul war. Na ja, e. Einen Kandidaten hatte er dann jetzt wohl gefunden.
„Na los ihr zwei ihr müsst zum Finale noch mal aufs Eis“, sagte Jasons Vater.
Sie waren mittlerweile wieder in der Umkleide gewesen und mussten zurück. Felic hatte noch vor der Zugabe den Umhang abgelegt und hatte auch nicht vor ihn jetzt wieder ranzumachen, was Jasons Vater verdutzt zur Kenntnis nahm, Jason aber wusste was dies hieß.
„Na komm“, meinte Jason und küsste Felic aus Reflex flüchtig, erinnerte sich jedoch wie viele um sie herumstanden und beließ es dabei.
Wie gut das sie in der Umkleide waren.
„Sei vorsichtig, Jason.“
„Ja, tut mir leid“, sagte er, aber was auch immer er noch sagen wollte, schaffte er nicht, denn Felic küsste ihn plötzlich leidenschaftlich.
Wie gesagt sie waren in der Umkleide und da konnte niemand stören, da alle wussten was zwischen ihnen lief. Als Felic sich von Jason löste, sah dieser ihn sprachlos an.
„Als Dankeschön“, meinte Felic grinsend.
Jason lächelte sanft.
„Wir sollten gehen. Sonst kommt hier noch jemand auf dumme Ideen“, sagte Jason und deutete auf die Drei hinter Felic.
„Keine Angst“, meinten die Drei jedoch nur.
Beim Finale zeigten sie noch einmal ihre Saltonummer und danach mussten sie sich, zwischen sämtlichen Leuten zum Auto durchbringen. Dort rutschte Felic in sich zusammen. Jason strich ihm leicht durchs Haar und lächelte sanft. Max fuhr bei ihnen mit und sie gingen in die Hütte von Jason und Felic, wo Jasons Vater Abendessen machte.
„Ich geh mal kurz ins Bad“, sagte Felic erschöpft.
„Ist gut.“
Jason erzählte noch ein wenig mit den anderen beiden, bis Felic zurück war und dann ging er. Wären sie beide gegangen, wäre es zu auffällig gewesen. Nach dem Abendessen blieben sie noch im Wohnzimmer sitzen und Jasons Vater machte Feuer im Kamin.
Aber schon nach kurzem schlief Felic in Jasons Armen ein. Alle sahen ihn verwundert an, ließen ihn jedoch. Jason brachte ihn ins Bett und blieb gleich bei ihm. Er legte sich dicht neben Felic, der sich sofort an ihn kuschelte und schlief auch ein. Jasons Vater sah noch mal nach ihnen und deckte sie richtig zu. Dann ging auch er schlafen.

ENDE

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Information Der Wunschzettel
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:20 AM - No Replies

Ich schrak auf, aus dem Schlaf gerissen durch ein lautes, blechernes Geräusch. War es jetzt etwa soweit? Ich schaute auf die Uhr: kurz vor zwei sagten die Leuchtzeiger. Schon recht spät, letztes Jahr
war er viel früher dran. Aber vielleicht war er es ja, der da jetzt mit irgendwas rumgescheppert hatte?
Ich erhob mich von der Couch und streckte meine Glieder. Es war wohlig warm, im Kamin flackerten die Flammen und tauchten das Zimmer in ein unruhiges, anheimelndes Licht. Da, wieder das Scheppern!
So tollpatschig hatte er sich ja noch nie angestellt. Ich flitzte zum Fenster und starrte hinaus in die dunkle Nacht, nur erhellt von ein paar einzelnen Straßenlaternen und der üblichen Festbeleuchtung. Mist.
Es war wohl doch nur Nachbars Katze, jedenfalls saß das rotgetigerte Viech neben dem umgeworfenen Blecheimer, in welchem sich eigentlich unser Streusand befand. Blödes Ding, konnte nichts als Schaden anrichten. Er ließ also weiter auf sich warten.
Wer auf sich warten ließ? Na auf wen konnte ich mitten in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember wohl warten? Santa Claus natürlich! Santa gibt es gar nicht? Haha, ungläubiges Volk. Natürlich gibt es ihn.
Wir kennen uns recht gut, ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir befreundet sind. Kennengelernt haben wir uns vor 9 Jahren, da war ich gerade 7 Jahre alt geworden und hatte bei meiner Geburtstagsfeier wohl etwas zu viel Coke in mich rein geschüttet, jedenfalls trieb es mich nachts aus dem Bett und ich schlich durchs Haus zur Toilette.
Plötzlich hatte ich aus dem Wohnzimmer ein leises Geräusch gehört, und neugierig wie ich war, ging ich rein um nachzuschauen.
Man kann sich wohl meinen enormen Schock vorstellen, als da plötzlich Santa Claus in unserem Wohnzimmer stand. Ich war ja mittlerweile ein großer Junge und glaubte nicht mehr an den Weihnachtsmann – ihn dann leibhaftig vor mir zu sehen erschütterte mein gerade gefestigtes Weltbild über die Nichtexistenz von Santa Claus, der Zahnfee und dem Monster unterm Bett bis in die Grundfesten.
Ich schrie auf und machte mir vor Schreck in die Hosen – eine Peinlichkeit, die bis an mein Lebensende untrennbar mit jedem Gedanken an Weihnachten verbunden sein wird. Santa selbst ging es nicht viel besser.
Okay, er machte sich nicht in die Hosen, aber als er sich zur Quelle des Aufschreis umdrehte und mich sah, erstarrte er regelrecht vor Schreck. Hätte er nicht tun sollen. Jedenfalls nicht direkt vorm Kamin.
Im nächsten Moment züngelten kleine Flammen am Saum seines roten Mantels – was er jedoch gar nicht bemerkte. Ich hingegen schon, und das war es wohl, was mich meinen soeben erlittenen Schock sofort wieder vergessen ließ. Ich fing an zu kichern.
»Ja, was lachst du denn so? Hast du noch nie den Weihnachtsmann gesehen?«
»Doch, schon einige, aber noch keinen mit brennendem Mantel!«
Das verpasste Santa dann den zweiten Schrecken innerhalb kürzester Zeit, und nachdem er sich gelöscht hatte, musste er auch darüber lachen. Aus diesem unerwarteten Zusammentreffen entwickelte sich über die Jahre eine Freundschaft, ich richtete es immer so ein, dass ich ihn beim Vorbeibringen der Geschenke treffen konnte, und er versuchte auch nicht mehr, sich vor mir zu verbergen, wie er es üblicherweise bei allen anderen Kindern tut. Er meinte, es hätte ja eh keinen Sinn mehr, ich wüsste ja sowieso über ihn Bescheid – außerdem wäre ich was ganz Besonderes.
Nicht jeder hat am 24. Dezember Geburtstag. Ich schon. Oft genug setzte ich ein »leider« mit dazu. Trotz aller Bemühungen meiner Eltern um Gerechtigkeit erhielten alle meine Freunde, die übers Jahr Geburtstag hatten, zusammengenommen mehr Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke als ich. Das Leben ist ein fieser Geselle.
So, wo jetzt hoffentlich sowohl die Existenz von Santa als auch meine persönliche Beziehung zu ihm geklärt wäre, kann es weitergehen. Seufzend ging ich zur Couch zurück. Es war die Katze, und nicht der Weihnachtsmann – sehr frei nach Shakespeare.
Ich ringelte mich wieder unter meiner Decke zusammen und beobachtete die Flammen im Kamin. Sehr beruhigend. Sehr einschläfernd. Sehr *gäh…*
»Hallo Nicky.«
Was? Wie?
»He, Nicky, aufwachen!«
Oh. Mühsam hob ich die Augenlider, noch ein wenig verwirrt darüber, wer mich nun warum aus dem schönsten Schlaf riss.
»Also wirklich, Nicky, so verschlafen hab ich dich ja noch nie erlebt. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass du mich dieses Jahr gar nicht sehen willst.«
Gähnend blickte ich den großen Mann in der roten Arbeitskluft an, der vor mir im Wohnzimmer stand.
»Sorry, Santa, du bist aber heute auch ziemlich spät dran.«
»Früh, spät, du weißt doch, dass Zeit für mich keine Rolle spielt.«
Stimmt, auch wenn er mir nie erklärt hatte wie er es schaffte, in einer einzigen Nacht Millionen von Adressen abzuklappern und Geschenke abzukippen.
»Für mich schon – es ist schon nach drei.«
»Tut mir leid, Nicky, ich musste zwischendurch das Gespann wechseln, das hat mich aufgehalten.«
»Das Gespann wechseln? Ist etwas passiert, hattest du einen Unfall?«
»Ha! Wenn es nur ein Unfall gewesen wäre! Nein, einer der Stallelfen hat mir einen Streich gespielt. Na der kann was erleben, wenn ich zum Feierabend nach Hause komme.«
Ich musste grinsen, Santa hatte mir schon oft erzählt, dass die Elfen, die ja eigentlich seine Gehilfen sein sollten, immer und immer wieder den unmöglichsten Blödsinn anstellten.
»Was war denn diesmal los?«
»Irgendwer hat den Rentieren Zwiebeln und Bohnen zum Fressen gegeben – und die doofen Viecher haben das Zeug verschlungen. Kannst du dir vorstellen wie es ist, im Schlitten hinter einer Horde von Rentieren mit Blähungen herzufliegen?«
Ich musste lachen, das war wirklich eine wahnsinnige Vorstellung.
»Hätte ich ein Streichholz angezündet, dann hätte ich einen Raketenschlitten gehabt.«
»Haha, dann wäre dir diesmal nicht nur der Mantel angekokelt worden sondern auch gleich noch der Bart.«
»Lach du nur, Nicky. Das hat mich eine ganze Stunde gekostet, und ich musste … aber halt, das geht dich gar nichts an. Ein paar Geheimnisse muss ich schon noch für mich behalten.«
»Du hättest ja gleich hier vorbeikommen können, ich hätte dich mit dem Auto gefahren.«
»Ach ja, du bist ja jetzt sechszehn und hast den Führerschein, oder?«
»Ja, gestern ganz frisch bekommen. Wurde ja auch Zeit.«
»Herzlichen Glückwunsch, übrigens auch noch nachträglich zum Geburtstag.«
»Danke.«
»Aber das wäre trotzdem nichts geworden, Geschenke im fliegenden Auto verteilen? Da würde ja die gute alte Tradition endgültig über Bord gehen. Außerdem heiße ich Santa Claus
und nicht Harry Potter.«
»Du siehst ihm aber ähnlich, so mit der komischen Brille.«
»Hach ja, auch ein Weihnachtsmann wird nicht jünger. Letztes Jahr hatte ich riesigen Stress mit Mrs. Santa, weil es einen Haufen Reklamationen gegeben hat, also hab ich mir diesmal lieber eine Brille besorgt.«
Oh ja, Stress mit Mrs. Santa, der gute alte Herr stand zuhause ziemlich unterm Pantoffel. Aber das interessierte mich nun doch.
»Was für Reklamationen?«
»Naja… Ich hab ein paar Sachen nicht richtig entziffern können, manche Leute haben aber auch eine Sauklaue, und unsereiner soll dann die Wunschzettel alle lesen können!«
Ich musste grinsen, auch ich hatte so eine Sauklaue und schrieb daher meinen Wunschzettel seit Jahren am Computer.
»Eine Mrs. Sourbread wollte ein paar Flummys zum Spielen für ihre Katzen – ich hatte Gummis gelesen.«
Ich lachte laut los, hielt mir dann aber schnell die Hand vor den Mund, schließlich sollten die anderen Leute im Haus nicht aufwachen.
»Blöderweise ist Mrs. Sourbread 89 Jahre alt und eine pensionierte katholische Nonne. Dass die nicht gleich vor Schreck in den Himmel gefahren ist wundert mich heute noch.«
Ich konnte mich kaum noch halten, vor Lachen wäre mir nun beinahe das passiert, was mir vor neun Jahren vor Schreck passiert war.
»Seit wann bringt denn der Weihnachtsmann Kondome?«
»Guck nicht so verwundert, die Wünsche haben sich in den letzten Jahren ziemlich verändert. Liebe und Sex spielen eine immer größere Rolle, jedenfalls vom Teenageralter an aufwärts. Oder muss ich dich an deinen eigenen Wunschzettel erinnern?«
Ups.
»Okay, okay, hast ja recht. Und was ist sonst noch so passiert? Nur wegen Mrs. Sourbread wird Mrs. Santa ja nicht so ausgerastet sein.«
»Nein… Da war auch noch Oliver Milo aus Indiana, der wünschte sich sehnlichst, dass sich James in ihn verliebt. Früher hätte ich ja nie für solche Geschenke gesorgt, aber wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Ich hab also dafür gesorgt, dass sich James in ihn verknallt und ihm nicht mehr von der Pelle rückt.«
»Und was war das Problem?«
»Oliver wollte nicht James sondern Jamie, das Nachbarsmädel…«
»Autsch…«
»Allerdings, autsch.«
»Mist, Indiana ist so weit weg.«
»Wieso?«
»Naja, vielleicht könnte ich den abgeblitzten James ja für mich gewinnen?«
»Keine Chance, der hat mittlerweile einen netten Jungen für sich gefunden. Zum Glück ließ sich das Problem mit Oliver noch reparieren.«
»Schade…«
»Warts ab, Kleiner, für dich findet sich auch noch ein schnuckliges Kerlchen.«
Hoffentlich. Es wurde langsam Zeit.
»Naja, da hatte wohl Mrs. Santa allen Grund, ein wenig verärgert zu sein.«
»Das war aber noch nicht das Schlimmste.«
»So? Ist noch was passiert?«
»Jaaaaa… Da war noch die kleine Emily aus Baton Rouge, die sich einen Hundekuchen von ihrem kleinen Chico wünschte…«
Ich stutzte.
»VON ihrem kleinen Chico?«
»Ähem… Naja… Eigentlich FÜR ihren kleinen Chico, aber das hab ich wohl auch irgendwie verwechselt.«
Moment mal.
»Chico? Baton Rouge? Ist das nicht die Töle, die dich bisher jedes Jahr gebissen hat?«
»Ja, dieses blöde Mistviech und sein verzogenes Frauchen!«
»Soso… Verwechselt also…«
»Na hör mal. ›doggie cake FOR Chico‹ oder ›doggie cake OF Chico‹ – das kann man schonmal verwechseln, wenn die Augen langsam nachlassen. Außerdem: das Mädel ist zwölf, krakelt aber wie ein legasthenischer Erstklässler.«
»Natürlich, natürlich… Wer ’s glaubt…«
Santa grinste mich schelmisch an.
»Hauptsache Mrs. Santa glaubt es.«
Sag ich es nicht? Pantoffelheld.
»So, bevor ich weiter muss, hast du wieder etwas für mich?«
Grinsend zeigte ich auf den Kaminsims, wo ein Teller mit Plätzchen und eine Thermoskanne standen.
»Bedien dich. Aber pass bitte dieses Jahr auf und übertreib es nicht mit dem Glühwein. Der alte Mr. Parker hat noch drei Monate lang auf allen Flugplätzen in 100 Meilen Umkreis nachgeforscht um herauszubekommen, welcher ›verdammte Tiefflieger‹ ihm in der letzten Weihnachtsnacht eine Ecke vom Schornstein abgeflogen hat.«
»Das lag nicht am Glühwein, das lag auch nur an den Augen. Kann mir dieses Jahr nicht passieren.«
Santa tippte sich an die Brille, dann kippte er einen großen Becher Glühwein in einem Zug in sich hinein.
»Ah, das tut gut. Ist verdammt kalt da draußen, noch dazu bei der hohen Geschwindigkeit auf dem Schlitten.«
»Du könntest ja lange Unterhosen anziehen.«
»Ha, würde ich ja, aber Mrs. Santa ist dagegen.«
»Wieso das denn?«
»Sie hat Angst, dass das jemand entdeckt, zum Beispiel falls ich einen Unfall haben sollte. ›Santa, wie sieht denn das aus, der Weihnachtsmann auf dem OP-Tisch und es kommen lange Unterhosen zum Vorschein! Du machst uns zum Gespött des ganzen Nordpols!‹.«
Davon sollte sich meine Mutter mal eine Scheibe abschneiden, das mit dem »zum Gespött machen«, kannte ich zur Genüge.
»So, jetzt muss ich aber wieder los. Also dann bis nächstes Jahr, Nicky.«
»Flieg vorsichtig, und schönen Dienst noch, Santa.«
»Keine Bange, ich werd schon aufpassen. Ach ja, eins noch.«
Santa griff in seine linke Manteltasche und holte einen gefalteten Zettel heraus, den er mir überreichte.
»Hier, noch ein kleines Geschenk. Hat sich nicht gelohnt, das erst einzupacken.«
Verwundert griff ich zu und faltete das Papier auseinander.
Muldrone Drive 347
»Was ist das für eine Adresse?«
»Ach, nichts weiter, aber vielleicht solltest du da heute mal vorbei schauen. So gegen elf, halb zwölf würde ich sagen.«
»Aber warum?«
»Frag nicht so, tu es einfach. Denk dran, ich bin Santa!«
Ich zuckte mit den Achseln und steckte den Zettel in die Brusttasche meines Schlafanzuges, dann brachte ich Santa noch zur Tür. Wieso zur Tür? Ja wie soll er denn sonst ins Haus und wieder raus kommen?
Ach so, die alte Geschichte mit dem Kamin. Was für ein Blödsinn! Käme Santa durch den Kamin, dann würde er sich ja den A…llerwertesten verbrennen! Nein, Santa kommt ganz normal durch die Tür.
Draußen schneite es, und schon wieder leicht vor Kälte zitternd bestieg Santa seinen Schlitten und griff zu den Zügeln.
»So, Nicky, leg dich wieder hin und schlaf noch ein wenig. Und frohe Weihnachten!«
»Dir auch, Santa, also bis nächstes Jahr!«
Santa schnalzte mit der Zunge, und der Schlitten setzte sich in Bewegung. Da fiel mir noch etwas ein, und ich schrie hinterher.
»Pass an der Ecke Harper Street/Mohan Avenue auf! Da steht ein neuer Mobilfunkma…«
Zu spät. Etwas krachte, und die Leute hätten wohl mal wieder allen Grund, sich über die Unzuverlässigkeit der Handynetze in unserer Gegend zu beschweren.
Ich ging zurück ins Haus, trank den letzten Schluck Glühwein aus der Thermoskanne und machte es mir wieder auf der Couch bequem. Schon halb vier durch, da hatte es keinen großen Sinn, noch das Bett zu zerwühlen.
