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Information Ein Weihnachtsmärchen
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:32 AM - No Replies

Weihnachten – die Zeit der Liebe und der Familie – dieses Thema hat mich letztes Jahr schon fasziniert und herausgekommen ist die Erst-Version der Geschichte, die ihr jetzt hier lesen könnt. Für dieses Jahr habe ich mir dann vorgenommen die Geschichte noch ein bisschen auszufeilen und ich hoffe mal das ist mir gelungen.
Vom Prinzip her ist dies hier ja eine Kurzgeschichte aber was die Länge angeht sieht es wohl so aus als sei es doch ein kleines bisschen mehr – trotzdem, diese Geschichte ist als Einteiler gedacht und eine Fortsetzung wird es nicht geben.
Okay, dann wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und denkt daran – irgendwann wird für jeden ein kleines Weihnachtsmärchen wahr …
*-*-*
„Wisst ihr was, dann macht doch euren Kram alleine. Ich habe auf jeden Fall wirklich keinen Bock mehr“ schrie ich die wenigen noch auf der Bühne stehenden Klassenkameraden von mir an, schnappte mir meine Sachen und machte mir daran so schnell wie möglich aus der Schule heraus zu kommen.
„Hey Nick jetzt warte doch mal“ Irina kam mir hinterhergelaufen und versuchte mich davon zu überzeugen doch noch zu bleiben und das ganze nochmal zu probieren aber ich hatte inzwischen einfach keine Lust mehr.
„Wieso denn? Was soll das ganze denn noch bringen? Wenn wir ein Theaterstück einstudieren wollen, dann bringt es uns relativ wenig wenn die meisten Leute nicht zu den Proben nicht da sind und stattdessen in irgendeinem Café herumsitzen. Entweder arbeiten wir an der Sache – dann aber auch bitte komplett oder aber wir lassen es – komplett“
Ich war so aufgebracht wie eigentlich selten zuvor und hatte auch allen Grund dazu gehabt. Seit über 6 Wochen wollte unser Literatur-Kurs nun eine deutlich moderne Variante der altbekannten Weihnachtsgeschichte aufführen: ‚Christmas 2000‘ so hatten wir unser Stück genannt – zugeben nicht gerade besonders einfallsreich aber darum ging es uns auch gar. Wir wollten uns auf den Inhalt konzentrieren und nicht auf den Titel. In einer Woche sollte Aufführung sein doch wie gesagt – an ein auch nur halbwegs anständiges Stück war hier kaum zu denken gewesen.
Unser Literatur-Lehrer hingegen schien sich nicht besonders um unsere Proben zu kümmern – eigentlich war er so gut wie nie am Set anzutreffen. Schon verwunderlich, denn schließlich wurde er doch dafür bezahlt auf uns ‚aufzupassen‘. Ich meine nicht, dass ich ihn sonderlich vermisst hätte denn außer schlauen Kommentaren hatte er eh nichts zu bieten gehabt.
Jeder andere Kurs wäre wohl heilfroh gewesen, wenn er so ein Mitglied des Lehrkörpers abbekommen hatten und wenn ich ehrlich bin dann hätte ich mich wohl auch in jedem anderen Fach riesig gefreut endlich mal das machen zu können, was ich will ganz egal was der Herr da vorne zu all dem meint aber für einen Literaturkurs war dieser Mensch vollkommen fehl am Platze gewesen.
Nun ja, so versuchten wir also unser Stück alleine fertigzustellen – was anfangs eigentlich auch nicht nach einem Problem aussah, schließlich waren mehrere von uns (mich eingeschlossen) schon seit Jahren in der Theater-AG unserer Schule gewesen und von daher wussten wir schon ziemlich gut, was wir zu tun hatten.
Jetzt in der zwölften Klasse mit siebzehn Jahren konnte ich mich Theater-technisch schon fast als Profi bezeichnen – naja vielleicht ist das doch ein bisschen übertrieben aber ich wusste schon ziemlich gut, was man machen musste um ein anständiges Stück auf die Reihe zu bekommen.
Da war natürlich erst einmal das laute Sprechen – jeder der irgendwann einmal an einer Theater-Probe teilgenommen hat wird ein Liedchen davon singen können. Lautes Sprechen scheint das Problem aller Schüler-Schauspieler zu sein – wieso eigentlich? Ich meine sonst schreien wir doch auf dem Schulhof auch herum wie dir Verrückten oder? Naja … aber zurück zu dem eigentlichen Problem.
Ich hatte bei unserem Stück vielleicht das beste Stück vom Kuchen abbekommen denn ich durfte die Rolle des Oberengels abbekommen, der die gesamte Weihnachtsgeschichte sozusagen aus göttlicher Sicht darstellt – wie gesagt das Stück selber war eine ziemlich moderne Fassung der Weihnachtsgeschichte gewesen und es würde zu lange dauern hier alle Einzelheiten und Änderungen zu erklären also glaubt mir einfach, dass es eine sehr wichtige, interessante und anstrengende Rolle war.
Außer mir standen zum Zeitpunkt als ich mich mit meinem großen Auftritt aus unserer Aula verabschiedet hatte nur noch eine Handvoll Leute auf der Bühne – eben die anderen Hauptdarsteller, alle anderen hatten sich schon zu Beginn der Stunde verabschiedet oder waren gar nicht erst gekommen.
Schön und gut aber solange ich mich erinnern konnte hatte eigentlich noch nie eine Weihnachtsgeschichte ohne Hirten, Maria und Josef und den ganzen anderen Kram gesehen und auch wenn unsere Version ein bisschen mit der Tradition brach so musste doch irgendwo schon noch erkennbar sein worum es sich denn eigentlich ging.
Ich sah daher einfach keinen Sinn mehr darin hier noch weiterzumachen. Entweder wollten die Leute jetzt etwas bringen oder nicht und hier war die Entscheidung scheinbar gefallen: Sie wollten nichts bringen.
Logisch hätten wir anderen da weitermachen können wo wir waren aber wofür?
Um uns hinterher bei der Aufführung mit Darstellern bei der Premiere zu blamieren, die statt ihres (ohnehin nur einzeiligen) Textes nur ein „Ehhhm“ herausbrachten? Nein danke.
An diesem Morgen auf jeden Fall hatte ich genug und als dann auch noch der Kommentar von Janine kam „Lass sie doch, so schlimm ist es doch auch nicht“ platzte mir der Kragen. Da unsere Regisseurin sich auch schon nach der zweiten Probe nicht mehr sehen gelassen hatte blieb diese Arbeit auch noch an mir hängen.
Um es kurz zu fassen, die anderen wussten jetzt auch nicht mehr weiter und das war eigentlich auch das, was ich erreichen wollte: Den anderen mal zu zeigen, dass es mit dieser Einstellung einfach nicht gehen kann. Vielleicht war ich da ein bisschen zu egoistisch gewesen aber so war ich eben.
Irina versuchte mich weiterhin davon zu überzeugen, dass wir wiederum die anderen auch davon überzeugen könnten doch wieder mitzumachen (ich hoffe der geneigte Lese kann mir hier folgen *g*) aber da konnte ich nur einmal kurz und herzhaft drüber lachen – da könnte man auch genauso gut versuchen dem Papst zu erklären wie schön es doch sein kann Sex zu haben – auf gut deutsch es war zwecklos.
Mir war es inzwischen auch egal gewesen, ob ich eine schlechte Note wegen nicht bestandenem Kurs bekommen würde denn so wie es jetzt lief würde es auch nichts mehr bringen.
Ziemlich abgeschlagen und mies gestimmt machte ich mich also auf den Weg in unseren Oberstufenaufenthaltsraum und begann mich ein bisschen auf die nächste Mathestunde vorzubereiten – oder besser gesagt ich versuchte mich auf die Mathestunde vorzubereiten aber in der Stimmung, in der ich war machte das ganze relativ wenig Sinn. Ich war nicht einfach nur sauer auf die anderen sondern schlicht und ergreifend tief enttäuscht.
Ich hatte viel Arbeit in dieses Stück reingesteckt und zwar nicht nur als Darsteller sondern auch im Vorfeld bei vielem was die Organisation anging und jetzt war das alles auch umsonst gewesen. Verdammt!
„Hey Niklas!“ ich dreht mich kurz um und sah Sven in den Raum kommen – eigentlich hätte ich mir das umdrehen auch ersparen können denn außer ihm nannte mich eh niemand Niklas und er wusste nur zu gut, dass ich den Namen absolut nicht leiden konnte – wie meine Eltern damals auf die Idee kamen mir diesen grauenhaften Namen zu geben weiß ich bis heute noch nicht. ‚Nick‘ gefiel mir da schon viel besser.
Ich sah ihn einmal kurz und verächtlich an aber richtig übel nehmen konnte ich ihm eigentlich nichts. Für meine Verhältnisse war er derjenige, der einem besten Freund am nächsten kam und wir beide verstanden uns wirklich spitze. Es verging eigentlich kaum eine Stunde in der wir nicht irgendwelchen Blödsinn anstellten. Das ein oder andere Mal hatte uns unsere freche Art auch schon in wirkliche Schwierigkeiten gebracht aber bisher waren wir da immer wieder gut rausgekommen.
Zu Beginn der Oberstufe hatten wir zwar nicht mehr so viele Fächer gemeinsam wie vorher und sahen uns daher immer weniger aber wir waren immer noch ein starkes Team wenn es drauf ankam.
Sven war auch eigentlich außer mir der Einzige gewesen, der was die Arbeitsmoral unserer Kollen, was unser Theaterstück anging, eigentlich genauso dachte wie ich.
„Na, wieder gefangen?“ fragte er mich mit einem Grinsen in seinem Gesicht
„Ja, ja geht schon wieder – aber so langsam geht mir der ganze Käse wirklich gehörig auf die Nerven. Jede Woche derselbe Mist. Meinen die denn wir sollen da oben den ganzen Text alleine aufsagen?“ antwortete ich noch immer etwas gereizt
„Hey, hey mir musst du das ganze doch nicht erklären. Du scheinst da eben übrigens einen gehörigen Eindruck hinterlassen zu haben, da ist so einiges los. So manch einer scheint sich da doch noch auf deine Seite geschlagen zu haben.“
„Ist mir jetzt auch egal“ sagte ich und nahm einen Schluck aus meiner Cola-Dose – Jehova! – Hatte ich eigentlich schon gesagt, dass Dosen in unserer Schule genauso gerne gesehen wurden wie Kerzen auf Ölbohrinseln? Egal – auf jeden Fall nahm ich also einen Schluck aus meiner Dose und redete weiter „mich bekommen die nicht mehr auf die Bühne“
„Mich auch nicht“ sagte Sven und haute mit der Faust auf den Tisch „wollen wir denen doch mal zeigen, dass wir hier immer noch in Deutschland sind wo alles mir Recht und Ordnung abläuft.“
Er hatte es wieder einmal geschafft mich zum Lachen zu bringen – dabei wollte ich das doch eigentlich gar nicht, naja so kann man von seinen Prinzipien Abstand nehmen – Sven und sein Humor das war eben immer wieder etwas Außergewöhnliches.
„Und, was sagen wir jetzt dem Klein?“ fragte er
„Na ganz einfach: Die Wahrheit“ Das war das einzige, worauf ich bei unserem Literatur-Lehrer bauen konnte nämlich, dass er in dieser Hinsicht glaubte, was wir ihm sagten – was blieb ihm auch anderes übrig? Um sich sein eigenes Bild der Lage zu machen hätte er ja anwesend sein müssen und das war er ja – wie schon erwähnt – so gut wie nie.
Sven und ich kehrten daraufhin wieder zu unserem alltäglichen Programm zurück, das heißt also uns mit unseren Schularbeiten befassen und nebenbei ein bisschen rumzualbern – oder war es andersherum gewesen? Naja die Prioritäten wechselten hier immer ein bisschen.
Wir waren dann auch tatsächlich am Ende soweit gewesen, dass wir die Mathe-Aufgaben für die nächte Stunde zu mindestens im großen und ganzen durchgesprochen hatten (allerdings sollte uns das bei der nächsten Klausur relativ wenig helfen aber das gehört hier ja eigentlich gar nicht rein).
Der Rest des Schultages verlief ohne größere Auseinandersetzungen und Höhepunkte. Diejenigen unserer Truppe, die sich am Morgen während der Proben mal wieder ins Café verzogen hatten sahen mich zwar etwas anders an als sonst, der ein oder andere sogar mit leichten Schulgefühlen wie ich mir einredete, aber zu einer weiteren stürmischen Auseinandersetzung kam es nicht mehr – ich hatte auch gar keine Lust mehr dazu gehabt – das Thema war für mich erledigt.
*-*-*
Umso mehr freute ich mich auf den Abend.
Unsere (zugegeben nicht gerade große) schwule Jugendgruppe hatte eine kleine Weihnachtsfeier organisiert und ich freute mich richtig auf eine kleine Abwechslung. Eigentlich war es auch gar keine richtige Weihnachtsfeier denn mit sowas verbinde ich immer einen Tannenbaum, hoch-festliche Lieder und all sowas.
Aber zurück zum Thema: Ja, falls es bisher noch nicht so zum Ausdruck gekommen ist ich bin schwul. Ich hatte es ziemlich lange verdrängt gehabt und versucht mir selber mit den üblichen Ausreden und Bravo-Besänftigungen einzureden, dass es ja alles doch nur die berühmte „Phase“ sei und alles schon wieder vorbeigehen würde. Als ich dann aber mit siebzehnJahren immer noch lieber Jungs als Mädchen hinter hersah wurde mir auch langsam bewusst, dass es scheinbar doch nicht so einfach war.
Es hatte mich zwar einiges an Überwindung gekostet es mir selber einzugestehen aber inzwischen hatte ich das auch hinter mir und war richtig glücklich mit der Art wie ich war – alles schien wieder richtig gut zu werden nur ein Freund, der fehlte mir noch …
Für mich war daher unsere Jugendgruppe so etwas wie ein Hoffnungsschimmer – ich war nie einer von den Jungs gewesen, die schon in der Grundschule bis spät Abends draußen mit dem Fahrrad unterwegs waren und mit den Klassenkameraden alles möglich unternommen hatten – der typische Einzelgänger eben. Wieso weiß ich selber nicht genau – irgendwie war ich eben immer lieber für mich alleine und saß zuhause, beschäftigte mich mit allem möglichen aber unternahm nichts mit anderen Leuten.
Als ich dann aber langsam begann, mich mit meiner Homosexualität auseinanderzusetzen änderte sich das ein bisschen – ich lernte über das Internet ein paar wirklich liebe Jungs kennen von denen die meisten zwar leider hunderte oder sogar tausende von Kilometern weit weg wohnten aber das Gefühl nicht alleine mit den Gefühlen da zustehen die ich hatte gab mir schon einen enormen Aufschwung.
Tja, und dann passierte tatsächlich das, was ich lange Zeit kaum für möglich gehalten hatte – ich lernte ein paar schwule Jungs bei mir aus der Stadt kennen und ehe ich mich versehen hatte da hatte ich plötzlich meinen (zugegeben kleinen) neuen Freundeskreis.
Ein paar Wochen später machten wir uns dann auch schon die ersten Gedanken auch noch ein bisschen was für andere Jungs zu tun sprich wir planten eine Jugendgruppe zu gründen – eben diese Jugendgruppe von der wir aus nun unsere Weihnachtsfeier organisierten.
Ich hatte durch die Gruppe noch eine Reihe weiterer netter Jungs kennengelernt und wollte keinen von ihnen missen aber der berühmt-berüchtigte Funke war noch nicht so ganz übergesprungen. Gut, bei einem vielleicht mehr als ich mir selber zugestehen wollte aber der war leider schon in festen Händen – schade aber was will man da machen?
Besagte Weihnachtsfeier war dann auch ein richtig netter Abend, bei dem auch die ein oder andere – freiwillige oder auch unfreiwillige – Showeinlage nicht fehlte. Das schönste war, als plötzlich eine Tischdecke Feuer fing (Advent, Advent ein Decklein brennt …) und Moritz (einer der süßesten Jungs mit seinen 190cm und strohblonden kurzen Haaren auf den ich später nochmal zurückkomme) vor Schreck vom Stuhl fiel und dabei die halbe Tischdekoration herunterriss.
Die besten Sachen passieren eben doch ungeplant und ungewollt – einfach herrlich! Ich weiß nicht ob ich jemals an einem Abend so lange und so herzhaft gelacht habe.
Was mich aber mal wieder wirklich fröhlich stimmte war mal wieder mit jemandem reden zu können ohne irgendwelche Bedenken zu haben über mein Schwulsein zu reden und mit den Jungs darüber zu streiten, wer denn von den Promi-Stars nun das süßeste Gesicht hat – einfach toll eben.
Mit Moritz hatte ich wie schon angedeutet an diesem Abend eine besonders schöne Unterhaltung – ich glaube Moritz war einer der wenigen Leute in die ich mich wirklich auf der Stelle hätte verlieben können (Naja eigentlich hatte ich das ja auch schon aber wie gesagt, da gab es für mich keine Chance) denn er war wirklich der Inbegriff dessen, was ich einen Schatz nenne – nicht nur sein Aussehen war ohne zu übertreiben einwandfrei, sondern er redete offen über alles, was ihm bewegte – auch wenn das dem ein oder anderen vielleicht nicht ganz so gepasst hat. Ich kam mit ihm auf jeden Fall super klar, es gab eben nur einen kleinen Nachteil: Moritz war wie gesagt vergeben und von daher war für mich nicht daran zu denken mein Verhältnis zu ihm, naja sagen wir mal zu intensivieren.
Aber wie das immer so im Leben ist – auch der schönste Abend geht irgendwann zu Ende, das war an diesem Tag nicht anders. Als es also auf das Ende der Feier zuging und wir uns alle schon fertig gemacht hatten und das Jugendzentrum verließen machte ich einen Kommentar, den ich mir vorher wohl besser zweimal überlegt hätte. Es ging sich wieder um eben schon erwähnte Show-Einlage von Moritz und ich scherzte beim Herausgehen „Ja, das kommt eben davon, wenn wir uns mit soviel warmen Brüdern an einen Tisch setzen – in nullkommanix fängt die Tischdecke an zu brennen.“
„Ja ja“ lachte Moritz „Ich hätte euch in der gleichen Situation erleben wollen. Jetzt muss ich aber auch mal langsam los, also macht’s gut und bis dann – mein Freund kommt morgen vorbei und da muss ich mich doch noch fein machen“
„Der glückliche“ flüsterte ich leise vor mich hin und als mich umdrehte um in die andere Richtung als Moritz zu gehen sah ich sie – Daniel und Patrick aus meinem Jahrgang, die sich die Szene mit großen Augen angesehen hatte.
‚Tja, das war’s dann wohl‘ dachte ich mir.
Ich selber hatte zwar wie gesagt mit meinem Schwulsein inzwischen keine Probleme mehr gehabt aber war dann doch noch nicht soweit gewesen, dass es jedermann unbedingt wissen musste. Nun das hatte sich dann wohl auch von alleine erledigt, denn die beiden konnten eigentlich daraus nicht mehr viel falsch verstehen – sehr viel eindeutiger ging es ja nun wirklich nicht.
Ich konnte es geradezu fühlen wie mir das Blut in den Kopf stieg und ich in dem Moment wohl knallrot angelaufen bin. Ich wollte den beiden gar nicht erst irgendetwas erklären und so machte ich auf schnellstem Wege, dass ich nach Hause kam.
Glücklicherweise hielten die beiden es scheinbar auch für besser die Sache auf sich beruhen zu lassen und liefen mir nicht hinterher um sich noch mal zu ‚vergewissern‘, ob sie auch alles richtig mitbekommen hatten. Es war nicht so, dass ich die beiden nicht ausstehen konnte oder so, nein bestimmt nicht aber es war auch nicht so, dass ich sie zur nächsten Party die stattfindet eingeladen hätte – ganz zu schweigen davon, dass sie auch noch in der Theater-Truppe waren, die sich bei jeder Probe ins Café verabschiedeten und die ich am selben Morgen noch groß und breit durch den Kakao gezogen hatte – na Prost Mahlzeit, das konnte ja was werden …
*-*-*
Nach einer Nacht, in der ich ziemlich unruhig geschlafen hatte und mir über so einiges meine Gedanken gemacht hatte, kam ich immer noch ohne irgendwelche Vorstellungen was mir der heute Tag bringen würde in der Schule an. Wie würden die beiden reagieren oder wussten alle anderen jetzt schon bescheid? Ich beschloss erst mal genauso weiterzumachen wie sonst und abzuwarten, was kommen würde.
Nach meinem allmorgendlichen Blick aufs schwarze Brett hingegen sank meine Stimmung schon wieder bis in den Keller.
„Alle Teilnehmer des Literaturkurses 12/1 treffen sich nach der dritten Stunde im Klassenraum C12.4 zu Besprechung. Es wird Anwesenheitsliste geführt. Gez. B. Klein“
Na das konnte ja heiter werden – nicht nur, dass ich nicht weiß, wie Daniel und Patrick reagieren würden nein jetzt kam auch noch der Paukenschlag Literaturkurs wieder auf mich zu – das schien einer der dunkelsten Tage in meiner Schullaufbahn zu werden.
Die ersten drei Stunden verliefen unerwartet harmlos – eine Doppelstunde Geschichte und anschließend eine Freistunde. Dann war es soweit: Das jüngste Gericht sollte zusammentreten und ich machte mich schon mal darauf gefasst hier von allen zum Sündenbock des Tages abgestempelt zu werden – Galgenhumor? Vielleicht.
Nachdem wir uns also tatsächlich alle im Klassenraum eingefunden hatten (was übrigens ein interessantes Bild war, denn mir war gar nicht bewusst gewesen wie groß der Kurs doch eigentlich gewesen war) begann unser Lehrer auch schon seine fast die gesamt Pause zwischen der dritten und der vierten Stunde ausfüllende Rede.
Erstaunlicherweise schien er (zum ersten Mal seit wir ihn kannten) ganz genau zu wissen, was er wollte. Die Caféraner wie er sie scherzhaft nannte bekamen gehörig ihr Fett weg und wir anderen blieben von allem Übel verschont.
Ich muss schon zugeben, dass mir das ganze mehr als nur ein bisschen gut tat denn das was er sagte waren genau meine Argumente gewesen. Das Ende vom Lied – oder in diesem Falle der Zurechtweisung – war also, dass restlos alle die nächsten Proben dabei sein sollten oder es würden Zitat „Auch mal andere Seiten aufgezogen“.
Die Luft stand praktisch im Raum und in der Stille hätte man mehr als nur eine Stecknadel fallen gehört. Unser Literatur-Lehrer den wir nun auch von einer anderen Seite kennengelernt hatten verabschiedete sich mit einem lauten Knallen der Tür von uns und so saßen wir da – die einen klein wie Mäuse, die anderen eher bestätigt in dem, was sie eben gehört hatten.
Keiner sagte ein Wort, als wir uns auf den Weg zur nächsten Unterrichtsstunde machten – eine auch einmalige Situation in meinem ganzen Schulleben überhaupt.
Am Nachmittag nach der 8. Stunde war eine Sonderprobe angesagt und ich war wirklich gespannt wie viele Leute diesmal anwesend sein würden. Und man soll es wirklich kaum glauben aber wir waren komplett – nicht nur die Schauspieler sondern auch sämtliche Leute von der Technik (die eigentlich gar nicht hätten da sein müssen) hatten sich eingefunden – schlechtes Gewissen? Ich weiß es nicht.
Die Probe selbst verlief wie es zu erwarten war nicht gerade rosig – die meisten konnten tatsächlich ihre wirklich kurzen Text gerade mal grob aufsagen aber scheinbar bestand ja noch Hoffnung.
Nach über einer Stunde ein der wir wirklich ein ganzes Stück weitergekommen waren beschlossen wir dann aber auch langsam Feierabend zu machen und uns unserem freien Rest-Nachmittag zuzuwenden.
Ich hatte es ja eigentlich nicht anders erwartet und trotzdem traf es mich dann doch, als mir kurz vor Schluss doch noch der ein oder die andere „Und danke noch mal Nick“ hinterher rief was der Betonung nach alles andere als liebevoll gemeint war.
Doch das empfand ich noch als geradezu harmlos im Gegensatz zu dem besonders unschön betonten „Ja genau – Danke Schwuli!“, das ich hören musste, als ich mich auf den Weg nach draußen machte. Ich sah mich nur einmal kurz um und sah Patrick grinsend hinter dem Flügel in unserer Aula stehen. ‚Na toll, das war’s dann also‘ dachte ich mir und machte mich so schnell es ging auf den Weg nach Hause – das konnte ja noch eine schöne restliche Woche werden.
Mein restlicher Tag war – geprägt durch die Äußerung von Patrick – nicht gerade das, was ich normal und entspannend nennen würde aber irgendwie machte es mir dann doch nicht so zu schaffen wie ich angenommen hatte – schließlich wäre wahrscheinlich irgendwann sowieso der Zeitpunkt gekommen wo es irgendwer erfahren hätte aber trotzdem hätte ich mir dieses Zeitpunkt und vor allem den- oder diejenigen doch gerne selber ausgesucht, denen ich davon erzählt hätte. Nun gut alles Spekulation der nächste Tag würde zeigen, wie es weitergehen würde.
*-*-*
Zunächst sah alles danach aus, als sollte es ein Tag wie jeder andere auch werden: Unterricht, ein bisschen rumblödeln (wie gesagt die Reihenfolge kann auch mal andersherum sein) und alles, was einem eben sonst noch so einfällt.
Als ich jedoch am Mittag mal wieder alleine in unserer Cafeteria beim Essen saß gesellten sich Tanja und Natalie zu mir – zwei Mädchen mit denen ich eigentlich recht gut auskam aber mehr auch nicht.
„Du Nick, wir haben da mal eine Frage“ sagte Tanja ziemlich leise aber in einem wirklich lieben Ton.
„Ich glaube ich kann mir schon denken, was ihr wissen wollt“ antwortete ich etwas unsicher und merkte selber, wie ich von Wort zu Wort nervöser wurde und anfing leicht zu zittern. Eine Zeit lang sagte niemand etwas sondern wir sahen uns nur gegenseitig an doch aus ihrer Körpersprache entnahm ich, dass sowohl die beiden Mädels mir gegenüber als auch ich sehr genau wussten, was nun kommen würde.
Ich nickte einmal kurz und sagte gleichzeitig kurz aber doch deutlich „Ja“.
Wieder war für einen Moment Stille aber dann passierte etwas, womit ich wirklich nicht gerechnet hatte – die beiden fingen über beide Wangen an zu grinsen und Tanja meinte nur zu Natalie „Siehst du, ich hab’s dir doch gesagt“.
Jetzt konnte ich einfach nicht anders und musste mit grinsen. Die darauf folgenden Sätze waren wirklich ein paar der schönsten Dinge, die ich jemals von meinen Klassenkameradinnen zu hören bekommen hatte. Sie freuten sich für mich – wieso eigentlich? – und meinten, dass zu mindestens die Leute mit denen sie gestern nach der Schule noch darüber gesprochen hätten es schon voll okay fänden und vor allem gestern Patrick kräftig den Wind aus den Segeln genommen hatten. Der wollte wohl kräftig Stimmung gegen mich machen – wie ich ja auch nicht anders erwartet hatte – aber traf damit auf vollkommen taube Ohren da die meisten anderen zwar auch nicht gerade über-freundlich auf mich zu sprechen waren aber deshalb mich nicht wegen meines Schwulseins verurteilen wollten. Interessant, dass so viele Leute dann doch soviel von mir hielten gab mir dann wieder eine gehörige Portion Selbstbewusstsein zurück.
„Gut zu wissen – Danke“ sagte ich, nachdem die beiden mir diese kleine Geschichte erzählt hatten.
Der restliche Tag entsprach dann auch ganz und gar nicht dem, was ich mir vorgestellt hatte – Natalie und Tanja sollten nicht die einzigen beiden bleiben, die mich auf das Thema „Schwul oder nicht“ ansprachen und sie sollten auch nicht die einzigen beiden bleiben, die mir ihre Unterstützung aussprachen – ich hatte wirklich nicht geglaubt doch so viele Leute in meinem Jahrgang zu haben, die so locker damit umgingen – aber es war einfach traumhaft.
Ich hatte das Gefühl den Rest der Woche in einen vollkommen neuen Abschnitt meiner Schullaufbahn einzutreten – als sei ich auf eine andere Schule gewechselt und hätte dort plötzlich jede Menge neue Freunde gefunden. Klar, es gab immer noch ein paar Leute mit denen ich nicht klar kam – aber bei wem gibt es die nicht?
Wie gesagt der Rest der Woche verlief traumhaft und ehe ich mich versah war auch schon der große Tag gekommen: Der letzte Schultag vor Weihnachten und damit auch unsere Aufführung. Ich hätte es ja fast selber kaum geglaubt aber zum Schluss konnte tatsächlich jeder seinen Text und wir waren ein richtig gutes Team geworden.
Die kleinen Streitereien waren vergessen und alles was jetzt noch zählte war, dass wir einen Meilenstein in der Literatur-Geschichte unserer Schule hinterlassen wollten und ein anspruchsvolles Stück auf die Reihe kriegen wollten – und das bekamen wir.
Sicherlich, der ein oder andere Patzer passierte auch hier aber that’s Life und davon sind auch die großen Produktionen bisher nur sehr selten verschont geblieben – alles in allem war es ein Riesenerfolg.
Kurz nachdem der letzte Vorhang gefallen war – übrigens einer der wenigen Pannen denn hier konnte man wirklich von fallen reden, da unser Chef-Techniker die Seile aus der Hand gerutscht waren – ging natürlich auch bei uns hinter der Bühne die große Jubelfeier los denn es hatte wirklich (fast) alles so geklappt wie wir uns das vorgestellt hatten.
Die Gags hatten genau zum richtigen Zeitpunkt gesessen und das Publikum war hellauf begeistert von unserer Vorstellung gewesen – besser hätte es wirklich kaum sein können.
Wir waren also alle in Feierstimmung und natürlich lagen wir uns gegenseitig in den Armen und beglückwünschten uns gegenseitig zu dem, was wir geleistet hatten. Doch dann passierte etwas, das mich – und nicht nur mich – ziemlich irritierte.
Sven, immer noch in seinem Oberhirtenkostüm kam auf mich zugestürmt, umarmte mich und gab mir einen Kuss – und was für einen! Nicht nur einen kleinen Schmatzer auf die Wange sondern einen richtig dicken Kuss auf den Mund – das verfehlte natürlich seine Wirkung nicht und alle anderen, die um uns herum standen sahen uns schon ziemlich verwirrt an.
Okay von mir wussten ja inzwischen die meisten, dass ich schwul war (und wer es noch nicht wusste sollte eigentlich zu mindestens irgendein Gerücht mitbekommen haben) aber Sven? Er war einer der Jungs, von denen man annehmen würde, dass er jede Woche eine andere ins Bett bekommt und dann so was?
Ich für meinen Teil war natürlich noch aufgeregter als alle anderen und ehe ich überhaupt realisieren konnte was da gerade passiert war, da war Sven auch schon wieder verschwunden und unser Literatur-Lehrer zwängte sich zu uns durch und beglückwünschte jeden einzeln zu unserer Leistung.
Ich jedoch hatte wenig dafür über im Moment – ich war so aufgeregt wie noch nie zuvor in meinem Leben denn schließlich hatte ich gerade zum ersten Mal in meinem Leben einen richtigen Kuss bekommen und dann auch noch von einem Jungen und dann auch noch von meinem besten Freunde – konnte es da eigentlich noch irgendeine Steigerung zu geben ?.
Mir gingen tausend verschiedene Dinge im Kopf herum – war alles einfach nur Freude oder vielleicht nur ein großer Scherz? Und was wenn nicht? Was wenn Sven wirklich in mich … nein das konnte doch eigentlich nicht sein – oder doch?
Ich suchte die halbe Schule (die wirklich groß ist) nach ihm ab aber ohne Erfolg – er war wie von Erdboden verschluckt. ‚Verdammter Mist‘ dachte ich mir und wusste nicht, wie ich jetzt weitermachen sollte. Um einfach wieder zu den anderen zu gehen und weiter zu feiern war ich zu aufgeregt gewesen – doch irgendwas musste ich tun.
Nachdem ich also weitere fünf oder zehn Minuten erfolglos versucht hatte Sven zu finden machte sich ein bisschen Resignation breit und ich machte mich wieder auf den Weg zu den anderen die mich immer noch ein ziemlich seltsam ansahen – oder war das alles nur Einbildung? Ich weiß es nicht.
Ich feierte also noch ein bisschen mit ihnen bis Stefanie auf mich zukam und nur meinte ich sollte doch mal schnell nach hinten auf den Schulhof gehen und nach meinem Fahrrad sehen. Mein Fahrrad?
Wieso kam sie ausgerechnet jetzt mit meinem Fahrrad an? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen aber vorsichtig wie ich nun mal bin (mein Fahrrad ist schließlich mein ein und alles – die große Mobilität sozusagen) ging ich schnurstracks Richtung Schulhof und dann auf den Fahrradständer zu.
Zu meiner Überraschung entdeckte ich dort aber nicht nur mein Fahrrad in genau demselben Zustand wie ich es verlassen hatten sondern auch denjenigen, nachdem ich den ganzen Abend gesucht hatte: Sven! Er saß auf dem Boden neben den Fahrrädern und sah auf den Parkplatz hinaus.
Ich setzte mich zu ihm und erst mal sagte keine von uns ein Wort – wir blieben einfach ruhig nebeneinander sitzen für – ach ich weiß nicht wie lange es war aber mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Dann bracht Sven das Schweigen und sagte leise „Nick hör mal, ich weiß nicht wieso ich das eben gemacht habe ich – naja wir beiden waren ja immer schon – Nick ich mag dich. Mehr als du denkst und als Patrick uns erzählt, dass du … also ich …“
Auf einmal schien mir klarzuwerden, was hier eigentlich vor sich ging, auch wenn ich es nicht glauben konnte – Sven war gerade dabei sich und mir einzugestehen, dass er in mich … verliebt war! Bei mir im Bauch schienen mit einem mal die so oft zitierten Schmetterlinge losgelassen worden zu sein und wenn ich nicht schon gesessen hätte, dann hätte ich mich glaube ich hinsetzen müssen. Alles schien so wunderbar, so greifbar nah so … echt eben – sollte es denn wirklich wahr sein?
Ich wollte Sven nicht so, nach einer Erklärung suchend, da sitzen lassen also nahm ich meinen gesamten Mut zusammen und griff nach seiner Hand. Ich fasste sie und hielt sie fest. Das schien seine Wirkung nicht zu verfehlen denn nun fühlte ich wie auch Sven meine Hand nicht mehr loslassen wollte.
„Jaaaaaa“, schrie jedes meiner inneren Organe „Ich habe es geschafft“ Der Junge, von dem ich schon seit Jahren immer fasziniert war, saß nun neben mir und hielt meine Hand. Es war einfach alles zu schön.
Keiner von uns bewegte sich noch groß und keiner sagte ein Wort – das war auch nicht nötig denn in diesem Augenblick verstanden wir uns auch ohne Worte.
Irgendwann stand Sven dann aber plötzlich wie von Blitz getroffen auf und zog mich mit hoch und dicht an sich heran. Dann passierte das, was ich mir seit meinem Coming-Out so sehnlich gewünscht hatte – er sah mir tief in die Augen und gab mir einen Kuss.
Keinen wilden leidenschaftlichen sondern einen noch zögerlichen aber trotzdem voller Liebe steckenden Kuss. Ich konnte nicht anders und musste ihn ganz dicht an mich drücken.
Dann plötzlich hörten wir irgendetwas hinter uns und nach einem kurzen Blick nach hinten war uns beiden auch klar, was wir da gehört hatten.
Unsere neugierigen Klassenkameraden. Da standen sie also nun – ungefähr 10 Leute, die uns im vielleicht schönsten Moment unseres Lebens beobachteten. Aber diesmal ich konnte ihnen einfach nicht böse sein, in dem Moment konnte ich niemandem böse sein – dafür war ich viel zu glücklich und Sven schien es nicht anders zu gehen.
Als sie dann auch noch anfingen zu klatschen war die Vorlage für einen Kitschfilm wirklich fast perfekt und Sven flüsterte mir leise ins Ohr, ob wir nicht lieber zu ihm nach Hause gehen sollten, schließlich gibt es ja Dinge die nicht unbedingt die halbe Schule mitbekommen sollte.
Ich setzte mein „Ich-weiß-schon-bescheid-lächeln“ auf und dann machten wir uns auf den Weg zu ihm nach Hause – nicht aber ohne uns von unseren ach so neugierigen Mitschülern noch durch heftiges Winken zu verabschieden.
An diesem Abend lernte ich meinen Klassenkameraden und quasi-besten Freund der letzten 8 Jahre auf eine ganz neue Art und Weise kennen. Es war das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens – auch wenn es eigentlich ein paar Tage zu früh war: Ich hatte sie gefunden – die Liebe des Lebens: Meinen Sven!
*-*-*
— THE END —
*-*-*
Viele haben mich nachdem die erste Version der Story herauskam, gefragt wie viel Wahrheit eigentlich in dieser Geschichte drinsteckt und die Antwort verwundert vielleicht ein bisschen – mehr als ihr im Moment vielleicht denkt.
Mein Freund heißt zwar nicht Sven und wir haben uns auch nicht auf die Art und Weise, die in der Story beschrieben ist kennengelernt aber sehr vieles von dem, was in der Story drin steht ist wahr – oder zu mindestens sehr nah an der Wahrheit dran.
Als erstes natürlich Sven : Sven ist eigentlich eine Zusammensetzung aus zwei Personen. Der Sven, so wie er in der Geschichte beschrieben wird, war tatsächlich einmal mein bester Freund gewesen, bevor wir – wie in der Story beschrieben – uns langsam voneinander entfernten.
Ab und zu sehe ich ihn heute noch und er ist ein supernetter Kerl. Svens zweiter Teil ist ein anderer Junge, den ich übers Internet kennengelernt habe und mit dem ich eine ganze Zeit lang gut befreundet war, inzwischen ist der Kontakt leider auch abgebrochen. Auf jeden Fall ist er jemand, den ich mir früher als wirklichen Freund gewünscht hätte.
Moritz existiert ebenfalls – und ebenfalls genauso wie er in der Story beschrieben ist – so gutaussehend, dass man ihn einfach lieb haben muss, wenn man ihn sieht. Er hat damals einen ziemlichen großen Teil zu meinem Coming-Out beigetragen und wenn er das hier lesen sollte und sich angesprochen fühlt dann muss ich nochmal ein großes Dankeschön loswerden. Inzwischen sehe ich ihn eigentlich gar nicht mehr aber vergessen werde ich ihn bestimmt nicht.
Das Theaterstück hat es übrigens auch gegeben – es war in Wirklichkeit nur kein Weihnachtsstück sondern etwas anderes, aber auch die Geschichte um die Leute, die sich ins Cafe verzogen haben ist nicht erfunden. Allerdings war es in der Wirklichkeit bei weitem nicht so schlimm, wie ich es hier in der Geschichte dargestellt habe.
Tja, so gesellt sich eins zum anderen und eh ich mich versehen hatte war aus diesen ganzen Teil-Ereignissen und Personen, die in meinem Leben eine Rolle gespielt hatten oder immer noch tun eine fertige und wie ich hoffe gute Geschichte geworden.
Meine Hoffnung ist, dass es tatsächlich da draußen noch einen Nick und einen Sven gibt die genau das erleben können und genauso happy dabei sind wie Nick und Sven in dieser Geschichte. In diesem Sinne alles Gute und viel Glück bei der Suche nach „eurem“ Sven.

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Information Ein Sommer in Midgar
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:31 AM - No Replies

Ein wunderschöner Sonnenaufgang hüllte Midgar, wie in einen unsichtbaren Schleier, ein. Es waren noch nicht sehr viele Leute auf den Straßen und so war es noch recht ruhig und friedlich in dieser Stadt.
Allerdings ging es am Rande der Stadt, auf einer Wiese, nicht so ruhig und friedlich zu.
Drei junge Männer hatten sich dort nämlich in aller Frühe getroffen, um mal wieder gegeneinander anzutreten und zu schauen wer von ihnen denn nun der Bessere war.
Es trafen sich ein junger Mann mit kurzen roten Haaren, 20Jahre jung …namens Genesis Rhapsodos, ihm folgte ein junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren, 22 Jahre alt, namens Angeal Hewley.
Zu den beiden gesellte sich ein ebenfalls junger Mann mit ganz langen silbernen Haaren …namens Sephiroth Crescent im Alter von 19 Jahren.
Die Drei plauderten zunächst etwas miteinander, wobei Genesis es mal wieder nicht lassen konnte ein paar Worte und Sätze aus “Loveless” zu zitieren.
Nur wenig später kämpften die drei Freunde erbittert gegeneinander, so dass man meinen konnte …sie wären keine Freunde …sondern erbitterte Feinde…
Obgleich Freunde, sah Genesis in Sephiroth schon von je her einen Rivalen und versuchte stets ihn zu übertrumpfen, was ihm jedoch noch immer nicht gelungen war…
Trotz dass der Kampf sehr erbittert war, konnte man dennoch denken die drei hätten nichts besseres zu tun, als sich wie Kinder zu benehmen. Natürlich achteten die Freunde, während des Kampfes nicht auf ihre Umgebung …für sie zählte nur der Kampf.
So sehr Genesis und Angeal sich auch bemühten ihren Freund zu bezwingen, Sephiroth parierte alle ihre Schläge, mit spielender Leichtigkeit, was bei dem Schwert, ein Katana mit Namen Masamune, auch nicht unbedingt verwunderlich war….
*-*-*
Als ich an diesem Morgen die Augen öffnete, schien die Sonne erbarmungslos in mein Schlafzimmer hinein. Tatsächlich musste ich gestern vergessen haben die Jalousien runter zu lassen.
Gequält rieb ich mir die Augen und erblickte den nackten Körper neben mir, den ich auch direkt anschubste.
“Hey, aufstehen!“, sagte ich etwas genervt.
Doch bekam ich nur ein Brummen als Antwort. Das hatte mir gerade noch gefehlt.
“Ich geh jetzt ins Bad duschen. Wenn ich wieder komme, bist du verschwunden. Klar!“, gab ich noch von mir und war auch schon verschwunden.
Wo kämen wir denn dahin, wenn die Typen hier bis Mittags im Bett liegen blieben.
Während die Dusche sich schon mal warm lief, erhaschte ich einen Blick in den Spiegel. Dort sah ich einen 19 Jahre alten Mann mit smaragdgrünen Augen und dunkelbrauner Wuschelfrisur.
Ich hatte einen gut durchtrainierten, schlanken Körper und war ziemlich klein mit gerade mal 1,70 Meter Körpergröße. Aber ich war schlagfertig, beliebt und hatte gerne viel Sex.
Die heiße Dusche tat gut, nach einer Partynacht, vielen Drinks und wilden Bettgelüsten.
Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, ging ich in meinen begehbaren Kleiderschrank und schaute was ich anziehen wollte.
Anschließend riss ich meine Fenster auf und siehe da, mein Gast hatte tatsächlich den Weg nach draußen gefunden. Sonst hätte ich ihm wohl auch Beine gemacht.
Ein Blick in dem Kühlschrank sagte mir, dass ich wohl etwas einkaufen sollte. Ein letzter Blick in den Spiegel verriet mir, dass alles gut aussah. Noch einmal ging ich mit meinen Fingern durchs Haar, wie ich es oft tat. Sie machten was sie wollten, saßen aber trotzdem immer perfekt.
Noch ein Griff in den Schrank ließ mich meine zwei Fantasy Krallendolche an den Gürtel in ihre Halterung stecken. Ohne sie ging ich nie aus dem Haus, zu groß war die Gefahr, in der heutigen Zeit bei der hohen Kriminalität.
*-*-*
Einem gefühlt unendlich langen Kampf verlor ich mal wieder gegen meinen Freund Sephiroth… eben wie immer… und Angeal hätte ich am liebsten in den Allerwertesten getreten… der immer mit seiner Predigt von Moral und Ehre… tze…
Ich verließ unseren Kampfplatz… ein wenig beleidigt und ließ die Beiden allein.
Mein Schwert hatte ich am Rücken befestigt und befand mich nun auf dem Weg nach Hause, als sich mal wieder Zoff anbahnte.
Ich blieb stehen und sah die drei Kerle vor mir an, die mich bedrohten und scheinbar nicht wussten, wen sie vor sich hatten.
„Los, Geld her!“, forderte einer von denen.
Über solche Kleinhirne konnte ich nur grinsen, die dachten doch echt, das ich mir so was gefallen lassen würde, außerdem war ich wütend genug um die drei sogleich anzugreifen, was ich auch tat.
Langsam nahm ich mein rotes Rapier von meinem Rücken, behielt die drei Kerle im Auge und griff sie dann an.
Nach kürzester Zeit hatte ich die drei besiegt, die nicht einmal den Hauch einer Chance gegen mich hatten, aber ich hatte sie nicht getötet… denn ich wusste was sich gehörte… sondern sie nur in die Flucht geschlagen.
Angeal und Sephiroth hatten Genesis nur nachgesehen. Angeal sprach dann zu seinem Freund:
„Kannst du ihn nicht einmal gewinnen lassen? Musst du ihm immer wieder beweisen, was du drauf hast? Jetzt kann ich mir wieder dieses Theater mit ihm reinziehen.“
„Na und, was geht es mich an.“, erwiderte Sephiroth kalt und arrogant und verließ den Kampfplatz ebenfalls, während Angeal ihm nur kopfschüttelnd nachsah und sich dann auch auf den Weg nach Hause machte.
*-*-*
Ich war gerade wenige Meter draußen gelaufen, als schon jemand nach mir rief.
“Casper… Casper…“, kam es immer wieder und als ich nicht reagierte, weil ich genau wusste wer es war, folgte:
“Ben… Benjamin…“
Wie ich meinen Vornamen hasste! Deshalb nannten mich auch beinahe alle beim Nachnamen oder sagen wenigstens nur Ben. Doch Crazy wusste ganz genau wie er mich dazu brachte, dass ich ihn beachtete.
Eigentlich hieß er Karl, doch der Name passte nun wirklich nicht zu ihm, weshalb ich ihn Crazy nannte. Er war größer als ich und zwei Jahre älter. Seine kurzen Haare waren in allen möglichen schillernden Farben gefärbt. Eine gute Figur schien er auch zu machen und seine himmelblauen Augen stachen hervor, doch war er nun gar nicht mein Typ.
Eine kleine Nervensäge, die man nicht loswurde, sobald sie einem auf den Hals geschickt wurde.
Wütend blieb ich stehen, als ich meinen vollen Namen hörte und horchte, wie er sich Schritt für Schritt näherte.
“Ich dachte schon, dass du mich nicht hörst. Habe doch mehrmals…“, kam es von Crazy, doch dann stockte er.
Nachdem er nah genug an mich ran gekommen war, hatte ich mich blitzschnell umgedreht. Nun hielt ich die Spitze meines einen Dolches unter sein Kinn und schaute ihn direkt in die Augen.
“Was willst du?“, fragte ich genervt.
“Balt.. Baltha… Balthasar schickt mich“, grinste er und ich verdrehte die Augen, steckte meine Waffe weg und ging weiter.
“Jetzt warte doch mal“, schrie Crazy hinter mir her und folgte mir.
Er nervte mich und es nervte mich, dass ich wieder irgendeinen Mist für Balthasar erledigen sollte. Gut, er zahlte nicht schlecht und stark genug war ich auch, darum machte ich mir keine Gedanken.
Aber es gab bestimmt viel tollere Sachen, die man machen konnte, als irgendwelche Leute aufzuschlitzen.
*-*-*
Noch immer wütend erreichte ich mein Zuhause, schlug die hinter mir zu und stellte mein Schwert in eine Ecke.
Gerade hatte ich meinen roten Mantel ausgezogen, als es an der Tür schloss und Angeal die Wohnung betrat.
Ich ignorierte ihn, ging an ihm vorbei und ins Bad, aber er hielt mich auf, indem er mich am Arm packte:
„Hey, was ist denn los? Warum ignorierst du mich?“
„Lass mich in Ruhe….“, fauchte ich Angeal drohend an.
Er ließ mich los, denn er kannte sehr wohl die Rangordnung:… Sephiroth, Ich und dann erst er. Ich war ihm weit überlegen.
Ich schälte mich also an ihm vorbei, ging ins Bad, schloss die Tür zu und duschte erst mal gründlich.
„Na, schön, dann kann ich ja verschwinden.“, flüsterte Angeal und verließ die Wohnung wieder…. wohin er wollte war klar…
*-*-*
Schnurstracks steuerte ich die Einkaufswagen an, da ich ja meinen Kühlschrank füllen wollte, doch da war wieder Crazy.
“Eigentlich wollte ich jetzt einkaufen und zwar allein!“, machte ich ihn an.
Er schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und zuckte mit den Schultern.
Genervt verdrehte ich die Augen und sagte feststellend:
“Du lässt mich nicht alleine, solange ich nicht mit dir komme. Habe ich recht?“
Crazy nickte und so ließ ich den Einkaufswagen, Einkaufswagen sein und ging mit ihm zu Balthasar.
“Hey, mein Hübscher“, begrüßte mich dieser, als wir zur Tür herein kamen.
Dabei kam er direkt auf mich zu und streichelte mir mit einer Hand über die Wange.
Ich hielt still, verzog jedoch keine Miene.
Balthasar war um die 30, hatte kurze weiße Haare und eine kräftige Statur. Seine eisblauen Augen konnten einen regelrecht gefangen halten, doch zählte er nicht zu meinem Beuteschema.
Dass er mich begehrte, ließ mich kalt. Da war er definitiv nicht der einzige, der das tat.

