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Information Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:12 AM - No Replies

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, ich bin da keine Ausnahme. Unter der Woche klingelt der Wecker jeden Morgen um 6:30, nach den Nachrichten erhebe ich mich dann von der Schlafstatt, begebe
mich nach dem Füllen des Kaffeeknechts ins Bad, um das morgendliche Duschritual zu zelebrieren. Den Gang aufs Klo erledige ich in der Duschtasse, kommt ja ei in die gleiche Kanalisation. Frisch gewaschen und gekämmt geht es dann über die Küche, der Toaster und der Eierkocher wollen ja auch gefüllt werden.
Auch das Frühstück läuft nach immer dem gleichen Schema ab: auf die erste Toastscheibe kommt Marmelade, auf die Zweite der Imkerhonig meines Nachbarn. Der dritte Toast wird nur gebuttert und mit Salz bestreut und zum mittelhart gekochten Ei, kommt von einem anderen Nachbarn, verzehrt. Das letzte geröstete Weißbrot wird mit Nutella beschmiert und meistens hastig verschlungen, denn wenn der Sport im Frühstücksfernsehen ausgestrahlt wird, haste ich ins Schlafzimmer, um mich fürs Büro fertig zu machen.
Meistens starte ich den Wagen, wenn der Nachrichtensprecher beginnt, die Regionalnachrichten zu verlesen. Wenn dann der Verkehrshinweis einen Stau am nahegelegenen Autobahnkreuz verkündet, biege ich rechts in die Hauptstraße ein, die mich zu meinem Büro in der 20 Kilometer entfernten Kreisstadt führt. An der ersten Kreuzung auf der Strecke, wenn man die beiden Einmündungen zu Bauernhöfen so nennen darf, stehen immer die gleichen Jugendlichen, die auf den Schulbus warten. Nur bei schlechtem Wetter nutzen sie den Unterstand.
Montag, der 31.03.2008, war der Tag in meinem Leben, der den Bruch mit meinen so sehr gehegten Gewohnheiten darstellte. Der Grund war meine Geburtstagsfeier am Samstag vorher.
Irgendwann, kurz vor Mitternacht, kam Chris, blonder Spaßvogel vor dem Herrn und ein sehr guter Freund von mir aus Saarbrücken, auf die bekloppte die Idee, man könne doch die Badesaison eröffnen. Es lag wohl am guten Landbier, dem schon reichlich zugesprochen worden war, aber alle stimmten dem Vorschlag fast begeistert zu und stürmten bei knapp 15° Außentemparatur den Pool im Garten. An Schwimmsachen hatte kein Mensch vorher gedacht und so entschloss man sich kurzerhand zum Nacktbaden. Gut, vier Badehosen hätte ich verteilen können, aber was sollte der Rest machen? Also ließ ich sie im Schrank und verteilte nur die Badelaken, ehe ich auch ins kühle Nass sprang.
16 nackte Männer tollten sich im Wasser und planschten wie die Kleinkinder im Becken. Es kam, wie es kommen musste, mein Burzeltag entwickelte sich langsam aber sicher zur Sex-Party, zur Gangbang, zur Orgie. Aber alle Anwesenden waren ja alt genug und mündige Bürger. Der Jüngste der Partygesellschaft, Marius, der Gartenbauingenieur, war 32 und der Ex von Markus, meinem Anwalt. Wir waren seit seiner Trennung ein paar Mal in der Kiste gewesen und ich habe den Sex mit dem fünf Jahre jüngeren Blonden einfach nur genossen.
Der Austausch diverser Körperflüssigkeiten dauerte bis in die frühen Morgenstunden, es wurde wie wild durch die Gegend gestreift, wenn man das so sagen kann; feste Paarungen gab es nicht, es war das altbekannte „Bäumchen, Bäumchen wechsle dich Spiel“, was da praktiziert wurde. Ich glaube, der Hahn meines Nachbarn krähte schon, als ich zusammen mit Chris endlich ins Bett ging. Marius lag zwar schon drinnen, wir nahmen ihn einfach in die Mitte. Es folgte ein gemeinsames Rührei-Frühstück gegen Nachmittag und nach einem kurzen Dreier auf der Terrasse im Abendrot, wir hatten inzwischen aufgeräumt, ließ ich den Tag mit einem Bier nackt am Pool ausklingen.
Besagter Montagmorgen begann wie jeder Wochenanfang, ziemlich schrecklich! Ich hörte zwar die Nachrichten im Radio, nahm sie aber kaum wahr. Auch das Frühstücksfernsehen bildete keinen großen Unterschied, erst als ich im Wagen saß und der Moderator, nachdem Verkehrshinweis ausgestrahlt worden war, mich auf die aktuelle Uhrzeit aufmerksam machte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: „Scheiße!“ Ich hatte vergessen, auf Sommerzeit umzustellen! Ich war exakt eine Stunde zu spät!
Allerdings schien es nicht nur mir so ergangen zu sein, an der Bushaltestelle stand Johannes, der Sohn meiner Nachbarn und hielt den Daumen raus. Normalerweise nehme ich ja keine Anhalter mit, aber bei dem Sprössling der Schulte-Beckendorfs machte ich eine Ausnahme und hielt an. Er kam angerannt und öffnete die Beifahrertür. „Guten Morgen, Herr Geldermann. Können sie mich in die Stadt mitnehmen?“
„Klar kann ich das! Steig ein, ich bring dich sogar zur Schule.“ Da ich eh schon zu spät dran war, kam es auf den kleinen Umweg nun auch nicht mehr an. Wo war meine Disziplin geblieben? „Aber sag mal, wo hast du eigentlich deine Schultasche? Oder gibt es neuerdings Spinde in der Penne?“
„Ach der scheiß Rucksack! Den hab ich in der ganzen Hektik total vergessen, aber den brauch ich heute eh nicht! Einen Taschenrechner und ‘nen Kuli kann ich mir auch leihen, ich schreib heute Gott sei Dank die letzte Matheklausur meines Lebens.“ Er grinste mich an.
„So schlimm?“
„Schlimmer! Wir haben den alten Grohlmann, ein echter Kotzbrocken.“ Er steckte sich den Finger in den Hals, naja, er deutete es jedenfalls an.
„Herzliches Beileid, den durfte ich schon genießen. Kam damals als frischer Studienrat zu uns. Der hat mich mit seinen Fragen im Mündlichen fast auflaufen lassen.“Ich hielt ihm meine Hand hin.
Er ergriff sie und schüttelte sie kurz. Ein leichter Stromschlag durchfuhr mich bei seiner Berührung, er musste geladen gewesen sein. „Dann sind wir ja Brüder im Leiden!“ Was sollte dieses schelmische Grinsen?
„Wenn du so willst, ja!“ Jetzt grinste ich auch. „Wann kommen eigentlich deine Eltern aus dem Urlaub wieder?“
„Übermorgen. Mama hätte mich ja geweckt, aber mein dämlicher Bruder ließ mich schlafen, das alte Ekel.“ Ich wusste, dass das Verhältnis zwischen dem 18-jährigem und dem vier Jahre älteren Wilhelm nicht gerade das Beste war. Wilhelm war der Hoferbe, er nur der Zweitgeborene und, sehr zur Belustigung seines Bruders, gerade durch die Führerscheinprüfung gefallen.
„Die zwei Tage wirst du auch noch überleben.“
„Denke ich auch. Aber wieso haben sie denn verschlafen? War die Fete so anstrengend?“ Er grinste immer noch.
Hatte man uns gehört oder gar gesehen? Der Pool war zu drei Seiten mehr oder minder geschützt und nur vom Haus her direkt einsehbar und so laut waren wir ja nicht gewesen. Gut, vom Gestöhne mal abgesehen, aber zwischen unseren Häusern liegen gut und gerne 500 Meter. Ich zögerte einige Sekunden mit der Antwort. „Naja, war feuchtfröhlich und unheimlich lustig.“
„Mit Schwimmen um Mitternacht!“ Er lachte mich an.
Hatte er tatsächlich was beobachtet? Das konnte eigentlich nicht sein, hoffte ich zumindest. „Woher weißt du?“
„Naja, ich kam um kurz nach zwölf mit dem Nachtbus aus der Stadt, war mit Freunden erst im Kino gewesen und dann noch kurz im Internetcafé. Als ich ausstieg und nach Hause lief, hörte ich Musik und das Spritzen von Wasser, muss wohl ne richtige Poolschlacht gewesen sein.“ Er grinste mich hämisch an.
Wurde ich bleich? Ich war ertappt. „Naja, es war halt ne ausgelassene Feier.“
„Hauptsache, es hat ihren Leuten Spaß gemacht.“ Was sollte dieser Unterton?
„Doch, Spaß hatten wir.“
„Glaub ich sofort. Darf man hier im Auto rauchen? Vor der Schule geht ja nicht mehr.“ Seit wann rauchte der Kleine?
„Normalerweise nicht, aber … ausnahmsweise … aber asch bitte aus dem Fenster.“ Hatte ich das gerade gesagt? Schon wieder ein Bruch, wo sollte der Tag nur enden?
„Danke. Haben sie mal Feuer?“ Die Strecke wurde kurvenreicher, ich hatte beide Hände am Lenkrad meines Wagens.
„Moment.“ Als ich wieder einen gerade Abschnitt vor mir hatte, griff ich in meine Hemdtasche und reichte ihm das Feuerzeug. Als sich unsere Hände berührten, durchzuckte es mich wieder, diesmal heftiger als beim ersten Mal. Himmel! Was ist mit dir los, Jost? Du stehst doch nicht auf so junges Gemüse, er könnte dein Sohn sein. Konzentrier dich, jetzt kommt die Unfallstrecke.
Ich hörte, wie er den Rauch tief einsog. „Hier, das Feuerzeug.“ Seine Hand ging wieder in meine Richtung. Was machte er denn da? Er steckte es wieder zurück in meine Hemdtasche. Was folgte, war klar! Ein erneuter Stromschlag durchzuckte meine Nervenbahnen, diesmal nah am Herzen. Entweder hatte der Knabe einen Elektroschocker in der Tasche oder ich sollte mal wieder zum Ausspannen in die Sauna. Das konnte echt nicht wahr sein!
Den Rest der Fahrt überlebte ich – Gott sei Dank! – ohne weitere Stromstöße. Nur als er mir beim Abschied die Hand gab und sich brav bedankte, durchzuckte es mich erneut.
Als ich im Büro ankam, funkelten mich die Augen von Claudia Westermann, meiner Sekretärin, erst böse an. „Chef! Wo waren sie? Ich habe mir schon Sorgen gemacht! An ihr Telefon gehen sie nicht und bei ihrem Handy erreiche ich nur die Mailbox.“
Ich tastete in meine Jackentasche. Tatsächlich, der Mobilknochen war nicht an seinem Platz. Was war das für ein beschissener Tag? „Das muss ich zu Hause vergessen haben. Aber jetzt bin ich ja da.“
„Das ist auch gut so. Der Alte hat schon nach Ihnen gefragt. Sie sollen sofort in sein Büro kommen.“
„Was will er denn?“ Normalerweise lässt er mich und meine Abteilung in Ruhe, es sei denn, er hat wieder ein Projekt aus dem Hut gezaubert und will, am besten Vorgestern, einen ausgearbeiteten Finanzierungsplan dafür.
Sie zuckte mit den Schultern. „Das kann ich ihnen auch nicht sagen, ich soll sie sofort zu ihm schicken. Nicht vergessen, ich hab ihm gesagt, sie wären beim Zahnarzt gewesen.“
Ich war erstaunt, sie hatte für mich gelogen. „Warum beim Zahnarzt?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Mir fiel spontan leider keine andere Ausrede ein, warum Mr. Perfect heute unpünktlich ist!“
„Claudia, sie sind ein Schatz. Wenn der Alte gute Laune hat, dann probier ich eine Gehaltserhöhung für sie rauszuschlagen.“ Ich grinste sie an.
Sie schüttelte ihren Kopf. „So, wie der sich angehört hat, wohl eher nicht. Aber egal: Bon Chance!“
Im Vorzimmer vom Alten wurde ich gleich durchgeschleust, es schien also wichtig zu sein. Dem Anklopfen folgte ein kurzes „Herein“, ich öffnete also die Tür und betrat das Allerheiligste. Konrad Schulze-Everding, seines Zeichens alleiniger Inhaber der Everding Bauelemente oHG, telefonierte gerade, anscheinend mit seiner Ehefrau, denn in jedem Satz war so etwas wie: „Ja, Gudrun, wird gemacht.“ Er winkte mich zu sich und bedeutete mir, mich zu setzen. Was für ein merkwürdiger Tag!
„Geldermann! Wo waren sie heute Morgen?“ Er hatte sein Telefonat mittlerweile beendet.
Ich legte alle Unschuld, die ich hatte, in meine Stimme. „Beim Zahnarzt, aber das hat ihnen doch Frau Westermann sicherlich erzählt. Was gibt es denn so Wichtiges?“
„Also, wie sie ja wissen, hat meine Frau bald Geburtstag. Eigentlich wollte ich sie zu ihrem 60.sten mit einer Kreuzfahrt überraschen, aber gestern habe ich erfahren, was sie sich tatsächlich wünscht.“ Er blickte mich fast hilfesuchend an.
Ich zog meine Augenbrauen hoch, das konnte nur teuer werden. „Und was wünscht ihre Gattin sich?“
„Ein Labyrinth!“ Er atmete deutlich höher war aus.
Ich war perplex, was war das für ein verrückter Tag! „Ein Labyrinth?“
Er seufzte und fasste sich ins schlohweiße Haar. „Ja! Sie will ein Labyrinth und den Rasen hinter unserem Haus in einen englischen Landschaftsgarten umgestalten. Ich glaube, ihre dämliche Schwester hat ihr diesen Floh ins Ohr gesetzt. Sybille ist ja mit diesem englischen Dandy verheiratet, der sein Lebtag noch nie gearbeitet hat.“
Die Grasfläche hinter der Fabrikantenbehausung hatte die Ausmaße von knapp drei Fußballfeldern, ab und an stand mal ein Baum oder Strauch vereinzelt herum, alles in Allem sehr pflegeleicht. Ich räusperte mich. „Und wie kann ich ihnen dabei helfen?“
„Geldermann, erstens will ich wissen, wie viel ich auf dem Konto habe und zweitens, sie haben doch da diesen Landschaftsgärtner an der Hand, der ihren Garten gemacht hat.“ Das war also der Grund, warum ich an Ort und Stelle war.
Ich blickte meinem Chef direkt in die Augen. „Auf ihrem Privatkonto sind knappe 180.000, ein Drittel davon in flüssigen Mitteln. Ich nehme ja nicht an, sie wollen ein Stück von der belgischen Schokolade naschen?“
Seine Gesichtszüge wurden leicht panisch. „Um Gottes Willen! Nie und nimmer!“ Das Kakaoprodukt war der Deckname für Geld, das, sagen wir es so, nicht der unmittelbaren Gewalt des deutschen Fiskus unterworfen war.
Ich grinste ihn an. „Dachte ich mir. Ich werde dann gleich Herrn Tenhagen anrufen und fragen, ob er den Auftrag übernehmen kann. Ich nehme mal an, so günstig wie möglich, also nicht mehr als 20?“
Erleichterung machte sich auf seinem Gesicht breit. „Geldermann, ich sehe, wir verstehen uns. Sie kümmern sich persönlich um die Angelegenheit, alles andere kann zurückgestellt werden. Ich will mit der Umsetzung nichts zu tun haben, das ist nichts für mich grobschlächtigen Bauern. Sie als … äh, sie haben doch das passende Händchen für sowas. Ich will heute noch Ergebnisse sehen.“
„Aber der Monatsabschluss?“
„Geldermann! Da drücken sie doch eh nur ein paar Tasten auf ihrem Rechner und schon ist das Dingen fertig. Sagen sie mir jetzt nicht, dass das Arbeit wäre!“ Da war es wieder, dass alte Vorurteile, unter dem jeder Buchhalter zu leiden hat.
„Alles klar, dann hat jetzt das Projekt … Greystoke absolute Priorität.“ Warum fiel mir ausgerechnet jetzt Tarzan ein?
Zurück in meinem Büro, brauchte ich erst einmal einen Kaffee. Man sah die Neugier in Claudias Augen, als sie mir den Türkentrank servierte. „Na? Kriege ich mehr Geld?“
Ich schüttelte den Kopf. „Daran ist im Moment nicht zu denken, leider. Der Alte hat gestern erfahren, was ich sich seine Frau zum Geburtstag wünscht. Und das ist nicht gerade wenig, wenn man das so sagen kann.“
Sie lachte. „Naja, die Chefin hatte ja immer schon einen, sagen wir, außergewöhnlichen Geschmack. Wenn ich da an das italienische Cabrio von vor zwei Jahren denke, dass sie eine Woche später in den Graben gesetzt hat.“ Sie kicherte wie ein Schulmädchen. „Die Geschichte mit der Kuh, der sie angeblich ausweichen musste, habe ich nie so richtig geglaubt.“
Ich musste grinsen, allein die Reparatur des Ausweichmanövers verursachte Kosten im vierstelligen Bereich. Danach wollte sie in den Wagen jedoch nicht mehr einsteigen, der Verkaufsverlust war enorm. „Jaja, freie laufende Kühe sind beide uns auf dem Land ja keine Seltenheit. Aber es gibt heute eine kleine Programmänderung: Wir fangen jetzt schon an und fahren den Monatsabschluss, heute Nachmittag bin ich in geheimer Mission unterwegs.“
Meine Schreibkraft war zwar erstaunt, dass sah man ihrem Gesicht an, sagte aber nichts dazu. „Wie sie meinen. Dann werde ich mir jetzt mal die Daten aus der Lohn-Buchhaltung holen, damit wir vor der Mittagspause fertig sind.“
Zwar dauerte es bis halb eins, bis ich das Ergebnis auf dem Rechner hatte, aber ich lag noch gut in der Zeit. Mit Marius hatte ich am Vormittag telefoniert und mich mit ihm zum Mittagessen verabredet, das Projekt Greystoke musste ja besprochen werden. Zuerst war er über die mögliche Mehrarbeit nicht gerade erfreut, aber da der Rat der Stadt über den Auftrag für den Generationenpark noch nicht entschieden hatte, war er froh, seine Leute beschäftigen zu können. Nach einer italienischen Teigscheibe und einem Glas Chianti entschlossen wir uns zu einem sofortigen Lokaltermin, um die Gegebenheiten zu inspizieren.
Der Landschaftsplaner war mehr als zufrieden, das bisherige Aussehen des Everdingschen Gartens ließ sich ohne weiteres in einen Landschaftsgarten englischer Prägung integrieren. Er würde sich sofort an die Pläne machen und mir heute Abend Bericht erstatten. Ich sollte die Sauna schon mal vorheizen.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, blickte ich auf die Uhr, wir hatten kurz nach Drei. Ich überlegte, was ich machen sollte. Ich könnte zwar zurück in die Firma, entschied mich dann aber doch, entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten, für Feierabend, schließlich würde am heutigen Abend für meinen Brötchengeber tätig werden müssen. Jedoch rief ich meinen Chef an und gab ihm brav das Zwischenergebnis durch, er war hellauf begeistert, zumal wir wahrscheinlich den Kostenrahmen nicht erreichen würden.
Auf der Fahrt nach Hause hielt ist erst einmal an der nächsten Drogerie, meine Melkfettvorräte bedurften dringend einer Auffüllung. Die Kassiererin wunderte sich zwar, sagte aber nichts und gab mir brav mein Wechselgeld heraus. Im Supermarkt nebenan war Sekt im Angebot, eine Kiste Freixenet Carta Nevada Semi-Seco wanderte in meinen Kofferraum. Bier hatte ich ja noch.
Die letzte Station der Einkaufstour war mein Nachbar und Eierlieferant Schulte-Beckendorf. Das letzte Ei hatte ich heute Morgen zum Frühstück verspeist, ich hätte am Freitag doch gleich eine ganze Stiege nehmen sollen und nicht nur eine Halbe.
Ich fuhr auf den Hof und der Jungbauer kam mir entgegen. „Hallo Wilhelm, hast du noch ein paar Eier für mich?“
Er grinste. „Herr Geldermann, sie werden lachen! Ich hab so viele, ich muss sie sogar verkaufen. Wie viele sollen es denn sein? Sechs, wie immer?“
Ich nickte. „Denke mal, damit komme ich für die Woche aus. Hab ja keine Frühstücksgäste mehr.“
Während er den 6er-Träger holte, kramte ich nach dem Geld. Der Austausch, Geld gegen Ware, verlief schweigend. „Sonst noch was?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein Danke, jetzt habe ich alles. Und? Wie fühlt man sich so als Herrscher auf dem Hof?“
Er zuckte mit den Schultern. „Herrscher? Wenn dann einer ohne Volk! Mein dummer Bruder treibt sich ja lieber in der Weltgeschichte rum, anstatt hier mit anzupacken, wo Papa im Urlaub ist. Der schafft es ja nicht einmal, sonntags die Hühner zu füttern, obwohl er es versprochen hatte. Wie soll der nur was aus seinem Leben machen, wenn er heute schon so unzuverlässig ist?“ Hatte ich jetzt den Senior oder den Junior vor mir? Er klang wie sein Vater!
Ich zog die Augenbrauen hoch. „Naja, er macht gerade Abi. Da hat man den Kopf voll anderer Dinge.“
Er wiegelte ab. „Mag ja alles sein, aber deshalb braucht man nicht erst am Sonntag um Sechs in der Frühe mit verdreckten Hosen nach Hause zu kommen, als hätte man sich besoffen in den Graben zum Schlafen gelegt. Dann pennt er bis in die Puppen und verschwindet, ohne ein Wort der Entschuldigung, und treibt sich dann bis zur Tagesschau wieder in der Weltgeschichte rum. Wenn sie mich fragen, mit dem stimmt hier oben was nicht.“ Er tippte sich an die Stirn. „Ich hoffe aber für ihn, er übernimmt heute Nachmittag den Hofladen, sonst …“ Er ballte die Faust.
Halt! Hier stimmte tatsächlich was nicht. Nach eigener Aussage war er mit dem Nachtbus um Mitternacht hier angekommen und für den Kilometer zwischen Bushaltestelle und dem elterlichen Hof braucht man, auch wenn man angetrunken ist, maximal zehn Minuten. Wenn Johannes tatsächlich erst um sechs Uhr auf dem Hof ankam, wie Wilhelm sagte, was hat er dann in der Zwischenzeit getrieben?
Meine grauen Zellen arbeiteten angesträngt und spulten die Feier am Samstag noch einmal im Schnelldurchgang ab. Ich ahnte nichts Gutes! Die Wasserschlacht begann gegen Zwölf, dann folgten die zwischenmenschlichen Interaktionen in wechselnden Konstellationen unter erheblicher Ausschüttung von Testosteron und anderen androgenen Hormonen am Pool und auf der Terrasse. Was meinte Marius, als wir nach dem Fick am Pool leicht zitternd bei einem Bier am Pool zusammensaßen? „Aufräumen können wir nach dem Aufstehen, komm jetzt ins Bett, du kleines Fickloch!“
„Ist ihnen nicht gut? Sie sehen plötzlich so blass aus, Herr Geldermann.“
Diesmal winkte ich ab. „Ich glaube, mir ist wohl das Mittagessen auf den Magen geschlagen. Ich leg mich wohl besser etwas hin.“ Schnell zahlte ich die Hühnerprodukte und verließ den Hof.
Nachdem ich die Einkäufe verstaut hatte, starrte ich geistesabwesend auf den Pool. Wenn ich Eins und Eins zusammenzählte, kam ich immer zu dem gleichen Ergebnis: der Abiturient war ein kleiner Spanner! Erst hatte er die nächtliche Aktion in Augenschein genommen und wohl auf eine Fortsetzung am Sonntag gehofft. Das würde dann auch zu dem Nachmittagsprogramm passen, dass Wilhelm beschreiben hatte.
Ich ging in den Garten und suchte nach Spuren. Erst konnte ich nichts Verdächtiges entdecken, aber auf dem Rückweg sah ich abgeknickte Zweige eines Rhododendrons. Ich schaute genauer nach, unter dem Schutz der Blätter hatte es sich wohl jemand gemütlich gemacht, die Erde war aufgewühlt und man sah etliche Zigarettenkippen. Er hatte von dieser Position aus sowohl den gesamten Poolbereich als auch die Terrasse, somit alle Akteure, im Blickfeld gehabt. Ich war fassungslos.
Als ich Marius, der eine Stunde später eintraf, von der Geschichte erzählte, war auch er erst bestürzt, fing dann aber an zu kichern. Ich schaute ihn ungläubig an. „Was gibbet denn da zu lachen?“
„Jost, der Kleine schient auch verzaubert zu sein!“
„Wie?“ Ich verstand nur Bahnhof.
„Überleg doch mal! Der Kleine weiß, dass du schwul bist, oder?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Gesagt habe ich es ihm nicht, aber … anzunehmen, denn außer meiner Putzfrau kriege ich ja normalerweise keinen weiblichen Besuch.“
„Siehst du! Er kommt mit dem Bus hier an, hört die Musik, das Gelächter, das Geplansche. Der schwule Nachbar gibt ne Party.“ Er hob die Hand, kam fast ins Dozieren. „Eine Hete wäre direkt nach Hause, aber was macht der Bengel? Schleicht sich ins Unterholz, beobachtet uns. Die Temperaturen luden ja nicht gerade zum fröhlichen Verweilen im Freien ein. Wir waren ja in Bewegung, er nicht! Er hat wohl auf eine Livevorstellung gehofft.“
Ich war genervt. „Die hat er ja dann auch bekommen! Aber aus jugendlicher Neugier gleich auf sexuelle Präferenzen zu schließen … Marius, findest du das nicht etwas übertreiben?“
„Nein, nicht unbedingt. Wie viele Kippen hast du gefunden?“
Ich blickte ihn fragend an. „Dürfte fast ne Schachtel gewesen sein, wieso?“
„Also, da haben wir es! Wäre es nur reine Neugier gewesen, hätte er spätestens nach einer halben Stunde dem Strauch Adieu gesagt, denn er hat dann ja das gesehen, was er sehen wollte, nämlich was Neues, Unbekanntes!“ Er blickte mich grinsend an. „Aber der Knabe bleibt bis zum Schluss, ist also mehr als interessiert und kriegt sogar mit, dass wir am nächsten Tag … er will sich auch diese Vorstellung nicht entgehen lassen und kommt ein zweites Mal daher.“
„Du meinst also …“ Ich schüttelte immer noch den Kopf.
„Gaynau. Entweder er ist ein ausgemachter Spanner, was ich in dem Alter allerdings nicht annehme, oder er ist, was wahrscheinlicher ist, eine verkappte Schrankschwuchtel ohne Internet im Haus; Sonst bräuchte er nicht zu spannen, um was zu sehen.“
„Und was sollen wir jetzt machen?“ Ich war ratlos, was sollte man mit einem Spanner machen?
„Wie lange hat der Hofladen auf?“
Was sollte diese Frage? „Bis sechs.“
Er blickte auf die Uhr. „Noch zehn Minuten. Ich hab da so eine Idee. Bin gleich wieder da. Schmeiß du schon mal den Grill an und mach dich nackig.“
Ich blickte ihm fassungslos hinterher und sah nur noch die Haustür ins Schloss fallen.
Als er eine Viertelstunde später zurückkam, blickte er mich fast vorwurfsvoll an. „Du bist ja immer noch angezogen! Ist der Grill wenigstens schon an?“
„Marius! Für zwei Leute und vier Würstchen, denn mehr habe ich nicht mehr im Kühlschrank, lohnt es sich nicht, mit Holzkohle zu hantieren, das Elektronteil tut es dafür auch.“
„Wie du meinst!“ Er begann, sich auszuziehen. Als er nackt in der Küchentür stand, grinste er mich frech an. „Na Jost, worauf wartest du? Hol‘ endlich den Grill raus, ich decke derweil schon mal den Tisch. Und jetzt endlich weg mit deinen Klamotten!“
Ich schüttelte nur den Kopf, aber nachdem ich das Teil von Tefal aus der Abstellkammer geholt und draußen angeschlossen hatte, betrat ich kurze Zeit später auch nur im Adamskostüm die Terrasse. Was machte ich da eigentlich? Er reichte mir ein Bier, aber anstatt mit mir anzustoßen, nahm er den kleinen Jost in den Mund und begann mit rhythmischen Kopfbewegungen. „Kannst du mir sagen, was das Ganze hier soll?“
„Abwarten, jetzt setz dich erst einmal und tätschel mir brav den Arsch, während ich die Würstchen umdrehe.“ Das tat ich dann auch, während er so umständlich wie nur irgendwie möglich, die Fleischprodukte wendete. Danach setzte er sich, um gleich danach wieder aufzuspringen. „Oups, ich kleines Dummerchen! Jetzt habe ich glatt den Senf vergessen. Bin sofort wieder da, mein geiler Stecher!“
Was sollte das tuntenhafte Benehmen? Das kannte ich gar nicht von ihm, er war eher ein ruhiger Vertreter. Als er den Senf auf den Tisch stellte, wackelte er schön mit dem Arsch in Richtung Garten. „Hier, mein scharfer Hengst!“ Was sollte diese Lautstärke? Ich bin ja nicht schwerhörig!
Umständlich legte er mir auch die Wurst auf den Teller, drehte sich dabei aber immer schön in Richtung Garten in Positur. Langsam wurde es mir zu bunt. „Herr Tenhagen, was soll das ganze Theater? Wieso sitzen wir nackt hier?“
„Jost, ich war ja vorhin noch bei dem Kleinen im Laden. Als er mich erkannt hat, ist er richtig süß rot geworden.“ Er grinste mich schelmisch lachend an. „Naja, ich hab dann so im Nebensatz fallenlassen, dass ich auf dem Weg zu dir bin und wir uns einen schönen Abend machen wollen.“
Meine Augen wurden immer größer. „Du hast was?“
Er räusperte sich etwas und wurde ziemlich leise. „Naja, ich hab ihn mehr oder minder durch die Blume gesagt, dass es hier gleich wieder abgehen wird. Kannst du mir bitte mal den Senf geben?“
Ich verschluckte mich fast an meinem Bier. „Du bist verrückt!“
Er schüttelte den Kopf. „Ganz im Gegenteil! Du kennst doch den Spruch, wonach der Täter immer wieder zum Ort des Verbrechens zurückkehrt, oder?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Warte mal! Du willst dem Kleinen …“
Er lachte mich direkt an. „Gaynau! Ich hab dem Kleinen eine Falle gestellt und hoffe, dass er gleich auch hineintappt.“
„Und wir sollen ihm dafür eine Show liefern?“ Ich konnte es immer noch nicht fassen, was ich da gerade gehört hatte.
„So ungefähr, aber nicht das volle Programm, nur die Ouvertüre.“ Freudestrahlend tätschelte er mir den Arm.
„Und wie willst du das anstellen? Ich meine, wir sind ja nur zu Zweit … wenn wir auf ihn zugehen …“ Ich war ratlos.
„Nein, wir nicht, aber ich kann mich von hinten anschleichen! Wozu war ich bei den Feldjägern?“
„Das wird er doch merken, wenn du plötzlich verschwunden bist!“
Marius reckte seine fast zwei Meter in die Höhe und zog mich zu sich. „Stell dich hinter mich und spiel mir an den Brustwarzen. Ja, so ist es gut!“
„Kannst du mir sagen, was das werden soll?“ Er rieb sich mit seinem Oberkörper an mir, immer auf und ab, ich wurde langsam wuschig, denn seine Hand spielte mit meinem Gemächte und kraulte meine Eier.
„Gleich, mein Engel, mach weiter!“ Kurze Zeit später zog er mich zur Liege und drückte mich auf die Polster. „Leg dich hin und leck mir den Arsch!“ Wieso flüsterte er jetzt? Während ich mich auf den Rücken legte, kletterte er über meine Brust und verschlang fast den jetzt einsatzbereiten kleinen Jost. Blasen konnte er!
Ich spielte voller Intensität an den beiden prallen Halbkugeln und hatte meine Nase in seiner Spalte. Unseren vermutlichen Beobachter hatte ich längst verdrängt, als er plötzlich, wie von der Tarantel gestochen, einen Satz nach vorne machte und sich schuldbewusst an seine Kiste griff. „Entschuldige, ich bin nicht gespült. Ich hab ja nicht damit gerechnet, dass du mich so rattig machst, dass ich dich in mir haben möchte.“ Wieso schrie er mich jetzt fast an?
„Ich geh mal schnell ins Bad! Nicht weglaufen!“ Er drehte sich an der Tür stehend noch einmal um. „Stell dich an den Pfeiler und blick verträumt in den Garten, denn du fickst mich gleich. Spiel weiter an dir, wir haben Publikum!“
Er hatte mich in die Realität zurückgeholt. Sollte ich oder sollte ich nicht? Egal, der Tag war eh voller Brüche, da kam es auf den einen mehr oder weniger auch nicht an. Nach drei, vier Minuten legte ich mich wieder, ließ die Beine aber auf dem Boden, meine Kronjuwelen lagen frei. Mit der rechten Hand umfasste ich meinen Schaft und meine Linke spielte ich an meiner Rosette.
Noch ganz mit mir selbst und meiner aufkommenden Geilheit beschäftigt, hörte ich plötzlich einen Schrei und dann ein Stammeln. Ich ließ von mir ab und schaute in den Garten. Tatsächlich! Der Plan war gelungen, Marius hatte Johannes im Polizeigriff und schob ihn, die Hose in den Kniekehlen, zu mir in Richtung Terrasse.
„So, da haben wir den kleinen Spanner!“
„Ich … ich …“ Der Bauernsohn wirkte mehr als verunsichert, fast eingeschüchtert. Kein Wunder, er stand mit heruntergelassener Hose und erigiertem Schwanz vor mir.
„Johannes, Johannes, Johannes! Was soll das?“ Ich ging auf ihn zu.
„Ich … ich … Scheiße!“ Er zog an seinem Begleiter, schüttelte sich und spannte seinen Körper an. Er versuchte wohl zu entkommen, aber Martius war ja nicht gerade der schwächste Vertreter der Gattung Mann. Er hatte ihn fest im Griff.
„Stimmt, es war Scheiße, was du gemacht hast, ganz große Scheiße sogar!“ Ich griff nach seinem Teil, kriegte aber nur, da er sich wieder wehrte, die Eier zu fassen. Ich zog den Beutel nach unten und plötzlich war nur ein Stöhnen zu vernehmen. Mein Unterarm triefte Sekunden danach vor sahniger Nässe.
Marius schien ebenso überrascht zu sein, lockerte wohl kurzzeitig die Umklammerung. Der Abiturient nutzte die sich ihm gebotene Gelegenheit und machte einen Schritt nach vorne. Er wollte weglaufen, aber seine Flucht misslang. Mit der heruntergelassenen Hose war ja seine Bewegungsfreiheit mehr als eingeschränkt, große Sprünge konnte er damit nicht machen. Drei Schritte schaffte er zwar, aber dann kam er ins Straucheln und landete bäuchlings im Pool.
Marius und ich blickten uns an und fingen an, lauthals zu lachen. Das Bild, das sich uns bot, war einfach nur göttlich! Ein halbnackter, gerade noch spannender Teenager lag nun schreiend und fluchend im kühlen Nass.
„Könntet ihr bitte aufhören zu lachen und mir raushelfen?“ Die Stimme klang zwar immer noch leicht weinerlich, hatte aber, im Gegensatz zu seinen ersten Äußerungen hier am Abend, eindeutig an Festigkeit gewonnen.
Ich ging an den Beckenrand und reichte ihm meine Hand. Als er sie ergriffen hatte, zog ich ihn raus. Er stand vor mir wie der sprichwörtlich begossene Pudel. Marius kam aus dem Haus und reichte ihm ein Handtuch. „Klamotten aus!“
Plötzlich war die Verschüchterung wieder da. „Was? … Was soll ich?“
Die Stimme des Landschaftplaners wurde schärfer. „Klamotten aus! Oder willst du dir ne Erkältung holen?“
„Ich … nein … scheiße …mein Handy.“ Er holte seinen Mobilknochen aus der Hosentasche, auch hieraus tropfte es.
„Zieh dich jetzt aus und stell dich nicht an wie ein Mädchen! Was du hast, haben wir auch! Also kennen wir das schon.“ Er machte einen Schritt auf ihn zu, der Kleine wich leicht zurück. „Ich will doch nur deine Sachen in den Trockner schmeißen, mehr nicht! Oder willst du deinem Bruder lieber erklären, warum du nass nach Hause kommst?“ Die Sanftheit war in das Organ zurückgekehrt.
„Ich … nein … scheiße … schon gut.“ Er begann sich langsam, aus seinen Klamotten zu schälen. Marius sammelte jedes Stück sofort ein und ging ins Haus zurück. Als Johannes nun ganz nackt vor mir, fing ich an, ihn ab- und somit wieder warm zu rubbeln. Aber! Da waren sie wieder, die elektrischen Schläge, die er aussandte. Was bedeutete das?
Ich führte ihn ins Wohnzimmer, setzte ihn auf die Couch und schloss die Terrassentür, langsam wurde es auch mir zu frisch. Ich blickte ihn an, er saß da, wie ein Häufchen Elend. Marius trat, wieder angezogen, zu uns und warf mir einen Bademantel zu. „Hier: Ich mach jetzt erst mal nen Kaffee, oder wollt ihr lieber Tee?“
Ich nickte meinem Freund zu und Johannes grummelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart. „Also, eine Kanne Kaffee. Kommt sofort.“
Auf dem Sessel lag noch eine Decke. Ich gab sie meinem Badegast, er sollte sich darinnen einmummeln. „So, und jetzt reden wir beide mal Klartext.“
Johannes hatte sich die Decke umgelegt. „Was soll ich denn jetzt noch sagen? Sie wissen doch alles!“
Ich versuchte, ihn nicht direkt anzusehen, aber es misslang. „Also, dass mit dem Sie lassen wir mal. Du hast mich nackt in Aktion gesehen und gerade in meiner Hand abgespritzt. Da wir uns so intim kennen, wäre diese Art der Anrede mehr als unangebracht, oder?“
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Stimmt. Ging ja ganz doll ab hier …“
„So, aber nun sag mir mal, warum du …“ Ich war unsicher, machte einen Schritt auf ihn zu. Er schaute mir direkt in die Augen und machte eine Geste, mich neben ihn zu setzen. Ich wusste nicht so recht, ob ich der Einladung folgen sollte, aber da wir schon bei der Anrede auf gleichem Niveau waren, warum sollten wir dann nicht auch auf gleicher Augenhöhe das Gespräch führen? Ich setzte mich neben ihn. „Verrätst du mir das Warum?“
„Ich … ich …“ Da war sie wieder, die Unsicherheit. Ich griff mit meiner Linken nach seinen Kopf, wollte ihn streicheln. Er wehrte jedoch die Hand, die ihn Trösten wollte, ab. „Bitte nicht … bitte …“
Nun war die Verwirrung auf meiner Seite. „Warum nicht? Ich tu dir schon nichts.“
„Das ist es nicht, aber wenn sie … äh … wenn du … wenn du mich jetzt berührst und streichelst … dann … dann kann ich für nichts garantieren.“
Ich stutzte. „Wie? Du kannst für nichts garantieren?“
„Dann … dann … dann passiert das gleich wie gerade am Pool!“ Er deutete auf seine Körpermitte.
