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Information Feliz Navidad oder nie wieder Weihnachten
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:40 AM - No Replies

Weihnachten 2007

Und – kaum zu glauben – es hat geklappt! Schon seit einer Woche bin ich mit Peter hier auf der „Insel des ewigen Frühlings“. Heute ist der Tag vor Heilig Abend. Fast genau ein Jahr ist vergangen, seit ich Peter so hilflos am Friedhof aufgefunden habe und es sind morgen bereits zwei Jahre seit dem Unfalltod von Alex.
Peter und ich – wir sind uns im vergangenen Jahr immer näher gekommen. Freilich, beiden ist uns klar, dass wir uns zwar mögen, sehr gern haben, aber dass es nicht, oder noch nicht, die große Liebe ist. So haben wir uns auch bisher nicht getraut, zusammenzuziehen, jeder hat seine Wohnung behalten. Wir wollen diesen ersten gemeinsamen Urlaub abwarten, wie wir miteinander auskommen, wenn wir mal mehrere Tage dauernd beisammen sind und dann eventuell über eine gemeinsame Wohnung nachdenken.
Wir haben viele Wochenende zusammen verbracht, viel gemeinsam unternommen. Aber außer Umarmungen und gelegentlichem Kuscheln und Küsschen hat es bisher keinen körperlichen Kontakt gegeben. Wir haben schon über dieses Thema geredet und übereinstimmend festgestellt, dass die Zeit einfach nicht reif ist. Irgendwie stehen unsere verstorbenen Freunde, also Alex und Andreas, immer noch zwischen uns. Uns ist aber auch klar, dass wir endlich los lassen müssen, wenn zwischen uns beiden mehr werden soll als gute Freunde, die wir ja schon lange sind. Und im Grunde wollen wir ja mehr!
Peter ist im Moment nicht hier, er ist kurz zum Einkaufen gegangen, Wasser will er holen und ein wenig Gebäck für den Nachmittagskaffee. Ja, wir haben hier ein Apartment gemietet mit einer kleinen Küche, Kitchenette nennen sie das. Wir haben zwar Halbpension gebucht, aber so können wir uns doch während des Tages auch selbst was zubereiten. Ist ja doch eine lange Zeit zwischen Frühstück und Abendessen.
Und so freue ich mich schon auf einen guten Kaffee, den wir hernach draußen am Balkon trinken werden. Das muss man sich auch erst mal auf der Zunge zergehen lassen – heute am Tag vor Heilig Abend – Kaffee trinken am Balkon! Dem Golfstrom und den Passatwinden sei dank! Diesen verdanken ja die Kanaren das milde Klima, habe ich gelesen. Freilich, sobald die Sonne weg ist, kann es ganz schön frisch werden, da geht es dann ohne Jacke nicht mehr.
.
Aber noch haben wir Sonne pur und ich lasse mich hier am Balkon von ihr verwöhnen, der Winter in der Heimat kommt früh genug wieder.
Eine Woche sind wir nun bereits hier und haben bisher nur Schönes erlebt. Jeden Tag nach dem ausgiebigen Frühstück marschieren wir barfuss den langen Sandstrand von Ingles entlang. Gehen dann entweder durch bis Maspalomas, oder aber, wenn der Wind zu sehr bläst, kehren wir früher wieder um. Diese stundenlangen Strandwanderungen, mal im Wasser, mal im Sand, finden wir einfach herrlich. Machen aber auch ganz schön hungrig. So ist es nicht verwunderlich, dass wir die Zeit bis zum Abendessen im Hotel mit selbst zubereiteten Speisen verkürzen.
Auch abseits der Touristenpfade haben wir uns schon bewegt. Von einem Kollegen, einem echten Kanarenfan, habe ich den Tipp bekommen, nach Möglichkeit nicht in den Touristenzentren einzukaufen, sondern lieber etwas weiter zu gehen, nach San Fernando zum Beispiel, dort, wo die Einheimischen wohnen und eben auch einkaufen. Und so waren wir schon ein paar mal dort, ist auch nur ein Fußmarsch von vielleicht zwanzig Minuten, und haben wesentlich preiswerter eingekauft.
Es gibt vor der Kirche in San Fernando einen Park mit in Zuckerhutform geschnittenen Birkenfeigen, riesige Bäume bereits und wunderschön anzusehen. Vor allem Peter hat es dort so gut gefallen und so sind wir jetzt schon des öfteren dort gewesen und haben viele Fotos geschossen.
Natürlich waren wir auch schon im Yumbo-Zentrum, der Schwulenhochburg. Haben uns ein wenig dort umgesehen. Lästig ist es, weil man immer gleich angesprochen wird und zum Eintreten animiert wird, sei es in den Geschäften oder den Esslokalen. Überrascht waren wir von der Vielzahl der schwulen Kneipen, die vor allem im Untergeschoss wuchern.
Für die paar Tage unseres Urlaubs, die uns nach den Feiertagen noch bleiben, haben wir uns für eine sogenannte Panoramafahrt angemeldet. Sie führt rund um die ganze Insel und zeigt uns auch den angeblich grünen Inselnorden und die Hauptstadt Las Palmas.
Aber vorerst ist ja Weihnachten angesagt, morgen der Heilige Abend. Wir haben eigentlich nichts Besonderes geplant. Ein festliches Weihnachtsbüfett wird es am Abend im Hotel geben. Naja, mussten wir auch extra zahlen dafür. Aber sonst? Irgendwie fehlt uns einfach bei diesem Wetter der Bezug zu dem Fest.
Ich weiß auch noch gar nicht, was ich Peter schenken soll. Nur eines weiß ich: Ein Christbaum muss her! Schon Peter wegen! Und ich habe auch schon einen ins Auge gefasst. In einem Geschäft in San Fernando haben wir künstliche Weihnachtsbäume gesehen, in allen Größen und Preisklassen, bereits wunderbar geschmückt und in allen Farben leuchtend. Kitschig vielleicht, aber die Spanier, wie wir feststellten, lieben zu Weihnachten eben das Bunte, Grelle und Glitzernde. Und sind wir derzeit nicht auch so was wie, naja, sagen wir mal halbe Spanier? Vor allem Peter war ganz begeistert von dem Baum, nur mit Mühe konnte ich ihn vom Geschäft und den Bäumen losreißen. Ich muss ihm einfach die Freude machen! Irgendwie bringe ich den Baum schon heimlich ins Hotel, irgendwie schaffe ich es schon, ohne dass Peter was mitkriegt.
Ich weiß nicht, wo Peter so lange bleibt. Er wollte doch nur einkaufen! Mich beschleicht wieder diese Angst: Es wird doch nichts passiert sein! Ja, ich weiß, ich muss mich zusammenreißen, was soll auch schon groß geschehen sein. Sicher kommt er gleich.
Aber er kommt nicht und ich vergehe vor Angst! Natürlich, ob ich will oder nicht, gehen meine Gedanken zwei Jahre zurück. Alex wollte ja auch nur noch schnell die Lichterkette holen und ist nie mehr zurückgekommen. Freilich, Alex war mit dem Auto unterwegs, Peter „nur“ zu Fuß. Aber trotzdem, wenn ich sehe, wie manche hier im Ortsbereich rasen und auch an einem Fußgängerübergang nicht halten, da ist man doch auch als Fußgänger nicht sicher! Warum muss ich immer gleich das Schlimmste annehmen! Aber ist das ein Wunder nach den Geschehnissen vor zwei Jahren?
Ja, jetzt merke ich erst so richtig, was mir dieser Mensch bedeutet und dass ich mir ein Leben ohne ihn – ja, es ist wirklich so – gar nicht mehr vorstellen kann. Ich habe mich so an ihn gewöhnt, sein Lächeln, seine charmante Art, seine Hilfsbereitschaft, einfach alles! Gerade diese Tage des gemeinsamen Urlaubs bisher haben mir gezeigt, dass wir zusammengehören, ja, dass ich ihn liebe! Ich kann es nicht anders sagen.
Ich halte es im Hotel nicht mehr aus, ich bin zu Fuß unterwegs Richtung San Fernando. Ich weiß ja, wo er einkaufen wollte. Aber mir begegnen zwar viele Leute, vollgepackt mit allen möglichen Tüten, aber kein Peter ist dabei.
Wo könnte er nur sein? Natürlich, warum bin ich da nicht eher drauf gekommen, der Platz vor der Kirche, sein Lieblingsort, seit wir hier sind, dort wird er sein!
Ich gehe am Kinderspielplatz vorbei, den Weg hinauf zur Kirche. Ein paar ältere Kanarios sitzen auf einer Bank, unterhalten sich lautstark und genießen nebenbei die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Die anderen Bänke sind unbesetzt, bis auf eine, ganz vorne.
Jawohl, da sitzt Peter, genau, wie ich es mir vorgestellt habe. Und jetzt, wo ich ihn so vor mir sitzen sehe, endlich wieder sehe, ja, jetzt weiß ich genau, ich liebe diesen Kerl!
Leise trete ich zu ihm hin. Er ist so in Gedanken, dass er erst jetzt, da ich schon unmittelbar vor ihm stehe, zu mir aufsieht und mich anlächelt.
„Tut mir leid, Tom, dass ich so lange fort geblieben bin und noch nicht einmal eingekauft habe ich, aber weißt du, ich habe das jetzt einfach gebraucht, musste über Vieles nachdenken, da wollte ich alleine sein, sei mir bitte nicht böse!“
Ich setze mich neben ihn auf die Bank, lege meinen Arm um ihn, ziehe ihn zu mir heran und gebe ihm einen Kuss. Etwas überrascht sieht er mich mit großen Augen an.
„Ich bin dir nicht böse, Peter, wie könnte ich auch. Aber lass mich bitte nie mehr so lange allein. Du warst jetzt nur die paar Stunden weg und trotzdem hast du mir so sehr gefehlt. Peter, ja, jetzt ist mir klar geworden, ich liebe dich und möchte dich nie mehr verlieren!“
Er hat Tränen in den Augen, möchte etwas sagen, aber ich komme ihm zuvor.
„Tut mir leid, Peter, wenn ich dich jetzt mit meinen Geständnissen überfahren habe, aber ich wollte das einfach los werden. Du musst nichts darauf sagen, lass uns einfach heimgehen, miteinander heimgehen!“
Heiliger Abend auf Gran Canaria. Nach dem Frühstück haben wir uns, wie schon die Tage zuvor, zum Strand aufgemacht. Da der Wind erträglich war, sind wir wieder mal durchgegangen, den ganzen Strand von Ingles bis zum Leuchtturm in Maspalomas und natürlich auch zurück.
Da sich Peter später ein Mittagsschläfchen gönnte, um für den langen Abend fit zu sein, habe ich mich leise davongeschlichen, um das Bäumchen zu holen. Ich hatte Glück, dass gerade der Baum, der Peter so gefallen hat, noch zu haben war. Ich habe ihn gleich so mitgenommen, gar nicht einpacken lassen. Zwar haben die Leute unterwegs etwas komisch geschaut, wie ich da mit dem geschmückten Baum durch die Straßen latsche, aber das war mir sowas von egal. Hauptsache, ich kann Peter eine Freude machen! In einem Kämmerchen hinter der Rezeption durfte ich den Baum vorerst bis zum Abend deponieren.
Und als ich ins Zimmer kam und den noch immer schlafenden Peter sah, habe ich mich gleich wieder aufgemacht und in einem Geschäft im Yumbo-Zentrum einen Ring für Peter gekauft. Wir haben sie uns schon mal zusammen angesehen, so weiß ich ungefähr, was ihm gefällt. Ich will ihm den Ring schenken. Ob es eine Art Verlobungsring wird, das kann ich nicht sagen. Das hängt ja auch von ihm ab. Er hat nämlich bisher auf mein Liebesgeständnis gestern im Park von San Fernando nicht reagiert. Und so hänge ich quasi in der Luft, weiß nicht, wie er denkt. Und das kann ganz schön nerven! Freilich sind wir bisher gut zurecht gekommen als gute Freunde, aber ich möchte halt mehr, weil ich ihn liebe. Und er? Wenn ich das nur wüsste!
Es ist nun früher Abend an diesem Heiligen Abend. Ja, es ist Zeit für die Bescherung. Peter ist im Bad und das kann etwas dauern. Ich hole rasch den Christbaum und stelle ihn auf das Tischchen. Ich schalte die Beleuchtung ein und sogleich glitzert der Baum in allen Farben.
Endlich kommt Peter aus dem Bad und mit großen Augen schaut er auf den bunten Baum. Die Überraschung ist mir scheinbar wirklich gelungen, denn Peter bekommt den Mund nicht zu vor lauter Staunen und immer wieder schüttelt er den Kopf
„Du bist verrückt, du bist verrückt“ lachend fällt er mir um den Hals.
Und nach einer Weile des Baumbestaunens fährt er fort:
„Ich habe gestern nicht reagiert auf deine Aussagen im Park. Aus dem einfachen Grund, weil ich kein eigentliches Weihnachtsgeschenk für dich habe. Zumindest nicht hier, du kriegst es daheim. Und so habe ich halt leider nur ein verbales Geschenk für dich. Tom, ich habe es mir lange nicht eingestehen wollen, aber ja, ich liebe dich auch von ganzem Herzen und will nie mehr ohne dich sein!“
Überwältigt von diesem „Geschenk“ hole ich den Ring und stecke ihn Peter an den Finger.
„Woher weißt du..?“
„Was soll ich wissen?“
„Naja, ich habe doch auch einen Ring für dich, warte mal…“
Und Peter öffnet eine Schublade und zaubert ebenso einen Ring hervor und steckt ihn wiederum mir an den Finger.
Was soll man da noch sagen? Wir umarmen und küssen uns wie nie zuvor.
Gemeinsam treten wir auf den Balkon hinaus, sehen über uns die vielen leuchtenden Sterne am Himmel, unter uns die bunten Lichter der Touristenstadt und von irgend wo her erklingt ein „Feliz Navidad“.
„Fröhliche Weihnachten, Peter, und dass wir noch viele solche glückliche Stunden zusammen erleben dürfen!“
„Feliz Navidad, Tom, an mir soll es nicht liegen!“
Ich sehe wieder hinauf zu den Sternen und denke an unsere verstorbenen Freunde und ich weiß, ich glaube es einfach, das sie uns sehen und sich mit uns freuen.
„Feliz Navidad, Alex“ flüstere ich vor mich hin „und es wird immer ein Weihnachten geben, weil die Liebe nie ausstirbt!“
Peter muss meine Wort genau verstanden haben. Mit Tränen in den Augen sieht er mich an, sieht ebenso hinauf zu den Sternen und flüstert:
„Feliz Navidad, Andreas, auch wenn es uns auf Erden nie vergönnt war, ein gemeinsames Weihnachten zu erleben, ich weiß, du freust dich mit mir, dass ich nun mit Tom Weihnachten feiere, und dass wir uns lieben!“

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Information Familie, was ist das?
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:39 AM - No Replies

Ein Rastplatz irgendwo in Deutschland…..
Das Erste, an das ich mich erinnere, ist diese Dunkelheit und die Kälte, die unaufhörlich durch meine Kleidung drang. Überall wo ich hin schaute nur Dunkelheit. Ab und zu tauchten ein paar kleine Lichter auf, die schnell an mir vorbei rasten.
Ich schaute mich weiter um, aber ich konnte meine Mama und meinen Papa nicht sehen. Alles war so dunkel, so fremd und kalt.
„Mama… Papa“, schrie ich.
Doch keiner antwortete. So sehr ich mich auch anstrengte, nichts war zu sehen – keine Mama… kein Papa. Alles war so groß hier, ich hatte Angst. Wo sind nur Mama und Papa?
„Mammmmmmmaa… Papaaaaaaaaaaaaaaaaa?“
Ich weinte und schrie nach Mama und Papa, aber niemand kam. Langsam lief ich los, suchte Mama und Papa. Sie mussten doch hier irgendwo sein. Bestimmt sahen sie mich nicht, weil es schon so dunkel war… ich fror immer noch.
„Mama… Papa?“
Ich suchte und suchte, bis ich nicht mehr konnte. War doch noch so klein, war müde und fror schrecklich. Da vorne aber war ein Licht und da waren bestimmt auch Mama und Papa. Ich weinte immer noch und schrie weiter.
„Mama… Papa…, wo seid ihr?“
Warum hörten sie mich nicht? Warum kamen sie mich nicht holen? Sie kamen nicht… ließen mich alleine. Es war laut hier, so viele fremde Geräusche um mich herum, ich hatte immer mehr Angst.
Irgendwann unter dem Licht… versagte meine Stimme, zu oft hatte ich nach Mama und Papa geschrien. Sie waren nicht gekommen. Ich war alleine und wurde müde. Kauerte mich unter dem Licht zusammen und schlief irgendwann unter Tränen und halb erfroren ein.
Wach wurde ich, als mich jemand auf den Arm nahm. Ja, Mama und Papa, sie haben mich endlich gefunden. Schnell öffnete ich meine Augen, wollte Papa zeigen, dass ich wach bin. Doch es war nicht Papa und auch nicht meine Mama.
Ich schaute in das Gesicht eines fremden Mannes und neben ihm lief noch ein Mann, den ich nicht kannte. Ich bekam Angst und fing wieder an zu weinen.
„Ruhig mein Kleiner, dir passiert schon nichts!“
Ich wollte runter und begann zu strampeln, doch der Mann hielt mich fest. Wollte weg von diesen Männern, dir mir Angst einjagten.
„Mama… Papa, wo seid ihr…“
Ich schrie, zappelte und weinte weiter. Doch ich hatte keine Chance, der Mann ließ mich nicht los. Immer wieder schrie ich nach Mama und Papa, doch sie kamen nicht, holten mich nicht hier weg. Wir kamen an ein Auto und der andere Mann öffnete die Tür hinten.
„Lass mich runter, ich will zu meiner Mama… zu meinem Papa!“
Doch die zwei Männer schienen mir nicht zuzuhören. Ich muss hier bleiben, so finden mich Mama und Papa nicht mehr. Die kommen doch bestimmt gleich… haben mich doch lieb. Zappelnd und schreiend wehrte ich mich, wollte nicht in den Wagen.
Aber ich hatte keine Chance, sie schoben mich ins Auto. Die Tür war zu. Langsam setzte sich der Wagen in Bewegung. Verzweifelt und ängstlich starrte ich in das Dunkle der Nacht hinaus. Mama… Papa wo seid ihr…?
Als der Wagen wieder hielt, wusste ich nicht, wie lange wir gefahren waren. Ich wusste nicht wo ich war, alles war so groß und unbekannt. Die Tür ging auf und der Mann war wieder da und zog mich aus dem Auto.
Die ganze Zeit hatte ich nicht aufgehört zu weinen. Eine Frau kam zu uns und nahm mich in den Arm. Sie schaukelte mich und streichelte mich, was mir besser gefiel als bei diesem Mann.
„Hast du einen Namen?“, fragte die Frau.
„David…“, flüsterte ich, denn ich wollte nicht, dass der böse Mann das mitbekam.
„Mein Name ist Elisabeth“, sagte sie und trug mich ins Haus.
Auch hier gefiel es mir nicht. Es war sehr laut… zu laut für mich und ich begann wieder zu weinen. Ich war müde und hungrig, wollte doch so gern zu Mama und Papa. Elisabeth trug mich in ein Zimmer.
Da ich nicht aufhörte zu weinen, setzte sie sich mit mir hin und schaukelte mich weiter.
„Versuch doch etwas zu schlafen, David“, meinte Elisabeth.
„Hast du meinen Dino? Ich schlafe immer mit meinem Dino.“
Elisabeth schüttelte den Kopf und griff nach etwas.
„Hier, das ist Teddy. Er wird immer auf dich aufpassen.“
Ich nahm Teddy in den Arm. Den Teddy habe ich immer noch.
*-*-*
Am nächsten Tag, ich war noch gar nicht richtig wach, wurde ich weggebracht. Das alles war zu viel für mein kleines Köpfchen. Ich schrie nach Mama und Papa, wollte so gerne zu ihnen. Ich wollte hier weg, das alles war nicht schön.
Der Wagen fuhr vor ein großes Haus. Auch hier gefiel es mir nicht. Alles war aus Beton, kleine Fenster und der Garten war verwildert. Ich fror wieder, denn in dem Haus war es auch kalt. Die Zimmer waren klein, die Tapeten hingen schon teilweise von der Wand.