Nachdem er mich begrüßt hatte, ging er zu den großen Fenstern in dem Zimmer und schaute hinaus. Seine zwei Gorillas, wie ich sie immer nannte, weil die beiden Männer, die auf ihn aufpassten geradezu wie welche aussahen, standen rechts und links neben ihn.
Zögernd setze ich mich aufs Sofa und bediente mich bei den Süßigkeiten, die auf dem Tisch standen.
“Du wolltest mich sprechen?“, fragte ich, nachdem ich die erste Fuhre vernascht hatte.
“Es geht um einen Serienmörder. Die Polizei hatte nicht genügend Beweise, um ihn länger im Gefängnis halten zu können. Oder aber den seine Leute hatten zu viel Geld“, fing Balthasar an zu erklären.
Währenddessen kam Crazy mit Bildern von dem Mann, die er mir reichte.
“Nur… wirst du dieses Mal die Sache nicht alleine erledigen“, fügte Balthasar hinzu.
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, sprang ich auf und protestierte:
“Ich arbeite mit Niemandem zusammen!“
“Dieses Mal schon!“, brüllte er mich an,
“Die Sache ist zu gefährlich!“
“Ich arbeite immer allein!“, kam es von mir zurück.
*-*-*
Während Angeal zu unserem Freund Sephiroth gegangen war… das wusste ich, denn da „heulte“ er sich immer aus, wenn ich mal wieder so böse zu ihm war…. tze…
Nach der angenehm warmen Dusche, verließ ich das Bad, zog mich im Schlafzimmer wieder an und gönnte mir erst mal was zu essen.
Danach schnappte ich mir mein Schwert und verließ die Wohnung ebenfalls wieder. Was sollte ich auch allein dort?
So streifte ich durch die Stadt… eben wie immer…. und achtete nicht so genau auf irgendwas, was eigentlich sehr untypisch für mich war, aber im Moment hatte ich andere Sachen im Kopf.
Zwischen Angeal und mir lief es doch schon ewig nicht mehr so gut und wir hatten auch schon seit… Monaten nicht mehr miteinander geschlafen… was mir auch langsam zu Kopf stieg.
*-*-*
Genervt setzte ich mich wieder und griff erneut zu den Süßigkeiten.
Dann stand ich auf, rückte meine Dolche zurecht und sagte:
“Ich denk drüber nach!“
“Spätestens Morgen Abend will ich bescheid wissen“, zischte Balthasar mir hinterher.
Wütend ließ ich die Tür hinter mir zuknallen und stapfte Richtung Einkaufsladen.
Ich arbeitete immer alleine! Das wusste er ganz genau. Warum holte er dafür Niemand anderen?
Er musste sich schon mehr einfallen lassen, als mich mit Süßigkeiten zu bestechen.
Wütend holte ich mir einen Einkaufswagen und ließ ihn vor mir herrollen. Natürlich landete viel zu viel Süßkram darin, doch das brauchte ich jetzt um meine Nerven zu beruhigen.
An der Kasse hatte ich nun wirklich keine Lust zu flirten, obwohl ein echt süßer Typ abkassierte.
Gedanklich war ich am Kämpfen, denn eigentlich brauchte ich das Geld. Balthasar würde bestimmt viel springen lassen, wenn es so ein übler Kerl war, den wir da hinrichten sollten.
Doch wer war eigentlich wir? Hätte er mir nicht wenigstens sagen können mit wem ich zusammen arbeiten sollte? War es nur eine Person oder handelte es sich dabei um mehrere?
*-*-*
Angeal war bei Sephiroth, als dieser einen Anruf von Shinra bekam.
„Ja, wir sind gleich da.“, antwortete Sephiroth.
„Ja, ja, wir kommen alle drei.“, stimmte Sephiroth zu und legte dann auf.
„Tja, dann ruf ich am besten mal Genesis an, oder.“, meinte Angeal.
„Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee ist.“, widersprach Sephiroth.
„Er wird aber mitkommen müssen, sonst wird Lazard sauer.“
„Ich rufe ihn an.“, bestimmte Sephiroth, nahm dann schon das Handy in die Hand und suchte die Nummer seines Freundes raus, dann drückte er auf den grünen Knopf und hielt sich das Handy an sein Ohr…. es klingelte…
Ich war gerade noch so am Überlegen, als mich dieses verdammte Handy störte.
Ich nahm ab und meldete mich:
„Wer nervt?“
„Genesis, Sephiroth hier, du kommst sofort zu Shinra.“
„Wofür soll das gut sein?“
„Weil wir wohl mal wieder einen Auftrag haben werden.“
„Wenn es denn sein muss…“, kam es von mir, dann legte ich auf und begab mich zum Hauptgebäude von Shinra.
Dort traf ich auch gleich auf Angeal und Sephiroth, die ich beide aber ignorierte und mich zum Büro von Direktor Lazard begab.
Meine „Freunde“ folgten mir, dann hörten wir uns an was wir nun wieder tun sollten.
„Hört zu: Es geht um einen Serienmörder und ihr werdet mit jemanden zusammenarbeiten.“
Ich gab mich eher uninteressiert. Und wand mich ab.
„Ähm… Genesis, hörst du mir zu?“
„Ja…“, erwiderte ich genervt und rollte mit den Augen.
„Gut, ihr habt mich verstanden?“
„Ja.“, kam es von Angeal.
„Das muss ja ein ziemliches Früchtchen sein, wenn wenn nun schon mehrere Leute auf den angesetzt werden müssen.“, meinte ich amüsiert darüber, dass man uns drei nun schon anforderte… obwohl einer ja wohl auch ausgereicht hätte.
*-*-*
Kaum war ich zu Hause angekommen, ging auch schon mein Handy. Doch als ich sah, wer mich anrief, ging ich nicht dran.
Er hatte doch gesagt, ich hätte bis morgen Abend zeit. Warum also nervte er jetzt?
Nach einigen Klingeln, hörte es endlich auf, doch läutete es dann an der Tür.
Wer war denn das nun wieder? Konnte man nicht einmal seinen Einkauf in Ruhe wegräumen?
Erst einmal nahm ich mir noch ein leckeres Eis aus der Packung, die ich dann in den Froster schob. Dann öffnete ich die Tür und wurde auch schon rechts und links an den Armen gepackt.
Balthasars Gorillas hatten mich gepackt und schon saß ich bei Balthasar im Auto. Wenn ich es nicht gewollt hätte, sehen die zwei nicht mehr aus wie Gorillas, sondern eher wie Mäuse.
Aber was ließ man nicht alles mit sich machen, wenn es um ein bisschen Geld ging.
Ich rückte meine Kleidung zurecht, fing an mein Eis genüsslich zu lutschten und schaute Balthasar an.
Dem wurde es ganz schön heiß in seinem Anzug und er musste sich untenherum ein wenig zu Recht zupfen.
“Du sagtest ich hätte bis morgen Zeit!“, fauchte ich ihn an und leckte weiter an meinem Eis.
“Es drängt doch etwas. Wir werden jetzt direkt zu Shinra fahren zu Direktor Lazard!“, bekam ich als Antwort und merkte wie Balthasar die Schweißperlen auf der Stirn standen.
“Lerne ich dann auch kennen, mit wem ich zusammenarbeiten soll?“, fragte ich schnippisch.
“Sicher!“, nickte mein Gegenüber und schaute genüsslich zu, wie ich mein Eis verschlang.
*-*-*
„Gibts noch was, oder kann ich jetzt wieder gehen… ich halts hier echt nicht aus.“, giftete ich Lazard an und zeigte dabei nickend auf meine beiden Freunde.
„Nein, du kannst jetzt nicht gehen, Genesis. Ihr werdet gleich denjenigen kennen lernen, mit dem ihr bzw. du zusammenarbeiten sollst.
„Tze… was geht es mich an. General Sephiroth ist doch eh viel stärker als ich oder Angeal… warum schicken sie diese verwöhnte Memme nicht… der kann das doch so gut.“, wurde ich nun zynisch.
„Weil wir dich gern dabei hätten und weil Sephiroth eigentlich nach Nibelheim müsste… und Angeal müsste eigentlich nach Wutai. So bleibst eigentlich nur du übrig.“
„Interessant… und warum mussten dann wir drei hier erscheinen?“
„Eben weil ich euch die Aufträge erteilen musste.“
„Und wer soll das sein, mit dem ich zusammenarbeiten soll?“
„Du wirst ihn gleich kennen lernen, Genesis.“
„Na toll…“, erwiderte ich und setzte mich demonstrativ und mit verschränkten Armen in einen Sessel, der an der Wand stand und schlug die Beine übereinander.
Derweil bekamen Sephiroth und Angeal noch weitere Instruktionen von Lazard. Ich musste grinsen, als ich sah, wie sehr sich mein Freund langweilte, denn er besah und polierte sich seine Fingernägel, während Angeal, wie immer, pflichtbewusst zuhörte.
Shinra wusste ganz genau, dass sie auf uns nicht verzichten konnten… nur wir Drei gehörten zur Elite… deshalb konnten wir uns auch alles erlauben…
*-*-*
Als wir bei Shinra ankamen und wir aus dem Auto ausstiegen, wurden wir auch gleich abgefangen.
Ich war überrascht wie gut hier alles bewacht und wie atemberaubend schön es hier war.
Balthasar bemerkte meine Blicke und lächelte mich an:
“Shinra ist der Hauptsitz eines Megakonzerns, es ist quasi eine Hochburg. Sie beschäftigen sich überwiegend mit der Waffenforschung. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie von deinen Dolchen beeindruckt sind. Schließlich handelt es sich hierbei um Handarbeit und Einzelstücke.“
Zustimmend nickte ich, hatte dem aber nichts hinzuzufügen.
Kurz bevor wir einen Raum betraten, mussten die Gorillas, sowie auch ich unsere Waffen ablegen.
Mir passte es gar nicht, so unbewaffnet in einer fremden Umgebung zu sein, doch Balthasar hatte Vertrauen zu diesen Menschen, also versuchte ich den auch zu haben.
Es wurde an der Tür geklopft, dann ging der junge Mann mit unseren Waffen vor in den Raum und legte diese auf den Tisch.
Balthasar folgte ihm, wieder rechts und links einen seiner Gorillas. Ich bildete das Schlusslicht und schaute mich auch gleich im Raum um.
Da ich ein fotografisches Gedächtnis hatte, prägte ich mir schnell alles ein. Jede Fluchtmöglichkeit, sowie die Anzahl der Personen hatte ich schnell ausfindig gemacht.
*-*-*
Die Zeit schien zu einer Ewigkeit zu werden, als ich hier sitzen und warten musste. Dann jedoch öffnete sich die Tür und irgendwelche Kerle betraten den Raum.
Na, das konnte ja heiter werden… welcher von denen es wohl war, mit dem ich zusammenarbeiten musste?
Noch regte ich mich nicht und sah uninteressiert weg, Angeal stand stramm vor Lazard und Sephiroth hatte sich zwischenzeitlich in den anderen Sessel am Tisch gesetzt.
Lazard stellte uns dann vor, nachdem er alle begrüßt hatte:
„Willkommen bei Shinra. Ich bin Direktor Lazard und das da sind: Sephiroth Crescent, Angeal Hewley und Genesis Rhapsodos.“, und zeigte dabei nacheinander auf uns.
„Sephiroth muss leider nach Nibelheim, Angeal wird leider auch nicht verfügbar sein, denn er muss in Wutai einiges klären. Somit kann sie nur Genesis begleiten und ihnen helfen. Aber ich versichere ihnen, er wird seine Sache gut machen.“
Ich hörte seine Worte und hatte das Gefühl, dass der mich doch echt an die da verkaufen wollte und so langsam riss mir der Geduldsfaden… ich war ja eh schon nicht unbedingt der Geduldigste, aber ich hatte mir jetzt wirklich Mühe gegeben…. doch was Lazard da grad von sich gab, spottete jeder Beschreibung.
So stand ich wütend auf und zischte:
„Nein, danke… ich lasse mich nicht verkaufen!“, damit verließ ich wutentbrannt den Raum, hinter mir die Tür zuschlagend…
*-*-*
Auch Balthasar hatte uns vorgestellt:
“Mein Name ist Balthasar Krome, ich führe sozusagen die gute Mafia an. Wir kümmern uns um die Verbrecher, wo die Polizei machtlos ist. Das neben mir sind meine Bodyguards Ken und Kun. Hier haben wir unseren besten Mann Benjamin Casper, aber Casper reicht.“
Nachdem Genesis den Raum verlassen hatte, kam folgende Reaktion von mir:
“Fein, dann muss ich ja auch mit Niemandem zusammenarbeiten“, grinste ich Balthasar an und ging ebenfalls Richtung Tür.
Machte dann jedoch nochmal kehrt und nahm mir meine Waffen. Schon sah ich mich in mitten zahlreicher Waffen, die auf mich gerichtet waren.
Na, das hatte ich ja toll hinbekommen. Dabei wollte ich doch am Liebsten alleine arbeiten.
“Casper! Leg die Waffen hin!“, kam es befehlend von Balthasar.
Also legte ich meine Waffen wieder auf den Tisch, der vor mir stand. Ob ich wohl eine Chance gehabt hätte? Aber es sollten ja Freunde sein, da konnte ich doch nicht die Waffen erheben. Nur wollte ich die Erbstücke meines Vaters nicht hier zurücklassen.
Lord Elcasar Benjamin Casper war ein berühmter Mann. Er war in einem großen Kampf für das Gute gefallen und ich trug jetzt seine Waffen und durfte seinen Namen nicht beschmutzen.
Deshalb fügte ich mich dem Schicksal und willigte ein.
“Wenn ich diesen Serienmörder töten soll und es nur mit Genesis Rhapsodos tun kann. Dann ist es wohl eure Aufgabe ihn zu überzeugen. Ansonsten verschwende ich hier leider meine kostbare Zeit“, sagte ich an Lazard gerichtet.
*-*-*
Lazard nickte wissend und bat Sephiroth:
„Sephiroth, du gehst Genesis nach und redest mit ihm, dann bringst du ihn wieder her.“
„Warum ich? Angeal kann das doch viel besser, außerdem hab ich genug zu tun.“, meinte Sephiroth zickig und wand seinen Blick in Richtung seines Freundes.
Angeal nickte und bewegte sich in Richtung der Tür:
„Natürlich… General Sephiroth.“, meinte er gequält… wusste er doch, dass gerade Genesis eine richtige Zicke sein konnte… kannte er ihn doch gut genug.
Er verließ den Raum und traf Genesis im Vorraum an.
„Liebling, jetzt komm schon und mach hier keine Zicken. Du weißt doch, dass die ohne dich nicht auskommen.“
„Ach, soll ich mich echt weiter so behandeln lassen. Geh du doch mit, ich geh auch gern nach Wutai.“
„Befehl ist eben Befehl, da können wir nichts gegen machen. Und du bist eben der Stärkste.“
„Ja, nach General Sephiroth…. aber… okay… ich komm wieder mit rein… wenn es denn sein muss.“
„Danke.“
„Ja, ja, schon gut.“, erwiderte ich und betrat den Raum wieder… Angeal folgte mir.
Ich stellte mich dann vor den Schreibtisch, an dem Lazard saß und sah ihn gelangweilt an.
„Warum kann ich nicht nach Wutai gehen und Angeal geht mit?“, fragte ich meinen Vorgesetzten.
„Weil du nun mal der Stärkste bist, Genesis.“
„Ist das so…?! Dann sollte doch vielleicht die verwöhnte Memme da mitgehen… er ist doch eh besser als ich.“, zickte ich nun doch wieder herum, lenkte dann aber ein:
„Ja, ja, okay… ich geh mit.“
Lazard grinste nur dämlich….
„Mit wem hab ich denn das Vergnügen zusammen zu arbeiten?“, wollte ich nun doch wissen…. und hätte Lazard am liebsten eine reingehauen.
*-*-*
Ich schaute mir grinsend dieses herumgezicke an und nickte dann zustimmend.
“Scheinbar müssen wir zusammenarbeiten. Schön, dass es dir genauso stinkt wie mir. Nichts gegen dich, versteht sich. Nur arbeite ich normalerweise lieber allein“, stellte ich mich lächelnd vor.
“Mein Name ist Benjamin Casper, aber bitte nenne mich doch einfach Casper“, fügte ich hinzu und hielt Genesis elegant die Hand hin.
Ich verband nun mal nichts mit diesem Namen und auch wenn meine Waffen mir heilig waren, war es nicht um meines Vaters willen. Sondern weil ich sie zum Kampf brauchte. Leider wussten immer alle mich zuzuordnen, wenn sie den Namen hörten.
Mein Vater war nie für mich dagewesen, hatte immer nur gekämpft. Als meine Mutter leider viel zu früh starb, schob er mich von einer Pflegefamilie in die Nächste, da er keine Zeit für mich hatte.
Nur gut, dass ich das männliche Geschlecht bevorzugte und somit wohl nie Kinder haben würde, denen ich so ein schweres Schicksal zumuten konnte.
*-*-*
Unhöflich war ich ja nun nicht, also nahm ich die Hand meines Gegenübers, allerdings zog ich dabei meine roten Handschuhe nicht aus, und antwortete:
„Mich stört es nicht, mit jemandem zusammen zu arbeiten… denn normalerweise arbeite ich immer mit meinen beiden Freunden Angeal und Sephiroth zusammen… aber nun lässt es sich ja wohl nicht ändern.“, konnte allerdings mit dem Namen meines Gegenübers nichts anfangen.
„Mein Name ist Genesis Rhapsodos, aber Genesis reicht.“, fügte ich hinzu, entzog ihm aber meine Hand auch gleich wieder, wand mich dann an Lazard und fragte:
„Wann soll es denn losgehen und wohin?“
Sephiroth und Angeal hatten derweil den Raum verlassen und machten sich daran ihre Aufträge zu erfüllen.
Ich war mehr als nur unzufrieden und hätte hier am liebsten alles und jeden zerlegt.
Mich erstaunte es sowieso, dass sie mich so oft dabei haben wollten… hatte man mir nicht immer wieder zu verstehen gegeben, dass ich nur ein misslungenes Experiment der Shinra gewesen sei…
Sephiroth war ja das perfekte „Monster“, das sie kreiert hatten und Angeal…. er war ja ebenfalls perfekt… nur eben… ich nicht… na und… egal…
Ich fragte mich allerdings, ob die Welt davon wusste, was Shinra hinter den Kulissen noch so tat… außer sich mit der Waffenentwicklung zu beschäftigen… scheinbar nicht…
*-*-*
“Wenn ich darf, würde ich dir gerne diese Frage beantworten“, mischte sich Balthasar ein und nickte Lazard zu.
“Es muss so schnell es geht losgehen, da die Gefahr besteht, dass der Serienmörder Emo Kleid sich absetzt. Das Problem bei der Sache ist allerdings, dass wir nicht den genauen Aufenthaltsort kennen. Deshalb haben wir uns auch an euch gewandt, in der Hoffnung ihr könnt uns da helfen.
Das einzige was bekannt ist, von wem er abgeholt wurde. Ein bekannter Name, allerdings ein kleiner Fisch: Anton Föhn“, fuhr er fort.
Ich nickte, als ich den Namen hörte. Das er da mit drin steckte war sehr verwunderlich, da er bisher nur kleinere Straftaten begannen hatte.
“Na ja, und dass es in Richtung Süden ging, konnten wir auch noch herausbekommen…“, kam es noch von Balthasar und dann konnte man spüren wie unangenehm es ihm war, dass er nicht mehr Informationen hatte.
Aber der Typ konnte sich doch nicht einfach in Luft aufgelöst haben. Balthasar hatte doch überall seine Leute sitzen und sogar zu so einem großen Unternehmen wie Shinra hatte er Kontakt.
Irgendetwas kam mir da mehr als Merkwürdig vor.
*-*-*
Nach dieser Erklärung, hatte Lazard schon in seinem PC nachgesehen und auch seine anderen Leute kontaktiert. Er nickte, als er die Informationen scheinbar auf dem Bildschirm hatte.
„Also hört zu: Emo Kleid befindet sich am hiesigen Bahnhof, ihr müsst euch wirklich beeilen. Genesis, du weißt was du zu tun hast.“
Ich nickte nur und verließ das Büro auf dem schnellsten Wege… an Casper hatte ich gar nicht mehr gedacht. Ich war es eben gewohnt loszugehen, wenn es sein musste. Der Bahnhof war nicht sehr weit vom Shinragebäude entfernt… wie blöd musste man sein, um ausgerechnet von dort losfahren zu wollen.
Draußen angekommen, ließ ich meinen schwarzen Flügel erscheinen, erhob mich in die Luft und wartete doch noch auf Casper.
Au man, ich hätte schon längst weg sein können…
*-*-*
So schnell konnte ich gar nicht schauen, da war Genesis schon aus der Tür raus. Ich schaute fragend Balthasar an, doch der nickte nur bestätigend. Dann nahm ich meine Waffen an mich, schon auf eine erneute Reaktion gefasst, die aber ausblieb. Schnell steckte ich sie in die dafür vorgesehenen Fächer an meinem Gürtel und flitze Genesis hinterher.
Draußen angekommen staunte ich nicht schlecht, als ich Genesis‘ Flügel sah. Wie schön das aussah, beinahe wie ein Engel. So würde er viel schneller sein, als ich oder aber ich dürfte bei ihm mitreisen.
Dabei mochte ich fliegen nicht besonders, aber es musste eben schnell gehen.
“Du kannst fliegen?“, frage ich, obwohl es überflüssig war.
Eher diente es der Tatsache, dass ich es nicht konnte und ich mir nicht sicher war, ob Genesis mich sympathisch fand.
*-*-*
„Ja, ich kann fliegen und da du es scheinbar nicht kannst… komm schon, ich nehm dich mit.“, antwortete ich Casper.
Diese Reaktion war mir ja nicht neu… so was kam öfter.. auch bei Angeal, mit seinem weißen Flügel und bei Sephiroth, der ebenfalls einen schwarzen Flügel, wie ich, hatte.
Ich schnappte ihn mir, hielt ihn am Bauch fest und flog auch schon davon. Per Luftlinie war es nicht sehr weit bis zum Bahnhof von Midgar, kurz davor landete ich gekonnt und stellte Casper wieder auf dem Boden ab.
„Schh… leise…“, flüsterte ich beinahe unhörbar.
Ich schlich mich um die Ecke und riskierte einen vorsichtigen Blick… dann sah ich den Typen auch schon… der anscheinend auf den Zug wartete.
Fies grinsend deutete ich Casper, dass der Typ da war und wir ihn uns jetzt schnappen könnten.
*-*-*
Der Flug ging schneller vorbei, als ich befürchtet hatte und schon waren wir am Bahnhof. Der Serienmörder schien dort zu sein, wie mir Genesis deutete. Ich schloss die Augen und sammelte mich, wie ich es meistens vor einem Kampf tat. Dann flüsterte ich zu Genesis:
“Wie ist es dir lieber leise mit anschleichen oder laut und direkt?“
Dabei grinste ich ihn an, zog eine Augenbraue hoch und schaute in seine schönen türkisfarbenen Augen. Leise zog ich meine Klingen und stand Kampfbereit da.
*-*-*
Ich grinste ihn ebenfalls an und meinte flüsternd: „Wir schleichen uns an… und nutzen den Überraschungseffekt.“ und sah auch in seine smaragdgrünen Augen, doch ließ ich mich nicht beirren, auch wenn ich seinen Blick mir gegenüber bemerkt hatte… dafür hatte ich jetzt keine Zeit…
Leise schlich ich mich noch etwas um die Ecke, an der Wand lang, nur noch wenige Meter, dann hatte ich ihn erreicht.
Fies und sehr gemein grinsend, hielt ich ihm blitzschnell mein rotes Rapier an den Rücken und meinte: „Hier endet deine Reise, Freundchen. Nur eine falsche Bewegung und ich schneide dich in Stücke…“, drohte ich diesem miesen Kerl… und winkte unauffällig Casper zu mir heran…
*-*-*
Der Typ war bewaffnet und das nicht zu knapp und er wusste sich auch noch zu verteidigen. Eine riesiges Schwert kam zum Vorschein und es haute gegen Genesis Rapier. Wie hatte er sich so schnell umdrehen können?
Blitzschnell war auch ich zur Stelle und es begann ein wilder Kampf zwischen dem Mörder und uns. Meine Dolche schwingend wehrte ich die Angriffe gekonnt ab, konnte jedoch keinen richtigen Gegenschlag erzielen. Aus irgendeinem Grund war er megaschnell, als wäre ein Geist von ihm besessen.
Jetzt wusste ich jedenfalls, warum keiner von uns alleine ihn ausschalten sollte. Bei dem sommerlichen Wetter kam ich richtig ins schwitzen, obwohl ich nur ein Shirt und eine Jeans trug. Außerdem ging mir so langsam die Puste aus, obwohl ich sonst auch viel Sport betrieb.
Mir war, als sog er meine Kräfte mit jedem weiteren Hieb in sich auf.
*-*-*
So was wie diesen Typen war ich gewohnt… okay, er war sehr schnell aber nicht unbedingt gut trainiert. Casper hatte scheinbar ziemlich zu kämpfen… na gut, es war ja auch sehr warm heute… ein Wunder, dass ich nicht zu schwitzen begann, bei dem was ich alles anhatte. Aber er kämpfte sehr gut, wie ich feststellte.
Gekonnt schlug ich mit meinem Schwert ebenfalls auf ihn ein, drehte mich dann blitzschnell, vollführte eine Attacke mit der, der Typ nicht gerechnet hatte und die wohl für das menschliche Auge etwas zu schnell gewesen wäre, dann lag er vor mir auf dem Boden.
Ich entwaffnete ihn und hielt ihm mein Schwert an den Hals… bereit zuzustechen. Er konnte sich nicht mehr rühren… zu schwer hatte ich ihn, mit der Attacke verletzt. Ich sah Casper an und meinte:
„Hier, er gehört dir.“, hielt diesen Typen aber noch immer mein Rapier an die Kehle…
*-*-*
Ich war sehr erstaunt, was Genesis alles drauf hatte. Nickend holte ich mit meinen Dolchen aus und machte kurzen Prozess mit dem Serienmörder. Die Polizei müsste sich mit den Überresten zufrieden geben.
Dann grinste ich Genesis an, denn es hatte mir Spaß gemacht mit ihm zu kämpfen und das wollte schon was heißen.
“Gehen wir noch was kaltes Trinken?“, fragte ich ihn deshalb.
Darauf hatte ich jetzt am meisten Lust, auf eine kühle Erfrischung. Unser Auftrag war schließlich erledigt und ein kurzer Anruf bei Balthasar würde reichen und es kümmerte sich jemand um die Sauerei hier.
*-*-*
Ungerührt sah ich zu, wie Casper diesen Typen so halbwegs in Stücke schnitt. Zufrieden sah zu dem Leichnam herab und wand mich dann Casper zu: „Ja, okay, gehen wir was trinken.“, willigte ich ein.
Angeal war eh nicht da… der hatte ja zu tun und ich hatte jetzt nichts weiter vor.
„Gehen wir in die Loveless Chaussee, da gibt es eine hübsche kleine Bar… wird dir gefallen.“, meinte ich und fügte hinzu, „Du kämpfst sehr, sehr gut… mein Kompliment.“, lobte ich Casper… und das sagte ich bei weitem nicht jedem.
Okay, an Sephiroth kamen wir beide nicht heran… aber der war ja eh der General und hielt sich für etwas Besseres. Obgleich er mein Freund war, betrachtete ich ihn immer wieder als Rivalen.
*-*-*
Ich nickte nur über das Lob, denn das hatte ich schon öfters gehört. Nur fragte ich mich, warum Balthasar unbedingt wollte, dass wir zu zweit arbeiteten. Genesis hätte diesen Typen doch locker alleine platt machen können.
Während ich Genesis zu der Bar folgte, kramte ich mein Handy raus und rief Balthasar an:
“Er ist erledigt. Ihr solltest schleunigst aufräumen, sieht nicht schön da aus!“
Dann legte ich auf, denn mehr hatte ich ihm jetzt nicht zu sagen. Nebenbei musterte ich Genesis, er war ein hübscher junger Mann und gefiel mir sehr. Ob da wohl mehr ging? Das würde sich vielleicht im Laufe des Abends herausstellen.
Es war wirklich unbarmherzig heiß heute und die Sonne schien noch immer. Die Erfrischung würde uns beiden sehr gut tun.
*-*-*
Ich führte Casper in die Bar und hörte auch, was er zu diesem Balthasar sagte… na ja, er hatte stark untertrieben, aber egal… der Typ gehörte der Vergangenheit an, basta. In der Bar angekommen, wurde ich sogleich von der Kellnerin freudig begrüßt.
„Genesis…“, quietschte sie, kam auf uns zu und umarmte mich, dann begrüßte sie auch meinen Begleiter zunächst nur mit einem Nicken, während sie mich förmlich anhimmelte… aber das war ich von ihr ja schon gewohnt, denn das tat sie immer.
Es war so, als würde sie jeden Moment in Ohnmacht fallen und als wäre ich ein Superstar.
„Hallo Tifa.“, begrüßte ich sie ebenfalls und ließ es mir gefallen, dass sie meine rechte Wange sanft streichelte.
Wir kannten uns schon sehr lange und wir waren wirklich die besten Freunde. Mich störte es nicht, es hob vielmehr mein Selbstbewusstsein noch ein wenig… außerdem war es schön zu wissen, dass man seine Fans oder auch Freunde hatte und irgendwie gemocht wurde.
„Wer ist denn deine Begleitung, Genesis?“
„Darf ich vorstellen: Das ist Casper.“
„Hallo Casper. Mein Name ist Tifa.“, begrüßte sie nun auch ihn, dann fragte sie mich:
„Und was kann ich für euch tun?“
„Hast du was Kaltes zu trinken da? Und ein ruhiges Plätzchen wäre auch nicht schlecht.“
„Du bekommst alles was du willst, mein Lieber.“, meinte sie und brachte uns an einen Tisch, wo wir ungestört waren und wo es einigermaßen kühl und erträglich war.
„Danke Tifa.“, bedankte ich mich und schenkte ihr ein Lächeln.
„Für dich immer, Genesis. Was wollt ihr denn trinken?“
„Also ich nehme ein Mineralwasser.“, bestellte ich und sah dann Casper an.
Auch Tifa sah Casper an und wartete auf seinen Bestellung.
*-*-*
Ich nickte Tifa ebenfalls zu, als sie mich begrüßte. War sie etwa Genesis‘ Freundin? So wie sie sich ihm gegenüber verhielt, kam es mir jedenfalls so rüber.
Hatte er mich deshalb hierher gebracht? Wollte er mir damit zeigen, dass er vergeben war und ich keine Chance hätte? Freundin hin oder her. Mein Kampfgeist war geweckt und ich wollte ihn um jeden Preis!
“Ich nehme auch erst mal ein gekühltes Mineralwasser mit einer Zitronenscheibe, bitte“, bestellte ich mein Trinken.
Schließlich war es noch früh und für etwas anderes wäre später noch Zeit genug. Als Tifa dann ging, schaute ich Genesis an.
“Du bist wohl öfter hier“, lächelte ich ihn an.
Dabei lehnte ich mich zurück und genoss es jetzt zu sitzen.
“Das mit dem Kämpfen machst du also schon länger?“, fragte ich anschließend ganz ungeniert.
Dabei musterte ich ihn ausführlich und bemerkte seinen tollen Körperbau. Er war heiß! Gezielt lächelte ich ihn an und fing langsam an ein wenig mit ihm zu flirten.
*-*-*
Grinsend sah ich Tifa nach, dann wand ich mich meinem Gegenüber zu und antwortete:
„Ja, hier bin ich sehr oft… zumindest so oft es meine Zeit zulässt. Ich mag die Gegend hier sehr und auch Tifa, wir sind seit sehr langer Zeit die besten Freunde und sie hat mir schon sehr oft geholfen.“
Ich machte eine Pause, sah kurz aus dem Fenster und beantwortete seine Frage:
„Ja, das mit dem Kämpfen… hmm… mache ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit und nebenbei muss ich aber auch noch lernen.“
Während ich ihm das alles erzählte, bemerkte ich natürlich seinen Blick. Er schien mich zu mustern. Mir war es allerdings unangenehm und ich sah einen Moment aus dem Fenster, bevor ich meinen Blick ihm wieder zu wand.
Mit einer leichten Röte im Gesicht, bemerkte ich, dass er nun auch noch mit mir zu flirten begann. Ich erwiderte den Flirt und machte mit, nachdem ich nur einen Moment an Angeal gedachte hatte.
Ich wusste, dass wir uns demnächst trennen würden, da ja zwischen uns kaum oder gar nichts mehr lief und ich schon viel zu lang auf Zärtlichkeiten verzichten musste…. und somit auf Entzug war.
So kam mir dieser Flirt von Casper gerade recht… auch wenn ich mich jetzt wieder wie ein Teenager fühlte.
*-*-*
“Ach, sie ist nur eine Freundin. Ich dachte schon sie wäre deine Freundin“, sprach ich das Thema direkt an und zeigte meine Freude darüber.
Zaghaft lege ich meine Hand auf die seine und lächelte Genesis an. Natürlich hatte ich seine Röte im Gesicht bemerkt, was ich nur zu niedlich fand.
“Du musst lernen?“, fragte ich dann ganz interessiert,
“Was lernst du denn?“
Er war also nicht nur hübsch, sondern hatte auch noch was im Kopf. Diese Kombi fand man leider viel zu selten. Ich hingegen hatte meine Schule früh abgebrochen und hielt mich dank meiner Kampfkunst mit Aufträgen von Balthasar über Wasser.
In der Schule war ich nie gut gewesen, wohl auch weil mein Familiäres Umfeld dazu beitrug.
*-*-*
„Wie, du hast echt gedacht, dass sie meine Freundin wäre? Herrje, das würde mir auch noch fehlen.“, entrüstete ich mich gespielt zickig.
Dann bemerkte ich seine Hand auf meiner, was mich noch etwas mehr erröten ließ, aber zum Glück trug ich ja noch immer meine roten Handschuhe, die ich in der Öffentlichkeit niemals ablegte.
Gewohnheitssache eben. Natürlich war ich versucht ihm meine Hand wieder zu entziehen, aber diese Berührung fühlte sich, trotz der Handschuhe, viel zu gut an, so dass ich meine Hand dort liegen ließ.
Sein Lächeln… ein gewinnendes Lächeln… erwiderte ich zögernd und fragte mich schon, wo Tifa mit den Getränken blieb… Ablenkung konnte ja nicht schaden.
„Ich studiere Geschichte und Literatur, an der Uni, hier in Midgar.“, beantwortete ich die nächste Frage meines Gegenübers.
Endlich kam Tifa an unseren Tisch und stellte die gewünschten Getränke vor uns auf den Tisch.
„Danke Tifa, du bist ein Schatz.“, meinte ich zu ihr und zwinkerte ihr zu, so dass sie nun auch ein wenig rot im Gesicht wurde, was mich grinsen ließ.
Auch wenn sie meine beste Freundin war, so neckte ich sie gern mal und tat so als würde ich mit ihr flirten… und sie fiel immer wieder drauf herein, obwohl sie genau wusste, dass ich mich nur für das männliche Geschlecht interessierte.
*-*-*
Auch ich bedankte mich, als Tifa mit den Getränken kam und nahm direkt einen großen Schluck. Ein wohliges Seufzen kam über meine Lippen, denn das tat mehr als gut. Als die Bedienung gegangen war, griff ich das Thema wieder auf:
“Geschichte und Literatur, wow. Was willst du denn mal werden, wenn ich fragen darf? Oder steht das noch nicht fest?“
Genesis gefiel mir immer mehr und ich wüsste zu gerne, wie er ohne seine Kleidung aussah. So machte er schon eine tolle Figur, wie würde er erst auf mich wirken, wenn er nackt wäre.
Wieder lächelte ich ihn an und strich sacht mit meiner Hand über die seine. Oder zumindest über den Handschuh.
*-*-*
Nachdem Tifa wieder verschwunden war und sich nun um die anderen Gäste kümmerte, nahm auch ich einen Schluck meines Getränks und stellte das Glas wieder hin.
„Was ich mal werden will, weiß ich noch nicht. Es sind erst mal nur Fächer, die mich sehr interessieren.“
Man, war ich froh, dass ich mich noch so einigermaßen unter Kontrolle hatte, denn so wie seine Hand über meine Hand strich, das war einfach zu schön und ich genoss es nun sichtlich… zu sehr hungerte ich schon nach Zärtlichkeit und der Entzug machte sich so langsam bemerkbar.
Ich spürte förmlich wie mein Gesicht glühte, wenn er mich so mit seinen wunderschönen Augen ansah… diese Augen in denen man sich verlor, wenn man nicht aufpasste…
Für mich war es allerdings schon zu spät… ich versank bereits in unendlichen Tiefen seiner smaragdgrünen Augen.
*-*-*
“Verstehe“, antwortete ich Genesis und rückte ein wenig näher an ihn heran.
Eigentlich wäre mir eine andere Atmosphäre lieber, wo man etwas ungestörter war.
“Magst du gleich noch ein wenig mit zu mir kommen?“, fragte ich deshalb direkt,
“Wir könnten unser Gespräch noch etwas vertiefen!“
Damit meine ich selbstverständlich nicht das Gespräch, sondern vielmehr andere schöne Sachen, die man miteinander machen konnte. Es trieb mich dieses Mal nicht nur die Lust, doch das war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich bewusst.
Neugierig schaute ich ihn weiterhin an und wartete ungeduldig auf eine Antwort.
*-*-*
Was er mit „das Gespräch vertiefen“ meinte war mir auch klar, dumm war ich ja nun nicht… ich kannte solche Sprüche nur zu gut und doch sah ich kurz zum Fenster… nachdenklich… sollte ich mich wirklich darauf einlassen?
Ich hatte Angeal noch nie betrogen, zudem war er der einzige mit dem ich bislang zusammen war. Sicher, ich hatte so einige Verehrer und Verehrerinnen… unter ihnen Tifa und… Sephiroth.
Aber in Tifa sah ich eher eine Schwester… sie war für mich wie eine große Schwester und Sephiroth war mir zu arrogant. Aber Casper… er hatte etwas an sich… das mich anzog und mich doch verunsicherte. Was wäre denn, wenn ich mit ihm ginge und ich wusste genau, was passieren würde, dazu war ich viel zu ausgehungert, um es dann nicht zulassen zu können.
Was würde er von mir denken, ginge ich mit ihm? Würde er denken, dass ich es sofort mit jedem trieb, der mir Avancen machte? Ich konnte nicht anders und nickte einwilligend.
„Gut, gehen wir zu dir.“, antwortete ich kleinlaut und ziemlich schüchtern… ich war eben kein Draufgänger.
Ich winkte noch Tifa zu mir heran und sie erschien sogleich an unserem Tisch.
„Ich zahle die Getränke.“
Tifa grinste mich an, als sie sah, dass ich leicht errötet und nervös war. Ich zahlte die Getränke dann und stand auf. Dann sah ich Casper an und lächelte schüchtern.
*-*-*
Als Genesis zustimmte, freute ich mich sichtlich und lächelte ihn an. Sicher wusste ich, wie ich wirkte, doch war ich mir nicht sicher, ob er zustimmen würde.
“Danke“, sagte ich, als er mich auch noch einlud.
Dann stand ich ebenfalls auf und begleitete ihn hinaus. Meine Wohnung war nicht direkt um die Ecke, aber mit Genesis Flügel wären wir schnell da, oder aber wir würden ein Taxi nehmen.
Ich sagte ihm wo ich wohnte und fügte fragend hinzu:
“Fliegen oder lieber ein Taxi?“
Es musste großartig sein, so von einem Ort zum nächsten kommen zu können. Nur mochte ich fliegen nicht besonders und hoffte ein wenig aufs Taxi.
*-*-*
Ob meiner leichten Aufregung, hätte ich jetzt eh nicht fliegen können, also meinte ich:
„Nehmen wir lieber das Taxi.“, verschwieg Casper aber wohlweislich warum ich jetzt doch lieber das Taxi wollte.
Und ich war schon ziemlich aufgeregt und… angespannt. Was war ich gerade im Begriff zu tun? Wieder dachte ich an Angeal, aber daran, dass er mich schon SO lange auf Entzug gesetzt hatte… war er dann nicht selbst schuld, wenn ich ihn jetzt betrog?
Ich wusste, dass es nicht richtig von mir war, aber… ich bin auch nur ein Mann und habe auch nur Gefühle, gegen die ich mich nicht ewig zur Wehr setzen kann. Außerdem war er jetzt eh auf Mission und das konnte dauern.
Ich rief also das Taxi, setzte mich hinein und sagte dem Fahrer wohin es gehen sollte. Nachdem Casper nun auch in dem Taxi saß, fuhr das Taxi direkt los, zu der angegebenen Adresse.
Während der Fahrt versuchte ich mich gedanklich abzulenken, aber ohne dass es bemerkt werden konnte. Nach Außen hin gab ich mich weiter so, wie Casper mich kennen gelernt hatte.
*-*-*
Im Taxi sitzend, rückte ich näher zu Genesis ran und legte meinen Arm ein wenig um ihn. Was in ihm vorging ahnte ich nicht und so tastete ich mich langsam an ihn heran.
“Netter Mantel“, lächelte ich und streichelte sanft darüber, wobei meine Hand wie von selbst auch in den Mantel hinein glitt und sanft auf seinem Shirt zu ruhen kam.
Wieder lächelte ich ihn an und schaute direkt in seine schönen Augen. Der Fahrer interessierte mich dabei wenig, sollte er doch sehen was wir taten. Im Gegenteil machte es mich doch noch ein wenig mehr an.
Genüsslich leckte ich mir über die Lippen, wollten meine doch so gerne die seinen schmecken und spüren – wissen wie sie schmeckten.
*-*-*
Oh je, was tat ich hier? Ich ließ es zu, dass mich Casper umarmte und genoss seine Hand auf meinem Körper, zwischen denen nur noch mein Shirt war. Obgleich meine Wangen zu glühen schienen… zumindest hatte ich das Gefühl… antwortete ich.
„Den Mantel habe ich selbst kreiert… er ist sozusagen mein Markenzeichen.“
Klar, wusste ich auch, wie dämlich das gerade klang, aber irgendwie war es mir gerade so ziemlich egal. Denn seine Augen… nahmen mich gefangen… hielten mich fest.
Ich konnte mich nicht mehr zur Wehr setzen und in nur einem unbedachten Augenblick schloss ich genießend die Augen und ergab mich diesen wunderbaren Gefühlen, die mir Casper gerade bescherte.
Es fühlte sich an, wie ein wahr gewordener Traum… Aber wenn sich das hier, für mich schon, wie ein Traum anfühlte… was würde ich dann fühlen, wenn es wirklich zum Äußersten käme?
*-*-*
Kaum hatte Genesis seine Augen geschlossen, konnte ich mich nicht mehr beherrschen und zog ihn ganz an mich heran, um ihn zu küssen.
Meine heißen Lippen legten sich auf die seinen und meine feurige Zunge bat um Einlass, indem sie zaghaft gegen seine Lippen stieß.
Meine Hand suchte derweil einen Weg unters Shirt, weil sie unbedingt seine weiche Haut spüren wollte. Ich wollte unbedingt wissen wie gut er sich anfühlte und ich konnte nicht länger warten. Von vorne kam ein lautes Räuspern, was ich aber gekonnt ignorierte. Der Fahrer sollte sich gefälligst auf die Straße konzentrieren und dafür Sorgen, dass wir schnellst möglich bei mir zu Hause ankamen.
Denn ich wollte jetzt nichts sehnlicher als Genesis Nähe zu spüren und ihn zu schmecken.
*-*-*
Meine Augen blieben geschlossen, auch als ich spürte, dass Casper mich küsste. Wie sehr hatte ich mich nach alledem gesehnt… wie lange hatte ich darauf nun schon verzichten müssen… nun bekam ich es und genoss ich es in vollen Zügen.
Meine sinnlichen Lippen öffneten sich wie von allein, als seine Zunge um Einlass bat und meine Zunge hieß seine in meinem Mund nur allzu willkommen. Sogleich verwickelte meine Zunge die seine in einen feurigen Kampf, den wahrscheinlich keiner von uns gewinnen würde.
Ich seufzte leise in den Kuss hinein, dann machten sich meine Hände selbstständig und begannen Caspers Körper sacht zu erkunden. Was ich spürte, fühlte sich einmalig an… besser als… ja …als Angeal…
Wie lange würde ich mich noch beherrschen können? Zu sehr sehnte ich mich nach Zärtlichkeit… Liebe… Geborgenheit… und… Sex. Allerdings ahnte ich, dass es hier wahrscheinlich nur beim Sex bleiben würde… denn alles andere, was ich mir wünschte und wonach ich mich sehnte, würde er mir wahrscheinlich nicht geben.
Er schien mir einfach nicht der Typ dafür zu sein…
*-*-*
Der Kuss schmeckte einmalig gut und als Genesis Hände meinen Körper berührten, hatte ich das Gefühl er würde Feuer fangen. So sehr erregte er mich. Ein genüssliches Brummen gab ich von mir und mochte mich gar nicht von ihm lösen, doch das Taxi hielt und der Fahrer räusperte sich erneut laut.
“Wir sind da!“, kam es von ihm.
Mich ungern von Genesis lösend, kramte ich nach dem Geld was der Fahrer bekam und gab ihm noch ein bisschen Trinkgeld. Ich konnte nämlich auch mal nett sein. Dann zog ich Genesis an der Hand haltend hinter mir her. Schloss die Haustür auf und zog ihn in den dunklen Hausflur.
Die Lampe brauchte ich gar nicht einzuschalten, da sie sowieso nicht ging und so drückte ich Genesis im Dunkeln gegen die Flurwand. Während ich den Knopf des Aufzuges drückte, küsste ich ihn erneut leidenschaftlich.
Als dann endlich der Aufzug da war, bekam ich es auch irgendwie hin die schwere quietschende Tür zu öffnen und zog Genesis mit hinein. Drinnen drückte ich den obersten Knopf und konnte mich nun kaum noch beherrschen.
Während meine Hände sich schon selbstständig machten und Genesis seinen Mantel aus zogen, hingen meine Lippen nicht nur an den seinen, sondern auch an seinem schönen Hals. Dort hinterließen sie kleine Male und eine feuchte Spur, die schon bis zu seinem Schlüsselbein ging.
*-*-*
Irgendwie bekam ich, trotz allem, mit dass das Taxi hielt und Casper mich in einen dunklen Hausflur zog. Er hielt mich mit seinen heißen Küssen gefangen und ich konnte mich nicht mehr wehren. Das Feuer der Leidenschaft hatte mich erfasst und ich erwiderte seine Küsse nur allzu gern und mindestens genauso leidenschaftlich.
Meine Hände glitten unter sein Shirt und berührten seine wunderbar straffe…. aber weiche Haut… streichelten sie zärtlich. Ich erkundete seinen wunderbaren durchtrainierten Körper, der mich fast wahnsinnig machte.
Kaum konnte ich es erwarten, ihm nahe zu sein… ihn zu spüren. Seine Lippen an meinem Hals hinterließen ein paar spürbare Male und die feuchte Spur, die er hinterließ, ließ mich leise aufstöhnen.
Nur allzu gern ließ ich mich von ihm schon so halbwegs ausziehen und so langsam spürte ich meine Erregung… die hart gegen meine enge Hose drückte…
*-*-*
Mit einem kräftigen Ruck hielt der Fahrstuhl und wieder hieß es, die schwere Tür zu öffnen.
Ich zog Genesis hinter mir her, fummelte zwischen ein paar Küssen nach meinem Schlüssel und schloss auch irgendwie auf.
Endlich hatten wir meine Wohnung erreicht und ich ließ die Tür hinter uns ins Schloss fallen. Außerdem landete Genesis Mantel auf dem Boden, ebenso sein Shirt. Denn jetzt wollte ich endlich seine weiche Haut spüren.
Noch im Flur stehend, ließ ich meine Zunge über seinen tollen Oberkörper gleiten und schaute ihn dabei direkt ins Gesicht. Dann suchte ich den Weg nach oben zu seinen tollen vollen Lippen und küsste ihn wieder leidenschaftlich.
Es fühlte sich so verdammt gut an mit ihm, so vertraut, als würden wir uns schon ewig kennen. Etwas war anders, als bei den anderen Sexpartnern. So viel intensiver! Auch ich zog mir mein Shirt aus und grinste ihn frech an.
Eine Augenbraue hebend, neckte ich ihn.
“Fang mich doch!“
Schon war ich verschwunden und rannte vor ihm davon. Das Gute bei diesem Spiel war, dass man in meiner Wohnung im Kreis laufen konnte, da der Flur zwei Eingänge hatte. Von dem einen kam man in die Küche, von der aus es ins Wohnzimmer und dann ins Schlafzimmer ging und wieder im Flur endete.
Nur zu gut, wusste ich vom Kampf, wie schnell er war. Also war es nur eine Frage der Zeit wann er mich einfing und in welchem Raum wir weiter machen würden.
*-*-*
Häää…? Was war denn nun los? Eben noch war ein leidenschaftliches Spiel im Gange und jetzt… Solche Spiele kannte ich nicht und musste mich erst mal wieder fangen… bevor ich ihn fangen konnte.
Während sich meine Erregung nun langsam wieder legte, checkte ich die neue Umgebung ab und hatte sehr schnell eine Ahnung was es mit dieser Umgebung auf sich hatte. Nachdem sich bei mir wieder alles gelegt hatte, dachte ich wieder an …Angeal und was ich im Begriff war zu tun… und es schien mir einfach nicht richtig… auch schien es mir nicht fair zu sein, wenn ich Casper im Unklaren ließ.
So zog ich mir mein Shirt und auch meinen Mantel wieder an und nahm die entgegengesetzte Richtung. So erreichte ich ihn sehr schnell, doch sah ich ihm nun ernst in die Augen, während ich sachlich mit ihm zu reden begann.
Denn alles was mich eben noch wahnsinnig gemacht hatte, war erst mal verschwunden.
„Casper, ich muss mit dir reden.“, begann ich, holte tief Luft und sprach dann weiter:
„Höre mir bitte zu: Ich kann das hier nicht… nicht bevor ich dir etwas gesagt habe. Ich bin eigentlich mit Angeal zusammen, aber… zwischen uns läuft seit Monaten nichts mehr… was auch der Grund dafür ist, dass ich sexuell so… ausgehungert bin. Ich werde mich demnächst von Angeal trennen… und ich wollte nur, dass du es weißt. Ich finde es nämlich nicht fair… würde ich dich jetzt ausnutzen.“
„Es tut mir leid.“, fügte ich hinzu und senkte dann meinen Kopf, den Blick zu Boden richtend.
*-*-*
Normalerweise hätte ich jetzt etwas gedacht wie: Was labert der mich mit so was zu. Ich will doch Sex und kein Seelentröster sein. Doch bei Genesis schien das anders. Es bewegte mich sehr, was er sagte.
“Weißt du, ich war auch nicht ganz ehrlich zu dir“, begann ich zu erklären,
“Ich habe fast jeden Abend einen anderen Typen im Bett. Auf der Suche nach Nähe und Sex. Doch am nächsten Morgen kann ich ihnen nicht mal mehr ins Gesicht schauen und schmeiße sie aus der Wohnung.
Die Meisten verstehen nicht, wieso ich so etwas beruflich mache. Sie kommen damit einfach nicht klar und deshalb habe ich auch fast nie eine Beziehung. Aber bei dir ist das alles irgendwie anders.
Sicherlich wollte ich Sex, aber irgendwie steckt bei dir mehr dahinter. Bitte glaube mir!“
Während ich Genesis reinen Wein einschenkte schaute ich ihm direkt ins Gesicht, doch als ich die nächsten Worte begann, senkte ich traurig den Blick.
“Vielleicht solltest du erst mal alles in Ruhe klären, was mit deiner Beziehung ist. Also mit Angeal reden, bevor wir irgendetwas fortsetzen…“
Es hatte sich alles so verdammt gut angefühlt, doch schien es mir der einzige vernünftige Ratschlag, den ich geben konnte. Warum nur hörte sich das so verdammt erwachsen an?
Eigentlich passte so was gar nicht zu mir.
*-*-*
Sehr traurig stellte ich fest, dass er tatsächlich so war, wie ich es mir gedacht hatte. Aber bei mir sollte es anders sein, wie er meinte.
„Angeal… ist jetzt eh auf… Mission, den erreiche ich jetzt nicht… ich habe ihn noch nie … betrogen… verstehst du. Ich will dir glauben und ich wünschte… ich hätte mich schon längst von ihm getrennt.
Aber ich weiß nicht, ob du… mir das geben kannst, wonach ich mich so sehr sehne… außer Sex. Liebe… Geborgenheit… und Zärtlichkeit… verstehst du das?“, antwortete ich leise, während sich auch schon die Tränen ihren Weg aus meinen Augen bahnten… was gut an meiner Stimme nun zu hören war.
„Verzeih mir… ich… sollte… wirklich… besser…“, ich konnte den Satz nicht zuende führen… viel zu schwer fiel es mir, das auszusprechen, so ließ ich ihn los und drehte mich um, sollte er doch meine Tränen nicht sehen… und machte mich auf den Weg in Richtung Ausgang…
*-*-*
Mir wurde ganz schwer ums Herz, als ich Genesis weinen sah.
“Nein! Geh nicht!… Bitte bleib doch einfach!“, sagte ich und umarmte ihn tröstend von hinten.
“Wir müssen ja nicht… könnten auch nur reden, oder aber schweigen und einfach nur kuscheln“, sagte ich zu ihm und merkte wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete mit jedem Wort was ich sprach.
Ich wollte nicht, dass er ging und wenn es nicht mehr werden sollte, so wollte ich wenigstens für ihn da sein und ihn trösten. Liebevoll aber zaghaft kuschelte ich mich von hinten an ihn und versuchte meinen Kloß hinunter zu schlucken.
“Wenn du magst… lass uns doch herausfinden, ob ich dir das geben kann… wonach du suchst…“, kam es stockend von mir und ich merkte, dass ich mein Herz schon lange an ihm verloren hatte.
Dabei kannte ich ihn doch kaum, wusste fast nichts von ihm. So etwas nannte man dann wohl Liebe auf den ersten Blick.
*-*-*
Sofort blieb ich stehen und spürte diese sanfte Umarmung von ihm. Ich wollte so gern bei ihm bleiben… ich wollte doch, verdammt noch mal, nicht gehen…
„In Ordnung… ich… gehe nicht… ich bleibe. Egal, was passiert.“, flüsterte ich ihm zu, drehte mich dann um und sah ihm einfach nur noch in die Augen, als wollte ich in seinen Augen lesen, dass er es ernst meinte.
Wie gern wollte ich ihm glauben und ich war nur allzu gewillt ihm zu glauben. Seine Augen sagten doch, dass er es ernst meinte und mein Herz glaubte es.
„Okay, dann lass uns gegenseitig herausfinden, ob wir uns das geben können, wonach wir suchen. Ich glaube einfach, dass das mit uns… funktionieren würde.“, fügte ich hinzu und nahm ihn dann sanft in meine Arme… drückte ihn sacht an mich und streichelte ihn.
Währenddessen kamen mir meine Lieblingsverse aus Loveless in den Sinn, die ich so gern und immer wieder zitierte… es auch jetzt leise und mit sanfter und gefühlvoller Stimme tat:
Wenn der Kampf der Bestien
das Ende der Welten einläutet,
wird die Göttin vom Himmel herabsteigen.
Die Schwingen des Lichts
und der Dunkelheit ausgebreitet,
wird sie uns führen zu Glück,
ihrem ewiglichen Geschenk.
Das unergründliche Geheimnis,
der Göttin kostbarstes Geschenk,
es suchend zogen fort drei Männer
doch Krieg ihr Schicksal anders lenkt.
Der erste ward ein Held, umjubelt.
Der zweite streifte frei durchs Land.
Der dritte aber ward gefangen,
durch seiner Feinde grausam Hand.
Und doch, die Bande ihrer Herzen,
sie lebten fort in einem Schwur,
zu finden einst der Göttin Gabe,
des Rätsels wahrhaft’ge Natur.
Dem Gefangenen gelingt die Flucht,
doch wird er schwer verletzt.
Eine Frau aus Feindes Reihen ist’s,
die unverhofft ihn pflegt und schätzt.
In trauter Abgeschiedenheit
beginnt ein neues Leben.
Ihr Glück scheint ewig, immerfort.
Wonach noch sollte er streben?
Doch wie die seel’ge Zeit verstreicht,
ein alter Schwur ihn Reue heißt.
Des Krieges Wirren täglich mehr,
der Welten Ende nahte.
Der Gefangene zog fort erneut,
zurück ließ er seine Angetraut‘.
Denn Hoffnung auf Glück ihn trieb,
den Schwur zu halten war ihm lieb.
Und auch wenn die zwei Liebenden
sich kein Versprechen gaben,
in ihren Herzen flammte Licht,
sich einst zurückzuhaben.
Es gibt keinen Hass, nur Freude.
Denn dir gilt die Liebe der Göttin.
Held des Anbeginns, Heiler der Welten.
Drei Freunde ziehen in die Schlacht.
Einer wird gefangen.
Einer fliegt hinfort.
Der dritte aber wird zu einem Helden.
Grausam ist das Schicksal, mein Freund.
Längst verloren sind Träume und Ehre.
Der Pfeil hat den Bogen der Göttin verlassen.
Meine Seele, verblendet von Rachedurst.
Endlose Qualen erlitt sie, um das Ende
der Reise in meiner Erlösung zu finden.
Und deinem ewigen Schlaf.
Vom Morgen träumt die zerbrochene Seele.
Ihrer Ehre beraubt, ihrer Flügel entrissen.
Das Ende ist nah.
Dies ist … das Schicksal eines Monsters.
Und ist der Morgen auch ohne Hoffnung,
nichts wird meine Rückkehr aufhalten.
Sehnt diese Welt meine Zerstörung herbei…
….dann geht sie mit mir.
Dann legte ich meinen Kopf vorsichtig auf seine Schulter und war mir sicher… ich würde Angeal für ihn verlassen und nichts würde mich davon abbringen. Mein Herz gehörte ihm und ich war bereit mich auf eine neue Liebe einzulassen…
*-*-*
Zaghaft nahm ich Genesis in die Arme und drückte ihn liebevoll an mich.
Ich wollte so vieles sagen und dennoch schwieg ich einfach. Zu schön waren die Zeilen, die er sprach, dass mir einfach die Tränen kamen.
Er roch so gut und ich fühlte mich so verdammt wohl bei ihm. Also stand ich einfach mit ihm so da und ließ die Zeit verstreichen, bis es draußen gegen das Fenster hagelte. Ein wenig wie in Trance war ich, so dass mich das zusammenzucken ließ.
“Wollen wir es uns ein wenig bequem machen?“, fragte ich unsicher.
Schließlich war ich mir nicht sicher, was er wollte und ob er auch hier übernachten würde, einfach so. Auf einmal kam ich mir vor wie ein Teenager bei seiner ersten Liebe. Mir fehlten die passenden Worte und richtig reagieren konnte ich auch nicht mehr. Es schien alles weg zu sein, was ich mir über Jahre angeeignet hatte.
Genesis stand vor mir. Ich hielt ihn sogar im Arm, nur war ich meiner nicht mehr mächtig. Es hatte mich eiskalt erwischt.
*-*-*
Nur ein wenig löste ich mich von ihm und sah ihm wieder in die Augen, als er mich fragte, ob wir es uns bequem machen wollten.
„Ja, gern… sehr gern.“, antwortete ich leise und gefühlvoll.
Angesichts des miesen Wetters… hörte ich es doch draußen hageln… hatte ich jetzt auch keine rechte Lust mehr raus zu gehen, so fragte ich schüchtern:
„Darf ich… bei dir bleiben und hier… übernachten?“ und sah ihn mit sehnsüchtigem Blick an.
Dann überkam es mich einfach und ich legte meine Lippen sanft auf die seinen. Ich warf jetzt all meine Schüchternheit über Bord und küsste ihn erst noch zögernd – sanft, dann etwas mutiger… feurig… leidenschaftlich.
Ich sehnte mich so sehr nach ihm, obwohl ich ihn erst ein paar Stunden kannte und doch hatte ich das Gefühl, dass unsere Herzen im gleichen Takt schlugen. Er war mein Herz und ich würde ohne mein Herz nicht leben können…
*-*-*
Kaum hatte mich seine Frage erreicht, war ich auch schon Gefangener seiner feurigen Küsse. Was er mit mir machte war verdammt unfair. Wie sollte ich mich so beherrschen? In den Kuss hinein sagend, kam es von mir:
“Wenn… du… mir… so… kommst… geht… das… nicht… gut aus!… Außer es ist okay…. Also… du darfst… so oder so…“
Ich verstand mich selbst kaum, hoffte aber sehr, dass er es tat und erwiderte leidenschaftlich den innigen Kuss. Sicher durfte er hier bei mir übernachten. Wünschte ich mir doch auch nichts anderes, als ihn nie wieder loszulassen.
Doch auf diese Art und Weise war es schwer meine Hände bei mir zu behalten. Mein Körper brannte vor Leidenschaft und schrie förmlich nach Genesis.
*-*-*
Ich löste den Kuss kurz, sah ihm in seine wunderschönen Augen und nickte einwilligend.
„Alles ist okay. Du darfst mit mir tun, was immer dir beliebt… ich bin dein Gefangener.“, flüsterte ich in sein Ohr und begann sacht an seinem Hals zu knabbern… ihn zu küssen und gab ihm somit zu verstehen, dass ich ihn wollte… mich nach ihm sehnte.
Dabei flüsterte ich ihm hinzufügend zu.
„Ich gehöre dir… mein Herz gehört dir… ich… sehne mich nach dir. Du bist mein Herz und ich kann ohne dich nicht mehr leben.“
Meine Gefühle standen schon längst in Flammen und mein Körper wollte ihn spüren.
Ich begann Caspers Körper zu berühren… streichelnd zu erkunden und entledigte mich nebenbei von meinem Mantel. Nie zuvor hatte ich so etwas gespürt… so viel Leidenschaft und Sehnsucht… nicht mal bei Angeal…
*-*-*
“Ich darf… wirklich…“, brachte ich noch über die Lippen, bevor mein Körper drohte zu zerfließen.
So schön fühlten sich Genesis‘ Berührungen an. Als es dann endlich oben in meinem Gehirn angekommen war, nahm ich seine Hand und zog ihn mit ins Schlafzimmer. Dort angekommen zog ich sein Shirt aus, schubste ihn aufs Bett und zog auch noch seine Hose aus.
Dann schloss ich die Jalousien und zog auch meine Hose aus, bevor ich zu Genesis ins Bett krabbelte. Erst einmal wollte ich ihm Nahe sein – ihn spüren – mich an ihn kuscheln. Also schloss ich meine Augen, zog ihn dicht zu mir heran und genoss einfach seine warme Haut auf der meinen.
Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und so kam jetzt nur noch wenig Licht herein, was die Sache noch romantischer machte. Liebevoll suchten meine Hände jeden erreichbaren Zentimeter seines Körpers ab, ohne dass ich mich dabei groß bewegte. Denn ich wollte erst mal einfach nur in seinen Armen liegen und ihm so nah es ging sein.
*-*-*
Hui… da schien es aber jemand sehr eilig zu haben… denn von einer Sekunde auf die andere, so schien es mir, zog er mich mit sich ins Schlafzimmer und schneller als ich in diesem Moment reagieren konnte hatte ich fast nichts mehr an… bis auf meinen Slip.
Auch er hatte plötzlich ebenso wenig an wie ich, nachdem er mich auf das Bett geschubst hatte. Alles ging so schnell, dass ich erst wieder einigermaßen klar denken konnte, als er neben mir im Bett lag, mich in seinen Armen und ich ihn in meinem Armen hielt.
Wie sehr ich es genoss, so nahe bei ihm zu liegen, mit ihm zu kuscheln und einfach nur Zärtlichkeiten auszutauschen.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen ihn ebenfalls zärtlich zu streicheln und ihm all meine Liebe zu geben, derer ich fähig war. Sein Körper fühlte sich so toll an, so warm und atemberaubend. Ich konnte meine Hände einfach nicht von ihm lassen.
Die romantische Atmosphäre, die sich hier ausgebreitet hatte, erfasste mich und ich schob all meine Zweifel von mir. Ich wusste nun, dass ich meine Zukunft mit ihm verbringen wollte…
Unterdessen hatte Angeal, während seiner Mission, mit einer Eifersuchtswelle zu kämpfen, die ihn plötzlich erfasste. Aber er konnte jetzt hier nicht weg. Er hatte doch diesen Schönling gesehen, der mit den anderen in Lazards Büro gekommen war.
Auch wenn er genau wusste, dass Genesis ihm ja eigentlich treu war, so machte er sich dennoch arge Vorwürfe, dass er sich in den letzten Monaten nicht richtig um ihn gekümmert hatte.
Ja, er hatte ihn sogar sträflich vernachlässigt und wenn er richtig darüber nachdachte, dann wusste er nun auch warum Genesis in letzter Zeit so zickig, ja beinahe aggressiv gewesen war.
Wenn er zurück wäre, so nahm er sich vor, müsste er das unbedingt ändern. Hoffentlich war es dann noch nicht zu spät. Notfalls würde er um Genesis und seine Liebe zu ihm kämpfen. Fakt war jedoch, dass er ihn nicht so einfach aufgeben würde.
Er liebte ihn doch, warum hatte er ihn dann so vernachlässigt? Er wusste aber auch, dass Genesis auf solche Kerle, wie diesen Schönling, abfuhr und er hoffte nur, dass sein Liebling ihm treu sein und bleiben würde.
Dass es allerdings schon längst zu spät war, konnte er ja noch nicht wissen…
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Es war so schön mit Genesis, dass ich alles um mich herum vergaß. Seine Nähe zu spüren, den heißen Körper so dicht an den meinen. Doch ging ich nicht weiter, als ein bisschen mit ihm zu schmusen. Er sollte erst mal in seinem Leben aufräumen, bevor es mit uns richtig begann.
Nach einer Weile hörten meine Hände auf ihn zu streicheln, meine Augen wurden schwer. Viel zu schön war es bei ihm. Ich fühlte mich zum ersten Mal richtig geborgen und genoss es so sehr bei ihm zu sein.
Es verging noch eine Weile, aber dann holte sich mein Körper den wohlverdienten Schlaf, den er brauchte. Als am Nächsten Morgen meine innere Uhr mich weckte, lag er noch da, neben mir und schlief seelenruhig. Wie schön Genesis doch war. Gerade jetzt wo er so friedlich schlief.
Doch dann wurde auch er geweckt, eher unsanft von meinem klingelnden Handy. Als ich Balthasars Nummer auf dem Display sah, wollte ich eigentlich erst nicht dran gehen, tat es dann aber doch.
“Ja?“, meldete ich mich etwas genervt und lächelte dabei Genesis an, als wollte mein lächeln ihm guten morgen sagen.
“Was sagst du?“, fragte ich erschrocken und starrte wie blöd Genesis an.
Dann stellte ich mein Handy auf Lautsprecher.
“Sag das nochmal!“
Balthasar brüllte nun beinahe ins Telefon. Er war mehr als wütend.
“Ihr habt den Falschen abgeschlachtet! Das war ein Double!“, schrie Balthasar, “Was denkst du eigentlich warum ich wollte, dass du dabei bist. Du hast dir doch die Bilder angesehen. Wie kann so was passieren? Du machst doch sonst keine Fehler!“
Seine Stimme überschlug sich beinahe und man spürte wie sauer er auf mich war.
Wie hatte mir das passieren können? Erst war ich viel zu sehr damit beschäftigt, mich darüber zu ärgern, dass ich lieber alleine arbeiten wollte und dann war da Genesis, der mir den Kopf verdrehte. Aber das konnte ich Balthasar wohl kaum sagen.
Es war meine Schuld! Ganz allein meine! Ich hatte schließlich nicht um sonst ein fotografisches Gedächtnis und konnte mir Personen somit bis aufs kleinste Detail einprägen. Erkannte eigentlich immer ob es die gesuchte Person oder jemand anderes war.
Nur eben dieses Mal nicht!
“Beweg deinen Hintern aus dem Bett. Setz deine Bettgeschichte vor die Tür und mach dich fertig. Lazard wird Genesis informieren und der wird dich jeden Moment abholen. Der Serienmörder ist schon beinahe bei der Grenze. Seid aber vorsichtig! Er ist nicht allein!“, fuhr Balthasar fort und legte dann auf.
Das Tuten meines Handys hallte durch den Raum und ich schaute beschämt zu Boden.
Musste er das mit den Bettgeschichten erwähnen? Sicher hatte ich Genesis das ja schon gesagt, nur war es mir trotzdem unangenehm. Schließlich lag er in meinem Bett, was Balthasar ja nicht wissen konnte.
*-*-*
Irgendwann, in dieser Nacht, war ich in einen tiefen traumlosen Schlaf gefallen und hatte mich an Casper gekuschelt. Ich fand es sehr schön und wäre am liebsten für immer so bei ihm liegen geblieben.
Doch dann wurde ich unsanft von seinem Handy geweckt und als er dann das Handy auf laut stellte, wusste ich nicht was ich sagen oder denken sollte. Schnell erhob ich mich aus dem Bett, sammelte meine Sachen zusammen, verließ das Zimmer und suchte das Bad auf, wo ich mich kurz abduschte, pflegte und mich dann ankleidete.
Das Bad verlassend klingelte nun auch mein Handy und ich sah, dass es Sephiroth war. Ach du grüner… sonst was…dachte ich noch, dann drückte ich auf den grünen Knopf und hielt das Hand an mein Ohr.
„Ja, Sephiroth, was ist denn los?“
„Hör zu, Genesis, ihr habt den Falschen erwischt, der Richtige ist schon fast an der Grenze und er ist nicht allein. Wir wurden von unseren Missionen abgezogen und werden gleich dort sein. Übrigens… Angeal ist ziemlich eifersüchtig. Was ist da zwischen euch los?!“
„Seph, das erkläre ich dir später, okay. Ich mache mich jetzt gleich auf den Weg.“
„Ja, okay und beeile dich… die Zeit drängt!“, befahl mir General Sephiroth.
Zurück im Zimmer sah ich Casper an und sprach ruhig:
„Es tut mir leid, dass wir den falschen erwischt haben. Ich muss jetzt los, sonst macht mich General Sephiroth einen Kopf kürzer… denn Sephiroth lässt man nicht ungestraft warten. Bitte, komm so schnell es geht nach, ja und sei bitte vorsichtig.“, dann schnappte ich mir noch mein rotes Rapier, verließ die Wohnung auf dem schnellsten Wege, erhob mich draußen in die Luft und flog in Windeseile davon.
Sehr schnell war ich in der Nähe der Grenze angekommen und traf dort auch schon auf Sephiroth und Angeal. Für irgendwelche Liebenswürdigkeiten war jetzt keine Zeit… und ich hätte jetzt eh nicht gewusst, wie ich reagieren sollte.
Hmm… irgendwie liebte ich Angeal ja doch noch… aber jetzt waren andere Sachen wichtiger…
Auch Casper hatte ich aus meinem Kopf und aus meinen Gefühlen vorläufig verbannt…
*-*-*
Genesis hatte ich nur zugenickt, als er sagte, ich solle mich beeilen. Seine schnelle Abreise irritierte mich sehr. Auch ich brauste mich ab und zog mich an, bevor mich der Fahrstuhl in den Keller brachte zu meinem Baby.
Ich zog meine Lederjacke und meine Lederhandschuhe an, bevor ich mich auf meine Hayabusa schwang und in Richtung Grenze fuhr. Als ich dort ankam, traf ich direkt auf Sephiroth, Angeal und Genesis.
Die Vorstellung, dass Angeal und Genesis ein Paar waren, bereitete mir Bauchschmerzen. Schließlich hatte ich die letzte Nacht mit Genesis verbracht und wer weiß, wenn ich es darauf angelegt hätte, hätten wir vielleicht auch…
Doch darüber durfte ich jetzt nicht nachdenken. Dieses mal musste ich konzentriert bleiben.
Vor uns standen einige der meist gesuchtesten Verbrecher, unter ihnen auch Anton Föhn und der gesuchte Emo Kleid.
“Ja“, sagte ich zur Begrüßung, “Dieses Mal besteht kein Zweifel. Das ist er.“
Dieselben glasigen Augen von zu viel Drogen und der kleine Leberfleck am Hals verrieten ihn.
*-*-*
Alles aus meinem Gedächtnis streichend, was gestern Abend gewesen und wo ich gewesen war, wartete ich ab. Noch einmal würde ich nichts von allein unternehmen.
Sephiroth übernahm nun die Führung, denn nach Lazard war er der Ranghöchste bei Shinra und wenn Lazard nicht dabei war, hatte er das Kommando… das wusste ich und hielt mich deshalb zurück.
Die drei gesuchten Verbrecher standen vor uns und Sephiroth befahl sogleich den Angriff… vier gegen drei… ich musste grinsen. Angeal, Sephiroth und ich griffen die drei gleichzeitig an und wir waren wirklich ein verdammt gefährliches Trio…. mörderisch…
Wir hatten nur noch den Kampf und den Sieg in unseren Köpfen… nicht mehr und nicht weniger. Auch ich schaltete alles aus, was mich hätte behindern können….
*-*-*
Ich sah wie gut die Drei zusammenarbeiteten und ihren Angriff durchführten. Doch irgendetwas stimmte hier nicht. Weshalb ich mich noch zurück hielt. Es war ein Hinterhalt! Mit einem Mal kamen von allen Ecke Leute her und griffen uns an.
Das hätte man auch erwarten müssen, wenn die schon so dastanden und nicht wegliefen. So gut ich konnte verteidigte ich mich, doch sie hielten uns nur hin. Es war kein richtiger Kampf, denn sie wollten einfach nur Zeit schinden.
Als ich mich umdrehte, konnte ich erkennen dass die Schwerverbrecher flohen. Mir war es egal, wer hier das sagen hatte. Normalerweise arbeitete ich immer allein und unterwarf mich Niemanden.
“Sie fliehen!“, schrie ich, tötete meinen Angreifer und war auch schon auf meinem Baby, um ihnen zu folgen.
Es war ein Auto vorgefahren, in das sie eingestiegen waren. Dem folgte ich nun. So ein Mist! Sie durften nicht entkommen. Sonst konnte ich mein Geld vergessen.
*-*-*
Zunächst bekam ich gar nicht so wirklich mit was hier eigentlich lief, aber als ich dann die anderen Idioten sah, wusste ich, dass es sich um einen Hinterhalt gehandelt hatte. Aber so wie ich Sephiroth kannte, hatte der sicherlich auch noch so einige Trümpfe in der Hinterhand und ich sollte mich nicht geirrt haben.
Denn schon wenig später tauchten hunderte von Shinra Soldaten auf, die die Meute in null Komma nichts platt machten. Wir Drei erhoben uns in die Lüfte und folgten dem Wagen, in den die drei eingestiegen waren.
Gemeinsam feuerten wir nun Feuerbälle auf das Auto ab und landeten vor dem Auto, das sich schon überschlug. Zusammen hielten wir das Auto auf. Sephiroth schlitzte den Wagen mit seinem zwei Meter langen Masamune auf, dann holten wir die Drei aus dem brennenden Auto heraus und fesselten sie… die eh schon mehr tot als lebendig waren…
*-*-*
Da hatten mich die Drei doch tatsächlich überholt und den Wagen gestoppt. Was sollte ich hier eigentlich? Nur dafür sorgen, dass es dieses mal der Richtige Kerl ist? Doch noch völlig in Gedanken, überschätzte ich die Geschwindigkeit meiner Hayabusa, konnte nicht mehr bremsen und rauschte in das brennende Auto.
Mein Baby überschlug sich und ich konnte mich nicht mehr rechtzeitig losreißen. Mir wurde schwarz vor Augen.
*-*-*
Alles war so gut gelaufen, doch dann sah ich wie die Maschine von Casper in den brennenden Wagen raste und er sich nicht mehr losreißen konnte. Ein wenig geschockt stand ich da… konnte es nicht glauben, doch dann hörte ich auch schon die schneidende befehlende Stimme von Sephiroth.
„Genesis, du hast jetzt hier das Kommando, ich werde Casper ins Krankenhaus bringen!“
„Bitte, darf ich ihn…?“
„Nein, darfst du nicht. Du bleibst hier und tust was ich dir gesagt habe.“, befahl der General, hob Casper aus dem brennenden Wrack, erhob sich mit ihm in die Lüfte und flog ihn ins Krankenhaus.
Ich sah beiden nur nach, doch dann besann ich mich und hielt mich an den Befehl des Generals. Die drei Verbrecher wurden von den Shinra Soldaten getötet. Andere von denen säuberten dann die Umgebung und räumten auch den Schrott weg.
Wieder andere ließ ich mit den Shinra Hubschraubern weg fliegen. Angeal und ich überwachten die Sache… doch ich schwieg und auch Angeal schwieg… Nur ab und zu gab ich Befehle…
*-*-*
Als ich irgendwann erwachte, sah ich weiße Wände und weiße Bettwäsche. Scheinbar war ich im Krankenhaus, doch konnte ich mich vor Schmerzen kaum rühren. Es schien auch keiner im Zimmer zu sein, so dass ich mich erst mal sammeln konnte.
Was war nochmal passiert? Ach ja, richtig. Ich hatte mein Baby in die Flammen gelenkt. Meine schöne Hayabusa. Ob sie wohl noch zu retten war? Vorsichtig versuchte ich mich aufzurichten, was mir sehr schwer fiel. Tränen musste ich vor Schmerzen unterdrücken. Doch irgendwie schaffte ich es und versuchte den Klingelknopf zu finden.
Doch noch bevor ich diesen betätigen konnte, kam plötzlich Crazy ins Zimmer herein.
“Er ist wach!“, rief er nach draußen und ihm folgten Balthasar und seine Gorillas.
“Ich will nach Hause!“, brummte ich direkt und versuchte aufzustehen.
“Du spinnst ja wohl!“, kam es von Balthasar, “der Arzt muss dich erst durch checken.“
“’Ist mir egal! Ich will nach Hause“, wiederholte ich mich und stand schon halb, als mir die Knie weich wurden und unter mir nachgaben.
Balthasar war zum Glück gleich da und fing mich auf.
“Du solltest besser auf den Arzt warten. Bitte!“, sagte er fürsorglich und half mir wieder aufs Bett.
“Ich habe mir Sorgen um dich gemacht!“, fügte er noch hinzu. Doch ich konnte seinen Blick nicht erwidern.
Ein bisschen Zweifelte ich an meiner Kampfkunst und an mir selbst. Die Drei waren viel besser als ich, da kam ich einfach nicht mit. Genesis hatte in Angeal einen viel besseren Partner, als in mir.
Dann kam auch schon der Arzt herein und die Vier mussten das Krankenzimmer verlassen.
*-*-*
Sephiroth wartete auf dem Flur des Krankenhauses, etwas entfernt von Balthasar und seinen Wächtern. Mit dem Rücken an einer Wand lehnend starrte er nachdenklich an die Wand vor sich.
Ihm ging das alles hier mächtig gegen die Nieren. Das hatte er nicht gewollt… so sollte es doch nicht kommen. Er überlegte ernsthaft sich von Shinra zurückzuziehen… Während ich noch so am befehligen der Truppe war, dachte ich an Casper und konnte nur mit viel mühe meine Tränen unterdrücken. Zudem fühlte ich mich gerade sehr überfordert.
Ich hatte hier das Kommando… dann hatte ich noch die Sache mit Angeal zu klären und was aus Casper und mir werden würde… wusste ich nun auch nicht mehr so genau… dabei war ich mir am Abend zuvor noch so sicher gewesen.
Doch hatte ich nicht allzu viel Zeit um weiter nachzudenken, denn Angeal versuchte nun mit mir zu reden.
„Genesis?“
„Hm?“, machte ich und sah ihn an.
„Wir müssen reden.“
„Ach ja, worüber denn?“
„Über uns.“
„Hmm…. ja…“, war alles was von mir kam.
„Liebling, ich weiß, dass ich dich in letzter Zeit sehr vernachlässigt habe und es tut mir wirklich leid. Aber ich hatte wirklich viel zu tun und das weißt du auch. Aber ich verspreche dir, dass ich das ändern werde.“
„Ist das so?!“, begann ich mich aufzuregen:
„Ich denke aber, dass es dafür zu spät ist.“
„Warum? Was ist passiert?“
„Nichts… was soll denn passiert sein… außer, dass ich die Nacht bei Casper verbracht habe und nun nicht mehr weiß, ob ich weiter mit dir oder mit ihm zusammen sein möchte.“
Angeal sah mich an, als hätte er einen Geist gesehen oder als hätte ich ihn geschlagen.
„Habt ihr…, ich mein…“
„Nein, haben wir nicht. Ich habe nur bei ihm übernachtet. Aber ich denke, ich werde erst mal Abstand zu euch beiden halten. Ich bin mir nicht mehr sicher was ich überhaupt will.“
„Bitte, Genesis, ich liebe dich und das weißt du auch ganz genau. Bitte, weise mich nicht ab… ich will mich nicht von dir trennen.“
„Das ist mir gerade so ziemlich egal, weißt du das?!“, zickte ich nun.
„Ich will, dass du aus meiner Wohnung ausziehst… wohin du gehst ist mir ebenfalls so ziemlich egal.“
„Du hast dich in den Schönling verliebt, hab ich recht?!“
„Das geht dich gar nichts an!“, zickte ich weiter und schwieg dann, während ich ihm den Rücken zu wand.
„Gut, ich werde ausziehen und erst mal bei Seph unterkommen.“, meinte er traurig und er tat mir schon irgendwie leid, aber ich fühlte mich nun einfach nur noch überfordert und wollte nichts weiter als meine Ruhe… und vielleicht würde ich auch das Kämpfen aufgeben und mich von Shinra entfernen.
„Übernimm du das Kommando, ich bin weg…“, sprach ich traurig, dann ließ ich meinen Flügel erscheinen und flog nach Hause.
Hier schloss ich mich ein und hatte vorläufig nicht vor wieder raus zugehen.
Ich ließ mich im Wohnzimmer auf das Sofa fallen und starrte an die Decke… während mir ein paar Tränen an den Wangen herab liefen…
*-*-*
Der Arzt stellte mich auf den Kopf und konnte dann zum Glück sagen, dass keine inneren Organe verletzt waren. Ein paar kleinere Blessuren hatte ich davon getragen, das war alles.
“Also kann ich nach Hause?“, fragte ich den Arzt, als die Untersuchungen beendet waren.
“Sie sollten schon noch hier bleiben“, antwortete dieser.
“Ich will nach Hause!“, sagte ich nun im ernsten Ton. Der Arzt schaute mich erschrocken an und nickte nur.
Dann bekam ich ein Schreiben vorgelegt, welches ich unterschrieb und mir meine Sachen nahm. Aus dem Zimmer humpelnd ging ich an Balthasar und seinen Leuten vorbei, ohne sie zu beachten.
Balthasar wollte zwar etwas sagen, doch ließ er es dann bleiben, als er merkte, dass ich ihnen keine Beachtung schenkte. Als ich dann Sephiroth an der Wand lehnend sah, humpelte ich direkt auf ihn zu.
“Kannst du mich vielleicht nach Hause bringen?“, fragte ich unsicher.
Irgendwie fühlte ich mich schuldig, dass ich mich ihm nicht untergeordnet hatte und war ihm zu Dank verpflichtet, da er es scheinbar war, der mich so schnell ins Krankenhaus gebracht hatte.
*-*-*
Sephiroth sah Casper auf sich zukommen und als er ihn dann ansprach nickte er einwilligend.
„Natürlich kann ich das. Es tut mir leid, was dir passiert ist.“, meinte er dann und verließ mit ihm das Krankenhaus.
Draußen angekommen, ließ er sich von Casper seine Adresse geben, nahm ihn in die Arme und flog ihn nach Hause. Dort, nach etwa einer viertel Stunde, angekommen brachte er ihn noch in seine Wohnung und stellte ihn ab.
„So, da wären wir. Brauchst du noch was oder kann ich etwas für dich tun?“, fragte Sephiroth und ihn plagten arge Schuldgefühle.
Angeal hatte inzwischen alles unter Kontrolle, bis alles erledigt war, dann flogen die Soldaten ab und auch er machte sich auf den Weg zu Shinra.
Er wusste, dass er jetzt nicht nach Hause konnte, denn Genesis war ein Sturkopf… ein noch schlimmerer als Sephiroth und wenn der seine Ruhe wollte und man ihn dann störte… man, da konnte man auch gleich in ein Krokodilgehege gehen, das war dann wahrhaftig gemütlicher…
Inzwischen hatte ich mich wieder beruhigt, stand vom Sofa auf, zog mich aus und ging ins Bad, wo ich mir eine belebende Dusche gönnte. Ich genoss das warme Wasser, das so lieblich an mir herab rieselte.
So entspannte ich mich sichtlich…
*-*-*
“Danke“, sagte ich zu Sephiroth, als wir bei mir zu Hause waren.
“Dir muss es nicht leid tun. Ich bin doch selber schuld. Hätte ich mich deinem Befehl unterworfen, wäre mir das nicht passiert“, erklärte ich ihm.
Merkte dabei aber auch, wie meine Knie weich wurden. Vielleicht hätte ich mich doch noch ein wenig im Krankenhaus aufhalten sollen. Doch ich hasste dieses Gebäude dafür viel zu sehr.
“Ich bewundere euch und wünschte sehr, dass ich so kämpfen könnte! Vielleicht kannst du wirklich etwas für mich tun. Bitte unterrichte mich“, bat ich Sephiroth, verbeugte mich dabei sogar. Doch dann gaben meine Beine auch schon nach und ich sackte in mich zusammen.
*-*-*
Zwar hörte Sephiroth Caspers Worte, aber er machte sich dennoch Vorwürfe. Er wusste doch, dass er sich niemandem unterordnete, hatte es Lazard ihm doch erzählt und der wusste nun über fast alles und jeden Bescheid.
„Schon gut.“, erwiderte Sephiroth kurz und knapp, denn er war nicht der Typ für viele Worte.
Als Casper sich nun auch noch vor ihm verneigte, zog er eine Augenbraue hoch und sah dann auch schon das Desaster, als Casper zusammensackte.
„Hey, hey, langsam, junger Mann.“, rief Sephiroth leicht erschrocken und konnte den Kleineren gerade so auffangen.
Ihn in seinen Armen haltend, brachte er ihn ins Wohnzimmer und legte ihn dort auf das Sofa. Nun richtete er doch ein paar Worte mehr an ihn:
„Du willst dich von mir trainieren lassen? Besser nicht. Du werd erst mal gesund und dann sehen wir weiter. Außerdem bin ich es nicht, der andere unterrichtet, da musst du dich schon an Angeal wenden… ich habe die Geduld gar nicht für so etwas.“
Und überlegte nun doch, ob er ihn nicht doch besser wieder ins Krankenhaus bringen sollte. Aber dann kam ihm eine andere Idee… Sacht legte er seine Hände auf Caspers Körper und ließ heilende Energie durch dessen Körper fließen, so dass es ihm schon sehr bald sehr viel besser gehen würde.
Aber er blieb noch bei ihm sitzen und passte ein wenig auf ihn auf.
*-*-*
“Angeal… na super!“, brachte ich über meine Lippen.
Dann genoss ich die heilende Wirkung von Sephiroths Kräften und blieb still liegen. Als ob Angeal mich unterrichten würde. Sobald der erfuhr, was zwischen mir und Genesis gewesen war, könnte ich Glück haben, wenn ich mit einem blauen Auge davon kam.
Oder er würde mich direkt platt machen. Ihm war ich doch haushoch unterlegen. Vor allem in meinem jetzigen Zustand. Tatsächlich fühlte ich mich schon nach kurzer Zeit besser.
“Danke!“, sagte ich erneut, da ich mich Sephiroth wirklich zu großem Dank verpflichtet fühlte.
Doch dann wurde ich etwas traurig, da ich Genesis jetzt lieber hier hätte. Ich vermisste ihn mehr, als ich zugeben würde. Zu schön war die letzte Nacht gewesen. Seine Nähe und Wärme würde ich jetzt zu gerne spüren.
Aber ich wusste noch nicht mal ob er schon mit Angeal gesprochen hatte. Bei meinem Glück zur Zeit versöhnten die Zwei sich gerade und ich war der dumme Dritte, der leer ausging.
*-*-*
Als Sephiroth sah, dass es Casper sehr viel besser ging und er sich bei ihm bedankte, nickte er nur und antwortete:
„Nichts zu danken, das war doch das mindeste was ich für dich tun konnte.“, dann machte er eine Pause und sah kurz nachdenklich drein.
„Was hast du gegen Angeal? Er ist gut… nicht der beste, aber zum Unterrichten ist er okay. Und … wenn es dir denn so wichtig ist… dann unterrichte ich dich eben… aber stell dir das bloß nicht zu einfach vor. Ich lasse keine Fehler durchgehen.“, erklärte Sephiroth und machte eine kurze nachdenkliche Pause.
Er hatte Genesis genau beobachtet und seiner Meinung nach hatte er sich ein wenig zu sehr um Casper gesorgt… etwas das er sonst niemals tun würde.
„Casper, ich möchte dich gern etwas fragen und ich erwarte eine ehrliche Antwort von dir.
Was genau hast du mit… Genesis zu tun? Und mach mir jetzt nur nichts vor. Ich würde merken, wenn du mich belügst. Zudem habe ich bemerkt, dass sich Genesis zu sehr um dich sorgte, als dir das vorhin passiert ist. Das tut er sonst nicht.
Er ist eigentlich eher… egozentrisch und zickig… und tut selten mal etwas für andere. Natürlich kann er auch sehr liebevoll sein.
Also, was läuft da zwischen euch?“, fragte Sephiroth mit ernster Miene, die keinen Widerspruch duldete, während er ihn durchdringend ansah.
*-*-*
Eine Gänsehaut machte sich über meinen Körper breit, als Sephiroth mich so ansah. Ganz geheuer war mir die Sache nicht, da ich ihn nicht wirklich einschätzen konnte. Doch hatte ich jetzt eine andere Wahl?
“Weißt du“, begann ich, “Genesis und ich waren gestern noch etwas zusammen trinken und sind dann hier gelandet…“
Kurz schaute ich in Sephiroths Gesicht und versuchte die Situation abzuchecken. Aber irgendwie war ich mir nicht sicher, was kommen würde.
“Wir kamen uns eben näher und haben Gefühle für einander“, brachte ich irgendwie raus und schaute ihn unsicher an.
“Ich weiß, dass er eigentlich mit Angeal zusammen ist und es nicht so gut läuft. Wir haben auch nicht miteinander geschlafen. Ich wollte, dass er es erst mal klärt, was genau er überhaupt will“, erklärte ich weiter.
*-*-*
Während Casper erzählte und erzählte, begann Sephiroth zu grinsen und dann konnte er nicht mehr anders und tat etwas, dass nur sehr sehr selten bei ihm vorkam… er lachte.
„Deshalb willst du nicht mit Angeal trainieren. Ich verstehe.“, erwiderte Sephiroth, nachdem er das Lachen nun wieder unterließ.
„Also hör mir bitte mal zu. Wenn sich unser Genesis, mal für jemanden entschieden hat, kannst du davon ausgehen, dass er alles daran setzen wird, um seinen Willen zu bekommen. Er hat sich wahrscheinlich schon von Angeal getrennt. Und wahrscheinlich sitzt mein lieber Freund gerade zuhause und vergräbt sich dort. Weil er denkt, dass er einen Fehler gemacht hat… dabei macht der kaum Fehler.“
Casper nun wieder normal ansehend, sprach er weiter:
„Vor Angeal musst du dennoch keine Angst haben. Der tut keiner Fliege was zuleide… er ist der Gutmütige von uns dreien. Der predigt nur immer von Moral und Ehre.“, und verzog dabei gequält das Gesicht.
Er gab Casper dann noch Genesis‘ Adresse und meinte:
„Wenn es dir besser geht, solltest du zu ihm gehen… er ist nicht der Geduldigste und wartet nicht gern… genau wie… egal…
Und was das Unterrichten angeht… überleg es dir noch mal.“ und sah Casper nun sehr freundlich an.
*-*-*
Sephiroth überraschte mich mit seiner Reaktion. Scheinbar hatte ich ihn falsch eingeschätzt.
Wieder bedankte ich mich bei ihm und nickte ihm zu. Ich würde es mir nochmal durch den Kopf gehen lassen. Vielleicht war es gar nicht so schlimm, wenn Angeal mich unterrichtete, sobald erst mal ein bisschen Gras über die Sache gewachsen war.
Sobald Sephiroth meine Wohnung verließ, ging ich unter die Dusche und zog mir etwas Frisches an. Es ging mir schon sehr viel besser und so rief ich Balthasar an.
“Hi, ich bin es, Casper. Es wäre schön, wenn du dich darum kümmern könntest, was aus meiner Hayabusa geworden ist…“, sagte ich zu ihm.
Er versprach sich darum zu kümmern und erkundigte sich, ob ich etwas bräuchte.
“Einen fahrbaren Untersatz!“, antwortete ich ihm und schon eine viertel Stunde später klingelte es bei mir.
Einer seiner Gorillas brachte mir einen Porsche, drückte mir die Schlüssel und einen Briefumschlag in die Hand.
“Das Geld für den Auftrag!“, sagte er und war auch schon wieder verschwunden.
Ich bestaunte kurz den Wagen und stieg dann ein. Dabei merkte ich noch ein leichtes Stechen in der Seite, was ich aber gekonnt ignorierte. Denn ich wollte nur noch zu Genesis und das auf dem schnellsten Wege.
So schnell es die Straßenverkehrsordnung zuließ fuhr ich also zu Genesis Wohnung und stieg aus dem Wagen aus. Etwas unsicher ging ich erst noch vor dem Haus hin und her. Klingelte dann aber doch endlich an der Tür.
*-*-*
Sephiroth hatte das Haus verlassen und war wieder zu Shinra geflogen. Dort traf er sogleich auf Angeal, der ihm zufällig über den Weg lief und ziemlich nachdenklich zu sein schien.
„Hey, Angeal, was ist denn los?“
„Lass mich in Ruhe.“, kam es von ihm.
„Moment mal, mein Freund.“, hielt Sephiroth seinen Freund auf, „rede mit mir… was ist los?“
„Du willst es wissen, ja?!“
„Das würde ich gern.“
„Genesis will Abstand zu mir… ich glaube, er hat sich in diesen Schönling Casper verknallt.“
Sephiroth grinste wissend.
„Tja, mein lieber Freund, so wie ich das sehe wird sich Genesis von dir trennen, denn er liebt Casper. Du weißt was das heißt.“
„Verstehe… ich habe es mir gedacht.“
„Na, nun nimm es mal nicht so schwer. Ich weiß, du hast ihn sehr geliebt und ihr wart ja auch ziemlich lange zusammen… aber die Zeit heilt alle Wunden und irgendwann hast du es überwunden.“
„Moment… du hast es gewusst?!“
„Ja, das habe ich. Ich habe mich mit Casper unterhalten und er hat mir erzählt was passiert ist.“
„Na toll…“, meinte Angeal traurig, „ich werde mich dann mal wieder um meine Mission kümmern… dann bin ich wenigstens abgelenkt.“, ging dann an seinem Freund vorbei und seiner Wege…
Sephiroth sah seinem Freund mitleidig nach. Er wusste, dass Angeal jetzt sehr leiden würde… aber er konnte nicht drüber nachdenken, denn auch auf ihn wartete jede Menge Arbeit, der er nun auch wieder nachging.
Gerade hatte ich mich, nach dem Duschen, angezogen, war nun auch schon fertig mit dem Aufräumen und entspannte mich ein wenig …hatte mich auf dem Sofa in die Kissen und die Decke vergraben… mich dort eingekuschelt, als es an der Tür klingelte und ich dachte:
Wer will mich denn nun wieder nerven? Also stand ich unwillig auf und ging an die Tür… wahrscheinlich wollte Angeal nur seine Sachen abholen… dachte ich. Also öffnete ich die Tür und erstarrte beinahe, als ich…
„Casper……“, kam es nur leise über meine Lippen und ich sah ihn erstaunt an, und so als würde ein Engel vor mir stehen.
„Ich… bitte… komm doch …rein.“, bat ich ihn zusammenhanglos stotternd und merkte wie mein Gesicht wieder mal eine leicht rötliche Farbe annahm.
Ob sich das jemals geben würde? Aber ich war doch sonst eigentlich nicht SO scheu… Merkwürdig… Nachdem er eingetreten war, schloss ich hinter ihm die Tür und führte ihn ins Wohnzimmer.
„Geht… es dir wieder gut? Ich mein, wie geht es dir? Ähm… magst du was trinken?“
Fragen über Fragen stellte ich ihm schüchtern vor Aufregung und Freude. Es fühlte sich an, als würde mein Herz gleich heraus springen und herum hüpfen. Dann jedoch schwieg ich und sah ihm erwartungsvoll – sehnsüchtig in die Augen…
*-*-*
Endlich war ich bei Genesis. Nachdem er mich hereingebeten hatte und ich bei ihm im Wohnzimmer stand, wurde ich auch gleich mit mehreren Fragen bombardiert. Doch anstatt einfach zu antworten, konnte ich nicht anders und umarmte Genesis.
Zu sehr hatte ich mich nach ihm gesehnt. Dann löste ich mich langsam wieder von ihm.
“Mir geht es dank Sephiroth schon viel besser. Ein wenig merke ich noch hier und da, aber es ist auszuhalten… und ja… ich würde sehr gerne etwas trinken.“
Auch ich schaute ihm nun tief in die Augen, wollte so vieles sagen, aber fand nicht die richtigen Worte. Vielleicht sollte ich erst mal platz nehmen und etwas trinken, dann würde sicherlich alles andere von alleine kommen.
*-*-*
Ups, da hatte ich wohl ein paar Fragen zu viel gestellt, denn Casper umarmte mich und ich konnte nicht anders, als diese Umarmung zu erwidern. Natürlich vergaß ich, in der Aufregung… oder was auch immer…. ihn zu fragen, was er gern trinken wollte, ging in die Küche, schnappte mir eine Flasche Mineralwasser, nahm zwei Gläser aus dem Schrank und kehrte mit allem zurück in die Wohnstube.
Ein Glas stellte ich vor Casper und eines stellte ich auf die Stelle des Tisches wo das Sofa stand, dann öffnete ich die Flasche und goss uns etwas ein. Anschließend setzte sich mich auf das Sofa und vergrub mich wieder in die Kissen und die weiche Decke, denn irgendwie konnte ich schon etwas Ruhe brauchen.
Dann riss ich mich aber wieder etwas zusammen und fragte ihn:
„Du magst doch Mineralwasser, oder möchtest du was anderes?“ und versuchte meine Fassung zu bewahren… dabei war ich doch zu überrascht, dass er hier war.
Sehr schnell kombinierte ich, dass er die Adresse nur von Sephiroth haben konnte… klar, von wem sonst… wenn er es war, der ihn gerettet hatte… hmm… dann hatte er ihm sicher auch einiges über mich erzählt… au man…
…was dachte er jetzt von mir….?
*-*-*
Ich setzte mich neben Genesis, aber so, dass er noch genügend Platz hatte.
“Ja, Mineralwasser ist okay“, antwortete ich ihm und schaute in seine schönen Augen.
Dann nahm ich einen kräftigen Schluck, als hätte ich ewig nichts zu trinken gehabt.
“Weißt du…“, begann ich zu reden,
“Ich musste die ganze Zeit an dich denken. Versteh mich nicht falsch. Du brauchst jetzt Zeit, um dir darüber klar zu werden, was du willst und wen du willst. Nur sollst du wissen, dass ich dich auf jeden Fall will!
Lass es uns miteinander versuchen. Du wirst es nicht bereuen, wenn du dich für mich entscheidest… Tut mir leid. Ich wollte dich nicht bedrängen, sondern dir nur das mitteilen.“
Dann trank ich mein Glas leer, legte meine Karte auf den Tisch, auf der auch meine Nummer war und stand auf.
“Vielleicht sollte ich jetzt besser gehen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Ich werde warten. Wenn du dann soweit bist, würde ich mich freuen, wenn du dich bei mir meldest oder aber vorbei kommst“, sagte ich noch.
*-*-*
Still hörte ich seinen Worten zu und meine Augen füllten sich mit Tränen. Er schien es tatsächlich ernst mit mir zu meinen. Zwischen Angeal und mir war es doch eh vorbei und ich war mir sicher, dass er das schon wusste… wahrscheinlich dank Sephiroth.
Als Casper dann seine Karte auf den Tisch legte und aufstand um zu gehen, sprang ich von dem Sofa auf und eilte auf ihn zu und hielt ihn fest. Ich sah ihm flehend in die Augen und bat mit Tränen erstickter Stimme:
„Bitte…. bitte… geh nicht… bleib bei mir…. bitte. Ich habe mich doch schon längst entschieden und ich will es gern mit dir versuchen. Bitte, glaub mir… bitte.“
Nie, wirklich noch nie in meinem bisherigen Leben, hatte ich jemanden so angefleht, wie Casper… aber nun… konnte ich nicht mehr anders und war über meinen Schatten gesprungen.
Dann nahm ich seine Hand und hielt sie ganz fest in der meinen…
*-*-*
Sofort schloss ich Genesis freudestrahlend in die Arme. So froh war ich über seine Worte. Dann küsste ich ihn leidenschaftlich, indem ich meine Lippen auf die seinen legte und meine Zunge in seine heiße Mundhöhle schob.
Liebevoll verwickelte ich seine Zunge in ein feuriges Spiel und konnte auch meine Hände nicht mehr bei mir halten. Ich wollte ihn um jeden Preis. Meine restlichen Schmerzen ignorierend, schob ich Genesis zurück aufs Sofa. Drückte ihn in die Kissen und fing an ihn auszuziehen.
Seinen ganzen Oberkörper bedeckte ich mit feuchten Küssen. Knabberte an seinen Brustwarzen und leckte durch seinen Bauchnabel. Meine Lippen pusteten heiße Luft durch seine Hose in Reißverschlussnähe, bevor ich sie öffnete und nun meine Lippen auf seinen Slip setzte.
Mit der Zunge machte ich diesen ganz feucht. Ertastete seine Männlichkeit mit meinen Lippen und fuhr über den Slip an ihr entlang.
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Mit dieser Reaktion hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, aber ich ließ es nur allzu gern zu und spielte das erregende Spiel mit. Alles durfte er mit mir machen und ich ließ es mir gefallen.
Auch meine Zunge spielte mit der seinen, als er mich jedoch auf das Sofa zurück schob, konnte ich gar nicht schnell genug reagieren. Ja, er wollte mich… unbedingt… das war mir nun auch klar.
Oh Gott, was tat er hier mit mir? Leise stöhnend… hob ich mich ihm entgegen, während sich meine Hände in den Stoff des Sofas krallten. Mein Rücken bog sich schon durch und mein Körper begann vor Erregung schon leicht zu zittern, während sich mein Kopf in die Kissen drückte.
Ja, ich gebe es zu, ich hatte es wirklich sehr nötig … denn ich war echt ausgehungert. Aber so kannte ich das „Spiel“ nicht… denn so etwas hatte Angeal nie mit mir getan. Aber es war so erregend, dass ich mich ihm wehrlos ergab.
Ich wühlte fahrig in seinen Haaren, wollte ihn auch ausziehen… verwöhnen… aber er ließ mir keine Chance… ich konnte wirklich nur noch stöhnen und keuchen, als ich ihn an meiner Männlichkeit spürte, die noch verborgen war.
*-*-*
Nun wurde es langsam eng bei mir in der Hose und während ich Genesis Hose auszog, entledigte ich mich auch gleich meines Shirts. Dann öffnete ich meine Hose und stieg aus ihr heraus, legte mich direkt neben Genesis und küsste ihn erneut. Meine Lippen machten sich während des Kusses selbstständig und fuhren an seinen Hals entlang.
Hinterließen wieder mal kleine Male und eine feuchte Spur der Lust. Währenddessen hatten sich meine Hände an seinen Slip vergraben und bearbeiteten seine Männlichkeit. Nur zu gerne wollte ich auch das letzte Stückchen Stoff entfernen, was uns noch trennte. Denn unsere Slips trennten uns von einem immer heißer werdenden Spiel.
Zärtlich streichelte ich Genesis und versuchte herauszufinden, was er gern hatte und wo er es am liebsten mochte. Eine Hand huschte hinten in seinen Slip und streichelte zwischen seinen Backen entlang, um zu testen, ob ich das durfte.
*-*-*
Endlich durfte ich ihn auch streicheln und das tat ich auch. Meine Hände machten sich selbstständig und glitten sanft über seinen schönen Körper, während ich seinen heißen, leidenschaftlichen Küsse erwiderte.
Ganz langsam erreichte meine Hand seinen Unterkörper und ich ließ sie über seinen Slip gleiten… erst ganz zärtlich vorn, dann kam ich auch an seinem Po an, den ich streichelte. Ließ dann meine Hand in seinen Slip gleiten und entfernte diesen geschickt, der dann irgendwo am Boden landete.
Bislang war ich immer der passive Part gewesen, aber das wollte ich nun ändern. So schob ich mich sacht auf ihn und begann ihn mit sanften, aber heißen Küssen zu bedecken, währenddessen ich meinen Slip entfernte, der ebenfalls am Boden landete.
Meine Zunge ließ ich erst über seinen Oberkörper wandern und hinterließ eine feuchte Spur. Dann erreichte ich seine Männlichkeit und begann ihn zu küssen und lecken. Dabei spreizte ich seine Beine, suchte und fand das Gleitgel, das sich, wie gewohnt, unter dem Sofa befand und befeuchtete meine Finger.
Behutsam drang ich dann, erst mit einem, dann mit zwei Fingern in ihn ein und begann ihn zu weiten und vorzubereiten… ging dabei aber sanft und sehr vorsichtig vor…
*-*-*
Als Genesis auf einmal die Führung übernahm, ließ ich mich zurückfallen und genoss was er mit mir tat. Seine Finger verwöhnten mich und so drückte ich mich ihnen entgegen. Ich war durchaus einiges gewohnt und so könnten wir, wenn es nach mir ginge, gleich aufs Ganze gehen.
Schließlich konnte ich es kaum erwarten, meinen Liebsten in mir zu spüren. Also drängte ich mich ihm immer mehr entgegen und zeigte ihm so, dass ich bereit war. Mein Körper stand regelrecht in Flammen und wollte nun endlich mit ihm vereint sein. Meine Männlichkeit war zum Brechen hart und es würde nicht mehr lange dauern, dann würde ich kommen.
“Nimm mich endlich“, keuchte ich ihm zu und nahm seine Finger aus meiner Öffnung.
Es sollte endlich seine Männlichkeit dort ihren Platz finden!
*-*-*
Obwohl es das erste Mal für mich war, dass ich jemanden auf diese Weise verwöhnte, schien ich es doch richtig zu machen. Nun ja, ich hatte ja nun auch einen guten …Lehrmeister… wenn man es so nennen will.
Er wollte mich scheinbar so sehr, dass er es kaum mehr erwarten konnte, also tat ich viel Gleitcreme auf meine Männlichkeit, spreizte seine Beine noch etwas mehr, hob dann seine Hüfte etwas an und drang vorsichtig und erst mal nur mit der Spitze in ihn ein.
Ein leises Stöhnen konnte ich mir nun nicht mehr verkneifen, zu geil war das, was ich gerade tat… es fühlte sich so fantastisch an, dass ich es nun nicht mehr erwarten konnte und noch weiter in ihn eindrang… bis meine Erektion ganz und gar in ihm war, erst dann wartete ich einen Moment und ließ ihm Zeit sich an mich zu gewöhnen.
Erst dann begann ich mich in ihm zu bewegen, zunächst nur langsam …sacht, vorsichtig, dann wurde ich doch etwas schneller… heftiger… leidenschaftlicher… feuriger, während sich mein Oberkörper leicht nach hinten bog und ich ein tiefes, erregtes Stöhnen nicht unterdrücken konnte.
Irgendwie stieß ich dann doch sehr heftig zu, denn ich war schon viel zu heiß und ausgehungert… dazu noch das Wissen, das erste Mal in jemanden, den ich total liebte, eingedrungen zu sein… ihn zu verwöhnen…
Leider war dieses Vergnügen, für mich, nur viel zu schnell vorbei und ich ergoss mich hart und laut stöhnend, in ihm. Als dann beugte ich mich über ihn und küsste ihn zärtlich, erst dann zog ich mich aus ihm zurück und legte mich dann neben ihn.
Ich küsste seinen Bauch und legte dann meinen Kopf auf seine Brust, während ich ihn sanft streichelte…
*-*-*
Genesis Penetration hatte es in sich und brachte mich beinahe um den Verstand. Für einen Moment meinte ich die Sterne zu sehen und dann kam es mir auch schon. Zuckend ergoss ich mich zwischen uns, im selben Moment als es Genesis kam.
Keuchend erwiderte ich den Kuss, den er mir gab, bevor er sich aus mir entzog. Es war so fantastisch gewesen. Mir kam es vor, als hätte ich noch nie so wundervollen Sex gehabt – Intensiv und leidenschaftlich, voller Liebe.
*-*-*
Epilog
Casper und Genesis lernten sich nach einiger Zeit richtig kennen und lieben. Irgendwann zogen sie zusammen und nahmen sich eine gemeinsame Wohnung in Midgar. Genesis beendete und bestand sein Studium mit einem sehr gut, aber er blieb bei Shinra und kämpfte weiterhin gegen das Böse.
Casper wurde von Sephiroth und Genesis trainiert, was für ihn nicht immer ganz einfach war. Irgendwann, mit viel Fleiß und harter Arbeit, hatte er es geschafft und gehörte dann ebenfalls zur Elite.
So arbeitete er dann für Shinra und mit Genesis und Sephiroth zusammen. Angeal hatte sich von Shinra getrennt und hatte Casper somit nicht unterrichtet. Er war wieder in seine Heimat Banora gezogen und lebte dort einsam und allein.
Er konnte es nicht ertragen, dass er Genesis verloren hatte und die beiden Liebenden ständig vor Augen zu haben, tat ihm zu weh, als dass er es ignorieren konnte. Sicher, er hatte noch sehr lange um Genesis und seine Liebe gekämpft, aber da war es längst zu spät gewesen.
Genesis liebte Casper zu sehr und kehrte nie wieder zu Angeal zurück.
~ ENDE ~