Ich grübelte noch ein wenig darüber nach, was wohl der Zettel mit der Adresse zu bedeuten hätte, schlief dann aber doch recht schnell ein.
*-*-*
Meine Mütze tief über die Ohren und das halbe Gesicht gezogen, stapfte ich durch Schnee und Kälte in Richtung Muldrone Drive 347. Hätte ich gewusst, wie kalt und windig es ist, wäre ich wohl doch mit dem Auto gefahren. Wenn mich meine Eltern bei den Straßenbedingungen überhaupt hätten fahren lassen.
Ich hatte nicht mehr lange schlafen können, schon vor acht weckte mich mein kleiner Bruder, der es natürlich nicht abwarten konnte sich auf die Geschenke zu stürzen. Mike quengelte schon seit Jahren, dass er gerne mit mir auf den Weihnachtsmann warten wolle, aber Santa wollte das nicht.
Und eine kleine Drohung, dass er dann vielleicht auf seine Geschenke verzichten müsse, hielt ihn auch davon ab, sich trotzdem nachts aus dem Bett zu schleichen. Kleine Brüder sind ja soooooo leicht zu verarschen! Aber wo er nun schon mal da war, stürzte auch ich mich auf meine Geschenke.
Wie erwartet kamen Klamotten, ein paar DVDs und einige Computerspiele zum Vorschein. Und da ich meinen Wunschzettel wie schon erwähnt groß und deutlich mit dem Computer geschrieben hatte, bekam ich auch wirklich das gewünschte Actionspiel und nicht etwa »Britneys Dance School«.
Durch den von Mike und mir verursachten Radau wurden auch unsere Eltern wach. Begeistert waren sie von dieser arg zeitigen Weckaktion nicht, aber in der Beziehung waren sie ja Kummer gewöhnt, also ergaben sie sich in ihr Schicksal und machten auch gleich Frühstück.
Die Zeit nach dem Frühstück verbrachte ich mit Surfen im Internet bis es soweit war, mich für meinen »Besuch« bei der von Santa übermittelten Adresse fertig zu machen.
Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde, beschloss aber, mich ordentlich herzurichten – womit das Bad für eine knappe Stunde blockiert war. Anschließend zappelte ich noch eine Weile unruhig vor dem Computer herum, bis ich es halb elf nicht mehr aushielt und mich auf den Weg machte.
Womit wir wieder bei der aktuellen Zeitlinie angelangt wären. Muldrone Drive 328 … ich kam der Sache wohl langsam näher. Konnte es das Haus da vorne sein? Das mit dem großen LKW vor der Tür? Ich legte noch einen Schritt zu.
Da schien wohl gerade jemand einzuziehen. Komische Terminwahl, direkt zu Weihnachten? Neugierig näherte ich mich der offenen Ladeluke.
»Hier, bring das hoch in euer Bad.«
Uff. Bei diesen Worten flog mir ein großer Wäschesack entgegen, und im nächsten Moment saß ich auf meinem Hinterteil. Aua.
»Dad? Wieso beschmeißt du wildfremde Leute mit unseren Handtüchern?«
»Was? Wie? Was für wildfremde Leute?«
Verdutzt und noch immer auf meinem Hintern sitzend beobachtete ich das sich entwickelnde Geschehen. Neben mir war ein Mädchen etwa in meinem Alter aufgetaucht, und aus den Tiefen des LKW erschien ein Mann mit langen, blonden Haaren.
»Oh! Das tut mir aber leid, ich hab nur jemanden hinter mir gehört und gedacht, du wärst das, Colleen.«
Falsch gedacht.
»Tja, Dad, ich war es nicht. Warte, ich helfe dir hoch.«
Das Mädchen nahm mir den Wäschesack ab und zog mich dann an der Hand in die Senkrechte.
»Danke.«
»Junge, es tut mir leid, ich hoffe du hast dir nicht weh getan.«
Mein Stolz war wohl mehr verletzt als mein Allerwertester.
»Schon okay, nichts passiert.«
»Na dann ist ja gut. Übrigens, mein Name ist Sandler, George Sandler. Und das ist meine Tochter Colleen.«
»Nicky … äh … Nick Johnson, angenehm. Ich wohne zwei Straßen weiter und hab Ihren LKW gesehen, da wollte ich mal schauen, wer hier zu Weihnachten einzieht.«
»Hehe, und ich schmeiße gleich mit unserem Gepäck nach dir. Naja, ist ein blöder Tag zum Umziehen, es ging aber nicht anders.«
Ob Santa die Sandlers wohl gefunden hatte? Die waren nachts doch garantiert noch unterwegs gewesen. Überhaupt, Santa. Warum hatte der mir diese Adresse gegeben? Okay, Colleen sah ja ganz nett aus, aber ich stand nun mal nicht auf Mädels, und das wusste der olle Rauschebart ganz genau. Kam zu Glühweindurst und schlechten Augen nun auch noch geistige Verwirrung dazu?
»Hilfst du mir, das Zeug hinein zutragen? Das wäre wirklich seeeeehr nett von dir, Nicky!«
Colleen lächelte mich an, und als zwar schwuler aber wohlerzogener junger Mann konnte ich da natürlich nicht nein sagen.
»Okay, zeig mir nur, wo ich hin muss.«
»Komm einfach mit.«
Colleen griff sich noch einen weiteren Wäschesack und ging dann voraus ins Haus. Dort ging es eine Treppe nach oben, vorbei an zwei offenen Zimmertüren zu einem Badezimmer.
»Stell den Sack einfach in die Ecke.«
Ich tat wie mir geheißen.
»Wartest du kurz draußen auf mich, ich muss gleich mal aufs Klo.«
Das musste ich nun wirklich nicht sehen, also verließ ich das Badezimmer und versammelte mich auf dem Korridor. Dort war es nun wieder meine Neugier, die mich zu den offenen Zimmertüren trieb. Ich schaute ins linke Zimmer hinein – das war ganz offensichtlich Colleens Reich.
Jede Menge Mädchenkram lag herum, von Kuscheltier bis Poster war alles vorhanden. Danke, kein weiteres Interesse. Ich schlich zur anderen Tür und spähte ins Zimmer – und mich traf der Schlag!
Das Zimmer war bereits komplett eingeräumt, inklusive Schränken, Tisch und Bett. Und in diesem Bett lag ein absolut schnuckliger Junge! Hach war der niedlich! Wie er da so süß im Schlaf lächelte! Ich konnte mich gar nicht an ihm sattsehen.
Auf dem Nachttisch neben dem Kopfende des Bettes standen verschiedene Medikamente, auch ein Fieberthermometer lag da. Damit war wohl klar, warum das Kerlchen schlafend im Bett lag und nicht mit beim Umzug half.
Mit Mühe gelang es mir, den Blick von dem Jungen loszureißen und durchs Zimmer schweifen zu lassen. Bei diesem Rundblick pochte mein Herz immer schneller. Nicht nur, dass eine Regenbogenfahne und mehrere recht eindeutige Poster an der Wand hingen, auf dem Schreibtisch lag auch noch ein mir nur allzu gut bekanntes Magazin für schwule Teenager!
Mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund starrte ich von einem verräterischen Stück zum nächsten und merkte dabei gar nicht, wie Colleen hinter mich trat.
»Ja, mein Bruder ist schwul. Und wenn du Dennis deswegen irgendwie doof anmachst, dann bekommst du gewaltigen Ärger mit mir!«
Ich konnte nicht anders, es begann mit einem leisen Kichern und steigerte sich über ein Glucksen tief in mir in ein schallendes Gelächter, von welchem am Ende sogar der Bettbesitzer wach wurde und mich gemeinsam mit seiner Schwester verwundert anstarrte.
Danke, Santa, vielen Dank! Und da gibt es tatsächlich noch Leute die behaupten, dass es dich gar nicht gäbe…

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Information Der Tod und der Veteran
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:19 AM - No Replies

Die Geräusche meines Elektroheizers weckten mich auf. Im Zimmer war es bitterkalt. Es war Morgen, und ich hatte wieder von dem Skelett geträumt.
Ich hatte keine Ahnung wie spät es war, ich wusste nur, dass der Heizer langsam zum Leben erwachte und dass ich aufstehen musste, um Wasser abzukochen, für den Fall, dass der Strom bald wieder abgedreht werden würde.
Sie drehen den Strom über Nacht ab um Energie zu sparen. Wir bekommen nur am Morgen und am Abend Elektrizität, damit die Leute etwas kochen können. Ich stolperte durch die kalte Dunkelheit. Mein großer Kessel war voller Wasser.
Es war über Nacht eingefroren. Ich schaltete den Heizer unter dem Kessel an und hockte mich dann zitternd vor den Heizkörper, um mich anzuziehen. Das Licht schaltete ich nicht ein. Wenn man zu viel Strom verbrauchte, wurde er schneller wieder abgestellt.
Die rot leuchtenden Heizstäbe gaben genug Licht um in meine Sachen zu kommen. Das Skelett tanzt jede Nacht in meinen Träumen. Es tanzt an mich heran, greift mit fleischlosen Fingern nach meiner einen Hand und zieht mich in den Tanz.
Dürre, weiße Knochen klappern eine absurde Melodie. Das Gesicht besteht nur aus Kiefer und Zähnen, aus einem tödlichen Grinsen. Ich sehe dieses Skelett seit vielen Jahren in meinen Träumen. Ich habe es in Büchern gesehen, in alten Holzschnitten.
In »Der Tod und die Jungfrau« wird ein Mädchen in ihrem Garten überrascht. In »Der Tod und die Hausfrau« wird eine Frau abrupt von ihrem Backofen entführt. In »Der Tod und der Geizhals« wird ein alter Mann aus seiner Bank geholt.
Die Menschen in den Bildern werden von dem Geist in ihrem Tun unterbrochen und sind völlig überrascht, wenn sie davon geführt werden. Aber ich bin nicht überrascht. Das nackte Gesicht hat als Augen dunkle Löcher.
Ich habe so oft von diesem Gesicht geträumt. Ich habe so lange auf den Tod gewartet. Er hat einen langen Weg. Jedes Jahr und jede Nacht kommt er näher. Letzte Nacht träumte ich, dass das Skelett direkt vor meiner Tür stand.
Mein Kalender an der Wand hat keine Blätter mehr. Es gibt keine Blätter mehr zum Abreißen. Heute ist der Tag. Heute kommt das Skelett zu mir. Es war auch der Morgen von Heiligabend, etwa sechs Uhr.
Heute, dachte ich, heute werde ich sterben. Ich werde die Weihnachtsfeiertage nicht erleben. Wenn ich meine Augen schloss, konnte ich das Bild wieder sehen, die kalkweiße, dürre Gestalt, wie sie ihre knochigen, unendlich langen Finger nach mir ausstreckte.
Unbeholfen und eilig zog ich mich an. Ich hatte Angst. Es würde interessant sein. Tot zu sein. Ich hatte eine Frage, auf die ich eine Antwort wollte. Eine Antwort, die ich nur bekommen konnte, wenn ich tot wäre.
Ich bin für niemanden mehr von Nutzen. Es wäre keine Tragödie, wenn das Skelett käme um mich zu holen. Ein Mann mit nur einem Arm ist hässlich und unnütz für jegliche produktive Arbeit.
Ich habe eine Arbeit, als Schreibkraft, zu allem Überfluss. Ich schreibe Protokolle für die Stadt, langsam, einhändig. Im Zimmer wurde es etwas wärmer. Der Heizkörper war mächtig am Arbeiten.
Ich nahm meinen Mantel vom Bett und schlüpfte in ihn. Der leere Ärmel hing herunter, ich hatte ihn zur Tasche umgeformt. Mit dem Mantel, einigen durchgescheuerte Pullovern und den Hemden, in welchen ich geschlafen hatte, war mir wärmer.
Ich wanderte an mein Fenster.
Die Eisschicht an der Innenseite der Scheiben war dick. Ich kratzte mit meinen Fingernägeln bis ich hinausschauen konnte. Weiße Eisflocken fielen hinunter auf den Fußboden. Ich hielt meinen Atem an, um das Glas nicht gleich wieder anfrieren zu lassen.
Draußen lag die Stadt düster und zerklüftet in der tiefblauen Morgendämmerung. Mein Zimmer befindet sich im obersten Stockwerk eines fünfetagigen Gebäudes. In den Gebäuden unter mir war kein Lichtschein zu erkennen.
Strom war kostbar und wurde nur zum Heizen und Kochen verwendet. Das matte Leuchten von Kerzen hinter den verhüllten Fenstern reichte nicht bis in die Dunkelheit hinaus. Es war, als ob immer noch Stromsperre wäre.
Die Häuser waren vom Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen. Sie standen inmitten der Hügel nichtbeseitigter Trümmer. Irgendwann, jetzt wo der Waffenstillstand in Kraft war, würde man die Trümmer einebnen.
Wenn mein Traum zutraf, würde ich dies jedoch nicht mehr erleben. Trotzdem war ich froh, noch das Ende des Krieges gesehen zu haben, auch wenn ich nicht mehr erleben würde, wie das Leben wieder in die Stadt zurückkehren würde.
In den dunklen Zimmern und Wohnungen der Stadt würden sich die Menschen jetzt über ihre Elektroheizer beugen, Kerzenstummel anzünden und sich auf den Tag vorbereiten.
Der Strom blieb an diesem Morgen für füunfundvierzig Minuten, genug Zeit, um das Eis in meinem Kessel zum Schmelzen zu bringen, aber nicht genug, um es kochen zu lassen. Normalerweise bekamen wir Strom für mehr als eine Stunde, aber die Heizstäbe kühlten ab und die herrliche Wärme verflog.
Ich saß am Tisch in meinem dunklen Zimmer. Ich schüttete heißes Wasser in die Tasse mit dem Hafermehl. Eine Vierteltasse gefrorenes Hafermehl aus dem Sack in der am weitesten von der Heizung entfernten Ecke, aufgefüllt mit heißem Wasser.
Dies ergab Haferschleim, dünn, aber nahrhaft, mein übliches Frühstück. Ich rührte und rührte.
Einmal war ich verliebt in einen Jungen namens Noel. Er war achtzehn und ich war vierundzwanzig, und es lag ein Menschenleben zurück.
Ich erinnerte mich an Frühstück im Bett mit Noel, die Bettdecke ein schwerer Haufen warmer Federn. Unsere Beine waren ineinander verheddert, die Küsse schmeckten nach Schinken. Es war ein spätes Frühstück, mitten am Vormittag, die Sonne strahlte ins Zimmer.
Wir waren zeitig erwacht, blieben im Bett, unsere Körper ineinander verwoben. So verbrachten wir den Samstag, Noels Zunge spielte mit meinem Brust- und Achselhaar, sein errötetes Gesicht lächelte unter der Decke hervor.
Ich fütterte ihn gabelweise mit den duftenden Köstlichkeiten vom Teller. Schinken, Eier, Kaffee mit Sahne, süße Brötchen, goldene Butter, Orangenstücke so saftig und süß, dass sie in seinem Mund zerplatzten, und Orangensaft, welcher die Finger der Hand herunter rann die ich jetzt nicht mehr hatte.
Und wie meine Finger, so war auch Noel verschwunden. So wie alle jungen Männer. Ich hätte den Haferschleim so essen können wie er war. Er wäre essbar gewesen, wenn auch roh. Aber das Wasser hatte nicht gekocht, und den ganzen Sommer über hatte die Cholera in der Stadt gewütet.
Die Gefahr, dass auch dieses Wasser aus dem städtischen Wasserwagen verseucht war, war groß. Die Cholera zu bekommen bedeutete einen langsamen Tod, ein Dahinsiechen über viele Tage.
Ich saß an meinem Tisch und starrte auf das Essen, bis es an meiner Tür klopfte. Dies rüttelte mich wach und überraschte mich. Wer würde bei mir klopfen, so leise und so zeitig? Es war eine Nachbarin, Mrs. Keitch, eine alte Frau aus dem ersten Stock.
Sie stand vor meiner Tür, in einem schwarzen Mantel, eine weiße Kerze in der Hand, ein nervöses Lächeln vom Licht der Kerze beleuchtet.
»Was ist los?«, fragte ich, »Brauchen Sie irgendwas?«
Ich hatte vorher noch nie mit ihr gesprochen. Ich sprach nie mit irgendeinem meiner Nachbarn. Sie mieden mich, vielleicht weil sie während der beiden schrecklichen Zeiten als die Stadt besetzt war gelernt hatten, alle Männer zu fürchten, die im richtigen Alter waren um Soldaten zu sein.
Wegen meines Traumes erwartete ich an diesem Tag Ärger, und ich rechnete damit, dass nur irgendein Problem sie zu meiner Tür gebracht haben konnte.
Aber Mrs. Keitch sagte: »Ich verkaufe Kerzen. Mr. Anthoni, richtig? Möchten Sie ein paar Kerzen kaufen?«
»So wie diese?«
Die dünne, lange Kerze in ihrer Hand war sowohl ein Musterexemplar als auch ihre Beleuchtung für die dunklen Gänge des Hauses.
»Ich habe sie gespart.«
Sie lächelte beinahe entschuldigend, vielleicht hatte sie Angst, ich würde sie des Hamsterns beschuldigen.
»Aber ich habe gerade gehört, dass heute auf dem Markt Hühnchen verkauft werden. Ich möchte ein Hühnchen kaufen. Würden Sie ein oder zwei Kerzen kaufen?«
Ich gab ihr sechs Dollar und nahm zwei Kerzen. Es waren lange, harte, weiße Kerzen, spröde vor Kälte. Mrs. Keitch klopfte an die Tür meiner Nachbarn um zu sehen, ob sie dem älteren Ehepaar einige Kerzen verkaufen könnte.
Ich schloss meine Tür. Ich legte die Kerzen zur Seite. Es war gut sie zu haben. Vielleicht für heute Nacht, falls ich da immer noch hier wäre, und falls ich nicht zu müde wäre, dann könnte ich eine anzünden und einige alte Briefe lesen.
Noel schrieb mir hunderte von Briefen. Seine Einheit ging nach Osten und er kämpfte auf den schlammigen Böden und harschen Ödländern, die einmal ertragreiche Felder gewesen waren. Ich bekam, denke ich, etwa ein Drittel der Briefe die er an mich geschrieben hatte.
Die meisten gingen verloren bevor sie mich erreichen konnten. Er schrieb auf jedes Papier was er in die Finger bekommen konnte, auf Zeitungsstücke und Formulare, über das Gedruckte hinweg wenn er keine freien Stellen finden konnte.