Ich wurde in ein Zimmer gebracht, wo schon viele Kinder drin waren. Einige waren schon viel älter als ich und als es abends ans Schlafen ging, musste ich mit einem anderen Jungen mein Bett teilen.
Die Betreuer hatten nie Zeit und ich fühlte mich schrecklich alleine. Ab und zu spielten die älteren Kinder mit uns Kleinen, aber die meiste Zeit saß ich da und musste mich alleine beschäftigen.
So blieb es während dem Kindergarten, das änderte sich auch nicht, als ich in die Schule kam. Keiner dort wollte etwas von mir wissen, die Schüler mieden uns Heimkinder. Ich verstand nie warum, fand keine Freunde und weinte mich deshalb oft in den Schlaf.
Mama… Papa… warum habt ihr mich nur alleine gelassen? In diesem ersten Heim war ich bis ich neun Jahre alt wurde und noch heute verbinde ich damit: Angst – Einsamkeit – Hoffnungslosigkeit.
*-*-*
An diesen Tag erinnere ich mich noch sehr genau. Ein mir fremder Mann besuchte das Haus und schaute sich alles sehr genau an. Als wir alle zusammen zu Tisch saßen und aßen, kam der Mann dann auch zu uns.
„Ich wollte euch nur sagen, dieses Haus wird geschlossen und ihr werdet auf andere Heime verteilt.“
Alle freuten sich riesig. Denn nie war jemand zu Besuch gekommen. Nie kam einer, der hier im Haus ein Kind haben wollte. Und wir alle wollten Familie und freuten uns darauf, diesen Bunker verlassen zu dürfen.
Vielleicht fand ich jetzt einen richtigen Freund. Gut ich hatte hier auch Freunde gefunden, aber es war nicht so richtig das, was ich wollte. Der Tag kam, wo wir unsere wenigen Habseligkeiten einpackten und vorgebracht wurden.
Die bestehenden Freundschaften wurden zerrissen, keiner achtete darauf. Es war egal wie sehr man schrie, sich wehrte, keiner nahm Notiz davon. Mit zwei älteren Jungen wurde ich weggebracht.
Das neue Haus war viel schöner, es hatte sogar einen Spielplatz. Als ich ihn zum ersten Mal sah, träumte ich davon, darauf spielen zu dürfen. Wieder bekam ich ein Zimmer und musste das Zimmer diesmal nur mit zwei anderen Jungen in meinem Alter teilen.
Sie erzählten mir, dass wir auch gemeinsam die gleiche Schule besuchen würden. Ich war froh darüber, dass ich das alte Haus nie wieder betreten musste, dass ich in dieses Haus wechseln konnte. Wollte ich doch endlich richtige Freunde finden.
Die Betreuer hier waren viel netter, sie kümmerten sich um uns und nahmen sich Zeit. Ich genoss jede Umarmung, es war schön von ihnen in den Arm genommen zu werden. Sie kamen sogar nachts, wenn man schlecht geschlafen hatte und weinte.
Es kam mir vor wie in einem Paradies. Das erste Mal seit langem spürte ich so etwas wie Geborgenheit und Wärme. Ich durfte hier so viel spielen wie ich wollte und das tat ich dann auch endlich richtig Kind sein.
So wuchs ich heran, Der Tagesablauf war stets derselbe, mein Leben verlief immer im gleichen Rhythmus. Aufstehen – Frühstücken – Schule – Mittagessen – Hausaufgaben und Lernen – Spielen – Abendessen – Bett gehen. Sechs weitere Jahre vergingen.
Wir waren alle auf einem Stockwerk mit mehreren Zimmern untergebracht. Marianne, unsere Betreuerin, wohnte hier ebenfalls. Ich teilte nach wie vor mein Zimmer mit Gregor und Andreasas, die auch schon bei meinem Einzug im Zimmer wohnten.
Ich verstand mich recht gut mit den beiden. Mit Marianne, die schon fünfzig war, verstand ich mich ebenso prima, denn ich konnte mit allem zu ihr kommen und erzählte ihr auch alles. Sie war es auch, der ich es als erstes erzählte.
Was das war? Dass mir immer bewusster wurde, dass mich eigentlich mehr die Jungs interessierten als die Mädchen. Ich hatte mir stundenlang vorher zu Recht gelegt, wie ich ihr das sagen wollte. Aber als ich vor ihr stand, wurden meine Knie weich und ich konnte nur noch stottern.
Sie lächelte und meinte, sie wüsste das schon länger. Total erstaunt und überrascht schaute ich sie an. Das war besser gelaufen als ich dachte.
Ich wurde bald siebzehn, und der Tag kam, an dem sich alles für mich veränderte.
*-*-*
Ich hatte mich dazu entschlossen nach der Schule in die Stadt zu fahren. Mein Geld war zwar knapp, aber ich wollte meiner Betreuerin Marianne unbedingt etwas zum baldigen Geburtstag schenken.
In der Stadt angekommen bummelte ich so durch die Geschäfte, konnte mich aber nicht so recht für irgendetwas entscheiden. Irgendwie war für Marianne nichts Gescheites dabei. Ich wusste auch gar nicht so recht, was ich eigentlich für sie holen sollte.
Also schlenderte ich weiter von einem Schaufenster zum nächsten und da wurde ich plötzlich doch fündig. Ich hatte an einer Schaufensterpuppe ein wunderschönes Halstuch entdeckt. Es war dunkelrot und wurde zur Mitte hin immer heller, ein schwarzes Muster zierte das Ganze.
Ihre Lieblingsfarbe war zwar blau, aber ich wusste, ihr würde das sicher gefallen. Ich drückte meine Nase an die Fensterscheibe und mein Blick wanderte nach unten, wo das Preisschild stand. UPS! Das war doch etwas teurer, als ich eigentlich geplant hatte.
In Gedanken zählte ich noch einmal mein Geld, denn es musste noch für den Bus reichen und ein Schokoladeneis wollte ich mir ja auch noch kaufen. Ich zog meinen Geldbeutel heraus und zählte das Geld nochmals.
Mist, für ein Schokoladeneis würde es nicht mehr reichen. Ich seufzte. Mein Blick wanderte wieder zum Preisschild, dann zum Geld in meiner Hand und am Schluss zum Halstuch im Schaufenster.
Schweren Herzens betrat ich den Laden und fragte nach dem Halstuch. Es wurde gebracht und ich ließ es als Geschenk einpacken. Danach bezahlte ich und verließ den Laden wieder. Traurig lief ich nun zur Bushaltestelle.
Ich hatte mich so auf mein Schokoladeneis gefreut. Und wie sollte es anders sein, lief ich auf dem Weg zum Bus an meiner Lieblingseisdiele vorbei. Sehnsüchtig blieb ich stehen und sah hinein.
Plötzlich spürte ich von hinten einen harten Stoß und fand mich auf dem Boden wieder. Man, was sollte das? Mein Hintern tat fürchterlich weh. Ich war sauer und wollte das auch gleich lautstark von mir geben.
Ich schaute nach oben und mir blieben die Worte im Halse stecken. Da stand wohl der süßeste Typ, der mir je unter die Augen gekommen war. Ich war zu gar nichts mehr fähig und starrte ihn mit offenem Mund an.
Das schien so lustig auszusehen, dass mein Gegenüber laut auflachte. Oh mein Gott, dieses Lachen, das machte ihn noch viel süßer. Er beugte sich nach vorne und streckte mir die Hand entgegen.
„Tut mir leid, ich habe dich nicht gesehen. Hast du dir wehgetan?“
Ich griff nach seiner Hand und er zog mich mit Schwung nach oben. Ich hatte aber wohl zu viel Schwung drauf, denn ich stieß dabei gegen ihn. Ich konnte dabei sehr genau die Muskeln unter seinem Shirt spüren. Er war etwas größer als ich und hatte wunderschöne Augen, die nun dicht vor mir waren.
Ich drohte in diesen hellbraunen Augen zu versinken, die mir strahlend entgegen schauten. In weiter Ferne nahm ich war, dass er immer noch mit mir redete.
„Ist wirklich alles in Ordnung?“
Nickend stotterte ich etwas zusammen, dass eigentlich ein Ja hätte werden sollen.
„Du, ich würde dich gerne auf ein Eis einladen… so als Entschuldigung, dass ich dich über den Haufen gerannt habe.“
Ich nickte eifrig, weil mich das ja doch noch ans Ziel meines Wunsches, mein Schokoladeneis zu bekommen, näher brachte. Hatte ich mich doch den ganzen Tag so auf mein Eis gefreut. Und mit ihm würde das bestimmt noch schöner und interessanter.
Ich spürte, wie ich mich schon jetzt in diesen Typ verliebte, obwohl ich noch überhaupt nichts über ihn wusste. Er betrat die Eisdiele und ich folgte ihm. Drinnen setzten wir uns an einen Tisch. Er reichte mir die Karte, die ich sehr interessiert studierte.
Als ich jedoch die Preise sah wurde mir ganz anders. Ich konnte doch nicht von einem Fremden, zwar einem wunderschönen, aber dennoch für mich Fremdem so etwas annehmen. Ich entschloss mich deshalb für nur eine Kugel Schokoladeneis.
Ich fühlte mich dabei einfach wohler, obwohl es mir der Schokoladenbecher schon angetan hätte. Irgendwie schaffte ich es aber, ihm keine größere Aufmerksamkeit zu schenken. Dann kam die Kellnerin.
„Ich möchte den Früchtebecher“, sagte er zur Bedienung.
Ich wollte gerade ansetzen und meine Kugel Schokoladeneis bestellen, als er einfach weiter redete.
„Für ihn den Schokobecher!“, sagte er und lächelte mich dabei süß an.
Ich konnte ihn nur mit großen Augen anstarren, während uns die Bedienung wieder verließ.
„He, ich hab doch gesehen wie du große Augen bekamst bei dem Schokobecher.“
Ich spürte, wie mein Gesicht eine ordentliche rote Farbe bekam und wusste nicht so recht wie ich reagieren sollte. Ich empfand den Eisbecher wirklich als sehr teuer.
„Ich bin Christoph und wie heißt du?“
„Mein Name ist David.“
„Ein schöner Name für so einen süßen jungen Mann!“
Konnte man noch röter werden? Ja, eindeutig, man konnte. Ich machte sicherlich jeder Erdbeere in dieser Eisdiele Konkurrenz.
„Danke“, sagte ich leise.
„He, es tut mir wirklich leid mit dem Zusammenprall.“
Den hatte ich schon lange vergessen, denn seine Augen waren viel interessanter. Bis das Eis kam, schwiegen wir dann beide und als ich den Schokobecher sah, lief mir das Wasser im Mund zusammen.
Ich konnte nichts anderes als Christoph glücklich und dankbar anzulächeln. Noch nie hatte ich so einen tollen Schokobecher gehabt. Er lächelte zurück und ich machte mich langsam daran, mein Schokoladeneis Löffel für Löffel zu essen. Dass Christoph mich dabei beobachtete, war mir nicht bewusst.
„Und, schmeckt dein Eis?“
Ich konnte nur total strahlend nicken. Dabei schaute ich ihn auch etwas länger an.
„Warum hast du mich umgelaufen?“, rutschte es mir plötzlich heraus
Erstaunt sah er mich an.
„Ich hatte es etwas eilig. Ich wollte meinen Bus noch bekommen. Aber es war gut so, dass ich dich umgelaufen hab?“
„Warum denn das? Das tat weh.“
Skeptisch sah ich ihn an.
„Na, sonst hätte ich dich Süßen nie kennen gelernt.“
„Ich bin nicht süß“, schmollte ich.
Ich mochte es nicht, süß genannt zu werden. Ich war da nämlich anderer Meinung.
„Und wenn du schmollst, bist du noch süßer“, ärgerte er mich.
Ich streckte ihm die Zunge raus und widmete mich wieder meinem Eisbecher. Er fing an, von sich zu erzählen. Ich erfuhr dabei, dass er zwanzig Jahre alt sei und sagte ihm, dass ich sechzehn, aber bald schon siebzehn werde würde.
„Wohnst du hier in der City?“, fragte er.
„Nein, ich wohn etwas außerhalb“, erklärte ich und fügte noch den Stadtteil hinzu.
Wir stellten fest, dass Christoph gar nicht so weit von mir weg wohnte. Während ich genüsslich an meinem Eis schlemmte, redeten wir munter weiter. So erfuhr ich auch, dass Christoph ein Ire war und schon seit fünf Jahren in Deutschland lebte.
Er würde gerade eine Ausbildung zum Tischler machen. So erzählte ich, dass ich das Abi machen wollte und wir redeten eine Weile über das Abitur. Dann bat ich ihn, mir doch etwas von Irland zu erzählen.
Da war es sicher sehr schön. Er schwärmte mir so von seiner Heimatstadt Galway vor, dass ich richtig neidisch wurde. Christoph erzählte auch, dass er nun ganz alleine leben würde, da seine Eltern wieder nach Irland zurückgegangen wären.
Ich saß da und lauschte seiner schönen Stimme. Dass ich im Heim lebte, erzählte ich ihm nicht, weil ich irgendwie Angst vor seiner Reaktion hatte. Er würde sicher aufstehen und gehen, wollte sicher nichts mehr mit mir zu tun haben, so wie viele vor ihm auch.
*-*-*
Nach dem Eisessen gingen wir dann gemeinsam zur Bushaltestelle, weil wir mit dem gleichen Bus fahren mussten. Das Gespräch ebbte nicht ab, auch wenn meistens nur Christoph redete.
Ich traute mich noch nicht so recht, zudem konnte Christoph so schön erzählen, war so lieb und nett. Dann kam aber die Haltestelle, an der ich raus musste und irgendwie war ich traurig. Er beugte sich zum Abschied zu mir rüber und nahm mich kurz in den Arm.
Ich bekam große Augen, denn das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht. Dann gab er mir noch die Hand und ich wunderte mich, dass er mir gleichzeitig etwas in die Hand drückte. Als ich ausgestiegen war, las ich neugierig den Zettel.
Da standen sein Name und die Telefonnummer. Ich schaute auf und sah wie der Bus losfuhr, konnte aber noch einen kurzen Blick auf Christoph erhaschen. Ich sah, wie er mich anlächelte und mir noch zuwinkte. Lächelnd blieb ich stehen, bis der Bus außer Sichtweite war.
Im Laufschritt lief ich zum Heim und dort direkt zu Marianne. Ich musste ihr unbedingt sofort erzählen, wie ich Christoph kennen gelernt hatte.
„Dich hat es ja schwer erwischt“, lächelte sie mir zu und ich strahlte sich glücklich an.
Als ich dann abends im Bett lag, dachte ich noch sehr lange über den Nachmittag nach. Es war so wunderschön,
Chris sah toll aus und war so lieb zu mir gewesen. Und das, obwohl er mich noch nicht einmal kannte. Mit einem Lächeln schlief ich ein, nicht sicher, ob ich mich tatsächlich trauen würde ihn anzurufen.
Der nächste Tag begann sehr mühsam. Müde stand ich auf und schleppte mich ins Bad. Jedes Mal wenn ich etwas begann, hielt ich inne und dachte an Christoph. Immer wieder schweiften meine Gedanken zu ihm ab. Egal was ich tat, immer musste ich an ihn denken. Das war merkwürdig.
Nie wäre mir der Gedanke gekommen, dass meine Hormone so verrückt spielen könnten und schon gar nicht, da ich Christoph nicht mal richtig kannte. Wie jeden Morgen auf dem Weg zur Schule traf ich Andreas, meinen besten Freund.
Ich erzählte ihm nichts von dem gestrigen Tag, nichts von Christoph und auch nicht von meinen Gefühlen. Aus Angst, Andreas könnte mir die Freundschaft aufkündigen, hatte ich ihm nie erzählt, dass ich auf Jungs stand.
Der Gedanke nicht zu wissen, wie Andreas dazu stand, quälte mich zwar sehr, doch ließ ich mir das nie anmerken. Später in der Schule fiel es mir immer schwerer mich zu konzentrieren. Christoph war in meinen Gedanken immer gegenwärtig.
Dies schien auch den Lehrern aufgefallen zu sein, denn sie beobachteten mich irritiert, sprachen mich aber nicht darauf an. Es war bisher noch nie meine Art gewesen, derart abgelenkt den Unterricht zu versäumen. Natürlich war das auch Andreas nicht entgangen und in der nächsten Pause begann er, mich mit Fragen zu löchern.
Meine eiserne Stille hielt dabei nur bis zum Ende des Tages. Dort konnte er mir entlocken, dass ich verliebt sei. Nichts wissend, zählte er alle Mädchen auf, die uns beiden bekannt waren und wartete vergebens auf ein bejahendes Nicken von mir. Andreas konnte ja nicht ahnen, dass er völlig danebenlag und in eine falsche Richtung dachte.
Gegen späten Mittag kam ich dann endlich ins Heim zurück. Ich wollte Marianne aufsuchen, doch sie war nicht da. Eigentlich wollte ich auch gar nicht zu ihr, denn das Objekt meiner Begierde, befand sich im Nachbarzimmer, das man aber eben nur durch Mariannes Büro erreichen konnte.
So lief ich einfach weiter und betrat das Nebenzimmer, in dem das Telefon stand.
Eigentlich war das Telefon zwar extra für uns eingerichtet worden, es befand sich aber in Mariannes Nähe, da sie ein Auge drauf hatte, wie lange wir am Telefonieren waren. Die Tür stand eigentlich immer offen.
Wenn sie mal verschlossen war, wussten wir gleich, es war bereits jemand am Telefonieren. Ich hatte Glück, die Tür war offen. Nervös kramte ich den Zettel mit Christophs Nummer aus meiner Hosentasche und sah sie lange an.
Las immer wieder die Zahlenfolge und Christophs Namen, der darüber stand. Dann atmete ich tief durch und griff endlich nach dem Hörer. Langsam begann ich die Nummer einzugeben, doch schon nach ein paar Zahlen vertippte ich mich total.
Meine Hände zitterten und so blieb es nicht aus, dass ich mich auch beim zweiten Mal verwählte. Aber man sagt ja, aller guten Dinge sind drei. Und dies Mal erfolgreich. Ich konnte ohne Fehler die komplette Nummer eingeben.
Doch schon nach dem zweiten Klingeln bekam ich einen solchen Schiss, dass ich gleich wieder auflegte. Das Chaos wütete in meinem Hirn, so viele Fragen tauchten auf. Was, wenn mich Christoph nur verarschte, wenn er das gar nicht ernst meinte?
Vielleicht stimmt ja nicht mal die Nummer und ich hätte irgendjemand Fremdes dran. Und überhaupt. Was sollte ich denn sagen, wenn er abnahm? Ich schüttelte meinen Kopf, als könnte ich diese Gedanken damit wegschleudern. Ich versuchte mit Herzrasen ein zweites Mal die Nummer anzuwählen.
Doch wieder verließ mich der Mut, legte nach dem zweiten Klingeln auf. Eine ganze Weile saß ich noch vor dem Telefon und starrte es an. Irgendwann entschloss ich mich dann, es morgen einfach noch einmal zu versuchen.
*-*-*
Doch auch am nächsten Tag schaffte ich es nicht, lange genug klingeln zu lassen. Immer wieder verließ mich der Mut. So vergingen sage und schreibe zwei weitere Wochen, ohne dass ich mich getraut hätte Christoph anzurufen.
Als ich mich dann endlich dazu überwinden konnte, länger zu warten und Christoph ans Telefon zu bekommen merkte ich, dass mein Zettel mit der Nummer verschwunden war. Panisch rannte ich in dem Zimmer umher, doch ich fand den Zettel nicht.
Peinlich genau suchte ich den Weg ab, den ich gekommen war, aber nichts – kein Zettel – keine Nummer von Christoph. Wie sollte ich denn da Kontakt zu Christoph aufnehmen? Tod traurig lief ich zurück zu Mariannes Büro, wo ich die Inhaberin auch gleich antraf.
„David, was ist denn los, warum schaust du so traurig?“, fragte sie mich.
„Ich hab ihn verloren…“
Sie stand auf und nahm mich in den Arm.
„Was hast du verloren?“
„Den Zettel, wo Christophs Nummer drauf steht…, jetzt weiß ich nicht, wie ich ihn erreichen soll“, schluchzte ich.