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Information Eine kleine Weihnachtsgeschichte
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:30 AM - No Replies

Steve lief über den Spandauer Weihnachtsmarkt, nun war es binnen der letzten zwei Wochen wirklich Schweinekalt geworden und zum genießen und schauen, wollte er mal wieder über seinen Lieblingsweihnachtsmarkt spazieren, Glühwein und Feuerzangenbowle trinken, Maronen und andere Leckereien essen und sich den reichen Weihnachtsmarkttypischen Düften hingeben.
Mit seinen achtzehn Jahren und etwa 1,85 m bei 75 Kilo war Steve gerade richtig gebaut. Da er viel schwamm und auch sonst noch Sport trieb, war sein Körper recht athletisch und eigentlich ganz nett anzusehen. Abgerundet wurde dieses Bild durch die stechensten und intensivsten grünen Augen die man sich vorstellen konnte und eigentlich pechschwarzes Haar, eigentlich weil in dieses Haar ein starker Schimmer dunkelblau durchschien, den er sich hatte reinfärben lassen und der ihn sehr gefiel. Er hatte dies einmal bei einem Popstar gesehen und wollte es probieren. Alles in allem war er keine auffällige Person, was durch seine schüchterne Ader noch gestützt wurde, aber trotz allem war er ein nett anzusehender Typ der Gattung Mann.
Er sah auf dem Weihnachtsmarkt so viele glückliche Pärchen und er war etwas traurig. Leider musste er allein über den Weihnachtsmarkt wandern. Seit gut drei Monaten war er wieder allein. Erschreckend und schockierend war die Situation als er Jan, seinen Ex-Freund, vor besagter Zeit das letzte mal gesehen hatte. Sie waren gut ein dreiviertel Jahr zusammen und geendet hat es im Schlafzimmer von Jans Wohnung, wo er ihn mit diesem Möchtegernschönling aus dem Haus B (Für Nichtberliner, eine Schwulendisco), im Bett erwischt hat.
Bestimmt 20 Minuten hatte er dem wilden Spiel der nackten Körper zugesehen, weniger aus Faszination als viel mehr Sprachlosigkeit und Entsetzen, darüber was er da sah. Als er dann endlich seine Sprache wieder gefunden hatte, brachte er lediglich zwei Worte heraus:
„Machts Spaß?“
Nun war Jan daran geschockt zu schauen und als er die Situation endlich richtig eingeschätzt hatte, sprang er aus dem Bett und versuchte Steve aufzuhalten und zu erklären, doch Steve lies ihn nicht, er schnappte sich seine Sachen, all seine Sachen, und war weg. Im Nachhinein war Steve froh nicht auf Jans Wunsch des Zusammenziehens, eingegangen zu sein, die Situation unter den Bedingungen wäre sicherlich um einiges komplizierter gewesen (wie man sich denken konnte).
Jan war, wie bereits erwähnt, Steves erster Freund und das war es auch was er wollte, keine One-Night-Stands, keine wilden Orgien oder sonstige Eskapaden, er wollte einen Partner, einen Liebhaber und Vertrauten der ihn verstand und sein Leben mit ihm teilte, doch leider stand er mit dieser Ansicht etwa mit 75 % aller Berliner Schwulen auf Kriegsfuß zumindest so wie er das bisher erlebt hat.
Alles auf diesem Markt erinnerte ihn an schmerzliche Sachen, glückliche Pärchen oder zufriedene Eltern mit ihren Kindern belagerten den Markt, die Buden und die Attraktionen wie das Riesenrad oder die große Rutsche. In diesem Moment fühlte er sich wirklich allein, einerseits war er wieder Single und andererseits hatte er keine Eltern mehr.
Steves Eltern waren vergangenes Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommen und seitdem schlug er sich mehr oder weniger allein durchs Leben, gut hierbei war das seine Eltern ihm ein recht anmutendes Vermögen hinterließen, was dazu führte das er ohne Ansprüche auf Leistungen an den knauserigen Staat zu erheben, gut leben konnte. Eine nette kleine Wohnung war im übrigen auch im Erbe enthalten gewesen, die wollten ihn seine Eltern wohl zum Geburtstag schenken, zumindest stand das in der bereits vorbereiteten Geburtstagskarte die er auf dem Couchtisch in besagter Wohnung fand.
Nun was war noch anzumerken?
Ach ja, Steve ist seit nun diesem Wintersemester Student der Sozialwissenschaften und er mochte es, auch wenn’s anstrengend war.
Nun aber zurück zum hier und heute, er spazierte also über den Weihnachtsmarkt, sah das eine oder andere hübsche Gesicht, aber Hoffnung das hier jemand schwul war und gerad ihn bemerkte war für ihn doch recht vergebens. Als er an einem der vielen Stände für Süßwaren vorbeikam, viel ihm ein, das Melissa seine beste Freundin am nächsten Tag mit einem Bekannten von ihr vorbeikommen wollte und da wollte er unbedingt ein paar Köstlichkeiten im Haus haben, also kaufte er 1 Kg gebrannte Mandeln, außerdem seine geliebten mit Schokolade überzogenen Weintrauben, Zuckerwatte in der Tüte, Lebkuchen sowie Stollen, da er keine Lust verspürte selbst noch zu backen.
Außerdem kaufte er von einem der anderen Stände diverse Teesorten und für den Fall einen Kaffeetrinker bewirten zu müssen, eine weihnachtlich angehauchte Kaffeemischung. Spätestens jetzt wird der geneigte Leser feststellen, unser Protagonist ist ein absolut weihnachtsverrückter Typ, getrübt wird es dieses Jahr nur durch seine nicht vorhandenen Eltern, da er sonst immer, wie es sich gehörte für eine Familie, bei ihnen feierte.
Nach 3 Stunden auf dem Weihnachtsmarkt, wurde Steve langsam müde und machte sich auf den Weg nach hause, wo er auch eine halbe Stunde später eintraf. Eine nette Charlottenburger 2-Zimmer-Wohnung. Er verstaute seine Errungenschaften und machte es sich auf der Couch bequem, klappte den Laptop auf und während dieser zu arbeiten begann fiel ihm etwas ein, etwas was ihm jetzt erst bewusst wurde.
Beim verlassen des Weihnachtsmarktes war er an einem Mann vorbeigekommen, etwa sein alter, eigentlich genau das andere Element zu seinen Augen, nämlich leuchtend Blaue, eine süße Stupsnase und ein Lächeln was weitaus mehr als bezaubernd war, über diesen Gedanken ist er dann letztendlich schon eingeschlafen. Die Müdigkeit übermannte ihn einfach und er fiel in einen verwirrenden Traum, in dem ihn die blauen Augen und das schöne Lächeln des niedlichen Unbekannten verfolgten.
Gegen 3 Uhr am Morgen wachte er schließlich auf und schaute auf seinen Laptopmonitor, da leuchtete das MSN-Signal was bedeutete das er eine Nachricht hatte und wie konnte es anders sein von Melisse. Er öffnete das Fenster und begann zu lesen:
Hi Schätzchen,
nein keine Angst, ich will nicht absagen (hatte sie tatsächlich in letzter zeit oft getan)
im Gegenteil, ich wollte Fragen ob Timmy und ich eine
Stunde früher kommen können, da ich vergessen hab das morgen schon der
22.12. ist hab ich auch vergessen das ich da doch schon am Abend nach hause fahre. Wegen packen und so ist etwas Vorlaufzeit vielleicht nicht schlecht, oder was sagst du? Wie siehts eigentlich aus, kommst du mit? Du weißt meine Eltern würden sich sehr darüber freuen, warst ja lang nicht mehr mit.
Na gut, ich muss auch noch mal los, mir fehlen noch 3 Weihnachtsgeschenke, ich wunder mich immer wieder wie du das machst. Schick mir ne SMS.
Bis denne kiss Melissa
Für Steve stellte das kein ersichtliches Problem dar und er überlegte, als er den Laptop zuklappte und sich auf den Weg ins bett machte, ob er mitfahren sollte. Allein Weihnachten verbringen, war wie bereits erwähnt noch nie etwas für ihn gewesen. Er schaute auf die Uhr und tippte die Antwort in sein Handy ein und klickte auf Senden:
1 Stunde früher ist ok
wegen mitkommen reden
wir dann. Wer ist nun eig.
Timmy?
Das war nun wirklich etwas was ihn interessierte. Seit dem mit Jan schluß war, war Steve sehr einsam und würde sich gern wieder verliebt und in festen Händen wissen, aber ob er sich verkuppeln lassen wollte?
Über diesen Überlegungen schlief er wieder ein, was keine besonders gute Idee gewesen war, da er sich keinen Wecker oder dergleichen gestellt hatte also, was war es was ihn weckte?
Richtig, die Türklingel.
Ein kurzer Blick auf den Radiowecker verriet ihn das er sehr lange geschlafen hatte, es war bereits 13 Uhr, exakt eine Stunde früher als vereinbart. Leise fluchend sprang er aus dem Bett und ging an die Sprechanlange:
„Ja?“
„Hallo Schätzchen, wir sinds!“
„Kommt rauf, hab verschlafen!“
„Okay…“ und wie sollte es anders sein, sie kicherte, war ja klar, Schadenfroh wie eh und je.
Steve drückte den Summer und lehnte die Tür an, dann schnappte er sich die glücklicherweise bereitliegenden Klamotten und verschwand ins bad. Er hörte von draußen wie die Tür geschlossen wurde und ein fröhliches aber vor allem lautes Hallo zu hören war.
Steve sprang schnell durch die Dusche, mit rasieren brauchte er sich nicht aufhalten, er richtete die Haare, putzte sich seine Zähne und zog sich an. Ja, so konnte er sich sehen lassen. Dann ging er nach draußen, wo er im Wohnzimmer sehnsüchtig erwartet wurde. Melissa sprang ihm entgegen und verpasste ihm den obligatorischen rechts-links-kuss und wollte ihm Timmy vorstellen, den er noch gar nicht bemerkt hatte, da dieser sich seine DVD Sammlung anschaute.
Als Timmy sich umdrehte, traf Steve der Schlag, strahlend blaue Augen, blonde haare (wohl bemerkt natürliches blond), süße Stupsnase und ein traumhaftes lächeln, Timmy war gestern auch auf dem Weihnachtsmarkt gewesen und er war es der Steve nicht mehr aus dem Kopf ging.
Grinsend ergriff Melissa das Wort.
„Steve, darf ich dir meinen guten Bekannten, Timothy vorstellen?“
„Wenn der Timothy so ein guter Bekannter ist, wieso kenne ich, als dein bester Freund, ihn dann nicht?“
Schoss es leicht ärgerlich von Steve zurück, Melissa wurde Rot und murmelte irgendetwas Unverständliches in ihren nicht vorhandenen Bart, derweilen trat Steve zu Timothy heran und reichte ihm die Hand.
„Hallo Timothy, ich bin wie du dir denken kannst, der Steve!“
„Hallo Steve, bitte nenn mich Tim das Timothy mag ich nicht so da fühl ich mich so alt und das bin ich weis Gott noch nicht!“
Sie lächelten sich an und Melissa hörte nicht mehr auf zu Grinsen. Nun musste sie mal schauen ob ihr großer Trumpf tatsächlich so ein großer Trumpf war, sie wollte Steve nämlich aufgrund von Ablenkung von der fehlenden Familie, unbedingt mit zu sich nehmen.
„Steve, hast du es dir noch mal überlegt ob du mitkommen möchtest?“
Steve versank in diesen Traumhaften blauen Augen und hörte Melissa kaum bis gar nicht. Diese wiederholte ihre Frage etwas lauter und dann regte sich auch etwas bei Steve.
„Äh….wie?…was? Ach so, ja hab ich!“
Tim schaute ihn an und als Melissa zu einer Antwort ansetzen wollte, fing er noch vor ihr an zu sprechen.
„Und, kommst du mit uns mit?“
Nun ratterte es in Steves Kopf, hatte er das richtig verstanden? Kam Tim mit? Also wenn das so war viel Steve die Überlegung nicht sonderlich schwer, aber lieber auf Nummer sicher gehen.
„Du fährst auch mit?“
„Japp, Hohenzieritz ist meine Heimatstadt!“
Nur zur Erklärung, Hohenzieritz, gibt es wirklich, es liegt in Mecklenburg-Vorpommern, nahe gelegen an einem See, der Tollensesee genannt wird und zu den Zahlreichen Seen, der Mecklenburgischen Seenplatte gehört. Ich möchte jetzt nicht näher darauf eingehen aber kurz gesagt, es ist eines der unzähligen Mecklenburgischen Dörfer.
Steve war etwas verwirrt.
„Und wieso kenne ich dich dann nicht?“
„Du kommst auch aus Hohenzieritz?“
„Ursprünglich ja, bin dort zur Schule gegangen. Vor zwei Jahren sind wir dann nach Berlin gezogen.“
„Merkwürdig, na ja auch nicht wirklich, ich war früher sehr viel krank und deswegen gar nicht in der Schule, meine Eltern haben mir dann einen Hauslehrer besorgt damit die Defizite nicht zu hoch werden.“
„Du bist nicht zufällig Timothy Berger?“
Da kam eine kleine Erinnerung in Steve auf, ganz hinten hatte sie sich in seinem Gehirn festgesetzt und sie lag auch einige Zeit zurück. Einige Zeit zumindest für einen 18 Jährigen!!!
Timothy Berger, war eigentlich in seiner Klasse, aber wegen langer Krankheit hatte er ihn nie zu Gesicht bekommen. Für ihn war das schlimmste immer das Unverständnis der Lehrer, die nicht so recht glauben wollten, dass Tim wirklich krank war. Er war dann immer als Klassensprecher für Tim in die Bresche gesprungen und hat die Lehrer korrigieren müssen die dann die eine oder andere negative Äußerung über ihn und dessen Abwesenheit gemacht hatten.
„Ja, woher kennst du meinen Nachnamen, den hat dir doch Melissa nicht verraten oder?“
„Nein, nein, ganz einfach, eigentlich waren wir Klassenkameraden, du warst nur nie da, weil du krank warst… by the way…darf man Fragen, was du hattest?“
Mittlerweile haben sich die beiden hingesetzt und wurden interessiert von Melissa gemustert. Dies erinnerte Steve jedoch an seine Gastgeber pflichten und statt auf eine Antwort zu warten, erhob er sich wieder.
„Oh, sorry, wo hab ich nur meinen Kopf, wir haben es ja eigentlich Mittagszeit, ich hab aber nichts gekocht oder so wollen wir was bestellen?“
„Ja, gute Idee und was meinst du Tim?“
„Find ich auch und ähm vielleicht was zu trinken?“
„Klaro, wie wäre es mit Tee und während ich den ansetze, könnt ihr auswählen wo wir bestellen!“
Mit diesen Worten verließ Steve kurz das Wohnzimmer um darauf mit einer Handvoll Prospekte von diversen Restaurants wieder zukehren.
„So wählt mal, mir ist es egal, Hauptsache Futter!“
Grinste Steve und ging in die Küche, dort bereitete er eine Schüssel mit gebrannten Mandeln und einen Teller mit den schokolierten Trauben und dann setzte er Wasser für den Tee an, bereitete die Mischung und die Kanne vor und als das Wasser kurz vor dem kochen war, nahm er es vom Herd und goss den Tee auf.
„Wir haben uns für den Mexikaner entschieden… mmmmhhh… das riecht wirklich gut.“
Steve drehte sich erschrocken um, Gott sei dank hatte er den Teekessel schon abgestellt. Tim stand da und roch mit geschlossenen Augen, er sog den ganzen Duft durch die Nase ein.
„Hehe, ja das ist eine Mischung die ich auf dem Weihnachtsmarkt, gestern, gekauft hab.“
„Wusste ich es doch“, flüsterte Tim. „Du warst das also doch gestern. Ich war mir nicht sicher, deswegen hab ich nichts gesagt. Du bist gerade gegangen als ich gekommen bin, oder?“
„Ja, also ich wusste sofort das du es warst!“
Steve sagte es recht leise, nahm das vorbereitete Tablett auf und ging in Richtung Wohnzimmer, als Tim noch etwas sagte, hielt er inne.
„Ich würde dich gern besser kennen lernen, Steve…!“
Steve drehte sich um und lächelte.
„Sehr gerne…“
Sie gingen schweigend ins Wohnzimmer, dann wechselte Steve direkt das Thema…
„Mexikanisch also, Melissa, habt ihr euch denn auch schon ausgesucht, was ihr haben wollt?“
„Ja, wir wollen die 68 also beide, das sind Boritos mit Hähnchenbrustfiletfüllung, Salat und Dips.“
„Oh, das klingt echt lecker, das nehme ich auch!“
Also rief Steve beim Mexikaner an und bestellte, besagtes drei mal. Dann machte er etwas Musik an und wie sollte es anders sein: Kuschelrock Christmas!
Dann goss er den Tee für alle ein und setzte sich, bewusst unbewusst zu Tim auf die Couch, der Junge hatte es ihm angetan, nun ja es würde sich zeigen was da noch werden wird.
„Ist in Ordnung ich komme nachher mit, ich habe sowieso nichts vor, zumindest nichts Wichtiges also, ähm ich lass euch mal eben einen Moment allein und pack ein paar Sachen zusammen dann ist das schon einmal erledigt.“
Steve verließ das Wohnzimmer, ging ins Schlafzimmer, schnappte sich eine Reisetasche und packte sie mit ein paar Sachen voll inklusive dem Weihnachtsgeschenk für Melissa, ein paar sehr schöne Ohrringe die Melissa schon seit einiger Zeit haben wollte und beschloss bevor sie losfahren, noch eben zwei Weihnachtsgeschenke für Melissas Eltern na ja und vielleicht eins für Tim, zu besorgen.
Als er seine Tasche fertig gepackt hatte und im Flur abstellte, klingelte es gerade. Er schnappte sich sein Geldbeutel und machte die Tür auf, als er auch die Haustür öffnete wartete bereits der Lieferboy mit dem Essen, er bezahlte und holte Besteck und Teller aus der Küche und ging voll beladen ins Wohnzimmer, dort angekommen, lud er alles ab und sie machten sich ans Essen.
Um halb Sieben Uhr abends haben sie sich auf dem Hauptbahnhof, vor McDonalds verabredet und die Zeit bis dahin wollte Steve noch nutzen, bereits besagte Geschenke zu erstehen. Für Melissas Mutter, einer unwahrscheinlich lieben Frau kaufte er ein Buch, genannt die Scheidungsdiät, oh nein nicht das sie solche Gedanken gegenüber ihren Mann hegte sondern es ist der Humor in solchen Büchern, der ihr sehr gefiel, außerdem gab es auch noch eine Flasche kräftigen Rotwein.
Für Melissas Vater kaufte er eine Flasche guten Scotch, der laut Empfehlung des Händlers sehr Schmeichelhaft für Gaumen und Nase sein soll. Und um auch sein Hobby zu befriedigen, so lächerlich es auch klingt, einen ICE-Zug für dessen Modelleisenbahn.
Nachdem er die Geschenke für Melissas Eltern gekauft hatte, überlegte er bei einer Tasse Cappuccino was er denn für Timmy kaufen sollte… er schaute auf die Uhr, eine Stunde sollte er noch Zeit haben bevor er sich auf den Weg zum Hauptbahnhof machen sollte, also genug zeit. Steve lehnte sich zurück und dachte nach, verfiel leicht ins Träumen und wovon er Träumte war ja eigentlich klar, zwei schöne blaue Augen.
Nachdem er seinen Cappuccino ausgetrunken hat, schlenderte er durch das Einkaufszentrum und sah dabei ein wirklich nettes Geschenk, süß aber nicht kitschig, Steve war felsenfest der Meinung das würde Timmy gefallen, also kaufte er es und ging noch eben an einem Laden für Verpackungen vorbei um seine Errungenschaften weihnachtlich verpacken zu lassen. Nachdem auch das erledigt war, machte er sich auf den Weg zum Hauptbahnhof schließlich wollte er seinen Zug nicht verpassen. Obwohl dafür noch massig Zeit war konnte man bei Berlin im Winter nie so recht wissen, aber auch das war kein Problem und so stand er als erstes vor McDonalds. Er verspürte Lust sich einen Milchshake zu holen und als er den hatte und wieder vor McDonalds stand kamen die beiden anderen auch gerade lang gelaufen und sie begrüßten sich schnell und gingen zum Fahrkartenschalter und kurz darauf standen sie auch schon auf dem Bahnsteig und der Zug rollte ein, eigentlich ging alles ziemlich glatte wenn man bedachte das es sich um die Deutsche Bahn handelte.
Die Zugfahrt war angenehm und sie hatten ein Abteil für sich ganz allein, Melissa schlief schnell ein, anscheinend hatte sie keinen Schlaf bekommen vergangene Nacht. Steve unterhielt sich mit Timmy und holte sich über diese Unterhaltung eine Menge Informationen über Timmy unter anderem auch das Timmy seit ein paar Monaten endgültig weis das er schwul ist, nur gab es da ein Problem, seine Freundin mit der er in Hohenzieritz noch zusammen war, sie waren zwar getrennt aber er wollte allen reinen wein einschenken auch seiner Ex. Nun die Nachricht das Timmy nun definitiv auch schwul war, war doch schon mal etwas Angenehmes und das mit seiner Ex würden sie auch gebacken kriegen, also bestand in der Hinsicht schon mal kein Problem.
Sie unterhielten sich über Gott und die Welt, auch über Steve und das er solo ist und sich einsam fühlt.
„Ich kann gar nicht verstehen, dass du Solo bist, ganz ehrlich! Du bist doch ein toller Typ, siehst gut aus und bist lustig und nett, wieso bist gerade du allein?“
„Du, das kann ich dir auch nicht sagen, vielleicht weil ich nicht das Partyschwein par Exellence bin oder was weis ich, ich möchte ja auch einfach nur einen lieben Typen mit dem ich mein Leben teilen kann und auch ein wenig spaß habe, ich mein das kann doch so nicht zu viel verlangt sein. Ach und bitte, treu müsste er sein, noch mal so was wie mit meinem Ex und ich stürz mich vonner Brücke!“
Dies sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen, das Timmy nicht so sehr erschrak, dann erzählte Steve wie das alles mit Jan war und wie es endete und dann stimmte Timmy ihn auch vorbehaltlos zu.
Steve und Timmy war irgendwie bewusst das sie sich über die maßen hinaus mochten, nur weder sich noch ihrem gegenüber wollten sie dies in diesem Rahmen eingestehen, sonst würden sie vermutlich schon kuschelnd und knutschend im Abteil sitzen. Aber zurück zur Geschichte.
Timmy hatte seinerseits ebenfalls negativ Bekanntschaft mit einem untreuen Partner gemacht und wollte so was für sich ebenfalls ausschließen, es war zwar schwer jemanden zu finden wo man weis der betrügt einen nicht, aber die suche lohnt sich. Streiten gehört zum Leben aber wenn man sich streitet und weis das man trotz allem geliebt wird, ist das eine ganz andere Kiste.
So saßen sie eine Weile im Abteil, lange sollten sie nicht unterwegs sein, anderthalb Stunden nach Neu Strelitz und da wurden sie von Melissas Vater abgeholt. Wie gesagt Hohenzieritz ist ein Dorf, ohne Anbindung an das Öffentliche Personennahverkehrsnetz geschweige denn Fernverkehr.
Sie waren gerade eine dreiviertel Stunde unterwegs, da machten sie sich auf den Weg um noch einen Drink im ICE-Restaurant zu nehmen und anschließend war auch schon ausstieg angesagt. Sie waren bereits in Neu Strelitz angekommen. Melissa freute sich, Steve war bedrückt und wohl niemand war in der Lage zu deuten wie es Tim bei der Ankunft ging, tatsächlich aber plagte ihn die unsägliche Nervosität. Für Tim war das Jahr Null, das Outing, die vollkommene Offenlegung seiner sexuellen Identität und (was am Beklemmensten war) das abschießen seiner eigentlich schon lange Ex-Freundin. Zumindest lange für ihn, aber ob sie es wohl verstanden hatte…fraglich.
Nachdem sie dann auch endlich Hohenzieritz erreichten, luden sie Tim an seinem Haus aus und fuhren weiter, nicht ohne sich für den Morgen zu verabreden. Schließlich war es schon langsam Nacht und irgendwann muss man nun einmal auch schlafen.
Kaum waren sie bei Melissa angekommen das sie auch schon in den Betten verschwanden, Melissa und Steve waren beide Todmüde und genossen den Schlaf der Gerechten.
Währenddessen stand Tim immer noch vor dem Haus seiner Eltern, er hatte Angst davor was kommen konnte und er wollte diese Angst eigentlich nicht an sich lassen. Leider übermannte sie ihn trotzdem. Er ging langsam Schritt für Schritt auf das Haus zu, seine Eltern erwarteten ihn zwar, schliefen aber schon da er sich für in der Nacht ankündigte und darauf bestand das sie nicht auf ihn warteten. Als Tim es endlich geschafft hat ins Haus und ins Bett zu kommen war es bereits gegen 2 Uhr und er schaffte es irgendwann in einen tiefen, Traumlosen Schlaf zu fallen. Dieser war zwar nur von kurzer Dauer denn er wurde vom versuchten leise sein seiner Eltern geweckt und stand auch direkt auf um ins Bad zu gehen und sich Tageslichttauglich zu machen. Als er nach unten ging, sein altes Zimmer lag im ersten Stock des Einfamilienhauses, fand er einen reich gedeckten Frühstückstisch vor mit all den Köstlichkeiten die seine Mutter früher auch für ihn gemacht hatte. Als er in die Küche kam begrüßten seine Mutter und sein Vater ihn nach einander herzlich und somit setzten sie sich an den Tisch um gemeinsam zu Frühstücken, das erste Frühstück seit langer Zeit was sie zusammen begingen. Meist war Tim nie lange geblieben und nur selten über Nacht, besonderes seine Mutter wusste das etwas, ein Konflikt, in ihrem Sohn am toben war. Genau wusste sie nicht um welche Art von Konflikt es geht aber sie wusste das es in die Richtung von Stefanie ging, seine Exfreundin mit der er nie wirklich Schluss gemacht hatte. Mütter haben ja immer einen gewissen Instinkt was solche Sachen und ihre Söhne angeht, nur wusste Tims Mutter nur die Hälfte dessen was da auf sie zukommen mag. Aber eins wusste sie definitiv, Tim hatte Angst davor mit ihnen zu sprechen und das bedeutet für gewöhnlich nicht das es sich um etwas Gutes handelte, oder etwas wo er dachte sie würden nicht vernünftig reagieren. Eigentlich pflegten sie einen herzlichen und offenen Umgang und sie würden auch diese Sache meistern, die Frage war nur: Wie?
Tims Vater stand bald darauf auf und machte sich auf den Weg zur Arbeit, es war zwar der 23. Dezember aber auch dieser Tag ist, für gewöhnlich, ein Arbeitstag. Er wünschte den beiden Daheim gebliebenen einen schönen Tag und schon fiel die Tür ins Schloss. Tims Mutter wollte wissen was los war also machte sie Nägel mit Köpfen:
„Junge, ich merk das dich was bedrückt, sag mir was los ist!“
„Mama, das ist nicht so leicht….“
„Das hat etwas mit Stefanie zu tun oder?“
„Na ja, direkt indirekt würde ich sagen.“
„Okay… und in welcher Hinsicht direkt und in welcher indirekt?“
„Also direkt, weil es der Grund ist warum ich von ihr weg bin und indirekt weil ich na ja noch mit ihr sprechen will um es ihr zu sagen!“
„In Ordnung so weit komm ich mit, magst du mir denn sagen was los ist?“
„Ja, schon….“
Tim schaute betreten zu Boden, er wünschte sich nun so sehr Steve her, wie er souverän mit Situationen umgehen konnte, war wirklich beneidenswert. Tim wünschte sich dieses Geschick, alles was er nun tun konnte war direkt und ehrlich zu sein.
„Ja also Mum das ist so, ich hab keine Freundin mehr nach Stefanie gehabt…“
„Das versteh ich aber nicht, du siehst doch gut aus junge und bist schwer in Ordnung wenn ich das mal so sagen darf, als Mutter.“
„…. ja nur geht es nicht darum, also ich hatte schon Partner, aber keine weiblichen…ich bin schwul.“
Sie schwieg, er hatte damit gerechnet, dass sie ihn beschimpfen würde aber nichts dergleichen kam, sie holte sich einen neuen Kaffee und goss ihn auch einen ein. Sie bedeutet ihn sich hinzusetzen und nach noch mal etwa fünf Minuten eisigem schweigen, begann sie zu sprechen.
„Ich habe mir schon gedacht, dass dich irgendwas belastet. Ich versteh nur nicht ganz wieso du dich auf Stefanie eingelassen hast wenn du doch wusstest das du schwul bist!“
„Na ja, als ich mich auf sie eingelassen hab, wusste ich es noch nicht oder ich war mir nicht sicher, ach ich weis nicht aber jedenfalls. Ich weis es jetzt und deswegen möchte ich auch reinen Tisch machen, mit dir Paps und auch mit Stefanie.“
Seine Mum atmete auf und lächelte und erst in diesem Moment wusste er das er sich keine Sorgen zu machen braucht. Sie redeten noch den ganzen Morgen, Katherin, so hieß seine Mutter, wollte noch einiges wissen übers Schwulsein und über Tims leben in der Stadt. Natürlich wollte sie auch wissen ob er denn derzeit einen Freund hatte, er meinte nur, dass er da jemanden in Aussicht hat und lächelte. Ebenfalls am Morgen so gegen zehn Uhr erwachte auch Steve aus seinem Komaartigen Schlaf, er setzte sich auf und sein erster Gedanke wanderte Richtung Tim. Unbewusst aber dennoch gegenwärtig ließ er seine Gedanken, Sehnsüchte und Vorstellungen rund um diesen attraktiven Typen kreisen. Er hatte dieses bewusste Kribbeln im Bauch. Er kannte es, hatte es aber erst einmal zuvor aber dennoch schwächer bereits spüren dürfen. Diesmal war es aber intensiv und absolut und er wollte in Tims Armen liegen. Er hatte sich in Tim Hals über Kopf verliebt, ein Unding das Melissas offensichtlicher „Geheimer“ Kuppelversuch doch tatsächlich zumindest von seiner Seite aus als gelungen rausstellen sollte.
Steve stand auf, ging ins Bad und wusch sich gründlich und verrichtete die anderen Kleinigkeiten die man an dieser Stelle so tat. Frisch und Munter kam er dann an den Frühstückstisch, er wurde herzlich begrüßt und sie frühstückten gemeinsam und unterhielten sich über dies und das, nur Steve hielt sich eher zurück, seine Gedanken ließen einfach nicht von Tim ab. Er freute sich sehr, dass er ihn bald wieder sehen konnte.
Melissa rief bei Tim an und sie verabredeten sich für zwölf Uhr vor der Kirche, sie lieh sich den Wagen und sie wollte etwas nach Neustrelitz um ein wenig über den Weihnachtsmarkt zu schlendern und die vor weihnachtliche Zeit zu genießen die ja nun langsam zur neige ging. Sie hatte vor sich etwas zurückzuziehen und die beiden Turteltäubchen etwas Raum zu lassen.
Pünktlich um zwölf standen fuhr Melissa vor der Kirche vor, Tim stand dort, mit einem Mädchen, Stefanie, seine Ex-Freundin und sie stritten sich offenbar. Als sie ausstiegen hörten sie direkt das Gekeife von ihr: „Wer hat dir den Gott verdammten Floh ins Ohr gesetzt, du seihst schwul? Ich dachte wir sind zusammen? Was soll der Scheiß? Du bist keine dieser unnatürlichen Schwanzlutscher!“
Tim war seelisch am Boden, er würde ihr gerne sagen das er glücklich ist wie er ist und nicht wie sie findet wie er sein sollte.
„Bitte hör auf so zu schreien, ich bin doch nur schwul, das ist nichts Unnatürliches. Ich liebe eben einen Mann. Ja es stimmt schon, wir waren zusammen, aber als ich nach Berlin zog… ich meine wir haben uns so gut wie gar nicht mehr gesehen und ich entdeckte wie mich Männer anziehen und auch das ich glücklicher mit einem Mann bin.“
Es war schwer für Tim, die Worte raus zulassen, er schluchzte und stand kurz vor einem schweren Weinkrampf.
„Das denkst du bloß, die haben dich einer Gehirnwäsche unterzogen oder so, wer ist es?, sags mir, den nehme ich mir zur Brust!“
Steve schritt ein: „Hörst du endlich auf hier so ekelhaft schrill durch die Gegend zu schreien und behalt deine Mittelalterlichen Ansichten für dich du hast gehört was er gesagt hat!“
Stefanie fühlte sich vor den Kopf gestoßen, Steve ein eigentlich durch und durch, in Ihren Augen, Heterosexueller „Normaler“ Typ, stand für eine Schwuchtel ein? Das geht doch nicht!
„Was soll das denn? Wieso verteidigst du ihn?“
„Halt deinen Mund und lass Tim in ruhe, er ist vollkommen in Ordnung so wie er ist.“
„Bist du etwa auch so ein Schwanzlutscher geworden?“
„Geworden? Wer sagt denn das ich jemals Hetero war?“
Stefanie lief rot an, bemerkte aber doch die Blicke die Tim, Steve zuwarf.
„Er ist es oder Tim?“
„Ja, er ist es und jetzt lass mich bitte in frieden. Melissa, Steve…bitte lasst uns gehen.“
„Wirst schon sehen was du davon hast… Ihr werdet beide in der Hölle landen.“
Mit dieser Bemerkung, drehte sie sich um und eilte schnellen Schrittes davon. Tim zitterte, auf so eine schwere Konfrontation hatte er sich nicht eingestellt gehabt, Steve ging zu ihm und nahm Tim in den Arm, dann führte er ihn zum Auto und setzte sich mit ihm auf die Rückbank.
„Sollen wir zu dir oder zu Melissa, oder möchtest du immer noch nach Neustrelitz?“
Tim schaute Steve an und er spürte den Funken wie er übersprang auf ihn. So hatte er sich das vorgestellt, jemand der wirklich danach fragte was er wollte, nicht nur an sich dachte.
„Lass uns trotzdem nach Neustrelitz fahren, ich möcht jetzt nicht endlos zu Hause rum sitzen.“
Tim kuschelte sich an Steve an und dieser streichelte ihm über den Rücken hoch und kraulte ihm dann den Nacken, Tim genoss das sehr und machte die Augen zu, Melissa steuerte das Auto, zielsicher Richtung Neustrelitz. War dann aber doch neugierig.
„Mal von dem Debakel mit der eitlen Zicke abgesehen, hast du schon mit deinen Eltern gesprochen?“
Tim öffnete die Augen nicht sondern antwortet direkt und ohne sich zu rühren.
„Japp, mit meiner Mum und meine Mum spricht mit Dad, sie hat es schon vermutet und war froh das ich es ihr gesagt hab und sie meinte Dad wird kein Problem sein, sie hat offen mit ihm über ihren verdacht gesprochen und sie waren sich wohl einig das es nichts schlimmes ist.“
„Das freut mich für dich.“
Steve liefen ein paar Tränen über die Wange und Tim bemerkte dies erst als er etwas Feuchtes an seiner Stirn fühlte. Er schaute auf und sah wie Steve still und leise weinte.
„Hey großer, was hast du denn?“
Tim hob Steves Gesicht mit dem Finger und schaute ihm in die Augen. Steve war so als würde eine Welle Purer Wärme ihn durchdringen.
„Ich…Ich vermisse meine Eltern…“
Tim schaute ihn an und diesmal war er es der Steve in den Arm nahm, er flüsterte ihn leise tröstende Worte ins Ohr, die mit einem Satz endete der Steves Kribbeln 100fach verstärkte.
„…das schaffen wir schon, mein Großer!“
Steve schaute auf und sah diese Traumhaften Augen die ihn anstrahlten und so voll liebe waren. Tim wollte das jetzt nicht vermasseln also lies er Steve die Ruhe und Zeit zu antworten.
„Wir? Gibt es denn ein wir, Tim?“
„Möchtest du denn das es ein wir gibt?“
Tim lächelte Steve an und dieser nickte leicht und hauchte ein ja. In dem Moment, auf dieser Rückbank auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt nach Neustrelitz, trafen sich ihre Lippen das allererste mal. Es war kein wilder Kuss, noch nicht einmal ein Zungenkuss. Es war nur ein Kuss und sie genossen ihn beide aus tiefsten Herzen.
Als sie Neustrelitz erreicht hatten, Melissa hat sich dezent zurückgehalten und hatte das auch weiterhin vor, parkten sie den Wagen und gingen Richtung Weihnachtsmarkt. Es war immer was Schönes mit Freunden einen solchen Markt zu besuchen, das brachte den Zauber sehr stark zur Geltung. Freunde und Familie sind die Begleiter auf einem Weihnachtsmarkt und nicht die Einsamkeit. Das wurde Tim und Steve nun klar. Er war sehr gut besucht und die drei kämpften sich durch die Massen von Besuchern, spielten bei der Lotterie mit, gingen aufs Riesenrad, wobei sie vier mal gingen, zwei mal mit Melissa und zwei mal gingen Steve und Tim alleine und genossen die Nähe des jeweils Anderen.
Ihnen wurde mehr und mehr klar was beiden in ihren Leben gefehlt hat und sie wollten den zarten Sprössling den sie gerade entdeckt hatten, nicht zu zerstören sondern zum wachsen zu bringen. Sie schmiegten sich auf der Bank aneinander und tauschten den einen oder anderen zaghaften Kuss, als sie dann von dem Riesenrad kamen und Melissa zu ihnen stieß, behielt Steve schon einen seinen Arm um Tim und das gleiche galt für Tim. Das freute Melissa sehr, beide waren geplagt von der Einsamkeit und beides waren sie sehr liebe Menschen und hatten nur das beste verdient und es schien das sich dies endlich bewahrheiten würde.
Nachdem sie jede Spielbude durch hatten, noch das eine oder andere Souvenir gekauft und etwas Glühwein (Melissa natürlich nur die alkoholfreie Variante) getrunken hatten machten sie sich wieder auf den Weg zum Auto und nach hause. Melissa hielt vor Tims Haus und Steve stieg mit Tim aus, sie hatten im Auto noch drüber gesprochen ob Steve nicht mit zu Tim und seine Eltern kennen lernen wollte, aber Steve meinte das Tim erst vollständig mit seinem Vater ins reine kommen sollte bevor er mitkommt. Er möchte nicht das sich eventuelle Probleme mit ihm manifestieren sollten. Es wurden zwar keine Probleme erwartet, aber wie heißt es so schön, erwarte nichts oder das unwahrscheinliche.
Steve verabschiedete Tim mit einem unschuldigen Kuss und einer Einladung für ihn und seine Eltern zu Melissa, am heiligen Abend. Die Einladung war noch am Morgen besprochen worden und da sich auch die Eltern von Melissa und die von Tim kannten, waren diese sehr erfreut über die Idee.
Es lief erwartungsgemäß alles bestens bei Tim, sein Vater war nicht enttäuscht oder was man sich sonst noch für Horrorvorstellungen von seinem Coming Out daheim macht und auch die Einladung wurde herzlich gern angenommen. Am Abend lag Tim in seinem Bett, sie hatten noch eine weile gesprochen, da auch sein Vater neugierig war was das Schwulsein, aber auch die Stadt anging. Er holte sein Handy raus und rief Steve an, dieser lag genauso wach in seinem Bett und dachte nach. Als er auf das Display schaute lächelte er nur.
„Hey mein Kleiner, wie lief es?“
„Alles Bestens und auch die Einladung ist angenommen.“
„Freut mich, dann war ja der Tag kein kompletter Reinfall!“
„Was heißt kein kompletter Reinfall, er war ein fast voller Erfolg.“
„Ach ja, fast voller Erfolg?“
„Na ja, klar die Sache mit Stefanie war belastend aber ich hab da so jemanden kennen gelernt und der na ja den krieg ich nicht mehr aus meinen Gedanken raus…und dann noch der Erfolg bei meinen Eltern, also doch ein fast voller Erfolg.“
„Na ja okay, ja ich hab da auch so ein ganz süßen Typen kennen gelernt und es geht mir da wie dir.“
„Ehrlich?“
„Ganz ehrlich!“
„Freut mich, ich hatte erst etwas Angst, du könntest mich ablehnen!“
„Dich ablehnen? Wieso zum Henker hätte ich solch eine Dummheit begehen sollen?“
„Na ja ich weis nicht, ist alles so verrückt. Ich hätte nie gedacht, das gerade Melissa mir den Traummann für mich vorstellt!“
„Verstehe ich zu gut das Gefühl, ha, ha, ha!“
„Ich wollte eigentlich nur anrufen und sagen, dass alles okay ist und die Einladung in Ordnung geht, wir kommen dann so gegen 18 Uhr. Nach der häuslichen Bescherung!“
„Ist Recht!“
„Gut, also schlaf schön…und Steve?“
„Ja?“
„Ich…..Ich hab mich in dich verliebt!“
„Da bin ich aber froh.“
„Wieso froh?“
„Na da bin ich nicht ganz alleine mein Süßer, ich hab mich auch Hals über Kopf in dich verliebt und nun versuch zu schlafen mein kleiner Liebling.“
„Mein großer Schatz“, kicherte er.
Sie legten beide den Hörer auf und konnten wunderbar schlafen, Im Traum besuchten sich beide, und auch, was sie sich als absoluten Frieden ersehnten.
Der nächste Tag lief recht Ereignislos bis ca. sechzehn Uhr, Melissa, deren Eltern und Steve versammelten sich im Wohnzimmer bei einem Glas Rotwein und weihnachtlicher Musik und Steve begann damit seine Geschenke zu verteilen, zuerst Melissas Mutter, dann ihr Vater und anschließend sie selbst, alle freuten sich sehr über die schönen Geschenke und auch Steve bekam, ein paar sehr schöne Sachen, von Melissa, einen Gutschein für einen Laden der Dekorationen und Haushaltswaren gehobener Klasse führte und ein Armband aus Leder mit aufgesetzten Muscheln. Von Ihren Eltern bekam er eine wunderbare Glaskugel mit schönen Malereien drauf in die man ein Teelicht stellen konnte und die passende Halskette zu dem Armband, er bedankte sich Artig und genoss weiterhin den Wein bis es dann endlich klingelte.
Steve wirkte überaus nervös und auch Tim, vor der Tür, war alles andere als cool drauf. Seine Eltern hätten sich wohl gewundert, hätte Tim ihnen nicht bereits von Steve erzählt. Sie kannten Steves Eltern und waren sehr traurig als sie von dem Unfall erfuhren. Sie wurden herein gebeten und fanden sich wenige Minuten später im Wohnzimmer wieder wo sie zu erst Melissas Mutter und anschließend Melissa begrüßten, bei Steve angekommen…
„Sie müssen Steve sein…“
„Ja das bin ich.“
„Tim hat uns so viel von Ihnen erzählt, wir kannten ihre Eltern und wollten unser Beileid ausdrücken, nun dachten wir uns das es etwas arg verspätet kam deswegen haben wir etwas anderes getan, ich weis das ihre Eltern nicht besonders starke Fotosammler waren, wir waren in der Grundschule und Oberschule gemeinsam und ich und mein Mann wir haben mit ihrem Vater und Ihrer Mutter auch die Universität geteilt.“
Sie holte ein Packet heraus.
„Ich weis es ist unhöflich ihnen als erstes ihr Geschenk zu geben, aber wir dachten uns, wir möchten ihnen eine wirkliche Freude machen.“
Steve war sprachlos, er bat sie nur ihn zu Duzen, es war ihm peinlich von den Eltern seines, ja was eigentlich? Freundes? Bekannten? Geliebten? Das letztere war wohl das wahrscheinlichere, geduzt zu werden.
Er nahm das Packet entgegen und öffnete es, darin lag ein dickes in Weinrot gehaltenes Fotoalbum. Tims Eltern müssen sich am Abend noch hingesetzt haben und das Fertig gemacht haben, ihm standen wieder die Tränen in den Augen. Er klappte es auf und entdeckte zwei Kinderfotos von seiner Mum und seinem Dad und da war es um ihn geschehen, er begann bitterlich zu weinen. Tim nahm ihn in den Arm und Steve weinte sich an seiner Schulter aus, das erste mal seit dem seine Eltern gestorben waren, war er im Stande richtig zu weinen. Nicht leise, nicht heimlich sondern richtig.
Alles kam hoch: Wie er von dem Unfall erfahren hatte, wie er sich um alles kümmern musste…einfach alles. Alles um sie herum schwieg nur Tim und Steve existierte in diesem Augenblick. Als Steve sich einigermaßen beruhigt hatte, bedankte er sich für das schönste Geschenk was er je bekommen hat und bedauerte, dass er keines für sie hatte.
„Ach Junge, du hast uns zwei Geschenke gemacht. Einmal hast du uns einen zweiten Sohn beschert und zweitens hast du uns endlich den wahren Tim gebracht.“
Steve nickte und versuchte zu lächeln, Tim nahm ihn an der Hand und führte ihn ins Bad.
„Wasch dir das Gesicht mein Großer und dann lass uns ein wenig spazieren gehen.“
„Okay… sagst du den anderen Bescheid?“
„Klar, mach in Ruhe.“
Während Tim bescheid gab das sie ein bisschen spazieren gehen wollten, wusch sich Steve das Gesicht und die verquollenen Augen. Dann zog er sich Schuhe und Mantel an und wartete darauf das Tim ebenfalls fertig angezogen war. Sie machten sie sich auf den Weg, wollten nicht weit gehen nur ein wenig frische Luft schnappen.
Sie nahmen einen Weg hinter dem Haus, der über ein Feld in ein Waldstück führte, man konnte jedoch auch einen großen Bogen laufen und das wollten sie auch tun, so das sie auf der gleichen Straße wieder raus kämen, an der auch das Haus von Melissas Eltern lag. Die beiden frisch Verliebten hielten sich an den Händen und genossen die Gegenwart des anderen über alle Maßen.
Steve versuchte sich seinen Tim, genauer anzuschauen, aber so das es Tim nicht auffällt. Die strahlenden Augen, in die er mit jeder Minute mehr versank. Die Konturen des Gesichts, die er immer und immer wieder mit seinen Augen und seinen Fingern nachzeichnen wollte und der weiche Mund aus denen gerade die Nebelschwaden, der Kälte wegen aufstiegen. Für Steve war Tim das was er sich immer gewünscht hat und er würde es sich mit ihm nicht verderben, so viel Aufmerksamkeit die er ihm gegenüber zeigte. Allein dieser Spaziergang war Beweis genug.
„Tim?“
„Ja?“
„Danke….“
Sie waren schon wieder auf der Veranda des Hauses, es war ein nach Amerikanischen Vorbild gebautes Haus, angekommen.
„Wofür?“
„Das du so viel Verständnis hast und für mich da bist.“
Das Holz knarrte leicht und ihre Blicke waren verschleiert vom Dunst ihres Atems jedoch konnten beide so klar wie eh und je die Augen ihres Gegenübers betrachten.
„Steve…ich liebe dich. Ich werde immer für dich da sein und ich denke so wie du dich für mich gestern eingesetzt hast, beruht das auf Gegenseitigkeit.“
„Natürlich, ich liebe dich auch Tim. Ich habe mich schon auf dem Weihnachtsmarkt in dich verguckt und als ich dich bei mir gesehen hab, habe ich mich in dich verliebt und von Sekunde zu Sekunde wird es immer mehr.“
Sie lächelten sich an. In diesem Moment existierten nur die beiden für sich, im ganzen Universum, war alles bedeutungslos geworden, denn die beiden hatten sich gefunden.
Langsam und vorsichtig, als könnte einer der beiden diesen Moment zerbrechen wie ein empfindliches Glas, näherten sich ihre Gesichter, jedoch nicht ohne den Blick von den Augen des Anderen abzuwenden, erst kurz bevor sich ihre Lippen zum allerersten richtigen, intensiven Kuss trafen, schlossen sie ihre Augen und gaben sich ganz dem anderen hin.
Sie bemerkten nicht einmal den Mistelzweig, der über ihren Köpfen hing und ganz unbewusst führten sie die bestehende Tradition fort.

