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Information Der Engel
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:05 AM - No Replies

Müde stehe ich an dem großen Holztisch. Ich schiebe die verstreuten Mappen über die glatte Oberfläche wieder zu einem Stapel aufeinander.
Jede einzelne Mappe ist mit einem Namen, einem Alter und einer Jahreszahl versehen.
Von mir handgeschrieben.
Ein Vor- und ein Nachname.
Einige haben auch zwei Vornamen oder Nachnamen oder Doppelnamen.
So wie es in der jeweiligen Zeit Mode war.
Von den Zahlen, die das Alter angeben, ist keine größer als fünfzehn; und die meisten nicht einmal zweistellig.
Dreiundsiebzig Umschläge haben sich in den letzten achtundzwanzig Jahren angesammelt.
Wenn mir davor jemand gesagt hätte wie ich mein Leben verbringen werde, ich hätte ihn für verrückt erklärt.
Wie so vieles im Leben war auch dies keine bewusste Entscheidung. Ich bin irgendwie in meine Lebensaufgabe hereingestolpert.
Doch ich hätte vorher auch nie gedacht, dass ich die Kraft dafür aufbringen würde.
Alles fing mit einem relativ harmlosen Auffahrunfall meiner Mutter an. Um sicher zu gehen, dass ihr auch wirklich nichts passiert war, wurde sie im Städtischen Klinikum untersucht. Ich saß in einem kleinen Aufenthaltsraum und wartete auf das Ende der Untersuchung.
Neben mir, auf den unbequemen Stühlen mit buntem Bezug, saß noch ein älterer Herr in einem Morgenmantel, der die Zeitschriften durchblätterte.
Eine junge Familie war am anderen Ende beschäftigt. Ein sechsjähriges Mädchen in einem bunten Schlafanzug mit Comicmotiv auf der Vorderseite und dessen Eltern, beide grade einmal Mitte zwanzig.
Nicht Älter als ich damals.
Sie redeten, spielten zusammen mit den Bauklötzen und lachten.
Bis zu dem Zeitpunkt, als das Kind von einer Schwester zur Untersuchung abgeholt wurde.
Die Kleine lachte weiter und erzählte der ganz in weiß gekleideten Frau was sie grade am bauen waren.
Doch die Eltern brachen zusammen, sobald sie das Zimmer verlassen und sich die Türe hinter ihr geschlossen hatte. Die junge Frau konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Mann versuchte sie zu trösten, war aber eigentlich genauso hilflos.
Der alte Mann mit der Zeitschrift, schien sich durch den Gefühlsausbruch der Beiden eher gestört zu fühlen, als irgendwie Mitleid zu haben und verließ schnell den Aufenthaltsraum.
Ich dagegen setzte mich mit meinen grade einmal fünfundzwanzig Jahren zu ihnen.
Ich erfuhr, dass ihre Tochter Michaela hieß, eigentlich grade eingeschult werden sollte und Leukämie hatte.
Ich gab ihnen an diesem Nachmittag ein bisschen Kraft.
Mehr konnte ich nicht tun.
Doch am nächsten Tag war ich wieder im Krankenhaus.
Ich fragte nach Michaela und wurde auch ohne größere Fragen zu ihr gelassen. Ich redete lange mit ihr, spielte mit ihr und malte mit ihr.
Ich kam auch am darauf folgenden Tag wieder.
Das schlimmste, fand sie, war an ihrer Krankheit, dass Mama und Papa immer so traurig waren.
Michaela malte mir ein Bild, wie sie auf einer Wiese mit einem Hund spielte.
„Das ist auf dem Bauernhof von meinem Opa“, erklärte sie mir.
Zwölf Tage später war Michaela tot.
Sie hatte den Kampf hinter sich; und auch das Leiden.
Michaela schenkte mir das erste Bild.
Heute sind es dreiundsiebzig.
Alle liegen normalerweise in einer Mappe, mit dem Namen des Kindes beschriftet.
Meist sehe ich sie mir nicht an. Ich weiß auch noch so wie jedes Kind hieß, was es gemalt hat und auch woran es gestorben ist.
Ich schiebe die Mappen weiter auf einen Haufen.
Die nächsten Wochen sind sie ohnehin ohne Inhalt.
Unter der untersten Mappe kommt ein brauner, unbeschrifteter Umschlag zum Vorschein. Irgendwie muss er aus der Mappe gefallen sein. Meine Hand zittert als ihn nehme und wieder in den Umschlag mit der Aufschrift Tobias Werner schiebe.
Seit siebzehn Jahren habe ich diesen Umschlag nicht mehr geöffnet.
Und auch jetzt tue ich es nicht.
„Hallo mein Engel“, werde ich von hinten begrüßt. Ron legt seine Hände um mich und gibt mir einen Kuss auf die Wange. „Alles fertig für morgen?“
„Ja, ich denk schon. Alle Bilder hängen“, antworte ich.
„Dann lass uns los. Morgen wir ein anstrengender Tag.“
Bestimmt zieht mich Ron zum Ausgang, einige Leute sind noch mit dem reinigen der Böden beschäftigt als wir die Ausstellungsräume des Rathauses verlassen.
Am nächsten Morgen gehe ich gemeinsam mit Ron wieder zum Rathaus.
Er lächelt mir aufmunternd zu als wir davor stehen. Eigentlich mag ich diese Aufmerksamkeit nicht. Doch wenn man über Jahre hinweg Kinder in ihren letzten Wochen begleitet hat, wird irgendwann jemand darauf aufmerksam. Dann gibt es Ehrungen, Reden und eine Publicity, die ich nicht haben will.
Dafür habe ich es nie gemacht.
Vor dem Rathaus stehen auch die zwei Sanitätswagen, auf die die Verwaltung bestanden hat. Es weiß zwar niemand ob sie nötig sein werden. Aber sie gehen davon aus, dass in einer Bilderausstellung von verstorbenen Kindern die Gefühle ziemlich hoch kochen können.
Ob einer der Angehörigen anwesend sein wird ist ebenso unklar. Nach dem Tod ihrer Kinder habe ich zu keiner der Familien mehr Kontakt gehabt. Und wenn ich zufällig mal jemandem beim einkaufen begegne werde ich von vielen ignoriert.
Je nachdem wie lange es her ist.
Für die Eltern bin ich ein Begleiter des Todes, der sie immer an ihren Verlust erinnern wird.
Nervös betrete ich das Rathaus. Hinter mir folgt Ron.
Zu unserer Überraschung sind schon ziemlich viele Menschen anwesend. Sie laufen an den Wänden entlang und betrachten bereits die Bilder, auf der Suche nach dem ihres Kindes. Es sind viele Angehörige gekommen. Die meisten erkenne ich noch, auch wenn sie sich mit den Jahren doch verändert haben.
Die Bilder hängen dicht zusammen. In zwei Reihen übereinander. Für so viele Bilder war dieser Raum nie gedacht. Doch ich konnte und wollte keine Auswahl treffen. Es geht nicht um die Qualität des gemalten. Sondern darum, was die Kinder gemalt haben.
Das Leben.
Der Raum füllt sich immer mehr mit Menschen. Bis schließlich pünktlich um elf der Bürgermeister mit einer kleinen Rede beginnt. Ich höre kaum hin und bekomme nur etwas von „Zivilcourage“ und „Leistung für die Gemeinschaft“ mit. Das gleiche ist dann auch der Fall, als der Direktor einer örtlichen Bank, die die Ausstellung finanziert, ebenfalls noch einige Worte sagt.
Wenigstens konnte ich sie davon abhalten auch selbst etwas sagen zu müssen.
Nachdem beide Redner gesagt haben, was sie für nötig hielten, mache ich mich mit einem Glas Orangensaft auf den Weg durch die Menge.
Vor vielen Bildern stehen jetzt die Eltern und Angehörigen der kleinen Maler. Niemand von ihnen hat bisher das Bild des eigenen Kindes gesehen.
Etliche fahren andächtig mit ihren Fingern über die Bilder. Andere werden wieder von ihren Gefühlen überwältigt und fangen einfach an zu weinen. Manche schluchzen laut; andere leise auf einer die vielen Bänke die in dem Ausstellungsraum stehen.
Es kann wohl niemand wirklich überwinden wenn das eigene Kind vor einem stirbt; und dann auch noch so früh.
Auch meine Augen spüre ich feucht werden. Ich kann mit einem todkranken Kind lachen, den Eltern kraft geben; aber auf diese Masse an Gefühlen bin ich nicht vorbereitet.
Ich fühle mich zum ersten Mal Hilflos.
„Alles klar?“, fragt Ron und legt seine Hand auf meine Schulter. Er hat meine Unsicherheit bemerkt.
„Ja, geht schon“, bringe ich hervor und lächle ihn an.
„Ich bin stolz auf dich. Hab ich dir das schon gesagt?“
„Ja, jeden Tag! Und du bist der einzige, von dem mir das wirklich etwas bedeutet.“
„Du hast viel für diese Menschen getan; auch wenn die meisten das nicht sagen können.“
„Das muss auch niemand von ihnen.“
„Ich weiß, aber mach dich auch nicht kleiner als du bist. Ich selbst hätte nicht die Kraft gehabt auch nur eine dieser Familien zu begleiten.“
„Dafür hast du mir die Kraft gegeben.“
„Reiner Egoismus“, lacht Ron und gibt mir einen Kuss.
Aus den Augenwinkeln sehe ich eine Frau, ende vierzig, auf uns zukommen. Die meisten der Anderen nicken mir zwar zu und grüßen auch kurz. Aber eine längere Unterhaltung scheint für die Meisten bisher nicht in Frage zu kommen. Doch diese Frau läuft an allen Anderen vorbei, direkt auf mich zu.
Sie ist älter geworden und hat etwas mehr Rundungen bekommen. Aber immerhin habe ich sie auch zuletzt vor siebzehn Jahren gesehen.
„Guten Tag Frau Werner“, begrüße ich sie.
„Oh, bitte, sag Sibylle. Auch wenn es eigentlich nicht an mir liegt das „Du“ anzubieten. Aber du bist fast Teil unserer Familie. Wir reden auch heute noch oft darüber, was du für uns getan hast.“
„Oh, danke, das ehrt mich“, sage ich verlegen.
„Du bist viel zu bescheiden“, fährt sie mit einem Lächeln fort. „Du tust mehr als du glaubst. Du hast uns damals nicht nur geholfen mit Tobias Krankheit umzugehen. Im Endeffekt hast du auch uns und unsere Ehe gerettet.“
Erstaunt sehe ich Sibylle an.
„Wir beide waren nach Tobias Tod völlig am Ende. Wir hatten keinerlei Antrieb mehr irgendetwas zu machen. Morgens aufzustehen hat schon unsere ganze Kraft gekostet. Danach zur Arbeit zu gehen war fast unmöglich.
Jeder Tag war eine qual.
Bis uns eines Tages wieder die Bilder in die Hände fielen, die du mit Tobias gemalt hattest. Sie waren so bunt und voller Leben.
Und uns wurde klar, dass das genau das ist was Tobias wollte; leben. Und das hätte er auch von uns gewollt.“
Fasziniert höre ich ihr zu.
Ich habe mir nie überlegt, wie viele Auswirkungen mein Handeln wirklich hat. Ich sehe immer nur eine kleine Episode aus dem Leben der Menschen. Und diese ist geprägt von Verzweiflung und Hilflosigkeit. Meist war ich nicht einmal mehr zur Beerdigung anwesend. Dieser Augenblick ist für die Familie, zu der ich trotz allem nicht gehörte.
Auch wenn ich den Kindern nie für die Anerkennung geholfen habe. In diesem Augenblick tut es gut die Worte von Sibylle zu hören. Manchmal spürt man die Last, die man mit sich herumträgt erst wenn sie einem Abgenommen wurde.
„Danke“, ist alles was ich herausbringe.
Doch mehr ist auch nicht nötig.
Sibylle steht mir gegenüber, schaut mir in die Augen und lächelt.
„Hast du denn schon Tobias Bild entdeckt“, will ich von ihr wissen als dieser Moment vorbei ist.
„Noch nicht. Könnest du es mir zeigen?“, fragt sie, als sich ihr Mann, den ich auch wiedererkenne zu uns stellt.
„Da bist du ja, Markus wollte mir grade zeigen wo Tobias Bild hängt.“
Ich begrüße Klaus, ihren Mann und gucke mich dann kurz um wo das Bild ihres Sohnes hängen müsste.
Grade als ich es entdeckt habe tritt ein junger Mann, eigentlich noch ein Teenager von vielleicht fünfzehn Jahren zu uns. Die Ähnlichkeit mit seinen Eltern ist nicht zu übersehen.
„Hallo, du musst Felix sein“, rutscht es mir heraus. Erstaunt sieht mich die Familie und auch Ron, der noch bei uns steht, an.
„Äh… ja bin ich“, sagt Felix irritiert.
„Das ist unser zweiter Sohn. Er kam zwei Jahre nach Tobias Tod zu Welt. Aber woher kennst du ihn“, fragt Sibylle.
„Ähm.. ich habe den Namen wahrscheinlich mal irgendwo im Krankenhaus gehört“, lüge ich, weil ich an die Wahrheit nicht denken will. Um nicht weiter darauf eingehen zu müssen komme ich wieder auf das vorherige Thema zu sprechen. „Tobias Bild hängt da drüben.“
Ich gehe voraus, auf eines der bunten Bilder zu. Es hängt in der unteren Reihe und sticht ein wenig wegen der ungewöhnlichen Farben heraus.
Neben dem Glasrahmen hängt ein kleines Schild mit der Aufschrift „Tobias, 7 Jahre“.
Das Bild zeigt eine gelbe Wiese, bunte Eier liegen im Gras. Ein blauer Osterhase ist unter einem roten Baum zu sehen und ein kleines Kind sucht nach den Eiern.
Als Tobias das Bild malte war sein Körper schon von Metastasen durchzogen. Ein Tumor drückte auf einen Teil seines Gehirns und er hatte immer mal wieder Aussetzer.
Tobias hatte es ein paar Tage vor Ostern gemalt.
Die Ostereier konnte er selbst nicht mehr suchen.
„Das hat mein Bruder gemalt?“, höre ich Felix leise hinter mir und trete einen Schritt zur Seite.
Die drei stehen vor dem Bild. Ron und ich halten uns im Hintergrund.
Doch während die drei das Bild ansehen, merke ich, dass mir ein Teil des Gewichtes zwar vorhin von mir genommen wurde, doch ein anderes noch immer da ist.
Und es ist schwerer als jemals zuvor.
Ich gehe ein paar Schritte rückwärts, bis ich an eine der Bänke stoße und lasse mich müde darauf fallen.
„Ist alles in Ordnung?“, fragt mich Ron besorgt.
„Ja… oder… nein… ich weiß auch nicht…“, antworte ich unbestimmt.
„Markus?!“, Ron sieht mich eindringlich an. „Was ist los?“
Doch anstatt zu antworten schüttle ich nur leicht mit dem Kopf.
Ron hockt sich neben mich und atmet deutlich hörbar ein.
„Was ist in dem Umschlag?“
Ich zucke bei seiner Frage zusammen als hätte er mich geschlagen. Ich weiß sofort was er meint.
„Ein Bild“, sage ich wie in Trance.
„Rede darüber!“, fordert er mich auf. Doch noch immer wie in einer anderen Welt schüttle ich nur leicht den Kopf.
„Bitte!“, fordert er mich auf. „Ich mach mir sorgen. Du trägst doch noch etwas mit dir herum. Rede mit jemandem, wenn nicht mit mir, dann mit ihnen.“ Mit seinem Kopf deutet er zur Familie Werner.
„Vielleicht hast du Recht“, sage ich mit geschlossenen Augen. Ich öffne meine Augen wieder und schaue in die von Ron, die mich liebe- aber auch sorgenvoll ansehen.
Ich wende mich wieder der kleinen Familie zu.
„Sibylle?“, mache ich auf mich aufmerksam.
Sie dreht ihren Kopf zu mir und kommt dann auf mich zu.
„Ich war bei Tobias Bild nicht ganz ehrlich“, sage ich ihr. Felix kommt nun ebenfalls auf mich zu.
Erstaunt sieht Sibylle mich an. „Wieso?“
„Dies ist nicht das erste Bild, was Tobias mir gemalt hat. Ich habe ihn damals um ein zweites gebeten“, erkläre ich mit zittriger Stimme.
„Aber warum?“, in ihren Augen flackert kurz Misstrauen auf, aber auch Enttäuschung glaube ich zu sehen.
Bei allen anderen Kindern habe ich nach einem Bild gefragt und auch das erste, was sie mir gemalt haben behalten.
„Es ist schwer zu erklären. Kommt am besten mit, dann zeige ich es euch.“ Mit Rons hilfe stehe ich auf und gehe mit weichen Knien an den anderen Besuchern vorbei, in den angrenzenden Vorbereitungsraum. Ron ist noch immer an meiner Seite, Sibylle folgt mit ihrer Familie.
Aus dem Stapel der Mappen suche ich die mit der Aufschrift Tobias Werner heraus. Wieder mit zitternden Fingern ziehe ich den braunen Umschlag heraus und reiche ihn Sibylle.
„Der Umschlag ist seit siebzehn Jahren verschlossen. Das erste Bild ist darin“, erkläre ich.
Mit einem nicken deute ich ihr ihn aufzureißen.
Sibylle ist genauso nervös wie der Rest der Familie. Sie weiß nicht, was sie von der Situation halten soll.
Sibylle reißt das braune Papier auf und zieht vorsichtig ein bemaltes DIN-A3 Blatt heraus.
Auf dem Bild sind ein Mann mit einer Mütze, eine Frau im Kleid und ein blondes Kind zu sehen. Alle drei halten sich an den Händen. Über ihnen schwebt in gold, weiß und rot ein großer, geflügelter Engel der fast das ganze Blatt einnimmt.
„Ich versteh nicht ganz“, kommt es von Sibylle. „Er hat uns gemalt und einen Schutzengel. Warum wolltest du das nicht zeigen.“
Auf meinen Lippen zeigt sich ein kleines Lächeln. Ich weiß, dass es nicht wirklich auffällig ist; besonders wenn man weiß, was Tobias auf dem zweiten Bild für Farben verwendet hatte.
„Fällt dir nichts auf?“, frage ich trotzdem.
Ratlos sieht mich Sibylle an.
Ihr Mann genauso.
„So wie du gesagt hast ist es nicht ganz richtig“, sage ich mit dem Blick auf Felix.
„Tobias hatte braune Haare!“, sagt dieser fast schon erschrocken.
„Genau! Ich kann mich an jedes einzelne Wort erinnern das Tobias damals sagte“, fahre ich fort. Mit meinen Gedanken in der Vergangenheit vor siebzehn Jahren. Doch mein Blick liegt noch immer auf Felix und seinen blonden Haaren.
„Das sind meine Mama und mein Papa“, sagte Tobias damals und tippte mit seinen kleinen Fingern auf die entsprechenden Figuren.
„Und das hier“, damit zeigte er auf den kleinen Jungen in dem Bild, „ist mein kleiner Bruder.
Mama und Papa werden ihn später bekommen.
Er heißt Felix, damit er glücklich wird.
Ich kann nie mit Felix spielen oder ihm meine tollen Legos zeigen.
Aber das ist gar nicht so schlimm.
Denn ich bin dann der Engel.
Ich werde auf ihn aufpassen.
Und auf ihn warten.
Bis ich meinen kleinen Bruder irgendwann in den Arm nehmen kann.

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Information Death Kisses
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:05 AM - No Replies

Er war weg und ich saß immer noch am Tisch. Seinen Wohnungsschlüssel hatte er auf den Tisch gelegt, mich noch mal kurz angeschaut und gegangen. Für immer. Vor zwei Wochen sah noch alles anders aus.
Da hatte er mich zum Flughafen gebracht und sich mit den Worten verabschiedet, er würde mich immer lieben. Und nun, als ich von meiner langen Geschäftsreise zurück war, kam er mit einer neuen Liebe und dass er auszieht.
Fünf schöne, harmonische Jahre verpufften in einem Augenblick. Mir hallte das Geräusch der schließenden Wohnungstür immer noch nach. Es half nichts, denn es musste weiter gehen. Am Anfang dachte ich noch, eine Beziehung und mein Job würden sich nicht vertragen, aber er belehrte mich eines Besseren.
Meine Tarnung war nie aufgeflogen, für ihn war ich immer der Handelsvertreter, der oft auf Geschäftsreisen war. Für ihn war ich auch der Tollpatsch, der öfter mal mit kleinen Blessuren von den Reisen zurückkam.
Niemand wusste eigentlich wer ich wirklich war, außer meinen Arbeitgebern. Und weil ich im Verborgen arbeitete, würde das auch nie jemand herausfinden. Ich ging ins Schlafzimmer packen.
*-*-*
„Morgen Chris, schon da?“
„Ja Claire, ich habe eine Maschine früher genommen“, antwortete ich der Sekretärin meines Chefs.
„Der Alte hat dich erst gegen Mittag erwartet, aber ich versuche es trotzdem, ob er dich empfängt“, meinte sie und machte sich am Telefon zu schaffen.
Ich schritt langsam zum Fenster und schaute hinaus. Claire hatte ihr Gespräch beendet.
„Ist irgendwas Chris?“, fragte mich Claire besorgt.
Ich drehte mich zu ihr.
„John ist ausgezogen.“
„Wie, ausgezogen?“
„Er hat jemand anderen?“
„Bullshit.“
„Das kannst du laut sagen, aber ändern kann ich nichts daran. Hat er Zeit?“
Ich zeigte auf die Tür vom Chef.
„Ja du kannst rein, aber Vorsicht, er ist heute ungenießbar.“
„Danke Claire.“
Ich klopfte und trat ein. Hinter einem großen Schreibtisch saß ein kleiner, grauhaariger Mann mit Nickelbrille, den wir hier alle den >Alten< nannten.
„Chris, freut mich, dass sie es einrichten konnten, so früh zu erscheinen“, meinte er, aber sah mich dabei nicht an.“
„Und wo brennt es diesmal?“, fragte ich ihn und setzte mich in den Sessel, ihm gegenüber.
„Es scheint ruhig zu sein, alle kriminellen Elemente machen wohl Urlaub.“
„Urlaub, welch schöner Gedanke.“
„Kaffee?“
„Ja. Gerne.“
Der Alte drückte eine Taste an seinem Telefon.
„Claire, bringen sie uns doch bitte zwei Kaffee.“
„In Ordnung, Sir.“
Jetzt hob er den Kopf und sah mich an.
„Chris ich werde sie heute in Urlaub schicken.“
Dieser Satz verwirrte mich ein wenig, meine Stirn legte sich in Falten.
„Nein, nicht so wie sie denken. Ich brauche einen Mann in Vegas, da scheint sich was zusammen zubrauen“, meinte der Alte.
Es klopfte leise und Claire trat ein. Sie stellte jedem eine Tasse Kaffee hin und verschwand leise wieder.
„Seit geraumer Zeit verschwinden wichtige Unterlagen aus dem Pentagon, alle Versuche jemanden zu erwischen, sind bis jetzt fehlgeschlagen. Die einzigste Spur führt nach Vegas, dort tauchte eins der Papiere auf.“
„Und um was handelt sich es?“, fragte ich und nahm einen Schluck aus meiner Tasse.
„Um Strategien und Bekämpfungsmöglichkeiten gegen den Terrorismus.“
„Dass so etwas wie am elften September nicht noch einmal passiert?“
Ich wusste mein Ton war ein wenig sarkastisch, aber ich ärgerte mich darüber, wie die Geheimdienste sowenig miteinander arbeiteten, Informationen austauschten, sonst hätte man vielen Menschen das Leben retten können.
„Wir mischen uns da nicht ein Chris. CIA und FBI möchten das nicht.“
„Aber wenn ihre Papiere verloren gehen, sind wir gut genug!“
„Chris, so eine Meinung steht uns nicht zu. Unsere Abteilung ist viel zu klein, um sich gegen die Großen zu wehren.“
„Ich bleibe ganz ruhig“, meinte ich und stellte die Tasse ab.
„Wir haben sie im Caesars Palace untergebracht, hier sind ihre Informationen, guten Flug Mister Fielding.“
Er vertiefte sich wieder in seine Akten, so dass ich nur mit einem >Danke Sir< rüberkam. Ich verließ sein Zimmer und stand wieder vor Claire.
„Hier noch zwei Karten fürs Colosseum im Caesars Palace“, sagte sie und streckte mir ein Couvert entgegen.
„Zwei Karten?“, fragte ich verwundert.
„Man weiß ja nie“, kam es von ihr zurück.
Sie lächelte sanft und ich nahm das Couvert entgegen.
„Willst du gar nicht wissen was läuft?“
„Claireliebes, es läuft Celine Dion dort, dass weiß doch jeder.
Mit einem Lächeln auf ihrem Mund ließ ich sie im Büro zurück.
*-*-*
Ich hatte bereits eingecheckt und wartete, dass der Flieger langsam losrollte. Da neben mir der Platz frei war, konnte ich in Ruhe die Informationen lesen, die mir der Alte mitgegeben hatte. Eigentlich stand nichts Wissenswertes darin, nur das ich dort einen Verbindungsmann hatte und er sich bei mir meldete, wenn ich dort abstieg.
Der Inlandsflug verlief ruhig, und so hatte ich ein wenig Zeit ein Nickerchen zu machen. Ich hätte auch fast verschlafen, wenn die freundliche Saftschubse mich nicht freundlich auf die Schulter getippt hätte und mich aufforderte mich anzuschnallen.
Am Flughafen wurde ich bereits erwartet. Ein Chauffeur hob ein Schild mit >Mister Fielding< in die Höhe, ich lief auf ihn zu.
„Ich bin Mister Fielding“, sagte ich zu ihm.
„Guten Tag, Sir. Kann ich ihr Gepäck haben?“
Ich nickte ihm zu, überließ ihm bereitwillig meinen Gepäckwagen und folgte ihm. Er führte mich zu einer großen Limousine und öffnete die Tür. Nach dem er mein Gepäck verstaut hatte, fuhr er auch schon los.
Vom Mc Carren International Airport, war es nicht weit zum Caesars Palace. Vorbei am Excalibur, das mir eher wie eine Imitation von Walt Disneypark schien, fuhren wir den Strip entlang. Das Monte Carlo fiel mir sofort ins Auge.
Mit seiner mächtiggroßen Hausfront, wirkte es wie ein Schutzschild gegen die Sonne und war auch mit seinen fast über 3000 Zimmern eines der größeren Hotels. Ich warf noch einen kurzen Blick aufs Bellagio und schon kam auch das Caesars Palace in Sicht.
Mit seinen 2500 Zimmer war es zwar nicht ganz so groß, aber dafür eines der exklusivsten Hotel in Las Vegas. Ich freute mich immer darüber, wenn Claire mich so luxuriös unterbrachte. Ich dachte an Ben, plötzlich war der Gedanke da.
Hätte ich ihn einfach mal mitnehmen sollen? Irgendwie hätte ich das schon fertig gebracht, alles unter einen Hut zu bekommen. Hätte ich… hätte ich… es war aus und vorbei. Er war WEG.
Ich raufte mir durch die Haare und lief zielsicher auf die Rezeption zu, war ja nicht das erste Mal, dass ich hier abstieg.
„Guten Morgen Mister Fielding, schön sie mal wieder in unserem Hause willkommen zu heißen“, sagte der Portier.
„Es ist mir auch immer wieder eine Freude hier her zurückzukehren“, gab ich zurück.
Nach den üblichen Anmeldefloskeln, begleitete mich ein Page in mein Zimmer. Er öffnete meine Tür und gab mir meine Karte. Nachdem er meine Koffer auf dem Bett abgestellt hatte und von mir mit einem fürstlichen Trinkgeld belohnt wurde, verschwand er wieder schweigsam.
Ich entledigte mich erst mal meines Anzugs und ging ins Bad. Hier war wirklich Luxus pur angesagt, denn das komplette Bad war mit Marmor ausgekleidet. Ich machte die Dusche an. Das Telefon klingelte.
Murmelnd drehte ich die Dusche wieder ab. Nackt wie ich war lief ich zum Telefon.
„Fielding.“
„Rezeption, Mister Fielding. Hier unten steht ein junger Mann, der sagt, er hätte einen Termin mit ihnen“, hörte ich eine weibliche Stimme.
Ich nahm meine Taschenuhr und sah darauf.
„In zwanzig Minuten bin ich unten.“
„Ich werde es ausrichten, Mister Fielding.“
Ich legte auf und ging zurück in das Bad. Ob das mein Kontaktmann war, sonst wusste ja niemand, das ich in Vegas war. Ich ließ das heiße Wasser an meinen Körper herunterlaufen und schloss die Augen.
Plötzlich war wieder Ben in meinem Kopf. Irgendwie spürte ich seine Hände auf meinem Körper. Wie oft standen wir gemeinsam unter der Dusche, verwöhnten uns, oder hielten uns einfach im Arm und genossen den warmen Regen der von oben kam.
Ich verdrängte diesen Gedanken und wusch mich, denn ich wollte ja nicht zu spät nach unten kommen.
*-*-*
Frisch gestriegelt kam ich in die Empfangshalle. Ich hatte den schwarzen Anzug durch einen leichten Sommeranzug ersetzt. Die junge Dame an der Rezeption wies mir mit einem Fingerwink, auf einen jungen Mann der in einem, der großen Sessel saß.
Ich schaute mich ein wenig um, beobachtete andere Gäste am Empfang, während ich auf die Sessel zusteuerte.
„Fielding, sie wollten mich sprechen“, sagte ich, als ich den jungen Mann erreicht hatte.
Er sprang auf und reichte mir die Hand.
„Cross, Ben Cross“, sagte er mit leiser Stimme.
Ben, dass fehlte mir noch. Ich versuchte mir meine Gemütsfassung nicht anmerken zu lassen. Ich öffnete mein Jackett und setzte mich in den gegenüberliegenden Sessel.
„Also, sie wünschen?“, meinte ich und bereute sofort, einen etwas feindseligen Ton angeschlagen zu haben.
Er griff in seine Jacke und zog ein Ausweißmäppchen hervor, das er mir reichte. Ich nahm es entgegen und schaute hinein.
„Etwas unvorsichtig, Mister Cross, sie scheinen noch nicht lange dabei zu sein.“, sagte ich und gab ihm seinen Ausweiß zurück.
„Wieso?“, fragte er mich verwundert.
„Hier hätte jeder…“, ich wurde von einem Kellner unterbrochen, der an unseren kleinen Tisch trat.
„Möchten die Herren etwas trinken?“, fragte er freundlich.
Ich überlegte kurz.
„Champagner?“, fragte ich uns sah dabei Mister Cross an.
Dieser nickte.
„Zwei Champagner bitte“, meinte ich zum Kellner, der sich sofort wieder entfernte.
Etwas nach vorne gebeugt, sprach ich leise weiter.
„Ich meinte damit, es hätte auch jemand Fremdes hier her kommen können und sich als Fielding ausgeben können.“
„Claire hat mir sie am Telefon ungefähr beschrieben“, entgegnete mein Gegenüber.
„Es gibt eine Menge Leute, die mir ähnlich sehen.“
Cross blieb diesmal ruhig. Der Kellner kam zurück und servierte den Champagner. Ich gab ihm meine Karte, er machte sich eine Notiz und ich bekam sie wieder zurück. Etwas bedrückt saß Cross nun mir gegenüber.
„Auf gute Zusammenarbeit“, meinte ich und hob ihm mein Glas entgegen.
Er prostete mir zu.
„Wenn sie ausgetrunken haben, gehen wir auf mein Zimmer, hier schwirren mir zu viel Leute umher.“
Ich bemerkte wie unruhig Cross war, seine Augen schauten nervös umher und mieden meinen Blick, seine Hand, in der er das Glas hielt zitterte. Er trank das Glas in einem Zug herunter und stellte es wieder ab.
„So war das zwar nicht gemeint, aber auch recht“, meinte ich und stellte mein Glas ebenso ab.
Ich erhob mich und Cross folgte mir zum Aufzug.
*-*-*
Viel hatte das Gespräch am Abend zuvor nicht gebracht. Vermutungen über Anschläge in Amerika waren mir nicht neu. Einzig alleine, dass zwei mir bekannte Gesichter, ebenfalls in Las Vegas abgestiegen waren, ließ mich ein wenig hellhörig werden.
Der eine war ein professioneller Killer, der andere ein Meister im Fach des Diebstahls. Zusammen passen würden die beiden nie, denn jeder von ihnen, war ein Einzelgänger. Trotzdem hatte ich Cross beauftragt, die beiden im Augen zu behalten.
Eigentlich ein richtiger lieber Kerl, aber noch der totale Grünschnabel. Ich zog mir etwas über, denn ich wollte Shoppen gehen. Eigentlich wusste ich nicht so recht, was ich kaufen wollte. Zudem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl beobachtet zu werden.
Da ich meine Sonnenbrille aufhatte, war es mir ein leichtes so zu tun, als würde ich etwas anschauen, aber mich in Wirklichkeit in der Gegend umzusehen. Und tatsächlich, in meiner Nähe hielt sich ein junger Mann auf, der laufend zu mir rüberschaute.
Nun hatte ich ein Problem, schon von Berufswegen her. Hatte er einfach nur Interesse an mir privat, oder war es jemand, der auf mich angesetzt war. Beides zusammen wäre natürlich mal was Neues gewesen, ein interessanter Aspekt, über den ich später nachdenken wollte.
Jetzt hieß es einfach nur, häng diesen Typen ab. Ich verließ den Laden, durchquerte einige der Gänge und befand mich irgendwann an der Rezeption. Dort ließ ich mich in einer der Telefonzellen nieder und wartete.
Und das muste ich nicht sehr lange. Mein Verfolger traf kurz nach mir an der Rezeption ein. Er fragte einen der Portiers etwas und ließ sich einen Schlüssel geben. Also wohnte er in diesem Haus und zudem sah er verdammt gut aus.
Ich nahm mein Handy, richtete es nach ihm aus, und schoss ein oder zwei Bilder von ihm. Sein blondes, kurzes Haar war klassisch nach vorne gegelt, der Pony stand wild in alle Richtungen. Er schien irgendeinen Sport zu treiben, seine Muskeln waren gut sichtbar, durch die enganliegenden Klamotten, die er trug.
Sichtlich enttäuscht machte er sich auf den Weg zu den Aufzügen. Ich verließ meine Telefonzelle und folgte ihm. Erst als der Fahrstuhl sich schloss, trat ich heran. Auf die Anzeige blickend, wartete ich wo der Fahrstuhl hielt.
Interessant dachte ich, er bewohnte mal zumindest mein Stockwerk. Ich kehrte zurück an die Rezeption und ließ mir vom Portier meinen Wagen bereitstellen, der für mich angeliefert wurde. Als ich vor das Ceasar’s Palace trat, wartete bereits einer der Pagen mit dem Schlüssel auf mich.
Ich stieg in den Z3 ein und ließ den Wagen langsam von der Auffahrt rollen, bis ich auf der Straße war. Zu viel Verkehr um einfach mit dem Wagen durchzuziehen, so reihte ich mich gemächlich in den morgendlichen Verkehr ein.
Ich zog mein Handy hervor, und wählte Cross Nummer.
„Cross hier.“
„Fielding, guten Morgen.“
„Guten Morgen Chris, haben sie gut geschlafen?“
„Ja, und ich bin bereits auf dem Weg zu ihnen.“
„Woher wissen sie, wo ich wohne?“
„Sie vergessen wohl Gregories Techniken.“
„Sagen sie bloß, sie haben ihren Wagen dabei?“
„Ich bin nie ohne meinen Wagen unterwegs, dass sollten sie eigentlich wissen.“
„Stimmt, und das funktioniert, per Handyortung?“
„Ja tut es. Sie können auch gleich etwas für mich tun, Ben.“
Es war komisch für mich diesen Namen auszusprechen. Kurz tauchten Erinnerungsfetzen in meinen Gedanken auf.
„Sind sie noch da?“, fragte Cross.
Er riss mich aus meinem Tagtraum.
„Ja, bin ich, würden sie so nett sein und für mich alles über eine Person herauszubekommen? Ich schicke ihnen das Bild von ihm gleich zu.“
„Ihm?“
„Ja, jemand der mir im Hotel gefolgt ist.“
„Okay mach ich.“
„Ich bin in einer guten Viertelstunde bei ihnen.“
„Gut, ich erwarte sie.“
Ich drückte das Gespräch weg und ließ die kleine Konsole sich versenken. Zum Vorschein kam ein kleines Display und die Tastatur. Ich steckte das Handy auf seine Stadion und ließ die beiden Bilder herunterladen, die sogleich zu Cross geschickt wurden.
Nach dem die Elektronik wieder verschwunden war, konzentrierte ich mich wieder mehr auf den Verkehr.
*-*-*
Ich bog in die Sunrise Avenue und suchte mir einen Parkplatz. Hier waren mehrere kleine Geschäfte, auf beiden Straßenseiten. Ich suchte den Bücherladen auf und trat ein. Der schien auch schon bessere Zeiten gesehen zu haben, nach dem Inventar zu urteilen.
Eine alte Frau erschien und fragte mich, ob ich etwas für sie tun könnte. Ich sagte ich hätte ein Buch aus England bestellt, ob es schon eingetroffen wäre. Ich nannte noch den Titel. Sie wies mich an ihr zu folgen, was ich auch tat.
Durch einen schmalen Gang, die Treppe hinauf, öffnete sie eine Tür, durch die ich trat.
„Ah, Chris, schon da?“, kam es mir von Cross entgegen.
„Pünktlich auf die Minute“, antwortete ich, „und schon was heraus gefunden?“
„Ja, im Augenblick werden die Daten übermittelt.“
Ich trat neben ihn, und schaute auf den Monitor. Das Bild, dass ich von dem Typ in der Empfangshalle gemacht hatte, baute sich auf, darunter jede Menge Daten.
„Er heißt Maxemilian Breahtley und ist der Sohn eines Juwelierhändlers. Dreiundzwanzig Jahre, Schulwerdegang und so wie es aussieht von Beruf Sohn.“
„Schauen sie doch bitte mal unter Ausstellungen nach, die hier in Vegas stattfinden“, meinte ich.
Bei dem Wort Juwelier klingelte mein innerer Alarm los. Langsam fügte sich ein Bild zusammen, nur wusste ich jetzt nicht, warum auch ein Profikiller in der Stadt war.
„Hier, im Aladin ist morgen Abend eine große Schmuckausstellung angesetzt“, meinte Cross.
„Da hätten wir doch schon mal einen Ansatzpunkt. Was machen unsere zwei Zeitgenossen gerade?“
„Beide sind bisher in ihren Hotels geblieben, aber meinen sie wirklich, die wollen diese Ausstellung berauben?“
„Warum nicht, mit Diamanten kann man sich alles kaufen. Besorgen sie mir eine Eintrittskarte und lassen sie sie für mich an der Rezeption hinterlegen.“
„In Ordnung, und was steht noch an?“
„Ich werde mich ins Hotel zurück begeben und mir diesen Max mal unter die Lupe nehmen.“
*-*-*
Ich gab meine Autoschlüssel einem Pagen und betrat das Hotel wieder. Es schienen einige neue Gäste angekommen zu sein, die Rezeption stand voll. Artig stellte ich mich an und wartete, bis ich dran kam.
„Ah, Mister Fielding, hier ist etwas für sie abgegeben worden“, meinte der Portier, als er mich bemerkte.
Ich musste schon sagen, Cross war fix, in dem Umschlag, den mir der Portier überreichte, befand sich eine Einladung für die Ausstellung am folgenden Abend. Mit dem Lift fuhr ich in mein Stockwerk.
Ich ließ meine Zimmertür ins Schloss fallen, und packte mein Notebook aus. Meine Emails waren eher uninteressant, so machte ich mich an den Datentransfer, den mir Cross schickte. Mir schwirrte der Killer im Kopf herum, ich wusste nicht wie er in dieses Puzzle passte.
Mein Magen knurrte und ich beschloss wieder runter zu gehen, um etwas zu essen. Ich schickte noch eine Email an Claire, über nähere Angaben der verschwundenen Papiere. Nach dem ich das Notebook wieder herunter gefahren hatte, verließ ich mein Zimmer wieder.
Auf dem Flur begegnete mir dann dieser Maxemilian, der ebenso gerade sein Zimmer verließ. Er zuckte ein wenig zusammen, als er mich sah. Mit rotem Kopf trat er mit mir gemeinsam in den Lift nach unten.
Ich spürte förmlich, wie sich seine Blicke in meinen Rücken bohrten, doch ich drehte mich nicht um und stieg unten angekommen, als erstes aus. Als er dicht hinter mir, ebenso eines der Restaurants betrat, beschloss ich ihn anzureden.
„Auch Hunger?“, fragte ich.
„Ja“, kam es leise von ihm zurück.
Das Restaurant war recht voll. Einer der Bediensten fragte uns ob wir einen Tisch für Zwei wollten, was ich ohne Maxemilian Antwort abzuwarten bejahte. Etwas verwirt folgte er mir und der Bedienung.
„Wir bewohnen dieselbe Etage“, begann ich das Gespräch, als wir uns setzten.
„Ja, ich bin mit meinem Vater hier“, antwortete er, „Maxemilian Breahtley, aber nennen sie mich ruhig Max!“
Er reichte mir seine Karte.
„Oh, ihr Vater ist Juwelier? Sind sie wegen der Ausstellung morgen Abend da?“, fragte ich scheinheilig.
„Ja, sind wir.“
„Dann werden wir uns sicher dort sehen.“
„Sie kommen auch, Mister…?“
„Fielding, Chris Fielding, aus England”, sagte ich und überreichte ihm ebenfalls eine Karte, „und auf welchen Schmuck sind sie spezialisiert, wenn ich fragen darf?”
„Auf Diamanten! Und sie möchten gerne etwas für Ihre Frau kaufen?“
Der Kleine war gut, gleich die Lage ausspionieren.
„Nein eigentlich für mich, ich bin solo“, antwortete ich.
Huschte da ein Lächeln über sein Gesicht? Der Kellner kam und reichte uns die Speisekarte. Wir suchten beide unsere Getränke und Speisen aus und der Kellner verließ uns wieder.
„Und sie helfen ihrem Vater?“, setzte ich unsere Unterhaltung fort.
„Ab und zu, eigentlich bin ich nur wegen den Reisen dabei, weil ich sonst nicht groß zu Hause wegkomme. Ich studiere noch, müssen sie wissen und viel eigenes Geld besitze ich nicht.“
„Bei so einem Berufsstand ihres Vater?“
„Meine Eltern sind der Ansicht, ich solle es von alleine schaffen, auf eigenen Füssen zu stehen.“
„Gute Einstellung, denn Berufssöhne gibt es schon genug.“
„Das stimmt allerdings, auf dem Campus, rennen genug davon herum.“
„Und was studieren sie?“
„Sie können ruhig du sagen, ich bin erst dreiundzwanzig. ich heiße Max, ja und ich studiere Jura.“
„Alle Achtung, da haben sie… hast du einiges vor dir, kannst übrigens auch du sagen ich bin nur drei Jahre älter.“
Die Getränke wurden gebracht und wir prosteten uns zu.
„Ja, ich weiß, aber ich werde es durchziehen! Und was für einen Beruf übst du aus?“
„Ich bin für eine Firma tätig, An und Verkauf.“
„Auch Diamanten?“
„Nein, wie gesagt, die Diamanten sind eher für mich.“
Sehr interessant, finde ich. Man hört selten, dass Männer sich für Diamanten als Schmuck interessieren, außer sie…“, hier unterbrach Max den Satz und wurde feuerrot.
Er nahm die Speisekarte auf und vertiefte sich darin, besser gesagt er versuchte sein Gesicht zu verdecken. Ich musste innerlich Grinsen, denn ich wusste genau, worauf er anspielte.
„Hast du schon etwas gefunden?“, fragte ich.
„Ein saftiges Steak wäre mir recht“, antwortete er.
„Da schließe ich mich an.“
Wir bestellten unsere Essen und Max erzählte mir weiter von sich und seiner Familie. Er stockte ab und zu, meist dann, wenn er zu viel über sich sagte. Ich schaute ihn die ganze Zeit an und lauschte seiner Stimme.
Irgendwie träumte ich vor mich hin, während ich ihn beobachtete. Ich schreckte leicht auf, als unser Essen kam. Genüsslich verspeisten wir alles, tranken einen leichten Wein dazu.
„Also abgemacht, wir treffen uns nachher bei der Ausstellung, ich möchte dich unbedingt meinem Vater vorstellen“, sagte Max.
„Kein Problem! In einer halben Stunde?“, fragte ich.
„Okay, also bis gleich!“
Ich unterschrieb noch beim Kellner die Rechnung und wir beide verabschiedeten uns voneinander. An der Rezeption fragte ich nach, ob irgendwelche Nachrichten für mich gekommen wären. Es waren keine da, also beschloss ich, kurz noch mal in mein Zimmer zu gehen, um mich frisch zumachen.
Die Fahrstuhltür öffnete sich und ich sah gerade noch wie Max in sein Zimmer verschwand. Dann kam ein Schrei. Ich zog meine Waffe und rannte zu Max Zimmer. Mit dem Fuß stieß ich die Tür auf und blickte hinein.
Ich sah dort Max auf dem Boden knien, vor einem Mann der recht leblos da lag. Max schaute entsetzt auf meine Waffe, als ich eintrat und die Tür hinter mir schloss. Ich kniete mich zu dem Mann hinunter und fühlte an seinem Hals, nach dem Puls.
„Dein Vater?“, fragte ich und stand wieder auf.
Ohne eine Antwort abzuwarten, schaute ich noch in die anderen Zimmer, bevor ich beruhigt meine Waffe wieder auf ihren Platz zurückgleiten ließ.
„Wer bist du?“, fragte Max mit erstickender Stimme.
„Chris Fielding, wie ich schon sagte.“
Ich half Chris auf und schaute ihn an.
„Chris, man kann nichts mehr tun… er ist tot!“, sagte ich leise.
Der Kleine kippte vorne über und begann wild zu schluchzen. Plötzlich löste er sich und rannte in die Toilette. Ich hörte wie er sich übergab. Ich ging zum Telefon wählte die Rezeption an.
„Was kann ich für sie tun?“, hörte ich eine Stimme.
„Hier ist Fielding, würden sie bitte die Polizei rufen, mein Zimmernachbar, hat soeben seinen Vater tot im Zimmer aufgefunden.“
Schweigen in der Leitung.
„Vielleicht auch eine Arzt, für den Sohn.“
„Ich schicke sofort jemand nach oben Mr. Fielding“, kam es plötzlich wieder aus dem Hörer.
„Zimmer 274“, sagte ich, bevor ich wieder auflegte.
Ich lief zu der Toilette und schaute hinein. Max lehnte an der Wand, sah erbärmlich aus, Tränen rannen über sein Gesicht. Es klopfte an der Tür. Ich ging hin und öffnete.
„Mr. Fielding?“, fragte der Mann vor der Tür.
„Ja!“
„Spencer, Sicherheitsdienst!“
Ich ließ den Mann herein. Er sondierte die Lage und schaute wieder zu mir.
„Wo ist der Sohn?“, fragte er.
„Ist auf der Toilette, hat sich gerade übergeben!“
Spencer zog die Augenbraun hoch und zauberte plötzlich ein Handy hervor. Ich konnte nicht verstehen was er sagte, dazu war er zu leise. Er drückte das Gespräch weg und widmete wieder dem Toten.
„Was ist denn das?“, fragte er.
Er zeigte auf eine Stelle am Hals. Eine kleine Stelle aus der Blut gelaufen war.
„Sieht nach einem Stich aus“, antwortete ich.
Max erschien an der Tür und schaute ungläubig auf seinen Vater, dann zu mir.
„Mr. Fielding, wären sie so nett und würden den jungen Mann mit auf ihr Zimmer nehmen, bis hier alles geregelt ist, ich schicke einen Arzt bei ihnen vorbei.“
„Geht in Ordnung. Schauen sie ins Nachbarzimmer, sämtliche Schmuckschatullen sind ausgeräumt!“, meinte ich, bevor ich mich Max annahm.
Ich führte Max langsam an dem Toten vorbei und schob ihn aus dem Zimmer. An meinem Zimmer angekommen, öffnete ich sie mit meiner Codekarte. Wir traten ein und ich lenkte Max direkt zu meinem Bett.
„Warum hast du eine Waffe?“, stammelte Max.
„Das erkläre ich dir später, aber leg dich jetzt bitte hin, bis der Arzt kommt.“
Max drehte sich um und schaute mich mit ängstlichen Augen an.
„Wer bist du?“, fragte er nochmals.
Es klopfte nun an meiner Tür. Ich ließ Max stehen um sie zu öffnen. Es war der Arzt, den ich gleich zu Max führte und dann wieder das Zimmer verließ. Ich wollte zurück zu Spencer. Ich klopfte an der Tür und ein Polizist öffnete die Tür.
„Sie wünschen?“, fragte er.
„Ich habe den Toten gefunden“, sagte ich.
„Lassen sie ihn herein“, hörte ich Spencer im Hintergrund rufen.
Der Polizist trat zur Seite und gab den Weg frei. Im Zimmer waren mehrere Männer zu Gange, sie suchten nach Spuren.
„Sie sind Mr. Fielding?“, fragte mich ein kleiner dicker Mann.
„Ja, und wer sind sie?“
„Seargent Kredog. Sie haben den Toten gefunden?“
„Nicht direkt, ich hörte den Sohn des Toten, draußen im Flur, schreien.“
„Es scheint sich um ein Gift zu handeln, kann aber erst nach einer Obduktion mehr sagen“, sagte der Typ, der neben Max Vater kniete.
„Also, Raubmord!“, stellte Kredog fest.
„Brauchen sie mich noch?“, fragte ich.
„Im Augenblick nicht! Aber wir müssen noch ihre Aussage aufnehmen.“
„Gut, ich bin in meinem Zimmer 269, dort werden sie auch den Sohn finden, ein Arzt ist bei ihm.“
Kredog blies Luft aus und schaute den Toten an.
„Kennen sie den Sohn?“, fragte er mich.
„Erst heute beim Mittagessen kennen gelernt.“
„Gut, wie gesagt, halten sie sich zur Verfügung.“
Ich nickte und verließ das Zimmer wieder. Nachdenklich ging ich zu meinem Zimmer zurück. Ein Profikiller und ein Meisterdieb in der Stadt und nun ein Toter und ausgeraubt. Aber was wollten die mit dem Schmuck?
Das wäre etwas für kleine Fische, nicht für diese Profis. Ich wollte gerade mein Zimmer öffnen, als die Tür aufging und der Arzt mir entgegentrat.
„Ich habe ihm eine Beruhigungsspritze gegeben, er schläft jetzt!“ sagte der Mann, „wenn etwas mit dem Patienten ist, verlangen sie bitte nach mir.“
Ich nickte und betrat mein Zimmer. Kurz folgten meine Blicke dem Arzt, bevor ich die Tür schloss. Max lag zusammengekauert auf meinem Bett und schien wirklich zu schlafen. Ich selbst, ging zum Tisch fuhr meinen Laptop hoch.
Schnell stand ich in Verbindung mit Cross. Ich unterrichtete ihn über das plötzliche Ableben von Max Vater. Danach bauten wir eine Konferenzverbindung direkt mit London auf.
„Guten Abend Sir“, sagte ich, als die Verbindung zu dem >Alten< stand.
„Guten Abend Fielding, oder soll ich lieber einen schönen Mittag wünschen?“, kam es von ihm.
„Na ja, es besteht keinen Grund dafür“, sagte ich leise.
„Ich weiß, Breathley war ein angesehener Londoner Bürger.“
„Das bezweifle ich, Sir. Die Tat als einfachen Raubmord aussehen zu lassen, stößt mir schlecht auf, nicht, wenn zwei so knallharte Profis dahinterstecken. Ich habe Cross bereits aufgetragen, die Reisegewohnheiten von Mr. Breathley des letzten halben Jahres zu durchforsten.“
„Ich vertraue ihrer Eingebung, mit der sie bis jetzt noch nie falsch gelegen hatten.“
„Ich werde morgen mit Breathley’s Sohn nach London zurückkehren, denn ich denke unsere zwei Killer befinden sich bereits auf dem Weg nach Europa.“
„Sie befinden sich auf den Weg nach Murmansk, wird mir gerade mitgeteilt.“
Ich sah im Hintergrund Claire, die dem >Alten< einen kleinen Zettel gereicht hatte. Sie lächelte mir kurz zu, bevor sie wieder aus dem Bild verschwand. Mein Handy vibrierte und ich schaute kurz darauf.