Marianne versuchte mich so gut wie möglich zu trösten, aber es gelang ihr nicht richtig. Zwei Tage später klopfte es an unserem Zimmer und Marianne schaute herein.
„David, kommst du mal, Telefon für dich.“
„Wer ist denn dran?“, fragte ich verwundert, aber sie reagierte nicht, sondern verschwand wortlos wieder auf den Flur.
Also folgte ihr und in ihrem Büro angekommen, hielt sie mir einfach nur den Hörer hin immer noch ohne etwas zu sagen.
„Ja? David hier, wer da?“, meldete ich mich am Telefon.
„Hi, ich bin es, Christoph.“
Vor Schreck ließ ich fast den Hörer fallen.
„Bist… bist du es wirklich?“, fragte ich unsicher.
Er begann zu lachen
„Ja bin ich, oder kennst du noch einen anderen Christoph?“
Ich konnte es nicht fassen.
„Ähm, wie kommst du denn an meine Nummer?“, fragte ich erstaunt.
„Marianne hat wohl deinen verlorenen Zettel wieder gefunden und mich dann angerufen. Sie erzählte mir auch, dass du sehr oft probiert hast, mich anzurufen, aber dich dann doch der Mut verlassen hat.“
Oh man, war das peinlich, ich spürte wie die Röte in mein Gesicht stieg. Na ja, diesmal konnte er das wenigstens nicht sehen.
„Hey, nicht rot werden“, hörte ich ihn plötzlich sagen.
Ich bekam große Augen, woher wusste er das jetzt?
„Was… woher…?“
„Och, ich habe es mir einfach gedacht“, antwortete er, obwohl ich meine Frage gar nicht richtig aussprechen konnte, „aber ist ja nicht so schlimm und ich bin mir sicher, die Röte steht dir gut und du wirst noch süßer!“
„Ich bin nicht süß!“, schmollte ich.
„Doch bist du, keine Widerrede!“
Ich schmollte weiter.
„Das Schmollen lässt dich noch viel süßer aussehen.“
Hä?
„Woher weißt du, dass ich schmolle?“, fragte ich verwundert, „ich könnte ja auch lachen oder so.“
Plötzlich blieb es still… es kam keine Antwort mehr von Christoph. Hatte ich etwas Falsches gesagt? Doch dann kam eine Antwort, mit der ich auf keinem Fall gerechnet hätte.
„Dreh dich um!“
Diese Aufforderung hörte ich nicht mehr aus dem Telefonhörer, denn dort war nur noch ein Tut-Zeichen zu hören. Ich hörte Christophs Stimme direkt hinter mir. Langsam drehte ich mich um und konnte es nicht fassen.
Dort stand Christoph in der Tür, mit seinem Handy in der Hand. Ich hatte das Gefühl, komplett abzudrehen. Christoph stand tatsächlich hier… HIER bei mir… hier im Heim.
Ich wusste gar nicht, was ich jetzt machen sollte. Christoph stand einfach nur mit einem süßen Lächeln vor mir und ich starrte ihn überrascht an. Dann kam er näher und tippte mir auf die Schulter, erst dadurch löste sich meine Starre.
„Haaa…lloo“, stotterte ich.
„Hallo“, begrüßte mich Christoph.
Ich konnte noch immer nicht fassen, dass er wirklich hier bei mir war. Die ganze Zeit hatte ich gedacht, ich würde ihn nie wieder sehen. Schon spürte ich, wie meine Augen feucht wurden und die ersten Tränen über meine Wangen liefen.
Christoph streckte die Hand aus und wischte die Tränen ganz sanft weg. Ich konnte nicht anders und lächelte ihn nur an. Mich hielt jetzt einfach nichts mehr und ich warf mich ihm an den Hals.
Laut schluchzend hing ich an Christoph, unglaublich froh darüber, dass er gekommen war. Er strich mir leicht über den Rücken, versuchte mich mit leisen Worten, sanft in mein Ohr geflüstert, zu beruhigen.
Langsam begann seine Stimme ihre Wirkung zu zeigen und ich wurde wieder ruhiger, blieb aber trotzdem in seinen Armen. Es war so schön, so wohltuend, seine Nähe und Wärme zu fühlen. Seine kräftigen Arme zu spüren, die sich um meinen Rücken schlossen.
Seine Hände, die an meinem Rücken kraulten – doch halt! – was mach ich hier überhaupt, was soll Christoph denn von mir denken??
Verlegen versuchte ich mich aus der Umarmung zu lösen, doch Christophs starke Arme hielten mich weiterhin fest umschlugen. Nur um mir in die Augen schauen zu können lockerte er den Griff leicht.
Ich versank in diesen wunderschönen Augen, die ein warmes Lächeln ausstrahlten und Christoph spürte das natürlich. Die Röte im meinem Gesicht brannte auf den Wangen. Langsam zog er mich auf das Sofa, das hier im Telefonzimmer stand.
Meine Hand ließ er dabei nicht los. Ich konnte nicht anders und strahlte mit der Sonne um die Wette, denn ich war so froh ihn endlich wieder zu sehen. Nie hätte ich gedacht, mich so in einen Jungen verlieben zu können und dann auch noch in einen, den ich so gut wie gar nicht kannte.
Ich wusste nicht, wie lange Christoph und ich auf dem Sofa Händchen haltend saßen, denn als plötzlich Marianne herein kam, fuhren wir erschrocken auseinander.
„Ich wollte eigentlich nur wissen, ob Christoph zum Essen bleibt“, fragte Marianne lächelnd.
„Ja, danke gerne“, antwortete Christoph leise.
„Was seid ihr Jugendlichen nur immer so schreckhaft?“, meinte sie und verließ grinsend das Zimmer.
Ich freute mich wahnsinnig, so hatte ich Christoph noch etwas länger bei mir. Fast schon frech schnappte mir einfach wieder Christophs Hand und zog ihn in mein Zimmer. Ein kurzer Blick und ich war gewiss, dass Andreas und Gregor nicht in unserem Zimmer waren.
Das war mir gerade Recht. Christoph schaute sich etwas um, bevor wir uns auf mein Bett fallen ließen.
„Warum…, warum bist du gekommen?“, fragte ich zögerlich, als Christoph mir mit seinem Daumen über die Handfläche strich.
„Ich wollte dich einfach wieder sehen, denn ich war schon traurig, dass du nicht angerufen hast.“
Wieder verlegen sah ich ihn an und schämte mich.
„Aber als Marianne mich anrief, dass du dich nicht richtig getraut hast mich anzurufen, aber so eine Sehnsucht nach mir hattest, habe ich mich richtig gefreut. Ich hab dann alles stehen und liegen lassen und bin sofort hierhergekommen. Ich wollte unbedingt mit dir reden und dich wieder sehen!“
Bei diesen Worten strahlte ich wie ein Flutlicht. Bis zum Essen unterhielten wir uns dann über alles Mögliche. Er erzählte von sich, seiner Ausbildung zum Tischler, seiner Familie in Irland. Aber spätestens wenn das Gespräch auf meine Vergangenheit zielte, wurde ich stumm.
Christoph schien das zu merken, fragte aber nicht weiter nach. Irgendwie war ich froh darüber, denn ich wollte nicht darüber reden, auch nicht darüber nachdenken.
Draußen auf dem Flur erklang der Gong zum Essen und wir gingen zusammen nach unten. Als wir den Speiseraum betraten, flogen sämtliche Köpfe herum und die Blicke aller Anwesenden hafteten an Christoph. Gut, ihn kannte ja keiner. Schweigend setzten wir uns, Christoph saß dabei zwischen mir und Marianne.
Die beiden unterhielten sich angeregt und verstanden sich recht gut. Als wir mit dem Essen fertig waren, gingen wir nach draußen in den Garten. Ich hatte gesehen, wie Gregor und Gregor nach oben ins Zimmer liefen, da war der Entschluss, nach draußen zu gehen leicht gefallen.
Ich wollte schließlich mit Christoph alleine sein. Als wir da so liefen, schnappte sich Chris, wie ich ihn jetzt nennen durfte, meine Hand. Heimlich schielte ich immer wieder zu ihm und als er das merkte, lächelte er breit.
Unsere Finger verhakten sich ineinander und am Spielplatz angekommen, setzten wir uns auf eine Bank. Ich wusste nicht recht, was ich machen sollte, so spielte ich mit Chris Fingern. Plötzlich spürte ich wie er mit der anderen Hand mein Kinn anhob, so dass ich ihn anschauen konnte.
Ich sah in seine leuchtenden Augen und versank regelrecht in ihnen, bekam nicht mal richtig mit, dass Chris sich mir unaufhörlich näherte. Erst als seine Lippen die meinen fast berührten, nahm ich wahr, wie dicht Chris mir war.
Ich schloss die Augen und wartete, was geschah. Und dann plötzlich, spürte ich sie. Chris warme und weichen Lippen. Er schmeckte so süß wie Honig. Der Kuss war nur ganz sanft, doch meinen Körper durchfuhr es, als würde ich in eine Steckdose fassen.
Überall kribbelte es. Dann löste sich er sich wieder, viel zu früh für meinen Geschmack. Langsam öffnete ich meine Augen und wieder sah ich in Chris lächelndes Gesicht. Er beugte sich abermals vor und gab mir noch einen Kuss.
Seine Lippen aber blieben geschlossen, keine neugierige Zunge, die versuchte in mich einzudringen. Als er sich wieder von mir löste, strahlte ich ihn an. Er legte seinen Arm um mich und zog mich näher an sich. So saßen wir eine ganze Weile und genossen einfach die Nähe des Anderen. Kein Wort störte diese Stille.
Ich hätte ihm so gerne erzählt, dass ich mich in ihn verliebt hatte, aber ich traute mich nicht. Die Angst in mir, er küsste mich einfach aus Spaß war größer als mein Mut. Ich wusste wirklich nicht, was ich machen sollte und vor allem nicht, wie ich damit umgehen sollte.
Ein paar Tränen verließen meine Augen. Als Chris das bemerkte, drehte er mich zu sich.
„Was ist los, David? Warum die Tränen?“
Sanft wischte er die Tränen weg und gab mir einen zärtlichen Kuss auf meine Stirn. Ich konnte nicht antworten, war ich doch selbst total verwirrt. Plötzlich zog er mich noch dichter zu sich, bis ich auf seinem Schoss saß. Er wiegte mich hin und her, wie ein kleines Kind, aber das war mir egal, denn es fühlte sich gut an, ich fühlte mich geborgen.
„Also, was ist los, David?“
„Wa… warum… hast du… mich… geküsst…?“, fragte ich stotternd.
Er schaute mir in die Augen und lächelte.
„Weil ich mich in dich verliebt habe, David. Schon bei unserer ersten Begegnung, als du vor mir auf den Boden lagst, dachte ich, der und kein anderer. Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?“
Ungläubig sah ich ihn an. Konnte es wirklich sein? Mein Traummann hatte sich in mich verliebt? Meine Ungewissheit übertrug sich irgendwie auf Chris. Sanft wiederholte er die Worte immer wieder.
„Ich liebe dich…“
Ich sah dabei in seine Augen, sie strahlten so herrlich und sahen so ehrlich aus. Ein Lächeln überzog mein Gesicht.
„… ich dich auch“, erwiderte ich leise.
Er drückte mich noch enger an sich. So saßen wir dann noch eine ganze Weile da und genossen die Zweisamkeit. Als es dann langsam dunkel wurde, stupste mich Chris in die Seite.
„Du, es ist schon spät, ich muss langsam nach Hause…“, sagte er leise.
„Schon? Nur noch ein bisschen!“, quengelte ich, denn ich wollte ihn nicht gehen lassen. Wollte nicht, dass dieser Moment jemals aufhörte.
Er streichelte mir über den Rücken und ließ mich langsam vom Schoss rutschen.
„Komm, ich bringe dich zurück“, sprach er leise weiter.
Ich nickte und wir liefen Hand in Hand wieder zurück zum Heim. An der Tür gab er mir zum Abschied noch einen Kuss. Meine Knie wurden weich, es kribbelte unheimlich in meinem Magen. Chris küsste einfach himmlisch.
„Bye“, meinte er und hob seine Hand zu einer kleinen Winkbewegung.
Ich sah ihm noch nach, wie er in Richtung Bushaltestelle verschwand. So lächelnd vor der Tür des Heimes fand mich dann auch Marianne, die mich schon gesucht hatte. Ich fiel ihr um den Hals und erzählte ihr direkt alles.
Wenig später lag ich in meinem Bett und fiel von Chris träumend in einen tiefen Schlaf.
*-*-*
Als ich am nächsten Morgen erwachte, waren meine Erinnerungen wieder von Zweifel durchzogen. ER liebte mich? Wie denn? Er kannte mich nicht, wusste doch rein gar nichts von mir.
Der Traum der letzten Nacht, an den ich mich gut erinnern konnte, brachte auch keine Zerstreuung meiner Zweifel, denn er hatte genau davon gehandelt. Chris hatte mich nur verarscht – liebte mich nicht – hatte gelogen.
Gedankenverloren lief ich ins Bad, zog mich völlig aus und stellte die Dusche an. Dabei drehte ich das Wasser auf kalt. Ich wollte diese Gedanken loswerden. Doch das kalte Wasser half nichts, immer weiter riss mich der Strudel meiner Zweifel nach unten.
Immer mehr sank ich in meine eigene Welt, bekam um mich herum nichts mehr mit. Ich spürte nicht mal mehr das kalte Wasser auf meiner Haut. Hier war ich sicher, hier hatte ich keine Angst mehr und auch keinen Zweifel.
Ich bekam nicht mit, wie Gregor die Dusche betrat, mich ansprach und ich nicht reagierte. Erschrocken über meine blaue Lippen drehte er das kalte Wasser sofort hab.
„Andreas, hol bitte schnell Marianne, mit David stimmt was nicht.“
Auch diese Worte drangen nur sehr entfernt und unverständlich an meine Ohren. Ich bekam auch nicht mit, wie Marianne wenige Augenblicke später das Bad betrat und auf mich einredete. Spürte nicht, wie ich in ein Handtuch gewickelt wurde und sie mich aus der Dusche zog.
Sie redete weiter auf mich ein, doch ich verstand sie nicht. Ich war an einem Ort, an dem es mir gut ging, mir keiner etwas anhaben konnte – hier gab es keine Zweifel… keine Schmerzen.
Dass mich Marianne stehen ließ, Gregor und Andreas damit beauftragte auf mich aufzupassen, entzog sich meiner Realität.
Sie lief ins Büro, suchte Chris Nummer heraus und rief ihn an. Sie bat ihn, doch schnell zu kommen. Ich bemerkte auch nicht, dass Marianne wieder kam. Ich saß immer noch am selben Fleck, eingewickelt in ein großes Badetuch.
Dass wenig später Chris erschien, sah ich nicht. Mein Blick war festgefroren, starrte in die Leere.
„David?“, fragte Chris sanft.

Ich konnte gar nicht reagieren, denn ich spürte Chris Anwesenheit nicht. Als er mich berührte, fuhr er zusammen. Meine Haut war eisig kalt. Ich wippte nur hin und her und starrte weiterhin in die Leere.
Marianne und die beiden Jungs hatten das Bad wieder verlassen und Chris war alleine mit mir. Er kniete sich vor mich hin, sprach auf mich ein, doch das alles passierte weit weg, nicht in meiner Welt.
Von irgendwo her kam plötzlich eine Stimme.
„David, ich liebe dich, ich meinte das gestern völlig ernst! Ich möchte mit dir zusammen sein, dich besser kennen lernen. Egal was in deiner Vergangenheit passiert ist, ich liebe dich!“
Er liebt mich? War das Chris, der das zu mir sagte? Irgendetwas entriss mich meiner Welt. Langsam drang die Bedeutung dieser Worte zu mir vor. Ein Gefühl von Geborgenheit machte sich in mir breit. Ich blinzelte mit meinen Augen und konnte Chris vor mir knien sehen.
„Hallo Kleiner“, begrüßte er mich mit einem Lächeln.
Im nächsten Augenblick fiel ich ihm um den Hals, schämte mich, dass er mich in diesem Zustand sah, begann zu weinen. Aber ich weinte auch, weil ich froh war, dass er bei mir war.
Wie auf dem Spielplatz gestern, zog er mich auf den Schoss und wiegte mich hin und her.
„He, nicht weinen, David. Du brauchst dich doch nicht schämen, das ist doch egal! Ich liebe dich! Ich würde gerne immer für dich da sein, wenn du mich lässt, will dich nicht im Stich lassen“, hörte ich seine leise Stimme an meinem Ohr.
Ich lächelte ihn an und bemerkte langsam spürbare Kälte in mir aufsteigen. Zähneklappernd sah ich ihn an. Er hob mich hoch, stellte mich auf meine Füße, ging zur Dusche und stellte sie auf warmes Wasser ein. Dann drehte er sich wieder zu mir.
„Du stellst dich jetzt unter die warme Dusche und wärmst dich wieder auf. Ich warte solange draußen im Zimmer“, sagte er lächelnd, aber besorgt.
Ich nickte nur und er verließ das Bad, aber nicht ohne mir vorher noch einen Kuss zu geben. Dann war ich wieder alleine. Zaghaft stieg ich unter die warme Dusche.
*-*-*
Als ich eine halbe Stunde später, aufgewärmt und fertig angezogen, wieder ins Zimmer trat, saß Chris wirklich da und wartete auf mich. Ich lächelte ihn an, wusste aber nicht so recht, was ich machen sollte.
Er streckte seine Hand aus, die ich auch ergriff, und zog mich wieder auf seinen Schoss. Wieder legte er seine starken Arme um mich und das Gefühl der Geborgenheit kehrte sofort zurück. Leise öffnete sich die Tür und Marianne steckte den Kopf herein.
Als sie mich auf Chris Schoss sitzen sah, lächelte sie.
„Und David, geht es dir jetzt besser?“, fragte sie leise.
Ich nickte leicht.
„Kommt ihr zwei dann essen?“, fragte sie weiter.
Doch bevor ich antworten konnte, stand Chris auf, stellte mich auf den Boden und zog mich zum Zimmer hinaus. Hier wurde mir wohl meine Entscheidung abgenommen. Als wir zum Speiseraum hinunter liefen, spürte ich auch einen riesigen Hunger in mir aufkommen.
Das Essen verlief wie immer ruhig und am Rande bekam ich mit, dass Marianne meine zwei Zimmergenossen Gregor und Andreas bat, doch hier unten zu bleiben. So konnte ich wieder ungestört mit Chris in mein Zimmer zurück gehen.
Dort angekommen stellte ich mich ans Fenster und starrte hinaus. Ich wollte nicht über das Vorgefallene reden, hatte Angst, dass mich Chris doch noch verlassen könnte. Er schien dies zu merken, denn er trat nur still hinter mich, legte seine starken Arme um meinen Bauch und zog mich an sich.
So lehnte ich mich an ihn und genoss dieses Gefühl von Sicherheit. Er fragte mich nicht darüber aus, was geschehen war und ich war ihm sehr dankbar dafür. Dankbar, dass er mich nicht bedrängte. Irgendwann musste ich ihm das sicherlich erzählen, aber nicht heute.
So standen wir eine ganze Weile einfach nur da und schauten gemeinsam zum Fenster hinaus. Hinter uns ging die Tür auf, Gregor und Andreas betraten den Raum.
„Habt ihr Lust, Mensch ärgere dich nicht zu spielen?“, fragte Andreas.
Mir kam in den Sinn, dass sie absichtlich ins Zimmer kamen, einfach um mich abzulenken. Da Mensch ärgere dich nicht schon seit langer Zeit mein Lieblingsspiel war, war ich natürlich gleich Feuer und Flamme.
Chris nickte mir zu und wollte auch mitspielen. So saßen wir den ganzen Mittag da und spielten. Mit Feuereifer fegte ich die anderen vom Spielfeld und gewann somit fast alle Spiele.
Wir lachten viel, mein Zusammenbruch vom Morgen war fast vergessen. Je später es wurde, umso mehr kuschelte ich mich an Chris. Ich wollte nicht, dass er ging, wollte nicht alleine sein.
Er schien das wieder zu spüren, denn er zog mich dichter an sich.
„Soll ich hier bleiben?“, fragte Chris.
Davor aber hatte ich genauso Angst. Er schaute mich sanft an.
„Nicht vergessen, ich liebe dich! Nicht mehr dran zweifeln“, flüsterte er mir ins Ohr.