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Information Eine Frau für Papa oder doch ein Mann?
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:30 AM - No Replies

„Alles was er braucht, ist eine Frau.“ So eröffnete Maja den Kriegsrat. Sie war zehn, damit die Älteste der drei Geschwister und bekannt für ihren ausgeprägten Sinn fürs Praktische.
„Das habe ich auch schon gedacht“, pflichtete ihr der achtjährige Ben mit Nachdruck bei. „Es wird jeden Tag schlimmer mit ihm. Er steht jetzt immer und ewig vor dem Spiegel rum. Noch länger als du.“
„Bei mir ist das was anderes“, erklärte Maja kategorisch.
„Im Kindergarten gucken wir auch in den Spiegel, wenn wir uns angemalt haben“, mischte sich der fünfjährige Florian ein.
Maja hatte nur einen strafenden Blick für ihn übrig. „Papa tut das, weil er an sich zweifelt“, erklärte sie mit wissender Miene. „Er denkt, er wäre nicht nett oder nicht schön genug oder irgend so was.“
„War Mama eigentlich nett?“, wollte Florian wissen, der keine Erinnerung an seine Mutter hatte, die kurz nach seiner Geburt gestorben war.
„Und wie!“, rief Maja aus. Und im selben Moment zog sie eine Schublade ihres Schrankes auf und kramte darin herum. Endlich hatte sie gefunden, was sie suchte: ein Foto der Mutter. Sie zeigte es Florian, der das Bild neugierig betrachtete.
„Aber andere sind ja auch ganz nett“, gab Ben zu bedenken. „So eine braucht Papa.“
„Er ist so ungeschickt, deshalb findet er keine“, stelle Maja kritisch fest.
„Außerdem sehen manche bloß nett aus und sind in Wirklichkeit hundsgemein.“ Ben sprach wohl schon aus eigener, nicht besonders guter Erfahrung.
„Tja man muss eben den Blick für so was haben“, entgegnete Maja altklug. „Papa hat ihn jedenfalls nicht.“
„Aber so kann es wirklich nicht weitergehen!“, brauste Ben auf. „An jeder Kleinigkeit meckert er rum in letzter Zeit. Es ist nicht zum aushalten!“
„Er beschwert sich ja schon, wenn ich bloß mal ein paar Minuten mit meiner Freundin telefoniere“, fügte die große Schwester hinzu.
„Ja, aber was machen wir?“ Manchmal fand Ben es gar nicht so schlecht, dass er jünger als Maja war. Zum Beispiel, wenn es galt, Antworten auf eine so schwierige Frage wie diese zu finden.
„Ganz einfach.“ Maja kostete ihre Überlegenheit jetzt voll aus. „Wir müssen ihm dabei helfen, endlich eine Frau zu finden.“
„Wie wäre es mit Helga – meiner Erzieherin im Kindergarten!“, schlug der kleine Florian vor. „Die kann ganz viele Lieder – auch lange. Und jede Menge Witze.“
„Oder die Frau aus dem Eiscafé“, überlegte Maja. Ihr war es ein Rätsel, weshalb man sich – nach Ansicht von Erwachsenen jedenfalls – nicht ausschließlich von Eis ernähren durfte.
„Noch besser ist die Frau im Park“, bemerkte Ben. „Die hat einen Hund, der kann viele Kunststücke, sogar mit den Ohren wackeln.“
So waren schon mal drei Kandidatinnen im Spiel. Aber die Kinder ließen es nicht bei der Theorie, sondern entwickelten aus Sorge um ihren Vater Andreas eifrig Pläne für den Praxis-Test der Damen.
**
Die Sache mit der Erzieherin ließ sich kinderleicht machen und wurde direkt am nächsten Tag in die Tat umgesetzt. Florian passte den Moment ab, in dem sein Vater kam, um ihn – mal wieder als Letzten der Gruppe – vom Kindergarten abzuholen. Der Kleine hatte sich alles gut überlegt, denn er hoffte, dass Helga seine neue Mutter werden würde.
„Du ich muss mal, ganz dringend“, rief er Helga zu. „Und vergiss nicht zu singen!“
Damit verzog er sich aufs stille Örtchen. Helga wusste mit dieser Aufforderung natürlich nichts anzufangen. Doch sie beschloss, die Situation für ein längst überfälliges Gespräch mit Florians Vater zu nutzen.
„Ich glaube ihm fehlt die Mutter“, ließ sie Andreas mit besorgter Stimme wissen. „Gerade ein Junge in seinem Alter braucht eine liebevolle, dabei aber auch sehr feste Hand und …“
Andreas war an solche gut gemeinten Reden gewöhnt, wappnete sich mit Geduld und hoffte lächelnd, die Sitzung seines Sohnes möge ein rasches Ende nehmen. Er fragte sich im Stillen ob es alleinerziehenden Müttern auch so erging. Mussten die sich auch von aller Welt ständig unerwünschte Erziehungsratschläge anhören?
Andreas atmete erleichtert aus, als sein Sohn wieder kam. Der schaute gespannt zwischen seinem Vater und Helga hin und her. Doch es schien nichts passiert zu sein.
„Komm Florian. Wir müssen nach hause“, mahnte Andreas seinen Sohn zu Eile. Er wollte hier raus sein, bevor die Erzieherin ihn mit weiteren Ratschlägen konfrontierte.
Mit einem „Tschüss Helga, bis morgen“ verabschiedete Florian sich und folgte etwas betrübt seinem Vater.
Kaum waren sie zu Hause angekommen, ging Florian in Majas Zimmer um wie besprochen, zu erzählen was passiert war. Oder eben nicht passiert war.
Andreas hingegen zog sich in Ruhe seine Schuhe aus und ging in die Küche. Nach eingehendem Studieren des nicht ganz so gefüllten Kühlschranks, entschied er sich heute Nudeln mit Tomatensoße zu machen. Geistig machte er sich eine Notiz am nächsten Tag einkaufen zu gehen. Während des Kochens dachte er wieder an die Erzieherin und ihre ‚gutgemeinten’ Ratschläge. Immer meinen die Frauen sie wüssten alles besser und er als Vater würde ja alles falsch machen. Tze. Seinen Kindern ging es doch gut. Aber das schienen die anderen nicht so recht wahr zu nehmen. Seufzend blickte er wieder auf die Töpfe.
‚Immer das Gleiche: ‚die Kinder brauchen eine Mutter’. ‚Ihnen fehlt eine Mutter’. Was dachten die sich denn? Sollte ich mal eben so eine herbeizaubern, oder wie stellen die sich das vor?’ Kopfschüttelnd deckte er nebenbei den Tisch.
„Kinder, Essen ist fertig. Wascht euch die Hände und kommt zu Tisch.“
Währenddessen in Majas Zimmer
Gespannt saßen Maja und Ben auf ihrem Bett. Kaum betrat Florian das Zimmer wurde er mit Fragen bombardiert.
„Und? Was ist passiert? Hat es geklappt? Jetzt erzähl doch.“
Mit gesenktem Kopf setzte sich Florian auf den Boden.
„Gar nichts ist passiert. Überhaupt nichts. Aber Helga hat auch nicht gesungen. Papa muss sie mal singen hören.“
„Na das ist ja dumm, was machen wir jetzt, Maja“, fragte Ben seine große Schwester.
„Wir nehmen jetzt die Frau aus dem Eiscafé, mit ihr wird es klappen“, bestimmte sie.
Die Köpfe zusammensteckend schmiedeten sie den Plan, als ihr Vater sie zum Essen rief.
**
Nach dem Essen ging Papa Andreas in sein Arbeitszimmer und setzte sich an seine Unterlagen. Ja, er hatte sich Arbeit mit nach hause gebracht, damit er trotzdem bei seinen Kindern sein konnte. Währenddessen gingen die Kinder wieder in Majas Zimmer und planten weiter.
Die Sache mit der Frau aus dem Eiscafé war weniger leicht einzufädeln. Doch Maja nahm die Herausforderung an und erkannte, dass die Sparschweine der Geschwister dran glauben mussten. Ihre Brüder reagierten allerdings ziemlich mürrisch auf den Vorschlag. Sie ging mit gutem Beispiel voran und plünderte ihre Spardose:
„Wir tun es doch für Papa!“
Da konnten ihre Brüder natürlich nicht zurückstehen. Ein eindrucksvoller Haufen Münzen lag schließlich auf dem Tisch.
„Vierzehn Euro achtzig“, verkündete Maja stolz das Ergebnis ihrer Rechenkünste. „Das reicht.“
„Aber wozu überhaupt?“, fragte Florian brummig.
„Für Eis. Für so viel Geld bekommt man…“ Maja geriet ins Träumen angesichts dieser leckereren Aussichten. Fast hätte sie darüber den Ernst der Lage vergessen. Doch ihre Brüder holten sie in die Gegenwart zurück und drängten auf eine Erklärung.
„Ich bestelle bei ihr Eis und sage, es muss gebracht werden. Das nennt man Service, das ist modern und ist heute üblich.“
„Aber wenn sie nicht selbst kommt?“ wandte Ben ein.
„Ich sage ihr, wir brauchen das Eis erst um sieben. Dann sind alle anderen im Café schon weg, und sie bringt es hierher auf ihrem Nachhauseweg.“
„Das ist schlau“, räumte Ben widerwillig ein.
„Klar.“ Maja war in ihrem Element. „Aber das wichtigste kommt noch: wir drei liegen im Bett, wenn sie kommt! Mit Bauchweh oder so…“
„Um sieben? So früh?“ Florian war sichtlich empört.
„Muss sein“, entschied sie. „Wenn wir dabei sind, verlieben sie sich nicht ineinander. Kapiert?!“
**
Müde rieb Andreas sich die Augen, als sein Blick auf die Uhr fiel. Schnell sprang er auf und ging in Florian und Bens Zimmer. Doch es war leer. Was machen sie denn alle bei Maja? In Majas Zimmer fand er sie alle vereint und über irgendetwas – so wie es aussah – Wichtiges am reden.
„Hey ihr drei. Was macht ihr denn da?“ Neugierig schaute Andreas seine Kinder an.
„Nichts Papa“, sagte Maja schnell.
„Wirklich?“
„Ja, wirklich Papa“, meinte Maja immer noch überzeugend.
„Na gut. Aber jetzt heißt es ab ins Bett. Es ist schon spät. Ich habe leider die Zeit aus den Augen verloren. Also hopp hopp Zähne putzen, Schlafanzug an und ins Bett.“
„Aber Papa…“, fing Ben an.
„Kein aber. Los ihr seid schon länger wach als sonst.“ Damit trieb er seine Sprösslinge ins Badezimmer.
Als sie endlich im Bett lagen, ging er von Kind zu Kind, deckte sie zu und verließ nach einem Gute-Nacht-Kuss das Zimmer.
***
Am nächsten Morgen brachte Andreas Florian wie jeden Morgen in den Kindergarten und nach einem Abschiedskuss machte er sich auf den Weg zur Arbeit. Andreas war eigentlich Werbedesigner, doch seit Herr Schuster, der Werbefotograf ausgefallen war, blieb auch diese Arbeit an ihm hängen.
Kaum hatte er das Gebäude betreten, wurde er auch gleich von seinem Chef in Beschlag genommen.
„Wie weit sind Sie, Herr Binder?“
„Fast fertig.“
„Ich erwarte Ihre Arbeit in einer halben Stunde“, sagte sein Chef und ging in sein Büro.
„Geht klar.“ Andreas machte sich zügig auf an seinen Arbeitsplatz zu kommen, um der Arbeit noch den letzten Schliff zu geben. Gerade noch rechtzeitig wurde er fertig, und die Besprechung begann…
***
„Ich habe wirklich kein Eis bestellt.“ Andreas wollte die Frau möglichst rasch abwimmeln. Seine drei lagen mit Bauchschmerzen im bett. Hoffentlich kündigte sich da nicht Schlimmeres an!
„Aber Ihre Tochter…“, entgegnete die Frau resolut und schob sich in den Flur, „…sie hat schon bezahlt. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf – Sie sollten mehr auf die Ernährung Ihrer Kinder achten. Gerade in der Wachstumsphase brauchen Kinder eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung!“
Einmal mehr übte Andreas sich in Geduld. Auch solche Ratschläge wurden ihm nicht zum ersten Mal erteilt. Selbstverständlich widersprach er nicht, sondern nickte dankbar. Sein Lächeln wurde allerdings langsam zum Grimasse. Nur dass seine Kinder keine Bauchschmerzen mehr hatten, kaum dass die Frau die Wohnung endlich verlassen hatte, heiterte ihn wieder auf. Ja, die Kids erklärten sich sogar bereit, mit ihm die Unmengen Eis aufzuessen.
„So Maja, jetzt erzähl doch mal wie du auf die Idee gekommen bist, das Eis zu bestellen?“, fragend schaute Andreas seine einzige Tochter an.
„Ähm, ja. War doch eine gute Idee, oder? Jetzt sitzen wir alle hier und essen zusammen das Eis. Ist doch schön.“
Andreas konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und wuschelte Maja durch die Haare.
„Uhh ich hab Bauchweh, Papa“, jammerte Florian.
„Tja das kommt vom vielen Eis. Also komm du gehörst ins Bett. Ist eh schon Zeit für dich.“
„Nein ich will nicht ins Bett. Neeeiiiinn“, jammerte Florian weiter, während Andreas ihn auf den Arm nahm und wegtrug.
Kaum verließen sie das Wohnzimmer steckten Ben und Maja wieder die Köpfe zusammen.
„Das hat auch nicht funktioniert. Und was nun?“, fragte Ben Maja.
„Nun versuchen wir es mit deiner Frau aus dem Park. Das machen wir am Samstag da geht Papa doch immer joggen. Okay?“, schlug Maja vor.
„Ja genau so“, stimmte Ben begeistert zu.
***
Die Tage bis Samstag zogen sich für die Kinder in die Länge. Die Zeit wollte gar nicht vergehen. Für ihren Vater hingegen verging die Zeit zu schnell. Er kam kaum mit der Arbeit hinterher und doch sehnte er sich nach dem Wochenende. Er hatte frei und konnte sich dann voll und ganz seinen Kindern zu widmen.
Am Freitagabend noch besprachen die Kinder wie genau sie vorgehen wollten.
„Kein Problem“, behauptete Ben. „Papa wird bestimmt joggen wollen, wenn wir im Park sind. Ich frage dann einfach die Frau, ob ich mit ihrem Hund spielen darf. Dann verstecke ich mich mit ihm, sie merkt, dass er weg ist, und Papa hilft ihr beim Suchen.“
„Du hast keine Angst vor dem großen Hund?“, staunte Florian.
„Ich habe nie Angst. Und der Hund gehorcht mir aufs Wort“, behauptete Ben cool.
„Hoffen wir’s.“ Maja seufzte.
„Das ist nämlich unsere letzte Chance! Wenn das auch nicht geht dann müssen wir uns was einfallen lassen.“
***
Samstag
Die Familie frühstückte am Morgen in Ruhe.
„Habt ihr heute irgendetwas vor?“, fragend schaute Andreas seine Kids an.
Synchron schüttelten die drei ihre Köpfe.
„Mhm was machen wir denn da…“ Andreas überlegte und da kam ihm eine Idee. „Wir gehen alle zusammen in den Park, was halten ihr davon? Dann kann ich auch endlich wieder joggen. Die Woche über hatte ich ja gar keine Zeit dafür.“
„Au ja“, schrien alle begeistert. „Wir können ein Picknick machen, Papa“, schlug Maja vor.
„Gerne.“ Lächelnd sah Andreas seinen Kids zu wie sie alles für das Picknick zusammen suchten. Er wollte ihnen helfen doch wurde er wieder auf seinen Stuhl gedrückt. Ja die drei waren sein größter und wertvollster Schatz.
Mittags machten sie sich auf den Weg in den naheliegenden Park. Es war sehr voll hier, aber was sollte man anderes erwarten. Das Wetter lud geradezu dazu ein hier die Zeit zu verbringen.
Sie fanden noch einen Platz unter einer großen Eiche. So saßen sie im Schatten hatten jedoch immer die Chance in die Sonne zu rücken. Andreas zauberte einen Ball aus dem Korb hervor und die vier beschlossen etwas zu kicken.
Nach einer Zeit meinte Andreas: „Hey Kinder, habt ihr was dagegen wenn ich eben eine Runde joggen gehe? Ihr bleibt so lange hier, verstanden?“