Eine SMS von Claire wurde angezeigt.
„Murmansk?“, murmelte ich und sah wieder zum >Alten<.
„Krischenko stammt aus Murmansk, genauer von der Halbinsel Kola“, sagte er.
Krischenko war schon lange als Killer bekannt, nur seine Besonnenheit hatte ihn bis jetzt davor bewahrt festgenommen zu werden. Jeder Mord trug seine Handschrift, aber nachweisen konnte ihm nie jemand etwas.
„Und wie passt Burdini in ihr Bild?“, fragte ich.
„Nach dem wir sicher sein können, dass er im Besitz der Diamanten ist und Krischenko seine Finger im Spiel hat, denke ich, die russische Regierung kann sich warm anziehen. Bisher ist nicht bekannt, woher deren Gegner ihr Geld beziehen.“
„Ich werde Cross beauftragen, mir sämtliches Hintergrundinformationen zukommen zu lassen.“
„Gut Fielding, ich erwarte sie morgen Nachmittag hier in London.“
Ich sah wie Cross mir zunickte, der die ganze Zeit der Konferenz beiwohnte. Die Verbindung wurde unterbrochen, nachdem Cross mir versprach das Material zukommen zu lassen. Ich selbst, ging ins Internet und versuchte mehr über die Halbinsel Kola herauszubekommen.
Mir stach das Wort Saami mehre Male ins Auge. Ein Völkchen, dass dort heimisch war, aber auch an den angrenzenden skandinavischen Staaten verbreitet war. Sie waren bisher schon immer Spielball der dortigen Regierung gewesen.
Nach dem Zerfall des Sowjetstaates, verloren sie komplett ihre Rechte und wurden von bestechlichen und erpresserischen Beamten verwaltet. Oft genug hatten Militärs ihre Rentierherden beschlagnahmt, um das Völkchen finanziell in den Ruin zu treiben.
Dies schien bisher aber nicht gelungen zu sein. Ich griff nach dem Telefon und rief Cross an.
„Hallo Cross, könnten sie herausfinden, ob Krischenko ein Saami ist?“
„Ein Saami?“, fragte Cross.
„Ja, ein Volk dass im Herkunftsland Krischenkos lebt.“
„Wird erledigt, ich melde mich dann bei ihnen. Etwas anderes, Interpol wird sich mit ihnen in Verbindung setzten, hat mir Claire zugetragen“, sagte Ben.
„Ich weiß, sie hat mir bereits eine SMS zukommen lassen.“
„Gut, wie gesagt, ich melde mich sofort bei ihnen. Bye.“
Ich drückte das Gespräch weg und fuhr den Laptop herunter. Ich sah zu Max, der friedlich schlief. Das nervöse Zucken seiner Augen sagte mir aber, dass er träumen musste. Es klopfte an meiner Tür.
Also stand ich auf und öffnete sie.
„Miller ist mein Name, kann ich kurz mit ihnen sprechen?“, sagte ein Mann zu mir, den ich vor der Tür vorfand.
Ich schaute ihn kurz durchdringend an, bevor er einen Ausweis zog. Interpol.
„Kommen sie herein, aber bitte leise. Der Sohn des Opfers schläft bei mir, nachdem ihm eine Beruhigungsspritze verpasst wurde“, meinte ich und öffnete meine Zimmertür vollends.
Ich ging mit Miller auf den Balkon hinaus um dort unseren Smalltalk weiter zuführen.
„London hat uns über alles unterrichtet. Eine Abreise morgen von ihnen und dem Sohn steht damit nichts im Wege, wir werden hier alles mit der örtliche Polizei regeln.“
„Das ging aber schnell“, meinte ich und zündete mir eine Zigarette an, nachdem ich Miller eine angeboten hatte, was er dankend ablehnte.
„Krischenko ist uns schon eine lange Zeit ein Dorn im Auge, aber wie sie sicher wissen, bisher unfassbar.“
„Ja, die Berichte sind mir bekannt. Können sie mir etwas über sein Herkunftsland sagen?“, fragte ich.
„Kola?“
Ich nickte.
„Bisher nur wenig in Berichten aufgetaucht, nur bekannt durch seine korrupten Beamten, wieso?“
„Krischenko und Burdini befinden sich auf dem Weg dorthin.“
Miller legte seine Stirn in Falten. Deutlich sah ich wie sich sein Gehirn in Bewegung setzte.
„Sie meinen also, ein Aufstand gegen die Regierung aus Murmansk?“
„Sie kombinieren gut. Es könnte in die Richtung laufen, ob es tatsächlich mit Murmansk zu tun hat, kann ich aber nicht sagen.“, erwiderte ich.
„Die Anschläge gegen Moskau häufen sich und man weiß immer noch nicht, aus welchen Volksgruppen sie kommen. Russland ist groß.“
„Eine Diamantenlieferung im Wert von sieben Millionen Dollar kann aber viel bewirken“, meinte ich und drückte meine Zigarette aus.
Miller pfiff leise und zog seine Sonnenbrille ab. Nervöse kleine Augen kamen zum Vorschein.
„Brauchen sie noch etwas, bevor sie morgen abreisen?“, fragte er.
„Nein, halten sie mir nur diesen Kredog vom Hals, sonst habe ich keine Wünsche, oder doch, könnten sie dafür sorgen, dass der Junge seine Klamotten hier auf das Zimmer bekommt?“
„Gut, ich kümmere mich darum! Wir werden veranlassen, dass der Leichnam, nach London überstellt wird.“
„Ich danke ihnen.“
Miller und ich standen fast gleichzeitig auf und ich begleitete ihn noch kurz an die Tür.
„Tut mir leid, wegen dem Jungen!“, meinte er leise.
„Er wird es irgendwie verkraften“, sagte ich und schloss hinter ihm meine Zimmertür.
Max begann sich zu bewegen. Er schien wach zu werden, trotz der Spritze. Ich setzte mich neben ihn. Er schlug die Augen auf und versuchte sich zu orientieren. Unsicher richtete er sich auf und schaute mich verwirrt an.
„Keine Sorge Max, du bist in meinem Zimmer“, meinte ich leise.
Ich legte meine Hand auf seine Schulter, um Max ein wenig in Sicherheit zu wiegen.
Er rieb seine Augen und schaute sich weiter um.
„Wie geht es dir?“
„Wie soll es einem gehen, wenn man unverhofft eine Leiche findet?“, fragte er sarkastisch.
„Tut mir leid, Max! Auch um deinen Vater.“
„Er war nicht mein Vater!“, meinte Max und sprang aus dem Bett.
Ich hob die Augenbraun, war sichtlich überrascht. Nicht sein Vater? Es schien interessant zu werden.
„Nicht dein Vater?“, hakte ich nach.
„Nein, der sitzt zu Hause in London, das hier war ein Doppelgänger!“, kam es kalt von Max.
Ich pfiff leise durch die Luft. Max sah kurz aus dem Fenster, bevor er sich wieder zu mir drehte.
„Dad hat die letzten Monate verstärkt Morddrohungen bekommen, da hatte unser Sicherheitschef die Idee mit dem Doppelgänger.“
„Und wer ist oder war der Tote?“
„Unser Sicherheitschef!“
„Oha, das war ein Eigentor! Aber für einen Sicherheitschef, hast du eine gute Vorstellung gegeben, ich meine, mein Vater ist tot und so“, sagte ich.
Ich sah, dass die Augen von Max feucht wurden. Er drehte sich wieder zum Fenster.
„Phillip war mehr als nur unser Sicherheitschef, er war mein Freund, immer für mich da, wenn ich in der Klemme steckte“, sagte Max leise.
„Wenn ich oft im Elephant and Castle (*Schwulenkneipe im Süden Londons) war, Phillip war immer bei mir, was ab und zu auch etwas Gutes hatte, mir den Pöbel vom Hals zu halten, die es immer auf meinen Arsch abgesehen hatten. Ja, ich denke du hast richtig vermutet, ich bin schwul!“
Bei dem Wort schwul, drehte Max sich wieder vom Fenster weg, wandte sich zu mir. Er schaute mich an, schien meine Reaktion abzuwarten. Meine Erstauntheit, über dieses Geständnis eben, verbarg ich allerdings.
„Ich vermute überhaupt nichts, ich lerne mein Gegenüber erst kennen, bevor ich mir eine Meinung bilde. Was allerdings im krassen Kontrast zu meinem Job steht!“
Ich sah Max’s Gesicht an, dass er nicht verstand, was ich damit meinte.
„Wieso Job, du bist Vertreter… ach so die Waffe. Chris, wer bist du wirklich?“
Jetzt war es Zeit, zu entscheiden, mich erkennen zu geben. Aber nach dieser neuerlichen Wendung, der Geschehnisse, blieb mir nur eine Möglichkeit.
„Ich bin Chris Fielding und arbeite für den MI 6“, antwortete ich, sagte nichts weiter dazu.
„Ein Agent, so was wie 007, James Bond?“
„Ja!“, antwortete ich und musste lachen, „so ungefähr, nur dass wir keine Nummern haben!“
„Und was tust du hier, wenn ich fragen darf?“
„Sagen wir mal, ich wollte wissen, was ein gewisser Schmuckspezialisten für Diamanten und ein Profikiller in Las Vegas vorhatten!“
„Du wusstest, dass sie hier waren und…?“
„Nein Max!“, fiel ich Max ins Wort, „ich wusste nicht, was für einen Auftrag sie hatten! Wir konnten uns nur ausrechnen, dass sie es auf jemand von der Schmuckausstellung abgesehen hatten, und dann auch nicht, dass jemand ermordet wird.“
Max schaute mich kurz verächtlich an, anscheinend wollte er mir dir Schuld für den Tod seines Bodyguards in die Schuhe schieben.
„Ich muss meinen Vater anrufen!“, sagte Max und griff zum Hörer.
Ich sprang auf und nahm ihn dem Hörer ab.
„Das lässt du schön bleiben, muss nicht jeder wissen, dass dein Vater noch lebt“, sagte ich.
Max schaute mich verwirrt an.
„Meinst du die zwei Herrschaften, die deinen Freund beraubt und umgebracht haben, sind einfach hier so hereinspaziert. Das Caesar Palace verfügt über ein großes Überwachungssystem, da kann man nicht einfach so rein und rausspazieren!“
Enttäuscht ließ sich Max auf mein Bett fallen, stützte seinen Kopf zwischen seine Hände. Ich zog mein Handy heraus und wählte Cross Nummer. Es klingelte nur einmal und schon meldete sich Cross.
„Cross! “
„Fielding, hallo Ben. “
„Was ist passiert, ich habe gerade erfahren das Breahtley umgebracht wurde.“
„Langsam Ben, hören sie mir jetzt genau zu. Breathleys Double ist ermordet worden, Verständigen sie London, damit sie Mr. Breathley unterrichten können, seinem Sohn geht es gut!“
„Aber…?“
„Nichts Ben, tun sie einfach, was ich ihnen sage, okay?“
„Ja, ist in Ordnung. Wo ist der Junge?“
„Sitzt neben mir auf dem Bett, ich werde morgen mit ihm nach London zurückfliegen!“
„Brauchen sie noch etwas? Flugbuchung oder etwas anderes?“
„Nein, darum hat sich schon Interpol gekümmert“, antwortete ich und hörte die Enttäuschung aus
seiner Stimme, als hätte er versagt.
„Cross, ich möchte sie morgen Mittag um 14.00Uhr am Flughafen sehen, ich werde sie in Europa brauchen!“, sagte ich leise in den Hörer, so dass es Max nicht verstand.
„Danke Sir, ich werde da sein!“
„Das hoffe ich, bye Cross bis morgen!“
„Bye Chef!“
Wieder einen Menschen glücklich gemacht, dachte ich. Ich drückte das Gespräch weg und ließ das Handy wieder in meiner Hosentasche verschwinden. Dann ging ich an den Schrank und suchte nach etwas zum Anziehen.
„So, dein Vater wird über eine sichere Quelle informiert, auch, dass es dir gut geht!“, meinte ich zu Max.
„Danke…, was machst du?“, fragte Max.
„Ich? Ich suche etwas Passendes für heute Abend!“, gab ich zur Antwort.
„Du gehst noch weg?“
„Ja ich bin hier im Caesar Palace und Celine Dion gibt fast jeden Abend hier ein Konzert und dafür habe ich Karten!“
„Und mit wem gehst du dahin?“
Hörte sich schon fast eifersüchtig an, der Bengel.
„Mit dir, mit wem sonst!“, meinte ich und lächelte ihn an.
„Aber ich….“
„Wenn du deine Klamotten meinst, die müssten gleich auf mein Zimmer gebracht werden.“
Wie auf Kommando klopfte es an meiner Tür und es wurde Zimmerservice gerufen. Ich ging an die Tür, öffnete vorsichtig und ein Page mit zwei Koffern stand vor der Tür.
„Kommen sie rein und stellen das Gepäck neben den Schrank bitte“, sagte ich zum Pagen.
Er tat das, was ich ihm aufgetragen hatte, und nachdem ich ihm Trinkgeld zugesteckt hatte, verließ er wieder mein Zimmer. Ich zeigte auf die Koffer und lächelte.
„Ach so, und noch etwas, auch deine Vermutungen waren richtig, ich bin ebenso schwul!“
Max sah mich verwirrt an.
„Max, du warst zu offensichtlich, mit deinen verschlingenden Blicken beim Mittagessen und die galten bestimmt nicht deinem Essen!“
Max wurde rot im Gesicht und stand auf. Langsam trat er auf mich zu.
„Danke Chris, dass du mir so hilfst!“, meinte er.
Ich konnte nicht anderst und nahm ihn einfach in den Arm. Ich hörte ihn leise wimmern und ließ ihn gewähren.
*-*-*
Max schlief neben mir, während ich mit Ben, noch einmal alle Unterlagen durchging. Ben hätte fast die Maschine verpasst, weil sein Ausweis abgelaufen war. Innerlich musste ich lachen, was für ein Agent sollte Cross einmal werden.
Es war eine gute Idee gewesen, Max am gestrigen Abend auf das Konzert mitzunehmen. Er war wie ausgewechselt, sang Lieder mit. Nun lag er ruhig da und schlief den Schlaf der Gerechten. Ab und zu riskierte ich einen Blick.
Max war gerade mal drei Jahre jünger als ich. Ich mit meinen 26 das jüngste Mitglied in MI 6. Aber er hatte seine Jugendlichkeit bewahrt, seine Wangen waren noch leicht gerundet nicht so wie bei mir.
Ich war drei Jahre dabei, hatte allerhand gesehen und erlebt. Manches hätte mich wohl aus der Bahn geworfen, wenn ich nicht genug abgeklärt gewesen wäre. Das mich mein Ex verlassen hatte, warf mich natürlich total aus der Bahn, aber dieser Junge schaffte es, mit seiner bloßen Anwesenheit, es zu vergessen.
Ben überhäufte mich mit Informationen, aber ich hörte ihm nur halb zu. Trotzdem verpasste ich nichts wichtiges, ein weiteres Talent, weswegen man mich eingestellt hatte, das Aufnehmen unwahrscheinlich vieler Informationen in kürzester Zeit.
Und meinem fotografischen Gedächnis hatte ich es zu verdanken, das ich eigentlich nie ein Gesicht vergaß. Wieder hafteten meine Blicke auf Max, bis ich bemerkte, dass Ben nicht mehr weiter sprach.
„Was ist Cross?“, fragte ich und wandte mein Blick auf ihn.
„Ich dachte, sie wollen vielleicht sich etwas Ruhe gönnen, bevor wir in London eintreffen, Sir.“
„Keine schlechte Idee, Cross. Wecken sie mich rechtzeitig!“, sagte ich, machte es mir in meinem Sitz bequem und schloss die Augen.
Dem Geraschel neben mir zu urteilen, verräumte Cross seine Akten und versuchte es sich ebenso bequem zu machen. Irgendwann musste ich wohl dann auch eingeschlafen sein, denn ich schreckte leicht auf, als ich etwas an meiner Hand spürte.
Ich blinzelte ein wenig nach unten und sah, dass Max seine Hand auf meine gelegt hatte, obwohl er noch zu schlafen schien. Ich griff nach ihr und schloss wieder meine Augen.
Beim nächsten Mal wurde ich von der Bordansage geweckt, die die kurz bevorstehende Landung auf dem Londoner Flughafen Stansted ankündigte. Max schien wach zu sein, er schaute aus dem Fenster, meine Hand hatte er aber immer noch fest umklammert.
Durch unsere Ausweise war ein schnelles Abfertigen beim Zoll möglich. Ich hatte Cross beauftragt, Max nach Hause zubringen, was bei Max natürlich Proteste auslöste. Erst als ich ihm versprach, dass, wenn ich Zeit habe bei ihm vorbei zuschauen, gab er Ruhe.
Ich ging in die Tiefgarage des Terminals, wo mein Wagen stand. Ich schloss den Kofferraum auf und warf meine Reisetasche hinein. Plötzlich hörte ich ein Geräusch hinter mir, doch bevor ich mich umdrehen konnte, spürte ich eine Schlinge am Hals, die mir langsam aber sicher die Luft abschnürte.
Mit letzter Kraft holte ich aus und traf diesen Jemanden hinter mir, mit meinem Ellenbogen in die Magengegend. Der Druck der Schlinge ließ nach, ich griff nach ihr und drehte mich mit dem Rücken zum Wagen. Mein Hintermann machte diese Bewegung mit und stand somit zwischen mir und dem Auto.
Mit voller Wucht drückte ich mich nun nach hinten, was zur Folge hatte, dass die Person hinter mir gegen das Heck meines Ranch Rover knallte und von mir abließ. Endlich konnte ich meinem Angreifer ins Gesicht schauen, der schwer nach Luft keuchte.
Ich zog meine Linke durch, und traf ihn mitten im Gesicht. Während er niederging, hob ich meine schmerzende Hand. Scheiße, tat das weh. Ich schaute mich um, aber wie immer war bei so was niemand zu gegen.
Ich durchsuchte die Innentaschen seiner Jacke, doch es war nichts zu finden. Ich griff dem Fremden unter die Arme und zog ihn hinter die Betonsäule, die sich neben meinem Wagen befand. Schien ein Russe zu sein, jedenfalls nach der Wodkafahne zu urteilen.
Ich zog meine Kleidung richtig und lief wieder zum Kofferraum. Irgendwo in meiner Tasche hatte ich die Digitalkamera. Ah, da war sie. Schnell schoss ich ein Bild, von dem Häufchen Elend, bevor ich mich mit dem Wagen auf den Weg machte.
Man wusste ja nie, ob die von der Identification Section nicht fündig wurden, ihr Archiv über Killer war dementsprechend groß. Gedanklich hing ich plötzlich bei Max, wenn ich schon in der Tiefgarage überfallen wurde, was würde ihm dann zu stoßen.
Ich wählte die Nummer von Cross an.
„Cross hier.“
„Fielding!“ Bei euch alles in Ordnung?“
„Ja, sind kurz vor dem Haus, in dem Max wohnt. Wieso?“
„War nur so eine Frage, wir sehen uns nachher beim Alten!“
„Okay Sir!“
„Chris, denk an unsere Verabredung nachher“, konnte ich Max sagen hören.
Cross hatte wohl die Lauttaste gedrückt.
„Keine Sorge Max, vergesse ich schon nicht!“
„Gut, dann bis später.“
„See you! “, meinte ich.
„Miss you!”, kam es von ihm.
Ich musste lächeln und drückte das Gespräch weg. Ich drückte auf das Gaspedal und kräftig zog der Rover an. Etwas später fuhr ich gedankenverloren in die Einfahrt des Innenministeriums. Problemlos schob ich an den Wachen vorbei uns suchte mir im Innenhof einen Parkplatz.
Ich nahm meine Aktentasche aus dem Wagen und betrat das Gebäude. Ich mochte es nicht, denn es war der Inbegriff der Bürokratie für mich, alles was mich hinderte, einen guten Job auszuführen. Jede Kleinigkeit musste protokolliert werden.
Und ich hasste diese Schreibarbeit, wurde aber nicht von ihr entbunden. Schnellen Schrittes nahm ich die Treppe in das obere Stockwerk, betrat das Vorzimmer des Alten.
„Chris, wo warst du so lange? Du bist doch schon vor einer Stunde gelandet!“, sagte Claire zur Begrüßung.
„Hallo Claire, danke es geht mir gut!“
Sie stockte, begann aber wieder zu lächeln.
„Etwas nach Wodka riechendes hat mich aufgehalten!“, erklärte ich.
Sie schaute mich fragend an. Ich holte meine Digitalkamera aus der Aktentasche und reichte sie ihr.
„Gib sie bitte in der Identification Section ab, das letzte Bild könnte eventuell interessant sein“, meinte ich und schloss wieder meine Tasche.
„Okay, du kannst rein gehen, du wirst schon erwartet.“
Ich nickte ihr zu und ging zur Tür des Alten. Nach meinem Klopfen, wurde ich hereingebeten.
„Guten Tag, Sir.“
„Hallo Fielding, sie sehen erholt aus!“
Ich lächelte kurz und setzte mich in den Sessel vor dem Schreibtisch.
„Ich kann nicht klagen, bis auf einen kleinen Zwischenfall in der Tiefgarage eben, ist nichts Besonderes vorgefallen“, sagte ich.
Das Telefon klingelt, der Alte nahm den Hörer ab.
„Ja? …danke!“
Kurzes Gespräch, dachte ich, als er den Hörer wieder auflegte. Die Tür hinter mir ging auf und Claire kam herein. Sie reichte dem Alten eine Fotografie.
„Alexej Kroschnik, ein Anhänger und Sympathisant von Krischenko, aber eher untere Gehaltstufe, also auf unwichtige Fälle angesetzt“, sagte der Alte und ließ das Bild auf die Ablage gleiten.
„Danke auch, er hing eben noch an meinem Hals!“, sagte ich etwas eingeschnappt.
Der Alte und auch Claire sahen mich fragend an.
„Alexej hat vorhin versucht mir nach dem Leben zutrachten!“, erklärte ich.
„Und jetzt? fragte Claire.
„Liegt friedlich schlummernd an einer Betonsäule der Tiefgarage“, antwortete ich.
Claire lächelte und verließ das Zimmer wieder. Der Alte überflog mehrere Berichte und runzelte die Stirn.
„Mehrere Akten aus dem Pentagon verschwunden… Diamantenraub und Mord… Russland…, wie passt das Zusammen?“, fragte er.
„Wissen sie, um was für Unterlagen es sich denn handelt?“, erwiderte ich.
„Nein, wir haben darüber noch keine Auskunft erhalten, man hält sich weiter bedeckt im Pentagon.“
„Und wenn es Unterlagen über Russland waren?“, bohrte ich weiter.
„Guter Einfall, aber warum sollten Russen ihre eigenen Unterlagen stehlen?“
„Es kommt darauf an, welche Russen es waren!“
„Sie meinen, die stehlen im Pentagon die Papiere, um leichter an die russische Regierung zu kommen?“
„Warum nicht? Gibt es irgendwo bessere Informationen?“, meinte ich.
„Was ist mit den Breathley’s?“, fragte der Alte.
„Mister Breathley hatte mehrere Morddrohungen bekommen, so kam sein Sicherheitschef darauf, ein Double für seine Amerikareise einzusetzen, mit dabei sein Sohn.“, erklärte ich.
„Das ist dem Double nicht gut bekommen!“
„Nein, ist es nicht, es war übrigens der Sicherheitschef selbst!“
Der Alte schluckte, sagte aber nichts weiter dazu.
„Trotzdem kann ich immer noch keinen Zusammenhang sehen, über Andrej und den Papieren“, fuhr der Alte fort, auch warum man sie angefallen hat, sie haben ja nicht direkt etwas mit der Familie zu tun.“
„Vielleicht bin ich jemanden gefährlich nahe gekommen!“, vermutete ich.
„Und wie wollen sie jetzt weiter verfahren?“
„Der Schmuck von Breathley’s war zwar versichert, aber es befanden sich einige unersetzbare und schwer absetzbare Stücke darunter. Die Spur führt nach Murmansk, genauer auf die Halbinsel Kola.“
Der Alte schaute noch einmal in seine Unterlagen.
„Ein kleines unbedeutendes Volk, dass schon immer von den Russen unterdrückt wurde“, meinte er im Gedanken.
Er schaute auf.
„Aber rebellisch werden und gegen Russlands Regierung intrigieren?“, fragte er.
„Wären nicht die ersten, oder?“
„Nein, sicherlich nicht!“
Er klappte den Hefter zu und legte ihn in die Ablage. Er nahm einen Schluck von seinem Tee, der sicherlich schon kalt war. Dann stand er auf und ging an die kleine Bar und schenkte sich einen Whiskey ein.
„Auch Einen?“, fragte er.
Ich lehnte, mit einem Kopfschütteln, dankend ab. Mit dem Glas in der Hand, wanderte er langsam zum Fenster.
„Sie meinen also, wenn sie dem Schmuck folgen, kommen sie automatisch an die Diebe der Papiere?“, fragte der Alte.
„Ich denke schon, denn für was brauchen die wohl Diamanten, wenn nicht um Waffen zu kaufen?“, fragte ich.
„Gut, dann halten sie sich an die Spur!“
„Wann fliege ich?“
„Ich würde sagen, in drei Tagen, oder?“
„Warum in drei Tagen? Ein bestimmter Grund?“
„So können sie noch alle Dinge regeln, die sie zu regeln haben!“, meinte der Alte mit einem Grinsen, dass man bei ihm äußerst selten sah.
*-*-*
Irgendwie nervös stand ich vor der Eingangstür zur Villa der Breathley’s. Die Tür wurde aufgerissen und vor mir stand Mr. Breathley persönlich. Die Enttäuschung, dass ich anscheinend nicht die Person war, auf die er wartete, stand ihm ins Gesicht geschrieben.
„Wie kann ich ihnen helfen?“, fragte er recht ärgerlich.
„Mein Name ist Chris Fielding, ich bin mit ihrem Sohn in…”
„Sie sind Chris, kommen sie bitte schnell herein!”
„Ist etwas passiert?“
„Das kann man allerdings sagen. Max ist kurz weg, er wollte etwas besorgen und ist bis jetzt nicht aufgetaucht!“
„Sein Handy?“
„Haben wir bereits probiert, aber da geht nur die Mailbox dran“, erklärte mir sein Vater.
Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und wählte Bens Nummer. Es dauert ein wenig bis er das Gespräch entgegen nahm.
„Hallo Chef!“, hörte ich die mir vertraute Stimme von Ben.
„Nennen sie mich nicht immer Chef, ich heiße Chris. Ben folgendes, könnten sie mir eine Peilsuchung einrichten, auf eine Handynummer.“
„Um welche Nummer handelt es sich denn, Che.. äh Chris?“
Ich musste zwangsläufig grinsen. Ich gab ihm die Nummer von Max durch und er versprach mir, mich zurück zurufen, wenn er Erfolg hätte. Wieder an Mr. Breathley gewand, drückte ich das Gespräch weg.
„Ist aber sicherlich nicht seine Art, ohne Rückmeldung wegzubleiben?“, fragte ich.
„Bisher machte ich mir da auch nie große Sorgen, denn bis jetzt war ja auch immer Philipp bei ihm. Aber nun so ohne Schutz, mache ich mir schon Sorgen, schon alleine nachdem was drüben in den Staaten passiert ist!“
Mein Handy klingelte ich nahm das Gespräch entgegen.
„Ja hier Chris!“
„Also, Chris entweder spinnt die Peilung, oder das Handy ist außer Landes!“, erklärte Ben.
„Außer Landes?“, fragte ich jetzt doch verwirrt.
„Ja, in Russland!“
Im Gedanken verloren ließ ich das Handy sinken.
„Was ist?“, fragte Mr. Breathley besorgt.
Ich hielt das Handy wieder an mein Ohr.
„Und daran besteht kein Zweifel?“, fragte ich Ben.
„Nein, und jetzt kann ich ihnen auch genau sagen wo genau… in Murmansk.“
*-*-*
Es hatte keine drei Stunden gedauert, bis Ben und ich im Flieger nach Murmansk saßen. 18:40 Uhr waren wir von Heathrow abgeflogen und sollten kurz vor 22:00 Uhr in Murmansk landen. Claire war so freundlich uns ein Zimmer zu buchen.
Sie hatte uns im Arctic Hotel untergebracht, für eine Nacht, da wir am nächsten Tag zur Halbinsel Kola aufbrechen wollten, wo wir das letzte Peilzeichen von Max’ Handy erreicht hatten. Der Alte hatte sich sowohl mit dem Pentagon, als auch mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung gesetzt.
Ich hatte nun freie Bahn, keine Behörde würde mir Steine in den Weg legen, jedenfalls die, die nicht korrupt waren. In Murmansk angekommen, fuhren wir noch ungefähr ein dreiviertel Stunde, bis wir endlich das Hotel erreichten.
Erschöpft ließ ich mich auf das Bett fallen, während Ben dem Pagen Trinkgeld zusteckte, bevor dieser verschwand. Im Kamin knisterte leise ein Feuer.
„Das ist ja ein Ehebett!“, meinte Ben.
„Ja, und?“, fragte ich und musste grinsen.
„Nichts!“, sagte Ben, wurde rot und machte sich an seine Koffer zu schaffen.
Morgen mussten wir irgendwie nach Polyarnyy kommen, um von dort aus Gadzhiyevo zu erreichen, wo nun auch die komplette russische U-bootflotte vor Anker lag und vor sich hin rostete. Ich beobachte Ben, wie er sich langsam auszog und alles fein säuberlich über einen Stuhl hängte.
Aber richtig wahr nahm ich Ben nicht, auch wenn er eine Topfigur hatte. Mir ging Max nicht aus dem Kopf, warum hatte man ihn entführt, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass er freiwillig hier her gekommen war.
Ben verschwand nur in Shorts ins Bad. Nun stand ich auf und entledigte mich selbst meiner Kleidung. Als ich ebenfalls nur noch in Shorts da stand kam Ben wieder aus dem Bad und konnte siech einen Pfiff nicht verkneifen.
Ich drehte mich zu ihm und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Das Claire mir einen schwulen Partner zuteilen würde, war mir eigentlich von vorne herein klar!“, sagte ich.
„Sie wissen, dass ich schwul bin?“
„Klar Ben, du hast dich zu oft mit deinen Blicken verraten.“
Nun war es Ben, der verlegen grinste.
„Ich wusste ja nicht, dass ich so einen gut aussehenden Partner zur Seite bekomme“, sagte er leise.
„Danke Ben, das kann ich nur erwidern.
„Auf welcher Seite möchtest du… äh sie schlafen?“
„Du Ben, bleib beim Du. Ich nehme die linke Seite“, sagte ich und ging ins Bad.
Als ich nach einer Weile zurückkam, lag Ben in seiner Betthälfte. Was mir auch noch gleich auffiel, seine Shorts hing über dem Stuhl. Ben schien mein Blick zu bemerken.
„Wenn es dir nichts ausmacht, ich schlafe meistens nackt!“, kam es von Ben.
„Habe ich keine Probleme mit, ich tu das ja auch!“, entgegnete ich und ließ meine Shorts nach unten gleiten.
Ben schluckte und ich musste zugeben, es ließ mich keineswegs kalt, dass Ben nun nackt im bett neben mir liegen würde. Mein Blut verteilte sich in die unteren Körperregionen. Selbstbewusst ging ich mit einem halbsteifen Schwanz auf meine Bettseite und legte mich nun eben so hin.
Ben drehte sich zu mir und stützte seinen Kopf mit der Hand ab. Ich spürte, dass er genauso nervös war wie ich selbst. Immer wieder sah ich Max vor mir, und doch erregte mich Bens Anwesenheit unheimlich.
Ich beugte mich zu ihm hinüber und gab ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Willst du wirklich?“, hauchte ich ihm entgegen.
Er nickte nur und zog mich zu sich.
*-*-*
Bens Kopf ruhte auf meiner Brust und schlief fest. Ich dagegen lag nach kurzem Schlummern wieder wach und dachte an Max. War Max das, was ich wollte, oder lag eben dies, jetzt in meinen Armen?
So richtig hatte ich mir das nie ausgemalt, wie es sein sollte. Ein Leben mit Max! Je länger ich darüber grübelte, desto mehr Punkte gab es, die eher für Ben sprachen, als für Max. Total gefangen in meiner Gefühlswelt, schlief ich dann dennoch ein.
Ben war es der mich am nächsten Morgen sanft weckte, den Zimmerservice per Telefon hatte ich einfach verschlafen.
„Morgen Chris, gut geschlafen?“, hauchte mich Ben an.
„So gut wie schon lange nicht mehr!“, antwortete ich leise.
„Du bist in Max verliebt, stimmt’s?“
Ich hob den Kopf und sah Ben in die Augen. Er schien geweint zu haben, denn seine Augen waren rot unterlaufen. Mit meiner Hand wuschelte ich ihm durch seine braunen Haare.
„Ich weiß es selber nicht, Ben. Je länger ich darüber nachdenke um so mehr komm ich zu dem Schluss, Max ist nichts für mich!“
„Besteht da eine kleine Chance für mich?“
Ich lächelte Ben sanft an und streichelte mit der Hand über seine Wange.
„Lass mir ein wenig Zeit, okay?“
Ben nickte, stand auf, und verschwand im Bad. Ich dagegen lag weiter im Bett und ließ einen lauter Seufzer heraus. Stunden später saßen wir in einem Wagen auf dem Weg nach Polyarnyy.
„Ich weiß es ist weit hergeholt“, fing Ben an, der seinen Laptop auf dem Schoss hatte und etwas suchte, „aber könnte es damit etwas zu tun haben, das in Gadzhiyevo der größte Teil der U-Bootflotte der Russen liegt. Ich meine, jeder weiß, dass dort jede Menge radioaktives Material vor sich hinschlummert.“
„Du meinst, sie versuchen an das Zeug heran zukommen?“, fragte ich und konzentrierte mich weiter auf die schlechte Straße, um nicht in irgendeins der zahlreichen Schlaglöcher zu fahren.
„Natürlich auch, ein U-Boot zu klauen scheint mir fast zu fantastisch! Außer sie möchte an die Bewaffnung der Boote, denn ich kann mir nicht vorstellen, das diese abgebaut worden sind.“
„Aber wofür die Diamanten, dass frage ich mich schon die ganze Zeit, auch für was sie Max brauchen.“
„Diamanten sind als Zahlungsmittel immer gut gewesen, und für bestechliche Beamten auch gut genug. Aber etwas anderes, wenn es bei den U-Booten einen Zwischenfall geben würde, wäre die ganze Gegend, also die ganze Berants See hochgradig auf Jahre verseucht und würde bei der Weltöffentlichkeit, große Folgen nach sich ziehen. Schon jetzt warnen diverse Umweltorganisationen, vor einem Supergau.“
„Also so etwas wie damals in Tschernobyl?“, fragte ich.
„Ja, Russland kam damals in Zugzwang, aber erst vor kurzem wurde der vierte, der noch ganze Meiler abgeschaltet, noch jetzt sind mehr als drei Reaktoren gleicher Bauart in Betrieb. Russland bezieht deshalb ordentlich Prügel deswegen.“
Ich bemerkte, Ben hatte seine Hausaufgaben gemacht. Er erzählte mir noch ein wenig von der Führungsstruktur, die in Murmansk herrschte. Das Stadtschild von Polyarnyy tauchte vor uns auf, langsam rollten wir mit dem Wagen in die Stadt.
Sie war gekennzeichnet von dem nahen Militärstützpunkt. Große Plattenbauten zierten den Straßenrand, optimal um Soldaten mit Familie unterzubringen. Es herrschte ein reges Treiben auf der Straße und ich fragte mich, womit viele hier nun ihr Geld verdienten.
Da die Flotte sozusagen stillgelegt war, weil einfach das Geld fehlte, sie in Schuss zu halten, waren hier auch jede Menge Arbeiter und Soldaten ihren Job los. Das wiederum verursachte Missmut unter der Bevölkerung.
Aber deswegen ein Umweltskandal auszulösen? Sie würden sich doch damit nur selbst schaden. Und immer noch nicht war mir klar, wie da Max hinein passen sollte, außer um noch mehr Geld zu erpressen, was aber auch hieße, man wusste, dass Mr. Breathley noch am Leben war.
Wir stiegen in einem kleinen Hotel ab, anscheinend das Einzigste vor Ort. Auch hier brauchte ich Papiere, denn früher war hier alles militärisches Speergebiet und nur die ca. 30.000 Einwohner konnten sich hier frei bewegen.
„Wie wollen wir weiter machen?“, fragte Ben.
„Ein Signal kannst du nicht erfassen?“, fragte ich.
„Nicht ohne selbst entdeckt zu werden, jedenfalls hier nicht!“
„Mist, aber die ganze Werft absuchen, das würde Tage dauern.“
„Was bleibt uns anderes übrig? Wir müssen die Augen offen halten. Zudem möchte uns hier noch ein Slavika treffen, der uns weiterhelfen könnte.“
„Weißt du wie er aussieht?“, fragte Ben.
Ich gab ihm eine Fotografie, die mir Claire zu den Unterlagen gepackt hatte.
„Nicht ganz mein Geschmack!“, sagte Ben und gab sie mir wieder.
„Nicht jeder kann so gut aussehen wie ich und zudem ist Slavika ein ganz lieber Kerl“, meinte ich, was bei Ben ein Grinsen auslöste.
„Du kennst ihn?“, wollte Ben wissen.
„Ja schon von früheren Einsätzen!“
„Hast du… auch?“
„Ben, seh ich so aus, als würde ich mit jedem ins Bett gehen, der mir in die Finger kommt. Du hast zu viele Bondfilme gesehen! Und übrigens, ich trinke auch keinen Martini!“
Er schüttelte den Kopf und bereute bereits seine Frage. Es klopfte an der Tür. Ben schaute mich an, ich nickte ihm zu. Mit der Hand an der Waffe ging ich zur Tür.
„Pozhalujsta?“, sagte ich, Ben verzog das Gesicht.
Die Tür öffnete sich und ein junger Mann streckte den Kopf herein.
„Slavika alter Freund, hallo! Freut mich dich wieder zu sehen!“, sagte ich und ließ die Hand aus meiner Jacke gleiten.
„Hallo Chris, mich freut es auch, dich wieder zu sehen!“, erwiderte er und begrüßte mich, wie es bei den Russen so üblich war.
In die Arme nehmen und abknutschen. Bei manchen Kerlen würde mir das echt auch gefallen. Slavika ließ mich wieder los und musterte Ben.
„Bisschen jung würde ich sagen!“, kam es von Slavika.
„Ben ist im richtigen Alter, also was hast du für mich?“, fragte ich.
„Nichts Gutes fürchte ich! Den Jungen, den sie als Geisel genommen haben, dessen Vater ist hier kein unbeschriebenes Blatt!“
„Haben sie ihn deswegen umbringen lassen?“
„Chris, alter Junge, sie wissen ganz genau, dass sie nur den Sicherheitsbeamten erwischt haben.“
„Und warum haben sie dann Max entführt?“
„Du kennst den Jungen?“
„Ja!“, sagte ich nur knapp, denn ich wollte nicht mehr heraus rücken.
„Also, Breathley verdankt einigen Herren im damaligen Kreml seinen Reichtum. Nur durch deren Beziehungen kam er immer wieder an gute Diamantenlieferungen.“
„Und was gab es als Gegenleistungen?“
„Waffen! Aber nicht nur einfache Waffen, sondern Teile der edelsten Art!“
„Ich denke, ich weiß was du meinst! Und warum jetzt diese Feindschaft, warum wollten sie Breathley umbringen?“
„Wollten sie nicht, dieser Sicherheitschef kam ihnen nur dazwischen. Ganz einfach, sie brauchten Geld und mit was ist besser Geschäfte zu machen, als mit Diamanten.“
„Und warum jetzt der Junge?“
„Das weiß ich nicht, mein Informant konnte oder wollte mir das nicht sagen!“
„Kennst du dich in den Hafenanlagen aus?“
„Klar und ich weiß auch wo der Junge steckt!“
„Wann?“
Ben schaute mich irritiert an.
„Am Besten noch heute Abend, denn ich denke, sie wissen, dass du kommst!“
„Okay! Wo treffen wir uns?“
„Ich hole euch ab!“
„Nein Ben bleibt hier, ich brauche jemand außerhalb des Hafens!“
Ben schaute etwas enttäuscht.
„Gut, gegen neun werde ich hier sein und lasst euch nicht auf der Straße blicken. Kroschniks Leute sind hier überall!“
„Er ist eh nicht gut auf mich zu sprechen, nach unserem letzten Treffen!“
Diesmal war es Slavika, der mich irritiert anschaute.
„Schon gut, also du holst mich um neun ab!“
Slavika nickte und verabschiedete sich. Nachdem er gegangen war, zog ich meine Waffe aus der Tasche und legte sie auf den Tisch.
„Warum willst du mich nicht dabei haben?“, fragte Ben.
„Ben…, lass es gut sein! Das ist dein erster Einsatz dieser Art, oder?“
„Ja, aber…“
„Nichts aber, Ben ich möchte dich einfach nur aus der Schusslinie halten. Kroschniks Weg säumt Leichen und für ihn wäre es bestimmt ein leichtes, dich aus dem Weg zu schaffen!“
Ben schien einzusehen, dass ich Recht hatte, denn es kamen keine Widerworte mehr. Er öffnete dagegen einen Koffer und sah mich an.
„Was brauchst du alles?“
„Die Kugelsichere Weste auf jeden Fall. Und… am besten alles, was Gregorie eingepackt hat!“
Ich war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Sachen zu verstauen, während Ben an seinem Laptop saß und wie wild darauf einhämmerte.
„Ben, was ist los? Nur weil ich dich nicht dabei haben möchte?“
Ich kniete mich neben ihn und legte meine Hand auf seine Schulter.
„Du denkst ich bin eine Flasche, stimmt’s?“
„Red doch keinen Quatsch! Ben ich weiß was du leisten kannst, jedenfalls das Laptop ist deine Welt, damit komme ich nicht klar.“
Das war zwar gelogen, aber irgendwie musste ich ihn doch ruhig stellen.
„Und bisher hast du mir gute Informationen verschafft, sonst wäre ich gar nicht so weit!“
Na ja, über Claire wäre es sicherlich auch gegangen, aber das hätte viel länger gedauert.
„Ich brauche dich hier draußen, ich muss jemanden haben, der für mich eine Tür offen hält!“
Ben lächelte leicht und ich gab ihm einen flüchtigen Kuss. Damit schien er zufrieden zu sein. Seine Tipperei hörte sich jedenfalls nicht mehr so an, als würde er den Laptop zertrümmern wollen.
„Breathley scheint wirklich nicht so ein angesehener Bürger in London zu sein“, sagte Ben plötzlich.
„Warum?“
„Ich habe eine große Datei über Breathley in den Archiven des M I 5 gefunden, jedoch viele mit Passwortzugang!“
Ich stellte mich neben Ben und schaute auf den Monitor. Eine lange Liste mit Daten war zusehen und wie Ben schon gesagt hatte, fast alle mit Passwörter versehen. Ein Punkt viel mir ins Augen. Moskau – A.K.
„Klick das an!“
„Aber das geht nur mit Passwort!“
„Klick es an!“
Er tat, was ich ihm geheißen hatte und wie erwartet ging ein kleines Fenster auf und ein Passwort wurde verlangt. Ich nahm ein Zettel schreib etwas darauf und hielt es Ben vor die Nase.
„Gib dass hier ein!“
Ben schaute mich zwar zweifelnd an, aber gab jedoch alles ein. Ich nahm den Zettel und warf ihn in den Kamin.
Accept!
„Woher weißt du…? Gut ich frage nicht weiter! Mal sehen, was uns diese Datei alles offenbart.“
Gespannt stellte ich mich neben Ben und schaute zu, wie er über den Text scrollte.
„Interessant, interessant! Breathley scheint ein doppeltes Spiel zu betreiben, jedenfalls sind hier alle seine Aktivitäten mit Kroschnik in Moskau aufgeführt, alle Waffenlieferungen und noch so einiges.“
„Also kennen sich Kroschnik und Breathley persönlich!“
„Ja, da besteht keinen Zweifel.“
„Du kennst das Passwort noch?“
„Ja!“
„Dann versuch dein Glück, bei den anderen Dateien, vielleicht findest du etwas Brauchbares!“
Ben’s Finger jagten über die Tastatur.
„Es geht nichts mehr!“, sagte Ben.
„Dann sollte ich mir ein anderes Passwort besorgen.“
„Nein, dein Passwort würde sicher gehen, es ist anders, jemand hat die Leitung gekappt, ich habe kein Zugriff auf das Archiv mehr.“
Das wunderte sogar mich.
„Wenn ich jetzt Claire über das Handy anrufe, wissen sie, dass wir hier sind, Shit!“
Etwas ratlos war ich nun auch. Ich rieb über die Stirn, dachte angestrengt nach.
„Hast du Zugriff auf Gregories Computer?“, fragte ich?
„Ja!“
„Dann mach!“
Ich kniete mich wieder neben ihn und schaute zu, wie er über die Tastatur fegte. Es dauerte nicht lange und wir hatten uns bei Gregorie eingelogt. Schnell war Ben wieder in der Datei über Breathley.
Mir stach den Name Kola ins Auge.
„Klick das hier an!“, meinte ich und zeigte auf das Tool.
Jetzt wurde es interessant, denn Breathley schien Umsummen in dieses Land fließen zu lassen. So langsam klingelten alle meine Alarmglocken im Kopf.
„Kannst du den Werdegang von Breathley aufrufen?“, fragte ich.
Ben nickte. Wenige Sekunden später ging wieder ein Fenster auf.
„Suchst du was Bestimmtes?“, wollte Ben wissen.
„Wo stammt Breathley her?“
Ben durchforstete die Datei und als er gerade das Fenster der Großeltern öffnen wollte, wurde der Bildschirm wieder dunkel.
„Da hat wirklich jemand Angst, dass wir zu viel erfahren!“, kam es von Ben.
„Und dieser Jemand sitzt im Mi-5!“
„Was machen wir jetzt?“
„Ist dir irgendwie möglich zu Claire Kontakt aufzunehmen, ohne dass es bemerkt wird?“
Ben dachte kurz nach und schlug sich plötzlich auf die Stirn.
„Das ich da nicht früher drauf gekommen bin!“
Ich wollte schon fragen, was er meinte, als er wieder wie wild auf seine Tastatur hämmerte. Ich beobachtete den Bildschirm, einige Fenster öffneten sich und schlossen sich wieder.
„Was ist das?“
„Ein Chat! Hier kann man mit anderen kommunizieren.“
„Ich weiß das, aber was hat das mit Claire zu tun.“
„Ganz einfach, in diesem Chat haben ich und Claire eine gemeinsame Freundin.“
„Das ist der Schwulenchat, wie soll…“
„Es gibt auch Lesben, die sich im Schwulenchat befinden.“
Entgeistert schaute ich Ben an, der mich aber keines Blickes würdigte.
„Da ist sie ja!“
Ich schaute Ben zu, wir er ihr detailliert Anweisungen gab, mit was sie sich mit Claire in Verbindung setzten sollte. Etwa fünf Minuten später schloss er das Programm wieder. Ich beugte mich vor und küsste sanft seine Lippen.
„Danke!“, meinte ich und Bens Gesicht überzog ein süßes Lächeln.
*-*-*
Ich ließ mein Nachtfernglas über das Gelände der Werft gleiten. Es war zu meiner Verwunderung nur spärlich bewacht. Das roch regelrecht nach Falle, aber was sollte ich tun, ich wollte Max da raus holen.
Slavika gab mir Zeichen ihm zu folgen. Im Schutz der Dunkelheit schlichen wir auf das Gelände. Vorbei an großen Hallen und Lagern, bewegte sich Slavika zielsicher auf einen großen Bürokomplex zu.
„In dem obersten Stockwerk, soll die Zentrale sein!“, flüstere Slavika.
„Dann los!“
Gemeinsam mit Slavika schlich ich mich zu der großen Einfahrt der Tiefgarage. Auch sie war unbewacht und so sehr ich mich auch umschaute, ich konnte keine Überwachungskamera finden. Ich hörte ein Geräusch und duckte mich im Schatten einer großen Mülltonne.
Nach dem ich mich davon überzeugt hatte, dass da nichts war, schlich ich weiter hinter Slavika her. Plötzlich fielen Schüsse und ich spürte, wie nur dicht an meinem Kopf, die Kugeln vorbei flogen. Slavika schrie kurz auf und stürzte vor mir auf den Boden, wo er regungslos liegen blieb.
„Chris gib auf! Sonst ereilt dich das gleiche Schicksal, wie dein Freund!“
Das war Max Stimme, aber wieso… Schnell war ich umstellt und schaute in mehrere Mündungen. Zwei Leute vor mir traten auf die Seite und tatsächlich… Max erschien.
„So trifft man sich wieder!“, sagte er und ich sah eine Pistole in seiner Hand.
„Du bist nicht…?“, begann ich zu fragen, aber er fiel mir ins Wort.
„Oh Chris, du bist mir voll aufgelaufen! Wenn man jeden Mann so leicht wie dich um den Finger wickeln könnte, hätte mir das schon viel Ärger und Arbeit erspart!“
So langsam schaltete sich mein Verstand wieder ein und mir wurde bewusst, was passiert war. Ich war einem Jüngling auf dem Leim gegangen, hatte ihm geholfen, problemlos aus den Staaten auszureisen.
„Bringt ihn ins Büro und dann lasst uns alleine!“, sagte Max scharf.
Hart wurde ich nach oben gezogen um Slavika kümmerte sich niemand, er lag noch immer regungslos am Boden Zwei Männer führten mich einen langen Gang entlang, bis an eine Tür. Der Eine öffnete sie und vom Anderen wurde ich per Tritt hinein gestoßen.
Wenig später trat Max ein und die zwei Männer verließen uns. Max hatte seine Waffe auf mich gerichtet.
„Das war so leicht, dich um den kleinen Finger zu wickeln. Ich wusste alles über dich.“
„Und Philipp?“, fragte ich.
Max lachte hysterisch auf.
„Ja, der gute Phillip. Er hat mich dabei erwischt, wie ich den Zimmersafe leer räumte und wollte mich zur Rede stellen. Das hat er nicht überlebt.“
„Du hast ihn selber…?“
„Klar, Krischenko war mir ein guter Lehrer, so war es mir ein leichtes Phillip auszuschalten!“
Ich kannte Max nicht wieder, nichts von dem ängstlichen Jungen war übrig geblieben, alles nur gespielt, eiskalt und berechnend. Ich ärgerte mich über mich selber. Zum ersten Mal hatten mich meine Sinne im Stich gelassen, hatte ich mich in einem Menschen so getäuscht.
Max redete und redete auf mich ein, aber mittlerweile nahm ich es fast nicht mehr war. Plötzlich war da ein Gefühl. Ich sah Ben vor mir, den neuen Ben. Erst jetzt spürte ich, was ich für ihn fühlte, wurde mir klar, Ben könnte meine Zukunft sein.
„Chris, du wirkst so abwesend, beschließt du dein Leben oder versuchst deinen Frieden zu finden?“
Ich schaute wieder auf, und hatte direkt die Mündung seiner Pistole vor der Stirn.
„Was soll ich noch groß sagen, du wirst gleich abdrücken und das war es!“
„Wie Recht du doch hast und keiner wird je mitkriegen, was mit dir passiert ist!“
Ich sah, wie sein Zeigefinger, der um den Abzugshahn lag, sich krümmte. Langsam schloss ich die Augen, dachte nur an Ben. Und dann fiel ein Schuss. Doch was war das, kein Schmerz… keine Kälte… kein Loch, in das ich hinabfiel, war ich nun tot, fühlte man dann noch etwas?
Ich öffnete wieder die Augen und sah gerade noch, wie Max, nach hinten wegkippte. Auf seiner Stirn ein Einschuss. Ich drehte meine Kopf nach hinten und traute meinen Augen nicht. Da stand Ben mit ausgestrecktem Arm und die Waffe immer noch in Richtung Max gehalten, jedenfalls dort, wo er eben noch stand.
„Ben?“, flüsterte ich mit leerer Stimme.