Gregor und Andreas hatten das Zimmer inzwischen wieder verlassen, so drehte ich mich zu Chris um und sah ihn schüchtern an.
„Ich… ich hab heut Nacht… schlecht geträumt…“, fing ich stotternd an.
„Von was hast du denn geträumt?“, fragte Chris mit sanfter Stimme.
„Von dir…, dass du… dass du nur aus… Spaß geküsst hast und… und mich nicht… lieb hast. Ich wollte den Traum… vergessen, bin unter die Dusche gestiegen… habe kaltes Wasser aufgedreht… und irgendwann war alles weg…“
Nachdem Chris dies gehört hatte, nahm er mich fest in seine Arme. Allein diese Nähe zu ihm ließ mich völlig ruhig werden.
Doch so ungern ich ihn auch gehen ließ, auch er musste mal nach Hause gehen.
Wie am Tag zuvor bekam ich auch diesmal einen Abschiedskuss, nur war dieser noch viel sanfter. Ich lächelte ihn an und brachte ihn runter zur Haustür. Auch dort bekam ich noch einen Kuss. Als er dann außer Sichtweite war, betrat ich wieder das Haus und lief zu Marianne hoch, die wie immer um diese Zeit in ihrem Büro war.
„Duhu… Marianne…“, begann ich.
„Ja?“
„Danke, dass du Chris gerufen hast!“
Sie lächelte mich an und meinte: „Ich bin froh, dass du jemanden hast, der dir helfen kann!“
*-*-*
Ich war total aufgeregt und saß schon die ganze Zeit mehr als hibbelig in meinem Zimmer. Ich wartete auf Chris, der gesagt hatte, dass er mich abholen käme und wir dann zusammen wohin gehen würden. Nur wohin wollte er mir partout nicht verraten.
Heute nun war mein siebzehnter Geburtstag und Marianne hatte bereits am Morgen eine Geburtstagsfeier für mich ausgerichtet.
Der Grund, warum ich so aufgeregt war, war Chris. Ich freute mich schon sehr auf ihn und war in Gedanken nur bei ihm. Ich konnte nicht fassen, dass es erst zwei Monate her war, seit ich ihn kennen gelernt hatte. Seit dem damaligen Zusammenbruch hatten wir sehr viel Zeit miteinander verbracht. Wann es nur ging, unternahmen wir etwas zusammen und so lernten wir uns endlich besser kennen. Einzig über meine Vergangenheit hatten wir noch nicht geredet, das hatte ich noch nicht fertig gebracht.
Chris und ich, wir verstanden uns trotzdem sehr gut. Er war immer so lieb zu mir, wusste immer genau, was mir gut tat. Und er ließ mir vor allem immer Zeit, drängte mich zu nichts. Bei ihm konnte ich mich so richtig fallen lassen und geborgen fühlen.

Das klopfende Geräusch an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Ich sprang sofort auf, rannte zur Tür und zog sie hektisch auf.
Wie nicht anders erwartet stand Chris vor der Tür, sein umwerfendes Lächeln ließ meine Knie weich werden. Ich griff nach seiner Hand, die er mir entgegen streckte.
„Alles Gute zum Geburtstag, David“, sagte er mit seiner sanften Stimme und diesem Lächeln.
„Danke!“
„Bist du fertig?“
„Ja klar! Und wo geht es hin?“
„Wird nicht verraten.“
Schmollend sah ich ihn an und Chris begann zu lachen.
„Du bist gemein, weißt du das?“
„Warum?“, fragte ich unschuldig.
„Wie soll man so einem Blick standhalten?“
Ich grinste ihn frech an und schloss hinter mir die Zimmertür. Er schnappte mich wieder an der Hand und zog mich zum Haus hinaus, wo Mariannes Auto stand. Als er mich direkt zu dem Wagen führte, schaute ich ihn verwirrt an.
„Ich habe Marianne gefragt, ob ich es ausleihen kann“, beantwortete Chris meine fragenden Blicke.
Er entriegelte und öffnete die Beifahrertür, damit ich einsteigen konnte. Nachdem er die Tür wieder geschlossen hatte, umrundete er den Wagen und stieg selbst ein. Als er neben mir saß, zog er mich zu sich und gab mir endlich meinen lang ersehnten Kuss.
Dann zog er wie aus dem Nichts ein schwarzes Band aus der Hosentasche hervor.
„Vertraust du mir?“, fragte Chris.
Ich nickte.
„Gut, dann verbinde ich dir jetzt die Augen und du musst versprechen nicht zu versuchen irgendwie zu gucken.“
Wieder nickte ich nur und er legte das Band um meinen Kopf, damit er es hinten festbinden konnte. Die plötzliche Dunkelheit um mich herum löste ein unwohles Gefühl in mir aus.
„He, es ist alles in Ordnung, ich bin bei dir, keine Angst.“
Chris spürte so etwas gleich.
Ich hörte, wie er den Schlüssel ins Zündschloss steckte und wenige Sekunden später startete der Motor. Langsam rollte der Wagen los. Plötzlich hielt der Wagen wieder und ich wurde noch nervöser. Ich spürte Chris Hand auf meinem Bein, wie er es beruhigend streichelte.
„Die Ampel ist rot!“, hörte ich ihn sagen.
Etwas erleichtert atmete ich durch, aber die Nervosität blieb trotzdem, auch konnte ich ein leichtes Zittern nicht verhindern. Dieses Spiel wiederholte sich einige Male, bis ich spürte, dass Chris irgendwo einparkte und der Motor erstarb.
Ich wollte schon die Augenbinde abnehmen, aber Chris hielt mich davon ab.
„Halt, noch nicht abnehmen!“, rief er, sodass ich zusammenzuckte.
Ich hörte, wie Chris seine Tür öffnete und den Wagen verließ. Wenig später öffnete sich auch meine Tür und ich spürte, wie Chris meine Hand ergriff. Immer noch zittrig und nervös stieg ich aus und Chris verschloss den Wagen wieder.
Danach stellte er sich hinter mich und löste das Band langsam. Es dauerte nur kurz, bis ich mich an die Helligkeit wieder gewöhnt hatte. Was ich dann aber sah, ließ mich aufjauchzen. Wir standen direkt vor dem Zoo.
Chris hatte sich wohl gemerkt, dass ich gerne in den Zoo gehe und wollte mich damit überraschen. Zusammen gingen wir an die Kasse, wobei eigentlich nur Chris ging. Ich hibbelte und hüpfte wie verrückt um ihn herum, sodass man es kaum noch als gehen bezeichnen könnte. Ich konnte es kaum abwarten, alles anzusehen.
Kaum hatten wir beide den Einlass durchquert, zog ich Chris bereits zu den Kamelen.
In der nächsten halben Stunde hatte sich an meinem Tempo auch nicht geändert.
„David, mach doch mal langsamer!“, rief Chris hinter mir.
„Ich will aber zu den Affen.“
Er lächelte mich an und alle meine Sorgen und negativen Gedanken waren an diesem Tag vergessen. Chris zog mich zu sich und gab mir einen Kuss. Ich war etwas schüchtern, denn so öffentlich als Paar waren wir eigentlich noch nie unterwegs gewesen.
Es war so schön, hier mit Chris Hand in Hand zu laufen. Mich störten zwar die Blicke der anderen etwas, denn manche sahen nicht sehr freundlich aus, aber ein Blick in Chris Augen und alles war wieder vergessen.
„So und nun gebe ich das Tempo vor!“, meinte er und zog mich zu einem kleinen Häuschen.
Ich strahlte von einem Ohrläppchen zum anderen, denn als ich sah, was Chris mir da kaufte, ging mir das Herz auf. Alleine für mich eine große Waffel voll Schokoeis.
*-*-*
Fast den ganzen Tag war ich mit Chris im Zoo gewesen und erst am späten Nachmittag kehrten wir ins Heim zurück. Als wir das Haus betreten hatten, suchten wir gleich nach Marianne, um ihr den Autoschlüssel zurück zu geben.
Wir fanden sie nach kurzer Zeit in der Küche, wo sie gerade dabei war ein wunderschönes Abendessen vorzubereiten. Ich sah Würstchen und Fischstäbchen, einen Topf mit Kartoffelpüree und einen, der mit Sauerkraut gefüllt war.
Meine Augen gingen beinah über, als ich dann auch noch die Schälchen mit Schokoladenpudding entdeckte und sah, wie Marianne noch mehrere Schüsselchen mit geschnittenen Erdbeeren füllte.
„Jetzt verschwindet aber, ich bin noch nicht fertig“, meinte Marianne lachend und schob uns einfach zur Küche hinaus.
So lief ich mit Chris nach oben in mein Zimmer, das wie oft um diese Zeit verlassen war. Wir ließen uns auf mein Bett fallen, kuschelten uns eng aneinander und redeten lange über den Zoo. Dabei vergaßen wir die Zeit total und waren überrascht, als Gregor plötzlich im Raum stand.
„Wollt ihr zwei denn nicht zum Essen kommen?“, fragte er nur und verschwand gleich wieder.
Wir lächelten uns an und folgten ihm nach unten. Alle anderen saßen schon am Tisch und warteten nur noch auf uns. Niemand gaffte Chris noch an, denn nun waren sie es schon gewohnt, dass er ab und an bei uns mitaß.
Das Essen verlief sehr lustig und meine Freude stieg noch mehr, als ich meine Schüssel Schokopudding essen konnte. Danach verzogen Chris und ich mich nach draußen, um zu unserer Bank zu laufen.
„Du, schau mich mal an.“
„Ja?“
„Du bist da noch verschmiert… Schokopudding.“
Er wischte mir den Mundwinkel ab und begann zu lachen. Ich konnte nicht anders und lachte mit, denn Chris Lachen war so ansteckend.
Plötzlich wurde sein Gesicht wieder etwas ernst.
„Duhu?“
„Jaha?“, fragte ich strahlend.
„Darf ich heute Nacht bei dir schlafen?“
Chris hatte dies schon öfter gefragt und ich hatte immer nein gesagt. Mir ging das alles bisher viel zu schnell. Doch heute war so ein besonderer Tag, mir ging es gut, so dass ich einfach die Frage mit einem Ja beantwortete. Ein strahlendes Lächeln zog sich über Chris Gesicht.
Da es langsam dunkel und vor allem kühl wurde, beschlossen wir, wieder in Haus zu gehen. Meine Zimmerkollegen waren noch nicht da und so zogen wir uns beide ungestört um.
Danach legten wir uns gemeinsam ins Bett und kuschelten uns ganz eng umschlungen aneinander. Es war total ungewohnt für mich, denn noch nie hatte ich Chris so direkt an mir gespürt. Aber schon nach einer kurzen Weile machte mir das nichts mehr aus, denn ich bekam endlich wieder die Geborgenheit, die ich so nötig brauchte. Es war so schön, Chris’s Arme um mich zu spüren, seine Haut und die Wärme, die von ihm ausging.
Auch dass Chris nichts von mir verlangte, mich zu nichts drängte, half mir dabei sehr. All diese Gedanken waren unheimlich schön.
„Duhu?“, fragte Chris leise.
„Jaha?“, flüsterte ich.
„Du glaubst gar nicht, wie viel mir das bedeutet, dass ich heute bei dir sein darf.“
Ich lächelte ihn an.
„Ich liebe dich!“, sagte ich leise.
„Ich dich auch!“, kam es ebenso leise zurück.
Wenig später waren beide im Reich der Träume versunken.
*-*-*
Am nächsten Morgen wurde ich früh wach und stellte erschrocken fest, dass etwas um meine Hüfte lag. Eben noch wollte ich heftig hochfahren, bis ich bemerkte, dass mein Kopfkissen klopfte.
Ich hob meinen Kopf an und sah einen Körper. Einen menschlichen Körper. Langsam kam die Erinnerung zurück, dass Chris hier geschlafen hatte und ich betrachtete lächelnd sein schlafendes Gesicht.
Chris sah so süß aus, wie er da so schlief. Nun wusste ich auch, was an meinem Ohr geklopft hatte. Mein Kopf hatte auf Chris Brust gelegen und so hatte ich seinen Herzschlag gehört. Beruhigt legte ich meinen Kopf wieder an die gleiche Stelle, wo er auch vorher gelegen hatte und lauschte seinem gleichmäßigen Herzschlag.
Während ich überlegte, was wir noch machen könnten, begann ich zu gähnen. Mir fiel beim besten Willen nichts ein. Irgendwann musste ich dann bei meinen Überlegungen wieder eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal meine Augen öffnete, war es bereits hell im Zimmer. Allerdings war das nicht der Grund, warum ich aufgewacht war, sondern vielmehr die Tatsache, dass etwas stetig über meinen Arm streichelte.
Ich hob den Kopf, sah erst zu meinem Arm und konnte Chris Hand entdecken, die unaufhörlich über meinen Arm wanderte. Dann drehte ich den Kopf und schaute ihn direkt an.
„Guten Morgen Chrisi“, sagte ich leise.
Seit geraumer Zeit sagte ich nun schon Chrisi zu ihm. Am Anfang hatte er sich immer aufgeregt, doch irgendwann gab er auf, weil ich beharrlich diesen Kosenamen weiterbenutzte.
„Guten Morgen mein Kleiner. Und gut geschlafen?“, fragte er lächelnd.
„Ja habe ich und ich bin nicht klein!“
„Doch Kleiner!“
Bevor ich mich aber nochmals beschweren konnte, spürte ich seine Lippen auf den meinen und bekam somit meinen ersten Guten-Morgen-Kuss. So wach zu werden, war einfach schön. Lächelnd kuschelten wir uns wieder eng aneinander.
So fand uns dann auch Marianne vor, die plötzlich im Zimmer stand und streng schaute. Dass sie aber nicht wirklich sauer war, erkannte ich an ihrem leichten Lächeln.
„Wollt ihr denn heute gar nicht aufstehen?“, fragte sie.
„Wieso?“, fragte ich mit meiner unschuldigsten Mine.
„Es gibt gleich Mittagessen.“
„Oh…“
„Ja oh…, also schaut, dass ihr jetzt aufsteht“, meinte sie und verließ das Zimmer wieder.
Chrisi und ich schälten uns mühsam aus den Decken und gingen nacheinander ins Bad. Als wir fertig angezogen waren, liefen wir gemeinsam zum Speiseraum hinunter, wo bereits alle versammelt waren und wieder mal auf uns warteten.
*-*-*
Nach dem Essen meinte Chrisi, dass er jetzt gehen müsse. Traurig schaute ich ihn an, aber ich verstand natürlich, dass er konnte ja nicht ständig bei mir hier im Heim sein konnte. Trotzdem wollte ich irgendwie nicht, dass er ging.
In den nächsten Tagen und Wochen verbrachten wir weiterhin viel Zeit miteinander.
Im September überraschte mich Chrisi bei einem unserer Treffen, indem er mir einen Schlüssel vor die Nase hielt.
„Für was ist der?“, fragte ich verwirrt.
„Für dich!“
„Ja und wo passt der hin?“
„Damit kannst du immer in meine Wohnung!“
Fassungslos schaute ich ihn an.
„Echt? Du meinst das ernst?“
„Klar meine ich das ernst!“
„Oh, danke Chrisi“, freute ich mich und fiel ihm um den Hals.
So konnte ich jederzeit zu Chrisi kommen, wann immer ich wollte. Und ich war gerne in Chrisi Wohnung. Sie war zwar etwas klein, aber so was von perfekt. Wahrscheinlich lag das daran, weil es seine Wohnung war.
*-*-*
Anfang November beschloss ich dann, meinen Chrisi zu überraschen. Er hatte mittlerweile so viel für mich getan, war immer für mich da gewesen, da wollte ich einfach auch ihm etwas Gutes tun. Ich hatte etwas ganz Besonderes geplant und da ich wusste, welche Arbeitszeiten er hatte, konnte ich sicher sein, dass ich alles ungestört vorbereiten konnte.
Nachdem ich mein gesamtes Geld zusammengesucht hatte, ging ich erst mal einkaufen. Ich hatte mir vorgenommen, ein wunderschönes Essen für ihn zu kochen. Nach ungefähr einer Stunde hatte ich alles beisammen, was ich brauchen würde, und machte mich auf den Weg zu Chrisi Wohnung. Ich hatte mir absichtlich einen Freitag ausgesucht, weil ich da immer schulfrei hatte. So konnte ich früh genug starten und alles in Ruhe vorbereiten.
Dort angekommen, zog ich immer noch stolz meinen Schlüssel hervor und öffnete die Wohnungstür. Leise trat ich ein und schloss die Tür wieder hinter mir.
Chris musste am nächsten Tag nicht arbeiten und somit musste er auch nicht früh zu Bett gehen. Alles Dinge, die versprachen, dass der heutige Abend ein perfekter Abend werden würde. Und ich wollte es perfekt machen.
So lief ich in die Küche und stellte meine Tasche ab. Ich wollte so viel wie möglich schon vorbereiten, damit ich später dann mehr Zeit mit Chris verbringen konnte. Das Wohnzimmer wollte ich auch noch entsprechend herrichten.
Also machte ich mich ans Werk. Da ich mich schon in Chrisi Küche auskannte, war es kein Problem für mich, alles was ich brauchte, zu finden. Ich begann mit meinen Vorbereitungen für die Kürbiscremesuppe.
Alles lief gut und so konnte ich mich anschließend dem Fisch widmen. Die Kartoffeln dazu hatte ich schnell geschält und ins Wasser gelegt. Den Fisch würzte ich und setzte einen Sud an, damit ich ihn später dämpfen konnte.
Dann machte ich mich an den Salat. Schnell war er geputzt, sodass ich ihn konnte ins Wasser legen konnte, um mich der Salatsauce zu widmen. Danach schaute ich noch mal, ob ich auch alles erledigt hatte, bevor ich mich an das Dessert wagte.
Ich wollte verschiedene Früchte im Schokoladenmantel servieren. Natürlich hatte ich bei der Vorbereitung recht oft meinen Finger in der Schokolade, es schmeckte ja auch zu gut.
Als ich in der Küche soweit fertig war, ging es weiter mit dem Wohnzimmer.
Dort schob ich Chris’s Esstisch in die Mitte des Raumes und stellte zwei Stühle dran. Als ich die Tischdecke ausgebreitet hatte, verteilte ich langsam rote Rosenblätter, die ich extra besorgt hatte. Dann stellte ich zwei flache Teller hin und darauf die Suppenteller und verteilte schnell das Besteck. Zum Schluss stellte ich noch zwei Kerzenständer mit roten Kerzen dazu. Ich war mehr als zufrieden, als ich mein Werk abschließend betrachtete.
Nun blieb nur noch das Schlafzimmer, denn das wollte ich auch besonders schön herrichten. Ich schnappte mir also die restlichen Kerzen und die Schachtel mit den Rosenblättern und wanderte weiter ins Schlafzimmer.
Ich machte erst das Bett und schlug dabei die große Decke etwas zurück. Dann verteilte ich die Rosenblätter auf den Kissen. ebenso auf der Decke und verteilte die restlichen Kerzen im Zimmer.
Das würde bestimmt ein schöner Abend werden und ich freute mich sehr darauf.
Abschließend schaute ich noch kurz in die Küche und hörte dann auch schon Chrisi’s Schlüssel in der Tür. Sofort flitzte ich in den Flur und zog die Tür auf. Chrisi sah mich so überrascht an, dass ich etwas unsicher wurde und ihn schüchtern an lächelte. Ich wusste ja noch gar nicht, ob er überhaupt von meiner Idee begeistert sein würde.
„Hallo mein Kleiner, was tust du denn schon hier“, fragte er und schloss die Tür hinter sich.
„Ich hab gedacht… ich überrasche dich… habe etwas für uns gekocht“, stotterte ich leicht.
„Echt? Das ist aber lieb“, meinte Chris, zog mich zu sich und gab mir einen Begrüßungskuss.
„Meinst du, ich kann vorher noch duschen?“, fragte er dann.
„Ja, ich mach dann schon die Suppe fertig.“
„Suppe?“, fragte er weiter und legte seine Sachen ab.
„Ja, aber lass dich überraschen“, antwortete ich und schob ihn einfach ins Bad.
„Deine Sachen bringe ich dir“, meinte ich.
Ich wollte in jedem Fall vermeiden, dass Chris schon vorzeitig das Schlafzimmer sah. Also lief ich ins Schlafzimmer, suchte seine Sachen zusammen und kam zurück ins Bad. Chrisi stand bereits unter der Dusche, deshalb legte ich ihm einfach alles hin.