»Ich liebe dich, liebe dich, liebe dich,« schrieb er.
»Du wirst dir keinen neuen Freund suchen. Wenn ich zurückkomme, werde ich in deine Hosen tauchen, und wenn du mit den Schwuchteln vom Tenshing herumgemacht hast, werde ich das herausfinden. Ich werde die Spuren ihrer Lippen an deinem Penis sehen. Sei also gewarnt!«
Ich habe dutzende seiner Briefe, die ich sorgfältig aufhob. Vor fünf Jahren hörten sie auf, mich zu erreichen. Noel war tot. Es war Zeit zu gehen, nicht zur Arbeit sondern auf den Markt.
Je eher ich dort war, umso weniger würde ich anstehen müssen, so hoffte ich zumindest. Viel Geld hatte ich nach dem Kauf der Kerzen nicht mehr, aber ich würde ein oder zwei Kartoffeln kaufen können, und die würden ein gutes Abendbrot abgeben.
Also ging ich nach draußen. Die Straßen lagen immer noch im Halbdunkel, und die Pfade durch den Schnee waren schmal aber gut ausgetreten. Der Markt füllte sich zeitig. Das war das erste was ich bemerkte.
Da waren mehr Menschen als üblich, aufgereiht vor den vernagelten Ladenfenstern. Ich beeilte mich.
»Schau, Mami!«
Die plötzlich ertönende, hohe Stimme eines Kindes erschreckte jedermann in der Ladenstraße. Alle drehten sich zu ihr um.
»Mami, sieh dir das an!«
Es war ein kleines Kind, dünnes Gesicht, dicht an die Mutter gedrängt. Sein dürrer Arm war ausgestreckt, und die Wangen unter seiner Mütze glühten vor Begeisterung. Dort stand eine Fichte, aufgestellt in einer Schneewehe vor dem offiziellen Lebensmittelladen.
An ihren dunkelgrünen Zweigen leuchtete ein Dutzend gelber Lämpchen. Eine Stromleitung lief vom Baum hinein in den Laden. Der Strom war wieder eingeschaltet. Der Strom ist wieder da, dachte ich verwirrt. Verwirrt nicht wegen des unberechenbaren Stroms, sondern wegen des Baumes.
»Mami, was ist das? Warum sind da Lichter an dem Baum?«
Die Mutter, eine erschöpft aussehende Frau mit bloßen Händen, rot vor Kälte, beugte sich zu ihrem Kind. Sie lächelte.
»Das ist ein Weihnachtsbaum. Erinnerst du dich, was ich dir erzählt habe? Der Baum ist geschmückt, um schön auszusehen, weil Weihnachten ist.«
Das Kind war hingerissen, es stand mit offenem Mund da. Genau wie das Kind starrten auch wir Erwachsenen auf den Baum. Die goldenen Lichter glühten wie kleine Sterne und machten das Grün des Baumes noch deutlicher.
Wie lange war es her, dass ich das letzte Mal einen Weihnachtsbaum gesehen hatte? Viele Jahre. Und hier stand es, das stolze, schöne Symbol der Festtage.
»Der Krieg ist vorbei«, murmelte eine alte Frau.
Niemand beschwerte sich darüber, dass der Händler kostbare Energie verschwendete. Wir standen im Kreis um den Baum herum und starrten ihn an. Jeder der die Straße entlang kam blieb stehen.
Der kleine Baum leuchtete und das Kind lachte. Ein Weihnachtsbaum. Warum nicht? Lange genug hatte es gedauert. Es wäre gut, wieder mit dem Feiern von Weihnachten anzufangen.
Der Laden war voll und angefüllt mit dem Atemnebel der Menschen darin.
Da lag eine ganze Reihe Hühner, gerupft und gefroren, und wartete darauf verkauft zu werden. Ich hatte nicht genug Geld für ein Hühnchen, aber ich kaufte Kartoffeln und Milch. Das würde ein gutes Abendbrot abgeben.
Die Kartoffeln waren nicht mehr so teuer wie vor einem Jahr. Ich kaufte drei Stück. Hühner auf dem Markt, dachte ich, und ein Weihnachtsbaum! Wie an längst vergangenen Feiertagen. In einem Jahr hatte Noel mein bestes Stück mit roten und grünen Bändern umwickelt.
Ich hatte nur ein einziges Jahr mit Noel, nur ein einziges Weihnachten.
„Das ist es was ich mir für Weihnachten wünsche!“, hatte er gesagt und mein geschmücktes Organ an sich gerissen.
»Es ist sogar schon verpackt!“, schwatzte er.
Wie albern er gewesen war, wie ein Kind, zehn Jahre jünger. Und wie vertrauensvoll. Er hatte sich rückwärts in meine Arme fallen lassen, immer darauf vertrauend, dass ich ihn auffangen würde.
Und ich hatte ihn stets aufgefangen und mich zu ihm heruntergebeugt, um sein Gesicht mit lachenden Küssen zu bedecken.
»Mein! Mein! Mein!“, hatte er in seinen Briefen geschrieben.
»Du bist mein! Sag deinem Oberst, dass er dich an einen schönen sicheren Platz hinter den Linien schicken soll, wo du auf mich warten kannst bis all das vorüber ist. Du musst auf mich warten! Ich brauche dich. Ich gehöre zu dir. Ich will dich. Jesus, wie sehr ich dich will! Jedes Mal wenn ich an dich denke, bekomme ich einen Steifen oder ich fange an zu weinen. Oder beides.«
Wenn das Skelett kommt werde ich bereit sein. Ich habe Antworten auf Noels Briefe, und das ist der einzige Weg um sie ihm zu bringen. Ich habe so oft von dem Skelett geträumt, dass ich keine Angst vor ihm habe.
Ich habe nur Angst vor dem Schmerz der mit dem Tod kommt. Aber das Skelett selbst ist nicht so furchtbar. Bewegliche Knochen. Sie sind mindestens genauso absurd wie schrecklich. Meine Träume sind nicht so schlimm während ich sie träume.
Ich hatte nie Angst, wenn ich von dem Skelett träumte, und ich hatte nie Angst, wenn ich vom Verlust meines Handschuhs träumte. Warum ich so sicher bin, dass ich von meinem eigenen Tod träume? Jahrein jahraus hatte ich die gleichen Träume.
Manchmal träumte ich, dass mich eines Tages ein Skelett holen würde, und manchmal träumte ich, dass ich meinen Handschuh verlieren würde. Ich hatte den Traum über den Handschuh bis zu dem Winter, in welchem ich meinen Arm verlor.
Und in der Nacht, bevor ich meinen Arm verlor, träumte ich, dass ich am folgenden Tag endgültig meinen Handschuh verlieren würde. In dem Haus in dem ich wohne leben zwei Kinder.
Ich schätze, sie sind etwa neun und elf Jahre alt, aber das ist schwer zu sagen. Ich bin nicht einmal sicher, ob sie Mädchen oder Jungs sind. Zu ihren nicht zusammenpassenden Sachen gehören manchmal Kleider und Tücher und manchmal nicht.
Diese zwei Kinder hatten immer Angst vor mir. Sie gingen aus dem Haus und sammelten Holz, Kohlestückchen und alles was brennt. Wenn sie mich im Haus sahen, rannten sie stets mit ihren Körben die Treppe hinauf und schauten ängstlich und beunruhigt auf mich zurück.
Als ich vom Markt zurückkam, standen die beiden vor dem Haus, dampfend wie kleine Drachen, zu sehr in ihre Unterhaltung vertieft um mich gleich zu bemerken. Sie hatten die Arme voll mit Kiefernzweigen.
»Wenn wir sie nur einfach in den Schnee stecken, sehen sie aus, als wenn wir sie nur wegen der Nadeln gesammelt hätten«, sagte der Ältere.
»Wir können keinen Weihnachtsbaum daraus machen. Und der Baum auf dem Markt war in den Schnee gesteckt.«
Die kleinere Figur schleppte so viele Zweige, dass sie aussah, als wollte sie sich selbst als Baum verkleiden.
»Aber so sehen sie nicht wie Weihnachtsschmuck aus. Ich will, dass sie wie Weihnachtsschmuck aussehen.«
Dann bemerkten sie mich und starrten mich an.
»Wenn ihr Schnur habt«, sagte ich, »könnt ihr sie in einem Bogen zusammenbinden und über die Tür hängen. So schmückt man zu Weihnachten.«
»Wie macht man das?«, fragte der Ältere mutig.
Ich zeigte auf den Türrahmen.
»Bindet sie hier und hier an, und bindet sie in der Mitte zusammen.«
Die beiden waren dermaßen in das Problem vertieft, dass sie völlig vergaßen, vor mir Angst zu haben. Sie starrten hinauf auf die Tür.
»Dann schmückt ihr die Zweige. Ihr habt keine Lämpchen? Dann bastelt kleinen Schmuck. Ich habe etwas roten Stoff. Soll ich es euch zeigen?«
Sie nickten eifrig. Ich ging hinauf. Das wäre etwas für Noel gewesen: Weihnachtsschmuck anbringen. Ich ging wieder hinunter mit einem Stück roten Stoff, welcher früher mal ein rotes Hemd gewesen war.
Es war völlig abgetragen, der Stoff war zu zerrissen um noch getragen zu werden. Aber die Farbe war immer noch rot und leuchtend.
»Könnt ihr es zerreißen? In kleine Stückchen?«
»Diese Größe?«
Das ältere Kind riss ein Stück ab, etwa sechs mal sechs Zentimeter groß.
»Jetzt macht kleine Bällchen daraus, steckt sie mit Kiefernnadeln zusammen oder mit allem was ihr finden könnt, und hängt sie dann an die Zweige.«
Sie standen direkt vor mir. Die Kleine zerriss mit ernstem Gesicht den Stoff und versuchte, die Arbeit des Älteren nachzuahmen. Dieser tat was ich gesagt hatte und hatte bald einen kleinen, plumpen roten Ball fertiggestellt, mit einem kleinen Faden um ihn an die Zweige zu binden. Auf ihren Gesichtern breitete sich ein Lächeln aus.
»Danke, Mr. Anthoni!«
Sie stürzten sich auf das Hemd und zerrissen es übermütig, aber vorsichtig.
»Nicht zu klein! Mach die Stücke nicht zu klein!«, rief die Jüngere.
»Keine Bange. Schau, wir können die Nähte als Schnur verwenden und damit die Zweige zusammenbinden!«, antwortete der Ältere.
Ich musste zur Arbeit, und ich musste mich beeilen. Ich war spät dran, durch die Zeit die ich damit vertrödelt hatte, den Kindern zuzuschauen. Es war nicht sehr kalt. Alte Männer zogen Karren mit Benzin, sie hatten zu kämpfen, weil die Räder im Schneematsch steckenblieben.
Meine Balance war nicht sehr gut. Ich konnte nicht beide Arme ausbreiten um mich auf rutschigem Boden abzufangen. Ich schaute nach unten, vorsichtig meine Füße setzend, während ich den grabenartigen Weg durch den Schnee entlangeilte.
Es war Winter, genau wie damals als ich das letzte Mal vom Verlust meines Handschuhs träumte. Ich schlief in einer Unterkunft mit einem Kohleofen. Es erschien mir wichtig, dass ich davon geträumt hatte, endgültig meinen Handschuh zu verlieren, aber was machte es wirklich aus?
Ich war an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen, wie beim Schulabschluss oder gar bei der Geburt. Es war nur ein Traum. Wir bekämpften Partisanen in den Orten am Rande des Küstengebirges.
Der Tag der vor mir lag war angefüllt mit Gefahren: Scharfschützen, das gefährliche Von-Haus-zu-Haus-Gehen und suchen, Minen und versteckte Sprengladungen: Das war viel wichtiger als der Verlust eines Handschuhs, ob nun Winter war oder nicht.
Ich habe nie gefühlt, dass es mich traf. In war in der Mitte einer Gruppe, die eine kurvige Straße entlangging. Gewehrfeuer brach los. Das Echo tönte in meinen tauben Ohren. Ich bekam den Treffer und fiel, ohne irgendetwas zu spüren.
Ich lag am Boden bevor es überhaupt begann. Ich erwachte, und mir war kalt, bitter, bitter kalt. Ich war klebrig, klebrig von Blut und spürte einen brennenden Schmerz. Für vielleicht drei Stunden hatte ich bewusstlos auf der Straße gelegen, zwischen vier toten Soldaten in einer Pfütze aus Blut.
Ich sah meinen Arm auf der Straße liegen. Mein Ärmel endete, Fleischstücke ohne Gefühl darin waren zu sehen. Sie waren gefroren. Ich versuchte aufzustehen, meinen schwachen Körper auf die Knie zu bringen, aber ich konnte nicht.
Mein Blut war gefroren, und ich war an den Boden festgefroren. Meine Brust bewegte sich heftig mit meinen Atemzügen. Der unnachgiebige Boden war hart wie Stein. Er saugte langsam die Wärme aus meinem Körper.
Er hielt mich fest wie Zähne, die sich in mich verbissen hatten. Ich zog an dem verstümmelten, gefrorenen Fleisch. Ich spürte einen brutalen Schmerz an meinem Ellenbogen und zog trotzdem mit all meiner Kraft.
Aber ich war am Boden angefroren, genauso fest, als wenn ich angenagelt gewesen wäre.
Das Blut war aus meinem Arm unter mich geflossen. Mein Mantel war auch gefroren, vom Blut welches er aufgesaugt hatte.
Es war kein frisches Blut mehr zu sehen. Als der zerrissene Muskel gefroren war, hatte das die Wunde verschlossen. Ich konnte treten. Ich konnte die Zehen in meinen Stiefeln bewegen. Ich zitterte vor Kälte, starb durch die Kälte und konnte mich nicht erheben.
Ich lag den ganzen Mittag über zwischen den zerrissenen Körpern der toten Männer. Ich hörte nicht auf, mich zu bewegen. Ich konnte mich ein Stückchen drehen und eine Blick auf den leuchtend blauen Himmel werfen.
Ich versuchte in jeder mir einfallenden Art das gefrorene Blut wegzubrechen. Während ich mich von einer Seite auf die andere warf gelang es mir, meinen verklebten Mantel ein wenig freizubekommen.
Die roten Kristalle brachen und lösten sich vom schwarzen Pflaster. Meine Schulter aber blieb festgewurzelt als wäre sie ein Teil der Straße. Meine Wange fror wenn sie die Straße berührte. Mein Gesicht war eingefroren.
Die Taubheit kletterte von meinem Ellenbogen aufwärts. Jetzt spürte ich dort keinen Schmerz mehr, selbst wenn ich mich heftig bewegte. Und dann hörte ich die Schritte, langsam und vorsichtig im Schnee.
Es war ein Partisan, ein großer Mann mit einem schwarzen Bart, welcher sich aufmerksam durch die Gruppe der toten Männer bewegte. Verzweifelt trat ich nach ihm, und seine Augen richtete sich auf mich.
Ich konnte keine Waffe benutzen, selbst wenn ich eine in Reichweite gehabt hätte. Er bückte sich bei den anderen Soldaten, seine behandschuhten Hände durchsuchten ihre Taschen. Er nahm ihre Gewehre und hing sie sich über die Schulter, und die ganze Zeit grinste er immer wieder zu mir herüber, während ich weiter mit den Füßen ausschlug.
Er kam zu mir um auch mich zu durchsuchen. Er stieß mich hart in die Rippen und zog an meinem Mantel. Dampfender Atem strömte aus seinem Mund. Er richtete keine Waffe auf mich. Warum sollte er auch? Munition war teuer, und ich war hilflos.
Die Kälte würde mich wesentlich billiger töten, wenn ich noch ein paar Stunden hier liegen würde. Als er alle Waffen und die gesamte Munition von den auf der Straße verstreuten Männern aufgesammelt hatte, verschwand der Partisan.
Er kam zurück mit einer Waffe, welche keine Munition benötigte. Er stand über mir und blickte auf mich hinab. Er war enorm groß, dunkel hob er sich gegen den Himmel ab, ein Riese mit einer Axt.
Seine Augen vermaßen mich, als er das Werkzeug anhob. Seine Augen quollen hervor als er zielte. Sie fixierten mich, starrten mich an, hielten mich fest. Ich schlug mit den Füßen um mich, aber ich schrie nicht.
Die Axt raste unaufhaltsam hinunter, ein totes Gewicht, die kalte Luft zerschneidend. Sie landete genau. Er brauchte nur einen Schlag. Er schlug meinen Arm ab. Ein unmenschlicher Schrei entfuhr meiner Kehle.
Der Schmerz wurde dumpf. Seine Hände arbeiteten an meinem Stumpf, und er zog mich von der Straße. Das gefrorene Blut riss von der Straße, es hörte sich an wie ein abreißendes Klebeband.
Ich war erschlafft und ich schrie, während der Mann Stofffetzen straff um das Ende meines Armes wickelte. Ich war abwechselnd bewusstlos und bei Bewusstsein, das Bild des großen Partisanen erschien immer wieder vor meinen Augen, während er meinen zuckenden Körper mit aller Kraft am Boden hielt und meinen Armstumpf verband.
Ich erinnere mich kaum daran, wie er mich von der Straße schleppte, auch nicht an die Zeit im Hospital. Ich wusste, dass der Partisan meinen Arm direkt unter dem Ellenbogen abgeschlagen hatte.
Er war ein gnädiger Feind, denn mit dem geretteten Ellenbogen hätte ich später mit dem Rest meines Armes vielmehr anfangen können also ohne. Aber im Feldlazarett amputierte einer unseren eigenen Ärzten später den Arm wesentlich höher, knapp unter der Schulter, weil der Wundbrand hineingeraten war.
Ich lag einen Monat lang in einem Segeltuchbett, mich vor Schmerzen übergebend, den Geruch von Eiter, welcher unter den Verbänden hervor lief, in der Nase. Ich überlebte. Ich bedauerte nicht, überlebt zu haben.
Aber ich träumte nie wieder meinen wiederkehrenden Traum vom Verlust des Handschuhs.
Deswegen glaubte ich daran, dass meine Träume prophetisch sind, und deswegen hatte ich keine große Angst vorm Sterben.
Woher immer diese Träume kamen, für mich bedeuteten sie, dass da irgendwo mehr war als die Welt wie ich sie sehen konnte. Irgendetwas Gutes schickte mir die Träume als Warnung. Wenn da eine Kraft war, eine gute Kraft, welche mir diese Träume schickte und auf diese Weise für mich sorgte, dann konnte ich daran glauben, dass diese Kraft mich zurück zu Noel bringen würde.