Zustimmend nickten die drei.
„Kann ich mitkommen, Papa?“, fragte Ben lieb, dass Andreas nicht nein sagen konnte.
Während er gemütlich los joggte, rannte Ben immer wieder ein Stück vor. Dann entdeckte Ben die Frau mit dem Hund und rief seinem Vater zu, dass er mit dem Hund spielen würde.
Andreas schaute ihm hinterher und konzentrierte sich dann wieder auf sein Laufen.
„Da ist eben ein kleiner Junge mit meinem Bärchen weggerannt…“, schrie eine Frau als sich Andreas ihr näherte.
Aus der weiteren Beschreibung der aufgeregten Frau erriet Andreas unschwer, dass sie seinen Sohn Ben meinte.
„Ich wunderte mich schon, dass er hier so alleine im Park ist“, fuhr sie missbilligend fort. „Tja, manche Leute haben schon seltsame Vorstellungen von der elterlichen Aufsichtspflicht.“
„Was heißt hier Aufsichtspflicht!“, ereiferte sich Andreas. Diesmal konnte er sich nicht beherrschen.
„Schließlich bin ich ja auch im Park und mein Sohn weiß genau, was er…“
„Ach, Sie sind der Vater dieses Jungen?“ Die Frau pumpte sich voll mit Empörung.
„Haben Sie denn schon mal darüber nachgedacht, was so einem hilflosen Kind alles passieren kann?“
Im Nu entwickelte sich zwischen Andreas und der fremden Frau ein heftiger Streit. Ben hockte mit dem Hund namens Bärchen im nahen Gebüsch und belauschte das Gespräch. Er sah ein, dass hier nichts mehr zu erwarten war, und gab schließlich auf.
Er ging mit Bärchen auf die beiden zu und die Frau entdeckte sie zuerst.
„Da bist du ja wieder, Bärchen. Und du Junge solltest dich schämen, einfach so meinen Hund klauen.“
„Ich wollte ihn nicht klauen, nur mit ihm spielen“, antwortete Ben.
„Komm Ben, wir gehen zurück zu den anderen“, sagte sein Vater und schob ihn in die richtige Richtung.
Bei den anderen angekommen, wurde Ben schon neugierig angeschaut. Doch er schüttelte nur den Kopf. Man sah den anderen Beiden die Enttäuschung an. Was sollten sie jetzt machen?
Trotz dieser erneuten Niederlage genossen die Kinder den Tag mit ihrem Vater. Es war immer wieder schön, wenn Andreas sich so viel Zeit für sie nehmen konnte.
**
Auf die Stufen im Treppenhaus gekauert, diskutierten die Kinder tags darauf ziemlich bedrückt den dreifachen Fehlschlag. Eine Etage unter ihnen waren Stimmen und Gepolter zu hören. Ein neuer Mieter zog ein. Doch heute interessierte sie dieses Ereignis nur am Rande. Sie hatten wichtigere Dinge im Sinn.
„Er ist einfach zu anspruchsvoll“, meinte Maja und schüttelte bedauernd den Kopf.
„Weil er nicht weiß, was er will“, ergänzte Ben mit Nachdruck. „Ein Hund wie Bärchen findet man nicht oft.“
„Und die Helga kann doch so super singen!“, klagte Florian.
Ein Stockwerk tiefer wurde es allmählich ruhiger. Nachdem Möbelpacker alle schweren Gegenstände und diverse Kartons ausgeladen und in die Wohnung geschleppt hatten, mühte sich nun ein Mann allein mit allerlei Krimskram ab. Gerade jetzt mit einer Stehlampe. Er verhedderte sich im Kabel, stürzte beinahe die Treppe hinunter. Dann schleppte er einen Arm voll Klamotten nach oben. Auf jeder Stufe verlor er etwas…
„Filmreif, dieser Kerl“, stellte Maja mit den Augen rollend fest.
„Man sieht gar nicht sein Gesicht, weil er so lange rote Haare hat“, meinte Florian.
„Aber er scheint sehr lustig zu sein“, meinte Ben.
„Der Kerl ist unmöglich“, entschied Maja kurz und bündig.
„Er braucht unsere Hilfe“, widersprach Ben.
Als der Mann wieder nach oben kam, ging er ihm entgegen und bot im Namen seiner Geschwister Hilfe an. Er trug diesmal einen Stapel Pappkartons, aus dem es verführerisch duftete.
„Prima, dass ihr mir helfen wollt! Meine Freunde haben mich nämlich versetzt. Übrigens ich heiße Mika. Wie wäre es mit Pizza für alle?“
Der neue Mieter lächelte die Nachbarskinder freundlich an.
In der noch ziemlich chaotischen Wohnung fanden sie eine Kiste, die sich als Tisch eignete, und in einer anderen Kiste entdeckte Mika nach der Pizza noch jede Menge Schokolade: „Ohne Nachtisch ist das Essen doch nicht komplett, oder?“
Plötzlich kam Andreas in die Wohnung, die Tür stand noch immer offen. „Hier seid ihr also…“
Er begann mit energischem Tonfall, doch wurde er plötzlich von Mika unterbrochen.
„Entschuldigung. Sie sind der Vater nehme ich an? Sie haben wirklich reizende Kinder. Sie wollten mir helfen und da hab ich sie erstmal zum Pizza essen eingeladen. Wäre ja schade gewesen um die leckere Pizza.“
„Ähm ja. Das sind meine Kinder.“
„Ach übrigens ich heiße Mika und wie man sieht, bin ich der neue Mieter.“
„Ich bin Andreas. Meine Kinder Maja, Ben und Florian haben Sie ja schon kennen gelernt.“
Andreas sah sich um und nahm jetzt erst das Chaos hier wahr. Da bot auch er seine Hilfe an, den Rest hineinzuholen.
„Danke sehr.“
Zusammen machten sie sich an die Arbeit und schon recht bald war alles in der Wohnung verstaut.
**
Kaum in der eigenen Wohnung angekommen, nahmen die vier einen leicht verbrannten Geruch wahr. So schnell konnten die Kinder gar nicht schauen wie Andreas in die Küche rannte.
„Mist. Ich habe den Auflauf vergessen. So ein Sch***.“ Vor sich her fluchend holte er den Nudelauflauf aus dem Backofen. Der war nicht mehr genießbar.
Seufzend wandte sich Andreas seinen Kindern zu. „Tja, das war dann wohl unser Mittagessen.“
„Macht doch nichts, Papa. Wir haben bei Mika gegessen. Leckere Pizza“, meinte Maja.
„Ja und Schokolade“, strahlte Florian immer noch mit einem leichten Schokomund.
„Das sehe ich, kleiner Mann. Hopp ab ins Bad mit dir und Gesicht gewaschen.“
Schnell wie der Blitz lief Florian ins Badezimmer und sah in den Spiegel, bevor er sich das Gesicht wusch.
Mit einem Blick nach draußen in den Regen fragte Andreas seine Kids was sie denn heute machen wollten. Man einigte sich darauf Spiele zu spielen und bis zum Abend hin hatten sie viel Spaß.
Kaum lagen die Kinder in ihren Betten und Andreas hatte es sich gerade auf dem Sofa bequem gemacht, da klingelte es an der Türe. Seufzend legte Andreas sein Buch auf die Seite und stand auf.
‚Wer kann denn jetzt noch was wollen?’
Die Türe öffnend erblickte er dahinter Mika.
„Guten Abend Mika, was kann ich für Sie tun?“
„Guten Abend Andreas. Ich wollte fragen ob du vielleicht etwas Milch für mich hättest? Ich muss sie beim Einkaufen vergessen haben.“
„Klar, komm rein. Wie viel brauchst du denn?“, fragte Andreas und ging in Richtung Küche vor.
„Ach nur eine Tasse voll, danke.“ Neugierig schaute Mika sich in der Wohnung um. Sie gefiel ihm. Dann folgte er Andreas in die Küche.
„Nette Wohnung hast du.“
„Danke. Hier deine Milch.“ Andreas ihm eine Tasse mit Clowns drauf.
Mit einem Grinsen nahm Mika sie entgegen. „Tolle Tasse“, konnte er sich nicht verkneifen. Andreas lächelte daraufhin nur.
„Na dann werde ich mich wieder auf den Weg nach unten machen. Bis dann. Man sieht sich bestimmt wieder.“
Andreas begleitete Mika noch bis zur Türe. „Ganz sicher.“
Er ging zurück zum Sofa und machte es sich bequem. Er nahm das Buch wieder auf und entspannte beim Lesen merklich.
***
Es verging eine Woche, in der die drei Kinder keinen weiteren Versuch unternahmen für ihren Vater eine Frau zu suchen. Aber aufgegeben hatten sie ihren Plan noch nicht. Eine Woche, in der Mika endlich seine Wohnung fertig eingerichtet hatte, in der die Familie ihren neuen Nachbarn kennen lernte und eine erstmal leichte Freundschaft mit ihm einging.
An diesem Wochenende hatte der Kindergarten von Florian Tag der offenen Tür. Es wurde auf der dahinterliegenden Wiese alles aufgebaut. Von Spiel- über Essenstände bis hin zur Hüpfburg, war alles da, was Kinderherzen höher schlagen ließ.
Schon als Andreas mit seinen Kindern die Wiese betrat, zappelten die drei herum. Sie konnten es gar nicht erwarten alles auszuprobieren. Doch vor allem Florian zappelte. Er wusste nun kam wieder die Kindergartenfrau und es gab eine neue Chance, dass sie seine neue Mutter würde. Aber er musste sich gedulden, dies hatte Maja gesagt. Er musste die richtige Situation abwarten, aber was war nur die richtige?
„Na los geht schon“, wies Andreas seine Kids an. Maja und Ben liefen auch direkt los, Flo hingegen nahm seine Hand.
„Möchtest du nicht mit?“, fragte Andi seinen Jüngsten.
„Doch. Mag aber bei dir bleiben.“ Mit großen Augen sah er hoch.
„Na, dann lass uns mal gehen und schauen was es hier tolles gibt.“
So gingen die zwei von einem Stand zum nächsten und schauten sich alles an. Direkt am Anfang waren Stände mit Verkaufssachen, zumeist von den Kindergartenkindern gebastelt.
„Hast du auch etwas davon gemacht, Flo?“, fragte Andi ihn.
„Nein. Ich hab wo anders geholfen. Da haben wir gemalt.“
„Sieht man das hier auch? Dann müssen wir da auf jeden Fall gleich hin. Möchte ja sehen was du gemalt hast.“
„Auja.“ Florian wollte schon loslaufen als Andreas ihn zurück hielt.
„Nicht so schnell, Flo, ich werde mir das auf jeden Fall anschauen, aber alles der Reihe nach, ok?“
„Hm, na gut.“
So gingen die zwei weiter und kamen an einen Enten-Angeln-Stand.
„Papa, darf ich? Oh bitte darf ich?“, fragte Florian und hüpfte auf der Stelle auf und ab. Sich das Lachen nicht verkneifen könnend, nickte Andreas und Florian stürmte zu dem Stand.
Da Florian doch noch etwas klein war, durfte er sich auf die Ablage setzen und von dort aus Enten angeln. Was er auch mit viel Freude machte. Gerade als Andreas eine Ente von der Angel nehmen wollte, blitzte es auf. Verwirrt schaute Andreas neben sich und direkt in Mikas grinsendes Gesicht.
„Mika, was machst du denn hier?“
„Ich arbeite hier“, Erklärend hielt er eine Camera hoch. „Ich soll den Tag bildlich dokumentieren.“
„Das ist ja toll. Ich wusste gar nicht, dass du so was machst.“
„Doch. Ich arbeite bei einem Privatfotografen und habe den heutigen Auftrag bekommen. Zum Glück. Ich fotografier gerne Kinder, sie wirken immer sehr lebendig auf den Bildern und nicht so steif wie manche Erwachsene“, erläuterte Mika.
„Wenn du von meinen Kindern Bilder machst, krieg ich dann einen Abzug?“
„Na klar.“
„Papa, komm ich will weiter. Papa!“, drängelte Florian, der in der Zwischenzeit zu Ende geangelt und sich seinen Preis, ein Stofftiger, abgeholt hatte.
„Ja warte doch, Florian! Du siehst doch, dass ich mich gerade unterhalte“, meinte Andreas streng zu ihm.
„Ach was. Geh nur, Andi, wir sehen uns sicher noch“, winkte Mika ab und ging weiter, immer auf der Suche nach guten Motiven.
„Wohin möchtest du denn jetzt, Flori?“
Florian antwortete nicht, sondern zog seinen Vater direkt zu Helga weiter. Dort wurden nun verschiedene Lieder gesungen. Helga sang zusammen mit einigen Kindern, die die Lieder in der Vorbereitungswoche gelernt hatten. Florian hatte sich an der Bühnenmalerei betätigt.
„Hier habe ich mit gemalt, Papa. Hören wir uns was an?“, fragte der Kleine und schaute bittend zu seinem Vater hoch.
Andreas konnte da nicht widerstehen und nickte nur. Zusammen mit seinem Sohn setzte er sich hin und sie hörten der Gruppe beim singen zu. Wobei Andreas eher auf die Kinder achtete, die sehr schön sangen, als auf Helga. Währenddessen überlegte Florian wie er seinen Papa dazu bekam mit Helga zu reden.
Als die Vorführung beendet war, wollte Andreas weiter, doch Florian hielt ihn zurück.
„Ich will dir noch zeigen was ich genau gemalt habe, ja?“
„Natürlich, Flo, dann zeig es mir mal.“
Hand in Hand gingen die zwei zu Helga, die noch auf der Bühne stand und dort mussten sie ja auch hin. Florian führte ihn zu einer Bühnenbildseite wo ein Drache zu sehen war.
„Den habe ich ausgemalt, Papa“, erzählte er stolz.
Da kam Helga zu den beiden dazu.
„Ja, das hat Ihr Sohn wirklich sehr gut gemacht. Sie sollten ihn in diese Richtung unbedingt fördern…“ Sie versuchte Andreas klar zu machen, dass man sein Kind fördern musste, damit auch was Anständiges aus ihm wurde. Doch Andreas stellte auf Durchzug. ‚Immer wieder diese Frauen, die meinten sie wüssten alles besser.’ Hilfesuchend sah sich Andreas nach einem Ausweg um, doch es schien keinen zu geben.
Auf einmal erschien wieder ein Blitz und Helga wurde kurz abgelenkt und unterbrach ihre Rede. Mika stand nich weit von ihnen entfernt und hatte von dieser Dreiergruppe ein Bild geschossen. Andi schickte ein Stoßgebet in den Himmel. ‚Mika, meine Rettung.’ Er nahm Florian wieder an die Hand und ging auf Mika zu. Seinem Sohn passte das gar nicht. Er verstand nicht, was da eben zwischen Helga und seinem Papa passiert war, aber es schien nicht so gewesen zu sein wie er es sich gewünscht hatte. Bei Mika angekommen, flüsterte Andreas ihm ins Ohr: „Danke Mika, das war Rettung in letzter Sekunde.“
„Gern geschehen, aber wovor habe ich dich gerettet?“
Während sie redeten, gingen sie langsam weiter zu den nächsten Ständen.
„Vor dieser Frau. Sie wollte mich belehren, dass ich mein Kind ja zu fördern habe… so etwas nervt einfach nur. Ich kann mich gut alleine um meine Kinder kümmern, ich brauche nicht immer ein Weibsbild, das mir sagt, wie ich was zu tun habe und meint, es wüsste alles besser.“
„Oh. Da kann ich dich verstehen. Ich stelle mir das nicht gerade prickelnd vor“, stimmte Mika Andreas zu.
„Ist es auch nicht. Also bloß schnell weiter.“
„Du Papa?“, meinte Florian und zupfte an Andreas’ Hand.
„Ja Flo?“
„Ich gehe jetzt allein weiter, ja? Ich suche Maja und Ben.“
„Ok, geh nur. Wenn ihr mich sucht, ich gehe immer den Weg entlang.“
Florian rannte winkend davon, um die anderen beiden zu suchen. Er musste ihnen von dem Misserfolg erzählen.
Florian noch hinterher guckend, machten sich Andi und Mika weiter auf den Weg. Immer wieder anhaltend, wenn Mika ein vielversprechendes Motiv entdeckte.
„Gab es denn noch mehr solcher Frauen, die alles besser wussten?“, fragte Mika interessiert. Musste er sich doch selbst gestehen, dass Andreas schon ein interessanter Mann war, ganz nach seinem Geschmack. Aber dieses behielt er lieber für sich, wollte er doch die Freundschaft nicht zerstören.
„Ja, zum einen die von eben, die Erzieherin von Flo, die hat mir schon einen Vortrag darüber gehalten, dass ich die falschen Erziehungsmethoden habe.“ Dabei schüttelte Andreas den Kopf als die Erinnerung daran wieder kam.
„Dann war da die Eisverkäuferin mit einem Vortrag über falsches Essen – seufz – und noch eine Frau aus dem Park, die mich auch genervt hat. Die Frauen scheinen mich in letzter Zeit zu verfolgen.“
„Das hört sich ja nicht so toll an“, meinte Mika.
„Ja, aber nun lass uns das Thema wechseln.“
Sie gingen weiter über die Wiesen, schauten den Kindern bei den verschiedenen Wettkämpfen zu, wo sie auch immer wieder auf Andreas’ Kinder trafen. Die ganze Zeit unterhielten sie sich angeregt über verschiedene Themen und festigten damit ihre Freundschaft noch mehr.
Als es schon dunkel wurde, machten sie sich zu fünft auf den Weg nach Hause. Dort trennten sie sich vor Mikas Türe. Ein vierstimmiges „Gute Nacht Mika“, begleitete ihn in die Wohnung, wo er sich erschöpft in den Sessel fallen und den Tag Revue passieren ließ.
Bei jeden Gedanken an Andi musste er lächeln. Ja, er hatte sich wohl in seinen hübschen, liebevollen Nachbarn verliebt. Wo sollte das nur hinführen?
Er stellte sich Andi bildlich vor. Wie er vor ihm stand mit seinem braunen kurzen Haaren und diesen strahlenden blauen Augen, die beim Anblick seiner Kinder immer mit soviel Liebe gefüllt sind.
Seufzend stand er schließlich auf. Es würde nur ein Traum bleiben, dass diese Augen auch einmal für ihn so aufleuchteten.
Währenddessen eine Wohnung drüber
Die Kinder stürmten in Majas Zimmer, um noch einmal genau über das zu reden, was heute nun schief gegangen war.
Was sie aber nicht merkten, war, dass ihr Vater in der Türe stand und endlich seine Antwort bekam, warum er sich von den Frauen so verfolgt fühlte. Ein Lächeln konnte er sich nicht verkneifen, als er hörte, dass seine Kinder ihn an die Frau bringen wollten und mit welchen Plänen sie daran gegangen waren.
„Meint ihr nicht, dass ihr das mit überlassen solltet“, fragte er in den Raum hinein und seine drei Kids zuckten erschrocken zusammen.
„Papa, ähm…“, stotterte Maja und auch die anderen bekamen keine gescheiten Worte heraus.
Andreas setzte sich auf das Bett seiner Tochter. „Kommt mal her, ihr drei!“
Sie kamen auf ihn zu, Maja zu seiner linken, Ben zur rechten und Florian auf seinen Schoss.
„Ich finde es wirklich lieb von euch, dass ihr euch solche Gedanken macht, aber ihr solltet es wirklich mir überlassen, wann und ob ich mir eine Frau suche…“
„Aber Papa, dann suchst du dir ja nie eine“, unterbrach Maja ihn. „Du kannst doch nich alleine bleiben.“
„Ich bin doch nicht alleine. Ich habe euch, meinen größten Schatz.“ Damit drückte er alle an sich. „Wir kommen doch gut alleine zurecht. Oder findet ihr wir brauchen noch jemanden?“
„Es wäre schon schön“, gestand Ben leise.
„Ach ihr drei…“ Noch enger drückte er seine Kleinen an sich. „Ich kann ja mal die Augen offen halten, aber überlasst das bitte mir. Also keine Verkupplungsversuche mehr, verstanden?“
Alle drei nickten und kuschelten sich noch näher an ihren Vater. Als Andi merkte, dass sie eingeschlafen waren, befreite er sich vorsichtig von Ben und Maja und trug Florian rüber in sein Bett. Kurz darauf holte er Ben und zum Schluss legte er Maja noch richtig in ihr Bett.
Sich mit einer frisch gebrühten Tasse Tee in den Sessel sinken lassend, dachte er an das, was er eben erfahren hatte. Da wollten seine Kids also eine Mutter und versuchten ihn zu verkuppeln. Ein Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht. Ja, die Drei waren schon ganz besondere Schätze.
***
So vergingen wieder einige Wochen in denen einiges geschah. Andreas hielt immer wieder Ausschau nach einer Frau, die ihm sein Herz stehlen könnte, doch er fand keine. Seine Freundschaft mit Mika festigte sich sehr und sie waren schon wie Vertraute. Sie erzählten sich sehr viel, aus ihrem Leben, von ihren Gefühlen…doch Mikas Schwulsein blieb weiterhin dessen Geheimnis.
Die Pläne der Kinder hatte er Mika auch erzählt.
Sie trafen sich wie jeden Samstagabend in einer kleinen Kneipe in der Nähe ihrer Wohnungen und redeten über dies und das. Bis das Thema wieder auf die Frauen und ihre Ratschläge kam.
„Hattest du eigentlich noch mehr solcher Begegnungen, wo die Frauen dich einfach wieder voll geredet haben?“, wollte Mika interessiert wissen.
„Nein, das hat aufgehört und ich weiß nun auch wieso das überhaupt so war“, erzählte Andi.
Jetzt wurde Mikas Neugierde geweckt. „Warum denn und woher weißt du das?“
„Meine Kinder sind dran schuld…“
„Deine Kids? Was haben die denn damit zu tun?“
„Wenn du mich ausreden lassen würdest, wüsstest du es schon“, neckte Andi Mika, der daraufhin rot wurde, was Andi zum lachen brachte. ‚was für ein schönes Lachen’ träumte Mika.
„Sie wollten mich mit einer Frau verkuppeln. Und jede Frau mit der ich aneinander geraten bin, war eine Kandidatin der drei. Ich hab es durch Zufall nach dem Fest des Kindergartens herausgefunden“, erklärte Andi.
„Sie wollten dich echt verkuppeln? Du musst ja erbärmlich bei Frauen ankommen, wenn deine Kinder dir schon helfen wollen“, feixte er grinsend.
„Phh.“ Gespielt beleidigt drehte sich Andi von Mika weg.
„Ach Andi…“ Von hinten umarmte Mika ihn und drückte ihn leicht an sich. „War doch nur Spaß.“ Aufgrund der Nähe musste Mika aber erstmal schlucken. Es war schön Andi so nah zu sein.
Der drehte sich wieder um und schaute Mika an, dabei kribbelte es dort wo Mika ihn berührte. Doch Andreas ignorierte es. „Na gut, das glaube ich dir mal so.“ Daraufhin ließ Mika ihn wieder los. Sollte Andi doch keinen Verdacht schöpfen.
Im Laufe der Wochen gab es für Mika immer wieder Gelegenheiten wo er Andreas so nah war. Eine Umarmung zur Begrüßung und Verabschiedung, mal eine Hand auf der Schulter. Mika nutzte so viele Gelegenheiten wie es nur ging. Was er nicht wusste, war, dass Andreas jedes Mal so ein komisches Kribbeln spürte. Er wusste damit noch nichts anzufangen. Doch dann…
Andreas saß mit Mika in dessen Wohnung und die zwei unterhielten sich über Andreas’ Versuche eine Frau zu finden. Und das es nur bei Versuchen blieb.
„Weißt du, Mika, es fehlte einfach immer dieser Funken…“
„Funke? Wie meinst du das?“
„Na ja…dieser Funke der überspringt. Der dir sagt, ja das ist die Richtige…der in den Augen des Gegenübers leuchtet, der einem zeigt, dass man gewollt wird… Verstehst du wie ich das meine?“, fragte er Mika und schaute ihn an. Schaute in Mikas grüne Augen und sah es, spürte es eher und konnte es nicht fassen. Er könnte in Mikas Augen versinken. Wie es wohl sein würde, seine Lippen zu küssen, ob sie so weich sind wie sie aussehen? Was denke ich da nur…? Kopfschüttelnd wandte er sich plötzlich von Mika ab. Ich muss hier weg… „Ich gehe jetzt. Ich wollte noch Zeit mit den Kindern verbringen.“ Damit floh Andreas regelrecht aus der Wohnung und ließ einen zutiefst verwirrten Mika zurück.
Andreas rannte hoch in seine Wohnung und direkt ins Bad. Dort schloss er sich ein. Er wollte erst einmal nachdenken…
Stunden verbrachte er darin, sich immer und immer wieder fragend, was diese Gefühle bedeuteten. Warum sehnte er sich nach Mikas Nähe? Das ging doch nicht. Immer wieder wiegte er sich auf dem Boden sitzend hin und her, nicht verstehend wie so was nur sein konnte.
**
Währenddessen klopfte Maja schon zum wiederholten Mal an die Badezimmertüre. Doch ihr Vater schien sie nicht hören zu können. So klopfte sie lauter und als Flo und Ben nachschauten was sie da so klopfte, taten sie es ihr gleich. Die Drei wollten, dass ihr Papa endlich aus dem Bad kam. Als aber nichts funktionierte, kam Maja eine Idee.
„Wir gehen Mika holen. Er kann uns bestimmt helfen.“
„Ich hole ihn“, meinte Ben. „Ich muss nämlich aufs Klo. Dann kann ich gleich bei Mika gehen.“
Somit rannte er nach unten und klingelte an Mikas Türe.
„Ben, was ist denn? Was kann ich für dich tun?“, fragte Mika und kniete sich auf Höhe von Ben.
„Papa hat sich im Bad eingeschlossen, und kommt nicht mehr raus. Wir haben schon geklopft, ganz laut aber er hört nicht. Kannst du uns helfen?“
„Ja klar, ich komme mit hoch.“ Mika suchte seinen Schlüssel und wollte dann die Wohnung verlassen als Ben sich noch mal meldete.
„Du Mika? Kann ich dein Klo benutzen?“
„Natürlich. Du weißt ja wo es ist. Komm nach oben wenn du fertig bist und mach die Tür hinter dir gut zu.“
Während Ben ins Bad rannte, nahm Mika immer zwei Stufen auf einmal, um schneller bei den anderen zu sein. Als diese ihn sahen, stürmten sie direkt auf ihn zu mit Tränen in den Augen. Mika nahm die zwei in den Arm und versuchte sie zu beruhigen.
„Shh…ihr zwei. Ganz ruhig. Kommt tut mir einen Gefallen und geht ins Wohnzimmer, ja? Ich rede mal mit eurem Papa.“
„Ok“, schniefte Maja und zog Florian mit sich.
Mika wandte sich der Badezimmertür zu. „Andi, kannst du mich hören? Wenn ja mach die Tür auf. ANDI!“ Er versuchte immer wieder Andreas’ Aufmerksamkeit zu erlangen und auf einmal hörte er endlich das Klicken des Schlosses. Erleichtert seufzte er auf und ging hinein. Die Türe wieder hinter sich schließend, sah er auf das weinende Bündel Elend am Boden. Es gab ihm einen Stich ins Herz.
„Shh, shh, ganz ruhig, Andi. Beruhige dich und dann sagst du mir was los ist“, redete Mika sanft auf Andreas ein.
„Ich…ich…ich…“, Andi bekam keinen Satz heraus.
„Ganz ruhig. Tief einatmen und ausatmen. Und dann noch einmal von vorne.“
„Ich habe so komische Gefühle für…“
„Für?“ fragte Mika nach.
„Für dich“, gestand er.
„Komische Gefühle? Wie meinst du das?“
„Na ja…so wie ich sie für meine Frau hatte aber…“
„Shh…ganz ruhig…Aber was?“
„Das geht doch nicht.“
Mika ließ sich direkt neben Andreas nieder und zog ihn sanft in seine Arme.
„Warum sollte das denn nicht gehen?“ Fragend schaute Mika ihn an.
„Du bist doch ein Mann…ich verstehe das nicht. Wie konnte das nur passieren?“
Sanft strich Mika Andi über den Arm. „Es ist doch in Ordnung, Andi. Weißt du, ich fühle auch was für dich. Ich liebe dich.“
„Wirklich? Aber ich bin nicht schwul!“, beharrte Andi darauf.
„Shh Schatz, es muss doch nicht heißen, dass du schwul bist. Du bist wohl eher bi und das ist doch nichts Schlimmes.“
„Nicht?“, zweifelnd sah Andi Mika an.
„Nein! Das wichtigste ist doch, dass du liebst. Dabei spielt es doch keine Rolle, dass ich auch ein Mann bin, hm?“
„Ich bin so durcheinander“, gestand Andreas.
Mika antwortete nicht sondern zog ihn noch fester in die Arme. Mike lehnte seinen Kopf auf Andis und wiegte ihn hin und her.
Nach einiger Zeit klopfte es an der Tür. „Papa? Mika? Alles in Ordnung?“, hörte man Majas Stimme.
Mika schaute auf Andi hinab und rief Maja zu, dass alles in Ordnung sei und sie gleich rauskommen würden. Er hob vorsichtig Andis Kopf an und sah ihn in die Augen.
„Geht es wieder, Andi?“
„Ich denke schon“, murmelte dieser und schaute unsicher zu Mika. Er wollte den Kopf schon wieder senken, doch Mika hielt ihn fest und sah im tief in die Augen. Andi bekam noch mit wie Mikas Gesicht immer näher kam, doch bevor er reagieren konnte, spürte er weiche Lippen auf den seinen und jeder Gedanke war wie weggeblasen. Es zählte nur noch dieses atemberaubende Gefühl von Mikas Lippen auf seinen. Sekunden wurden zu Minuten bis Mika den sanften Kuss löste und Andi anschaute. Der hatte immer noch die Augen geschlossen und ein seliges Lächeln umspielte seine Lippen. Mika war ganz bezaubert von diesem Anblick und konnte sich gar nicht satt sehen. Bis Andi seine Augen öffnete und ihn mit strahlenden Augen ansah.
„Das war schön…sehr schön“, meinte er lächelnd.
„Ja, das war es.“
Mika half Andi auf die Beine und meinte: „So nun gehen wir hinaus. Deine Kinder machen sich schon Sorgen.“
„Oh Gott, die habe ich ganz vergessen“, stöhnte Andi auf.
„Shh beruhig dich. Es geht ihnen gut“ Er öffnete die Tür und schob Andi hinaus. Kaum hatte Andreas das Badezimmer verlassen, wurde er von seinen drei Kindern belagert, die ihn umarmten und gar nicht mehr loslassen wollten. Er hatte ihnen einen gehörigen Schrecken eingejagt als er nicht mehr aus dem Bad kam. Andreas nahm Flo auf den Arm und schob die anderen zwei in Richtung des Wohnzimmers. Dort setzten sie sich auf das Sofa und die Sessel.
„Du Papa?“, fragte Ben.
„Ja?“
„Warum warst du denn so lange im Bad?“
„Ich war einfach etwas durcheinander und musste nachdenken. Ich wollte euch wirklich keinen Schrecken einjagen. Ich habe gar nicht gemerkt wie schnell doch die Zeit verging. Mach dir keine Sorgen, mir geht es gut“, versuchte Andreas seine Kinder zu beruhigen.
Seinen Blick über sie schweifen lassend, versuchte er Mika nicht anzublicken. Wusste er doch nicht wie er nun mit der Situation umgehen sollte. Ja er liebte Mika. Dies hatte er verstanden, doch wie es nun weiter gehen sollte, wusste er nicht. Darüber würde er sich später den Kopf zerbrechen. Jetzt musste er sich um seine Kinder kümmern. Als er einen Blick zur Uhr riskierte, weiteten sich seine Augen. Er war wirklich lange im Bad gewesen. Seine drei Kids gehören schon längst ins Bett und dieses sagte er ihnen auch.
„Aber Papa…“, fing Maja an.
„Kein aber, Maja. Es ist schon sehr spät. Na los, macht euch bettfertig. Ich komme gleich nach.“
Er folgte ihnen sofort aus dem Wohnzimmer, als ihm bewusst wurde, dass er mit Mika alleine war. Nachdem die drei im Bett waren, ging er zurück. Noch außer Sichtweite von Mika blieb er vor dem Eingang stehen und holte tief Luft. Dann trat er ein und setzte sich wieder hin. Andi blickte schüchtern zu Mika. Er wusste nicht was er machen sollte und erhoffte sich von dem Jüngeren die Hilfe, die er brauchte und er bekam sie auch.
Mika hatte schon beim Eintritt ins Wohnzimmer gemerkt, dass die ganze Situation Andreas überforderte. Er ging vor Andi auf die Knie, nahm seine ineinander verkrampften Hände in die seinen und streichelte sie sanft.
„Hey Andi, shh, was macht dich so nervös?“ Bei dieser Frage schaute Mika ihm in die Augen. Er versuchte es zumindest doch Andi starrte nur af seine Hände.
„Die ganze Situation.“, stotterte er. „Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Wie soll es nun weiter gehen?“
Andi schaute auf und sah seit dem Badezimmer zum ersten Mal in Mikas Augen.
„Shh Andi. Wenn es dir leichter fällt, dann denk dir einfach ich wäre eine Frau. Wie würde es dann weiter gehen?“
„Ähm, besser kennen lernen, man würde Dates haben…“ Andi kam sich vor wie ein kleiner Schuljunge, total verschüchtert.
„Und genau das werden wir auch. Uns noch besser kennen lernen und viele, viele Dates haben.“, grinste Mika.
Als Andi immer noch nicht so richtig reagierte, erhob Mika sich langsam bis er auf Augenhöhe mit Andreas war, und beugte sich sacht nach vorne bis er dessen Lippen sanft mit den seinen umfing. Andreas schloss genießerisch die Augen. Dieser Kuss war anders als all die Küsse, die er mit Frauen geteilt hatte. Anders aber schön. Er erwiderte Mikas Kuss und ließ sich ganz darin fallen. Als sie sich wieder aus dem Kuss lösten und die Augen öffneten, sahen sie das Lächeln des anderen.
„Wollen wir es einfach mal versuchen, Andi?“, fragte Mika ihn sanft und auf eine positive Antwort hoffend.
„Ja“, kam es von Andreas ohne groß nachzudenken. Das hatte er heute schon zur Genüge getan.
Daraufhin spürte er wieder Mikas Lippen und erwiderte den innigen Kuss. Als dieser den Kuss beendete, überzog Andis Wangen ein Rotschimmer, was Mika zum Lachen brachte.
„Lach nicht“, forderte Andreas und boxte sein Gegenüber spielerisch in die Seite.
„Oh, nein, er hat mich getroffen.“ Gespielt aufseufzend ließ sich Mika nach hinten fallen, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Das reichte Andi und er stürzte sich mit einem leisen Kampfgebrüll auf Mika und kitzelte ihn durch. Sich das Lachen verkneifend, versuchte dieser Andreas’ Händen auszuweichen, doch es gelang ihm nicht. Als er das Lachen nicht mehr halten konnte, nahm er sich das Kissen, welches vom Sofa gefallen war und drückte es auf sein Gesicht, um das Lachen zu abzudämmen. Er wollte die Kinder nicht wecken.
Völlig erschöpft ließ Andi sich auf Mikas Brust nieder und genoss die Wärme, die dieser ausstrahlte. Als Mika nicht reagierte, schaute er hoch und sah, dass er immer noch das Kissen auf dem Gesicht liegen hatte. Vorsichtig nahm er es herunter und sah sich so gleich mit Mikas funkelnden Augen konfrontiert. Auf einmal schlangen sich zwei Arme um Andi und zogen ihn noch näher.
„Das war richtig fies, Andi, ich bin doch sowieso so kitzelig und dann nutzt du das auch noch aus.“
„Hättest halt nicht lachen sollen. Das ist noch alles so neu für mich.“
Beide blieben so liegen und genossen die gemeinsame Zeit auch, wenn es für Andreas noch ziemlich ungewohnt war, mit einem Mann zu kuscheln. Kurz bevor er eingeschlafen wäre, stand Andreas auf.
„Es ist schon spät.“ Er wollte ihn nicht loswerden, doch die Müdigkeit siegte.
Mühsam stand Mika auf. „Du hast recht. Ich sollte jetzt gehen.“
Zusammen gingen sie zur Wohnungstür. Doch als Andi sie öffnen wollte, lehnte Mika sich dagegen.
„Was denn nun?“
„Bekomme ich noch einen Gute-Nacht-Kuss?“ Lieb schaute er Andi an.
Der konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Und warum hast du dafür die Tür wieder zu gemacht?“
„Man muss den Nachbarn ja keine kostenlose Show liefern, oder?“, grinste Mika.
Andreas konnte daraufhin nur mit dem Kopf schütteln. Doch bevor er weiter hätte reagieren können, wurden seine Lippen mit denen von Mika verschlossen. Den Kuss erwidernd, lehnte er sich an den Jüngeren und seufzte auf. Sanft löste Mika den Kuss uns hauchte Andi noch einen kleinen zu bevor er die Tür öffnete und ging. Was er nicht sah, war, dass Andreas ihm hinterher sah, bis er ihn nicht mehr sehen konnte. Seufzend schloss Andi die Tür und lehnte sich dagegen. ‚Was für ein Tag!’ Mit den Gedanken immer noch bei Mika machte er sich Bettfertig. Nie hätte er gedacht, dass so etwas geschehen würde. Er zusammen mit einem Mann. Waren sie überhaupt zusammen? ‚Doch, Mika hat gesagt er liebt mich. Also sind wir zusammen. Oh man ich denke schon wie ein pubertierender Teen. Verliebt in einen Mann und dann auch noch in einen Jüngeren. Aber Mika sieht mit seinen 28 Jahren einfach wunderbar aus.’
***
Die nächste Woche sahen sich Andreas und Mika nur selten. Meist trafen sie sich im Hausflur und wechselten ein paar Worte und hier und da auch einen heimlichen Kuss.
Doch am Donnerstagabend fing Mika Andreas auf den Weg nach oben ab.
„Andi, hast du einen Moment Zeit?“
„Ja, aber nur kurz. Die Kinder warten auf das Essen“, verdeutlichend hob er die Tüte mit dem chinesischem Essen hoch.
„Ich halte dich nicht lange auf. Nur eine Frage. Hast du morgen Abend schon etwas vor?“
„Nein, habe ich nicht…“ bevor Andreas weiter reden konnte, unterbrach Mika ihn.
„Gut, dann hast du jetzt etwas vor.“
„Ach und was?“ Fragend sah Andreas Mika an.
„Du kommst um acht zu mir. Ich werde uns was Schönes kochen. Einverstanden?“
„OK. Kannst du überhaupt kochen?“
„Das wirst du ja dann sehen, Andi.“
„Da lass ich mich mal überraschen“, sagte dieser.
„Tu das.“
Mit einem Lächeln verabschiedete Andreas sich und ging nach oben. Seine Gedanken kreisten immer wieder um den morgigen Abend. Er freute sich schon richtig drauf.
*
Am Freitag verließ Mika etwas früher die Arbeit. In Gedanken das Essen für den Abend durchgehend, machte er sich auf den Weg in den Supermarkt.
Als er an der Kasse stand, warf er einen Blick auf die Uhr und erschrak. Er hatte nicht mehr so viel Zeit. Nun aber schnell nach Hause.
Kaum zuhause angekommen, machte er sich in der Küche ans Essen. Wollte er seinen Andi doch wirklich gut überraschen. Den Champus in den Kühlschrank gestellt, das Zitroneneis ins Eisfach und schon widmete er sich der Essenszubereitung.
Nur noch eine Dreiviertelstunde bevor Andreas kam, schnell sprintete Mika unter die Dusche. Er wollte für seinen Andi besonders gut aussehen. Gerade als er seinen Haaren den letzten Schliff gab, klingelte. Er warf noch ein schneller Blick ins Wohnzimmer ob der Tisch auch gut gedeckt war und öffnete dann die Tür.
„Hallo Andi, schön das du gekommen bist. Du siehst gut aus.“ Den Blick von oben nach unten über Andreas wandern lassend, lächelte er ihn an.
*
Schon gegen sieben begann Andreas sich fertig zu machen. Er war sehr nervös. Auf das Date freute Andi sich sehr, doch da war auch die Angst. Die Angst, nicht zu wissen, was Mika von ihm erwarten würde. Ob er diese Erwartungen überhaupt erfüllen konnte.
Unsicher tigerte er in seinem Schlafzimmer auf und ab. Immer wieder einen Blick in den Schrank werfend, nicht wissend was er anziehen sollte. Eher etwas bequemes oder doch lieber etwas feines. Einen Anzug oder reichte auch ein Hemd und eine bessere Hose…?
Als er merkte, dass er nur noch eine Viertelstunde Zeit hatte, da er zu sehr getrödelt hatte, schnappte er sich seine gute Stoffhose und zog ein schlichtes weißes Hemd darauf an. Seine Haare kämmend blickte er kritisch in den Spiegel.
Man sah ihm seine 37 Jahre an. ‚Was Mika wohl an mir findet?’ Das Klingeln an der Tür riss Andreas aus seinen Gedanken.
„Hallo Sarah, komm rein.“
„Guten Abend, Herr Binder.“
„Die Jungs schlafen schon. Maja sollte in der nächsten Viertelstunde ins Bett gehen. Wenn irgendetwas sein sollte, ich bin eine Wohnung tiefer. Aber wirklich nur im Notfall.“
„Geht klar. Wissen Sie schon wann Sie wieder hier sein werden?“
„Nein, das weiß ich noch nicht. Wenn du müde wirst, kannst du auch hier schlafen. Ich habe dir sicherheitshalber Sachen in den Sessel gelegt.“
„Ok. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen.“
„Danke.“
Nervös machte sich Andreas auf nach unten. Doch als er vor Mikas Tür stand, hatte er nicht den Mut zu klingeln. Immer wieder hob er seine Hand und ließ sie dann wieder fallen. Nach guten zehn Minuten hatte er sich endlich getraut und klingelte. Auf die Lippe beißend, wartete er, dass Mika die Tür öffnete. Als er ihn schließlich sah, verschlug es ihm die Sprache.
Mika sah einfach traumhaft aus. Er konnte seinen Blick nicht von ihm wenden. Immer wieder mussten seine Augen an der Gestalt auf und ab gleiten. Er konnte nicht fassen was er sah. Dieser süße Kerl gehörte zu ihm. Mika trug eine hautenge schwarze Jeans und dazu ein olivfarbendes Hemd. Seine Haare waren offen und leuchteten in einem schönen Rotton. Ein Lächeln schlich sich auf Andreas’ Gesicht. ‚Ja Mika war wirklich ein Bild von einem Mann.’
„Hallo Andi, schön, dass du gekommen bist. Du siehst gut aus“, meinte Mika und bestaunte Andreas ebenso wie der ihn betrachtet hatte.
„Danke, Mika. Du siehst umwerfend aus“, gestand Andreas und wurde rot.
„Danke, komm rein. Ich habe uns was Leckeres gekocht.“
„Kann ich dir noch bei irgendetwas helfen?“
„Nein, es ist schon alles fertig. Setz dich hin und ich hol schnell das Essen“, meinte Mika und zeigte Andreas seinen Platz am Esstisch, der im Wohnzimmer stand.
In der Küche richtete er die Teller an und brachte sie dann herüber.
„Gemischter Salat mit gefüllten Kroketten. Lass es dir schmecken, Andi.“
„Danke das werde ich“, antwortete Andreas mit einem Lächeln. Während sie aßen, unterhielten sie sich über alles Mögliche. Immer mit dem Ziel den anderen besser kennen zu lernen.
Als sie mit der Vorspeise fertig waren, stand Mika auf, um sich einen Kuss bei Andreas abzuholen. Dieser war sanft und liebevoll. Mit einem Lächeln löste Mika sich und strich Andreas über die Wange, der sein Lächeln erwiderte.
„Ich hab dich die Woche sehr vermisst, Andi.“
„Ich dich auch.“
„Nach dem Essen kuscheln wir, einverstanden?“
„Ja, sehr.“
„Gut, dann hole ich jetzt mal die Hauptspeise. Ich hoffe es wird dir schmecken.“
Mika machte schnell alles fertig und ging dann wieder mit dem Essen zu Andreas.
„Gefülltes Schweinfilet mit Kartoffeln, Brokkoli und Sauce Hollandaise.“
„Danke.“
„Dazu einen schönen Roten“, meinte Mika und goss ihnen beiden ein.
„Das Essen sieht wirklich gut aus. Da hast du dir viel Mühe gemacht.“, sagte Andi.
„Alles für dich. Soll doch ein schöner Abend werden.“
Andreas’ Wangen strahlten in einem leichten Rosé. Er war es nicht gewohnt, dass man sich so viel Mühe für ihn gab und doch gefiel es ihm. Es war schön einmal so verwöhnt zu werden und er musste zugeben, dass Mika wirklich gut kochen konnte. Das Filet war einfach köstlich.
Als Mika sich einen Schluck Rotwein genehmigte, nahm Andreas die Chance wahr und griff nach Mikas Hand. Sanft umschloss er sie und wollte so seinen Dank vermitteln. Mika schien es zu verstehen und erwiderte den Druck leicht. Sie schauten sich in die Augen und lösten die Hände erst wieder voneinander, als sie weiter aßen.
„Wie war deine Woche, Andreas?“
„Es ging. Es war sehr anstrengend. Aber ab Montag ist mein Kollege wieder da, dann wird es etwas weniger mit der Arbeit. Und wie lief es bei dir?“
„Ich hatte noch einen langwierigen Auftrag der heute auslief und ich bin froh, dass das endlich hinter mir liegt. Der Auftraggeber war wirklich anstrengend.“
Sich noch eine Weile über die vergangene Woche unterhaltend, leerten sie ihre Teller. Als sie diese zusammen und auf die Seite gestellt hatten, nahm Mika Andreas’ Hände in seine und streichelte sie was ihm ein sanftes Lächeln von Andi einbrachte. Der nahm all seinen Mut zusammen und löste eine Hand um Mika damit über die Wange zu streichen und eine verirrte Strähne wieder hinters Ohr zu bringen. Es war der erste Kontakt dieser Art, den Andreas von sich aus aufnahm. Mika schmiegte seine Wange in Andreas’ Hand und genoss die Berührung sehr. Mit einem Kuss auf Andis Handinnenfläche löste er die Verbindung und stand auf. Er wollte gerne mit Andi kuscheln, aber ohne den Tisch zwischen ihnen. Mika ging um den Tisch herum und blieb bei Andreas stehen.
„Ich gehe uns noch den Nachtisch holen und dann kuscheln wir auf dem Sofa, ok?“
„Ja, beeil dich.“
Schnell in die Küche huschend, holte er die Nachspeise. Vanilleeis mit heißen Kirschen. Aber er teilte es nicht auf zwei kleine Schüsseln auf sondern ließ es in der größeren. So konnten sie sich schon jetzt auf der Couch zusammenkuscheln und das Eis genießen.
„Da bin ich wieder. Komm, Andi, setzen wir uns.“ Er reichte Andreas seine Hand und zog ihn mit sich.
„Und der Nachtisch?“
„Den habe ich hier.“ Er hielt die Schüssel hoch.
Mika setzte sich hin und zog Andreas an seine Seite. Einen Arm um ihn legend, zog er ihn noch näher an sich, bis er sich gegen ihn kuschelte. Die Schüssel mit dem Nachtisch stellte er auf seinem Schoss ab.
„Ich hoffe du magst Vanilleeis mit heißen Kirschen?“, meinte Mika leise und gab Andi einen Kuss auf die Stirn.
„Ja sehr, wo hast du die Löffel?“, fragend schaute er zu Mika nach oben.
Der hob seine andere Hand, doch dort war nur ein Löffel zu finden. Ehe Andreas irgendetwas dazu sagen konnte, nahm Mika etwas Eis auf und hielt Andi den Löffel vor den Mund. Der musste lachen und nahm das ihm angebotene Eis. Immer wieder gab Mika abwechselnd Andi und sich etwas vom Nachtisch und sie genossen es in trauter Zweisamkeit. Zwischendrin gab es immer wieder einen Kuss, der mal ganz sanft blieb aber auch manchmal sehr leidenschaftlich wurde.
Als das Eis aufgegessen war und Mika die Schüssel auf den Tisch gestellt hatte, ließ sich Andreas herunter rutschen bis er mit seinem Kopf auf Mikas Schoss lag. Er legte sich so hin, dass er zu ihm hoch gucken konnte und lächelte ihn an. Mika lächelte zurück und verschränkte seine Finger mit denen von Andreas, während seine andere Hand immer wieder durch dessen Haare fuhr.
„Es ist schön hier einfach nur mit dir zu liegen“, meinte Andi.
„Ja, das ist es sogar sehr.“ Mika beugte sich herunter und gab Andreas einen Kuss, der schnell leidenschaftlich wurde, als sich ihre Zungen trafen.
„Ich liebe dich, Andi.“
Andreas’ Gesicht erstrahlte. „Ich lieb dich auch, Mika.“
Egal wie neu das alles war, dieser Sache war er sich sicher. Er liebte Mika.
Sie unterhielten, streichelten und küssten sich bis Andreas vor Müdigkeit die Augen zufielen und es ihm immer schwerer fiel sie wieder zu öffnen. Doch Mika setzte ihn sanft auf, wusste er doch, dass Andreas einen Babysitter oben in der Wohnung hatte, die bestimmt auch nach Hause wollte. So gerne er auch mit Andreas einschlafen wollte, Andreas musste nach oben zu seinen Kindern.
„Na komm, Andi, du gehörst ins Bett.“
„Will nicht…“ Er gähnte herzhaft. „Aber du hast wohl recht.“
An der Türe verabschiedete Mika sich von Andreas mit einem sehr intensiven Kuss. War es doch der letzte bis zum nächsten Tag. Sie wollten alle zusammen in den Park gehen. Er, Andreas und die Kinder. Mika freute sich schon sehr drauf und vielleicht ergab es sich, dass er danach bei seinem Freund schlafen konnte.
„Gute Nacht, Andi. Schlaf gut.“
„Du auch, Mika. Bis morgen.“
Andreas ging nach oben und fand Sarah vor dem Fernseher.
„Du kannst jetzt gehen. Danke, dass du aufgepasst hast.“
„Ah, Ok. Gute Nacht, Herr Binder. Schlafen Sie gut.“
Sarah zur Tür bringend, gab er ihr das abgemachte Geld und sie ging nachhause. Sie wohnte zum Glück nur ein paar Häuser weiter, so dass sie es nicht weit hatte. Nachdem er noch einmal nach seinen Kindern geguckt hatte, machte er sich auf den Weg in sein Bett. Er war sehr müde aber der Abend war wunderschön. Mika war ein sehr guter Koch und Andi hatte den Abend einfach sehr genossen. Vor allem die Zeit als Mika ihm so nah war.
**
Am nächsten Morgen erschien Mika schon gegen 11 Uhr bei Andreas. Bei sich hatte er eine Tüte mit frischen Brötchen. Auf sein Klingeln hin wurde ihm von Maja die Türe aufgemacht.
„Hallo Maja. Ist dein Vater schon wach?“
„Hallo Mika. Nein der schläft noch. Was hast du denn da?“, fragte das Mädchen als sie die Tüte entdeckte.
„Ich habe Brötchen mitgebracht. Wir können zusammen frühstücken.“
„Au ja. Wir haben schon lange Hunger, aber Papa haben wir nicht wach bekommen.“
„Na dann lass mich mal rein und ich werde mein Glück im Wecken versuchen. Einverstanden?“
„Ja.“
Als Mika die Wohnung betrat, kamen ihm die anderen zwei kleinen Bewohner entgegen. Auch die begrüßte er. Dann schaute er die drei an und dann auf seine Tüte.
„Was haltet ihr davon, wenn ihr schon mal den Tisch deckt? Ich werde euren Vater wecken und dann können wir frühstücken.“
Etwas maulend machten sich die Kids mit den Brötchen auf in die Küche. Der Hunger trieb sie dazu ausnahmsweise den Tisch zu decken.
Mika hingegen ging ins Schlafzimmer und fand einen schlafenden, in die Decke eingemummelten Andi vor, den es zu wecken galt. Lange betrachtete er das im Schlaf vollkommen entspannte Gesicht seiner Liebe. So sehr er ihn schlafen lassen wollte, das Frühstück wartet. Leicht beugte er sich über Andreas und gab ihm einen Kuss, erst auf die Stirn, dann weiter auf die Augen, die Nase herunter bis er Andis Mund fand und den Kuss intensiver werden ließ. Andreas schien auf diese Behandlung anzuspringen, denn leicht erwiderte er den Kuss. Als Mika den Kuss löste, öffnete Andreas die Augen und sah direkt in Mikas Grüne, die mit Liebe gefüllt zu ihm herab sahen.
„Guten Morgen, mein Sonnenschein. Es ist Zeit aufzustehen. Die Kinder und das Frühstück warten schon auf dich.“
„Guten Morgen Mika. Es ist schön dich beim Aufwachen zu sehen.“
„Immer wieder gerne. Aber jetzt husch, husch aus dem Bett. Ich habe Hunger.“
Lachend verließ Andreas das Bett und ging erstmal ins Bad. Mika hingegen begab sich zu den Kindern, um zu schauen wie weit sie waren und um den Kaffee aufzusetzen.
„Ich habe euren Vater wach bekommen. Er müsste gleich da sein. Wow ihr wart ja schon ganz fleißig“, strahlte er die drei Sprösslinge an.
Florian, der Jüngste, kam auf ihn zugelaufen und Mika hob ihn hoch.
„Na Florian“, meinte Mika mit einem Stups auf Florians Nase. „Wollen wir noch Kaffee machen und dann ist das Frühstück perfekt.“
„Ja.“
Kaum war der Kaffee fertig, kam auch schon Andreas zur Tür herein. Noch mit feuchten Haaren gab er jedem seiner Kinder einen Kuss und umarmte Mika kurz. Dies taten sie immer, so dass die Kinder sich daran nicht störten. Als alle am Tisch saßen, ließ Andreas seinen Blick wandern. Ja, das war seine Familie. Seine Kinder und sein Mika. Als sein Blick zu Mika huschte sah er, dass Mika ihn beobachtete und lächelte ihm zu.
„Papa, gehen wir heute in den Park?“, fragte Ben.
„Natürlich, das habe ich euch doch versprochen.“
„Kommst du mit, Mika“, fragte nun Florian, der einen Narren an Mika gefressen zu haben schien.
„Ja, ich komme mit“, antwortete Mika.
Nach dem Frühstück machte Andreas seine Kinder parkfertig und Mika stand in der Küche und bereitete einige Sandwichs vor, die sie mitnehmen würden. Das Essen, die Getränke und eine Decke in einen Korb legend, war Mika noch vor den anderen fertig und wartete auf sie.
Im Park selber suchten sie sich eine ruhige Stelle unter einem Baum. Die Kinder schnappten sich direkt den Fußball und tobten los. Mika und Andreas gesellten sich zu ihnen und die fünf verbrachten einen richtigen Familientag im Park.
Als sie abends nach Hause gingen, trug Mika Florian, weil der Kleine einfach zu müde war. Er half Andreas die Kinder ins Bett zu bringen und nachdem sie alle in ihren Betten waren, kuschelten die zwei sich auf dem Sofa aneinander.
„Der Tag war sehr schön.“
„Ja, das war er, Andreas.“
„Mika,…ähm…ich weiß nicht wie ich es sagen soll…“
„Einfach sagen. Nicht denken.“
Andreas musste ohne es zu wollen lachen. Dafür gab er Mika einen kleinen Schlag auf die Schulter.
„Hey, wofür war denn das?“
„Dafür, dass du mich nicht ernst nimmst.“
„Aber ich nehme dich doch ernst, Andreas. Was möchtest du denn?“
„Würdest du heute hier schlafen? Bei mir?“, nahm Andreas seinen ganzen Mut zusammen und fragte Mika.
„Sehr gerne, Andi.“
Als Mika das erste Gähnen bei Andreas sah, stand er auf. „Komm, lass uns schlafen gehen. Du bist müde.“
Als Andreas etwas unsicher aufstand, lächelte Mika ihn an. „Keine Angst, ich beiße schon nicht.“ Bei diesen Worten strich er ihm sanft über die Wange und gab ihm einen Kuss.
„Blödmann.“
„Aber deiner.“
Kichernd gingen sie ins Schlafzimmer.
„Hast du eine Schlafhose für mich, Andi?“
„Ja, Moment ich suche dir eine raus.“
Eine Hose aus dem Schrank ziehend, gab er sie schließlich Mika, schnappte sich dann seine eigene und ging ins Bad. Dort legte er seinem Gast eine neue Zahnbürste hin und machte sich dann bettfertig.
„Ich habe dir eine Zahnbürste hingelegt. Es ist die blaue.“
„Danke“, meinte Mika und gab ihm einen Kuss. Merkte er doch trotz allem Andreas’ Unsicherheit darüber, dass sie in einem Bett schlafen würden.
Während Mika im Bad war, löschte Andreas das Licht und legte sich ins Bett. Die einzige Lichtquelle war nur noch eine der Nachttischlampen. Nervös wartete Andreas auf Mika und kaute dabei auf seiner Lippe herum. Eben noch hatte er den Mut zu fragen. Doch fragen und es dann tun, war schon ein Unterschied. Er wusste, dass wahrscheinlich nichts passieren würde und dennoch konnte er sich nicht beruhigen, nicht entspannen.
Als Mika aus dem Bad kam, sah er Andreas im Halbdunkeln liegen. Lächelnd ging er auf die andere Seite des Bettes und legte sich hin. Nun lagen sie beide nebeneinander, jedoch mit Abstand zueinander. Mika wollte den Abstand am liebsten überwinden und doch wartete er bis Andi sich an die Situation gewöhnt hatte. Er wusste, dass das Neuland für ihn war, umso geduldiger war er jetzt. Doch lange sollte er nicht warten müssen, da drehte sich Andreas mit dem Gesicht zu ihm rum.
„Du, ähm, darf ich?“ Nicht genau sagen könnend, was er wollte, hoffte Andi, dass Mika ihn auch so verstand.
„Na klar, komm her.“ Einladend hielt Mika einen Arm hoch und Andreas rutschte langsam näher bis er seinen Kopf auf Mikas nackte Brust nieder ließ. Mika ließ seinen Arm wieder sinken und drückte Andi noch etwas näher an sich. Mit seiner anderen Hand hob er langsam Andreas’ Gesicht an, so dass er ihn anschauen konnte. Mit einem sanften Lächeln beugte er sich vor und gab ihm einen Kuss, der erwidert wurde.
„Gute Nacht, Andi.“
„Gute Nacht.“ Den Kopf wieder auf Mikas Brust nieder lassend, lauschte Andreas seinem Herzschlag. Langsam aber sicher lullte dieser ihn vollkommen ein und er schlief bald tief und fest.
Mika, der noch wach war, beobachtete das mit einem Lächeln. Sanft hauchte er Andreas noch einen Kuss auf den Kopf bevor auch er in einen ruhigen Schlaf driftete.
***
Die Beziehung zwischen Andreas und Mika festigte sich von Tag zu Tag und von Woche zu Woche. Mika verbrachte nun die meiste Zeit bei Andreas in der Wohnung und schlief dort auch schon regelmäßig. Die Kinder akzeptierten, dass Mika sehr oft auf ihren Familienausflügen mitkam, mochten sie ihn doch sehr gerne. Genauso gerne hatte auch Mika die drei. Sie wurden zu einer Familie. Eine nicht alltägliche Familie. Die Beziehung der beiden vertiefte sich zwar, jedoch blieb es auf sexueller Basis beim Küssen und Streicheln oberhalb der Gürtellinie. Auch wenn Mika immer wieder kurz davor war, weiter gehen zu wollen, akzeptierte er Andreas’ Sicht der Dinge und ließ ihm die Zeit, die er brauchte. Doch dann geschah etwas, was ihre harmonische Beziehung stören konnte.
***
Florians sechster Geburtstag stand an und er fiel auf einen Sonntag. Die ganze Verwandtschaft hatte sich angekündigt, um diesen Tag mit Florian zu feiern. Die Verwandtschaft war nicht sehr groß, doch reichte es aus, um für Andreas zu einem stressigen Tag zu werden.
Um neun Uhr klingelte der Wecker und Andreas und Mika quälten sich aus dem Bett. Sie machten sich schnell fertig und gingen gemeinsam in die Küche, um das Frühstück zu machen.
Als Mika gerade das letzte Brötchen aus dem Ofen nahm und Andreas das letzte Geschenk auf den Tisch im Wohnzimmer hinlegte, kam Florian in die Küche gestürmt. Andreas stoppte ihn und hob ihn hoch.
„Guten Morgen, Geburtstagskind. Alles Gute wünsch ich dir.“
Florian kicherte und gab seinem Papa einen Schmatzer. „Guten Morgen.“ Dann ließ Andreas ihn wieder runter und ging nachschauen ob die beiden anderen auch schon auf waren. Währenddessen kümmerte sich Mika um das Ehrenkind.
Florian hibbelte beim Frühstück nur herum und hatte kaum etwas gegessen. Er wartete darauf, dass die anderen mit dem Essen fertig wurden, denn erst dann durfte er zu seinen Geschenken.
„Na los geh schon, Flo“, meinte Andreas und konnte gar nicht so schnell gucken, wie Florian ins Wohnzimmer gelaufen war.
Sie folgten ihm und sahen ihn schon umgeben von Geschenkpapierresten während er sich genau das Auto betrachtete, was darin eingepackt war. Strahlend schaute Florian seinen Papa an. So ein ferngesteuertes Auto hatte er sich schon lange gewünscht. Seit er es bei Max aus dem Kindergarten gesehen hatte. Seine weiteren Geschenke auspackend, freute er sich bei jedem sehr.
Als alles ausgepackt war und Florian anfing zu spielen, gingen Andreas und Mika zurück in die Küche und räumten auf. Dann fingen sie an die Kuchen zu machen, die es heute geben sollte.
*
Um halb drei kamen die ersten Gäste. Andreas’ Eltern.
„Mutter, Vater, schön euch zu sehen. Wie war die Fahrt?“, begrüßte Andreas sie.
„Die Fahrt war OK, mein Junge.“ Noch nicht ganz in der Wohnung fragte Andreas’ Mutter direkt nach ihrem Enkel.
„Er ist im Wohnzimmer.“ Und schon verschwand sie ebenfalls dahin, wohingegen Andreas’ Vater bei ihm blieb.
„Wie geht es dir, Andreas?“
„Mir geht es fantastisch, Vater.“
„Das freut mich sehr.“ Nun ging auch er ins Wohnzimmer, um seine Enkelkinder zu begrüßen. Hatte er sie doch schon länger nicht mehr gesehen.
Schlag auf Schlag kamen nun auch alle anderen. Andreas’ Bruder Paul mit seiner Frau und zwei Kindern, seine Schwiegereltern, und seine Schwester Annika. Damit waren alle da und Andreas und Mika richteten alles für das Kaffeetrinken und Kuchen essen her. Mika wurde von der Verwandtschaft zuerst verwundert angeschaut, bis Andreas ihnen sagte, dass Mika ein Freund der Familie sei und unter ihnen wohne.
Der Nachmittag verlief sehr unterhaltsam. Mika verstand sich mit allen recht schnell sehr gut.
Der Frieden blieb aber nicht lange erhalten. Während sich Mika und Andreas um das Abendessen kümmerten, saßen die anderen in netter Runde im Wohnzimmer zusammen. Andreas war froh wenigstens mal eine kurze Zeit mit Mika alleine sein zu können und näherte sich ihm. Mika, der das sah, breitete seine Arme aus und Andi kuschelte sich an ihn.
„So sehr ich mich freue, dass alle hier sind, bin ich doch froh, wenn der ganze Trouble wieder vorbei ist.“
„Das glaub ich dir, Andi. Aber es ist ja nicht mehr lange, das bisschen schaffen wir auch noch.“
Andreas’ Kopf anhebend, schenkte er ihm einen intensiven Kuss, der Andi eine Gänsehaut bescherte. Was die beiden nicht mitbekamen, war, dass Florian in der Türe stand und das sah. Er sollte fragen wann das Essen fertig wäre, doch nun kehrte er wieder ohne zu fragen ins Wohnzimmer zurück.
„Und Florian?“, fragte Andreas’ Mutter.
„Die küssen sich und lecken sich ab“, sagte Florian nur.
„Wen meinst du?“
„Papa und Mika. Warum tun sie das, Oma? Heißt das, sie haben sich lieb?“
Alle saßen ruhig da und waren erst einmal geschockt über das Gehörte. Als Mika und Andreas das Wohnzimmer betraten, sahen alle synchron zu ihnen.
„Ist was?“, fragte Andreas. Kam ihm das Verhalten der anderen doch merkwürdig vor.
„Ja, mein Sohn, es ist was“, damit baute sich Andreas’ Mutter vor ihm auf.
„Was hast du denn, Mutter“, ahnungslos schaute Andi sie an.
„Was ich habe, fragst du? Du wagst es wirklich das zu fragen. Florian war eben in der Küche und als er wieder kam, meinte er ihr würdet euch küssen. Kannst du mir das gefälligst erklären.“
Etwas überfahren von der Situation stand Andreas da und wusste nicht was er tun sollte. Mika, der dies bemerkte, stellte sich dicht neben ihn und nahm seine Hand.
„Ganz ruhig“, flüsterte er ihm zu. „Beruhige dich.“
„Ähm also, Mutter, ja, ähm, das ist so…ähm…“, stotterte Andi vor sich hin.
Da erscholl die Stimme seiner Schwiegermutter. „Du liebst ihn“, sagte sie schlicht und einfach.
„Ähm ja.“ Abwartend sah er in die Runde. Mika festigte seinen Druck um Andreas’ Hand. Wollte er ihm doch in dieser Situation beistehen.
Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Während seine Mutter sich geschockt erstmal wieder hinsetzte, kamen seine Schwiegereltern auf ihn zu. Diese sah Andreas nun unsicher an. Wusste er doch nicht wie sie darauf reagieren würden, dass er nachdem er ihre Tochter geliebt hatte, nun einen Mann liebte.
Doch seine Ängste waren unbegründet. Seine Schwiegermutter nahm ihn feste in die Arme.
„Ich freu mich für dich, Andreas. Mika scheint dir sehr gut zu tun. Ich habe dich lange nicht mehr so ausgelassen gesehen. Und ich bin sicher, dass Lara glücklich darüber wäre, dass du wieder jemanden gefunden hast und nicht mehr alleine bist. Solange du glücklich bist, sind wir es auch. Uns ist es egal, dass Mika ein Mann ist. Obwohl ich zugeben muss, dass ich, als ich ihn eben von hinten gesehen habe, doch schon gedacht habe, er wäre eine Frau.“
Auf Mikas entsetzten Blick hin, mussten sie lachen.
„Eine Frau? Ich? Phh“, schmollend drehte er sich weg. „Soweit kommt es noch.“
„Ach Mika, nicht schmollen.“ Von hinten umarmte Andi ihn und gab ihm seitlich auf den Hals einen Kuss.
Seine Eltern und Geschwister, die das beobachteten, sahen wie vergnügt und fröhlich Andreas war. So war er schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Als Annika wie auch Paul zu Andi und Mika gegangen waren, um ihnen zu sagen, dass sie es akzeptierten, ging auch Andreas’ Vater zu ihnen. Doch er wandte sich nicht an seinen Sohn sondern an Mika. Lange starrten die beiden sich an, bis er Mika seine Hand hinhielt.
„Willkommen in der Familie. Aber ich sag dir eins, tust du unserem Jungen weh, dann lernst du mich mal richtig kennen.“
„Vater!“, rief Andreas entsetzt, wohingegen Mika einfach die Hand ergriff und ernst sagte: „Ich werde ihm ganz sicher nicht wehtun. Dazu liebe ich ihn zu sehr.“
Als letzte begab sich Andreas’ Mutter zu den Beiden. Sie nahm ihren Sohn in den Arm und reichte Mika die Hand. „Ich werde wohl noch etwas Zeit brauchen, um mich daran zu gewöhnen, dass du nun einen Mann an deiner Seite hast, aber ich freu mich für dich, mein Junge.“
„Danke Mutter. Das bedeutet mir sehr viel“, lächelte Andreas.
So ging diese Situation doch noch gut aus, obwohl gerade sie es war, wovor Andreas am meisten Angst gehabt hatte. Jetzt jedoch war er sehr glücklich, dass seine Liebe akzeptiert wurde.
Fröhlich ging der Abend zu Ende. Mika und Andreas mussten den anderen erzählen wie sie sich kennen gelernt hatten, und da die Kinder maßgeblich daran beteiligt waren, gaben sie auch Storys zum Besten. Andreas erzählte seiner Familie auch was sich deine Kinder ausgedacht hatten, woraufhin viel gelacht wurde.
Als schließlich alle wieder gefahren waren und die Kinder im Bett lagen, ließ sich Andreas geschafft auf das Sofa fallen. Er wollte jetzt keinen Finger mehr rühren. Doch Mika schien ihm den Gefallen nicht tun zu wollen und scheuchte ihn auf sich bettfertig zumachen bevor er noch auf dem Sofa einschlafen würde. Da wäre die Nacht im Bett doch viel erholsamer.
Aneinander gekuschelt lagen sie schließlich im selbigen.
„Du Mika?“
„Ja, Sonnenschein?“
„Was hast du eben eigentlich allein mit meinen Kindern besprochen?“, fragte Andi neugierig.
„Wir haben ein Mutter-zu-Kinder-Gespräch geführt.“
„Ein bitte was?“
„Mutter-zu-Kinder-Gespräch. Sie hatten doch versucht eine neue Mutter zu finden. Also bin ich als neue ‚Mutter’ zu ihnen hingegangen und habe mit ihnen über das was Florian gesehen hat, geredet. Ich habe ihnen erklärt, dass wir uns lieben, so lieben wie sich eigentlich Mama und Papa lieben. Maja hat dann am schnellsten reagiert in dem sie meinte, dass sie nun zwei Väter hätten statt einer Mama und einem Papa. Als ich ihr das bestätigte, haben auch deine zwei Jungs es verstanden. Und sie haben es akzeptiert, als ich ihnen sagte, dass es genauso bleibt wie die letzten Wochen.“
„Bleibt es das? Ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass du ganz hier einziehen würdest“, nuschelte Andreas gegen Mikas Brust, in der Hoffnung, dass Mika es vielleicht doch nicht hören würde.
Doch er hörte es. „Hier einziehen? Bei dir? Aber natürlich gerne, Andi. Ich freu mich.“
Voller Freude drehte sich Mika mit Andi bis er auf ihm lag und gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss, den Andreas mit gleicher Intensität erwiderte. Doch dieses Mal reichte Mika ein Kuss nicht. Sanft küssend wanderte er zu Andis Ohr und knabberte an seinem Ohrläppchen.
„Sag mir, wenn ich aufhören soll, Andi“, flüsterte Mika und setzte seinen Weg küssenderweise Richtung Brust fort. Immer wieder küsste er sich ein Stück herab, um dann wieder nach oben zu lecken. An Andis Brustwarze angekommen, küsste er sie bevor er darüber leckte. Einen Blick in Andreas’ Gesicht werfend, sah er, dass dieser die Augen geschlossen hatte. Lächelnd machte Mika sich daran noch mehr von Andis Körper zu entdecken. Er saugte und knabberte leicht an der Brustwarze was Andreas ein Stöhnen entlockte. Mika widmete der anderen genau die gleiche Aufmerksamkeit und wurde mit einem zweiten Stöhnen belohnt. Seine Hände streichelten Andis Seiten auf und ab. Immer wieder sanfte Kreise mit seinen Finger ziehend. Als Mika sich weiter nach unten arbeitete, Andreas immer wieder küssend, bemerkte er, dass Andi langsam hart wurde.
Wieder nach oben rutschend legte Mika sich so hin, dass seine Erektion die seines Partners durch die Hosen berührte, was diesen wieder zum Stöhnen brachte. Andi in einen leidenschaftlichen Zungenkuss ziehend, rieb er sich sachte an ihm. In den Kuss hinein keuchten beide auf.
Den Kuss lösend, wanderte Mika zu Andis Ohr und flüsterte: „Darf ich dir die Hose ausziehen, Schatz?“ Dann schaute er ihm ins Gesicht und wartete auf die Antwort. Als er sah, dass Andreas unsicher war, küsste er ihn erneut kurz.
„Wir müssen nicht und ich höre jeder Zeit auf, wenn du nicht möchtest.“
„Ok“, flüsterte Andi leise.
Lächelnd küsste Mika ihn wieder, während seine Hände zu dem Bund von Andis Hose wanderten und sich vorsichtig an den Seiten darunter schoben. Langsam zogen sie dabei die Hose nach unten. Mika schaute dabei Andreas die ganze Zeit an, um zu merken, falls er doch nicht wollte. Doch er lächelte nur, was Mika noch bestärkte und er zog die Hose komplett aus. Darunter trug Andi nichts. Nachdem Mika die Hose aus dem Bett geschmissen hatte, zog er sich auch direkt seine aus.
Andis Blick wanderte automatisch zu seiner Mitte. Mika, der das sah, musste lächeln. Er legte sich wieder auf Andi und dieses Mal berührten ihre Erektionen ohne störende Hülle.
Stöhnend zog Andreas Mika zu sich runter in einen Kuss. Seine Hände ließ er nun über Mikas Rücken gleiten. Er war noch sehr unsicher, was das hier ergeben würde, doch als er Mikas Haut so unter seinen Fingern spürte, streichelte er ihn immer weiter.
Mika küsste und leckte sich der tieferen Region entgegen bis er vor seinem Ziel angekommen war. Andis praller Schwanz, der sich ihm verlangend entgegen reckte.
Einen Blick zu Andi hoch werfend, fragte er: „Darf ich?“
Andi, der nicht wusste was Mika genau vorhatte, nickte unsicher. Doch als er kurz darauf etwas Feuchtes an seinem Schwanz fühlte, richtete er sich auf und stützte sich mit seinen Ellbogen ab. Was er sah, brachte sein Blut noch mehr zum kochen. Da war Mika, der immer wieder über sein Penis leckte und ihn dabei ununterbrochen anschaute. Als Mika ihn dann auch noch in den Mund nahm, japste Andi auf. Das war geil. Spürte er doch Mikas warme, feuchte Höhle und eine Zunge, die immer wieder über seine Eichel leckte.
Mika entließ Andi aus seinem Mund und beugte sich wieder nach oben um sich einen Kuss zu erhaschen.
„Andi, vertraust du mir? Darf ich weiter gehen?“
„Ich vertraue dir, Mika, aber was meinst du?“
„Darf ich mit dir schlafen?“
Unsicher nickte Andreas.
„Ich werd sehr sanft sein, mein Sonnenschein.“
Mika entnahm dem Nachttisch Gleitgel und ein Kondom, beides hatte er vor kurzen hier deponiert, und rutschte nach einem erneuten Kuss nach unten, wo er sich wieder Andis Penis widmete.
Als er sich sicher war, dass Andi abgelenkt war, schmierte er sich einen Finger dick mit Gleitcreme ein bevor er damit sanft Andreas’ Rosette massierte. Andi erschrak auf Grund der Kühle und zuckte zusammen, entspannte aber langsam wieder als er Mikas Lächeln sah.
Mika nahm eine Hand von Andreas und verschränkte ihre Finger miteinander.
Vorsichtig drückte er mit seinem Finger gegen die Rosette. Sein Freund spannte sich reflexartig an. Erst als er sich wieder entspannte, drückte Mika weiter dagegen und drang leicht in ihn ein. Doch als er merkte, dass Andi erneut verkrampfte, bewegte er den Finger nicht weiter sondern wartete, bis er sich beruhigte. Um ihm zu helfen, begann er wieder leicht an, an Andis Erektion zu lecken. Das lenkte Andreas schnell ab und er vergaß den Druck in seinem Anus.
Als er seinen Finger ganz in Andi versenkt hatte, fing er vorsichtig an ihn ein wenig zu bewegen. Andi bäumte sich auf und Mika wusste, dass er gefunden hatte, was er suchte. Noch einmal über die Prostata streichend, beobachtete er Andreas. Längst hatte er aufgehört an dessen Schwanz zu lecken und beobachtete ihn einfach.
„Oh mein Gott, was war das?“, keuchte Andreas. Er konnte nicht glauben was er da gerade gefühlt hatte, es war einfach himmlisch.
„Das, mein Süßer, war deine Prostata“, lächelte Mika.
Langsam zog er seinen Finger zurück, nur um dann vorsichtig mit zweien wieder zu kommen. Vorsichtig und immer darauf bedacht Andreas nicht wehzutun, bereitete Mika ihn vor. Immer wenn Andreas verspannte, lenkte ihn Mika mit Liebkosungen ab.
Als Andreas drei Finger aushielt ohne Schmerzen zu haben, zog Mika sie wieder aus Andi heraus. Der gab einen leisen Protestlaut von sich. Fühlte sich das doch jetzt komisch an. Mika rutschte nach oben und zog Andi in einen Kuss. Noch einmal fragte er ihn, ob er sich sicher sei. Als Andi nickte, lächelte Mika ihn an. Seine eigene Erektion mit Kondom und ordentlich Gleitgel präpariert, positionierte Mika sich vor Andis Eingang. Wieder die Hände mit einander verschränkt, drang Mika ein kleines Stück in Andi ein. Der keuchte auf und sofort hielt Mika inne. Sanft Andis Gesicht mit Küssen bedeckend, murmelte er immer wieder:
„Ganz ruhig, Andi, entspann dich, ganz ruhig.“
Langsam entspannte sich Andreas wirklich. Erst als Mika sich dessen vollkommen sicher war, drang er weiter in ihn ein. Immer wieder anhaltend, wenn er merkte, dass Andreas Probleme hatte. Mika griff nach Andis Erektion und massierte es leicht während er weiter in Andi eindrang. Als Mika ganz in Andi war, verhielt er sich ruhig. Gab seinem Freund die Zeit sich an ihn zu gewöhnen. Erst als er ein Nicken von ihm bekam, bewegte er sich langsam ein Stück heraus um dann sanft zuzustoßen. Er baute einen langsamen, sanften Rhythmus auf. Immer wieder küsste er Andreas. Konnte er doch sein Glück nicht fassen. Andi fühlte sich einfach wundervoll an. Sich beherrschend behielt Mika den sanften Rhythmus bei. Als er merkte wie sich sein Höhepunkt aufbaute, massierte er Andreas’ Schwanz im Takt zu seinen Stößen.
Andi spürte Mikas sanfte Stöße und dazu immer wieder die stimulierenden Bewegungen an seinem Penis. Lange hielt er das nicht mehr aus. War das doch alles so neu und gleichzeitig so erregend.
Mit einem leisen Schrei kam Andreas in Mikas Hand. Völlig ausgepowert schloss er die Augen und genoss die Nachbeben.
Als Mika sah wie Andi kam, konnte er sich selber kaum beherrschen. Mit einem letzten Stoß kam Mika in Andreas und ließ sich erschöpft auf ihn fallen.
Andreas strich Mika sanft über den Kopf und den Rücken, bis Mika sich wieder aufrichtete. Sanft zog der sich aus Andi zurück und entsorgte das Kondom. Als er sich wieder neben ihn legte, rückte dieser gleich näher, um sich auf Mikas immer noch schnell hebende und senkende Brust zu legen.
„Das war wunderschön, Mika. Danke.“
„Ja das war es. Ich liebe dich, Andi.“
„Ich liebe dich auch.“
Mit diesen Worten schliefen die beiden Liebenden ein und träumten von ihrer weiteren Zukunft.

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Information Eine fast perfekte Liebe
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:29 AM - No Replies

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, irgendwann im Sommer, oder fast normal. Eigentlich war es der Beginn des absoluten Chaos in meinem Leben. Aber niemals sollte mein Leben so abwechslungsreich sein, wie ab heute.
Nun ich möchte diese Geschichte erzählen und ich garantiere euch, es wird euch nie langweilig werden. Nun denn, ich bin Christian. Ich bin einundzwanzig Jahre jung und komme aus Darmstadt.
Dass ihr eine Vorstellung von mir habt noch etwas zu meinem Aussehen Ich bin etwa 1,82 m groß und bin schlank. Meine Augen sind grün und die Haare sind blond gefärbt und zum Mittelscheitel gekämmt.
Wohnhaft bin ich in einer Drei-Zimmer-Wohnung, im Dachgeschoß meiner Eltern. Eigentlich wollte ich schon längst ausziehen, aber wer wohnt nicht gerne bequem und einfach im ‚Hotel Mama‘? Viel hab ich mit meinen Eltern eh nicht zu tun.
Ich schaue selten bei ihnen vorbei und sie klopfen auch selten an meine Tür. Noch vor wenigen Monaten teilte ich meine Wohnung fast täglich mit meinem Freund Frank. Doch leider folgte irgendwann die Trennung. Vielleicht ist das normal?
Man verknallt sich und trennt sich irgendwann wieder. Nun wir waren fünf Monate zusammen. Er war mein erster Freund. Mit ihm erlebte ich meinen ersten Kuss, mein erstes Mal und mein Coming Out. Ich meine, das verbindet ja schon mal.
Aber irgendwann schien er sich in einen anderen verliebt zu haben. Blind vor Liebe, wie ich war merkte ich davon nichts. Laut ihm plagten ihn wochenlang Unsicherheiten wen er denn nun liebt. Tja leider fiel die Entscheidung gegen mich.
Ich durfte ihn später glücklich mit dem anderen beobachten. Es war sehr schwer darüber hinwegzukommen. Ich habe wochenlang miese Laune geschoben, geheult und mich verkrochen.
Dann kam die Zeit, vielleicht ist das auch normal, in der ich mir einredete es war der Falsche. Soll er doch mit dem anderen glücklich werden, dachte ich mir. Insgeheim aber hab ich ihnen kein Glück gegönnt.
Immerhin, ich war der große Verlierer und ich liebte ihn noch. Er wollte zwar den Kontakt zu mir wahren, aber ich konnte das nicht. Ihn und den anderen zu sehen weckte jedes Mal wieder Erinnerungen in mir und ließen mich in Depressionen verfallen.
So brach ich den Kontakt zu ihm vollkommen ab. Ich gewöhnte mich an die Solo-Zeit, ja nach einer Zeit genoss ich es richtig, und ich blühte wieder auf. Irgendwann wollte ich gar keinen Freund mehr, denn das Leben machte als Single viel mehr Spaß. Ich war bald wahnsinnig glücklich und unternahm viel mit meinen Freunden und lernte neue Freunde kennen. Aber ich gebe zu, dass ich ab und zu meine einsamen Momente hatte. Nun auch wenn ich einige Freunde hatte, nicht immer hatte jemand Zeit für mich. Oder manchmal gab es Zeiten da wollte ich auch einfach niemanden um mich haben. In diesen Zeiten setzte ich mich meist stundenlang an den Computer und chattete. Dieser Chat wurde mein neues Hobby. Eigentlich hatte ich immer die Hoffnung, dass ich jemanden kennen lerne, einen neuen festen Freund. Doch irgendwann stellt man Hoffnungen in den Hintergrund. Vielleicht wollte ich auch zu schnell einen neuen perfekten Freund. Ich dachte wirklich ihn hier zu treffen, in dieser virtuellen Welt. Einen Klick und da war er. Aber so einfach wie ich mir das vorstellte sollte das auch nicht sein.
Heute war wieder einer dieser verdammten Tage. Ich hatte nichts zu tun. Also setzte ich mich vor den PC und schaltete ihn ein. Wieder rief ich den Chat auf und wieder hoffte ich eine neue Liebe zu finden. Obwohl heute war dieses Gefühl nicht so extrem.
Ich wolle einfach chatten, egal was kommt. Immerhin, ich war vorsichtig. Ich traf nicht jeden mit dem ich chattete, dazu hatte ich viel zu viel Schiss oder Stolz. Viele, die sich hier tummeln wollten immer nur das eine und dafür war ich nicht zu haben.
Wie viel Zeit hatte ich hier schon verschwendet. Es würde doch eh nichts bringen. Vielleicht sollte ich den Mann meiner Träume besser draußen suchen, in der Wirklichkeit, ausgehen, in die Disco, in Kneipen.
Aber dafür fühlte ich mich zu schüchtern. Also blieb nur der Chat. Ich gab meinen Chatnamen ein und loggte mich ein. Es gab die übliche Vielfalt von Nicknames. Es sah so aus als hingen immer nur dieselben im Chat rum.
Was waren das für Typen? Männer, die nie einen abkriegen und auf dieses Hilfsmittel angewiesen sind? Schüchterne Boys, so wie ich oder war es wirklich nur ein Platz, wo man sich für das nächste Sexdate verabredet?
Tja, nun war ich drin, mal wieder. Aber lange Zeit starrte ich nur rührungslos in die Röhre, dann begutachtete ich die Chatnamen und deren Profile, schaute mir Bilder an und las was so im Hauptchat geschrieben wurde, ohne mich wirklich zu beteiligen.
Erst spät dachte ich mir, das kann’s ja nicht sein, nur vor der Kiste zu hocken und nur zu beobachten. Ich nahm mir vor einen Nickname auszuwählen und mit der dazugehörigen Person zu chatten.
Nun blätterte ich die Liste erneut durch. Er sollte aber aus meiner Nähe kommen und nicht zu alt sein. Viel Auswahl gab es nicht. Die meisten aus meiner Nähe waren entweder zu alt oder suchten nur Livedates, was ich ja nicht wollte.
Da blieb nur noch einer übrig, allerdings hatte der weder Profil, noch Bild hinterlegt, wo man mehr über ihn erfahren hätte können. Aber was soll es, man kann ja in einem Gespräch mehr erfahren. Sein Nickname war ‚Boy23FFM‘. Der Name verriet immerhin schon mal, dass er aus Frankfurt kommt und 23 Jahre alt ist. Nicht viel Information, aber immerhin. Ich klickte ihn an und der Privatchat öffnete sich.