Ich war sprachlos. Gut, so schlecht sehe ich nun auch wieder nicht aus, aber dass ich eine solche Wirkung auf einen jungen Mann haben sollte, wunderte mich schon. „Gut, dann halte ich mal meine Hände bei mir, während du mir die Frage beantwortest.“
Ein Seufzer der Erleichterung machte sich breit. „Also, ich hab … ich bin … scheiße! Warum ist das so schwer?“
„Was?“ Ich blickte ihn sanft an.
„Ich … Nein! Ich kann nicht!“ Er klang irgendwie resigniert.
„Was kannst du nicht?“
„Das aussprechen, was ich sagen will. Es ist so schwer!“ Erschien innerlich zu beben.
„Gut, dann fangen wir anders an. Wie lange geht das ganze schon?“
„Was?“ Er blickte mich schräg von unten an.
„Na, dass du mich intensiv beobachtest.“
Er atmete tief aus. „Seit knapp zwei Jahren.“
Ich erschrak. „So lange schon?“
„Naja, eigentlich fing alles damit an, als du dir vor vier Jahren den Pool gebaut hast.“
„Bitte?“
„Ja, wenn du auf der Arbeit warst oder im Urlaub, dann bin ich immer hier rüber zum Schwimmen gewesen, bis … naja, bis Papa mich vor dir gewarnt hat. Du wärst anders, würdest mit Männern … Er hat es mir verboten, hier zu baden. Aber du hast Mama ja gesagt, es wäre ok, wenn wir den Pool nutzen.“ Er atmete tief durch, es schien ihm schwer zu fallen. „Naja, dann hab ich so mit 17 festgestellt, dass ich selber so bin.“
„Was?“ Ich hing regelrecht an seinen Lippen.
„Jost, wo hast du deinen Verstand gelassen? Er hat festgestellt, dass er auch schwul ist!“ Marius kam mit einem Tablett ins Wohnzimmer. Er verteilte die Tassen. „Jo, wie nimmst du deinen Kaffee?“
„Schwarz, will ja noch schöner werden!“ Er grinste.
„Hast du aber echt nicht nötig! Jost schon, aber der ist ja auch kurz vor seinem Verfallsdatum, aber mag ihn lieber süß! Aber weiter im Text, ich habe dich unterbrochen!“ Marius reichte mir die Zuckerdose, ich hätte ihn umbringen können.
„Ist er nicht!“ Die Stimme des Kleinen wurde plötzlich härter.
„Was?“ Ich war verdutzt.
„An seinem Verfallsdatum! Er ist … ich bin … er ist mein …“
„Was?“ Marius wusste wohl auch nicht weiter.
Er atmete tief ein, schien allen Mut für den nächsten Satz zu sammeln. „Ich bin ihn Jost verliebt, wenn du es genau wissen willst!“ Wie zum Beweis griff er meine Hand und drückte sie fest.
Ich war sprachlos, Marius anscheinend auch, denn seine Kinnlade fiel ihm runter. Aber er fand, im Gegensatz zu mir, eher seine Stimme wieder. „Er könnte dein Vater sein, ich übrigens auch, wenn ich mich angestrengt hätte!“
„Was soll das ganze mit dem Alter? Das ist doch Scheiße! Mama ist auch 15 Jahre jünger als Papa und sie lieben sich. Bei uns sind es halt fünf Jahre mehr!“
„Ja, aber in der schwulen Welt … ist das irgendwie anders.“ Marius wirkte irgendwie kleinlaut.
„Was ist da? Kann da ein Jüngerer keinen Älteren lieben? Wenn du es genau wissen willst, Marius, ich hab mit der ganzen Messdienergruppe meines Jahrgangs gewichst und gefummelt, hat zwar Spaß gemacht, aber die Erfüllung war es nicht! Die eine Hälfte der Jugendfeuerwehr hat mich gefickt, der anderen Hälfte hab ich meinen Schwanz in den Arsch gerammt, war zwar spaßig, aber nichts hierfür!“ Er tippte sich an sein Herz. „Und am Samstag war ich auch nicht mit Kumpels im Kino, ich hab mich von einem fetten, abgehalfterten Familienvater, dessen Frau in Kur ist, nageln lassen. Aber auch nur deshalb, weil er …“ Jo deutete auf mich. „Weil Jost unerreichbar für mich ist. Ich hab ihn lange genug beobachtet. Er hat nie junge Typen hier zu Besuch, nur in seinem Alter – leider! Ich kann mit Jungs in meinem Alter leider nichts anfange! Als ich hier mit durchgeficktem Arsch ausstieg und das Planschen hörte, da bin ich … bin ich einfach in den Garten, ich hab gesehen, wer was mit wem gemacht hat. Als Jost in diesem Blonden war, wollte ich, ich wär an dessen Stelle! Darauf hab ich mir einen runtergeholt und hatte einen Megaorgasmus!“
Es herrschte betretenes Schweigen. Ich war einfach nur platt ob dieser Äußerung. Marius erhob sich im Zeitlupentempo. „Äh, ich geh dann wohl jetzt besser. Der Trockner braucht noch ne halbe Stunde und Jost, wir telefonieren wegen Greystoke morgen Mittag.“ Grußlos verließ er das Wohnzimmer und ließ uns alleine.
Johannes blickte mich fast hilfesuchend an. „Und? Bist du jetzt geschockt? Ja, ich liebe dich! Willst du jetzt nichts mehr mit mir zu tun haben? Könnte ich verstehen, ich bin ja nur ein kleiner, dummer Junge! Was sollen wir jetzt machen?“
Ich überlegte, erhob mich und ließ ihn für einen Augenblick alleine. Als ich nach drei Minuten ins Wohnzimmer zurückkehrte, saß er immer noch so dar wie vorher. „Hier!“ Ich warf ihm einen Jogginganzug von mir entgegen.
„Was soll ich denn damit?“ Er blickte mich fragend an.
„Na, was wohl? Anziehen natürlich! Oder willst du nackt über die Straße gehen?“
„Gehen? Ich soll also verschwinden? Aus deinem Leben?“ Er wirkte irgendwie niedergeschlagen.
„Das habe ich nicht gesagt! Aber du wirst jetzt gehen … und … wiederkommen müssen, denn deine Sachen sind ja noch bei mir im Trockner. Nur wann du sie dir abholst?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Den Zeitpunkt, lieber Jo, bestimmst nur du selbst!“
Er blickte mich fragend an. „Wie?“
„Du kannst sie nachher noch abholen oder morgen früh nach dem Aufstehen oder auch nach der Schule, deine Entscheidung. Du weißt ja wahrscheinlich besser als ich selber, wann ich pennen gehe, wann ich aufstehe, wann ich das Haus verlasse und wann ich wiederkomme.“
Er nickte. „Ja, fast auf die Minute.“
„Also, falls ich dich morgen wieder mitnehmen soll, dann solltest du diesmal deine Schultasche nicht wieder vergessen. Und nun geh und komm, wann immer du willst, wieder!“
„Alles klar!“ Bedröppelt zog er sich an und verließ mein Haus.
Epilog: Der Auftrag für den Englischen Gartens wurde, allein wegen der günstigen Kosten, an Tenhagens Landschaftbau vergeben und seit August 2008 hat die Everding Bauelemente oHG einen Auszubildenden, der jeden Morgen um Punkt acht auf der Matte steht. Kein Wunder, ich nehme ihn ja auch immer mit. Das ist ein kleines Dankeschön, denn er weckt mich immer so zärtlich und seine Frühstückseier sind besser als meine.

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Information Der Fotograf
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:11 AM - No Replies

Es war längst dunkel, vielleicht auch schon wieder fast Morgen. Mein Zeitgefühl war mir abhanden gekommen. Ich hatte es geschafft zu fliehen – und das vor meiner eigenen Familie. Wäre dies nicht schon kläglich genug, wäre es die Festnahme meines Vaters alle Mal. Und es war meine Schuld.
Obwohl man mir seit jeher beibrachte, das zu nehmen, was ich gerade begehrte, hätte ich von IHM wohl doch besser die Finger gelassen. Aber er war so begehrenswert und noch dazu einer der großen Köpfe des verhassten Feindes. Allerdings machte gerade dieser Punkt alles noch viel reizvoller.
Mir war egal, dass er schon einen anderen Partner hatte, dass ihm seine Familie über alles ging und er deshalb nie die Seiten wechseln würde. Dennoch wollte ich ihn BESITZEN. Die Männer, die normalerweise für meinen Vater arbeiteten, fraßen mir aus der Hand, in der Hoffnung, beim „Big Boss“ Eindruck schinden zu können.
Was mir am Anfang jedoch so leicht erschien, wurde zunehmend komplexer und endete in einer Katastrophe. Unbeabsichtigt machte ich im Höhenrausch die Organisation auf die „Machenschaften“ meines Vaters aufmerksam, und während ich der Festnahme durch Zufall entkam, wurde er „dingfest“ gemacht.
Diese Schmach allein kratzte wie Raupenbagger an meinem Ego. Dass mich jedoch mein eigener Onkel aus dem Clan warf, weil ich angeblich die hohe Ehre dessen verletzt hätte, war zu viel. Er nahm mir alles. Mein Haus mit den untertänigen und willigen Bediensteten, mein Geld, meine Macht.
Sie brannten mir das Tattoo aus der Schulter, was mich als „Thronfolger“ des Clans kennzeichnete, zerrten mich vor die Tür meines einstigen Heimes und stießen mich in den Dreck. Ich war nicht mehr viel mehr wert, als eine widerliche Ratte, die man beim stehlen in der Vorratskammer erwischt hatte.
Man gab mir einen kleinen Vorsprung, um den Reiz der Jagd zu erhöhen. Jedoch rechneten sie nicht mit meinen ausgezeichneten Ortskenntnissen. Ich kannte jeden Schatten in der Umgebung und nutzte diese, schließlich war ich hier geboren und aufgewachsen. Auch wenn es schwer und mühselig war, aber ich entkam. Verborgen in einer Abfalltonne, obenhin gefüllt mit Dreck.
Hätte ich noch ein Gefühl in meinem Gesicht, würden sich meine Lippen zu einem bitteren Lächeln verziehen. Dreck… Genau das war ich, und dort gehörte ich hin. Mit letzter Kraft hievte ich mich aus dem Container, um nicht doch noch in der Müllpresse zu enden und lag seit einer gefühlten Ewigkeit auf dem schmutzigen Boden in einer dunklen Seitengasse.
Den Nieselregen, der mit der Zeit immer heftiger wurde, spürte ich kaum mehr. Längst waren die dicken Tropfen durch meine zerrissene Kleidung gekrochen und hatten meine geschundene Haut aufgeweicht. Ich war nahe dran, mich der seltsam wärmenden Ohnmacht hinzugeben, die die eisige Kälte in meinem Körper ablöste.
Doch dann hörte ich eilige Fußschritte, das typische Platschen, wenn man durch Pfützen sprang. Dann sah ich zwei abgewetzte Turnschuhe einer Billigmarke direkt vor meinen Augen. Die gehörten auf jeden Fall nicht zu einem der Handlanger meines Onkels, schließlich gab es bei uns einen entsprechenden Dresscode – und wir pflegten eine gewisse Etikette.
Und selbst wenn, ich war eh nicht mehr in der Lage, auch nur den kleinsten Finger zu rühren. Ich erwartete alles, von Verspottung, Beschimpfung über Bespucken und weiteren Tritten. Aber mit starken Armen, die mich hochhoben und an eine warme Brust pressen, hatte ich nicht gerechnet.
Es war seltsam, aber sofort fühlte ich mich sicher und geborgen, driftete ab in ein dumpfes Delirium, in dem ich kaum mehr als seinen eigentümlichen Geruch wahrnahm, erfrischend zitronig mit einer männlichen – herben Note. Von Erholung war dennoch vorerst keine Spur.
Der Fremde schleifte mich unter die Dusche und drehte das warme Wasser voll auf. Umständlich zerrte er mir die Sachen vom Leib und wusch mich grob. Behutsam trocknete er mich ab und steckte mich dann in sein Bett. Ich bekam währenddessen kaum die Augen auf, hörte keine seiner Fragen, brachte nicht mal einen missgestimmten Laut über meine Lippen.
Der Schlaf holte mich unwillig ein, und nur wenige Male kam ich zu mir, um dumpf mitzubekommen, wie jemand mich fachkundig untersuchte und meine Wunden versorgte. Aber viel zu schnell driftete ich wieder ab in erholende Dunkelheit.
Es war hell, als ich abermals erwachte. Ich fühlte mich ausgelaugt, genau wie das Wetter seltsam dumpf und trüb. Vorsichtig bewegte ich jeden Finger, jedes Glied, um zu testen, ob noch alles dran und funktionstüchtig war. Vorerst zufrieden stand ich auf, prüfte, wie verlässlich meine Beine mein Gewicht trugen und sah mich neugierig um.
Das Zimmer war klein und spartanisch eingerichtet, dennoch passte alles irgendwie zusammen und hegte einen gewissen Charme. Ein großes, bis auf den Boden reichendes Fenster gab die Sicht auf die graue Masse draußen frei, das sich Wetter schimpfte. Im Spiegel der Scheiben bemerkte ich, dass ich völlig unbekleidet war, bis auf den weißen Verband um Brust, Schulter und Rücken.
Langsam drehte ich mich um und starrte auf die Tür, die vermutlich in den nächsten Raum führte. Wer war das, der zu dem zitronigen Geruch gehörte, welcher überall in der Luft hing? Bedächtig umrundete ich das Bett, drückte so leise wie nur möglich die Klinke hinunter und schlich in das Zimmer.
Es war übersichtlich, mit einer kleinen Kochnische samt Durchreiche, ein paar Bücherregalen an der Wand, einer zerschlissenen Couch in der Mitte und einen – für meinen Geschmack viel zu kleinen – Flachbildfernseher gegenüber an der Wand. Dann sah ich ihn.
Er saß an einem großen Schreibtisch mit zwei Monitoren darauf. Den Kopf auf die Arme gebettet, lag er schlafend auf der Arbeitsplatte und atmete regelmäßig. Ich ging näher heran und lugte über ihn hinweg auf die Bildschirme. Ein Fotobearbeitungsprogramm war noch offen und zeigte ein junges Paar in Hochzeitsrobe.
Auf dem Nächsten war eine Website offen, auf der man Ordner mit Bildern hochladen konnte, samt einem dicken Ladebalken, der hundert Prozent anzeigte und eine Schaltfläche „uploadcompleat“. Jetzt sah ich auch die Kamera unweit von ihm liegend und die Bilder an der Wand, zumeist fantasiereich bearbeitet, dass man kaum mehr das eigentliche Model erkannte. Ein Fotograf also. Ich schnaubte leise. Brotlose Kunst.
Mag sein, dass dieses kleine Geräusch der Auslöser war, aber in dem Moment regte sich der Mann vor mir und hob langsam seinen Kopf. Verschlafen rieb er sich über die Augen, die nicht recht aufgehen wollten und gähnte herzhaft. Ich ließ ihm Zeit, um zu sich zu kommen und betrachtete ihn ausgiebig.
Schmales, unrasiertes Gesicht mit schulterlangem, dunkelblondem Haar, das wüst und äußerst nachlässig im Nacken mit einem ausgefransten Zopfhalter zurückgehalten wurde. Er sah wie dieser drittklassige Geigenspieler aus den Medien aus, der zurzeit hoch umjubelt wurde – nur etwas schmaler und jünger. Als dieser David Garrett-Verschnitt mich endlich bemerkte, hielt er in seiner Streckübung inne und schaute mich überrascht an.
„Du bist wach“, kommentierte er das Offensichtliche, legte seinen Kopf leicht schief und lächelte dann. „Schön.“
Ein seltsamer Ruck ging durch meine Brust, ganz kurz, gleich einem Wimpernschlag, als würden mich seine dunkelblauen Augen irgendwie berühren. Aber es verging so schnell wieder, dass ich es gar nicht zu greifen bekam. Ich runzelte lediglich die Stirn und unterdrückte ein angewidertes Nasenrümpfen ob der Freundlichkeit.
Als ich ihn nur weiter ansah und mich sonst nicht rührte, stand er ungelenk auf, die Glieder noch steif von der unbequemen Schlafposition. In diesem Moment bemerkte er, dass ich unbekleidet war.
„Oh, ich hab dir gar keine Sachen raus gelegt. Warte kurz, ich hole welche“, meinte er sachlich, als hätte er lediglich festgestellt, dass mein Glas alle wäre und vergessen, mir nachzuschenken.
Dieser Fotograf verschwand im Schlafzimmer, und kurz darauf hörte ich Schubladen klappern. Nochmals studierte ich die Bilder an der Wand. Egal wie fantastisch diese auch waren, es waren ausnahmslos männliche Portraits. Bis auf eines, direkt neben seinem Monitor, signiert mit einem geschwungenen M.
Es war überdeutlich, welchen Interessen der junge Mann nachging und ich zählte mich bei den Göttern nicht zu den hässlichen Geschöpfen dieser Erde. Warum ging also dieser Typ unbesonnen an mir vorbei, ohne die kleinste Regung zu zeigen? Ich würde lügen, wenn mich dies nicht etwas kränkte.
„Hier. Hab sie mal falsch gewaschen und zu heiß getrocknet, aber dir dürften sie passen.“
Mit diesen Worten legte er mir ein paar alte Lumpen hin, die er Kleidung schimpfte, ging dann zu seiner Kochnische und wühlte im Kühlschrank rum. Skeptisch blickte ich auf das Bündel hinab, bis ich mich endlich überwand und es widerwillig überstreifte.
Socken, Shorts, eine Jeans, die dank eines Stoffgürtels baggymäßig auf meiner Hüfte saß und ein Kapuzenshirt, welches sich fast schon eng an meinen Oberkörper schmiegte. Es war weder mein Stil, noch meine Marke – wenn es denn überhaupt eine war. Aber alles roch nach ihm, was es seltsam erträglich, fast angenehm machte.
Wieder fixierte ich diesen Fotografen, der eine innerliche Ruhe und äußerliche Freundlichkeit ausstrahlte, dass es mich fast anwiderte. Entweder war man in meiner Umgebung untertänig, ängstlich oder rattengeil und nichts traf auf ihn zu. Es kratzte genauso an meinem Ego, wie es mich neugierig machte.
Dieser Typ begann Sandwiches zu machen, mit frischen Zutaten wie Tomate, Gurke, Salat und Putenbrust. Doch ich hatte etwas anderes entdeckt, als er abermals den Kühlschrank öffnete. Ohne weiter auf ihn zu achten, ging ich darauf zu, holte den großen Teller aus dem Kältespeicher und stellte ihn in die Mikrowelle. Seine seltsam belegten Toastscheiben konnte er ruhig selber essen.
Nach knapp fünf Minuten ertönte das bekannte „Pling“, und das Essen war aufgewärmt. Ich setzte mich an die Theke, mit dem Rücken zu meinem Gastgeber, der weiter munter vor sich hinplapperte, wie er die Lasagne zubereitet hatte, mit etwas zu viel Zwiebel und Knoblauch, er aber trotzdem hoffte, dass sie mir schmeckte.
Mich interessierte das kein Stück. Ich war dermaßen ausgehungert, dass ich fast alles gegessen hätte, solange es warm und frisch war. In weniger als sechs Minuten hatte ich alles bis auf den letzten Krümel verputzt. Etwas zufriedener rutschte ich vom Barhocker runter und fläzte mich auf die Couch.
Meine Füße auf die Tischkante stellend, angelte ich mir die Fernbedienung und zappte gelangweilt durch das normale Programm. Es hätte mich auch stark gewundert, wenn er Pay-TV gehabt hätte. Wie eine kleine brave Hausfrau spülte der Typ meinen Teller ab und räumte die Küche auf, bevor er mir lächelnd ein eisgekühltes Becks Lemon reichte.
Gut, etwas Kräftigeres wäre mir jetzt lieber gewesen, aber besser als nichts. Also nahm ich es entgegen und noch bevor ich zum Trinken ansetzen konnte, stieß er mit dem Flaschenboden an meinen.
„Ich bin Aden“, sprach’s mit einem 1000-Watt-Lächeln und ließ sich neben mir auf die Couch nieder.
„Julian“, antwortete ich viel perplexer als mir lieb war.
Wieder ging dieser seltsame Ruck durch meine Brust, nur dieses Mal etwas heftiger. Auch wenn dieser Fotograf sich äußerlich recht nett und fürsorglich gab, schien er sich nicht im Geringsten für mich zu interessieren. Oder warum langte er nach einer Fachzeitschrift, anstatt meine Aufmerksamkeit zu gewinnen?
„Deine Eltern waren wohl auch Ami-Fans, weil unsere beide Namen auf Englisch ausgesprochen werden“, gab dieser Typ von sich, ohne mich anzusehen und vertiefte sich in seine Zeitung.
„Wahnsinn. Wir haben ja sooo viele Gemeinsamkeiten“, meinte ich sarkastisch und zappte übertrieben schnell durchs Fernsehprogramm.
Aber weder das, noch meine Anwesenheit lenkte ihn irgendwie ab. Genervt schaltete ich den Fernseher ab und warf die Fernbedienung scheppernd auf den Tisch. Unruhig stand ich auf und tigerte durch das kleine Zimmer, bis ich bei den Bücherregalen hängen blieb.
Hier standen ausschließlich Fantasy-Schinken, von bekannten wie unbekannten Autoren, dicke wie dünne Exemplare. Neugierig betrachtete ich einige Cover, die oft halbnackte Männer oder männliche Dämonen zeigten. Sogar die kurze Zusammenfassung auf den Buchrücken versprach mehr, nicht selten explizitere Eindrücke.
Und dann, von einer Sekunde auf die nächste, stand er hinter mir, so dicht, dass sein warmer Atemhauch meine Nackenhaare zum vibrieren brachte. Verwirrt von der Tatsache, dass es jemand schaffte, sich unbemerkt an mich ranzuschleichen und seiner plötzlichen, fast aufdringlichen Nähe, lehnte ich mich wie selbstverständlich an seine Brust.
Als wäre der Größere genau dafür geschaffen worden, mich so in den Arm zu nehmen, fügten sich unsere Körper für einen winzigen Moment zu einer Einheit zusammen. Sein zitroniger Geruch hüllte mich ein wie Nebel, der meiner aufkommenden Lust nur noch mehr Nahrung spendete. Schummrig geworden von den heftigen Eindrücken, schloss ich gequält meine Augen und stöhnte verhalten.
„Das ist eines meiner Lieblingsbücher, über einen Jungen, der sich nichtsahnend in einen Dämonen verliebt und über einen Dämon, der sich Hals über Kopf in einen Menschen verliebt, ohne zu wissen, welch gefährliches Erbe in ihm schlummert. Mich beeindruckt immer wieder die Wandlung der Charaktere, wie stark beziehungsweise schwach sie füreinander werden – und wie sehr der Schein am Anfang bei beiden trügt.“
Diese traurige Leidenschaft, mit der er sprach, war zu viel. Kein Buch hatte so eine Aufmerksamkeit verdient! Nur ich! Schwungvoll drehte ich mich um und stellte diesen Fotografen so das Bein, dass er mit einem leichten Stoß der Länge nach zu Boden fiel.
Kurzerhand setzte ich mich auf seine Hüfte und presste ihm einen derben, verlangenden Kuss auf die Lippen. Aber weder hielt er erschrocken inne, noch gab er sich mir freiwillig hin. Es waren nicht mal Sekunden, in denen sich unsere Münder trafen, als der andere mich grob von sich runter stieß und ich direkt mit dem Rücken ans Sofa prallte.
Ein unglaublicher Schmerz explodierte in meiner Schulter und ließ mich kurz Sterne sehen. Stöhnend lag ich auf dem Boden und versuchte, wieder Herr über meine Sinne zu werden. Abermals überraschte mich dieser Fotograf. Behutsam nahm er mich auf seine Arme, ging ins Schlafzimmer und ließ mich sanft auf das Bett nieder. Und während sich mein Blick langsam wieder klärte, brachte er mir ein Glas Wasser samt zwei Tabletten.
„Der Doc meinte, du sollst sie nehmen, wenn es dir nicht gut geht.“
Missgestimmt funkelte ich mein Gegenüber an, der sich auf die Bettkante gesetzt hatte. Wie konnte er es nur wagen?! Wie konnte er mich dermaßen abweisen, nur um hinterher besorgt auf mich herabzuschauen?! Und doch machte sich eine behagliche Wärme in mir breit, als ich widerwillig die Medikamente schluckte, immer schläfriger wurde und er fürsorglich die Decke über mich ausbreitete. Wie von selbst wanderte meine Hand zu seiner, als er aufstehen und weggehen wollte.
„Bleib hier“, nuschelte ich schwach, kaum noch in der Lage, die Augen offen zu halten. Er lächelte mich liebevoll an und legte sich dann ohne einen Kommentar neben mich. Weiterhin Händchen haltend lagen wir da, die Gesichter uns zugewandt, bis ich in einen ruhigen Schlaf glitt, ohne Schmerzen.
Erst am nächsten Morgen erwachte ich mit einer seltsamen Ruhe in mir, die ich so bisher nicht kannte. Es war noch recht früh. Die Dämmerung zauberte eine sanfte Mischung aus Lila- und Orangetönen, die sanft durch das große Fenster schienen. Tief atmete ich den zitronigen Duft ein, der ein wohliges Kribbeln über meine Haut jagte.
Dann spürte ich den sachten Lufthauch im Nacken und den warmen Körper im Rücken. Scheinbar war er mit eingeschlafen und nun lagen wir aneinander gekuschelt da, wie nach einer erfüllten Liebesnacht. Und wäre das nicht schon unerträglich genug, dann war es sein Arm, der locker über meine Hüfte lag und die Hand nahe bei meiner Körpermitte.
Ich bräuchte mich nur etwas nach vorn beugen – nur ein winziges Stück – und er würde mich berühren. In einigen Angelegenheiten mangelte es mir schon immer an Selbstbeherrschung. Leicht lehnte ich mich nach vorn und seufzte wohlig auf, als seine Finger mich berührten. Zwar trug ich noch immer Shorts, dennoch fühlte es sich unheimlich erregend an und mein Innerstes schrie regelrecht nach mehr.
Mir war bewusst, dass mich dieser Fotograf wieder von sich stoßen würde, sobald er mitbekam, was hier vor sich ging. Trotzdem war es mir unmöglich aufzuhören. Meine Bewegungen wurden etwas schneller und als ich schon meine Hand auf seine pressen wollte, packte er zu.
Erschrocken riss ich die Augen auf und holte zischend Luft. Ehe ich reagieren konnte, schlang er von unten den rechten Arm um meinen Oberkörper und zog mich dicht zu sich heran, während er mit der anderen Hand mir die Shorts etwas runter zog. Sanft begann er mich zu verwöhnen, bis mein Atem schneller wurde und erste Lusttropfen zu fließen begannen.
Selbst die wusste er für sich zu benutzen, neckte meine Brustwarzen, während er immer schneller wurde. Und als ich seine Lippen an meinem Ohrläppchen spürte, fühlte, wie sein heißer Atem über meine feucht geschwitzte Haut strich, war es um mich geschehen.
Noch Minuten später zuckte mein Körper leicht nach, unter dem heftigsten Gefühlsausbruch, den ich seit langem hatte. Die ganze Zeit hielt mich dieser Fotograf fest, als wollte er nicht die kleinste Regung meinerseits verpassen. Erst als ich mich gänzlich beruhigte, regte sich der andere.
„Fühlst du dich jetzt besser?“, hauchte er mir sanft ins Ohr, was mir eine wohlig-prickelnde Gänsehaut bescherte.
Ein diabolisches Lächeln schlich sich auf meine Lippen, war das für mich doch erst der Auftakt.
„Gut. Denn das war eine einmalige Sache“, sprach’s, wand sich unter mir hervor und machte Anstalten aufzustehen. Erst beim zweiten Herzschlag drangen seine Worte komplett zu mir durch. Schnell drehte ich mich um und bekam noch sein Handgelenk zu fassen.
„Das ist doch wohl ein Scherz?!“, blaffte ich angepisst und funkelte ihn wütend an. Nichtssagend schaute er ausdruckslos auf mich herab. „Bei mir zählt so etwas lediglich zum Vorspiel!“, bekräftigte ich mein Anliegen, worauf seine Züge wieder weich wurden.
„Wir spielen nicht in der gleichen Liga“, stellte er ruhig klar, als würde er einem Kleinkind erklären, dass Feuer heiß ist, wissend, dass es erst beim ersten Test verstand. Sanft machte er sich von mir los und ging Richtung Bad. „Ich habe dir frische Handtücher und eine neue Zahnbürste hingelegt. Der Doc meinte, wir können gleich am Morgen zu ihm gehen, wenn du wieder wach bist. Da ist am wenigsten bei ihm los.“
Nun lächelte dieser Fotograf wieder gutmütig, als wäre überhaupt nichts passiert. Ich hingegen zitterte vor Wut. War das seine perfide Art von Zuckerbrot und Peitsche? Er hatte mir verdammt nochmal einen runtergeholt! Warum machte er nicht weiter? Gleiche Liga hin oder her, dieser Typ stand auf Männer. Das bezeugte nicht nur die Bilder an seiner Wand und Bücher in den Bücherregalen.
Kein normaler Hetero würde einen anderen Mann so anfassen. Und doch erkannte ich nicht die kleinste Regung an ihm, als er am Bettende vorbei ins Bad marschierte. Weder im Gesicht noch in den tieferen Regionen. Entweder hatte dieser Fotograf einen verdammt kleinen Schwanz, den man nicht mal in der enganliegenden Retro ausmachen konnte, oder ihn hatte das ganze Theater vollkommen kaltgelassen.
Weder das eine, noch das andere wollte mir gefallen. Dass ich schlichtweg nicht sein Typ war, fiel für mich komplett aus, es sei denn, er stand auf alte, verpickelte Säcke. Missgestimmt reinigte ich mich kurzerhand an der Decke und stapfte dann ins Bad. Meine morgendliche Routine war schnell erledigt, auch wenn dieser Fotograf mir ständig im Weg stand.
Wenigstens setzte er noch rechtzeitig frischen Kaffee auf, sodass ich mir als erstes eine Tasse nahm, ehe der letzte Tropfen durch war. Normale Brötchen vom Bäcker schien für ihn der pure Luxus zu sein, wenn ich mir so diese mickrigen Teigklümpchen anschaute, die einsam im Ofen vor sich hin backten.
Seufzend setzte ich mich auf einen der Barhocker, während der andere Teller, Messer und Belag sorgfältig auf dem Tresen verteilte. Wir frühstückten überwiegend in schweigender Runde und als ich zum Ende hin die zweite Tasse Kaffee genoss, räumte dieser Fotograf die Küche auf. Wenigstens da war er gründlich.
Wenig später stand ich auf der Straße und schaute entgeistert das mickrige, veraltete Ding an, welches der Größere Auto schimpfte. Ich war ja viel gewöhnt, ein Panamera, ein CLS 55 AMG, zur Not vielleicht noch ein 750i BMW, aber DAS… Mit gerümpfter Nase betrachtete ich das Heck, auf dem vereinzelt Rost sich seinen Weg durch das Metall fraß und sich unerbittlich um ein paar Buchstaben schlang. Corsa.
Ich sollte zusehen, dass ich hier so schnell wie möglich verschwand. Zum Glück dauerte die Fahrt nicht allzu lang. Kurz darauf betraten wir eine Art Warteraum, wie so typisch bei vielen Ärzten. Während meine Begleitung ein Telefonat via Handy entgegen nahm und irgendetwas von Abendessen und einem Event redete, sah ich mich gemütlich um.
Etwas von Interesse gab es hier nicht, also lauschte ich auf die Stimmen ein paar Türen weiter. Gemächlich ging ich auf diese zu und lugte vorsichtig um die Ecke, vermutlich in ein Behandlungszimmer. An den Wänden standen weiße Schränke mit milchigen Glastüren und in der Mitte thronte eine stilgerechte Liege, auf der ein breitschultriger Mann saß, welcher sich mit dem Kittelträger lauthals stritt.
„Manches Mal zweifle ich wirklich sehr, dass du deinen Doktortitel auf legalem Weg erhalten hast.“
„Sowas habe ich nie behauptet. Und jetzt hör auf hier rumzubrummen! Wenn du meinen Rat befolgt hättest und diese Unternehmungen endlich unterlassen würdest, müsste ich mir hier nicht zum frühen Morgen dein Gejammer anhören.“
Die Erwiderung war ein undeutliches Grummeln. Der Patient stand auf und zog sich ein enges, arg mitgenommenes Shirt über. Dann schaute er mich direkt an. Solch eiskalte graue Augen hatte ich bisher noch nie gesehen. Er verabschiedete sich mit einem Nicken vom Doc und ging dann geschmeidig an mir vorbei. Wüsste ich es nicht besser, würde ich glauben, eine Wildkatze wäre an mir entlang geschlichen.
„Es ist unhöflich, andere zu belauschen“, lenkte der Arzt meine Aufmerksamkeit auf sich, während er die Liege desinfizierte und mir dann bedeutete, darauf Platz zu nehmen. „Selbst für einen jungen Lord eures Standes. Oder sollte ich besser ‚ehemaliger Lord‘ sagen?“
Alarmiert horchte ich auf und verfolgte die Bewegungen des anderen genau. Dieser wusch sich gemütlich die Hände und streifte sich neue Einweghandschuhe über.
„Seid beruhigt. Von mir geht keine Gefahr aus – vorerst. Zieht euer Shirt aus.“
Mit gerunzelter Stirn tat ich wie geheißen.
„Woher kennt ihr mich?“, fragte ich, ohne den lauernden Unterton ganz verbannen zu können.
„Ich bin Mediziner und behandle die ungewöhnlichsten Patienten, die oft nur auf mich angewiesen sind. Es wäre fatal, wenn ich meine Lieferanten von gewissen Betäubungsmitteln nicht gut kennen würde.“
„Wenn dem so ist, benötige ich eure Hilfe.“
„Sicherlich. Euer Onkel ruiniert mir gerade das Geschäft. Dennoch ist meine Hilfe teuer.“
„Wie teuer?“
„Ein Gefallen zur gegebener Zeit.“
Vor Verwunderung schnaubend, wollte ich mich zu dem Doc umdrehen. Aber er hantierte – mit Absicht? – etwas derber an meiner Schulter, weswegen ich doch lieber ruhig sitzen blieb.
„Gut“, nickte ich also zustimmend – wohlwissend, dass in meiner Welt das Wort bindet. Vielleicht war mein Vater einer der größten Drogenbosse Deutschlands und ich sein verzogener Sohn. Dennoch brachte man mir sehr wohl bei, was Ehre bedeutete.
„Es gibt bei euch einen alten Brauch, wenn ein großer Kopf der Gemeinschaft abdankt. Der neue Amtsanwärter muss sich die Unterstützung der Familie sichern“, holte der Doc aus.
„Der Leichenschmaus“, murmelte ich nachdenklich.
„Ich sorge dafür, dass ihr rechtzeitig über den Ort und die Zeit der Veranstaltung in Kenntnis gesetzt werdet und wie ihr relativ gefahrlos vorsprechen könnt. Was ihr dann daraus macht, ist eure Sache. Sobald ihr die Informationen in den Händen haltet, ist mein Teil der Abmachung erledigt.“
Ich wollte gar nicht genau wissen, wie er gedachte, an alles ranzukommen, denn so eine Vollversammlung der Elite des Untergrundes wurde sehr vertraulich behandelt. Aber das sollte nicht mein Problem sein. Ich hatte vor, mir meinen Besitz und angestammten Platz wieder zurückzuholen – koste es, was es wolle.
Den restlichen Tag verbrachte ich allein in dieser Hundehütte des Fotografen. Er hätte ein Termin, der gut bis zum Abend gehen könnte und ich solle mich in der Zeit wie zu Hause fühlen. Um das zu realisieren, fehlten dieser Absteige mindestens 200 Quadratmeter.
Total begeistert schnappte ich mir wahllos ein Buch aus dem Regal und begann, lustlos zu lesen. Dennoch kreisten ständig meine Gedanken um meinen Onkel, die Firma und wie ich diese zurückgewinnen könnte. Mir war klar, dass ich nicht nur auf die Informationen des Docs bauen durfte.
Ich sollte selbst Nachforschungen anstellen, damit ich mich nicht blind auf jemand Fremdes verlassen musste. Eine Waffe wäre auch nicht schlecht, obwohl es notgedrungen auch ein Küchenmesser machen würde, schließlich legte dieser Fotograf sehr viel Wert auf die Funktionalität seiner Kochutensilien.
Seufzend schloss ich das Buch und betrachtete den Einband genauer. ‚Das Dämonenmal‘ von Chris P. Rolls… sein Lieblingsbuch. War die Tatsache, dass mich hier keiner meiner Gegenspieler suchen würde, der einzige Grund, warum ich auf dem verschlissenen Sofa sitzen blieb? Kräftig genug, um ein paar Kontakte abzuklappern, war ich allemal. Und dennoch ging mir sein Lächeln nicht aus dem Kopf, der Geschmack seiner Lippen und die Wirkung seines Atems auf meiner Haut.
Das freudige Gegacker im Treppenhaus hörte man schon weit bevor die Tür geöffnet wurde. Schnell schlug ich wieder das Buch auf und schaute so ausdruckslos wie nur möglich auf die Seiten. Kichernd betraten die beiden die Wohnung und unterhielten sich über ein Event und verschiedene Fotografen.
„Oh, das ist also dein neuer Mitbewohner. Hallo, ich bin Isabel“, stellte sich diese Frau vor, die mir schon jetzt auf den Keks ging.
„Schön für dich“, gab ich kalt zurück, ohne aufzuschauen.
„Oh, sehr charmant, der Kleine“, lachte sie lediglich und betrachtete mich eingehender. „Er hat ein hübsches Gesicht, vor allem, wenn er versucht, böse auszuschauen.“
Bitte? Hatte denn niemand mehr Respekt vor mir?
„Nur an seinen Haaren müsste man was machen. Das Silber sah bestimmt gut aus, aber jetzt halb rausgewachsen…“
„Bel, hör auf ihn so anzustarren, als wäre er ein neues Kunstobjekt“, rügte dieser Fotograf nach meinem Geschmack zu liebevoll und reichte uns dann ein Glas Weißwein. „Du musst sie entschuldigen Jul, aber sie ist eine Vollblutstylistin durch und durch. Also, auf das Leben!“
„Du bist ein widerlicher Optimist, Aden, dass es schon an Perversion grenzt. Vom Leben habe ich erst mal die Nase voll.“
Während ich das Glas in einem Zug leerte, nippten beide lediglich daran.
„Vergiss den Typen, Isabel. Ich habe versprochen, dich abzulenken und mein weltbestes Fischcurry wird das auch schaffen.“
Na super. Zuerst dieser dauernette Typ, der sich zu nichts hinreißen lässt und jetzt eine schräge Tussi mit Herzschmerz. Den Abend hatte ich mir anders vorgestellt… prickelnder… mit ihm. Es ging nicht mehr zu leugnen. Ich wollte ihn besitzen und zwar ganz, wie noch nie jemanden zuvor.