*-*-*
Als ich das vernarbte Beton-Gebäude, welches früher ein Warenhaus war und heute als Rathaus diente, erreichte, parkten LKWs davor. Ich betrat das Gebäude. Es roch nach in Öfen verbranntem Müll, aber die Zimmer waren kalt.
»Wir wurden bezahlt!«
Die einzige Person im Büro war meine Chefin. Unser Büro war zuständig für Volkszählung und die Verteilung der Arbeitskräfte. Martha war Anwältin, vierundsechzig Jahre alt, zu arthritisch um schreiben zu können.
Sie strahlte mich von ihrem Schreibtisch her an, eingewickelt in mehrere Tücher.
»Du beeilst dich besser“, sagte sie.
»Du musst raus zum Flughafen!«
Auf meinem Schreibtisch lag mein Lohn. Normalerweise wurden wir alle zwei Wochen bezahlt, vorzugsweise in Geld und nicht in Naturalien. Da lagen mehrere zerknitterte Geldscheine, mit einer Büroklammer zusammengehalten.
Aber daneben lag noch etwas, etwas was ich nie erwartet hätte dort zu sehen. Da lag ein Netz voller Orangen. Ich nahm das Netz und drehte mich mit einem ungläubigen Lächeln zu Martha. Sie strahlte zurück.
»Kannst du das glauben? Aber jetzt können Flugzeuge sicher hierherkommen und landen. Sie müssen aus Marokko gekommen sein, vielleicht sogar aus den Staaten! Orangen! Eine werde ich meiner Schwester geben, eine dem Mann der mir Feuerholz bring, und eine bekommt mein Neffe …«
Im Netz waren acht Orangen. Nicht nur eine, nein, acht! Sie waren leuchtend rot und rund. Orangen. Beinahe konnte ich den süß-sauren Geschmack der gebrochenen Orangenscheiben schmecken.
Am liebsten hätte ich eine davon sofort aufgerissen und gegessen, aber das konnte ich nicht. Eine Orange zu schälen würde Zeit brauchen. Es braucht zwei Hände, um die leuchtende Schale leicht zu öffnen. Ich hatte nicht die Zeit dazu.
»Warum soll ich zum Flughafen?«
»Es werden Flugzeuge erwartet. Neue Arbeitskräfte. Neue Menschen um verpflegt zu werden. Du musst die Liste anfertigen. Ich kann nicht gehen, ich muss mich mit dem Verantwortlichen für die Lebensmittelzuteilung treffen.«
Es war unsere Aufgabe, die Liste mit den Menschen in der Stadt zu führen. Normalerweise würde Martha die Informationen einholen, und ich würde sie abschreiben. Das Arbeitsamt und das Zuteilungsbüro brauchte die Listen, um die vorhandenen Ressourcen aufzuteilen.
Wir führten auch Todeslisten, um später die Fragen der Überlebenden beantworten zu können. Die Listen waren wichtig. Ich hatte eine gewaltige Sammlung alten Papiers zusammenzutragen, die hingekritzelten Notizen der Feuerwehr und der Rettungskräfte aus den Tagen, als die Stadt zerbombt wurde und brannte.
Als überall Kanonendonner schallte: In diesem Haus, in diesem Stockwerk, sechsköpfige Familie, nur der Familienname bekannt, alle tot. An dieser Adresse vier Familien: drei Überlebende, Mutter und zwei Töchter, gerettet aus der untersten Etage. Dieses Haus war leer als es ausbrannte. Schutzbunker am Soundsovielten: direkter Treffer, alle tot.
Die Überlebenden kümmerten sich. Sie kamen jede Woche um zu sehen, ob es irgendwelche Neuigkeiten gab, ob der Name den sie suchten endlich auf irgendeiner Liste erschien, ob es eine Bestätigung gab. Die Listen waren alles. Ich erinnerte mich an den Tag, an welchem ich Noels Namen auf einer der Listen fand.
MIA; eine Liste die alles aber auch gar nichts aussagte. Missing in Action. Und so studierte ich Liste auf Liste, ich betete, hoffte, gab die Hoffnung auf und hoffte wieder, fand eine neue Liste zum Überprüfen, suchte Woche auf Woche nach einer Bestätigung.
Es dauerte zwei Jahre, bis ich seinen Namen auf der anderen Liste fand: KIA. Killed in action. Und da wusste ich, dass ich zwei Jahre lang gehofft hatte wo keine Hoffnung war.
Noel schrieb mir: »Das ist kein Scherz: Tu dein bestes, um für mich zu überleben. Ich möchte nicht all das was ich gesehen und getan habe für nichts und wieder nichts durchgemacht haben. Ohne den Gedanken daran, dass du auf meine Rückkehr wartest, würde ich liebend gerne sterben und alles hinter mir lassen. Ich lebe einen Albtraum und halte mich fest an der Hoffnung, dass eines Tages alles vorbei ist und ich erwache um wieder bei dir zu sein.«
Also habe ich für ihn überlebt, aber sein Albtraum war stärker. Komm, Tod, tanze mit mir. Nimm meine Hand und führe sie zu Noels Hand. Warum sollte ich mich fürchten? Der Tod konnte unmöglich schlimmer sein als das, was ich bereits durchgemacht hatte.
Was immer mir meine Träume schickte, es würde mir die Antwort geben, welche mir die drei Buchstaben, KIA, nicht geben konnten. Noel, bist du schnell gestorben? Ein halbes Dutzend LKW wartete auf mich, bereit zum Flughafen zu fahren.
Ich kletterte in die Kabine zur Fahrerin. Sie lächelte mich ausgelassen an, mit Zähnen, welchen man die Fehlernährung ansah. Das ausgeleierte Getriebe knirschte und knackte, als die Fahrt zum Flughafen begann.
Noel war ein Clown gewesen, schwer festzunageln, selten ernst. Die Nacht, in der er sich das erste Mal auf mein Bett geworfen hatte, seinen nackten Körper provokativ hin- und her bewegend, in dieser ersten Nacht hatte er das Wort Liebe ausgesprochen.
»Oooh! Ich liebe dich! Komm und nimm mich!«
Sein Hintern war fest und warm und muskulös, tiefe Grübchen an den Seiten, der schönste Hintern auf der Welt. Er benutzte das Wort Liebe so freizügig, dass ich kaum glauben konnte, dass er es wirklich so meinte. Aber dann schrieb er mir all diese Briefe.
Glatte Haut, harte runde Schultern, ein geschmeidiger, heißer Körper. Wir haben gerungen. Es brauchte all meine Kraft und beide Arme, um ihn unter mir festzunageln. So viel warme Haut. Seine Zunge wanderte suchend meinen Oberschenkel hinauf, leckte an meinen Hoden und brachte mich dazu, ganz still zu liegen.
Als sein eifriger Mund den Weg zu meinem Penis gefunden hatte, hatte Noel mich auf dem Bett festgenagelt. Die Kraft meiner beiden Arme hatte nicht ausgereicht, um diesem geschickten Kämpfer mit den vielen jungen Muskeln Paroli zu bieten.
Als wir am Flughafen eintrafen, waren die Flugzeuge noch nicht eingetroffen. Es gab eine Verspätung. Es gab immer eine Verspätung. Auf dem Flugfeld waren einige kleine dunkle Figuren und fegten die Rollbahn.
Am Horizont gingen die schneebedeckten Felder in den Himmel über. Früher stand ein Wald am Rande des Flughafens, aber Baum nach Baum war abgeholzt und verfeuert worden. Jetzt gab es da nur noch Schnee und das gedrungene Gebäude, welches aussah wie ein Bunker und das abgebrannte Terminal ersetzte.
Langsam wanderte ich dorthin. Es gab keinen Platz, um sich hinzusetzen. Die Vertreterin vom Hilfskomitee war da, ein Teenager mit zwei langen Zöpfen. Sie entlud packenweise dünne Decken. Als ich den großen Stapel sah wusste ich, dass man mehrere Flugzeuge erwartete.
Sie arbeitete langsam mit der verbissenen Geschwindigkeit die ich von Leuten kannte, die wussten, dass ihnen viele Stunden Arbeit bevorstanden und versuchten, ihre Kräfte zu schonen, obwohl sie bereits jetzt völlig erschöpft waren.
Jeder arbeitet hier so. Auch ich. Es gab nicht viele energiegeladene Menschen in der Stadt. Monate der Rationierung hatten dafür gesorgt. Ich dachte kurz daran ihr zu helfen, aber ich war müde und zu sehr in meinen eigenen Gedanken versunken.
Ich stand da und blickte in den weißen Himmel, nach den angekündigten Flugzeugen Ausschau haltend. Wird vielleicht ein abstürzendes Flugzeug das Skelett zu mir bringen? Ein plötzlicher Ansturm dunklen Metalls und ohrenbetäubenden Lärms.
Dann die weißen Knochenfinger, die durch Trümmer, Blut und brennendes Benzin nach meiner Hand greifen und mich mit sich ziehen? Ich hoffte es würde kein Flugzeug sein. Wenn es ein Flugzeug wäre, dann würden auch andere Leute sterben, die Crew, die Passagiere, das Mädchen vom Hilfskomitee.
Viel lieber würde ich ganz alleine sterben, aber ich wusste, dass ich dem Skelett nicht entkommen konnte, es hatte also keinen Sinn, die anderen um mich herum zu warnen.
Vielleicht war der Krieg doch nicht vorbei. Vielleicht wurde der Waffenstillstand gebrochen. Vielleicht kamen jetzt die Bomber wieder, und ich würde sterben, während die Stadt explodierte.
Ich schüttelte den Kopf, versuchte den Gedanken von mir abzuschütteln. Das wäre unerträglich. Es wäre viel zu falsch, auch noch das wenige was übriggeblieben war zu verlieren. Aber das Unerträgliche ist bereits passiert, immer und immer wieder, und ich hatte meinen Anteil daran durchgemacht.
Laß das Skelett nur zu mir kommen! Ich bettelte in Gedanken. Nur zu mir, zu niemand anderem!
Es schneite, die Flocken dünn und silbern in der warmen Winterluft. Sie fielen genauso schnell wie die Leute auf der Rollbahn sie wegfegen konnten. Ein weiterer LKW-Konvoi erschien und stellte sich hinter unserem auf.
Die uniformierten Fahrer, alles Frauen, kamen ins Gebäude und wir tauschten die neuesten Gerüchte aus: Die Flugzeuge werden in St.Stephens aufgehalten, aber nur wegen des Wetters, und sie werden bald hier sein.
Die Flugzeuge kommen von einem Camp bei Eirmok. Sie lassen die Cholera-Patienten aus dem Camp hierherkommen. Die Flugzeuge werden wegen Papierkram aufgehalten. Ein Frachtflugzeug wird erwartet. Es werden Militärflugzeuge sein, aber sie werden nicht kommen.
Manchmal stimmten die Gerüchte. Meistens waren sie falsch. Ich verlor mein Interesse an ihnen und begann, wieder an Noel zu denken.
Er wollte sich nicht gleichzeitig mit mir freiwillig melden.
»Wenn wir uns gleichzeitig melden können wir vielleicht zusammen bleiben.« Das hatte ich ihm gesagt.
»Blas mir einen«, hatte Noel zurückgegrinst.
»Nein, Noel, das ist mir ernst. Einer von uns wird bald eingezogen werden, vielleicht auch wir beide. Wir müssen uns jetzt entscheiden. Kannst du auch mal an etwas anderes als an Sex denken?«
»Blas mir einen.«
Er hatte meinen Kopf in beide Hände genommen, starrte kurz in meine Augen und zog dann mein Gesicht nach unten.
»Los. Küss meinen Schwanz.«
»Noel, hör auf!«
Ich hatte mich aus seinen Händen gelöst. »Bitte. Ich will mit dir gemeinsam zum Meldebüro gehen.«
»Ich will nicht.«
»Sei realistisch! Unsere Namen sind auf der Liste! Wir haben weniger als einen gemeinsamen Monat übrig. Ich möchte, dass du mit mir mitkommst.«
»Ich möchte, dass du mir einen bläst. Das ist es, was ich möchte.«
»Warum willst du nicht mit mir mitkommen?«
»Weil ich nicht mit dir mitkommen will.«
Als Noel zur Ernsthaftigkeit gezwungen war, war sein Gesicht blass geworden.
»Ich will nicht zusammen mit dir dienen. Ich will nicht jede Minute des Krieges nach dir sehen müssen, darauf warten müssen, dass dir etwas passiert. Ich will nicht zusammen mit dir im Felde stehen. Ich will es nicht sehen, wenn es dich trifft. Ich will nicht dabei sein …«
Seine Stimme versagte.
»Alles was ich will ist, dass du mir einen bläst. Ist das zu viel verlangt?«
»Nein.«
Ich stimmte zu.
»Das ist nicht zu viel verlangt.«
»Mein Ausbildungs-Sergeant schreit uns immer an: Ihr seid ein Haufen Schwuchteln!«, schrieb Noel in einem seiner Briefe.
»Und stets denke ich: Ja, danke, Sergeant!, aber ich spreche es nie aus, er denkt er beleidigt mich damit. Nebenbei, armer Kerl, als er uns unbewaffneten Nahkampf beibringen wollte, habe ich ihn fertiggemacht. Es wäre schrecklich für ihn herauszufinden, dass er von einer 80-Kilo-High-School-Schwuchtel niedergeworfen wurde.«
Es war Nachmittag als die Flugzeuge endlich ankamen. Sie kamen in Formation, weiß gestrichene, kurze, plumpe Transportflugzeuge, ohne Jagdschutz. Das Besenkommando rannte von der Rollbahn. Die Flugzeuge landeten, eins nach dem anderen.
Sie hatten militärische Markierungen. Es dauerte fast eine Stunde, bis alle Flugzeuge gelandet waren. Es dauerte noch länger, bis sie alle zum Flughafengebäude gerollt waren. Das Besenkommando musste ihnen einen Weg freikehren, und wir mussten warten.
Nur wenige Leute verließen die Flugzeuge und arbeiteten sich durch den Schnee, einer davon kam zu mir.
»Hier, die Passagierliste. Sie sind der Vertreter vom Arbeits- und Verteilungsamt? Wo ist der Vertreter vom Hilfskomitee?«
»Wo kommen sie her?«, fragte ich, während ich dem Mädel zuwinkte.
»Quaow Da“, rief er mir über die Schulter zu.
Ich starrte ihn bestürzt an. Quaow Da? Auf der anderen Seite? Als ich die Männer ins Gebäude kommen sah verstand ich. Sie schlurften langsam, ausgemergelte Menschen, in Lumpen gehüllt, mit fiebrigen Augen.
Ihre Uniformen hatten aufgedruckte Buchstaben. Das leuchtende Orange verblasste unter dem Schmutz, aber trotzdem erkannte ich die Buchstaben, die ich bereits auf Fotos gesehen hatte. POW. Es waren Kriegsgefangene.
Arbeitskräfte? Nicht diese jungen Männer. In der Warteschlange war nicht ein einziger Mann, der fähig gewesen wäre zu arbeiten. Sie waren ausgehungert. Es waren junge Männer, die nicht wie junge Männer aussahen.
Sie waren spindeldürr, abgemagert. Sie sahen genauso aus wie die Leichen im städtischen Leichenhaus, welche an Unterernährung und Cholera gestorben waren. Ich spürte, wie mein Atem zitterte.
Das war alles, was von den wunderbaren jungen Männern von vor zehn Jahren übriggeblieben war. Ich wollte meine Qual hinausschreien. So viele junge Männer, vorbei. Diese erledigten alten Männer waren alles, was von ihnen übrig war.
Aber ich legte meinen Schreibblock parat und begann die Namen zu vergleichen. Sie mochten ausgehungert sein, aber sie lebten, und mehr noch, sie waren wieder frei. Also las ich ihre Namen wie sie in das Terminal kamen, und notierte, wohin sie gehen sollten.
Sie starrten überrascht um sich. Sie humpelten langsam, einige halfen anderen, wieder andere schwankten allein und für sich voran. Es war meine Aufgabe zu entscheiden, wohin sie gehen würden.
Einige müsste ich auf die Liste der Arbeitsfähigen setzen, andere auf die Liste der Arbeitsunfähigen. Aber jeder einzelne von ihnen müsste eigentlich in ein Hospital kommen,
müsste gepflegt und mit Lebensmitteln versorgt werden.
Alle würden neue Kleidung brauchen, einige der abgemagerten Männer in den abgetragenen Sachen waren sogar barfuß. Das Mädel vom Hilfskomitee huschte zwischen den ausgemergelten Gestalten herum und verteilte Decken auf ihren Schultern.
Die Männer sahen sie und die uniformierten Frauen mit ungläubigen Augen an. Im Kriegsgefangenenlager hatten sie jahrelang keine Frauen zu Gesicht bekommen. Die Lippen des Mädchens waren zu einem gequälten Lächeln verzogen, während sie Decken um ausgezehrte Schultern legte und sich die Reihen um sie herum vorwärtsbewegten.
Ich schrieb H, für Hospital, hinter jeden Namen auf der Liste. Dann stoppte mein Stift, und ich schaute auf den Namen des Mannes, der als nächster auf meiner Liste stand: Noel Darlington. Ich hob meinen Kopf.
Klapperdürr, weiß wie Kalk, dunkle, eingefallene Augen in seinem Schädel, so stand Noel vor mir. Mein Skelett war Noel. Er war ein wandelndes Skelett, ein lebender Toter, er sah aus, als wäre er gerade aus seinem eigenen Grab gestiegen. Es war unzweifelhaft Noel.
»Noel …!«
Ich legte meinen Arm um ihn herum und zog ihn an mich.
»Noel. Noel.«
Ich fühlte jede einzelne Rippe. Es war kein Ruf der Freude oder Erleichterung, mit dem er mich begrüßte. Es war ein bestürztes Flüstern.
»Dein Arm! Oh mein Gott, was ist mit deinem Arm passiert?«
Ich konnte ihn nicht loslassen. Ich hielt meinen skelettartigen Liebsten eng an mich gepreßt. Ich zitterte, oder zitterte er und übertrug es auf uns beide? Um uns herum murmelten die Stimmen, ehrfürchtig und glücklich für uns.
»Brüder. Sie müssen Brüder sein! Seht …!«
Ich konnte ihn nicht loslassen. Ich ließ ihn nicht los. Wie ich meine Arbeit beendete weiß ich nicht, ich hielt ihn und er hielt mich. Ich schrieb alle Namen auf. Wir brachten die Männer zu den LKWs. Ich hielt Noel an meiner Seite.