Ben war wie in Trance, seine Haltung hatte sich nicht geändert. Etwas benommen stand ich auf und ging langsam auf ihn zu.
„Ben…, alles klar?“
Er reagierte immer noch nicht, stand starr, doch ich konnte in seinen Augen Tränen erkennen. Vorsichtig nahm ich ihm die Waffe ab, im Bewusstsein, dass Ben soeben, seinen ersten Menschen getötet hatte.
Sein Arm sank wie in Zeitlupe nach unten. Er zitterte am ganzen Körper und ich befürchtete er bricht mir zusammen. Er fiel in meine Arme und fing an zu weinen. Sanft streichelte ich mit der freien Hand über seinen Rücken.
Jedes Wort von mir, wäre jetzt zuviel gewesen, ich ließ ihn einfach gewähren. Ich wusste auch nicht, wie er hier hergekommen war, wie er an die Waffe von Slavika gekommen war, die ich in der anderen Hand hielt.
Lange waren wir so da gestanden, bis sich Ben plötzlich von mir löste.
„Ich habe mir Sorgen gemacht und als ich von Claire Nachricht bekam, dass dieser Max gemeinsam mit seinem Vater in dunkle Geschäfte verwickelt war, folgte ich euch. Ich sah wie Slavika niedergeschossen wurde, auch wie du abgeführt wurdest.
Als ich niemand mehr sehn konnte, bin ich zu Slavika gegangen, nahm seine Waffe und folgte einfach den Geräuschen, bis ich euch hier oben fand!“, sprudelte es aus Ben heraus.
„Danke!“, hauchte ich leise, „dass du mir das Leben gerettet hast!“
Ben schaute verlegen zu Boden und wurde rot.
„Chris, ich liebe dich, ich wollte dich nicht verlieren…“
Ich schob mit der Hand sein Kinn nach oben, bis ich in seine Augen blicken konnte.
„Ich weiß! Und ich liebe dich auch!“ gab ich ihm zur Antwort, was ein leichtes Lächeln auf seinem Mund auslöste.
*-*-*
Ich drehte mein Kopf zur Seite, blickte auf Bens schlafendes Gesicht. Ruhig ging sein Atem und er lächelte im Schlaf. Sanft strich ich ihm eine Strähne von der Stirn und drehte mich nun völlig zu ihm um.
Zufall oder Schicksal? Ich wusste es nicht, jedenfalls lag da ein Mann neben mir, den ich liebte, mit dem ich alles teilen konnte. Dieses eine Mal wirklich alles und ich konnte getrost in die Zukunft schauen, denn ich wusste, wir hatten einen gemeinsamen Weg.
Meine Lider wurden schwer. Ich fiel in einen Traum mit Ben, war glücklich und zufrieden.
– Ende –

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Information Death Note
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:04 AM - No Replies

Auch wenn wir diese Geschichte für uns frei erfunden haben, gehört die Vorlage nicht uns. Die Rechte des Manga „Death Note“ sind und bleiben beim Verlag „TokyoPop“.
Auch die Charaktere gehören uns nicht. Wir haben sie uns nur ausgeborgt. Auch diese gehören dem oben genannten Verlag.
Wir haben die Geschichte sehr verändert…. denn unsere Fantasien sind ganz spontan mit uns durchgegangen. null
Es könnte auch sein, dass hier Aktszenen vorkommen, die es in der Vorlage des Manga eigentlich nicht gibt. Wie gesagt, es ist reine Fantasie.
*-*-*
Wie jeden Morgen stand ich, nach etwa vier Stunden Schlaf auf, ging langsam ins Wohnzimmer und schaltete das Fernsehen an. Ich machte es mir in einem Sessel bequem und tat einen Würfelzucker nach dem anderen in den Kaffee, den mir Watari gebracht hatte.
Schon seit Tagen verfolgte ich die Nachrichten und auch heute wurde ich nicht „enttäuscht“. Wieder wurde von einigen seltsamen Todesfällen berichtet, die sich wirklich niemand erklären konnte. Natürlich hatte sich ich mich schon mit der japanischen Polizei in Verbindung gesetzt, obwohl ich wusste, dass einige von denen mir misstrauten, weil ich mich eben nicht zeigen wollte.
Ich hatte schon einen Verdacht, doch musste ich mich versichern, dass ich mich nicht irrte und plante etwas, dass den Kreis der Verdächtigen erheblich einengen würde.
Da mich und mein Gesicht eh niemand kannte würde ich wohl leichtes Spiel haben und sicher hätte ich schon bald einen Verdächtigen.
Wer ich bin? Ich bin L Lawliet. Ich nenne mich aber auch gern Ryuzaki… wenn ich es für angebracht halte und nicht erkannt werden möchte.
Ich bin ein Meisterdetektiv… zumindest werde ich so genannt… denn ich kläre wirklich jeden Fall auf.
Und ich werde auch diesen Fall klären… wie auch immer…
*-*-*
Es war ein schöner sonniger Sommermorgen, die Vögel sangen von den Dächern ihre Lieder und ich, der Musterschüler Light Yagami ging wie jeden Wochentag zur Schule. Keiner konnte hinter meine perfekte Fassade blicken – wusste was ihn mir vorging.
Meine Eltern sahen in mir ihren Sohn, der mehrmals wöchentlich zur Nachhilfe ging und immer nur Top Noten mit nach Hause brachte.
Ich sah sehr gut aus. Meine schönen hellbraunen Augen passten gut zu meinen hellbraunen Haaren. Groß und schlank war meine Statur. Der absolute Mädchenschwarm schien ich zu sein. Dennoch hatte ich keine Freundin und würde wohl auch nie eine haben.
Ich stand heimlich auf Männer, doch schöpfte keiner Verdacht, weil ich mich stark auf meine Noten konzentrierte und fleißig lernte.
Erfahrungen hatte ich trotz alle dem eifrig gesammelt. Leider waren es ausschließlich One Night Stands gewesen, wo ich keine Spuren hinterlassen hatte und auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich den denjenigen noch einmal begegnen würde, sehr gering war.
Es wäre auch nicht in meinem Sinne gewesen, wenn es jemand wüsste. Was würde man nur von mir denken. Wo ich doch in die Fußstapfen meines Vaters treten wollte und den Beruf des Polizisten anstrebte.
Doch war dies nicht das einzige Geheimnis, das ich hatte.
*-*-*
„Watari, sehen sie sich das an…“, bat ich den älteren Herrn, der für mich, mit der Zeit, zu einem sehr guten Freund geworden war und mich unterstützte wo er nur konnte.
Nein, Watari war nicht mein Diener… auch wenn er meist um mich und im Haus herum wuselte.
Ich zeigte auf den Fernseher. Er sah ebenfalls hin und schüttelte unverständlich den Kopf, während ich noch immer den Würfelzucker in meinen Kaffee fallen ließ und schließlich mit einem Kaffeelöffel in der Tasse herum rührte.
„Was sagen sie dazu?“
Watari schüttelte noch immer den Kopf und schien wohl, angesichts der Bilder ziemlich sprachlos zu sein.
Ich sah ihn an und konnte mir regelrecht denken, was er dachte… er brauchte nichts zu sagen. Während sich mein „Freund“ wieder anderen Aufgaben widmete dachte ich angestrengt nach.
Klar war für mich, dass es sich um jemanden handeln musste, der noch zur Schule ging, denn diese „Morde“ geschahen meist am Nachmittag. Ich sah darin allerdings keine wirkliche Bösartigkeit… nein, derjenige meinte es „gut“, wenn ich es mal so nennen darf. Es waren ja immer „nur“ Verbrecher, die er oder sie „hinrichtete“… womit und wie auch immer.
Irgendwo da draußen befand sich jemand, der anscheinend eine „bessere“ Welt wollte… so ganz ohne Verbrechen. Ja, der Gedanke war schon gut, aber es war definitiv der falsche Weg.
Da es so natürlich nicht weitergehen konnte, setzte sich mich noch einmal mit der Polizei und nun auch mit einem Fernsehsender in Verbindung um meine Idee umzusetzen…
*-*-*
„Vater, du bist heute aber früh zu Hause“, begrüßte ich meinen Vater Soichiro, als ich gerade wegen des Abendessens die Treppe runterging und er zur Tür herein kam.
„Ja, wir kommen mit den Ermittlungen zur Zeit nicht weiter“, antwortete er mir und folgte mir ins Esszimmer, nachdem er sich seine Schuhe ausgezogen hatte.
Meine Mutter Sachiko begrüßte ihn freudig. Man sah ihr an, was für große Sorgen sie sich um ihn machte.
Mein Vater kam zurzeit so spät nach Hause, dass er meist direkt ins Bett ging und vor Erschöpfung sofort einschlief.
Wir nahmen Platz, verbeugten uns und fingen an zu essen. Erst nach dem Essen, begannen wir ein Gespräch.
„Das war mal wieder sehr lecker, Liebling“, bedankte sich mein Vater für das Essen.
„Ja, sehr lecker“, fügte ich hinzu, bevor mein Vater wieder das Wort erhob.
„Wie ihr bereits wisst arbeite ich im Moment sehr viel und da es sich, um besonders gefährliche Ermittlungen handelt, werde ich euch erzählen worum es geht.“
„Aber was heißt denn gefährlich“, wollte meine Schwester Sayu auch gleich wissen.
„Heißt das etwa, dass du sterben könntest“, brachte ich ein und meine Mutter hielt sich erschrocken die Hand vorm Mund.
„Ja, das könnte durchaus der Fall sein. Gerade deswegen erzähle ich euch davon. Ihr sollt wissen, wir ermitteln in dem Fall KIRA“, erklärte mein Vater.
KIRA, so nannten sie IHN.
„Mein Junge“, wandte mein Vater sich direkt an mich,
„ich weiß ja dass du kurz vor den Prüfungen stehst. Aber du hast uns schon oft bei schwierigen Ermittlungen erfolgreich geholfen, da dachte ich, du könntest vielleicht auch dieses Mal mit uns ermitteln. Natürlich müsste ich das noch erst abklären. Ich wollte aber erst mit euch darüber sprechen.“
Hervorragend! Es lief alles viel besser als erwartet!
„Aber Vater, die Prüfungen“, wand Sayu ein und auch meine Mutter schien nicht begeistert zu sein.
„Um die Prüfungen macht euch mal keine Sorgen“, zerstreute ich ihre Bedenken.
„Was ich jetzt nicht im Kopf habe, lerne ich in so kurzer Zeit sowieso nicht mehr. Außerdem kann ich es mir sicherlich einteilen noch genügend Zeit fürs lernen zu haben. Ich denke es ist jetzt wichtig diesen KIRA zu fassen.“
Nur mit sehr viel Mühe konnte ich die ernste Miene bewahren und mein Grinsen unterdrücken.
„So kenne ich meinen Sohn“, lächelte mein Vater mich müde an.
„Ich werde es bei der nächsten Gelegenheit zur Sprache bringen. Aber jetzt werde ich mich ein wenig ausruhen. Entschuldigt mich bitte“, mit diesen Worten verabschiedete sich mein Vater vom Tisch.
Er gab meiner Mutter noch einen Kuss, bevor er den Raum verließ.
Es blieb eine erdrückende Stille zurück.
„Ich werde dann auch mal hoch gehen und noch ein bisschen in die Bücher schauen“, durchbrach ich die Stille und stand auf.
„Oller Streber“, neckte Sayu mich.
Ich grinste sie frech an, rubbelte ihr mit der Hand durchs Haar, um sie zu ärgern, bevor ich meinen Teller wegräumte und nach oben in mein Zimmer ging. Ich schloss die Tür hinter mir und legte mich aufs Bett.
Dann konnte ich nicht mehr zu und lachte lauthals los.
„Light?“, fragte der Shinigami Ryuk neben mir, „Geht es dir gut?“
„Mir ging es nie besser“, lachte ich weiter.
Sie nennen IHN KIRA!
Sie nennen MICH KIRA!
*-*-*
Da es mittlerweile schon Nachmittag war, setzte ich mich mit einem geheimen Nachrichtensenderin Verbindung. Sie sollten einen Gefangenen, der eh zum Tode verurteilt worden war, in meinem Namen im Fernsehen auftreten und einen vorgefertigten Text vortragen.
Das Gericht, die Polizei, das Gefängnis und auch der Nachrichtensender willigten ein und alles wurde, binnen kürzester Zeit, vorbereitet, so dass es nur noch ausgestrahlt werden musste.
Ich wusste, wenn KIRA, so nannten ihn oder sie alle…. ja, er / sie hatte sogar eine riesige Fangemeinde, diese Ausstrahlung sehen würde, würde er / sie sich provoziert fühlen und dementsprechend handeln.
Ja, ich rechnete damit, dass der Gefangene sterben würde. Natürlich würde er nicht als Gefangener im Fernsehen auftreten… nein, dafür hatte ich mir etwas besonderes ausgedacht.
Danach, wäre ich KIRA, mit tödlicher Sicherheit, sehr viel näher.
Da ich zur Eile drängte wurde die Sendung schon in der nächsten Stunde ausgestrahlt.
Nun hieß es abwarten.
Ich saß währenddessen in meinem Sessel, aß das, von Watari, liebevoll zubereitete und mit viel Süßem dekorierte Eis und starrte gespannt zum Fernsehen.
Der Strafgefangene Lind L. Tailor sollte sich für mich ausgeben und das tat er auch. Er saß nun im Studio am Tisch und las den, von mir vorgegebenen, Text vor… ohne auch nur eine Miene zu verziehen.
Wenn es sich so verhielt, wie ich dachte, dann würde Tailer in den nächsten Minuten sterben. Mein Freund Watari sah dem ganzen Geschehen ebenfalls gespannt zu….
*-*-*
Es war einige Tage her, wo ich ein schwarzes Notizbuch fand.
Das Death Note!
Erst hielt ich es für einen schlechten Scherz und wollte es zurücklegen.
Dessen Namen man ins Buch hineinschreibt stirbt.
Unvorstellbar. Da hatte sich jemand einen Scherz erlaubt.
Doch meine Neugier siegte und ich nahm das Buch mit nach Hause. Weil ich es testen musste, brauchte ich ein Opfer. Irgendjemand der es nicht wert war länger zu leben. In den Nachrichten war schnell jemand gefunden. Ein Verbrecher, dem keiner eine Träne nachweinen würde.
Es funktionierte und der Mann war tot. Für einen Moment fühlte ich mich schuldig, doch dann wurde es mir klar.
Das Buch war für mich bestimmt! Ich sollte der Gott einer neuen Welt werden!
Man muss den vollständigen Namen eintragen und sich das Gesicht des desjenigen vorstellen, so besteht keinerlei Verwechslungsgefahr. Dann vergehen 40 Sekunden bis das Opfer an Herzversagen stirbt.
Man kann allerdings auch den Todeszeitpunkt und die Todesursache bestimmen.
Kurze Zeit später tauchte Ryuk dann bei mir auf und erklärte mir den einzigen Hacken. Ich würde, wenn meine Zeit einmal um sei, in sein Death Note kommen. Könnte dann allerdings weder in den Himmel, noch in die Hölle.
Mich störte das nicht, obwohl ich auch keine Wahl mehr hatte. Ryuk schien es sehr zu freuen, da ich ihm sehr gefiel und er die Vorstellung mochte, an meiner Seite zu sein.
Die nächsten Opfer waren schnell gefunden. Ich durchwühlte die Akten meines Vaters, natürlich ohne Spuren zu hinterlassen. Außerdem schaute ich täglich die Abendnachrichten und ein Schwerverbrecher nach dem anderen musste dran glauben.
Doch heute war etwas anders als sonst. Es sprach ein Detektiv direkt zu KIRA. Er nannte sich L.
*-*-*
Nervös knabberte ich an meiner Unterlippe und starrte noch immer auf den Fernseher vor mir. Bald hätte Tailor den Text fertig gelesen und irgendwie musste sich doch was tun.
Ja, ich wollte KIRA ein wenig provozieren und hoffte wirklich, dass er / sie sich provozieren ließ, denn Tailor machte seine Sache wirklich sehr gut. Natürlich hatte ich in die Trickkiste gegriffen.
Ich hatte verkünden lassen, dass diese Sendung in der ganzen Welt ausgestrahlt werden würde… so hoffte ich, würde sich KIRA in Sicherheit wiegen.
„Ich bin Lind L. Tailor, auch bekannt als L, der einzige Mensch, der die weltweiten Polizeikräfte lenken kann.“
Ich war mir sehr sicher, dass KIRA nicht der einzige war, den ich nun an der Nase herumführte.
„Es geht um einen Serienmord, der systematisch an Verbrechern begangen wird. Das ist ein Verbrechen allergrößten Ausmaßes, das wir auf keinen Fall hinnehmen können.“
Ja, sehr gut. Bald hab ich dich… KIRA!!!
„Kira. Ich kann mir ungefähr vorstellen welche Gedanken dich bewegen, das zu tun, was du tust. Aber so wie du handelst… bist du… DAS BÖSE! Die weltweiten Ermittlungen haben bereits begonnen.“
Genau, das war es. Nun musste ich nur noch abwarten. Gleich würde KIRA reagieren… ja, ich wusste, dass er oder sie auf jeden Fall in irgendeiner Art und Weise reagieren musste…
*-*-*
Was dachte sich dieser L eigentlich dabei? Hatte er gar keine Angst vor mir? Ich konnte ihn ohne mit der Wimper zu zucken töten.
Was bildete er sich ein mich als DAS BÖSE hinzustellen.
Ich hatte schon von diesem L gehört. Wahrscheinlich war er der einzige, der mir gefährlich werden könnte.
In mir tobte eine unbeschreibliche Wut auf ihn.
Also tat ich es kurzerhand. Er war doch selbst schuld, was zeigte er sich auch ausgerechnet jetzt offen im Fernsehen. Außerdem erzählte er nur Schwachsinn und nervte mich.
Seinen Namen schrieb sich wie von selbst ins Death Note. Jetzt musste ich nur noch 40 Sekunden warten, bis er tot umfiel.
*-*-*
„Watari, sehen sie das? Ich wusste es… KIRA reagiert. Also tötet er auch Unschuldige… die ihm, seiner Meinung nach, im Wege stehen.“
„Ja, ich sehe es.“, erwiderte mein Freund.
Wir sahen wie gebannt zum Fernsehen, als sich Tailor ganz plötzlich an die Brust griff, schreckensbleich wurde… röchelte… und tot mit dem Oberkörper auf die Tischplatte fiel.
Sogleich waren zwei Männer auf dem Bildschirm zu sehen, die Tailor weg brachten, wobei man noch ein „Unglaublich“ vernehmen konnte.
Jetzt sah ich meine Chance gekommen. Ich ließ mich mit dem Sender verbinden, dann erschien auch schon das „L“ in der sehr alten Schrift, das sozusagen mein „Markenzeichen“ war.
Dann sprach ich KIRA direkt an:
„KIRA… du kannst also töten, ohne selbst Hand anzulegen. Ich hatte so etwas vermutet, daher dieser Test. Unfassbar… dass so etwas möglich ist. Meine Vermutung war also korrekt… Aber ich musste es erst mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben…
Aber andererseits waren deine Taten anders nicht zu erklären.
Aber L existiert wirklich!
Ich existiere wirklich!
Los! Versuch, mich zu töten!
Los! Lass mich nicht warten!
Na komm, mach schon! Versuch mich zu töten! Oder kannst du das etwa nicht?
Aus irgendeinem Grund kannst du mich offenbar nicht töten.
Es gibt also auch Menschen, die du nicht ermorden kannst. Danke für den Hinweis.
Im Gegenzug will ich dir etwas verraten.
Eingangs wurde angekündigt, dass diese Übertragung weltweit live ausgestrahlt würde. Aber tatsächlich ist sie nur in Japan… in der Kanto – Region ausgestrahlt worden.
Wir hatten vor, sie mit Verzögerung auch in anderen Teilen Japans auszustrahlen, aber das ist jetzt nicht mehr notwendig. Du befindest dich in der Kanto – Region.“
Ich ließ ein Bild eines anderen Verbrechers einspielen und erklärte:
„Der Fall bekam nur wenig Aufmerksamkeit und wurde deswegen von der Polizei übersehen, aber das erste Opfer in dieser Mordserie war der Amokläufer von Shinjuku.
Unter all den Schwerverbrechern, die durch Herzversagen gestorben sind, war die Schuld dieses Amokläufers auffällig gering. Außerdem wurde über diesen Fall nur in Japan berichtet…
Das reichte aus um gewisse Schlüsse zu ziehen.
Es war klar, dass du dich in Japan aufhältst, und dass dieses erste Opfer das Versuchskaninchen war, um deine Mordmethode zu testen. Wir haben die Übertragung zuerst in Kanto ausgestrahlt, weil dort die Bevölkerungsdichte am höchsten ist. Dass du dich tatsächlich dort aufhältst, war ein Glückstreffer.
Dass alles so nach Plan laufen würde, habe selbst ich nicht für möglich gehalten. Aber angesichts dieses Erfolges dauert es vielleicht nicht mehr lange, bis ich dich hinrichten lassen kann.
KIRA! Mich interessiert wirklich, wie du deine Opfer tötest… Aber das werde ich noch früh genug erfahren…
Wenn ich dich verhaftet habe!
KIRA!
Ich werde dich finden und aus dem Verkehr ziehen, das schwöre ich!
Ich bin die Gerechtigkeit!
Bis zum nächsten Mal, KIRA…“
Nach dem letzten Satz schaltete ich den Bildschirm aus und beendete die Übertragung. Anschließend setzte ich mich wieder mit der Polizei in Verbindung, denn dort vermutete ich eine undichte Stelle…
Woher sonst sollte Kira diese ganzen Informationen haben, wenn er nicht Zugang zu den Polizeiakten gehabt hätte?
*-*-*
Mit offenem Mund starte ich zum Fernseher. Es war nicht der echte L gewesen. Alles war eine fiese Falle.
„Was hast du erwartet?“, kam es von Ryuk der kichernd neben mir stand.
„Wenn er wirklich ein so guter Meisterdetektiv sein soll, wie man sagt, wäre das viel zu einfach gewesen.“
Recht hatte er.
Seufzend ließ ich mich auf meinen Stuhl sinken.
Ich machte mir trotzdem keine Sorgen, schließlich war Kanton nicht klein.
„Dich scheint das alles nicht wirklich zu stören“, stellte Ryuk fest.
„Nein!“, erwiderte ich und grinste.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass der Verdacht auf mich fällt ist gering. Außerdem werde ich doch bald selbst gegen KIRA ermitteln. Sobald mein Vater das geklärt hat, sollte ich bald am längeren Hebel sitzen.“
Ryuk grinste mich an.
„Und wer weiß, vielleicht begegne ich dann auch dem richtigen L. Dann werden wir sehen, wer wen aus dem Verkehr zieht.“
*-*-*
Während Watari seinen Arbeiten wieder nachging, stellte ich eine Verbindung zur Polizei her und wollte mit einer ganz bestimmten Gruppe reden.
Diese Gruppe unterstand Inspektor …. Yagami…
Ich wusste, dass diese Truppe eine der Besten war, aber genau aus dieser Truppe vermutete ich die undichte Stelle. So bat ich die Truppe, bestehend aus sechs Polizisten, zu mir in mein Apartment.
Sie alle sollten von mir und Watari überprüft werden. Natürlich war mir auch klar, dass keiner dieser Männer KIRA sein konnte… nein, sicher nicht.
Meiner Meinung nach, war es ein sehr intelligenter Schüler und er verhielt sich wie ein Kind… oder auch wie ein Jugendlicher. Er hatte sich eben provozieren und er wollte sich rächen… er wollte nicht verlieren… er wollte gewinnen.
Es musste mindestens ein Schüler aus der Oberstufe sein und ich rechnete sogar damit, dass es einer der Familienmitglieder der Polizisten war, die ich zu mir bestellte.
Sicher, Kanto ist groß, aber es gab nur eine Handvoll wirklich intelligenter Menschen, denen ich solch einen Plan zutraute. Es sollte also nicht weiter schwierig werden.
Mein Vorteil war zudem, dass wirklich niemand mein Gesicht kannte, denn ich hatte noch einen ganz bestimmten Trumpf im Ärmel und diesen gedachte ich sehr bald auszuspielen und dann… auf KIRA zu treffen… der / die dann allerdings nicht wissen würde mit wem er oder sie das „Vergnügen“ hätte.
Wobei ich mir ziemlich sicher war, dass es sich um einen männlichen KIRA handelte… denn so wie er handelte … nein, so würde niemals ein Mädchen oder eine Frau handeln. Er handelte teil kalt und berechnend und ließ sich doch provozieren.
Ich war schon sehr gespannt darauf, wer dieses Bübchen wohl war….
*-*-*
Das Telefon ging ununterbrochen, bis mir plötzlich einfiel, dass ich alleine zu Hause war und wohl rangehen musste.
“Light Yagami“, meldete ich mich freundlich.
“Light“, hörte ich meinen Vater am anderen Ende der Leitung,
“Ich dachte schon, es sei keiner zu Hause.“
“Entschuldige Vater. Ich war so ins lernen vertieft, dass ich ganz vergessen hatte, dass Mutter und Sayu drüben bei den Nachbarn sind“, erklärte ich meinen Vater.
“Ach so verstehe. Dann bin ich ja beruhigt. Ich hatte schon Angst, euch sei etwas zugestoßen“, kam es von meinem Vater.
“Nein, alles bestens“, versuchte ich ihn zu beruhigen.
“Hör zu Light, es wird heute spät werden. Vielleicht werde ich auch gar nicht nach Hause kommen. Ich rufe an, damit ihr euch keine Sorgen macht. Wir haben einen wichtigen Termin wahrzunehmen. Bitte richte das deiner Mutter aus. Auch… dass ich sie liebe…“
Dann legte mein Vater auf, ohne mir eine Chance zur Antwort zu lassen.
Einen wichtigen Termin also.
Ich schaute Ryuk an, der alles mit angehört hatte.
Sie würden wohl jetzt enger mit L zusammenarbeiten. Es hatten sich schließlich viele Polizisten gegen die Ermittlungen entschieden, aus Angst zu sterben.
Vielleicht war L mehr als eine Person. Wenn das so wäre, würde ich es wieder mit einer Menge Gegner zu tun haben.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als auf meinen Vater zu vertrauen und darauf, dass er mich zu den Ermittlungen hinzuziehen würde.
Hoffentlich würde L da auch mitspielen.
*-*-*
Da es sehr eilig war und ich eigentlich nicht wollte, dass noch mehr Menschen sterben… wobei ich das derzeit wahrscheinlich leider noch nicht wirklich verhindern konnte, stand ich wenige Stunden später vor sechs Polizisten und ließ sie eintreten.
Sie alle stellten sich mir mit ihrem richtigen Namen vor… au man… bis ich sie belehrte und meinte:
„Wenn ich Kira wäre…. wären sie jetzt alle tot.“
Die sechs Männer sahen mich erschrocken an, aber ich klärte sie auf, während ihnen Watari, wie von mit erbeten, die Handys abnahm.
Dann begaben wir uns ins Wohnzimmer, wo ich auch gleich zur Sache kam:
„Da ich vermute, dass sich unter ihnen eine undichte Stelle befindet, würde ich mich gern mit jedem Einzelnen von ihnen unterhalten… allein natürlich. Sind sie damit einverstanden?“
Dabei sah ich mir die Herren nacheinander ganz genau und sehr misstrauisch an. Ich beobachtete sie, denn ich wollte einfach wissen wie sie reagierten.
*-*-*
Mein Vater würde sich heute sicher nicht mehr melden, was aber nicht weiter schlimm war.
Ich hatte mehr als genug zu tun.
Ein Mord folgte dem Nächsten. Die Welt musste bereinigt werden.
Ryuk saß auf meinem Bett und futterte fleißig Äpfel.
“Duuuu… Light?“, kam es irgendwann von ihm.
Ich unterbrach meine Arbeit und drehte mich zu ihm um.
“Noch mehr Äpfel gibt es heute nicht. Du wirst dich bis morgen gedulden müssen. Das waren die letzten“, entgegnete ich ihm.
Er grinste.
“Das meinte ich ausnahmsweise mal nicht. Ich liebe zwar Äpfel, aber es gibt da noch etwas, was ich viel mehr liebe“, gab er mir zur Antwort.
Genervt verdrehte ich die Augen. Sollte das schon wieder losgehen.
“Light? Wenn ich ein Mensch wäre? Würdest du dann meine Gefühle erwidern?“
*-*-*
Nachdem ich die Zusage von den sechs Herren erhalten hatte, suchte ich einen nach dem anderen aus und unterhielt mich mit ihnen, währenddessen die anderen draußen warteten.
Jedoch, was ich auch versuchte, es brachte nichts. Sie alle schienen absolut sauber. Sollte ich mich derart geirrt haben? Nein… sicher nicht…
Ich überlegte, während ich mir eine Tafel Schokolade, Stück für Stück, einverleibte.
Wer hatte Zugriff auf die Akten? Wer leitete die Truppe?
Natürlich… Yagami… Inspektor Yagami. Nur er hatte den vollständigen Zugriff auf die Akten im Computer. Und wenn er nicht die undichte Stelle war … dann musste es jemand aus seiner Familie sein.
So nahm ich mir die Personalakte von Inspektor Yagami vor und las sie mir gründlich durch.
Wie ich feststellte, war er mehr als korrekt. Nein, er war sicher nicht die undichte Stelle. Dann las ich aber auch, dass er eine Frau und zwei Kinder… einen Jungen und ein Mädchen… hatte.
Die Frau war es sicher auch nicht und auch das Mädchen sah mir nicht so aus, als würde sie so etwas tun können.
Aber Light Yagami… ja… ihm traute ich das sehr wohl zu. Sehr schnell hatte ich auch den Zugriff auf die Schulakte dieses Jungen und …Bingo… ich hatte was ich suchte.
Er war sehr intelligent und sehr, sehr gut in der Schule. Er entsprach ganz genau meinem Profil, das ich von Kira erstellt hatte.
Eigentlich ein sehr niedliches Bübchen.
// Warum tust du das… Light?//, fragte ich mich gedanklich.
Dann hatte ich eine Idee und diese gedachte ich schon am nächsten Tage zu verwirklichen…
*-*-*
Als am nächsten Morgen mein Wecker ging, schaute ich in Ryuks Gesicht.
“Raus aus meinem Bett!“, schrie ich ihn an.
“Mit wem sprichst du, mein Junge?“, hörte ich meine Mutter vor der Tür fragen.
“Nichts Mutter, ich habe geträumt“, antwortete ich.
Mist, ich musste vorsichtiger sein.
Böse funkelte ich Ryuk an, bevor ich mich für die Schule fertig machte.
Die verging mal wieder wie im Schneckentempo. Es langweilte mich alles sehr, weil ich schließlich alles konnte. Jede Antwort gab ich hundertprozentig genau, auch wenn meine Gedanken mal abschweiften.
Ryuk langweilte sich auch, während des Unterrichtes. Er machte Luftsprünge, als endlich die Glocke zur Pause ertönte.
“Endlich.“, jauchzte er.
Heute war ein langer Tag. In dem einen oder anderen Fach wurden bereits Prüfungen geschrieben. Endlich hatte mein Gehirn etwas zu tun.
Mathematik stand auf meinem Stundenplan und ich musste den Raum wechseln.
“Wehe du störst mich gleich während der Stunde“, zischte ich Ryuk zu, als wir unbeobachtet waren.
“Sicher nicht!“, versicherte mir Ryuk und schaute zu dem Apfelbaum auf dem Schulhof.
Ich nickte ihm zu.
“Lass dich aber nicht erwischen“, zwinkerte ich ihm zu, bevor ich die Treppen rauf ging und meinen Platz einnahm.
Der Raum war mehr als voll, es waren viele Schüler da, die jetzt an der Prüfung teilnehmen würden.
Der Professor betrat den Raum und es wurden auch direkt die Blätter verteilt.
Los ging es!
*-*-*
Am frühen Morgen hatte ich mich, nach einem ausgiebigen Frühstück, auf den Weg in die Schule gemacht, in die auch Light ging. Dort hatte ich mich unter dem Namen Ryuzaki vorgestellt, denn immerhin musste ich ja meine Tarnung aufrecht erhalten.
Ich wusste genau wohin ich musste und so saß ich erst in dem einen Klassenzimmer und nun in einem anderen.
//Wow… Mathematik und dann auch noch eine Prüfung… wie lächerlich.//, dachte ich bei mir und füllte den vor mir liegenden Bogen aus.
Dabei wäre ich beinahe eingeschlafen, wenn ich mich nicht mehr oder weniger auf Light konzentriert hätte.
Sehr schnell… beinahe schon zu schnell hatte ich diese lächerlichen Aufgaben gelöst, stand auf und brachte meinen Aufgabenbogen zum Lehrertisch. Dann entfernte ich mich aus dem Klassenzimmer und wartete auf dem Schulhof, fast neben dem Eingang des Schulgebäudes, auf Light… hoffend, dass er mir nicht zu schnell auf die Schliche kommen würde….
*-*-*
Mathematik war viel zu einfach gewesen. Ich war schneller fertig als die meisten Schüler. Nachdem ich noch einmal alles durchgelesen hatte, gab ich den Zettel ab und ging auf dem Schulhof.
Ryuk kam direkt auf mich zu und starrte mich wie gebannt an.
“Und, sag schon, wie ist es gelaufen?“, wollte er neugierig wissen.
Ich konnte ihn jedoch nicht antworten, weil wir nicht allein waren.
Mein Blick fiel auf einen Schüler, den ich noch nie zuvor hier gesehen hatte. Er war in etwa in meiner Größe, stand aber etwas gebückt da. Schwarze Haare hingen ihm wild ins Gesicht und seine fast schwarzen Augen hielten mich gefangen.
*-*-*
Endlich sah ich ihn … Light… er sah mich ebenfalls an… und auch ich konnte meinen Blick irgendwie nicht von ihm abwenden.
Ich richtete mich auf, da ich mir schon vorstellen konnte, dass ich mich mit meiner derzeitigen Haltung wohl lächerlich machen würde, und ging dann auf ihn zu.
Vor ihm stehend musterte ich ihn unauffällig, was eigentlich nicht so meine Art war und ich mich selbst schon etwas über mich zu wundern begann, dann stellte ich mich ihm vor.
„Hallo, mein Name ist Ryuzaki. Ich bin neu hier. Sag mal, gibt es hier auch einen Sportplatz?“, plapperte ich munter drauf los und stellte mich natürlich dümmer als ich war.
Irgendwie schien er mir leicht unsicher, so als wollte er etwas tun und konnte es nicht. Aber ich ging nicht auf meine Beobachtung ein und wartete, dass er mir antworten würde.
*-*-*
Höflich wie ich bin, antwortete ich Ryuzaki.
“Hallo, mein Name ist Light. Ja, der Sportplatz befindet sich weiter hinten. Ich wollte mir eben etwas zu essen holen, das liegt quasi auf dem Weg. Wenn du magst komm doch einfach mit, dann zeig ich dir den Sportplatz.“
Irgendwie brachte ich das alles nicht so locker rüber, wie es sollte.
Irgendetwas an ihm hatte es mir angetan.
Mist, ich war doch sonst nicht so schüchtern.
*-*-*
Nanu… er war doch wohl nicht etwa schüchtern? Das war ja niedlich… eigentlich schon zu niedlich, um ihm einen Serienmord zuzutrauen. Und doch durfte ich mich nicht an ihn verlieren… ich musste mein Ziel im Auge behalten.
Aber so wie er gerade vor mir stand… musste ich wirklich hart schlucken, doch ließ ich mir nichts anmerken. Wusste ich doch, dass ich das nicht durfte.
Mit sehr sanfter Stimme antwortete ich ihm:
„Hey, danke. Ich komme gern mit dir mit. Sag, treibst du eigentlich viel Sport und spielst du auch Tennis? Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn wir mal gegeneinander antreten würden. Was hältst du davon?“, plapperte ich weiter und stellte mich natürlich weiterhin ein wenig dumm.
Und doch wollte mir das alles nicht so recht gelingen. Ich musste echt aufpassen, dass ich mich nicht, durch eine unbedachte Äußerung, verriet. Ich verhielt mich doch sonst nicht so aufgeschlossen… was war das nur?
Ich war der Meisterdetektiv und ich musste mich zusammennehmen.
Aber etwas in meinem Inneren suchte förmlich seine Nähe… mir war allerdings nicht klar was es war und warum…
Verdammt…!
*-*-*
Ich musste schmunzeln. Ryuzaki wollte Tennis spielen. Er wusste gar nicht worauf er sich einließ.
„Ich hab ewig kein Tennis mehr gespielt. Das würde sicherlich Spaß machen“, antwortete ich ihm, während ich langsam den Weg einschlug.
Ryuk folgte uns, wobei er etwas genervt wirkte.
Ich konnte unmöglich hier flirten. Wenn das jemand mitbekommen würde.
Aber die Versuchung war sehr groß.
Ob mein Gegenüber wohl auf Männer oder auf Frauen stand.
*-*-*
Ich musterte Light von der Seite her, während ich neben ihm her ging.
Leicht mit dem Kopf nickend erwiderte ich:
„Ja, das wäre sehr interessant. Ich habe auch schon lange kein Tennis mehr gespielt, aber ich bin mir sicher, dass ich siegen würde.“
Wir hatten schon eine lange Strecke hinter uns, als ich den Sportplatz schon sehen konnte.
„Ah, da ist ja der Sportplatz. Danke Light.“, bemerkte ich:
„Ich hab heute noch nichts gegessen, hättest du was dagegen, wenn ich dich begleite?“, fragte ich hinzufügend… hoffend, dass er mich nicht abblitzen lassen würde.
*-*-*
Was hatte dieser Typ nur an sich, dass ich ihn so anziehend fand.
Als wir beim Sportplatz standen, kam mir eine viel bessere Idee. Er sagt also, er würde mich besiegen.
“Ich würde viel lieber eine Runde Tennis gegen dich spielen! Essen können wir auch noch im Nachhinein etwas. Mit vollem Magen spielt es sich nicht so gut. Was sagst du? Dann kannst du mir ja zeigen, wie du mich besiegst“, forderte ich Ryuzaki heraus.
*-*-*
Ich grinste, denn Light schien sich seiner Sache auch sehr sicher zu sein und er schien nicht zu wissen mit wem er es zu tun hatte. Okay, es war ja auch sehr unfair von mir, dass ich den „Dummen“ mimte und in Wahrheit mindestens zwei Prozent über Lights Intelligenz lag.
Einwilligend nickte und antwortete ich:
„Okay, ich bin einverstanden. Gehen wir Tennis spielen.“
Ich war wirklich sehr gespannt, wer von uns den Sieg davon tragen würde. So wie Light aussah, würde er sicher alles daran setzen zu gewinnen und genauso schätzte ich ihn auch ein.
Aber auch ich würde mein Bestes geben… leicht würde ich es ihm nicht machen… auch wenn er noch so niedlich aussah.
*-*-*
Das Spiel begann und Ryuzaki war stärker, als ich gedacht hatte. Ein harter Gegner!
Wir hatten bald die Aufmerksamkeit der halben Schule auf unserer Seite. Es wurde getobt und gejubelt.
Es ging Punkt für Punkt vorwärts. Mal führte er, mal ich. Immer Kopf an Kopf waren wir.
Ich kam richtig ins schwitzen bei der Sache und wollte um jeden Preis gewinnen!
*-*-*
Au man, der Kleine machte es mir echt nicht leicht, aber das hatte ich ja erwartet.
Ein wenig keuchte ich schon und kam schon ziemlich ins Schwitzen.
Das Spiel dauerte lang…. dann waren es nur noch eine Minute und ein Punkt, die mich von meinem Sieg trennten, dann jedoch verfehlte ich den Ball und genau in diesem Augenblick war auch das Spiel vorbei.
„Spiel, Satz und Sieg geht an Light Yagami.“, kam die Ansage und zeigte mir, dass ich wohl doch verloren hatte.
Nun, ich trug es mit Fassung und war ein guter Verlierer.
Ich ging auf Light zu, gab ihm die Hand und meinte:
„Glückwunsch, Light, du hast gut gespielt.“ und sah ihm dabei tief in die Augen.
*-*-*
Wahnsinn, was für schöne Augen Ryuzaki hatte. Ich schüttelte ihm die Hand und verlor mich beinahe in seinen tollen Augen.
Doch dann fasste ich mich wieder und grinste ihn an.
“Du hast ebenso gut gespielt. Es war wohl nur eine reine Glückssache, wer von uns siegt. Darf der Gewinner, den Verlierer jetzt auf etwas zu Essen und zu Trinken einladen?“, fragte ich mein Gegenüber.
Es hatte richtig Spaß gemacht mit ihm zu spielen. Seit langem war mein Kopf mal wieder frei. Ich hatte das Gefühl jemanden gefunden zu haben, der mir ebenbürtig war.
*-*-*
Nachdem ich mich endlich von Lights Augen lösen konnte… denn dieser Blick hätte mich beinahe die Beherrschung verlieren lassen, willigte ich ein.
„Danke, für die Einladung, ich nehme sie gern an.“ und lächelte dabei ein wenig… aber nicht zu viel… es sollte ja nicht zur Gewohnheit werden.
…Hmm… oder doch?
Light machte es mir wirklich sehr schwer meine Ermittlungen weiter zu führen und ich begann zu zweifeln ob er wirklich KIRA war. Irgendetwas in mir wollte es nicht glauben und sträubte sich dagegen. Er war doch so freundlich, nett, höflich und… niedlich… wie sollte er… ausgerechnet ER… KIRA sein?
*-*-*
Wow, hatte er da etwa gerade ein wenig gelächelt. Ich glaubte meinen Augen kaum.
Aber vielleicht hatte ich es mir doch nur eingebildet.
“Lass uns aber woanders hingehen. Für heute ist sowieso kein Unterricht mehr. Ich kenne ein nettes kleines Café hier in der Nähe“, schlug ich vor.
Ein großes Wasser wäre jetzt toll und ein Kaffee!
*-*-*
Meinen beinahe verlorenen Verstand wieder einschaltend riss ich mich zusammen und antwortete:
„Ja, okay, ich komm mit dir mit, da ich mich hier sowieso noch nicht so gut auskenne und… danke.“, dann ging ich mit Light mit, während ich so tat, als würde ich mir hier alles ansehen.
Allerdings beschloss ich nun, Light schon bald von meiner Vermutung zu berichten…. ob ich mich ihm nun auch schon zu erkennen geben wollte… wusste ich noch nicht. Das Schlimme war, dass sich mein Herz und mein Verstand zurzeit nicht wirklich einig waren.
Au man, und das passierte ausgerechnet mir…
*-*-*
Das Café lag verborgen in einer Seitenstraße und auch wenn es gut besucht war, hatte man immer eine angenehme Privatsphäre. Gerade das liebte ich so.
Die Bestellung kam immer schnell, ohne lange Wartezeiten. Sie spielten zwar Musik, aber nur sehr leise, so dass es niemanden störte und man sich gut unterhalten konnte.
Als mein Wasser kam, leerte ich es in einem Zug. Das Tennisspielen hatte mich sehr durstig gemacht.
Ich überlegte, wie ich am besten ein Gespräch beginnen sollte. Aus irgendeinem Grund fehlte mir gerade die nötige Motivation.
Stattdessen fand ich es viel interessanter Ryuzaki zu beobachten.
*-*-*
Endlich das Café erreicht, hatten wir uns in eine schöne stille Ecke gesetzt und ich saß zunächst ganz „normal“ auf dem Stuhl.
Als mir dann jedoch der Kaffee serviert wurde und ich, wie ich es gewohnt war, viel Sahne und Unmengen Zucker in den Kaffee tat, hockte ich mich auf den Stuhl, wie ich es eben Zuhause tat.
Es war einfach viel bequemer so. Ich konnte so besser denken und hatte mich besser unter Kontrolle.
Genau wie mir, fehlte Light jetzt wohl auch der Gesprächsstoff, doch ich überwand mich und begann dann das Gespräch.
„Erst mal, danke für die Einladung und dann… ja, was machst du so in deiner Freizeit? Hast du viele Freunde und hast du schon eine Freundin?“
Zu spät bemerkte ich, dass mich die letzte Frage eventuell verraten könnte. Aber … nun ja, man konnte ja mal fragen. Er würde schon nicht gleich denken, dass ich schwul war und ihn besonders niedlich fand. Und wissen musste er es ja nun auch nicht unbedingt.
Es war doch eigentlich eine ganz normale Frage… oder…
Verdammt… wo war ich nur mit meinen Gedanken…?
*-*-*
Ich war froh, dass Ryuzaki die Stille durchbrach. Aber neugierig war er nun wohl gar nicht. Dabei kannte er mich gerade erst wenige Stunden.
“Nein, ich bin zur Zeit Single“, wich ich seiner Frage gekonnt aus.
“In meiner Freizeit konzentriere ich mich auf meine Zukunft. Ich lerne sehr viel und möchte Polizist werden, wie mein Vater. Dem ich auch schon öfters bei Ermittlungen geholfen habe“, antworte ich ehrlich.
Dabei nippte ich an meinem noch viel zu heißen Kaffee.
“Ich bin in der Schule und auch sonst überall sehr beliebt. Trotzdem bin ich mit dem Begriff Freunde eher vorsichtig. Heutzutage hat man wenige Freunde“, fuhr ich fort.
Niedlich, wie er so da saß. Ich könnte schwören, er horchte mich gerade aus.
“Wie sieht es denn bei dir aus?“, wollte ich jetzt von ihm wissen.
Schließlich hatte er ja auch gefragt, da schien es mir nur fair, dass ich auch erfuhr, wie es bei ihm aussah.
*-*-*
War ja klar, dass Light nun auch etwas über mich wissen wollte. Ich überlegte kurz was ich ihm als Antwort vorsetzen konnte.
„Nun ja…“, stammelte ich: „…ich lerne auch sehr viel und Freunde… nun ja… hab ich eigentlich keine. Und in meiner Freizeit… beschäftige ich mich gern mit Computerprogrammen.“
Mehr wollte ich ihm eigentlich nicht über mich erzählen, nur eines meinte ich noch hinzufügen zu müssen:
„Das wird wahrscheinlich auch der Grund sein, weswegen ich ebenfalls Single bin.“ und dachte bei mir:
//So, so… du willst also Polizist werden, hmm…//
Dann nahm ich einen Schluck des nunmehr sehr süßen Kaffees und sah Light kurz an, um dann meinen Blick doch lieber wieder zu senken.
*-*-*
Ich konnte kaum glauben, dass Ryuzaki Single war. Er schien sehr ausgeglichen und war sehr attraktiv.
“Wie kommt es, dass du zu den Prüfungen hin, die Schule gewechselt hast?“, interessierte es mich.
Schließlich machte man so etwas im normal eher nicht.
“Du müsstest in meinem Alter sein, oder? Ich bin siebzehn und werde im Sommer achtzehn Jahre alt“, fügte ich noch hinzu.
Ryuk kicherte neben mir vor sich hin, was mich etwas aus dem Konzept zu bringen schien. Doch ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen.
Endlich kam auch das Essen. Ich hatte mir ein Sandwich bestellt mit Käse und Schinken. Mein Magen machte einen Luftsprung, als die Kellnerin es servierte.
*-*-*
Nachdem die Kellnerin mir das leckere Eis mit dem vielen Süßkram servierte begannen meine Augen beinahe zu leuchten. Ich betrachtete den Becher Eis eine Weilchen… ehe ich Light antwortete:
„Meine Eltern mussten beruflich hierher ziehen und ich musste natürlich mit. Tja, so musste ich die Prüfung eben hier ablegen.“
Langsam nahm ich den Löffel in die Hand und begann das Eis zu essen. Jeden Bissen kostete ich genussvoll und mit geschlossenen Augen aus. Dann sah ich Light wieder an und nannte ihm mein angebliches Alter:
„Ja, stimmt, ich bin auch siebzehn Jahre alt. Ich werde allerdings erst nächstes Jahr achtzehn.“, dann aß ich mein Eis weiter und genoss die Schokolade, mit der das Eis dekoriert worden war.
Langsam bekam ich allerdings ein schlechtes Gewissen… wegen der Lügen, die ich Light auftischte… denn ich mochte ihn wirklich sehr, sehr gern.
Irgendwann, das wusste ich, musste ich ihm die Wahrheit sagen… egal was dann passieren würde…
*-*-*
Ryuzaki war wirklich ein ganz Süßer. Wie er sein Eis genoss, ließ mich schmunzeln.
“Jetzt verstehe ich.“, gab ich auf seine Antwort zurück, als plötzlich mein Handy ging.
Es war meine Mutter:
“Mein Junge, dein Vater ist wieder zu Hause. Du hattest mich doch gebeten, dich anzurufen.“
“Ja, danke. Ich werde mich gleich auf dem Weg nach Hause machen“, antwortete ich ihr und legte wieder auf.
Dann schaute ich Ryuzaki direkt in die Augen.
“Ich muss langsam nach Hause“, sagte ich mit ruhiger Stimme zu ihm.
Anschließend suchte ich das passende Geld für unsere Bestellung heraus und legte es auf den Tisch.
“Tut mir leid. Ich hätte gerne noch ein Weilchen mit dir geplaudert“, entschuldigte ich mich noch bei ihm.
Das hätte ich wirklich sehr gerne, aber es gab jetzt wichtigeres. Ich musste unbedingt mit meinem Vater reden. So ging das alles nicht weiter.
Mir wurde die Sache zu heiß und ich musste etwas dagegen unternehmen.
*-*-*
Gerade fing es an interessant zu werden, als Lights Handy klingelte und er dann ganz plötzlich nach Hause musste. Er erklärte es mir und ich verstand ihn nur zu gut.
„Natürlich, ich verstehe dich. Ich hätte mich auch gern noch etwas länger mit dir unterhalten. Na ja, vielleicht sehen wir uns ja bald wieder und können dann unser kleines Gespräch etwas vertiefen.“, erwiderte ich… ihn frech angrinsend.
Ich aß dann noch mein Eis auf, als auch mein Handy klingelte und Watari anrief. Ich meldete mich:
„Ja, bitte?“
„Ich stehe mit dem Auto vor der Schule, wo sind sie?“
„Ich bin gleich da.“, meinte ich… passte aber auf, dass ich mich nicht verriet, dann legte ich auf.
„Tja, ich muss auch langsam los… meine Eltern warten.“, erklärte ich Light und erhob mich langsam.
„Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder und danke nochmal für die Einladung. Tschau, machs gut.“, bedankte ich mich höflich bei Light, verbeugte mich dann vor ihm leicht und verabschiedete mich somit.
Sogleich verließ ich das Café… was schon beinahe nach Flucht aussah.
Schnell hatte ich die Schule erreicht, sah das schwarze Auto, ging drauf zu, öffnete die Tür und setzte mich hinein. Dann fuhr Watari auch schon los.
Irgendwie atmete ich erleichtert auf und doch war ich verzweifelt. Wie sollte es denn nun weiter gehen? Sollte ich die Ermittlungen sein lassen und Light nicht weiter verdächtigen…? Aber ich war mir so verdammt sicher, dass ER KIRA war.
Andererseits… er war so niedlich, hübsch und ausgesprochen attraktiv… wie konnte so jemand überhaupt solche Straftaten begehen?
Zuhause angekommen verkrümelte ich mich in mein Schlafzimmer, schloss mich ein und wollte nichts und niemanden mehr sprechen. Ich musste einfach nachdenken und möglichst noch diese… verdammten Gefühle los werden.
Ich saß auf meinem Bett und dachte nur noch:
//Light, was tust du mit mir…. was tust du mir nur an…?//
*-*-*
Ryuzaki hatte es auch auf einmal sehr eilig gehabt und so musste ich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich nach Hause musste.
Dort angekommen, fand ich meinen Vater im Wohnzimmer sitzend vor. Er sah mitgenommen aus, geradezu kränklich.
“Vater“, begrüßte ich ihn.
“Mein Junge“, erwiderte er mir,
“Deine Mutter Sachiko hatte mir gesagt, dass du mit mir sprechen wolltest.“
“Ja, das ist richtig! Vater, bitte kläre es so schnell wie möglich. Ich möchte euch bei den Ermittlungen helfen!“, bat ich meinen Vater.
Er nickte und antwortete:
“Das weiß ich doch bereits mein Junge, ich werde es am besten Heute noch zur Sprache bringen.“
Ich musste mein Grinsen unterdrücken.