Kurz kam ER mir in den Sinn und mein fanatischer Drang, ihn einzunehmen. Noch immer kribbelten meine Fingerspitzen, wenn ich an seine hochgewachsene Gestalt dachte und seine tiefgrünen, dunkelglitzernden Augen. Aber das von damals glich eher einer Schwärmerei im Gegensatz zu dem, fast körperlich schmerzhaften Verlangen, was ich jetzt empfand.
Es war halt etwas vollkommen anders, jemand Fremdes von weitem anzuhimmeln, mit der Gewissheit, ihn nie erreichen zu können, als ihm direkt gegenüberzustehen.
Dieses aufmunternde Gequatsche zwischen weiblichen Seufzern konnte ich mir nicht länger antun. Sollte sie doch weiter zusammengesunken auf dem Barhocker am Tresen sitzen, während er fröhlich den Kochlöffel schwang. Ich warf genervt das Buch auf den Tisch und störte mich nicht im Geringsten daran, dass ich dabei das Weinglas traf, was scheppernd umfiel und zerbrach.
Meine Schuhe hatte ich schnell angezogen und die 50 Euro, die ich mir aus dem Portemonnaie des Fotografen nahm, standen mir meiner Meinung nach eh zu – als Schadensersatz für diese unstandesgemäße Behandlung. Die Tür knallte lauter ins Schloss als sie sollte, aber mir persönlich war das eh egal.
Zum Glück befand sich diese Wohnung relativ in Stadtnähe, weswegen ich den Weg zu meinem Stammlokal zu Fuß auf mich nahm. So konnte ich mich abreagieren und die nächsten Schritte planen. Obwohl ich meiner Ansicht nach etwas heruntergekommen aussah, ließ man mich am Eingang ohne Weiteres passieren. Wenigstens hatte hier mein guter Name noch was an Wert.
Zwar war es noch recht früh am Abend, trotzdem war das Etablissement gut besucht, als sei es ein Uhr morgens. Ein leichtes Lächeln verirrte sich auf meine Lippen. Hier gab es keine Tageszeit, denn hier war es immer Nacht. Ich lief gleich zur Bar und bestellte mir einen Martini.
Keine Sekunde später gesellte sich ein Typ zu mir, lud mich ein und bekundete näheres Interesse. Doch deswegen war ich nicht hier – zumindest nicht nur. Ich stellte das leere Glas beiseite, ignorierte den Freak neben mir und ging direkt auf einen jungen Mann zu, den ich für mich auserkoren hatte.
Gemächlich umrundete ich zwei Frauen, die auszutesten schienen, welches Zungenpiercing besser schmeckte, wich zwei Jungs aus, die so eng miteinander tanzten, dass man glauben könnte, sie hätten sich mitten auf der Tanzfläche vereinigt, bis ich ein paar Meter vor meinem Objekt der Begierde stehen blieb.
Gelassen schaute ich ihm zu, wie er einen Kerl nach seiner Nase tanzen ließ, bis sein Blick den meinen traf. Als hätte ich ihn mit einem Bann belegt, schaffte er es nicht, sich abzuwenden – und er wollte es auch gar nicht. Mit einem diabolischen Lächeln zog er den Kerl näher zu sich, schwang seine Hüfte aufreizend zur lauten Musik, zog dessen Shirt etwas nach oben, nur um mir zu zeigen, dass er über dessen Haut kratzte.
Selbst als er dem anderen einen wilden Kuss aufzwängte, ließ er mich nicht aus den Augen. Es war sein Begrüßungsgeschenk an mich und ich müsste lügen, wenn ich behauptete, diese Show würde mich gänzlich kaltlassen. Schlussendlich hatte er doch genug von dem Kerl, ließ diesen einfach stehen und kam elegant auf mich zu.
Kurz vor mir verbeugte er sich leicht und erwiderte mein knappes Kopfnicken mit einem lüsternen Lächeln. Langsam umrundete er mich, ließ seine Hand über meinen Bauch, Rücken und Nacken gleiten, bis er mir wieder zugewandt dastand und mich in eine sachte, rhythmische Bewegung zwang. Ich mochte das Spiel der Muskeln unter seinem dünnen Shirt und freute mich schon jetzt auf seinen sehnigen Körper.
„Auch wenn andere Umstände mir lieber wären, aber mein Lord besucht mich gewiss nicht ohne Grund nach seinem schweren Fall“, fragte mein Tanzpartner und wieder musste ich schmunzeln. Dieser Mann sah nicht nur verdammt gut aus, er hatte auch Köpfchen.
„Später“, knurrte ich lediglich und verbiss mich verlangend in seine Lippen.
Es dämmerte gerade, als ich mich am Morgen auf den Heimweg machte. Mein Spielkamerad bot mir zwar an, bei ihm eine Weile unterkommen zu können, aber dieser Fotograf war die einzige Verbindung zum Doc und ich brauchte dessen Informationen als Gegenprobe.
Die Nacht war erfüllend und erfolgreich zugleich. Ich hatte vieles erfahren. Dinge, die meiner Familie und den gesamten Geschäftspartnern, unter anderem sehr alte Freunde meines Vaters, sehr gefährlich werden könnten. Ans Licht gebracht wäre das der Todesstoß für meinen entgleisten Onkel. Jetzt galt es lediglich, die rechten Dinge zur rechten Zeit zu tun und ich hätte mein Imperium wieder.
Das Türschloss zu knacken war so lächerlich einfach, dass ich darüber lediglich mit dem Kopf schütteln konnte. Doch drinnen angekommen stockte ich mitten in der Bewegung. Sie war noch da, schlief friedlich auf dem Sofa in einer Decke eingekuschelt. Mein Magen zog sich seltsam zusammen und auch wenn ich es nicht wirklich wahrhaben wollte, brannte bittere Eifersucht in mir auf.
Mit zusammengebissenen Zähnen schlich ich näher und musterte sie genau. Entweder hatte sie sich frisch gestylt oder sie war wirklich eine Meisterin ihres Fachs. Ihr Make-up war kaum oder gar nicht verschmiert und ihr Haar fiel dermaßen perfekt über das Gesicht und Kissen, dass man fast annehmen könnte, es sei dort drapiert worden.
Leise ging ich an ihr vorbei zum Schlafzimmer und als ich ihn dort nicht fand, weiter ins Bad. Er stieg gerade aus der Dusche, die Haare nass, die Haut übersät mit tausend kleinen Wassertropfen. Wieder ging dieser seltsame Ruck durch meine Brust, nur dass es dieses Mal fast schmerzte. Als wäre ihm gleichgültig, wo ich über Nacht gewesen war, verzog er die Lippen zu seinem üblichen freundlichen Lächeln, aus dem man nicht mal herauslesen konnte, ob er sich über meine Rückkehr freute.
„Ich bin hier gleich fertig“, sagte er sanft und langte nach dem Handtuch.
„Ich aber noch lange nicht“, blaffte ich wütend, entriss ihm das Frottee und warf es beiseite, während ich die letzte Distanz zwischen uns überwand.
Schnaubend stieß ich den anderen an die nächste Wand und presste mich verlangend an ihn. Kurz flackerte etwas in seinen Augen auf, was an Begierde grenzte, doch ich bekam keine Gelegenheit, es zu fassen, geschweige denn auszubauen. Noch ehe ich es schaffte, ihm einen Kuss zu stehlen, schob er mich grob auf Armeslänge von sich weg.
„Dieses Thema ist geklärt“, sagte er neutral und strich mir nach deutlicher Überwindung das Haar zurück. Dann hob er gemächlich das Handtuch auf und ließ mich allein im Bad stehen.
Wie von einem verfluchten Bann getroffen stand ich da und konnte mich nicht rühren. Meine Haut am Hals, die er nur kurz mit den Fingerspitzen berührt hatte, brannte so heiß, als hätte er mich gebissen. War ich ihm etwa zu jung, oder wieso tätschelte er mich wie ein Kleinkind?
Dass ich am ganzen Körper bebte, merkte ich erst, als ich mich haltsuchend am Waschbecken festkrallte. Noch nie war ich mehrmals von der gleichen Person so gedemütigt worden! Würde nicht meine Zukunft samt meinem alten Imperium von ihm abhängen, hätte ich mir längst genommen, was mir zusteht. IHN! Und das mit allem Drum und Dran.
Wütend betrachtete ich mein Spiegelbild. Mein Gesicht war etwas schmaler geworden und hatte an Weichheit eingebüßt. Aber trotz der leichten Augenringe sah ich dennoch perfekt aus. Oder? Mein Spielzeug von gestern kam mir in den Sinn und wie er mir durchs lange Haar fuhr, fast so wie dieser Fotograf eben.
War es das? Sah ich zu weibisch aus? Und wenn, warum sollte mich das kümmern? Mein Blick fiel auf die Schere, die neben dem Verbandzeug auf einem Schrank lag. Entschlossen nahm ich diese in die Hand und schnitt alles ab, was bis über die Ohren hing. Die losen Haare ließ ich an Ort und Stelle fallen. Sollte dieser Typ doch sehen, zu was er mich gebracht hatte.
Missgestimmt warf ich die Schere ins Waschbecken. Ich fühlte mich keinen Deut besser als vorher, sah jetzt aber total verunstaltet aus. Seufzend verließ ich das Bad und ging in die Wohnstube, wo die Frau noch immer auf dem Sofa schlief, während dieser Fotograf versuchte, leise Kaffee zu kochen.
„Hey, du. Wach auf!“, meinte ich rüde und rüttelte grob an ihrer Schulter. Viel zu langsam machte sie endlich ihre Augen auf und schaute stirnrunzelnd zu mir hoch.
„Deine nette Art ist wirklich herzerwärmend“, grummelte sie verschlafen und entdeckte dann meinen missglückten Stylingversuch.
„Zeig was du kannst!“, ignorierte ich ihren fragenden Blick und gab ihr gleichzeitig den Freifahrtschein, mit meinen Haaren zu machen, was sie wollte. „Oder hat er deine Künste zu hoch gelobt?“, setzte ich noch nach, als sie sich nicht gleich bewegte. Gähnend setzte die Frau sich auf und sah mich leicht lächelnd an.
„ER hat einen Namen. Sprich ihn aus und ich lege sofort los.“
Bitte? Machte hier denn etwa keiner, was er sollte?! Fest presste ich meine Hände zu Fäusten und versuchte, mich krampfhaft zu beruhigen. Ich hasste Namen. Damit band man sich zu sehr an die Leute und diese engere Nähe konnte ich nicht ausstehen. Etwas anderes blieb mir allerdings nicht übrig, es sei denn, ich wollte eine Zeit lang als Vogelscheuche rumlaufen und das kam überhaupt nicht in Frage. So holte ich tief Luft und presste den Namen mühselig hervor.
„Aden.“
Meine Wangen brannten heiß auf, als wäre ich verlegen und ein Scheppern aus der Küche verkündete die Reduzierung einer Tasse aus dem so schon geringen Bestand. Die Frau war vorerst zufrieden und das genügte mir. Da sie von der Arbeit gleich hier hergekommen war, hatte sie zu ihrem Glück das passende Werkzeug dabei und legte sofort los.
Sie plapperte die ganze Zeit vor sich her, fachsimpelte über verschiedene Ansätze und Farbvarianten, was dieser… Aden… mit einem hilflosen Schulterzucken kommentierte. Ich versuchte, ihr Gerede weitestgehend zu ignorieren, während ich meinen Kaffee trank.
… Aden…
Wieso bekam ich noch immer eine leicht prickelnde Gänsehaut, wenn ich lediglich an den Namen dachte? Er hatte sich an seinen Rechner gesetzt und versuchte, die Fotos von gestern zu überarbeiten. Für mich sah es lediglich nach lustlosem Rumgeklicke aus. Und er mied den direkten Blickkontakt mit mir.
Hatte er ein schlechtes Gewissen wegen der Haare? Gut so. Dann nahm ich wenigstens einen kleinen Teil seiner Gedanken ein. Nach gut einer Stunde Farbeinwirkung und Geschneide war es endlich vorbei. Stolz präsentierte mir die Frau in einem größeren, runden Spiegel ihr Werk und schaute mich erwartungsvoll an.
Zu meinem Leidwesen – oder ihrem Glück? – konnte sich das Ergebnis wirklich blicken lassen. Sie hatte mir einen eleganten Kurzhaarschnitt verpasst, wie die meisten Männermodels für teure Maßanzüge ihn trugen, in einem dunklen Braun, so dass meine eisblauen Augen regelrecht herausstachen. Ich sah mindestens zwei Jahre älter aus, was ich durchaus begrüßte. Selbst dieser Foto… Aden… machte große Augen, fing sich aber schnell wieder und lächelte wie üblich.
„Nett“, brachte er etwas zu neutral hervor und half dann seiner Freundin beim Aufräumen.
Die Verabschiedung der beiden fiel herzlich aus, als wenn sie sich die nächste Zeit nicht sehen würden. Dabei war es schon ausgemacht, beim nächsten Workshop übermorgen wieder zusammenzuarbeiten. Für meinen Geschmack benahmen die sich zu rührselig.
Wozu gaben die sich solche Mühe? Man brauchte gewisse Kontakte im Leben. Untergebene, Informanten, Geschäftspartner und hier und da ein kleines Spielzeug. Aber Freunde? Sie waren hinderlich und verlangten ständig nach Aufmerksamkeit. Und wenn es wirklich hart auf hart kam, konnte man sich auf niemanden verlassen. Jeder war käuflich oder erpressbar.
Ich saß wieder auf der Couch mit dem Buch vom letzten Mal in der Hand. Es war wirklich interessant, wenn auch für mich in mancher Hinsicht nicht nachvollziehbar. Wäre ich dieser Dämon, hätte ich den Kleinen längst verschlungen, bevor er zum Jäger erwacht. Aber so war es immer in diesen vor Herzschmerz triefenden Geschichten. Der Böse bekam entweder einen Arschtritt oder wandelte sich zum Guten.
Erst als ein warmer Atem meinen Nacken streifte, bekam ich mit, dass… Aden… hinter mir stand und sich locker auf der Lehne abstützend mir über die Schulter ins Buch schaute.
„Wie findest du es?“, hakte er sanft nach… zu sanft.
„Was soll das werden?“, fragte ich skeptisch. Sonst interessierte er sich doch auch nicht so brennend für mich. Schmunzelnd legte er seinen Kopf schief, was einfach nur unverschämt gut ausschaute.
„Small Talk?“, stellte er die Gegenfrage und sah mich weiterhin unverwandt an.
Ich konnte nicht anders als auf seinen Mund zu starren und leckte mir unwillkürlich über meine Lippen. Warum zierte sich dieser Typ auch so? Schwerfällig zuckte ich mit den Schultern und schluckte trocken.
„Die zwischenmenschlichen Szenen sind ganz gut“, versuchte ich so beiläufig wie möglich zu antworten, worauf dieser… Aden… nur lachte.
„Das Buch besteht aus mehr als nur Sex, genau wie das Leben“, verkündete er weise und setzte sich neben mich auf die Couch.
„Versuchen wir uns heute an Tiefsinnigkeit, ja?“, gab ich spitz zurück und stierte weiterhin die Seiten an, ohne wirklich zu lesen.
„Oberflächliches ist mir zu langweilig. Vielleicht kommt man mit der Masche manchmal schneller ans Ziel, aber man bleibt nie nachhaltig dort.“
Dieser… Aden… war nicht nur ein widerlicher Optimist, sondern ein rettungsloser Träumer. Geräuschvoll schlug ich das Buch zu und blickte ihm direkt in die Augen.
„Was nutzt Tiefsinn bei Unbeständigkeit? Früher oder später wird man immer verlassen. Die Alten sterben, die Jungen mutieren beim kleinsten Nutzen zu Verrätern. Natürlich gibt es im Leben mehr als Sex. Macht zum Beispiel oder Geld. Darüber kann man wenigstens frei verfügen.“
„Wenn du wirklich so denkst, bist du der ärmste Mensch, dem ich jemals begegnet bin.“
Es war kein Mitleid aus den Worten zu hören, sondern eine pure Feststellung. Und genau deswegen entzogen sie sich aus meinem Verständnis.
„Warum? Weil ich offen zugebe, was ich will, ohne es zu beschönigen? Auch wenn sich viele blumiger ausdrücken, jeder strebt nach Ansehen und Reichtum.“
„Aber nicht alle gehen dabei über Leichen.“
„Die meisten schließen einfach die Augen, wenn es ihnen zu dreckig wird, tun es aber trotzdem.“
„Hast du denn nie etwas gewollt, was nicht materiell oder machtbehaftet war?“
Ich zögerte nur kurz, bis ich wahrheitsgemäß antwortete.
„Einmal. Und der Verlauf gefällt mir bisher überhaupt nicht.“
Es war ungewiss, ob er die Anspielung verstand. Dieser… Aden… lächelte nur leicht und stand dann auf.
„In dieser Thematik bekommt man selten das, was man möchte.“
Klang er etwa traurig? Bitter? Nagte an ihm eine verflossene Liebe? Oh Mann, ich wollte ihn doch nicht heiraten, sondern lediglich eine kurze Weile besitzen und nach Herzenslust benutzen, je wonach mir gerade der Sinn stand. Ich war schon dabei, mir nettere Szenen mit ihm vorzustellen, als er hinter der Theke einen großen Umschlag hervorholte.
„Du solltest dem Doc nicht allzu sehr trauen. Zwar waren seine Informationen bisher immer korrekt, aber er lässt sich teuer bezahlen.“
Neugierig geworden hob ich eine Braue.
„Du sprichst aus Erfahrung?“
Kurz presste er die Lippen zusammen, sagte sonst aber nichts. Ich nahm den Umschlag entgegen, brach das Siegel auf und späte vorsichtig hinein. Wow. Der Doc hatte ganze Arbeit geleistet. In drei Tagen sollte das Treffen stattfinden, Zeit, Ort, Grundskizzen des Hauses samt Fotos der Teilnehmer, es fehlt wirklich an nichts.
Zufrieden verschloss ich den Umschlag, nahm ihn mit ins Bad, legte ihn auf einen Schrank ab und stieg unter die Dusche. Der Geruch vergangener Nacht und die kleinen Härchen vom Umstylen klebten noch immer an mir und begannen, unangenehm zu jucken.
Als ich mich nach gut 20 Minuten wieder abtrocknete und mich Zähne putzend im Spiegel betrachtete, entdeckte ich den winzigen Knutschfleck am Hals, genau dort, wo mir dieser… Aden… am Morgen die Haare zurückgestrichen hatte. War für ihn etwa deswegen das Thema geklärt, wie er es formulierte? Was für altmodischen Verhältnissen hing dieser Fotograf denn himterher?
Es war doch nur logisch, dass ich mir für die Nacht jemand anderes zum Vergnügen suchte, wenn er meine Nähe so rigoros verschmähte. Missbilligend musterte ich die lila Verfärbung auf meiner Haut und nahm mir vor, meinem Spielzeug beim nächsten Mal klarzumachen, dass nicht ich die Beute war, die es zu markieren galt, sondern er allein.
Im Schlafzimmer lagen frische Sachen für mich bereit und so setzte ich mich neu eingekleidet aufs Bett, breitete den Inhalt des Umschlags breitflächig aus und studierte jedes einzelne Blatt genau. Schließlich sollte ich gut vorbereitet sein, wenn ich bei einer Sitzung der größten Drogenbosse ungesehen hineinplatzen wollte.
Der restliche Tag und der darauf folgende zogen sich dermaßen hin, dass ich vor Langeweile diesen… Aden… sogar zum Einkaufen begleitete. Sein Kühlschrank war leer und ich hatte üblen Hunger. Außerdem wollte ich nicht schon wieder in dieser Hundehütte allein rumhocken.
Während er so gesunde Sachen wie Obst und Gemüse in den Korb warf, schaute ich nach guter Schokolade und einem erstklassigen Wein. Dass diese zwei Produkte fast genauso teuer waren wie das restliche Zeug im Korb, was er für den Haushalt und sonst im Allgemeinen brauchte, störte mich absolut nicht.
Ich war sogar so zuvorkommend und warf den 50-Euro-Schein der Kassiererin hin, den ich mir genommen hatte und überließ das Restgeld dem anderen. Vielleicht hörte er dann endlich auf, mich so seltsam anzuschauen, als wäre ich selbstmordgefährdet. Dieser… Aden… versuchte zwar, es zu verbergen, aber seit er mir den Umschlag gegeben hatte, schien mir sein Lächeln nur noch aufgesetzt.
Es dauerte ewig, bis er alles in den beiden Einkaufstüten verstaut und nach Hause geschleppt hatte. Ich lief grübelnd neben ihm her, mit den Händen in den Taschen und versuchte, mich auf Sonntag zu konzentrieren. Aber ständig schweiften meine Gedanken ab. Zu ihm.
Endlich angekommen warf ich mich aufs Sofa und las das Buch komplett aus. Dieser… Aden… spielte in der Zeit die perfekte Hausfrau, brachte die Wohnung auf Vordermann und kochte einen Käse-Lauch-Hackfleisch-Eintopf, den er uns mit frisch aufgeschnittenem Baguette servierte. Gut gesättigt saßen wir beide wenig später auf dem Sofa, schauten so einen actiongeladenen Vampir-Werwolf-Film und genossen den guten Wein, welchen ich rausgesucht hatte.
Eine ganze Weile schaffte ich es wirklich, mich auf die Handlung zu konzentrieren und nicht ständig zur Seite zu schielen. Es war wie ein Zwang, ihn ständig anstarren zu müssen. Mir war noch immer nicht ganz klar, warum ich so großen Wert darauf legte, von ihm beachtet zu werden, schob es aber vorerst auf die ungewohnten Körbe, welche mir bisher noch nie gegeben worden waren. Wollten die Menschen nicht eh immer das, was sie gerade nicht hatten?
Es war spät am Abend, der Film längst vorbei, als ich zum wiederholten Mal zu… Aden… hinüber linste. Er hatte sich ein Kissen geschnappt und sich an die Brust gedrückt, während seine Füße auf der Tischkante standen und sein Kopf bequem auf dem oberen Rand der Sofalehne lag. Seine Augen waren geschlossen, das Gesicht leicht zur Seite geneigt und der Mund etwas offen. Die Arme waren schwach auf die Couch gesunken, während er ruhig ein- und ausatmete.
Verwundert runzelte ich die Stirn. Dieser Typ arbeitete rund um die Uhr, war entweder durch Aufträge unterwegs oder tüftelte stundenlang an Bildern vor dem PC. Und in der mickrigen Freizeit, die er für sich aufbrachte, kümmerte er sich um die Wohnung oder um einen dahergelaufenen, fremden Jungen, den er noch nicht mal kannte.
Dieser… Aden… war hoffnungslos gutgläubig, fast schon naiv. An seiner Stelle hätte ich nie so gehandelt. Und doch war ich insgeheim froh, dass alles so gekommen ist, wie es war. Nur mühsam riss ich mich von seinem Anblick los, schaltete den Fernseher aus und strich dem anderen über die Wange.
„Hey. Lass uns ins Bett gehen. Komm.“
So sanft wie möglich weckte ich ihn auf, erhob mich und streckte ihm auffordernd meine Hand hin. Verschlafen sah er sich kurz um und dann zu mir hoch. Ohne zu zögern ließ er sich von mir auf die Beine ziehen und ins Schlafzimmer führen. Beide zogen wir uns bis auf die Shorts aus und schlüpften unter die Decke.
Wieder lagen wir mit dem Gesicht zueinander da und schauten uns eine Weile an, bis… Adens… Lider immer schwerer wurden und endlich zufielen. Schlaftrunken hob er den Arm, streichelte mir sacht über die Wange, bevor er komplett wegnickte. Es war unglaublich, wie viel Wärme diese kleine Berührung in mir entfachte. Ich fühlte mich erschreckend sicher und geborgen wie noch nie zuvor in meinem Leben.
Der nächste Morgen bestand aus wilden Flüchen, Rumgepolter und einer selbstgemachten Hektik, bei der ich nur missbilligend die Nase rümpfen konnte. Laut diesem… Aden… hatten wir wohl verschlafen und würden definitiv zu spät zu einem Workshop kommen, von dem er und diese Frau von vorgestern ständig erzählt hatten.
Es war recht amüsant, wie der sonst so ruhige Fotograf fast schon panisch das Zimmer nach anständigen Sachen absuchte, sich diese nachlässig überstreifte und gehetzt ins Wohnzimmer stürzte, um seine Arbeitsutensilien zusammenzuraffen. Er war fast an der Tür, als ich laut verkündete, dass ich ihn begleiten wollte.
Ungläubig schaute er mich an und bekam seinen Mund nicht mehr zu. Ich drehte mich gemütlich um, erledigte in Ruhe meine allmorgendliche Routine und war nach gut einer halben Stunde bereit, ihm nach draußen zu folgen. Eigentlich erhoffte ich mir dadurch, diesen… Aden… ein wenig aus der Reserve zu locken, ihn dazu zu bringen, mal nicht immer nett und zuvorkommend zu reagieren. Doch er blieb geduldig an der Tür stehen und konnte sich wohl nicht entscheiden, ob er nun froh oder lediglich skeptisch über mein plötzliches Interesse an seiner Arbeit sein sollte.
Wie vorhergesehen waren wir die Letzten an diesem… naja… Set konnte man es nicht wirklich schimpfen. Es befand sich in einem kleinen, mit Spanplatten extra abgetrennten Raum einer Lagerhalle, die gewiss schon bessere Tage erlebt hatte und in der es noch nach frischer Farbe roch. Davor hatte man ein kleines Buffet aufgebaut – wenn man ein paar Brötchen, Brezeln und Duplo als solches bezeichnen konnte. Wenigstens die modernere Kaffeemaschine besänftigte etwas mein Gemüt.
Dieser… Aden… wurde freudig begrüßt, als wäre er ein altbekannter Freund, weswegen in mir instinktiv eine Abneigung gegenüber den anderen wuchs. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde, in der ich lediglich als Anhängsel von diesem Fotografen deklariert wurde, gingen die Handvoll Teilnehmer samt dem Leiter dieses Workshops in den eigentlichen Shootingraum, wo ein dürres Model knapp bekleidet in einem riesigen, grünen Sitzsack wartete.
Und während ich mich genervt auf eine Art Rattancouch verzog und grimmig dreinblickend an meinem Kaffee schlürfte, scharten sich die Anderen um den Gastgeber des Shootings, der begann, in wildem Fachchinesisch verschiedene Blitze und Einstellungen zu erklären, worauf alle eifrig nickten.
Ich vergrub mich in mein mitgebrachtes Buch, um mein Desinteresse nach außen hin zu verdeutlichen und hoffentlich diesen… Aden… dazu zu bringen, seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Er hingegen klebte regelrecht an den Lippen des selbstverherrlichenden Typen auf Egotrip.
Ich kam nicht umhin, mir einzugestehen, dass es mir unheimlich gegen den Strich ging. Sein Hauptaugenmerk sollte auf mir liegen und auf keinen anderen! Kurz trafen sich unsere Blicke und ich legte all meinen Groll hinein, der in mir brodelte. Er schenkte mir lediglich ein beruhigendes Lächeln, was meinen Ärger ungewollt dämpfte.
Dann ging es richtig los. Das Model stellte sich in Pose und abwechselnd ging jeder Teilnehmer nach vorne und machte unter Anweisung des Leiters einige Fotos. Hinterher wurde alles besprochen, ausdiskutiert und bewertet. Es war totsterbenslangweilig. Doch dieser… Aden… ging richtig in seiner Arbeit auf. Alles Gesagte setzte er sofort um, spielte mit dem Model und der Technik, zur Begeisterung des Veranstalters.
Das hübsche Ding vor der Kamera störte mich dabei wenig, auch wenn mir ihre Stimme zu grell, ihr Gehabe zu aufgesetzt und ihr Genörgel – es sei ihr zu kalt oder die Pose wäre zu anstrengend – nervig war. Aber jedes Mal, wenn dieser… Mario?… meinem Fotografen über die Schulter schaute, wenn er viel zu nahe bei ihm stand, um an der Kamera eine Einstellung vorzunehmen, wenn er ihn lobte und… Aden… daraufhin strahlte wie die Sonne selbst, juckten mir die Finger.
Momentan gehörte dieser eigensinnige Fotograf mir und jeder sollte das wissen! Am liebsten wollte ich ihn packen, ihn an mich reißen, meine Hände tief in sein Fleisch graben, um feurig rote Besitzansprüche zu hinterlassen. Und als hätte dieser… Aden… meine Gedanken aufgefangen, schaute er nervös in meine Richtung. Sein Blick war schwer zu deuten, für mich alles andere als zufriedenstellend.
Es wurde Zeit, dass ich daran etwas änderte. Zuerst galt es, mich bei diesem quengeligen Model mit dem viel zu spitzen Kinn einzuschmeicheln. Ich legte das Buch beiseite, setzte mein charmantestes Lächeln auf und begann, mit der jungen Frau zu flirten. Bei den ersten Blicken, die ich ihr schenkte, verhalten, aber doch interessiert, runzelte sie verwirrt ihre hohe Stirn.
Doch als ich ihr eine Decke sanft über die Schultern legte, darauf bedacht, sie so wenig zu berühren wie möglich, um nicht zu aufdringlich zu wirken, während die Fotografen über etwas fachsimpelten und sie nicht beachteten, hatte ich ihre volle Aufmerksamkeit.
Ich begann, mich mit ihr zu unterhalten, über total belanglose Sachen, die ich gleich daraufhin wieder vergaß. Und als sie nun vor der Kamera posierte, schenkte sie jedes Lächeln, jeden Augenaufschlag mir. Die Fotografen freuten sich über das ausdrucksvolle, leidenschaftliche Gesicht des Models und ich mich über den wachsenden Unmut… Adens.
Er versuchte weiterhin, professionell zu arbeiten und dennoch spürte ich immer öfters seine Blicke auf mir ruhen. Woher sollte er auch wissen, dass mich dieses langbeinige Mädchen mit den wohlgeformten Rundungen absolut nicht interessierte. Es war schon fast zu einfach… und typisch Frau.
Kurz zuvor buhlte sie noch um jede kleinste Zuwendung des Veranstalters, kicherte auf jedes Wort oder schmollte bei einem Spruch, schaute ihn mit Hundeaugen an, als ob er der einzig wahre Fotograf dieser Welt sei, während er sich zu offensichtlich nur professionell für sie interessierte.
Und nun richtete sich ihr Fokus ganz auf mich. Gut, es war auch verständlich, schließlich zählte der andere weit mehr als 40 Winter und sah entsprechend verbraucht aus, während ich vor jugendlicher Frische nur so strotzte. Es verwunderte niemanden, dass ich zu ihr ins Auto stieg, als wir die Location nach draußen verlagerten, an einen alten Industriehafen. Zumal der kleine Peugeot RCZ des Models schon eher meiner Klasse entsprach.
Zum Glück dauerte die Fahrt nur wenige Minuten. Länger hätte ich ihr kindisches Gerede auch nicht ertragen. Und als ich die Zigarette, welche sie sich gerade anzünden wollte, einfach aus dem Fenster warf, senkte sie nur entschuldigend den Blick. Konnte dieser… Aden… denn nicht auch so fügsam sein? Wollte ich das überhaupt? Wäre dann noch immer dieser Reiz des Unerreichbaren da?
Die Kulisse war recht interessant. Asphalt wechselte sich mit Schienen ab, umgeben von Stahlträgern eines verrosteten Krans und fast leeren Wasserbecken im Hintergrund. Das Shooting fand überwiegend im Schatten statt und der Wind hatte etwas aufgefrischt, was das Model ständig zum Anlass nahm, sich wegen der Kälte zu beschweren. Ein Glück, dass Fotos nicht sprechen konnten, sonst würde es weit weniger ansehnliche Zeitschriften geben als jetzt.
Wenigstens konnte ich nun meinen größten Trumpf ausspielen. Vor der Abfahrt hatte ich heißen Tee in einen Thermobecher gekippt, den ich der jungen Frau nun in die Hand drückte. Sie quiekte erfreut auf und streichelte sanft über meine Finger, als sie den Becher entgegennahm. Und ihr gehauchtes ‚Danke‘ mit dem aufreizenden Blick war mehr als nur vielversprechend.
Dicht neben mir blieb sie stehen, sodass sich unsere Arme und Beine etwas berührten und flüsterte unanständige Sachen in mein Ohr. Ich sah wohlwollend auf sie hinab und jedes Mal, wenn ich mich zu ihr beugte, um darauf etwas zu erwidern, schaute ich zu… Aden… hinüber und genoss seinen versteinerten Gesichtsausdruck.
Es war überdeutlich, dass ihm das Geschehen nicht passte. Die Bewegungen des Fotografen waren nicht mehr so geschmeidig wie vorher und hatten deutlich an Kraft verloren. Er wirkte steif und seine Mimik wie aufgesetzt. Und auch wenn es mich unheimlich befriedigte, ihn offensichtlich zu quälen, tat es doch seltsam weh. Dieses undefinierbare Ziehen in meiner Brust, jedes Mal wenn ich diesen… Aden… anschaute, wollte einfach nicht vergehen.
Zurück in der Lagerhalle gab es nur noch eine kurze Zusammenfassung des Tages und Feedbackrunde gegenüber dem Gastgeber, während sich das Model anzog und sich lautstark fröhlich von allen verabschiedete. Mit einem aufgehauchten Kuss drückte sie mir ihre Telefonnummer in die Hand, die ich anzüglich grinsend annahm.
Fast im selben Moment polterte es kräftig hinter mir, als würde die halbe Einrichtung zu Bruch gehen. Dieser… Aden… stand neben der Leinwand und versuchte energisch, irgendwelche Eisenstangen und Ketten in eine Ecke zu stopfen. Aber nichts wollte an seinem Platz liegen bleiben, was ihn fast wahnsinnig machte. Gemütlich schlenderte ich zu meinem Fotografen und musterte mit hochgezogener Braue, was er da so trieb.
„Sexspielzeug?“, fragte ich mit hochgezogener Braue und beäugte ein paar Handschellen eingehender.
„Material für den nächsten Workshop“, meinte… Aden… schnippisch und riss mir das kalte Metall aus der Hand. Seine rot angehauchten Wangen waren einfach nur Zucker, wobei eine dunkle Vorahnung in mir aufkam.
„Dieses ‚Material‘ scheint dich ja ganz schön nervös zu machen, oder zitterst du vor Kälte? Also, wenn es nur daran liegt…“, ließ ich den Satz offen enden und schaute den Größeren vielsagend an. Dieser schnaubte nur, während seine Bewegungen fahriger wurden.
„Ich sagte dir schon einmal, dass sich nicht alles um das EINE dreht. Und auch wenn du dich als Mittelpunkt der Welt betrachtest… du bist es nicht!“
Oh ha. Hatte ich es wirklich geschafft, ihn aus der Reserve zu locken?
„Mir reicht es vorerst, dein Mittelpunkt zu sein“, gab ich provozierend zurück, worauf er sich kopfschüttelnd an mir vorbeidrängeln wollte. Doch ich packte ihn am Arm und riss ihn grob zu mir ran.
„Hör endlich auf, mir auszuweichen. Deine Reaktion auf dieses Weibsbild hat dich verraten. Ich scheine dir doch nicht so egal zu sein, wie du mir die ganze Zeit vorgaukelst. Lass dich einfach fallen und ich beschere dir eine Nacht, die unvergesslich wird.“
„Genau das befürchte ich ja.“ Es war nur ein Wispern, dermaßen leise, dass ich zweifelte, es wirklich gehört zu haben.
Wieder wollte der Fotograf sich aus meinem Griff lösen, aber ich schloss meine Finger kräftiger um seinen Oberarm. Wütend funkelte mich der andere daraufhin an, was ich verwirrt und trotzig sogleich erwiderte. Die Stimmung um uns herum hatte sich schlagartig geändert. War es vorher noch ruhig, mit einer unterschwelligen Spannung, sirrte nun die Luft vor angestauten Energien und Gefühlen, die nach außen drängten.
Sein schneller Herzschlag war fast sichtbar, genau wie der Kampf, der so offensichtlich in ihm tobte. Nur zu gerne hätte ich ihm die Entscheidung abgenommen, mich einfach an diesen… Aden… gepresst und eingenommen, dass er alles um sich herum vergaß. Seine Lippen waren leicht geöffnet und sein Atem kam rasselnd, als würde er vor Verlangen aufstöhnen.
Langsam zog ich ihn dichter zu mir und reckte meinen Kopf, um besser seinen wohlgeformten Mund erreichen zu können. Blut rauschte lautstark durch meine Ohren, sodass ich kaum was anderes wahrnahm als seinen betörenden Duft, der wie ein Aphrodisiakum auf mich wirkte.
Doch noch bevor sich unsere Lippen endgültig trafen, flammte gleißend helles Licht auf, gefolgt von mehreren Klickgeräuschen schnell hintereinander. Geblendet schloss ich meine Augen und… Aden… nutzte sofort die Gelegenheit, um sich von mir zu befreien. Die plötzliche Leere neben mir war fast schmerzhaft.
Wütend schaute ich mich um, als sich mein Blick endlich wieder geklärt hatte und entdeckte eine Frau, die ungelenk mit einer Kamera hantierte. Sie war mir bisher kaum aufgefallen, da sie in einem Schreibheft vertieft die ganze Zeit still in einer Ecke gesessen hatte und alles lediglich beobachtete.
Nun war sie der Mittelpunkt meines gesamten Hasses. Und ich bekam noch nicht mal die Gelegenheit, diesen an ihr auszulassen. Der Leiter des Workshops griff über die Schulter der Frau hinweg und entriss ihr die Kamera. Sie protestierte natürlich lautstark und redete von der Inspiration überhaupt. Doch der Ältere ignorierte ihr Geplapper, zog die Bilder auf einen USB-Stick und warf mir diesen dann zu.
Im selben Moment verrauchte mein Zorn. Nachdenklich schaute ich auf den Stick hinab und suchte dann nach… Aden… der sich wohl schon nach draußen verdrückt hatte. In welchem Moment hatte die Frau abgedrückt? Wie weit hatte sie es geschafft, diese seltsame Situation, die knisternde Stimmung einzufangen? Könnte ich damit meinen Fotografen vor Augen halten, wie sehr ich ihn begehrte? Wie sehr er es wollte, begehrt zu werden?
Der Weg bis nach Hause war eine einzige Tortur. Dieser… Aden… wich mir ständig aus, was in einem kleinen Auto mehr als nur schwierig war. Seinen Blick starr auf die Straße gerichtet, trommelte er unbewusst mit den Fingerspitzen auf dem Lenkrad und zuckte jedes Mal zusammen, wenn ich mich geringfügig bewegte. Von der kaum auszuhaltenden Spannung, die vorherrschte, war das Schlimmste jedoch, dass er sich ständig auf die Unterlippe biss, sodass diese schon feuerrot leuchtete.
Die Tür war noch nicht mal richtig ins Schloss gefallen, als ich schon am Rechner saß und ungeduldig den Stick in den Port steckte. Es war wirklich von Vorteil, dass dieser… Aden… den PC nie runterfuhr und ich somit einen schnelleren Zugriff darauf hatte.