Ich: Hallo. Wie geht’s?
Boy23FFM: Gut und selbst?
Ich: Soweit gut, is nur ein bisschen langweilig!
Boy23FFM: Mir auch. Wo kommst du her?
Ich: Darmstadt
Boy23FFM: Aha. Und was suchst du?
Ich: Ganz sicher kein Sex.
Boy23FFM: Ich auch nicht. Mir ist halt langweilig.
Ich: Und was machst du so beruflich?
Boy23FFM: Ich bin Bürokaufmann und was machst du?
Ich: Ich bin Altenpfleger.
Boy23FFM: Echt, könnt ich nicht machen.
Ich: Tja, das kann nicht jeder.
Boy23FFM: Ja, da bleib ich doch lieber bei meinen Akten *g*
Ich: Papierkrieg, hm? Um Gottes Willen.


Wir Zwei chatteten noch fast zwei Stunden. Ich fand ihn ganz nett, aber trotz der Tatsache, dass wir die Mail-Adressen austauschten sollte es nur ein Chat sein und nicht mehr. Ich hatte irgendwie nicht das Interesse ihn je zu treffen oder den Kontakt auszubauen.
Ich wusste nicht warum. Vielleicht weil ich noch immer auf der Suche nach dem perfekten Mann war, wenn es den überhaupt gab. Ich merkte wohl, dass es dieser nicht war. So schloss ich noch am selben Abend mit ihm ab.
Ich spürte auch irgendwie, dass es wie üblich abläuft. Diese Versprechungen, dass man sich meldet, was dann doch nie passieren würde. Ich nahm mir auf jeden Fall vor keine Mail zu schreiben und abzuwarten.
Das Resultat des Chattens war eine nette Unterhaltung, aber wie üblich ohne Erfolg. Wie lang sollte ich noch vor der Kiste hocken, bis ich ihn finde? Ich wusste es nicht. Vielleicht sollte ich mein Leben ändern. Aber das nahm ich mir nach fast jedem längeren Chat-Abend vor.
Ich legte mich auf die Couch und badete noch ein bisschen in meinem Selbstmitleid. Irgendwann war ich so müde, dass ich endlich einschlief.

*-*-*

Es war Dienstag, 12:30 Uhr, und ich kam gerade nach Hause von meinem Frühdienst. Es war heute ein besonders stressiger Tag. Wir waren im Altersheim wie immer unterbesetzt, weil Urlaubszeit war.
Obwohl ich wusste, dass meine Mutter Essen gemacht hatte und mich gleich dazu rufen würde setzte ich mich doch noch Mal an den PC. Ich wollte nur kurz meine E-Mails checken. Das machte ich fast jeden Tag.
Von der Arbeit war ich noch etwas hektisch, so war ich jetzt auch noch hier, in meinen eigenen vier Wänden. Ich stellte den PC an und öffnete schnell meinen Posteingang. Die Verbindung ins Internet wurde hergestellt. Voller Ungeduld wartete ich.
Es dauerte wie immer ewig. Als die Verbindung endlich vorhanden war und die Sendeübertragung begann lehnte ich mich zurück und versuchte doch noch kurz zu entspannen.
Doch ich war etwas verkrampft. Es war einfach ein komischer Tag. Es dauerte nicht lange bis die Nachrichten herunter geladen waren, es waren nämlich nur zwei. Die eine war nur ein Newsletter und die Andere, nun, der Absender sagte mir nichts.
Erst als ich die Mail überflog wurde mir klar, dass es mein Chatpartner von vor ein paar Tagen war. Erst jetzt fiel mir auf, dass er mir nie seinen Namen gesagt hatte und auch in der Mail stand nichts davon. Sehr geheimnisvoll.
Ich war positiv überrascht, dass ich eine Mail von ihm bekam. Also wollte ich sie auch beantworten. Ich begann die Mail zunächst einmal gründlicher zu lesen. Es stand nichts Bedeutendes drin. Nur die üblichen Floskeln von jemand, der mir nach einem Chat schrieb.
Das übliche „Hallo, wie geht’s?“ und „Was gibt’s neues?“ und natürlich „Weißt du noch wer ich bin?“ Alles nur bla, bla. Das lies mir die Laune zur Beantwortung der Mail schon wieder vergehen.
Der Kontakt würde schätzungsweise ein paar Tage andauern und dann würde er sich nicht mehr melden. Während ich so in Gedanken war klingelte das Telefon. Ich schreckte auf und hob den Hörer ab.
Es war meine Mum. Sie teilte mir mit, dass das Essen fertig war. Lendchentopf mit Spätzle. Ich sagte ihr, dass ich gleich kommen würde. Ich beendete das Gespräch und schaltete schnell den PC aus.
Ich wollte später antworten, vielleicht. Es war mir nicht wichtig. Ich verließ mein Wohnzimmer, in dem auch der PC stand und verließ meine Dachgeschoßwohnung. Vom Hunger getrieben rannte ich hastig die Treppen hinunter zu meinen Eltern.
Es war ein verregneter Mittwochabend. Ich lag gelangweilt und in meine Decke gekuschelt auf dem Bett und zappte durch das Fernsehprogramm. Es war wieder so ein Abend, an dem ich nichts mit mir anfangen konnte.
Meine beste Freundin war in Urlaub und auf jemand anderes hatte ich im Moment eh keinen Bock. Mein Blick fiel auf den Computer der links neben dem Fernseher stand. Mein Blick verharrte eine Zeit lang auf dem grauen Kasten.
Ich überlegte, ob ich ihn benutzen sollte oder nicht? Es war doch egal in welchen Kasten ich glotze, beides war genauso langweilig. Und wenn ich chatte, hätte ich wenigstens noch die Chance jemanden kennen zulernen.
Immer wieder hatte ich diese Gedanken. Im Hinterkopf aber wusste ich , es würde eh nichts bringen. Also warum hatte ich immer wieder diese Hoffnung? Ich richtete meinen Blick wieder auf den Fernsehbildschirm.
Ich beschloss da zu bleiben wo ich war. Außerdem war es bequem. Ich lehnte mich wieder entspannt zurück und vergaß den Computer. Im Fernsehen lief irgend so ein billiger Spielfilm, keine Ahnung worum es ging. Ich sollte umschalten, doch ich war zu faul. Irgendwann verirrte sich mein Blick wieder zum PC.
Ich dachte mir, was soll es. Ich schlug die Decke zurück und stand schwungvoll auf. Den Fernseher schaltete ich ab und den Computer dafür ein. Ja, da saß ich wieder und eigentlich wollte ich doch gar nicht.
Enttäuscht von mir selbst klickte ich das Verbindungs-Symbol zum Internet auf dem PC-Desktop. Während die Verbindung aufgebaut wurde ging ich in di e Küche um mir ein Bier zu holen.
Ich hatte morgen eh frei, also konnte ich auch was trinken. Die Verbindung ins Internet war mittlerweile aufgebaut als ich zurückkehrte. Ich wählte meinen Chat, er war längst unter den Favoriten abgespeichert.
Ich gab wie immer meinen Nickname ein und das Passwort. Schnell war der Chat geöffnet. Ich öffnete das Bier und trank. Zurückgelehnt beobachtete ich mal wieder den Chat. Mittlerweile war es schon 21 Uhr. Ich wusste es würde sicher wieder eine lange Nacht werden.
Da ich immer den gleichen Chatnamen benutze, dem ein Profil hinterlegt war, war es für Chatfreunde einfach mich zu erkennen. So klickte mich nach kurzer Zeit Stephan aus Hannover, mit dem Nickname ‚SweetAngel19‘, an.
Der Privatchat öffnet sich. Stephan war ein netter Boy. Ich unterhielt mich gern mit ihm, allerdings hab ich ihn noch nie gesehen. Der Chat dauerte auch nicht lange, denn Stephan wollte mich nur begrüßen.
Er war eigentlich schon dabei off zu gehen. So chatteten wir nur knapp 10 Minuten. Dann herrschte wieder Langeweile. Ich verließ den PC erneut kurz, um ein neue Flasche Bier zu holen. Wieder am Computer zurück, blätterte ich die Liste mit den Nicknames durch, um wieder festzustellen, dass nichts Gescheites dabei war.
Aber bevor ich mich total langweile und sprachlos im Chat war beschloss ich einfach einen Namen anzuklicken. Meine Wahl fiel auf ‚FFM23‘. Der Privatchat öffnete sich und ich begrüßte meinen anonymen Chatpartner. Im Gegensatz zu mir gab es von ihm kein Profil. Es dauerte einige Zeit bis mein virtuelles Gegenüber reagierte.
Der Chat hatte seinen üblichen Charakter. Smalltalk ohne Ende. Was fand ich daran nur interessant? Nur plötzlich, nach etwa einer halben Stunde, nahm dieses Gespräch eine Wende. Plötzlich fragte mich der Unbekannte ob ich ihn denn noch kenne.
Meine Antwort war ein unsicheres Nein. ‚FFM23‘ erwiderte warum ich denn seine Mail von vor einer Woche unbeantwortet ließ. Ich war etwas perplex und dachte nach. Dann öffnete ich meinen Posteingang und ließ diese Frage erst mal im Raum stehen.
Ich blätterte meine E-Mails der letzten Tage durch. Ich löschte ja nie etwas, so musste es ja irgendwo einen Hinweis geben. Dann dämmerte es mir wieder. Ich wusste jetzt wer er war. Ich erinnerte mich an den Chat am letzten Dienstag.
Mir ging ein Licht auf und ich begab mich wieder in den Chat. Ich erwiderte meinem Chatpartner, dass ich mich wieder erinnern würde. Ich entschuldigte mich auch, dass ich die Mail nicht beantwortet hatte. ‚FFM23‘ reagierte nicht besonders auf meine Entschuldigung und schrieb nur: „Ich hätte mich gefreut, wenn du geschrieben hättest.
Nun, du hast ja meine Mail-Adresse jetzt, vielleicht krieg ich ja demnächst mal eine Mail. Ich muss jetzt raus gehen. Also dann Ciao!“ Ich war etwas überrascht, dass er den Chat so schnell beenden wollte. Auch ich verabschiedete mich.
Aus dem letzten Satz hörte ich viel Enttäuschung raus. Ich fühlte mich etwas schlecht. Wie konnte ich ihn vergessen? Okay, vor einer Woche war es etwas stressig, aber das wollte ich nicht als Ausrede gelten lassen.
Also öffnete ich sofort wieder den Posteingang und die Mail um sie gleich zu beantworten. Ich fand es nur als fair. Ich wusste aber nicht genau was ich schreiben sollte. Also bat ich ihn per Mail nochmals um Verzeihung.
Außerdem schrieb ich noch kurz das übliche, wie es mir geht und so weiter. Schlussendlich wollte ich endlich wissen wer er war und fragte ihn nach seinem Namen. Mehr fiel mir an diesem Abend auch nicht ein.
Die Mail war schnell geschrieben und abgeschickt. Danach hatte ich auch keine Lust mehr auf Internet, also schaltete ich den PC auch ab. Ich erhob mich von meinem Stuhl und streckte mich. Ich war doch etwas müde.
So beschloss ich ins Bett zu gehen. Ich räumte noch ein bisschen meinen Schreibtisch auf und brachte die leere Bierfasche in die Küche. Dann kehrte ich zurück ins Wohnzimmer, was auch mein Schlafzimmer darstellte.
Ich zog meine Oberbekleidung aus und legte mich, nur mit meiner Unterhose bekleidet, ins Bett. Ich blieb noch einige Zeit wach liegen und dachte über den Chat und die E-Mail nach. Ich war mir nicht sicher, ob er sich jetzt wirklich noch melden würde.
Irgendwann gingen meine Gedanken in Träume über und ich schlief tief und fest.

*-*-*

Es war schon fast zwei Wochen her, trotzdem prüfte ich täglich meinen Posteingang auf nur eine bestimmte Mail, aber sie kam nicht. Scheinbar war er doch sauer, dass ich damals nicht gleich geantwortet hatte.
Ich überlegte ob ich ihm noch eine Mail schreiben sollte. Andererseits warum sollte ich mich rechtfertigen? Es war ein normaler durchschnittlicher Chat mit einer anschließenden nichts sagenden Mail.
Keine Ahnung warum ich mir darüber so viele Gedanken machte. Ich beschloss mit der Sache abzuschließen. Wie fast täglich in den letzten Tagen öffnete ich den Chat. Mir war mal wieder langweilig.
Es war zwar Samstag, aber der Chat war verhältnismäßig leer. Aber es war ja auch noch früh am Nachmittag. Ich ließ den Chat geöffnet und beobachtete abermals das Geschehen. Aber wie immer nur das Übliche.
Ich verdrehte die Augen und öffnete mein Profil. Ich prüfte meine Daten und änderte einige ab. Dann blickte ich wieder in den Chatroom. Ich versuchte wieder ein privates Gespräch zu beginnen.
Doch je der den ich anklickte reagierte nicht. Langsam verlor ich die Lust. Trotzdem wollte ich es noch einmal versuchen. Also klickte ich eine letzte Person an, in der Hoffnung, dass diese reagierte.
Und tatsächlich, endlich ein Lebenszeichen im Chat. Der Unbekannte erwiderte auf meine Begrüßung ein ‚Hallo.‘ Erleichtert lächelte ich. Ich führte den Chat fort. Wieder ging es um Nichtigkeiten.
Aber was soll es, ich wusste nicht was den Chat so interessant machte. Mein unbekanntes Gegenüber war sehr nett. Absolut nicht aufdringlich. Wir redeten weder über Sex, noch über Aussehen und er wollte auch kein Pic-Tausch.
Wir redeten einfach über den Alltag. Plötzlich aber sagte er, er müsse gleich raus, weil seine Bahn, auf die er angewiesen war, da er kein Auto besaß, gleich fährt. Er war scheinbar nicht Zuhause.
Er sagte er hätte kein Internet in der Wohnung, er sei im Internet-Cafe. Ich bereitete mich auf einen Abschied von diesem Chat vor. Ich wollte gerade ansetzen um zu schreiben, ob er mir seine E-Mail-Adresse mitteilen möchte.
Aber er war schneller mit seiner Frage, ob ich ihm meine Telefonnummer geben möchte. Er würde später anrufen. Es war absolut nicht meine Art gleich nach einem kurzen Chat meine Nummer rauszurücken.
Aber dann dachte ich, was soll es und was soll schon passieren. Also tippte ich meine Nummer in das Eingabefeld und bestätigte. Mein Chatpartner bedankte sich und gab mir auch seine Nummer.
Es war eine Handynummer. Ich wollte die Nummer gleich speichern, doch wie hieß er überhaupt? Ich tippte die Frage nach seinem Namen in die Tasten und schickte diese Frage ab. Er reagierte allerdings nicht und sagte noch kurz und knapp: „Du, meine Bahn, ich melde mich. Versprochen. CU!“
Ich konnte mich gar nicht mehr verabschieden, so schnell hatte er das Privatchat-Fenster geschlossen. Ich war etwas traurig. Würde er sich wirklich melden und wer war er? Ich starrte noch einige Zeit auf das geöffnete Fenster. Allerdings nach einigen Minuten schloss auch ich es.
Auf einmal riss mich das Klingeln des Telefons aus meinen Gedanken. Ich griff zum Hörer und fragte unsicher: „Hallo, wer ist da?“
„Hi. Ich bin es.“
„Wer ist ich?“
„Du erinnerst dich noch an den Chat eben?“
„Ja.“
„Du hast mir deine Nummer gegeben.“
„Ach du, ich … na ja ich dachte deine Bahn fährt gleich?“
„Ja klar, ich wollte mich einfach noch mal kurz melden bevor ich fahre. Ich hab mich so hastig verabschiedet.“
„Das ist wohl war.“
„Ich bin jetzt auf dem Weg zur Straßenbahn. Was machst du so?“
„Ich bin daheim. Mir ist noch immer langweilig. Was soll ich sagen.“
„Du … ist okay, ich meld mich später noch mal, heute Abend. Ich sehe grad meine Bahn kommen. Ich muss lossausen!“

„Ja … äh … ist okay. Ich freu mich.“
„Ja. Bye, bis dann.“
„Tschüss.“

Und schon tutete es. Er hatte aufgelegt. Jetzt hab ich wenigstens die Stimme dieses Unbekannten gehört, aber seinen Namen kannte ich noch immer nicht. Ich wusste nur, dass er sich sehr sympathisch anhörte auch durch all diese Hektik.

*-*-*

Heute war mal wieder einer dieser Tage, an denen mich meine Eltern zum Essen einluden. Wir gingen fast wie immer zum Italiener um die Ecke. Es war nicht irgendein Billig-Italiener mit 0815-Standardspeisekarte.
Hier gab es gutes Essen. Am liebsten aß ich die leckere Combinazione. Meine Eltern redeten wie immer über die Arbeit und über irgendwelche Leute, die ich eh nicht kannte. Ich trug nicht viel zum Gespräch bei, da ich etwas in Gedanken war.
Ich war in Gedanken bei dem Versprechen von dem Mann ohne Namen. Er hatte versprochen anzurufen, noch gestern Abend, aber nichts. Warum hatte er sein Versprechen nicht gehalten? War etwa etwas dazwischengekommen?
Ich wusste wirklich nicht warum ich mir darüber Gedanken machte, aber dieser Augenblick schoss mir gerade wieder in den Kopf. Ich wurde unterbrochen von der Bedienung die plötzlich neben mir stand.
Sie fragte mich nach meiner Menuwahl. Immer noch etwas in Gedanken brachte ich nur hervor: „Eine Pizza Peperoniwurst, bitte.“ Die Kellnerin notierte und schaute nun auf meine Eltern. Nach der Aufnahme der Speisen wendete sie uns wieder den Rücken zu.
Meine Eltern wendeten sich jetzt mir zu und fragten, warum ich denn heute so still sei. Ich schüttelte den Kopf und lächelte: „Es ist nichts, keine Sorge.“ Ab diesem Zeitpunkt vergaß ich meine Gedanken und mischte mich in das Gespräch einer Eltern ein.
Wir saßen noch knapp 90 Minuten in dem Restaurant und unterhielten uns. Erst gegen 20 Uhr gingen wir nach Hause. Kaum war ich oben an meiner Wohnungstür angekommen hörte ich schon das Telefon klingeln. Ich eilte in die Wohnung und hob den Hörer ab.

„Ja?“
„Hi. Ich bin es wieder.“
„Äh … Der aus dem Chat?“
„Ja, genau!“
„Sag, wie heißt du eigentlich?“
„Hab ich das nie gesagt?“
„Nö.“
„Ups.“
„Na und, also, wie?“
„Manu.“
Ich verstand nicht richtig, also fragte ich noch mal nach. Er wiederholte seien Namen.
„Ah jetzt hab ich verstanden. Also hallo Manuel!“
„Und wie geht es dir und was machst du so?“
„Mir geht’s gut. Ich war bis eben noch mit einen Eltern essen.“
„Aha. Und was machst du jetzt noch so?“
„Na ja, vielleicht noch ein bisschen Musik hören oder so.“
„Aha.“
„Na ja und was machst du?“
„Ich muss noch ein bisschen aufräumen hier bei mir.“
„Unordnung, hm?“
„Ja. Ich hab halt übermorgen Geburtstag und da will ich feiern.“
„Klar. Wirst 24 oder?“
„Ja, stimmt.“
„Wird es denn ne große Feier?“
„Na ja geht so, wollte zehn Freunde einladen.“
„Na das geht ja noch, es sei denn deine Wohnung ist ziemlich klein.“
„Nein, geht so. Aber sie ist noch nicht ganz fertig. Bin grad erst umgezogen.“
„Ach so. Und wo wohntest du vorher?“
„Bei Mami.“
„Tja, da wohn ich ja auch noch. Ich glaub hier komm ich nie weg.“
„Du ich muss dann vielleicht langsam mal zurück. Ich werd mich wieder melden.“
„Wo bist du denn grad?“
„Telefonzelle.“
„Oh. Hast du kein Festnetz?“
„Nein, leider noch nicht. Wie gesagt, bin erst eingezogen.“
„Stimmt.“
„Ach so eins wollt ich dich noch fragen.“
Ich war mir zwar nicht sicher was jetzt kommen würde, aber ich fragte neugierig was er denn wissen möchte. Er fragte mich, warum ich denn die erste E-Mail nicht beantwortet hätte. Ich wusste nicht was er meinte: „Welche Mail? Wir haben doch gleich telefoniert.“
„Nein.“

„Wie?“
„Na ja erinnerst du dich noch an Anfang letzten Monat? Da gab ich dir meine Addi und du hast nicht reagiert.“
„Äh … sag bloß du bist …?“
„Ja, wir haben schon dreimal gechattet.“
„Was?“
„Ja.“
„Jetzt bin ich wirklich etwas perplex. Aber ich habe doch dann verspätet geantwortet. Warum hast du dann nicht geschrieben?“
„Da war ich sauer, weil du nicht gleich geschrieben hast. Da hab ich mir gedacht, ich schreibe auch nicht.“
„Na du bist mir einer. Es war doch nur ein Versehen. Ich hab’s vergessen“
„Das kann jeder sagen. Ich fand es nicht nett.“
„Ich weiß. Aber warum wolltest du dann Kontakt zu mir?“
„Weiß nicht. Nur so. Du warst sympathisch.“
„Danke. Können wir das nicht einfach vergessen. Diese blöde E-Mail?“
„Weiß nicht.“

„Na komm.“
„Du ich muss jetzt. Meine Telefonkarte ist bald leer. Es piepst schon.“
„Aber wir hörn voneinander?“
„Ja, ich meld mich wieder. Sorry. Machs gut.“
„Du auch, bis bald, ciao.“
Und wieder dieses abrupte Tuten. Es war ein kurzes zweites Gespräch, aber es war schon seltsam, was er mir so sagte. Wir hätten schon drei Mal gechattet. Jetzt wo er das aufgeklärt hatte konnte ich mir alles so halbwegs zusammenreimen.
Es war schon ein außergewöhnliches Kennen lernen, mit vielen Zufällen gestrickt. Ich fand diesen Mann irgendwie faszinierend. Ich setze mich auf die Couch und machte mir so meine Gedanken. Ich ließ diese Chats noch einmal Revue passieren und die zwei Telefonate.
Zwei kurze Telefonate, immer wieder diese Hektik und das abrupte Abbrechen des Gesprächs, einmal fuhr ihm fast die Bahn davon ein anderes Mal war die Telefonkarte leer. Er hatte eine sympathische und nette Stimme, allerdings sprach er immer etwas gelangweilt.
Ich konnte ihn nicht richtig einschätzen. Er hörte sich so traurig und deprimiert an, teilweise auch so desinteressiert, als würde er nur anrufen weil er grade nichts Besseres zu tun hat. Wie sich ja bald herausstellte war es nicht das letzte Gespräch, das wir geführt hatten.
Ich wurde bei jedem Gespräch neugieriger auf ihn. Die Telefonate hatten immer wieder denselben Charakter. Nur selten telefonierten wir in Zukunft länger als eine halbe Stunde. Ich erfuhr immer mehr von ihm, nichts Weltbewegendes, aber ich lernte doch schon ein bisschen den Menschen hinter der Hörermuschel kennen.
Ich freute mich sicher auf jedes Gespräch, doch mit der Zeit gab ich dem Ganzen nicht mehr so viel Bedeutung. Wir hatten zwar ab und zu davon gesprochen uns zu treffen, aber immer wieder kam etwas dazwischen.
Vielleicht sollte es nicht sein. So blieben wir bei den Telefonaten. Wir telefonierten fast jeden Abend, aber wie gesagt, immer nur kurz. Immer noch brachte er dieses Desinteresse rüber mit dieser gelangweilten Stimme.
Ich fragte nie nach, aber er hat nur selten gelacht am Telefon. Meistens aber rief er von sich aus an und auf seine Kosten. Ich meldete mich eigentlich nur an seinem Geburtstag um ihm zu gratulieren.
Er freute sich darüber riesig, darüber, dass ich an ihn gedacht hatte. Er verbrachte seinen Geburtstag alleine. Erst wollte er ja feiern, aber aus Gründen, die ich nicht näher erfragte, hatte er diese Party abgesagt.
Ich hätte ihn gerne gefragt ob ich vorbeikommen soll, dass er nicht ganz allein ist, dann verkniff ich es mir aber doch. Warum sollte er seinen Geburtstag mit mir verbringen? Ich war doch nur irgendeine Chat- und Telefonbekanntschaft.
Ich hatte mich schon so sehr an die Anrufe von Manu gewöhnt, dass ich mir um die Zeit wenn er anrief nichts mehr vornahm. Es war ein warmer Tag und ich lag Zuhause auf der Couch. Das Telefon stand vor mir.
Ich hoffte natürlich, dass es auch heute klingeln würde. Es läutete auch, aber nicht das Telefon. Es war die Türklingel. Wer konnte das nur sein. Ich sprang auf und öffnete die Tür. Es war meine beste Freundin, Daniela.
Sie tippelte die Stufen zu meiner Wohnung hoch. Ich wartete vor der Wohnungstür. Als sie mich erblickte, fing sie an zu lächeln. Sie begrüßte mich. Ich lächelte ebenso und grüßte zurück.
Als sie vor mir stand nahm ich sie in den Arm und drückte sie fest. Ich bat sie herein. Daniela ging zielsicher auf die Couch zu und setzte sich. Dann blickte sie auf mich. Ich war ihr hinterhergelaufen nachdem ich die Tür wieder verschlossen hatte.

Sie fragte: „Warum hast du dich denn in letzter Zeit so selten gemeldet?“

Ich versuchte auszuweichen und schob es auf den Stress auf Arbeit.

Sie schaute misstrauisch und sagte: „Nana, soviel Stress hast du auch nicht. Jetzt sag schon.“

Ich stöhnte auf und ließ mich neben ihr auf die Couch fallen. Da lag ich jetzt einige Sekunden ruhig da.

Ungeduldig stocherte Daniela weiter: „Bist du verknallt?“

Ich schreckte auf und setzte mich vor sie und erwiderte verblüfft: „Nein. Wie kommst du darauf?“
„Meinte nur so.“
„Oh nein, ich bin nicht verliebt. Ich weiß auch nicht. Seit einiger Zeit hab ich Kontakt zu einem Mann.“
Sie unterbrach mich neugierig: „Wie heißt er, wo kommt er her und wie sieht er aus?“
Ich versuchte sie zu bremsen: „Hey, langsam, alles nach der Reihe. Ich kenne ihn aus dem Chat. Er ist wirklich total nett und lieb, finde ich. Er ruft mich fast jeden Abend an.“

Erneute Ungeduld: „Wie heißt er? Wie sieht er aus?“
„Ach so, ja, ja, ist gut. Er heißt Manuel und kommt aus Frankfurt. Hm, er ist 1,75 Meter groß, schlank, ach ja braune Augen und schwarze Haare. Ich mein ich hab kein Bild von ihm, aber das hat er im Chat gesagt.“
„Wann seht ihr euch?“
„Keine Ahnung,“ sagte ich achselzuckend.
„Bist du gar nicht neugierig?“
„Ich weiß nicht. Ich finde es so gut wie es ist. Ab und zu denke ich schon darüber nach, aber dann hab ich wieder Schiss!“
„Vor was bitteschön?“
„Frag nicht so. Ich weiß es wirklich nicht. Wir wollten uns ja schon zwei oder drei Mal treffen, aber da kam dann immer was zwischen!“
„Oh. Hey, das klappt schon noch.“
„Wer weiß ob ich das überhaupt möchte!“
„Ich würde sterben vor Neugier!“
„Du bist ja auch eine Frau.“
„Na und, du bist doch auch eine Halbe!“
„Haha, sehr lustig, wirklich sehr komisch.“
Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen klingelte das Telefon. Daniela schaute mich an. Ich reagierte erst gar nicht.
„Ist er das?“, fragte sie.
„Ich hab keine Ahnung!“
„Dann geh doch endlich ran!“
„Ist ja gut, ist gut. Ich gehe ran.“
Ich richtete meinen Blick zum Telefon und griff nach dem Hörer. Es war mir irgendwie gar nicht recht, dass Daniela jetzt da war. Ich wurde nicht gern beim Telefonieren beobachtet und ich wusste sie würde mich wieder nervös machen.
„Hallo? Ist jemand dran,“ kam es von der anderen Seite.
Ich konnte erst kein Wort rauskriegen, dann begann ich aber die Konversation: „Hi, ich bin dran.“
„Schön.“
„Freut mich, dass du anrufst. Ist bei dir alles klar, Manu?
„Klar. Nur bisschen Stress mit der Wohnung.“
„Ich weiß der Umzug.“
Daniela beobachtete mich genau, was ich sprach und wie ich reagierte. Ich war voll nervös. Sie beugte sich vor und drückte den Mithör-Knopf. Ich schüttelte den Kopf und machte die Funktion wieder aus.
„Was ist denn los bei dir,“ fragte Manuel.
„Nichts. Ich hab nur Besuch.“
„Aha. Stör ich.“
„Nein, ist schon okay.“
„Na ja, ich bin ganz allein. Krieg erst später Besuch, aber auch nur vielleicht.“
„Ganz allein, oh.“
„Ja, war wieder ein anstrengender Tag im Büro. Hab vorhin schön gebadet und jetzt lieg ich auf der Couch.“
„Ich würde ja … nein!“
„Was würdest du?“
Ich wusste nicht was mir da grade durch den Kopf schoss. Ich war unsicher.
„Nichts.“
„Aha.“
„Na ja.“
„Na sag schon,“ flehte Manu.
„Ich wollte, … vielleicht, ich hätte ja vorbeikommen können.“

Da war es raus.

„Aber du hast ja keine Zeit, weil du dann Besuch bekommst!“
„Und du hast doch keine, weil du Besuch hast.“
„Oh, ich hätte schon. Ich weiß nicht.“
„Das kommt jetzt voll überraschend. Äh, klar, wenn du willst. Damit hätte ich jetzt gar nicht gerechnet. Ich kann ja für heut Abend absagen.“
„Mach dir wegen mir bitte keine Umstände.“
„Ist schon okay. Ich kauf noch Knabberzeug und Getränke und ich hol einen Film in der Videothek.“
„Äh, ja okay, wenn das okay für dich ist.“
„Okay, dann schauen wir nur Video.“
„Klar.“
„Jetzt muss ich dir wohl nur noch sagen, wie du zu mir kommst, hm?“
Auf einmal ging das alles so schnell. Wir würden uns heute treffen, ganz spontan. Ich freute mich aber auch irgendwie.
„Ja, also Frankfurt finde ich noch.“
Manu versuchte mir den Weg zu erklären, aber unsicher wie ich war musste ich öfter nachfragen. Ich machte mir einige Notizen. Wir verabredeten uns für 20 Uhr. Schnell legte ich den Hörer auf und wollte schon ins Bad.
Doch Daniela war ja auch noch da. Ich drehte mich um und sagte zu ihr: „Macht es dir was aus wenn ich jetzt ins Bad gehe?“
„Nein, kein Problem, geh du nur. Ich bleib noch ein bisschen hier und wir gehen dann gemeinsam raus, okay? Solange beschäftige ich mich allein.“
Ich hatte nichts dagegen. Ich lächelte nur, dann setzte ich meinen Weg zum Bad fort.

*-*-*

Mit der Wegbeschreibung im Kopf bretterte ich auf der Autobahn Richtung Frankfurt. Normal war ich dafür geboren mich zu verfahren, aber Dank der Beschreibung und vielleicht des Zufalls fand ich sofort diese Tankstelle, welche unser Treffpunkt darstellte.
Ich stellte mich in die Nähe des Mini Shops, so dass man mich leicht sehen konnte. Den Motor stellte ich ab und lehnte mich zurück. Es war kurz vor acht, also war noch Zeit. Die Musik ließ ich leise laufen und summte ein wenig mit der Melodie. Gegen acht öffnete ich dann schon mal den Türknopf der Beifahrertür, dann griff ich zu meinem Handy, um eine SMS an Dani zu schreiben. Ich wollte ihr mitteilen, dass ich doch etwas nervös bin.
Immerhin war das mein erstes Treffen aus dem Chat. Ich wusste nicht was auf mich zukommen sollte. Vielleicht wäre es besser gewesen wir hätten uns an einem neutralen Ort verabredet, wie in einem Restaurant.
Ich wusste nicht ob es eine gute Idee war direkt mit ihm in seine Wohnung zu fahren. Trotz der Telefonate konnte ich ihn wohl nicht so gut einschätzen. Vielleicht war er in Wirklichkeit ganz anders.
Ich hatte ja auch kein Bild von ihm. Also hatte ich absolut keine Ahnung wer sich jetzt gleich neben mich setzten würde. Kaum hatte ich die SMS, in meinen Gedanken, abgeschickt kam auch schon eine Antwort.
Sie schrieb, ich soll nicht so nervös sein, was sollte schon passieren. Recht hatte sie, ich interpretierte zu viel hier rein, zuviel Unsicherheit. Die Digitaluhr in meinem Auto zeigte jetzt 20:08 Uhr an. Ich fragte mich langsam wo er blieb.
Just in dem Moment erschien im Beifahrerfenster ein Gesicht. Ich erschreckte mich etwas. Dieser Jemand öffnete die Tür und steckte seinen Kopf herein.

Dann fragte er unsicher: „Bist du Christian?“

Ich nickte nur.

„Darf ich einsteigen? Ich bin Manu!“

Ich nickte erneut. Manuel legte eine Einkaufstüte voll mit Getränken und Essen in den Fußraum der Beifahrerseite.

Dann setzte er sich schwungvoll auf den Sitz neben mir und sagte: „Hi.“

Ich reichte ihm die Hand und begrüßte ihn ebenso. Er hatte tatsächlich alle Merkmale, wie er sich beschrieb. Ich sah diese kurzen hoch gegelten schwarze Haare und diese tiefbraunen Augen.
Er sah richtig süß aus. Ich ließ gleich den Motor an. Ich traute mich nicht ihn von oben bis unten zu begutachten. Ich beachtete ihn nur flüchtig. Aber das reichte schon um festzustellen, dass er wirklich gut aussieht.
Nun fragte ich wo ich denn lang fahren müsste.

Manu sagte kurz und knapp: „Fahr einfach jetzt diese Straße vor der Tankstelle, von der du gekommen bist, wieder zurück.“

Ich tat wie mir gesagt.

Dann erhob Manuel wieder seine Stimme: „Ich muss dir noch was sagen.“

Ich schaute ihn kurz an und fragte was denn sei.
„Ich konnte meiner Freundin, die ich heute Nachmittag erwähnte, nicht absagen. Die ist stur, die wollte einfach kommen. Also sind wir zu dritt. Ist das ein Problem für dich?“
Ich schüttelte den Kopf und erwiderte: „Hey, kein Problem. Warum auch?“
„Ich dachte nur so.“

Manuel navigierte mich quer durch Frankfurt bis zu seiner Wohnung. Wir waren schon einige Zeit unterwegs wegen dem Verkehr. Nach etwa fünfzehn Minuten erreichten wir also das Ziel. Der Weg war eigentlich recht einfach, fand ich.
Nun suchten wir noch einen Parkplatz, was eigentlich kein Problem war, denn in dem Wohnpark wo er wohnte gab es genug markierte Parkflächen. Ich parkte ein und stellte den Motor ab.
Wir beide öffneten unsere Türen und verließen das Auto. Stumm lief ich ihm hinterher. Ich wusste nicht was ich jetzt sagen sollte. Er aber anscheinend auch nicht. Auch im Auto hatten wir wenig gesprochen. Na aber was sollte es, das würde schon noch kommen.
Endlich erreichten wir die Wohnung. Manuel griff in seine rechte Hosentasche, wo sich der Wohnungsschlüssel befand. Er steckte den Schlüssel in das Schloss und öffnete die Tür. Er blieb vor der Tür stehen und deutete mit seiner Hand an, dass ich doch vorgehen sollte.
Ich lächelte und folgte diesem Wunsch. In der Wohnung ertönte schon ein Fernsehgeräusch, was darauf schließen ließ, dass seine Freundin scheinbar schon da war. Ich befand mich noch im Flur.
Manuel folgte mir nun und verschloss die Tür. Er deutete wortlos auf die Tür vor mir. Ich ging auf diese zu und öffnete sie. Das Fernsehgeräusch war nun intensiver. Ich sah ein blondes Mädchen, modern gekleidet, auf der Couch liegen, die fern schaute.
Ich begrüßte sie kurz und schaute mich dann erst noch ein wenig um in dem Raum. Vor der Couch stand ein Couchtisch, allerdings völlig leer geräumt. Der Fernseher stand neben der Stereoanlage und dem Videorecorder auf einem schwarzen Regalschrank, der fast die ganze Wand ausfüllte.
Links von mir war ein großes Fenster und eine gläserne Tür, die scheinbar auf die Terrasse führte. Die Jalousien waren geschlossen. Rechts neben mir befand sich ein großer schwarzer Tisch.
Allerdings hier sah man die übliche Ordnung der Wohnung keinesfalls. Große Papierstapel und Zeitschriftenstapel verdeckten diesen Tisch nahezu vollkommen. Die Tapeten waren Gelb und die Decke leicht vergilbt, was mich darauf schließen ließ, dass hier in der Wohnung geraucht wird
Manuel verschloss die Tür hinter uns und stupste mich leicht Richtung Couch.

Er sagte: „Setz dich doch. Ach so ja, das ist Marie. Tschuldigung, ich hätte fast vergessen euch vorzustellen.“
Ich ging auf Marie zu, die sich während Manus Worten aufgesetzt hatte, und reichte ihr meine Hand: „Hi, ich bin Christian!“
Marie nickte nur und antwortete: „Ich weiß! Freut mich dich kennen zulernen.“
Manuel merkte man jetzt auch etwas die Nervosität an. Er ging in Richtung Couch und setzte sich. Ich tat dem gleich und platzierte mich an einer freien Stelle. Manu blieb nicht lange sitzen.
Er ging zum großen Tisch, wo er die Einkaufstüte abgestellt hatte. Er schaute mich an und fragte unsicher: „Was möchtest du trinken?“
„Was gibt es denn?“
„Ich hab alles Mögliche eingekauft: Saft, Bier, Limonade und … äh Cola, ja.“

Meine Wahl fiel auf Saft. Manuel griff in die Tüte und zauberte einige Flaschen auf den Couchtisch. Dann drehte er sich um und holte noch drei Gläser aus dem schwarzen Regal, welche er auch auf den Tisch stellte.
Während Manuel mir den Orangensaft einschenkte, griff Marie schon zur Cola-Flasche und schenkte sich ein. Manuel bat sie, dass sie ihm auch einschenken sollte, was sie auch tat. Als mein Glas voll war schraubte er die Flasche wieder zu und ich bedankte mich.
Jetzt setzte er sich wieder auf die Couch. Allerdings nur wenige Sekunden, dann sprang er wieder auf und ging wieder zur Einkaufstüte. Er fischte eine Packung Chips heraus und öffnete sie.
Dann legte er sie auf den Couchtisch neben die Flaschen, aber nicht ohne schon ein bisschen zu naschen. Kaum geschehen ging er wieder in Richtung Couch, machte aber gleich wieder kehrt und lief zum Videorecorder.
Manuel sprach in unsere Richtung: „Ich habe den Film ‚Eiskalte Engel‘. Ihr habt ja nichts dagegen oder?“

Ich hatte nichts dagegen und Marie scheinbar auch nicht. So öffnete Manu die Videohülle und schob den Film in den Recorder. Nun verdunkelte er noch das Licht und ging wieder zur Couch.
Er griff zur Fernbedienung und betätigte den ‚Play‘-Knopf. Jetzt lehnte sich meine Chat-Bekanntschaft auf der Couch zurück und es schien als würde er jetzt endlich da verharren und sitzen bleiben.
Ich empfand ihn als ein wenig nervös und zappelig. Der Film lief einige Minuten, da zappelte Manu wieder auf seiner Couch herum. Plötzlich fing er an zu reden und mich zu fragen warum ich so ruhig bin und nichts sagte.
Ich schaute ihn verdutzt an und sagte nur, dass ich nie etwas sage während eines Films, ich wollte ihn in Ruhe ansehen, da ich mitbekommen wollte worum es geht. Manu nickte nur und erwähnte noch, dass er den Film schon fünf Mal gesehen hätte und dass es sein absoluter Lieblingsfilm sei.
Plötzlich mischte sich ach Marie ein, die links von mir saß. Sie drehte sich zu Manu und bat ihn endlich ruhig zu sein.

Dieser erhob die Arme und sagte mit einer Unschuldsmine: „Is ja gut, ich halt jetzt endgültig die Klappe.“

Gesagt – getan. Manu war während des ganzen Filmes die Ruhe in Person. Wir drei saßen gespannt auf der Couch und lauschten dem Film und starrten auf die Mattscheibe. Für mich war es eine vollkommen komische Situation hier in einer fremden Wohnung zu sitzen.
Ich fühlte mich nicht direkt unwohl, aber unsicher. Ich sehnte das Ende des Filmes nicht unbedingt herbei, denn ich wusste nicht was ich sagen sollte. Eine echt komische Situation. Doch das Ende des Films ließ nicht lange auf sich warten.

Als der Abspann lief fing Manu schon wieder nervös an zu plappern, belangloses: „Na ja und wie war der Film.“

Ich sagte nur: „Gut!“

Während diesen Worten sprang Marie schon auf. Ich dachte sie würde jetzt schon gehen. Das dachte Manu wohl auch. Aber sie ging in Richtung Schlafzimmer, das am anderen Ende des Ganges war. Manuel schaute ihr nach. Er wusste scheinbar nicht was das sollte.

„Entschuldige mich für einen Moment,“ sagte er nur und lief ihr hinterher.

Die Wohnzimmertür verschloss er. Jetzt saß ich allein in dem Wohnzimmer. Ich schaute mich noch ein wenig um und lauschte der Abspannmelodie des Films. Dann griff ich zu meinem Glas und nippte an meinem Saft.
Es war kurz vor 23 Uhr. Sollte ich jetzt auch gehen, dachte ich mir. Ich beschloss aber schnell noch zu bleiben, denn das konnte ja nicht alles gewesen sein. Ich wollte mich doch noch ein bisschen unterhalten mit Manuel.
Ich beschloss meine Schüchternheit zu überwinden und ein Gespräch zu beginnen wenn der wieder reinkommt. Manuel öffnete unsanft die Tür schlug sie hinter sich zu, als er wieder im Raum war.
Er stand nun mitten im Raum, etwas erregt.

Ich schaute ihn fragend an: „Was ist den los?“

Ich sah in seinem Gesicht Verärgerung und so sprach er auch: „Madam ist müde. Madam bleibt hier, weil Madam zu müde ist nach Hause zu gehen. Super.“
„Und wo ist das Problem? Lass sie doch da schlafen!“
„Tja, es bleibt mir ja nichts anderes übrig. Oh Mann!“
„Hey ganz ruhig, setz dich erst mal wieder.“

Manuel schaltete den Videorecorder ab und schaltete ins Fernsehprogramm von MTV. Dann ging er auf die Couch zu und setzte sich rechts neben mich.
Er atmete kurz und tief durch und redete auf mich ein: „Hey, vergessen wir die. Bleibst du noch ein bisschen. Ich meine wir haben uns noch gar nicht unterhalten. Oder willst du auch schon ins Bett?“
Ich schüttelte den Kopf und erwiderte: „Nein, ich bleibe noch da.“
„Hast du morgen Dienst?“
„Na ja, eigentlich schon. Ich habe Frühschicht.“
„Und wann musst du da raus?“
„Um halb sieben ist Dienstbeginn.“
„Uuups. Da hab ich es ja noch gut ich fang um 9 Uhr an zu arbeiten.“
„Tja, dafür hab ich ab und an Spätdienst und kann ausschlafen.“
„Na ja, ob das das Wahre ist.“ Er lächelte.

Das Gespräch entwickelte sich. Wir unterhielten uns gut und vor allen Dingen lange. Während unseres Gesprächs vergaßen wir ganz und gar die Zeit. Aber es war sicher schon weit nach Mitternacht.
Die Zeit aber war mir egal, denn ich fand das Gespräch sehr interessant. Wir unterhielten uns über seine Arbeit, über seinen Umzug und über viele andere Kleinigkeiten. Irgendwann hatte er die Idee, dass er mir sein Fotoalbum zeigen könnte. Ich war einverstanden.
Manuel stand auf und ging in Richtung des schwarzen Tisches auf der linken Seite der Couch. Er kramte in einer Schublade herum und fand das Fotoalbum. Ich derweil nippte abermals an meinem Glas Orangensaft und hatte erstmals die Gelegenheit auf die Uhr zu schauen. Ich erblickte die Digitaluhr mir roten Ziffern auf der Fensterbank zu meiner Rechten.
Sie zeigte 00:43 Uhr an. Ich schluckte kurz und dachte daran, dass ich ja früh raus musste, dann aber ließ ich meinen Blick von der Uhr ab. Ich stellte mein Glas auf den Tisch ab. Manu war wieder bei mir und setzte sich wie auch zuvor auf meine rechte Seite.
Er präsentierte mir sein Fotoalbum. Bevor er es öffnete griff er zu seiner Packung Zigaretten auf dem Couchtisch und zündete sich eine an. Dann begann er das Album aufzuschlagen. Manuel deutete wie wild auf die Bilder und erzählte.
Ich hörte ihm aufmerksam zu. Es war sehr interessant. Wir blätterten knapp eine Stunde in dem Fotoalbum herum und amüsierten uns köstlich über die Fotografien. Um mittlerweile schon knapp zwei Uhr schlug Manu das Album zu und schaute mich an.
Es war ein komischer Augenblick. Auf einmal sprachen wir gar nichts mehr. Wir beide starrten auf den Fernseher, wo immer noch MTV lief. Wir lauschten der Musik. Keiner traute sich was zu sagen.
Was als nächstes passierte konnte ich mir nicht erklären. Wir saßen schon nah beieinander, aber plötzlich legten wir fast zeitgleich unsere Köpfe aneinander. Ich genoss diesen Moment. Ich sah seine linke Hand auf der Couchlehne, die uns trennte, liegen.
Ich nahm mir allen Mut zusammen und strich mit meinen Fingerkuppen über seine Hand. Er ließ das einige Sekunden so geschehen. Ich hatte etwas Schiss, dass er mich gleich fragen würde, was das denn soll, aber das tat er nicht. Manuel hob nun seine Hand und streichelte mit seinen Fingerspitzen die meinigen.
Wir saßen schweigend da und streichelten sanft unsere Finger. Dieser Moment war so toll, ich wünschte er würde nie vorbei gehen. Doch dann ließ er ab von meinen Fingern und streichelte sanft meine Wangen.
Ich schloss die Augen und genoss diesen Moment. Manu zog sanft meinen Kopf sich. Ich öffnete die Augen und schaute ihn an. Ich sah diese tiefbraunen Augen vor mir. Ich küsste ihn zärtlich auf die Lippen. Er erwiderte diesen Kuss und legte seine Arme um mich.
Wir küssten uns intensiver. Niemals hätte ich geglaubt, dass dieser Abend so ausgehen würde. Wir tauschten Zärtlichkeiten aus, noch bis kurz vor fünf, dann musste ich wirklich gehen. Ich hatte ja Frühschicht um halb sieben und ich musste noch duschen und mich umziehen und natürlich noch zurück fahren.
Es war der Zeitpunkt des Abschiedes. Ich wusste nicht, es war seit langer Zeit mal wieder ein tolles Erlebnis, aber Liebe, Liebe war es glaube ich nicht. Ich glaube man nennt es One-Night-Stand, aber doch war es wieder irgendetwas anderes.
Aber ich wusste es nicht. Wir verabschieden uns ganz normal, ohne Abschiedskuss, der Tatsache was vorher zwischen uns war vielleicht doch außergewöhnlich. Nur ein Einfaches ‚Tschüss‘. Noch nicht einmal eine Anmerkung von Wiedersehen, nichts. Wir trennten uns einfach in dieser Nacht. Wir trennten uns von etwas, was nie geplant war, aber es war unvergesslich.
Ich überlegte doch noch tagelang, was da zwischen mir und Manuel in der letzten Woche passiert war. Ich hatte so etwas noch nie. Ich war mir vollkommen unsicher. Ich war nicht in ihn verliebt und trotzdem hatte ich eine Nacht mit ihm verbracht.
Ich dachte aber auch nicht, dass wir uns nach diesem Abend öfter sehen würden. Aber dem war so. Wir telefonierten zwar nicht mehr, ich wusste nicht warum, aber alle paar Tage schrieben wir uns SMS und verabredeten uns immer für Montags, denn nur an diesem Tag hatte er und auch ich meistens Zeit.
Wir trafen uns wie immer bei ihm, in seiner Wohnung. Wir schauten wie schon beim ersten Treffen Video, allerdings dieses Mal zu Zweit. Wir küssten uns, nach oder während des Films, und verbrachten die Nacht miteinander.
An jedem Dienstag war ich todmüde, denn die Nächte blieben so lang wie beim ersten Mal. Irgendwann diskutierten wir auch, was wir denn nun waren. Nun ja, wir waren eng befreundet und verstanden uns gut.
Außerdem tauschten wir Zärtlichkeiten aus und schliefen miteinander. Eine nicht ganz normale freundschaftliche Beziehung. Nun wir einigten uns darauf, dass wir eine lockere Beziehung hätten, eine Freundschaft mit ein klein bisschen mehr.
Wir beschlossen, dass wir diese Beziehung so fortsetzten wollten, bis wir beide einen Freund hätten, einen festen Freund. Mit dieser Vereinbarung schaltete ich alle Gefühle und Gedanken ab.
Das heißt ich dachte nicht mehr darüber nach was ich denn genau für ihn empfand. Es war ja definiert und festgelegt. Es hört e sich an wie eine Übereinkunft oder ein Vertrag. Wir gingen unseren eigenen Weg, nur der Montag gehörte uns.
Ich suchte weiterhin im Chat einen festen Freund. Ich gab dem nicht viel Hoffnung und außerdem wollte ich das auch nicht mehr so direkt. Ich sprach darüber auch mit Daniela aber die war nur neidisch, dass ich so eine lockere Beziehung gefunden hatte und sie nicht.
Ich freute mich eigentlich auf jeden Montag. Ich gab gar damit etwas an, dass ich nicht in festen Händen bin sondern eine außergewöhnlich lockere Beziehung hatte. Ich war irgendwie stolz darauf.
Doch der Wunsch nach einer festen Beziehung ließ nicht ganz locker. Es kam sogar soweit dass ich jemanden im Internet kennen lernte. Er hieß Michael. Ich hielt ihn für den perfekten Mann. Er wohnte nicht weit weg von mir, nämlich in Aschaffenburg.
Aber sehen wollte ich ihn dann doch noch nicht. Wir schrieben ellenlange E-Mails und täglich viele SMS. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber was er schrieb traf voll mein Interesse und meine Gefühle.
Ich war fast in diese E-Mails verliebt. Der Mann dahinter konnte nur perfekt sein. Manuel war darüber irgendwie fast vergessen, er spielte nur noch eine Nebenrolle. Ich dachte schon ich würde diese lockere Beziehung bald als erster beenden, denn Michael war scheinbar wie für mich gemacht.
Doch auch Manuel schien in einen Jungen verliebt zu sein, wenigstens deutete ich das aus seinen SMS, die er mir schrieb. Ich dachte mir, was soll es. Einige Tage später dann kam die SMS von ihm, dass er jetzt endlich einen Freund hatte.
Ich war etwas enttäuscht. Das wäre das Ende dieser außergewöhnlichen Beziehung. Aber irgendwann musste es ja soweit kommen. Nun wollte ich doch auch Michael treffen. Ich wollte wissen wer hinter diesem perfekten Mann steckte.
Also verabredete ich mich mit ihm. Ich freute mich die ganze Zeit auf dieses Treffen. Ich wusste es konnte nur in Liebe enden. Ich war voll übermütig. Wir trafen uns in Aschaffenburg im Kino.
Wir wollten einen Film ansehen. Welchen, das wollten wir spontan entscheiden. Ich fuhr also dorthin und wartete voller Ungeduld. Wie von Manu hatte ich auch von Michael kein Bild, also wartete ich ab wer denn jetzt gleich erscheinen würde.
Michi ließ auch nicht lange auf sich warten. Plötzlich stand er vor mir. Ich war etwas erschrocken. War das der Mann, den ich von seinen E-Mails und SMS als meinen Traummann deklariert hatte?
Er war etwa so groß wie ich und hatte eine Halbglatze. Die restlichen Haare waren braun und zerzaust. Seine Augen waren hellgrau und er trug eine Brille. Außerdem hatte er leichtes Übergewicht.
Allein von der Figur war er absolut nicht mein Typ. Er würde auch nicht zu mir passen. Wir hatten zwar ewige Mails geschrieben, aber meist nur über Gefühle und unser Leben. Das Aussehen spielte da keine Rolle.
Allerdings, jetzt schon. Ich sah schon jetzt mit Missmut auf diesen Abend. Wie konnte ich einen Mann wegen seinen E-Mails als perfekt abstempeln? Ich war jetzt schon froh, wenn ich ihn wieder los war.
Nun, aber der Abend war noch jung, so machte ich gute Mine zu bösem Spiel. Ich hoffte nur, dass Michael sich keine Hoffnungen machte. Leider verging der Abend nur schleppend. Prompt am anderen Tag, ich hatte die Sache schon fast abgehackt, kam eine E-Mail von Michael.
Er fragte mich, ob ich mir denn vorstellen könnte mit ihm zusammen zu sein. Ich schluckte nur und holte aus für eine lange Mail. Ich musste ihm erklären, dass ich ihn nicht liebte und das möglichst sanft.
Ich brauchte fast zwei Stunden für diese Mail. Mir tat leid, was ich da jetzt tat. Immerhin, in den langen Mail s, die Tage zuvor hatte ich nicht nur mir Hoffnungen gemacht, sondern auch ihm.
Ich hatte eine Traumwelt aufgebaut, nämlich die, dass wir uns lieben könnten. Diese wollte ich jetzt wieder schlagartig zerstören. Es gelang mir auch, aber wie geahnt war Michael sehr von mir enttäuscht. Ich konnte es aber auch verstehen.
Jetzt war die Zeit, in der ich wieder an Manuel zurückdachte. Aber das war wohl vorbei. Die nächsten Tage folgte eine Kurzmitteilung, dass er sich schon wieder getrennt hatte. Eine kurze Liebe wie ich fand.
Ich fragte nicht nach, was genau der Grund war. Ich dachte mir nur es ginge mich nichts an. Manuel fragte, ob wir uns denn jetzt wieder treffen. Er fragte auch wie es bei mir aussieht mit einem Partner.
Nun, ich erzählte ihm von Frank, aber nur kurz und dass es ein Fehlgriff war. Ich wollte Manu gern wieder sehen. Da schaute ich auf den Kalender und erblickte, dass in sechs Tagen erst wieder Montag war. Ich schlug ihm diesen Tag vor.
Er allerdings fragte, ob ich nicht schon das Wochenende Zeit hätte. Ich schaute auf dem Kalender nach und stellte fest, dass ich da Geburtstag hatte. Es war der 18. August. Ich teilte Manu dies mit.
Im gleichen Atemzug teilte ich aber auch mit, dass ich gern mit ihm den Geburtstag verbringen würde. Manu zögerte erst, war dann aber damit einverstanden. Wir verabredeten uns also für Freitag und wollten essen gehen und dann bei ihm in meinen Geburtstag reinfeiern, zu zweit.
Ich war damit einverstanden. Zum ersten Mal nun verabredeten wir uns für ein Wochenende. Die lockere Beziehung war wieder belebt. An diesem besagten Freitag fuhr ich nach Frankfurt zu Manuel.
Wir trafen uns in einem afrikanischen Restaurant in der City. Manuel saß schon draußen auf der Terrasse. Ich begrüßte ihn. Es war kurz nach 20 Uhr. Ich setzte mich. Wir begannen schnell uns die Neuigkeiten zu erzählen.
Wir hatten uns immerhin fast zwei Wochen nicht mehr gesehen. Und durch seinen Ausflug in die Liebe und meine Versuche der Liebe auf die Sprünge zu helfen, war unser SMS-Kontakt stark eingeschränkt.
Wir bestellten Essen und erzählten uns bis kurz vor Mitternacht. Irgendwann ging es ans bezahlen. Manu bestand darauf, dass er bezahlte. Es sollte mein Geschenk sein. Ich war nicht gleich einverstanden, denn die Rechnung war hoch, aber ich ließ mich dann doch überzeugen.
Manuel erwähnte, dass er eine Flasche Sekt zu Hause hätte, extra dem Anlass angemessen.
Ich war verdutzt und begeistert. So fuhren wir zu ihm. Wir schafften es gerade noch so bis Mitternacht. Wir hasteten in die Wohnung und Manuel griff die Sektflasche, die er zugleich köpfte. Der Sekt floss in Strömen aus der Flasche.
Manu hielt die Flasche mit weggesteckten Armen von seinem Körper.

Er schaute mich nur an und sagte: „Uuups, shit, das ging ja voll schief. Sorry.“

Ich lachte nur und setzte mich hin. Manuel dagegen beseitigte etwas die Sauerei bis er sich neben mich setzte. Ich hatte nun schon seit 11 Minuten Geburtstag. Das stellte auch Manu fest. Er umarmte mich und drückte mir einen Kuss auf den Mund: „Alles, alles Gute. Und ich hoffe es hat dir heute etwas gefallen.“
„Klar, es war schön. Aber der Abend ist ja noch nicht vorbei.

Manuel grinste und erhob das Sektglas, das er zuvor gefüllt hatte. Mir reichte er das Zweite. Wir stießen an und tranken einen Schluck. Wir tranken, redeten und alberten noch herum bis kurz vor 3 Uhr. Es war ein lustiger Abend.
Ich hatte Manuel lange nicht berührt. So nahm ich seine Hand und streichelte sie. Manu erwiderte dies. Wir schauten uns an und hatten uns schon bald küssend in den Armen. Es war so schön wieder hier zu sein. Es war 09:00 Uhr und ich wachte neben Manuel auf.

*-*-*

Wir befanden uns in einem Kölner Hotel. Vor einer Woche hatten wir nämlich vereinbart ein Wochenende hier in der Kölner City zu verbringen. Wir hatten längst en festen Montag verlassen und trafen uns jetzt öfter und verbrachten auch mal unsere Wochenenden zusammen, soweit dies möglich war.

*-*-*

Am Freitag direkt nach Dienstende von Manuel, so gegen siebzehn Uhr, fuhren wir los. Ich hatte sowieso frei. Gegen zwanzig Uhr waren wir dann endlich im Hotel in Köln. Den ersten Abend verbrachten wir noch im Hotel.
Wir gingen gemütlich essen im Hotelrestaurant und ab eins wechselten wir in die Hotelbar. Manuel und ich gingen erst spät schlafen. So gegen fünf waren wir eingeschlafen. Allerdings gab es Samstag um zehn Uhr wieder Frühstück, also quälten wir uns aus dem warmen Bett und begaben uns in den Speisesaal.
Viel Hunger hatten wir beide nicht. Wir verschwanden also schnell wieder aufs Zimmer. Wir trennten uns wieder von den Kleidern und legten uns wieder ins große Doppelbett. Wir kuschelten uns aneinander und schliefen ziemlich bald wieder ein.
Erst gegen 17 Uhr erwachte ich wieder. Ich blickte auf Manuel und strich ihm über den Kopf.

Dann dachte ich mir: „Oh Mann, wir liegen hier wie ein Liebespaar. War das normal?“ Ich küsste Manu auf die Wange.