Zurück in der Küche machte ich mich sofort an die Kürbiscremesuppe. Eine Viertel Stunde später kam Chrisi genau zur rechten Zeit aus dem Bad und so konnte ich die Suppe gleich im Wohnzimmer servieren.
Als er dort den Tisch sah, machte er große Augen und lächelte mich strahlend an. Dabei hauchte er mir einen Kuss auf die Wange und setzte sich auf seinen Stuhl.
Wir ließen uns sehr viel Zeit beim Essen und redeten viel, was hin und wieder durch kleine Küsse unterbrochen wurde.
Ich musste zwar immer wieder mal in die Küche, aber das störte nicht weiter.
Als ich am Schluss das auftrug, begann Chris zu lachen und sah mir ins Gesicht.
„Was denn?“, fragte ich.
„Och, ich habe nur geschaut, ob du eine Schokoschnute hast, vom vielen Naschen.“
Ich musste selber grinsen und streckte ihm die Zunge heraus. Wir fütterten uns gegenseitig mit den Früchten und mussten dabei immer wieder lachen. Es war alles so schön und ich war total glücklich.
Danach räumten wir gemeinsam das ganze Geschirr in die Küche und während Chrisi sich ans Geschirr waschen machte, lief ich schnell ins Schlafzimmer und zündete die ganzen Kerzen an. Als das erledigt war, düste ich schnell zu Chrisi zurück und half ihm noch.
Erst machten wir es uns noch im Wohnzimmer zum Kuscheln gemütlich und genossen unzählige Küsse und gegenseitige Streicheleinheiten. Plötzlich schnappte mich Chrisi und trug mich ins Schlafzimmer. Als er die vielen Kerzen sah und auch das schöne Bett, funkelten seine Augen.
Sanft legte er mich auf das Bett und kuschelte sich sofort an mich. Wir hatten nicht darüber gesprochen, es war auch völlig unbewusst, aber ein Kleidungsstück nach dem anderen verließ fliegender weise das Bett.
*-*-*
In dieser Nacht schenkte ich Chrisi mein erstes Mal und es war so wunderschön. Wir hatten uns danach noch eng aneinander gekuschelt und waren beide glücklich eingeschlafen.
Den 04. November werde ich nie vergessen…
*-*-*
Oh mein Gott. Oh mein Gott. Oh mein Gott.
Weihnachten stand vor der Tür. Aber das war es nicht, was mich beunruhigte. Sondern eher die Tatsache, die mir Chris gerade mitgeteilt hatte. Er saß ruhig auf dem Bett und ich starrte ihn entsetzt an.
Seine Eltern wollten über Weihnachten zu Besuch kommen und mich kennen lernen.
Hilfe, was sollte ich jetzt nur machen? Wenn ich ihnen nicht gefallen würde? War ich überhaupt gut genug für ihren Sohn? Was, wenn sie mich nicht mögen würden?
Wie blöde lief ich im Zimmer hin und her. Fragen über Fragen brachen über mich herein. Chrisi saß weiterhin ruhig auf dem Bett und lachte.
Wie konnte er in so einer Situation nur lachen? Wusste er denn nicht, was das für mich bedeutete?
Als ich wieder an ihm vorbei kam, schnappte er nach meiner Hand und zog mich auf seinen Schoss.
„Jetzt beruhig dich doch mal wieder!“
„Ich… ich kann nicht…“
Er legte seine Hände auf meine Wangen und küsste mich innig auf den Mund. Etwas ruhiger wurde ich dadurch dann schon, aber auch nur, weil es so schön war. Trotzdem war ich total nervös und aufgekratzt.
„Komm David, das ist doch nicht schlimm. Meine Eltern essen keine kleinen Kinder.“
Entsetzt schaute ich in sein Gesicht und sah ein fieses Grinsen darin. Ich knuffte ihn in die Seite, bevor er mich wieder in seine starken Arme zog.
„Ich bin nicht klein…“
„Doch im Augenblick benimmst du dich so.“
Aber… aber ich…“
„Nichts aber… Meine Eltern werden dich sicher mögen und du wirst das gleiche für sie empfinden, glaub es mir.“
„Du sagst das so einfach, aber…“
„David, es ist ganz einfach – ganz sicher!“
Na, wenn Chris das meinte.
So ganz beruhigt war ich aber dennoch nicht.
*-*-*
Vor drei Tagen hatte mir Chrisi diese Botschaft mitgeteilt. Und nun war Heilig Abend. Ich sah immer wieder auf den Kalender, doch es war nichts dran zu drehen. 24 Dezember 2005. Egal, wie oft ich ihn anstarrte, es blieb der 24. Dezember 2005. Ergeben schnappte ich mir meine Jacke, wickelte meinen hellblauen Schal um den Hals und stülpte mir zum Schluss noch die Mütze über. Nervös bis zum Abwinken verließ ich das Zimmer und ging nach unten, wo Chrisi schon mit dem Auto von Marianne wartete. Sie hatte es uns glücklicherweise wieder überlassen.
Wortlos stieg ich ein und Chrisi gab mir noch lächelnd einen Kuss, bevor er den Zündschlüssel drehte und der Motor ansprang. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht mit, aber ich hatte ja keine Wahl. Der Kalender hatte sich nicht dazu überreden lassen, einen anderen Tag anzuzeigen und Chris wollte mich unbedingt dabei haben.
So saß ich nun zitternd und mit weichen Knien neben ihm. Er streichelte zwar während der Fahrt immer wieder über mein Knie, um mich zu beruhigen, aber irgendwie half das überhaupt nicht. Meine Hände waren eiskalt, mir war übel und der Wagen rollte immer mehr meinem Abgrund entgegen.
Als Chrisi die Abfahrt zum Flughafen runter fuhr, tat sich vor uns ein riesiges Gelände auf. Da ich noch nie hier gewesen war, war ich total überrascht, denn so groß hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als Chrisi auf den Parkplatz fuhr, fand er auch gleich eine Parklücke.
Er parkte ruhig ein, stellte den Motor ab und öffnete seine Tür um auszuzeigen. Ich dagegen rührte mich keinen Millimeter und blieb einfach sitzen. Chrisi bedachte mich mit einem verwunderten Blick.
„Was ist los, komm, die Maschine landet gleich!“
„Ich bleibe hier sitzen!“
Chris schlug wortlos seine Tür zu, lief um das Auto herum und öffnete die Beifahrertür.
„Quatsch, du bleibst doch nicht hier im Auto.“
Er beugte sich über mich, gab mir einen kleinen Kuss und öffnete währenddessen meinen Sicherheitsgurt. Dann schnappte er sich meine Hand und zog mich einfach aus dem Auto. Nur widerwillig folgte ich ihm in das große Flughafengebäude.
Drinnen war alles voller Menschen. Während mich Chrisi vorher noch hinter sich hergezogen hatte, lief ich nun dicht an ihn gepresst neben ihm her. Mir war das alles ganz und gar nicht geheuer.
Chrisi blieb vor einer großen Tafel stehen und schaute auf die Anzeige.
„Die Maschine ist schon gelandet, komm wir müssen da hin.“
Er deutete dabei nach rechts und ich folgte ihm einfach. Vor einem Schalter blieb er abermals stehen. Während wir da so auf seine Eltern warteten, schaute ich mich ängstlich um.
„Christoph“, hörte ich dann eine Frauenstimme rufen.
„Mum… Dad“, rief Chrisi neben mir.
Vorsichtig drehte ich mich in die Richtung, aus der die Stimme seiner Mutter kam, und sah eine dunkelhaarige Frau auf uns zulaufen. Ich machte einen Schritt zur Seite und versteckte mich halb hinter Chrisi. Ich traute dem Ganzen hier immer noch nicht.
Die Frau war in etwa so groß wie ich, na ja, vielleicht etwas größer. Aber sie hatte dieselben Augen wie Chris und auch ihr strahlendes Lächeln ähnelte dem von Chrisi. Dahinter kam ein großer Mann mit zwei Koffern zum Vorschein. Er war sogar größer als mein Chrisi. Er lächelte und da machte sich die Ähnlichkeit zu Chrisi bemerkbar.
Ich schluckte zwar, blieb aber trotzdem mehr oder weniger tapfer hinter Chrisi stehen.
Als die Frau uns erreicht hatte, fielen sie und Chrisi sich in die Arme und drückten sich ganz dolle. Schon während sie meinen Chrisi umarmte, überhäufte sie ihn mit einem Wortschwall, wovon ich allerdings kein einziges Wort verstand. Sie redeten einfach zu schnell und dann hatte dieses Englisch auch noch einen komischen Akzent.
Nachdem Chris Mutter ihn losgelassen hatte, wurde er ebenso von seinem Vater begrüßt. Auch er zog ihn in seine Arme, sagte etwas und mein Chrisi fing laut an zu lachen. Mein Chrisi lachte, das gefiel mir und auch ich lächelte endlich ein bisschen.
Als Chrisi nun auch von seinem Vater wieder losgelassen wurde, drehte er sich zu mir. Ich dachte sofort, das kann nichts Gutes bedeuten und ich sollte auch Recht behalten, denn Chrisi schnappte sich meine Hand.
„Mum… Dad, this is my little sunshine, who light up my life. David!“
„Hi…“, krächzte ich schon fast und brachte auch kein einziges Wort mehr heraus.
Schneller als ich schauen konnte, hatte mir Chris Mum ihre Arme umgelegt und drückte mich ganz fest an sich.
„So, du bist also der junge Mann, der meinen Christoph so glücklich macht“, flüsterte sie mir auf Deutsch ins Ohr.
Ich hatte das Gefühl, als würde sich jeder einzelne Tropfen Blut in meinem Gesicht ansammeln. Chris Mum ließ mich los und lachte. Naja, eigentlich war es gar nicht so schlimm gewesen, denn irgendwie fühlte ich mich jetzt richtig geborgen.
Dann begrüßte mich auch Chris Vater noch kurz und nahm mich ebenfalls in den Arm. Sie waren beide auf Anhieb sehr nett zu mir.
Chrisi schaute mich daraufhin kurz fragend an und ich erwiderte seinen Blick lächelnd. Wir schnappten uns jeder einen Koffer und verließen das Gebäude.

Auf der Heimfahrt unterhielten sich die drei sehr angeregt und natürlich wieder viel zu schnell, denn ich verstand fast kein Wort. Sie merkten das aber zum Glück ziemlich schnell und versuchten dann auch mich mit einzubeziehen. Beim Heim angekommen, ließ mich Chris aussteigen. Heute Abend war Weihnachtsfeier angesagt und bei der durfte ich nicht fehlen.
Chris stieg auch kurz aus und gab mir einen Kuss.
„Ich liebe dich!“
„Ich dich auch“, erwiderte ich leise.
Dann stieg er wieder ein und fuhr weiter. Ich blieb noch winkend stehen und erst, als das Auto aus meinem Sichtfeld verschwunden war, rannte ich ins Haus.
*-*-*
Drinnen traf ich auch gleich auf Marianne.
„Und, wie war es? Sind Christophs Eltern nett?“, fragte sie.
„Ja, sie sind sehr nett und morgen Mittag bin ich zum Kaffee eingeladen.“
„Okay, dann ist ja gut. Aber jetzt beeil dich, damit wir mit der Weihnachtsfeier anfangen können.“
„Okay, ich bring nur noch meine Sachen hoch“, meinte ich und düste die Treppe hoch.
Die Weihnachtsfeier war wie jedes Jahr. Im großen Gemeinschaftsraum, wo alle Bewohner des Heims reinpassten, stand ein Weihnachtsbaum und den zu schmücken, war wie immer die Aufgabe der Jüngeren. Fertig geschmückt strahlte er in allen möglichen Farben und Formen. Unter dem Baum wurden dann alle Geschenke verteilt. Meine Geschenke für Marianne, Gregor und Gregor hatte ich einem anderen Betreuer anvertraut, denn ich wollte ja nicht, dass die drei sahen, dass ich etwas für sie hatte.
Natürlich durfte währenddessen niemand in den Gemeinschaftsraum, deshalb wurde er auch abgeschlossen.
Vor der eigentlichen Bescherung wurde erst einmal gegessen. Würstchen und Kartoffelsalat standen auf den Tischen, über die wir uns mit Heißhunger hermachten.
Nach dem Essen räumten dann einige die Tische ab, während der größere Teil zum Weihnachtssaal, wie wir ihn jetzt nannten, unterwegs war. Die Jüngeren von uns waren natürlich sehr ungeduldig, denn die Tür war noch immer fest verschlossen.
Kaum wurde der Raum dann aufgeschlossen, stürmten alle neugierig und mit freudiger Erwartung hinein. Dabei griff aber keiner nach den Geschenken, alle setzten sich im Gegenteil erst mal artig hin. Es war von jeher Brauch, dass die Geschenke verteilt wurden, begonnen mit den Jüngsten und am Schluss wir Älteren.
Meist lag auch je nur ein Geschenk für jeden einzelnen unter dem Baum, nämlich das, welches wir vom Heim bekamen. Einige bekamen aber schon mehr, was die anderen jedoch nicht störte. Es machte einfach großen Spaß, denn vor allem die Kleinen versuchten immer, ihr eigenes Paket zu finden, was aber bei der Menge nicht so leicht war.
Natürlich zog sich das Ganze in die Länge, was aber auch keinen störte. Nach der Bescherung saßen wir dann in kleinen Gruppen zusammen und spielten zusammen. Wir hatten alle sehr viel Spaß, es wurde laut gelacht, doch nach und nach leerte sich der Saal und alle gingen ins Bett.
*-*-*
Am nächsten Morgen wachte ich erst gegen Mittag auf, was aber nicht schlimm war, denn zu Chrisi sollte ich erst zum Kaffee erscheinen. Also blieb mir noch genügend Zeit, die erst mal für ein ordentliches Frühstück nutzte.
Erst dann ging ich ins Bad, um mich fertig zu machen, schließlich wollte ich für Chrisi besonders gut aussehen und auch bei seinen Eltern einen guten Eindruck hinterlassen.
Als ich dann später endlich vor Chris Tür stand, rutschte mir das Herz doch ziemlich in die Hose. Zaghaft drückte ich auf den Klingelknopf, obwohl ich ja einen eigenen Schlüssel für die Wohnung hatte. Aber in dem Wissen, dass Chris Eltern da waren, wollte ich die Tür nicht einfach so aufschließen und reinplatzen. Wenige Sekunden später riss Chris die Tür überschwänglich auf und bevor ich irgendetwas sagen konnte, hatte er mich an sich gedrückt und mir einen langen innigen Kuss verpasst.
Außer Atem betrat ich die Wohnung und hängte gerade noch meine Jacke auf, als mich Chris auch schon ins Wohnzimmer weiter zog, wo seine Eltern bereits warteten. Wie am Tag zuvor wurde ich wieder mit einer lieben Umarmung von beiden begrüßt.
Genauso wie Chris machte ich es mir nach der Begrüßung bei einem Kakao bequem, während seine Eltern Kaffee bevorzugten.
Wir unterhielten uns recht gut, Chris Mum redete dabei immer Deutsch mit mir. Sein Dad schien das nicht so gut zu beherrschen, denn er sprach weiterhin Englisch, aber zumindest so, dass ich ihm folgen konnte.
Als später ein tolles Abendessen aufgetischt wurde, wanderte mein Blick erst mal zweifelnd Chrisi. Er verstand den Ausdruck in meinen Augen sofort.
„Ich habe nicht gekocht, das war meine Mum.“
Das beruhigte mich schon sehr, schließlich wusste ich doch, dass mein Chrisi nicht kochen konnte.
*-*-*
Nach dem Essen hieß es dann Geschenke verteilen, wobei ich mich aber sehr schämte, weil ich nicht mal eine Kleinigkeit für Chris Eltern hatte. Die meinten dann beide, dass das nicht schlimm wäre.
Chrisi setzte sich zu mir und reichte mir ein kleines Päckchen.
Ich packte es neugierig aus und ein Armband, das auf der Innenseite eine Gravur trug, kam zum Vorschein.
>>Tha gaol agam ort. Du Christoph’<<
„Was heißt das?“, wollte ich wissen.
„Ich liebe dich, dein Christoph.“
Da musste ich einfach so sehr lachen, dass mich alle drei nur verwundert anschauten. Um mein Lachen zu erklären griff ich in meine Tasche und reichte Chrisi sein Geschenk. Als er es geöffnet hatte, kam ebenso ein Armband zum Vorschein. Und kaum hatte Chrisi die Gravur gelesen, begann auch er zu lachen und zeigte es seinen Eltern, woraufhin auch sie verstehend lachten.
Auch mein Armband für Chris enthielt eine Gravur, nämlich >>Ich liebe dich, dein David<<
Als Dankeschön bekam ich dann einen super süßen Kuss von meinem Chrisi.
*-*-*
Die folgenden Tage machte ich mich dann etwas dünne, denn ich wollte, dass Chris in Ruhe die Zeit mit seinen Eltern verbringen konnte. Sie hatten sich ja schon lange nicht mehr gesehen und bestimmt viel zu bereden. Silvester aber verbrachten wir dann wieder zusammen.
Chris Eltern waren schon abgereist, so waren wir beide alleine in Wohnung und machten uns einen gemütlichen Abend. Nach einem wunderschönen Essen haben wir lange gekuschelt und viel geredet. So ging das Jahr 2005 zur Neige.
*-*-*
Traurig saß ich an meinem Schreibtisch, denn Chrisi hatte mir erzählt, dass er seinen Geburtstag bei seinen Eltern in Irland feiern würde. Dabei hatte ich mir schon so schön ausgemalt, wie sein Geburtstag ablaufen würde. Seufzend schaute ich zum Fenster raus.
*-*-*
Chrisi hatte sich am Mittag angemeldet. Als ich mit den Hausaufgaben fertig war, klopfte es auch schon an der Tür. In freudiger Erwartung düste ich zu ihr und öffnete sie. Mein Chrisi war endlich da. Ich sprang ihm sofort an den Hals und küsste ihn leidenschaftlich, während er mich wieder ins Zimmer schob.
„Guck mal was ich hier habe“, sagte er und drückte mir einen Umschlag in die Hand.
Nervös pfriemelte ich den Inhalt heraus und zog kleine, zusammen geheftete Papierscheine heraus.
„Was ist das?“, fragte ich.
„Flugscheine“, antwortete Chrisi grinsend.
Ich schaute mir alles noch mal genauer an.
„Das sind aber zwei Flugkarten. Wieso brauchst du davon zwei?“
„Weil ich meinen Schatz mitnehme!“
Fassungslos und total verwirrt starrte ich ihn an.
„Ich… ich soll…“
„Ja, wir zwei fliegen nach Irland.“
Wow, ich konnte es nicht fassen. Chrisi wollte mich tatsächlich nach Irland mitnehmen. Dort mit mir seinen Geburtstag feiern. Ich würde seine gesamte Familie kennen lernen. Dabei war ich noch nie woanders gewesen, als hier in Deutschland.
*-*-*
Heute geht’s los! Unsere Reise nach Irland.
Gegen Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Ich war total hibbelig, denn ich war ja noch nie vorher geflogen und hatte deshalb auch etwas Angst davor. Aber auf dem Flughafengelände entdeckte ich so viel Neues und dann auch noch der Flieger … das ließ mich meine Angst schnell vergessen.
Der Flug dauerte zwar zwei oder drei Stunden, aber selbst die bekam ich gar nicht richtig mit. Chris hatte mich am Fenster sitzen lassen und so konnte ich alles ganz genau anschauen und war viel zu abgelenkt, um die Flugzeit zu registrieren.
Und als wir dann endlich über Irland flogen, war ich gänzlich hin und weg von den vielen Grünflächen. Erst waren nur wenige einzelne Häusergruppen zu sehen, doch je näher wir Dublin kamen, umso mehr Häuser wurden es. Bei der Landung hatte ich dann aber doch wieder etwas Bammel, weil dabei alles so wackelte.
Und dann war ich endlich in Irland. Wow, ich konnte das noch immer nicht richtig fassen.
Am Flughafen erwartete uns schon Chris Dad, der uns abholen wollte. Und dieses Mal traute ich mich sogar, ihn aus eigenen Stücken zu umarmen. Er war so nett und ich mochte ihn wirklich sehr. Ich freute mich einfach, ihn wieder zu sehen.