Fahrig klickte ich die Meldung weg zwecks Sicherheit und öffnete den gewünschten Ordner. Schon beim ersten Foto, welches ich mit einem Doppelklick vergrößerte, holte ich hörbar Luft. Wie konnte ich DAS die ganze Zeit nur übersehen? Diesen Blick, so verlangend, sehnsüchtig und doch schmerzerfüllt, als wäre er gezwungen, sich selbst zu geißeln.
Aufgeregt klickte ich mich durch die kurze Serie, bis ich an der Szene hängen blieb, wo ich diesen… Aden… härter anpackte. Die Haut seines Armes quoll deutlich zwischen meinen Fingern hervor und das Weiß meiner Knöchel war gut zu sehen. Das Erstaunlichste allerdings waren die geröteten Wangen des Fotografen und der leicht geöffnete Mund.
War das gepresste Stöhnen also doch keine Einbildung gewesen! Fest biss ich die Zähne aufeinander und schwankte zwischen verärgertem Unglaube und aufbrodelnder Lust, die kaum mehr zu unterdrücken ging. Dieses Knistern zwischen uns hatte auch er wahrgenommen.
Warum also hielt er sich nur zurück? Und mochte er es etwa, härter angepackt zu werden? Fiel dann endlich sein Widerstand? Würde er sich mir dann letztlich hingeben? Nicht nur für einmal? Länger und intensiver, wie ich es bisher nie erlebte? Wog ich solche lächerlichen Gedanken gerade wirklich ab? Ich musste wieder Klarheit in meinem Kopf schaffen und das ging nur auf eine bestimmte Weise.
Entschlossen stand ich auf, schnappte mir die zusammengeknautschte Jacke und ging ins Schlafzimmer, sorgsam darauf bedacht, dass mir dieser… Aden… nicht folgte. Die kleine Vorrichtung, welche ich mir vom Set „ausgeliehen“ hatte, war schnell am Kopfende des Bettes befestigt und unter Kissen versteckt. Dann betrat ich wieder das Wohnzimmer.
Der Fotograf starrte wie gebannt auf den Monitor und klickte sich, wie ich zuvor, durch die Bilder. Leise schlich ich mich um die Couch herum von hinten an ihn heran. Er bemerkte mich erst, als ich dicht bei ihm stand und sich unsere Wangen fast berührten, beim Blick über seine Schulter. Total erschrocken sprang… Aden… auf und warf dabei fast den Stuhl um. Ich fing diesen auf und stellte das Möbelstück achtlos beiseite, ohne den anderen dabei aus den Augen zu lassen.
„Die Bilder sind wirklich interessant, nicht wahr? Kaum zu glauben, dass sie von einem Amateur geschossen wurden.“ Gleich einer Raubkatze auf Beutezug, pirschte ich mich an den Fotografen heran, worauf dieser sichtlich nervös reagierte.
„Na ja… wie war das mit den blinden Hühnern und dem Korn?“, scherzte er gekünstelt und wollte zur Küche hin ausweichen. Doch ich machte einen Satz nach vorn und versperrte ihm somit den Weg.
„Möglich. Aber man sagt auch, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagt. Und mir sagen die Bilder viel.“
Sein erschrockener Ausdruck daraufhin amüsierte mich köstlich und spornte mich nur noch mehr an.
„Es ist alles Interpretationssache“, sagte dieser… Aden… nervös und wich vorsichtig nach hinten aus, während ich ihn langsam, aber sicher ins Schlafzimmer drängte.
Der Fotograf war so damit beschäftigt, Abstand zwischen uns zu bringen, dass er erst merkte, wo wir uns befanden, als er mit den Beinen ans Bett stieß. Ein kleiner Schubs meinerseits genügte, um ihn komplett fallenzulassen und noch während er versuchte rückwärts weg zu robben, setzte ich mich auf seine Hüfte und drückte seine Schulter auf die Matratze.
„Was soll das?“ Die Empörung in seiner Stimme vermischte sich mit leichter Panik und noch etwas anderem, was ich bisher nicht zuordnen konnte, aber näher erforscht werden wollte.
„Ich interpretiere“, hauchte ich heiser und presste meine Lippen verlangend auf die seinen.
Wie erwartet blieb die Gegenwehr nicht aus. Doch als ich etwas kräftiger in seine untere Lippe biss, zuckte er merklich zusammen und statt des üblichen Schmerzenslautes, entwich dem Fotografen ein Stöhnen. Triumphierend blickte ich auf ihn hinab und genoss die intensive Schamesröte, welche über die Wangen des anderen kroch.
Von Verlegenheit übermannt bäumte sich dieser… Aden… auf, doch alles Winden half nicht. Meine Wunde war gut am heilen und die Tabletten des Docs betäubten den restlichen Schmerz. Außerdem wusste ich als Lord eines riesigen Imperiums sehr gut, meinen Willen durchzusetzen, notfalls auch mit körperlicher Kraft.
Nach einem kurzen Gerangel hatte ich den Fotografen so auf das Bett manövriert, dass er längst auf der Matratze lag und ich ihn leicht die Arme nach oben pressen konnte. Die Vorrichtung war einfacher als gedacht an seinen Handgelenken angebracht und wenige Sekunden darauf lag ein gefesselter… Aden… direkt vor meiner Nase.
„Mach mich los! Sofort! Du weißt nicht, was du da tust!“
Es gefiel mir ungemein, wie er so tobte und an den Handschellen riss.
„So? Bist du dir da ganz sicher?“, meinte ich mit einem fiesen Lächeln, knöpfte gemächlich sein Hemd auf und schob es beiseite, um einen freien Blick auf seinen Oberkörper zu haben.
Schon jetzt lief mir regelrecht das Wasser im Mund zusammen. Trotz aller Gegenwehr beugte ich mich langsam herab, leckte genießerisch über eine Brustwarze und biss dann hinein. Und wieder hörte ich dieses lustvolle Aufstöhnen, was er nicht zu unterdrücken vermochte. Mit einem siegessicheren Grinsen glitt ich hinab, entledigte ihn seiner Sachen und starrte dann erhaben auf seine Körpermitte. Es stand außer Frage, wie er unser bisheriges Spiel genoss.
„Jul…, bitte!“
Adens Gejammer hörte ich kaum. Ich war viel zu fasziniert von der sehnigen, mit sanften Muskeln überzogenen Gestalt vor mir. Bedächtig arbeitete ich mich nach oben, knabberte und biss mich mal leicht mal stärker an der Schenkelinnenseite entlang bis zum Becken. Nur kurz hauchte ich über die Mitte, was mit einem kleinen Schauder belohnt wurde. Über Bauch und Brust gelangte ich zu seiner Halsbeuge, der ich einen schmerzhaften, lilafarbenen Stempel aufpresste. Nun war es für jeden sichtbar. Er gehörte mir!
„Bitte was?“, fragte ich leise verspätet nach und strich ihm fast schon liebevoll durchs Haar. Ich sah ihm direkt in die Augen, unsere Nasen nur wenige Millimeter voneinander entfernt, sah seine Angst, die Zweifel und die unterdrückte Lust.
„Bitte mach weiter? Bitte nimm mich in den Mund? Bitte fick mich? Keine Sorge, du sollst alles haben.“
„Und was dann?“ Fast schon wütend funkelte mich MEIN Fotograf an. „Dann verschwindest du wieder in deiner eigenen, kalten Welt und zurück bleiben lächerliche Erinnerungen. Danke, aber für einen kleinen Zeitvertreib bin ich mir zu schade.“
Ich lächelte über diesen schwachen Versuch der Aufmüpfigkeit, leckte bis zu seinem Ohrläppchen und zupfte mit den Zähnen daran.
„Ich werde schon dafür sorgen, dass die Erinnerungen nicht lächerlich werden.“
Tief grub ich ihm meine Fingernägel in die Seite und zog eine rote Spur bis runter zum Becken. Seine Muskeln spannten sich sofort und er schnappte hörbar nach Luft. Doch egal, wie lange ich ihn liebkoste und wie oft ich ihn reizte, sein Blick blieb weiterhin der eines bockigen Kindes, während sein Körper vor Verlangen zuckte. Seufzend lehnte ich meine Stirn an seine und schloss die Augen.
„Was muss ich tun, damit du es endlich zulässt, dich in deiner Lust verlierst?“
„Sag meinen Namen!“
Es war nur ein heiseres Flüstern und zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich es mir lediglich eingebildet hatte. Doch ein Blick in seine Augen verschaffte Gewissheit. Dieses Mal war es an mir, nervös zu werden. Warum verlangte er gerade das? Niemand außerhalb meiner Familie war es bisher Wert gewesen, dass ich dessen Name bewusst benutzte – nicht einmal meine Amme.
Mir reichte noch das eine Mal, als ich gezwungen wurde, seinen Namen auszusprechen und noch immer fiel es mir schwer, ihn selbst in Gedanken zu nutzen. Wieder spürte ich diese brennende Wärme auf meinen Wangen.
Glaubte ich noch zu Anfang, das Spiel fest im Griff zu haben, merkte ich nun, dass andere die Regeln bestimmten und ich war nicht ganz sicher, ob mir dies gefiel. Eines jedoch stand zu 100 Prozent fest: Ich wollte IHN! Jetzt! Und wenn es bedeutete, mich ihm ein winziges Stück zu öffnen, dann sollte es so sein. Nervös leckte ich mir über die Lippen und schluckte hart.
„Aden.“
Es war so ein kleines Wort, so ein winziger Name und dennoch spielte mein Magen komplett verrückt. Was allerdings nichts im Vergleich zu dem war, was die Lippen des Fotografen in mir auslösten. Er küsste mich, zaghaft nur, als wüsste er nicht recht, ob er sich richtig anstellte. Und doch entfachte er einen heißen Sturm in mir, wegen dem mir schwindelig wurde.
Es fühlte sich einfach unglaublich an, wie mein Fotograf den Kopf reckte, um besser an meine Lippen zu kommen, mit seiner Zunge sanft drüberleckte und mit seinen Zähnen leicht hineinbiss. Adens gesamte Geste und Mimik verlangte nach mehr, sodass ich mich nicht mehr länger unter Kontrolle halten konnte.
Ich befreite meinen Schwanz aus seinem viel zu engen Gefängnis, presste seinen an den meinen und rieb uns in wenigen Sekunden in höhere Sphären, während ich mir bereitwillig den Mund samt Zunge erobern ließ. Als unser beider Zittern endlich nachließ, hauchte ich Aden sanfte Küsse auf Stirn, Nase und Mund.
„Normalerweise bin ich nicht von der schnellen Partie“, lachte ich, noch immer leicht entrückt.
„Beweis es!“
Überrascht schaute ich auf und runzelte die Stirn. Was sollte das werden? Ein Machtkampf? In seiner Position? Ein Blick in sein Gesicht und ich wich unwillkürlich zurück. Er war zwar derjenige, der am Bett gefesselt unter mir lag und dennoch schien er auf mich hinabzusehen, versuchte, MIR Befehle zu erteilen. Gleichsam entdeckte ich auch die unterdrückte Lust, die ihn, endlich freigelassen, zu verschlingen drohte.
Adens gesamtes Sein schrie regelrecht nach mir. Und ich war nur zu gern bereit, ihm alles zu geben – allerdings auf meine Weise, nach meinen Spielregeln. Langsam kletterte ich von ihm herunter, ging ins Bad und reinigte mich. Gemächlich befeuchtete ich einen Lappen, um meinen Fotografen damit in Ruhe zu säubern.
„Mach mich bitte los, Jul.“
Adens Bitte glich einem Flüstern und das Verlangen in seinen Augen, mich berühren zu wollen, war überdeutlich. Ich lächelte nur erhaben und stellte mich seitlich ans untere Bettende, dass mein Fotograf mich bequem beobachten konnte, ohne ständig den Kopf anheben zu müssen.
„Ich glaube nicht, dass du dir das verdient hast.“
Verwirrt schaute Aden zu mir rüber und rüttelte dabei leicht an seinen Fesseln. Das sachte Klirren von Metall verursachte ein angenehmes Ziehen in meinen Lenden. Meinen Fotografen so zu sehen, – entblößt, willig und mir vollkommen ausgeliefert – war ein erhabenes Gefühl.
Und trotzdem war der Trotz in seinem Blick, dieses kämpferische Etwas nicht komplett verschwunden, was alles nur noch reizvoller machte. Er war der erste Mensch, der sich mir hingab, aber nicht unterordnen wollte. Eine betörende Mischung.
„Zwar verstehe ich noch immer nicht, warum du dich mir so lange entzogen hast, dennoch kann ich darüber nicht einfach so hinwegsehen. Eine kleine Lektion, was es bedeutet, mir zu gehören, tut dir bestimmt ganz gut.“
In Aden stieg leichte Panik auf und sein Atem beschleunigte sich. Als ich jedoch den schwarzen Seidenschal hervorholte, wurden seine Augen riesig.
„Tu das nicht, Julian“, bettelte er abermals, was mich nur kurz ins stocken brachte.
Nein, Angst im eigentlichen Sinne schien er nicht zu haben. Er war sich wohl immer noch nicht sicher, wie weit er sich auf mich einlassen wollte. Nun, jetzt war diese Überlegung zweitrangig. Ich würde dafür sorgen, dass er alles vergaß, dass er endlich aufhörte zu denken, sich seinen Empfindungen hingab – und mir.
Langsam kletterte ich zu ihm aufs Bett und verband Aden die Augen. Ich hauchte ihm lediglich einen Kuss auf die Lippen, bevor ich mich abermals zurückzog. Neben den Fesseln und dem Schal hatte ich aus dem Studio noch eine Kerze mitgenommen, die ich mit einem Streichholz entzündete und auf den Nachttisch abstellte.
Aden bewegte sich unruhig und atmete tief den Geruch nach Angebranntem ein. Ich verließ das Zimmer und schloss lautstark die Tür hinter mir. Mein süßer Fotograf sollte ruhig etwas im Ungewissen zappeln. Nachdem ich mich am Gefrierfach des Kühlschrankes bedient hatte, schlich ich zurück ins Zimmer und zwar so lautlos, dass mich Aden gar nicht wahrnahm. Erst als ein Eiswürfel an seinem Hals bis zum Ohrläppchen hochfuhr, zuckte er erschrocken zusammen.
„Schieb die quälenden Gedanken beiseite, mach deinen Geist frei und lausche meiner Stimme. Lass dich fallen und genieße mit allen Sinnen!“
Mein Fotograf holte hörbar Luft und riss an seinen Fesseln, worauf ich erhaben lächelte. Langsam glitt ich mit dem Eiswürfel hinab, umkreiste seine Brustwarzen und hauchte dann leicht über die feuchte Spur. Der Kontrast zwischen Kälte und süßer Wärme entlockte Aden den ersten wohligen Schauder.
„Du bist so heiß“, hauchte ich und strich mit dem verbliebenen Rest des Würfels über die Lippen des anderen. „Schau, von dem Eis ist kaum mehr was übrig.“
Bereitwillig öffnete Aden seinen Mund und nahm das restliche gefrorene Wasser in sich auf, leckte und knabberte dabei an meinen Fingerspitzen, als seien sie mein bestes Stück. Die verheißungsvollen Bilder, die sich dabei in meinem Kopf bildeten, schickten warme Wellen durch meinen gesamten Körper.
Und wieder brachte mich eine kleine Geste seinerseits komplett aus dem Konzept. Vergessen waren die süßen Gemeinheiten, die ich mir extra für ihn ausgedacht hatte. Am liebsten hätte ich mich in ihm versenkt – sofort. Gequält schloss ich die Augen und atmete ein paar Mal tief ein und aus, bevor ich mich von Aden ganz zurückzog.
Kurz ruhte mein Blick auf der Kerze, die einen angenehm milden Duft verströmte. Ihr sanft flackerndes Licht brachte mich wieder etwas runter. Ganz in Ruhe wägte ich ab, wie viel mein Fotograf noch ertrug – wie weit ich es schaffen würde mich zurückzuhalten.
Ich wollte ihn leiden sehen, vor unerfüllter Lust sich windend und um Erlösung bettelnd. Doch langsam ging das Spiel über süße Rache und pure Lustbefriedigung hinaus, was mir mehr und mehr Angst machte. Irritiert zwecks dieser Gedankengänge langte ich nach der Kerze und hielt sie mit klopfendem Herzen über den vor Erwartung angespannten Körper meines Fotografen.
Es war der pure Augenschmaus, als der erste Tropfen des heißen Kerzenwachs auf seiner Haut landete und er erschrocken zusammenzuckte. Aden umfasste die Ketten und hielt sich daran fest, blieb aber dennoch still liegen, was mich abermals verblüffte. Sachte beugte ich mich vor, sodass mein warmer Atem die Ohrmuschel des anderen sanft streifte.
„So ist es gut. Lass dich auf mich ein, mit Leib und Seele. Vertraue darauf, dass alles, was ich tue, zu deinem Besten, für dein und mein Wohlgefühl sein wird.“
Während ich meinen Fotografen mit Worten umschmeichelte, verteilte ich das Bodywachs auf seiner Haut, welches sich weich wie festeres Öl anfühlte, bis sein gesamter Oberkörper leicht glänzte. Erst dann widmete ich mich seiner Körpermitte, liebkoste, leckte und schmeckte ihn, bis er stöhnend meinen Namen wimmerte.
Abermals ließ ich von Aden ab, ließ ihn kurz verschnaufen und zur Ruhe kommen, was kaum für ihn möglich zu sein schien. Er räkelte sich dermaßen willig und bereit unter meinem Blick, dass es meinen Unterleib schmerzhaft zusammenzog vor Begierde. Gemächlich zog ich mich aus und setzte mich auf sein Becken.
Es war unfassbar, welche Wirkung der nackte Körper unter mir auf mich hatte, bei der bloßen Berührung von Haut auf Haut. Mir war, als würde ich verbrennen, von innen wie von außen. Mein Fotograf begann an seinen Fesseln zu rütteln und beugte den Rücken durch, nur um mich ein klein wenig mehr berühren zu dürfen, was mir ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zauberte.
„Schschsch, ganz ruhig. Ich werde dich jetzt losmachen, aber die Augenbinde bleibt noch da, wo sie ist, verstanden?“
Sanft redete ich auf Aden ein und wartete sein zustimmendes Nicken ab, bevor ich Taten folgen ließ. Liebevoll küsste ich über seine geschundenen Handgelenke und freute mich diebisch über die rot-blauen Male, die ihn als mein Eigentum kennzeichneten. Dann ließ ich seine Fingerspitzen über meine Haut gleiten, gab ihm somit die stille Genehmigung, mich endlich berühren zu dürfen.
Nur zögerlich kam er der süßen Aufforderung nach, fuhr mit zittrigen Händen über meine Schulter, Brust, über die Seiten hinab bis zu meinem Po, den er erschreckend fest packte und knetete. Aufkeuchend fiel ich nach vorn und stützte mich an Adens Schultern ab, um nicht ganz auf ihn zu fallen.
Seinen Lippen so nah erlag ich der Versuchung und küsste meinen Fotografen. Verlangend drang seine Zunge ein, fand die meine und begann ein wildes Spiel, bei dem mir schwindelig wurde. Bei den Göttern, ich wollte diesen Mann so sehr. Tastend suchte ich nach dem Kondom, welches ich vorsorglich bereitgelegt hatte. Doch kaum dass ich vergaß auf mein Gleichgewicht zu achten, stieß Aden mich um und rollte sich auf mich drauf.
Die Augenbinde hatte sich gelöst, weswegen mich nun wild glitzernde Pupillen anfunkelten. Für eine gefühlte Ewigkeit setzte mein Herzschlag aus. Noch nie hatte mich jemand so sehr begehrt, wie mein Fotograf es zu tun schien. Nur nebenher bekam ich mit, dass die Verpackung aufgerissen und das Kondom nicht über mich gestülpt wurde.
Erst als Aden sanft um Einlass bat, erwachte ich aus meiner Starre und versuchte, ihn von mir runter zu schieben. Doch der andere entwickelte ungeahnte Kräfte. Schwer wie ein Felsblock thronte er über mir und bewegte sich keinen Millimeter. Meine Arme presste Aden neben meinen Kopf fest auf die Matratze, während er sich mit dem Körper so zwischen meine Beine drängte, dass mir kaum Handlungsfreiheit blieb.
„Was soll das werden?“, war nun ich es, der diese Frage mit leichter Panik stellte.
„Ich hasse es zu interpretieren“, meinte der Fotograf mit rauer Stimme. „Ich handle lieber.“
Eiskalte Schauer durchzogen meinen Körper, gefolgt von heißer Lava, die mich von innen heraus verbrannte. Mein süßer, freundlicher und hilfsbereiter Aden war unverhofft zu einem wilden Tier mutiert, das sich nahm, was es begehrte, und ich kam nicht umhin, Gefallen daran zu finden.
Bereitwillig öffnete ich meinen Mund, ließ mir einen Kuss nach dem anderen stehlen, dass mir kaum mehr Luft zum Atmen blieb. Unter süßen Qualen wurde ich auf sein Eindringen vorbereitet, was fast an Folter grenzte. Und als es endlich soweit war, war ich es, der vor Erwartung am ganzen Körper bebte.
Dank dem ölig anmutenden Bodywachs verspürte ich kaum Schmerzen, obwohl ich lange kein Bottom gewesen war. Aden gab mir auch kaum Möglichkeiten, etwas anderes wahrzunehmen, als ihn. Seine Küsse, die neckenden Bisse und Berührungen waren so intensiv, dass ich mich in einer anderen Welt glaubte, lediglich bestehend aus seinen brennend heißen Liebkosungen und seinem warmen Atem.
Waren die Bewegungen meines Fotografen am Anfang noch langsam und koordiniert, darauf bedacht, mir nicht mehr als nötig weh zu tun, wurde er stetig schneller. Und als ich mein Becken hob, um ihm weiter entgegenzukommen, setzte seine Selbstbeherrschung komplett aus. Stöhnend bäumte ich mich auf, als Aden sich mit jedem Mal immer tiefer in mir versenkte, bis es kein Zurück mehr gab. Gleich einer Lawine überrollte uns kurz nacheinander ein Höhepunkt, der mich in andere Sphären katapultierte.


Es war später Nachmittag, als ich mich am nächsten Tag endlich überwand, aufzustehen. Vorsichtig entwand ich mich aus den Armen meines Fotografen, der noch immer friedlich schlief. Lächelnd strich ich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht und streichelte über seine Wange.
Die Nacht war bis zum Morgen berauschender als jede Droge und Aden so wechselhaft wie der junge Frühling. Mal gab er sich devot, überließ sich meiner fachkundigen Führung und tat alles, was auch immer ich verlangte, nur um im nächsten Moment zum Dom zu mutieren und mich komplett zu unterwerfen. Das gesamte Liebesspiel mit ihm reizte ungemein, da ich nie wusste, was als nächstes geschehen würde.
Nur mit Mühe wandte ich mich von meiner schlafenden Schönheit ab und zog mich leise an. Es wurde Zeit, meiner Bestimmung zu folgen und mir das zurückzuholen, was mir unter Gewalt genommen worden war. An der Tür stehend, drehte ich mich ein letztes Mal zu Aden um. Er hatte Recht behalten. Wir spielten wirklich in anderen Ligen, auch wenn ich mich schwer damit tat, dies zu akzeptieren.
In meiner Welt war kein Platz für einen Träumer, auf den ich ständig achtgeben müsste. Wieder zog sich mein Magen zu einem schmerzhaften Klumpen zusammen. Kurz dachte ich daran, ihn mit mir zu nehmen, ihn zu holen, wenn alles vorbei, alles geregelt wäre.
Missbilligend über meine eigenen Gedanken schüttelte ich meinen Kopf und verschwand schnellen Schrittes aus dem Zimmer. Ich hatte alles, was ich wollte. Informationen, wie ich an mein Imperium zurückkam und ihn in meinem Bett. Mehr war nicht nötig und mehr würde ich auch nie brauchen. Und wenn mir doch Mal danach sein sollte, wusste ich ja, wo ich meinen Fotografen fand.
Es war erschreckend einfach, in das Gebäude einzudringen, wo der „Leichenschmaus“ stattfinden sollte. Dank den Informationen des Docs und den Kontakten meines Spielzeuges, ließ man mich fast unbehelligt passieren. Viele waren meinem Vater treu ergeben oder mit der Umstrukturierung meines Onkels alles andere als einverstanden. So stand ich also zum frühen Abend in einer Nische vor dem großen Speisesaal, wo mein Onkel sich anschickte, eine Rede zu halten.
„Liebe Familie, meine Freunde. Vielen Dank für euer zahlreiches Erscheinen. Es ist mir eine große Ehre, euch als Gastgeber begrüßen zu dürfen.“
Gelangweilt verdrehte ich die Augen. Mein Onkel mochte sich schon immer reden hören, doch nur selten folgten angemessene Taten.
„Die Verkettung unglücklicher Ereignisse zwingt uns zur Neuordnung und doch sehe ich eine positive Entwicklung für uns alle, wie der Phönix aus der Asche erneut aufzusteigen, strahlender und stärker als je zuvor. Nun, lasst uns solch bedeutende Entscheidung nicht auf leeren Mägen treffen und das Glas erheben, auf eine glorreiche Zukunft!“
Ein jeder langte nach seinem Glas und prostete meinem Onkel zu. Doch bevor sie zum Trinken ansetzen konnten, trat ich aus meiner Nische hervor.
„Glorreich, ja? Fragt sich nur, für wen!“
Erschrocken fuhr der Bruder meines Vaters herum und starrte mich aus weit aufgerissenen Augen an.
„Julian?“, fragte er unnützerweise und versuchte, sich verspätet wieder in den Griff zu bekommen. Mit hochgezogener Braue musterte er mich geringschätzig. „Du siehst… anders… aus.“
„Das richtige Wort, das du suchst, ist wohl eher ‚lebendig‘. Bis vor Kurzem war mir völlig unbekannt, dass man sein eigen Fleisch und Blut wie ein wildes Tier aus dem eigenen Haus wirft und zur Jagd freigibt. Wenn dies deine Art ist, so Familie zu behandeln, rate ich dir, auf deinen Rücken achtzugeben!“
„Willst du mir etwa drohen, Neffe?!“
Ich lächelte kalt über die aufkeimende Wut des Älteren.
„So etwas Stilfreies habe ich nicht nötig.“
„Wenn ich diese ‚Wiedersehensfreude‘ kurz unterbrechen dürfte, junger Lord, aber was verschafft uns die Ehre eures Besuches? Mir wurde zugetragen, ihr hättet euch der Familie abgewandt und wäret einfach verschwunden, im Zuge der Schmach durch die Festnahme eures Vaters.“
Ein alter Mann und engster Freund meines Vaters schaute mich neugierig an, zum Verdruss meines werten Onkels. Ich verneigte mich leicht zur Respektbekundung, bevor ich antwortete.
„Mein… geschätzter… Onkel scheint die Lage nicht ganz klar dargestellt zu haben. Er brannte mir eigenhändig das Symbol der Familie aus der Haut und warf mich vor die Tür wie Dreck.“
„Ihr habt den guten Namen der Familie entehrt, aus einer lächerlichen Laune heraus!“, begehrte ein Anwesender auf.
„Und dennoch bin ich der rechtmäßige Kopf der Familie, solange mein Vater ‚verhindert‘ ist und er keinen anderen bestimmt! Und soweit ich weiß, wurde ER mit dieser großen Entscheidung bisher nicht betraut.“
„Was auch nicht nötig ist“, warf mein Onkel ein. „Die besten Anwälte kümmern sich um seine Freilassung und…“
„Und um seine Ermordung. Leider ist ihnen dies schon zweimal misslungen“, riss ich das Wort wieder an mich und erzeugte betroffenes Schweigen.
Mein Onkel wurde das alles zu bunt. Er gab seinen Gorillas ein Zeichen, die sich passend hinter mir positionierten. Noch wagten sie sich allerdings nicht, mich anzufassen.
„Genug der intriganten Worte. Du verwöhntes Gör hast ein Anrecht auf gar nichts. Bisher hast du der Familie nur Ärger und Schande bereitet. Du bist es nicht wert, das Unternehmen zu führen!“
„Und du schon, Onkel? Du weichst von den traditionellen Schienen ab, kennst weder Ehre noch Loyalität. Wenn du so weiter machst wie bisher, gibt es über kurz oder lang kein Unternehmen mehr, was geführt werden kann!“
Unter allen Anwesenden entbrannte eine wilde Diskussion. Jeder sprach durcheinander und versuchte den anderen an Lautstärke zu übertönen. Selbst mein dummer Onkel mischte sich mit ein und wetterte mit hochrotem Gesicht los, anstatt einen klaren Kopf zu behalten, so wie es sich für ein Oberhaupt gehören würde. Nur der alte Freund meines Vaters blieb ruhig. Laut schlug er mit der flachen Hand auf die Tischplatte, dass Teller schepperten und verschaffte sich so Gehör.
„Freunde! Es ist der falsche Zeitpunkt, sich zu streiten. Sicher haben Worte große Macht, doch was noch immer stärker war, waren Beweise. Nun, junger Lord, wo ist der Beweis, dass ihr der bessere Stellvertreter eures Vaters seid?“
Alle Augen richteten sich auf mich, worauf ich mich sichtlich straffte und das Kinn hob. Ich genoss es ungemein, seit Langem wieder im Rampenlicht zu stehen. Laut setzte ich zu einer Antwort an, ohne an Gelassenheit zu verlieren.
„ICH will euch nicht töten.“
Es herrschte unangenehme Stille, während mich manche musterten, als wäre ich nicht ganz bei Verstand.
„Wie nobel“, höhnte mein Onkel und wollte weiter ausholen, doch ich ignorierte ihn und redete einfach weiter.
„Ein vorzüglicher Wein, der euch allen eingeschenkt wurde, nicht wahr? Besonders mit dem kleinen Extra, versehen von meinem werten Onkel.“ Ich holte die Bilder hervor, welche ich vom Doc erhalten hatte und legte diese auf den Tisch, wo sie der Reihe um nach kurzer Musterung weitergereicht wurden.
„Es existiert ein besonderes Gift, im Körper kaum nachweisbar, welches sein Opfer über sieben Tage hinweg langsam dahinraffen lässt. Beginnend mit einer kleinen Verstimmung, über Übelkeit und Magenkrämpfe, bis hin zum Tod. Es sei denn man nimmt das genauso seltene Gegengift zu sich, was mein Onkel vorsichtshalber schon getan hat. Und diejenigen, die nach dem Leichenschmaus ihm die Treue schwören und ihre Unterstützung zusagen, erhalten unbemerkt zum Anstoßen das selbige. Doch die, die es wagen, sich gegen ihn auszusprechen, verenden jämmerlich.“
„Natürlich Neffe. Und wo sind zu deinen Worten die Beweise?“, versuchte mein Gegenspieler cool zu bleiben. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir uns von Fotomanipulationen beeindrucken lassen.“
Ich wollte schon wütend aufbegehren, als ein anderer mir zuvorkam.
„Das nicht, aber von einem Video schon.“
Alle Köpfe flogen zu dem Sprecher herum, der am anderen Ende des Raumes stand, ausholte und mir etwas zuwarf, bevor ihn die Bodyguards zu Boden warfen und ihm die Arme schmerzhaft auf den Rücken verdrehten. Wie automatisch fing ich das Kleinod auf und schaute mit großen Augen auf Aden hinab, der mit widerspenstigem Blick sich gefangen halten ließ, ohne wirklich Gegenwehr zu leisten. Was zum Teufel machte er hier? Und warum tat mein Herz einen extra kräftigen Schlag, nur weil er in meiner Nähe war?
„Bei allem nötigen Respekt gegenüber euch und eurem Vater, junger Lord, aber ihr solltet euch besser erklären!“, verlangte der Freund meines Vaters und deutete auf den Fotografen. „Wer ist das?!“
Kurz blickte ich nachdenklich auf Aden hinab und fragte mich genau das gleiche. Und fast im selben Moment hatte ich die Antwort im Kopf. Dieses unglaublich starke Gefühl, ihn an meiner Seite haben zu wollen, das ich seit meinem Weggang unterdrückte, überwältigte mich dermaßen, dass ich glaubte, mein Innerstes würde jeden Augenblick zerspringen. Egal, ob mir das gefiel oder nicht, straffte ich mich wieder und reckte mein Kinn, schließlich war ich noch immer der junge Lord des Unternehmens und hatte Autorität auszustrahlen.
„Mein Gefährte“, antwortete ich deshalb, worauf alle überrascht von mir zu dem anderen schauten, hatte ich doch bisher nie jemand in meine Nähe gelassen.
„So so“, meinte der alte Freund meines Vaters und schaffte es nicht ganz, sich das Schmunzeln zu verkneifen. „Ihr habt euch verändert, nicht nur äußerlich.“
Er gab den Bodyguards einen Wink, die daraufhin Aden losließen. Kaum lockerten diese etwas ihren Griff, stieß der Fotograf sich ab, verpasste dem einen ´nen Kinnhaken und dem anderen einen Tritt in den Magen. Ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, wandte er sich ab, kam zu mir hinüber und stellte sich hinter mich, als wäre er mein zweiter Schatten.
Ich unterdrückte den heißkalten Schauder, der meinen Nacken hinab bis zu meinen Lenden schoss, nur weil ich ihn direkt hinter mir wusste und versuchte, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Ich ging zum großen Flachbildfernseher, der parallel zum Esstisch an der Wand hing, schaltete diesen ein und steckte die SD-Karte in die dafür vorgesehene Öffnung.
Ein paar Klicks später öffnete sich das gewünschte Fenster und ein verwackelter Film wurde abgespielt. Interessiert schauten alle zu, während ich bei Seite trat und die Lautstärke hochregelte, damit auch jeder alles verstand. Zuerst sah man nur verschiedene Grautöne und hörte ein dumpfes Geräusch von beanspruchtem Blech.
Dann wurden die Bewegungen langsamer, bis sie kurz stockten. Man hörte ein Raunen und Geklapper von Geschirr. Nun glitt die Kamera sachte nach vorne an einer Art Gitter vorbei, durch einen schmalen Schlitz. Als das Objektiv sich scharf stellte, hatte man einen freien Blick auf die Anrichte der großen Küche unterhalb des Gebäudes. Gläser wurden bereitgestellt und ein letztes Mal poliert, daneben standen die Weinfalschen des Abends.
War dieser unscheinbare Fotograf wirklich durch den Lüftungsschacht gekrochen? Warum? Um mir zu helfen? Bisher machte er nicht den Eindruck, dass er mir schon so sehr verfallen war – bis auf letzte Nacht. Und selbst die war für mich noch immer verwirrend.
Ich spulte den Film etwas vor, da die umherwuselnden Angestellten für alle uninteressant erschienen, bis die Gespielin meines Onkels ins Blickfeld trat. Sie kontrollierte die Gläser, gab hier und da ein paar Anweisungen, als wäre sie schon jetzt die First Lady des Unternehmens. Ich schaltete wieder auf Play, als sich der Bruder meines Vaters zu ihr gesellte und sie lüstern grinsend mit einem Ruck auf den Tisch hob und sich zwischen ihre Beine drängte.
„… Natürlich. Es ist alles bereit, so wie du es wolltest. Jetzt fehlt nur noch das kleine Extra“, lachte die junge Frau und lehnte sich bereitwillig ein Stück zurück, damit der andere einen guten Blick in ihr üppiges Dekolleté werfen konnte. Mein Onkel hauchte ihr einen Kuss direkt in die Mitte und holte dann ein kleines Etui aus der Innentasche seines Sakkos.
„In den nächsten Tagen wird sich herausstellen, wer für mich spricht. Der Rest geht erbärmlich zugrunde und ich werde lachend auf ihr Grab pissen.“
Er holte zwei kleine Kapseln hervor und legte eine auf seine und die andere auf die Zunge seiner Gespielin.
„Auf eine glorreiche Zukunft!“
Beide schluckten kräftig und küssten sich danach wild. Dann nahm er ein kleines Fläschchen samt Spritze aus dem Etui und füllte die Nadel mit der klaren Flüssigkeit auf. Nach und nach versenkte er das dünne Metall in die Korken der noch ungeöffneten Flaschen und ließ ein paar Tropfen in den Wein fallen.
„Und das funktioniert wirklich?“, fragte die Frau kritisch.
„Dieses Gift ist tödlicher als jeder Schlangenbiss oder Skorpionstich zusammen und kaum nachweisbar. Jeder wird es für eine Magenverstimmung halten, bis das Herz aus unerfindlichen Gründen einfach stehenbleibt. Fast zu einfach. Die, die sich mir anschließen, bekommen unbemerkt das Gegengift und der Rest wird jämmerlich verrecken.“
Der Film ging zwar noch etwas weiter, trotzdem schaltete ich aus. Meiner Meinung nach hatten alle genug gehört. Vorsichtshalber gesellte ich mich langsam wieder zu Aden, während der alte Freund meines Vaters laut schnaufte.
„Hast du dem irgendetwas entgegenzusetzen?“, fragte er meinen Onkel, der zwischen Leichenblässe und rotbrodelnder Wut hin- und her zu schwanken schien. Dann ging alles ganz schnell.
Von einer Sekunde auf die nächste brach die Hölle über den kleinen Saal herein. Leute sprangen auf, Stühle fielen zu Boden, Geschirr ging zu Bruch. Jeder hatte auf einmal eine Waffe in der Hand und schoss wild um sich. Bodyguards kämpften gegeneinander und versuchten mehr oder weniger gut, ihren Auftraggeber zu schützen.
Und ich? Ich wurde wie ein kleines Kind gepackt und von einer Seite zur anderen geschubst. Als wäre ich in einem schlechten Cover von ‚Matrix‘ gelandet, bewegte sich Aden zwischen den Menschen, wehrte Angriffe kraftvoll ab und lotste uns fast schon elegant tanzend durch die Menge nach draußen.
Und selbst dort gab er keine Ruhe. Halb rennend zerrte der Fotograf mich hinter sich her, bis ich mich in einer Seitengasse endlich befreien konnte. Grob riss ich mich von ihm los und scheuerte ihm eine, dass es an den Wänden widerhallte.
„Wer bist du?“, fragte ich wütend und arbeitete daran, einigermaßen ruhig zu bleiben. Aden hingegen verzog keine Miene, sah mich lediglich durchdringend an.
„Dein Gefährte“, antwortete er etwas verspätet und dermaßen überzeugend, als wäre das so klar, wie das Brandenburger Tor in Berlin stünde und ich hätte gefragt, ob dem noch so war. Verärgert ob solch geballter Ladung Dreistigkeit in meiner Gegenwart kniff ich die Augen zusammen und blitzte ihn an.
„Du weißt genau, dass ich nicht DAS meinte! Du bist in einen halben Hochsicherheitstrakt eingedrungen, konntest geheime Aufnahmen von Leuten machen, die besser bewacht werden als Ford Knox und hast Menschen niedergeschlagen, welche mehr als nur in einer Kampfkunst ausgebildet sind. Also! Wer zu Hölle…“
Weiter ließ mich Aden nicht wettern. Mit einem Schritt war er nahe bei mir und presste seine Lippen kräftig auf die meinen, dass ich kaum mehr Luft bekam. Erst als er es wollte, gab er mich wieder frei, wenn auch nur um Haaresbreite.