“Gut Vater. Du darfst mich gerne jederzeit deswegen anrufen“, sagte ich zu ihm.
“Ich habe verstanden“, kam es noch von meinem Vater, bevor er sich erhob. Er verabschiedete sich von uns und ging.
Meine Mutter schaute mich ängstlich an.
“Versteh doch, Mutter. Ich muss helfen!“, versuchte ich ihre Angst zu nehmen.
Dann ging ich nach oben in mein Zimmer. Ich hatte noch einiges an Namen in das Death Note zu schreiben.
Für Wochen im Voraus bereitete ich die Morde vor, nur als kleine Sicherheit. Außerdem deponierte ich herausgerissene Seiten an gewisse Verstecke. Nur für den Fall der Fälle.
Nur Ryuzaki ging mir nicht aus dem Kopf. Ständig musste ich an ihn denken. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Verliebtheit konnte ich jetzt nun wirklich nicht gebrauchen.
*-*-*
Immer wieder klopfte Watari an meine Tür und immer wieder meinte ich nur:
„Ich will niemanden sehen und auch mit niemandem reden. Lassen mich einfach nur in Ruhe!“
„Aber es passieren weitere Morde.“, erklärte mir Watari durch die Tür durch.
„Das ist mir egal… ich kann nicht mehr… es geht nicht.“
„Darf ich trotzdem reinkommen?“
„Meinetwegen….“
Watari kam zu mir ins Zimmer, stand dann vor mir und sah auf mich herab. Er setzte sich zu mir auf das Bett und fragte mich:
„Was ist denn passiert?“
„Nichts… was soll denn passiert sein…?“
„Ich kenne dich zu lange… komm schon rede mit mir.“
Ich senkte meinen Blick und sah auf die Bettdecke, auf der ich saß. So erzählte ich meinem Freund was passiert war und beendete meine Erzählung mit dem Satz:
„Tja, scheinbar hat das mehr in mir ausgelöst, als ich dachte und anfangs wahrhaben wollte.“
„Hmm… ja, verstehe…. aber wenn Light wirklich Kira ist, dann musst du deine Gefühle beiseite schieben. Sonst werden noch mehr Menschen sterben müssen.“
„Tze… ist das nicht egal? Ich mein, was macht der Staat denn anders, hm? Er tötet die Schwerverbrecher doch auch… das ist doch irgendwie das selbe, oder.“
„Sicher, so könnte man das sehen, aber das ist schon etwas anderes. Das was Light tut ist Selbstjustiz und das geht so nicht. Du musst weiter machen. Hörst du?“
Ich sah meinen Freund an und nickte:
„Ja, okay, sie haben ja recht. Ich habe mich wie ein dummer Junge benommen.“
„Nein, das hast du nicht. Gefühle sind etwas normales, aber jetzt sind sie vollkommen unangebracht.“
„Ich weiß. Danke Watari.“
„Nichts zu danken.“, erwiderte mein Freund, erhob sich und entfernte sich aus meinem Zimmer.
Ich seufzte, dann stand ich auf und machte mich wieder an die Arbeit. Die Gefühle unterdrückte ich nun gekonnt.
Natürlich hatte ich der Polizei meinen Verdacht mitteilen müssen und können, aber… nein, das wollte ich nicht… ich konnte es einfach nicht.
Zudem, wer hätte mir schon geglaubt… wo sie mir doch eh misstrauten.
Ich bat die Truppe abermals zu mir, denn ich wollte Sicherheit haben… irgendetwas das mir sagte, dass Light nicht Kira war…
*-*-*
Es war schon später Nachmittag, als ich mir endlich eine Pause gönnte. Ich legte mich aufs Bett und meine Gedanken waren wieder bei Ryuzaki.
Er war eben genau mein Typ. Sonst hatte ich das immer im Griff gehabt, doch bei ihm war es anders. Die Gefühle waren viel stärker als sonst.
Es blieb mir nichts anderes übrig, ich musste herausfinden, ob er auch auf Männer stand.
Schläfrig gab ich mich meiner Fantasie hin.
Da war er plötzlich und setze sich zu mir aufs Bett.
“Hast du gut geschlafen, mein Schatz?“, fragte er mich.
Nickend erhob ich mich und dann küsste er mich leidenschaftlich. Was mir keine Wahl ließ, als ihn zu mir ins Bett zu ziehen.
Ich drückte ihn in die Kissen und konnte gar nicht genug bekommen von seinen heißen Lippen.
Vorsichtig fuhr ich mit einer Hand unter sein Shirt und streichelte langsam seine Brust. Er gab einen knurrenden Laut von sich und schien es sehr zu genießen..
“Schhh“, bat ich ihn.
“Ach was, deine Eltern können sich doch schon denken, was wir zwei treiben“, kam es locker von Ryuzaki.
Erschrocken schaute ich ihn an. Wann hatte ich mich geoutet?
Schweißgebadet fuhr ich hoch. Doch neben mir lag nicht Ryuzaki, sondern Ryuk, der mich angrinste.
“Na, hast du schön geträumt“, wollte er auch gleich wissen, wobei er auf meine Hüftgegend zeigte.
Anstatt ihm zu Antworten, ging ich ins Bad und gönnte mir erst einmal eine kalte Dusche.
*-*-*
Total erschöpft ließ ich mich auf das Sofa fallen, sah zum Fernsehen und sah eigentlich gar nicht was da lief. Meine Gedanken waren nur bei IHM… LIGHT.
Ja, ich gebe es zu, ich konnte meine Gefühle ihm gegenüber eben nicht so einfach abstellen… es ging nicht. Wie denn auch, wenn es in meinem Bauch kribbelte und sich meine Gedanken nur noch um ihn drehten.
Dann jedoch raffte ich mich auf, ging zu meinem Computer und suchte mir die Adresse von Inspektor Yagami heraus.
Was ich nun wollte war klar… ich wollte zu IHM und ihm endlich die Wahrheit sagen. Egal was dann passieren würde… ja, ich nahm sogar meinen Tod in Kauf. Ich wollte und konnte ihn einfach nicht länger belügen.
Sehr schnell hatte ich die Adresse und stellte fest, dass er gar nicht so weit weg von mir wohnte. Ich zog mich anständig an, schnappte mir meine Schlüssel und verließ meine Unterkunft.
Natürlich hatte ich in der Eile vergessen der Truppe von Yagami bescheid zu sagen, dass ich es mir anders überlegt hatte.
Nur eine Stunde später hatte ich das Haus der Yagamis erreicht, holte tief Luft und läutete dann an der Tür. Ich hatte mir, für alle Fälle, schon eine Ausrede für Lights Mutter einfallen lassen…
*-*-*
Ich war gerade mit dem Duschen fertig, als es an der Tür läutete.
“Ich geh schon“, rief ich meiner Mutter zu.
Meine Haare noch trocken rubbelnd, nur mit einem Handtuch um den Hüften, öffnete ich die Tür und traute meinen Augen kaum.
Da hatte ich mir doch gerade eine kalte Dusche gegönnt und nun dachte ich schon wieder zu träumen?
Vor mir stand tatsächlich Ryuzaki. Mein Herz sprang in die Luft und als ich meine Sprache wiedergefunden hatte, brachte ich auch ein paar Sätze zu Stande.
“Hi“, stammelte ich.
“Willst du etwa zu mir?“, wollte ich dann wissen, bis es bei mir klick machte und ich mich fragte.
“Woher weißt du eigentlich, wo ich wohne?“
*-*-*
„Hi“, erwiderte ich die Begrüßung.
„Ja, ich will zu dir, Light. Ich muss mit dir reden…. bitte, darf ich… „, fügte ich ein wenig stotternd hinzu, beendete meinen Satz aber nicht.
Es bereitete mir schon einige Mühe diesen wundervollen Oberkörper nicht anzustarren… und doch tat ich es und versuchte währenddessen verzweifelt meine rege Fantasy zu unterdrücken.
Ich mochte mir gerade gar nicht vorstellen… wenn jetzt das Badetuch… nein… warum ich…? Bei seinem Anblick musste ich hart schlucken und wusste nun nicht, ob ich jetzt wirklich imstande war ihm die Wahrheit zu sagen.
„Woher ich weiß, wo du wohnst… nun, das ist es ….worüber ich mit dir reden muss… bitte…“, bat ich Light und saß nun echt in der Falle…
Was wird er tun, wenn er gleich die Wahrheit von mir erfährt…?
*-*-*
“Ähm… ok…“, stammelte ich zusammen,
“Dann komm mal rein.“
“Es ist für mich“, rief ich meiner Mutter zu,
“Wir gehen hoch in mein Zimmer.“
“Na dann lass uns mal rauf gehen. Treppe rauf und immer geradeaus!“, lotste ich Ryuzaki.
Während wir die Treppe rauf gingen, grübelte ich was er wohl von mir wollte.
Als wir in meinem Zimmer angekommen waren, schloss ich die Tür.
“Wenn es dich nicht stört, ziehe ich mir erst etwas über“, sagte ich zu ihm und wandte mich zu meinem Kleiderschrank, um ein paar Sachen herauszusuchen.
So konnte ich gut seine Reaktion testen und vielleicht würde er sich auch verraten, ob er auf Männer stand, wenn ich mich jetzt vor ihm anzog.
Das ich Ryuk damit einen Gefallen tat, versuchte ich zu verdrängen. Der nämlich stand sabbernd am Fenster und konnte seine Augen gar nicht von mir lassen.
*-*-*
Wie… was… er wollte sich wirklich… nein… das konnte er mir doch nicht „antun“… was sollte ich jetzt machen?
Nervös nagte ich an meiner Unterlippe herum:
„Ähm… nein… ich… es stört… mich… nicht… ähm…“, stotterte ich zusammenhanglos und schien nun wirklich keinen vernünftigen Satz mehr zusammen zu bekommen.
Dann rutschte mir auch noch dieser wirklich dämliche Satz heraus:
„Ich kann dir ja beim…. „Anziehen“ …helfen.“
Es sollte wie ein Scherz aussehen und doch… meinte ich es ernst… denn beim „Anziehen“ würde ich ihm sicher nicht helfen… meinetwegen konnte er auch so bleiben.
Ich sah ihn verträumt an… nein, ich starrte ihn schon fast an und stellte mir vor… wie es wohl wäre… meine Lippen auf seine zu legen und ihn…
//Nein, nein, nein… nicht hinsehen… sag ich… nein… sieh ihn nicht an… herrje… wie es wohl wäre….//
Meine Gedanken überschlugen sich… mein Herz raste wie verrückt und meine Lippen fühlten sich so trocken an und doch konnte ich meinen Blick nicht von ihm abwenden.
So vergaß ich zunächst, weswegen ich eigentlich hier war….
*-*-*
Erwischt!
Ich hatte ihn voll erwischt und war mir nun meiner sicher.
Ihn nicht aus den Augen lassend, ging ich auf ihn zu.
Mein Blick hielt ihn geradezu fest und dann fragte ich:
“Diese oder doch lieber die Hose?“, und ließ dabei wie aus Versehen, das Handtuch fallen.
Wie Gott mich schuf, stand ich vor Ryuzaki.
Ein gewagtes Spiel trieb ich hier. Schließlich war meine Mutter zu Hause. Aber bisher war sie nie, ohne zu klopfen ins Zimmer gekommen.
Ich konnte nicht anders, als mein Glück zu versuchen.
Ryuk fielen fast die Augen raus, als ich so da stand.
*-*-*
Noch immer nagte ich vollkommen nervös an meiner Unterlippe herum und konnte meine Gedanken nicht zu Ende denken, als er sich doch tatsächlich vor mich hinstellte und mir eine einfache… eigentlich ganz normale Frage stellte, die ich jedoch nicht mehr registrierte…
Er ließ… das Badetuch fallen und es sah wirklich so aus, als wäre es aus Versehen passiert, aber ich ahnte nun doch, dass er mich wahrscheinlich zu testen und zu provozieren versuchte.
Ich war mir sicher, dass er es wissen wollte und ich hatte mich eh schon verraten.
Meine Fantasy war nun nicht mehr auszuhalten und so stellte ich mir… alles mögliche vor… wie ich ihn… oh, mein Gott… dann begann auch schon meine Hose zu spannen.
Nein, nicht jetzt… bitte nicht jetzt…
Mein Verstand schien vollkommen im Eimer zu sein, denn was ich nun sagte, würde ich normalerweise niemals sagen:
„Du kannst auch so bleiben wie du bist.“ und spürte, wie mir die Röte in mein Gesicht stieg.
Ich war ihm schon vollkommen verfallen… er machte mich verrückt und ich konnte mich kaum noch dagegen wehren. Schon wollte ich meine Hand heben und ihn berühren… ihn streicheln… aber dann…
….schaltete sich das bisschen Verstand, das ich doch hatte wieder ein und ich dachte bei mir:
//Nein, lass die Finger von ihm. Er ist erst siebzehn …ich bin schon vierundzwanzig… nein, das kann ich nicht tun. Außerdem habe ich ihn belogen und es wäre jetzt einfach nicht fair, würde ich ihn jetzt verführen.//
Ihn noch einmal verträumt ansehend und das Bild in meinem Gedächtnis speichernd, trat ich nun einige Schritte zurück und sprach, so ruhig ich es noch vermochte und doch mit zitternder Stimme:
„Was soll das Light? Willst du mich wirklich quälen? Was willst du damit erreichen? Nein, ich werde nicht über dich herfallen, denn es wäre einfach nicht fair von mir. Bitte, zieh dir was an… ich bitte dich.“
Eine kurze Pause gönnte ich mir, holte tief Luft und erklärte ihm dann:
„Weißt du eigentlich, warum ich hier bin? Ich werde es dir sagen: Mein Name ist nicht Ryuzaki… mein Name ist L. Lawliet und ich bin auch nicht siebzehn sondern vierundzwanzig Jahre alt und ich bin auch kein Schüler mehr… ich bin der Meisterdetektiv und ich habe dich im Verdacht, dass du KIRA bist… deshalb habe ich dich aufgesucht.“
Nun war es raus und ich ahnte, dass er versuchen würde mich zu töten… denn ich stand ihm ja im Weg und an Liebe brauchte ich nun nicht mehr zu denken. Aber mir ging es jetzt schon entschieden besser.
Flüsternd fügte ich hinzu:
„Wenn du wirklich KIRA bist, dann töte mich jetzt und hier. Lieber sterbe ich durch deine Hand… als mich weiterhin… zu…“, nein, ich sprach den Satz jetzt nicht zu Ende… denn ich glaubte, dass es jetzt kaum angemessen wäre….
*-*-*
“L…“, mehr brachte ich nicht über die Lippen.
Ryuk kicherte wie blöd neben mir, was mich tierisch nervte. Schließlich konnte er die Namen aller Menschen sehen und wusste es somit vorher, dass es sich bei Ryuzaki um L handelte. Doch ich riss mich zusammen und blieb ruhig. Fing sogar selber an zu lachen.
“Es sollte doch nur ein Scherz sein“, lachte ich und zog mir etwas über.
“Ja, ich wollte dich testen. Irgendwie war es mir, als hättest du mehr Interesse an mir, als nur Freundschaft. Bitte nimm es mir nicht übel. Dann nehme ich dir deine kleine Lüge auch nicht übel“, fuhr ich fort.
“Mein Vater hat mir schon mal von diesen Meisterdetektiv erzählt. Der sollst nun ausgerechnet du sein und du verdächtigst mich KIRA zu sein?“, fragte ich skeptisch nach.
“Wie kommst du denn darauf. Ich selbst habe meinen Vater gebeten, bei den Ermittlungen gegen KIRA mithelfen zu dürfen“, erklärte ich ihm ganz ruhig.
*-*-*
Okay… er hielt es anscheinend wirklich für einen Scherz, aber ich wusste es besser und erklärte ihm nun:
„Nein, das ist leider kein Scherz. Ich bin L. Und was… mein Interesse angeht, das ich für dich habe….“, jetzt ging ich doch aufs Ganze, „… ja, ich habe mich in dich… verliebt.“, gestand ich ihm… obwohl ich nicht wusste, wie er reagieren würde.
Ich senkte schuldbewusst meinen Blick und sprach dann weiter:
„Ich nehme dir gar nichts übel… warum sollte ich auch…“, dann sah ich ihn wieder an, auch wenn es mir sehr schwer fiel.
„Ja, sicher, du magst deinen Vater gebeten haben bei den Ermittlungen helfen zu dürfen… aber… bitte… sag mir, dass du nicht KIRA bist… und ich will dir glauben…. bitte…“, flehte ich Light schon fast verzweifelt an.
*-*-*
Er hatte tatsächlich Gefühle für mich, genauso wie ich für ihn.
“Mir geht es genauso. Auch ich habe mich in dich verliebt!“, gestand ich ihm und schaute ihn dabei mit einem Lächeln auf den Lippen an.
Dann wurde ich jedoch ganz ernst.
“Angenommen ich wäre KIRA. Was würdest du dann tun, Ryuzaki? Oder sollte ich besser L sagen. Würdest du mich dann festnehmen lassen? Dir ist schon klar, dass sie KIRA hinrichten lassen werden, wenn sie ihn zu fassen bekommen“, sagte ich zu ihm.
*-*-*
Mein Herz machte einen Luftsprung, als Light meine Liebe erwiderte… so viel Glück konnte ich kaum fassen. Auch ich schenkte ihm nun ein sanftes… liebevolles Lächeln.
Als Light nun wieder ernster wurde, wurde ich es ebenfalls.
Auf seine Fragen hin, antwortete ich:
„Ich bin mir sicher, dass du KIRA bist und welchen Namen du für mich wählst… ist mir gleich. Ja, ich weiß auch, dass sie… dich… hinrichten würden… aber…
Nein, das will ich nicht. Deshalb werde ich dich eben nicht festnehmen lassen… auf gar keinen Fall… niemals.“, ich schüttelte den Kopf und fragte ihn mit sanfter Stimme:
„Kannst du nicht einfach aufhören KIRA zu sein… bitte…“
Ich sah ihn bittend an und ging mit langsamen Schritten auf ihn zu….
*-*-*
Mein Lachen erfüllte den Raum. Aufhören KIRA zu sein? Wie stellte er sich das denn vor?
“Ryuzaki? Kannst du nicht einfach aufhören gegen KIRA zu ermitteln? Oder nur noch so tun als ob?“, gab ich an ihn zurück.
Dann ging auch ich auf ihn zu und streckte ihm meine Hand entgegen.
Ryuk hörte ich neben mir sagen:
“Du glaubst doch nicht wirklich, dass er sich darauf einlässt.“
Ryuzaki konnte Ryuk nicht sehen. Dafür müsste er erst das Death Note berühren. Deshalb konnte auch nur ich hören was er sagte.
Nein, ich war mir sogar sicher, dass er es ablehnen würde, was ich ihm jetzt vorschlug.
“Hilf mir! Die Leute lieben KIRA! Lass uns die Götter einer neuen Welt werden!“, bat ich ihn und schaute dabei direkt in seine wunderschönen Augen.
“Lass uns alles böse dieser Welt auslöschen!“
*-*-*
Hatte ich das jetzt richtig gehört? Er wollte, dass ich mich ihm anschließe…? Nein… das konnte ich nicht tun.
Ich blieb stehen, schüttelte den Kopf und sah Light an.
„Light… ich… ich… kann das nicht. Ich kann mich dir nicht anschließen… Es tut mir leid. Ich kann es zwar so einrichten, dass ich nur noch so tue als würde ich ermitteln… aber mich dir anschließen… Nein… bitte, verlange das nicht von mir.“
Ich holte tief Luft, sah zum Fenster und flüsterte:
„Ich liebe dich zwar, Light, aber… soweit kann ich nicht gehen. Der Preis für diese Liebe… wäre mir dann doch zu hoch. Du tötest Menschen, Light. Das ist Unrecht… auch wenn es Verbrecher sind… aber…“, ich konnte meinen Satz nicht beenden… zu sehr zweifelte ich schon an dem was ich sagte.
Und ich war fast schon bereit ihm doch zu folgen… aber um welchen Preis…
War er es wirklich wert, dass ich meine Ideale aufgab?
Wohin hatte sich eigentlich mein Verstand verkrochen…?
*-*-*
“Ich habe keine andere Antwort erwartet“, sagte ich zu Ryuzaki.
“Du sollst wissen, dass ich dich zu nichts zwingen werde. Es ist deine Entscheidung, was du tun möchtest. Aber du sollst wissen, dass ich dich liebe, egal was du tust. Außerdem werde ich dich nicht töten“, fuhr ich fort.
Dabei ging ich zu ihm rüber und umarmte ihn von hinten.
Vielleicht war es ein Fehler mich zu erkennen zu geben. Wenn ich Pech hatte, schaufelte ich mir gerade mein eigenes Grab.
“Wenn du magst, lassen wir jetzt erst einmal alles sacken. Ich könnte uns einen Tee rauf holen?“, schlug ich nach einer kurzen Pause vor.
*-*-*
Also doch… ich hatte mich also nicht geirrt. Dennoch wusste ich, dass ich ihn niemals an die Justiz übergeben würde. Denn das wäre mein sicherer …Tod. Ich könnte es nicht ertragen ihn zu verlieren.
„Ich liebe dich auch.“, flüsterte ich und genoss nun, dass er mich umarmte.
Ich drehte mich langsam zu ihm um und umarmte ihn nun auch, während ich ihm sanft in die Augen sah.
„Danke… dass du mich nicht zwingst.“
Nach einer kurzen Pause willigte ich ein:
„Ich würde gern einen Tee trinken.“, und lächelte.
*-*-*
“Gut, warte hier, ich mache uns einen Tee“, lächelte ich Ryuzaki an.
Anschließend verließ ich das Zimmer, um nach unten zu gehen. Dort machte ich uns Tee und suchte auch ein paar leckere Kekse raus.
Außerdem atmete ich tief durch. Das alles hatte mich ganz schön Nerven gekostet.
“Ist dein Besuch noch da“, fragte plötzlich meine Mutter hinter mir.
“Ja, ich mache uns eben einen Tee“, beantwortete ich ihre Frage.
“Schön. Ich werde dann auch gleich langsam Essen machen. Mag dein Besuch vielleicht mitessen?“, wollte meine Mutter noch wissen, bevor ich wieder rauf ging.
“Das werde ich noch abklären“, rief ich ihr noch zu und dann ging ich langsam die Treppe rauf.
*-*-*
Ich nickte nur… Light lieb anlächelnd, dann verließ er das Zimmer.
Trotzdem es mir jetzt sehr viel besser ging, weil alles soweit geklärt war, atmete ich auf, als Light das Zimmer verlassen hatte und schloss für einen Moment die Augen.
Noch immer stand ich am Fenster und sah hinaus. Ich dachte nach, was ich tun konnte um Light zu schützen. Irgendwas musste mir einfallen. Ich liebte ihn doch, da konnte ich ihn nicht der Polizei ausliefern. Das ging auf gar keinen Fall.
Ich weiß, dass es sehr egoistisch von mir war, aber mir war es in diesem Moment vollkommen egal. Irgendwie hatte er ja auch Recht. Diese Verbrecher hatten doch nichts anderes verdient.
Nun, zunächst mal würde ich die Ermittlungen eben in die Länge ziehen und in der Zwischenzeit würde mir schon noch was passendes einfallen… dessen war ich mir sicher.
Au man, ich musste doch vollkommen verrückt sein… dass ich mich auf so etwas einließ. Aber gegen Gefühle und insbesondere gegen die Liebe konnte man nichts machen. Man kann sich eben nicht immer aussuchen in wen man sich verliebt.
Noch immer in meinen Gedanken gefangen, hörte ich Light, der auf das Zimmer zukam…
*-*-*
Als ich das Zimmer betrat, schaute ich zuerst Ryuk an.
Der schüttelte den Kopf und sagte:
“Er war ganz brav.“
Als ich das hörte war ich erleichtert. Also konnte ich Ryuzaki vertrauen.
Aber woher sollte er auch wissen, dass er nach einen Buch suchen musste. Klar, er hätte die Polizei informieren können, soviel stand fest.
Dann schaute ich zu meinem Schatz, der sich scheinbar keinen Millimeter gerührt hatte.
“Ich habe uns auch Kekse mitgebracht“, lächelte ich ihn an, bevor ich das Tablett auf mein Bett platzierte.
“Hoffentlich magst du Schokokekse“, grinste ich ihn an und setze mich auf Bett.
Anschließend klopfte ich neben mir auf die Bettdecke, um ihm anzudeuten, dass er sich zu mir setzen sollte.
*-*-*
Meine Gedanken verdrängend drehte ich mich um und sah Light auf dem Bett sitzen… so lieb… so niedlich und so hübsch.
Ich grinste ihn an, ging auf das Bett zu und setzte mich auf die Seite, die er mir angeboten hatte.
„Ja, klar, mag ich Schokokekse.“, erwiderte ich und sah ich ihm schmachtend in die Augen.
Da ich ihn aber nicht tot starren wollte, senkte ich meinen Blick, sah auf das Tablett und nahm mir einen dieser sehr lecker aussehenden Kekse. Jedoch hielt ich diesen zunächst nur in meiner Hand.
„Danke.“, bedankte ich mich mit sanfter Stimme bei meinem… Liebling.
Aber auch jetzt konnte ich meinen Blick nicht wirklich von ihm abwenden… ja, er hatte es geschafft… ich war ihm vollkommen erlegen…
….Light….
*-*-*
Wie niedlich er dasaß. Da musste man sich echt zusammenreißen nicht direkt über ihn herzufallen.
“Meine Mutter lässt fragen, ob du zum Essen bleiben möchtest“, fiel es mir plötzlich wieder ein.
Dann schenkte ich uns Tee ein und nahm mir auch einen Keks.
Das war also L, der berühmte Meisterdetektiv. Kaum zu glauben.
Auch dass er sich so einfach damit abfand. Ich hätte schwören können, dass er zumindest Interesse daran hätte, wie ich es fertig brachte, die Menschen zu töten.
Während wir hier zusammensaßen, tat das Death Note sein Werk. Schließlich hatte ich genügend Morde vorgeschrieben.
Ryuzakis Meinung dazu fand ich nicht weiter schlimm. Er ließ mir meinen Freiraum und ich ihm den seinen.
*-*-*
Oh je… was, seine Mutter fragte nun schon, ob ich zum Essen bleiben wollte… das konnte doch unmöglich ihr ernst sein. Wie sollte ich mich denn dann verhalten? Was würde sie von mir denken?
Ob sie wusste, dass ihr Sohn Männer liebte? Oder würden wir vor ihr nur die guten Freunde spielen? Würde er zu seiner Liebe zu mir stehen können?
Aber, nun ja, ich wollte nicht unhöflich sein und antwortete:
„Wenn ich darf, würde ich gern noch zum Essen bleiben.“
Während ich dann genussvoll ein Stück von dem Keks abbiss, überlegte ich unauffällig, ob ich ihn etwas fragen sollte. Ich konnte natürlich nicht wissen, wie er dann reagieren würde, aber ich wagte es dennoch.
Nachdem ich einen Schluck Tee zu mir genommen hatte, fragte ich meinen Liebling:
„Bitte versteh mich nicht falsch, aber ich würde dich gern etwas fragen. Wie …na ja… wie tötest du diese Verbrecher?“… hoffend, dass er mir meine Frage nicht übel nehmen würde.
Ich mein, jetzt wo ich wusste, dass er KIRA war und es zudem akzeptierte, wollte ich es schon ganz genau wissen.
*-*-*
Ryuzaki war also doch daran interessiert. Vermutlich hatte er aus Höflichkeit erst nicht nach gebohrt.
“Sicherlich darfst du zum Essen bleiben. Aber du musst wissen, dass ich nicht geoutet bin. Bisher empfand ich es als überflüssig“, erklärte ich ihm.
Dann war ich etwas nervös, weil ich mein Geheimnis preis geben sollte.
“Ich habe vor ein paar Wochen ein Notizbuch gefunden. Ein Death Note! Jeden Namen, den ich in das Buch schreibe, der stirbt“, erklärte ich ihm.
Die Sache mit dem Shinigami ließ ich erst einmal aus. Nur als kleine Lücke, falls ich Ryuzaki doch nicht trauen konnte. Er würde schon noch früh genug von ihm erfahren.
*-*-*
Hmm… genau wie ich es mir schon gedacht hatte. Seine Familie wusste also noch nichts von seiner Neigung. Nun gut, ich würde ihn nicht verraten. Nein, so was tat man niemandem an, den man so sehr liebte, wie ich Light.
„Keine Sorge, ich werde dich nicht verraten.“, lenkte ich ein.
Als ich dann hörte, wie er diese Verbrecher tötete, konnte ich es beinahe nicht glauben.
„Ein… Death Note?! Ein… Notizbuch des Todes? Unglaublich…“, stammelte ich fast ein wenig ungläubig.
Ich holte tief Luft und trank erst mal einen Schluck Tee… zur Beruhigung.
„Und, ich mein, du musst doch aber den Namen und das Gesicht der Täter kennen, richtig?“, fragte ich nach, doch wollte ich es dann damit gut sein lassen.
Sollte er eben weiter machen, solange er mich nicht da direkt mit hinein zog. Was ich tun konnte, würde ich tun… ich würde ihn beschützen… auf Gedeih und Verderb… soviel war sicher…
*-*-*
Ich war froh, wie Ryuzaki auf mein Outing oder besser noch nicht Outing reagierte.
Er war einfach perfekt!
“Ja, du hast recht. Man muss den vollständigen Namen hineinschreiben und sich das Gesicht des Opfers vorstellen. Deshalb habe ich ja im Fernsehen auch deinen Doppelgänger umgebracht.
Man gut. Die Vorstellung, dass dir etwas zustoßen würde, wäre schrecklich“, erklärte ich ihm, dabei sah ich tief in seine schönen Augen und versank für einen Moment darin.
Dann erhob ich mich.
“Ich werde meiner Mutter eben kurz Bescheid geben“, sagte ich zu ihm und ging zur Tür.
Von unten waren Geräusche zu hören. Mein Vater schien schon wieder zu Hause zu sein und er war nicht gerade leise.
Wild fluchend hörte man ihn bis nach oben.
*-*-*
Ich lächelte ihn sanft an, als er bemerkte, dass schrecklich wäre, würde mir etwas zustoßen. Ich war einfach nur glücklich, dass er meine Liebe erwiderte und ich würde alles tun, damit sein Geheimnis niemals ans Tageslicht kam.
„Ich könnte es auch nicht ertragen, würde dir etwas zustoßen. Das wäre mein Tod.“, erwiderte ich und hörte dann aber schon, dass Lights Vater heim gekommen war.
„Oh, oh… dein Vater ist sauer. Ich habe die Truppe zu mir bestellt und mich dann entschlossen hier her zu kommen… leider hab ich dabei vergessen, ihnen abzusagen.“, gestand ich meinem Liebling.
Dann klingelte jedoch mein Handy und ich nahm ab:
„Ja, Watari.“
Watari erzählte mir etwas und ich begann zu grinsen.
„Gut, ich werde gleich da sein: Danke Watari.“, sagte ich und legte auf.
„Also, ich muss leider los und kann nicht bleiben. Tut mir leid, mein Süßer.“, erklärte ich Light entschuldigend.
Dann wagte ich es, nahm ihn in die Arme und küsste ihn sanft auf die so weichen Lippen. Denn seine Lippen fühlten sich genauso weich an, wie ich es mir vorgestellt hatte… ein Traum…
Natürlich wusste ich nicht, wie er darauf reagieren würde… aber einen Versuch war es wert.
Ich ließ von ihm ab, grinste ihn an, ging zur Tür und öffnete diese…
*-*-*
Wow, er hatte mich geküsst. Es war einfach himmlisch seine warmen Lippen auf den meinen zu spüren. Leider war das Vergnügen viel zu kurz.
“Schade dass du nicht bleiben kannst, aber vielleicht auch besser so. Meinem Vater möchte ich jetzt nicht begegnen an deiner Stelle“, grinste ich.
Dann gab ich ihm noch schnell meine Nummer, damit wir auch in Kontakt bleiben konnten.
“Komm ich lass dich hinten raus, dann triffst du nicht auf meinen Vater“, schlug ich vor.
Schließlich wollte ich noch ein bisschen was von meinem Schatz haben.
*-*-*
Anscheinend hatte ihm mein Kuss gefallen, so süß wie er reagiert hatte.
Was seinen Vater anging, erwiderte ich nur:
„Ja, es ist wohl besser so. Ich werde das ein anderes Mal mit ihm klären. Mach dir keine Sorgen, mein Süßer.“
Dann speicherte ich seine Nummer in meinem Handy ein und gab ihm auch meine Nummer, denn auch mir war sehr daran gelegen mit ihm in Verbindung zu bleiben…. logischerweise.
Wir verließen dann das Zimmer und er ließ mich, wie versprochen hinten raus, damit ich Yagami nicht in die Hände fiel. Bevor ich das Haus aber verließ küsste ich ihn noch einmal. Diesmal etwas mutiger, länger und noch zärtlicher.
Dann musste ich mich leider von ihm verabschieden.
„Also, wir sehen uns und… wenn du magst kannst du ja zu mir kommen.“, bot ich meinem Liebsten an und gab ihm noch meine Adresse.
Alsdann verschwand ich und machte mich auf den Weg nach Hause.
Zuhause angekommen, kam mir auch schon Watari entgegen und erzählte mir alles noch einmal.
„So, wir haben also noch einen KIRA. Interessant. Hören sie mal, Watari… ich muss ihnen etwas erzählen und ich bitte sie, es für sich zu behalten.“, bat ich meinen Freund.
„Ja, natürlich. Aber was ist denn los?“
„Light und ich… wir… haben uns unsere Liebe endlich gestanden und wir sind seit heute zusammen. Ja, ich weiß, dass er KIRA ist. Er hat es mir verraten. Aber ich habe nicht vor ihn der Polizei zu übergeben. Und wenn es jetzt noch einen zweiten KIRA gibt… umso besser. Dann kann ich Light besser schützen.“
„Aber… das geht doch so nicht. Das können sie nicht tun.“, regte sich Watari leicht auf.
„Watari bitte… wenn sie ihn verraten… oder mich zwingen ihn zu verraten… ist das mein Tod… ich könnte es nicht ertragen ihn zu verlieren. Verstehen sie?“
„Gut, gut, ich verstehe. Aber er sollte unbedingt aufhören zu morden.“
„Ich weiß nicht, ob mir das gelingen wird… ihn davon zu überzeugen… aber ich werde es versuchen.“, versprach ich meinem Freund… genau wissend, dass ich es nicht tun würde.
Ich liebte ihn und wollte ihm seinen Freiraum lassen.
„Watari, wir konzentrieren uns jetzt auf den zweiten KIRA. Aber ich möchte nicht, dass jemand erfährt, dass es nicht der echte KIRA ist. Für die Welt da draußen ist das dann eben der „echte“ KIRA.“
„Gut, so sei es.“, willigte mein Freund ein.
„Danke.“, erwiderte ich, dann ging ich mein Zimmer und setzte mich noch einmal mit der Polizei in Verbindung.
Ich erklärte ihnen warum ich nicht anwesend war.
Für die Truppe stellte ich es so dar, dass ich neue Informationen über den Fall KIRA hätte, und dass wir ihn bald hätten. Jedoch fiel kein Wort über Light und auch nicht über unsere Liebe.
Ich hielt mein Wort und verriet meinen Liebsten nicht.
So hatte ich mich gut aus der Affaire gezogen…
*-*-*
Kaum war Ryuzaki aus der Tür, gab ich an Ryuk folgenden Auftrag:
“Folge ihm bitte. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob wir ihn wirklich trauen können. Komm erst zurück, wenn du dir sicher bist, dass er zu seinem Wort steht.“
Ryuk folgte meinem Befehl und verfolgte Ryuzaki.
Ich hoffte sehr, dass ich ihm trauen konnte und nicht falsch gehandelt hatte, indem ich mich zu erkennen gegeben hatte.
Seufzend ließ ich mich auf mein Bett fallen und schaltete die Nachrichten ein.
Dort wurde wie üblich von KIRA berichtet, aber es waren nicht meine Morde.Ganz entsetzt sah ich zum Fernseher und blätterte anschließend wie wild im Death Note rum.
Nein, die Morde von denen da berichtet wurde, hatte ich nicht begannen.War es möglich, dass vielleicht noch ein Death Note in der Menschenwelt verloren gegangen war.
Gleich wählte ich Ryuzakis Nummer. Ich musste ihm davon erzählen
“Hey Ryuzaki, hör zu. Du musst mir glauben, die Morde, von denen gerade berichtet wird, das war nicht ich! Wenn du willst beweise ich es dir und zeige dir meine Aufschriften“, versuchte ich ihm zu erklären.
Ganz verzweifelt bat ich ihn dann den Lautsprecher einzuschalten. Schließlich müsste Ryuk in seiner Nähe sein.
“Ryuk, kannst du mich hören?“, fragte ich durchs Telefon.
“Laut und deutlich“, erwiderte dieser,
“Du kannst beruhigt sein, bei Ryuzaki ist dein Geheimnis sicher.“
“Das ist gut. Aber deswegen wollte ich nicht mit dir sprechen. Es gibt noch jemanden der mordet. Einen zweiten KIRA“, erklärte ich ihm.
“So einen Nachahmer also?“, kam es von Ryuk.
“Scheinbar“, sagte ich, ‚
‚Kann es sein, das noch ein Death Note auf der Erde ist?“
“Das ist durchaus möglich“, kicherte Ryuk.
“Wenn dann ist auch noch ein Shinigami hier, oder? Und wenn dann kannst du ihn auch sehen, richtig?“, fragte ich Ryuk.
“Ja das stimmt alles“, antwortete er mir.
“Gut, danke“, sagte ich noch.
Dabei vergaß ich ganz, dass Ryuzaki gar nichts von Ryuk wusste und mich jetzt entweder für verrückt hielt oder gar nicht mehr durchblickte.
*-*-*
So, Light sah nun also auch, dass es einen zweiten Kira gab. Das müsste ihn doch eigentlich freuen, denn so war er außer Gefahr.
„Ja, ich weiß, dass es noch einen zweiten Kira gibt.“, erwiderte ich:
„Und ich weiß, dass du das nicht gewesen sein kannst, denn so wie dieser Kira mordet… das ist nicht deine Handschrift… und sicher auch unter deinem Niveau.“, fügte ich lachend hinzu.
Dann hörte ich, dass er mit irgendjemandem redete… der gar nicht da war… also jetzt sprach er definitiv nicht mit mir…
Wer war eigentlich… Ryuk?
Ich verstand erst mal nicht was los war. Aber als ich was von Shinigami hörte erschrak ich mich und hätte beinahe den Hörer fallen lassen…. nahm mich aber dann doch zusammen.
„Light? Ist alles okay mit dir?“, fragte ich etwas verwirrt in den Telefonhörer hinein und machte ein entsprechendes Gesicht.
Ich sah mich nun aber um und ahnte, dass ich wahrscheinlich nicht allein war… war dieser Ryuk etwa ein Shinigami und… bei mir?
Ja, natürlich… so musste es sein. Warum sonst sollte Light mit ihm durch das Telefon reden.
Das hieß für mich aber auch, dass er mir noch immer nicht traute und mir diesen Shinigami auf den Hals gehetzt hatte.
Interessant… soviel also zu…. Ich liebe dich… tze… dass ich nicht lache…
Wie konnte ich auch so dumm sein zu denken, dass er mir vertrauen und mich wirklich lieben würde…
Irgendwie war ich enttäuscht und mir traten nun doch die Tränen in die Augen und ich ließ, hart schluckend, den Hörer sinken…
*-*-*
“Ryuzaki, bist du noch da“, fragte ich besorgt, da mir plötzlich bewusst geworden war, was ich getan hatte.
“Hör mir bitte zu. Du musst mir glauben, es war keine böse Absicht. Ich war mir nur unsicher. Aber jetzt weiß ich ganz genau, dass ich dir trauen kann. Ich möchte dich treffen! Du sollst Ryuk kennenlernen. Bitte, du musst mir verzeihen. Ich liebe dich doch!“, flehte ich ihn an, schon den Tränen nahe.
Es war falsch gewesen ihn zu misstrauen. Das sah ich jetzt auch ein. Jetzt wollte ich nur eines. Ihn, so schnell es ging, sehen und in meine Arme schließen.
“Bitte, darf ich gleich jetzt zu dir kommen?“, bat ich Ryuzaki mit einem dicken Kloß im Hals.
*-*-*
Trotzdem ich den Hörer hatte sinken lassen, hörte ich was Light sagte und ich hatte ja das Telefon auf laut geschaltet, so dass ich den Hörer nicht in die Hand nehmen musste und so reden konnte.
„Ist schon gut… ja, okay… du darfst zu mir kommen. Ich werde auf dich warten.“, erwiderte ich ruhiger Stimme.
Und doch konnte ich meine Enttäuschung nicht wirklich verbergen.
Es tat einfach nur weh.
Häää… hatte ich das jetzt richtig verstanden? Ich sollte diesen Shinigami echt kennenlernen?
Hmm… irgendwie hatte ich ein merkwürdiges Gefühl dabei. Allein der Gedanke, dass ich schon jetzt vielleicht nicht allein und dieser Shinigami hier bei mir war… ließ mich ein wenig erzittern.
*-*-*
Nachdem ich das Okay von Ryuzaki hatte, machte ich mich schnell auf dem Weg zu ihm.
Es war gar nicht allzu weit von uns entfernt, wo er wohnte.
Hoffentlich war er nicht allzu sauer oder gar enttäuscht. Er musste mich einfach verstehen. Schließlich hatte ich mich ihm quasi ans Messer geliefert und war nun unsicher.
Kann man einem Fremden trauen, nur weil man eine rosarote Brille auf hatte? Schließlich kannten wir uns so gut wie gar nicht und wussten nur sehr wenig übereinander.
Als ich vor dem Anwesen stand, staunte ich nicht schlecht. Ryuzaki musste sehr vermögend sein, das Gebäude glich einem Palast.
Höflich klingelte ich und schaute was dann geschah.
Aufgeregt hopste mein Herz, als die Tür geöffnet wurde.
*-*-*
Da ich noch immer in meinem Zimmer saß, öffnete Watari die Tür, als es klingelte.
Natürlich wusste ich wer vor der Tür stand, aber ich blieb zunächst in meinem Zimmer, stand aber von meinem Bett auf und ging ans Fenster, wo ich nachdenklich hinaus sah.
Nachdem Watari die Tür geöffnet hatte, sah er einen jungen Mann vor sich stehen und fragte höflich:
„Ja, bitte? Was kann ich für sie tun?“
Sicher, er konnte sich schon denken, dass es sich bei dem jungen Mann sicherlich um Light Yagami handelte, aber er fragte schon aus Prinzip und Gewohnheit nach.
*-*-*
“Guten Tag, mein Name ist Light Yagami. Ich möchte gerne zu Ryuzaki“, antwortete ich dem Mann, der mir die Tür öffnete.
War das sein Vater? Oder hatte er einen Butler?
Verwirrt sah ich den Mann an, der mich herein bat.
Wo steckte Ryuk? Ich strich über meine Jackentasche, in der ich einen Zettel aus dem Death Note aufbewahrte. Schließlich wollte ich Ryuzaki den Shinigami zeigen und dazu musste er den Zettel berühren.
Etwas aufgeregt war ich schon.
*-*-*
Watari bat Light herein und brachte ihn zum meinem Zimmer. Er klopfte an und ich ging an die Tür und öffnete diese.
„Hallo Light.“, begrüßte ich Light etwas kühl und fügte hinzu:
„Danke Watari.“
Mein Freund entfernte sich und ich bat Light in mein Zimmer.
„Bitte, du kannst ruhig rein kommen.“ und gab die Tür frei, um ihn in mein Zimmer zu lassen.
Nachdem Light mein Zimmer betreten hatte, schloss ich hinter ihm dir Tür und sah ihn an. Meine Enttäuschung konnte ich nicht wirklich verbergen, auch wenn ich es gern gewollt hätte.
Dennoch sprach ich ruhig:
„Schön, dass du da bist. Du wolltest mir doch diesen… Ryuk zeigen… bitte, ich warte…“ und versuchte zu Lächeln… was mir jedoch nicht wirklich gelang.
*-*-*
“Ich sehe, du bist doch sauer auf mich. Du musst versuchen mich zu verstehen. Schließlich kennen wir uns erst so kurz und du hättest mir doch auch alles nur vorspielen können. Bitte, es tut mir leid. Ab jetzt werde ich keine Geheimnisse mehr vor dir haben“, versuchte ich ihm zu erklären und hoffte sehr, dass er mir glauben schenken würde.
Dann holte ich den Zettel aus dem Death Note aus meiner Tasche heraus.
“Hier! Berühre den Zettel und du wirst ab jetzt auch dem Shinigami Ryuk sehen können. Hab keine Angst. Versuche mir zu vertrauen. Dir wird nichts geschehen!“, erzählte ich ihm.
Ängstlich schaute ich ihn an. Schließlich wollte ich nicht dass irgendetwas durch meine Dummheit zwischen uns stand.
*-*-*
Verdammt, ich konnte ihm einfach nicht wirklich böse sein… so wie er vor mir stand… nein, das konnte ich nicht.
„Hey, schon gut. Ich bin nicht sauer auf dich. Ich war nur ein wenig… enttäuscht. Natürlich verstehe ich dich. Aber, wenn ich dir das alles nur vorgespielt hätte, hätte ich dich sicher nicht …geküsst.“, erwiderte ich nun schmunzelnd.
Dann sah ich den Zettel an und zögerte. Was würde mich erwarten, wenn ich den Zettel jetzt berührte?
Das war gut, ich sollte versuchen ihm zu vertrauen, aber er vertraute mir vorher scheinbar nicht so wirklich. Aber gut, ich wollte es versuchen, denn ich wollte ihn einfach nicht verlieren… wegen nur einer Sache.
Also berührte ich den Zettel, stolperte sogleich erschrocken zurück und landete auf meinem Hintern… denn vor mir stand ein riesiges… Monster…. würde ich sagen… und grinste mich an.
Es dauerte eine Weile bis ich mich wieder fand und stotternd fragte:
„I-ist das…. ein… der Shinigami… i-ist das… Ryuk?“ und musste erst mal die Tatsache verdauen, dass vor mir wirklich ein Shinigami stand…. dass es sie überhaupt gab.
*-*-*
“Hallo“, kicherte Ryuk,
“Ja, ich bin der Shinigami Ryuk, ein Todesgott.“
Ich konnte Ryuzakis erschreckendes Verhalten nachempfinden und hielt ihm meine Hand hin. Schließlich mochte ich es gar nicht meinen Schatz auf dem Boden liegen zu sehen.
“Hab keine Angst. Er ist vollkommen harmlos“, versuchte ich ihn zu beruhigen.
“Außerdem erfüllt er mir beinahe jeden Wunsch“, grinste ich Ryuk an.
Dann kramte ich einen Apfel aus meiner Jackentasche und schmiss ihn zu Ryuk. Dieser freute sich sehr und verspeiste diesen bis auf den letzten Bissen. Er hatte Äpfel für sein Leben gern.
*-*-*
Die Hand meines Liebsten annehmend, zog ich mein ein wenig an ihm hoch.
„Danke.“, stammelte ich und sah Ryuk an.
„Hallo Ryuk… ich bin L… du kannst mich aber auch Ryuzaki nennen.“, antwortete ich dem Todesgott.
Mir war noch immer nicht wohl bei dem Gedanken, aber ich fand es lustig, dass er Äpfel mochte und wie er den Apfel aß.
„So, du magst also Äpfel, wie ich sehe.“, sprach ich Ryuk an…. hielt aber die Hand meines Liebsten noch immer fest.
Aber noch bevor Ryuk antworten konnte, nahm ich meinen Liebsten in die Arme und flüsterte ihm zu:
„Tu so etwas nie wieder, hörst du? Ich liebe dich, vergiss das bitte niemals.“, dann küsste ihn sanft… und schloss dabei genießend die Augen…
*-*-*
Nur zu gerne erwiderte ich den Kuss meines Liebsten und vergaß dabei alles um mich herum.
“Ich werde ab jetzt ein ganz braver Junge sein“, versprach ich Ryuzaki in den Kuss hinein.
Vermutlich musste ich Ryuk erst einmal ein bisschen raus schicken, denn mein Körper sehnte sich sehr nach Ryuzakis und das ließ ich ihm auch spüren, indem ich ihn fest umarmte.
Meine Zunge fand wie von selbst ihren Weg und erkundete Ryuzakis Mundhöhle. Spielerisch forderte sie seine Zunge zum Zweikampf auf.
Ein leises Stöhnen konnte ich nicht unterdrücken. Anscheinend hatte ich mich einfach nicht unter Kontrolle.
Nur nebenbei hörte ich wie Ryuk antwortete:
“Ich liebe Äpfel! Hast du noch welche für mich?“
*-*-*
Ich antwortete jetzt natürlich nichts mehr, vielmehr erwiderte diesen leidenschaftlichen Kuss meines Liebsten und stellte mich dem spielerischem Kampf unserer Zungen.
Was ich aber noch zu spüren bekam, ließ mich nun überhaupt nicht kalt.
Nur ganz nebenbei hörte ich, dass Ryuk etwas laberte, was mich aber jetzt nicht unbedingt interessierte.
So wie sich Light an mich drückte, spürte ich… dass er mehr wollte und ja, genau das wollte ich auch.
Ich drückte ihn nun auch an mich und ließ ihn ebenfalls spüren, dass ich mich nach ihm sehnte. Allerdings konnte ich mir gerade noch so ein Stöhnen verkneifen, auch wenn es mir sehr schwer fiel.
Ich begann Light zärtlich zu streicheln und ließ dabei meine Hände unter sein Hemd wandern, wo ich die weiche Haut meines Liebsten berührte… erkundete und sanft mit den Händen liebkoste.
Was ich spürte ließ mich beinahe den Verstand verlieren…
*-*-*
Nur ungern löste ich mich von dem tollen Kuss, aber es blieb mir nichts anderes übrig.
“Ryuk, raus!“, befahl ich geradezu.
“Du bekommst auch so viele Äpfel wie du möchtest“, fügte ich noch hinzu.
Brummend verließ der Shinigami dann endlich den Raum. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob er wirklich nicht schauen würde. Aber das war mir nun auch egal.
Ich wollte Ryuzaki nahe sein. Näher als jetzt!
Sanft drückte ich meine Lippen wieder auf die seinen, um anschließend zärtlich seinen Hals zu liebkosen.
Langsam dirigierte ich ihn Richtung Bett, obwohl ich mir nicht ganz sicher war, wie weit wir gehen sollten.
Seine Hände auf meiner Haut zu spüren brachte mich beinahe um den Verstand. So gut fühlte sich das an.
Auch ich wollte seine Haut spüren und machte mich an seinem Shirt zu schaffen. Irgendwie hatte Ryuzaki für meinen Geschmack noch viel zu viel an. Schließlich wollte ich ihm so nahe wie möglich sein und so landete sein Shirt auch schnell auf dem Boden.
*-*-*
Die Idee, den Shinigami raus zu schicken, hätte fast von mir sein können, waren meine letzten einigermaßen „vernünftigen“ Gedanken, dann verkrümelte sich mein Verstand langsam aber sicher.
Okay, mein Schatz hatte es jetzt anscheinend doch sehr eilig, denn schneller als ich denken konnte, war mein Shirt nun Geschichte.
Aber auch ich war nicht so ganz unbeholfen. Lights Hemd ließ sich noch sehr viel schneller von seinem wunderschönen Körper entfernen und leistete meinem Shirt, neben dem Bett, Gesellschaft.
Sacht drückte ich Light nun rücklings auf das Bett und legte mich halbwegs auf ihn, während ich mein rechtes Bein zwischen seine Beine drückte.
Währenddessen küsste ich ihn ebenfalls sehr leidenschaftlich und ließ dabei meine Hände über seinen unglaublich schönen Oberkörper wandern.
Natürlich hatte ich noch ein paar Zweifel, ob es wirklich das werden sollte, wonach es aussah… immerhin war er erst… süße siebzehn Jahre alt…
*-*-*
Wow… und da dachte ich, ich hätte es eilig. Ryuzaki ließ sich jetzt auch nicht zweimal bitten.
Meine Hose drohte beinahe zu platzen, bei dem was er mit mir tat. Es fühlte sich einfach nur wundervoll an und so ließ ich mich gerne verführen.