Ich würde ihn nicht ins Hospital schicken und ihn wieder verlieren. Nein! Ich war wild entschlossen, ihn bei mir zu behalten. Er fuhr mit mir im Führerhaus des LKW, meinen Mantel über seiner dünnen Uniform.
»Du hast überlebt.«
Er flüsterte.
»Du hast es getan. Du hast überlebt für mich.«
Die Fahrerin setzte uns vor meinem Haus ab. Mehr konnte sie nicht tun für uns. Ihr faltiges Gesicht war voller Tränen bei unserem Anblick. Sie hatte einem großen Umweg gemacht, um uns nach Hause zu bringen.
»Viel Glück. Viel Glück mit ihm,« rief sie uns nach.
Es dämmerte bereits, federleichter Schnee taumelte durch das blaue Zwielicht. Ich hielt Noel auf seinen Füßen. Mittlerweile war er nicht mehr in der Lage zu laufen. Vor uns leuchteten die Fenster, eine Kerze im Fenster eines jeden Zimmers, groß und weiß, umgeben vom geschmolzenen Reif der Fensterscheiben.
Meine Nachbarn hatten die Kerzen von Mrs. Keitch gekauft und sie zum Weihnachtsfest angezündet. Nur mein Fenster im obersten Stockwerk war noch dunkel. Ich brachte Noel unter die Zweige der Eingangstür.
Die Treppen schafften mich. Er war so leicht. Unter meinem Mantel, da war nichts, um ein Paar Arme damit zu füllen. Aber ich hatte nur einen Arm um ihn zu halten. Es war zu viel. Ich schleppte ihn nach oben, Stufe für Stufe, unsere Schuhe schleiften über den Boden.
Es war schwer. Diese Geräusche lockten meine Nachbarn ins schummrige Treppenhaus; das ältere Ehepaar schaute von oben herab, die beiden Kinder klammerten sich an das Geländer, Mrs. Keitch und der alte Mann vom Erdgeschoß sahen uns an.
»Was ist los?«
»Er kommt nach Hause.«
Sie fragten nicht wer Noel war oder was er für mich war, es war nur wichtig, dass er ein verloren geglaubter Soldat war, welcher endlich nach Hause kam. Ihre vielen Arme griffen nach uns und trugen uns nach oben.
»Ein Gefangenenaustausch, gerade rechtzeitig für Weihnachten!«
Der Elektroheizer in meinem Zimmer glühte. Ich fühlte die Wärme auf meinen Wangen, als wir den Raum betraten. Er musste schon seit längerer Zeit laufen, um das Zimmer dermaßen aufzuheizen.
»Er ist so dünn, der arme Mann!«
Sie legten Noel auf mein Bett und wollten gehen.
»Moment. Ich danke euch.«
Ich griff in die Taschen meines Mantels und holte die Orangen hervor.
»Für euch. Danke.«
Sie blieben in meinem Zimmer, halfen mir, drängten sich um mich in meiner Freude.
»Frohe Weihnachten, Mr. Anthoni!«, flötete das kleinere Kind in seiner hohen Stimme.
Der süß-säuerliche Geruch von geschälten Orangen erfüllte die Luft. Mrs. Keitch brachte ihr Hühnchen, goldbraun gebraten mit knusprigem Fett, und teilte es mit uns allen. Die Mutter der Kinder hatte kleine Püppchen als Geschenke für sie in Küchenpapier eingewickelt.
Sie öffneten die Päckchen in meinem Zimmer und teilten ihre Freude mit uns. Der alte Mann aus dem Erdgeschoß brachte in Folie eingewickelte Schokolade. All diese Gesichter leuchteten vor Freude und feierten mit mir die Rückkehr Noels.
Ich hielt Noel die ganze Zeit dicht an mich gepresst, fütterte ihn mit Orangenscheiben und kleinen Stückchen Hühnerfleisch. Er lächelte und küsste meine Finger. Er hielt seine Wange an mich gedrückt.
Unglaublich, mit so vielen Menschen darin wurde das Zimmer warm, und wir konnten unsere Tücher und Pullover ausziehen. Sogar Noels kalte Haut wurde warm, mit meinen Decken um ihn gewickelt.
Als alle gegangen waren schlief Noel, völlig übermüdet, unter meinem Arm, perfekt warm, und ich lag wach im Dunkeln neben ihm. Ich brauchte keinen Schlaf. Meine Gedanken rasten über all die Dinge, die ich würde tun müssen, um ihn wieder stark und gesund zu bekommen.
Es würde schwer werden, zusätzliche Lebensmittel zu bekommen, aber ich würde einen Weg finden. Ich war mir absolut sicher. Ich würde ihn zu seinem alten Ich zurückbringen. Keine Träume mehr.
Das Skelett war gekommen. Ich küsste ihn. Niemals wieder würde ich träumen, dass das Skelett zu mir käme, denn jetzt hatte ich ihn und würde ihn für immer bei mir behalten. Weit entfernt hörte ich eine Kirchenglocke läuten. Es läutete zwölfmal, Mitternacht.
Es war Weihnachten. Schnee bedeckte die Trümmer der Stadt mit einem weichen, weißen Laken. Mein Zimmer war herrlich warm und mein Liebster lag neben mir in meinem Bett. Ich schloss meine Augen. Noel.
*-*Ende*-*

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Information Der Traum
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:18 AM - No Replies

Ein Tag wie jeder andere? Bestimmt nicht! Ärgerlich saß ich in meinem Zimmer vor meinem PC und starrte auf den Monitor. Heut war der Brief vom Arzt gekommen. Ich sollte in den Ferien für sechs Wochen an die Nordsee.
Ich kickte mit dem Turnschuh die offene Schublade zu. Zudem merkte ich, wie es mir hochstieg, die Wut, die Verzweiflung und schon passierte es. Ich fing an zu husten, nein richtig zu bellen. Vor Schmerzen ging ich in die Knie und hielt meiner Hand an den Hals.
Die Tür sprang auf und meine Mutter kam herein.
„Mein Gott Alexander. Komm steht auf, sonst kriegst du keine Luft mehr!“, kam es von ihr.
Sie half mir auf und ich lehnte mich an ihre Schulter. Langsam ließ der Husten nach und ich bekam wieder Luft. Sanft streichelte sie mir übers Haar.
„So ist es gut, versuch ruhig zu atmen.“
Der Hustenanfall war sehr heftig gewesen, mein Herz pochte noch immer wie wild. Ich hatte Tränen in den Augen, die mir der Schmerz in der Lunge in die Augen getrieben hatte.
„Und ihr meint wirklich, ein Aufenthalt an der Nordsee hilft?“, fragte ich sie noch immer schwer atmend.
„Doktor Klug, hat dir einen tollen Platz gesucht, ja und jeder weiß wie gut die Luft da oben ist, gerade wenn man so geplagt ist wie du.“
„Sechs Wochen ist eine lange Zeit und ohne euch, was passiert wenn ich so einen Hustenanfall bekomme und ihr seid nicht in der Nähe?“
„Alexander, du bist siebzehn und kein kleines Kind mehr.Dort oben bist du genauso betreut wie hier auch, die wissen wahrscheinlich mehr über Atemwegserkrankungen als wir beide zusammen.“
Ich wollte nicht alleine da hoch, wo ich niemand kannte, zudem man dort auch noch anders sprach, als hier im Süden. Aber es half nichts, meine Mutter hatte sich fest dazu entschlossen, es geht ja um mein Wohl.
Die Wochen bis zu den Ferien verrannen und die Sommerferien standen vor der Tür. Mein Zeugnis war gut ausgefallen, na ja obwohl der Vermerk am Schulsport nicht teilgenommen drin stand. Aber körperlicher Ertüchtigung war mir strengstens vom Arzt verboten worden.
Sollte mir ja recht sein, eine Freistunde mehr, aber oft sah ich die anderen beim Sport oder Schwimmen und hätte zu gerne mitgemacht. So saß ich nun daheim und packte mit meiner Mutter zusammen die zwei Koffer.
Wenn ich recht überlegte, waren es eigentlich gar nicht soviel Klamotten für sechs Wochen, obwohl die Koffer am Schluss sehr schwer waren. Mein Vater kam rechtzeitig von der Arbeit mit und konnte somit diese Schwergewichte ins Auto verstauen.
Ich saß vor dem Haus auf der Bank und beobachtete ihn, wie er die Koffer in den Wagen hievte. Er schloss den Kofferraum und gesellte sich zu mir.
„Sieh mal Alexander, ich war von der Idee am Anfang auch nicht begeistert. Ich lasse dich ungern irgendwo alleine hingehen, aber wenn es dir hilft dieser schreckliche Husten loszubekommen, soll’s mir recht sein. Es geht alleine um dich, nicht um mich oder Mama.“
Ich versuchte es mit einem Lächeln, und mein Vater schien beruhigt. Zu dritt fuhren wir dann zum Bahnhof. Dort angekommen, bekamen wir mit, dass mein Zug Verspätung hatte. Wie sollte es denn auch anders sein bei der Bahn.
Mein Vater gab die Koffer auf und wir liefen gemeinsam zum Bahnsteig.
„Wenn etwas sein sollte, ruf einfach an, auf jeden Fall ob du gut angekommen bist“, meinte meine Mutter.
Ich nickte ihr nur zu, mir war jetzt nicht nach reden. Im Gedanken war ich schon lange im Zug, der nun auch endlich einrollte. Mein Vater gab mir meinen kleinen Rucksack und drückte mich zum Abschied.
Normalerweise finde ich so was ja nicht mehr so toll, aber diesmal tat es mir gut. Ebenso wurde ich auch von meiner Mutter gemeuchelmordet, sie drückte sehr arg zu. Im Abteil angekommen, ging ich ans Fenster und schaute hinaus.
Ich sah in zwei besorgte Gesichter, die mir zu lächelten.
* *
„Meinst du es war Richtig?“
„Christa, mache dir da mal keine Gedanken um Alexander, es wird schon gut gehen.“
„Jörg ich hab trotzdem Angst.“
„Meinst du er findet endlich das was er sucht?“
„Wie meinst du das?“
„Ab und zu werde ich aus dir nicht schlau. Hast du nie gemerkt wie einsam unser Sohn ist?“
„Doch schon..“
„Er hat nie Interesse an Mädchen gezeigt.“
„Du meinst…?“
„Ja, das meine ich, unser Alex steht auf Jungs.“
„Warum ist er damit nie zu uns gekommen?“
„Hallo Mami ich bin schwul? Wie denkst du dir das? Es kommt einfach so rüber?“
„Und was sollen wir jetzt machen?“
„Uns ruhig verhalten.“
„Und was ist mit dem Umzug?“
„Jetzt warte es doch erst mal ab, wie es ihm da oben gefällt.“
„Ich mach mir Sorgen um ihn.“
„Jetzt traue deinem Sohn doch mal etwas zu.“
„Es fällt mir so schwer.“
„Das merke ich. Lass ihn das jetzt mal durchziehen mit der Kur, du wirst sehen, es geht alles gut.“
„Ist das alles, was ich tun kann?“
„Ja, und jetzt winke, der Zug rollt an.“
*-*-*
Dass meine Mutter nicht noch ein weises Taschentuch hervorholte wunderte mich. Langsam verlor ich die beiden aus den Augen der Zug rollte vom Bahnhofsgelände und nahm an Geschwindigkeit zu.
Ich ließ mich in einer der Fenstersitze fallen und schaute hinaus. Hier im Abteil war es angenehm kühl, trotz der Sonne die auf die Scheibe knallte. Die Schiebetür öffnete sich und ein junger Mann schaute herein.
„Fahrkarten bitte.“
Ich griff nach meinem Rucksack, holte meine Fahrkarte heraus und gab sie ihm.
„Ach sie sind der junge Herr Möllendorf, wenn sie irgendetwas brauchen, keine Scheu, kommen sie einfach zu mir.
Ich schaute ihn fragend an.
„Ihre Eltern haben veranlasst, dass wir uns ein wenig um sie kümmern.“
Etwas beschämt schenkte ich dem jungen Zugbegleiter ein Lächeln.
„Ich heiße Alexander und sagen sie bitte du zu mir, ich bin erst siebzehn.“
„Geht in Ordnung Alexander, also melden, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“
Und schon war er wieder im Begriff zu gehen.
„Ach so, Daniel ist mein Name“, meinte er noch und war verschwunden.
Ich verstaute die Fahrkarte wieder und zog ein Buch heraus, dass ich schon zu Hause angefangen hatte zu lesen. Irgendwann musste ich beim Lesen eingeschlafen sein, denn ich schrak auf, als der Zug zum Halten kam.
Ich schaute hinaus und betrachte mir das Getümmel von Menschen auf den Bahnsteigen. > Frankfurt < Wie lange hatte ich geschlafen? Eine Durchsage kam, und schon setzte sich der Zug wieder in Bewegung.
Eine alte Dame betrat das Abteil und nickte mir freundlich zu. Ich erwiderte ihren Gruß und widmete mich wieder meinem Buch. Doch so richtig konnte ich mich nicht konzentrieren, denn die alte Dame hatte die ganze Zeit irgendwas an sich zu schaffen.
Sie öffnete ihre Handtasche und zog irgendetwas heraus. Ich hörte nur ein „pfft“…. und schon stieg mir ein Geruch von penetrant riechendem Parfüm in die Nase. Langsam spürte ich wie sich in mir alles anfing zu verkrampfen. Ich konnte nur eins tun, aufstehen und das Abteil verlassen.
Auf dem Gang kam mir Daniel entgegen.
„Ist irgendwas, Alexander?“
Ich wollte antworten, aber das Husten übermannte mich.
„He ruhig mein Kleiner ..ruhig atmen“, hörte ich ihn sagen.
Er legte seine Hand auf meine Schulter und es fühlte sich gut an. Ich schaute zu ihm und spürte wie der Reiz in meinem Hals nachließ.
„Noch mal gut gegangen“, meinte ich zu ihm. Da sitzt eine ältere Dame in meinem Abteil, die hat sich grad einparfümiert.“
„Ach, ich verstehe… warte einen Moment.“
Ich schaute ihm nach und er betrat mein Abteil. Leise hörte ich die aufgeregte Stimme der Frau und sah wie Daniel langsam heraus kam.
„Ich bedanke mich Recht herzlich für ihr Verständnis, gnädige Frau“, hörte ich ihn sagen.
Dann kam er wieder zu mir zurück und schaute mich an.
„Penetrant ist gar kein Ausdruck“, meinte er und ich musste lachen, „komm mit ich spendier dir was zu trinken.
Ich folgte ihm den Gang entlang und er öffnete ein Abteil, anscheinend war dies Seins. Er öffnete eine Kühlbox und reichte mir eine Cola.
„Danke“, sagte ich und trank ein wenig.
Einige Zeit später saß ich wieder in meinem Abteil. Die Dame entschuldigte sich tausendfach und es begann mich langsam zu nerven. Irgendwann sagte ich zu ihr ich sein ein wenig erschöpft und ich wollte ein wenig schlafen, sofort war die Frau ruhig.
Ich schloss die Augen und lauschte den Geräuschen. Irgendwann war ich wirklich eingeschlafen und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt.
„Alexander wach bitte auf, wir sind bald da.“
Das war Daniel. Er stand ein wenig über mich gebeugt und hatte ein breites Grinsen auf den Lippen, als ich die Augen öffnete.
„Habe ich solange geschlafen?“
„Scheint so, jedenfalls die letzten drei Stunden, wenn ich nach dir geschaut habe, schon.“
„Dann werde ich mal meine Habseligkeiten zusammen suchen, bevor wir in Hamburg ankommen.“
„Gut mach das, wir werden uns draußen treffen, bei deinem Gepäck.“
„Wie? Bleibst du nicht hier im Zug?“ fragte ich erstaunt.
„Nein ich werde dich bis am Schluss begleiten“, sagte er.
„Cool“, brachte ich nur hervor.
*-*-*
Es ging noch eine ganze Zeit in einem Bummelzug weiter, bis ich endlich an einem kleinen Bahnhof irgendwo in der Pampa stand. Daniel hatte sich sehr lieb von mir verabschiedet und mir sogar seine Handynummer da gelassen.
Ich schaute mich um und bemerkte, dass ich wohl der Einzigste auf dieser Station war. Ich zog mein Rucksack ab, um nach meinen Unterlagen zu schauen.
„Hallo.“
Ich schaute auf und sah eine Frau auf mich zu kommen. Was mir gleich auffiel, sie strahlte übers ganze Gesicht. Sie hatte mich erreicht.
„Hallo, bist du Alexander?“
Ich nickte.
„Entschuldige die Verspätung, aber ich hatte noch einen Zugang bei den Pferden, also nun bist du hier… ich bin die Corinna“, sagte die Frau und streckte die Hand entgegen.
„Hallo Corinna“, sagte ich und schüttelte die Hand.
Ich wollte gerade einer meiner Koffer anheben, als sie mich davon abhielt.
„Na, na, lass ihn bitte stehen, mit Gewichte heben fangen wir erst nächste Woche an“, sagte sie.
Ich schaute sie erstaunt an.
„Schau nicht so, ich kenne dein Krankheitsbild, und Gewichte heben sind ja wohl verboten“, meinte sie und drehte sich um, „Georg, wo bleibst du denn?“
Ganz hinten an der Station tauchte jemand auf.
„Mein Sohn Georg trödelt wie immer.“
„Mum, ich wollte gerade noch den Bericht im Radio fertig hören, was ist denn?“
„Hilfst du mir mal mit den Koffern?“, fragte sie, was für mich eher wie ein Befehl klang, als eine Frage.
Ohne zu Murren nahm Georg den einen Koffer, nickte mir zu und lief den Weg zurück. Corinna nahm den anderen und zog ihn hinter sich her, wir folgten Georg.
„Wundere dich nicht über meinen Sohn, Fremden gegenüber ist er immer etwas scheu.“
Das kann ja heiter werden, dachte ich und trottete hinter Corinna her. Wir bogen um die Ecke und ich sah Georg an einem Pickup, wir er gerade den Koffer auf die Ladefläche stellte.
„Willst du fahren, Georg?“, fragte sie ihn.
Er lächelte und fing den Schlüssel auf, der ihm seine Mutter zuwarf. Ich hätte ihn auf sechzehn geschätzt, aber er schien wohl schon achtzehn zu sein. Ich ertappte mich dabei wie ich Georg musterte, ließ aber davon ab, als er meinen Blick erwiderte.
Corinna öffnete die Tür und weiß mich ein zusteigen. Ich kletterte in den Wagen und saß nun in der Mitte. Georg startete den Wagen und er hoppelte auf die Straße.