Das Gepäck brachten wir zusammen zum Auto und machten uns dann auf die vierstündige Fahrt. Die meiste Zeit schaute ich natürlich wieder aus dem Fenster.
Eigentlich bekam ich auch gar nichts mehr mit, denn ich war viel zu fasziniert von dem, was ich alles zu sehen bekam. Kaum hatten wir Dublin verlassen, war alles so herrlich grün. Auf den Wiesen standen sogar ganze Schaf- oder Rinderherden.
Und so ging es die ganze Zeit, bis nach Stunden dann Galway in Sicht kam. Chris hatte mir zuvor schon gesagt, dass Galway eine Studentenstadt sei, weswegen man dort auch überwiegend junge Gesichter sah.
Nachdem wir die Stadt durchquert hatten, blieb Chris Dad irgendwann vor einem Einfamilienhaus stehen. Das war also Chris Zuhause.
Während sein Dad und er das Gepäck ausluden, schaute ich mich schon etwas um.
Chris hatte mir zwar viel erzählt und auch Bilder gezeigt, aber so schön hatte ich es mir wirklich nicht vorgestellt. Alles war so wunderschön.
Da öffnete sich mit einem Mal die Haustür und Chris Mum kam heraus.
Ich freute mich natürlich, auch sie wieder zu sehen und wollte sie begrüßen, als sich plötzlich zwei kleine Knirpse an ihr vorbei drängelten.
„Chris…Chris“, riefen sie wie verrückt.
Chrisi ging in die Knie, fing beide auf und knuddelte sie erst mal dolle. Währenddessen kam Chris Mum auf mich zu und drückte mich. Dann erschienen noch Nuallán – Chrisi Bruder und dessen Frau.
Ich erkannte ihn deshalb sofort, weil Chrisi mir schon vor unserer Ankunft Bilder seiner Familie gezeigt hatte. Daher mussten die zwei Kleinen Nuallán’s Söhne sein – Conan und Duncan. Nach den Begrüßungen gingen wir alle zusammen ins Haus.
Auch dort schaute ich mich genau um. Es war alles urgemütlich eingerichtet, einfach zum wohl fühlen und fast alles war aus Holz.
Das Abendessen war so was von lecker. Chris Mum kocht super.
Schon bald danach aber zogen Chrisi und ich uns zurück. Es war zwar nur ein kurzer Flug gewesen, aber durch die lange Autofahrt danach wurde es etwas anstrengend. So gingen wir hoch zu Chris Zimmer, in dem ebenfalls alles aus Holz gefertigt war.
Drin befanden sich ein Bett, ein Schreibtisch und ein Schrank, mehr nicht. Klein aber fein und vor allem sehr gemütlich.
Wir machten uns gleich bettfertig und kuschelten uns ins Bett.
*-*-*
Am nächsten Morgen wachte ich urplötzlich und mit einem Schrecken auf, weil etwas auf mich drauf sprang. Als ich schauen wollte, was es war, wurde mir mit einer rauen Zunge übers Gesicht geleckt. Es war Sheila, der Hund der O’Brians.
Chris lag neben mir und war schon die ganze Zeit am Lachen. Ich streckte ihm einfach frech die Zunge raus und knuddelte den Hund, der sich auch gleich kuschelbereit hinlegte. Tja, da hatte Chrisi Pech gehabt, kuschle ich eben mit Sheila.
Sie verschwand aber ziemlich schnell wieder und so beugte mich gleich zu Chrisi rüber, um ihm einen langen Guten-Morgen-Kuss zu geben.
„Happy Birthday, Chris!“
„Danke David.“
Ich streckte mich dann gleich über Chrisi und zog sein Geschenk aus meiner Tasche. Lächelnd fing er an, das Geschenkpapier weg zu reißen und ich wartete gespannt darauf, was er dazu sagen würde. Als er das Geschenk in Händen hielt, strahlte er über das ganze Gesicht.
Ich hatte in einem Bilderrahmen eine Collage aus vielen Bildern von Chris und mir gebastelt. Später saßen wir alle gemeinsam im Wohnzimmer und feierten seinen Geburtstag. Was mir fast den Atem raubte, war dass ich von Chris Eltern das „DU“ angeboten bekam. Seit diesem Tag durfte ich also Nevin und Alannah zu ihnen sagen. Wie sehr mich das freute, konnte man den ganzen Tag an dem Strahlen in meinem Gesicht erkennen.
Nach und nach kamen auch Freunde von meinem Chrisi. Es war seine Clique, als er noch hier gewohnt hatte.
Sie waren alle von Anfang an nett zu mir gewesen und so hatte auch ich in kürzester Zeit neue Freundschaften geschlossen.
Der Abreisetag kam natürlich viel zu schnell und wir beide waren sehr traurig darüber. Es war kaum zu glauben, dass die Tage schon vorbei waren. Irgendwie hatte ich alle sehr lieb gewonnen und der Abschied war dementsprechend tränenreich gewesen.
Aber dem Rückflug nach Deutschland konnten wir nicht entgehen und so fuhr uns diesmal Chris Bruder zum Flughafen in Dublin. Ich versuchte mir bei der Rückfahrt so viele Eindrücke wie möglich einzuprägen.
Am Flughafengelände angekommen, verabschiedete sich Nuallán recht schnell und wir traten beide traurig den Rückflug an.
*-*-*
Es war einige Zeit vergangen und ich stand mittlerweile kurz vor dem Abitur. Um mich etwas von dem Lernstress abzulenken, begann ich wieder Geschichten im Internet zu lesen. Ich hatte die Seite total aus den Augen verloren.
Jetzt, wo ich sie wieder fand, waren die Geschichten, die ich so liebte nicht mehr dabei. Besonders meine Lieblingsgeschichte vermisste ich sehr. Da fiel mir ein, dass ich noch die Emailadresse des Autors hatte.
Und so nahm ich allen Mut zusammen um ihm zu schreiben. Gott sei Dank hatte sich die Adresse in der Zwischenzeit nicht geändert. Als ich dann am nächsten Tag meine Emails abrief, war tatsächlich schon eine Antwort von ihm da.
Der Autor schrieb mir, dass er von der bekannten Storieseite weggegangen wäre und nun eine eigene Seite besäße. Er gab mir die Adresse der Seite und lud mich auch ein, den dortigen Chat zu besuchen.
Ich öffnete natürlich sofort den Link und nachdem sich die Seite aufgebaut hatte, fand ich auch gleich meine Lieblingsgeschichte. Abends dann, neugierig wie ich halt war und auch immer noch bin, besuchte ich den Chat.
Ich wurde dort sofort herzlich aufgenommen und Fabian, mein Lieblingsautor, war ebenfalls da. Sie fragten mich alle aus und so musste ich etwas von mir erzählen. Sie wollten schließlich auch wissen, mit wem sie da chatteten.
Später, als Chrisi nach Hause kam, erzählte ich ihm sofort von dem Chat und auch er war begeistert. Gleich am nächsten Abend saß er neben mir und verfolgte das Geschehen auf dem Monitor. Als Fabian mich nach meinem Freund fragte, schwärmte ich ihm natürlich gnadenlos von Chris vor.
Ich erzählte auch, dass Chrisi mir die Geschichten immer vorgelesen hatte. Und natürlich wollten dann auch alle meinen Schatz kennen lernen. So kam es, dass sich Christoph unter seinem Namen registrierte und ebenfalls im Chat mitschrieb.
Auch er wurde genauso ausgefragt wie ich zuvor und irgendwie fand ich das lustig. Wenn ich in den nächsten Tagen nicht bei Chrisi war, so chattete ich vom Heim aus und an den Wochenenden war ich immer mit Chrisi gemeinsam im Chat.
*-*-*
Heute war ein ganz besonderer Tag für mich. Hätte ich schon morgens gewusst, wie der Abend für mich enden würde, hätte ich den ganzen Tag gestrahlt wie ein Honigkuchenpferdchen.
Seit neuestem hatten wir auch den MSN – Messenger und konnten uns dort auch einzeln mit den verschiedenen Chattern unterhalten. Am liebsten chattete ich natürlich mit Fabian. Er erzählte mir, dass der Chat so etwas wie eine Familie wäre und er dort schon einige Söhne und Schwestern hätte.
Neuerdings sogar auch einen ganz lieben Bruder, in den er richtig vernarrt war. Was mir noch sehr viel Spaß machte, war das Fabian des Öfteren seine Cam einschaltete und ich ihn so immer beobachten konnte, wenn wir schrieben.
Nach langem hin und her kam dann im Chat der Vorschlag, ob ich nicht auch ein Sohn von Fabian sein wollte, so als Daddy für mich.
Es war so unglaublich, denn Fabian stimmte auf Anhieb zu. Plötzlich hatte ich einen Daddy… einen richtigen Daddy für mich. Ich freute mich so sehr und konnte überhaupt nicht mehr aufhören zu strahlen.
Als ich dann auf die Toilette musste, schrieb Chrisi in der Zwischenzeit weiter. So ganz alleine im Bad kamen irgendwie ganz blöde Gedanken zustande. Hatte Fabian mich wirklich lieb, so wie er das geschrieben hatte?
Wollte er mich wirklich als seinen Sohn haben? Immer mehr Zweifel kamen in mir auf. Ich konnte diese Gedankenflut nicht mehr bremsen und sackte in mich zusammen. Ohne es zu merken, verschloss ich mich immer mehr gegen diese Gedanken, versank immer mehr in meine Welt.
Hier war es schön ruhig. Doch es dauerte nicht lange, da drangen die Gedanken auch in meine kleine Welt. Ich wollte das nicht, zog mich immer mehr zurück. Ich wollte nicht an Fabian zweifeln, wollte einen Daddy haben.
Ich begann hin und her zu wippen und bekam nichts mehr mit.
Chris
Fabian und ich chatteten munter weiter. Er erzählte mir von dem Stammbaum der Chatfamilie und dass ich ja da dann als sein Schwiegersohn auch auf dem Stammbaum verewigt werden würde. Wir flachsten noch eine Weile herum, bis mir plötzlich auffiel, dass David nicht zurückkam.
Fabian
Chris schrieb, dass er kurz nach seinem Kleinen gucken wollte und ich chattete mit den anderen weiter. Nach ca. einer viertel Stunde blinkte das Tool von David und Chris und ich öffnete die Kasten wieder.
Ich fand als Text nur das Wort <Scheiße> vor. Ich wunderte mich doch sehr, denn Chris hatte so ein Wort beim Chatten noch nicht benutzt. Natürlich fragte ich sofort was los war.
Chris
Ich ging also zum Bad und rief nach David. Als keine Antwort kam, machte ich mir dann doch Sorgen und öffnete die Tür. David saß auf dem Boden und wippte hin und her. Er nahm nicht mal war, dass ich ins Bad kam.
Er reagierte weder auf Berührungen noch auf meine Stimme. Ich hob ihn hoch und trug ihn zurück ins Wohnzimmer. Auf dem Monitor prangte mir die Frage von Fabian entgegen. Ich versuchte mit David im Arm ein <Moment> zu tippen.
Fabian
Nun machte ich mir wirklich ernsthafte Sorgen, nachdem Chris nur mit einem <Moment> geantwortet hatte. Ich wartete einfach auf eine weitere Meldung und achtete nicht mehr auf die anderen. Plötzlich schrieb mir Chris wieder.
Ich erfuhr, dass David auf der Toilette zusammen gebrochen war, dass seine Nerven ihm einen üblen Streich gespielt hatten. Chris schrieb weiter, dass er eigentlich schon eine geraume Zeit darauf wartete, dass so etwas wieder passieren würde.
Ich fühlte mich plötzlich irgendwie ganz schlecht dabei, hatte doch David nach unserem Schreiben einen Zusammenbruch erlitten.
Chris
Fabian machte mir den Vorschlag, er wolle anrufen und ich solle David den Hörer ans Ohr halten, damit er Fabians Stimme hören konnte. Das verneinte ich, da David ja nicht mal auf mich reagierte. Ich wiegte David in meinen Armen und sprach weiter beruhigend auf ihn ein.
David
Chris hatte mich wohl ins Wohnzimmer gebracht. Ich spürte seine Nähe. Seine Nähe war so schön. Seine Arme waren fest um mich geschlungen und er schaukelte mich hin und her. Langsam nahm ich seine Stimme war, wie sie beruhigend auf mich einredete. Ich tauchte aus meinem Loch heraus und sah zu Chrisi hoch. Er lächelte sanft und gab mir einen Kuss.
„Da wartet jemand im Chat, der sich sehr viele Sorgen um dich macht, David“, sagte er mit zärtlicher Stimme.
Er deutete dabei auf den Monitor und ich folgte mit meinem Blick. Da stand ganz viel in Blau geschrieben. Langsam beruhigte ich mich, wollte wieder schreiben, aber meine Finger zitterten so arg.
Ich wollte trotzdem mit Daddy schreiben, denn ich brauchte Gewissheit, musste wissen ob meine Zweifel einen Grund hatten.
„Daddy?“
„ja“
„haast du michh wiilklich lievb? magggrst du miiiiich wirjlich ald sohn“
„David.. jetzt hör mir mal genau zu“
„jaa dadddy“
„ich hab dich in kürzester zeit lieb gewonnen wie noch keinen hier im chat und die idee dein papa sein zu dürfen…für dich eine vaterrolle übernehmen zu dürfen ehrt mich wahnsinnig und rührt mich sehr ich weiß nicht ob ich dir das schenken kann, was du dir erhoffst aber ich weiß eins ich bin immer für dich da lieber David… oh scheiße jetzt fang ich auch nochs heulen an Sorry“
„daas woollt icch niht- daankee daddy“
„he bist nicht schuld David ich bin herzmensch der dicht am wasser gebaut hat ich weiß nicht was die zukunft bringt David ich weiß nur, dass jeder mensch dass glück verdient, dass ihm zusteht und komm mir jetzt nicht dir steht nichts zu das ist entschudlige ausgekochte scheiße!!!!!!!! so harte worte von papas lippen*gg wir kenne uns erst eine woche und wir werden uns in zukunft langsam aber immer besser kennen lernen“
„jaa? duu wiirst nichtt weffehen? vleibst men papa.`?“
„nee du hast mich am hals kleiner kriegst mich nicht los da gleichen wir uns sehr @ klammeräffchen!!!“
„bin kein äffchen“
„ja weiß ein kräftiger affe *gg und jetzt hab ich ne riesige bitte“
„ja?“
„zeig mir bitte in winziges lächeln nur einen millimeter mit den mundwinkeln hoch mal Chris fragt obs sohnemann auch macht“
„ja mach er… sogar ein richtiges lächeln zeigt der kleine“ (Chris)
„David wir sind uns viel ähnlicher als du denkst..könntest auch real mein sohn sein….aber dass wirst du merken wenn du mich besser kennst“
„freu mihch schon drauff diich beeser kennen ui lerben, … hba dich lieb daddy…“
„ich hab dich nich lieb David ICH LIEBE DICH den sohn jetzt habs den ich mir eigentlich schon immer
gewünscht habe nur eben gleich in großformat..“
„jetzt kommt langsam sein strahlen wieder (Chris)“
„wenn ich was sage David mein ich dass verdammt ernst..da is mir in meiner vergangenheit viel zu viel weh getan worden, als dass ich jetzt dass jemand antun würde… ich hab ein großes herz in dem du ich da grad breit machst und genieße es in vollen zügen denn dieses angebot, dass du heute bekommen hast..mache ich ganz ganz selten“
„jetzt strahlt der kleine wieder richtig…zwar noch was zittrig aber am strahlen (Chris)
dabke daddy“
„das hät ich ihm auch alles am tel sagen können so musste er es mit vielen vielen schreibfehlern lesen“
„nixh mehr weinen daddy..“
„he du hast mir ein geschenk gemacht nämlich deine Liebe..hast mich ein wenig in dein herz schauen lassen und dass is das größte geschenk, dass man bekommen kann!! und denk jetzt nicht du kannst mich rumkriegen wenn du mich lieb anguckst in manchen sachen werd ich trotzdem stur bleiben *fg“
„ach menno hab ihc sohc jetzt gegofft … ich kanb nich megr schreibvem. dabke das dz da vist daddy, (hoffe du verstehst was er schreibt,,,seine finger spielen noch nich ganz mit…aber es wird wieder… Chris)“
„och schreib ich nich genauso viel fehler ..und angeblich gehorchen mir meine finger noch“
„lach“
„ich weiß dass du bei Chris in guten händen bist, weil ich Chris auch ausnahmslos vertraue David… den ich bin ja nicht immer greifbar und einige hundert kilometer von dir wech , deshalb meine bitte David rede mit Chris, sag ihm alles was dich bedrückt, was dir sorgen macht, oder später mir, wenn ich on bin es bringt nichts, wenn du es dich reifrisst!“
„ich werds verscuhcen okay? aber dasd is nicht imma so enfach“
„ich weiß dass ich dir sehr viel abverlang aber du darfst niemals denken du ziehst Chris irgendwie runter er is für dich da hilft dir, dafür isser ja auch da!! *Chris anlächelt“
„ich werds versuchen v er sprocgben“
„brauchst mir nix versprechen kleiner..wenn du an dir arbeitest.. und dein vertauen wächst dich nach außen trägst wieder eure liebe nur noch tiefer und mich hast ja sowieso am hals und ich versprech dir aber eins wenn ich merk es stimmt was nicht mit dir ich werd bohren bis ichs weiß
dass kann ich gut“
„okax damiat kann ich leben…“
„damit musst du leben *gg“
„dz lacgst wieder das is scgön“
„klar weil mein kleiner auch lächelt“
Dieses Gespräch hatte mir sehr geholfen. Ich verstand nun, dass er wirklich mein Daddy sein wollte. Dass ich nun eine eigene Familie hatte. Dass ich die Liebe verdient hatte. Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben.
Ich bekam den Daddy, den ich mir mein Leben lang gewünscht hatte. Einen der mich lieb hat, so wie ich bin. Und ich habe meinen Daddy auch sehr lieb. Ein Leben ohne ihn ist schon gar nicht mehr vorstellbar.
*-*-*
Langsam aber sicher haben Chrisi und ich uns dazu entschlossen zusammenzuziehen. Ich verbrachte ja eh die meiste Zeit in seiner Wohnung, die aber für uns beide auf Dauer einfach zu klein war.
Wir wollten weiterhin etwas außerhalb der City wohnen, doch war es gar nicht so einfach, eine passende Wohnung zu finden, die gleichzeitig nicht zu teuer war. Wir suchten lange und schienen einfach kein Glück zu haben.
*-*-*
Anfang September haben wir dann endlich eine Wohnung gefunden.
Sie liegt sehr gut und ich kann auch das Heim gut erreichen, denn immerhin will ich Marianne weiterhin besuchen. Unsere neue Wohnung besteht aus Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer.
Bevor wir da einziehen konnten, mussten wir die Wohnung erst noch renovieren, da sie alles andere als schön aussah. Und weil Chrisi mir noch nie etwas abschlagen konnte, durfte ich auch die Farben der Wohnung aussuchen.
Im Baumarkt gab es aber trotzdem einen spaßigen Streit, weil Chrisi doch tatsächlich versuchte mich umzustimmen. Am Ende habe ich dann doch gewonnen und wir nahmen die Farben Orange, Blau, zwei Grüntöne (hell und dunkel), Cremefarbe und Rot (Bordeauxrot).
Zurück in der Wohnung beschrieb ich Chrisi ganz genau welche Farbe wo hin sollte. Wir fingen mit der Küche an, weil am Nachmittag Chris Freunde kommen wollten, um beim Einbau der Küche zu helfen.
Die Küche bekam einen Anstrich in einem hellen orange. Hinterher waren aber nicht nur die Wände orangefarben, sondern auch wir, denn ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, auch Chrisi anzupinseln. Wir waren wohl auch etwas langsam oder Chris Freunde waren zu früh, jedenfalls waren sie auf einmal da.
Da die Küche noch trocknen musste, machte ich alle kurzerhand zu Anstreicher. Einer bekam die blaue Farbe in die Hand gedrückt und den Auftrag das Badezimmer bis zur Hälfte zu streichen. Und wow, er machte es sogar wirklich.