Sollte er ruhig die Arbeit tun, ich ließ mich gerne verwöhnen. Schließlich war er auch der ältere und sicherlich erfahrenere von uns Zweien.
Mir war es egal welche Rolle ich beim Sex einnahm. Hauptsache es fühlte sich gut an und das hier fühlte sich unbeschreiblich an.
Mit Mühe und Not hielt ich mich mit den Händen an Ryuzakis Hals fest und genoss mit geschlossenen Augen, was er da mit mir tat. Es fühlte sich ganz anders an, als die ganzen anderen Male.
Dieses Mal war ich verliebt! Es war ein unbeschreiblich tolles Gefühl und ich musste mir eingestehen, das Ryuzaki wohl mit mir tun und lassen konnte was er wollte.
*-*-*
Da ich keinen Widerstand seinerseits spürte, machte ich weiter und ließ meine Hand zu seinem Hosenbund wandern, suchte und fand den Verschluss, den ich auch gleich öffnete.
Langsam ließ ich meine Hand dann zu seinem Schritt gleiten und strich sanft darüber. In mich hinein grinsend bemerkte ich sehr schnell, dass er wohl schon sehr unter Druck stand.
Allerdings gab ich mich gespielt unbarmherzig und würde einen Teufel tun … ihn vorschnell zu erlösen.
Leider spielte mein Körper dieses Spiel nicht mit, denn meine Hose wurde nun auch schon sehr eng, was ich jedoch zu ignorieren suchte.
Meine Hand hatte sich nun aber doch „selbstständig“ gemacht, glitt in seine schon offene Hose und fand dort sehr schnell was sie suchte… seine Männlichkeit.
Zunächst ließ ich meine Hand einfach nur auf seiner Mitte liegen… ehe ich ihn sanft zu streicheln begann…
*-*-*
Er wollte mich um den Verstand bringen, da war ich mir sicher.
Meine Küsse wurden immer stürmischer und leise stöhnte ich in ihnen hinein.
Ich konnte kaum noch still liegen, rieb mich leicht an ihm. Als er seine Hand dann endlich an meiner Männlichkeit hatte, dachte ich es käme mir direkt. Doch so gut hatte ich mich dann doch im Griff und konnte es noch ein wenig hinauszögern.
Stattdessen versuchte ich mich nun auf andere Gedanken zu bringen und wollte auch wissen, was er zu bieten hatte. Schnell war der Reißverschluss seiner Hose geöffnet und was ich dort vorfand war mehr als ich erhofft hatte.
Es fühlte sich unbeschreiblich toll an, seine Männlichkeit in die Hand zu nehmen. Steinhart und ganz heiß fühlte sie sich an.
Ich brachte keinen klaren Gedanken mehr zustande und fing an meinen Freund mit der Hand zärtlich zu verwöhnen.
*-*-*
Wenn ich mich bis eben noch einigermaßen im Griff hatte, so war es damit jetzt endgültig vorbei, als ich die Hand meines Lieblings an meiner Männlichkeit spürte, die mich zärtlich streichelte.
Ein leises aber sehr erregtes Stöhnen entrann meiner Kehle und ich konnte mich nun wirklich kaum noch zusammennehmen. Ich wusste, wenn er so weiter machte, würde dieser Spaß hier nicht so lang dauern, wie ich gern wollte.
Immerhin hatte ich, trotzdem ich schon etwas älter als Light war, noch nicht so viel Erfahrung damit… denn bislang hatte ich nur einmal und nur mit einem Mann Sex gehabt…
So nahm ich seine Hand sacht von meiner Männlichkeit weg, beugte mich über ihn und begann ihn zu küssen, wanderte dann an seinem Körper weiter hinab und bedeckte seinen Körper mit sanften Küssen. Nur kurz blieb ich an seinen Brustwarzen hängen und umrundete diese leicht mit der Zunge.
Immer weiter führte mich mein Weg über den wirklich unglaublich schönen Körper meines Liebsten, versenkte meine Zunge kurz in seinem Bauchnabel und zog ihm dabei die Hose gekonnt aus, die dann den anderen Sachen, neben meinem Bett, ebenfalls Gesellschaft leistete.
Nur kurz, wie zufällig, berührte mein Mund die Männlichkeit meines Schatzes, die aber noch im Slip verborgen lag.
Langsam und erwartungsvoll befreite ich Light nun auch von seinem Slip, den ich dann achtlos irgendwohin fallen ließ.
Da lag mein Liebling nackt, wie Gott ihn schuf, vor mir und ich hatte wirklich Mühe mich noch zu beherrschen.
Wow… mein Schatz war nicht schlecht bestückt, wie ich bemerken musste. Hatte ich doch das erste Mal, als er sich mir so gezeigt hatte, nicht so genau drauf geachtet, aber nun… glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen.
Behutsam spreizte ich seine Beine und küsste mich langsam an den Innenseiten seiner Oberschenkel hoch. Seine Männlichkeit erreicht küsste ich dessen Spitze und begann sanft ihn mit der Zunge zu bearbeiten… was mich natürlich auch nicht unbedingt wenig erregte und meine Hose wohl bald platzen würde… machte ich so weiter…
*-*-*
Zitternd vor Erregung lag ich unter meinem Schatz und ließ mich verwöhnen.
Er hatte es geschafft, dass ich ihm völlig ausgeliefert da lag. Denn was er hier mit mir machte, brachte mich völlig um den Verstand.
Ohne Gegenwehr ließ ich mich entkleiden und als seine heiße Zunge auch noch meine Männlichkeit erreicht hatte, konnte ich mein Stöhnen nicht mehr bei mir halten.
Was er da mit mir machte, fühlte sich einfach viel zu geil an.
Als ich einen kleinen Lichtblick hatte, vergrub ich meine eine Hand in Ryuzakis Haaren und dirigierte ihn so. Doch musste ich vorsichtig sein, wenn dieses Spiel nicht ein zu schnelles Ende nehmen sollte.
“Sinnig“, brachte ich irgendwie heraus und hob dabei seinen Kopf an.
Keuchend sah ich meinen Schatz in die Augen und ich merkte, dass er mich verstand.
Ich erhob mich etwas und wollte nun auch ihn seiner restlichen Sachen entledigen. Sanft machte ich mich an seiner Hose zu schaffen. Die schnell ihren Weg auf den Boden fand, genauso wie sein Slip.
Endlich war auch er nackt und es fühlte sich toll an, über seinen Körper zu streicheln und sich an ihn zu kuscheln, während ich ihn heiß und innig küsste.
*-*-*
Anscheinend wollte auch Light unser Liebesspiel nicht zu schnell enden lassen… verständlicherweise… so ließ ich ihm seinen Willen und ließ von ihm ab.
Okayyy…. ich weiß jetzt nicht was ich erwartet hatte, aber mein Liebling hatte mich nun auch schnell aber …auch sehr sanft entkleidet und streichelte mich, während ich genießend die Augen schloss.
Als er sich nun auch noch an mich kuschelte und mich so heiß und innig, ….ja, schon beinahe heißblütig küsste, wusste ich… jetzt wollte er mir meinen Verstand rauben und ich ließ es nur allzu gern und mit einem wohligen Seufzen geschehen.
Auf seine heißen Küsse gab es nur eine Antwort… ebenso heiße und feurige Küsse, indessen ich meine Arme um seine Hüfte legte und mich ebenfalls an ihn kuschelte.
Die Wärme seines Körpers genießend, streichelte ich ihn sehr sanft und zärtlich. Ich knabberte vorsichtig an seinem Ohrläppchen… erreichte seinen Hals, küsste diesen zärtlich und arbeitete mich so langsam… genussvoll… zu seiner Brust vor, die ich dann auch mit sanften Küssen bedachte…
*-*-*
Ryuzaki hatte es in sich. Er wusste ganz genau, wo er mich berühren musste, um mich wahnsinnig zu machen. Während er meinen Körper mit Küssen verwöhnte, fing ich an unsere Männlichkeiten aneinander zu reiben.
In einen gleichmäßigen Rhythmus massierte ich sie und bewegte meine Hand dabei auf und ab.
Jetzt konnte und wollte ich es nicht mehr hinauszögern.
Es fühlte sich einfach viel zu gut an und ich hätte sowieso nichts dagegen machen können. Zu sehr erregte mich mein Schatz und das war wir hier taten.
Viel fehlte jetzt nicht mehr, bis ich meinen Höhepunkt erreicht hatte.
*-*-*
Herrje, wie sollte… konnte ich mich so noch zurück halten… es ging nicht mehr… ich stöhnte, vor Erregung bebend, auf. Dieser kleine Teufel wusste wohl auch ganz genau, wie er mich verrückt machen konnte.
Beinahe nicht mehr Herr meiner Sinne, küsste und knabberte ich an seinen Hals… erreichte seinen Oberkörper und konnte mir kleine… nicht schmerzhafte Bisse nicht verkneifen… legte meine Hand auch an seine Männlichkeit, die ich sanft und mit leichtem Druck massierte.
Bei dem was mein Liebling hier mit mir tat… war es mir unmöglich es länger aufzuhalten… so gab ich mich der Erregung und der Lust vollkommen hin… dann war es auch schon vorbei…
Ich ergoss mich, laut stöhnend in der Hand meines Liebsten… während mein Körper noch immer vor Erregung zitterte und leicht bebte.
*-*-*
Kaum das Ryuzaki seinen Höhepunkt erreicht hatte, ergoss auch ich mich mit einem lauten Aufstöhnen in seiner Hand.
Dann lehnte ich mich an meinen Schatz und suchte Halt. Bei mir drehte sich alles und irgendwie sah ich kleine Sterne.
“Das war wunderschön“, jauchzte ich Ryuzaki ins Ohr.
Ich genoss das Nachglimmen des Orgasmus und die Nähe meines Schatzes. Es war sehr still hier und ich fragte mich, ob man uns wohl im Haus gehört hatte.
Außerdem machten sich jetzt noch ganz andere Gedanken bei mir breit. Nach einer Weile suchte ich das Gespräch.
“Was sollen wir eigentlich mit diesem zweiten KIRA machen?“, fragte ich unsicher,
“Versteh mich nicht falsch. Das gerade eben war sehr schön, aber es beschäftigt mich doch sehr.“
Unsicher schaute ich meinem Schatz in die Augen und hoffte auf einen guten Einfall seinerseits.
*-*-*
Lieb hielt ich meinen Schatz in meinen Armen, streichelte ihn zärtlich und drückte ihn sanft an mich. Auch ich musste nun erst mal wieder in die Realität zurück finden.
Das hier war zweifellos das Schönste, das ich je erlebt hatte.
„Ich liebe dich so sehr.“, flüsterte ich meinem Liebling zu, als er wohl schon wieder andere Gedanken in seinem Kopf hatte.
Nachdem ich mich ein wenig erholt, mein Verstand zu mir zurückgekehrt und sich mein Hirn wieder eingeschaltet hatte, erwiderte ich flüsternd, als könnte es noch jemand außer uns hören:
„Also hör zu, ich habe mir folgendes ausgedacht: Ich werde Kira zwei als Kira eins behandeln. Ich weiß, dass es nicht dein Stil ist, wie Kira zwei mordet, aber… nur so, kann ich dich schützen und meine Ermittlungen auf Kira zwei beschränken. Sieh mal, niemand weiß, dass du Kira bist und es wird auch niemand erfahren… deshalb ist es so das Beste, bitte glaub mir. Und lass mir bitte noch etwas Zeit, dann fällt mir sicher noch etwas anderes ein, was wir tun können. Okay.“
Ich sah ihm lieb in seine wunderschönen Augen… während ich seine Hand in meiner hielt.
*-*-*
Ich nickte zustimmend und erwiderte dann:
“Du willst also Kira zwei, als Kira ausgeben und ihn versuchen zu fassen? Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, lass mir dir helfen. Ich wollte doch sowieso bei den Ermittlungen helfen. Bitte!“
Dabei fragte ich mich die ganze Zeit, was dieser zweite Kira wohl bezweckte. Wollte er mich nachahmen? Vergötterte er mich vielleicht sogar?
Sein Handeln war so untypisch für den echten Kira. Es musste einen Grund haben.
Grübelnd fasste ich mir an die Stirn, von der ganzen Sache bekam ich schon Kopfschmerzen.
Es musste doch eine Lösung geben. Etwas was für alle angemessen war.
Mittlerweile zweifelte ich an den Morden, die ich begann. War das alles so richtig. Gab es nicht doch etwas Wichtigeres im Leben, als eine neue bessere Welt?
Vor allem erreichte ich das damit überhaupt?
Viel zu viele Fragen kamen auf einmal auf. Das machte mich beinahe Wahnsinnig.
*-*-*
Noch immer hielt ich meinen Schatz in meinen Armen und streichelte ihn zärtlich. Dabei antwortete ich ihm mit ruhiger Stimme:
„Mach dir keine Sorgen. Wir schaffen das, okay. Ja, ich will Kira zwei als Kira ausgeben und ich will ihn fassen.“
Ich dachte dann kurz nach. Sollte ich ihn wirklich mit einbeziehen? Nun ja, warum nicht.
„Okay, du kannst mir, bei den Ermittlungen, helfen. Aber… ich möchte nicht, dass du dich in Gefahr bringst.“, willigte ich sorgenvoll ein.
Mir war nicht wohl bei der Sache ihn mit einzubeziehen, aber Light hatte einen sehr klugen Kopf auf seinen Schultern und würde mir wahrscheinlich mehr helfen können, als ihm vielleicht bewusst war.
Ich war mir sicher, dass wir es gemeinsam schaffen konnten.
Irgendwie spürte ich, dass meinen Liebling etwas beschäftigte.
„Liebling, was hast du denn, hm? Dich beschäftigt doch etwas.“, fragte ich Light, mit mehr Sorge in meiner Stimme, als mir bewusst war.
*-*-*
Sollte ich meinem Schatz alles erzählen? Gut, ich wollte ihm ja vertrauen.
“Ich glaube, wenn wir Kira zwei wirklich fassen sollten, werde ich meine Rechte am Death Note ablegen. Es ist nicht die Erfüllung, die ich erhofft hatte. Irgendwie hat sich alles anders ergeben. Die Sache mit dir ist mir viel wichtiger, als eine bessere Welt zu erschaffen“, versuchte ich zu erklären.
Wirklich sicher war ich mir meiner Sache noch nicht. Aber es klang ganz logisch, was ich da von mir gab.
“Die Morde sind war einige Wochen vorgeschrieben, aber wer weiß wie lange es dauert, bis wir diesen Kira zwei fassen“, erzählte ich noch ganz offen.
“Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt und möchte dich um keinen Preis der Welt wieder verlieren. Und wenn ich dafür den Traum von einer besseren Welt aufgeben muss, dann ist das so. Wer weiß ob ich ihn so überhaupt hätte durchsetzen können“, fügte ich hinzu.
Dabei lächelte ich meinen Schatz verliebt an und konnte gar nicht genug von seinen tollen Augen bekommen.
*-*-*
Lights Überlegung, ob er das Morden aufgeben sollte, fand ich wirklich super und ich versuchte alles um ihn dabei zu unterstützen. Immer wieder redete ich ihm gut zu und versuchte ihm meinen Standpunkt klar zu machen. So setzte ich auch seine Überlegungen mit in unsere Gespräche ein.
Natürlich, redete ich mit ihm darüber nur, wenn wir allein und nicht gerade mit etwas anderem beschäftigt waren
Einige Zeit später:
Wir waren jetzt schon seit einigen Wochen fest zusammen und Light half mir tatsächlich bei meinen Ermittlungen. An Ryuk hatte ich mich mittlerweile auch gewöhnt… wenn er mir auch noch immer nicht so ganz geheuer war.
Dank dem hellen Köpfchen meines Schatzes und diesem Shinigami hatten wir jetzt einige Anhaltspunkte Kira zwei betreffend, den wir ja als den echten Kira deklarierten.
Wie es schien war es eine gewisse Misa Amane… die zudem ziemlich berühmt zu sein schien… und sie schien noch weitaus gefährlicher zu sein, als Light. Leider fehlten uns bislang die Beweise, um sie wirklich als Kira zu enttarnen.
Zudem hatte dieses Mädchen unseren Plan umgeworfen, so dass es nun doch zwei Kiras gab. Ich tat allerdings alles um Light zu schützen und gab vor, dass der rechte Kira einfach zu schlau wäre um gefasst zu werden, so konnte ich mich weiter auf dieses Mädchen konzentrieren.
In der Ermittlungszentrale hatten wir den Plan geschmiedet, dass Light, als angenommener „echter Kira“ seinen Charme spielen lassen und mit diesem Mädchen Kontakt aufnehmen sollte.
Natürlich passte mir dieser Plan nicht so ganz, denn ich spürte schon die Eifersucht, die an mir nagte wie hungrige Piranhas. Ich ließ mir jedoch nichts oder kaum etwas anmerken… was nicht gerade einfach für mich war.
*-*-*
Ich versuchte es öffentlich über einen Fernsehsender den Kontakt zu Misa Amane aufzustellen. Als echter Kira gab ich vor, dass ich von ihr so angetan war und mit ihr zusammenarbeiten wollte.
Tatsächlich biss sie an und antwortete prompt auch übers Fernsehen. Sie hatte Bänder an den Sender geschickt, auf denen einige Indizien zu finden waren. Unter anderen Haare von ihr.
Sie war vielleicht gefährlich, aber scheinbar auch ziemlich dumm. Denn ihre Spuren hatte sie nicht gut verwischt.
Bevor die Polizei sie jedoch festnehmen konnte, traf ich sie persönlich. Ich überredete sie dazu alle Rechte ihres Death Notes an mich zu übertragen. Das hieß für sie auch, dass sie alles über das Death Note vergaß. Sie konnte somit nichts darüber erzählen.
Mir war es so lieber, wenn die Menschheit nichts über die Shinigamis erfahren würde und über die Death Notes. Ich trat die Rechte des Death Notes an Misas Shinigami ab, so brauchte dieser nicht weiter bei den Menschen verweilen und konnte in seine Welt zurückkehren.
Nach der Festnahme von Misa Amane blieben die Morde aus.
Kira war gefasst!
Ein wenig schwer fiel es mir schon mich von Ryuk zu verabschieden. Aber ich hatte mich entschieden. Meine Liebe zu Ryuzaki war stärker als alles andere. Sogar stärker, als der Wunsch nach einer neuen Welt.
“Ryuk hiermit trete ich meine Rechte an das Death Note ab. Ich hoffe du hattest eine schöne Zeit mit mir und wir werden uns ja irgendwann wieder sehen, wenn meine Zeit gekommen ist. Einen Wunsch hätte ich dann allerdings noch… “, sagte ich zum Abschied zu Ryuk.
Dann erhob er sich mit dem Death Note unter seinem Arm in die Lüfte.
*-*-*
Endlich… endlich hatten wir „Kira“ gefasst und ich hatte es wirklich geschafft meinen Liebling vor der Polizei und der Justiz zu schützen.
Besonders stolz war ich aber auf Light, der sich tatsächlich dazu entschlossen hatte mit dem Morden aufzuhören. Allein dafür liebte ich ihn noch sehr viel mehr und ich wusste, dass ich mich niemals mehr von ihm trennen wollte.
Genauso hatte ich es meinem Schatz auch gesagt:
„Ich bin so stolz auf dich, dass du mit dem Morden aufgehört hast. Danke. Ich liebe dich, mehr als alles andere auf dieser Welt.“
Als er sich nun aber von Ryuk verabschiedete war ich den Tränen nahe. Auch ich hatte mich von dem Shinigami verabschiedet, auch wenn ich noch immer etwas Angst vor ihm hatte…
Mich interessiert jetzt allerdings was mein Liebling sich von ihm gewünscht hatte und fragte ihn:
„Sag mal, mein Liebling, magst du mir vielleicht erzählen was du dir von Ryuk gewünscht hast?“ und sah ihm dabei sanft und lieb in die Augen, während ich ihn in meine Arme nahm.
*-*-*
“Das sage ich dir sehr gerne. Dafür dass ich das Death Note benutzt habe, komme ich nach dem Tod weder in den Himmel noch in die Hölle. Ryuk wird mich in sein Death Note schreiben und so komme ich in seine Welt. Da ich dich aber über alles liebe, möchte ich auch nach dem Tod mit dir vereint sein und so habe ich Ryuk gebeten auch dich in sein Death Note zu schreiben!“
*-*-*
Ich fand es einfach nur zu süß, was sich Light von Ryuk gewünscht hatte und ich war auf jeden Fall damit einverstanden. Denn auch ich wollte niemals mehr von meinem Liebling getrennt sein. Und was gab es schöneres als auch nach dem Tode mit seinem Liebsten vereint zu sein.
Ich küsste meinen Liebling sanft, aber leidenschaftlich….
Nachtrag:
Light und L bzw. Ryuzaki blieben wirklich für immer zusammen, nichts konnte die Beiden je voneinander trennen.
Light hatte sich irgendwann vor seinen Freunden und auch vor seinen Eltern geoutet und stand somit zu seiner Neigung und der Liebe, die er für Ryuzaki empfand.
Nach seinem Studium wurde er ein sehr guter Polizist und half Ryuzaki sehr oft bei seinen Ermittlungen. Gemeinsam lösten sie alle Fälle und waren somit ein unschlagbares Team….
~ENDE~

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Information Der Dieb
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:03 AM - Replies (1)

Der kalte Novemberwind blies mir ins Gesicht, mit fast nach unten gerichtetem Blick lief ich die Einkaufsstraße entlang um schnell in das hiesige Einkaufszentrum zu kommen. Schnell ging ich durch die Drehtür und hielt erst mal einen Moment inne.
Ich lies erst einmal die Wärme die dort herrschte auf mich wirken, ehe ich die Kapuze meiner Jacke abnahm. Schnell nahm ich einen Rundblick und sah, was ich vermutet hatte: scheinbar die ganze Stadt war unterwegs um ihre Weihnachtsgeschenke einzukaufen.
Ich hatte, Gott sei Dank, dieses Problem nicht mehr. Meine Geschenke für die Eltern und Großeltern hatte ich schon rechtzeitig besorgt.
Wollte mich einfach ein wenig von der vorweihnachtlichen Stimmung gefangen nehmen lassen, aber dass so viele Leute unterwegs waren, hätte ich nicht gedacht.
Schlendernd führte mich mein Weg an den üppig gefüllten Schaufenstern entlang. Hier und da sah ich etwas Interessantes aber ich konnte mich nicht entschließen in eines der Geschäfte zu gehen.
Aber an dem Spielzeugladen blieb ich länger stehen. Nicht die Auslage bewunderte ich, sondern mein Blick ging weit in das Geschäft hinein. Langsam ging ich zum Eingang um dann das Geschäft zu betreten. In einer Reihe sah ich ihn wieder. Ja, das musste er sein, Ich war mir sicher!
Schon einmal bin ich diesem Jungen begegnet. Er sah diesmal aber noch schlimmer aus als vorher. Die Jacke, die er schon vor zwei Wochen trug war noch schmuddeliger und seine braunen Haare hingen ihm auch noch weiter im Gesicht.
Als ich ihm das erste Mal sah, trafen sich unsere Blicke für einen kurzen Moment. Konnte ich seine schwarzen Augen sehen, die mich bis heute nicht mehr losließen. Damals wirkte er gehetzt, flüchtete fast aus dem Supermarkt als er mich anrempelte.
Langsam ging ich weiter, versuchte meinen Blick in die Regale zu richten, um ihn aus dem Augenwinkel zu beobachten.
Er schaute sich auch diesmal wie gehetzt um. Als er den Blick in meine Richtung lenkte, schaute ich schnell in das Regal vor mir und nahm erst jetzt wahr, in welcher Abteilung ich mich befand. War doch hier alles zu haben, aus der Kinderglücklichmachenden Serie von „Hello Kitty“.
Fassungslos starrte ich immer noch diese irre Katze an, als ich einen leichten Schubs in meinem Rücken merkte. Schon wieder hatte er mich angerempelt auf seiner Flucht. Wieso hatte es dieser Kerl immer so eilig?
Langsam drehte ich mich um, wollte ebenfalls, wenn auch nicht so schnell, das Geschäft wieder verlassen, als ein kreischendes Geräusch mein Ohr erreichte. Hektik brach aus, einige Verkäuferinnen rannten durch die Gänge zum Ausgang.
Als ich dort ankam sah ich, dass sie diesen Jungen festhielten. Sie hatten ihn, jede an einem Arm, gegriffen. Ich blickte ihm in seine schwarzen Augen, als sie ihn an mir vorbeizogen.
Es war die Traurigkeit darin, die mich erschütterte. Ich realisierte erst jetzt, dass er wohl geklaut hatte und beim Verlassen des Geschäftes den Alarm auslöste.
Nie in meinem Leben hatte ich bis jetzt etwas gestohlen. Ich verabscheute es, noch nicht einmal zu den „Mutproben“ lies ich mich hinreißen. Nein, das war nicht mein Fall.
Aber ich hatte es auch nicht nötig zu stehlen, erfüllten mir meine Eltern auch jeden Wunsch, nur nicht den einen, den ich schon Jahre heimlich mit mir rumtrug. Aber einen Bruder oder eine Schwester konnte man nicht einfach stehlen.
Ich wusste nicht, was ich noch machen sollte, in diesem Einkaufstempel, also setzte ich mich erst einmal auf eine Bank und aß eine Tüte gebrannter Mandeln.
Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Ich sah noch immer die traurigen Augen dieses Jungen vor mir. Was würde wohl mit ihm geschehen, wieso hatte er überhaupt gestohlen?
Ich saß noch eine Weile, in meinen Gedanken versunken, als ich kurz aufblickte und er ging an mir vorbei. Es bestand kein Zweifel, die Jacke, die Haare, er war es! Langsam erhob ich mich und folgte ihm.
Er hielt den Kopf gesenkt und steuerte auf den Ausgang zu. Draußen schlug er sich den Jackenkragen hoch, um sich vor dem eisigen Wind zu schützen. Ich zog auch schnell meine Kapuze über.
Seine Schritte wurden immer schneller und ich folge ihm im selben Tempo. Das er stehen blieb bekam ich erst mit, als ich voll aufgelaufen war. Der Schreck ging mir durch alle Glieder. Er drehte sich zu mir um und ich sah wieder in diese traurigen Augen.
„Äh, äh, entschuldige“, stammelte ich, „war nicht meine Absicht“ und eine Röte erfasste mein Gesicht, die nicht von der Kälte kam.
„Schon gut“ sagte er leise, drehte sich wieder um und lief weiter.
Was sollte ich nun machen? Einfach weiter hinterhergehen oder umkehren? Ohne es selbst zu merken hatte ich die Verfolgung auch schon wieder aufgenommen.
Diesmal hab ich ihn mit meinen Kopf im Rücken getroffen, den ich wegen des eisigen Windes weit gesenkt hatte.
„Verfolgst du mich?“
Erschrocken sah ich auf und direkt in seine Augen.
„Nein, oh Mann, das tut mir aber leid“, mehr bekam ich nicht raus.
„Pass einfach nur auf, wohin du gehst. Nicht dass du noch einen Alten vor den Bus schubst“, und ein kurzes Lächeln zuckte durch sein Gesicht.
Ich starrte ihn wie gebannt an. Diese Augen und das Haar, was ihm im Gesicht hing ließen mich erschaudern.
„Kann ich dich zu einer Tasse Kaffee einladen?“ Woher hatte ich auf einmal den Mut, einem Fremden eine solche Frage zu stellen.
„Gern“, war seine leise Antwort, die ich kaum verstehen konnte.
„O.K. lass und dort drüben reingehen“, und zeigte auf einen kleinen Bäckerladen.
Wir überquerten die Straße und gingen schnell in das Geschäft. Er stellte sich an einen der Stehtische am Eingang und ich ging zum Tresen und bestellte zwei Kaffee. Nachdem ich bezahlt hatte ging ich mit dem duftenden Gebräu zu ihm an den Tisch.
„Ah, Danke! Ich glaub das tut jetzt gut“, sagte er und machte sich Zucker und Milch in die Tasse. Genau wie ich, ging es mir durch den Kopf.
„Darf ich fragen wie du heißt“, kam es von meinem gegenüber, der die Tasse in beide Hände nahm um sich die Finger zu wärmen.
„Ähh, ich heiße Phillipp“, mehr brachte ich nicht heraus und schaute wie gebannt auf meinen Kaffee.
„Wie darf ich dich nennen“, kam es kaum hörbar aus meinem Mund ohne aufzusehen.
„Sag einfach Marcus“, kam leise von ihm.
Ich sah hoch und direkt in seine Augen. Wieso fesselten sie mich so sehr?
„Wieso hast du vorhin gestohlen?“ Ich wollte es nicht fragen, aber mein Mund war wieder einmal schneller als mein Verstand.
Seine Augen wurden groß, er sah mich irritiert an.
„Ja, du warst das im Spielzeugladen! Ich wusste doch, dass ich dich schon mal gesehen habe“, er war etwas lauter geworden.
Unfreiwillig zuckte ich zusammen und stierte wieder in meinen Kaffee. „Tschuldigung, ich wollte nicht so indiskret sein, aber…“.
„Aber was, spionierst du mir hinterher? Also darauf kann ich verzichten“, wurde er immer lauter, „ich habe ganz andere Probleme um die ich mich kümmern muss! Danke für den Kaffee!“ sagte er noch, drehte sich um und verließ den Laden.
Ich stand da wie ein begossener Pudel. Hatte ich doch nicht beabsichtigt, dass er wütend wird. Ich wollte doch nur etwas von ihm erfahren. Aber mit einer solchen dämlichen Frage hatte ich mich natürlich selbst ins Aus befördert.
Ich war nun mal einfach ein Idiot. Endlich hatte ich mich mal getraut jemanden anzusprechen, und alles endete in eine Katastrophe!
Als ich am nächsten Morgen erwachte, war ich wie gerädert. Marcus verfolgte mich auch noch im Traum – oder besser, ich verfolgte ihm und er hasste mich. Immer wieder sah ich seine traurigen Augen, die mir zu verstehen gaben, ihn in Ruhe zu lassen.
Ziemlich schlecht gelaunt ging ich in die Küche um zu frühstücken. Meine Eltern waren schon zur Arbeit, wie immer. Der Appetit war entweder noch nicht gekommen, oder ich war schon satt. Also schnappte ich meine Sachen, zog mich warm an und machte mich auf den Weg zur Schule.
Auf dem Schulhof ging ich zu unserer kleinen Gruppe, die sich immer an einer hinteren Ecke traf. Iris, Jan, Maik, Steffen und Klaudia begrüßten mich herzlich wie immer. Ja, man konnte sagen, dass diese fünf meine besten Freunde sind. Schon seit der Grundschule waren wir in einer Klasse und haben schon viel unternommen.
„Hoffentlich hat die alte Müller vergessen, dass sie den Test heute nachschreiben lassen will“, sagt Maik und schaut sich in der Runde um.
Oh, Gott, den Test in Mathe hab ich ganz vergessen! Na gut, beim ersten Mal hat es bei mir ganz gut geklappt, der Rest der Klasse hat ihn total versaut. Eigentlich bin ich ein guter Schüler, es fällt mir leicht etwas zu begreifen und zu verstehen, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern. Kunst und Musik sind nicht so meine Sache, auch Sport geht nur teilweise.
„Also, wenn du denkst, dass die alte Schachtel so was vergisst, dann bist du aber schief gewickelt“, kam es aus der Ecke von Jan.
„Die kommt doch noch mit vierzig Fieber in die Penne um uns zu ärgern.“
„Na zumindest Phillipp brauch sich darüber keine Sorgen zu machen, der macht doch sowieso alles mit links“, warf Iris ein und alle schauten zu mir. Ich war mit meinen Gedanken aber schon wieder ganz woanders.
Ich sah die traurigen Augen von Marcus vor mir und wie er mich anschrie, sich einfach umdrehte und fortlief. Klaudia stupste mich am Arm und ich kam wieder in die reale Welt zurück.
„Hab ich was verpasst“, fragte ich unschuldig.
Alle fingen an zu lachen. „Hat der kleine mal wieder gepennt“, kam es von allen gleichzeitig, wie eingeübt.
Gut, sie hatten ja auch viele Möglichkeiten es zu proben. Es war mir peinlich, aber in letzter Zeit gingen mir immer Gedanken durch den Kopf und dabei schaltete ich regelmäßig ab.
„Was denn, darf man nicht mal nachdenken? Also, was ist los“, wollte ich wissen.
„Na, der Mathe – Test heute. Die Müller hat die Messer schon gewetzt. Da wird wieder viel Blut fließen“, setzte Maik nach.
„Also, wenn ihr mich fragt, ich glaube das wird genauso wie beim ersten Mal. Wie war das doch gleich? Eine eins, zwei fünfen und der Rest hat die Sechser unter sich aufgeteilt. Nur gut, dass die noch welche gefunden haben, sonst wären einige leer ausgegangen!“ sagte Klaudia.
Lachend gingen wir in die Schule, um sich dem Schicksal zu fügen. Natürlich hat unser guter Mathematikgeist den Test nicht vergessen! Eigentlich fand ich den Test, wie schon beim ersten Mal, nicht sonderlich schwer. Wie immer war ich der erste der fertig war. Ich stand auf, gab den Zettel ab und verlies die Klasse, um mich auf dem Pausenhof in unsere Ecke zu verkriechen.
Von hier aus konnte man einen Blick auf die Straße werfen, auch den Fußweg hatte man direkt neben dem Zaun. Ich stand da und hatte mir gerade eine Zigarette angesteckt als ich den Weg hinuntersah.
>Ich fass es nicht! < Meine Gedanken machten Überschläge! Da kam Marcus den Weg entlang. Hat der denn keine Schule, wollte ich mich zuerst fragen. Aber ich verdrängte den Gedanken und stellte mich dicht an den Zaun.
„He, du hier?“, fragte er mich.
Ja, er erkannte mich wieder und der Zwischenfall von gestern war wohl auch vergessen, hoffte ich zumindest. Schließlich hatte er mich angesprochen!
„Ja, was machst du hier zu dieser Zeit? Keine Schule oder was?“, ich sollte wieder mal erst denken und nicht gleich drauflosreden! Ich biss mir auf die Lippen, aber der Satz war schon raus.
„Nein, wir habe Ausfall“, war seine knappe Antwort. Sah ich da eine leichte Röte in seinem Gesicht?
„Hast du auch eine für mich?“ und zeigte auf meine Zigarette. „Klar“, und zog meine Schachtel raus um sie ihm über den Zaun zu reichen. Feuer gab ich ihm auch und er machte einen tiefen Zug.
Mist! Mein Handy vibrierte in meiner Innentasche. Ich zog es schnell raus und las die SMS. >wie ist die lösung von aufgabe 3<. Jan ist in solchen Sachen ziemlich locker drauf. Ich tippe schnell die Antwort und steckte das Handy wieder in die Tasche.
„Sorry, eine Notfallsituation. Wir schreiben gerade eine Mathearbeit und ein Freund brauchte dringend eine Inspiration“, sagte ich wieder zu Marcus gewandt. Ich sah ihm direkt in die wunderschönen Augen, die heute auch wieder ein leichtes Lächeln hatten.
„Wäre froh, wenn ich auch so einen Freund hätte“, sagte er leise, den Blick nach unten gerichtet. Ich musterte ihn ein wenig genauer. Die gleiche Jacke wie gestern, obwohl es heute noch kälter war. Die langen Haare hingen wieder im Gesicht.
„Wie, du hast keine Freunde?“ erst denken!
„Na, ja…, ach ist ja nicht so wichtig“, sein Blick hob sich und er sah einige Leute von der Schule, die den Weg zu mir eingeschlagen hatten und näher kamen.
„Ich muss los, danke für die Kippe, mach ich mal wieder gut“, drehte sich um und ging.
Ich sah ihn noch, soweit es ging hinterher und dann hatten mich meine Freunde auch schon erreicht.
„Wer war das denn“, wollte Jan wissen, und steckte sich eine Zigarette in den Mund.
„Ach, dem bin ich gestern zufällig über den Weg gelaufen“, ließ meine Kippe fallen und trat sie gedankenversunken aus.
„Der hat bestimmt auch schon mal bessere Tage erlebt“, meinte Iris nur und die Gespräche drehten sich wieder um den Mathe Test.
Ich nahm wieder mal alles nicht wahr. Erst ein „Hat der kleine mal wieder gepennt“, fünf Kehlen rissen mich aus meinen Gedanken. Verstört blickte ich in die Gesichter meiner Freunde und musste nun auch über mich lachen.
Der Rest des Tages ging schnell vorüber und zum Nachmittag war ich wieder zu Hause. Ich lies mich auf mein Bett fallen und dachte nach. Was fasziniert mich an diesem Markus? Wieso mache ich mir so viele Gedanken um ihn? Im Geist sah ich wieder seine Augen vor mir, die langen Haare in seinem Gesicht…
Ich muss wohl etwas eingeschlafen sein. Von unten hörte ich ein Rufen. Meine Eltern waren also da. Schnell rannte ich die Treppen herunter und begrüßte sie. Meine Mutter war mit der Essenszubereitung beschäftigt, mein Vater saß in der Wohnstube und las die Zeitung.
„Habt ihr schon gehört, dass sie einen Seriendieb festgenommen haben, ganz in unserer Nähe“, fragte mein Vater laut und mir lief ein Schauer über den Rücken.
Sofort dachte ich an Marcus! Aber das kann nicht sein, das darf nicht sein!
„Der Typ hat massenweise Häuser aufgebrochen und das Zeug zum Teil über eBay verschleudert. Da haben sie ihn geschnappt. Wie kann man auch nur so doof sein, und das Diebesgut an den Besitzer zu versteigern“, sagte mein Vater laut lachend.
Mir fiel ein Stein vom Herzen, es war nicht Marcus. Jedenfalls schätzte ich ihn nicht so ein. Aber wieso war ich so erleichtert. Wieso ging mir die Sache nicht am Arsch vorbei? Was wusste ich denn schon von ihm?
Beim Abendessen gingen mir unzählige Sachen durch den Kopf. Ich sprach noch weniger, als schon die letzten Wochen zuvor. Schnell verabschiedete ich mich – mit dem Hinweis noch was für die Schule machen zu müssen.
In meinem Zimmer setzte ich mich an den PC und ging mein Postfach durch. Schnell ein paar Mails beantworten um dann noch ein paar aktuelle Videos anzuschauen. Aber ich war nicht richtig bei der Sache. Immer und immer wieder schlich sich Marcus in meine Gedanken.
Was ist denn verdammt noch mal los mit mir? Ich schüttelte heftig den Kopf um diese Gedanken zu vertreiben. Vielleicht hilft ja auch eine Dusche. Schnell schaltete ich das Gerät aus, schnappte mir neue Wäsche um dann in mein Bad zu gehen.
Nein, ich werde nicht duschen, ein wohliges Bad ist besser. Prüfend hielt ich die Hand unter das einlaufende Wasser und korrigierte noch einmal die Temperatur. Ich wollte es heute besonders warm haben. Noch etwas Badeschaum dazu und fertig ist das Entspannungsbad.
Langsam lies ich mich in die Wanne gleiten, das warme Wasser hüllte meinen Körper sanft ein. Ich schloss die Augen und versuchte an nichts zu denken. Aber falsch gedacht. Vor meinem inneren Auge sah ich Marcus, seine Augen seine Haare…
Ich sah nur ihn und steigerte mich langsam zu Höhepunkt. Was mach ich da eigentlich?! Ich hole mir einen runter und hab Marcus vor Augen! Das darf doch nicht wahr sein! Aber es war nicht mehr zu vermeiden, ich kam wie nie zuvor!
Es dauerte ziemlich lange, bis ich wieder normal atmen konnte. So einen Abgang hab ich noch nie erlebt. Mein Herz hatte regelrechte Aussetzer gehabt. Und alles nur, weil ich mir vorstellte, es mit diesem Jungen zu machen.
Verwirrt hielt ich noch meinen, langsam zur Normalgröße zurückkehrenden, Schwanz in der Hand. Ich wusste nicht, wie ich diese Sache einzuordnen hatte. Bisher hab ich mir noch nie Gedanken um meine sexuelle Orientierung gemacht.
Ich bin, glaubte ich zumindest, wie alle Jungen in meinem Alter. Man muss den jugendlichen Hormonen freien Lauf lassen, zumindest einmal am Tag. Aber bisher hatte ich nur meinen eigenen Körper dabei betrachtet.
Und nun Marcus! Wie soll ich das verstehen? Verwirrt stieg ich aus der Wanne. Trocknete mich mechanisch ab und zog die bereitgelegten Sachen an. Ich war fest entschlossen, dass das eine einmalige Aktion war. Ich durfte doch beim wichsen nicht an andere Jungen denken.
In dieser Nacht schlief ich schlecht. Ständig machte ich mir Vorwürfe. Aber da war auch dieses unheimlich starke Gefühl, etwas Richtiges zu machen. Etwas, was ich bisher vielleicht immer verdrängt hatte. War ich etwa doch anders?
Es war nun schon Anfang Dezember. Ich war mit meinen Eltern im Einkaufszentrum unterwegs, sie wollten noch etwas für mich besorgen, das ich mir selber aussuchen konnte. Ich wusste aber nicht, was ich nehmen sollte, also fiel meine Wahl auf schöne warme Sachen.
Eine schöne extrawarme Jacke und eine Thermojeans waren meine Favoriten, die dann auch genommen wurden. Letztendlich schlenderten wir noch an den verschiedenen, weihnachtlichen Ständen vorbei, wobei ich mir wieder eine Tüte gebrannter Mandeln leistete.
Das Gedränge war ganz schön, aber da konnte ich ihn sehen! Marcus stand mit einem kleinen Mädchen an der Hand in einer Nische und schien die Leute zu beobachten.
Vorsichtig schob ich mich in die Richtung.
„Hallo, du hier?“ fragte ich ihm.
Er hatte mich wohl nicht gesehen und bekam einen Schreck, was für mich ein niedlicher(?) Anblick war.
„Ja…, ich.. ich… ich bin mit meiner kleinen Schwester einkaufen“, stammelte er leise.
Das kleine Mädchen sah mich groß an.
„Markus, wer ist denn das“, fragte sie mit einer piepsigen Stimme.
„Ähm, das, das ist ein Freund, hab ihn lange schon nicht mehr gesehen. Und nun sei still du kleiner Zwerg“.
Hörte ich da richtig, er bezeichnete mich als Freund? Wäre es mir recht, ihn als Freund zu haben? Ich musterte ihn schnell. Immer noch die viel zu dünne Jacke, die in der Zwischenzeit nicht sauberer geworden ist. Wenigstens seine Schwester schien warme Sachen anzuhaben.
„Kommst du, Phillipp“, hörte ich in meinem Rücken Paps sagen. Auch er schaute auf Markus. Bestimmt wird er sich wunden, was ich für Leute kenne.
„Ja, komme gleich“, sagte ich zu ihm, „bis bald mal“ und gab Marcus die Hand, die er auch ergriff.
Kalt waren seine Finger. Ein kurzer Blick in seine traurigen Augen verriet mir, dass da etwas nicht stimmen konnte.
„Alles in Ordnung“, fragte ich ihn.
„Ja, alles O.K.“, kam es leise zurück. Noch immer hielt ich seine Hand, die er nun versuchte zurückzuziehen. Ich lies es nicht zu, sah direkt in seine Augen.
„Was ist los, kann ich helfen?“
Mir schnürte es fast die Kehle zu, als ich diesen hoffnungslosen Blick sah.
„Marcus, kann er etwas besorgen“, fragte seine Schwester und sah mich an. Auch sie hatte dieselben schwarzen Augen wie ihr Bruder.
„Was kann ich besorgen“, fragte ich wieder an Markus gewandt.
„Ach nichts, ist schon gut, wir müssen weiter“, und er entzog sich meiner Hand, drehte sich um und ging los, seine Schwester hinter sich herziehend. Sie sah mich mit großen Augen an. Sah ich da eine Träne ihre Wangen runter laufen?
Ich war mir ganz sicher, da stimmt etwas nicht, aber was sollte ich machen? Ich traute mich nicht, mit meinen Eltern darüber zu reden. Schon gar nicht kurz vor Weihnachten. Sie hatten auch so schon genug Sorgen auf der Arbeit. Heute habe ich sie endlich mal wieder lachen gesehen. Diese Stimmung durfte ich nicht mit meinen Sorgen um einen Fremden Jungen zerstören.
Als ich wieder Anschluss zu meinen Eltern hatte drehte sich Paps um.
„Wer war denn das?“
„Äh, äh, den hab ich durch Zufall kennengelernt, ist nicht weiter wichtig.“
„Was ist nicht weiter wichtig“, fragte meine Mutter, die sich erst jetzt umdrehte.
„Ich glaube, so wie unser Sohn aussieht, sollten wir uns einen Kaffee gönnen und mal miteinander reden“, sagte mein Vater, nahm mich an die Hand und zog mich in ein Bistro.
Ich muss wohl nach dem Zusammentreffen mit Marcus einen total abwesenden Gesichtsausdruck gehabt haben. Also setzten wir uns an einen gerade freiwerdenden Tisch und bestellten drei Kaffee.
„Also Junge, raus mit der Sprache. Wer war das nun?“
Ich wusste nicht, ob ich alles erzählen sollte, ob ich es durfte. Aber ich fasste mir ein Herz und erzählte alles, was ich von ihm wusste. Es war nicht viel. Der Diebstahl, die viel zu dünne und immer gleiche Jacke und das er scheinbar die Schule schwänzte.
Meine Eltern hörten genau zu, hingen förmlich an meinen Lippen.
„Ich bin mir sicher, dass da etwas nicht stimmt. Seine Schwester sah auch total verzweifelt aus“, beendete ich meine Erzählung. Mein Vater musterte mich genau.
„Er bedeutet dir etwas, obwohl du ihn erst kurz und fast gar nicht kennst, oder?“
Ich wurde rot im Gesicht. Hatte mein Vater etwas gemerkt? Wusste er vielleicht mehr, als ich mir selbst zugestehen wollte?
„Ja“, war meine kurze leise Antwort und senkte den Bick auf meinen Kaffee, den ich noch nicht angerührt habe.
„Willst du ihm helfen, falls er Hilfe braucht? Was meinst du. Wie schätzt du ihn ein. Ist er ehrlich? Das klauen soll nicht heißen, dass er schlecht ist. Es gibt für diese Handlung vielleicht auch einen Grund, den du nicht kennst.“
Erstaunt sah ich zu meinen Vater. Mutti nickte nachdenklich.
„Ich würde schon gern helfen, wenn es was zu helfen gibt. Und ich glaube er ist ehrlich“, sprach ich zu meine Eltern. Wieder wurde ich leicht rot.
„Also gut, such ihn, rede mit ihm und dann gib Bescheid, falls es etwas Ernstes ist. Wir fahren schon nach Haus. Bitte sei spätestens um 19 Uhr zurück.“
Wir standen auf, ich drückte meine Eltern, ein leises „danke“ sagte ich zum Abschied.
Wo verdammt noch mal sollte ich suchen? Ich hatte noch 2 Stunden Zeit sie zu finden, aber bei der Größe des Konsumtempels war es nicht so einfach. Ziellos irrte ich durch die Gänge, in jedes Gesicht schauend. Könnte er nicht bitteschön irgendwo auftauchen? Ist er überhaupt noch hier? Ich machte mir selber Mut. Ich musste ihn finden!
„He, Phillipp“, hörte ich eine Stimme hinter mir sagen.
In froher Erwartung drehte ich mich um, sah aber nur Jan.
„Was ist“, fragte er, meinen enttäuschenden Blick konnte ich nicht verbergen.
„Ach ich dachte es wäre jemand anderes“, Unmut machte sich in mir breit.
„Du siehst aus, als ob du einen Kaffee gebrauchen könntest, komm da drüben sind ein paar Plätze frei.“
Sprach er und marschierte in die Richtung, mich hinter herziehend. Nachdem er uns mit Kaffee versorgt hatte schaute er mich fragend an.
„Auf der Suche nach deiner großen Liebe?“, grinste er mich an.
Was hatte ich nur an mir, dass alle Leute denken ich wäre verliebt?
„Nein, ich suche jemand, den ich kennengelernt habe. Es ist nicht meine große Liebe, es ist ein Junge und seine kleine Schwester.“
Er zog die Augenbrauen hoch, „Also auf mich machst du einen anderen Eindruck. Aber ist schon gut, ich will dich ja nicht in Verlegenheit bringen. Danke nochmals für die Lösung heute. Ich hoffe doch, dass du die Aufgabe richtig hattest“.
Wie konnte es sein, dass er so über mich dachte? Hab ich wirklich etwas Verliebtes im Blick, was mir selbst entgeht?
„Hat der kleine mal wieder gepennt“, riss er mich aus meinen Grübeleien.
Jan sah mich lachend an und zeigte auf die andere Seite des Ganges. Dort stand ein Junge mit einem kleinen Mädchen an der Hand, das auf mich zeigte.
„Tschuldigung ich muss…“ und riss beim aufstehen fast die Tassen um. Den verwunderten Blick in meinem Rücken, nahm ich nicht mehr wahr.
Schnell lief ich über den Gang, nicht ohne den einen oder anderen anzurempeln.
„Hallo, da bist du ja, ich habe dich schon gesucht“, platzte es aus mir heraus als ich Marcus gegenüberstand.
„Wie, du hast mich gesucht?“, ich konnte sein Fragezeichen, was ihm im Gesicht stand deutlich sehen.
„Ähm, können wir kurz miteinander reden?“
Hoffnungsvoll schaute ich ihn an. „Was willst du denn mit mir reden“, die Traurigkeit in seinen Blick jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken.
„Komm, nicht hier. Gehen wir an einen ruhigeren Ort“, und zog ihn mit nach draußen.
An einem Stand blieben wir stehen. „Möchtet ihr eine heiße Waffel und einen Tee?“, fragte ich die beiden.
„Ja, toll und dazu einen Kakao“, sagte die kleine mit leuchtenden Augen zu mir.
Marcus zog unschlüssig die Schultern hoch, „weis nicht, ich hab kein Geld mit“, so leise, dass ich kaum verstehen konnte.
„He, ich geb es euch aus. Also du eine Waffel und einen Kakao und Markus, dasselbe?“
Er nickte leicht. Am Stand bestellte ich die Sachen für uns und nahm für mich noch eine Tüte gebrannter Mandeln. Ist zwar heute schon die zweite, aber meiner Figur würde es nicht schaden. Wir stellten uns an einen Tisch abseits der Menschenmassen und die Kleine aß mit Freude, Marcus nippte nur an seinem heißen Getränk.
Jetzt erst merkte ich, dass er ja nur seine dünne Jacke anhatte, er würde wahrscheinlich wieder frieren.
„Wollen wir wieder ins Warme gehen?“, ich hatte das Gefühl, als ob er schon zitterte.
„Nein, geht schon“, leise und mit gesenktem Kopf sprach er.
„Was wolltest du denn von mir“, fragend schaute er mich an.
„Na ja, ich weis nicht wie ich sagen soll, aber es scheint, als ob du Probleme hättest. Ich könnte euch helfen, wenn du es möchtest“.
Er blickte mir in die Augen, zweifelnd, ob ich es ernst meine.
„Hörst du, er kann uns helfen, Markus bitte. Wo sollen wir denn sonst hin“, mischte sich seine Schwester ins Gespräch ein.
Sie sah flehend zu ihrem großen Bruder auf, der noch unschlüssig dastand.
„Was, wo ihr hinsollt? Was ist los, komm rede.“
Ich legte meine Hand auf seinen Unterarm um dem gesagtem noch etwas Nachdruck zu verleihen. Er sah mich wieder mit diesen hoffnungslosen Augen an. Ich sah in seinem Gesicht den Kampf, den er mit sich selbst ausfocht. Plötzlich tropfte eine Träne aus seinem Auge.
Oh Mann, dachte ich, das muss aber ernst sein. Dieser traurige Blick bestätigte meine Absicht: Ich werde mich mit aller Kraft für die beiden einsetzen! Aber wie sollte ich ihn zum Reden bringen?
„Meinst du es wirklich ernst, oder willst du uns nur verarschen?“
Ungewöhnlicher Ernst sprach aus seiner Mimik, die Stimme klang zittrig. Es lief mir kalt den Rücken runter.
„Ich meine es ernst, du kannst dich darauf verlassen! Aber du musst mir sagen was los ist, O.K.?“
Nun schauten seine Schwester und ich ihn abwartend an.