„Georg macht gerade den Führerschein“, sagte Corinna.
„Mum“, kam es vorwurfsvoll von ihm.
„Hast du schon den Führerschein?“, fragte mich Corinna.
„Ich bin erst siebzehn“, sagte ich leise.
„Ist Georg auch, also ein Grund, aber kein Hindernis.“
Langsam fuhr Georg die Straße hinunter.
„Du kannst ruhig schneller fahren“, meinte Corinna.
„Die Straße ist so eng“, erwiderte Georg.
Ich musste lächeln. Georg und seine Mutter verstanden sich wohl prächtig, denn spätestens jetzt wäre jeder Jugendliche an die Decke gefahren, bei diesem piesackenden Ton seiner Mutter.
„Und außerdem, bin ich nicht der Rennfahrer in der Familie“, gab er zurück.
„Nein deine Schwester“, entgegneter sie, worüber sich sie beide anfingen zu lachen.
Es dauerte nicht lange, da bog Georg in eine Einfahrt ab. Auf einem großen Schild konnte ich Reiterhof Hellmann lesen. Hier wurde Georg anscheinend doch mutiger und bretzelte den Weg entlang, dass Staubwolken hinter uns sich auftürmten.
„Übertreiben brauchst du es jetzt nicht, Sohnemann“, meinte Corinna.
*-*-*
„So und das hier ist dein Zimmer, soll ich dir beim Auspacken helfen?“, fragte Corinna.
„Nein danke und das Zimmer gefällt mir“, antwortete ich.
Corinna ließ mich alleine und ich fing an meine Koffer auszupacken und in den Schränkchen zu verteilen. Es war zwar nicht ein Hotelzimmer, aber das gerade gefiel mir, ich überlegte sogar ob nicht ein oder zwei Poster an der Wand, es noch gemütlicher machen würden.
Ich wollte gerade den einen Koffer auf den Schrank wuchten, als es an der Tür klopfte.
„Herein.“
Die Tür öffnete sich und eine junge Frau schaute herein.
„Hallo Alexander, ich bin Steffi, die Tochter des Hauses.“
Artig gab ich Patschhand und setzte ein charmantes Lächeln auf.
„Brauchst du noch irgendwas?“, fragte sie mich.
„Wenn du so frägst, wo kann ich hier denn etwas zu trinken bekommen?“
„Die Treppe runter und dann rechts, dort ist die Küche. Hermine unsere Köchin hat alles was dein Herz begehrt“, antwortete sie.
„Danke!“, erwiderte ich nur und sie verließ mich wieder.
Ich war ein wenig geschafft, bis ich alles verstaut hatte. Ich zog mir eine Shorts an und ein neues Shirt und beschloss runter auf Erkundungstour zu gehen. Unten in der Küche war wirklich eine Frau die sich als Hermine vorstellte und entsprach wirklich dem Bild einer Köchin.
Rote Wangen, dick und gutmütig. Ich entschloss mich für eine kalte Milch. Ich zog sie in einem Zug herunter.
„Noch ein Glas, junger Mann?“, fragte Hermine.
„Oh ja, das tut gut!“, meinte ich.
Sie schenkte mir noch einmal nach und stellte den Krug zurück in den Kühlschrank.
„Wenn du etwas anderes trinken möchtest, hier im Nebenzimmer steht ein Kühlschrank mit den anderen Getränken da kannst du dich bedienen“, sagte sie zu mir.
Corinna kam herein und stellte ein Korb Gemüse auf den Tisch.
„Was ist das eigentlich hier, eine Art Reiterhotel? Ich frage deshalb, weil ich bei ihnen im Haus wohne und nicht in dem anderen Gebäude“, wandte ich mich an Corinna.
Corinna setzte sich an den Tisch und weiß mich ebenso Platz zunehmen.
„Erst mal kannst du ruhig du zu mir sagen, du bist ja jetzt schließlich sechs Wochen bei uns in der Familie. Und du wohnst deshalb bei uns im Haus und nicht bei den anderen Gästen oder Gruppen, weil du unter Beobachtung bist.“
Ich hörte ihr aufmerksam zu und nippte an meiner Milch.
„Doktor Klug und ich haben zusammen Medizin studiert. Ich habe ebenso als Ärztin praktiziert bis ich meinen jetzigen Mann geheiratet habe und ihm hier zur Hand ging. Alfons, also Doktor Klug trat aber dann irgendwann auf mich zu und fragte ob ich nicht auch jemand zum Kuren aufnehmen würde.“
„Bin ich hier jetzt der einzigste Kurgast?“, fragte ich etwas erstaunt.
„Wenn du so willst ja, die anderen Gäste kommen um Urlaub zu machen, oder die Jugendgruppen um ihre Reitkenntnisse aufzufrischen. Kannst du reiten?“, fragte Corinna mich.
„Nein, ich war noch nie auf einem Pferd gesessen.“
„Wollen wir gleich damit anfangen?“
„Jetzt… gleich?“
„Natürlich.“
„Ich hab doch gar nichts dafür zum Anziehen“, meinte ich und schaute an mir herunter.
„Keine Sorge, es wird sich bestimmt etwas finden und zu dem hast du die gleiche Größe wie Georg, da finden wir bestimmt was.“
Corinna stand auf und ging zum Telefon.
„Hi Georg ich bin es, könntest du bei der Leihwäsche schauen ob du etwas in deiner Größe findest…..ja für Alexander..“
Sie schaute zu mir herüber.
„Schuhgröße?“
„43″, sagte ich.
„43 Georg…. gut bis gleich.“
Sie legte wieder auf.
„Geh schon mal in dein Zimmer, Georg bringt es dir rauf!“, sagte Corinna.
*-*-*
Ich wartete ein wenig und zog dann meine Turnschuhe aus. Es klopfte und ohne auf mein ja zu warten kam Georg herein.
„Hallo Alexander, hier habe ich drei Reiterhosen und zwei verschiedene Stiefelpaare. Würdest du sie gleich anprobieren, damit ich weiß, ob sie passen?“
Ich sollte mich vor ihm ausziehen? Das alleine verpasste mir schon eine rote Birne. Mein Puls ging hoch und es kam was kommen musste. Mein Husten startete auf Kommando. Ich stützte mich am Stuhl ab um nicht wieder in die Knie zu gehen.
Georg ließ die Klamotten fallen und schrie in den Flur.
„Mum kommst du, er hat einen Anfall.“
Danach kam er zu mir und legte sanft seine Hand auf meine Rücken. Das Bellen wurde nicht schwächer und ich fing an Atemprobleme zu bekommen. Meine Knie wurden weich und ich drohte wegzusacken.
Wenn da nicht Georg gewesen wäre. Er stellte sich zu mir und nahm mich leicht in den Arm, so konnte ich nicht umfallen. Corinna kam hereingestürzt und entband ihren Sohn seiner Aufgabe.
„Ganz ruhig Alexander, versuche normal zu atmen“, sagte sie und stütze mich dabei.
Georg stand noch immer neben uns und sah mich besorgt an. Der Husten flaute ab und Corinna half mir mich zu setzten.
„Was war der Auslöser?“ fragte sie mich.
Wieder wurde ich rot.
„Georg, lässt du uns bitte mal für fünf Minuten alleine und hol für Alexander etwas zu trinken“, sagte sie.
Er nickte, verließ das Zimmer und schloß die Tür.
„So Alexander wir sind alleine, jetzt können wir reden.“
Ich schaute sie bloß an.
„Ich weiß es kostet dich jetzt einiges an Überwindung, aber vieler deiner Anfälle sind hausgemacht“, meinte sie.
„Hausgemacht?“, fragte ich noch schwer atmend.
„Ja du kommst in irgendeine Situation, die dir unangenehm ist oder worüber du dich ärgerst, und schon ist dein Husten da.“
Ich senkte den Blick.
„Alexander, ich weiß es ist schwer. Sie mich jetzt mal nicht als Chefin oder Ärztin an, sondern eher als Freundin. Was war eben der Auslöser?“
„Ich habe da noch nicht mit jemanden drüber geredet.“
„So schlimm kann es nicht sein, oder?
„Ich weiß nicht, was sie … du dann von mir hältst.“
„Also ich kann von mir behaupten, ich bin sehr offen allem gegenüber. Also raus mit der Sprache, was bedrückt dich.“
„Ich weiß nicht wie ich anfangen soll.“
„Einfach was dir einfällt… geradeaus.“
„Ich… ich bin schwul und Georg gefällt mir…“
Eine kurze Pause entstand und ich wartete auf einen Donnerwetter.
„Das wird ihm sicherlich schmeicheln, vielleicht gefällst du ihm ja auch.“
Wie bitte… was war das? Ich schaute Corinna direkt in die Augen.
„Alexander, Georg wird dir das sicherlich selbst sagen, ich will da nicht vorgreifen, wie ich es schon eh getan habe“, meinte sie mit einem Lächeln, „war es aber jetzt so schwer mir das zu erzählen?“
„Nein… eigentlich nicht.“
„Und warum fingst du eben mit dem Husten an?“
„Ich sollte mich vor Georg ausziehen…“
Ich hatte plötzlich das Gefühl ich konnte Corinna alles erzählen, eine nichtbekannte Ruhe breitete sich in mir aus.
„Du wärst nicht der Erste, den er ohne was sieht, jedenfalls ohne Hose. Ich schick Georg jetzt wieder zu dir rauf und dann unterhältst du dich mit ihm, okay?“
Ich nickte.
„Gut, und in einer halben Stunde möchte ich dich bitte am Stall sehen“, meinte sie und ging aus meinem Zimmer.
Ein wenig später, klopfte es an meiner Tür.
„Ja?“
Georg kam herein.
„Alles wieder gut?“, fragte er besorgt.
„Ja, es geht wieder.“
„Mum meinte, wir sollen miteinander reden? Weißt du, was sie damit meinte?“
„Ja…. ich …“
Ich musste leicht husten. Georg kam zu mir ans Bett, wo ich saß.
„He ganz ruhig Alexander, es gibt nichts worüber wir zwei nicht reden könnten.“
„Auch nicht, das du mir sehr gefällst?“
So nun war es draußen. Ich kannte Georg, erst drei Stunden und machte ihm schon solche Offenbarungen. Ein kleiner Hustreiz kündigte sich an, aber ich brachte es fertig ihn zu unterdrücken, in dem ich versuchte ruhig weiter zu atmen.
Ein breites Grinsen entstand auf Georgs Gesicht.
„Du bist auch schwul?“ meinte er und setzte sich neben mich.
„Du auch?“
„Ja.“
„Wow!“, brachte ich nur heraus.
Wir saßen nur da und schauten uns an, bis Georg auf seine Uhr schaute.
„Du solltest dich lieber umziehen, Mum wartet nicht gerne.“
Womit wir wieder beim Thema waren.
„Komm, du brauchst dich nicht genieren, so gut wie du aussiehst“, sagte Georg und hob mir einer Hose entgegen.
Ich und gut aussehen, brauchte Georg eine Brille? Ein Hungerhaken…, dünn wie ein Brett, Muskeln waren bei mir nur zu erahnen. Auf den Rippen konnte man Klavier spielen. Ich ließ meine Shorts zu Boden gleiten und zog die Reiterhose an.
„He, die passt ja wie angegossen“, meinte er und lächelte wieder.
Ich schaute in den Spiegel und er hatte Recht, die war wie für mich genäht.
„So und nun rein in die Stiefel.“
Das war dann doch schon mehr mit Schwierigkeiten verbunden, weil ich keine Stiefel gewohnt war.
Aber mit ein wenig Hilfe von Georg, schaffte ich es dann doch sie an zuziehen.
*-*-*
„Ah, da seid ihr ja, und alles geregelt zwischen euch?“, fragte Corinna als wir im Stall ankamen.
Ich nickte und Georg bejahte es.
„So nun komm mal her. Das hier ist Brighton, eine etwas ältere Dame, also sehr ruhig“, meinte Corinna und schob mich zu einen Pferd.
„Du brauchst keine Angst vor ihr zu haben“, meinte sie und gab mir ein Stück Zucker in die Hand.
Vorsichtig hob ich meine Hand und das Pferd holte sich den Zucker. Es kitzelte ein wenig und ich musste grinsen.
„Siehst du, geht doch. Georg hilfst du mir mal?“
Corinna zog das Pferd ins Freie und gemächlich trottete es hinter ihr her. Georg zeigte mir wie ich mich hin zustellen hatte, damit er mir aufs Pferd helfen konnte und es ging leichter, als ich mir das vorgestellt hatte.
Irgendwie fühlte ich mich jetzt anders, so hoch auf dem Pferd. Georg verschwand wieder im Stall um kurz darauf mit einem anderen Pferd zu erscheinen. Es hatte dieselbe schöne dunkelbraune Farbe wie meins.
Er stieg auf und Corinna gab ihm die Führungsleine von meinem Pferd.
„Dann wünsch ich euch beiden Mal viel Spass und Alexander ganz entspannt bleiben, keine Sorge, Georg ist bei dir.“
Ich nickte und schon ging es los. Gemächlich lief Brighton neben Georgs Pferd her, bis wir das Grundstück verlassen hatten.
„Und wie gefällt dir das?“, fragte Georg.
„Wahnsinn!“, erwiderte ich nur.
„Wollen wir das Tempo ein wenig erhöhen?“
Ich schaute etwas ängstlich.
„Keine Sorge, ich bin ja bei dir, es passiert schon nichts, wir gehen nur in leichten Trab über“, sagte er zu mir und ehe ich mich versah, trabte ich schon neben ihm her.
Ich genoss die frische Luft, die mir um die Nase wehte. Ließ mich einfach treiben, mit meinen Gedanken, die im Augenblick ein großes Wirrwarr waren. Georg ritt leicht versetzt vor mir, so konnte ich gut beobachten.
Er schien viel zu reiten, denn er hatte eine Traumfigur, muskulös aber nicht übertrieben. Sein leicht lockiges Haar, tanzte im Wind und federte bei jedem Schritt seines Pferdes.
„Und, wie gefällt dir das reiten?“, fragte mich Georg.
„Gut“, gab ich zur Antwort.
„Nur gut? Das ist das Beste was es gibt!“
Er lächelte mir zu und schaute wieder nach vorne. Mittlerweile waren wir am Strand angekommen. Georg hatte Recht. Ich genoss es an der Wasserlinie entlang zu reiten. Irgendwie wurde ich im Kopf freier, mein Schwulsein, meine Krankheit und meine Zukunft.
Nach einer Weile senkte Georg das Tempo wieder und blieb mit seinem Pferd dann stehn.
„Komm lassen wir die beiden ein wenig ausruhen“, sagte er.
Er half mir vom Pferd herunter und band beide an ein Stück Holz, das aus dem Sand ragte.
„Hast du etwas bemerkt?“, fragte er mich.
Ich schaute ihn an.
„Was meinst du?“
„Du hast nicht ein einziges Mal gehustet, seit wir losgeritten sind.“
„Stimmt!“, sagte ich verwundert.
„Die Luft ist auch herrlich“, meinte er, ließ sich auf den Boden fallen und starrte zum Meer hinaus.
„Stimmt irgendetwas nicht?“, fragte ich nach einer Weile.
„Was hast du gefragt?“, meinte er und ich schien ihn aus irgendwelchen Gedanken gerissen zu haben.
„Ob irgendetwas nicht stimmt?“, wiederholte ich meine Frage.
„Es stimmt überhaupt nichts mehr…“
Ich sah ihn an und spürte, dass es in seinem Kopf arbeitete.
„Ich habe meinen Freund mit einem anderen erwischt…“ kam es leise von ihm.
Ups, dachte ich, voll ins Wespennest gestochen. Ich saß neben ihm und wusste nicht was ich sagen sollte.
„Du bist genauso sprachlos wie ich…“ meinte er zu mir und ich bemerkte seine feuchten Augen.
Ich legte meinen Arm um ihn, aber er wehrte ihn ab.
„Sorry Alexander, aber das kann ich jetzt nicht haben“, sagte er und nahm eine abwehrende Haltung an.
„Tut mir leid“, meinte ich nur.
Ich spürte wie der Drang zum Husten in mir hochstieg und stand auf. Langsam versuchte ich weiter zu atmen, doch es half nichts, ich fing ordentlich an zu bellen. Mir wurde regelrecht schwindelig, weil es mir schwer fiel Luft zu holen.
„Alexander nicht doch…das wollte ich nicht.“
Das nahm ich aber schon nicht mehr richtig war. Ich kippte nach vorne und versuchte Luft zu bekommen. Georgs Arm spürte ich unter meiner Brust, das war noch das Einzigste was ich mit bekam und alles wurde schwarz.
*-*-*
Mein Hals war so trocken, als ich versuchte meine Augen zu öffnen.
„Alexander?“, hörte ich eine Stimme.
Ich musste mich orientieren wo ich war, am Strand jedenfalls nicht mehr. Langsam kam die Erinnerung wieder was vorgefallen war und ich dachte schon mein Husten würde wieder einsetzten, als ich etwas auf meinem Mund bemerkte.
Es war eine Atemmaske. Ich griff nach ihr und versuchte sie weg zuziehen.
„Die lässt du mal schön drauf“, hörte ich Corinna sagen.
Ich drehte meinen Kopf in ihre Richtung.
„Da bist du ja wieder, hast Georg ja einen ganz schönen Schrecken eingejagt!“, kam von ihr.
Hilflos schaute ich sie an, denn mit dem Teil auf dem Mund konnte ich nicht antworten. Ich sah mich um und stellte fest, dass ich wieder in meinem Zimmer, in meinem Bett lag.
„Falls du Georg suchst, der ist gerade auf der Toilette, er saß die ganze Zeit bei dir“, meinte Corinna.
Ich spürte wie ich anfing zu weinen. Corinna strich mir über die Haare.
„He Alexander, es ist doch alles wieder in Ordnung.“
Ich schüttelte den Kopf. Vorsichtig nahm sie mir die Maske ab. Mein Mund fühlte sich wie ausgetrocknet an.
„Durst?“, fragte Corinna.
Ich nickte. Sie half mir auf und gab mir etwas Wasser zu trinken.
„Nicht so hastig, es ist genug da“, meinte sie und lächelte.
Ich ließ mich wieder zurückfallen.
„Hört das je auf?“, fragte ich und spürte, wie sich die Verzweiflung in mir breit machte.
„Irgendwann… es liegt an dir…“, bekam ich als Antwort.