Von diesem Erfolg überrascht drückte ich den anderen beiden die Grüntöne in die Hand und sagte ihnen, dass der Flur und das Wohnzimmer hellgrün werden sollen und in der Mitte zwei dunkelgrüne Streifen sein sollten. Sie fingen ebenfalls sofort an. Ich grinste Chris an, der irgendwie fassungslos seinen Freunden hinterher sah. Zu zweit machten wir uns daran, das Schlafzimmer zu streichen. Es wurde cremefarben und die Wand, an der das Bett stehen sollte in bordeauxrot.
Als wir fertig waren, war ich richtig stolz auf unser Werk. Zwischendurch war ich immer bei den anderen schauen, ob sie alles so machten, wie ich das wollte. Und sie taten es.
Ein Klingeln an Tür ließ mich wundern, hatte ich doch keine Ahnung wer das noch hätte sein können. Beim Öffnen der Tür erlebte ich eine riesen Überraschung. Marianne stand mit einem großen Korb in der Hand vor mir.
Erfreut bat ich sie in die Wohnung und zeigte ihr auch gleich alles, was wir schon geschafft hatten. Nach der Besichtigung rief sie dann alle zusammen.
Sie hatte uns eine leckere Brotzeit und zu trinken mitgebracht und wir stärkten uns erst einmal hungrig. Während ich danach mit einem der Wohnzimmerstreicher weiter machte, holte Chrisi mit den anderen beiden schon die erste Fuhre aus der alten Wohnung.
Bis zum Abend schufteten wir wie die Irren und schafften es sogar, den gesamten Umzug an diesem einen Tag zu absolvieren. Wir alle waren am Schluss unsagbar müde, aber während die anderen trotzdem noch die restlichen Möbel auf bauten, war ich nur mehr in der Lage, sie anzulächeln und zur Seite zu kippen. Innerhalb von Sekunden war ich eingeschlafen.
*-*-*
Im Laufe der nächsten Tage richtete ich die Wohnung weiterhin ein, während Chrisi arbeiten ging. Mit jedem Tag, der verging, wurde die Wohnung heimischer, bis schließlich alles an seinem Platz und der letzte Karton leer war. Ich war so froh, dass ich endlich fertig war.
Abends, als Chris nach Hause kam, stießen wir mit einem Glas Sekt auf unsere fertige Wohnung an. Jetzt hatten wir ein gemeinsames Zuhause. Und ich kam mir nicht mehr, wie vorher, nur als Gast in Chris Wohnung vor. Jetzt war es UNSERE Wohnung. UNSER Zuhause.
*-*-*
Ich hatte beschlossen, meinem Daddy seine Weihnachtsgeschenke schon an diesem Tag zu schicken. Am 21.12. deshalb schon, weil ich mir nicht sicher war, ob ich das am nächsten Tag noch schaffen würde. Chris und ich mussten ja noch Sachen packen und alles vorbereiten.
Am Tag vor Weihnachten sollte nämlich unser Flug nach Irland, ja nach Irland, starten. Wir würden Weihnachten bei Chris Familie verbringen und ich freute mich schon sehr darauf. Immerhin hatte ich Chris Eltern das letzte Mal vor über einem Jahr gesehen.
Seinen Bruder zwar erst vor kurzem, da er uns mit den Chaos-Twins, wie sie liebevoll genannt werden, besucht hatte. Aber ich freute mich sehr, sie alle wieder zu sehen.
Also beschloss ich, schon heute Daddy’s Geschenke an ihn zu schicken. Es waren drei Stück und ich hatte mir viel Mühe damit gegeben. Bei zwei der Geschenke war ich mir sicher, dass sie ihm gefallen würden. Doch beim dritten hatte ich leichte Zweifel.
Den ganzen Tag war ich schon hibbelig gewesen und hatte darauf gewartet, dass Daddy endlich im MSN online gehen würde. Alle zwei Minuten schaute ich nach und versuchte mich mit Gianna, meiner Tante, abzulenken. Ich hatte ihr gesagt, was ich vor hatte und sie drückte mir die Daumen.
Ah und endlich kam Daddy on. Sofort schrieb ich ihn an und fragte, ob er die Cam anmachen könnte. Ich wollte ihn sehen, wenn er die Geschenke bekam. Er fragte natürlich direkt nach dem warum und als ich ihm sagte, ich hätte ein Weihnachtsgeschenk für ihn, schaltete er sie bereitwillig an.
Ich wollte ihm die Geschenke nacheinander schicken und begann mit einem Kalender mit Bildern von mir. Für jeden Monat jeweils eines. Weil sein Rechner etwas Zeit brauchte, schaute Daddy nach seinen Nudeln auf dem Herd und ich wartete am Lap. Ich konnte dabei einfach nicht still sitzen, so aufgeregt war ich.
Er freute sich sehr darüber und wollte ihn sogar ausdrucken. Das machte mich sehr froh und der erste Stein fiel vom Herzen. Dann schickte ich ihm Geschenk Nr. 2. wieder ein Kalender, aber diesmal mit Bildern von Chrisi.
Von den Bildern wusste bis dato selbst Chris nichts und als ich es abgeschickt hatte, sah sich auch Chris erstmals den Kalender an. Auch dieser gefiel ihm sehr gut und ich kam zum letzten Geschenk.
Ich atmete noch einmal tief durch und klickte einfach ‚Senden’. ‚Weihnachtsengel’, extra für meinen Daddy. Es war die erste Geschichte, die ich jemals geschrieben hatte und ich war froh, dass sie noch rechtzeitig zu Weihnachten fertig wurde.
Erst heute Morgen hatte ich sie beendet und war natürlich dementsprechend aufgeregt. Auch das Wordprogramm brauchte bei Daddy etwas länger und so saß ich wie auf heißen Kohlen. Chrisi saß direkt hinter mir und versuchte mich zu beruhigen, aber das ging nicht.
Viel zu sehr war ich gespannt, was Daddy dazu sagen würde. Ich hatte noch nie eine Geschichte geschrieben und wusste daher nicht, ob sie was geworden war. Als sich die Geschichte bei Daddy geöffnet hatte, war seine erste Reaktion, ‚Ich liebe dich!!!’ und dass er stolz auf mich sei.
Als ich das gelesen hatte, war ich vollends am Strahlen gewesen und konnte gar nicht mehr damit aufhören. So froh war ich, dass Daddy das Geschenk gefiel.
„Ich habe es dir doch gesagt!“, war Chris Kommentar hinter mir.
Ich gab ihm erst einen Knuff und anschließend einen Kuss. Daddy hatte die Geschichte auch gleich gelesen und war total gerührt.
Ich war so glücklich darüber, dass meine Überraschung geglückt war. Somit war meine Existenz als Autor geboren.
*-*-*
Endlich war es wieder soweit, dass wir Chris Familie besuchen konnten. Schon früh am Morgen begann der Flug und ich konnte es kaum erwarten, wieder in Irland zu sein. Ich hatte alle wirklich sehr vermisst.
Der Flug an sich machte mir aber nichts mehr aus, ich kannte es ja schon und so schafften wir es sogar, während des Fluges Schlaf nachzuholen. Ich war gespannt, ob uns auch diesmal Chris Vater oder jemand anders abholen würde. Als wir gelandet waren und wir endlich unser Gepäck hatten, schauten wir uns suchend um.
Ich entdeckte Chris Bruder als erstes.
„Nua“, rief ich laut.
Freudig liefen wir zu ihm und er begrüßte uns beide mit einer Umarmung. Wie schon beim ersten Mal machten wir uns mit dem Auto auf dem Weg nach Galway. Aber diesmal musste ich wohl während der Fahrt eingeschlafen sein, denn als ich die Augen öffnete, fuhren wir gerade vor das Haus.
Augen reibend machte ich mich daran auszusteigen und kaum war ich draußen, wurde ich auch schon von zwei kleinen Wesen umgelaufen. So müde, wie ich noch war, war ich auch etwas unsicher auf den Beinen, als die zwei angerannt kamen.
Urplötzlich fand ich mich auf dem Boden sitzend wieder. Conan und Duncan, die Zwillinge, standen mit den Händen vorm Mund vor mir, denn ich sollte nicht sehen, dass sie wegen mir kicherten. So zog ich sie kurzerhand zu mir runter und knuddelte sie durch.
Sie kicherten dadurch lauter und ich dann gleich mit. Als ich sie wieder losgelassen hatte, rappelte ich mich auf und begrüßte auch Alannah und Nevin. Zum Schluss kam noch Moira, Nua’s Frau, aus dem Haus und trug ein Bündel auf dem Arm.
Ich lief sofort zu ihr, begrüßte sie und schaute mir das Baby an. Chris kam ebenfalls dazu und wechselte noch ein paar Worte mit Moira. Was genau er sagte, verstand ich aber nicht, denn ich war nur noch auf das Baby konzentriert.
Das war so süß. Auf einmal drehte sich Moira richtig zu mir und hielt mir das Baby hin. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, doch sie zeigte mir wie ich ihn halten musste und schon hatte ich Faolán im Arm. Er war so süß und so klein.
Ich trug Fao die ganze Zeit und ließ ihn gar nicht mehr los. Chrisi brachte unsere Koffer nach oben und ich ging mit Fao ins Wohnzimmer. Dort fand ich auch Chris Grandpa, der ebenfalls hier wohnte, und begrüßte auch ihn.
Bei ihm saß ein Mädchen, das ich bisher noch nicht kennen gelernt hatte und schaute auch sie freundlich fragend an, doch sie erwiderte meinen Blick nicht. Schultern zuckend wandte ich mich wieder Faolán zu und kitzelte den Kleinen. Dabei lachte er so süß. Schließlich kam auch Chris ins Wohnzimmer.
„Chiara?“, hörte ich ihn rufen und schaute auf.

Ich sah wie das Mädchen ihren Kopf zu Chris drehte. Chrisi ging auf sie zu und zog sie in die Arme. Chiara kuschelte sich regelrecht in die Arme meines Chris und ich schaute ihn fragend an.
Wer war das? Warum knuddelte sie so heftig mit Chrisi?
Chrisi bemerkte meinen fragenden Blick und hob das Mädchen hoch. Er trug sie zu mir ans Sofa, setzte sich neben mich und platzierte sie auf seinen Schoss.
„Darf ich dir meine kleine Schwester Chiara vorstellen?“, fragte Chris mich.
Chrisi hatte mir nie viel über seine Schwester erzählt. Ich wusste nur, dass sie vierzehn Jahre alt war und dass er sie abgöttisch liebte. Bei unserem letzten Besuch war sie aber mit der Schule unterwegs gewesen, so hatte ich sie nicht kennen gelernt können.
Sie hatte seine Augen, die aber irgendwie komisch in die Luft starrten. Also stellte ich mich vor.
„Hallo, ich bin David“, sagte ich.
Sie hob ihre Hände und fasste in mein Gesicht. Ich erschrak etwas, aber ließ es über mich ergehen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Sie tastete mit ihren kleinen Händen mein Gesicht ab und dann wusste ich plötzlich, was mir vorher merkwürdig vorgekommen war.
Chiara war blind. Ich sah erneut fragend zu Chrisi und er nickte mir zu. Ich war etwas fassungslos.
„Ihr zwei passt zueinander“, sagte sie dann und lächelte.
Ich fing an zu lachen und zog sie in eine Umarmung. Ganz vorsichtig, denn ich hatte ja noch Fao auf dem Arm. Sie erwiderte die Umarmung und ich war mir sicher, wir würden gute Freunde werden.
Der restliche Abend verging ohne große Aktionen.
Wir waren passend zum Kuchen angekommen und danach beschloss die gesamte Familie einen Spaziergang zu machen. Ich fand das schön, denn ich mochte Spaziergänge schon immer gerne. Chiara und ich kuschelten uns beide beim Gehen an Chrisi, der darüber nur lächeln konnte.
Nach dem kleinen Ausflug zu Fuß machte sich Alannah ans kochen und ich konnte sie dazu überreden, dass ich helfen durfte. Gleich im Anschluss an das Essen verzogen Chrisi und ich uns auch schon nach oben. Wir hatten in der letzten Nacht nicht viel Schlaf bekommen, weil wir ja sehr früh zum Flughafen mussten. Aber den holten wir jetzt richtig nach.
*-*-*
An Weihnachten wurden wir von Chris Mum zum Frühstück aus dem Bett geschmissen und das obwohl ich noch gar nicht aufstehen wollte. Viel zu früh! Aber Alannah kannte keine Gnade. Am Frühstückstisch teilte sie uns dann mit, dass wir nach dem Frühstück das Haus schmücken würden. Ich strahlte, denn darauf freute ich mich.
„Normalerweise schmücken wir das Haus schon früher, aber wir haben extra wegen euch damit gewartet“, erzählte sie.
Ich konnte nicht anders und fiel ihr spontan um den Hals. Chris half seinem Dad Kisten anzuschleppen.
„David, schmückst du mit den Zwillingen den Weihnachtsbaum?“, fragte Alannah.
„Was ich?“, fragte ich erstaunt.
„Ja, du!“, lächelte sie.
„Wow! Ja klar!“
Der Rest der Familie verteilte sich mit kleineren Arbeiten im Haus, ich dagegen begann mit den Zwillingen die Lichterkette an dem Weihnachtsbaum zu befestigen.
Aus dem Augenwinkel heraus beobachtete ich, wie Chris Dad an die Haustür einen Tannenkranz hängte, an dem eine rote Schleife befestigt war. Währenddessen entbrannte ein kleiner Streit zwischen den Zwillingen, wer was wo aufhängen durfte.
Während ich damit begann das silberne Lametta am Baum zu verteilen, versuchte ich die beiden damit zu beruhigen, dass doch noch genügend Holzfiguren da wären.
Chris Mum stellte einen hölzernen Kerzenständer mit einer einzelnen weißen Kerze ins Fenster neben der Haustür.
„Du Chris, warum stellt deine Mum nur eine Kerze auf?“, fragte ich neugierig
„Das ist hier so Brauch, damit das Christkind den Weg zu unserem Haus findet.“
Irgendwie fand ich das schön. Die Zwillinge missbrauchten mich mittlerweile als Leiter, immer dann, wenn sie an einen der Zweige nicht ran kamen. Nach einer Weile wurden die beiden aber doch recht schwer.
Zuletzt kam der Engel dran, der für die Spitze bestimmt war. Er hatte silberne Flügel und eine Flöte in seinen Händen. Den auch noch angebrachte, war der Baum fertig.
Ich beobachtete, wie Chris Mum mehrere kleine Säckchen an den Kaminsims hängte.
Wieder sah ich Chris fragend an.
„Auch das ist ein Brauch bei uns. Für jeden ein Säckchen, aber langsam löst der Tannenbaum diesen Brauch ab“, erklärte er.
„Und warum stellt ihr dann überhaupt einen Baum auf?“, fragte ich.
„Weil der Baum so schön ist und unsere Geschenke mittlerweile größer geworden sind und nicht mehr in die Säckchen passen.“
Ich las die Namen auf den Säckchen und fand auch plötzlich meinen darauf.
„David, du gehörst jetzt irgendwie zur Familie, da solltest du auch dein eigenes haben“, meinte Alannah lächelnd, als sie meinen verwirrten Blick bemerkte. Ich konnte nichts anderes tun, als dieses Lächeln strahlend zu erwidern.
An diesem Tag wurde bis auf die traditionelle Mitternachtsmesse nicht mehr viel gemacht. Es war Tradition, dass die Familie nach dem Abendessen gemeinsam zur Mette ging, wie ich von Chris erfuhr.
Ich war bisher noch nie in einer Kirche gewesen, geschweige denn in einer Weihnachtsmesse. So war ich dann doch sehr gespannt, was da heute Nacht passieren würde. Kurz vor Mitternacht machten wir uns alle fertig und liefen dann gemeinsam zur Kirche.
Die Messe war dann wirklich ganz interessant, auch wenn ich nicht viel verstehen konnte. Die Kirche selbst war toll geschmückt. Riesige Flächen waren mit einem Blütenmeer bedeckt und es sah alles total festlich aus.
Als wir wieder in Chris’s Zimmer waren, machten wir uns gleich Bettfertig, denn die Kirche war anstrengender gewesen, als ich es eigentlich für möglich gehalten hatte. Aber trotz der Müdigkeit war ich schon wahnsinnig gespannt auf den nächsten Tag. Es würde immerhin das allererste Weihnachtsfest in einer richtigen Familie werden. Und es würde bestimmt sehr schön werden.
*-*-*
Am nächsten Morgen wurden wir weder von einer feuchten Hundezunge noch von Chris Mum geweckt, sondern von zwei hypergutegelaunten lachenden Jungs, die der Meinung waren, uns in aller Früh den Träumen entreißen zu müssen. Immer wieder zogen sie an uns und als das nicht viel half, kletterten sie einfach auf uns drauf. Chris schnappte sich die beiden und knuddelte sie erst mal so richtig durch.
Mir war dabei allerdings nicht klar, warum die zwei uns eigentlich weckten.
„Und warum wecken die uns so früh?“, fragte ich deshalb.
„Damit sie ihre Geschenke bekommen“, antwortete Chrisi mit einem Lachen und ließ einen der Zwillinge los.
„Muss ich das verstehen?“
„Es ist bei uns Regel, dass die Geschenke erst ausgepackt werden, wenn alle anwesend sind. Sind wir anwesend?“
„Oh, verstehe, dann müssen wir wohl aufstehen…, obwohl ich eigentlich noch müde bin“, meinte ich, was ich mit einem lang gezogenen Gähnen bewies.
„Was man nicht alles für die Kleinen tut“, erwiderte Chris und lächelte mich an.
Also ergaben wir uns unserem Schicksal und standen mühsam auf, um uns fertig zu machen. Sobald wir uns angezogen hatten, wurden wir auch schon von den zwei Kleinen hinunter gedrängt. Mit einem kurzen Blick stellte ich fest, dass mein Geschenk für Chris schon unterm Baum lag. Ich hatte es gestern in einem unbeobachteten Moment seiner Mum gegeben, damit sie es für mich darunter legen konnte.
Für Chris Eltern hatten wir ein gemeinsames Geschenk, das Chris noch gestern Nacht unter den Baum gelegt hatte.
Kaum waren wir im Wohnzimmer erschienen, stürmten die Kleinen auch schon zum Baum. Das war einfach zu niedlich. Wir setzten uns alle drum herum auf die Sofas und das Geschenke auspacken konnte beginnen.
Als erstes ging Nevin zum Kamin, nahm dort jeden Sack ab und reichte ihn seinem Besitzer. In allen war fast dasselbe enthalten: Ein paar Knabbereien, etwas Obst und Schokolade. Dann ging es mit den Geschenken, die unter dem Baum lagen, weiter.
Diesmal ging Chris Grandpa zu dem Baum, nahm ein Geschenk nach dem anderen und verteilte es. Nacheinander wurden sie ausgepackt, sodass jeder sehen konnte, was der andere bekommen hatte.
Ich fand das sehr schön, denn so konzentrierte man sich nicht nur auf seine Geschenke sondern auch auf die anderen und konnte dadurch beobachten, wie sich darüber gefreut wurde. Zuerst erwischte Chris Grandpa ein Geschenk für Alannah und Nevin und ich erkannte, dass es unseres war. Mit einem Lächeln sah ich Chris an, wir waren beide sehr gespannt darauf, was sie dazu sagen würden. Wir hatten dafür lange hin und her überlegt und uns schließlich auf ein Bild von uns beiden und dazu einige Knabbereien, von denen Chris wusste, dass seine Eltern sie mögen würden, geeinigt.
Als die beiden das Geschenk ausgepackt hatten, lächelten sie erst uns an und zeigten es dann auch gleich allen. Ich freute mich sehr darüber, dass es ihnen gefiel.
Nach und nach kamen nun alle dran und ich sah, dass Chris mein Geschenk für ihn gereicht bekam.
Es war eine Kette mit einem Medaillon, in dem ein Bild von mir enthalten war. Als Chris es aufmachte, strahlte er mich an und gab mir einen Kuss, den ich liebend gern erwiderte. Ich war noch total in Chris Augen versunken, als ein Geschenk direkt auf meinem Schoss landete.
Nach Chris neugierigem Blick zu urteilen, war es nicht von ihm. Ich machte mich daran es auszupacken und hervor kam ein kuschelig aussehender blauer Pullover. Ich freute mich sehr darüber und als ich hoch schaute, sah ich wie Chris Eltern mich anlächelten.