„Bitte Marcus, erzähl es ihm. Er wird uns helfen. Das tust du doch, oder?“, und sah mich an.
Ich nickte ihr zu und wendete meinen Blick wieder Marcus zu. Der zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und trocknete sich die Augen.
„Also“, sprach er sehr leise, „ich werde es dir sagen, aber nicht hier. Mir ist kalt, ich muss ins Warme.“
Wie lange standen wir denn schon in dieser Schweinekälte? Erst jetzt merkte ich, dass er richtig zitterte. Alle drei betraten wir den Konsumtempel wieder. Ich lief vorneweg und suchte ein Geschäft in dem man etwas Heißes zu trinken bekam, aber vor allem ein ungestörtes Plätzchen frei war.
In einem amerikanischen Schnellrestaurant wurde ich fündig, eine abgeschiedene Ecke war frei und wir besetzten sie sogleich.
„Sag mal, wie heißt du denn eigentlich?“
Marcus Schwester sah mich mit groß an.
„Ich bin die Mia und schon fünf Jahre alt.“
„Ah ja, Mia. Hast du noch Hunger oder Durst?“
„Oh, ja, wenn ich mir etwas aussuchen darf….?“, freudig schaute sie mich an.
„Mia!“, mischte sich Marcus ein und zog seine Schwester zu sich um ihr ins Ohr zu sagen „wir haben kein Geld. Phillipp hat uns schon etwas gekauft. Das reicht jetzt!“, und sah sie mit einem strengen Blick an.
Ihre Miene verfinsterte sich schlagartig. Den letzten Teil des Satzes sollte ich wohl nicht mitbekommen, denn er sprach sehr leise, aber meine Ohren sind noch nicht Kopfhörergeschädigt.
„Komm Mia, wir gehen etwas holen, in der Zwischenzeit kann sich dein Bruder überlegen, was er sagen will“, nahm sie an die Hand und zog sie mit mir.
„Halt die Plätze frei“, sagte ich noch zu Marcus der leicht nickte und dann seinen Kopf zum Tisch senkte. Mann, der ist ja voll von der Rolle.
„Mia, such dir etwas aus“, ich sah ihr strahlendes Gesicht.
„Oh, oh darf ich wirklich… also, also ich, ich würde gern etwas nehmen mit Spielzeug dazu… wenn ich darf“, ihr Blick ließ mich einen Moment in einen Abgrund stürzen.
Diese strahlenden Augen, die die meinen fixierten. Ich hatte das Gefühl, für sie verantwortlich zu sein. Und ich fühlte mich in diesem Moment gut!
„Hast du großen Hunger“, fragte ich Mia.
„Ja, ich hab bis jetzt nur die Waffel gegessen“, und ihr Kopf wandte sich der Auslage zu, in dem das Billigplastikzeugs lag, was diese Rinderhackbräter in ihren Kindermenüs zum Kaufanreiz zugeben.
„Sag mal, hat Marcus heute auch noch nicht mehr gegessen?“, sie drehte sich zu mir um und schüttelte leicht mit dem Kopf.
„Was möchtest du trinken?“
„Ich möchte eine Cola, wenn ich darf“, und drehte sich wieder zu der Auslage, um nochmals ihre Spielzeugauswahl zu überdenken.
Ich bestellte ein Kindermenü mit einer zusätzlichen Portion Pommes, für Marcus das größte belegte Brötchen im Sortiment, ebenfalls mit einer großen Portion Pommes, für mich ein etwas kleineres Brötchen und zwei Kaffee. Trinkt er überhaupt Kaffee? Na, wenn nicht, werde ich noch was anderes holen.
Mia hatte es endlich auch geschafft, der freundlichen Bedienung zu sagen, welches Spielzeug sie gern hätte. Also hatten wir noch etwas Zeit, bis die Brätlinge, die über dem offenen Feuer gegrillt wurden, fertig waren.
„Sag mal Mia, ihr seid hier nicht oft, oder?“ Sie schaute mich mit ihren schwarzen Augen an, unweigerlich sah ich die von Marcus vor mir.
„Früher, als Papa noch da war, waren wir öfter hier.“
Ihr Blick wurde wieder traurig und es bahnte sich eine Träne aus ihrem Auge, die über ihre Wange lief. Mist, was hab ich denn da nur angestellt? Wie konnte ich sie wieder aufmuntern? Aber die freundliche Bedienung hatte wohl die Kleine beobachtet und gerufen.
„Hallo kleines Fräulein, Hier kannst du schon mal dein Spielzeug haben“, und reichte es ihr.
Im nu waren die Tränen vergessen und ein breites Lachen machte sie wieder zu einem hübschen Mädchen. Die Bedienung hatte alle bestellten Sachen zusammen auf ein Tablett gestellt und ich zückte meine Brieftasche.
Na, viel Taschengeld würde für den Rest des Monats nicht überbleiben, aber das Lachen der kleinen Mia war es wert. Wir bahnten uns den Weg zu unserem Platz zurück, an dem Marcus immer noch mit gesenktem Kopf saß.
Ich stellte das Tablett auf den Tisch und Mia krabbelte auf den Stuhl neben Marcus. Sie knuffte ihm in die Seite, schließlich wollte sie ihm ihr Spielzeug zeigen. Er hob den Kopf und ich konnte Tränen sehen, die er versuchte schnell mit dem Taschentuch wegzuwischen. Er sah, was ich alles geholt hatte und blickte mich fragend an.
„Ist schon gut, ihr seid eingeladen, trink erst mal deinen Kaffee. Trinkst du doch oder?“
Ein leichtes nicken kam von ihm. Mia packte ihre Tüte mit dem Menü aus und stellte überrascht fest, dass sich noch ein Spielzeug in ihr befand. Strahlend sah sie abwechselnd von mir zu Marcus hin und her. Diese strahlende Freude entlockte ihm auch ein kurzes Lächeln.
Ich stand noch einmal kurz auf, den Blick der Verkäuferin suchend, die ihn auch erwiderte und machte eine dankende Bewegung. Sie lächelte mich an und hielt verschwörerisch den Finger vor den Mund.
Ich nahm meinen Kaffee und machte einen kleinen Schluck.
„Marcus, nimm dir, es ist für dich! Iss erst mal. Du hast sicher Hunger.“
„Danke“, sagte er sehr leise und nahm sich sein Brötchen vor.
Ich stand noch mal auf und ging zu Mia, Vorsichtig zog ich ihr den Reißverschluss ihrer Jacke auf, um dann erst den einen Ärmel auszuziehen, in deren Hand keine Pommes waren. Übergangslos wechselte sie die Pommes essende Hand, so dass ich auch die ganze Jacke ausziehen konnte.
„Marcus, zieh auch deine Jacke aus, sonst wird es nachher ziemlich kalt“.
Er stand auf und zog sich seine Jacke aus, die er über die Stuhllehne hing. Ich schaute ihn an und erschrak. Hatte er doch unter dieser dünnen Jacke nur ein T Shirt drunter. Mein Blick fixierte nun Mia.
Sicher hatte sie eine dickere Jacke an, aber der Pullover war eine Speisekarte der letzen Woche, oder Wochen? So wie sie beide das Essen verschlangen….
„Markus, was ist passiert, wie kann ich euch helfen?“
Er rückte ein Stück nach vorn, sicher sollte Mia unser Gespräch nicht mitbekommen.
„Also, ähm, äh, ich weis nicht wie ich anfangen soll…“, „am besten von vorn“, schnitt ich ihm das Wort ab. Mann, erst denken dann reden, sagte ich zu mir selbst.
„Also, vor einem Jahr ist unser Vater verschwunden. Ich weis nicht aus welchem Grund, aber plötzlich war er nicht mehr da.“
„Rede bitte etwas lauter“, sagte ich zu ihm, er war wirklich kaum zu verstehen.
„Ja.. ja, also dann waren wir nur noch mit unserer Mutter allein. Die erste Zeit ging alles gut, bis sie anfing, den Schmerz nicht mehr auszuhalten. Sie begann zu trinken. Erst nur wenig, dann wurde es mit der Zeit immer schlimmer. Schließlich verlor sie ihren Job und wir hatten nur noch Harz IV. Sie begann unsere Ersparnisse in Alkohol umzumünzen, selbst Mias Sparschwein musste dran glaub…“, er musste sich erst mal die Nase putzen.
Schnell zog ich eine Packung Tempo aus der Tasche und reichte sie ihm, die er wortlos annahm. Als er seine Tränen weggewischt hatte sah er erst mal zu Mia. Sie war noch bei ihrer großen Portion Pommes und im Spielen vertieft.
„Irgendwann war kein Geld mehr im Haus. Sie verscheuerte alles, was sich irgendwie in Alk umsetzen ließ. Und wir waren nur ihre Fußabtreter, an denen sie ihren Frust ablassen konnte. Tschuldige, ein kleinen Mom…“, und er hielt sich wieder das Taschentuch vors Gesicht.
Mia schaute ihren großen Bruder an und legte sanft ihre kleine Hand auf seinen Arm. Ich habe noch nie einen so traurigen Blick bei einem kleinen Mädchen gesehen wie jetzt…. Ich spürte, dass sie viele Sachen gemeinsam durchmachen mussten. Gern hätte ich die beiden in den Arm genommen, aber ich saß wie angenagelt auf meinem Stuhl.
„Und als gar nichts mehr da war, hat sie angefangen uns nur noch zu beschimpfen und das restliche Geld auch noch versoffen. Und dann hat sie uns heute…. heute rausgeschmissen…. Und nun wissen wir nicht wohi.…“, er drehte sich zu Mia und nahm sie in den Arm.
Beide weinten und mir schnürte es die Kehle zu. Ich stand wie traumatisiert auf, ging um den Tisch und nahm beide in den Arm. Deutlich merkte ich das schluchzen und zittern der beiden, da konnte mir selbst nicht mehr verbieten mitzuweinen.
„Ich helfe euch!“, sagte ich nach einer Weile, „und ich bin sicher, dass euch meine Eltern auch helfen werden“, sagte ich mit brüchiger Stimme.
„Sorry, ich muss mal kurz weg“, schnell löste ich mich von den beiden, zog mein Reservetaschentuch aus der Jackentasche und trocknete erst mal meine Tränen.
Ich lief aus dem Frittenstudio, ohne dass ich die anderen Leute wahrnahm. Es war mir auch egal, es war mir scheißegal wer mich in diesem Zustand sah. Ich wollte und musste handeln, JETZT! Für Mia und Markus…
Kurzwahltaste gedrückt und einen Moment warten.
„Hallo, hier bei Bois“, meine Mutter!
„Ma, Ich brauch euch“, weinte ich ins Telefon. „Phillipp? Phillipp! Ist dir etwas Passiert? Junge, rede doch…“
„Nein, mir ist nichts passiert, aber Marcus….“
„Bist du noch im Einkaufszentrum?“
„Ja“, hauchte ich ins Telefon.
„Bleibt da, wir kommen!“, schon war nur noch ein tuten zu hören. Wie paralysiert steckte ich das Handy ein und bewegte mich automatisch zum Frittenbräter zurück, wo ich Markus und Mia immer noch umarmt sitzen sah.
Ich ging auf sie zu und nahm sie wieder in den Arm.
„He, es wird alles gut. Meine Eltern kommen, sie werden euch helfen, sicher, ganz sicher!“
Markus nahm den Kopf etwas zurück, so, dass er mich sehen konnte. Ich sah seine gebrochenen und Tränenvollen Augen.
„Danke …“, seine Stimme versagte wieder und er drückte seinen Kopf an Mia und mich.
„Hallo, was ist?“, hörte ich die leise Stimme meines Vaters nahe am Ohr. Endlich! Wie lange hatte ich schon darauf gewartet!
Mir fiel ein Stein vom Herzen. Endlich konnte ich meine Probleme, und die von den zweien, abgeben. Ich wollte helfen, aber ich sah auch ein, dass ich mit meinen kaum sechzehn Jahren der Situation nicht gewachsen war.
„Paps, ihr müsst den beiden helfen“, flehte ich ihn an.
„Da kannst du dich drauf verlassen, mein Sohn!“
Noch nie habe ich meinen Vater so entschlossen reden hören. Nun wusste ich, dass es gut enden würde, egal was noch kommt. Wir lösten uns aus der Umarmung und sahen uns alle drei mit tränenverhangenen Augen an. Ich nickte leicht und Mia und Markus verstanden, dass es richtig war, meine Eltern zu rufen.
Mutti kümmerte sich um Mia, zog ihr die Jacke an und redete beruhigend auf sie ein. Ich zog mich und Markus hoch und reichte ihm seine Jacke, die auf dem Boden lag. Mein Vater legte seinen Arm um ihn und ging mit meiner Mutter und Mia zum Ausgang.
Ich stand noch, nahm dann einen anderen Weg nach draußen um das Tablett zur Ablage zu bringen, der mich aber auch am Ausgabeschalter des Restaurants vorbeiführte und sah die Verkäuferin.
„Sind das deine Geschwister?“, fragte sie mich im vorbeigehen.
„Nein, leider nicht…“ konnte ich nur mit tränenerstickter Stimme sagen.
Am Auto, das mein Vater wohl der Eile wegen auf einen Behindertenparkplatz abgestellt hatte, sah ich noch, wie die hinteren Türen geschlossen wurden. Meine Mutter saß in der Mitte und hatte die Arme um sie gelegt. Somit musste ich vorne einsteigen, was mir nicht unrecht war, noch hörte ich leichtes schluchzen.
Papa schaute mich mit einem aufmunternden Lächeln an, „hast alles richtig gemacht“.
Nur leicht nickte ich mit meinem Kopf und sah aus dem Fenster, ohne etwas zu sehen. Die Bilder verschwammen wieder vor meinen Augen. Zu Hause angekommen stiegen wir alle aus, ich vornweg und schloss die Haustür auf.
Auf der Treppe zum oberen Stockwerk sah ich die große Tüte mit meinen Sachen, die ich gekauft hatte. Marcus und Mia wurden von Mama und Papa ins Haus gebracht und durch die Wohnzimmertür geschoben.
„Phillipp, geh bitte erst in dein Zimmer, wir wollen erst mit ihnen allein reden. Sei so lieb!“
Es war keine Bitte sondern eine Aufforderung, der ich mich zu beugen hatte. So gern wollte ich in der Nähe von Marcus und Mia sein. Ich war mir aber sicher, dass meine Eltern schon wussten, was sie zu tun hatten.
Ich schnappte mir die Tüte mit meinen neuen Sachen und ging langsam in mein Zimmer. Dort musste ich mich erst einmal auf dem Stuhl vor meinem Schreibtisch setzen. Die Ereignisse, die sich in den letzten Sunden zugetragen hatten gingen mir durch den Kopf.
Vor meinem geistigen Auge sah ich Mia und Marcus mit ihren traurigen Augen. Schon wieder drückten meine Tränen und bahnten sich einen Weg ins Freie.
Irgendwann klingelte mein Telefon. Ich machte einen förmlichen Satz, so schreckte mich dieses Geräusch hoch.
„Hallo, wer da?“, fragte ich matt.
„Hi, hier ist Jan.“ „Ja, was gibt’s?“, ich hörte mich bestimmt genervt oder doch zumindest abweisend an.
„Phillipp, ich wollte nur fragen, ob es dir gut geht. Du warst vorhin so schnell verschwunden. Wer waren denn die beiden mit denen du weggegangen bist?“
„Jan, das ist eine lange Geschichte, bist du damit einverstanden, wenn wir uns morgen darüber unterhalten? Ich bin im Moment nicht richtig drauf.“
„Klar, will nicht weiter stören, wollte wirklich nur wissen, ob alles in Ordnung mit dir ist. Also, bis morgen dann.“ „Ja, bis morgen…“, und drückte das Gespräch weg.
Was haben die denn so viel zu besprechen? Langsam machte sich Unruhe in mir breit. Erneut klingelte das Telefon, aber ein anderer Ton. Hausinterner Anruf stand im Display. Schnell nahm ich ab.
„Phillipp, macht es dir etwas aus, wenn du ein paar Pizzen bestellst?“
„Ja, mach ich, dauert es noch lange?“, fragte ich ungeduldig.
„Ich glaub schon. Also bitte bestell fünf Stück, wo Geld ist weißt du. Bis dann“, und meine Mutter drückte das Gespräch weg.
Vom Kühlschrank in der Küche nahm ich das Prospekt vom Pizzalieferdienst und wählte die Nummer. Ich bestellte fünf verschiedene Sorten, da wird für jeden etwas bei sein, dachte ich. Auf dem Weg zu meinem Zimmer versuchte ich etwas aufzuschnappen, als ich an der Wohnzimmertür vorbeiging. Aber es war sehr leise, ja, man konnte nichts hören.
Im Zimmer überlegte ich, was ich machen könnte. Meine Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Was ging da vor, wieso dauert es nur so lange? Wiederwillig erhob ich mich und suchte die Bücher und Hefte für morgen raus. Ich brauchte etwas, was mich ablenkte.
Plötzlich hörte ich von unten Tumult. Ich ging zu meiner Tür, die ich offen gelassen hatte um nichts zu verpassen. Ja, sie kamen aus dem Wohnzimmer! Ich ging langsam die Treppe runter. Der erste den ich sah war Marcus.
Er hatte mich auch bemerkt und drehte sich zu mir. Was war das für ein Anblick! Total rotgeweinte Augen, die Haare hingen ihm wirr im Gesicht, aber er hatte ein leichtes Lächeln. Mir fielen in dem Moment tausend Steine vom Herzen! Sein Lächeln sagte mir, dass alles gut werden würde.
Was hatten meine Eltern nur gemacht, dass er schon wieder so froh war?
Als nächstes bemerkte mich Mia. Sie drehte sich zu mir um und rannte sofort in meine Richtung. Ich fing sie im laufen, hob sie hoch und drehte mich mit ihr im Kreis. Danach drückte ich sie fest an mich. Wir sahen uns in die Augen, ihre waren genauso verheult.
„Danke, Phillipp, danke….“und sie schlang ihre Ärmchen wieder um meinen Hals und drückte ihren Kopf auf meine Schulter und ich schloss vor Glück meine Augen.
Als ich meine Augen öffnete, sah ich direkt in das Gesicht von Marcus, dem beim Anblick seiner Schwester und mir wieder die Tränen kamen. Ich ging mit Mia im Arm auf ihn zu und zog ihn mit meinem freien Arm an mich.
Mir zitterten die Beine. Ich war so froh, die beiden im Arm halten zu können.
Nun sah ich auch meine Mutter, auch ihr sah man an, dass sie geweint hatte. Mein Vater strich sich mit der Hand über den Kopf, sah mir nachdenklich, aber gutmütig in die Augen.
Die Türklingel riss uns alle aus den Gedanken. Ah, Pizza ist da! Vati stand am dichtesten an der Tür und öffnete. Er nahm dem Lieferanten die Kartons ab und Mutti holte das Geld. Ich hatte es schon lange nicht mehr erlebt, dass alle Stühle in unserer Küche besetzt waren.
Ich schaute in die Runde und war froh, dass ich die Bestellung richtig gemacht hatte. Jeder hatte eine Pizza vor sich, die seinem Geschmack entsprach. Es wurde nicht geredet am Tisch, nur die Blicke, die hin und her geworfen wurden, sprachen Bände.
Der Anblick von Mia und Marcus zauberte meiner Mutter ein Lächeln ins Gesicht, Vati betrachtete die beiden nachdenklich und ich konnte nicht von Marcus lassen. Wie rot seine Wangen waren. Kam es vom Essen, oder war es noch wegen der Kälte draußen.
Unsere Blicke trafen sich, er schenkte mir auch ein Lächeln. Wie schön, ihn so zu sehen! Wieso hatte ich das Gefühl, dass der Stuhl auf dem ich saß schwebte? Plötzlich sprang mein Vater von seinem Stuhl auf.
Er griff sich das Telefon und ging nach draußen. Verwundert folgten ihm vier Augenpaare.
„Ich glaub“, sagte meine Mutter, „er hat die Lösung gefunden.“
Fragend schaute ich sie an. Sie lächelte nur, „später, dann werden wir es wissen“.
„Will jemand etwas trinken?“, fragte ich in die Runde.
„Ja, einen Kakao“, Mia strahlte mich an.
„Du auch?“
Ich sah in die Augen von Marcus. Er nickte, scheinbar hatte es ihm die Sprache verschlagen.
„Ich nehme einen Tee“, sagte meine Mutter, „soll ich helfen?“
Ich schüttelte den Kopf und machte mich daran die Getränke zuzubereiten.
„Monika, kommst du mal bitte“, rief mein Vater vom Wohnzimmer aus.
Meine Mutter stand auf und folgte dem Ruf. Das Wasser kochte und ich brühte den Tee. Als ich alles fertig hatte stellte ich die Tassen auf den Tisch.
„Danke!“
Mia sah mich an. Es war keine Traurigkeit mehr in ihren Augen. Auch Marcus bedankte sich mit einem leichten Kopfnicken. Meine Eltern kamen wieder in die Küche und hatten ein Lächeln auf den Lippen.
„So. Ich muss noch mal los“, sagte mein Vater.
Schon war er aus der Küche und man hörte die Haustür zuschlagen.
„Wir sollten langsam nachdenken, wo die beiden heute Abend schlafen können“, sagte meine Mutter zu mir.
„Ich denke, wir sollten das Gästezimmer herrichten, was meinst du? Ein Reisebett haben wir auch noch“, meine Mutter sah mich fragend an.
Mir stockte der Atem, sie sollten wirklich hier schlafen. Ich war glücklich und schaute zu den beiden. Auch sie sahen mich fröhlich an. Endlich konnte ich mal Marcus lächeln sehen. Dieser Anblick ging mir durch und durch.
„Ja, das Gästezimmer“, sagte ich zu meiner Mutter, „das ist schnell gemacht. Ich beziehe schnell die Betten und dann können sie sich erst mal hinlegen.“
„Ähm, Phillipp, du müsstest ein paar Sachen für Marcus suchen. Ich mein, ihr habt ja die gleiche Größe wie ich sehe.“
Ich musterte Marcus und mir war klar, dass er dringend andere Sachen brauchte.
„Das mache ich gleich. Wollt ihr zuerst noch duschen, oder baden? Derweil mache ich das Bett fertig und suche Sachen raus“, fragend schaute ich sie an.
„Ja, baden ist schön“, sagte Mia und schaute fröhlich in die Runde.
„O.K.“, sagte ich, „am besten lass ich gleich Wasser in meine Wanne. Sie können doch bei mir oben baden, oder?“
Meine Mutter nickte nur.
„So, dann werde ich euch mal mein Reich zeigen“, sprach ich zu den beiden und stand auf.
Ich ging die Treppe hoch und sie folgten mir. Staunend standen sie in meinem Zimmer und sahen sich um.
„Das ist alles deins?“
Mia war sichtlich überrascht.
„Ja, fühlt euch wie zu Hause. Schließlich seid ihr meine, äh, unsere Gäste.“
Ich ging durch die Tür in mein Bad und lies Wasser in die Wanne. Noch ein bisschen Schaumbad dazu und die Temperatur des Wassers noch mal korrigiert.
„So, achtet mal bitte auf das Wasser. Wenn voll genug ist bitte abstellen und dann könnt ihr reingehen. Sachen bringe ich gleich. Ich möchte nur erst mal eure Betten fertig machen.“
Die beiden sahen mich groß an.
„Ich mein, nur wenn ihr zusammen baden wollt. Sonst könnt ihr auch nacheinander…“, das war jetzt ein wenig verwirrend für mich.
„Nein, ist schon gut, wir gehen zusammen rein“, sagte Marcus und seine Schwester hüpfte voller Ungeduld auf und ab.
Bevor ich das Bad verlies, legte ich noch frische Handtücher hin. Im Gästezimmer suchte ich frische Bettwäsche raus und begann die Betten zu beziehen. Meine Mutter betrat das Zimmer und nahm sich auch noch Bettwäsche und half mir beim beziehen der Betten.
„Phillipp, es war richtig von dir, den beiden zu helfen. Ich bin so stolz auf dich!“ sagte sie mit leiser Stimme.
Ich schaute in ihr Gesicht und sie kam auf mich zu und umarmte mich. Ich spürte ein leichtes Zittern.
„Hallo, Phillipp, kannst du mal kommen“, hörte ich Mia aus dem Bad rufen.
Wir lösten uns aus der Umarmung, „geh, dein Typ wird verlangt, ich mache noch alles fertig. Wenn du Hilfe brauchst, dann rufe einfach.“
Ich sah meine Mutter dankbar an. Ein Lächeln umspielte ihren Mund.
„Ja, ich geh dann mal schauen, was los ist“, drehte mich um und ging.
Erst auf dem Weg stellte ich fest, dass ja nicht nur Mia in der Wanne war… Aber nun war es zu spät, schließlich steckte ich schon den Kopf zur Badezimmertür rein.
„Was ist, kann ich euch helfen?“, vorsichtig schaute ich zur Badewanne.
Was ich sah konnte mir nur ein Lachen entlocken. Mia stand mit einer riesigen Schaumkrone auf dem Kopf in der Wanne und hielt sie mit den Händen oben.
„Sieht das nicht schön aus“, fragte sie mit einem Lachen.
„Ganz Toll! Wie eine kleine Prinzessin“, lachte ich.
„Was kann ich tun“, und mein Blick ging zu Marcus. Sah es jetzt so aus, als ob ihm die Situation peinlich war? Er hatte auf jeden Fall einen hochroten Kopf und sah mich nicht an.
„Phillipp, hilfst du mir raus, bitte. Ich hab schon ganz schrumpelige Finger.“
„Na klar, du musst nur noch deine schöne Haarpracht ablegen, dann helf ich dir“, schon ließ sie sich in die Wanne fallen und tauchte kurz unter. Ich konnte gar nicht so schnell sehen, wie sie wieder stand und mir die Arme hinstreckte.
Ich schnappte mir ein großes Handtuch, wickelte es um ihren Oberkörper und zog sie aus der Wanne. Dann rubbelte ich sie schnell trocken und zog ihr einen Bademantel von mir an, der natürlich viel zu groß war.
Sie kicherte die ganze Zeit und ich musste mit ihr lachen. Sie schien alle Sorgen vergessen zu haben, ihre Augen strahlten mich nur so an. Nachdem ich sie wieder auf dem Arm genommen hatte brachte ich sie in das Gästezimmer, wo meine Mutter gerade die Gardinen zuzog.
„Na, kleiner Badeengel, war es schön“, und Mia nickte ganz aufgeregt mit dem Kopf.
„Dann werden wir mal sehen, ob wir noch was für dich finden zum anziehen. Phillipp, hole bitte mal eines deiner längeren T-Shirts. Vielleicht passt es ja halbwegs.“
Rasch setzte ich Mia ab und eilte in mein Zimmer. Die Tür zum Bad stand noch halb offen (hab sie wohl vergessen zu schließen) und auf dem Weg zu meinem Schrank warf ich einen Blick hinein. Marcus lag mit geschlossenen Augen in der Wanne und träumte vor sich hin.
Was wohl in seinem Kopf vorging? Ich fand den Anblick schön, musste mich aber losreißen. Zum einen brauchte Mia Sachen, zum anderen wollte ich nicht, dass Marcus denkt ich wäre ein Spanner oder Ähnliches.
„Na, das sieh ja aus wie ein Kleid“, sprach meine Mutter und Mia drehte sich im Kreis, das das Hemd nur um sie wirbelte. Schnell griff ich zu und hob sie hoch.
„Na, dann. Schnell ins Bett. Ich glaub du bist schon ganz schön müde.“
„Ja, ganz doll“, entgegnete mir Mia.
Vorsichtig legte ich sie ins Bett und deckte sie vorsichtig zu. Ich beugte mich noch zu ihr runter, nahm sie in den Arm und drückte sie.
„Nacht Mia, schlaf schön und träume etwas schönes“, sagte ich zu ihr und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Meine Mutter beobachtete mich nachdenklich, was ich erst im Aufstehen sah. Wieder hatte sie dieses nachdenkliche Lächeln aufgesetzt, was ich heute schon öfter von ihr gesehen hatte. Auch sie wünschte der Kleinen eine Gute Nacht und wir verließen gemeinsam das Zimmer.
Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, wurde mir erst bewusst, dass sie nicht einen Ton des Protestes losgelassen hatte, kein Quengeln, kein Weinen war von ihr zu hören. War sie etwa so müde, dass sie keine Kraft mehr hatte?
Wir gingen gemeinsam hinunter zur Küche, wo sich meine Mutter auf einen Stuhl fallen ließ. Sie sah erschöpft aus, genau wie ich mich auch fühlte.
„Wollen wir morgen über alles reden?“, sie hörte sich auch so an.
Ich nickte leicht, was sie mit einem Lächeln beantwortete.
„Geh nach oben und hilf Marcus noch ins Bett. Ich warte noch auf dein Vater und leg mich dann auch hin.“
„O.K. bis morgen dann“, und umarmte meine Mutter noch mal bevor ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer machte.
Oben im Zimmer sah ich Marcus mit einem Badetuch umwickelt auf meinem Bett sitzen. Dieser Anblick seiner nackten Brust lies mich nahezu da hinschmelzen. Sah er doch so zerbrechlich aus.
„Ich geb dir noch schnell ein paar Sachen für die Nacht. Willst du einen Pyjama oder eine Boxer mit Hemd, “ fragend schaute ich ihn an.
„Ich glaub dass ich lieber einen Pyjama nehme“, er sah schon wieder traurig aus und senkte seinen Blick.
Am Schrank zog ich einen aus dem Fach und reichte ihm den.
„Ich geh auch noch schnell duschen, war ein langer Tag heut. Das Bett ist gemacht, brauchst nur eine Tür weiter zu gehen. Deine Schwester schläft bestimmt schon, jedenfalls war nichts mehr zu hören.“
Er sah mich an. Mann, diese traurigen dunklen Augen! Dazu noch seine nackte Brust. Wieso hatte ich plötzlich das Bedürfnis ihn in den Arm zu nehmen? Was war los mit mir?
„Ähm, das Licht kannst du im Flur anlassen, das mache ich dann aus, wenn du willst.“
Ich schnappte mir schnell meine Nachtsachen von Bett, zwinkerte ihm aufmunternd zu und ging in mein Bad. Länger hätte ich es nicht ausgehalten. Dieser traurige Anblick drückte mir schon wieder Tränen in die Augen. Und so sollte mich Marcus im Moment nicht sehen!
Als ich mit allem fertig war ging ich wieder in mein Zimmer und sah Marcus immer noch auf meinem Bett sitzen. In der Zwischenzeit hatte er sich den Pyjama angezogen und wie ich fand, stand er ihm besser als mir. Was waren das denn wieder für Gedanken!
Ich setze mich neben ihm auf das Bett und legte meinen Arm um hin. Er ließ seinen Kopf auf meine Schulter fallen. Leise schluchzte er und ich nahm ihn fester in eine richtige Umarmung.
„He, was ist, glaub mir, alles wird gut. Hab etwas Geduld. Für heute seid ihr erst mal sicher. Und das andere Regeln wir auch noch, verlass dich drauf, “ aber sein weinen wurde noch stärker.
Er hob den Kopf und sah mich mit total Tränenüberströmten Augen an.
„Ich,.. ich danke dir. Ich…, ich weis gar nicht“, ein heftiges schütteln ging durch seinen Körper „wie… wie ich dass wieder gutmachen soll“.
Er legte den Kopf auf meine Schulter und heftige Weinkrämpfe durchzuckten ihn. Ich streichelte ihm mit der Hand über den Rücken, um ihn zu beruhigen. Was sollte ich ihm tröstendes sagen? Ich fühlte mich in diesem Moment schwach und klein.
Würde ich der Sache überhaupt Herr werden, ohne Hilfe? Langsam wurde das Schluchzen weniger. Gott, wie war ich froh! Ich lies mich langsam nach hinten fallen und zog Marcus mit.
„Komm, ich deck uns zu. Du schläfst bei mir“, hauchte ich ihm ins Ohr.
Er schob sich vorsichtig zur Wand, was ich als Antwort verstand. Ich zog mit meiner freien Hand die Decke über uns und wir fielen fast augenblicklich in einen tiefen Schlaf. Leicht blinzelte ich, durch die Sonne geweckt, in den neuen Tag.
Hatte ich nur alles geträumt? Nein! Da lag Marcus vor mir auf der Seite mit dem Gesicht zur Wand und ich hinter ihm. Was mich aber fast zum verzweifeln brachte, war meine Morgenlatte, die sich in Richtung seines Hinterns richtete.
Oh, Mann, wie peinlich. Ich meine nicht die Sache an sich, aber in dieser Situation… Vorsichtig schob ich zuerst meinen Hintern aus dem Bett, um dann den restlichen Körper folgen zu lassen. Aber ganz vorsichtig, dachte ich bei mir, nur nicht die Decke mitziehen. Hoffentlich sieht er mich nicht.
Aber die gleichmäßigen Atemzüge von ihm sagten mir, dass er noch fest schlief. Leise ging ich zum Schrank, holte frische Unterwäsche raus und verschwand im Bad. Erst mal aufs Klo, was sich bei meiner Erregung nicht sonderlich machte.
Es nützte nichts, ich musste mir zur Beruhigung eine Erleichterung verschaffen. Aber was waren das für Bilder die da in meinen Gedanken vorbeizogen? Bruchstückhaft sah ich seinen nackten Oberkörper, spürte die Umarmung von ihm und hatte beim Gefühl seines Kopfes auf meiner Schulter schon wieder einen enormen Abgang erlebt!
Was war denn mit mir los? Ich hatte ihm als Wichsvorlage missbraucht! Wie kann das sein? Meine Stimmung schlug sofort um. Eben noch Megaglücklich, und nun zu Tode betrübt. Ich beseitigte die Spuren und begann mit den allmorgendlichen Verrichtungen im Bad.
Schon wieder mit etwas besserer Laune schlich ich mich in mein Zimmer zurück. Ich nahm schnell noch Sachen aus dem Schrank, zog mich so leise es ging an und verließ mein Zimmer, die Tür hinter mir schließend.
Puh, endlich konnte ich ausatmen. Hatte ich etwa die ganze Zeit die Luft angehalten? Wäre ja nicht möglich, aber mir kam es fast so vor. Im Nebenzimmer hörte ich auch schon Bewegungen. Leise klopfte ich und machte die Tür vorsichtig auf.
Mia stand mit ihrem Glockenrock vor dem Bett und drehte sich. Sei ließ dass Hemd richtig wedeln.
„Morgen, Phillipp“, rief sie aufgeregt, als sie mich erblickte.
„Guten Morgen Mia! Hast du gut geschlafen?“, fragte ich, um sie im nächsten Moment aufzufangen.
Sie schlang beide Ärmchen um mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Ja, hab ich! Aber Phillipp, ich hab großen Hunger.“
Ich nahm das Federgewicht unter die Arme, streckte sie von mir und betrachtete ihr Gesicht. „Dann lass uns schnell was essen gehen“, stellte sie auf den Boden und schaute in ihr fragendes Gesicht
„Ist Marcus da…?“
Wie sie mich ansah!
„Na, klar ist dein großer Bruder da“, sagte ich zu ihr. „er schläft in meinem Bett, du brauchst keine Angst zu haben. Wenn du fertig bist im Bad mit dem Zähneputzen und Waschen, dann gehst du ihn wecken, abgemacht?“
Wie ein Wirbelwind drehte sie sich rum und rannte in mein Zimmer um ins Bad zu kommen. Ich folgte ihr mit einem Abstand und sah im vorbeigehen auf den schlafenden Marcus. Aber was sah ich da! Die Decke war wohl etwas verrutscht und nur noch sein Oberkörper war bedeckt.
Deutlich zeichnete sich in seiner Pyjamahose eine deutliche Erektion ab. Also ging es nicht nur mir so. Wovon oder von wem er wohl träumen mag, dachte ich, als ich ihm die Decke wieder vorsichtig über den ganzen Körper zog.
Ich fand diesen Anblick einfach nur schön. Was waren das für Gefühle, die sich in mir auftaten. Ich schüttelte den Kopf und folge Mia ins Bad. Als sie unter lachen fertig war schlichen wir uns durchs Zimmer in Richtung Tür.
Plötzlich machte sich Marcus mit einem brummen bemerkbar und wir hielten inne. Wie in Zeitlupe drehten wir uns um und Mia stürzte sich mit einem freudigen Schrei in mein Bett, in dem Marcus lag.
„Guten Morgen Marcus“, und sie klammerte sich an ihren Bruder.
Er nahm seine Arme unter der Bettdecke hervor und umklammerte sie. Ich stand abseits und ein Stich ging mir durch das Herz. Ich wusste nicht was ich denken sollte, beim Anblick der beiden. Wollte ich an Mias Stelle sein, oder wollte ich Marcus sein, der seine kleine Schwester so liebevoll drückte?
Ich konnte es nicht mit ansehen. Zu sehr schmerzte mich der Anblick und ich ging in Richtung Tür.
„Kommt ihr dann runter, zum Frühstück, wenn ihr fertig seid?“, sagte ich leise und machte mich auf den Weg nach unten.
Meine Mutter stand in der Küche und bereitete das Frühstück. Lächelnd sah sie mich an. Ich konnte nicht anders und ging auf sie zu und umarmte sie, ich wollte in diesem Moment auch nur einem Menschen nahe sein, den ich liebte.
Von meiner Reaktion überrascht hielt sie inne und drückte mich fest an sich.
„Was ist los Phillipp, ist etwas passiert“, und drückte mich noch fester.
„Nein, alles gut, aber ich brauchte nur mal etwas Nähe…“ die Tränen, die mir kamen erstickten den Rest des Satzes.
„He, Phillipp, ist schon gut. Du magst die beiden mehr als dir lieb ist, oder?“, meine Mutter sah mich prüfend an.
Ich sah durch einen Tränenschleier und nickte nur leicht. Was war denn in der letzten Zeit passiert? Soviel wie ich in den letzten Stunden geheult hab, habe ich mein ganzes Leben noch nicht geflennt. Sollte es sein, dass ich immer dichter am Wasser baue?
Und vor allem, was sind das für Gefühle, die sich in mir breit machten? Ich fühlte mich zu Marcus hingezogen und mit Mia verband mich eine Liebe, als ob sie eine Schwester wäre….
Langsam löste ich mich aus der Umarmung meiner Mutter, gerade noch rechtzeitig, bevor Marcus und Mia die Küche betraten. Mia rannte gleich auf meine Mutter zu und sprang ihr förmlich um den Hals. Ich drehte mich etwas zur Seite, so dass sie meine Tränen nicht sehen konnten. Plötzlich fassten mich zwei Arme von hinten um meinen Bauch.
Vorsichtig zog mich Marcus an sich und flüsterte mir etwas ins Ohr, was ich nicht verstand.
„Was hast du gesagt“, etwas lauter als beabsichtigt kamen mir diese Worte von den Lippen.
Schlagartig hatte ich die Blicke meiner Mutter und Mia auf mich gerichtet und Marcus Griff ließ nach.
Mann, was hatte ich denn nun gemacht, schaute mich schuldbewusst in der Runde um. Inzwischen hatte Marcus auch seine Arme wieder an sich genommen.
„Marcus, entschuldige bitte, ich wollte nicht so grob sein“, sein Körper nahm etwas mehr Haltung an.
Er lächelte mich an und kam wieder nah an mein Ohr.
„Ich hab noch nie so gut geschlafen wie letzte Nacht“, flüsterte er mir ins Ohr und grinsend schaute er mir ins Gesicht.
Da war ich ja erst einmal baff. Sicher, die Nacht war auch für mich schön, das Aufwachen am schönsten.
„Hallo, die Brötchen sind da!“
Damit riss mein Vater uns alle aus den Gedanken.
„Au, fein ich hab schon großen Hunger“, sagte Mia, und Marcus schaute ernst zu ihr.
„Na, dann mal alle ran an den Tisch“, sprach meine Mutter und stellte die Kanne Kaffee mit einem lauten Bums auf selbigen.
Mia stürzte sich auf den ersten freien Stuhl und ihre Augen leuchteten trotz der Schwärze. Marcus und ich setzen uns nebeneinander und griffen gleichzeitig nach einem Brötchen.
„Ah, nimm du zuerst“, gab ich freiwillig nach.
„Nein, nimm du“, sagte Markus zu mir. „Ihr könnt ja teilen“, kam es von Mia.
>Guter Gedanke< durchfuhr es mein Gehirn.
„Also, oben oder unten“, fragend sah mich Marcus an.
„Dann eher unten“, entgegnete ich ihm mit einem Lächeln.
„Ich will beide Seiten“, sagte Mia und ein Lachen ging um den Tisch.
„Marcus, Mia“, sprach mein Vater, „wir haben gleich noch einen Termin. Wir haben uns gestern darüber unterhalten.
Es ging schneller als gedacht. Um zehn Uhr müssen wir da sein.“
Ich schaute fragend in die Runde, und konnte mir keinen Reim darauf machen, was mein Vater für einen Termin klargemacht hatte. Und mit wem, und weshalb.
„Ich rede nachher noch mit dir“, sagte meine Mutter und sah mich wieder mit diesem Lächeln an.
Der Blick in Mias und Marcus Gesicht sprachen Bände. Die Fröhlichkeit von gerade war verflogen. Aber ein Hoffnungsschimmer war in Markus Augen zu sehen. Man, war der niedlich!??? Als das Frühstück beendet war gingen wir nach oben und die zwei zogen sich ihre Sachen an.
„Ich glaub, die solltest du anziehen, es ist kalt draußen“, und hielt Marcus meine neu erstandene Jacke hin.
„Danke Phillipp, ob ich das je wieder gutmachen kann“, kam leise aus seinem Mund. Ich ging zu ihm und nahm ihn in den Arm.
Leise flüsterte ich in sein Ohr „du kannst, es ist schon gut, dass du da bist“.
Was zum Teufel sagte ich da! Was soll Marcus nur von mir denken?
„Phillipp, ich, ich hab dich verdammt gern, glaub es mir. Ich wüsste nicht was ich ohne dich machen sollte.“
Ja, da hatte ich ein Problem. Ich musste mir eingestehen, dass ich Marcus auch gern hatte. Aber ich glaubte nicht, dass er das gleiche „gernhaben“ meinte wie ich. Ich fühlte mehr für ihn. Das wurde mir nun schlagartig bewusst.
„Marcus, ich hab dich auch gern“, was für Worte von mir!
„Ich weis ja nicht, was ihr noch für einen Termin mit meinem Vater habt, aber lass uns danach über alles reden, O.K.?“
„Klar“, sagte er und sah mich mit seinen wunderschönen schwarzen Augen an.
„Hallo, seid ihr alle fertig“, hörte man die Stimme meines Vaters von unten rufen.
Mia rannte los und Marcus und ich folgten ihr.
„Steht dir gut“, sprach meine Mutter Marcus an, den sie in meiner neuen Jacke musterte.
Er wurde leicht rot im Gesicht.
„Ja, und die ist bestimmt toll warm“, kam von Mia.
Er nickte nur leicht. Wir verabschiedeten die drei und gingen in die Küche zurück.
„Noch ein Kaffee?“, fragte mich meine Mutter.
Ich schaute in ihr ernstes Gesicht und nickte. Nun war also der Moment da, wo ich über alles aufgeklärt wurde. Sie schüttete mir die Tasse wieder voll und ich ergänzte das Gebräu mit meinen Zutaten.
„Phillipp, du weißt wie es um Mia und Marcs zuhause steht?“
Es war eine Frage, aber auch Antwort zugleich.
„Na, ein paar Sachen hat Marcus schon erzählt. Mit seinem Vater und seiner Mutter.“
Gedankenverloren rührte ich in meinem Kaffee.
„Wir haben die ganze Wahrheit erfahren, als wir gestern so lange mit ihnen geredet haben. Ich hoffe es erschreckt dich nicht, wenn ich es dir sage.“
Meine Mutter schaute mir prüfend in die Augen.
„Nein, ich glaub, dass ich sie viel zu gern hab, als das mich da noch etwas stören könnte.“
Ich sah sie an und wollte, dass sie endlich weitererzählte. Was war das große Geheimnis, dass ich noch nicht kannte?
„Also, dass die beiden von ihrer Mutter rausgeworfen wurden weißt du ja, aber der Grund war total absurd. Sie wurden schon seit längerer Zeit von ihrer Mutter vernachlässigt. Du hast es ja selbst gesehen, wie sie mitten im Winter herumlaufen. Aber das Fass zum überlaufen hat erst Marcus gebracht. Er sagte zu seiner Mutter, dass er schwul sei.“
Die Augen meiner Mutter taxierten mich. Bei meinem inneren Aufschrei > WAS, SCHWUL? < wurde ich rot wie eine Tomate. Mein Mund zuckte unkontrolliert. Mutti sah mich ernst an.
„Hast du ein Problem damit?“
„Ich … ich weis nicht. Also,.. Ich weis nicht was ich sagen soll“, stotterte ich.
„Phillipp, wir haben dich unserer Meinung nach zu einem toleranten Menschen erzogen“, sagte mir meine Mutter und sah mich ernst an.
„Hast du ein Problem damit?“
„Nein, ja, nein…“
Ich schloss meine Augen und musste erst einmal nachdenken. Gefühlvoll ließ mir Mutti auch die Zeit dazu.
„Ich muss dir etwas sagen, aber sei mir nicht böse deswegen“, und sah meine Mutter fest an.
„Du kannst mir alles sagen. Du weißt, dass wir immer für dich da sind. Egal was es ist“, und sie ergriff meine Hand.
„Ich, ich weis nicht wie ich es sagen soll…. Also, erst mal hab ich nichts dagegen, dass Marcus schwul ist, im Gegenteil.“
Ich sah ein leuchten in den Augen meiner Mutter und mit einem Kopfnicken machte sie mir Mut weiterzureden.
„Ich glaub, ich glaub das ich mich in ihn….“, und mir versagte die Stimme.
„Das du dich in ihn verliebt hast, oder dass du ihn sehr gern magst?“
Mutti schaute mir mit einem fröhlichen, aufmunternden Lächeln an.
„Oh, Mann, Mama, du, du machst es mir echt schwer. Aber ich glaube, dass ich Marcus mehr mag, als ich zugeben möchte. Mia hab ich schon ins Herz geschlossen, aber Marcus…“.
Meine Mutter stand auf, ging zu mir und zog mich in eine Umarmung hoch.
„Mein lieber Sohn. Ich glaub, du hast dich in Marcus verliebt.“
Ich drückte mich fest an meine Mutter, den Tränen ließ ich freien Lauf und das schluchzen ignorierte ich.
„Ist ja gut mein kleiner, ist ja gut“, sagte meine Mutter leise in mein Ohr und strich mir über den Kopf.
„Ich…, ich weis nicht, aber es kommt für mich, für mich alles so schnell…, ich glaub…, glaub, dass ich Marcus liebe.“
„Phillipp, man sieht es dir an, man spürt es und ich glaube es, dass du Marcus liebst.“
Ich sah meine Mutter in die Augen und sah nichts weiter als ein glückliches Lachen.
„Phillipp, es ist schön, dass du dich endlich uns gegenüber geöffnet hast. Ich bin so froh, einen, endlich wieder glücklichen Jungen zu haben! Wir müssen uns aber noch über die beiden unterhalten.“
Mit tränenverschmierten Augen sah ich meine Mutter an. Leicht nickte ich, und ich sah es als Aufforderung weiterzuerzählen.
„Dein Vater ist mit einem Sozialarbeiter und den beiden zurzeit unterwegs, um die Mutter von Mia und Marcus aufzusuchen.“
Ein dicker Kloß machte sich in meinem Hals bemerkbar. Ich musste schlucken, um nicht gleich wieder in Tränen auszubrechen.
„Wenn es so ist, wie die beiden es erzählt haben, dann kommen sie in eine Pflegefamilie….“
„Nein! Dass will ich nicht“, unterbrach ich meine Mutter.
„Lass mich doch erst mal ausreden“, unterbrach sie mich sanft, „hör doch erst mal. Also, wir, ich und dein Vater haben uns schon längere Zeit um Pflegekinder bemüht…“, weiter kam sie nicht.
Ich sprang auf und nahm meine Mutter in den Arm.
„Danke…, danke…“ und sie drückte mich noch fester.
Ich wusste nun, dass alles gut werden würde. Meinen Tränen ließ ich freien Lauf. Auch meine Mutter musste sich mit einem Taschentuch die Augen trocknen.
„Aber“, begann sie.
„ABER was?“, sagte ich ungehalten, „was gibt es denn da noch für ein Aber“, fragte ich nun mit leiserer Stimme.
„Mia und Marcus müssen dem zustimmen. Was meinst du, werden sie es machen?“
Ich schaute fest in die Augen meiner Mutter. Noch nie war ich mir einer Antwort so sicher!
„Ja! Sie werden zu uns kommen, wenn sie dürfen!“
„Na, dann, lass uns ein wenig Ordnung schaffen und dann musst du noch einige Dinge erledigen. Es wird sich nichts ändern an unserem Familienleben!“ ernst, und verschmitzt sah sie mich an.
Ich lächelte glücklich zurück, „nein, nur dass die Arbeit für mich vielleicht durch drei geteilt wird…“
Wir räumten den Frühstückstisch ab und ich ging nach oben. Zuerst ins Gästezimmer, in dem Mia geschlafen hatte. Schnell machte ich ihr Bett und schon ging es weiter in mein Zimmer. Ich betrachtete das Bett, in dem ich mit Marcus zusammen geschlafen hatte und in mir kam ein unendlich glückliches Gefühl hoch.
Ich sah ihn wieder vor meinem geistigen Auge und was war anders zu erwarten? Ich bekam schon wieder einen Steifen!
>Was ist los mit mir< konnte ich mich nicht mehr fragen. Ich wusste nun, dass ich anders als andere war. Wohl lag mir dieses Wort „schwul“ noch schwer im Magen, ich wollte es nicht für mich gebrauchen, aber es traf den Nagel auf dem Kopf.
Überraschend kam mir aber der Gedanke, wie locker es meine Mutter aufgenommen hatte, das ich schw… bin. Was dachte mein Vater?! Dachte er dasselbe, wie meine Mutter? Ich musste es herausfinden!
„Mutti“, rief ich die Treppe herunterstürzend, „ich muss noch etwas wissen“, keuchend kam ich vor ihr zum Stehen.
Sie schaute mich wissend an.
„Äh. Also, was weis denn Papa davon?“
„Hat mein Kleiner es nicht verstanden, was dir Papa mit seinen Andeutungen sagen wollte? Ich glaub, nein ich weiß, dass er damit kein Problem hat“.
Ungläubig schaute ich in ihre Augen, aber da war nichts zu sehen, weder Unsicherheit noch sonst was. Sie schaute mich einfach nur liebevoll an. Und ich war so dankbar! Ich musste sie einfach umarmen!
Schon füllten sich meine Augen wieder mit Tränen. Diesmal allerdings mit Freudentränen.
„Ich räum dann mal mein Zimmer weiter auf“, und löste mich aus der Umarmung mit meiner Mutter, drehte mich geschwind um und rannte die Treppe rauf.
Ich setzte mich auf mein Bett und dachte erst einmal nach. Zum ersten Mal hatte ich die Ruhe dazu. Also, Marcus war schwul. Und wenn ich mich nicht in einen absoluten Irrglauben verlaufen hatte war ich es auch.
War ich es wirklich? Ich ließ meine Gedanken schweifen, kam aber zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich so war! Oh, Gott oh Gott! Ich bin verliebt! Ich bin in Marcus verliebt!
Sogleich kamen mir aber abgrundtiefe Zweifel. Liebt er mich auch? Oder verrannte ich mich in ein Hirngespinst? Mit meiner Mutter wollte ich über diese Sache nicht reden, weniger, weil ich ihr nicht mein ganzes Herz ausbreiten wollte, sondern eher, weil sie sicher andere Sorgen hatte, im Moment.
Ich griff zum Telefon und rief Jan an. Es tutete ziemlich lange.
„Hallo, wer stört“, hörte ich aus dem Hörer die vertraute Stimme.
„Jan, ich bin es, Phillipp. Ich hab da ein großes Problem. Aber ich weiß nicht wie ich es dir erklären soll…“ sprach ich so schnell in die Muschel, dass ich schon befürchtete das Kabel brennt durch.
„He, mal ganz ruhig und vor allem von vorn“, Jan war die Ruhe selbst.