Davon wachte er langsam auf. Er öffnete die Augen und knurrte. Dann lächelte er mich an und fragte unschuldig: „Was ist denn?“
„Es ist schon spät am Nachmittag.“
Ein erneutes Knurren ertönte: „Na und? Bleib noch im Bett.“

Ich tat dem so und drückte mich an Manuel. Dieser küsste mich erst sanft, dann wilder. Es lief alles darauf hinaus, dass wir wieder miteinander schliefen. Wir beide genossen es. Danach kuschelten wir uns wieder eng aneinander und blieben noch ein wenig im Bett liegen.
Es waren wieder zwei Stunden vergangen und es war mittlerweile kurz nach 7 Uhr am Abend. So langsam hatte ich Hunger. Trotzdem blieb ich erst noch stumm daliegen. Erst nach einiger Zeit unterbrach ich die Ruhe.
Ich nahm mir all en Mut zusammen und wollte Manuel doch endlich mal sagen was er für mich bedeutet. Ich schaute zu ihm rüber und schluckte kurz. Allerdings brachte ich nur ein ‚Ich mag dich sehr!‘ über die Lippen.
Manuel schaute zu mir rüber. Er zeigte erst keine Reaktion, dann gab er mir einen Kuss auf die Wangen, mehr nicht. Ich war etwas enttäuscht. Erwartet hätte ich wenigstens ein ‚Ich dich auch.‘ Aber nichts! Ich verharrte in Gedanken.
Ich erinnerte mich an Gespräche mit ihm zurück. Ich wusste nicht mehr was ich für ihn empfand und ob es vielleicht doch schon Liebe war. Ich war mir so unsicher wie nie zuvor. Mit meinen Worten eben wollte ich einen Anfang setzten und sehen was er denn nun von mir hält.
Ein ‚Ich liebe dich‘ fand ich selbst zu übertrieben. Ich erinnerte mich auch an Gespräche mit ihm zurück. Er sagte er würde es nicht mögen, wenn jemand diese Worte zu ihm zu schnell sagen würde.
Aber was war zu schnell? Außerdem hatten wir vereinbart, dass wir keine Liebesbeziehung hätten, sondern nur eine lockere Beziehung, eine Freundschaft, die auf Sex basiert. Vielleicht war er jetzt von mir enttäuscht, dass ich plötzlich solche Gefühle zeigte und äußerte.
Aber sollte ich sie ihm verschweigen? Ich überlegte ob ich ihn später darauf ansprechen sollte. Ich war mir wirklich nicht sicher.
Abends gegen 20 Uhr kamen wir dann endlich aus dem Haus. Wir wollten ja auch nicht die ganze Zeit auf dem Hotelzimmer verbringen. Also beschlossen wir in eine Gay-Disco zu gehen.
Zunächst allerdings wollten wir etwas essen. Wieder wichen wir auf das Hotelrestaurant aus, da wir dachten bevor wir lange suchen liegt das hier doch nahe. Hier verblieben wir knapp 2 Stunden, dann begaben wir uns zur Straßenbahn in der Nähe des Hotels. Wir warteten auf Linie 7, die uns direkt in die Nähe der Disco fahren würde. Allerdings war diese Strecke schlecht verbunden, so dass wir 20 Minuten warten mussten. Wir notierten uns ebenso, wann die letzte Bahn zurück fährt. Das war um 05:11 Uhr in der früh.
In der Straßenbahn führten wir kein Gespräch. Ich dachte nur über den Abend nach und meine Worte, bzw. Gefühle, die ich ihm offenbart hatte. Worüber er nachdachte wusste ich nicht. Manuel saß nur da und schaute wie ich aus dem Fenster. Ich blickte ab und zu auf sein Spiegelbild im Fenster. Erst gegen 23 Uhr kamen wir an der Diskothek an. Wir mussten nicht all zu weit laufen.
In der Disco passierte nichts Besonderes. Nur bemerkte ich, dass Manuel schon etwas Abstand von mir hielt und tanzte. Ich überlegte mir warum er das machte. Er war seit meinen Worten im Bett so still und nachdenklich geworden. Auch im Restaurant war er so abwesend. Dachte er auch über die Worte nach. Vielleicht bereute er, dass er nichts gesagt hatte. Ich wusste nicht was zu tun war. Ich ließ die Nacht einfach verstreifen.
Wie geplant nahmen wir die letzte Bahn zurück zum Hotel. Wir beide hatten einiges getrunken, was eine Konversation wieder vereinfachte. Dieses belanglose Blabla endete hinter der Hotelzimmertür.
Wir fielen regelrecht über uns her. Schnell war das Bett heimgesucht. Wir küssten uns intensiv, Kleidungsstück für Kleidungsstück rissen wir uns vom Leib. Diese wilde Sexphase hatten wir bis weit in den Vormittag. Es war schon fast Frühstückszeit. Wir konnten irgendwie nicht genug voneinander bekommen.
Es war etwas ungewöhnlich, da wir nahezu nichts miteinander geredet hatten an dem Tag und die Stimmung etwas geknickt war. Oder taten wir es, weil bisher jeder Tag, an dem wir uns sahen, so geendet hatte? Es war egal, in diesem Augenblick. Es war gut so. Danach lagen wir wieder eng aneinander gekuschelt da, quer im Bett, ich glaube am Fußende.
Irgendwann kam ich wieder ins Grübeln. Ich dachte wieder über meine Worte nach. Über dieses ‚Ich mag dich‘. Sollte ich in dieser Sache nochmals aktiv werden? Vielleicht sollte ich es einfach noch mal sagen. Vielleicht würde er ja dieses Mal darauf reagieren. Manuel lag müde neben mir, hatte die Augen aber noch geöffnet.
Er merkte, dass ich ihn anschaute. Er schaute mich etwas fragend an.

Ich nahm mir wieder allen Mut zusammen und traute mich erneut zu sagen: „Ich bin gern bei dir und ich mag dich.“
Ich sah auch Manuel schlucken, doch er brachte nur hervor: „Ja.“

Dann küsste er mich und drehte sich um.
Innerlich schüttelte ich den Kopf und dachte mir nur, was das soll. Warum sagte er darauf nichts? Bedeutete ich ihm etwa gar nichts? Ich machte mir noch den ganzen Morgen bis zur Frühstückszeit Gedanken. Ich konnte mir das nicht erklären und war total verwundert. So hatte ich an diesem Tag absolut nicht geschlafen. Während meiner Gedanken kraulte ich Manu den Rücken.
Die Gedanken an das vergangene Wochenende hatten mich bis heute nicht losgelassen. Ich befand mich gerade auf Arbeit. Vollkommen in Gedanken versunken erledigte ich meine Arbeit. Nachdem ich eine Bewohnerin auf den Toilettenstuhl setzte, hatte ich wieder Zeit intensiver nachzudenken.
Ich stand neben der Frau und ignorierte ihr wirres Geplapper. Ich überlegte noch immer warum Manuel nicht auf meine Worte reagiert hatte. Wie konnte ich herausfinden was er für mich empfand? War es so schwer seine Gefühle zu äußern? Ich war der Meinung, dass er hätte irgendetwas dazu sagen können, egal was.
Und wenn er mich nicht mögen würde, hätte er dann ein Wochenende mit mir verbracht oder war er so eiskalt und berechnet? Ich erinnerte mich zurück an den ersten Abend. Die Erinnerungen schweiften bis zu seinem Lieblingsfilm ‚Eiskalte Engel‘.
War er so ein eiskalter Mensch, der nur auf Sex aus war? Ich fühlte mich plötzlich so als wäre ich für ihn nur für den Sex da. War ich nur sein Betthäschen? Was habe n wir schon viel anderes gemacht?
Klar wir haben uns gut unterhalten und Video geschaut. Aber immer wieder lief es darauf hinaus, dass wir miteinander geschlafen hatten. Ich erinnerte mich zurück an unsere ersten Montage. Der Ablauf war klar.
Ich fuhr zu ihm nach Frankfurt, er schob ne Videokassette ein und dann ging’s ab in die Kiste. Ich fand daran auch Gefallen, klar. Aber ich überlegte auch, ob ich das auf Dauer so weitermachen wollte. Scheinbar fand er mich lediglich sympathisch und mehr nicht. Das war mir jetzt absolut nicht mehr genug.
Die Klarheit über seine Gefühle und auch meine hatte ich am Wochenende herausfinden wollen. Seine Reaktion war eindeutig. Ich war fest entschlossen dem in Ende zu setzten. Mir verging die Lust. So beschloss ich ihm eine SMS zu schreiben. Ich wollte mich absolut nicht ausnutzen lassen.
Ich nahm zunächst die Bewohnerin, die noch heiter vor sich her plapperte, von dem Toilettenstuhl und legte sie wieder ins Bett. Ich machte zur Sicherheit das Bettgitter hoch. Dann lehnte ich mich gegen dieses und zückte mein Handy.
Jetzt war der große Augenblick. Eineinhalb Monate lockere Beziehung sollten mit den folgenden 160 Zeichen enden. Ich überlegte nur kurz und fing schon bald an wie wild auf einen Handytasten herumzutippen.

„Hallo Manu. Ich möchte nicht weiter dein Betthase sein. Ich habe die Nase voll. Machs gut. Gruß Christian.“

Ich empfand diese Wortwahl als geeignet. Erst nach dem Absenden empfand ich sie doch als ein bisschen zu hart. Aber es war mir letztendlich egal. Ich beharrte weiterhin darauf, dass ich nicht ausgenutzt werden möchte. Ich war mir zu wertvoll für solch eine lockere Beziehung auf Dauer. Ich hatte eben plötzlich dieses Gefühl, dass ich nur Mittel zum Zweck war.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Es kam eine kurze SMS von Manu. Laut dieser Kurzmitteilung war er scheinbar schockiert über mein Denken und meine Entscheidung. Ich nahm diese SMS zur Kenntnis, aber seine Worte waren mir dann doch egal, sie waren eh nicht echt und nur gelogen.
Wer gibt schon zu, dass der andere nur das Sexobjekt war für zwischendurch? Es war aus. Ich löschte in dem Bewohnerzimmer das Licht, steckte das Handy in meine weiße Arbeitskleidung und verschloss die Tür.
Heute war ein beschissener Tag. Ich hatte geteilten Dienst, weil eine Kollegin krank wurde. Das hieß für mich um halb sieben zum Dienst erscheinen bis zum Mittag arbeiten und abends ab halb 6 wieder auftauchen.
Von der Nachtschicht sollte ich auch noch einen Part übernehmen, da die Nachtwache ihr Kind vom Flughafen abholen musste. Alles wunderbar, mit mir konnte man es ja machen. Und das nicht nur heute, sondern auch morgen.
Aber morgen wenigstens nicht bis 23:30, sondern nur bis regulär 20:3 0 Uhr . Jetzt war es 10 Uhr und alle Bewohner waren aus den Betten. Den letzten brachte ich gerade zum Aufzug, um ihn in den Speisesaal zu fahren.
Als ich da am Aufzug stand klingelte plötzlich mein Handy. Ich griff in meine Hosentasche und ging ran.
„Ja?“
„Hallo. Du kennst mich nur sehr flüchtig.“

Es war eine Frauenstimme.
„Äh … wer bist du?“
„Marie,“ sagte sie kurz und knapp.
„Hm, die Marie von damals bei dem Videoabend bei Manu?“

„Ja, genau die!“
„Was ist los?“
„Ich muss dringend mit dir reden.“
„Warum?“ fragte ich uneinsichtig.

„Es geht um Manu.“
„Was ist mit ihm?“
„Es geht ihm nicht gut. Mehr sag ich dir persönlich.“
„Jetzt sag schon.“
„Wann hast du Zeit?“ fragte sie, meine Frage ignorierend.
„Ich hab Dienst.“

„Erneut fragte sie: „Wann hast du Zeit?“
„Na ja ab 12!“
„Wo können wir uns treffen?“
„In einem Café?“
„Ja klar, okay, kein Problem. Hier in Darmstadt?“

„Ja.“
„Okay, kennt du das ‚NewAge‘?
„Klar.“
„Dann komm da hin. Ich bin kurz nach zwölf dort“
„Alles klar!“
Wir beendeten das Gespräch. Ich wusste zwar nicht um was es ging, aber neugierig war ich schon. Sorgen machte ich mir außerdem, irgendwie. Der Fahrstuhl öffnete sich und ich fuhr mit dem Bewohner hinein.
Wie verabredet betrat ich um kurz nach zwölf das ‚NewAge‘ in der Darmstädter City. Ich blickte suchend durch den Raum. Da sah ich Marie schon winken. Ich ging auf sie zu und setzte mich an den Tisch. Die Jacke streifte ich aus und hängte sie über die Rückenlehne. Dann reichte ich Marie die Hand und begrüßte sie.
„Hi, Christian. Ich will es nicht zu lang machen. Ich weiß noch nicht mal ob es dich interessiert.“
„Natürlich interessiert es mich,“ erwiderte ich.
„Okay, Manu geht es nicht gut. Er hat mit mir geredet. Über dich.“
„Über mich? Dann weißt du Bescheid, dass wir uns nicht mehr sehen?“
„Ja. Er hat mir diese SMS von dir gezeigt. Unter Tränen!“
„Tränen? Verstehe ich nicht.“
„Na ja, er hat nie etwas von dir erzählt. Ich hab dich ja auch nur einen Abend gesehen. Nach deiner SMS aber rief er mich an. Er wollte mit mir reden. Er hat sich voll verzweifelt angehört.“
Ich hörte ihr gespannt zu.
„Als ich bei ihm ankam hatte er schon ein paar Gläser Wein intus. Eine Flasche war ganz leer und die zweite fast. Ich war etwas geschockt von dem Anblick. Er saß nur in Morgenmantel da, unrasiert und vollkommen aufgedunsen von den Tränen. Dann erzählte er mir langsam, aber seine Zustand angepasst, von dir und von den Ereignissen. Ich reimte mir nun so halbwegs zusammen was er meinte. Dann betonte er ich solle nichts unternehmen. Er brauchte nur mal jemanden zum reden.“
„Was hat er gesagt?“
„Willst du das wirklich wissen?“
„Ja!“ sagte ich sicher.
„Er liebt dich.“
„Was?“ Das kam selbst für mich überraschend.
Eine Kellnerin unterbrach uns und fragte mich, ob ich einen Wunsch hätte. Ich bestellte eine Apfelsaftschorle. Marie hatte schon etwas zu trinken. Die Kellnerin verließ uns wieder.
Marie fuhr fort: „Ja, das hat er gesagt.“
„Aber warum hat er mir das nicht gesagt?“
„Darauf sagte er nur, dass du ihn nicht liebst, sondern nur magst und nicht mehr.“
„Ich hab ihm meine Gefühle gesagt.“
„Ja, so wie ich das verstanden habe hast du in Köln gesagt, dass du ihn magst. Aber er wollte was anderes hören.“
„Nämlich?“
„Dass du ihn liebst.“
„Aber ich sage doch nicht aus heiterem Himmel diese Worte.“
„Das weißt du und das weiß ich. Aber er hat eine andere Ansicht. Bei ihm ist das wie ein Memoryspiel. Deckst du das Liebes-Kärtchen auf, hätte er sich auch geöffnet, aber deckst du das Mögen-Kärtchen auf hält er sich bedeckt. Blödes Beispiel, ich weiß.“
„Ja, das ist lächerlich.“

„Ich weiß, aber so ist er nun mal.“
Ich lehnte mich zurück und atmete tief ein.
Marie beugte sich dagegen vor und schaute mich intensiv an.

Dann fragte sie vorsichtig: „Liebst du ihn?“
Ich schaute die an und nickte nur.
„Dann ruf ihn an. Am besten jetzt.“
„Ist er nicht arbeiten?“
„Nein, er ist daheim. Er konnte heute früh nicht ins Büro. Sein Zustand, du weißt!“
„Ich würde am liebsten zu ihm fahren!“
„Tu es!“
„Ich kann nicht, ich muss arbeiten.“
„Ruf ihn an.“

Ich atmete tief durch und zückte mein Handy. Die Kellnerin derweil brachte mein Getränk und ich bedankte mich. Im Telefonbuchverzeichnis meines Handys wählte ich Manus Namen aus. Ich hielt das Handy an mein rechtes Ohr und atmete noch mal tief durch.
Es tutete eine ganze Zeit, bis er endlich ranging. Es ertönte nur ein flüchtiges ‚Hallo‘.
„Manu, bist du es?“ fragte ich.
„Ja, was?“ kam es von der Gegenseite. In seiner Stimme hörte ich, dass er betrunken war.
„Hast du getrunken?“
„Ja.“
„Warum?“
„Nur so.“
„Hör auf damit.“
„Nein, ich trinke weiter,“ sagte Manu unvernünftig.
„Und was hast du davon?“
„Weiß nicht!“
„Lass es einfach, mir zu liebe.“
„Was hab ich davon, du magst mich ja nur.“
„Was willst du damit sagen?“
„Nichts!“
„Wann können wir reden?“
„Du, Betthäschen, ich hab nix mit dir zu bereden, du wolltest mich nicht.“
„Lass das. Es ist mir ernst. Ich will dich sehen. Allerdings heute kann ich nicht. Ich muss arbeiten.“
„Schön für dich, Betthäschen,“ sagte er spottend.
Es hatte wenig Sinn mit Manu ein normales Gespräch zu führen. Er war vollkommen betrunken. Ich bedauerte schon jetzt, dass ich heute nicht mehr nach Frankfurt fahren konnte. Es würde zu spät werden.
Ich bat Manuel immer wieder nicht weiter zu trinken und, dass er schlafen sollte. Aber er widersprach immer wieder. Egal was ich sagte es prallte an seiner Uneinsichtigkeit und Unvernunft ab.
„Hör zu, Manu, ich komme morgen Abend zu dir. Heute würde es zu spät werden.“
„Mir egal.“
„Wie?“
„Ich weiß noch nicht ob ich dich reinlasse.“
„Jetzt werd nicht unvernünftig. Wir werden morgen reden. Und morgen bist du bitte nüchtern.“
„Ja. Ist gut. War’s das?“
„Nein. Du legst dich jetzt hin und schläfst ne Runde. Und wenn du morgen aufwachst meldest du dich kurz per SMS, dass ich weiß ob es dir gut geht. Hast du verstanden?“
„Warum sollte ich auf dich hören?“
„Mach einfach. Ich denk ich liebe dich, hörst du?“
„Ohhh, der Herr liebt mich. Das wollte ich allerdings am Wochenende hören.“
„Darüber diskutiere ich nicht jetzt mit dir. Geh schlafen.“
„Lass mich.“

Mit diesen, seinen Worten dachte ich es wäre vielleicht wirklich das Beste ihn in Ruhe zu lassen. Ich hatte alles gesagt. Jedes weitere Wort wäre Verschwendung. Er würde eh nicht auf mich hören.
Ich wiederholte trotzdem noch einmal, aus Sorge, dass er aufhören soll zu saufen. Dann beendete ich das Gespräch auch. Verzweifelt schaute ich Marie an und fragte sie ob ich denn richtig reagiert hätte.

Sie nickte nur und sagte zu meiner Beruhigung: „Es wird schon alles gut. Ich schau dann noch mal bei ihm vorbei.“
„Das wäre nett Ich mach mir jetzt echt Sorgen.“
„Ganz entspannt sein. Ich weiß das ist leicht gesagt, aber es bringt dir nichts wenn du dir jetzt Gedanken machst und ihm auch nicht.“
„Ich weiß.“
„Na siehst du.“
„Danke, dass du mich informiert hast.“
„Ich empfand das für selbstverständlich.“
„Woher hast du überhaupt meine Nummer?“
„Na ja, trickreich muss die Frau sein. Irgendwann musste er kotzen und da lag sein Handy auf dem Tisch, na ja, deinen Namen kannte ich ja …“
Ich grinste nur.

*-*-*
Ich hatte noch ein wenig Zeit bis zur zweiten Hälfte meines Dienstes. Also unterhielt ich mich noch ein wenig mit Marie. Ich erzählte ihr, aus meiner Sicht, von Manu und mir.
Er hatte sich tatsächlich an meine Worte gehalten. Obwohl ich dachte er hätte in seinem Zustand nichts aufnehmen können, hatte er sich heute früh per SMS gemeldet und mir mitgeteilt wie es ihm geht.
Er war zum Glück nüchtern und hatte lang geschlafen, aber er schrieb, er hätte viel nachgedacht. Ja, das hatte ich aber auch. Ich war mittlerweile auf dem Weg nach Frankfurt. Von der Arbeit konnte ich doch schon ein bisschen früher weg, so dass ich gegen halb neun bei ihm sein konnte.
Angekommen im Wohnpark, wo er seine Wohnung hatte suchte ich mir einen Parkplatz und eilte dann zur Eingangstür. Ich klingelte und wartete ab bis er mir öffnete. Als der Summer ertönte und die Tür sich öffnen ließ trat ich ein und stieg die Treppen empor bis zu seiner Wohnungstür.
Diese war einen Spalt breit geöffnet. Ich schob sie weiter auf und trat ein, dann schloss ich sie. Die Jacke zog ich aus und hängte sie in die Garderobe. Jetzt ging ich in das Wohnzimmer, wo Manuel eine Zigarette rauchend auf der Couch saß.
Ich begrüßte ihn. Doch er nuschelte nur ein leises ‚Hallo‘ ohne mich anzusehen. Darauf setzte ich mich neben ihn und wartete ab, bis er was sagte. Aber kein Wort kam über seine Lippen. So atmete ich tief ein und lehnte mich zurück.
Nach außen sah es so aus als würde ich alles im Griff haben und die Sache ganz locker angehen, aber innerlich war ich unsicher. Nach außen versuchte ich immer Stärke auszustrahlen, egal wie es in mir aussah.
Das sollte auch jetzt so sein. So begann ich ein Gespräch.
„Manuel, willst du nicht mit mir reden?“
Ohne mich anzuschauen sagte er: „Doch.“
Mit einer fürsorglichen Stimme erwiderte ich: „Ja, dann sprich mit mir. Mir kannst du alles sagen. Was ist los mit dir?“
„Weiß nicht.“
„Nun ich denke es ist wegen Köln und es geht um uns, ja?“
Er nickte nur.
„Okay. Geht es um den Nachmittag, als ich dir sagte, dass ich dich mag?“
„Auch.“
„Viel sagst du ja nicht dazu,“ sprach ich von oben herab.
„Mir fällt es schwer. Ich hab viel nachgedacht.“
„Und viel getrunken,“ rutschte mir raus.
„Ja, ich weiß.“
„Also worüber hast du nachgedacht?“
„Na ja über uns und wie lange das noch so geht mit unserer lockeren Beziehung. Ich hatte Angst dich zu verlieren.“
„Warum hast du nichts gesagt auf meine Worte im Hotel.“
„Weil es nicht die Worte waren, die ich hören wollte.“
Jetzt vergrub er sich mit seinem Kopf im Sessel. Er wollte mir nicht ins Gesicht schauen. Ich fragte kurz was das soll, er solle mich doch anschauen, aber Manu rührte sich nicht. Also fuhr ich fort.
Ich holte aus für einen langen Monolog.
„Aber das ist doch lächerlich, Manu. Ich wollte dir mitteilen, dass ich dich sehr mag und von dir kommt keine Erwiderung, was soll ich da denken. Ich sag dir was ich dachte. Ich dachte, der mag mich nicht. Der braucht mich nur fürs Bett.
Aber ich empfand mehr für dich, deshalb wollte ich das letztens abbrechen. Ich fühlte mich ausgenutzt. Jetzt weiß auch ich, dass das ein Fehler war und dass ich dir nicht egal bin. Das ist doch so?“
Manuel nickte wieder nur.
„Hey, Manu, willst du jetzt da an der Sessellehne hängen bleiben? Komm zu mir, bitte.“ sagte ich sanft.

Manuel rappelte sich langsam auf und schaute mir kurz mit seinen verweinten Augen ins Gesicht, dann klammerte er sich an mich. Ich strich mit meinen Händen über seinen Rücken und lehnte mich zurück.
Es war jetzt Totenstille im Raum. Aber geklärt war noch gar nichts. Ich hatte zwar kurz vorgebracht, was ich empfand und wie ich alles sah, aber sonst auch nichts. Ein Gespräch war mit ihm ja nicht anzufangen.
So überlegte ich was ich jetzt tun sollte. Währenddessen kraulte ich noch immer seinen Rücken. Es war ein tolles Gefühl ihn in meinen Armen zu halten. Es war Zeit ihm endlich zu sagen was ich wirklich für ihn empfand.
So störte ich jetzt wieder die Stille und suchte nach folgenden Worten:
„Du, willst du mir noch etwas sagen?“
Manuel blieb mit seinem Kopf an meiner Brust und schüttelte sanft den Kopf und erwiderte:

„Nein.“
Ich dachte mir nur, das kann es doch nicht sein, also ergriff ich die Initiative. Ich packte ihn sanft mit beiden Händen an den Schultern und drückte ihn von mir weg, so dass sein Gesicht vor meinem war und dass er gezwungen war mir in die Augen zu schauen.

Jetzt lächelte ich Manuel etwas verkrampft an und sagte überzeugt: „Aber ich, ich möchte dir noch etwas sagen!“
Manu schaute mich an und fragte leise und unsicher: „Und was?“
Jetzt war meine Zeit die Zeit der Wahrheit. Ich atmete tief durch und sagte: „Ich liebe dich, Manuel, ich liebe dich.“
Es zuckte ein Lächeln über sein Gesicht. Er fragte unsicher nach: „Wirklich?“
Ich lächelte und nickte zufrieden.
Jetzt sagte Manuel: „Ich liebe dich auch, Christian.“
Mit diesen Worten drückte er sich wieder fest an mich. Ich legte meinen Kopf auf seinen. So verharrten wir kurz, dann packte ich ihn wieder sanft an den Schultern und drückte ihn zurück. Manuel und ich schauten uns tief in die Augen.
Ich zog ihn langsam vor zu meinem Gesicht. Ich drückte ihm einen zärtlichen Kuss auf die Lippen. Dieser Kuss wurde bald intensiver. Ich legte meine Arme um Manuel und drückte ihn an mich. Es war ein magischer Moment, den ich nie vergessen werde. Es war raus, ausgesprochen, wir liebten uns. Die Worte waren gesagt. Ich war so glücklich.
Aus der Vergangenheit mit Manu, also die Zeit vor unserer offiziellen Liebeserklärung, konnte ich nur schwach vorausahnen was für einen Chaot ich da liebte. Die Zeit nach diesem unvergesslichen Kuss war niemals langweilig.
Unsere Liebe war ein Auf und Ab. Auch wenn es immer wieder mal kriselte hatte ich nie genug von ihm. Vielleicht brauchte ich das. Es war keine Liebe voll nur mit Harmonie, nein es war das Gegenteil. Immer wieder war er hier eifersüchtig und da unsicher ob ich ihn wirklich liebte.
Aber ich schmetterte seine Vorwürfe immer wieder mit Argumenten nieder. Ich möchte nicht sagen, dass ich mich auf solche Streitigkeiten freute, aber es gehörte dazu. Ich hätte es vermisst wenn es einmal tagelang zu glatt gelaufen wäre. Es gab auch so richtige Tiefs und auch absolute Unsicherheit, auch auf meiner Seite. So bekam ich eines Abends wieder an den Kopf geworfen, ich würde ihn doch nicht wirklich lieben, weil ich es ja auch nie sagte. Ich konnte nichts dazu sagen. Er wusste schon, dass ich gleich wieder anfangen würde mit Gegenargumenten oder mit Erklärungen. So ließ er mich alleine im Schlafzimmer zurück und dackelte in das Wohnzimmer. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Ich lief ihm hinterher und fragte was das sollte.
Er sagte nur: „Du willst mich ja nicht mehr.“
„Wie kommst du darauf?“
„Du sagst mir nie, dass du mich liebst.“
„Muss ich das ständig sagen. Hör zu, so lang ich nicht sage, dass ich dich nicht mehr liebe, bleibt es dabei, dass ich dich liebe. Obwohl ich bin mir im Moment wirklich nicht mehr sicher. Immer wieder so eine Scheiße hier.“
„Siehst du, du machst Schluss.“
„Hab ich das gesagt? Nein. Ich sagte ich bin unsicher.“
„Das ist schon die Vorstufe.“
„Schwachsinn.“
„Willst du Schluss machen?“

Ich war genervt und das zeigte ich auch. Länger anhören wollte ich mir das nicht, so dampfte ich grummelnd ab zurück ins Schlafzimmer. Die Tür ließ ich zuknallen. Ich schmiss mich heulend aufs Bett.
So lag ich da und es schossen mir viele Gedanken in den Kopf. Kurz hatte ich vorhin wirklich vor das Chaos zu beenden und Schluss zu machen. Aber ich konnte und wollte nicht. Ich liebte ihn und hätte ihn jetzt am liebsten in den Armen.
Ich hatte nur kurz diese Unsicherheit. Immerhin es gab immer wieder Probleme zwischen uns, nie gab es mal so richtig lange Harmonie. Vielleicht vermisste ich doch auch das. Auch wenn ich mich an das Chaos schnell gewohnt hatte, das plötzlich da war, sehnte ich mich doch auch mal nach Ruhe.
Heute dachte ich es würde nie zur Ruhe kommen, deshalb diese Ungewissheit. Nach unserer Liebesbekenntnis wurde alles komplizierter. Es kamen Dinge in unser Leben mit denen wir uns vorher nicht rumschlagen mussten in unserer lockeren Beziehung.
Der größte neue Faktor war die Eifersucht. Vorher durften wir nicht eifersüchtig sein, nicht offiziell, denn wir waren nicht zusammen. Klar war ich eifersüchtig und er sicher auch wenn ein anderer Mann nur erwähnte wurde.
Das konnte immer heißen es ist vorbei und es war ja fast soweit als er kurz mit Markus zusammen war. Trotzdem, die Zeit vor unserer Liebe war einfacher und jetzt vermisste ich diese Zeit schon ein bisschen.
Wir hatten uns genauso oft gesehen wie heute, aber nie gab es Krach. Wir hatten uns immer gut verstanden. Warum jetzt nicht mehr? Waren es die goldenen Worte ‚Ich liebe dich‘, die alles komplizierter machten? Wir waren jetzt schon in zwei Räumen.
War das schon das Zeichen für eine Trennung? Warum dachte er nur ich liebe ihn nicht? Ich wusste, dass ich ihm nur einmal gesagt habe, dass ich ihn liebe und das war beim ersten Mal. Aber ich hatte mich getraut es zu sagen.
Ich wusste nicht, ob es von ihm gekommen wäre, damals, wenn ich nichts gesagt hätte. Ich wollte mich nicht von ihm trennen, das wusste ich. Am liebsten wäre ich jetzt ins Wohnzimmer gegangen und hätte ihn in den Arm genommen.
Aber ich traute mich nicht. Plötzlich wurde ich vom Piepsen meines Handys aus den Gedanken gerissen. Eigentlich wollte ich die Kurzmitteilung, die gerade einging, ignorieren, aber irgendwie griff ich dann doch zum Mobiltelefon.
Es war Manuel. Ich war etwas verdutzt und las. Es waren wieder diese Worte, die mich vorhin so genervt hatten. Wieder die Frage warum ich ihn nicht mehr liebte. Ich seufzte und nahm mir vor zu antworten. Aber ich hatte keine Ahnung was ich schreiben sollte.
Nun schrieb ich ihm dass ich ihn liebe und wieso er darauf kam, dass ich es nicht tun würde. Klar, ich wusste was jetzt gleich kam, er hatte es ja schon oft genug gesagt, aber mir fiel nichts Besseres ein. Ich fand es etwas lächerlich, dass er im Nachbarzimmer war und wir jetzt simsten.
Aber vielleicht traute er sich ja auch nicht zu mir ins Schlafzimmer zu kommen, dachte ich mir. Wir schrieben noch eine ganze Weile SMS. Seine Antworten dauerten immer ewig. Ich war immer gespannt was er schrieb.
Ich hoffte, dass das alles hier gut ausgehen würde. Irgendwann hatte ich genug von dem Geschreibe und ich vermisste seine Nähe immer mehr. So schrieb ich ihm nun folgende Worte: „Manu, bitte komm zu mir. Du musst wissen ich liege hier in Tränen und vermisse dich. Ich will keine weitere SMS, ich will dich!“ Dann wartete ich ab. Ich lauschte was sich im Wohnzimmer tat. Ich nahm aber kaum Geräusche war.
Ganz vertieft in mein Lauschen ging die Tür auf und ich erkannte die Silhouette von Manu Ich atmete auf und mir schossen erneut Tränen ins Gesicht. Manuel blieb einige Sekunden da stehen. Dann bewegte er sich auf das Bett zu.
Er legte sich neben mich und blieb auf seiner Seite liegen.

Ich drehte meinen Kopf zu ihm, dann sagte ich: „Komm zu mir. Ich will dich spüren.“

Manuel drehte sich zu mir und griff mit seinen Armen nach mir. Ich tat dem gleich. Auch ich kam ihm etwas entgegen und rutschte auf seine Seite. Meine Arme waren jetzt um seinen Körper geschlungen und seine um meinen Körper.
Wir drückten uns fest aneinander und ich spürte seine Wärme. Ich war froh, dass er wieder da war. Ich liebte es wenn wir uns versöhnten. Es war ja nicht die erste Versöhnung, die ich mit ihm erleben durfte, aber heute war es extremer als sonst.
Aber wir rafften uns immer wieder zusammen und nach jeder Versöhnung kamen wir uns ein Stück weit näher. Es gab nie große Aussprachen, wir nahmen uns meist nur in den Arm und alles war wieder okay.
Ich betonte noch heute Abend, dass ich ihn wirklich liebte Ich wollte diese Worte noch mal wiederholen. Ich wollte, dass er sicher ist.
Manus Unsicherheit in Bezug auf meine Liebe zu ihm war noch lange nicht vorbei. Aber es kam, der Tag an dem ich ihm beweisen konnte wie sehr ich ihn liebte. Es war an einem Wochenende, das er bei mir verbrachte.
Wir verlebten eine romantische Nacht und schliefen lange aus am Sonntag. Es war schon Nachmittag, als wir aufwachten. Wir nahmen uns vor gemeinsam zu duschen, wie so oft. Ich ging schon vor ins Badezimmer, um schon mal Zähne zu putzen.
Manu lag noch faul im Bett und versprach mir nachzukommen.
Nach dem Zähneputzen hüpfte ich schon mal unter die Dusche. Ich stellte das Wasser ein und wartete ab bis es wärmer wurde. Ich prüfte ab und an mit der Handfläche die Temperatur. Wenig später stand auch Manu im Badezimmer.
Ohne viel zu sagen wollte er zu mir in die Dusche kommen. Doch irgendwie machte er eine zu schnelle Bewegung und bevor er die Dusche erreichte rutschte er auf dem Boden aus, scheinbar war etwas Wasser aus der Dusche geflossen.
Ich sah ihn mit dem Kopf an die Toilette fallen. Blut spritzte auf die weiße Badgarnitur.

So lag er da, blutverschmiert, und schwach sagte er die Worte: „Aua, hilf mir. Hilf mir.“

Ich war voll panisch. Nackt wie ich war sprang ich aus der Dusche und beugte mich zu ihm runter. Jede Erste-Hilfe-Übung war in diesem Moment vergessen. Ich wusste nicht was zu tun war. Er war noch bei Bewusstsein.
Immer wieder bettelte er um Hilfe. Aber ich kniete zunächst rührungslos neben ihm. Dann schossen wieder Gedanken in meinen Kopf und ich handelte. Ich wollte ein en Druckverband machen. Ich hielt dies für angemessen.
Aber zunächst griff ich zu meinem Handy und wählte die Nummer des Notdienstes.

Manu sah das und beobachtete mich, dann sagte er leise und schwach: „Kein Arzt, bitte. Ich will nicht ins Krankenhaus.“

Ich bat ihn den Mund zu halten. Ich sagte der Rettungsleitstelle was passiert war und wo sie hinzukommen hatten, dann griff ich in den Verbandsschrank und wählte eine Packung mit Druckverband. Jetzt begab ich mich zu meinem Freund, der auf dem Boden lag.
Ich sah nur noch Blut und hatte Angst um ihn. Der Druckverband war schnell gemacht, ich war jetzt voll in meinem Element als Pfleger. Die Rettungsmannschaft ließ auch nicht lange auf sich warten.
Es ging jetzt alles so schnell. Die Sanitäter lobten meinen Verband und hoben anschließend den nackten Manu auf eine Trage. Sie deckten ihn zu und transportierten ihn zum Krankenwagen, der im Hof stand.
Ich durfte nicht mitfahren. Aber ich wollte bei ihm sein. So zog ich mich an, sobald die Sanitäter weg waren und fuhr in das Krankenhaus nach. Nachdem ich von der Krankenhausinformation erfahren hatte, dass Manu genäht wurde und in Zimmer 207 lag, betrat ich den Aufzug und fuhr in den zweiten. Stock, wo sich dieses Zimmer befand.
Dort angekommen schritt ich suchend nach dieser Zimmernummer durch den langen Gang. Dann fand ich das Zimmer. Es lag fast am Ende des Ganges. Ich stellte mich vor die große Tür und klopfte an. Ich wartete nicht ab, bis jemand ‚Herein‘ sagte, stattdessen trat ich einfach ein.
Im Raum gab es vier Betten, aber nur drei Betten waren belegt. Ich erblickte die ersten zwei Betten und nahm einen alten Mann mit Gipsbein wahr und gegenüber einen jungen Mann, etwa in meinem Alter.
Was er hatte konnte ich nicht ersehen, er schlief. Am Fenster sah ich Manu in seinem Krankenbett liegen. Er drehte sich zu mir und lächelte. Ich lächelte zurück. Ich ging zu ihm und setzte mich auf die Bettkante.
Er sah noch sehr schwach aus und hatte einen riesigen Verband auf dem Kopf. Scheinbar war die Verletzung nicht all zu schlimm, denn eine Gehirnerschütterung schien er nicht davon zu haben.

Manuel ergriff das Wort: „Du hast wirklich nur Sorgen mit mir.“
Ich lächelte nur und antwortete: „Mach dir keine Sorgen.“
„Danke, was du für mich getan hast.“
„Was meinst du?“
„Dass du mir geholfen hast vorhin. Ich dachte schon ich muss sterben!“
„Na, hey, so schnell geht das nicht.“
„Außerdem war es voll unangenehm, dass die mich nackt gesehen haben.“
Ich lachte nur und erwiderte: „Na, wenn das dein einziges Problem ist.“
Manu lächelte. Dann bat er mich, dass ich näher kommen sollte. Er wollte mir was mitteilen, was die anderen Zwei nicht hören sollten. Ich folgte seiner Bitte und ging mit meinem rechten Ohr nah an seinen Mund.

Dann fing Manu an zu sprechen: „Du, ich weiß jetzt, dass du mich liebst. Nach all dem was du heute getan hast. Danke. Ich weiß, dass du mich liebst.“
Ich bewegte meinen Kopf zurück und lächelte zufrieden. Ich nahm kurz seine Hand und streichelte sie. Es war mir im Moment egal ob das jemand sieht. Ich war so glücklich über diese Worte.
Nach diesem Krankenhauserlebnis wägte ich unsere Liebe in Sicherheit. Eine Woche lang war jetzt auch keine Meinungsverschiedenheit mehr. Ich war wirklich glücklich. Doch dieses Glück sollte wider unterbrochen werden und ausgerechnet wieder von dem Mann, den ich doch so liebte.
Diesmal stellte er nicht meine Liebe zu ihm in Frage, sondern war eifersüchtig auf Daniela. Er behauptete ich würde viel mehr Zeit mit ihr verbringen. Ich fragte ihn nur, was das jetzt wieder sollte.
Er war voll eingeschnappt deswegen und trotzig. Ich begründete mein Häufiges Treffen mit Daniela, dass sie ja meine beste Freundin war und dass sie in meiner Nachbarschaft wohnt. Ich verstand nicht warum er auf meine beste Freundin eifersüchtig war.
Er schien wieder seine verrückten fünf Minuten zu haben. So führte ich eine zweistündige Diskussion mit ihm über dieses Thema. Wir redeten in unserer Beziehung wirklich nicht viel, aber streiten konnten wir.
Mir ging es wieder gegen den Strich, dass er mir während des Gesprächs nicht in die Augen schaute. Ich sollte seine Tränen nicht sehen. Ich war wirklich aufgebracht und jetzt auch beleidigt. Ich verstand nicht warum er unserer Glück jetzt mit so einer Lächerlichkeit wieder zerbrach.
Er stellte mir fast ein Ultimatum. Er oder sie. Ich war fast am ausrasten. Es ging hier nicht um einen Mann, der sein Territorium betrat, sondern immer noch um meine beste Freundin, mit der ich gern die Zeit verbrachte.
Das wollte er nicht einsehen. Ebenso wenig wollte er sehen, dass doch er wegen seines Jobs nur ein bis zweimal die Woche für mich Zeit hatte. Aber ich hatte mich nie beschwert. Er lag da, an die Wand schauend, heulend und brachte immer wieder lächerliche Argumente hervor. Irgendwann reagierte ich gar nicht mehr.
Ich versuchte einen Kompromiss zu finden, dass er sich wieder wohl fühlte. Es war schwer und ich wollte auch nicht nachgeben. Dann hatte ich aber einen Einfall. Ich wollte ihm versprechen mehr Zeit für ihn zu haben, was ich ja eigentlich eh schon hatte.
Ich wollte ihn ruhig stellen. Aber ich gab eigentlich nur Versprechungen, die ich von meiner Seite nicht direkt halten konnte. Ich sagte, ich würde ein Treffen mit ihm einem Treffen mit Daniela vorziehen.
Außerdem sagte ich ihm, dass das Wochenende nur ihm gehört und wir da etwas zusammen unternehmen würden. Ich schwang Versprechungen, ohne lange nachzudenken. Doch auf diese beruhigenden Worte sprang er scheinbar an und drehte sich dann tatsächlich wieder zu mir.
Ich fand mich in diesem Gefühlswirrwarr, diesem Auf und Ab, nicht mehr zurecht. Ich spielte dieses Spiel schon ganze vier Wochen mit. Als wir so da lagen prägte sich in Gedanken meine Unsicherheit. Ich überlegte ob es nicht doch besser wäre Schluss zu machen.
Gerade war ich am Kochen in meiner Küche, ich hatte frei an diesem Montag, da piepste das Handy. Es war mein Ex. Seit sich mein Nachfolger von ihm getrennt hatte meldete er sich wieder regelmäßig. Er schrieb mir, dass er mich vermissen würde. Plötzlich kamen mir wieder die Gedanken an unsere Beziehung damals.
Ich erinnerte mich an die schönen Momente mit ihm. Er war einfach der perfekte Mann für mich. So waren meine Empfindungen. Bevor ich die Nudeln aufstellte wollte ich ihm erst noch antworten. Wir schrieben uns noch lange hin und her.
Frank, so sein Name, heulte sich bei mir aus. Er war sehr traurig und ich fühlte mit ihm. Ich versprach ihm immer für ihn da zu sein. Es war scheinbar schwer für ihn über die Trennung hinweg zu kommen.
Ich erinnerte mich auch zurück wie er damals mit mir Schluss machte. Meine Schmerzen sah ich, denn ich hatte in so geliebt und dann plötzlich dieser Stich mit dem Dolch in den Rücken. Frank sah aber heute auch ein, dass er zu hart war mit den Worten mir gegenüber damals.
Ich verstand nicht, warum er sich jetzt ausgerechnet vor ein paar Tagen wieder bei mir gemeldet hatte. Frank begründete es damit, indem er sagte er würde mir sehr vertrauen. Der Kontakt, so er, hätte ihm sehr gefehlt.
Immer wieder klagte er über seine gescheiterte Beziehung und betonte doch wie glücklich er im Gegensatz, mit mir war. Ich erinnerte mich auch gerne zurück. Es gab fast nie Streit. Just in dem Moment schoss mir wieder Manu in den Kopf.
Streit, das war mein Stichwort. Nach all dem was passierte in letzter Zeit wusste ich nicht mehr ob ich glücklich war oder nicht. Ich vermisste Manuel aber nicht. Wieder piepste das Handy.
Wieder war es Frank. Er fragte ob ich denn glücklich sei in meiner Beziehung. Jetzt wusste ich nicht was ich antworten sollte. So schrieb ich eben, dass ich mir nicht sicher war. Ich schickte die Nachricht ab und lehnte mich zurück.
Ich versank in Gedanken. Dass es kurz darauf wieder piepste nahm ich nicht wahr. Dieses ‚Bin ich glücklich‘ wollte ich jetzt genau durchdenken Ich dachte zuerst an die perfekte Beziehung mit Frank zurück.
Alles war so einfach. Wir hatten viel Spaß. Wir verstanden uns super. Ich hatte in dieser Beziehung vielleicht Beruf und Freunde vernachlässigt, weil ich voll in seiner Liebe aufging, aber das war wohl der einzige Kritikpunkt.
Ich war die ganzen fünf Monate überglücklich. Deshalb zog mich auch die Trennung so runter. Ich versuchte ihn zu hassen aber ich konnte es nicht. Ich liebte ihn, vielleicht noch bis heute. Jetzt dachte ich an Manu.
Ich dachte an die vielen Schreitereien, an die Eifersucht, an die kleinen Problemchen, die er aufpuschte bis zum Maximum. Ich dachte an unseren Start und stellte fest, dass eine Beziehung die mit Sex anfing sicher nie lange halten würde.
War jetzt der Endpunkt? Hatte ich mich geirrt? Liebte ich Manu nicht und war nur mit ihm zusammen um unsere sexuelle Beziehung aufrecht zu erhalten? Ich sah, dass wir eigentlich nie was anderes gemacht hatten, außer Sex.
Wir trafen uns, hielten uns in der Wohnung auf und fielen irgendwann übereinander her. Wir waren kaum aus, selten mal was essen oder einfach nur im Kino. Ich erinnere mich nur noch an Köln und das Essen im afrikanischen Restaurant vor meinem Geburtstag.
Sonst war da nichts. Nichts was mir in Erinnerung blieb. Im Gegensatz zu Frank. Dieser nahm mich sogar mit auf Familienfeste. Manu nicht. In Gedanken ließ ich kein gutes Haar an Manuel. Ich schluckte und hatte einen Entschluss gefasst.
Eigentlich war ich unsicher. Ich lief in er Wohnung auf und ab. Was sollte ich tun. Di e Entscheidung oder die Idee mit Manu Schluss zu machen war ja schon ab und zu mal vorhanden und vor allem seit diesem Streit um Daniela.
Meine Gedanken waren auf dem Nullpunkt. Plötzlich tat ich etwas, ich glaube man nennt es aus dem Bauch heraus handeln oder frei nach den Gefühlen. Ich konnte mich kaum mehr richtig kontrollieren.

Ich griff nach dem Handy und schrieb Frank eine Nachricht: „Wegen meiner Beziehung … Bitte steh mir bei, ich werde jetzt handeln.“

Ich wartete keine Antwort ab. Stattdessen griff ich zum Telefonhörer und wählte Manuels Nummer. Ich musste es lange klingeln lassen bis er ranging. Ich meldete mich wie in Trance mit meinem Namen und teilte ihm mit, dass ich ihn dringend sprechen wollte.
Ich sagte, dass ich in einer Stunde da sein würde. Manuel verstand nicht worum es gehen sollte, also fragte er noch nach. Ich sagte nur noch: „Es wird dir nicht gefallen.“ Dann beendete ich das Gespräch.
Manuel war gerade von der Arbeit gekommen, als ich bei ihm eintraf. Er öffnete mir die Tür und ich trat ein. Ich lief an ihm vorbei und setzte mich auf die Couch. Er setzte sich rechts neben mich. Manuel sah noch etwas vom Stress der Arbeit mitgenommen aus. Aber das interessierte mich nicht.

Er begann das Gespräch: „Hast du irgendeinen Entschluss gefasst? Willst du mit mir Schluss machen? Du hast mir zur Begrüßung noch nicht mal einen Kuss gegeben.“

Das mit dem Kuss fiel mir auch jetzt erst richtig auf. Hatte ich es nur vergessen oder hatte ich wirklich schon mit Manuel abgeschlossen. Ich konnte mir darauf selbst keine wirklich gute Antwort geben.
So ignorierte ich diese Tatsache. Ich setzte nun das Gespräch fort, indem ich Manuel erklärte, dass ich mir wirklich vorgenommen hatte Schluss zu machen. Diese Worte nahm er irgendwie sehr gelassen auf.
Wie in vergangenen Gesprächen schaute er mich kaum an, aber er brach weder in Tränen aus, noch vergrub er sich in der Couch. Er nahm diese Worte wirklich scheinbar eiskalt auf. Ich rang nach Erklärungen warum denn Schluss sein sollte.
Ich zählte all unsere Streits und Meinungsverschiedenheiten auf. Ich wusste nicht ob er mir zuhörte aber ich redete weiter. Ich fühlte, als wäre ich ihm dies schuldig, eine Erklärung. Wie ein Buch plapperte ich um mich zu rechtfertigen, doch was ich da sagte nahm ich nicht wirklich war.

Manuel unterbrach mich urplötzlich und sagte: „Es ist okay. Du hast den Entschluss gefasst. Ich wusste ja immer, dass du mich nicht wirklich liebst. Jetzt hab ich den Beweis dafür. Wir werden uns wohl trennen müssen. Ich möchte aber nach einer solchen Trennung keinen weiteren Kontakt mehr mit dir.“

Eigentlich hätten mir diese Worte egal sein können, aber ich musste jetzt weinen. Mir schossen die Träne in die Augen. Ich wollte nicht, dass Manu diese sieht so drehte ich mich zur Seite.
Ich wischte mir die Augen und drehte mich dann wieder in seine Richtung. Wieder versuchte ich mich zu rechtfertigen. Ich widersprach seinen Worten, dass ich ihn doch nie geliebt hätte. Diese Diskussion hatten wir ja oft, immer wieder. Manuel hörte meinen Erklärungen glaube ich gar nicht richtig zu.
Er fummelte nur an der Fernbedienung rum.

Doch dann unterbrach er meinen Redefuß erneut: „Hast du einen anderen?“
Mir schossen die Gedanken an Frank wieder hoch und die positiven Erinnerungen an damals. Ich dachte plötzlich, es würde alles wieder gut mit meinem Ex werden.

Ich ignorierte diese Gedanken aber gleich wieder und dementierte: „Nein, habe ich nicht. Hier geht es nur um mich und dich und um unsere Probleme.“

Ich glaubte selbst nicht daran, was ich da sagte. Wie sollte Manuel es dann glauben. Ich wollte Schluss machen. Eigentlich aus heiterem Himmel. Meine Gefühle spielten ein böses Spiel mit mir.
Ich wollte dem Gefühl in meinem Bauch folgen, welches mir sagte, dass ich mit irgend etwas in meinem Leben nicht zufrieden war. Ich übertrug diese negativen Gefühle irgendwie auf meine Beziehung zu Manuel.
Ich interpretierte es so als wäre ich hier nicht glücklich und nach einer Trennung würde es mir besser gehen. Außerdem war da wieder Frank, der dieser Unsicherheit den letzten Schliff gab. Ich erhoffte mir vielleicht von seinem plötzlichen Wiederauftauchen aus der Vergessenheit zuviel.
Ich wusste es nicht. Ich wusste gar nichts mehr. Was ich wusste ist, dass ich es nicht länger in dieser Wohnung aushalten konnte, so stand ich auf und lief zur Tür.

Ich schaute zu Manuel und sagte: „Tschüss, Manuel. Ich denk wir hörn voneinander.“
„Christian, mach es uns nicht zu schwer. Es ist aus. Ich möchte keinen Kontakt mehr. Es würde mir zu wehtun dich wieder zu sehn. Ich habe dich geliebt. Und ich werde dich immer lieben.“

Diese Worte waren unerträglich für mich. Ich öffnete die Tür und rannte die Treppen hinunter zum Auto. Ich weinte unaufhörlich. Was hatte ich nur getan? War das die richtige Entscheidung?
Ich hatte den Menschen verletzt, den ich doch so sehr liebte oder geliebt habe? Und alles nur aus einer Unsicherheit heraus oder war es der richtige Weg endlich glücklich zu werden. Ich fühlte mich doch etwas befreit.
Am Auto angekommen rief ich sofort Daniela an und bat sie in 30 Minuten bei mir vorbeizukommen, dann wäre ich Zuhause. Sie verstand nicht was los war aber sie versprach sofort zu kommen.
Ich legte auf. In Tränen aufgelöst setzte ich mich in das Auto und wollte losfahren, da kam eine SMS. Es war Manu. Ich las sie sofort.

Er schrieb nur: „Auf nimmer Wiedersehen, mein Ex-Schatz, in ewiger Liebe Manu.“

Ich schmiss das Handy zur Seite und fuhr unter Tränen los. Während der Fahrt piepste es erneut, aber ich konnte nicht nachsehen. Ich war zu sehr mit dem Kampf der Gefühle und der Tränen beschäftigt.
Erst als ich Zuhause ankam und ich das Auto eingeparkt hatte widmete ich mich dem Handy. Es war wieder Manuel. Diese SMS machte mich nun endgültig sprachlos. Ich war vollkommen am Ende.
Mir war schlecht. Daniela öffnete meine Fahrertür, Sie war längst da, und fragte mich was denn los sei und warum ich nicht ausstieg. Ich schaute sie mit meinem verweinten Gesicht an und schnallte mich ab.
Jetzt stieg ich aus und umarmte sie. Ich war froh, dass sie da war. Sie fragte erneut was los war. Wir verharrten noch immer in der Umarmung. Ich wollte sie gar nicht mehr los lassen. Als ich sie losließ zückte ich mein Handy, auf dessen Display noch immer diese schockierende Kurzmitteilung von Manu stand, und reichte es ihr zum Lesen.

Sie hielt das Handy und las kopfschüttelnd: „Christian, ich hasse dich jetzt schon. Ich streiche dich aus meinem Leben.“

Ich lag auf meiner Couch und war wieder mal am simsen mit Frank, meinem ersten Freund. Seit ich mich von Manu gelöst hatte fühlte ich mich irgendwie auch wieder richtig frei. Nun bildete ich mir wieder ein, dass mein Ex, nachdem er jetzt auch solo war, wieder mit mir zusammenkam.
In dem Moment war das mein größter Traum. Ich dachte nur noch selten an Manu zurück. Ich hatte eine Entscheidung getroffen und mit der war ich einverstanden. Ich kannte mein Ziel und dieses war, Frank zurück zu erobern.
Nun es blieb bei den SMS. Ich hätte ihn zwar sehr gerne gesehen, aber er hatte kaum Zeit. Er hatte viel zu lernen für sein BWL-Studium. Aber ich war zufrieden mit dem Kontakt per SMS.
Hauptsache ich wusste wie es ihm geht und was er gerade so machte. Ich fühlte mich zurückkatapultiert in alte Zeiten. Wir waren beide einsam und verstanden uns gut. Es war wie eh und je.
Ich vergaß die Trennung von damals und ich versuchte zu vergessen, dass er monatelang einen anderen hatte. Er war wieder da und er sollte mein sein. Ich machte mir tatsächlich total die Hoffnungen.
In unseren Kurzmitteilungen sprachen wir aber lediglich über Alltag, Freunde und Beruf. Nie sprachen wir über einen Versuch der Revision unserer Beziehung. Ich war aber froh über jedes ‚Bussi‘ und jedes ‚hdl (Hab dich lieb!)‘, das er mir in seinen Mitteilungen beifügte. Je häufiger diese Worte die SMS verzierten, desto mehr Hoffnungen machte ich mir.
Daniela kannte ihn ja auch gut, aber sie glaubte nicht daran, dass Frank je wieder mit mir zusammenkommt. Zuviel sei passiert, sagte sie. Ich zeigte ihr fröhlich die Kurzmitteilungen, die er mir seit Tagen schrieb.
Sie war trotzdem wenig überzeugt. Ich ließ mich von ihrer Einstellung kaum beeindrucken. So beschloss ich ihr gar nichts mehr zu darüber zu sagen. Ich ließ mir doch meine Fröhlichkeit nicht zerstören.
Anfang November meldete sich Manu kurz per SMS. Ich erinnerte mich blitzartig an unsere Zeit. Ich spürte die Tränen in meinen Augen. Dann dachte ich wieder an Frank. Ich dachte mir, Manu, wer war das schon.
Auf jeden Fall kein Mann für mich. Auf seine SMS, mit dem Inhalt: „Ich bin verzweifelt, was soll ich tun, hilf mir Chris.“, antwortete ich nur eiskalt, dass er stark sein sollte. Plötzlich spürte ich eine Schwäche in mir.
Beim Abschicken dieser Nachricht wurde mir etwas schwindelig. Auf meine Antwort kam keine Reaktion mehr.
Es war ein langweiliger Novemberabend. Es war dunkel und es regnete in Strömen. Ich lag wieder auf der Couch und hatte das Handy in der Hand. Ich wollte Frank schreiben. Wir hatten einige Tage nichts voneinander gehört.
Eigentlich komisch, denn wir hatten ja eigentlich fast täglich Kontakt, außer die letzten Tage. Ich ignorierte dies, weil ich sowieso Nachtdienst hatte und tagsüber schlief. Nachdem ich eine Kurzmitteilung an Frank losgeschickt hatte griff ich zur Fernbedienung und schalte den Fernseher an.
Ich zappte ungeduldig durch das Programm und schaute nervös auf das Handydisplay. Aber es kam keine Nachricht. Ich fand das komisch. Ich überlegte ob ich anrufen sollte. Dann beschloss ich es zu lassen.
Wir hatten immerhin schon ewig nicht mehr telefoniert, es lief ja alles über SMS. Mein Schiss siegte und ich blieb rührungslos liegen, müde abwartend wann eine SMS kam. Plötzlich piepste es auch, na endlich.
Voller Vorfreude nahm ich das Handy und wollte die eingehende Nachricht lesen. Es war aber nicht Frank. Es war Daniela. Sie teilte mir mit, dass sie beleidigt sei, weil ich mich solange nicht gemeldet hatte.
Ich war einfach sauer auf sie, weil sie meine Fröhlichkeit um Frank zerstörte. Das wollte ich nicht zulassen. Ich antwortete ihr, dass es mir leid tat und ob sie wüsste was mit Frank los sei, da er sich nicht meldete.
Ich musste nicht lange auf eine Antwort warten. Sie schrieb wieder betont, dass sie sauer war und was ich als nächstes lesen musste war für mich erschütternd: „… Frank ist bei seinem neuen Freund in Mainz.
Und ich fahre für sieben Tage zu meiner Familie. Bis dann. Machs gut!“ Ich legte das Handy zur Seite und grübelte: Was hatte ich getan?
Daniela sollte zu Recht sauer auf mich sein. Ich hatte mich tagelang nicht bei ihr gemeldet. Ich hatte mir meine Traumwelt aufgebaut. Diese Traumwelt war zwar nicht real, aber ich fühlte mich dort verdammt wohl.
Ich lebte gut mit der Illusion, dass Frank und ich wieder ein Paar sein könnten. Damit hatte ich Daniela vergessen und meine Gefühle zu Manu hatte ich miss interpretiert. Ich handelte aus dem Bauch raus, so hab ich schon oft Menschen verletzt.
Aber jetzt war der Höhepunkt erreicht. Jetzt hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, denn Daniela war weg, weit weg bei ihrer Familie. Sie war es mit der ich die meiste Zeit verbrachte. Und Manuel, liebte ich ihn?
Ich zweifelte erneut an mir selbst. Ich erinnerte mich zurück an den Abend als ich Schluss machte. Ich hatte geweint. Warum hatte ich geweint? Hat mein Bauch mir gesagt, dass ich es beenden soll und dass es mir dann besser geht.
Und sagte mir mein Verstand oder irgendein anderes Gefühl gleichzeitig mit den Tränen, dass es der falsche Weg war? War ich vorhin noch müde, so war ich nun wieder hellwach. Ich war tief in Gedanken.
Meine Gedanken kreisten auch um Frank. Ich konnte schwören, dass jede einzelne SMS so rüber kam, als wäre auch er noch oder wieder in mich verliebt. Es kam mir nun vor als hätte er mir etwas vorgespielt.
Es war ein böses Spiel, aber ich hatte mich ja darauf eingelassen. Ich ließ mich täuschen. Ich sah unsere gute Zeiten und ich sah meinen Traummann zurück an meiner Seite. Aber das wäre ja auch zu einfach gewesen.
Im Gegen teil, diese Situation sollte mir die Augen öffnen. Ich liebte Manu. Musste das alles erst passieren, dass ich das raffte. Kurz sehnte ich mich nach Manuel. Ich erinnerte mich an unsere kurze Beziehung und seine harten Worte am Schluss.
Er hasste mich und wie ich im nächsten Augenblick beschloss, auch zu Recht. Ich war ein Arsch. Ich hatte mich durch meine falschen Gefühle leiten lassen. Ich hatte jetzt alles verloren.
Ich war allein. Ich verlor Frank, aber das war mir plötzlich egal. Ich hatte wieder diese rosa rote Brille auf, ich war blind. Aber jetzt war ich erwacht und sah mit klareren Augen. Ich sah meine Fehler. Ich verärgerte Daniela.
Meine beste Freundin habe ich ignoriert für diese falsche Liebe. Sie konnte zu Recht sauer sein. Ich hatte es nicht anders verdient, dass ich se jetzt eine Woche nicht sah. Es war eine gerechte Strafe. Ich wollte nur noch nachdenken und bereuen.
Und das wichtigste was ich für immer verlor war Manuel. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich mich auf diese Art von ihm trennte und ihn damit sicher tief verletzt hatte. Außerdem hatte ich seinen Hilferuf ignoriert.
Ich wäre so gern für ihn da gewesen. Was hatte ich nur getan. Konnte ich mich durch mein Bauchgefühl so täuschen lassen. Die Fassade war gefallen und die Bauchschmerzen noch viel schlimmer geworden.
Von Tag zu Tag ging es mir immer schlechter. Ich verkroch mich in meinen vier Wänden. Ich war sauer auf mich. Ich konnte doch niemandem mehr unter die Augen treten. Ich war mir nicht sicher, was die Menschen, die ich verletzt hatte jetzt von mir dachten.
Ich traute mich aber auch nicht Daniela zu schreiben. Aber meine Gedanken kreisten darum Manu zu schreiben. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Ich griff zu meinem Handy und überlegte was ich ihm schreiben könnte.
Wir hatten jetzt schon seit vier Wochen keinen Kontakt und er hatte mich sicher schon längst aus seinem Gedächtnis gestrichen. Ich wollte es aber versuchen. Ich wollte ihm versteckt mitteilen, was ich für ihn empfand.
Ich ließ mein Finger über die Tastatur gleiten und gab Texte ein, löschte sie wieder und korrigierte. Nach einer halben Stunde hatte ich eine Kurzmitteilung geschrieben und ich bestätigte. Die SMS wurde versendet. Der Inhalt, wie ich im nach hinein fand, war lächerlich und erbärmlich. Der Text lautete: „Hallo, Manu, mir geht es nicht sehr gut. Wie geht es dir. Bitte melde dich mal wieder.“ Es war ein versteckter Hilferuf, ein Betteln, aber es gab keine Antwort für mich. Ich brach erneut in Tränen aus.