„Ich bin Dein, wie du Mein. Willkommen in meiner Liga.“
Diese klaren Worte samt dem intensiven Blick brannten sich direkt durch meine Brust, hinunter zum Bauch, bis zu den Lenden. Langsam fragte ich mich, wer von uns beiden wirklich noch bei Verstand war. Vorerst blieb mir keine Zeit, länger darüber zu philosophieren.
Ruckartig drehte sich Aden um und zielte mit einer Waffe, die er nur Götter wissen woher hatte, in die Dunkelheit. Wie aus dem Nichts schälten sich in schwarz gekleidete Menschen und traten lautlos auf uns zu, jeweils einer von links und zwei von rechts. Nach der Schutzkleidung zu urteilen, den Stoffmasken und den gezückten, kurzen Sturmgewehren, deren Mündungen direkt auf uns gerichtet waren, gab es keinen Zweifel. Es waren Söldner, die elitäre Sturmtruppe der Organisation. Bestens. Genau die hatten mir gerade noch gefehlt.
„Waffe runter und zwar schön langsam!“
Wie ich ihren befehlenden Ton voller überheblicher Arroganz hasste. Und dieser bescheidene Stimmenverzerrer in deren Masken machte es nicht gerade besser.
„Unterschätzt mich nicht. Noch ehe einer von euch ans Abkrümmen denkt, schalte ich zwei aus.“ Diese vollkommen ruhige Stimme Adens jagte selbst mir einen eiskalten Schauer über den Rücken.
Der Fotograf hatte offensichtlich keinen blassen Schimmer, mit wem er sich da anlegte. Ich wollte ihm gerade meine Hand auf die Schulter legen, um ihn zu beruhigen, als der Kleinere von den dreien die Waffe runternahm und einen Schritt vortrat.
„Das würden wir niemals tun, Aden.“
Die Person schulterte das Gewehr ab, legte es auf den Boden und kam mit erhobenen Händen auf uns zu. Es gab nur einen Söldner weit und breit, der diese grenzenlose Selbstüberschätzung innehatte und sich nicht benahm wie die Axt im Wald. Grinsend verschränkte ich die Arme und lehnte mich mit der Schulter an die Wand.
„Na Cat, mal wieder strafversetzt worden?“, stichelte ich gehässig.
Der Söldner stoppte und zog sich dann nach kurzem Zögern die Maske über den Kopf. Zum Vorschein kam eine junge Frau mit streng zurückgebundenen, braunen Haaren, welche mich missmutig anstarrte. Nur der grüne Balken um ihre großen Augen fehlte, welcher sie normalerweise als hohe Lady der Organisation kennzeichnete.
„Halt die Klappe, Julian. Manchmal ist halt volles Engagement gefragt und nicht nur langweiliges delegieren vom Thron herab. Aber wie wir alle wissen, ist dir das eh unbekannt. Egal. Um dich kümmere ich mich später. Denn, ob du es glaubst oder nicht, die Welt dreht sich nicht nur um einen kleinen, gefallenen Lord!“
Erwähnte ich schon, dass ich sie absolut nicht ausstehen konnte? Was wohl auch auf Gegenseitigkeit beruhte, da ich ihrem geliebten, jüngeren Bruder ‚etwas‘ zu nahe gekommen war.
„Aden, bitte. Du bist eben erst aus der letzten Sache raus. Willst du wirklich die gesamten Anstrengungen der vergangenen Zeit einfach so über Bord werfen, wegen so einem selbstverliebten, menschenverachtenden Typen, den du nicht mal richtig kennst?!“, versuchte die degradierte Lady meinem Fotografen ins Gewissen zu reden.
Aden biss die Zähne aufeinander und setzte eine trotzige Miene auf. Entgeistert schüttelte Cat ihren Kopf.
„Das kann doch wirklich nicht dein Ernst sein? Du kommst vom Regen in die Traufe. Liefere mir einfach diesen kleinen Bastard hinter dir aus und wir vergessen, dass du hier warst.“
Bitte? Diese mickrige Möchtegernprinzessin konnte von Glück reden, dass wir uns nicht allein gegenüberstanden. Und was sollte nur dieser ganze Wirbel um Aden? Es war schon verwunderlich, was er für zwielichtige Leute kannte, gerade wenn ich an den Doc dachte und mittlerweile war ich mir auch sicher, dass mein Fotograf die Bilder für den Arzt geschossen hatte.
Weiter bewegte sich Aden viel zu präzise für jemanden, der hobbymäßig etwas Kampfsport trainierte. Und dass die Organisation ihn kannte, machte mich schon etwas nervös – und neugierig. Nein! Mein Fotograf gehörte mir und kein anderer dürfte jemals über ihn verfügen! Ich schob mich an Aden vorbei und stellte mich zwischen ihn und diese Göre.
„Kaum degradiert und schon nimmst du dir die steinzeitlichen Gepflogenheiten der Söldner an. Wirklich sehr unhöflich.“ Mit hochgezogener Braue schaute Cat mich an. „Ich habe einen anderen Vorschlag: Ihr verkrümelt euch in die Ecken, aus denen ihr rausgekrochen seid und lasst uns beide unseres Weges ziehen.“
„Na klar“, schnaubte die Lady. „Und was bekommen wir dafür? Beifall???“
„Besser. Wie wäre es mit vier großen Köpfen der Unterwelt? Zwei für Aden, zwei für mich.“
Noch traute mir die junge Frau nicht über den Weg, so skeptisch wie sie mich musterte.
„Warum solltest du das tun? Du hast andere Mittel und Wege, dich aus der Affäre zu ziehen, als dir andere Clans zum Feind zu machen. Und seit wann interessiert dich das Schicksal eines anderen?“
„Dank den letzten Tätigkeiten meines Onkels wurden Missstände aufgedeckt, die zu beseitigen sind, möglichst von externer Seite, damit das Gefüge innerhalb einigermaßen bestehen bleibt. Und was Aden betrifft: Er gehört zu mir! Und niemand hat dem etwas entgegenzusetzen, vor allem keine abgehalfterte Prinzessin der ‚sagenumwobenen‘ Organisation!“
Auch wenn ich mich etwas in Rage geredet hatte, die Entgleisung ihrer gesamten Gesichtszüge war wirklich köstlich. Aden hingegen trat von hinten dicht an mich heran und fuhr mit seiner Nase nahe bei meinem Ohr entlang, als würde er meinen Geruch tief einatmen wollen. Es war wie eine Bestätigung meiner Worte, die er damit zu unterstreichen gedachte. Und es machte mir Angst, wie sehr ich diese Zustimmung genoss. Die Lady brauchte ein paar Sekunden, um sich wieder zu fassen. Dann wurde sie wütend.
„Das lasse ich nicht zu! Ich werde nie wieder mit ansehen, wie du dich selber zugrunde richtest, Aden!“
Blitzschnell griff die junge Frau hinter sich und holte eine verborgene Waffe hervor. Im selben Moment stieß mein Fotograf mich beiseite und legte selbst mit der Pistole an. Dann brach ein Schuss. Ungedämpft hallte es von den Wänden wider, dass uns die Ohren klingelten.
Meine Gedanken rasten. Ich überlegte wirklich einen kurzen Moment, wie ich Aden aus der Schusslinie bringen konnte. Dabei sollte er mir doch eigentlich egal sein. Wieso war er das nicht? Wieso fühlte ich mich trotz Chaos um uns herum bei ihm sicher? Es gab einiges zu klären, wenn dies hier überstanden war.
Seltsamerweise ergab sich mir vor Ort ein anderes Bild als gedacht. Cat kniete auf dem Boden und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hand, während ihr Hintermann genau wie Aden in die andere Richtung der Gasse zielte. Der dritte Söldner lag bewusstlos am Boden. Mein Onkel thronte über ihm und hielt ihm mit der linken Hand ein Messer an die Kehle, die rechte zeigte samt einer Pistole auf uns.
„Waffen weg, Söldner, oder dein kleiner Bruder hier ist Geschichte!“
Man sah, dass der Angesprochene zögerte und erst nach einem Kopfnicken der Lady der Aufforderung nachkam.
„Ich hätte mir die Show ja gerne noch bis zum Ende angeschaut, aber der junge Lord gehört mir!“
„Ich wüsste nicht, dass ich neuerdings dein Eigentum bin, Onkel!“, erwiderte ich wütend über solche Unverfrorenheit.
Warum hatte ihn denn niemand bei dem ganzen Trubel einfach umgebracht?! Die Unterweltler von heute sind wohl auch nicht mehr die, die sie laut meinem Vater mal waren.
„Halt den Mund, Bengel! Jahrelange Planung und Vorbereitung hast du an einem Abend zunichte gemacht. Glaubst du wirklich ich lasse dich einfach so davonkommen?“
Mein Onkel wurde immer lauter und zitterte am Schluss vor Zorn. Mich beeindruckte das natürlich wenig. Erhaben blickte ich auf ihn hinab.
„Ein weiterer Beweis deiner Unfähigkeit und meiner Genialität. Erspar uns allen weitere Peinlichkeiten und verschwinde!“
Wie angenommen gefielen dem Bruder meines Vaters diese Worte überhaupt nicht. Vor Wut lief er komplett rot an, sodass man glaubte seine Adern im Gesicht platzen gleich.
„Ich soll gehen?“, begann er auf einmal hysterisch zu kichern, als wäre er vom Wahn befallen. „Gut. Wie du willst. Aber dann nehme ich dein neues Spielzeug mit!“
Zuerst glaubte ich, mich verhört zu haben. Doch dann zielte mein Onkel mit der Waffe direkt auf Aden. Für einen kurzen Augenblick blieb die Zeit stehen. Cat setzte entschlossen zum Sprung an, im gleichen Atemzug wie ihr Hintermann sein Kurzgewehr hob. Das Unsinnigste jedoch tat mein Fotograf.
Anstatt sich in Sicherheit zu bringen, war er im Begriff, sich schützend vor mich zu stellen. Abermals schmerzte es seltsam in meiner Brust, nur dieses Mal so stark, dass ich glaubte, zu zerspringen. Die Frage der Lady kam mir in den Sinn, die ich mir selbst schon so oft gestellt hatte:
Warum tat er das? Hatte ich es ihm befohlen? War er mein Leibwächter und somit seine Pflicht, mich zu schützen? Außerdem kam ich auch gut allein zurecht, was ich wohl mal wieder beweisen musste. Jede Ausrede war besser, als einzugestehen, dass ich doch mehr für Aden empfand, als mir lieb war.
Entschlossen spannte ich meine Muskeln an, stieß mich vom Boden ab und schubste meinen Fotografen aus der Gefahrenzone. Mit gleich mehreren Schüssen verlief die Zeit wieder im Normaltempo und ich stürzte mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Dieser Idiot hatte mich wirklich getroffen.
Aden schien es gut zu gehen, zumindest untersuchte er mich knapp, ohne verletzt auszuschauen. Er sah wütend aus, als er meine Wunde entdeckte und wollte voller Zorn auf meinen Onkel losgehen. Doch davon mal abgesehen, dass dieser bewusstlos auf dem Asphalt lag, stellte sich Cat ihm in den Weg.
„Gib mir die vier Namen, Julian!“, forderte sie mich rüde auf. Stöhnend hielt ich mir die Seite und stemmte mich etwas hoch.
„Du hältst Aden aus allen Berichten raus und lässt uns ziehen, klar!?“, brachte ich mühsam aber doch fest entschlossen heraus. Die Lady biss sich verärgert auf die Unterlippe und schaute sich hektisch um.
„Nur für Namen, die sich auch lohnen!“
Ich brauchte nicht lange zu überlegen, servierte die abtrünnigsten Verräter meines Vaters und reichte ihr mit Hilfe meines Fotografen den Großteil der Akte, die ich vom Doc erhalten hatte. Sie überflog alle Papiere und nickte dann düster.
„Ich rate dir, es mit Aden wirklich ernst zu meinen. Ansonsten finde ich dich und die nächste Begegnung zwischen uns wird nicht mehr so friedlich verlaufen!“
Die Lady wandte sich ab und gesellte sich zu dem anderen Söldner, der sich über seinen Kameraden beugte.
„Wie geht es ihm?“
„Nur eine mächtige Beule. Ihr lasst die beiden wirklich ziehen?“
„Als ob ich je etwas gegen Adens Dickschädel ausrichten könnte. Außerdem habe ich heute zum ersten Mal gesehen, dass dieser verwöhnte Balg sich für jemand anderes opfern wollte. Allein das schreit nach einer Fortsetzung der Story, auf die ich sehr gespannt bin.“

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Information Der Fremde im Papas Bett
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:10 AM - No Replies

Mein Vater und ich leben in einer kleinen Dreizimmerwohnung und wir kommen auch ohne Frau aus. Was ? Ihr fragt jetzt, wo meine Mutter ist. Also klar ist, dass sie mich neun Monate mit sich herumtrug, aber nach der Entbindung hat sie das Krankenhaus mit unbekanntem Ziel verlassen.
Mein Vater hat mich daher alleine aufgezogen. Was aus meiner Mutter geworden ist, kann ich nicht sagen, da sie sich nie wieder bei meinem Vater gemeldet hat. Mein Vater ist total cool und macht jeden Spaß mit. Nur ab und zu merke ich, dass er sich alleine fühlt.
In den gesamten 16 Jahren, die wir nun gemeinsam verbracht haben, gab es nie eine Frau an seiner Seite. Warum werdet ihr jetzt fragen! Ich kann es leider auch nicht beantworten. Schlecht sieht er nicht aus und er hat ein großes Herz, das bis jetzt nur für mich schlägt. Mein Alter wisst ihr ja nun auch und ja ich habe eine Freundin.
Sabine, so heißt meine Freundin, kann auch nicht verstehen warum mein Vater keine Frau an seiner Seite hat. Aber das sollte sich ändern, denn wir wollten ihn verkuppeln. Sabines Eltern planten eine große Gartenparty und dabei sollten so einige Damen ohne Begleitung erscheinen. So und heute hat mir Sabine die Einladung für meinen Vater mitgegeben. Na mal sehen was er dazu sagt.
„Dad bin wieder da!“
„Was schreist du denn so, bin doch nicht schwerhörig!“ kam es aus der Küche.
„Was gibt es denn feines zum essen?“
„Mein lieber Sohn, ich bin gerade dabei Kartoffelsuppe zu kochen und es dauert noch in etwa eine halbe Stunde bis die fertig ist!“ dabei trat mein Vater in den Flur und sah mich lachend an.
„Ich hab hier noch was von Sabines Eltern!“ dabei überreichte ich ihm die Einladung.
Mein Vater öffnete den Umschlag und nahm die Karte heraus. Nachdem er sich diese durchgelesen hatte, sah er etwas traurig aus und ging in die Küche zurück.
„Dad was ist los? Es ist doch nur eine Einladung zu einer Grillparty?“ fragte ich meinen Vater nachdem ich ihm in die Küche gefolgt war.
Mein Dad saß auf einen der Küchenstühle und sah die Karte an.
„Was soll ich da? Ich kenn doch keinen von denen die da hinkommen!“
„Dad ich bin doch auch da und Sabine und Sabines Eltern. Also kennst du schon mal vier Leute auf der Party!“
„MMHH.. ich überleg es mir! Einverstanden Thommy?“
„Na gut aber bis morgen brauch ich deine Antwort. Sabines Eltern müssen schließlich wissen wer kommt und wer nicht!“
Pa sah mich dabei mit traurigen Augen an und stand dann auf um sich um den Eintopf zu kümmern.
Ich stapfte dann in mein Zimmer und machte erst mal meine Hausarbeiten. Wie ich die liebte!
Mitten drin beim lösen der letzten Matheaufgabe, fing mein Handy an zu plärren.
Also nahm ich dieses und sah auf dem Display, dass es Sabine war.
„Hi Sabine.“
„Hi Thommy und kommt dein Vater nun?“
„Ich weiß nicht! Er will es sich bis morgen überlegen.“
„Na hoffentlich kommt er mit. Du Thommy weißt du wen meine Eltern noch eingeladen haben?“
„Nee woher denn! Nun sag schon wen haben sie eingeladen?“
„Mein Onkel Peter und seinen Lebenspartner!“
„Ja und was ist jetzt so besonderes dabei?“
„Die beiden bringen noch jemanden mit.“
„MMhh und was willst du mir damit jetzt sagen?“
„Na so wie ich mitbekommen hat, geht’s dem nicht so gut. Der hatte wohl einen Freund der ihn ständig betrogen hat und nun wollen sie ihn mitbringen um ihn etwas abzulenken. Dann ist dein Vater nicht der einzige der von den Leuten keinen kennt.“
„Ich glaube aber kaum, dass mein Vater schwul ist. Also bis jetzt wüsste ich nicht das er es ist!“
„Man Thommy du brauchst nicht in den Hörer zu schreien und zum anderen habe ich das nicht so gesagt! Ich dachte dann könnten die beiden ja an einem Tisch sitzen und hätten wenigsten einen Gesprächspartner, wenn sie schon niemanden dort kennen.“
„Du hast Ideen. Wie willst du die beiden denn gegenseitig vorstellen? Das ist ein Bekannter von meinem Onkel und der ist schwul und das ist der Vater von meinem Freund Thomas!“ äffte ich am Hörer rum.
„Man typisch Jungs! Ich wollte nur das die beiden wenigstens jemanden haben, mit dem sie an dem Abend sich etwas unterhalten können.“
Auf der einen Seite hatte Sabine ja Recht. So war mein Vater, wenn er denn mit kommen sollte, nicht ganz alleine und hätte obendrein jemanden mit dem er sich unterhalten konnte.
„Also keine schlechte Idee. Ich werde versuchen meinen Vater zu überzeugen, mit auf die Party zu gehen.“
„Tu das mein Engel, wir sehen uns morgen in der Schule.“
So verabschiedete ich mich auch und begann den Rest der Hausaufgaben zu erledigen.
Nach einer halben Stunde hatte ich das dann auch erledigt.
„Thomas komm die Kartoffelsuppe ist fertig!“
Jetzt erst merkte ich, dass ich einen mordsmäßigen Kohldampf hatte und rannte so schnell ich konnte in die Küche.
Die Suppe schmeckte, denn mein Vater konnte richtig gut kochen. Nachdem wir fertig waren, machte ich den Abwasch und mein Vater ging in sein Arbeitszimmer.
Als ich mit dem Abwasch fertig war, ging ich noch zu meinem Vater um Gute Nacht zu sagen. Mein Vater saß an seinem Schreibtisch und sah kurz zu mir auf.
„Na Sohnemann alles klar in der Küche?“
„Natürlich wollte nur noch mal fragen, ob du dich schon entschieden hast, wegen der Party!“
„Thomas also ich gehe mit dir dahin. Aber sei mir nicht böse wenn ich nicht lange bleibe!“
„Super Dad, das wird bestimmt eine tolle Party.“ dabei sah ich meinen Vater glücklich an.
„Na denn Dad ist schon spät ich werde mal ins Bett abmarschieren.“
„Nacht Thommy und schlaf schön.“
Bernd
Ich sah Thomas nach und sah dann wieder auf den Bildschirm meines Computers. Nun war dieser Lausebengel schon sechzehn Jahre alt. Es machte mich traurig, das er so langsam erwachsen wurde und kaum noch Zeit für mich hatte. Auf der anderen Seite war ich stolz auf ihn, wie selbständig er war.
Aber damit hatte ich auch immer mehr Freiraum für mich, aber leider wusste ich damit nichts anzufangen. Sechzehn Jahre lang war Thomas der Lebensmittelpunkt in meinem Leben und nun auf einmal nicht mehr.
Na gut auf die Party von Sabines Eltern würde ich gehen, aber nicht lange bleiben. Ich gab mir dafür maximal eine Stunde, bis ich verschwinden wollte.
Ich stand auf, streckte mich und machte dann den Computer aus.
Morgen war wieder viel zu tun auf Arbeit. Ich hatte etliche Termine, aber dafür stand dann das Wochenende an und am Samstag war ja schon die Party.
Thomas
Die Schule wollte und wollte heute kein Ende nehmen. Aber irgendwann war dann die letzte Stunde vorbei und ich ging mit Sabine zu ihr nach Hause.
Ich sollte noch beim aufbauen der Gartenmöbel im Garten helfen.
„Hallo wir sind da!“ rief Sabine als wir im Haus standen.
„Na endlich! Los Thomas, Sven wartet schon auf dich!“ kam es dann auch von Sabines Mutter, die plötzlich im Hausflur stand.
Ich legte meinen Rucksack auf den Boden und ging zu ihr hin.
“Hi Gisela und noch viel zu tun?“
„Nein fast alles fertig. Das Spanferkel wird morgen Abend geliefert. Nur noch die Gartenstühle und die Tische müssen aufgebaut werden. Sven hat damit gewartet, bis du da bist.“
„Na dann werde ich mal gehen und ihm helfen!“
Sven ist der Bruder von Sabine, zweiundzwanzig Jahre alt und studiert in Berlin an der Humboldt Universität.
Sven saß im Garten auf einem Stuhl und rauchte.
„Hallo Sven, na alles klar?“
„Ach da ist ja mein Schwager endlich! Na dann mal los!“
Er stand auf und wir fingen an die Stühle und Tische aus dem Keller zu holen. Man war das eine Arbeit, nachdem wir das geschafft hatten, begannen wir diese im Garten aufzustellen.
„Sag mal wie viele Leute kommen denn?“ fragte ich Sven.
„Ich glaube so an die dreißig Personen glaube ich.“
„Na das geht ja. Ich dachte schon es wären mehr.“
„Und kommt dein Vater auch?“
„Ja, aber ich glaub der bleibt nicht lange!“
„Wieso das denn?“
„Weiß ich auch nicht! Manchmal verstehe ich ihn selbst nicht. Aber was soll’s, wenn er erst
mal hier ist, wird uns schon was einfallen, damit er länger bleibt!“
„Richtige Einstellung, da wird uns schon was einfallen!“
„Los Sven, beeilen wir uns mit dem aufstellen.“
Als wir endlich fertig waren, kam auch schon Sabine an und brachte uns etwas zu trinken.
„Thommy, Mutti sagt wenn du möchtest kannst du bei uns zum Abendessen bleiben.“
„Au fein ich ruf nur schnell meinen Vater an, nicht das er mit dem Abendessen auf mich wartet.“
Bernd
Gerade war ich in der Wohnung eingetroffen, als das Telefon anfing zu läuten.
„Bei Plinks mit wem spreche ich?“
„Hi Dad wollte dir nur Bescheid geben das ich bei Sabine zum Abendessen bleibe.“
„Ist gut Thommy, dann mache ich mir was alleine! Wann bist du wieder hier?“
„So gegen einundzwanzig Uhr. Ist das OK?“
„Ja klar! Also bis nachher.“
Ich hörte am anderen Ende noch wie Thomas auflegte. Komisch nun war ich auch schon beim Abendessen alleine. Ich zog mir meine Jacke aus und ging erst mal in mein Zimmer um mich umzuziehen.
Es war schon eigenartig so ganz alleine in der Wohnung zu sein. Aber daran musste ich mich wohl gewöhnen. Ich zog mir dann eine Jeans und ein Hemd an und ging in die Küche um mir einen Kaffee zu machen.
Geraume Zeit später saß ich vor meinem Computer und las meine Mails. Ich musste lächeln als ich auf eine der Mails klickte um diese zu öffnen. Die Mail war von Luna40. Wir hatten uns in einem Chat kennengelernt und schrieben uns danach immer intensiver.
Mittlerweile wusste ich, dass er auch in Berlin wohnte und in einer festen Partnerschaft mit einem Mann lebte. Besser gesagt er hatte mal einen Partner. Der Dreckskerl hatte ihn mehrmals betrogen und irgendwie hatte er es geschafft, endlich diesen Typen vor die Tür zu setzen.
Seltsam war nur, dass er mir nie seinen Namen verraten hat. Immer wenn ich ihn danach fragte, blockte er ab. Ja ich war schwul, aber durch Thomas hatte ich nie einen Partner. Ab und zu wenn Thomas bei seinen Großeltern zu Besuch war, traf ich mich mal mit einem.
Aber leider war es auch nur für einmal, sobald die Typen mitbekamen, dass ich ein alleinerziehender Vater war, war nichts mehr von ihnen zu hören. Tja und so zog ich mich immer mehr zurück und lebte nur für Thomas. Irgendwann fing ich dann an, in einem Schwulenchat zu schreiben und hatte so wenigstens ein bisschen das Gefühl am Leben noch teilzunehmen. Thomas weiß nicht, dass ich schwul bin und das sollte auch so bleiben.
Ich hatte mich damit abgefunden, allein zu bleiben und das sollte sich auch nicht ändern. Luna40 wusste das und versuchte immer wieder in seinen Mails mir Mut zu machen, mir endlich jemanden zu suchen. Aber wollte ich das noch?
Ich hatte keine Lust wieder auf solche Typen reinzufallen und dann am nächsten Tag feststellen zu müssen, dass ich wieder alleine war. Ich hätte so gerne jemanden gehabt, aber es sollte eben nicht sein.
Na mal sehen was Luna40 wieder mal zu schreiben hatte. Ich las mir dann seine Mail durch und so wie ich verstand, hatten ihn ein paar Freunde eingeladen zu einer Party. Na dann schrieb ich ihm zurück und wünschte ihm viel Spaß auf der Party und das ich auch durch die Eltern von der Freundin meines Sohnes zu einer Party eingeladen war.
Gerade als ich fertig war, hörte ich die Haustür.
„Hi Paps bin wieder da!“
„Na und alles vorbereitet für die große Party morgen?“
„Ja haben wir. Ich glaube ich werde morgen einen mächtigen Muskelkater haben, vom vielen tragen.“
„So schlimm?“
„Nee noch viel schlimmer!“ dabei tauchte Thomas Gesicht in der Tür auf und strahlte mich an.
„Paps ich habe noch einen Film mitgebracht. Hat Sven mir mitgegeben. Wollen wir uns den noch ansehen?“
„Na warum nicht, bin sowieso hier fertig! Holst Du noch was zu trinken?“
„Klar mach ich! Kannst ja schon den Film reinschmeißen.“
Na dann stand ich auf, nahm den Film, den Thomas mir entgegenstreckte und ging in das Wohnzimmer. Wir sahen uns diesen dann an und danach gingen wir ins Bett.
Thomas
„Aufstehen Frühstück ist angerichtet!“
Man kann man nicht mal am Samstag ausschlafen. Ich wälzte mich aus meinem Bett und ging erst mal ins Bad. Nachdem ich dann mit allem fertig war und mich angezogen hatte trabte ich in die Küche zu meinem Vater. Der saß schon am Tisch und las Zeitung, dabei trank er seinen obligatorischen Pott Kaffee. Wie ich das Zeug Hasste. Ich trank lieber Tee.
„Morgen Sohnemann und wann müssen wir bei der Party erscheinen? Oder gehst du vorher schon hin um Sabine zu helfen?“
„Also du bist so gegen Neunzehn Uhr da. Ich gehe vorher hin, um noch etwas zu helfen.“
„Thomas ich weiß nicht, ob ich da hingehen soll?“
„Was soll das jetzt Pa? Ich meine du musst auch mal unter Leute und ich bin kein kleines Kind mehr, auf das du Rücksicht nehmen musst!“
„Ja verstanden.“
Pa sah mich dabei traurig an. Man was ist mit ihm bloß los. In letzter Zeit war er wirklich komisch geworden. Zog sich immer mehr zurück und über sich sprechen wollte er auch nicht mit mir. Na ich hoffte das er zu der Party erschien.
Fertig mit dem Frühstück stürmte ich dann los zu Sabine.
Bernd
Na das wird ein toller Abend werden, dachte ich etwas ironisch. Es war bereit Achtzehn Uhr und ich machte mich langsam fertig um dann zu dieser Party zu gehen, da ich es ja Thomas versprochen hatte. Ich konnte jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Also dann, was zog Mann an, zu einer Party?
Ich zog dann eine schwarze Jeanshose und dazu ein figurbetontes weißes Hemd an. Danach stampfte ich ins Bad um meine Haare zu richten. Als ich mich dann so im Spiegel betrachtete, sagte ich mir dass ich doch ganz passabel aussah. Also Abmarsch zu der Party.
Da die Familie von Sabine nicht weit entfernt wohnte, ging ich zu Fuß dorthin. Für die Gastgeberin hatte ich noch einen Blumenstrauß besorgt, den ich nun bei mir trug. Als ich dann am Gartentor stand und klingelte, hörte ich schon Musik aus dem Garten schallen. Na toll, da war ich wohl der letzte.
„Hallo!“ kam es plötzlich hinter mir und ich drehte mich um. Da standen drei Männer und blickten mich an.
„Hallo, seid ihr auch eingeladen zu der Party?“
„Klaro!“ kam es von einen der drei und hielt mir seine Hand entgegen.
„Ich bin Stev, das ist mein Freund Michael und der hier heißt Lucas!“ dabei deutete Stev auf den letzt genannten.
Ich sah kurz zu Lucas und was ich da sah gefiel mir echt gut. Jetzt schnell wegsehen, ehe jemanden auffiel wie ich Lucas anstarrte.
„Acchhsssoo …. Mein Name ist Bernd!“
„Na dann los Bernd, ich glaube da kommt auch schon die Gastgeberin!“ dabei deutete Stev mit seiner Hand auf jemanden hinter meinem Rücken.
Ich drehte mich um und dann sah ich auch schon Sabines Mutter auf uns zukommen.
„Hi Stev und Michael! Ah Bernd schön das du gekommen bist. Thomas hatte schon Angst gehabt das du doch ein Rückzieher machen würdest.“
„Nee Gisela ich habe es ja versprochen zu kommen!“ sagte ich dann zu ihr und überreichte ihr den Blumenstrauß.
„Ohh wie schön. Danke!“ dabei nahm sie mich kurz in den Arm.
„Na Brüderchen wie ich sehe geht es euch gut. So nun los, dann kommt mal rein.“
Wir gingen ihr dann hinterher, wobei Gisela ihren Bruder Stev in Beschlag nahm und sich mit ihm unterhielt.
„Wer ist Thomas?“ kam es fragend von Michael an mich gerichtet.
„Das ist mein Sohn, er ist mit Sabine zusammen.“
„Ach du hast einen Sohn, aber ich sehe weit und breit keine Ehefrau bei dir?“
„Ja die Mutter meines Sohnes hatte es vorgezogen, gleich nach der Geburt zu verschwinden. Seitdem wächst Thomas bei mir auf und ich glaube wir sind ein ganz gutes Team!“
„Das kommt mir irgendwie bekannt vor!“ kam es von Lucas. Ich sah ihn kurz an um dann gleich wieder weg zu sehen. Man diese Augen, ging es mir durch den Kopf.
„Wie meinst du das, es kommt dir irgendwie bekannt vor?“ fragte Michael Lucas.
„Na ich kenn da einen, bei dem war das auch so. Leider hat er mir den Namen seines Kindes nie verraten.“
„Na nun los Leute kommt! Ihr könnt noch den ganzen Abend euch unterhalten“, kam es von Stev der mit Gisela stehen geblieben war und uns entgegensah.
„Ja mein Schatz wir kommen ja schon!“
ÄÄHH Schatz???? Ich sah Michael fragend von der Seite an. Er sah wohl meinen etwas irritierten Blick und lachte.
„Ja ich und Stev sind jetzt Fünf Jahre zusammen.“
„Wau, das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ sagte ich.
Ich war echt geplättet, man und das mir. Lucas fing neben mir auch an zu kichern.
„Was ist denn jetzt so komisch daran?“ fragte ich etwas genervt in die Runde.
„Nichts du hattest eben aber ein wirklich saublödes Gesicht gezogen!“ kam es von Gisela.
Na super und das mir. Ich glaube ich werde bei dieser Party nicht lange anwesend sein.
„Paps! Da bist du ja.“ drang es an mein Ohr und mein Sohn sprang uns entgegen.
Meine Rettung nahte und ich war in dem Augenblick richtig glücklich, dass Thomas hier war.
„Hi Sohnemann und alles in Ordnung?“
„Na klar warum nicht und wie ich sehe hast du ja schon ein paar Gäste kennen gelernt.“
„Ja hab ich, aber nun habe ich erst mal etwas Durst! Wo bekommt ein Halbverdursteter etwas zu trinken?“
„Na dann komm mal mit und die anderen folgen unauffällig!“ dabei zog mich Thomas an der Hand hinter sich her.
Nachdem ich ein Glas Bier in der Hand hielt, sah ich mich um. Lucas stand etwas entfernt auch alleine da, so dass ich beschloss zu ihm zu gehen.
„Na dann mal Prost.“ sagte ich zu ihm, nachdem ich neben ihm stand.
Er drehte sich zu mir um und sah mir direkt in die Augen. Oh man ich konnte diesem Blick nicht ausweichen und sah ihm auch in die Augen. Was hatte der für schöne Augen, ich starrte ihn eine ganze weile wie hypnotisiert an.
„ÄHHH… Hallo Bernd..“ kam es leise von Lucas.
Ohh man was machte ich hier bloß? Ich merkte wie mein Gesicht heiß wurde und schaute schnell runter auf meine Schuhe.
„Ja ähmm sorry Ich .. dachte nur.. du kennst hier ja auch keinen und da könnten wir uns ja etwas.. ääähhh.. unterhalten!“
Oh man, ich brachte nicht einmal einen ordentlich Satz zustande.
„Komm setzen wir uns dahinten hin, da sind wir etwas unter uns und dann kannst du mir ja von dir ein bisschen erzählen!“ kam es von Lucas.
„Ja dann kannst du ja auch was von dir verraten.“
War das gerade ich, der das gesagt hatte? Ohh wie peinlich! Ich stellte mich ja an, als ob ich mein erstes Date hätte. Stopp Moment mal, ich wusste doch gar nicht ob Lucas schwul ist. Hoffentlich bekam nicht Thomas und die anderen mit, wie ich mich hier anstellte. Wir gingen dann erstmal zu einem einzeln stehenden Tisch und setzten uns an diesen.
Ich wusste im Nachhinein nicht wie lange wir uns unterhalten hatten. Jedenfalls anfangs stotterten wir beide nur herum. Aber dann wurde das Gespräch immer intensiver und ich erzählte von mir und von meinem Sohn Thomas … und von meinem Sohn… und von meinem Sohn.
„Sag mal kannst du auch etwas von dir erzählen außer von deinem Sohn? Ich habe das Gefühl du lebst nur für ihn!“ unterbrach Lucas mich irgendwann.
„Ja du hast Recht. Aber ich weiß nicht was ich von mir erzählen soll. Da gibt es nicht viel.“ Dabei sah ich auf den Boden und merkte wie sich ein paar Tränen in meinen Augen sammelten. Oh Shit bitte jetzt bloß nicht heulen.
„He Bernd ist doch OK. Ich glaube du kannst eine ganze Menge über dich erzählen. Also meinen Namen kennst du ja…..“ und so fing Lucas an von sich zu erzählen.
Er arbeitete in einem Restaurant als Kellner und in seiner Freizeit machte er zurzeit einen Tanzkurs. Na und dann sagte Lucas leise etwas, was ich erst nicht richtig verstand.
„Was hast du eben gesagt?“
„Bernd ich bin schwul.“ kam es nochmals leise von Lucas.
Wie jetzt, Lucas ist schwul? Hatte ich das jetzt richtig verstanden???
„Könntest du das bitte nochmals wiederholen?“
„Bernd ich bin schwul!“ dabei sah mich Lucas direkt an.
Ich nahm all meinen Mut zusammen: „Lucas ich bin auch schwul!“
Er sah mich mit offenem Mund an.
„Du bist schwul, aber du hast doch einen Sohn!“
„Ja den habe ich. Aber nicht jeder hat sein Coming Out mit sechzehn, wenn du verstehst. Als Thomas unterwegs war, ist mir erst bewusst geworden das ich schwul bin. Ich hatte es dann seiner Mutter gesagt. Die hatte mich dann nur angeschrieen, dass sie dieses Balg nicht haben will. Tja dann hat sie Thomas entbunden und ist verschwunden. So habe ich dann Thomas alleine aufgezogen und habe mein Privatleben runtergeschraubt um Thomas damit nicht zusätzlich zu belasten.“
„Er weiß es nicht?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein er weiß es nicht.“
Lucas Hand wanderte langsam zu meiner Hand und streichelte zärtlich über meine Hand.
„He ich mag dich und es wird schon. Glaub mir!“
„Du, du bist echt nett!“ dabei sah ich Lucas an.
Diese Augen, wir mussten uns wohl ziemlich lange angesehen haben, denn plötzlich standen Stev und Michael an unserem Tisch.
„Stev wenn ich mich nicht irre turteln hier zwei ganz mächtig miteinander.“
„Ja das sehe ich auch so!“ kam es von Stev.
„Och man Leute, wir unterhalten uns doch nur.“
Lucas sah dabei nur mich an.
„Ja das sieht man und zwar seit zwei Stunden!“ kam es von Michael.
„Was seit zwei Stunden?“
Oh man was sollte denn Thomas von mir denken, ging es mir durch den Kopf.
„He ist doch nicht schlimm und dein Sohn freut sich das du dich so gut amüsierst.“
Stev zwinkerte mir dabei zu. Tja danach unterhielten wir uns zu viert und irgendwann war es dann auch Zeit aufzubrechen.
Ich sah mich deshalb nach Thomas um und nicht lange da hatte ich ihn entdeckt. Er saß mit seiner Sabine auf einer Bank und was machten sie? Natürlich knutschten sie rum. Lucas sah mich von der Seite an und meinte, dass sie ein nettes Pärchen abgeben würden.
„Ja du mit mir auch!“ kam es aus meinem Mund, bevor ich mir auf die Lippen beißen konnte.
„Ist das ein Liebesantrag?“
Ich nickte nur auf die Frage von Lucas.
„Dann nehme ich diesen Antrag an! Es geht mir genauso!“ flüsterte mir Lucas ins Ohr.
Oh man was sollte ich jetzt nur sagen? Ich bekam kein einziges Wort heraus und sah nur Lucas an.
„Ähmm Paps darf ich mal stören?“
Ich musste in dem Augenblick selten dämlich meinen Sohn angesehen haben.
„He alles mit dir in Ordnung?“
„Ja, ja alles in Ordnung.“
„Du Paps Sabines Mutter hat mir erlaubt, hier zu übernachten. Natürlich im Zimmer von Sven. Darf ich???“
„Na klar Thommy, aber mach keinen Unfug! Versprochen?“
„Ja Versprochen!“
„So ich werde dann mal nach Hause gehen. Ruf mich morgen an, damit ich weiß wann ich dich zu Hause erwarten darf.“
„Ok mach ich also schlaf gut.“ und schon war Thomas weg und ich stand mit Lucas alleine da.
„Na dann ich werde jetzt gehen.“
„Wenn Du willst kann ich dich ja noch etwas begleiten?“
Mein Herz machte bei dieser Frage einen Luftsprung und ich nickte nur bejahend. Wir verabschiedeten uns von den anderen und gingen dann die Strasse entlang zu mir nach Hause.
Der Mond stand am Himmel und als ich so in den Nachthimmel sah, sah ich eine Sternschnuppe aufblitzen und ich wünschte mir etwas, was mir die ganzen Jahre gefehlt hatte. Lucas der neben mir ging schwieg die ganze Zeit.
Plötzlich fühlte ich seine Hand die meine rechte Hand anfasste. Ich sah zu ihm. Lucas sah aber nach vorne. Ich drückte ganz leicht seine Hand.