Wie konnte er nur in dieser Situation so ruhig sein? Ich erzählte, wie ich Marcus und Mia kennengelernt hatte, was Markus gemacht hatte, wie seine Eltern waren. Mein ganzes Herz schüttete ich vor Jan aus.
„Sag mal Phillipp, hast du dich vielleicht in Marcus verliebt?“ unterbrach er meinen Redeschwall.
Ich konnte nichts sagen. Es war still. Weder er, noch ich sagten etwas.
„Hab ich dich an einem wunden Punkt getroffen“, sagte Jan nach einer Ewigkeit.
„Ich hab da kein Problem mit, dass kannst du mir glauben“, hörte ich ihn sagen.
„Jan,… ich… du… ich weis nicht, aber ich glaub schon, das da was ist…“ seufzte ich in den Hörer.
„Phillipp, mach dir keine Sorgen, aber ich glaub das Beste ist, dass ich gleich mal zu dir komme und wir reden dann weiter, “ sprach es und die Verbindung war beendet.
Ich ließ mich langsam auf mein Bett fallen und senkte den Hörer. Meine Gedanken flogen in meinem Hirn umher. Was war alles geschehen in den letzten Minuten? Ich habe mir selbst eingestanden, dass ich Marcus liebte, hab es meiner Mutter gebeichtet, mein Vater schien nichts dagegen zu haben und vor Jan hatte ich mich fast geoutet. Fehlt nur noch Marcus.
Empfindet er dasselbe, wie ich für ihn? Sicher, er war schwul (was für ein Wort!). Aber heißt das auch, dass er sich auch in mich verlieben würde. Hatte er vielleicht schon einen Freund? Aber sicher doch, sonst hätte er ja nicht seiner Mutter davon erzählt! Wie konnte ich nur so naiv sein!
Wieder fiel ich in ein tiefes Loch. Ich habe nicht bemerkt, wie Jan in mein Zimmer kam, erst sein Arm, den er um meine Schulter legte, riss mich aus meinen Grübeleien.
„Ganz ruhig“, sagte er und hielt mich mit seiner Umarmung fest, damit ich vor Schreck nicht aufspringen konnte.
Kurz sah ich ihm in die Augen und lehnte mich gegen ihn, um mich meinem Weinen hinzugeben. Ich weis nicht wie lange wir so dasaßen. Meine Tränen versiegten und ich sah Jan an.
„Na, alles gut? Sag, wenn ich was für dich machen kann“, wie konnte er so ruhig sein?
„Jan, ich weis nicht, weis nicht, wie ich sagen soll…“, begann ich, aber er nahm mich wieder fester in den Arm.
„Ist schon gut, Kleiner, brauchst mir nichts zu sagen. Du bist verliebt und ich freu mich für dich!“
Ich riss mich aus seiner Umarmung, was ihn sehr verwirrte. Mit etwas Abstand sah ich ihm ins Gesicht. Ich musterte ihn, mein Blick begann wieder zu verschwimmen.
„Das Jan, werde ich dir niemals vergessen“, und fiel ihm um den Hals.
„He, ich bin dein Freund! Du kannst immer zu mir kommen. Das weißt du! Und ich glaub, da hat dir jemand ganz schön den Kopf verdreht.“
Er schob mich etwas von sich, um mir ins Gesicht zu sehen.
„Ja, du bist über beide Ohren in ihn verliebt! Du, wie ist es mit ihm…“?
Ich hatte einen Kloß im Hals, den ich mit viel Mühe herunterschluckte. Was sollte ich sagen? Jan hörte aufmerksam zu, wie ich von meinen Zweifeln sprach.
„Warte erst mal ab. Spekulier nicht herum.“
Jan hatte wieder eine so ruhige Art an sich, dass diese Ruhe auch auf mich überging.
„Sag mal, du hast nichts dagegen dass ich schw…, ähh, scheiß Wort, na, ja, eben auf Jungs stehe“, fragend blickte ich ihn an.
„Mann, Phillipp, ich bin dein Freund! Wie oft muss ich es dir noch sagen! Hat der Kleine mal wieder gepennt? Ich bin für dich da, wenn du etwas hast.“
Dankbar schaute ich ihm ins Gesicht. Ich war froh, dass er mein Freund ist und das er es als erster wusste, das ich, na ja, dass ich >SCHWUL< bin.
„Ich glaub, es ist besser, wenn wir uns jetzt auf den Weg zur Schule machen, viel Zeit ist nicht mehr und ich muss noch meine Sachen holen“, sprach Jan und wir lösten uns aus der Umarmung.
Ich schnappte mir die Sachen und wir gingen hinunter.
„Na dann mal viel Spaß in der Schule. Wir sehen uns nachher. Danke Jan, dass du da warst. Phillipp sieht nun auch wieder besser aus“, meine Mutter konnte einen wirklich wieder aufbauen.
Schweigend gingen Jan und ich zu ihm nach Haus, holten seine Schulsachen und erreichten gerade noch den Anfang der Stunde. Von der nächsten Stunden bekam ich nichts mit. Meine Gedanken kreisten nur um Marcus. Ob er mich wollte? Ich hoffte es ja, aber…
„Was ist nur mit Phillipp los“, fragte Klaudia, als wir in unserer Ecke standen.
Als ich schon antworten wollte nahm mir Jan das Wort aus dem Mund.
„Er hat im Moment Probleme. Aber ich glaub nicht, dass sie euch im Moment etwas angehen. Er wird sicher darüber reden, wenn die Zeit gekommen ist.“
Alle schauten ihn an. Er zuckte nur mit den Schultern.
„Vertraut mir, lasst ihm einfach Zeit“, dankbar schaute ich ihm an. Besser hätte ich mich auch nicht ausdrücken können.
Scheinbar akzeptierten es alle und die Gespräche drehten sich wieder um andere Themen. Ich allerdings verfiel wieder in meine Gedanken. Man, es hatte mich wirklich eiskalt erwischt! Wie ist nur Marcus auf mich zu sprechen?
„Hat der Kleine mal wieder gepennt“, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen.
Alle schauten mich an und erwarteten eine Antwort. Nur worauf wusste ich nicht.
„Hab ich etwas verpasst“, fragte ich scheinheilig in die Runde.
„Nein, wir wollten nur wissen, was du morgen machst. Aber scheinbar willst du nichts mit uns zu tun haben, oder?“
Klaudia sah mich erwartungsvoll an.
„Äh, also Morgen… morgen ist ja Samstag. Also, ich glaub ich hätte Zeit, wenn nicht noch etwas mit Markus und Mia…“
Ich ließ den Satz unbeendet. Hatte ich mich schon verquatscht?
„Also, wenn du Zeit hast dann melde dich einfach bei mir.“
Jan half mir aus dieser unangenehmen Situation heraus. Dankbar schaute ich ihn an, fragend die anderen, die er mit einem Kopfschütteln zu Ruhe brachte. Es wagte keiner etwas zu sagen, aber die Klingel rief uns zum Unterricht, gerade rechtzeitig!
Vom Rest des Tages bekam ich nicht viel mit. Erst als ich mit Jan den Rückweg antrat, freute ich mich auf mein Zuhause. Ob Mia und Marcus schon da waren? Jan zog mich am Ärmel meiner Jacke und ich blieb stehen.
„Also, wenn was ist, wenn du Hilfe brauchst, dann einfach anrufen, O.K.?“.
Dankbar sah ich Jan an.
„Ich melde mich bei dir, versprochen!“
Ich zog ihn dankbar in meine Arme und drückte ihn. Auch er schlang seine Arme um mich. „Phillipp, mach’s gut“, kam leise von ihm und wir lösten die Umarmung. Sah ich da etwa so etwas wie Trauer in seinen Augen? Was war das denn jetzt? Aber ich konnte mich nicht darauf einlassen.
Sicher war Jan jederzeit für mich da. Und gerade in den letzen Stunden hatte er bewiesen, dass er ein echter Freund ist, aber ich konnte mich damit nicht auch noch beschäftigen. Ich hasste die Trauer in seinen Augen! Aber ich musste an Markus und Mia denken.
Zuhause angekommen fand ich das Haus leer vor. Ich machte mir eine Kleinigkeit zu Essen und verzog mich auf mein Zimmer. Mein Blick fiel auf die Wand, wo das Diplom hing, dass ich vor zwei Jahren bekam. Es war eine schlichte Zeichnung, die mich aber schon damals begeistert hatte. Zuerst sah ich sie in der Gaststube, in der wir immer gegessen hatten.
Dann, als ich meinen Anfängerkurs im Ski fahren beendet hatte, bekam ich diesen Druck von meinen Eltern geschenkt – mit der Unterschrift und persönlicher Widmung meines Skilehrers. Ich war damals selbst stolz auf mich!
Der Skilehrer sagte zu mir, dass ich wohl ein natürliches Talent hätte. Jedenfalls dauerte es nicht lang, und ich beherrschte die Bretter ziemlich gut. Und das, obwohl ich doch in Sport eine ganz schön große Null war.
Als ich auf das Plakat sah, wurde mir erst bewusst, dass in ein paar Tagen unser Urlaub begann. Meine Eltern haben sich schon das ganze Jahr darauf gefreut. Ich auch, aber der Gedanke an Mia und Markus ließen keine Freude daran aufkommen.
Ich hörte die Tür unten gehen und riss mich aus meinen Gedanken. Ich schnellte die Treppe nach unten und sah die vier. Alle schauten mich an. Wen sollte ich zuerst begrüßen? Mia kam unbekümmert auf mich zugerannt und ich fing sie ab.
Drehte mich mit ihr im Kreis und sie drückte den Kopf fest an mich.
„Phillipp, danke“, sagte sie leise in mein Ohr.
Mit der Kleinen im Arm suchte ich die Augen meiner Eltern. Nach einer halben Drehung sah ich sie, und sie strahlten mich geradezu an! Ich drückte schon wieder eine Träne aus dem Auge. Man, war ich jetzt etwa auch noch eine verheulte Pussi geworden?
Aber an Marcus´ Augen sah ich, dass nicht nur ich es war, der mit seinen Gefühlen zu kämpfen hatte. Ich ging mit Mia auf dem Arm zu ihm, und umarmte ihn.
Er ließ es sich gefallen, mehr noch, er schlang beide Arme um mich und Mia, und hauchte mir ein „ich mag dich“, ins Ohr.
Fast hätte ich einen Zusammenbruch erlebt. Er sagt mir, dass er MICH MAG? Kann ich doch noch weiter hoffen?
„Ich mag dich auch, mehr als du denkst“, flüsterte ich ihm ins Ohr.
Er sah mich an, löste sich aus der Umarmung, nahm mir Mia ab und drückte sie. Ihre Gesichter waren sich zugewandt und ich sah die Tränen der beiden fließen. Verwirrt schaute ich zu meinen Eltern. Meine Mutter tupfte sich mit einem Taschentuch in den Augen, mein Vater strich sich wiedermal gedankenversunken über den Kopf.
„Will jemand einen heißen Tee, oder etwas anderes“, fragte meine Mutter in die Runde.
Marcus setzte seine Schwester ab und beide wandten sich ihr zu.
„Einen heißen Kakao möchte ich und vielleicht noch Schlagsahne darauf“, antwortete Mia.
Ich sah zu Marcus und er nickte zustimmend.
„Also, ich nehme dasselbe, aber Ma, warte ich helfe dir….“, „und ich auch“ kam es von den beiden wie im Chor.
Die Zubereitung der heißen Getränke verlief fix, und wir saßen alle am Tisch.
„Phillipp, du weist, dass wir in drei Tagen nach Garmisch fahren. Hast du schon Pläne gemacht?“
Dieser Satz traf mich wie ein Faustschlag in der Magengrube. Sicher habe ich mich schon das ganze Jahr darauf gefreut, aber nun, in dieser Situation?
„Ich weis nicht, aber ich glaub, na ja, ich glaub, ich hab nicht so recht Lust zu fahren. Mia…“.
„Was ist mit Mia“, unterbrach mich meine Mutter.
„Na, ich weis nicht, wo kommen denn die beiden hin“, fragend schaute ich meine Ma an.
„Tja, ich glaub die beiden kommen weit weg“, und drei Augenpaare richteten sich in ihre Richtung.
Zwei davon waren verwirrt und eins schaute recht finster drein. Sollten meine Eltern sie etwa abschieben wollen. Irgendwohin, in die Pampa? Das konnte und wollte ich nicht glauben!
„Also, bevor ihr mich mit euren Blicken tötet, will ich erst mal etwas klarstellen“, erhob meine Mutter das Wort.
„Die beiden kommen mit!“,sagte mein Vater, als er herein kam. Seine Worte raubte mir den Atem.
Ich saß nur da und ließ in dem Moment meinen Tränen freien Lauf. Marcus ging es genauso und Mia stand auf und ging zu meiner Mutter, um sie zu umarmen. Ich sah, wie auch sie Tränen in den Augen hatte.
Zum ersten Mal in meinem Leben, sah ich auch etwas anderes. Mein Vater versuchte es zwar zu verbergen, aber es gelang ihm nicht. Die Tränen liefen ihm die Wangen herunter. Ich stand auf zog Marcus hinterher und ging zu ihm.
Beide umarmten wir ihn und ich küsste seine Wange.
„Danke, Pa, Ich liebe dich…,“ mehr brachte ich nicht heraus.
Ich löste mich aus der Umarmung und ging zu Ma und Mia. Als ich sie umarmte gab mir erst meine Mutter einen Kuss auf die Wange und anschließend Mia.
„Du musst Marcus gern haben, ja!“, sagte Mia zu mir, „er ist doch mein alles…“.
Ich schloss meine Mutter und Mia in meine Arme ein und weinte hemmungslos.
„Mia, Ma, Ich hab euch lieb…“, mehr konnte ich nicht sagen.
Ich spürte einen Arm, der sich um mich legte, sah kurz auf und sah in diese wunderschönen schwarzen Augen. Über uns legten sich noch ein paar Arme und mein Vater umschloss uns alle. So standen wir eine Weile da.
Schließlich lösten wir uns aus unserer Umklammerung und setzten uns wieder an den Tisch.
„Was ich sagen wollte“, begann mein Vater mit tränenerstickter Stimme, „Mia und Marcus kommen mit nach Garmisch. Aber ich muss erst noch Plätze besorgen. Wird nicht leicht werden, aber wir haben ja schon immer alles hinbekommen.“
Ich konnte es nicht fassen! Mit Mia und Markus zusammen in den Winterurlaub! Mann! Ich war in diesem Moment der glücklichste Mensch auf der Erde! Auch Mia und Marcus hörten es und stürmten auf meine Eltern zu.
Ich konnte meine Gedanken noch nicht recht fassen. Wir sollten wirklich zu fünft

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Information Das Leben meines Bruders
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:02 AM - No Replies

Mit einem Freund ging ich nach Hause, eher als normal, da Stunden ausgefallen waren. Gerade als ich die Tür aufschloss, kam uns schon mein Bruder Keno entgegen.
“Hey Nils… Du schon hier? Und dann noch mit Begleitung?“, hakte er nach.
Ich musterte meinen Bruder genau. Er hatte eine enge Dreiviertelhose an und ein Hautenges Shirt, was seine schlanke, leicht muskulöse Silhouette, noch mehr zum Vorschein brachte.
Seine hellblonden Locken waren mit einem Kopftuch bedeckt und seine himmelblauen Augen strahlten mich an.
Sofort fielen seine rasierten Beine auf, die ihm aber durchaus standen. Auch war die Hose so geschnitten, dass der untere Teil seines flachen Bauches man gerade so zu sehen war. Ein anderer hätte dort schon seine Schambehaarung gehabt, aber mein Bruder war glatt rasiert, wie ein Babypopo.
“Ja, ein Lehrer war krank und deswegen haben wir jetzt drei Freistunden!“, beantwortete ich seine Frage, während wir uns die Schuhe auszogen.
Nachdem Keno vor ein paar Wochen seine Ausbildung geschmissen hatte, musste er zwangsläufig wieder bei uns einziehen. Dafür dass er hier wohnen durfte, musste er den Haushalt schmeißen.
Was er auch sehr gut konnte und wo er gerade bei war. Die Musik dröhnte durchs Haus und er schwang den Wischer durch die Gegend.
“Kommt heute noch jemand?“, wollte ich von ihm wissen.
“Till wollte vorbeikommen. Wieso fragst du?“, hakte er skeptisch nach.
“Ist das dein Freund?“, äffte ich unsere Mutter nach und fügte hinzu, “Nur so… uns ist langweilig!“
“Boa, du fängst schon genauso an wie Mama! Sag jetzt nicht, dass ich euch den Rest des Tages an der Backe habe“, kam es von meinem Bruder.
Keno machte kein Geheimnis daraus, dass er Bisexuell war. Unsere Eltern wussten es und bestimmt auch die halbe Stadt. Er hatte gerne seinen Spaß und genoss es begehrt zu werden.
Nur Mama hätte lieber, dass er einen festen Freund oder eine feste Freundin mit nach Hause bringen würde.
“Jetzt fehlt nur noch, dass du mich aufklärst, dass ich auch immer schön verhüte!“, scherzte Keno weiter.
Denn das kam auch des öfteren von unserer Mutter. Einfach weil sie sich Sorgen um ihn machte.
Daraufhin sagte ich nichts mehr, sondern grinste nur frech. Wir huschten durch den Flur in die offene Küche und schenkten uns etwas zu Trinken ein.
*-*-*
Früher, als üblich kam ich heute heim, aber es war niemand da. Natürlich nicht, denn ich wohnte schon seit ein paar Monaten allein in einer Wohnung. Zuhause hatte ich es nicht mehr ausgehalten.
Ständig hatten sich meine Eltern gestritten, was jetzt nicht so das Problem gewesen wäre… klar, es war auch schlimm für mich, aber es war eben nicht das Schlimmste, da ich meist eh am Lernen war. Deshalb war es für mich nicht schlimm… nur, als mein Vater vor 6 Monaten meinte, dass ich mit meinen 18 Jahren nicht mehr zu jung für gewisse ….sexuelle Neigungen seinerseits… wäre… war es für mich aus und vorbei.
Anscheinend… zumindest was er meinte… ließ ihn meine Mutter nicht mehr ran… also müsste ich nun für sie einspringen… ihgitt… es war so furchtbar… und ich dachte echt, dass ich mich übergeben müsste.
So war es für mich, als er sich das erste Mal über mich hermachte. Danach lag ich nur noch steif auf dem Bett… konnte mich nicht wehren.
Ich war schließlich zum Jugendamt gegangen und hatte es dort berichtet. So hatte ich auch berichtet, dass meine Mutter es mitbekommen hatte, aber nichts unternahm.
Man sagte mir, dass ich ihn anzeigen könnte, aber …das lehnte ich ab… konnte es nicht… er war doch trotzdem mein Vater.
Sie hatten mir dann von jetzt auf gleich eine kleine ein-Raum Wohnung besorgt, mit Küche und Bad. Meine Eltern mussten nun Unterhalt an mich zahlen und das nicht zu knapp… so kam ich ganz gut über die Runden… zudem bekam ich von amtlicher Seite noch finanzielle Unterstützung.
Außerdem wurde mir nahegelegt, dass ich mich wenigstens einem Therapeuten anvertrauen sollte, wenn ich schon nicht zur Polizei gehen wollte. Ich willigte ein und war nun seit ein paar Wochen in Behandlung.
Mein Name ist Damona, ich bin 18 Jahre jung, 1,65m groß, habe lange schwarze gewellte Haare und eisblaue Augen… also ein typischer Wintertyp. Von der Statur her bin ich sehr, sehr schlank …fast schon zu dünn.
Seit mich mein Vater das erste Mal vergewaltigt hatte, konnte ich kaum noch essen. Nur ab und zu und sehr unregelmäßig nahm ich etwas Nahrung zu mir.
Meine Lehre als Computerspezialistin machte mir großen Spaß, so dass ich sehr oft nur am Lernen war. In meinem Lehrbetrieb war ich wirklich sehr beliebt, denn ich half wo ich konnte und war meist sehr nett und freundlich.
Allerdings durfte man mich nicht ärgern… dann konnte ich durchaus schon mal sehr ungehalten werden.
Noch genau ein Jahr hatte ich vor mir und ich wusste, dass ich es mit einem sehr gut abschließen würde… wenn da nicht… der absolut süße junge Mann, mit den blonden Locken wäre, der in meiner Nachbarschaft wohnte und dem ich täglich begegnete.
Immer wenn wir uns begegneten himmelte ich ihn förmlich an, aber er schien von mir überhaupt keine Notiz zu nehmen… beachtete mich gar nicht. Zudem ich mir nicht einmal sicher war, ob ich überhaupt etwas mit einem Mann würde anfangen können… bei dem was mir mein Vater angetan hatte.
So schwärmte ich für ihn, nur für mich und ganz allein… allerdings schaute ich immer wieder zum Fenster hinaus… meist hinter der Gardine… damit er es bloß nicht bemerkte. Natürlich hatte ich Angst… panische Angst vor Männern… aber er war eben einfach süß und bildhübsch.
*-*-*
Keno war mit dem wischen fertig und kam ebenfalls in die Küche zu uns. Auch er schenkte sich etwas zu trinken ein und grinste mich kurz an.
“So, dann will ich mal duschen! Muss noch jemand vorher ins Bad?“, dabei richtete er seinen Blick an meinen Freund, der scheinbar gar nicht wusste wie ihm geschah.
“Besser wir gehen beide nochmal! Wer weiß, wann du wieder raus kommst“, reizte ich Keno und zog meinen Freund mit ins große Badezimmer.
Mein Bruder schaute uns noch hinterher, dann ging er nach oben in sein Zimmer und holte sich etwas zum Anziehen. Er kam uns entgegen, als wir im Bad fertig waren und ging hinein. Wie immer schloss er nicht ab, aber das kannte ich schon.
“Komm, wir gehen ein bisschen nach oben und zocken eine Runde“, schlug ich meinen Freund vor.
Bis Till hier sein würde, dauerte es sicherlich noch eine Weile und irgendwie mussten wir uns beschäftigen. Hausaufgaben hatten wir keine auf und Tests standen erst mal nicht an, also konnten wir ein wenig abschalten.
*-*-*
Hach ja, Keno war ja wirklich hübsch, aber er war leider nichts für Reno (engl. Rino gesprochen) er war einfach nicht seine Kragenweite. Dennoch hatte er ihm grinsend hinterher gesehen, als Keno im Bad verschwand.
Er fand es sehr amüsant wie die beiden Brüder miteinander umgingen. Nur kurz hatte er Nils eingewilligt.
„Ja, klar, ich bin dabei“, zunickend verschwand er dann in dessen Zimmer.
*-*-*
Endlich wieder zu Hause, bemerkte ich, dass ich vergessen hatte einzukaufen. Na ja, daran würde ich mich wohl noch gewöhnen müssen, denn sonst war es ja immer meine Mutter gewesen, die eingekauft hatte, als ich noch daheim wohnte.
Ich überlegte, ob ich wirklich noch mal raus gehen sollte, weil ich es eben nicht mochte unter zu vielen Menschen zu sein. Immer wieder spürte ich dann die Blicke der Kerle auf mir… konnte fast förmlich fühlen, wie sie mich mit ihren Blicken so halbwegs auszogen.
Was aber sehr wahrscheinlich an meinem sehr üppigen Busen lag, den ich hatte, trotzdem ich so schlank war. Mein sehr hübsches, wenn auch schmales Gesicht, trug sicher ebenfalls einiges dazu bei.
So kleidete ich mich fast nur noch in schwarze, schlichte, aber edle Sachen ein… die zudem hoch geschlossen waren, so dass kein Ausschnitt oder dergleichen zu sehen war. War ich aber daheim, bekleidete ich mich sehr gern etwas farbenfroher.
Jedoch blieb mir jetzt nichts anderes übrig, als doch noch einmal rauszugehen, denn auch wenn ich nicht unbedingt viel aß, so wollte ich wenigstens für den Notfall was da haben. Außerdem musste ich, trotzdem ich nun schon volljährig war, immer damit rechnen, dass so eine Tussi vom Jugendamt hier auftauchte und kontrollierte, ob ich auch wirklich einkaufen ging usw.
Klar, ich wusste auch, dass die es sicher gut mit mir meinten, aber es nervte eben einfach. Mir blieb also nichts anderes übrig. Schuhe an und raus… Hinter mir die Tür abschließend, spürte ich schon wieder die leichte Unruhe, die mich jedes Mal überfiel, wenn ich raus ging… zudem mir ja mein Vater jederzeit über den Weg laufen konnte… aber, nun ja, da musste ich wohl durch.
Allerdings wussten meine Eltern nicht wo ich wohnte, so dass ich nicht mit einem Besuch ihrerseits… oder womöglich meines Vaters, rechnen musste. Ich ging also ins nächste Einkaufszentrum, suchte den dortigen Supermarkt auf und kaufte alles Notwendige ein.
Nach einem Schaufensterbummel war mir aber nun nicht wirklich zumute.
*-*-*
Wie angekündigt brauchte Keno lange im Bad und wir hatten schon eine ganze Weile gezockt, als er endlich fertig zu sein schien. Dann klingelte es auch schon an der Tür.
“Ich geh mal eben“, entschuldigte ich mich bei Reno.
Also stand ich auf und öffnete Till die Tür der mich gleich begrüßte.
“Da ist ja der kleine Süße“, neckte er mich, weil er genau wusste, dass ich das nicht mochte.
Doch mein Bruder kam mir schon zur Hilfe.
“Till, lass die Finger von meinem kleinen Bruder“, begrüßte er seinen Freund.
“Och manno, nichts darf man“, schmollte Till gespielt ernst.
Ich musste lachen und ging mit den Beiden nach oben. Auch winkte ich Reno rüber, in Kenos Zimmer.
“Och, noch so ein Sahneschnittchen“, grinste Till und bekam gleich einen Seitenhieb von Keno.
Da lief doch etwas zwischen den Beiden. Konnte Keno erzählen was er wollte. Ich war mir sicher, dass da mehr war, als nur Freundschaft.
“Was gibt es heute eigentlich zu essen“, fragte ich dann meinen Bruder, nachdem wir es uns in seinem Zimmer bequem gemacht hatten.
“Ah… nein…“, brachte er nur über die Lippen.
“Das kann man definitiv nicht essen“, scherzte ich.
“Ich hab vergessen einzukaufen!“, definierte er seine Äußerungen.
“Dann gehen wir doch einfach zusammen los. Nachher wäre ich sowieso noch losgegangen“, schlug Till vor.
“Wir kommen mit!“, bestimmte ich. Schaute aber vorsorglich kurz nach Reno, ob es für ihn okay war.
“Wie sollte es auch anders sein“, ärgerte Keno mich und grinste Reno an.
Dann gingen wir alle nach unten und fuhren mit Tills Auto in den nächsten Supermarkt.
“Es gibt aber kein Süßkram! Sondern Essen wird eingekauft und Trinken brauchen wir“, redete Keno auf mich ein.
“Süßkram ist auch Essen!“, korrigierte ich ihn, “Toilettenpapier ist auch fast alle!“
Wir nahmen zwei Einkaufswagen. In den einen setzte ich mich und ließ mich von Reno schieben. Während wir aber nach einer Weile wechselten und ich dann ihn schob.
Den anderen schob Till und Keno ärgerte uns ab und an. Er nahm mir den Wagen weg, als Reno darin saß und ließ ihn den Gang entlang Rollen.
Unser Getue sorgte selbstverständlich für Aufsehen und ohne lautes Lachen ging es gar nicht.
*-*-*
Reno lachte und machte das Spielchen mit, als Keno den Wagen den Gang entlang rollen ließ, machte Reno große Augen und konnte den Wagen geradeso abbremsen… wie auch immer er das geschafft hatte… aber er hatte es geschafft und stieg aus dem Wagen wieder aus. Das war ihm dann doch zu gefährlich… immerhin wollte er sich nun nicht die Knochen brechen.
Einen leicht bösen Blick erntete aber Keno dafür, jedoch nur kurz, dann grinste Reno direkt schon wieder.
„Den Wagen schiebe ich jetzt“, meinte Reno gespielt streng und nahm den Wagen direkt an sich.
*-*-*
Ein wenig lustlos ging ich durch die Gänge… wollte eigentlich gar nicht einkaufen, musste es aber. Und dann, wie ich mich noch umsah und ernsthaft am überlegen war, nicht doch den Supermarkt wieder zu verlassen… hörte ich plötzlich dieses Gelächter und wollte wissen wer das Einkaufen so lustig fand.
Dem Gelächter folgend blieb ich dann aber doch stehen, als ich IHN sah… meinen Schwarm. Wie zu einer Eissäule erstarrt stand ich da und starrte diesen süßen Typen an… der sich mit seinen Freunden anscheinend sehr amüsierte.
Nachdem ich mich endlich aus meiner Starre gelöst hatte, riss ich mich arg zusammen… versuchte meine Angst beiseite zu schieben, lenkte meinen Wagen an den vier Kerlen vorbei und konnte mir einen Kommentar dann doch nicht so ganz verkneifen.
„Ach ja, der Kindergarten ist unterwegs und ihr wollt Männer sein… tze..“, hörte ich mich sagen, schob den Wagen an ihnen vorbei, ging langsam weiter und suchte weiter nach etwas Essbarem.
Ich versuchte so gut, wie möglich, diese möchte-gern-Männer zu ignorieren.
Sie… insbesondere ER interessierten sich doch eh nicht für mich… hatten wahrscheinlich ganz andere Sachen im Kopf, also versuchte ich mich weiter auf meinen Einkauf zu konzentrieren.
Den nächsten Gang betretend, fand ich dann doch endlich was und packte es in meinen Wagen. So ganz langsam füllte sich mein Wagen nun doch.
Allerdings hörte ich die vier „Jungs“ noch immer lachen.
Vielleicht lachten sie ja gerade über mich, weil ich eben nicht aussah wie andere Tussen… oder vielleicht waren sie auch… schwul… in diesem Fall hätte ich natürlich Pech gehabt und keine Chance auf den niedlichen blonden Typen.
Vielleicht fanden sie aber auch meinen Kommentar lustig… oder dumm… na ja, was sorgte ich mich… hatte ich doch mit mir selbst genug zu tun.
*-*-*
Reno hatte sich kurz nach der jungen Frau umgesehen, die diesen Kommentar abgelassen hatte und meinte zu seinen Freunden:
„Habt ihr das gehört? Die Kleine war ja richtig frech“, musste aber direkt grinsen.
*-*-*
Ich kannte sie und wusste, dass sie in unserer Straße wohnte, schräg gegenüber von uns.
“Das war Damona! Sie wohnt in unserer Straße. Irgendwie finde ich sie unheimlich.“, hörte ich mich sagen und auf einmal war mir gar nicht mehr nach lachen zu mute.
Aber die Anderen fanden es mehr als amüsant.
“Unheimlich… Dann wollen wir die unheimliche Damona doch mal zu uns einladen.“, kam es nun von meinem Bruder und ich hätte ihn am Liebsten erwürgt.
Er ging sie doch tatsächlich suchen. Als er sie ein paar Gänge weiter fand, hörte ich ihn bis zu uns hin, rufen.
“Hey, Damona… So heißt du doch, oder? Warte mal bitte!“
*-*-*
Gerade war ich noch dabei, noch was zu suchen, was ich brauchen konnte, da hörte ich auch schon meinen Namen… den wer hinter mir rief. Ich drehte mich um und sah diesen süßen blonden Typen, der mir nach lief.
So blieb ich stehen und sah ihn an… während ich ein kleines Stück auf ihn zu ging. Etwas entfernt von ihm stehend, fragte ich:
„Ja, mein Name ist Damona. Was gibt es denn so wichtiges, das du hier so herum schreien musst?“
Meine eisblauen Augen sahen ihn an… musterten ihn beinahe… und doch blieb ich ein bisschen auf Abstand.
*-*-*
“Hast du heute Abend schon etwas vor?“, fragte Keno nun nicht mehr ganz so laut.
Man konnte seinen Charme förmlich spüren, den er spielen ließ.
Er wusste was er tat und handelte bewusst. Dabei war ich mir nicht sicher, ob er mich wirklich nur ärgern wollte. Aber davon ahnte Damona ja nichts. Neugierig schaute ich um die Ecke, um zu verfolgen, was sich dort abspielte.
Damona war immer in schwarz gekleidet und wirkte auf mich eiskalt. Sie machte mir wirklich Angst und jetzt sollte sie heute Abend auch noch zu uns kommen. Ich betete, dass sie etwas vor hatte.
*-*-*
Ich sah Keno an… ja, jetzt konnte ich mich an seinen Namen irgendwie erinnern… und glaubte meinen Ohren nicht zu trauen. Da fragte er mich doch tatsächlich ob ich heute Abend was vor hätte… tze…
„Ach, wie kommt es denn, dass du mich das ausgerechnet jetzt fragst, hm? Ich mein, Wochenlang laufen wir uns über den Weg… von dir kam nie eine Reaktion… du hast mich nie beachtet und jetzt fragst du mich so etwas?“
Irgendwie freute sich mein Herz schon ein wenig, dass ausgerechnet er mich fragte… leider traute ich ihm nicht so wirklich. Vielleicht wollte er jetzt nur den Coolen, vor seinen Freunden, markieren.
„Ganz ehrlich… ich gehe Abends niemals aus dem Haus. Tut mir leid“, hörte ich mich noch sagen.
Natürlich wusste ich, dass es ziemlich dämlich klang und eigentlich wollte ich doch etwas ganz anderes, aber ich traute ihm leider nicht so wirklich… hatte Angst, dass er mich nur ärgern und aufziehen wollte.
*-*-*
“Okay. Schade, da kann man wohl nichts machen“, sagte Keno dann.
“Du bist mir vorher eben nie aufgefallen. Aber gut. Dann wünsche ich dir einen schönen Abend und falls du es dir anders überlegen solltest, du weißt ja, wo du uns findest“, fügte er hinzu.
Dann kam er wieder zu uns rüber.
“Kann man nichts machen, Bruder Herz“, sagte er dann zu mir und ich hätte ihn am Liebsten erwürgt.
Nun bemühten wir uns ein wenig gesittet einzukaufen und begaben uns zur Kasse.
“Wo kommen denn die Chips her?“, fragte Keno, als er die aus den Wagen fischte, während er und Till alles aufs Band legten.
“Aus dem Regal!“, grinste ich und kam wirklich damit durch.
Irgendetwas ging in meinem Bruder vor sich. Nur konnte ich nicht ausmachen was.
*-*-*
Okay, das hatte ich nun vergeigt und ich war sauer auf mich… er war eigentlich doch recht nett gewesen… hatte mir erklärt warum er mich nicht bemerkt hatte. Na gut, damit musste ich nun wohl leben.
Oder sollte ich doch zu ihnen rüber gehen… ich war mir total unsicher… hätte heulen können… zudem meine Angst vor fremden Menschen ja wirklich groß war.
Schließlich beendete ich meinen Einkauf, ging an die Kasse, legte meine Waren auf das Band und bezahlte. Anschließend packte ich alles ein und ging heim.
Dort angekommen, überlegte ich weiter und immer wieder sagte mir meine Angst, ich sollte nicht rüber gehen… sie würden mich auslachen… sie konnten mich doch eh nicht leiden. Warum sollten sie mich einladen… wenn ich IHM doch vorher nie aufgefallen war?
Ich setzte mich in die Küche und heulte los, weil ich einfach nicht wusste was ich tun sollte.
Nun, vielleicht würde ich es einfach auf einen Versuch ankommen lassen… gehen konnte ich immer noch, wenn es mir dort doch nicht gefiel.
*-*-*
Wir fuhren nach den Einkaufen ebenfalls nach Hause und dort angekommen, verkrochen Reno und ich uns in mein Zimmer, um noch ein wenig zu relaxen.
Till und Keno bereiteten unterdessen das Essen für heute Abend vor und man konnte sie lautstark bis nach oben hören, wie sie dabei herumalberten.
“Irgendwie bin ich froh, dass Damona nicht kommen wollte. Sie macht mir wirklich Angst!“, suchte ich das Gespräch mit Reno.
“Sie ist irgendwie eigenartig. Sicher ist sie bestimmt ganz nett. Aber ihre Art ist komisch.
Hast du auch bemerkt, dass Keno auf einmal ganz nachdenklich war. Nun gut, ich kenne ihn vielleicht besser als du, aber irgendwie war er gerade komisch.
Manchmal begreife ich meinen Bruder einfach nicht…“
*-*-*
Reno hörte sich an was Nils erzählte und seine Meinung über Damona.
Auch er wurde nun sehr nachdenklich und antwortete:
„Hmm… ich kenne sie ja nicht und so vom Sehen finde ich sie eigentlich ganz hübsch und vielleicht ist sie wirklich ganz nett. Ich denke, man sollte sie besser kennen lernen, ehe man sich ein Urteil bilden kann.
Ich mein, wir wissen ja nicht warum sie so ist… wie sie ist. Vielleicht kann sie nicht so wie sie gern möchte. Vielleicht hat es auch so seine Gründe, weshalb sie so kalt erscheint.“
Er machte eine gedankliche Pause, dann sprach Reno weiter:
„Und was deinen Bruder angeht… hmm… seine Nachdenklichkeit kann ich mir auch nicht so wirklich erklären. Wer weiß, vielleicht mag er sie ja und war deshalb nachdenklich, weil sie eben nicht her kommen wollte. Mach dir mal darüber keine Gedanken.“
Dann trank Reno erst mal was und chillte einfach nur. Er machte sich um Damona keine Gedanken.
*~*
Noch immer hin und hergerissen zwischen dem Für und Wider doch noch rüber zu gehen, musste ich an Keno denken und wie traurig er schien, als ich die fast-Einladung ablehnte.
Schließlich entschied ich mich doch rüber zu gehen und es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Natürlich machte sich bei mir … bei dem Gedanken daran… doch wieder die Angst breit, aber jetzt wollte ich sie einfach beiseiteschieben.
So packte ich noch meinen Einkauf aus, packte alles ordentlich weg und räumte noch ein wenig auf, bevor ich duschen ging, mich ausgiebig pflegte und dann in mein Zimmer ging, um mir Sachen heraus zu suchen.
Ein hellblaues T-Shirt, mit einem kleinen Ausschnitt und bunten, hübsch funkelnden Glitzersteinchen, eine schwarze Hose und schwarze Pumps hatten es mir angetan.
Nachdem ich mich gründlich abgetrocknet hatte, zog ich mich an, frisierte meine Haare… steckte sie ein wenig hoch, ließ aber an den Seiten zwei dünne gewellte Strähnchen frei hängen.
Auch schminkte ich mich ganz dezent, kaum sichtbar und legte noch ein wenig ebenfalls dezentes Parfüm auf.
Okay, so konnte ich mich durchaus sehen lassen.
Noch einen Moment setzte ich mich in die Küche, sah aus dem Fenster… versuchte mich zu beruhigen… denn die Angst wurde wahrlich nicht weniger. Aber ich wollte das hier und wer weiß, vielleicht würden wir ja irgendwann Freunde werden.
Schließlich raffte ich mich auf, schaute noch einmal in den Spiegel, nickte anerkennend und ging dann langsam auf den Flur hinaus. Dann schnappte ich mir meine kleine Tasche, verließ meine Wohnung, schloss die Tür ab und steckte meine Schlüssel ein.
Mit ziemlich wackligen Beinen ging ich langsam hinüber zu dem Haus und wartete noch einen Moment, dann betrat ich es, suchte den richtigen Namen, fand ihn und klingelte.
Geduldig wartete ich vor der Tür, noch immer der Meinung, dass sie mich auslachen würden und die Einladung gar nicht ernst gemeint wäre.
Als kleines Mitbringsel hatte ich etwas zu Trinken und Schokolade dabei.
*-*-*
Es klingelte und ich zuckte irgendwie zusammen. Doch aus Neugier, ob es wirklich Damona war, gingen wir auf den Flur.
Keno öffnete die Tür und strahlte Damona an.
“Hey, du bist ja doch gekommen. Freut mich! Komm doch rein“, begrüßte er sie.
“Das ist Till und da oben siehst du meinen kleinen Bruder Nils und seinen Freund Reno. Du bist heute wohl die Henne im Korb, wenn es dich nicht stört“, fuhr Keno fort und lachte kurz auf.
“Setzt dich doch. Mhh, da wird sich mein Bruder aber freuen, der liebt Schokolade“, sagte er dann noch.
Zeigte dann auf einen Platz im Essbereich und widmete sich wieder dem Essen. Till war so höflich und setzte sich zu Damona.
Ich traute mich nicht richtig nach unten und wäre am liebsten wieder ins Zimmer gegangen.
“Nils, deckst du schon mal den Tisch“, rief Keno dann zu uns hoch.
Till konterte direkt: “Ihhh! Dann esse ich aber woanders. So eine Sauerei!“
Keno und Till mussten lachen und ich verdrehte genervt die Augen, während ich mit Reno langsam die Treppe runterging.
*-*-*
Eigentlich war ich schon drauf und dran doch lieber wieder zu verschwinden, als ich von drinnen schon Schritte hören konnte und es jetzt definitiv zu spät war, um jetzt noch abzuhauen.
Als jedoch die Tür aufging und mich zwei strahlende Augen ansahen, musste ich direkt ein wenig lächeln und eine leichte Röte legte sich auf meine, sonst so blassen, Wangen.
„Hallo Keno“, begrüßte ich ihn ebenfalls: „Ähm… ja… danke. Ich dachte… einfach… ich… lasse es… auf einen Versuch… ankommen“, stammelte ich dann und betrat die Wohnung… vorsichtig und mit einer gehörigen Portion Unsicherheit.
Von Keno in den Essbereich geführt, legte ich die Schokolade auf den Tisch und stellte die Flasche Rotwein dazu.
Natürlich hatte ich mich hier auch ein wenig umgesehen, während ich in den Essbereich geführt wurde. Es war alles so fremd hier und ich blieb genau dort sitzen, wo ich Platz genommen hatte… bewegte mich keinen Millimeter. Ich hatte einfach Angst etwas verkehrt zu machen und dann vielleicht doch noch ausgelacht zu werden.
Zuvor hatte ich selbstverständlich auch die anderen begrüßt, eben wie es sich gehörte. Auch wenn Nils und Reno noch etwas zaghaft und sehr langsam zu uns kamen. Offensichtlich war ich hier eben doch nicht ganz so willkommen.
Till setzte sich, anscheinend mehr aus Höflichkeit, zu mir und ich senkte meinen Blick. Sie schienen ja alle ganz lustig drauf zu sein, aber ich konnte damit leider nicht allzu viel anfangen. Immer wieder sah ich meinen Vater vor meinem geistigen Auge und jede Faser meines noch so jungen Körpers sträubte sich… wollte einfach wieder abhauen… nach Hause gehen.
So kam ich mir vor als hätte ich freiwillig die Höhle der Löwen betreten.
Ich war ganz still und hörte zu was sie sich so unterhielten. Leider verschwand meine Angst eben nicht… saß mir, wie ein böser Dämon im Nacken und lähmte mich, so dass ich nun schon Tränen in den Augen hatte, was die anderen aber nicht sehen konnten, da ich meinen Blick gesenkt hielt.
Da ich aber trotz allem nicht ganz so unbedarft sein wollte und trotz der Tränen, die mir nun schon so halbwegs über die Wangen liefen, fragte ich in die Runde:
„Ähm… kann ich vielleicht… etwas helfen?“
Leider machte meine Stimme nicht so mit, wie ich es gern gehabt hätte und hörte sich nun doch ein wenig seltsam an… eben tränenerstickt.
*-*-*
Reno musste direkt grinsen, als es geklingelt hatte… hatten sich doch Nils‘ Wünsche scheinbar nicht erfüllt und Damona kam nun doch zu essen.
„Na, komm schon, stell dich nicht so an. Sie wird uns schon nicht beißen“, scherzte Reno lachend.
Gemeinsam mit Nils hatte Reno dann ebenfalls den Essbereich betreten und Damona zumindest höflich begrüßt. Er konnte direkt spüren, dass sie sich hier nicht wohl fühlte… sah es fast schon in ihren Augen.
Er sprach sie aber nicht drauf an… ließ sie in Ruhe. Sie schien eh schon ängstlich genug zu sein.
*-*-*
Ich schlich hinter Reno her und begrüßte auch Damona. Hielt aber einen gewissen Anstand zu ihr.
Dann ging ich in die Küche, holte Teller und Besteck und fing an den Tisch zu decken.
“Ist alles okay mit dir?“, hörte ich Keno auf Damonas Frage, eine Gegenfrage stellen.
“Danke, wenn du Nils beim Tischdecken helfen möchtest, darfst du sicher die Servietten verteilen. Musst du aber nicht, schließlich bist du Gast hier“, fügte er noch hinzu.
Dann sah ich es von der Seite, dass sich etwas glänzendes auf ihrem Gesicht befand. Ganz geistesgegenwärtig wischte ich es von ihrer Wange mit einer Serviette.
Weinte sie etwa?
*-*-*
Verdammt, hatten sie es etwa doch bemerkt, dass ich… nein, das durfte mir nicht passieren.
„Alles gut, mach dir keine Sorgen“, hörte ich mich Keno antworten.
Als ich aber aufstehen wollte, um Nils beim Tischdecken zu helfen, kam dieser zu mir und wischte meine Tränen fort, die wohl von der Seite her doch zu sehen gewesen sein mussten. Sogleich zuckte ich zurück, als Nils meine Wange mit der Serviette berührte.
Jedoch sah ich ihn dann an, versuchte mir ein sanftes… dankbares Lächeln abzuringen… was mir nur mäßig gelang.
So ein verdammter Mist aber auch… ich durfte mich nicht so gehen lassen…. musste mich zusammenreißen, wenn ich mich hier nicht vollkommen blamieren wollte.
„Ist… schon okay. Alles… gut“, stammelte ich ein wenig, stand dann aber auf und half Nils den Tisch zu decken.
Kunstvoll faltete ich die Servietten, die ich mir hatte von Nils geben lassen, und stellte auf jeden Teller eine davon.
So war ich etwas abgelenkt, als dann jedoch Reno auf mich zu kam und mir zunächst zusah was ich tat, war es mit der Ablenkung ganz schnell wieder vorbei.
„Wo hast du das gelernt?“, wollte er wissen.
„Das habe ich von meiner Mutter gelernt“, antwortete ich, hoffend er würde sich damit zufrieden geben und mir keine weiteren Fragen stellen.
„Das sieht toll aus.“
„Danke“, erwiderte ich scheu.
Sehr interessiert sah mir Reno weiter zu… was mir etwas unangenehm war.
*-*-*
Ich schwieg und sagte auch keinem etwas von den Tränen. Die Anderen hatten zum Glück nichts mitbekommen.
Irgendwie fand ich Damona jetzt nicht mehr ganz so unheimlich. Sie hatte definitiv Gefühle gezeigt und in mir regte sich etwas. Mit ihr stimmte etwas nicht und sie tat mir leid.
Auch hatte Reno recht und sie war sehr hübsch.
Zwischendurch bemerkte ich die Blicke meines Bruder, die auf mir ruhten. Er hatte das alles mit voller Absicht gemacht. Dabei sollte er doch längst gemerkt haben, dass sie total auf ihn abfuhr.
Wie immer eben!
Die Mädels rannten ihm alle hinterher. Dabei fühlte er sich mehr und mehr zu Männern hingezogen.
Till rieb sich müde die Augen. Ob er wohl heute Nacht hier schlafen würde? Eine Tasche hatte er zumindest im Auto gehabt. Doch könnte dort auch Sportzeug drin gewesen sein.
Ich musste schmunzeln, als ich Reno beobachtete.
“Deine Mum wird sich freuen, wenn du so etwas lernst“, ärgerte ich ihn ein wenig.
“Dann ziehst du zum Dinner aber ein Kleidchen an“, neckte ihn Till nun.
Keno lachte sich in der Küche schlapp, über diesen Spruch und kriegte sich beinahe nicht mehr ein.
Mir war schon klar, dass er auf Reno stand. Nur Keno schien nichts für Reno zu sein. Mein Bruder musste wohl oder übel lernen damit umzugehen.
*-*-*
Ein wenig musste ich nun schon lächeln, als ich die Sprüche hier hörte. Jedoch wusste ich nicht wie ich mich hier geben sollte… wie ich mit ihnen umgehen sollte. Ich kannte sie doch alle kaum… eigentlich gar nicht, ergo verhielt ich mich ruhig… wollte erst mal schauen was hier sonst noch abging.
Ein dankbares Lächeln schenkte ich nun aber Nils, der nichts von meinen Tränen erwähnt hatte. Und irgendwie bemerkte ich, dass er fast genauso aussah, wie Keno. Er war definitiv auch sehr hübsch und irgendwie schien es mir, als habe er etwas mehr Verstand und Herz.
Vielleicht war er ja auch kein so schlechter Typ und man könnte sich mit ihm ein wenig anfreunden… aber nun ja, die Zeit würde zeigen was das hier brachte.
Schließlich hatte ich die Servierten fertig und sie auch auf den Tellern verteilt, eben wie ich es gelernt hatte und stand nun doch ein wenig nutzlos herum.
Reno ließ mich inzwischen in Ruhe und hatte sich irgendwohin verzogen.
*-*-*
Dann ging auch schon die Tür und unsere Mutter kam herein.
“Guten Abend zusammen. Oh, das riecht aber sehr lecker!“, begrüßte sie uns.
“Ist auch gleich fertig“, kam es aus der Küche von Keno.
“Schön. Euer Vater kommt später, der wird sich dann nochmal was warm machen müssen“, erklärte unsere Mutter, bevor sie jedem höflich die Hand gab.
“Hallo Till“, lächelte sie gespielt freundlich. Sie mochte ihn nicht besonders.
“Hallo Reno“, meinen Freund kannte sie natürlich auch schon.
“Und wen haben wir da?“, sagte sie zu Damona. Bei ihr freute sich, dass mal eine Frau zu Besuch war. In der Hoffnung Keno würde sich endlich fürs weibliche Geschlecht entscheiden.
“Du darfst mich gerne Margret nennen“, lächelte sie dann.
*-*-*
Oh je, noch eine fremde, aber sehr höfliche und nette Person, betrat das Zimmer und begrüßte jeden hier… auch mich.
Höflich gab auch ich ihr die Hand, erwiderte ihre Begrüßung, mit einem sanften Lächeln und antwortete:
„Hallo Margret… ich… mein Name ist… Damona“, stammelte ich ein wenig, lief rot an und senkte dann meinen Blick.
Es war mir ein wenig peinlich, denn so viel positive Aufmerksamkeit war ich nicht gewohnt.
*~*
Auch Reno begrüßte Margret höflich, wie auch er es gewohnt war.
„Hallo Margret“, und lächelte sie freundlich an.
Er ging in die Küche zu Keno und beobachtete ihn ein wenig… grinsend.
*-*-*
“Schön dich kennenzulernen, Damona“, begrüßte meine Mutter sie und ging dann ins Bad, um sich frisch zu machen.
Ich bemerkte nun schon, dass Keno ein wenig auf Show in der Küche machte. Jetzt wo er einen Zuschauer hatte.
Aber er konnte das eben auch perfekt. Schwang die Pfanne und ließ das Essen in die Luft fliegen, fing alles wieder auf, ohne das etwas daneben ging.
Noch etwas unsicher setzte ich mich neben Damona. Worüber sollte ich bloß mit ihr reden…
“Magst du schon mal den Nachtisch aus den Kühlschrank holen, damit er gleich nicht so kalt ist?“, fragte Keno, Reno lächelnd.
Eigentlich wollte ich mich schon anbieten, aber sollte Reno ruhig machen. Das hier war sowieso schon beinahe sein zweites Zuhause und Keno sollte ruhig an seine Grenzen stoßen.
Oder hatte ich mich geirrt und Reno stand doch auf meinen Bruder?
*-*-*
Irgendwann hatte ich mich schließlich hingesetzt, nachdem Margret wieder verschwunden war, und Nils setzte sich, warum auch immer, neben mich. Ganz still blieb ich sitzen, senkte zunächst meinen Blick und schwieg. Ich wusste doch nicht was ich sagen sollte.
Um aber nicht ganz so dumm auszusehen, sprach ich mit ruhiger, sanfter Stimme:
„Danke… also… dass du… vorhin nichts… gesagt hast… ich mein… wegen… der Tränen“, was eigentlich mehr oder weniger als Grundlage für ein Gespräch dienen sollte.