*-*-*
Anscheinend war ich wieder eingeschlafen, und so die ganze Nacht geschlafen haben. Die ersten Sonnenstrahlen drangen durch den Holzladen und fielen in den Raum. Neben meinem Bett stand ein Sessel und darauf… darauf lag Georg.
Zusammengekauert und zugedeckt mit einer Decke lag er da und schlief.
„Georg..“, sagte ich leise.
Er reckte sich und öffnete die Augen.
„Warst du die ganze Nacht hier?“, fragte ich leise.
„Ja…“, antwortete er und gähnte.
Ich sah ihn stumm an.
„Ich wollte dich nicht alleine lassen, ich war… war ja irgendwie schuld an deinem Hustanfall.“
„Oh Georg, aber deswegen hättest du doch die ganze Nacht nicht hier verbringen müssen, ich verstehe doch, wenn dir körperliche Nähe zu wider ist.“
„Ich habe mich blöd benommen, du wolltest mir doch nur helfen.“
„Und die Art, wie ich’s machen wollte war dir nicht Recht, na und?“
Er stand auf und streckte sich nochmals.
„Boah mir tut alles weh!“, kam von ihm.
„Das glaube ich sofort, du hättest dich auch neben mich legen können, das Bett ist groß genug.“
„Ich wollte… nicht… nicht nach dem ich dir das gestern angetan habe.“
„Du hast mir nichts angetan, du hast lediglich deinen Standpunkt vertreten.“
„Auf Kosten deiner Gesundheit. Entschuldigung Alexander.“
Er war ganz nah an mich heran getreten und kniete bei mir am Bett. Ich wusste nicht was ich machen sollte, lag einfach nur da und sah ihn an.
„Wollen wir zwei, nach her ein bisschen laufen?“
„Wenn ich aufstehen kann gerne.“
„Deine Beine haben keinen Husten!“, sagte er und legte ein breites Grinsen auf.
„1:0 für dich. Ich würd jetzt aber gerne duschen.“
„Brauchst du Hilfe.“
„Ausziehen kann ich mich noch selbst“, sagte ich und er verließ lächelnd mein Zimmer.
Ich starrte zur Decke. Georg war wirklich ein lieber Kerl und ich war gerne mit ihm zusammen. Aber es half nichts, in fast fünf Wochen müsste ich wieder nach Hause fahren und dann würde ich Georg wahrscheinlich nie wieder sehen.
Es fiel mir schwer das Aufstehen, und doch brachte ich es irgendwie fertig. Als ich nackt unter der Dusche stand, spürte ich meinen Körper wieder. Ich ließ einfach das heiße Wasser auf mich rieseln. Es dauerte noch eine Weile bis ich endlich aus der Dusche trat.
Ich sah mich im Spiegel an und war enttäuscht. Fast weiße Haut, keine Muskeln, nur Haut und Knochen. Ich wollte etwas tun, aber ich traute mich nicht so recht. Die Angst wegen einer Anstrengung einen Hustenanfall zu bekommen, war zu groß.
Ich zog mich an und verließ mein Zimmer. Unten stand die Haustür offen und ich trat nach draußen. Es war schon viel Betrieb. Einige Gäste des Hotels waren schon dabei sich um ihre Leihpferde zu kümmern, einige ritten schon davon.
„Möchtest du etwas frühstücken?“
Ich drehte mich um und hinter mir stand Hermine.
„Ja gerne“, entgegnete ich ihr.
„Setz dich doch einfach hier vors Haus, ich bring dir was.“
„Keine Umstände Hermine, ich kann auch in die Küche kommen.“
„Nichts da, keine Widerrede, setz dich hin und genieß die Morgenluft.
Sie verschwand wieder und ich setzte mich auf die Bank vor das Haus. Drinnen konnte ich Gepolter auf der Treppe hören. Steffi kam zum Vorschein.
„Morgen Alexander, und alles wieder fit?“
„Ja, geht wieder.“
„Dann ist ja gut. So, ich muss rüber zu den Ställen, da warten zwei Gäste auf ihren Reitunterricht.“
Und weg war sie. Ich schaute über das ganze Gelände, aber Georg konnte ich nicht entdecken. Nur seinen Vater, der sich mit Gästen unterhielt.
„So, jetzt frühstückst du erst mal richtig.“
Hermine kam heraus mit einem überladenen Tablett.
„Wer soll das alles essen?“, fragte ich und lächelte sie an.
„Wer weiß vielleicht bekommst du noch Gesellschaft, jetzt genieß es einfach.“
Und schon war sie wieder verschwunden. Als erstes goss ich mir ein Glas Milch ein. Ich beobachtete weiter das Treiben auf dem Hof. Doch etwas abseits, war ich froh hier alleine zu sitzen und von niemand ein Gespräch aufgedrückt zu bekommen.
Aber das hielt nicht lange. Ein Gast trat an mich heran.
„Könnten sie mir bitte weiterhelfen und mir sagen, wo der Reitunterricht stattfindet, ich kann ihren Vater nirgends finden.“
Ich sah ihn erst verwundert an, bis ich verstand, dass er mich für den Sohn von Herr Hellmann hielt. Ich schluckte mein Brötchen herunter.
„Entschuldigen sie, ich bin hier selber Gast, aber wenn sie Herr Hellmann suchen, der ist dort drüben am Gehege und der Reitunterricht ist an den Ställen, dort befindet sich die Tochter des Hauses.“
„Verzeihen sie bitte die Verwechslung“, meinte der Mann.
„Nicht schlimm!“, erwiderte ich und lächelte ihn freundlich an.
Er zog von dannen und ich war wieder alleine, fast… aus dem Haus trat Corinna.
„Gratulation, du bist eingestellt.“
„Hä…wie bitte?“, meinte ich entgeistert.
„So souverän, wie du gerade mit dem Gast umgegangen bist, könnte man meinen du machst das schon ewig.“
Ich begann zu lachen.
„Ich wollte nur nett sein…“
„Das warst du auch. Danke“
Sie lief hinüber zu ihrem Mann, der seinen Arm um sie legte und mit einem Kuss auf die Wange begrüßte. Die beiden lachten mit ihren Gästen und Georgs Vater schaute zu mir herüber und winkte. Ich winkte zurück.
Nach dem letzten Glases Milch trat ein Völlegefühl ein und ich rieb mir über den Bauch. Ich stellte alles artig auf das Tablett und brachte es in die Küche zurück.
„Danke Alexander, stelle es einfach auf den Tisch, ich verräume dann alles“, kam von Hermine, die am Kartoffel schälen war.
„Kann ich irgendwas helfen?“, fragte ich.
„Nein danke Alexander, geh ruhig raus zu den Pferden.“
Ich wusch mir die Hände und trat wieder hinaus ins Freie. Ein Transporter kam aufs Grundstück gefahren. Eine Gewisse Aufregung machte sich breit auf dem Hof und ich bekam auch wieder Georg zu Gesicht.
Ich beschloss mir das ganze aus der Nähe anzuschauen und lief hinüber zu dem Transporter, an dem gerade die Rückwand heruntergelassen wurde.
„Die Polizei hat ihn mit aufs Revier genommen, als er uns das Pferd nicht aushändigen wollte“, sagte der Fahrer.
Corinna zog das Pferd langsam aus dem Wagen und ich erschrak. Es sah total verwahrlost, abgemagert aus und war überzogen mit Striemen. Ein Helfer hielt das Pferd und Corinna kam zu mir.
„Könntest du mir bitte helfen?“, fragte sie.
„Ja gerne, aber bei was?“
„Das Pferd zu versorgen.“
Ich folgte ihr und dem Pferd in die Ställe. Corinna brachte es in eine große Box.
„Alexander, komm zu mir.“
Ich tat wie geheißen und stellte mich neben sie.
„Ich nehme dem Pferd jetzt das Geschirr ab.“
„Und was soll ich tun?“
„Stell dich zu ihm bitte und streichle es, versuch es zu beruhigen. Keine Angst, es passiert dir schon nichts, ich bin bei dir. Trete einfach von vorne auf das Pferd zu, dass es sieht was du machst.“
Etwas mulmig im Bauch trat ich zu dem Pferd und streichelte es vorsichtig am Hals, es zuckte zusammen.
„Hat der Besitzer das Pferd geschlagen?“, fragte ich.
„Nach den Striemen am ganzen Körper zu urteilen, ja.“
Ich sah dem Pferd in die Augen und ließ es einfach an mir schnuppern. Irgendwann traute ich mich es an seine Stirn zu kraulen.
„Es mag dich, sprich ruhig mit ihm, damit er sich an deine Stimme gewöhnen kann“, sagte Corinna und zog eine Spritze auf.
„Er?“
„Ja, das ist ein er, ein Hengst.“
„Meinst du, du bekommst ihn wieder hin?“
„Das kommt auf seine Verfassung an.“
Ich schaute wieder dem Pferd in die Augen, das nervös Corinna mit der Spritze beobachtete.
„Ganz ruhig, das piekt nur ein bisschen“, meinte ich zu dem Pferd.
„Wie heißt er denn?“, fragte ich Corinna.
„Er hat keinen Namen, such du einen aus.“
Ich überlegte krampfhaft und streichelte das Pferd weiter am Hals. Es gab nicht einmal ein laut von sich, als Corinna die Spritze ansetzte.
„So und nun schauen wir mal deine Hufe an mein Freund. Alexander komm her ich zeig dir wie das geht.“
Wieder stellte ich mich neben Corinna.
„Fahr ganz ruhig über seine Lauf und drücke ihn sanft nach hinten“, meinte Corinna und schon hob das Pferd seinen Huf.
„Was ich mir dachte, total verwachsen und die falschen Hufe drauf, darum müssen wir uns gleich kümmern.
„Meinst du, er hat Hunger?“, fragte ich.
„Gute Idee. Draußen im Gang da stehen drei Tröge. Du nimmst dir eine Schüssel und mit der roten Schaufel entnimmst du jedem Trog eine halbe Schaufel und schüttest es in die Schüssel und dann gut vermengen.“
Ich ging aus der Box und sah auch gleich die Behältnisse. Wie es Corinna gesagte hatte, füllte ich die Schüssel und ging mit dem Gemisch wieder zurück in die Box.
„Kann ich ihn einfach Brauner nennen?“, fragte ich.
„Bitte?“, kam es verwundert von Corinna.
„Ich möchte ihn Brauner nennen.“
„Ein etwas ungewöhnlicher Name, aber wenn es dir gefällt, gut… Brauner.“
Ich hob ihm die Schüssel unter die Nase.
„Keinen Hunger?“ fragte ich.
Das Pferd schnaubte.
„Du musst aber was essen…“
Wieder drehte Brauner den Kopf weg, als ich ihm die Schüssel vorhielt.
„Habt ihr hier Möhren?“ fragte ich Corinna.
„Ja, am Ende des Flurs, findest du eine kleine Tür, dahinter ist ein Kühlhaus mit frischem Gemüse und Obst.
Ich stellte die Schüssel an den Rand und verließ wieder die Box. Im Kühlhaus fand ich die Möhren. Ich riss das Grünzeug weg und nahm mir auch noch einen Apfel aus der Kiste. Draußen wusch ich die Karotte und den Apfel ab.
Wieder in der Box, stellte ich mich wieder vor das Pferd.
„Schau mal Brauner, was ich hier hab.“
Ich hielt ihm die Möhre vor. Ein Arbeiter kam und half Corinna bei den Hufen. Etwas abgelenkt von Corinna, war die Karotte schnell vergessen.
„Ruhig Brauner“, meinte ich und streichelte ihn wieder ganz sanft über den Nüstern.
Wieder versuchte ich es mit der Möhre, doch er wollte sie nicht essen.
„Die schmeckt doch ganz prima, guck“, sage ich und biss ein Stück von der Möhre ab.
Brauner schaute mich an und ich hielt ihm die Möhre entgegen. Erst schnupperte er an ihr und dann biss er langsam zu.
„Siehst du, sag dir doch, dass die schmeckt.“
Genüsslich verzerrte er auch noch den Rest der Möhre. Langsam hob ich ihm wieder die Schüssel
entgegen. Brauner schaute mich an.
„Wenn du jetzt meinst, ich koste alles vor, dann bist du falsch gewickelt“, meinte ich.
Corinna fing laut an zu lachen. Brauner senkte den Kopf und fing langsam aus der Schüssel zu essen.
„Geht doch, wer sag’s denn“, meinte ich und streichelte über seine Mähne.
Sie war total verklebt und voll Dreck.
„Wie macht man die denn sauber? Muss man da auch ein Shampoo nehmen?“, fragte ich.
Nun fing auch der Helfer an zu lachen und drückte mir eine Brüste in die Hand.
„Aber langsam, das ziept auch beim Pferd“, meinte er und widmete sich wieder der Hilfe bei Corinna.
Vorsichtig fuhr ich mit der Bürste durch seine Mähne. Brauner fing den Kopf an zu schütteln.
„Jetzt halt doch ruhig, sonst krieg ich da jetzt nie Ordnung rein.
„Alexander“, rief jemand laut in den Stall.
„Ich bin hier in der Box.“
Georg erschien an der Boxtür.
„Ich dachte wir wollten ein bisschen laufen?“, fragte er mich.
„Tut mir leid Georg, aber ich helfe gerade deiner Mutter.“
„Macht nichts Alex, dann geh ich rüber und helf Steffi bei den Gästen, wir sehn uns nachher.“
Und schon war er wieder weg. Corinna sah mich verwundert an. Ich zuckte nur mit den Schultern.
*-*-*
Ich stand am Holzgatter gelehnt und schaute Brauner zu, wie er über die Wiese trottete.
„Na zufrieden?“, kam es von Corinna.
„Es scheint ihm wieder besser zu gehen“, entgegnete ich.
„Das ist noch nicht raus, aber ich hoff mal das Beste. Ach bevor ich es vergesse, du sollst deine Mutter zurück rufen.“
„Oje, die habe ich ganz vergessen.“
„Dann lauf mal schnell rüber und ruf sie an.“
Im Haus suchte ich mir einen stillen Platz und wählte die Nummer von zu Hause. Es klingelte.
„Möllendorf“, meldete es sich auf der anderen Seite.
„Hallo Mum, hier ist Alex.“
„Hallo Alexander, wie geht es dir.“
„Gut, ich war sogar schon reiten.“
„Du bist auf einem Pferd gesessen?“
„Ja und es hat total viel Spass gemacht.“
„Das freut mich, Alexander. Und wie ist es bei dir so?“
„Die Gastfamilie ist voll lieb zu mir, alle kümmern sich sehr um mich.“
„Und schon einen Freund gefunden?“
Ich wunderte mich darüber, wie meine Mutter das Wort Freund betonte.
„Der Sohn des Hauses ist so alt wie ich und wir verstehen und gut“, beantwortete ich ihre Frage.
„Bevor ich es vergesse, nächste Woche hat Papa geschäftlich in deiner Nähe zu tun und ich werde mitkommen.“
„Du warst doch noch nie bei Papas Geschäftsreisen dabei.“
„Diesmal mach ich eine Ausnahme. So kann ich dich wenigstens besuchen.“
„Freut mich und wann?“
„Da werde ich dich noch mal anrufen.“
„Okay Mum.“
„So dann hören wir mal wieder auf, sonst wird es zu teuer.“
„Ja Mum und sag Papa nen lieben Gruß von mir.“
„Mach ich, tschüß Alexander.“
„Tschüß Mum.“
Ich legte wieder auf. Also wollten mich meine Eltern hier besuchen, auch nicht schlecht. Mir fiel Brauner wieder ein, als stürmte ich wieder aus dem Haus und rannte zum Gatter. Als er mich bemerkte, kam er angetrabt.
„Na du, wie geht es dir?“, fragte ich ihn.
Er wieherte leise und schüttelte sein Kopf.
„Ganz ruhig, und nun los renn ein bisschen rum.“
Wie als hätte er mich verstanden, trabte Brauner los quer über die Wiese.
„Er hat schnell Vertrauen zu dir gefunden.“
Ich drehte mich um, hinter mir stand Steffi.
„Findest du?“
„Ja, das ist aber auch gut, er lässt dich auch sicher auf sich reiten.“
„Glaubst du wirklich?“
„Das probieren wir dann irgendwann aus“, meinte Steffi und ging zurück ins Haus.
Etwas mulmig war mir ja schon, aber ich pfiff nach ihm und er kam langsam angetrabt.
Ich nahm Brauner an seinem Halfter und führte ihn in den Stall zu seiner Box. Ein paar Mal schon hatte ich zugeschaut, wie Pferde gesattelt werden. Sollte ich es auch mal probieren? Neben der Box vom Braunen hing ein Sattel. Mein Blick wanderte zwischen dem Sattel und meinem Braunen hin und her.
Ich griff nach der Decke und legte sie Brauner auf den Rücken. Neugierig beschnupperte Brauner die Decke, zupfte sogar daran herum.
„Brauner, die ist nicht zum Essen“, meinte ich und zog sie langsam weg.
Jetzt kam der Sattel dran, ich griff an beiden Seiten und hob ich hoch. Also ich hatte ihm mir etwas leichter vorgestellt, ich musste ganz schön stemmen, um ihn auf den Rücken des Pferdes zu bekommen.
Georg hatte etwas gesagt, dass der Gurt immer auf der linken Seite fest gemacht wurde. So lief ich auf die linke Seite und stellte fest, ich hatte die Seiten verwechselt. Jetzt sah ich auch, dass die Sitzfläche falsch herum war, das hätte mir schon beim draufsetzten auffallen müssen.
So nahm ich noch einmal meine ganze Energie zusammen und drehte den Sattel. Jetzt hing den Gurt richtig. Ich bückte mich und griff unter Brauner hindurch um den Gurt auf meine Seite zu ziehen.
Ich schloss die zwei kleinen Riemen des Gurtes und anscheinend war der Sattel jetzt fest. Schwieriger fand ich aber, das Kopfteil, die Trense über Brauners Kopf zu ziehen. Das Halfter hatte ich schnell herunten, dafür brauchte ich ewig, bis die Trense saß. Stolz auf mein Werk, führte ich Brauner nach draußen. Ich ließ kurz einen Blick über den Hof wandern. Ich wollte einmal was alleine fertig bringen, ohne auf Hilfe anderer angewiesen zu sein.
Keiner war zu sehen. Also versuchte ich den Stiefel in den Steigbügel zu bekommen, er war aber viel zu hoch. Da entdeckte ich die Befestigung und nach einigen Versuchen hatte ich den Bügel länger gemacht.