Bei mir zu Hause angekommen, standen wir uns gegenüber und irgendwie wusste ich, dass ich Lucas nicht gehen lassen konnte und wollte. Ich war so in Gedanken, damit beschäftigt wie ich es Lucas sagen sollte, dass ich erst gar nicht registrierte, wie Lucas mich vorsichtig in seine Arme nahm.
Ohh wie gut das tat, es war das erste Mal das ich mich so richtig geborgen fühlte. Ich brauchte nichts zu sagen und wir gingen gemeinsam in meine Wohnung.
Es war die herrlichste Nacht in meinem Leben, irgendwann waren wir wohl dann eingeschlafen.
Am nächsten Morgen wurde ich wach, da irgendetwas auf mir lag. Ich öffnete die Augen und sah Lucas an, der noch tief und fest schlief. Sein Arm und eines seiner Beine lagen auf mir. Vorsichtig rutschte ich aus dem Bett und ging leise ins Bad. Erst einmal duschen und dann ab in die Küche Frühstück machen. Als ich in die Küche kam, sah ich erst einmal auf die Uhr. Oh schon so spät. Es war schon 11 Uhr, na dann schnell Brötchen in den Herd und Kaffee aufgesetzt. Ich war so vertieft damit den Tisch zu decken, dass ich nicht hörte wie die Haustür aufging. Erst ein kurzer Schrei brachte mich dazu in den Flur zu rennen, wo mich mein Sohn entgeistert ansah.
„Papa da liegt ein fremder Mann in deinem Bett.“ stammelte er.
Ach du heilige……. Was sollte ich jetzt bloß sagen. Wortlos ging ich auf Thomas zu und nahm ihn in die Arme.
„Ich glaube Thomas ich muss dir etwas sagen!“ dabei zog ich ihn in die Küche und drückte ihn auf einen der Stühle die dort standen.
„Paps bist du… schwul?“
„Ich glaube ich muss dir das etwas genauer erklären!“ ich holte tief Luft und erzählte Thomas alles.
Nachdem ich fertig war, kam erst einmal von Thomas gar nichts. Nichts, keine Regung, kein Wort, einfach gar nichts.
„Paps und was ist jetzt so schlimm daran?“ war der erste Satz den ich dann von ihm zu hören bekam.
„Ich weiß nicht? Vielleicht findest du es schlimm und willst nicht mehr mit mir zusammen Leben! Keine Ahnung!?“ sagte ich darauf.
„Paps ich habe dich lieb und wenn du so glücklich bist dann bin ich es auch. Aber versprich mir, nie wieder Geheimnisse!“
„Nie wieder!“
Thomas stand daraufhin auf und kam auf mich zu und ich nahm ihn in meine Arme.
„Danke!“
„Wofür Paps? Ich habe zu danken, du warst immer für mich da!“
„Hi sorry wenn ich störe, ich wollte nur noch Tschüß sagen.“ kam es leise von der Küchentür.
Thomas wirbelte herum und verschränkte seine Arme vor der Brust.
„Also ich denke daraus wird nichts mit dem Tschüß! Jetzt wird gefrühstückt und dabei kannst du dich mir mal vorstellen!“
So resolut hatte ich meinen Sohn noch nie erlebt und wie es aussah machte das auch auf Lucas Eindruck. Der setzte sich nämlich an den Tisch und sah mich fragend an.
„Tja mein lieber dann beantworte mal die Fragen meines Sohnes! Ich muss mich um die Brötchen kümmern.“
Es wurde dann ein sehr langes Frühstück denn Lucas und Thomas unterhielten sich prächtig. Ich kam gar nicht dazu, etwas zu dem Gespräch beizutragen, so vertieft waren die beide in ihrem Gespräch.
Thomas
Am nächsten Morgen nach der Party, standen wir alle ziemlich früh auf und frühstückten. Danach begannen wir aufzuräumen. Als ich ein paar Stühle in den Keller bringen wollte, bekam ich ein kurzes Gespräch mit, in dem Gisela ihrem Mann irgendetwas von einem Lucas und meinem Vater erzählte.
Soweit ich verstand, hatten mein Vater und dieser Lucas fast den ganzen Abend zusammen gesessen und dann sagte sie was, was ich überhaupt nicht verstand. Sie meinte dass die beiden ein echt nettes Paar abgeben würde. Bitte wenn mein Vater schwul wäre, dann wäre ich wohl derjenige der es definitiv wissen müsste.
Nachdem ich dann die Stühle in den Raum gebracht hatte, machte ich mich unter einem Vorwand auf den Heimweg. Ich musste mit meinem Vater sprechen und das sofort.
Also Haustür auf und ab in den Flur. Da es in der Wohnung ziemlich ruhig war, dachte ich das Pa noch schläft, also ab in sein Schlafzimmer.
AH ja da lag er ja noch in seinem Bett. Na warte dich werde ich aus dem Bett kitzeln und danach werde ich mit ihm sprechen über diesen Lucas. Also rauf auf das Bett und dann fing ich an, ihn an abzukitzeln.
Mein Vater fing an zu lachen, nur das war definitiv nicht sein Lachen. Überhaupt nicht und dann kam unter der Decke das Gesicht von diesem Lucas zum Vorschein.
Mit einem Aufschrei sprang ich vom Bett und rannte in den Flur, wo ich entsetzt stehen blieb. Dieser LUCAS lag im Bett von meinem Pa.
Hmm na ja dumm bin ich ja nicht und da mein Vater mich über alle Lebenslagen aufgeklärt hatte, wusste ich das Mann und Mann in einem Bett und dazu war ja dieser Lucas auch noch wie ich gesehen hatte halbnackt, SCHWUL sein müssten. Na ich gebe ja zu muss nicht immer stimmen, aber irgend etwas tief in mir drin sagte mir das es definitiv so sein musste.
Mein Vater war Schwul.
In diesem Augenblick sah ich meinen Vater aus der Küche kommen. Der sah mich ziemlich erschrocken an.
„Papa da liegt ein fremder Mann in deinem Bett.“ stammelte ich.
Man bist du blöd schalt ich mich sofort. Fremder Mann, das war doch der Lucas. Wortlos kam mein Vater auf mich zu und nahm mich in die Arme.
„Ich glaube Thomas ich muss dir etwas sagen!“ dabei zog er mich in die Küche und drückte mich auf einen der Stühle die dort standen.
„Paps bist du… schwul?“ war das erste was ich fragte.
„Ich glaube schon mein ganzes Leben lang Thomas!“
„Pa du hast mir nie was gesagt. Warum nicht? Wir haben uns doch immer alles erzählt.“ Fragend sah ich ihn an.
Dann fing er an zu erzählen, von sich und seinen Gefühlen. Von meiner Mutter die ihm nachdem er es ihr gesagt hatte, dass er schwul war, angeschrieen hatte, das sie dieses Balg nicht haben wollte.
Damit war ich wohl gemeint. Tolle Frau muss ich sagen, die ihr Kind noch bevor es geboren war, verstieß nur weil Pa schwul war. Alles was mein Vater mir erzählte drehte sich dann nur noch um mich und das er mich glücklich sehen wollte und nichts anderes und das er deswegen auch auf sein eigenes Glück verzichtet hatte.
Hmm nur wegen mir, aber das hätte ich doch nie von ihm verlangt wenn er mir DAS schon viel eher gesagt hätte. Leute seit mal ehrlich, wenn ihr einen schwulen Vater hättet, den ihr über alles liebt dann hättet ihr euch doch auch für ihn gefreut wenn er jemanden gefunden hätte mit dem er glücklich ist. Oder nicht?
„Paps und was ist jetzt so schlimm daran?“ war der erste Satz den ich dann von mir gab.
„Ich weiß nicht? Vielleicht findest du es schlimm und willst nicht mehr mit mir zusammen Leben! Keine Ahnung!?“ sagte er darauf.
„Paps ich habe dich lieb und wenn du so glücklich bist dann bin ich es auch. Aber versprich mir, nie wieder Geheimnisse!“
„Nie wieder!“
Ich stand daraufhin auf und ging auf meinen Vater zu und umarmte ihn.
„Danke!“
„Wofür Paps? Ich habe zu danken, du warst immer für mich da!“
„Hi sorry wenn ich störe, ich wollte nur noch Tschüß sagen.“ kam es leise von der Küchentür.
Erschrocken wirbelte ich herum und verschränkte meine Arme vor der Brust.
„Also ich denke daraus wird nichts mit dem Tschüß! Jetzt wird gefrühstückt und dabei kannst du dich mir mal vorstellen!“
Was dachte der eigentlich? Erst mit meinen Vater eine nette Nacht verbringen und dann verschwinden. Ich musste ihn wohl ziemlich böse angesehen haben, denn Lucas setzte sich wortlos auf einen der Küchenstühle.
„So mein Namen kennst du ja und deinen kenne ich seit gestern ja auch. Dass du kitzlig bist habe ich auch schon herausgefunden. Aber was du machst und wer du genau bist weiß ich nicht. Also dann erzähl mal!“ dabei sah ich ihn an und konnte mir ein grinsen nicht verkneifen.
Lucas war nämlich ziemlich rot im Gesicht angelaufen. Als er mein grinsen bemerkte konnte er sich auch ein Grinsen nicht verkneifen und dann erzählte er von sich. Ich musste an diesem Tag viel lachen und dann sah ich diese verliebten Blicke die sich beide immer wieder zu warfen.
Man irgendwann merkte ich dann, dass die beiden noch etwas Zeit für sich haben wollten und ich ging unter einem Vorwand noch mal zu Sabine.
Bernd
Nachdem Thomas verschwunden war, war Lucas plötzlich ziemlich ruhig. Irgendwie hatte ich Angst davor, dass er sagen würde dass das mit uns nie klappen würde.
„Bernd … es… war ..ein echt schöner Tag und auch …die…Nacht mit Dir! Abbeeerrrr…..“
Ich stand vom Sofa auf und drehte Lucas den Rücken zu. Er sollte nicht sehen wie weh es mir tat, dieses ABER. Tränen liefen mir die Wangen hinunter.
„Ist schon OK Lucas, ich glaube du gehst jetzt besser!“
„Ähhmm Bernd ich glaube du lässt mich erst mal diesen Satz zu Ende aussprechen.“
Ich hörte wie Lucas aufstand und zu mir kam.
„Aber willst du mich auch wirklich an deiner Seite haben? Wenn ja, würde ich mich riesig freuen. Denn ich habe mich gestern Abend in einen wunderbaren Menschen verliebt!“ flüsterte er in mein Ohr.
Seine Arme umfassten mich dabei und ich fing an zu heulen wie ein wahnsinniger und Lucas hielt mich. Das erste mal dass mich jemand hielt und tröstete.
Langsam löste ich mich aus seinen Armen und drehte mich zu ihm um. Lange sah ich in seine Augen, diese leuchteten mich mit einer Intensität an das ich nicht wegsehen konnte.
„Lucas du machst mich zu einem echt glücklichen Menschen und ja ich will dich an meiner Seite haben! ICH LIEBE DICH!“
Thomas
Als ich bei Sabine ankam, sah sie mir wohl schon an das etwas zu Hause vorgefallen sein musste. Sie nahm mich wortlos in die Arme und dann gingen wir in ihr Zimmer und ich erzählte ihr dann was zu Hause passiert war. Als ich dann zu der Stelle kam wo ich meinen „DAD“ im Bett abgekitzelt hatte und mir dann Lucas Gesicht entgegenstrahlte, mussten wir beide herzlich lachen.
„Man dein Gesicht hätte ich sehen müssen!“ lachte Sabine.
„Na ich glaube das Gesicht hätte ich nicht sehen wollen!“ kam es lachend von mir.
„Ich muss echt bescheuert ausgesehen haben.“
Dann erzählte ich ihr den Rest und Sabine wurde immer ruhiger.
„Komisch meine Mutter hat heute immer wieder so komische Bemerkungen über Lucas und deinen Vater gemacht. Dann hat auch noch Stev angerufen und gefragt, ob meine Eltern wüssten wo Lucas verblieben wäre, denn der wäre nicht in seiner Wohnung. Da hat meine Mutter nur gelacht und hat ihm eure Rufnummer gegeben, mit der Bemerkung er sollte es mal dort probieren.“
Ich sah sie wohl mit großen Augen an, denn sie fing wieder an zu lachen und nahm mich in den Arm.
„Man wenn du so ein Gesicht auch bei Lucas gemacht hast, dann kann ich dich verstehen das du das nicht in dem Moment sehen wolltest.“
Ja, ja meine Sabine war schon etwas Besonderes.
Bernd
Mein Telefon fing an zu klingeln und ich löste mich aus Lucas Umarmung. Ich nahm den Hörer in die Hand: „Hier bei Plinks.“
„Hi spreche ich mit Bernd?“
„Ja wer ist denn in der Leitung?“
„Hier ist Stev! Ich wollte nur fragen ob du weißt wo Lucas steckt. Er ist nicht zu Hause und Michael und ich machen uns schon Sorgen.“
„Augenblick ich gebe mal weiter!“ dabei reichte ich den Hörer zu Lucas.
„Ja hallo…“
Ich ging aus der Wohnstube raus und ging in die Küche um etwas zum Abendessen vorzubereiten.
Glücklich wie noch nie, summte ich vor mich hin als ein paar Arme mich plötzlich bei der Arbeit störten.
„Bernd ich hab dich so lieb, aber ich muss los nach Hause.“
Traurig sah ich Lucas an.
„Wann sehen wir uns wieder?“
„Morgen wenn es Dir passt? Wann bist du denn morgen zu Hause?“
„Ich bin so gegen 17 Uhr daheim, dann könnten wir ja was unternehmen!“
„Richtig ich lass mir was einfallen!“ er drückte mich an sich und gab mir einen Kuss.
„Also bis morgen!“
Ich folgte ihm bis zur Haustür und sah ihm traurig nach.
**
Am nächsten Tag, konnte ich gar nicht erwarten, dass endlich Feierabend wurde. Als es dann endlich soweit war, rannte ich zu meinem Wagen und fuhr wie ein Verrückter nach Hause. Dort angekommen rannte ich in die Wohnung. Das erste war erst mal ins Schlafzimmer rennen und ausziehen und dann ab unter die Dusche.
Als ich dann unter der Dusche stand, klopfte es an die Badezimmertür.
„Dad schön das du da bist und ja mir geht es gut!“ kam es etwas vorwurfsvoll von Thomas, der in der Tür stand.
„Sorry Thomas aber Lucas kommt gleich.“
„Mein Gott wie kann man in deinem Alter so verliebt sein. Na ich glaube da hat es eben geläutet.“ mit diesen Worten verschwand Thomas.
Er ist schon da, oh man ich musste mich beeilen. Also raus aus der Dusche und schnell abtrocknen. Ich hatte wohl zuviel Schwung drauf, jedenfalls lag ich plötzlich auf dem Rücken. Ich wollte gerade aufstehen, als Lucas Gesicht in der Tür auftauchte.
Lucas fing sofort an zu lachen.
„He ich meine du siehst ja echt zum anbeißen aus, aber jetzt hier im Bad!“
Ich musste dann auch lachen und stand auf.
„Warte hier ist ein Badehandtuch.“ dieses warf er mir dann zu und verschwand.
Ich rannte dann schnell in mein Schlafzimmer und zog mich um.
Als ich dann fertig war, lief ich nochmals ins Bad um meine Haare zu richten. Nebenbei bekam ich mit, dass Thomas und Lucas sich im Wohnzimmer unterhielten. So jetzt war ich fertig und ging zu den beiden. Als ich in das Wohnzimmer eintrat, saßen beide auf dem Sofa und unterhielten sich.
„Ah Dad Lucas will mit uns ins Kino!“ dabei strahlte mich Thomas an.
„Ich geh dann schnell in mein Zimmer, muss mich ja auch noch umziehen!“
Dann waren ich und Lucas und ich alleine.
„Hi Lucas!“ langsam ging ich auf ihn zu und Lucas stand auch auf und kam auf mich zu.
„Hi Bernd ich habe dich schon vermisst, aber deswegen musst du dich nicht vor mir nackt auf den Boden werfen!“
Lucas und ich fingen an zu lachen und dann lagen wir uns in den Armen. Es war unbeschreiblich ihn zu fühlen und ihm musste es wohl auch so gehen. Denn ich merkte, dass sich in seiner unteren Region etwas regte, genauso wie bei mir.
„Leute wie lange wollt ihr da noch so stehen? Wir müssen los, wenn wir noch pünktlich zur Vorstellung kommen wollen! Man was soll das bloß noch werden, typisch verliebte!“
Ich und Lucas musste darüber herzlich lachen.
„Man dein Sohn gefällt mir immer besser!“ kam es von Lucas.
„Untersteh dich meinen Thomas nur anzusehen, dafür hast du Bernd!“ kam es von einer Person die wir noch gar nicht bemerkt hatten.
„Sabine was machst du denn hier?“
„Bin gerade angekommen, da mich Thomas zu so einem Kinoevent eingeladen hat, bei der zwei schwerverliebte dabei sein sollen!“ dabei sah sie uns strahlend an.
Ich wurde wohl etwas rot im Gesicht, denn Thomas und Sabine fingen an zu lachen.
„Thomas du hast echt nicht zuviel versprochen. Die beiden sind tatsächlich bis über beide Ohren ineinander verschossen.“
„So aber nun los!“ kam es von Lucas und wir machten uns auf zum Kino.
Der Film war echt Klasse und Lucas erst, der unterhielt Thomas und Sabine den ganzen Abend.
Soviel gelacht hatte ich schon lange nicht mehr und Thomas erstaunte mich immer wieder. Er ging mit Lucas um als ob es das natürlichste der Welt war, das Lucas der FREUND seines Vaters war. Als wir dann Sabine bei sich zu Hause abgesetzt hatten, fuhren wir zu uns in die Wohnung. Dort angekommen rannte Thomas schon vor in die Wohnung. Ich sah Lucas an, der neben mir saß.
„Möchtest du hier bleiben, oder soll ich dich nach Hause fahren?“ fragend sah ich ihn an.
„Wenn du nichts dagegen hast, würde ich nicht nur heute bei dir bleiben. Meine Tasche steht schon in deinem Schlafzimmer!“
„Du meinst es wirklich ernst?“
„Ja! Erstmal war das Wochenende für mich das schönste seit langem und dann noch so einen Mann dazu zu bekommen ist wohl der Wahnsinn!“
„Lucas mir geht es genauso und klar kannst du bei uns bleiben! Thomas denke ich, hat auch nichts dagegen!“
„Nee der bestimmt nicht!“
„ÄHMM sorry ist mir irgendwas entgangen?“
„Ich glaub schon, denn er hat mich heute angerufen!“
„Wie er hat dich angerufen???“
„Man er meinte du wärst gestern Abend, nachdem ich gegangen bin, ziemlich traurig gewesen. Deshalb hat er mich gefragt, ob ich nicht morgen bei euch übernachten möchte. Er hätte auch nichts gegen öfter oder immer!“ dabei musste Lucas schmunzeln.
Mir fehlten jetzt echt die Worte.
„Bernd ich werde das Gefühl nicht los, das dein Sohn dich glücklich sehen möchte. Er hat heute im Kino zu mir gesagt, das er dich schon lange nicht mehr so glücklich gesehen hat.“
„Lucas ich bin seitdem Wochenende der glücklichste Mann im ganzen Universum! ICH LIEBE DICH! So nun komm Lucas, gehen wir rein!“
Wir stiegen aus dem Auto aus und ich sah nochmals hoch zum Himmel.
Danke kleine Sternenschnuppe, dass du meinen Wunsch erfüllt hast.
Thomas
Nun möchte ich doch zum Schluss etwas noch zu meinen zwei Vätern sagen. Nach vier Monaten ist Lucas, dann wirklich bei uns eingezogen. Paps ist seitdem er seinen Lucas hat, noch viel glücklicher.
Mir selbst geht es super. Sabine ist jetzt mehr bei uns als zu Hause. Denn bei uns ist immer was los, meint sie. Stev und sein Michael sind oft zu Gast bei uns und Sabines Eltern auch. Nachdem alle es offiziell von Bernd und Lucas erfahren hatten das sie ein Paar sind, war nichts mehr so wie vorher. Ich lernte an meinen Paps ganz neue Seiten kennen, die mir super gefielen. Der konnte sogar richtig romantisch werden.
So jetzt mach ich Schluss an dieser Stelle.

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Information Der Fliegenpicker
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:07 AM - No Replies

Ich saß an jenem denkwürdigen Abend in der Regionalbahn und kam von einer Klassenfete zurück, die eigentlich recht nett war – wenn da nicht Benny gewesen wäre. In diesen Jungen hatte ich mich an dem Tag, als er in unsere
Klasse kam, unsterblich verknallt. Aber Benny knutschte mit seiner Britta, den ganzen Abend. Mal streichelte er mir die Schulter, sah mich auch ganz lieb an, aber das war eben nur eine sehr gute freundschaftliche Geste, mehr nicht. Eine Chance, jemals etwas von ihm zu haben, begrub ich an diesem Abend endlich voll und ganz.
Kurz zu mir: Ich heiße Dario, bin 17, 182 groß, hab dunkelbraune, kurze Haare, braune Augen und wohl eine normale Figur für mein alter. Am liebsten trag ich Jeans (meistens nix drunter..) und T-Shirts. Außerdem bin ich ständig auf der Suche nach einem richtigen Freund. Einem, der so schwul ist wie ich. Aber bis zu diesem Abend war da noch nix..
Ich wohne mit meinen Eltern und meinem Bruder sozusagen „am Arsch der Welt“. Ein kleines Kaff mit 6000 Einwohnern. Aber so schlecht ist es nicht, es ist sehr ruhig da wo wir wohnen.
Ich saß also allein in dem Abteil, mit dieser letzten Bahn fahren nur noch wenige Leute. Ich döste vor mich hin, die Bahn fuhr die vorletzte Station an.
„Nicht einschlafen“ redete ich auf mich ein.
Der Zug fuhr wieder an, und plötzlich wurde die Tür aufgeschoben und ein großer, schlanker Junge betrat das Abteil und ich sah zu ihm hoch. Er hatte die Augen fast geschlossen und hielt sich am Türrahmen fest. Es war offensichtlich, dass er etwas zu viel getrunken hatte.
Ich beobachtete die Szene, das Kerlchen würde wohl gleich hinstürzen. Wie im Reflex stand ich auf und mit einem Satz war ich bei der erbärmlichen Gestalt. Der Junge war etwas kleiner und wohl auch so gebaut wie ich, ein hübsches Gesicht, lange Wimpern, (die Augen hatte er geschlossen..), dunkle, verwuschelte, kurze Haare mit einigen hellblonden Strähnchen, hatte eine Jeansjacke an, darunter ein verwaschen – buntes T-Shirt, schwarze, enge Jeans und Turnschuhe. Ein Streuner ist der Junge nicht, dachte ich, dazu war er viel zu gepflegt.
Ich traute mich erst nicht, ihn anzufassen, tat es dann aber, als er nun doch nach vorne zu kippen drohte.
» Hey, was ist mit dir? Geht’s dir nicht gut? «
Keine Antwort, der Kopf des Jungen sackte vornüber und ich ließ mich mit samt dem Körper auf die Sitze fallen. Ich rückte ans Fenster und schob das leblose Etwas neben mir so auf den Sitz, dass es nicht wegrutschen konnte.
„Mann, ist der blau“ dachte ich. „Oder vielleicht zugekifft?“ Ich wollte es wissen und roch an seinem Atem. Nein, das war eine Fahne die mir deutlich entgegenschlug.
„Naja, die Jungs und die harten Sachen. Sicher kommt er von einer Fete wo sie wieder über ihre Grenzen gegangen waren“ dachte ich. Gut, ich war auch nicht mehr nüchtern. Markus aus meiner Klasse hatte Wermut mitgebracht, Jens tauchte mit echtem Whiskey auf – geklaut aus der üppigen Hausbar. Pur tranken wir das Zeug aber nicht, immer schön Cola in Mengen dazu. Damit war mir ein solcher Zustand erspart geblieben. Nur schrecklich müde wurde ich, war als erster von der Party gegangen. Aber eigentlich war es der Frust um Benny, diesem wunderschönen Sunnyboy aus meiner Klasse. Nun gut, ich bin erst 17, sagte ich mir, es wird noch andere Boyhasen geben in meinem Leben.
Nun saß ich neben diesem Geschöpf und nach einigen Minuten begann ich zu grübeln. Wo musste dieser Junge aussteigen? Immer wieder schüttelte ich den Unbekannten, versuchte ihn wach zu kriegen. Aber der Junge hielt die Augen geschlossen, seine Gliedmaßen hingen wie an einer Strohpuppe herunter – keine Reaktion.
Leichte Panik kam in mir auf. Was, wenn der Kleine eine Alkvergiftung hatte? Das konnte gefährlich werden. Schlagartig wurde ich nüchtern. Es musste etwas geschehen.
Ich zog mein Handy aus der Tasche, wollte irgendwie Hilfe holen. In dem Augenblick kam der Schaffner ins Abteil.
» Bitte die Fahrkarten, die jungen Herrschaften. «
Wenigstens war es einer von der munteren Sorte und ich zeigte ihm mein Ticket. Zum Glück hat dieses Mitfahrgelegenheit an Wochenenden und so ging der Schaffner nach kurzem Kopfnicken weiter. Ich ärgerte mich. Warum hab ich ihn nicht um Hilfe gebeten? Dafür sind die doch da…
Jetzt sah ich mir meinen Nachbarn zum ersten Mal genauer an. Ein hübsches Gesicht, das war mir ja gleich aufgefallen. Ebenmäßig die Gesichtszüge, eine schöne, passende Nase, volle, weiche Lippen, eine kleine Creole im Ohr und der Körper unter dem T-Shirt dürfte auch nicht schlecht sein. Ich schätzte sein Alter auf meins, vielleicht war er auch jünger? Mein Blick fiel auf die Hose, oder zumindest darauf, was die gesamte Schwulenwelt recht früh in dergleichen Beobachtungen einbezieht. Ein große Beule hatte der Junge nicht. Nichts jedenfalls, was die Fantasie zum kochen hätte bringen können. Lange, schlanke Beine, das fiel mir noch auf.
Und wie aus heiterem Himmel fühlte ich ein Kribbeln.
Ich nahm mich zusammen, aber es musste sein. Vorsichtig begann ich die Innentaschen seiner Jeansjacke nach Informationen zu durchsuchen. Sehr behutsam tat ich das, musste dabei auch zwangsläufig seine Brust unter der Jacke berühren. Sollte der Junge jetzt aufwachen hatte ich Gründe genug für mein Tun. Gefährlich konnte mir dieses hübsche Geschöpf in seinem Zustand eh nicht werden. Und weil er so nah bei mir war, fing ich einen Geruch aus einer Mischung von Alkohol, Kippenrauch, Joop und leicht süßlichem Schweiß auf. Eine Geruchsinformation irgendwo dazwischen konnte ich nicht definieren, aber sie begann mich zu erregen.
Ich fand mich auf höchsterotischer Ebene wieder. Wann konnte man schon im Leben einen hübschen Jungen einfach angrabschen – ohne dass der das bemerkte?
Ich fand in den Jackentaschen sein Handy, ein paar Euroscheine, eine Schachtel Zigaretten, Hausschlüssel und ein Jahresticket. Aber da stand ja nicht drauf wo dieser Junge wohnte.
Die Fahrt bis zu meinem Bahnhof dauerte noch fast eine Viertelstunde, bis dahin musste ich wissen was mit meinem Findling geschehen sollte.
Wieder versuchte ich den Nachbarn wach zu bekommen, aber der rührte sich nicht.
Sein Handy – schoss es mir durch den Kopf. Ich würde nun einfach jemanden aus dem Adressbuch anrufen und fragen.
Dann begann ich zu zögern, etwas fuhr mir durch den Sinn. Das war nicht eben legitim, aber würde auch nicht auffallen.
Ich nahm allen Mut zusammen. Wie war das mit Dornröschen? Ein Kuss, dachte ich. Und ich näherte mich dem hübschen Gesicht und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Aber nicht nur flüchtig. Nachdem keine Reaktion erfolgte, traf der nächste Kuss auf die Schläfen, es roch da so gut und die Haut fühlte sich an wie ein Pfirsich. Aber Dornröschen schlief weiter..
Meine Sinne gingen mit mir durch. Meine übliche Bremse für solche Dinge waren durch den leichten Rausch gelöst, und ich näherte meine zitternde Hand dem Ort meines jetzt enormen Interesses. Ich wollte in meiner unbeschreiblichen Erregtheit einfach tasten was sich da so in seinen Jeans befand.
Angespannt wie eine Stahlfeder zog ich den Reißverschluss auf, ließ das Gesicht des Jungen dabei aber keine Sekunde aus den Augen. Bei der geringsten Bewegung hätte ich die Hand blitzschnell zurückgezogen. Die Gefahr erwischt zu werden von einem anderen Fahrgast war gleich null, jedes Geräusch im Abteil hätte ich wahrgenommen.
Ich führte meine Hand unter seinen roten Slip und wurde dabei von einer unbeschreiblichen Geilheit gepeitscht. Dichte Schamhaare hatte dieser Boy, das hatte ich nicht erwartet. Und dann spürte ich seinen Pimmel. Klein war er, aber trotzdem nicht minder erotisch. Aber es regte sich dort unten nichts.
Plötzlich fühlte ich etwas feuchtes zwischen meinen Fingern und zog sie erschrocken zurück.
Ich begriff zuerst nicht was da vor mir geschah. Aber dann: „Der hat sich in die Hose gemacht“. Entsetzt sah ich ins Gesicht des Jungen, aber da regte sich immer noch nichts.
Jetzt konnte ich das Malheur auch riechen und Panik machte sich in mir breit. Was sollte ich jetzt tun?
Schweiß trat mir auf die Stirn. Seine Jeans waren oben rum durchnässt, der Sitz darunter jetzt sicher nicht weniger. Weil die Hosen schwarz waren, hatte ich das vorher nicht bemerkt.
Jetzt jemanden anrufen und den Jungen in diesem Zustand abliefern? Nein, diese Schmach musste ich verhindern.
Ich zog den Reißverschluss hoch, auch wenn meine Hände dabei nass wurden. So eklig fand ich es dann doch nicht, sowas konnte immerhin jedem passieren.
Der Zug begann abzubremsen, die Haltestelle wurde durchgesagt, ich musste aussteigen. Und den Kleinen da so sitzen zu lassen, das kam nicht in Frage. Zwar hatte ich vom Bahnhof aus 10 Minuten zu laufen, aber irgendwie würde ich das auch mit diesem Häufchen Elend schaffen.
Ich stand auf, stellte mich vor den Jungen, ergriff ihn unter den Achseln und hievte ihn hoch.
» Komm schon, hilf mir wenigstens ein bisschen « sagte ich laut und deutlich. Er grummelte wohl irgendetwas, und tatsächlich konnte er auf den Beinen stehen.
Als der Zug hielt, hatte ich einen Arm meiner lieben Last um mich gelegt und konnte sie so ohne Probleme auf den Bahnsteig bringen.
Wir waren die einzigsten die an dieser ländlichen Station ausgestiegen waren.
Lange überlegen konnte ich nicht, irgendwie musste ich es mit ihm bis nach Hause schaffen. Langsam machte ich mich mit meiner süßen Fracht auf den Weg in die Dunkelheit.
Nur zwei Minuten vor meinem Elternhaus jagte ein greller Blitz in die Baumreihe am Feldrand, gefolgt von einem fürchterlichen Donner. Wind kam auf, es wurde schlagartig kühler und schon prasselten die ersten kalten Tropfen auf unsere Körper.
Petrus öffnete seine Schleusen, Eimerweise kam Wasser vom Himmel.
Die wenigen Minuten reichten aus, um uns völlig zu durchnässen. Hastig suchte ich nach meinen Schlüsseln und öffnete die Tür zu dem Einfamilienhaus, das ich mit meinen Eltern und um ein Jahr älteren Bruder bewohne.
Ich zog den Jungen mit in den Flur und blieb zunächst atemlos stehen. Arm in Arm standen wir so da, Wasser tropfte von unseren Körpern auf den Teppichboden.
Plötzlich kam Moritz die Treppen herunter.
» Nabend Bruderherz « sagte er so munter, als wäre es helllichter Nachmittag.
» Hi Mori. Noch auf so spät? « rief ich wenig begeistert.
» Ich denk, grad ist ein Pferd in mein Bett gefallen. Dieses Gewitter… Oh, was hast du denn da für einen Schnuckel aufgegabelt? «
» Geht dich nichts an. Dem ist schlecht und außerdem wir sind nass wie die Katzen. «
» Ah, mein Brüderchen fängt sich jetzt schon Müll von der Straße.. «
» Halts Maul, du elende Hete. Der Junge braucht mich jetzt, verstanden? «
Moritz grinste. Kein Wort, das da gefallen war, hatte einen wirklich ernsten Hintergrund. Moritz weiß dass ich schwul bin, und er kommentierte mein Outing damals mit „echt geil Alter. Das bringt Abwechslung in die Bude.“ Wir kabbeln uns gelegentlich, aber das ändert nichts daran, dass wir uns als die besten Brüder bezeichnen die es je gab.
» Könnte mir der ansonsten nichtsnutzige Sohn meiner Eltern vielleicht mal ein bisschen unter die Arme greifen? « fragte ich ihn.
Ohne zu zögern kam Moritz zu uns und half, den jungen Unbekannten nach oben zu transportieren.
» Ok, ich danke dir. « Ich gab meinem Bruder einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
» Bäh. Du weißt dass ich schlabberige Jungenküsse nicht mag « stöhnte er und wischte sich demonstrativ über die Stelle.
» Ja, weiß ich, und genau deswegen.. «
Er verzog den Mund » Äh, darf ich dir einen Tipp geben? Dieser Typ riecht irgendwie
ziemlich… «
» Ich weiß das und jetzt raus hier, lass uns endlich in Ruhe. «
Ich lächelte, Moritz verschwand mit einem » Gute Nacht « und einem schelmischen Augenzwinkern aus meinem Zimmer.
Da standen wir nun. Ich stützte den schlaffen Körper noch immer und jetzt war Eile angesagt, der Junge musste aus seinen nassen Klamotten.
Kaum auf den Boden abgesetzt, fiel er nach hinten und lag nun ausgestreckt auf dem Teppichboden.
Ich riss mir meine nassen Kleider vom Leib, trocknete notdürftig mit einem Handtuch die Haare und schlüpfte in meine Jogginghosen.
Aber eigentlich hätte der Junge endlich mal ein Lebenszeichen von sich geben müssen.
Tat er aber nicht. Den Kopf zur Seite geneigt lag er da und ließ sich die Jeansjacke und das Shirt ohne Gegenwehr ausziehen.
Dann kniete ich vor den Jungen und öffnete die Jeans zum zweiten Mal, diesmal jedoch ohne Hintergedanken. Vorsichtig zog ich die nassen Hosen herunter, vermied es aber zunächst den Slip mit auszuziehen. Fast war Gewalt angesagt, denn nasse Jeans sind schlimmer als Fliegenleim.
Ich konnte mir dann aber einen leisen Piff nicht verkneifen. Eine wunderschöne Figur lag da auf dem Teppichboden. Kein Gramm Fett, Waschbrettbauch, eine extrem schmale Taille, schöne, knusprige Brustwarzen, ein feiner dunkler Haarstrich vom Bauchnabel nach unten in den Slip.. Ich stöhnte. Natürlich war das ein Hetero, soviel Glück würde ich niemals haben.
Ich kniete mich neben diesen Adonis, ein letzter Kuss musste jetzt sein. Wenn der Kleine nämlich erst Mal wach wäre, war der ganze Traum vorbei, für immer.
Ich beugte mich zu ihm hinunter und drückte für Sekunden meine Lippen auf die seine. Das Kribbeln in meinem Körper wurde schier unerträglich. Wie gerne hätte ich das die ganze Nacht getan..
Unter die Dusche konnte ich den Kleinen nicht stellen, es sei denn, ich würde mit… Aber das war mir zu gefährlich. Ich musste mich schon so beherrschen, dass ich nicht mehr mit dem Findling anstellte als dem lieb sein konnte.
Schnell stand ich auf und eilte ins Bad, tränkte einen Waschlappen, gab Duschgel drauf und starrte auf den noch immer leblosen Körper. Sollte ich das wirklich tun?
Ja, dachte ich, der Slip musste runter. Erneut versuchte ich den Jungen wach zukriegen, schüttelte ihn an den Schultern.
» He, du besoffenes Stück, mach endlich mal die Augen auf. «
Nichts. Keine Reaktion. Sah wirklich schon nach Delirium Tremens aus.
Also kniete ich mich neben ihn und zog seinen Slip vorsichtig nach unten. Da lag er vor mir, dieser süße Pimmel, fast versteckt in dichtem Schamhaar. Nur die Eier hingen deutlich herunter. Es wurde ganz schön schummrig in meinen Augen, denn dieser süße Boy machte mich richtig an.
Ich begann mit der Waschaktion, es war mir jetzt alles egal.
Langsam wischte ich seinen Bauch, die Schamhaare. Als ich seinen Schwanz mit dem Waschlappen bearbeitete, kamen diese unbeschreiblichen Gefühle wieder hoch. Meine Jogging war zum Glück weit genug, um meinen Ständer ohne Zwang steigen zu lassen. Aber ich beherrschte mich. Dennoch – war sein Pimmel nicht ein bisschen dicker als vorhin?
Ich schnaufte durch. Nein, ich würde ihn nicht mit purer Hand anfassen. Nicht mit diesen Gelüsten. Das im Zug tat mir eh schon leid.
Aber: Wo wollte ich die Nacht denn eigentlich mit ihm hin? Eine Couch besitz ich nicht, auf dem Boden war ja wohl ein Unding und dann das Feldbett vom Speicher holen, mit all den Spinnen drin?
Mir dämmerte, dass der Junge in meinem Bett schlafen musste. Sofern der nicht endlich aufwachte, ein Riesentheater veranstaltete, den Raum und das Haus mit Entsetzen verließ.
Aber nichts dergleichen geschah. Nachdem ich den Jungen mehr oder weniger saubergemacht hatte, zog ich ihm unter unsäglichen Mühen einen Slip von mir an, dann führte ich ihn zu meinem Bett und legte ihn darauf.
„Warum wacht der Bursche eigentlich nicht auf? Ich war doch auch schon Stockbesoffen, aber irgendwie hab ich immer mitgekriegt was um mich lief.“ Aber jeder würde wohl anders reagieren, dachte ich.
Ich setzte mich auf das Bett, betrachtete diesen hübschen Kerl und zündete mir eine Zigarette an.
Leise klopfte es an der Tür. Ich hüllte meine unbekannte Bekanntschaft mit der Decke zu.
» Komm rein, du Naseweis. «
Moritz steckte den Kopf durch den Türspalt. » Alles ok bei euch? «
» Setzt dich her, du gibst doch keine Ruhe. «
Moritz setzte sich neben mich. Wenn er nicht mein Bruder wäre, so hab ich schon oft gedacht, wäre das mein Traumboy. Gut, ich hatte schon so oft von meinen Klassenkameraden gehört wie gut ich aussehen würde, dass ich doch mal an die Bravo schreiben sollte wegen einem Foto – Shooting und lauter solche Sachen. Aber ich find das albern und so geeignet seh ich mich im Spiegel denn auch nicht. Aber mein Bruder ist fast mein Ebenbild. Und wir lieben uns, so, wie sich Brüder lieben sollten.