*-*-*

Es war schon spät am Nachmittag als es an der Tür klingelte. Es war meine beste Freundin Daniela. Wir verstanden uns jetzt wieder ganz gut. Ich hatte ihr erklärt wie es mir in dieser Zeit ging und sie verstand es.
Ich war froh wenigstens sie wieder zu haben. Ich erzählte ihr außerdem von meinen Gefühlen zu Manu und ich berichtete über meinen großen Fehler und meine Blindheit. In diesem Gespräch hatte sie mir offenbart, dass sie es wohl nicht so lang mit Manuel ausgehalten hätte. Sie hatte ja alle Phasen dieser Beziehung berichtet bekommen und von daher konnte sie gut darüber urteilen.
Aber ich vermisste diesen Chaot. Ich wusste jetzt, dass ich ihn liebte. Aber ich konnte nichts mehr tun. Ich hatte verloren. Daniela verließ mich erst spät am Abend. Wir hatten lang geredet.
Kaum war sie weg setzte ich mich an den PC um etwas im Internet zu surfen. Plötzlich hatte ich nach langer Zeit auch mal wieder Lust auf den Chat. Hier hatte ich Manuel gefunden. Ich schwelgte während der Ladezeit des Chats noch etwas in Erinnerungen.
Nachdem der Chat geladen war piepste just mein Handy. Etwas aus den Gedanken gerissen blickte ich auf mein Handy. Ich wählte den ‚Anzeigen‘-Knopf meines Nokia-Handys und war erstaunt. Manuel hatte mir geschrieben.
Er sagte mir lediglich, dass es ihm gut ging. Ich war etwas überrascht, er hatte sich immerhin seit Tagen nicht auf meine SMS gemeldet. Ich wollte sofort antworten, aber ich wusste wieder nicht was. Ich entschied mich dann zu schreiben, dass es mir noch immer nicht so gut geht. Aber darauf hatte er ja dieses Mal schon nicht reagiert.
Ich konnte ihm aber kaum meine wahren Gefühle nennen, dafür war es zu spät. Ich wollte ihn wenigstens als guten Freund behalten, auch wenn mir das viel zu wenig war. Plötzlich piepste es erneut.
Wieder Manuel. Er fragte, was ich denn für Probleme habe. Ich antwortete, allerdings wollte ich natürlich nicht den wahren Grund nennen. Wir schrieben noch eine ganze Weile. Seit diesem Tag hörte ich wieder täglich kurz von ihm.
Der Kontakt war wieder da, wenn auch nicht so wie ich es mir erhofft hatte. Eine Woche später beschloss ich einkaufen zu gehen. Ich wollte mir ein paar Klamotten kaufen. So fuhr ich mit der Straßenbahn in die Innenstadt. Ich trottete durch die Innenstadt und schlenderte an den Schaufenstern vorbei.
Mit meinen Gedanken war ich nicht bei der Sache, noch immer dachte ich darüber nach ob es für mich und Manu doch noch eine Möglichkeit der Zusammenkunft geben könnte. Ich malte mir das schön aus. Ich überlegte mir die verschiedensten Möglichkeiten eines Happy Ends. Doch ich konnte ihm nicht sagen, dass ich ihn noch liebte.
Er würde es nicht verstehen. Wer verstand das schon? Ich trennte mich von ihm obwohl ich ihn liebte. Es war zu verwirrend. Doch irgendwann hatte ich mir das so weit schön ausgemalt, dass ich zu meinem Handy griff und Manu eine SMS schrieb.
Ich wollte ihm jetzt ein deutlicheres Zeichen meiner Liebe geben: „Hi, Manu, vielleicht mag ich dich noch mehr als ich zugebe.“ Ich war mir aber nicht sicher ob er es verstehen würde. Ich spazierte weiter durch die Innenstadt und wartete ab. Nach einer viertel Stunde fing das Mobiltelefon tatsächlich an zu piepsen.
Es war Manuel. Ich schloss kurz die Augen und drückte mir selbst die Daumen für eine positive Reaktion. Ich ließ mir die Kurzmitteilung anzeigen: „Hi, Chris. Was meinst du?“ Ich wusste irgendwie, dass er das nicht versteht oder nicht verstehen wollte.
So nahm ich meinen Mut zusammen und wollte noch deutlicher werden. Bei Eingabe des Textes fühlte ich Tränen in meinen Augen: „Vielleicht liebe ich dich noch.“ Deutlicher konnte ich nicht werden.
Jetzt war ich mir allerdings vollkommen unsicher, wie er reagieren würde. Ich konnte nicht mehr laufen, deshalb setzte ich mich auf eine Bank vor dem Luisen-Center. Ich hielt das Handy in der rechten Hand und wartete ab.
Wieder vergingen Minuten bis zur Antwort. Aber ich war schon froh, dass überhaupt eine Reaktion folgte. Wieder ließ ich mir die Nachricht anzeigen: „Aber hey du hast dich von mir getrennt…“
Ich bestätigte dies und schrieb, dass das mein größter Fehler war und dass ich es gar nicht glaubhaft erklären könnte. Manuel ahnte jetzt scheinbar irgendwie was meine Absicht war und antwortete auf meine Bekenntnis damit, dass er uns keine weitere Chance geben könnte. Ich war sehr traurig.
Das drückte ich auch in den 160 Zeichen der folgenden SMS aus. Als Antwort folgte bald: „Es tut mir leid, Chris, ich kann dir denke ich nicht mehr vertrauen.“ Ich spürte wieder Tränen in meinen Augen.
Ich wollte das Handy schon enttäuscht wieder zurück in die Tasche stecken und weiterlaufen, da piepste es erneut. Es war noch mal Manuel: „Ich liebe dich doch auch, Mann, verdammt. Ich muss jetzt voll heulen. Ich weiß nicht was ich tun soll.“
Ich war voll überrascht über diese SMS. Jetzt wusste ich gar nicht mehr was gespielt wird. Ich war einerseits froh, aber andererseits unsicher. Wir verabredeten uns noch für morgen zum Telefonat. Vielleicht würde ich da mehr erfahren.
Am anderen Abend hatte ich noch Besuch von Benno. Ihn kannte ich erst recht kurz. Ich hatte ihn auch über das Internet kennen gelernt und wir freundeten uns schnell an. An diesem Abend erzählte ich ihm zum ersten Mal von Manu.
Ich offenbarte ihm meine Gefühle. Ich holte weit aus und erzählte die ganze Geschichte dieser Liebe, die so schnell geendet hatte und eine ungewisse Zukunft hatten. Benno sprach mir Mut zu.
Er gab mir irgendwie die Kraft, dass ich wieder positiv denken konnte. Mein Optimismus wurde durch ihn wieder voll aufgebaut. Ich war gestärkt für das folgende Telefongespräch. Kaum hatte mich Benno verlassen nahm ich mir vor anzurufen.
Ich hatte weniger Angst vor dem Telefonat als noch gestern Abend und heute im Tagesverlauf. So wählte ich Manus Nummer und hielt den Hörer an mein Ohr. Manuel nahm schon bald ab und ich hörte zum ersten Mal wieder seine Stimme.
Unsicher begrüßte ich ihn. Er gab ein ‚Hallo‘ zurück. Ich fragte wie es ihm denn ginge, denn ich wusste nicht wie ich dieses Gespräch beginnen sollte.
„Mir geht es soweit gut,“ folgte als Antwort.
„Ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“
„Na ja, du, ich war gestern etwas über deine SMS verdutzt“
„Ja, aber es ist die Wahrheit und ich wollte es dir mitteilen.“
„Du weißt, dass ich uns keine Chance geben kann.“
„Wenn du das sagst. Ich finde es traurig. Aber ich bin ja selber Schuld.“
„Gibst du mich einfach kampflos auf?“
„Warum soll ich kämpfen, wenn du uns keine Chance mehr gibst?“
„Na ja es geht ja auch nicht mehr.“
„Was?“
„Ich hab so gut wie einen neuen Freund. Es ist in der Aufbauphase.“
„Ach so. Tja dann, hab ich eh verloren.“
„Vielleicht.“
„Werde deutlicher. Gestern noch hast du mir geschrieben, dass auch du mich liebst.“
„Ja, ich werde dich immer lieben.“
„Du hast mir auch mal geschrieben, dass du mich hasst und vergessen möchtest.“
„Ja, das war am Tag der Trennung. Da würde wohl jeder so reagieren.“
„Ich nicht.“
„Mag sein. Ich bin eben so und nicht anders.“
„Und wer ist es mit dem du zusammen bist?“
„Kennst du eh nicht. Er heißt Andy. Ich hab ihn in der Disco kennen gelernt. Ich war nämlich in den letzten Wochen öfter aus, um dich zu vergessen. Aber ich hab es bis heute nicht geschafft.“
„Liebst du ihn?“
„Ich denke schon. Er ist perfekt.“
„Niemand ist perfekt.“
„Mag sein. Er kommt jetzt 2 Tage zu mir und übernachtet bei mir.“
„Wenn du meinst.“
„Hey, Chris, denkst du ernsthaft wir hätten wieder eine Chance. Es sind Wochen vergangen. Es ist viel passiert.“
„Mag sein. Aber es gibt immer einen Weg. Aber du hast dich entschieden.“
„Ich bin mir voll unsicher, Mensch.“
„Dann sag dieses Treffen mit Andy ab! Denk erst mal nach.“
„Das geht nicht. Er hat sich extra frei genommen und kommt mit dem Zug. Ich kann das nicht mehr absagen.“
„Man kann alles.“
„Nein.“
„Ich sage dir nur noch, wenn an diesen zwei Tagen, du weißt schon was stattfindet, dass ihr miteinander schlaft, dann ist das die Entscheidung für ihn. Dann habe ich verloren. Okay?“
Manu lenkte jetzt wieder ab von Andy und entführte mich mit seinen Worten in die Vergangenheit. Wir redeten noch einige Zeit über das Positive und die schöne Momente unserer Beziehung.
Und es gab doch viel mehr davon als ich dachte. Dann beendeten wir das Gespräch. Ich wusste nicht mehr ob ich jetzt noch immer Hoffnung haben sollte.
Es vergingen vier Tage bis sich Manu wieder meldete. Scheinbar hatte er wirklich nachgedacht. Er teilte mir mit, aß Andy zu Besuch war, trotz meines Ratschlages und auch, dass er mit ihm geschlafen habe. Ich war etwas enttäuscht.
Doch außerdem teilte er mir mit, dass er sich von Andy getrennt habe, oder besser, keine Beziehung zugelassen hatte, denn die beiden waren ja noch nicht richtig zusammen. In der SMS teilte Manu mir noch immer seine Angst mit, da es mit mir und ihm nicht klappen würde.
Er hatte Angst vor einer neuen Enttäuschung. Ich tippte ohne Unterlass. Ich wollte retten was zu retten war, um ihn umzustimmen und ihm Mut zu machen. Bald betonte er wieder, dass er mich liebt, unendlich liebt, aber eine Partnerschaft käme nicht mehr in Frage.
Ich war beinahe am Verzweifeln. Ich fand plötzlich gute Worte, gute Argumente. Darauf musste er erst mal eine ganze Weile nachdenken. Ich schrieb: „Wir zwei lieben uns aber wir sind getrennt und wollen dies auch bleiben. Wenn dir das leicht fällt, mir nicht.“ Auf diese Aussage kam erst eine halbe Stunde später eine Antwort: „Ich hab nachgedacht, ich liebe dich, aber ich schaffe es nicht mehr. Lass uns Freunde sein.“
Das war’s dann wohl, dachte ich mir. Ich löschte die Kurzmitteilung und kuschelte mich fester in meine Decke. Ich konnte darauf nicht mehr antworten. Ich hatte nun endgültig verloren. Ich habe versucht irgendwie zu kämpfen mit Worten, aber ich hatte versagt.
In meinen traurigen Gedanken schlief ich bald ein.
Schon früh am anderen Morgen wollte ich Manuel schreiben. Ich hatte kaum geschlafen, denn ich konnte nicht akzeptieren, dass er nur noch ein guter Freund von mir war. Ich redete mir ein es nicht verkraften zu können wenn ich ihm begegne und wir uns freundschaftlich treffen. So wollte ich den Kontakt abbrechen.
Ich dachte das wäre der beste Weg. Nachdem ich die SMS abgeschickt hatte zog ich mich an und begab mich auf die Arbeit. Ich hatte Frühdienst. In meiner Frühstückspause kontrollierte ich mein Handy, ob Manu denn reagiert hatte.
Und tatsächlich, er teile mir aber nur folgendes mit: „Ich bedauere deine Entscheidung, Chris, aber ich muss sie akzeptieren. Ich wünsche dir ein schönes Leben, mach’s gut, in ewiger Liebe, Manu.“
Ich fand diese Worte relativ hart. Es hörte sich wie ein Abschied für immer an. Ihn nie mehr zu sehen war wohl auch nicht unbedingt was ich beabsichtigte. Aber ich ließ diese Reaktion unbeantwortet. Aber ich war doch traurig.
Ich hatte mich bis zum nächsten Tag langsam damit abgefunden, dass der Kontakt zu Manu vorbei war, mal wieder. Aber da hatte ich mich verschätzt. Irgendwann piepste das Mobiltelefon und ich bekam zu lesen: „Hast du einmal um etwas gekämpft was fast aussichtslos war?“
Ich verstand nicht was das jetzt sollte. Ich sah keinen Zusammenhang mehr. Ich beschloss Manuel anzurufen und ihn direkt damit zu konfrontieren. Er war aber etwas außer sich, weil ich nicht verstand was er meinte.
„Ich weiß wirklich nicht was du meinst.“

„Oh Mann, das ist doch eindeutig.“
„Das finde ich wohl gar nicht. Du sagst mir, du liebst mich, kannst dir aber keine Beziehung mehr mit mir vorstellen. Du schlägst mir vor, dass wir Freunde bleiben. Damit war ich nicht einverstanden, weil ich dachte ich verkrafte es nicht, also brach ich den Kontakt ab. Damit warst du einverstanden und hast es akzeptiert. Und jetzt meldest du dich wieder. Alles etwas verwirrend, nicht wahr?“
„Vielleicht will ich das ja doch nicht.“
„Was bitte?“
„Na ja, dass du den Kontakt abbrichst.“
„Dann hättest du das gesagt.“
„Es war aber deine Entscheidung.“
„Diese Entscheidung beruht darauf, was die letzten Tage so alles beredet wurde zwischen uns.“
„Vielleicht liebe ich dich mehr als ich zugeben kann oder möchte.“

„Langsam wird’s mir echt zu verwirrend.“
„Sorry.“
„Weißt du was? Wir werden uns einfach treffen. Wir treffen uns an einem neutralen Platz und reden.“
„Okay, wenn du das möchtest.“
„Du etwa nicht.“
„Klar doch, aber ich meine weil du den Kontakt abgebrochen hast oder das wolltest!“
„Jetzt tu nicht so, du weißt genau warum!“
„Ja, ist gut.“
„Wo wollen wir uns treffen? Kommst du nach Darmstadt?“
„Ich kann aber erst ab 21 Uhr da sein mit dem Zug und muss auch gegen 23 Uhr wieder zurück. Ich muss morgen früh raus.“
„Ja klar ist doch kein Problem.“
„Okay, morgen, ja?“
„Ja.“
Wir verabschiedeten uns dann ziemlich schnell. Ich war nur noch verwirrt. Mit dieser Meldung von Manu hätte ich dann doch nie gerechnet. Aber was jetzt? Wieder Hoffnungen? Spielte er mit meinen Gefühlen?
Es war ein eiskalter Nikolaustag und ich war auf der Fahrt zum Hauptbahnhof, wo um 20:54 Uhr Manuel eintreffen würde. Ich stellte mein Auto auf dem Parkplatz vorm Bahnhof ab und begab mich in das Bahnhofsgebäude.
Auf der Anzeigetafel überprüfte ich, wo der Zug aus Frankfurt ankommen würde. Ich sah, dass er auf Gleis vier ankommen würde. Mittlerweile war es 20:45 und ich ging langsam in Richtung des Gleises. Dort setzte ich mich auf die Bank und wartete. Bald kam eine Durchsage, dass der Zug Verspätung hat.
Ich verdrehte nur die Augen und stellte mich auf das längere Warten ein. Mit 10 Minuten Verspätung traf endlich der IC ein. Ich erhob mich von meinem Platz. Ich wusste gar nicht wo ich warten sollte.
So stellte ich mich an die Treppe, wo er sowieso vorbei musste. Der Zug kam zum Stillstand und eine ganze Menschenmasse stieg aus. Ich konnte aber trotz intensiver Beobachtung keinen Manuel sehen.
Als der Bahnsteig schon fast menschenleer war und der Zug abfahrtsbereit war machte ich mir Gedanken Hatte ich ihn übersehen oder war er einfach nicht gekommen. Ich lief die Treppe nach oben.
Plötzlich fiel mein Blick auf das Treppengeländer dort oben. Ich erkannte Manuel. Ich bewegte mich schneller auf ihn zu und begrüßte ihn. Er zeigte keine Freude. Er grüßte nur kurz zurück.
Ich schlug vor in die Bahnhofsgaststätte zu gehen, denn ich wollte nicht zu weit weg vom Bahnhof da wir sonst Zeit verlieren würden. Er hatte ja kaum zwei Stunden Zeit. Manu war einverstanden. Es war ihm scheinbar egal.
In seinen Reaktionen vermutete ich, dass er erneut überlegt hatte und gleich endgültig mit mir abschließen würde. Ich wusste nicht warum, aber ich hatte so ein Gefühl. Auf dem ganzen Weg, durch die Bahnhofshalle, zum Restaurant sagte er kaum etwas.
Und wenn er etwas sagte, dann machte er irgendetwas schlecht. Er war irgendwie voll mies drauf. Ich hatte mich ja auf dieses Gespräch gefreut, aber plötzlich verlor ich wieder die Hoffnung und ich hatte Angst vor dem was da auf mich zukommen würde.
Im Restaurant angekommen setzten wir uns. Die Bedienung war schnell da und fragte uns nach unserer Getränkewahl. Außerdem überreichte sie uns die Speisekarte. Im Anbetracht der Tatsachen hatte ich aber kaum Hunger.
Deshalb nahm ich nur einen kleinen Salat. Manuel dagegen schlug voll zu und wählte Vorspeise und Pasta.
Wir kamen kaum ins Gespräch. Manuel kam mir so anders vor. Am Telefon noch zeigte auch er Unsicherheit und hörte sich an wie immer. Jetzt plötzlich schaute er mich an und sprach von oben herab, als wäre ich irgendwer, den er kaum kannte und sowieso gleich abschießen würde.
Er tischte mir jetzt plötzlich alles auf was ihm an mir nicht passte, jede Kleinigkeit. Er ließ kein gutes Haar an mir. Ich fühlte mich sehr unwohl. Ich ließ mich davon berauschen und versuchte mich zu verteidigen.
Doch jedes Wort von meiner Seite war zuviel. Er zerschlug meine komplette Argumentation. Ich verkroch mich nur noch in ein Loch und gab patzige Antworten. Ich war froh wenn der Abend vorbei war.
Irgendwann aber nahm der Abend eine Wende. Er redete plötzlich nicht mehr von uns sondern von sich und seinem Job und auch von Freunden. In diesem Gespräch blühte ich doch wieder etwas auf.
Er kam etwas runter von seiner Palme und mir etwas entgegen. Ich fühlte mich auf einmal ungewöhnlich wohl. Wir unterhielten uns plötzlich sehr gut und vergaßen die Zeit. Irgendwann war es tatsächlich schon kurz nach 11.
Manuel hatte seinen Zug verpasst.
„Oh, shit!“
„Was?“
„Ich hab den Zug verpasst. Wie komm ich jetzt heim.“
Ich überlegte und antwortete kurz entschlossen: „Ich weiß nicht ob du es willst, aber wenn du willst fahre ich dich nach Hause.“
Manuel überlegte kurz und nickte dann.

Nachdem wir gezahlt hatten liefen wir gemeinsam zum Parkplatz. Ich öffnete Manuel die Beifahrertür. Bevor er sich setzten konnte musste ich zunächst einmal den Sitz freischaufeln. Ich nutzte ihn als Ablage.
Manuel setzte sich und ich begab mich auf meine Seite. Ich startete den Motor und fuhr los in Richtung Frankfurt. Während dieser Autofahrt war es fast wie früher. Wir unterhielten uns ganz normal über dies und das, aber kaum über eine gemeinsame Zukunft.
Ich wusste nicht ob ich das schon abhaken sollte oder ob ich die Hoffnung noch aufrechterhalten sollte. Vielleicht war es ein gutes Zeichen, dass ich ihn heimfahren durfte. Als es Manu plötzlich kalt wurde bot ich ihm meine Jacke.
Er lächelte nur und nahm dankend an. Manuel kuschelt sich in die Jacke und schwieg ab jetzt. Erst als das Lied ‚Can’t Get You Out Of My Head‘ von Kilie Minogue aus dem Radio erklang lauschte Manu aufmerksam und sagte: „Während diesem Lied hast du Schluss gemacht.“
Ich erwiderte verdutzt: „Echt? Hab ich nicht bemerkt.“

„Ich hab es oft gehört in letzter Zeit und an dich gedacht und irgendwie passt es auch.“
Ich nickte nur und lauschte weiter dem Lied.
Es dauerte auch nicht mehr lang bis wir da waren. Wir stiegen aus und gingen zu seiner Wohnung. Manuel lud mich noch ein kurz mit rein zukommen. Ich betrat endlich wieder das alt gewohnte und fühlte mich da auch irgendwie wohl.
Manuel bot mir einen Platz an und brachte mir etwas zu trinken. Bis er sich setzte dauerte, wie ich das schon gewohnt war, eine ganze Weile. Dann schaltete er den Fernseher ein und wir schauten stumm in die Röhre. Ich war etwas müde und wir hatten heute ja auch schon viel besprochen. Da war jetzt erst mal ein Zeitpunkt der Ruhe angesagt. Es war mittlerweile schon halb eins.
Ich wusste, dass ich Frühdienst hatte, also beschloss ich auch bald zu gehen. Aber der Film im TV war so interessant, dass ich noch blieb.
Erst gegen Ende des Films traute ich mich meinen Kopf in die Nähe seiner Schulter zu legen. Ich rückte immer näher. Ich fühlte mich hier so geborgen und wollte ihm nahe sein. Ich traute mich aber nicht ganz, da ich nicht wusste, wie Manu reagieren würde.
Doch dann, eine ganze Zeit später, berührte ich seine Schultern. Ich hatte es nicht direkt geplant in diesem Augenblick, aber es geschah einfach. Ein wunderbares Gefühl, ein Kribbeln, belebte meinen Körper. I
Ich schloss die Augen und genoss diesen Augenblick. Manuel wehrte mich nicht ab. Ich fühlte mich wohl. Wenige Augenblicke später griff er nach meiner Hand und streichelte sie zärtlich. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass alles gut werden würde.
Wie damals streichelten wir sanft und minutenlang unsere Fingerspitzen. Ich löste mich aus diesem tollen Moment und drehte meinen Kopf zu Manu. Dieser griff mit seiner rechten Hand hinter meinen Kopf und kraulte mich. Dann drückte er mich sanft zu sich.
Ich berührte seine Lippen. Wir küssten uns. Ich konnte es gar nicht glaube was da im Moment passierte.

Nach einem intensiven Kuss löste ich mich und schaute Manu in seine tiefbraunen Augen um zu sagen: „Du, ich mache das hier nicht nur einfach so. Ich liebe dich noch!“

Manuel lächelte leicht und sagte unsicher und leise: „Ich dich auch.“

Erst dann küssten wir uns wieder. Es hatte mir gefehlt, sehr sogar. Wir streichelten und berührten uns noch eine ganze Weile, doch leider musste ich dann auch schon bald gehen. Ich musste ja arbeiten und ich wollte noch etwas schlafen.
Ich konnte mich kaum von Manu trennen. Ich war so froh, dass alles wieder gut war. Wir besiegelten unsere erneute Partnerschaft aber auch noch mit Worten und schworen uns gegenseitig, dass dieses Mal alles besser werden sollte.
Dann gab er mir einen Abschiedskuss und ich verließ die Wohnung schwebend und vollkommen glücklich. Ich war wieder sicher auf Wolke sieben angekommen.

*-*-*

Die Welt war endlich wieder heil. Es war Freitagabend und es sollte das erste Wochenende sein, das wir wieder gemeinsam verbringen wollten. Ich freute mich darauf. Ich war wie frisch verliebt in die alte Liebe. Manuel und ich lagen auf dem Bett und kuschelten.
Meine Gedanken kreisten um nichts, ich ließ mich einfach fallen. So wohl fühlte ich mich schon lange nicht mehr. Aus meinem Wohlsein gerissen dachte ich plötzlich an meinen Ex Frank.
Mein Bauch tat weh. Das hatte ich immer wenn mich etwas bedrückte. Ich sollte Manuel erzählen was ich damals fühlte, am Tag als ich Schluss machte. Ich wollte ihm meine Gefühle erklären, was damals in mir vorging.
So unterbrach ich die Stille und riss scheinbar auch Manu aus seinem Wohlbefinden und seiner Entspanntheit. Er war ganz erschrocken. Ich suchte nach Worten um mein Gespräch zu beginnen.
Kaum war ich im Erzählen fiel es mir gar nicht mehr so schwer darüber zu sprechen. Es war ja Vergangenheit, für mich. Manuel hörte mir auch aufmerksam zu. Aber er konnte es scheinbar nicht verstehen.
Das erkannte ich an seinen Blicken und seiner Reaktion. Er sagte so etwas, dass ich Frank noch immer lieben würde, auch jetzt. Ich sei nur aus einer weiteren Unsicherheit zurückgekehrt.
Ich dementierte und erklärte dies für lächerlich. Manuels Laune war wegen meiner Offenbarung sichtlich im Keller. Ich war etwas verzweifelt, weil er nicht verstand was ich damals fühlte.
Er verstand mein Gefühlschaos nicht. Ich verstand es damals und vielleicht auch heute ja selbst nicht. Ich machte ihm klar, dass das eben mal passiert ist, dass ich es nicht ändern könnte und dass diese Gefühle endgültig für Frank vorbei waren.
Als Zeichen, dass ich meinen Ex nie mehr sehen wollte oder keinen Kontakt mehr wünschte, löschte ich seine Nummer sichtlich für Manu aus meinem Handyspeicher. Aber das berührte ihn wenig. Ich war sehr traurig. Die Stimmung war plötzlich im Keller.
Manu drehte sich um und sagte er wolle nachdenken. Ich wollte das nicht zulassen und ihn zum reden zwingen. Manu aber war nicht bereit sich wieder umzudrehen. So schwieg auch ich jetzt und dachte nach.
Ich musste ihm doch davon erzählen. Warum nahm er das nur so negativ und falsch auf?
Die nächsten Tage wurden auch nicht besser. Nichts war mehr wie früher. Manu betonte immer mehr, dass ich einen Fehler gemacht hatte, nämlich mit ihm Schluss zu machen. Er sagte mir das nicht in Worten, sondern in Taten.
Er setzte mir Zeichen. Immer wieder spielte er dieses Lied, das er als unser Schlussmach-Lied definierte. Er verharrte dann stumm vor der Stereoanlage und lauschte. Ich wollte während der Spielzeit nichts sagen. Ich traute mich nicht.
Immer wieder betonte er jetzt auch den Namen ‚Frank‘. Egal zu welcher Situation. Er zeigte eine übermäßige, aber überflüssige Eifersucht meinem Ex gegenüber. Manu behandelte mich irgendwie plötzlich von oben herab.
Ich sollte bereuen, dass ich diesen Fehler gemacht hatte. Und plötzlich fügte ich mich auch diesen Vorwürfen. Ich beschloss mich unterzuordnen, wenigstens eine Zeit lang. Ich gab ihm diesen gewissen Machtfaktor, den er scheinbar brauchte.
Mein Selbstbewusstsein sackte in dieser Beziehung in den Keller. Ich traute mich kaum mehr etwas zu sagen. Es wurde plötzlich still. Ich fühlte mich sehr unwohl und überlegte wie ich aus dieser Situation wieder herauskäme.
Ich musste mit ihm reden, aber das war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Er war uneinsichtig und stur. Nun, das war er eigentlich schon immer, ein bisschen. Aber ich Moment war es wirklich extrem. Ich hasste diese Phase an ihm.
Ich sah darin keinen tieferen Sinn, keinen Grund. Nicht dass das schon extrem genug war. Manu dachte plötzlich mein Leben auch noch kontrollieren zu können. Er vermutete Macht über mich zu haben, weil ich immer nachgab und nichts sagte.
Er schien zu denken, dass ich in tiefer Reue bin und er im Recht sei. Er versuchte mir vorzuschreiben mit wem ich mich treffe oder auch andere Kleinigkeiten. Dem wollte ich aber nicht nachgeben und wehrte mich. Ich erklärte ihm, dass ich mir von niemanden so etwas vorschreiben lasse, auch nicht von ihm.
Es gab immer wieder kleinere Streits deswegen. Er trotzte nur und zeigte sich uneinsichtig mir gegenüber. Ihn zu vermissen fiel mir immer schwerer. Es herrschte keine Harmonie, es gab immer Meinungsverschiedenheiten wenn ich ihn sah Mit ihm reden, normal reden, konnte man absolut nicht.
Ich hoffte dass er endlich diese stumpfsinnige Eifersucht unterlassen würde, denn darauf basierte seine Laune total. Es war alles andere als eine friedliche Adventszeit. Unglaublich aber wahr, dieses Gefühlschaos machte ich drei Wochen mit, ohne an Schluss machen zu denken.
Es wäre der einfachste Weg gewesen endlich Frieden zu finden, aber ich liebte Manu. Ich fühlte irgendwie, dass es wieder besser werden würde. Er würde einsichtig werden und wir würden reden.
Ich plante schon die große Aussprache, immerhin war bald Weihnachten und da wollte ich ganz sicher nicht streiten.
Heute aber war Manuel mit einer Freundin aus. Sie gingen in eine Gay-Disco.
Ich wurde erst gar nicht gefragt, ob ich mit wollte, aber es war mir irgendwie auch egal. Ich hatte eh keine Lust. Ich verbrachte einen ruhigen Abend zu Hause. Ich lag auf der Couch und hörte Musik.
Ich dachte mal wieder darüber nach, warum Manuel plötzlich so reagiert hatte auf meine Erzählungen über Frank. Er schien Angst zu haben, aber vor was? Hatte er Angst mich zu verlieren?
Aber erreichte er dies nicht einfacher, indem er sich mir gegenüber so verhielt? Ich fühlte mich unfair behandelt. Ich hatte ihm gesagt, dass ich meinen Fehler einsehe und ihn bereue. Ich konnte diese merkwürdigen Bauchgefühle damals nicht kontrollieren.
Ich wusste, dass es lächerlich war, aber musste man mich deswegen so behandeln? Ich war so verliebt in Manu und durch meine Offenbarung hatte ich das scheinbar wieder Mal kaputt gemacht.
Hätte ich Frank verschweigen sollen? Ich fand, dass ich Manu immer der Wahrheit verpflichtet war und dass ich ihm alles erzählen sollte. Ich konnte auch nichts dafür, dass er ein solcher Sturkopf war und alles fehl interpretierte.
Aber ich sollte nicht klein beigeben sondern handeln, sonst würde das niemals aufhören, das Misstrauen und die Unsicherheit. Tief versunken in meinen Gedanken schlief ich ein. Es war erst 22 Uhr. Aber ich war sehr müde.
Erst am nächsten Morgen stellte ich fest, dass ich eine Kurzmitteilung mitten in der Nacht erhalten hatte. Sie war von Manu. Ich ließ sie mir anzeigen. Er teilte mir mit, dass er mit mir reden müsste. Ich überlegte was denn sein könnte.
War er endlich einsichtig geworden und wieder normal? Ich antwortete ihm kurz und fragte nach worum es ginge. Heute war ich mit Benno verabredet. Wir trafen uns bei mir. Wir wollten ein wenig Video schauen.
Benno traf gegen 20 Uhr ein. Ich hatte schon alles vorbereitet. Chips und Cola standen bereit und ich hatte eine ganze Auswahl an Videokassetten. Aber Benno interessierte sich zunächst nicht für die Videos.
Er wollte wissen wie es mit Manu und mir aussah. Ich vertraute ihm alles an. Er hörte mir immer aufmerksam zu und konnte mir wertvolle Tipps geben oder mich einfach nur beruhigen. Benno war ein echter Freund geworden.
Manu hatte sich bis jetzt noch immer nicht gemeldet. Ich verstand nicht warum. Ich wollte anrufen, aber Benno sagte ich solle abwarten, denn immerhin wollte Manu mir etwas Wichtiges mitteilen, dem sollte ich nicht hinter her rennen. Ich hörte auf Benno und schob das erste Video ein. Wir schauten ‚Charlies Angels‘.
Mitten im Film vibrierte mein Handy, eine SMS von Manu. Ich ließ natürlich vom Film ab und las. Er teilte mir mit, dass er mir es sage würde, wenn wir uns wieder sehen. Ich wusste, dass das erst an Heiligabend sein würde.
Früher war es von meiner Seite wegen der Arbeit und Weihnachtsfeier, nicht möglich. Solange aber wollte ich nicht warten, deshalb schrieb ich ihm das auch so. Ich wendete meinen Blick wieder dem Film zu und wartete ab.
Benno fragte mich nur kurz, ob alles klar sei und ob das eben Manu war. Ich nickte nur. Lange Zeit folgte keine Antwort von Manuel. Erst gegen Ende des Films vibrierte das Handy erneut.
Dieses Mal wurde er deutlicher: „Ich kann auch nicht so lange warten, deshalb teile ich es dir jetzt mit: Ich hab was Dummes gemacht in der Disco.“
Ich verstand nicht und malte mir schon das Schlimmste aus. Ich fragte nach, was denn los war. Wieder wartete ich ab. Der Film war jetzt nur noch Nebensache. Ich musste nicht lange auf die Antwort warten.
Manuel schrieb, dass er mit einem anderen Mann geknutscht hatte. Ich schluckte und war im nächsten Moment stocksauer. So schrieb ich auch, dass ich sauer war und was das denn sollte. Manu antwortete prompt: „Das erklär ich dir noch, ich bereue es aber nicht, warum sag ich dir.“
Ich verstand jetzt gar nichts mehr und machte ihm den Vorwurf, dass er mich gar nicht mehr geliebt hatte als wir am Nikolaus-Tag wieder zusammenkamen. Und darauf bekam ich auch eine Antwort.
Diese Antwort hätte ich nie erwartet. Ich verspürte kurz ein Hassgefühl für Manu und war wüten.
Er schrieb: „Tja vielleicht brauchte ich dich doch nur fürs Bett!“

Ich zeigte die SMS Benno. Ich war aufgebracht. Auch Benno blickte jetzt nicht mehr durch. Er konnte mich kaum beruhigen. Ich fühlte mich ausgenutzt und so formulierte ich auch meine nächste Kurzmitteilung.
Manuel sollte spüren, dass ich wütend war und dass er jetzt absolut zu weit gegangen war. Ich schrieb ihm die böseste und verletzendste SMS, die ich je jemandem schrieb. Daraufhin klingelte prompt das Handy.
Es war Manu. Vollkommen geladen ging ich ran und fragte gereizt: „Ja, was ist denn, was willst du noch?“
„Es war doch nur ein Scherz. Du verstehst gar nichts.“
„Ach nee? Ich verstehe sehr viel. Ich habe die Nase voll!“
„Lass dir doch bitte erklären, Christian.“
„Ich will keineswegs irgendwelche Erklärungen. Du bist zu weit gegangen. Dieses Mal ist es vorbei.“
Ich hörte nur noch Weinen am anderen Ende.
„Lass mir wenigstens die Chance für ein persönliches Gespräch. Ich erkläre es dir.“
„Darüber können wir nach Weihnachten reden! Ich will dich erst Mal nicht mehr sehen.“
„Du machst Schluss?“
„Was würdest du etwa an meiner Stelle tun? Du behandelst mich wegen deiner Eifersucht, deiner schwachsinnigen Eifersucht, wie Dreck und dann knutschst du mit einem anderen Kerl rum. Ist das nicht toll?“
„Ich habe jetzt auch meine Einsicht gehabt. Bei mir dauert das halt ab und zu etwas länger. Ich weiß, wie ich dich behandelt habe und ich weiß was ich getan habe. Aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen.“
„Manchmal ist es zu spät!“
„Ich hatte beschlossen Schluss mit dir zu machen, weißt du und deshalb war mir in der Disco alles egal. Erst als ich mit dem Kerl rumgeknutscht hatte wurde mir klar, dass ich nur dich liebe.“
„Ach, brauchst du immer die Zunge eines anderen in deinem Hals um festzustellen, dass du jemand anderes liebst?“

Ich war noch immer geladen und stocksauer und Manu war am Heulen. Aber es war mir zum ersten Mal egal.
„Chris, wir sollten nicht überreagieren. Las uns erst reden.“
„Nach Weihnachten.“
„Das ist noch so lang hin. Ich will mit dir Weihnachten verbringen.“
„Tja, dafür ist es wohl zu spät.“
Ich wollte auch nicht länger mit Manuel telefonieren. Ich beendete das Gespräch und verabschiedete mich.

Benno beschloss mich zu verlassen. Während meines Telefonates hatte er sich schon angezogen, bereit zum gehen.
„Du, Christian, ich geh mal. Ich glaub du willst jetzt lieber allein sein.“
„Nein, ich will die nächste Zeit gar nicht mehr allein sein. Ich will nicht zuviel nachdenken. Ich bin wieder solo. So schnell kann es gehen.“
Benno zuckte mit den Achseln und nickte: „Tja, ich finde es bedauerlich. Aber so wie der sich aufgeführt hat die letzte Zeit konnte es wohl auch nicht mehr lange gut gehen.“

*-*-*

Es war der Samstag vor Heiligabend. Heute war die letzte Möglichkeit einzukaufen, denn ich hatte noch keine Weihnachtsgeschenke. So beschloss ich in die Stadt zu fahren um einzukaufen.
Ich schlenderte gemütlich durch die Einkaufsstraße und schaute in die Schaufenster. Ich hatte noch keine richtige Idee was ich jedem schenken sollte. Ich wollte mich inspirieren lassen. Ich hatte ja Zeit. Mein Spätdienst begann erst um halb drei.
Zwischendurch schaute ich auch nach neuen Klamotten. Dafür ließ ich mir jetzt eher Zeit als für die Geschenke. Ich betrat ein Modegeschäft und schaute mich um. Plötzlich fing mein Handy ständig an zu piepsen.
Es folgten andauern neue Kurzmitteilungen. Aber ich wollte nicht nachsehen. Zum ersten weil ich in Ruhe einkaufen wollte und zum zweiten weil ich vermutete, dass es Manu war und von dem wollte ich mir die Laune erst Recht nicht vermiesen lassen.
So ignorierte ich die SMS. Ich schnappte mir einige Kleider und verschwand in der Umkleidekabine. Ich war schon dabei mir die Hose auszuziehen, da klingelte das Handy. Ich kramte es genervt aus meiner Hosentasche und schaute auf das Display.
Manuel rief mich an. Ich verdrehte die Augen und drückte den Knopf um das Gespräch anzunehmen. Desinteressiert begrüßte ich Manu.
„Hi, Chris,“ gab eine leise traurige und verzweifelte Stimme von sich.
„Was ist los? Ich bin grad beim einkaufen und es passt jetzt überhaupt nicht.“
„Ich will auch nicht stören.“
„Das tust du!“
„Sorry, aber ich kann nicht warten bis nach Weihnachten. Ich möchte mit dir reden.“
„Wir reden aber erst nach Weihnachten. Ich hab keine Zeit für dich.“
„Bitte, Chris, ich kann so nicht leben. Lass uns reden. Gib mir eine Chance es dir zu erklären.“
„Ja, nach Weihnachten. Tschüss Manu.“
Ich beendete das Gespräch und legte das Handy auf den Hocker in der Umkleide. Jetzt zog ich die Hose aus, um eine neue Jeans anzuprobieren. Wieder unterbrach das Klingeln des Handys mein Vorhaben. Es war wieder Manu.
„Chris, nicht wieder auflegen, bitte!“
„Was ist?“

„Kann ich mit dir telefonieren?“
„Das tust du doch gerade, … leider!“
„Ja, aber ich meine heute, heute Abend.“
„Ich muss arbeiten.“
„Danach?“
„Ich muss früh ins Bett, ich habe morgen gleich wieder geteilten Dienst ab 06:00 Uhr.“
„Okay, ich ruf um 22 Uhr an, okay?“
„Na gut, von mir aus.“
„Gut. Dann noch viel Spaß beim Einkaufen.“
„Ja, danke. Ciao.“
Ich drückte Manu weg und legte das genervt Handy wieder zurück. Dabei erblickte ich auf dem Display, das ich bereits sieben Kurzmitteilungen erhalten hatte. Ich wollte sie später checken.
Nachdem ich einige Klamotten anprobiert hatte, widmete ich meine Zeit wieder den Weihnachtseinkäufen. Ich wurde auch fündig. Ich wollte dieses Jahr nicht zuviel ausgeben, so kaufte ich nur wenig.
Dabei bedachte ich sowohl an meine Eltern, mein beste Freundin und einige andere Freunde. Das geplante Geschenk für Manu würde ja wegfallen. Ich hatte schon lang geplant ihm einen plüschigen Herzsessel zu schenken, auch wenn er ihn in letzter Zeit absolut nicht verdient hatte. Jetzt war das eh egal und ich hatte 76 Euro gespart.
Es war schon vierzehn Uhr und ich war spät dran für die Arbeit. Ich fuhr durch die verkehrsreiche City von Darmstadt. Ich war voll gestresst. Aber ich schaffte es dennoch gerade so pünktlich zu sein.
Ich zog mich in der Umkleide des Heimes schnell um und begab mich dann ganz in weiß zur Dienstübergabe.
Es war mal wieder ein stressiger Spätdienst. Wir waren wie üblich unterbesetzt. Ich war froh wenn ich mein Bett sehen würde. Ich war müde und erschöpft. Da dachte ich wieder an das Telefonat, das ich Manu zugesagt hatte. Ich war bei diesem Gedanken etwas genervt.
Zuhause angekommen setzte ich mich auf die Couch und schaltete die Musik ein. Ich hatte noch nichts gegessen, also legte ich mir einige Müsliriegel bereit, die ich dann beim Telefonieren essen wollte.
Außerdem holte ich mir noch etwas zu Trinken. Im Kopf kreiste mir vieles herum, was ich Manu sagen wollte. Ich war sehr geladen, nur das hielt mich noch wach. Manu wollte eine Aussprache, die sollte er auch bekommen, und zwar eine deftige.
Jetzt fielen mir die SMS von heute Vormittag ein. Ich schnappte mir mein Handy, legte mich hin und schaute nach. Es waren noch immer sieben Kurzmitteilungen. Sie waren alle von Manu. Ich begann zu lesen.
Die SMS hörten sich alle verzweifelt an. Er hatte Angst mich für immer verloren zu haben. Er schrieb was er für mich empfand. Manu schien aufgewacht zu sein und jetzt endlich zu wissen, was er für mich empfand.
Er gab seine Fehler der letzten Wochen zu und bat mich ihm zu verzeihen, ihm auch eine Chance zu geben. Ich war schon etwas gerührt von diesen Nachrichten. Meine Wut auf ihn ließ etwas nach und ich spürte Tränen in meinen Augen.
Ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich empfand es plötzlich als zu hart wie ich ihn behandelt hatte. Ich wusste was er mir angetan hatte, aber ich war doch zu eiskalt zu ihm. Ich wollte sehen was das Gespräch bringen würde.
Im Inneren schien ich ihn wirklich noch zu lieben. Ich war nur dabei dies nicht zuzulassen, weil ich mich verletzt fühlte und alles versuchte abzublocken. Manu schien jetzt zu spüren wie ernst die Lage war und er kämpfte mit Worten.
Ich empfand das als eine gute Initiative. Nur so konnte ich wirklich sehen, dass er mich liebt. Am vorgestrigen Abend schien ich und auch er wirklich überreagiert zu haben. Es würde schwer sein ihm zu verzeihen, aber ich wollte zunächst hören was er mir zu sagen hatte.
Es wäre nur fair. Immerhin, damals hatte auch Manuel mir eine Chance gegeben, als ich diesen Fehler gemacht hatte und gedacht hatte ich sei noch in Frank verliebt. Die Chance war da, aber die Reaktion war nach meiner Eröffnung der Gefühle unfair, aber okay.
Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass schon weit nach 22 Uhr war. Ich legte mich hin und beschloss noch etwas zu warten. Die Augen fielen mir fast zu. Das Telefongespräch, die Aussprache, waren Manu doch so wichtig.
Wenn mir etwas wichtig ist wäre ich pünktlich. Immerhin musste Manu ja erwarten wenn er zu spät anrufen würde, dass er mich noch mehr verärgern würde. Es war bereits 22:35 Uhr. Plötzlich hatte ich wieder diese Gleichgültigkeit.
Scheinbar war es ihm doch nicht so wichtig. Es dauerte nicht mehr sehr lange, da schlief ich ein.
Es war schon 13 Uhr als Chris am nächsten Tag wieder aufwachte. Er hatte vergessen mir den Wecker zu stellen, denn er wollte doch eigentlich seiner Mutter helfen beim Vorbereiten der Feier für heute Abend.
Die ganze Familie würde kommen. Warum hatte sie ihn auch nicht angerufen? Da fiel Christians Blick auf das Telefon. Er erblickte die Müsliriegel und erinnerte sich kurz an gestern Abend. Manu wollte doch anrufen.
Eigentlich konnte es Chris ja egal sein, er hatte damit eh schon abgeschlossen. Er war sauer. Nun aber auch das war fast wieder vorbei. Chris begann damit abzuschließen und Manu in die Vergangenheit zu verbannen.
Andere Mütter haben auch hübsche Söhne, heißt es doch immer. Er griff zum Telefonhörer und rief seine Mutter an. Er sagte ihr, dass er in etwa dreißig Minuten unten sein würde. Chris wollte zunächst noch duschen und kurz etwas essen.
Er legte den Hörer auf, griff nach einem Handtuch und begab sich ins Badezimmer.
*-*-*
Seine Mutter war schon fleißig ab Vorbereiten des Abendessens, als Christian die Wohnung hereinkam.

Die Mutter begrüßte ihn und fragte neugierig: „Wieso hast du denn so lang geschlafen? Das ist doch sonst nicht deine Art,“ und mit einem Zwinkern fügte sie hinzu: „War es etwa eine lange Nacht?“
Chris schüttelte nur den Kopf.
„War Manu etwa nicht bei dir?“
„Sonst fragst du doch auch nicht nach ihm?!“
„Es gibt immer ein erstes Mal. Also ist er noch oben?“
„Nein.“
„Er ist schon heim? Er hätte ruhig mit uns feiern können!“
„Nein das wird er ganz sicher nicht.“
„Stimmt. Er hat ja auch Familie. Aber morgen wenn wir essen gehen …“
Ich unterbrach meine Mutter: „Nein. Er kommt nicht. Nie mehr. Verstehst du?“
„Wieso?“
„Hör mir jetzt auf mit dem, bitte. Der kann mich mal!“
„Was war denn, Liebes?“
„Nenn mich nicht so!“
„Sprich!“
„Es ist egal was war. Es ist Schluss. Ich kann nicht mehr. Ich habe damit abgeschlossen!“
„Warum?“
„Mum, können wir jetzt weiter mit der Gans machen? Ich hab keinen Bock über den zu quatschen!“
„Na das hört sich ja wirklich nicht rosig an! Okay, vielleicht ein andermal!“
„Keineswegs. Er ist aus meinem Gedächtnis gestrichen!“
„Handelst du nicht etwas trotzig?“
„Ganz sicher nicht! Und wechsele mal den Musiksender. Dieses volksmusikalische Liebesgeblase ist ja grauenhaft!“
„Was willst du hören?“ Techno als Frust?“
„Nein, ich mach es selbst,“ damit drehte Chris am Radioknopf und stellte einen Sender ein, der ihm besser passte.

Die Mutter wendete sich kurz dem Backofen zu und fragte dann: „Jetzt zufriedener mit der Musik?“
Christian legte sich eine Schürze um und nickte nur, dann fragte er was er denn tun könnte um zu helfen. Seine Mutter lächelte und drückte ihm einen Salatkopf in die Hand und deutete auf das Waschbecken.
Mittlerweile war es fast 5 und die beiden standen noch immer in der Küche. Um 7 sollten die Gäste kommen. Davor wollte Christian sich noch umziehen. Die Mutter merkte, dass Chris langsam genug hatte von der Küchenarbeit und sagte ihm er könne aufhören.
Sie erinnerte ihn auch daran, dass er noch Oma und Opa abholen musste zur Feier. Chris nickte nur. Plötzlich wendete sich die Mutter ab von der Arbeit und rieb sich die fettigen Finger an der Schürze ab.
Sie lief zum Radio und betätigte den Lautstärkenregler. Während sie das Radio lauter drehte fragte sie: „Du, Christian, ist das nicht dein Freund, äh Ex-Freund mein ich natürlich!“
Auch Chris verließ jetzt seine Arbeitsstätte und lief rüber zum Radio um genauer zu lauschen.

Er hörte Manus Stimme und schaute seine Mutter an: „Ja, ja!“

„Nun, Manu, du kommst also aus Frankfurt,“ erklang es aus dem Radio.
„Ja, das bin ich!“
„Und du möchtest einen Musikwunsch loswerden?“
„Nun, eigentlich nicht direkt!“
„Was möchtest du? Jemanden grüßen?“
„So in etwa!“
„Okay, dann spann uns mal nicht länger auf die Schulter, Cowboy, sag was du zu sagen hast. Wir sind gespannt!“
„Okay, aber das kann kurz, also ne Weile dauern.“
„Warum?“
„Ich muss erst die Worte finden …“
Chris und seine Mutter schauten sich verdutzt an. Dann richteten sie wieder ihren Blick auf das laute Radio. Sie verfolgten die Worte von Manu.
„Nun ich möchte sagen … Es fällt mir nicht ganz leicht …“
Der Moderator unterbrach ihn: „Einfach raus damit!“
„Okay, ich möchte, … meine Worte gelten Chris. Ich möchte ihm sagen, dass ich ihn über alles liebe und dass es mir Leid tut, das ich mich gestern nicht melden konnte. Ich würde ihm so gerne alles erklären. Aber er hasst mich bestimmt jetzt. Chris, wenn du mich hörst, ich möchte dir sagen, ich liebe dich, mehr als du denkst. Ich brauche dich und ich will dich Wiedersehen. Wenn ich dir noch irgendetwas bedeute, dann komm zu mir. Ich … oh man jetzt muss ich wieder weinen … es tut mir Leid. Ich … ich hab diesen Weg gewählt dir zu sagen was du mir bedeutest, weil ich weiß, dass du diesen Sender gerne hörst. Ich wollte, dass jeder weiß, dass ich dich liebe und besonders du. Ich … oh man, was rede ich nur wieder. Ich möchte, dass du bei mir bist!“
Wieder unterbrach der Moderator den schluchzenden Manu: „Ganz ruhig Manu, das wird schon wieder. Also Chris, dann mal ran, dein Freund braucht dich. Ich finde das hier herzzerreißend und ich habe jetzt auch schon Tränen in den Augen. Ich hoffe du hörst gerade zu …“
Auch Chris schossen jetzt die Tränen in die Augen. Seine Mutter legte den linken Arm um ihren Jungen und drückte ihn an sich.
„Manu, als Zeichen deiner Liebe für Chris, kann ich ein Lied für dich und euch spielen?“
Manu schluchzte kurz auf und sagte überlegend: „Ja, ja, bitte. Okay!“
„Ich finde das echt super was du da gemacht hast, deine Liebeserklärung! Was darf ich spielen?“
„Sein Lieblingslied. Spiel mir ‚I Turn To You‘.“
„Okay, gleich also Mel C für Chris!“
„Ja, damit möchte ich ihm auch sagen, dass für mich die Welt sehr dunkel ist ohne ihn, ich möchte, dass er sich mir wieder zuwendet und mich aus der grauen Einsamkeit befreit! Er ist der Einzige für mich“
„Sehr schön gesagt. Also viel Glück dir, Manu …Ciao.“
Aus den Lautsprechern erklang der Song und Christian schossen immer mehr Tränen in die Augen. Auch seine Mutter konnte nun nicht mehr innehalten. Doch plötzlich griff sie auf Chris‘ Schultern und positionierte ihn vor sich. Streng sagte sie ihm: „Chris, das berührt dich doch auch, nich?“
Dieser nickte nur.
Die Mutter nickte und sagte weiter: „Also dann Schürze aus und ab nach Frankfurt!“
„Aber …“
„Nix aber, Heiligabend findet für dich woanders statt! Deine Geschenke kriegst du nach Weihnachten und jetzt geh!“
Chris schossen erneut Tränen in die Augen, dann nickte er und legte seine Schürze ab. Er umarmte nochmals kräftig seine Mutter und rannte dann aus de Wohnung, direkt zu seinem Auto.
Er ließ den Motor an und düste los auf die Autobahn. Angekommen an der Wohnung von Manuel stürzte er aus dem Auto und eilte zur Eingangstür. Chris betätigte die Klingel und wartete.
Nichts passierte. Wieder drückte er auf die Klingel und wartete. Nichts. Niemand öffnete. Chris war etwas verwundert. Manu schien nicht Zuhause zu sein. Aber wo war er? Tief versunken in Gedanken überlegte Chris was passiert sein könnte.
Er machte sich Sorgen. Dann kam er auf die Idee anzurufen. Chris wählte die Festnetznummer von Manuel und wartete ungeduldig ab. Es tutete fünf Mal, 7 Mal, 10 Mal … nichts! Chris betätigte den roten Hörer und legte auf. Er war etwas verzweifelt. Was war da los? Er musste doch Zuhause sein.
Hatte er sich was angetan. Aber das traute Chris seinem Freund nun auch wieder nicht zu. Dann am ihm die Idee auf dem Handy anzurufen. Chris wählte über das Telefonbuchverzeichnis die Nummer und nahm den Hörer ans Ohr.
Wieder nichts. Chris setzte sich auf die Treppe vor der Haustür und fing wieder an zu weinen. Er verstand nicht was los war. Manu sagte doch noch im Radio, er solle zu ihm kommen, wenn er ihn liebt.
Und da war er, aber kein Manu war da. Wo konnte er sein? Aus seinen Tränen gerissen stand plötzlich Marie vor ihm. Sie kannte Chris noch vom ersten Abend mit Manu.
„Hallo, Chris, sorry ich bin zu spät!“
„Zu spät für bitte was? Was ist passiert?“
„Was soll passiert sein?“
„Wo ist Manu? Warum ist er nicht da?“
„Deswegen bin ich ja da!“
„Wie? Ich versteh gar nichts mehr, sorry!“
„Ja, ich soll dir ne Nachricht überbringen …“
Chris unterbrach Marie: „Was für eine Nachricht denn? Ist Manu was passiert?“
„Nein. Also,“ Marie setzte sich neben Chris auf die kalte Treppe, „Manu hat mir gesagt ich soll hier stehen falls du vorbeikommst. Leider war ich zu spät!“
Chris schaute sie ungläubig an: „Ich versteh gar nichts mehr!“
„Na ja ich habe es auch kaum verstanden. Aber irgendwie sagte er ich soll dir nur sagen du sollst wieder zurückfahren.“
„Hä?“
„Mehr hat er nicht gesagt. Nur das. Er sagte, mehr bräuchte ich nicht zu wissen. Ich solle nur das sagen. Du wüsstest dann schon.“
Chris schüttelte den Kopf: „Ich hab keine Ahnung.“

„Tja.“
„Und nu?“
„Zurück fahren.“
„Na super. Ich denke ich warte lieber hier auf ihn.“
„Glaub das hat nicht viel Sinn!“
„Aber ich fahr doch nicht jetzt gleich wieder zurück ohne ihn gesehen zu haben. Im Radio sagte er ich soll hier her kommen!“
„Radio?“
„Ja.“
„Sorry, soweit bin ich nicht eingeweiht. Wie gesagt mir hat er nur das gesagt. Ich würde sagen fahr!“
Widerwillig und etwas enttäuscht stand Christian auf und lief in Richtung Parkplatz. Marie erhob sich auch und rief nur noch „Tschüs!“ hinterher. Christian erhob nur die Hand und stieg ins Auto ein.
Er drehte die Musik laut auf und fuhr wieder zurück auf die Autobahn.
Zuhause angekommen stellte Chris sein Auto im Hof ab und begab sich zur Haustür. Er erklomm die Treppen und öffnete die Wohnungstür seiner Eltern.
Mittlerweile war die Verwandtschaft schon längst da. Chris versuchte die Tränen zu unterdrücken und begrüßte alle. Dann bat er seine Mutter kurz mit nach draußen zu kommen. Er wollte mit ihr unter vier Augen sprechen.
Die aber blieb sitzen und schüttelte den Kopf mit den Worten: „Chris, geh bitte nach oben!“
„Aber ich wollte mit dir reden!“
Die Mutter lächelte nur und sagte sanft: „Geh hoch, Chris. Bitte!“
Chris derweil verstand jetzt gar nichts mehr und nickte ungläubig. Dann verließ er die Wohnung wieder.
Von oben hörte er leise Musik. Hatte er vergessen den CD-Player auszuschalten? Langsam stieg er die Treppen hoch und lauschte. Chris griff langsam nach dem Türgriff und öffnete leise und völlig in Gedanken die Tür.
Die Musik wurde lauter. Er erkannte die Melodie von ‚Last Christmas‘. Chris schüttelte den Kopf und bewegte sich Richtung Wohnzimmer Auch hier öffnete er die Tür. Der Blick in das Zimmer ließ ihn nicht schlecht staunen.
Alles war weihnachtlich dekoriert. Heute früh sah es hier noch vollkommen unweihnachtlich aus. Jetzt glänzten Lichter und Kerzen. Der Duft von Anis und Zimt erfüllten das Zimmer und neben der Schlafcouch stand ein prächtiger Weihnachtsbaum, hell erleuchtet.
Wer hatte das alles in der kurzen Zeit aufgebaut? Chris war überwältigt. Auf der Theke standen zwei Teller mit Gans und Nudeln und eine Salatbeilage. Das kam ihm bekannt vor, es war ein Teil des Festmenüs, das seine Mutter und er zubereitet hatten.
Chris betrat langsam das Zimmer und staunte. Er schaute sich immer wieder um in dem hell erleuchteten Zimmer. Jetzt entdeckte er auch ein 180 cm großes Gerüst, das mit einem weißen glitzernden Vorhang umzogen war und mit einer roten Schleife verziert war.
Es sah aus wie eine eingepackte Dusche mit Duschvorhang. Chris näherte sich diesem Ding und erblickte ein großes Schildchen an der Seite. Chris öffnete das Klappschildchen und las den Satz: „Pack mich aus, ich will raus!“
Chris lächelte und begriff nicht ganz. Dann aber tat er so, wie auf dem Schild stand. Er öffnete die rote Schleife und schmiss sie zu Boden. Jetzt zog er den Vorhang an dem Gerüst zur Seite und erblickte Manu hinter dem Vorhang und in dem großen zylinderartigen Geschenk.
Chris war sprachlos. Im Moment wusste er gar nicht wie er reagieren sollte.

Chris schritt zurück und schüttelte ungläubig den Kopf, dann brachte er die Frage heraus: „Was ist das?“
Manu trat aus dem großen Geschenk und sagte mit einem Lächeln: „Das ist für dich!“
„Aber. Ich … nun ich bin überrascht. Das ist einfach phantastisch. Was soll ich sagen?“
Manu schritt näher an Chris heran und sagte: „Nichts sagen – Küss mich einfach!“
Chris schaute etwas verlegen, denn mit der Situation hätte er jetzt nicht gerechnet. Manu legte seine Arme um Chris‘ Hüfte und drückte ihm einen sanften Kuss auf. Chris schloss die Augen und ließ diesen Kuss über sich geschehen.
Bald schon erwiderte er ihn und schloss Manu auch in seine Arme. Er drückte ihn fest an sich. Es war ein toller Moment und dank der Umgebung so romantisch. Plötzlich aber löste sich Chris aus der Umarmung und beendete den innigen Kuss.

Er setzte zu einer Frage an: „Warum hast du mich nach Frankfurt gelotst?“
Manu lächelte und antwortete: „Na, das ist doch wohl klar, ich brauchte Zeit das hier aufzubauen!“
„Wie bist du hereingekommen?“
„Klingel?“ sagte Manu lächelnd.
„Und warum bist du nicht ans Handy? Warum Marie? Warum hast du …?“
Manu erhob seinen Zeigefinger und hielt ihn vor Christians Mund. Dann sagte er: „Psssst. Nichts mehr sagen. Das erzähl ich dir alles dann!“
Christian lächelte und verfestigte wieder die Umarmung. Beide küssten sich wieder. Chris hatte Manu wohl falsch eingeschätzt und war froh ihn wieder in den Armen zu haben. Und Manu sowieso.
Und wie endet jede Geschichte? Wenn sie nicht gestorben sind oder keinen besseren gefunden haben, dann sind sie noch heute glücklich bis an ihr Lebensende!

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