Zweiter Versuch – ich steckte den Stiefel hinein und diesmal passte es, mühsam zog ich mich auf den Rücken. Es war ein schönes Gefühl auf Brauner zu sitzen und diesmal sogar aus eigener Kraft. Brauner verhielt sich ruhig, scheute nicht mal. Mit meiner Hand streichelte ich dem Braunen über seinen Hals.
„So dann werden wir zwei mal langsam ans Meer reiten, oder was meinst du?“, sagte ich.
Brauner wieherte und lief langsam los, als würde er sich ebenfalls auskennen.
*-*-*
Georg
„Hat jemand Alex gesehen?“, fragte ich.
Der war vorhin mit seinem Pferd am Stall“, antwortete Steffi.
„Da war er aber nicht… und ein Sattel fehlt.“
„Ach du scheiße.“
„Was denn?“
„Ich hab Alexander vorhin gesagt, dass er sicherlich mal mit seinem Pferd reiten könnte. Vielleicht ist er ausgeritten.“
„Bist du verrückt, wenn ihm jetzt etwas passiert, so gut kann Alexander noch nicht reiten, oder er bekommt vielleicht einen Hustanfall.“
„Jetzt beruhigt dich, Sohnemann!“, kam es von Corinna, „das packt er schon und es tut ihm gut.“
„Ich reite ihm trotzdem hinterher.“
„Wo kommt plötzlich diese Fürsorge für Alex her?“, stichelte Steffi.
„Blöde Kuh!“, meinte Georg und stürmte aus der Küche.
*-*-*
Alexander
Irgendetwas stimmte nicht, ich hatte keinen rechten Halt. Brauner reagierte nur widerwillig, was ich ihm mit dem Zügel und den Schenkel versuchte zu sagen. Ich war in den leichten Trab übergegangen, stand etwas in den Steigbügeln.
Bei der nächsten Biegung passierte es dann, der Sattel verrutsche und ich folg kopfüber vom Pferd. Ich hatte aber Glück, weil ich irgendwie dann doch auf dem Hintern aufkam. Der Sattel hing auf der Seite und Brauner war sofort stehen geblieben.
Anscheinend hatte ich den Gurt nicht fest genug angezogen. So ging ich wieder zu Brauner, der zufrieden graste. Mit viel Anstrengung, drückte ich den Sattel wieder nach oben und verstellte den Gurt um zwei Löcher enger.
Ich zog mich wieder nach oben und atmete erst einmal tief durch. Mein Rücken tat etwas weh, aber ich dachte, dass ginge sicher wieder weg. So ritt ich weiter und erreichte bald den Strand.
Es war nicht viel Betrieb am Strand und Brauner schien es sichtlich Spass zu machen am Wasser entlang zu traben. Mir tat die frische Luft gut und mir viel auf, dass ich jetzt schon einen ganzen Tag ohne Husten war.
Ich spürte die warme Sonne auf meiner Haut und fühlte mich rundum wohl. Irgendwann wollte ich eine Pause machen. Ich stieg ab und wickelte mir die Zügel um das Handgelenk. Sitzend sah ich aufs Meer hinaus und genoss weiterhin die Sonne. Brauner stand ruhig neben mir, seine Zügel hatte ich fest in der Hand.
* *
Unsanft wurde ich aus dem Schlaf gerissen.
„Schatz…Alexander so sagt doch was?“
Ich musste mich erst orientieren, Georg kniete vor mir mit weit aufgerissen Augen und sah verheult aus.
„Stimmt was nicht“, fragte ich noch etwas müde.
„Gott sei Dank, dir geht es gut…“, kam es von Georg.
„Wieso soll es mir nicht gut gehen, ich habe nur eine kleine Rast gemacht und muss eingeschlafen sein.“
„Als ich dich von weitem da liegen sah, dachte ich schon…..“, Georg fing laut an zu weinen.
Ich nahm ihn in den Arm und Brauner sah mich an als wolle er fragen, was hat der denn. Georg löste sich von mir und wischte sich die Tränen ab.
„Besser?“, fragte ich.
„Ja, aber mach so was nie wieder.“
„Tut mir leid, dass war keine Absicht.“
„Reite bitte nie wieder alleine weg. Das würde ich nicht verkraften.“
Ich schaute in seine noch roten Augen.
„Schau nicht so… ich habe mich in dich verknallt…“
Ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich umfasste seinen Nacken zog ihn zu mir heran und gab ihm einen Kuss. Seine Lippen waren wunderbar weich, in mir breitete sich eine mir unbekannte Wärme aus.
„Für einen Anfänger küsst du verdammt gut!“, meinte Georg als er einwenig atemlos absetzte.
Er drückte mich in den warmen Sand und engumschlungen küssten wir weiter.
* *
So verging die Woche schnell. Georg und ich verbrachten die ganze Zeit zusammen, und ich dachte nicht ein einziges Mal an meinen Husten. Ich genoss einfach nur seine Nähe. Meine Eltern hatten sich angekündigt, aber als wir einen Ausflug zu Pferd in die nahe Ortschaft machten, war dies schnell vergessen.
„Du machst dich wirklich gut zu Pferd“, meinte Georg, als wir auf dem Rückweg waren.
„Es macht mir auch unheimliche Spass und Brauner ist auch ein tolles Pferd!“, antwortete ich tätschelte ihn am Hals.
Wir bogen in den Weg an den äußersten Gattern ein, als ich ein mir bekanntes Auto sah.
„Ui, meine Eltern sind schon da“, sagte ich, „mal sehn wer Erster dort ist!“
Ich ging vom Trab in den Galopp über und Brauner jagte den Weg hinunter. Ich hatte etwas Mühe mich im Sattel zu halten, so griff ich nach der Mähne und krallte mich fest. Kurz vor dem Tor zum Hof zog ich an den Zügel und Brauner gehorchte.
Mit einem Traben kam ich in den Hof. Meine Eltern standen bei Corinna und sahen zu mir. Ich ließ Brauner noch ein paar Schritte laufen.
„Hallo Alexander“, sagte meine Mum ein wenig verstört.
Ich ließ mich vom Pferd gleiten und fiel ihr um den Hals. Danach umarmte ich zur Begrüßung meine Dad.
„Du bist ja nicht wieder zu erkennen“, meinte mein Dad und wuschelte mir in den Haaren.
„Und Farbe hat er auch bekommen“, kam es von meiner Mum.
Verlegen lächelte ich ihnen entgegen.
„Bist du eigentlich noch ganz normal?“, fragte Georg.
„Georg!“, hörte ich Corinna mahnend sagen.
„Ach Mum, er hätte sich ach weiß was tun können, einfach mir wegzugaloppieren.“
„Ist doch alles gut gegangen!“, meinte ich und führte Brauner in den Stall.
Immer noch verblüfft, folgten mir meinen Eltern in den Stall. Sie beobachten mich, wie ich meinen Braunen absattelte, in seine Box führte. Sie blieben auch stumm, als ich ihn abstriegelte und mit Futter und Trinken versorgte.
„Bist du sicher, dass dies unser Sohn ist?“, fragte Dad meine Mum.
„Ich weiß nicht, er sieht ihm ähnlich, aber benehmen tut er sich nicht so.“
„Jetzt hört schon auf ihr zwei“, meinte ich und schloss die Box.
„Mir gefällt es sehr gut hier und ich habe ein eigenes Pferd.“
„Das haben wir schon mit bekommen“, sagte mein Dad.
„Und dann ist da noch…..“, ich stockte.
Meine Mutter sah mich liebevoll an und streichelte mich an der Wange.
„Georg….. ich hab mich in ihn verliebt“, beendete ich leise meine Satz.
„Der junge Mann, der sich so unendlich viel Sorgen um dich gemacht hat… scheint sehr nett zu sein!“, kam es von meiner Mutter.
Fragend schaute ich meine Mutter an.
„Wie ..ich habe gesagt, ich liebe Georg, Mum ich bin schwul…“
„Ja und? Ist das schlimm?“
Ich fiel meiner Mutter wieder um den Hals und drückte sie fest an mich. Mein Dad stand neben uns
und grinste frech.
„Jetzt zieh schon nicht so ne Schnute dahin, es ist doch alles in Ordnung“, meinte er.
Ich schüttelte den Kopf.
„Was?“, fragte Mum.
„In drei Wochen ist alles vorbei, da muss ich zurück“, meinte ich traurig.
„Hört, hört. Am Anfang deiner Ferien klang das noch ganz anderst. Da wolltest du nicht hier her!“, kam es von meiner Mutter.
„Da wusste ich auch noch nicht wie schön es hier ist, das ich ein eigenes Pferd besitze…und das mit Georg.“
„Stimmt, dieses Pferd zu uns zu transportieren wird sehr kostspielig, und ob Corinna so einfach ihren Sohn hergibt“, sagte mein Dad.
Ich sah ihn an und bemerkte sein freches Grinsen.
„Was heckt ihr beide wieder aus?“, fragte ich.
„Komm mal mit, setzten wir uns da drüben hin“, sprach meine Mutter und zog mich hinter sind her.
„Dir gefällt es gut hier und würdest gerne bleiben.“
„Ja!“, sagte ich.
„Ich bin nicht nur wegen dir mit deinem Vater mitgekommen, ich wollte auch unser neues Haus anschauen.“
„Was….. wie soll ich dass jetzt verstehen?“, fragte ich.
„Dein Vater hat in seiner Firma, eine höhere Stellung angeboten bekommen, einzigster Nachteil, diese Stellung befindet sich hier.“
„Ihr meint…“
„Ja, wir werden hier her ziehen“, sagte mein Dad.
„Wow… ich bin sprachlos…“
Ich sprang auf.
„Wo willst du hin?“, wollte meine Mum wissen.
„Ich muss dringend zu Georg…“, rief ich und rannte zum Haus.
In der Küche traf ich nur Steffi an.
„Weißt du wo Georg ist?“
„Zimmer!“, kam es kurz vor ihr.
Ich spurtete die Treppe hinauf und ohne anzuklopfen rannte ich in Georgs Zimmer, den ich traurig auf seinem Bett vorfand. Ich stürmte auf ihn zu, drückte ihn aufs Bett und küsste ihn überall im Gesicht.
„Kleiner was ist denn passiert?“, fragte er erstaunt.
„Ich bleibe dir erhalten“, antwortete ich.
„Wie erhalten?“
„Mein Dad, nimmt hier oben eine Stelle an, wir werden hier her ziehn.“
Georgs Gesicht hellte zunehmend auf.
„Du bleibst hier?“, schrie er schon fast.
„Ja.“
Georg packte mich und zog mich zu sich hinunter. Es folgte ein langer sinnlicher Kuss.
*-*-*
Der Umzug belastete mich überhaupt nicht. Mum und Dad hatten eine Woche zuvor eine kleine Abschiedsfete veranstaltet. Es war Verwandtschaft und Bekannte da, auch einige aus meiner Klasse.
Klar war ich bei ihnen der Mittelpunkt, ich hatte ja jetzt ein Pferd. Mein Brauner fehlte mir schon, aber noch mehr Georg. Jeden Abend bevor ich zu Bett ging, telefonierten wir noch kurz.
Sein Vorwand war, er müsse sich ja informieren, ob ich keinen Rückfall habe, aber ich merkte schnell, ich fehlte ihm genauso, wie er mir. Nun hatte ich gerade den letzten Umzugskarton zugeklebt und trug ihn hinunter.
„Und du willst am Wochenende wirklich nicht mit uns fahren, fragte Mum.
„Jetzt lass den Jungen doch“, kam es von Dad, „fünf Wochen ohne Freund, dass wäre mir sogar zuviel. Alexander mach dich dann fertig ich fahre dich dann zum Bahnhof.“
„Danke“, meinte ich und verschwand im Bad.
Schnell wusch ich mir das Gesicht und die Hände. Tja lieber Spiegel, dieses Gesicht bekommst du nun zum letzten Mal zu sehen. Ich musste grinsen, sah ich jetzt doch schon ganz anders aus.
Der Mode entsprechend hatte ich ein Wirrwarr auf dem Kopf, aber bewusst so mit Gel so gestylt. Ich hatte ordentlich Farbe bekommen und etwas zugenommen hatte ich auch, also war ich rundum zufrieden mit mir.
Ich verließ das Bad, suchte meine Tasche mit meinen letzten Habseligkeiten und schulterte sie.
„Ich bin fertig“, rief ich meinem Vater zu.
„Geh schon mal an den Wagen, ich such noch meine Wagenschlüssel“, kam als Antwort zurück.
Meine Mum kam auf mich zu und nahm mich in den Arm.
„Pass auf dich auf, Alexander, wir sehen uns am Freitag.“
„Keine Sorge Mum, mir geht es so gut, wie noch nie.“
„Das kann ich mir lebhaft vorstellen“, erwiderte sie mit einem Grinsen.
„Also dann bis Freitag!“, verabschiedete ich mich von ihr und verließ die Wohnung.
Es dauerte noch eine Weile bis Dad endlich kam.
„So Junge, wir müssen uns sputen, sonst fährt dein Zug ohne dich!“
„An mir lag es nicht“, sagte ich und grinste ihm frech entgegen.
Mein Vater schnaufte kurz, lächelte aber ebenso. Schnell waren wir am Bahnhof und mein Vater bestand darauf mich noch bis zum Zug zu begleiten. Am Bahnsteig angekommen umarmte er mich kurz.
„Alexander, bist du das?“
Erstaunt drehte ich mich um und schaute in die erstaunten Augen von Daniel. Er hatte mich damals auf meiner ersten Reise zur Nordsee begleitet.
„Das ist meine Überraschung, Alexander, dachte, dass du nicht all zu einsam fahren musst“, kam es von meinem Dad.
„Ja hallo Daniel… ich bin es wirklich“, antwortete ich darauf und umarmte noch einmal als Dankeschön Dad.
„Dann lass ich euch mal alleine, gute Fahrt Alexander, weiß ja, du bist in guten Händen.“
Und weg war er. Wie meinte er dass eben, er hatte während er das eben sagte, so ein teuflisches Grinsen auf den Lippen.
„Komm lass uns einsteigen, der Zug fährt gleich ab“, riss mich Daniel aus dem Gedanken, „man du hast dich ja wirklich sehr verändert, bist das wirklich du?“
Ich musste lachen.
„Ja, das bin ich!“
„Und dein Husten?“
„Vollkommen weg.“
„Dann war diese Kur wohl ein voller Erfolg?“
„100 Punkte.“
Er öffnete ein Abteil und wies mich an hineinzugehen.
„Ich helfe noch meinen Kollegen, dann habe ich etwas Zeit und komm zu dir, musst mir mal genau erzählen, was für eine tolle Kur das ist, wenn man so gutaussehend zurückkommt.“
Huch, flirtete Daniel da jetzt gerade mit mir?
„Wieso, willst dein Aussehen verändern?“, gab ich frech zurück.
Daniel grinste zurück.
„Okay, bis gleich dann.“
Und schon war ich alleine. Ich stellte meine Tasche auf der Sitzfläche ab und ließ mich auf einen Sitz am Fenster fallen. Kaum saß ich, ruckelte der Zug kurz und begann sich zu bewegen.
Ich griff zu meiner Tasche und zog den Reisverschluss auf. Zum Vorschein kam mein Laptop, noch ein Teil, dass ich zum Umzug geschenkt bekommen hatte. Anscheinend dachten meine Eltern mich damals irgendwie bestechen zu müssen, damit es mir nicht so schwer viel, nach Norddeutschland zu ziehen, aber beim Kauf, da wussten sie ja auch noch nichts von Georg und meinem Braunen.
Ich fuhr das Laptop hoch und öffnete die Datei mit den Bildern. Gleich als erstes prangte mir Georg entgegen. Eine Aufnahme vom Strand nur in Jeans neben seinem Pferd. Sein muskulöser Oberkörper ließ mich wieder ins Träumen verfallen.
Ich klickte weiter, um einfach wie oft in den letzten Wochen, die Bilder von der Kur mir anzusehen. Die Schiebetür wurde aufgezogen und Daniel kam herein. Er hob mir eine Cola entgegen und setzte sich neben mich.
Danke nahm ich an und trank ein Schluck.
„Was ist das?“, fragte Daniel und zeigte auf das Laptop.
„Ein Laptop!“, antwortete ich frech.
Daniel ließ die Augen rollen.
„Bilder von meiner Kur, willst du sie sehen?“
„Aber klar doch!“
Also ging ich zurück an den Anfang, wo natürlich gleich das Bild von Georg kam.
„Wer ist das?“
„Das ist der Sohn der Familie, bei der ich während der Kur wohnte.“
Sollte ich ihm auf die Nase binden, dass Georg mein Freund war?
„Der sieht aber gut aus.“
Ich haderte kurz, aber entschloss mich dann doch mit offenen Karten zu spielen, Daniel war einfach sehr sympathisch.
„Das ist ja auch meiner.“
„Wie deiner?“
„Georg ist mein Freund.“
„Freund… also du meinst…?“
„Ja, Boyfriend, aber vergiss den Ausdruck gleich wieder, ich mag den nicht.“
„Dann wird mir ja Einiges klar“, meinte Daniel mit ernstem Gesicht.
„Wieso?“, fragte ich nun doch etwas vorsichtiger.
„Von so einem Schnuckel hätte ich mich bestimmt auch gerne pflegen lassen“, antworte er und begann wieder zu grinsen.
Er zog etwas seinen Jackenärmel und den des Hemdes hoch. Zum Vorschein kam ein Metallreif in Regenbogenfarben. Nun musste ich auch grinsen. Daniel war also ebenso schwul und mir kam in den Sinn, er hatte vorhin wirklich mit mir geflirtet.
„Dann bist du jetzt also in festen Händen?“
„Ja, unwiderruflich und das gleich zweimal.“
Fragend schaute mich Daniel an.
Ich scrollte zum nächsten Bild und mein Brauner kam zum Vorschein.
„Der gehört auch noch zu mir.“
„Du hast ein Pferd?“
„Ja, war sozusagen auch in der Kur inbegriffen“, meinte ich grinsend.
„Georg hat nicht zufällig noch einen Bruder und ein Pferd übrig?“
„Nein“, lachte ich, „Georg hat nur noch eine ältere Schwester. Aber Pferde gibt es dort genug, das ist so ein Reiterhof.
„Och Urlaub hab ich bald und wo ist das?“
Ich erzählte Daniel jetzt alles vom Hotel, den Pferden und auch dem Meer. Er feixte, dass wir uns da sicher mal wieder sehen würden, gab mir seine Emailadresse, damit ich ihm Info übers Hotel schicken konnte. Dann musste er leider weiter. Ich lehnte mich zurück und freute mich auf Georg, bald würde ich ihn wieder im Arm halten können.

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