Moritz zündete sich ebenfalls eine Zigarette an.
» Soll ich dir meine Meinung geigen oder ist sie dir egal? « fragte er.
» Sag es. Du weißt dass ich deine Meinung brauche. Also, wie findest du ihn? «
» Ne geile Figur hat er, da gibt’s nichts. Aber ist der nicht ein bisschen zu jung für dich…? «
» Er ist … Naja, ich weiß nicht, aber ich denke der ist in meinem Alter « sinnierte ich.
» Hm, kannst ja recht haben. Aber eines glaub ich einfach nicht… «
» Und was? «
» Dass der so lange in Trance ist. «
Ich grübelte kurz. Immerhin war das ja auch meine Meinung gewesen.
» Wer weiß was der eingeworfen hat « sagte er dann knapp. » Und du weißt wirklich nicht wer er ist und woher er kommt? «
» Keinen Schimmer. Aber ich denke, dass er in den nächsten Stunden zu sich kommt, dann werden wir es wissen. «
Moritz drückte die Zigarette aus und hob den Zeigefinger: » Ok, ich lass euch jetzt alleine. Aber lass die Finger von ihm, schlafende Jungs betatscht man nicht, hörst du? «
Ich kenne den schelmischen Ausdruck im Gesicht meines Bruders.
» Nö, wird schon nicht. «
Moritz stand auf.
» Halt « sagte ich leise, ging zu meinem Bruder und küsste ihn auf die andere Wange.
» Danke für dein Verständnis. «
Moritz sah mich an.
» Keine Ursache. Wenn ich Weiberprobleme habe kann ich ja auch immer zu dir kommen. Eine Hand wäscht.. «
Ich gab ihm einen Klaps auf den Hintern.
» Ab in die Falle, bevor ich mir das mit dir hier noch anders überlege.. «
» Du wirst dich unterstehen.. «
Ich tauschte wegen der Wärme im Zimmer meine Jogging gegen einen Slip und kurz darauf lag ich neben meinem unbekannten Findling. Ich war auf der einen Seite sterbensmüde, auf der anderen unheimlich aufgewühlt. Einige Handbreit neben mir lag ein ziemlich hübscher Junge, schien tief und fest zu schlafen. Die Wärme seines Körpers war deutlich zu spüren, wieder schwebte dieser unbestimmte, aufreizende Duft um meine Nase.
Neugierig setzte ich mich auf und betrachtete den Körper, der sich durch die dünne Decke abzeichnete. Ein allerletzter Versuch war es wert.
Langsam tastete sich mich unter der Decke zum Bauch meines Nachbarn. Angespannt beobachtete ich im fahlen Licht der Straßenlaterne das Gesicht des Jungen, aber er atmete ruhig weiter. Leicht wie eine Daunenfeder legte ich schließlich meine Hand auf den Slip und drückte sanft zu. Tastete seinen Schwanz, seine Eier. Das führte dazu, dass mein Spielkamerad in die Enge getrieben wurde und ich befreite ihn, indem ich meinen Slip auf die Schenkel herunterzog.
So ließ ich es. Eine Hand auf dem Schwanz meines Bettgenossen, mit der anderen begann ich mich zu wichsen. Die Erlebnisse des Abends ließen nicht lange auf sich warten. Ohne mich um das herausschießende Sperma zu kümmern gab ich mich meinem starken Orgasmus hin.
Ich zerrieb den Samen dann auf meinem Bauch und zog die Decke an mich. Erfahrungsgemäß gibt es keine Flecken wenn alles gleichmäßig verteilt ist.
Vogellärm holte mich aus einem tiefen, traumlosen Schlaf.
Mein erster Blick galt meinem Bettgenossen und der schien noch genau so dazuliegen wie in der Nacht.
Doch endlich – Bewegung. Der Junge räusperte sich, gab einige merkwürdige Laute von sich und drehte sich quietschend auf den Rücken.
Gespannt beobachtete ich ihn – und dann sah ich zum ersten Mal in ein paar leuchtend blaue Augen.
Mein Atem stockte. Wie groß wird wohl gleich der Schock sein?
Der Junge sah sich um, saß dann schlagartig im Bett und starrte mich an.
» Wo bin ich? Was ist das hier? Wer bist du? « Und Sekunden später langte er sich an die Stirn. » Oh Gott, mein Kopf platzt. «
Angst, Furcht, Entsetzen, Neugier, Überraschung – alles schien sich in seinem Gesicht auf einmal wiederzuspiegeln.
» Langsam, junger Mann, lass dir erklären.. «
Der Junge zog die Decke bis zum Hals und sah sich um.
» Du bist mir gestern Abend so quasi in die Arme gefallen – blau wie ein Veilchen « sagte ich.
» Oh Mann, diese Party. Und, hab ich was angestellt? «
Ich grinste. » Nun ja, angestellt nicht grade, aber du hast.. du hast es wohl nicht mehr halten können und in deine Hose gepinkelt. «
Der Junge versteckte seinen Körper unter der Decke. » Oh nein, so ein Scheiß.. «
» Beruhige dich, ich hab das in Ordnung gebracht. Aber viel wichtiger – ich heiße Dario, du bist in Heubach in meinem Zimmer und ich müsste jetzt endlich wissen wer du bist und woher du kommst. Man wird dich bestimmt schon ganz schön vermissen. «
Er lugte wieder unter der Decke hervor und ich musste lachen. Wie ein kleiner Junge kam er mir vor, aber einer, in den ich mich irgendwie verliebt hatte.
» Wie viel Uhr ist es? « fragte der noch immer Unbekannte.
» Halb elf. «
Er sah sich noch einmal um und starrte mich mit seinen faszinierenden Augen an.
» Ok, also, ich heiße Alexander und ich wohne oben in Winkheim. Vermissen wird mich noch niemand, weil ich bei meiner Freundin übernachten wollte, das war so geplant. «
Meine heile Welt geriet wieder mal aus den Fugen. Doch wenige Sekunden später fing ich mich, es war ja nicht anders zu erwarten.
» Und du bist nicht bei ihr geblieben? «
» Nein. «
» Geht mich ja nichts an, aber warum nicht? «
Er zögerte. » Das ist eine längere Geschichte… «
Es klopfte. Erschrocken sah Alexander zu mir.
» Keine Bange, das ist mein Bruder « seufzte ich und rief: » Komm rein. «
Moritz öffnete die Tür – und kam mit zwei Tassen Kaffe in mein Zimmer.
» Mein Bruderherz Moritz – ganz der heilige Samariter. Das ist übrigens Alexander. «
» Hi, freut mich. «
Er setzte sich wieder auf mein Bett, die Neugierde stand ihm ins Gesicht geschrieben.
» Und, habt ihr alles aufgeklärt? « fragte er neugierig als er uns die Tassen reichte.
» Yep, das haben wir. Und es wäre nicht schlecht wenn du uns jetzt wieder verlassen könntest. Danke für den Kaffee, war echt lieb, aber es könnte sein dass du gleich einen Zungenkuss von mir bekommst wenn du nicht… «
Moritz warf die Hände hoch.. » Um Gottes Willen, ich bin schon weg,. «
Ich wurde mir meiner Worte erst jetzt bewusst. Hatte ich mich womöglich soeben geoutet? Aber das war mir dann auch schon wieder egal; Alex war nicht schwul, wir kannten uns nicht und in ein paar Stunden würde ich die ganze Sache unter der Rubrik „Vergangenheit“ abhaken.
Alexander starrte mich an. » Was sagtest du grade zu deinem Bruder? «
Dennoch beschloss ich nicht mit der Wahrheit rauszurücken.
» Wir sind ein Herz und eine Seele. Das gibt’s nicht oft und wir necken uns manchmal mit solchen Sachen.. «
» Aha. « So ganz schien Alex diese Aussage nicht zu beruhigen.
» Ok, komm, du musst erst mal unter die Dusche. Also, ich mein das jetzt nicht.. «
» Nö, schon Ok. «
Alexander stand auf und trabte Richtung Bad. Es war direkt sichtbar, so dass ich ihm den Weg nicht erklären musste.
Dieser Hintern – der war echt nicht von schlechten Eltern. Ich starrte dem schönen Wesen hinterher.
Dann lief ich ihm spontan nach, betrachtete dabei Alexanders Körper sehr genau. » Warte, ich geb dir Handtuch und Duschgel.. «
» Was.. äh.. was war denn nun mit deiner Freundin? « fragte ich ihn im Bad, ich konnte einfach keine Ruhe geben.
Alexander drehte sich zu mir um.
» Mann, bist du blind? Sieh mich doch mal an. «
Ich sah in an ihm herunter. » Und, was soll sein? « Ich denke, roter Kopf war da angesagt.
Demonstrativ zeigte Alex auf die kleine Beule in seinem – meinem – Slip.
» Was siehst du da? «
Ich schnaufte. Das war echt starker Tobak. » Äh.. was soll sich sehen? Das.. ist dann wohl.. ein Slip oder? Gut, MEIN Slip. «
Alexander warf einen Blick an die Decke. » Mann, das ist ja klar. Aber was ist da drin? «
Mir wurde wieder sehr heiß. » Ich nehm jetzt einfach mal an, dass da dein Schwanz drinsteckt – oder nicht? « Dabei überschlugen sich meine Sinne. Ich hörte meine Worte und glaubte sie selbst nicht.
» Jo, passt. Aber was siehst du noch? « bohrte Alexander weiter.
Ich verstand die Frage nicht. » Was soll sein? Deine Nüsse sind auch da drin. Nehm ich wiederum an. «
» Mein Gott, bist du blind? Wie groß, meinst du, sollte die Beule von einem Sechzehnjährigen in dem Slip sein? «
» Keine Ahnung.. Ich meine, ich versteh dich nicht.. «
» Da kann ich ja mal zurückfragen. Sie dich mal an « forderte Alexander mich auf.
» Bitte? «
» Dario, sieh mal an dir runter. Und dann an mir. Was stellst du fest? «
Ich hab das alles nicht glaubt, zumal mein Spielkamerad zwischen den Beinen Gefallen an dem Gerede fand und sein Umfang und Länge allmählich die Alltagsnorm verließen.
» Ähem, ich weiß nicht.. « stammelte ich.
» Gut, du bist anscheinend ziemlich einfältig. Du hast einen Schwanz in der Hose, und ich einen Fliegenpicker. «
Ich schluckte. » Was um Gottes willen ist ein Fliegenpicker? «
» Als ich mich gestern Abend vor Hanna, eben meiner vermeintlichen Freundin auszog im Schlafzimmer meines Freundes Jörg, da hat sie anfangen zu kichern. «
Ich verstand zuerst nicht. » Was heißt, kichern? «
» Mann, du bist enorm schwer von Begriff. Sie hat mich zum ersten Mal in einem Slip gesehen und fand das wohl urkomisch. «
Ich senkte meine Hände beschwichtigend. » Nun mal langsam. Ihr wolltet miteinander schlafen, habt euch ausgezogen und als sie dich so sah.. ? «
» Ja, genau so war das. Und sie meinte, ich soll mir eine Fliege an der Wand suchen, die ich mit meinem kleinen Ding picken könnte. Dann hat sie sich kreischend auf dem Bett gekugelt und gemeint, ich hätte ja da wohl nur einen Fliegenpicker. «
Ich setzte mich auf den Rand der Badewanne. » Und du erzählst mir jetzt keinen Scheiß? «
» Warum sollte ich… Und .. wenn du genau hinsiehst, sie hatte ja auch allen Grund. Und deswegen hab ich mich dann auch vollaufen lassen. «
Ich hab nie was von Mädchen gehalten, als Schwuler ist das wohl auch ziemlich natürlich. Aber dass es eine von diesen Zicken wagen würde, einen Jungen wegen seinem…
Ich lachte. Ziemlich laut sogar.
» Entschuldige, Alex, aber das kann ich jetzt nicht glauben. Ein Weib hat dich richtig ausgelacht? «
» Mann, ja, was ist daran so komisch? Oder findest du auch dass… «
Ich stand auf und stellte mich direkt vor den Jungen.
» Jetzt hör mir mal zu. Erstens: Du hast die nicht verdient. Kann sein dass ich mich zu tief einmische und meistens gibt’s dann untereinander Fetze. Nur, mir ist das insofern egal weil wir uns zwei nicht kennen. «
Ich seufzte und setzte fort: » Zweitens: Ich bin schwul, kenn mich da ein bisschen aus. Im Ruhezustand ist überhaupt nicht zu erkennen was da wirklich dahintersteckt. « Natürlich sagte ich ihm nur das, was ich auch nur gelesen habe. In Wirklichkeit gab es bis Dato noch nie einen Jungen in meinem Leben, der mir diese These hätte bestätigen können. Ich war Jungfrau in allen Richtungen. Aber ich log, ohne zu stottern.
» Es war im Übrigen nicht zu vermeiden dass ich dich heute Nacht nackt gesehen habe. Sorry deswegen, aber ich finde, du hast nix zu verbergen. Und zum Schluss: Seit wann wird ein Junge an seinem schlaffen Schwanz gemessen? Also, jetzt weißt du Bescheid. Lass dich nicht von solchen Schulhuren in die Enge treiben. Du bist in Ordnung, ich jedenfalls würde dich nehmen und – noch mal Sorry, « ich gab ihm spontan einen leichten Kuss auf die Wange, « ich hab mich heut Nacht ein bisschen verknallt in dich. Nimm’s nicht tragisch, musst dir nix draus machen, ist völlig unverbindlich und wenn wir uns nicht wiedersehen ist das auch Ok für mich. Du bist hübsch, hast ne tolle Figur und deswegen würde ich mir um all die Sachen keine Sorgen machen. Dir wird die Richtige schon noch über den Weg laufen. Wenngleich.. schade dass du nicht auf Jungs stehst. «
Ich atmete auf. Soviel am Stück rede ich eher selten.
Zwei große Augen starrten mich an. » Du bist.. schwul? «
» Oh, junger Mann, ich dachte die Menschheit weiß inzwischen, um was es sich dabei handelt? «
Alex wurde feuerrot und blickte schlagartig zu Boden. » Klar, weiß ich.. «
Dann stieg er unter die Dusche.
Ich stellte mich ans Fenster und rauchte. Ich war stolz auf mich. Nicht um den heißen Brei, kein Gesäusel, keine Anmache – einfach nur die Wahrheit. Damit konnte ich leben. Was Alex daraus machte, das war mir zwar nicht egal, aber es beschäftigte mich auch nicht weiter.
Alex kam mit einem Handtuch um seine Hüfte gewickelt ins Zimmer » Dario? «
» Ja? «
» Ich.. äh.. was ist mit meinen Klamotten? «
» Nun, entweder du lässt sie hier und meine Mutter wäscht sie, oder du nimmst sie mit. Anziehen jedenfalls kannst du sie so nicht. «
» Hm, kann dann deine Mutter, ich meine, wenn ich die jetzt so mit nach Hause bringe.. «
» Alex, grade habe ich es dir gesagt. Sie werden gewaschen und entweder ich bringe sie dir oder du holst sie hier ab. «
Damit stand eigentlich schon fest, dass wir uns doch wiedersehen würden.
» Das würdest du für mich tun, ich meine, ich hab dir jetzt schon so ein Haufen Ärger..« Alexander klang beschämt.
» Sag mal, sitzt du auf den Ohren? Ich hab vorhin gesagt dass ich mich in dich verknallt hab. Das muss allerdings keinesfalls auf Gegenseitigkeit beruhen, dazu kannst du nichts.. also ich meine nicht direkt, aber wenn man jemanden gern mag dann ist einem nichts zuviel. Ok? «
Verlegen sah mich Alex an. » Ja, es ist nur.. ich hab noch nie was mit nem Schwulen zu tun gehabt. Ich dachte auch nicht, dass… «
» Bitte? « Ich war schon wieder reichlich erregt durch dieses Wortspiel.
» Naja, dass so hübsche Jungs wie du schwul sein könnten .«
Ich horchte auf. Was war das gerade? Hübsch? Nun, immerhin.
» Du hast wohl noch nie.. einen Schwulen live gesehen? Nee, anders herum: Du hattest noch nie Sex mit einem Jungen? Also, oh Alex, ist das kompliziert – die meisten Jungs haben zumindest mal schon mit anderen gewichst. Das kennst du doch sicher? «
Wieder errötete Alexander. » Nö, hab ich nie gemacht. «
» Oh, das wird immer schöner. Und warum nicht, bei deinem Aussehen? Da wollen doch alle Jungs wissen was du.. « Ich stockte. » Ach so. Dein Problem in der Hose… «
Alex nickte nur.
Ich nahm ihn in den Arm. » Hör zu, das alles ist ein grausiges Missverständnis. Du glaubst, die anderen glauben, die Weiber glauben… «
» Was soll ich machen? Mich auslachen lassen? « fragte er ein bisschen traurig.
» Nö, das nicht. Aber komm, ich glaube du musst jetzt langsam nach Hause. Ich gebe dir Bescheid wenn deine Klamotten fertig sind. Wir tauschen gleich mal die Handynummern. «
Ich suchte eine Jeans, ein T-Shirt, Socken und ein paar Turnschuhe aus dem Schrank. » Die kannst du mir wiedergeben wann du willst, ich brauch sie im Augenblick nicht. «
Mein Herz schlug höher, als ich kurz darauf den hübschen Boy in meinen Klamotten sah. Sie passten ihm ausgezeichnet.
Ich begleitete neue Bekanntschaft zum Bahnhof. Wir waren die einzigen an dem Samstagmittag und nachdem der Zug eingefahren war gaben wir uns die Hand.
» Ciao Alex, und ich melde mich. «
Er beugte sich plötzlich vor und gab mir einen Kuss – mitten auf den Mund, mitten auf dem Bahnsteig.
» Mehr als Danke kann ich nicht sagen « flüsterte er und drückte meine Hand fast ein bisschen zu fest.
Alex stieg ein, winkte ein bisschen verhalten und mit dem Zug verschwand auch er.
Und ich stand da, fuhr mit der Zunge über meine Lippen. Ein Junge hatte mich auf den Mund geküsst… zum ersten Mal in meinem Leben tat es jemand von sich aus.
Ich starrte dem ausfahrenden Zug nach wie einem Geist.
Auf dem Weg zurück stürzten tausend Gedanken auf mich herab. Alex war nicht nur hübsch, er war auch liebenswert. Und seine Art war genau das, wonach ich suchte. Die letzten Stunden liefen ab wie ein Film, vor allem aber der Kuss vor ein paar Minuten. Ein Hetenjunge küsst keinen anderen auf den Mund, niemals. Es sein denn, er war auch schwul, oder eben Bi. Ich begann zu beten, dass Alex kein Bi war.
Als ich die Straße zu unserem Haus einbog, erhielt ich eine SMS. Nervös fummelte ich das Handy aus meiner Tasche.
„Hi Dario. Es klingt sicher komisch, aber ich hab über uns nachgedacht. 15:15 fährt ein Zug hierher. Willst du nachkommen? Ich hol dich ab. Gruß Alex.“
Ich blieb wie angewurzelt stehen. Alexander konnte noch nicht mal zu Hause sein.
„Hi Alex. Klar, ich komme. Aber ich warne dich – ich hab mich in dich verliebt. Vergiss das bitte nicht. Ciao, Dario.“
Das sollte durchaus als Warnung gelten. Alex war gefährlich für mich, sehr sogar. Und wenn sich die Gelegenheit bot, würde ich sie nützen. Besser, Alex konnte eine solche Situation von vornherein einschätzen.
„Ich hab nicht vergessen dass du mich liebst. Aber es stört mich nicht!“ antwortete Alex daraufhin.
Völlig aufgelöst kehrte ich auf der Stelle um. Es reichte mir lässig, die Bahn zu erreichen und Alex so quasi hinterherzufahren.
Der Bahnhof in Winkheim ist ziemlich verlassen um diese Zeit. Ich stieg aus und ging zur Unterführung und dort unten stand mir plötzlich Alex im Weg.
Wir sahen uns an und er kam langsam auf mich zu. Wenige Zentimeter vor mir blieb er stehen.
» Dario? «
» Ja? «
» Der Kuss vorhin.. «
Ich grinste über das ganze Gesicht. » Hey, Kleiner. Der war geil. Ich werd ein Leben lang dran denken. Du warst immerhin der erste Junge der mich geküsst hat. Und der hat das sehr, sehr gut gemacht. «
Alex wurde wieder rot. » Zieh mich bitte nicht schon wieder auf. «
» Ich hab dich nicht aufgezogen und ich werde das nie tun. Ich meine einfach, ich fand’s super. Wenn du das nicht so siehst – ok, du bist Hetero. Da kann das … «
» Moment, Dario. Du sagst so einfach, ich wär Hetero. «
» Ja klar, was soll ich sonst… « Ich starrte ihn fassungslos an. » Äh.. sag jetzt nicht, dass.. «
Alex versuchte ein Lächeln. » Nee, also, ich weiß nicht. Ich mag dich, sehr sogar. Und was du für mich getan hast.. Ach, komm, ich möchte dich einladen. Zu einem feinen Cappuccino. Magst du? «
» Klar, immer doch. «
Wenig später saßen wir in einem fast überfüllten Cafe, in dem nur Jugendliche verkehren. Es war laut, stickig und eng, aber die Atmosphäre hatte etwas.
Wir ergatterten zwei Plätze in der hintersten Ecke. Ab und an winkte Alex jemand zu oder einer kam vorbei um zu fragen wie es denn so ginge. Mir schenkte kaum jemand Beachtung, was mir aber nicht unlieb war.
» So, jetzt erzähl. Du hast nachgedacht? Worüber? « fragte ich schließlich.
» Ich habe keine richtigen Freunde, eigentlich « sagte er nachdenklich.
» Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Warum? Mögen sie dich nicht? «
» Schon, aber ich… ich hab mich auf Distanz gehalten. Ich will mich nicht mit Typen umgeben, die nur ihre Weibergeschichten wichtig finden. Ich muss Leute um mich haben die mehr wissen als das. «
Ich sah ihn an. » Aber von mir weißt du doch gar nichts. «
» Es reicht, was ich weiß. Du bist anders. Und… ich mag dich. «
„Naja, was heißt mögen. Ich mag meinen Bruder auch und gehe nicht mit ihm ins Bett“ dachte ich. Trotzdem, das Gespräch gefiel mir.
Die Bedienung brachte den Cappuccino und ich begann mich wohl zu fühlen. Wie lange war ich schon nicht mehr ausgegangen? Ich wusste es nicht.
Plötzlich spürte ich Alex’ Knie an meinem. Ich vermied jeden Blickkontakt, ließ meine Augen durch den Raum streifen. Ich wollte ihn nicht zu etwas verführen, was ihm sicherlich nicht lag. Aber es kribbelte wieder in meinem Körper. Dieser Junge war etwas besonderes, anders als die Jungs aus der Schule. Und Benny. Dem würde ich zwar mein Herz schenken, was aber wohl nie der Fall sein würde. Aber wenn ich die Wahl zwischen ihm und Alex hab..
Ich wich der Berührung unter dem Tisch nicht aus. Wenn Alex es wirklich wollte, dann…
» Dario? «
» Ja? «
» Ich.. äh.. oh Mann, es ist so verdammt schwer. «
» Was? «
» Dir zu sagen dass du sehr gut aussiehst. Also ich meine, du bist… Lass es. Ich bring’s nicht hin. «
Ich lächelte. » Was ist? Du hast es doch grade hingebracht. «
Ich spürte seine Hand auf meinem Knie und sämtliche Sicherungen brannten in mir durch. Alex wollte es, einen Zweifel gab es nicht mehr.
Ich griff nach der Hand unter dem Tisch und streichelte sie.
» Alex, ich bin schwul. Du solltest solche Sachen nicht mit mir machen, das kann gefährlich werden. Nur, damit ich das noch mal gesagt habe. «
Alex grinste plötzlich. » Lass uns gehen. «
Wir zahlten und verließen das Cafe.
» Komm, ich zeig dir was « sagte Alex und klang dabei ziemlich lustig.
Er ging mit mir an diesem schönen Sommerabend zu einer Kleingartenanlage in der Nähe des Bahnhofs.
Alex fummelte einen Schlüsselbund aus der Hosentasche und schloss das Türchen zu einem Grundstück auf.
» Komm rein, es gehört meinem Onkel. Der überlässt es mir zur Zeit, weil er im Ausland ist. «
Wir betraten eine kleine Laube, die sehr gemütlich eingerichtet war.
» Darf ich dir was anbieten? Bier, Wein, Korn, Cola, Limo…? «
» Na gut, ein Bier kann ja nicht schaden.. Aber du? Du solltest wohl ein paar Tage Pause
machen.. « sagte ich schmunzelnd.
Alex öffnete zwei Bier und setzte sich zu mir auf die Hollywood – Schaukel, die den meisten Platz in der Laube ausfüllte und auf der ich es mir bequem gemacht hatte.
» Meinst du? «
» Naja, also ich könnte nach so einem Crash bestimmt eine Woche keinen Alk mehr sehen « sagte ich.
Alex starrte verschämt zu Boden – und grinste mich daraufhin an.
» Nunja, ich war schon ganz schön breit. Aber als du mir im Zug.. einen Kuss gabst, da bin ich aufgewacht. «
Ich vergleiche die Sekunde danach mit einem Stromschlag. » Du weißt…. Und alles was danach kam…? «
» Tschuldige, aber ich war so gefrustet von dieser Party.. Es war so toll wie du dich um mich gekümmert hast. «
Ich begann mich ein bisschen zu schämen. » Alex, das war.. Tut mir echt leid. Aber du bist so aufreizend gewesen, ich konnte mich nicht beherrschen. Verzeihst du mir all das? «
Alex lächelte mich an. » Klar, schon vorbei. Trotzdem… «
» Was? «
» Das war so ganz anders als mit einem Mädchen. Du hast so zarte, feinfühlige Finger.. Und der Kuss letzte Nacht, der war auch schön. «
» Alex, hab ich das Gefühl, dass du auch für Jungs… was übrig hast? «
Er trank aus der Flasche und zündete sich eine Zigarette an. » Ich denke, ich bin kein Bi. Das, was ich in den letzten Stunden für dich gefühlt habe, das habe ich noch nie so erlebt, auch bei Hanna nicht. Ok, ich hab schon auch den hübschen Jungs in der Schule heimlich nachgesehen. Aber ich dachte, das sei diese immer wieder erwähnte Phase. Du bist erst 16, hab ich mir gesagt, da ist noch nichts im Gleis. Aber ich hab mich getäuscht. Zumindest weiß ich das seit heute Nacht. So lieb wie du – « Er umarmte mich und küsste ein weiteres Mal auf meine Lippen.
Ein schöner, dummer Zufall war das alles. Alex’ frühe Heimfahrt von der Party, dass er ausgerechnet an diesem Abend so einen unmöglichen Zoff mit einem Weib hatte, betrunken und dann in mein Abteil eingestiegen war. Eigentlich konnte das fast kein Zufall sein.
» Aber eines möchte ich noch wissen: Wieso hast du heute Nacht keinen Ständer bekommen als ich meine Hand da drauf… « fragte ich ihn grinsend.
» Ich hatte wahnsinniges Herzklopfen. Aufgeregt wie vor einer Prüfung – ich hab einfach keinen hochgekriegt. «
» Hast du gemerkt dass ich.. «
» Dass du einen Orgasmus hattest? Klar, da gab’s ja keinen Zweifel. Als mir dein Spermaduft um die Nase kreiste warst du ja schon fertig und erst dann bekam ich einen Steifen. Aber ich war zu müde.. «
» Mann, Alex, deine Story… Ich bin jetzt rattenscharf.. «
» Ich auch. «
Ich legte meine Hand zwischen seine Beine, spürte wie die Beule größer wurde, öffnete mit zitternden Händen die Jeans – meine Jeans. Das machte mich plötzlich wahnsinnig heiß. Auch der Slip da drunter war meiner und schon die Gewissheit, dass da jetzt Alexanders Jungenschwanz drinsteckte, jagte mir einen Lusttropfen in die Hose.
Nervös nestelte ich an seiner Hose, knöpfte sie auf und Alex hob seinen Hintern, damit ich sie ihm samt dem Slip herunterziehen konnte.
Und da pumpte er sich auf; vor meinem Gesicht fuhr Alex seinen Ständer aus – und der musste sich hinter meinem nicht verstecken.
» Was hast du bloß? Dein Schwanz ist geil, und groß genug auch.. « sagte ich mit Bewunderung, bevor ich seinen Ständer spontan in die Hand nahm und die Vorhaut langsam vor – und zurückzog. Dann begann ich Alexanders Schwanz eher zärtlich zu wichsen, aber nach ein paar Minuten wollte ich mehr.
Mit der Zungenspitze kreiste ich um die Eichel, leckte das Bändchen und nahm seinen harten Ständer in den Mund. Endlich, endlich einen anderen in der Hand haben und schmecken. Glühenden Kopfes lutschte ich darauf herum, leckte seine Eier. Alex stöhnte immer schneller, wand sein Becken hin und her.
Schließlich fuhr ich mit dem Finger bis zu seinem Loch, drückte sanft darauf.
» Mann, ist das geil.. « seufzte Alex und krampfte sich zusammen.
» Mir kommt’s « stöhnte er und dann spritzte unter hektischen Stößen seine volle Ladung in meinen Mund. Rhythmisch pumpte er seine Samenblase leer, bis kein Tropfen mehr kam.
Warm und glitschig lief es meinen Hals hinunter, es schmeckte einfach nur genial.
Erschöpft ließ er sich auf die Schaukel sinken, streichelte dabei aber meinen Rücken unter dem T- Shirt weiter.
» Komm, ich mach’s dir auch « keuchte er, fummelte meinen Reißverschluss auf und zog meinen Schwanz aus dem Slip. Er beugte sich zwischen meine Beine und massierte meinen stocksteifen Schwanz, der durch reichlich Vorsaft feucht geworden war. Immer heftiger wurden seine Bewegungen, bis auch er meine Eichel mit der Zunge verwöhnte.
Alex spürte wie mein Samen nach oben schoss, zog den Schwanz aus seinem Mund und ließ sich mein heißes Sperma über das Gesicht spritzen. Immer und immer wieder stieß ich stöhnend Saft heraus, und Alex wichste meinen Schwanz so lange, bis er in seiner Hand langsam weich wurde.
Alex leckte mein Sperma von seinen Fingern, wischte es sich mit seinem T-Shirt aus dem Gesicht und von meinen bespritzen Jeans, dann verpackte er meinen klein gewordenen Schwanz in der Hose, schließlich auch seinen.
So saßen wir, jeder einen Arm um den anderen gelegt, nebeneinander, schaukelten sachte hin und her. Mittlerweile war es dunkel geworden und nur eine Kerze brannte in der Laube.
» Dario? «
» Hm? «
» Mir hat das gefallen. Es ist geil mit dir. Obwohl… «
» Was obwohl? «
» Ich hab noch nie Sperma von einem anderen Jungen probiert, aber es schmeckt gut. «
» Oh, dafür warst du auch sehr gut. Und du schmeckst auch geil. Ich denke ich könnte dich immer leertrinken.. «
» Echt? «
» Wenn ich es dir doch sage. « Ich machte eine Denkpause.
» Aber was ist nun? Ich meine, was machen wir mit uns? Ich hab mich echt in dich verknallt, weiß du.. «
» Oh Dario, ich möchte dass wir Freunde werden. Ich meine, so richtige Loverboys. Wir gehen nicht in die gleiche Schule, wir wohnen nicht am selben Ort – sind doch gute Voraussetzungen, oder? «
Ich fuhr meinem neuen Freund durch die Haare. » Ich wüsste nicht, warum das nicht gehen
soll. «
Mein Handy klingelte.
Moritz war dran. » Mori, was gibt’s? « fragte ich.
» Wo bist du? Wir warten mit dem Essen. «
» Oh Mist, hab ich verpasst « sagte ich Schuldbewusst.
» Du bist bei deinem Engelchen? « Moritz ist und bleibt neugierig.
» Yep. « Dabei streichelte ich Alex’ Brust
» Dann ist das was Ernstes? «
» Ja doch. «
» Hey, freut mich. Gib ihm nen Kuss von mir. Und du kommst spät? «
» Ich denke schon… « sagte ich und legte auf.
Ich lächelte. » Mein Bruder. Er meint immer er müsste ein bisschen auf mich aufpassen. «
» Er weiß dass du schwul bist? «
» Er war der erste dem ich es gesagt hab. «
Ich zog Alex zu mir. » Soll dir einen Kuss geben.. «
» Lieb von ihm. «
Ich löste mein Versprechen mit einem innigen Zungenkuss ein.

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Information Der Junge aus der Anstalt
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:06 AM - Replies (1)

Der Junge aus der Anstalt – Teil 1

Es war im August vergangenes Jahr, als in allen Zeitungen stand, was sich Schreckliches zugetragen hatte. Jeder las darüber und alle fragten sich, was den Jungen dazu veranlasst haben könnte, so etwas zu tun. Auch hier in der Psychiatrie in München machte man sich Gedanken darüber. Allerdings war der Vorfall schon nach einigen Wochen wieder vergessen. Eines Tages hielt meine Mutter, die die Abteilung Jugendpsychiatrie für Jungen leitete, dann ein Schreiben in Händen, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass jener Junge, der seinen damaligen Lehrer und drei seiner Klassenkameraden aus nächster Nähe im Klassenzimmer erschossen hatte, zu ihnen in die Anstalt kommen sollte, da Hamburg überbelegt war.
»Natürlich schicken sie dann den, der ihnen am meisten Schwierigkeiten bereitet«, sagte meine Mutter beim Abendessen zu meinen Vater gewandt.
»Wer ist denn dieser Junge eigentlich und was hat er gemacht?« Es interessierte mich ja nun doch, warum meine Mutter sich so aufregte.
»Er heißt Sven, ist mittlerweile 18 Jahre alt und hat vier Menschen umgebracht. Von einem Psychiater wurde er als unzurechnungsfähig erklärt. Und morgen kommt er bei uns an.«
»Aha! Ach, da fällt mir gerade was ein, wo wir schon mal beim Thema sind: Wir reden doch in der Schule gerade in der AG über die Psychiatrie und ich soll dich von meiner Lehrerin fragen, ob die Möglichkeit besteht, dass wir uns deinen Arbeitsplatz ansehen und dass du uns etwas über Deine Arbeit erzählst.«
»Wenn eure Lehrerin sich beim Klinikleiter die Erlaubnis dafür holt, sehe ich da keinerlei Problem. Aber es geht erst, wenn der Stress mit dem Neuzugang vorbei ist.«
»Cool.«
»Was ist das für eine AG bei euch?«
»Ähnlich wie ‚Werte und Normen‘. Wir sprechen über so genannte soziale Randgruppen, wie z.B. Obdachlose, Häftlinge oder eben psychisch Kranke.«
»Hört sich sehr interessant an.«
»Ja, ist es auch.« Damit war das Thema erst mal vom Tisch.
NICO
Drei Wochen später war es endlich soweit: meine Klasse und ich konnten meine Mutter auf der Arbeit besuchen, ihr Fragen stellen und uns das Gebäude ansehen. Die letzten drei Wochen hatte sie es nicht gerade einfach, da Sven ganz schön Stress gemacht hat, was sie meinem Vater und mir dann abends, als sie heim kam, erzählte. Er soll sich wohl mit allem und jedem anlegen. Ich war ehrlich gesagt ziemlich gespannt, ob er uns hier gleich über den Weg laufen würde.
Natürlich wurde uns nicht erlaubt, durch die Gucklöcher der Türen zu sehen, obwohl ich da schon ganz gerne den einen oder anderen Blick auf einen der Patienten geworfen hätte. Ich wusste, dass sie normalerweise auch draußen auf den Gängen umherliefen, allerdings zogen es die meisten wohl vor, in ihrem Zimmer (ich nenn es jetzt einfach mal so) zu bleiben, während wir da waren. Unser Besuch war ja auch vorher angekündigt worden. Die anderen fanden wohl alles, was meine Mutter erzählte, ziemlich spannend. Ich ja auch, nur dass ich es schon zum x-ten Mal hörte und alles schon wusste. Außerdem musste ich dringend mal auf die Toilette.
Ich machte mich einfach unbemerkt davon, um das nächste Klo zu suchen…
*
Während dessen hatte Frau Grogers Kollegin Maike einen Patienten für ein Gespräch aus seiner »Zelle« geholt und war mit ihm in einen Raum gegangen, der sich von innen nicht öffnen lies. Man konnte hinein sehen und als Nico dort vorbei kam, war Maike zu einem Notfall gerufen worden. Sie hatte den Jungen unbeaufsichtigt gelassen, was sie normalerweise nicht durfte.
NICO
…Das mit der Toilette finden gestaltete sich echt nicht so einfach. Nirgends ein Schild oder irgendwer, den man mal danach fragen konnte. -GRR- Ich bog um die nächste Ecke und sah mich weiterhin um. Direkt in der Mitte des doch sehr breiten Ganges befand sich ein freistehender, kleiner Raum, den man von allen Seiten her einsehen konnte. In dem Raum saß ein Junge auf einem Tisch und schaute zu Boden.
Man sah der gut aus! Ich meine, ich weiß ja nun schon länger, dass ich auf Jungs stehe. Allerdings hatte sich in der Beziehung für mich bisher leider absolut nichts ergeben, da ich ja nun auch nicht zu jedem, der halbwegs gut aussah, hinrannte und sagte: hey, ich bin schwul und ich suche noch nen festen Freund!
Ich guckte oder besser starrte also wie gebannt auf den Jungen, bis dieser hoch schaute und meinen Blick erwiderte.
Irgendwie sah er traurig aus, aber eigentlich ganz normal – im Gegensatz zu manchen Patienten hier, also wird er wohl kein psychisch Kranker sein. Ich ging auf den Raum zu und geradewegs durch die Tür.
»Hi, ich bin Nico. Was machst du denn hier so ganz alleine?«
»Ich warte, bis mich wer hier raus lässt, beziehungsweise bis einer kommt wie du und mich erlöst. Lass die Tür besser offen, sonst kommst du nicht mehr raus und es ist bestimmt nicht gut, wenn deine Mutter oder jemand von den anderen dich hier bei mir sieht.«
»Woher weißt du, dass meine Mutter hier arbeitet?« fragte Nico.
»Ich habe euch vom Fenster aus kommen sehen und deine Mutter und du, naja man sieht, dass ihr verwandt seid. Außerdem hat sie neulich erwähnt, das ihr Sohn mit der Klasse kommt.«
»Aha! Oh Scheiße!« Ich schlug mir die Hand vor die Stirn.
»Na, so schlimm ist es nun auch nicht, dass ihr euch ähnlich seht.«
»Wie? Ach so nee das meine ich nicht. Mir fiel gerade ein, dass ich meine Mathehausaufgabe nicht gemacht hab. Ist einfach zu schwer für mich. Wollte sie eigentlich noch abschreiben bevor wir hier her sind. Jetzt gibt’s wieder Ärger mit der alten Raul.«
Ich seufzte.