Dabei hielt ich jedoch meinen Blick sehr schüchtern und scheu gesenkt… getraute mich einfach nicht ihn anschauen.
*~*
Wie sehr sich Nils irrte, konnte dieser nicht wissen.
Noch immer grinsend hatte Reno, Keno weiter beobachtet, wie dieser mit dem Essen jonglierte und das sah schon richtig gekonnt aus.
Auf Kenos Bitte hin, nickte Reno, ging an den Kühlschrank und holte den Nachtisch heraus. Dabei konnte er es sich nicht verkneifen zu sagen:
„Wofür brauchen wir den Nachtisch… du bist doch so schon süß genug.“ und sah Keno neckisch grinsend an.
Er stellte den Nachtisch auf den Küchentisch und lehnte sich dann lässig an eine Wand in der Küche… weiterhin Keno beobachtend.
*-*-*
Perspektivenwechsel!
Mein Blick wanderte kurz rüber zu meinem kleinen Bruder Nils, der neben Damona am Esstisch saß. Seine hellblonden Locken waren etwas kürzer, als meine Haare, aber er hatte dieselben himmelblauen Augen wie ich.
Sein Gesicht war noch etwas kindlicher und auch sein Körperbau nicht ganz so durchtrainiert wie meiner. Ansonsten war er mein Ebenbild, nur eben zwei Jahre jünger!
Es tat mir gut, ihn um mich zu haben. Meine Ausbildung zu schmeißen war nicht gerade richtig von mir gewesen, so kurz vor dem Ende und ich bereute es auch ein wenig.
Nur hatte ich zurzeit mehr Party und vor allem Sex im Kopf, als mich aufs Arbeiten zu konzentrieren.
Till war nur ein Häppchen für Zwischendurch. Er gab mir nicht wirklich das was ich brauchte und auch die zahlreichen Frauen, die ich gehabt hatte, hatten mir keine Befriedigung verschafft.
Reno hingegen ließ mich nun schon eine Weile zappeln und zeigte heute zum ersten Mal reges Interesse. Wollte er mich nur reizen und später fallen lassen? Oder mich einfach nur ärgern?

Er war sexy und hatte etwas an sich, das mich magisch anzog.
Dennoch beschäftigte mich auch die Sache zwischen Nils und Damona. Aber zum Flirten fand ich immer Zeit, gerade wenn ich so herausgefordert wurde.
“Woher willst du wissen, ob ich süß bin, wenn du mich noch nicht probiert hast“, lächelte ich Reno an.
*~*
Nils hingegen lächelte Damona an und freute sich, dass sie das Gespräch suchte.
“Ist doch Ehrensache“, kam es verlegen von ihm und man konnte eine leichte Röte in seinem Gesicht sehen, “Wenn es dir hier zu viel wird, dann sag es einfach. Wir können jederzeit nach draußen auf die Terrasse gehen, okay?“
Es klang noch etwas unsicher, was Nils sagte, doch wollte er eigentlich Damona Sicherheit geben und hoffte, dass sie ihn verstand.
*-*-*
„Dankeschön, das ist lieb von dir“, erwiderte ich mich bei Nils bedankend, wagte es aber noch immer nicht, ihn anzuschauen, auch wenn ich spürte, dass er ebenfalls sehr unsicher zu sein schien.
Ich blickte auf den Tisch, spielte dabei nervös mit meinen Fingern und wäre am Liebsten wieder geflohen… rüber gegangen, aber wollte ich mir wirklich die Blöße geben?
Nein… auch wenn ich mich hier nicht so wirklich wohl fühlte.
Sicher, sie alle waren echt nett und irgendwie auch lustig, aber ich war es eben nicht gewohnt und vertrauen konnte ich eigentlich niemandem so wirklich. Ich musste, in der Therapie, erst wieder lernen Vertrauen zu Fremden zu fassen.
*~*
Reno grinste Keno an und erwiderte frech:
„Hmm… mag sein, aber das würde ich gern ändern und dich …probieren“, dabei musterte er Keno, ließ seine Blicke an dessen Körper entlang wandern… zog ihn schon fast mit seinen Blicken aus.
Er meinte was er sagte… er wollte Keno… um jeden Preis!
Bei den Gedanken allein, Keno zu verführen oder sich von ihm verführen zu lassen, leckte er sich verführerisch über die Lippen…. ihm wurde ganz anders zumute.
In seine Augen legte sich schon ein regelrechter Schlafzimmerblick, wenn er Keno ansah.
Ja, sehr lange hatte er ihn zappeln lassen und hatte doch irgendwie die ganze Zeit auf ihn gewartet… immer wieder musste er mitansehen, wie sich Keno einen Typen oder ein Mädel nach dem anderen ins Bett holte. Oft genug war er schließlich hier.
Aber jetzt hatte er die Gelegenheit und diese nutzte er nun aus. Er wollte einfach nicht mehr, dass Keno weiter mit anderen herum machte…. hatte er sich doch schon so lange in ihn verliebt… es jedoch leider nie gezeigt.
*-*-*
Ein wenig schwer tat ich mich schon, mich auf Essen machen zu konzentrieren, jetzt wo Reno so willig schien.
Zum Glück war es beinahe fertig und unsere Mutter kam nun auch aus dem Bad. Sie setzte sich zu den anderen an den Tisch und lächelte in die Runde.
“Ihr habt sehr schön den Tisch gedeckt. Das war doch bestimmt dein Werk, Damona, oder?“, wollte sie nun wissen.
Währenddessen tat ich das Essen in Schüsseln verteilen und deckte den Tisch. Natürlich berührte ich Reno ganz ausversehen im vorbeigehen.
Mein Körper streifte den seinen für einen Moment und meine Augen fingen seinen Blick ein.
Man, war er sexy!
*~*
Nils wollte Damona am Liebsten vor allen Blicken und jeden Worten die gesagt wurde beschützen. Doch wusste er nicht einmal ob es ihr recht wäre.
Sie tat ihm Leid. Seine Angst war mit einem Mal wie weggeblasen und er wollte nur ihr Bestes.
*-*-*
Mit einer leichten Röte, die sich auf seine Wangen legte, quittierte Reno Kenos Berührungsversuche und grinste ihn verführerisch an.
Keno schien anzubeißen und Reno würde dran bleiben. Jetzt hatte er die Gelegenheit, die er um nichts in der Welt mehr verpassen wollte.
Reno erwiderte Kenos Blick, hielt ihn einen Moment gefangen… es war nur ganz kurz, aber dieser Blick sagte bereits mehr als tausend Worte.
Er war ihm ins Zimmer gefolgt und setzte sich nun auch zu den Anderen… während er Keno weiterhin musterte… seinen Blick nicht von ihm lassen konnte.
*~*
Ein wenig unangenehm war mir Margrets Frage nun schon… es musste doch nicht gleich jeder wissen… aber ich war natürlich nicht unhöflich und antwortete stammelnd und sehr schüchtern:
„Ja, ich… ich… bin das … gewesen“, senkte aber meinen Blick sogleich wieder.
Nur ganz kurz sah ich Nils hilfesuchend an… bekam aber keinen Ton raus… hoffte er könnte von meinen Augen ablesen…
Bitte, hilf mir… dachte ich nur: erlöse mich…
Aber konnte ich wirklich von ihm erwarten, dass er meine Gedanken las?
Nein… natürlich nicht und jetzt auf die Terrasse zu wollen, wäre wohl auch sehr unhöflich, also schwieg ich… versuchte so unauffällig wie möglich zu sein.
*-*-*
“Mum, wie war dein Tag heute?“, hörte man Nils sagen, der versuchte Damona aus der Situation rauszuholen.
“Och, es war ganz okay. Wie immer ein wenig anstrengend. Ich denke, nach dem Essen werde ich noch rüber zu Silvia gehen. Ein Kaffee und ein bisschen Ablenkung tut mir sicher gut.
Wer weiß, wann euer Vater kommt“, bekam er Antwort und seine Mutter tat sich zu Essen auf und gab die Schüsseln dann jeweils weiter.
*~*
Ich bekam das Gespräch nur am Rande mit, aber wenn Mutter nachher rüber ging, hatten wir wieder unsere Ruhe.
Renos Blicke genoss ich sehr und doch ließ ich ihn ein bisschen zappeln. Ärgerte Till ein wenig, indem ich ihn das Essen stahl, was er sich auf den Teller tat.
Es war mehr ein Test und ich wollte wissen, wie ernst es Reno war.
*-*-*
Gedanklich dankte ich Nils, dass er seine Mutter abgelenkt und mich somit gerettet hatte.
Schließlich wurde die Schüssel auch an mich weiter gereicht, ich nahm sie entgegen und tat mir nur ein wenig Essen drauf… mehr hätte ich jetzt eh nicht essen können.
Dann saß ich minutenlang vor dem Essen, starrte zunächst nur auf den Teller und es dauerte noch eine ganze Weile ehe ich das Besteck nahm und winzig kleine Häppchen zu essen begann. Jedoch legte ich das Besteck immer wieder ab… sah ab und zu in die Runde, senkte aber meinen Blick auch wieder… nur nicht auffallen…
*~*
Natürlich sah Reno was Keno da tat und wäre am liebsten in die Luft gegangen, aber er nahm sich zusammen, blickte Keno mit zu kleinen Schlitzen verengten Augen an… er war schon ein wenig sauer.
Auch Till erntete nun einen sehr bösen Blick von Reno, der seine Eifersucht nun kaum mehr unter Kontrolle bekam… sicher aber doch beherrschte, weil er hier keinen Ärger machen wollte.
„Macht es dir Spaß, ja, Keno?!“, kam es dann aber doch sehr eifersüchtig von ihm und sah Keno durchdringend an.
*-*-*
“Oh ja“, grinste ich, Reno frech an und fing dann an auf seinem Teller herumzustochern.
Der Kleine war ganz schön Eifersüchtig, was mir gefiel.
Till hingegen schien schon gar kein Interesse mehr an mir zu haben. Wir waren sowieso mehr Freunde und so viel ich wusste, hatte er später noch ein Date.
“Keno! Nun ist es gut“, kam es von der anderen Tischseite, von meiner Mutter. Sie schien ganz schön sauer zu sein und keinen Spaß in der Hinsicht zu verstehen.
Doch ich ließ mich auch nicht wie ein kleines Kind behandeln und nutzte meinen Schachzug geschickt aus.
Das Essen, was auf meiner Gabel von Renos Teller hing, hielt ich Reno direkt vor dem Mund. Dabei Lächelte ich ihn an und leckte mir kurz über die Lippen, während meine Augen, die seinen zu beruhigen versuchten.
Es sollte ein Friedensangebot sein und ich wusste genau, wie sehr meine Mutter das hassen würde.
*~*
Nils schenkte sich derweil etwas zu Trinken ein.
“Möchtest du auch etwas?“, fragte er Damona leise lächelnd.
Er merkte ihre Unsicherheit und wollte ihr so gerne Halt geben. Nur war er etwas überfordert und wusste nicht wie.
*-*-*
Und Reno spielte mit, öffnete seinen Mund und ließ sich das Essen von Keno in seinen Mund schieben.
Genießend kostete er das Häppchen aus, schluckte es runter und leckte sich anschließend ebenfalls über die Lippen, während er Keno nun wieder liebevoll ansah… verführerisch… so als hätte er das Friedensangebot verstanden.
Natürlich hatte auch Margret die Situation ein wenig gerettet… denn Reno wusste echt nicht, wie lange er sich würde noch beherrschen können.
Oh ja, er war sehr eifersüchtig, denn ihm war es mit Keno sehr ernst.
*~*
„Danke Nils, das ist echt lieb von dir“, erwiderte ich nun schon etwas sicherer und hielt ihm mein Glas, mit einem sanften Lächeln, hin.
Um Keno kümmerte ich mich gar nicht mehr… beachtete ihn kaum noch, denn nun hatte ich sehr wohl mitbekommen, was da zwischen Reno und Keno lief. Aber eine Freundschaft würde mich dennoch freuen… wenn er es denn zuließ.
Auch Nils und die anderen wollte ich so gern als Freunde betrachten… hoffte, dass es mir irgendwann gelingen würde und sie es vielleicht auch wollten. Natürlich wusste ich, dass es sicher einige Zeit brauchen würde, ehe wir richtig Freunde sein konnten.
Das Essen hier war ein erster Schritt…
*-*-*
Nur zu gerne füllte Nils auch Damonas Glas und freute sich darüber. Anschließend aß er weiter und musste zugeben, dass sein Bruder ein wirklich guter Koch war.
Auch er hatte die Situation zwischen Reno und Keno mitbekommen. Er musste zugeben, sich in Reno geirrt zu haben.
Nach dem Essen half er schnell beim Abräumen und fasste sich dann allen Mut zusammen, ging direkt auf Damona zu.
“Magst du ein bisschen frische Luft schnappen gehen?“, fragte er sie.
*~*
Ich musste grinsen, als ich Nils beobachtete, wie er noch etwas unsicher Damona näher kennenzulernen versuchte.
Unsere Mutter verabschiedete sich und ging rüber zur Nachbarin, noch einen Kaffee trinken und ein bisschen zu reden.
“So, ich will dann auch mal los. Muss mich noch ein bisschen frisch machen für mein Date“, grinste Till und verabschiedete sich von uns.
Kaum dass er aus der Tür raus war, hing mein Blick an Reno.
Leider müsste ich erst das restliche Chaos beseitigen. Die Küche glich einem Schlachtfeld. Zumindest war der Essbereich nun schon aufgeräumt.
*-*-*
Innerlich musste ich fast ein wenig schmunzeln, wie sehr Nils sich bemühte mich näher kennen lernen zu wollen. Er war wirklich sehr aufmerksam und ich genoss genau diese Aufmerksamkeit sehr… er war ja irgendwie auch echt niedlich.
Mir legte sich direkt eine leichte Röte auf meine sonst so bleichen Wangen… wurde direkt etwas verlegen.
Nach dem Essen hatte auch ich beim Abräumen geholfen, denn ich hasste es einfach so herum zu sitzen… außerdem hatte man es mir so beigebracht.
Als Nils dann auch noch auf mich zukam und mich fragte ob ich ein bisschen frischen Luft schnappen wollte, konnte ich nicht anders und lächelte ihn nun sehr lieb an, nickte aber und erwiderte:
„Okay, gehen wir ein bisschen frische Luft schnappen.“
Er war einfach zu lieb zu mir und in seinem Bemühen war er wirklich zu niedlich.
*~*
Auch Renos Blick hing, wie gebannt an Keno, nachdem sich Till endlich verabschiedet hatte.
Reno hatte erleichtert aufgeatmet, nachdem Till endlich weg war.
Er folgte Keno in die Küche… wollte ihn nicht mehr aus den Augen lassen… und meinte:
„Ich helfe dir, wenn du magst, okay.“ und grinste ihn frech an.
War ja klar, dass er Keno das nicht so vollkommen uneigennützig anbot… er dachte vielmehr daran, dann schneller etwas mehr Zeit mit ihm verbringen zu können. Nicht, dass er jetzt schon daran dachte direkt aufs Ganze zu gehen…. auch wenn er nicht ganz abgeneigt wäre.
Er würde einfach abwarten, wie es zwischen ihnen weiter ging… aber er wollte jetzt eben so viel Zeit wie möglich mit Keno verbringen. Viel zu lang hatte er es sich versagt… hatte geschwiegen… das war jetzt endgültig vorbei.
Jetzt würde er sich intensiv um Keno bemühen.
*-*-*
“Sicher, zu zweit geht es schneller“, lächelte ich Reno an.
In mir machte sich eine unbekannte Wärme breit. Sobald ich beim Abwaschen seine Hände berührte, hatte ich das Gefühl, als durchströmte mich ein Feuer.
Reno war anders als die Anderen. Ihn würde ich sicherlich nicht direkt flachlegen.
Etwas an ihm reizte mich und ich wollte ihn näher kennenlernen.
Der Abwasch war schnell erledigt und aufräumen ging zu zweit auch schneller.
“So! Was fressen wir nun aus?“, fragte ich Reno frech.
*~*
Nils hingegen war mit Damona nach draußen gegangen. Die Luft war herrlich und es war nicht zu warm und auch nicht zu kalt – Richtig angenehm.
“Ist es so besser für dich?“, wollte er dann von ihr wissen.
“Waren zu viele fremde Leute, was?“, fügte er hinzu.
“Ich kenne das auch. Bei zu vielen Menschenmengen wird mir immer komisch und wenn ich auf eine Party gehe, wo ich kaum jemanden kenne, bin ich immer ganz ruhig und schüchtern“, erklärte er dann weiter und lächelte Damona an.
*-*-*
Reno hatte Keno wie selbstverständlich beim Abwasch und auch beim Aufräumen der Küche geholfen, so waren sie sehr viel schneller fertig gewesen. Währenddessen hatten sich beide ein wenig unterhalten, aber eher nur über belanglose Dinge.
Als sie schließlich mit allem fertig waren und Keno ihm diese Frage stellte, grinste Reno frech und hatte schon tausend Vorstellungen im Kopf, was er nun gern mit Keno „ausfressen“ würde.
Aber er nahm sich noch etwas zusammen und antwortete anders, als er eigentlich wollte:
„Nun… zunächst mal… würde ich..“, Reno ging langsam auf Keno zu, blieb direkt vor ihm stehen: „…dich gern näher kennenlernen und vielleicht können wir ja ins Kino gehen… oder wenn du magst etwas anderes unternehmen“, er sah Keno lieb an …sah ihm direkt in die Augen, lächelte ein wenig…. zeigte ihm, dass es ihm ernst mit Keno war.
*~*
Ich hörte Nils zu, was er sagte, nachdem ich mit ihm rausgegangen war.
„Ja, so ist es besser… danke“, antwortete ich mit ruhiger Stimme.
Während ich die frische Luft sehr genoss, die jetzt hier sehr angenehm war, erzählte ich ein wenig:
„Ich… weißt du… ich war nicht immer so, wie ich jetzt bin. Ich war mal… sehr lebenslustig und fröhlich… bin gern auf Partys gegangen. Ich hatte viele Freunde und Bekanntschaften, fühlte mich wohl, wenn viele Menschen um mich herum waren“, ich schluckte… holte tief Luft und sprach weiter:
„…tja… so war ich… bis …bis …mir, vor 6 Monaten, etwas sehr schlimmes passiert ist… seitdem kann ich das alles nicht mehr. Meine Freunde haben sich von mir abgewandt…. nun bin ich nur noch allein… weil es nicht mehr geht… weil ich nur noch unglaubliche Angst vor Menschen habe.“
Ich senkte erst mal meinen Blick… sah dann nachdenklich in die Ferne, während sich wieder ein paar Tränen aus meinen Augen schlichen und einsam an meinem Gesicht herab rannen.
*-*-*
Nils erschrak ein wenig, blieb aber offen ruhig. Kramte nach einer Packung Taschentücher und holte eines heraus.
Dieses mal reichte er es Damona, wollte nicht, dass sie wieder zusammenzuckte.
“Das tut mir leid! Man braucht aber doch Menschen um sich herum, sonst wird man verrückt oder tut sich schlimme Dinge an.
Das wäre sehr schade. Ich würde dich gerne näher kennenlernen, wenn du mich lässt und mir ist es egal. Es ist mir egal was dir passiert ist!
Sicher muss es schlimm gewesen sein, aber wenn du da nicht drüber reden möchtest, werde ich auch keine Fragen stellen.
Ich finde dich sehr sympathisch, obwohl ich am Anfang Angst vor dir hatte“, erklärte Nils und musste dabei auflachen.
*~*
Ein wenig enttäuscht war ich nun schon, dass Reno ins Kino wollte oder etwas anderes unternehmen. Es saß wohl in mir fest, dass man mit Sex anfing. Außerdem reizte er mich sehr.
“Ich könnte mir sicher etwas angenehmeres vorstellen, als Kino… Wir könnten hoch gehen und es uns ein wenig gemütlich machen“, lächelte ich ihn an, wobei meine eine Hand sanft über seinen Arm streichelte.
Was tat ich hier eigentlich? Anbaggern war nicht geplant gewesen, doch er war so verdammt sexy, da blieb mir keine andere Wahl.
*-*-*
Okay, Keno schien doch schon mehr zu wollen und obwohl sich Reno eigentlich hatte Zeit lassen wollen, kam er um dieses „Angebot“ von Keno nicht herum.
Er wollte sich nicht für sich Zeit lassen, nein, vielmehr wollte er Keno eigentlich damit zeigen, dass er es ernst meinte und ihn nicht als Sexobjekt betrachtete. Aber gut, wenn Keno es so wollte… an ihm – Reno – sollte es nicht liegen.
Frech grinsend nickte er und genoss das Streicheln von Keno auf seinem Arm. Er hob seine Hand und streichelte nun auch sanft über Kenos Arm.
„Okay, machen wir es uns oben gemütlich“, willigte er ein und seine Augen strahlten Keno einfach nur verliebt an.
*~*
Ich nahm das Taschentuch dankbar entgegen „Danke.“ und wischte mir die Tränen weg… schluchzend nickte ich.
Ich verstand ihn und was er gesagt hatte und ich verstand auch, dass er anfangs Angst vor mir hatte… so kalt wie ich war…war das nicht weiter verwunderlich.
„Ich verstehe dich… aber mich näher kennen zu lernen… könnte… weißt du …könnte schwierig werden… weil… weil… ich… in Therapie bin… weil… mein Vater… mich… wochenlang… vergewaltigt hat“, erzählte ich, ließ mich an der Mauer zu Boden sinken und weinte schluchzend…. während mein Körper wieder vor Angst zitterte.
Nun konnte ich ihm nicht mehr in die Augen schauen… vergrub mein Gesicht in meinen Händen.
*-*-*
Für einen Moment stand Nils da und wusste nicht was er tun sollte. Dann kniete er sich hinunter zu Damona und legte zögernd, aber sacht eine Hand auf ihre Arme.
Nur ganz leicht, als Zeichen, dass er noch da war, und dass er es ernst gemeint hatte, was er sagte.
“Du allein entscheidest. Wenn du es jetzt noch nicht kannst, ist es okay. Aber du sollst wissen, dass hier jemand ist!“, versuchte er sich auszudrücken.
Am Liebsten hätte er sie einfach ganz fest in die Arme genommen, wusste aber, dass das zu früh war. Schließlich sollte es von ihr aus kommen und er wollte sie nicht verschrecken.
Er wollte ein Freund von ihr werden, das hatte er sich fest vorgenommen!
*~*
Grinsend nahm ich Renos Hand in meine und ging mit ihm die Treppe hinauf. Ich freute mich, dass er einverstanden war, doch war es bei ihm Anders.
Dieses Mal war ich keine Eroberung für eine Nacht, dessen war ich mir sicher!
In meinem Zimmer angekommen, schloss ich hinter uns die Tür und stellte Musik an.
“Hörst du irgendetwas bestimmtes?“, fragte ich Reno. Es war mir ausnahmsweise mal nicht egal, was an Musik lief. Reno sollte es auch gefallen.
Meine CDs durchkramend, schaute ich Reno lächelnd an – suchte seinen Blick.
*-*-*
Reno schaute einfach nur zurück und beantwortete die Frage:
„Ich höre eigentlich alles was sich gut anhört“, und sah Keno sehr verliebt in die Augen.
Diese Augen machten ihn beinahe wahnsinnig… sie waren so wunderschön und Keno war es absolut wert nicht nur eine Eroberung für eine Nacht zu sein… Reno wollte mehr… er wollte eine Beziehung mit Keno führen… denn er war nun mal seine große Liebe… etwas, das niemand bislang gewusst hatte… auch Nils nicht.
Noch etwas näher ging Reno an Keno heran, sah ihm lieb in die Augen und flüsterte mit sanfter Stimme:
„Keno, ich… glaube ich muss dir etwas sagen. Ich… habe mich in dich verliebt“, dabei wurde sein Gesicht ein wenig rot, dennoch blickte er Keno weiter an.
*~*
Wieder wischte ich mir die Tränen weg, versuchte alles um mich wieder in den Griff zu bekommen, sah dann Nils doch wieder an und nickte erst einmal nur, als Zeichen, dass ich ihn verstanden hatte.
Nachdem ich mich nun wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte sah ich ihn dankbar an und sprach:
„Danke, dass… dass du für mich da sein willst. Das ist echt lieb von dir. Dankeschön.“
Und ich war ihm wirklich dankbar… spürte, dass er es ernst meinte und zuckte jetzt nicht zurück, als er mich berührte.
Ich lehnte mich aber vorsichtig vor und lehnte mich sacht an ihn… jetzt brauchte ich dringend den Trost eines Freundes.
*-*-*
Immer noch vorsichtig legte Nils seinen Arm um Damona, weil er sie trösten wollte. Dann setzte er sich einfach zu ihr auf den Boden.
Die Luft war so herrlich und es war überhaupt nicht kalt, da konnte man es sich hier durchaus gemütlich machen.
Nils schaute in die Ferne und überlegte einen Moment, bevor er zu sprechen begann.
“Was macht man eigentlich in so einer Therapie? Du musst mir nicht antworten, wenn du nicht willst. Wir können auch über irgendetwas anderes sprechen.“
*~*
Wow, mit so etwas hatte ich nun nicht gerechnet. Reno hatte sich in mich verliebt und ich hatte nichts davon mitbekommen.
Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht, denn das war mir noch nie passiert.
“Ich mag dich sehr, weißt du das. Deshalb will ich auch ehrlich sein. Bisher hatte ich noch nie eine richtige Beziehung. Aber wenn du etwas festes möchtest, wovon ich ausgehe, werde ich es gerne versuchen“, erklärte ich Reno ganz offen.
Es war süß, wie er errötete und ich fand ihn zum anbeißen. Nur war ich mir jetzt nicht mehr sicher, wie weit wir gehen könnten. Ob er schon Erfahrungen hatte?
*-*-*
Noch ein wenig angespannt ließ ich es zu, dass er mich umarmte, blieb an ihn gelehnt und schloss einen Moment die Augen. Nur einen Augenblick Ruhe und das Gefühl von Geborgenheit wollte ich genießen… wollte ihm vertrauen.
Er war so lieb und sanft… tröstete mich und ich begann langsam ihm zu vertrauen.
Auf seine Frage hin dachte ich zunächst kurz nach… öffnete dann meine Augen wieder, doch blieb ich an ihn gelehnt und antwortete schließlich:
„Diese Therapie ist eine Traumatherapie und der Therapeut geht mit mir alles noch einmal langsam und sacht durch… spricht mit mir drüber und hilft mir, mit einer bestimmten Methode, dieses Trauma zu verarbeiten. Es ist sehr schwer und manchmal sehr schlimm für mich, aber ich will es schaffen.
Es ist schon okay, dass wir darüber reden… auch wenn es mir weh tut und es Angst und Panik in mir auslöst… trotzdem …es geht schon… weil du da bist und mir ein wenig Trost gibst. Ich danke dir.“
Einen Moment schwieg ich, musste erst mal wieder zu mir selbst finden, dann sprach ich weiter:
„Ich… würde mich freuen, wenn… wir vielleicht… na ja, wenigstens… Freunde werden könnten“, dann löste ich mich ein wenig von ihm und sah ihm lieb in die Augen… senkte dann aber meinen Blick sehr verlegen, während sich wieder eine leichte Röte auf meine Wangen legte.
*~*
Reno nickte leicht und erwiderte ebenfalls ganz offen:
„Ja, ich wünsche mir eine richtige Beziehung mit dir und auch ich hatte noch nie eine Beziehung… du bist der Erste und… meine große Liebe. Nicht einmal Nils weiß davon.
Ich habe es die ganze Zeit für mich behalten, dachte dass ich niemals an dich heran kommen würde.“
Dann ging Reno schließlich aufs Ganze, fasste all seinen Mut zusammen, ging noch etwas näher an Keno heran und legte seine Arme um ihn.
Mit seinem Gesicht näherte er sich Keno, kam ihm ganz nahe… dann legte er sanft seine Lippen auf die seinen und küsste ihn zärtlich, aber noch ein wenig zaghaft…
*-*-*
Nur allzu gerne ließ ich mich von Reno küssen, auch wenn mich seine Unerfahrenheit im ersten Moment abschreckte. Bisher hatte ich nur Sex mit Erfahreneren und wusste nicht so recht, ob ich damit umgehen könnte.
Aber Reno war süß und sein Kuss erregte mich, so dass ich es versuchen wollte.
Sanft erwiderte ich seinen Kuss, ließ meine Zunge über seine Lippen streichen und um Einlass beten.
Meine Hände umfassten Renos Hüften und zogen sein Unterleib an mich heran, pressten es gegen meines. Ließen ihn so meine Erregung spüren und vernehmen, wie es um seine stand.
*~*
“Ja, das wäre schön“, erwiderte Nils, nachdem er Damona aufmerksam zugehört hatte.
Anschließend tauschte er seine Telefonnummer mit Damona aus.
“Wenn etwas ist, ruf mich an oder schreib mich an. Egal wie spät es ist, okay?“, hatte er daraufhin gesagt.
Dann setze er sich doch lieber auf die Sitzgruppe, die auf der Terrasse stand und bot auch Damona einen Platz an.
Nach einer Weile holte er etwas zu Trinken für sie Beide heraus und wunderte sich wo Reno und Keno geblieben waren. Doch sagte er nichts zu Damona darüber.
Sie hatten ganz andere Themen über die sie reden wollten.
*-*-*
Reno öffnete sogleich den Mund und hieß Kenos Zunge willkommen. Genießend schloss er die Augen, konnte gar nicht mehr von ihm lassen… hing beinahe an Kenos Lippen, wie ein Abhängiger.
Ein wohliges leises Seufzen kam über seine Lippen, als er Kenos Unterleib an dem seinen spürte und sich bei ihm etwas regte.
Keno war einfach zu sexy, als dass Reno sich ihm entziehen könnte… wobei er es gar nicht wollte… sich ihm entziehen.
Ihn erregte was Keno tat und er drückte seinen Unterleib nun auch an den von Keno, begann ihn zärtlich zu streicheln… ließ seine Hände über den schönen Körper seines Angebeteten gleiten.
*~*
Einwilligend nickte ich, stand auf und nahm neben Nils platz.
„Danke, Nils, du bist so lieb und wenn was ist, werde ich gern dein Angebot annehmen“, strahlte ich ihn nun doch an, hielt seine Augen mit meinem Blick gefangen.
Mich für das Trinken bedankend, erzählte ich ihm, vertrauensvoll was sich bei mir zuhause abgespielt hatte, dass auch meine Mutter davon wusste, was… dieser Mistkerl mir angetan hatte… jedoch nichts unternommen hatte.
Auch erzählte ich ihm, dass ich meinen Vater nicht angezeigt hatte.
Ich erzählte lange und viel, bis ich schließlich ein anderes Thema anfangen wollte.
„Was magst du und was machst sonst so?“, wollte ich nun von ihm wissen.
*-*-*
“Ich bin jetzt fast mit der Schule fertig und überlege ob ich eine Ausbildung beginne oder noch mein Abi mache“, erzählte Nils.
Er war eher der unentschlossene und wusste nie so recht was er wollte. Entschied sich meist erst spät und spontan.
*~*
Kurz unterbrach ich den Kuss und leckte frech über Renos Hals, von unten nach oben mit der ganzen Zunge.
Dann grinste ich ihn frech an und rieb mein Unterleib an seines.
“Aber du hast schon Erfahrungen, oder?“, hakte ich dann nach.
Ich wollte ihn so sehr…
*-*-*
Herrje, war das gut, Keno war der absolute Wahnsinn und Reno gab sich ihm mit Haut und Haaren hin.
Auf Kenos Frage hin antwortete er ihm leise:
„Nein, ich… habe noch nie, weil ich nie jemand anderen wollte… als …dich“, gab Reno offen und ehrlich zu, auch wenn es ihm nun sehr peinlich war.
Fast alle jungen Männer in seinem Altern hatten schon einmal Sex gehabt, aber er eben nicht… was aber auch niemand wusste.
Er wollte immer nur einen… Keno… so auch jetzt…
*~*
„Ich mache eine Lehre als Computerspezialistin und habe noch genau ein Jahr vor mir, dann hab ich es geschafft“, erzählte ich Nils.
Ich war eben sehr zielstrebig und ehrgeizig, was schon beinahe an Perfektionismus grenzte, trotz meiner Ängste. Was ich tat, tat ich richtig oder gar nicht.
„Ich… ich mag dich, Nils“, gestand ich ihm und sah verlegen in mein Glas.
*-*-*
Jetzt stieg Nils aber die Röte ins Gesicht, als Damona ihm das sagte. Unsicher und verlegen schaute auch er in sein Glas, wusste nicht wirklich damit umzugehen.
“Ich mag dich auch, Damona“, kam es wie von selbst über seine Lippen. Doch wagte er es nicht Damona dabei anzusehen.
*~*
“Dir muss das nicht peinlich sein. Lass mich dir zeigen, wie geil es sein kann“, raunte ich Reno ins Ohr und leckte dann genüsslich darüber.
Fing an, an seinem Ohrläppchen zu knabbern und ließ meine Hand über seinen Bauch gleiten.
“Wenn dir etwas zu schnell geht, dann sag es früh genug“, flüsterte ich, bevor meine Lippen an seinen Hals hingen und meine Hände unter sein Shirt nach nackter Haut suchten.
*-*-*
Von meinem Glas aus, schaute ich ein wenig zur Seite und musste feststellen, dass auch er ziemlich verlegen zu sein schien, aber es freute mich, dass auch er mich mochte.
Schließlich versuchte ich abzulenken, schaute auf die Uhr und meinte dann:
„Oh weh, es ist ja schon so spät und ich muss ja noch lernen. Ja… und… dann… wollte ich noch sagen… verzeih, ich… wollte dich nicht in Verlegenheit bringen… es tut mir leid. Ich… werde dann wohl besser. Verzeih mir, bitte“, stellte das Glas auf den Tisch und erhob mich dann.
„Also… ähm… vielleicht… sehen wir uns… ja irgendwann wieder…. und… danke für den schönen Abend..“, stotterte und stammelte ich nun wieder vor mich hin… nicht wissend ob ich was falsch gemacht hatte.
So ging ich langsam und mit leicht gesenktem Blick zur Tür…
*~*
Oh je… Reno wusste nicht wie ihm geschah, als Keno sein Ohr leckte und ihm zuflüsterte, dass er ihm zeigen wollte, wie geil es wäre.
Und Reno wollte es… auf jeden Fall!
Er konnte jetzt nur noch nicken, als Keno ihn bat zu sagen, wenn es ihm zu schnell ginge.
Aber verdammt, Reno wollte Keno so sehr, dass es ihm schon beinahe weh tat… dass er es schon fast nicht mehr aushielt.
Er stöhnte leise auf, als Keno sich an seinem Hals und an seinem Ohrläppchen zu schaffen machte und dabei seine Hände unter sein Shirt schob… seine nackte Haut streichelnd erforschte. Es erregte ihn unglaublich… fühlte sich jetzt schon so verdammt geil an… und es machte sich auch in seiner Hose langsam bemerkbar, streckte Keno seinen Hals noch regelrecht entgegen…
Aber auch Reno war nicht ganz faul und tat es Keno gleich.
Auch seine Hände ließ er unter Kenos Shirt gleiten, streichelte dort die warme …weiche… nackte Haut …bekam kaum genug.
Endlich… so lange hatte er auf Keno gewartet… so lange hatte er sich nach ihm gesehnt… fast jede Nacht hatte er nur von ihm geträumt… nun wurden seine Träume endlich wahr.
*-*-*
Reno war vielleicht unerfahren, aber er wusste dennoch was er tat. Seine Hände auf meiner Haut hinterließen eine glühende Spur der Lust. Mir war es so, als stände alles was er berührte in Flammen.
Leise stöhnte ich auf, hielt es nicht aus, wollte ihn nackt sehen. Meine Hände waren schnell und gekonnt zog ich ihn sein Shirt aus.
Dann beugte ich mich leicht runter und leckte über seine Brustwarzen. Erst die eine, dann die andere. Zog meine Bahnen um ihnen herum und saugte auch mal dran.
Währenddessen fummelte meine eine Hand den Reißverschluss der Hose auf und die andere Hand gab Reno halt im Rücken.
*~*
Nils war überrascht über Damonas plötzliches gehen. Er sprang auf und ging ihr nach.
“Es ist okay! Wirklich! Ich bin so etwas nur nicht gewohnt und ich würde mich sehr freuen, wenn wir bald mal wieder zusammen etwas machen.
Wenn es okay ist, würde ich das nächste Mal gerne zu dir kommen. Darf ich?“, fragte er zaghaft nach.
“Auf jeden Fall fand ich den Abend sehr schön und wünsche dir auch einen schönen Restabend!“, fügte er hinzu.
*-*-*
Mich noch einmal umdrehend, blieb ich stehen und sah Nils nur kurz an… nickte verstehend:
„Ist okay, du darfst gern zu mir kommen… wann immer du magst“, erwiderte ich sanft und doch wieder sehr traurig.
„Also, dann machs gut und dir auch noch einen schönen Restabend“, fügte ich leise hinzu, dann verließ ich die Wohnung und ging wieder zu mir nach Hause.
In meiner Wohnung angekommen, schloss ich hinter mir die Tür, ging ein paar Meter und kauerte mich dann irgendwo in eine Ecke hinein… wo ich versuchte erst mal wieder zur Ruhe zu kommen.
Ich mochte Nils wirklich sehr, aber musste ich ihm deshalb gleich meine halbe Lebensgeschichte und was mir widerfahren war erzählen? Das war doch wirklich zu dämlich.
Irgendwie konnte ich nicht mehr. Ich konnte mich doch nirgends mehr richtig einfügen… hatte Panik vor zu vielen Menschen… meine Lebenslust war weg… einfach weg… wozu war solch ein Leben, wie ich es führte, gut?
Es gab nur eine Antwort auf diese Frage:
Es war für nichts gut… rein gar nichts.
So fasste ich einen folgenschweren Entschluss…
*~*
Bei dem was Keno mit ihm tat und er zu spüren bekam, konnte Reno nur noch ungehemmt aufstöhnen. Da es sein erstes Mal war, war er natürlich sehr empfindlich und schwebte auch schon irgendwo auf Wolke sieben.
Seine Gefühle sprudelten fast über und bescherten ihm ein angenehmes Gefühl im Bauch, das sich bis unter die Gürtellinie zog und er das Gefühl hatte, als sei sein ganzes Blut nur dafür da um sich in seiner unteren Region zu sammeln.
Nur allzu gern gab er sich diesen Wahnsinns Gefühlen hin, die Kenos Zunge auf seiner Haut hinterließen, als er dann auch noch Kenos Hand an seiner Hose spürte, die den Reißverschluss öffnete, dachte er es käme ihm direkt.
Aber er riss sich zusammen… beherrschte sich so gut es eben ging… dennoch fühlte er, dass es schon sehr eng in seiner Hose wurde und er sich nicht mehr lange würde beherrschen können.
Auch seine Hände wanderten zärtlich weiter an dem tollen Körper von Keno herab. Er zog ihm das Shirt ebenfalls aus, streichelte die weiche Haut sanft und voller Zärtlichkeit, kam an dessen Hose an und öffnete diese noch etwas zaghaft, aber geschickt.
*-*-*
Reno lernte schnell und ahmte mir nach, was mir sehr gefiel.
Doch jetzt hielt ich es kaum noch aus. Die enge in meiner Hose wurde beinahe unerträglich. Die Lust war geweckt und ich wollte Reno so sehr.
Während ich wieder an seinem Ohr knabberte, umrundete ihn und bleib hinter ihm stehen. Dann biss ich sanft in seinen Nacken und wanderte den Rücken runter. Unten angekommen zog ich seine Hose und Unterhose runter.
Dann drückte ich Reno sanft mit den Oberkörper gegen die Wand und zog seinen Hintern zu mir.
Gierig vergrub ich meine Nase zwischen seine Backen und ließ meine Zunge ihn schmecken. Leidenschaftlich umrundete ich mit der Zunge sein Loch, bevor ich sie darin versenkte.
Dabei hielten meine Hände seine Pobacken auseinandergespreizt, damit ich besser ran kam.
*~*
Nils schaute Damona noch eine ganze Weile hinterher, bevor er hinein ging.
Er dachte sich, dass es Damona wohl doch zu viel wurde und sie jetzt einfach ein wenig Ruhe brauchte.
Dennoch schrieb er ihr eine Sms.
Vielen Dank für den schönen Abend und danke, dass ich dich kennenlernen durfte. Ich hoffe du lässt mich weiter ein Teil deines Lebens sein. Denn ich habe dich wirklich gern! Fühl dich gedrückt, dein Nils.
Dann ging er nach oben und wunderte sich, warum es so still war. Vorsichtig ging er zu Kenos Zimmertür und lauschte. Er hörte leise Musik…
*-*-*
Ein wenig wunderte sich Reno nun schon, als Keno um ihn herum ging und sich schließlich hinter ihn stellte. Aber dann wurde ihm alles klar, als er von seiner Hose und seinem Slip befreit wurde.
Sein Körper begann vor Erregung zu zittern, als Keno seine Pobacken spreizte und seinen Eingang leckte… seine Zunge darin verschwinden ließ… er stöhnte nur noch laut auf.
Er streckte seinen Hintern Keno entgegen… wollte ihn spüren und bettelte stöhnend:
„B-bitte… Keno… nimm mich…“
Es kaum noch erwarten könnend begann er seine Männlichkeit zu streicheln und stöhnte dabei noch etwas lauter… keuchte schon.
*~*
Noch immer ziemlich in mich gekehrt hörte ich mein Handy, stand auf und holte es aus meiner Tasche.
Die SMS öffnend las ich was Nils geschrieben hatte.
Es freute mich zwar irgendwie… aber ich konnte so nicht mehr weiter leben.
Dennoch schrieb ich ihm zurück:
Ich habe dich auch sehr gern. Danke, dass du für mich da sein willst… du bist wirklich ein guter Freund… aber …ich kann so nicht mehr weiter leben… verzeih mir, dass ich dich mit meinen Problemen belastet habe. Es tut mir leid. LG Damona.
Dann schickte ich die SMS ab, begab mich ins Bad, suchte meine starken Schlaftabletten raus, ging in die Küche und holte mir eine Flasche Wasser. Damit ging ich dann in mein Zimmer, setzte mich auf die Couch und sah die Tabletten zunächst nur an.
Tränen rannen aus meinen Augen… über mein Gesicht, aber dann drückte ich eine Tablette nach der anderen aus der Folie… bereit sie zu schlucken und damit meinem Leben ein Ende zu setzen…
*-*-*
Nils vernahm außer der Musik auch keuchen und stöhnen hinter der Tür und musste Grinsen. Als dann sein Handy ging und die Sms von Damona kam, wurde er kreidebleich.
Wie der Blitz stürmte er die Treppe hinunter, rief währenddessen schon mal den Notarzt an, wo er alles erklärte und rannte zu Damona.
Geistesgegenwärtig schlug er wie ein Irrer gegen die Tür.
“Damona!“, schrie er, “Mach sofort die Tür auf!“
Hoffentlich war es noch nicht zu spät, betete er zum Himmel hoch und hoffentlich würde der Krankenwagen gleich da sein.
*~*
Ich hatte von alle dem nichts mitbekommen, viel zu sehr war ich damit beschäftigt Reno vorzubereiten. Nur zu gerne kam ich seiner Bitte nach und ließ nun auch meine Hosen herunter.
Mit reichlich Speichel benetzte ich meine Eichel und drückte sie Reno Zielgenau zwischen die Backen.
Seinen Kopf drehte ich zu mir, für einen leidenschaftlichen Kuss, um ihn ein wenig abzulenken. Außerdem hielt ich seine Hand vom Masturbieren ab, schließlich sollte er nicht vorschnell kommen.
Meine andere Hand streichelte über seine Brust und seinen Bauch, als zusätzliche Stimulation.
Langsam schob ich mich in ihn hinein und gab ein Aufstöhnen von mir, als ich ganz in ihm war.
Reno war total heiß von innen und so verdammt eng, dass ich das Gefühl hatte, es käme mir gleich.
*-*-*
Die Tabletten in meiner rechten Hand und die Flasche Wasser in der anderen Hand sah ich beides noch einmal an, dann nahm ich die Tabletten in den Mund und spülte sie mit reichlich Wasser runter.
Nun hieß es abwarten… und hoffen…
Recht bald wurde ich sehr müde, sank seitlich auf die Couch und schloss die Augen.
Immer müder wurde ich nun, dann hörte ich von weiter Ferne, dass jemand gegen meine Tür schlug, aber bewegen konnte ich mich nun nicht mehr.
Die Flasche Wasser, fiel mir aus der Hand… rollte über den Boden…
Dann…
…umhüllte mich die Dunkelheit…
*~*
Was für ein geiles wahnsinnig erregendes Spiel das hier war, Reno stöhnte noch immer, streckte sich Keno weiter entgegen, spürte wie Keno dann seine Männlichkeit zwischen seine Backen schob und dann in ihn eindrang, währenddessen er sich mit einer Hand an der Wand vor ihm abstützte.
Scharf sog Reno nun doch die Luft ein, denn es war schon ein wenig schmerzhaft, aber Keno schien wirklich zu wissen was er tat… denn er lenkte ihn doch tatsächlich mit einem Kuss ab, den er nur zu gern leidenschaftlich, feurig, erwiderte, und ihn streichelnd stimulierte.
Teils ein wenig vor Schmerzen, Teils vor Lust und Erregung kam Reno nicht mehr aus dem Stöhnen heraus und wusste schon jetzt, dass er seine Stimme danach vergessen konnte.
Er versuchte jetzt aber sich zu entspannen, so tat es ihm weniger weh, zudem Keno ja ziemlich vorsichtig war.
Keno war einfach nur der blanke Wahnsinn und ein Traum!
*-*-*
Noch einen Moment gab ich Reno, bevor ich anfing mich in ihm zu bewegen. Einen langsamen aber gleichmäßigen Rhythmus schlug ich ein und stöhnte in den Kuss, den ich nicht zu unterbrechen vermochte.
Viel zu eng und geil war es, lange würde ich das hier nicht durchstehen. Also griff nun ich zu Renos Männlichkeit und fing an ihm im gleichen Rhythmus zu stimulieren, wie ich mich in ihn trieb.
Immer schneller und fester rammte ich meine Männlichkeit in sein enges, heißes Loch, nachdem er sich entspannt hatte. Packte ihn mit der freien Hand an der Hüfte, um ihn mir entgegen zu drücken.
*~*
Es half nichts, Damona machte nicht auf. Doch es war auch schon der Rettungswagen zu hören und Nils rannte zu ihm, um ihn den Weg zu lotsen.
Die Feuerwehr brach die Tür auf und die Rettungskräfte fanden Damona bewusstlos vor. Sie unternahmen die ersten Rettungsversuche und nahmen sie dann mit ins Krankenhaus, wo ihr der Magen ausgepumpt wurde.
Doch ihr Zustand war kritisch…
Nils blieb geschockt zurück und ging traurig wieder zurück nach Hause.
*-*-*
Reno konnte sich nun wirklich nicht mehr beherrschen, doch war er zur Unbeweglichkeit verdammt, aber genau das reizte ihn noch mehr… auch Kenos Küsse trieben ihn in den Wahnsinn.
Nachdem Keno nun auch noch seine Hand an Renos Männlichkeit legte und diese in dem selben Rhythmus massierte, wie er in ihn stieß, war es aus und vorbei… Reno ergoss sich, mit einem äußerst erregtem, lauten Stöhnen in Kenos Hand, während sich sein Eingang noch etwas verengte und sich sein Rücken durchbog.
Das hier war einfach nur zu geil und Reno war sich nun noch sicherer… er liebte Keno von ganzem Herzen.
*~*
Die Ärzte im Krankenhaus taten alles erdenkliche um Damonas Leben zu retten, aber immer wieder setzte ihr Herz aus, machte ihr Kreislauf schlapp, da sie zudem auch noch untergewichtig war, was auch nicht unbedingt gut für sie war.
Jedoch hatten sie es irgendwann geschafft und Damonas Zustand wurde ein wenig stabiler, so dass den Rest der Nacht nichts mehr passierte und sie sich langsam zu erholen schien…
*-*-*
Nils ging, Zuhause angekommen, in sein Zimmer und warf sich weinend aufs Bett. Es war einfach viel zu schrecklich gewesen, was er gesehen hatte.
Dabei wollte er Damona doch nur ein Freund sein. Er dachte, dass alles seine Schuld sei und wünschte sich weit weg.
*~*
Kaum dass Reno kam, kam es auch mir. Er wurde so eng, dass ich es nicht mehr zurückhalten konnte und mich in ihm ergoss.
Dabei presste ich ihn fest an mich und stöhnte laut auf.
Doch einmal küsste ich ihn intensiv, bevor ich ich zaghaft von ihm löste.
Keuchend und nach Luft schnappend, setzte ich mich aufs Bett und grinste Reno an.
Es sah verdammt sexy aus, wie er da stand und meine Soße an seinen Schenkeln herablief.
*-*-*
Damona erholte sich nun langsam und kam auch aus der Bewusstlosigkeit zurück.
Den Rest der Nacht schlief sie ruhig und friedlich durch.
*~*
Nachdem sich Keno aus Reno zurück gezogen hatte, musste er sich erst mal mit beiden Händen an der Wand vor sich abstützen.
Er atmete noch etwas schwer, musste sich erst mal richtig erholen.
Als Keno sich dann auf das Bett setzte und ihn beobachtete, lief Reno puterrot an… es war ihm peinlich, wie Kenos Saft an seinen Beinen herab lief.
Natürlich konnte er ihn jetzt nicht mehr ansehen und wäre nun vor Scham am liebsten im Erdboden versunken.
Schließlich stellte er sich doch wieder hin und fragte Keno, mit hochrotem Kopf und gesenktem Blick:
„Kann ich hier irgendwie duschen?“
*-*-*
“Nein!“, kam es ganz ernst von mir und ich musste dann doch kichern, bei dem entsetzten Gesicht von Reno.
“Klar, kannst du hier duschen“, sagte ich dann lachend und stand auf, um auf Reno zuzugehen, “Aber nur wenn du mich mitnimmst.“
Dabei ließ ich meine freche Hand über Renos Hintern und zwischen dessen Backen gleiten und erkunden, was meine Männlichkeit geweitet hatte.
Mit einem wohligen Grunzen, gab ich Reno einen langen Kuss, von dem ich mich gar nicht mehr lösen wollte.
Tat es dann aber doch und suchte für uns etwas frisches zum Anziehen heraus.
“Denkst du, dass du heute hier bleiben kannst?“, hakte ich unsicher nach.
*~*
Nils war unterdessen eingeschlafen und schlief ruhig.
*-*-*
Nachtrag:
Nachdem sich Damona einigermaßen erholt hatte, wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen.
Irgendwann zeigte sie ihren Vater doch an, nachdem der Therapeut ihr dazu geraten hatte, der Vater bekam dann eine harte Strafe aufgebrummt.
Sie beendete die Lehre mit einem sehr gut und zog irgendwann ganz weit weg… irgendwohin wo sie niemand finden konnte.
Zu Nils hielt sie zwar noch Kontakt und zählte ihn auch zu ihren Freunden, aber mehr passierte zwischen ihnen nie. Sie besuchte ihn einmal im Jahr, doch durfte er nicht zu ihr kommen. Sie wollte es einfach nicht. Ihr Versteck war ihr heilig und dabei wollte sie es auch belassen.
Sie blieb allerdings für immer und ewig allein… führte niemals eine Beziehung.
*~*
Aus Reno und Keno wurde ein Paar und sie führten eine relativ normale Beziehung… bis auf ein paar kleinere Zwischenfälle seitens Keno, der es sich doch nicht so ganz abgewöhnen konnte ab und zu einen anderen Kerl im Bett zu haben.
Reno akzeptierte es zwar eine Zeitlang, weil er ihn liebte, aber irgendwann sah er es dann doch ein, dass es so nicht weiter gehen konnte.
Nachdem er sich bei einem Freund ausgesprochen und lange überlegt hatte, trennte sich Reno von Keno und zog dann in eine andere Stadt, denn das konnte und wollte er sich nicht mehr mit ansehen… es tat ihm zu weh…
Keno hatte nach Reno nie mehr eine Beziehung, weil seine eigentliche Liebe für ihn unerreichbar war – sein Bruder!
~ ENDE ~

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