»Kannst du mir sagen, wo das Klo ist?«
»Treppe runter und links.«
»Danke. Meine Sachen lasse ich solange hier ja?«
»Geht klar…«
Ich ging auf die Toilette und ärgerte mich über mich selber, weil ich der Raul wieder mal Grund genug gab. mich vor der ganzen Klasse bloßzustellen. Nach zehn Minuten war ich dann wieder oben in dem »Fensterraum«. Der Junge saß immer noch auf dem Tisch.
»Ich hatte eigentlich gehofft, den Jungen zu sehn, der die vier Menschen umgebracht hat. Kennst du den?
»Klar, wenn man hier täglich vierundzwanzig Stunden ist, lässt sich das nicht vermeiden. Aber er ist nett, ich glaub du würdest ihm gefallen.«
»Was denn, du bist nicht wie ich zu Besuch hier?« Seinen letzten Satz bekam ich gar nicht so bewusst mit.
»Nein, ich darf hier noch einige Zeit absitzen. Aber es ist besser als Knast.«
»Heißt das, du tust nur so als wärst du psychisch labil…? Oh, ich glaube die anderen kommen, ich muss jetzt gehen. Vielleicht sieht man sich mal wieder.«
»Ciao Nico.«
Ich ging zurück zu den anderen, die mein Fehlen wohl gar nicht bemerkt hatten. Jetzt fiel mir ein, dass ich vergessen hatte den Jungen nach seinem Namen zu fragen.
Als wir (diesmal alle zusammen) um die Ecke bogen und auf den »Fensterraum« zugingen, wurde der Junge gerade wieder von Maike (ich kannte sie, da sie schon öfter zum Essen bei uns war) in sein »Zimmer« gebracht. Er schaute in unsere Richtung, lächelte und zwinkerte mir zu. Ich bekam fast weiche Knie bei dem Lächeln, einfach nur wow! Irgendwie hab ich es aber trotzdem geschafft, zurückzulächeln, und es hat noch nicht mal wer gemerkt.
NICO
Nach ca. 10 Minuten Busfahrt kamen wir in unserer Schule an. Da die nächste Stunde schon begonnen hatte, gingen wir gleich in die Klasse, wo unsere suuuuuuuper Mathelehrerin Frau Raul schon auf uns wartete. Frau Raul hasst mich, glaube ich, weil ich in Mathe nicht so die Leuchte bin und mich nicht regelmäßig am Unterricht beteilige und so.
»Guten Morgen Kinder. Holt bitte eure Bücher und die Hausaufgaben von gestern heraus.«
»Na, das fängt ja gut an. Die schnallt bestimmt nie, dass wir immerhin schon 15 und keine Kinder mehr sind.«
Das sagte ich zu meinem Banknachbarn und besten Freund Andy. Hätte ich wohl besser nicht tun sollen, denn die alte Raul kam gleich rüber und meinte, wenn ich so eifrig am reden sei und nicht aufpassen würde, könnte ich sicher die Lösung der Formeln nennen, die sie uns aufgegeben hatte. –ARG-
»Äh…«
Ich blätterte in meinem Heft herum, um Zeit zu schinden und mir eine passende Ausrede einfallen zu lassen. Schon war ich auf der letzten beschriebenen Seite angekommen und stutze. War das gar nicht mein Heft? Doch! Zu Anfang war es eindeutig meine Schrift, sofern man das Gekritzel als Schrift bezeichnen konnte. Die letzte Seite allerdings sah überhaupt nicht nach mir aus. Aber es waren eindeutig die Lösungen der Formeln, auch wenn ich keinen blassen Dunst hatte, wo die her kamen…
»Nun, mein Herr, was ist. Hast Du die Aufgaben etwa nicht gelöst?«
»Doch.«
Ich nannte die Ergebnisse. Frau Raul brachte vor Staunen die nächsten zehn Sekunden kein Wort über die Lippen. Dann fing sie mit einem neuen Thema an und fragte glücklicherweise nicht, ob ich die Lösungen an der Tafel verdeutlichen könnte.
»Woher habe ich die Ergebnisse und wer kommt an mein Heft ran?« murmelte ich zu mir selbst.
Und dann sah ich es; auf einem Blatt Papier, das lose zwischen den Seiten lag, stand:
~Hey Nico, hoffe ich konnte dir mit der Lösung der Aufgaben helfen. Leider hatte ich zu wenig Zeit, um ausführlich aufzuschreiben, wie du das rechnest. Halt die Ohren steif. Sven.~
Ich grübelte: Der Junge aus der Anstalt, er war’s. Sven! Sven? Hieß so nicht…? Ich war ganz aufgeregt bei dem Gedanken, aber ja, es musste so sein. Er war es! Er hatte die vier Menschen umgebracht, denn er hieß Sven und er sagte, es wäre nicht gut, wenn man uns zusammen sehen würde und dass er Sven kennen würde, und der ganz nett sei… Warum hatte er sie umgebracht? Er war doch so nett und machte einen guten Eindruck, war gut in Mathe und so…einfach… wow! Ich verstand das nicht.
SVEN
Da saß ich nun in meinem Zimmer, falls man das überhaupt so nennen konnte. Aber Zelle traf es auch nicht richtig, auch wenn die Türen von außen abschließbar waren, wenn man sich nicht benahm und drin bleiben sollte. Insgesamt jedenfalls war es um vieles einfacher, als im Knast zu sitzen. So stellte ich es mir zumindest vor. Ich war nicht sicher, ob ich im Knast nicht untergegangen wäre. Man hörte ja allerhand, was da drinnen abging, wenn die Türen zu waren… Da ließe es sich hier wohl doch besser aushalten. Ich war jetzt ca. drei Wochen hier in München und besser als in Hamburg war es auch nicht – zumindest bis heute. Dieser Junge vorhin, Nico, war einfach der Wahnsinn. Er sah so verdammt gut aus: blonde, kurze Haare, die versuchten wie eine Frisur auszusehen, blaue Augen, etwa in meiner Größe, also um 1,75 m und eine süße Stupsnase. War ich vor ein paar Tagen noch der Meinung, dass es Liebe auf den ersten Blick definitiv nicht gibt, so musste ich mir heute doch eingestehen, dass es immerhin möglich sein könnte, dass sie doch existiert.
Unglücklicherweise waren die Umstände, unter denen wir uns nun zufällig über den Weg liefen, ja doch nicht so berauschend, als dass ich mir in der Hinsicht großartige Hoffnungen hätte machen können. Erstens würde er wohl kaum noch mal hier auftauchen, auch wenn er Frau Grogers Sohn war. Zweitens war ich in seinen Augen ein psychisch Labiler, der wild in der Gegend rumgeballert und dabei Menschen getötet hatte, und drittens und letztens war er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schwul.
Was den zweiten Punkt anging, wusste ich selber nicht genau, für was ich mich halten sollte. Fakt war, dass meine Erinnerung an diesen bestimmten Tag morgens nach dem Aufstehen endete und erst wieder im Krankenhaus einsetzte. Ich wusste nicht, was passiert war, wer geschossen hatte (wahrscheinlich ja wohl ich), wie lange alles gedauert hatte, wie ich aus der Schule raus und ins Krankenhaus kam. Ich hatte, was das angeht, einen totalen Blackout. Das machte die ganze Sache für mich auch so schwierig. Ich wusste, dass ich meiner Meinung nach allen Grund dazu gehabt hätte, Amok zu laufen, das heißt ein Motiv gab es. Ich wusste auch, dass ich ziemlich leicht ausrastete, wenn ich mich ungerecht behandelt fühlte, und dass ich einen Tag vorher in die Klasse geschrien hatte, dass ich sie alle fertig machen würde. Und zu guter Letzt wusste ich, dass an der Waffe meine Fingerabdrücke waren und ich von Mike, einem Klassenkameraden, beschuldigt wurde, geschossen zu haben.
Was ich nicht wusste war, wo ich um Himmels willen das Teil her haben sollte und wie ich so was hätte tun können. Sicher hatte ich meine Klasse einschließlich meines Klassenlehrers gehasst, aber ich würde niemals jemanden umbringen! Doch genau deswegen saß ich hier in der Psychiatrie. Mein Anwalt meinte, ich sollte die Tat zugeben und somit eine mildere Strafe rausschlagen. Er hatte mir keine Hoffnungen gemacht, dass der Staatsanwalt, der Richter oder irgendjemand glauben würde, dass ich unschuldig war und da er mir ja geraten hatte, mich schuldig zu bekennen, wisst ihr ja, was seine Meinung dazu war. Ich hatte zu der Zeit nicht die Kraft gehabt, mich auch nur in irgendeiner Form gegen die Anschuldigungen zu wehren oder jemanden zu beauftragen, der Licht in das Dunkel bringt. Ich saß einfach immer nur da und hab den Prozess nicht mal mitgekriegt. Mir gingen immer nur die letzten Monate durch den Kopf und was das Schlimmste war, ich war mir selber nicht sicher, ob ich tatsächlich der Täter war oder nicht.
Jedenfalls hatte ich keine Aussage gemacht, weil mir zu dem Zeitpunkt egal gewesen ist, was mit mir passierte. Genau genommen hatte ich mich gefragt, warum ich mich nicht gleich mit getötet hatte, falls ich es war. Immerhin eine Kugel hatte ich ja abbekommen (laut Polizeibericht ein Querschläger) und die Verletzungen waren schwer, aber nicht tödlich. Ich lag wohl zwei Tage im künstlichen Koma. Ein anderer Junge hatte nicht soviel Glück, er war wie ich angeschossen worden und lag, während der Prozess schon lief, immer noch im Koma. Ich wusste nicht, wie es ihm zur Zeit ging. Ob er aufgewacht war, oder noch im Koma lag, oder gar gestorben war, was ich nicht hoffte.
Das Ende vom Lied war jedenfalls, dass ich zehn Jahre bekam und diese nicht im Knast, sondern in einer geschlossenen Psychiatrie absitzen musste, da ein Psychiater mich als nicht ganz dicht eingestuft hat. Gott sei Dank konnte ich da wohl nur sagen.
NICO
Wie sollte es anders sein, brachte mich meine Grübelei über Sven auch nicht weiter, außer dass ich noch einen Anschiss von Frau Raul kassierte, weil ich mal wieder sonst wo war, nur nicht in ihrem Matheunterricht. So war ich froh, als die Stunde um war. In der nächsten hatten wir Deutsch bei unserer Klassenlehrerin. Eigentlich auch nicht besonders interessant, aber da sie auch die „AG Randgruppen“ leitete, sprach sie mit uns nochmal über den Besuch bei meiner Mutter.
„Habt ihr den geilen Typen gesehen, der gerade über den Flur kam, als wir gegangen sind? Mann sah der gut aus!“
Das konnte natürlich nur von Sabine kommen, aber sie hatte ja weiss Gott nicht unrecht! Ich beteiligte mich nicht sonderlich an dem Gespräch und träumte wieder vor mich hin. Wovon könnt ihr euch sicher denken… Geistig anwesend war ich erst wieder, als unsere Lehrerin sagte, dass diejenigen, die noch keinen Praktikumplatz hätten, sich langsam kümmern sollten. Daran hatte ich schon gar nicht mehr gedacht. Nun hatte ich also nur noch knappe vier Wochen, um etwas zu finden. Ich hatte ursprünglich vorgehabt ein Praktikum im Kindergarten zu machen, allerdings erschien es mir jetzt doch bei weitem praktischer, meine Mutter zu fragen, ob ich nicht in ihrer Abteilung für drei Wochen arbeiten könnte. Natürlich ganz ohne Hintergedanken! null
NICO
Vier Wochen später fing ich tatsächlich mein Praktikum auf Mutters Station an. Es war sehr interessant aber auch ziemlich anstrengend. Am ersten Tag hatte ich lauter Befehle von einem „Pfleger“ entgegengenommen, bis ich mitbekam, dass er Patient war. Das war schon ziemlich schräg, aber auch der einzige Zwischenfall bis dato. Die Patienten gewöhnten sich so langsam an mich, und meine Kolleginnen und Kollegen waren auch alle sehr nett. Die meisten kannte ich ja eh schon. Sie brachten mir viel bei und wir hatten trotz der vielen Arbeit eine Menge Spaß.
Sven hatte ich in den 4 Tagen, die ich nun schon hier war, überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, da er angeblich wieder irgendeinen Ausraster hatte und somit in seinem Zimmer bleiben musste. Und da durfte ich noch nicht rein. Sie mussten ihn wohl wirklich alle für einen äußerst schwierigen Fall halten. Die einzige, die halbwegs mit ihm klar kam, war meine Mutter, und ich war überzeugt davon, dass ich es auch schaffen würde. Immerhin hatte ich mich schon mal ganz normal mit ihm unterhalten. Obwohl… wenn ich so an den Pfleger vom ersten Tag hier dachte, der schien auch ganz normal zu sein!
NICO
Zwei Tage später war es dann soweit. Ich sah Sven wieder! Wir saßen gerade beim Essen im Gruppenraum, so eine Art kleine Mensa, wo wiederum an Gruppentischen gegessen, gespielt und sich die Zeit vertrieben wurde. An jedem Gruppentisch saß ein Pfleger (bzw. Praktikant), um den Kontakt zwischen Patienten und Personal ein wenig lockerer zu gestalten und Zugang zu den Patienten zu bekommen, die sonstwo mit ihren Gedanken waren, nur nicht hier.
Sven sah äußerst schlecht aus. Irgendwie total abgekämpft, aber er hatte ja auch einiges an Beruhigungsspritzen bekommen in der letzten Woche. Wer weiß, wie lange die Nachwirkungen von den Dingern anhielten. Er guckte kurz in die Runde, erkannte mich, stutzte, kam dann an unseren Tisch und setzte sich neben mich.
„Was machst du denn hier?“
„Praktikum seit einer knappen Woche.“
„Gab es nichts Besseres?“
„Bestimmt. Aber ich wollte gerne hierher und es hat geklappt.“
Sven nickte und schwieg. Er tat sich seine Suppe auf und lächelte vor sich hin. Während des Essens musste ich irgendwie immer wieder mal einen Blick auf ihn werfen. Ich konnte einfach nicht anders, weil er echt zu süß aussah. Ich hoffte, dass er nichts davon mitbekam.
„Nun, mittlerweile dürftest du ja wissen wer ich bin. Hast ja bei unserem ersten Treffen keinen Hehl daraus gemacht, dass du mich gerne mal in Augenschein genommen hättest.“
Ich hustete. „Versteh das jetzt bloß nicht falsch. Ich wollte nicht, also ich meine ich…“
„Schon gut, krieg dich wieder ein!“ Er lachte. Wahnsinn! was für ein Lachen! „Ist doch kein Problem. Konnte ich dir mit Mathe helfen?“
„Was wie? Ach so äh ja. Das war echt nett von dir. Bin tatsächlich dran gekommen. Die war vielleicht baff, dass ich die Ergebnisse hatte und noch dazu die richtigen!“
„Schön, das war meine Absicht. Jaja es ist schon nicht so einfach mit den Lehrern…!“
Nach dieser Konversation schwiegen wir und löffelten weiter unsere Suppe. Dass die anderen Mitarbeiter Sven und mich die ganze Zeit mit offenen Mündern beobachtet hatten, bekam ich erst mit, als Maike mich später darauf ansprach. Ich war wohl der Erste, mit dem Sven richtig vernünftig und in ruhigem Ton geredet hatte. Selbst bei meiner Mutter würde er nur das Nötigste sprechen, erzählte sie.
SVEN
Nach dem Mittagessen war ich wieder auf mein Zimmer gegangen. Ich wollte ein bisschen meine Ruhe haben und nachdenken. Dieser Nico gefiel mir echt gut. OK er war, wie es schien, ziemlich neugierig, wer konnte es ihm verübeln, aber er schien auch vorurteilsfrei zu sein und das war echt selten. Diese Augen waren der Wahnsinn! Beim Mittag musste ich die ganze Zeit vor mich hin grinsen. Hauptsache er dachte jetzt nicht, dass ich echt einen an der Waffel hatte. Ich seufzte und im selben Moment klopfte es an die Tür. Man muss dazu sagen, dass normalerweise nie jemand anklopft.
„Ja bitte!?“
Nico streckte den Kopf durch die Tür.
„Hallo, kann ich rein kommen?“
„Tust du doch schon.“ Oh Mann, ich grinste schon wieder.
„Ich soll dir die Tablette hier bringen.“
„Was denn, und da schicken sie dich?“ Jetzt war ich aber wirklich äußerst platt.
„Naja, ich hab halt gefragt, ob ich’s machen darf. So überzeugt war Maike davon wohl nicht.“
„Kann ich mir denken.“ Ich nahm die Tablette und schluckte sie ausnahmsweise ohne Protest.
„Widerliches Zeug!“ Ich schüttelte mich.
„Du Sven, äh…“
„Sprich dich aus.“
„…darf ich dich mal was fragen. Also was Persönliches?“ Wie süß, Nico wurde tatsächlich rot!
„Du willst wissen, wieso ich das gemacht habe, weswegen ich hier bin!?“
„Ja.“ Er sah echt niedlich aus, wie er so verlegen auf seine Schuhspitzen starrte.
Ich überlegte kurz und erzählte ihm dann genau das, worüber ich mir an dem Tag, als ich Nico kennen gelernt hatte, Gedanken gemacht hatte. Als ich geendet hatte, fragte er, warum ich meinte, einen Grund dafür gehabt zu haben.
„Ich wurde von allen Seiten nur noch niedergemacht. Ich habe in kürzester Zeit all die Leute verloren, die mir am Meisten bedeuteten, und das nur, weil ich schwul bin.“
„Wie jetzt?“ Er war sichtlich verunsichert, als er da so vor mir stand.
„Setz dich erst mal hin ich erklär es dir.“ Er setzte sich mir gegenüber auf meinen Suhl. Ich saß auf dem Bett und schaute ihm direkt in die Augen, um seine Reaktion zu sehen.
„Also, meine alte Schule ist nur für Katholiken und eine sehr strenge noch dazu. Ich habe eigentlich recht viele Freunde gehabt, dachte ich zumindest, und war beliebt. Irgendwann habe ich meinem besten Freund erzählt, dass ich schwul bin und mich in ihn verliebt hab, weil ich es anders nicht mehr ausgehalten habe. Naja er ging einfach weg, ohne einen Ton zu sagen. Als ich am nächsten Tag in die Schule kam, hatte er einen Zettel ans schwarze Brett gehängt und erzählte dazu noch überall rum, ich wäre ihm an die Wäsche gegangen. Niemand hat mir geglaubt. Selbst die Lehrer haben mich seit dem wie ein Stück Mist behandelt. Zu allem Überfluss hat mein ehemals bester Freund es auch noch meinen Eltern gesteckt, und die waren nicht sehr begeistert, kann ich dir sagen. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Es verging nicht ein Tag, an dem ich nicht verprügelt oder beschimpft oder angespuckt wurde.“
Nico starrte mich nur entsetzt an, also redete ich weiter.
„Ich bin nach ein paar Wochen in so ein Jugendzentrum für junge Homosexuelle gegangen, um Gleichgesinnte kennen zu lernen und mir Rat zu holen, aber als ich dann dort war, hat mich der Mut verlassen und ich habe nichts von meinen Problemen erzählt, weil mir alle so glücklich schienen. Dort war ich ein paar Mal und das letzte Mal, als ich dort war, hatte ich auch einen echt netten Jungen kennen gelernt, aber zu einem weiteren Treffen kam es nicht. Eine Woche später passierte das in der Schule.“
„Wie können die so was machen, nur weil du schwul bist?“ Nico starrte mich immer noch entsetzt an.
„Ach Nico, ich weiß es doch auch nicht.“
„Und du glaubst, dass du deswegen vielleicht in der Klasse…“
„Nico, ich weiß es nicht! Ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß, dass es der Grund dafür war, falls ich es getan habe, aber dass es die Tat keinesfalls rechtfertigt.“
„Das denke ich auch.“ Nico flüsterte schon fast. „Weißt du, ich werde nicht so reagieren wie die anderen. Ich find nicht schlimm, dass du schwul bist. Im Gegenteil, und ich danke dir, dass du mir das erzählt hast.“
Er stand auf, kam zu mir und nahm mich tatsächlich in den Arm. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Ich grub meinen Kopf in seine Schulter, legte die Arme um seinen Hals und fing an zu weinen. Schon lange hatte mich niemand mehr so in den Arm genommen – eigentlich noch nie! Nach ein paar unendlich schönen Sekunden gab Nico mir einen Kuss auf die Wange, ließ mich los und ging.
NICO
Ich musste unbedingt aus diesem Zimmer raus, und kaum war ich draußen, wollte ich auch schon wieder rein. Mir schlackerten ganz schön die Beine. Ich war vollkommen durch den Wind und das alles, weil Sven tatsächlich schwul war, und wegen der Umarmung gerade eben. Ich wunderte mich über mich selbst. Normalerweise hätte ich nie den Mut aufgebracht, einfach so jemanden zu umarmen und dann auch noch einen Jungen. Als ich Sven allerdings da so sitzen sah, konnte ich einfach nicht anders.
Jedenfalls war ich spätestens jetzt bis aufs Äußerste verliebt. Ich wusste zwar nach wie vor nicht, ob Sven wirklich die Tat begangen hatte, für die er hier war, aber ich war mir zumindest sicher, dass er sie sehr bereute, falls er es war.
»Was mir wirklich Sorgen macht ist, dass meine Mutter wohl kaum begeistert wäre, wenn sie mitkriegt, dass ich mich in Sven verknallt hab.«
»Wie bitte?«
»Oh… ähm nichts, ich hab nur mit mir selbst gesprochen.«
Hatte ich doch tatsächlich Maike übersehen.
»Hat mit Sven alles geklappt?«
»Klar.«
»Wie klar? Er hat die Tablette genommen, ohne zu murren?«
Ich nickte.
»Da bin ich aber platt! Eigentlich macht er jedes Mal einen riesen Aufstand. Ich würde sagen, dann darfst du ab heute den Part übernehmen.«
Ich nickte noch einmal und grinste bis über beide Ohren.
SVEN
Er hatte mich tatsächlich auf die Wange geküsst! Ich stand immer noch so da, wie Nico mich zurück gelassen hatte und konnte es einfach nicht glauben. War er jetzt auch schwul, oder war es nur eine nette Geste? Nein. Jungen, die auf Mädchen standen, würden kaum einen Schwulen in den Arm nehmen und dann auch noch auf die Wange küssen, oder doch? Ich setzte mich zurück auf mein Bett und beschloss, mich, zumindest für die Zeit, in der Nico sein Praktikum hier machte, besser zu benehmen und nicht bei jeder Kleinigkeit auszurasten. Immerhin war so die Chance größer, ihn öfter zu sehen und das wollte ich definitiv.
Nach einer weiteren halben Stunde Grübelei über Nico ging ich in den Gruppenraum, um mich ein bisschen abzulenken. Das klappte jedoch nicht ganz so gut, weil Nico zu meiner Überraschung auch dort war und mit einem Patienten »Mensch ärgere dich nicht« spielte. Ich setzte mich dazu.
»Also so ein Praktikum will ich auch mal haben. Einfach in der Gegend rumhängen und spielen. Hast du nichts zu tun?«
Ich grinste ihn an und er zurück.
»Maike meint, ich habe mir eine kreative Pause verdient und wenn du nicht brav bist, lass ich dich zur Strafe nicht mitspielen, also überleg dir genau, was du jetzt noch sagst.«
»Ich bin schon ruhig.«
Nachdem unser Spielgefährte zum dritten Mal hintereinander verloren hatte, fegte er das Brett vom Tisch. Somit war das Spiel beendet.
»OK. Ich hatte eh keine Lust mehr«, sagte Nico und lachte.
»Och, ich hätte noch Stunden weiterspielen können.«
Ich sah mich im Gruppenraum um, damit ich Nico nicht wieder anstarren musste. Das hatte ich nämlich beim Spiel zu Genüge getan. Er stand auf und bückte sich, um das Spiel einzusammeln. Ich ging ebenfalls vor dem Tisch auf die Knie, um ihm zu helfen, und gerade als ich nach einem Männchen des Spiels greifen wollte, tat er das gleiche und unsere Hände berührten sich. Ich sah ihn an, Nico schaute zurück und lächelte. Er musste einfach auch schwul sein!
»Nico kannst du bitte mal kommen und mir hier helfen?«
Super! Manche Pfleger hatten es echt drauf, in den unglücklichsten Momenten dazwischen zu funken.
»Geh nur, ich mach das schon«, sagte ich zu Nico und schon war er verschwunden. Ich sammelte das Spiel zu Ende auf, stellte es wieder in den Schrank und ging zurück auf mein Zimmer.
NICO
Die nächsten paar Tage habe ich immer mal wieder mit Sven gesprochen und ihm auch seine Medikamente gegeben, sofern er welche benötigte. Laut meiner Mutter war er »seltsamerweise« viel ausgeglichener als sonst und erlaubte sich keine Ausraster mehr. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass das mit mir zusammenhängen könnte, ohne eingebildet klingen zu wollen. Ich fuhr sogar am Wochenende mit auf die Arbeit, sofern meine Mutter Dienst hatte. Die Arbeit machte mir wirklich großen Spaß und außerdem war mit mir nichts anzufangen, wenn ich Sven mal einen Tag nicht gesehen hatte.
Als die letzte Praktikumswoche angebrochen war, ging ich wieder zu Sven ins Zimmer und guckte, wie es ihm ging. Er stand am Fenster und starrte hinaus.
»Hey, alles ok?”
»Schon, aber ich würde dich gerne mal was fragen. Ich weiß nur nicht wie.«
»Versuch es doch einfach gerade heraus.«
Ich lehnte mich an die Wand und sah Sven an, der etwas mit sich zu kämpfen schien.
»Gut, also ich möchte wissen ob… naja… also ob du schwul bist? Weißt du, ich mag dich sehr. Vielleicht sogar zu sehr.«
Wenn ich mit allem gerechnet hätte, aber damit definitiv nicht!
»Ja.«
»Wie ja?«
Sven drehte sich um und sah mich an.
»Ja, ich bin schwul… und mittlerweile wahrscheinlich knallrot im Gesicht.«
»Steht dir aber gut.«
Sven lächelte mich an, kam auf mich zu und stand dann genau vor mir, keine 20 cm entfernt.
»Und… magst du mich?«, flüsterte er und kam meinem Gesicht dabei mit seinem immer näher.
»Nein, ich… ich liebe dich!«
»Ich liebe dich auch!«
Er küsste mich. Ganz vorsichtig und langsam. Er hatte wahnsinnig weiche Lippen, und als er sie öffnete und mit seiner Zunge meine berührte, glaubte ich fast zu explodieren. Ich war mein ganzes Leben lang noch nie so erregt gewesen. Sven nahm mich in den Arm und drückte mich an sich. Ich spürte, dass auch er ziemlich erregt war.
SVEN
Seit ich Nico das erste Mal geküsst hatte, schwebte ich eigentlich nur noch durch die Gegend. Ich erkannte mich fast selbst nicht wieder. Er war einfach wunderbar und versuchte so viel Zeit wie möglich mit mir zu verbringen, ohne dass es großartig auffiel. Wir trafen uns im Gruppenraum, wo wir redeten oder mit anderen Spiele spielten, oder er kam in mein Zimmer, wo wir dann wenigstens ein paar Minuten ungestört waren.
Wir trauten uns jedoch nicht mehr, als uns zu küssen. Ab und zu schob ich meine Hände unter Nicos T-Shirt und streichelte seine Brust, den Rücken oder seinen Bauch. Allein das brachte mich schon jedes Mal fast um den Verstand. Nico schien es aber ähnlich zu gehen. Als ich ihm einmal an einer bestimmten Stelle über die Hose streichelte und leicht zudrückte, hatte er gestöhnt und schnell meine Hand weg geschoben, damit es kein Missgeschick gab. Seitdem durfte ich nur noch seinen Hintern durch die Hose streicheln, wobei ich das nicht weniger geil fand. Zumal ich mich, da ich ja vorne nicht mehr ran durfte, immer ziemlich an ihn presste, so dass er mich auf jeden Fall spüren musste.
Das Schlimme an der ganzen Sache war, dass die Zeit so schell rum ging. Nicos Praktikum neigte sich langsam dem Ende und seine Mutter wollte nicht, dass er neben der Schule noch weiter hier arbeitete. Sie hatte Angst, dass seine Noten darunter leiden würden.
»Nur noch heute und morgen…«
»Sven, wenn du hier sitzt und Trübsal bläst, hilft uns das auch nicht weiter. Freu dich doch, dass wir die 2 Tage noch haben.«
»Es sind nicht mehr ganz zwei Tage!«
»Ja, ist richtig, aber ich werde dich besuchen kommen. Ich verspreche es dir.«
»Bist du sicher, dass deine Mutter das erlaubt?«
»Bestimmt. Sie muss es einfach erlauben, und wenn nicht, werde ich ja auf jeden Fall wieder in den Ferien hier arbeiten. Das steht schon fest.«
»Die Ferien sind noch voll lange hin. Bis dahin hast du mich bestimmt längst vergessen.«
»Sven, jetzt hör auf so einen Blödsinn zu reden. Küss mich lieber.«
Natürlich tat ich es und wie! Ein Wunder, dass er überhaupt noch Luft bekam. Gerade in diesem Moment flog die Tür auf und Nicos Mutter kam herein.
NICO
»Mama ich…«
»Darüber reden wir später Nico. Keine Zeit jetzt. Sven rück deine Klamotten zurecht und dann komm mit. Da möchte dich jemand sprechen.«
»Wer denn?«
Er steckte sich das Hemd in die Hose und sah ziemlich verwirrt aus.
»Das wirst du gleich sehen, also los.«
»Kann Nico bitte mitkommen?«
»Von mir aus.«
Meine Mutter führte uns in ihr Büro, wo zwei Männer bereits an ihrem Besprechungstisch Platz genommen hatten.
»So die Herren. Dieser junge Mann hier ist Sven und der andere Herr ist Pfleger bei uns auf Station. Sven hat ihn gebeten, bei dem Gespräch dabei zu sein«, sagte meine Mutter.
Sie und Sven nahmen am Tisch platz und auch ich setzte mich neben meinen Freund.
»Nun gut. Sven, mein Name ist Kommissar Ansbach und das ist mein Kollege, Herr Mattes. Sie kennen einen Benjamin Degenhard?«
»Ja, natürlich! Er ging in meine frühere Klasse. Wieso?«
Ich merkte, dass Sven ziemlich unsicher war. Er fühlte sich nicht wohl in seiner Haut und es sah aus, als hätte er Angst.
»Er wurde damals bei der Schießerei in der Schule schwer verletzt und ist vor drei Tagen aus dem Koma erwacht. Er hat Angaben zum Tathergang gemacht, die eindeutig belegen, dass Sie nicht der Täter sind.«
Sven starrte ihn an und war kreidebleich. Ich hatte echt Angst, dass er mir jeden Moment umkippte.
»Können Sie das bitte genauer erklären, Herr Ansbach«, mischte ich mich in das Gespräch ein.
»Natürlich. Benjamin hat ausgesagt, dass nicht Sven geschossen hat, sondern ein Junge mit dem Namen Mike Peters. Da Benjamin bis vor Kurzem im Koma lag und Sie, Sven, sich nicht an den Tathergang erinnern konnten, mussten wir davon ausgehen, dass Mike Peters Aussage korrekt war und Sie der Täter waren. Es gab keine weiteren Zeugen, da die Meisten das Klassenzimmer schon verlassen hatten und alle, die noch dort waren, sind leider an den Schussverletzungen gestorben. Wie auch immer. Wir haben Herrn Peters bereits festgenommen und er hat gestanden, die Tat begangen zu haben.«
»Es waren meine Fingerabdrücke auf der Waffe… «, flüsterte Sven.
»Das ist richtig. Der Täter hat die Waffe abgewischt und Ihnen in die Hand gelegt.«
Sven fing an zu weinen und ich nahm ihn in den Arm.
»Das heißt, er kann jetzt sofort hier raus?«
Ich sah Herrn Ansbach an.
»Ja, die entsprechende Verfügung habe ich bereits mitgebracht. Sobald Frau Groger den Papierkram erledigt hat, kann er gehen.«
»Ich weiß doch gar nicht, wo ich hin soll«, schluchzte Sven, »ich habe kein Zuhause mehr.«
»Du kommst erst mal mit zu uns und dann sehen wir weiter«, sagte meine Mutter. »Ich werde die Papiere für die Entlassung bis morgen fertig machen.«
SVEN
Nach diesem Gespräch ging ich wieder auf mein Zimmer und setzte mich aufs Bett. Mir war ziemlich elend zumute. Sicher war ich froh, dass ich die Tat nicht begangen hatte und auch, dass ich aus der Psychiatrie rauskam. Allerdings hatte ich auch das erste Mal, seit ich weggesperrt wurde, eine richtige scheiß Angst.
»Hey, ist doch Spitze. Du bist unschuldig und kommst hier raus. Dann können wir uns immer sehen.«
Ich reagierte nicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar nicht realisiert, dass Nico mir gefolgt war.
»Sven? Was ist denn, alles in Ordnung?«
»Ja, ich muss das nur erst mal auf die Reihe kriegen. Ich wusste bis jetzt überhaupt nicht, was da passiert ist, und jetzt… das ist einfach alles ein bisschen viel gerade. Ich habe doch niemanden mehr außer dir und es ist eine fremde Stadt. Ich kenne mich hier gar nicht aus und… ich hab Angst, dass ich das nicht schaffe.«
»Sven, ich verstehe, dass du Angst hast, aber du schaffst das schon und ich helfe dir dabei. Du hast meine Mutter doch gehört. Du kannst erst einmal mit zu uns kommen und dann finden wir schon eine Lösung für alle Probleme.«
Er nahm mich in den Arm und flüsterte mir beruhigende Worte zu. Ich war sehr froh, ihn jetzt bei mir zu haben und das nicht alleine durchstehen zu müssen.
Irgendwann muss ich vor Erschöpfung eingeschlafen sein. Als ich wieder aufwachte und aus dem Fenster sah, war es Nacht und nur die Lichter der Laternen schienen in der Dunkelheit. Nico war nicht mehr da. Ich knipste meine Nachttischlampe an. Die Zeiger meiner Uhr standen auf 4 Uhr. Ich blieb noch eine Stunde liegen und ließ den vergangenen Tag revue passieren.
Als ich sicher war, nicht mehr schlafen zu können, stand ich auf und zog mich an. Danach fing ich an, meine wenigen Habseligkeiten, die ich damals von zu Hause mitgenommen hatte, zusammen zu packen. Anschließend zog ich das Bettzeug ab und legte das benutzte Laken sowie den Bettbezug an der Tür bereit zur Wäsche. So hätten die Pfleger weniger Arbeit. Inzwischen war es 6:00 Uhr und ich hörte das Pflegepersonal draußen auf dem Gang. Ich beschloss, in den Gruppenraum zu gehen und auf das Frühstück zu warten.
SVEN
Ich war gerade fertig damit, wenigstens ein bisschen Frühstück runter zu würgen, als Nico auf mich zugestürmt kam.
»Morgen mein Schatz. Weißt du was? Deine Papiere sind schon fertig. Sowie du fertig gefrühstückt und deine Sachen gepackt hast, können wir eigentlich los.«
»Wie, los?«
»Na, du wirst doch heute entlassen und wenn du fertig bist, können wir gleich los.«
»Ja ich hab dich schon verstanden, aber du musst doch noch arbeiten bis heute Nachmittag?«
»Nö. Ich habe frei bekommen. Also los, lass uns Sachen packen.«
»Hab ich schon.«
»Umso besser.«
Wir gingen zusammen in mein Zimmer, holten meine Sachen und betraten kurze Zeit später Frau Grogers Büro.
»Da seid ihr ja schon. Wir können gleich los. Unterschreib hier bitte einmal Sven, dann könnt ihr schon mal zum Wagen vorgehen.«
Ich unterschrieb und Nicos Mutter schloss uns die Tür auf, die von der geschlossenen zur offenen Psychiatrie führte. Wir gingen die langen Gänge entlang auf den Ausgang zu und ich wurde immer nervöser.
»Schatz, es ist alles in Ordnung. Ich bin bei dir. Es kann nichts passieren.«
Nico nahm meine Hand, drückte sie und zog mich hinter sich her, geradewegs durch die Tür hinaus ins Freie. Das erste Mal seit Langem konnte ich die Natur ohne Gitterstäbe vor mir sehen und mich frei in ihr bewegen. Ich hatte nie bemerkt, wie schön die Anlage der Klinik eigentlich war. Es gab einen großen Park mit vielen Bänken und einem See in der Mitte.
»Nico es ist… fantastisch!«
»Das ist es!«
Er nahm mich in den Arm und küsste mich. Hinter uns räusperte sich jemand: Nicos Mutter.
»Weit seid ihr ja noch nicht gekommen. Das Auto steht da vorne.«
Sie ging voran in Richtung Wagen und wir folgten ihr, beide knallrot im Gesicht. Wir verstauten meine Sachen im Kofferraum und dann ging es los.
Die Fahrt durch die Stadt dauerte keine 10 Minuten und doch war sie ungeheuer spannend und aufregend für mich. Ich genoss es zu sehen, wie sie langsam zum Leben erwachte.
NICO
Sven war doch ziemlich nervös, als wir in unsere Auffahrt einbogen und aus dem Auto stiegen. Ich nahm ihn wieder bei der Hand, aber Sven liess sie los.
»Es ist in Ordnung Sven. Sie wissen beide Bescheid. Sie haben kein Problem damit.«
Das stimmte wirklich. Meine Mutter hatte mir am vorherigen Abend gesagt, dass sie und mein Vater schon seit Längerem angenommen hatten, dass ich schwul bin. Wir hatten ein langes Gespräch, auch was die Sache mit Sven betraf. Er würde erst einmal bleiben können, damit er Hilfe hatte und sich an alles wieder in Ruhe gewöhnen konnte. Anschließend wollten wir weiter sehen.
»Hallo, du musst Sven sein. Habe schon ´ne Menge Gutes und Schlechtes von dir gehört.«
»Mann Papa! Er macht gerne Witze, weißt du.«
Sven sah mich kläglich lächelnd an.
»Sorry, sollte wirklich nur ein Scherz sein. Tja, dann willkommen im Hause Groger, Sven.«
»Vielen Dank. Es ist wirklich sehr nett, dass ich zu Ihnen kommen darf.«
»Ist doch selbstverständlich. Andernfalls hätte Nico wohl auch nie wieder in Wort mit uns gesprochen… kleiner Scherz. Also komm rein, Nico kann dir gleich sein Zimmer zeigen.«
Das tat ich dann auch und Sven sah sich sehr gründlich um.
»Schön hast du´s hier.«
»Du meinst schön haben wir es hier.«
Ich zog Sven an mich und wir versanken in einem langen Kuss.
»Bist du glücklich Sven?«
»Oh ja Nico, das bin ich wirklich.«
Ich küsste Sven auf die Stirn, leckte ihm über die Lippen und knabberte an seinem Ohrläppchen. Wir zogen uns langsam gegenseitig aus, meine Hände bahnten sich einen Weg über seinen nackten Körper und ich wusste jetzt sollte es passieren. Ich wollte und konnte nicht mehr länger warten und ich wusste, dass es Sven genauso ging…
Ende

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