Also musste das Geschenk von ihnen sein. Freudig bedankte ich mich und schon ging es weiter. Kurze Zeit später bekam ich dann wieder ein Geschenk. Es war eine kleine Schachtel. Ich schaute fragend zu Chris, doch der schüttelte den Kopf.
Neugierig öffnete ich die kleine Schachtel und schaute verwirrt. Da war nichts drin. Mit einem riesigen Fragezeichen in den Augen schaute ich in die Runde und mein Blick blieb wieder an Alannah und Nevin hängen. Sie winkten mich beide zu sich und ich folgte der Aufforderung. Dann zogen sie mich zwischen sich.
„Das, was wir dir schenken möchten, passt nicht in dieses Päckchen. Wir dachten, wir schenken dir etwas Besonderes, was dir sicher gut gefällt“, begann Alannah zu erklären.
Fragend und noch immer verwirrt schaute ich sie beide einfach abwartend an.
„David, du hast so schnell unser Herz erobert, wir finden du solltest Mum und Dad zu uns sagen!“
Als ich das hörte, fing ich vor Freude an zu weinen. Sie nahmen mich in den Arm und zum ersten Mal spürte ich wieder, wie schön es war, Eltern zu haben. Ich kuschelte mich in Alannah’s…nein, Mum’s Arme und fühlte mich so richtig wohl.
Als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, bot mir auch Chris’s Grandpa das Grandpa an. Spätestens da konnte ich mit dem Strahlen gar nicht mehr aufhören. Das war das schönste Weihnachten, was ich je erlebt hatte.
Ich saß immer noch neben den Mum und Dad, als alle Geschenke schon verteilt waren. Ein bisschen wunderte ich mich schon darüber, weil ich von Chris nichts bekommen hatte. Doch da tauchte er plötzlich in meinem Blickfeld auf.
Mit einer Rose zwischen den Lippen kniete er sich vor mir hin und sah dabei so verführerisch süß aus, dass ich lächeln musste. Ich nahm ihm die Rose ab und roch daran, als mir ein kleines Kästchen in seiner Hand auffiel. Langsam begann Chris das Kästchen zu öffnen und ein wunderschöner Ring kam zum Vorschein.
Ich war so überrascht, dass ich den Mund gar nicht mehr zu bekam. Alles um uns herum schien zu verblassen, der gesamte Raum war von einer gespannten Stille erfasst. Ich war nur mehr dazu in der Lage, meinen Chris mit großen Augen anzustarren.
„Lieber David, hier vor meiner Familie frage ich dich, möchtest du dich mit mir verloben?“
Wow, er wollte sich mit mir verloben?! Außer mir vor Freude fiel ich meinem Chris um den Hals.
„Ja…, ja…, ja…“, rief ich überglücklich und im Zimmer fing alles an zu jubeln und zu klatschen.
Chrisi nahm den Ring aus der Schachtel und schob ihn auf meinen linken Ringfinger. Erst jetzt konnte ich ihn richtig betrachten.
„Hast du auch einen für dich?“, fragte ich mit zittriger Stimme.
Chrisi nickte nur und reichte mir ein weiteres Kästchen. Auch dieses öffnete ich und darin war der gleiche Ring enthalten, den ich am Finger trug. Ich entnahm ihn und steckte Chris den Ring an seine linke Hand.
Dann fielen wir uns in die Arme und küssten uns innig. Und wieder jubelten die anderen und klatschen laut. Es war für mich gar nicht richtig fassbar und war einfach nur glücklich.
*-*-*
Nach all der Aufregung scheuchte uns Mum alle zusammen in die Küche, wo schon ein fertig gerichtetes Frühstück mit vielen Leckereien angerichtet war. Da es heute Abend ein großes Essen geben würde, fiel das Mittagessen aus. Kaum war das Frühstück beendet, klingelte es auch schon an der Haustür.
Nach und nach trudelten ein paar Verwandte, Nachbarn und Freunde ein. Auch Chris’s Freunde kamen und es herrschte eine sehr ausgelassene Stimmung. Es wurde dabei sehr viel gelacht und gescherzt. Am Nachmittag machten sich alle wieder auf den Heimweg.
Gegen achtzehn Uhr war dann das große Abendessen fertig und wir wechselten zusammen ins Esszimmer. Als ich dort das Essen sah, bekam ich große Augen. Das sah so lecker aus. Mir lief das Wasser wieder mal im Munde zusammen.
Zu sehen war ein traditionelles irisches Weihnachtsessen. Es gab einen großen Topf Suppe, die wohl als Vorspeise dienen sollte, vermutete ich. Dann sah ich noch einen Truthahn, und mir wurde bewusst, dass ich noch nie vorher einen gegessen hatte.
Außerdem war da noch eine Platte mit Schinken und dazu ein Korb voller Brot. Zwei Schüsseln, die eine gefüllt mit Bratkartoffeln, die andere mit Kartoffelpüree, rundeten die Mahlzeit ab. Ach ja, was nicht fehlen durfte war natürlich ein Pott mit Bratensauce.
Als endlich alle saßen, nahm Chrisi meine Hand in die seine, auf der anderen Seite ergriff Nua meine Hand und alle wünschten sich laut:
„Nollaig Shona Duit“ (Frohe Weihnachten)
Mum verteilte die Suppe in unseren Tellern, also als Vorspeise, wie ich mir schon gedacht hatte. Als jeder seine Suppe ausgelöffelt hatte, erhob sich Grandpa und schnitt den Truthahn an. Chrisi erklärte mir, dass dafür immer der Älteste zuständig sei.
*-*-*
Voll gegessen und pappsatt strich mir über mein Bäuchlein. Das Essen war so lecker gewesen. Als Mum und Moira begannen, den Tisch abzuräumen, wollte ich gleich mithelfen.
Aber Mum hielt mich gleich davon ab und meinte: „Nein David, bleib sitzen, das schaffen wir schon alleine.“
Wenig später servierten die beiden den Nachtisch. Wieder bedachte ich mein wandelndes Lexikon Chrisi mit einem fragenden Blick und er erklärte mir, dass dies zwei typische irische Nachtische wären.
Das eine Dessert in Kuchenform war ein Christmas Pudding mit Brandy Butter.
Die Kekse in der anderen Schüssel waren so genannte Mince pies, Früchtemus in Teig eingelegt. Chrisi legte mir von den Keksen auf meinen Teller, aber vom Kuchen gab er mir nichts.
„Und vom anderen?“, fragte ich dann auch gleich verwundert.
„David, da ist irischer Brandy drin und ich denke nicht, dass du den verträgst. Der ist sehr stark!“
„Ach so…okay“, erwiderte ich nur und widmete mich gleich meinem Nachtisch.
Nach dem Essen saßen wir noch etwas mit den anderen zusammen, aber Chris und ich zogen uns relativ früh zurück. Oben in Chris Zimmer angekommen kuschelten wir uns auf dem Bett aneinander.
Ich murrte ein bisschen, als Chris sich einfach wieder aufrichtete. Er griff nach irgendetwas unter dem Bett, kam wieder hoch und reichte es mir. Es war noch ein Geschenk.
„Ähm… warum hast du mir das nicht schon unten gegeben?“, fragte ich leicht verwirrt.
Da wurde mein Chrisi doch tatsächlich rot und lächelte verlegen.
„Mach es einfach auf“, entgegnete er nur.
Neugierig riss ich das Geschenkpapier weg und als ich es ausgepackt hatte, verstand ich auch sofort, warum Chris rot geworden war. Es war ein Kalender. Aber nicht irgendein Kalender. Nein, es war ein Kalender von Chris. Und wie ich feststellte, verlor er mit jedem Monat etwas Kleidung und im Dezember war er dann vollkommen hüllenlos zu sehen.
Ich lächelte ihn an und gab ihm einen Kuss als Dankeschön. Das war ein wundervolles Geschenk und die Bilder waren einfach wow.
*-*-*
An diesem Tag war St. Stephens Day, aber was da passieren würde, wusste ich noch nicht. Das sollte ich zwar schon direkt nach dem Frühstück erfahren, aber zuvor klopfte es schon an der Tür und wir gingen alle gemeinsam, um sie zu öffnen.
Ich wunderte mich, als ich ein paar kostümierte Jungen sah, die einen Vogel (keinen echten), an einem Stock aufgespießt, dabei hatten. Sie fingen sofort an, Musik zu machen und sagten einen Reim auf:
„The wren, the wren, the king of all birds,
On St. Stephen’s Day was caught in the furze,
Although he is little, his family is great,
I pray you, good landlady, give us a treat.
Der Zaunkönig, der Zaunkönig, der König aller Vögel,
am Tag des St. Stephens wurden im Stechginster gefangen,
Obwohl er wenig ist, ist seine Familie groß,
ich bete Sie, gute Hauswirtin, gebe uns ein Vergnügen.“
Ich sah, wie Mum ihnen etwas Geld gab und wie die Jungen dann weiter zum nächsten Haus zogen. Ganz verstehen tat ich das allerdings nicht. Chris meinte nur, dass es hier eine Tradition sei, weil nämlich am St. Stephanus Day ein Verräter hingerichtet worden war.
Tja ich musste ja auch nicht jede Sitte verstehen, dachte ich mir.
Im Wohnzimmer sitzend gingen wir dann den Tagesablauf durch. Wir würden uns ein Pferderennen anschauen, was auch bei manchen so Brauch war.
Ich war da schon sehr gespannt darauf, denn ich hatte noch nie zuvor ein Pferderennen gesehen. Danach wollten wir dann alle zusammen spazieren gehen.
Das Pferderennen war einfach wow. Die Pferde sahen so schön und stark aus, wie sie da rannten, jedes darauf bedacht das Beste zu sein.
Ich war richtig beeindruckt. Das Erlebnis würde ich bestimmt nicht vergessen.
*-*-*
Die Tage bis zu Sylvester verbrachten wir entweder mit Chris’s, und nun auch meiner, Familie oder mit Chris Freunden, die ich auch schon zu den meinen zählen durfte. Sylvester an sich verbrachten wir zuhause bei unserer Familie.
Wir spielten zusammen Spiele, redeten viel und scherzten rum. Am Abend blieben wir aber nicht zuhause, sondern gingen in einen Pub, der auch schon richtig voll war. Dort blieben Chris und ich bei der Familie, bis es pünktlich zum Jahreswechsel ans Anstoßen ging.
Eine halbe Stunde später machten wir, also Chris und ich, uns auf dem Weg in einen anderen Pub, um uns dort mit unseren Freunden zu treffen. Wir feierten noch sehr ausgelassen und ich konnte es mir nicht verkneifen, immer mal wieder die brennenden Zigaretten der anderen auszumachen.
Erst hatten sie immer verwundert geguckt, warum sie plötzlich aus waren. Doch irgendwie kamen sie dann doch dahinter, dass ich dafür verantwortlich gewesen war und kitzelten mich durch. Wir waren alle nicht mehr ganz nüchtern gewesen, als wir uns irgendwann morgens auf den Weg nach Hause machten.
Wie gut, dass wir am nächsten Tag erst nachmittags zurück fliegen würden.
*-*-*
Chris und ich wachten gegen Mittag mit einem leicht brummenden Kopf auf. Langsam machten wir uns fertig und gingen nach unten, wo alle anderen schon am Mittagstisch saßen und wir uns dazu setzten.
Als dann doch der Abschied nahte, kamen mir die Tränen. Ich wollte einfach noch nicht hier weg und drückte alle ganz dolle. Vor allem von Mum und Dad wollte ich mich nicht verabschieden. Aber noch musste ich das ja auch nicht, denn ich wusste, sie würden uns zum Flughafen bringen.
Chiara klammerte sich regelrecht an Chris, schien ihn nicht gehen lassen zu wollen. Er zog sie deshalb etwas außerhalb der Gruppe und redete leise mit ihr. Nach einiger Zeit sah ich, wie sie nickte und sich langsam von Chrisi löste.
Sie kamen wieder zu uns zurück und auch ich drückte Chiara ganz dolle, hatte ich sie doch wirklich sehr lieb gewonnen. Meine kleine Schwester.
Die Fahrt zum Flughafen verlief schweigend. Keiner wusste so recht, was er sagen sollte.
Doch als wir dann unser Ziel erreicht hatten, das Gepäck schon abgegeben, warf ich mich in Mum’s Arme und wollte sie nicht mehr los lassen. Nur ganz langsam löste ich mich wieder von ihr. Sie versprach, dass wir telefonieren würden und uns bestimmt bald wieder sehen würden.
Auch Dad drückte ich noch ganz lange, bis wir dann leider gehen mussten. Ich drückte beiden noch ein Kuss auf die Wange und langsam machten wir uns auf den Weg zum einchecken. Winkend verließen wir sie.
Dass wir sie wieder sehen würden, war schon gewiss.
Immerhin sind es unsere Eltern. Entweder würden sie uns besuchen oder wir würden wieder zu ihnen fliegen.
Egal wie, auf jeden Fall freute ich mich schon darauf, sie wieder zu sehen. Mit dieser Zuversicht stiegen wir ins Flugzeug, um endgültig den Flug nach Hause anzutreten, obwohl nun auch hier in Irland unser gemeinsames Zuhause war. Nun hatten wir eben zwei.
Das war nun mein Leben, wie es bis jetzt verlaufen ist. Nicht immer schön, doch es machte mich zu dem Menschen, der ich jetzt bin.

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Information Ewigkeit
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:38 AM - No Replies

Eilig rannte Damien durch die Straßen, ohne sich umzusehen. Er hasste die Dunkelheit, mehr sogar als den Tod …schlimmer noch …er hatte unsägliche Angst vor der Dunkelheit. Und die paar Straßenlaternen, die nicht allzu viel Licht abgaben, konnten ihm seine Angst nicht nehmen.
Normalerweise ging Damien niemals um diese Zeit auf die Straße, doch diesmal musste es sein, denn ein guter Freund, von ihm, hatte ihn um einen Gefallen gebeten und Damien war, nachdem ihm seine Ausreden ausgegangen waren, doch zu seinem Freund gegangen.
Eigentlich waren es nur dreißig Minuten Fußweg, doch Damien kamen diese dreißig Minuten wie Stunden, anstatt Minuten, vor. Immer wieder sah er sich um, doch da war niemand. Er blieb stehen, lehnte sich an eine Häuserwand an und atmete tief ein und aus.
Die Angst saß in jeder Faser seines Körpers. Er schüttelte heftig den Kopf und hämmerte gegen seine Schläfen. Doch es half ihm nichts. Die Angst blieb. Schließlich lief er schnell weiter, denn er wollte so schnell wie irgend möglich nach Hause.
„Es wird dir nichts passieren, glaub mir.”, hatte sein Freund Randir noch gesagt.
Ja, ja, der hat gut reden. Er ist ja auch zu Hause und muss nicht weg, dachte Damien, sich noch immer umsehend.
*-*-*
Randir und er waren jetzt zwanzig Jahre alt und seit je her die besten Freunde. Es war sozusagen eine „Sandkastenfreundschaft”, dann gingen beide auch in dieselbe Schule und auch in die selbe Klasse.
Randir hatte Damien immer vor prügelnden Klassenkameraden gerettet und Damien hatte Randir dafür Nachhilfestunden in verschiedenen Unterrichtsfächern gegeben. So hatten sich beide immer irgendwie ergänzt.
*-*-*
Nur noch ein paar Meter, dann hätte es Damien geschafft und könnte endlich sein Zuhause betreten. Immer wieder redete er sich ein, dass er keine Angst zu haben brauchte… doch auch das half ihm leider nicht.
Als er sich wiederum umdrehte und dann weiterlief… ging es nicht weiter… war er etwa an einen Laternenpfahl gelaufen? Au man, warum musste immer ihm so was passieren…? Er drehte sich wieder nach vorn um und konnte nicht zu Ende denken, denn vor ihm hatte sich jemand gestellt, den er nicht kannte.
Na, das war’s ja dann …jetzt rutschte Damien beinahe das Herz in die Hose …während er jetzt immer weiter rückwärts lief. Denn dieser Fremde, vor ihm, vom Mondlicht geheimnisvoll umhüllt, machte ihm Angst.
Ganz plötzlich blieb er stehen und konnte sich, warum auch immer, nicht mehr bewegen. Jedoch bewegte sich der Fremde auf ihn zu und Damiens Angst hatte beinahe ihren absoluten Höhepunkt erreicht.
Wäre doch jetzt Randir bei mir, dachte Damien noch, als der Fremde zu reden begann.
„Guten Abend!”, grüßte der Fremde.
„Du brauchst keine Angst zu haben, Damien. Ich werde dir keinen Schaden zufügen. Das verspreche ich dir”, fügte er hinzu.
Damien glaubte sich erhört zu haben, wieso und woher wusste DER da, vor ihm, wer er war? Langsam glaubte Damien seinen Verstand zu verlieren. Das konnte doch nur eine Halluzination sein …ja , es war sicherlich eine Sinnestäuschung. Etwas anderes konnte er sich nicht vorstellen.
„Wer bist du, verdammt noch mal?! Und woher kennst du meinen Namen?!”, fragte Damien und versuchte verzweifelt seine Angst in den Griff zu bekommen.
„Woher ich deinen Namen kenne, spielt jetzt keine Rolle. Ich wollte dich lediglich kennen lernen. Das ist auch schon alles. Übrigens, mein Name ist, Raven. Und wenn du dich von deiner Angst befreit hast und mit mir reden möchtest, dann rufe mich bei meinem Namen und ich werde bei dir sein…”, mit diesen Worten verschwand der geheimnisvolle Fremde, der sich Raven nannte, wieder.
Endlich, Damien konnte sich nun wieder bewegen und rannte jetzt schneller, als der Wind, zu seinem Haus. Eilig schloss er die Haustür auf, lief hinein und schloss die Haustür sehr sorgfältig wieder ab. Erst jetzt fühlte er sich wieder wohl und sicher.
Nachdem er seine Jacke irgendwo in eine Ecke geworfen hatte, ging er zum Telefon und wählte die Nummer seines Freundes Randir. Freizeichen …und endlich meldete sich Randir.
„Ja, bitte?”
„Randir? Hier ist Damien. Ich bin einigermaßen gut heim gekommen.”, erwiderte Damien.
„Na, siehst du. Ich hab dir doch gesagt, dass dir nichts passiert.”
„Ja, aber ich hatte trotzdem Angst. Und dann ist mir doch glatt so ein Kerl, mit Namen Raven, begegnet. Ich sag dir, der war bleich wie eine Kalkwand, aber er sah trotzdem sehr hübsch aus. Randir, so was hast du noch nicht gesehen.”, fing Damien, ohne es wirklich zu merken, an zu schwärmen.
„Damien? Ist alles okay mit dir? Hast du unterwegs noch was getrunken, oder so?”, fragte Randir nur ungläubig.
„Nein, wieso. Ich bin stocknüchtern.”
„Man Alter, hast du dir eben mal zugehört? Hallo… du hast von einem Kerl geschwärmt. Sag mal, bist du jetzt schwul geworden, Dam?”
Jetzt fiel es Damien auch auf.
„Ähm, na ja, so war das gar nicht gemeint, ich hab mich nur verkehrt ausgedrückt…”
Bloß gut, dass ihn jetzt niemand sehen konnte, denn sein Gesicht war puterrot angelaufen und er schämte sich fast zu Tode.
„Na, das hörte sich aber eben ganz anders an.”, bohrte Randir weiter, „und wenn schon, meinst du wirklich, dass es unserer Freundschaft abträglich wäre, wenn du schwul bist? Das kannst du vergessen. Du weißt doch ganz genau, dass ich immer zu dir stehe, egal was passiert. So, und nun spann mich nicht auf die Folter: Was hat er gesagt? Wie genau sah er aus?”
„Eigentlich nichts weiter. Er meinte nur, dass er mir keinen Schaden zufügen würde und ich keine Angst zu haben brauche. Tja… und dass er mich lediglich kennen lernen wollte. Und eben, dass er Raven heißt. Aber das merkwürdigste war, dass er meinen Namen kannte. Das war schon mehr als unheimlich, sag ich dir. Wie er aussah …na ja, er war eigentlich ganz normal mit Jeans und einem T-Shirt bekleidet, aber er war blass wie eine Wand. Er hatte schwarze kurze Haare und er war schon unheimlich hübsch …und er war ziemlich groß und schlank. Das war alles was ich, trotz meiner Angst, sehen konnte.”, erzählte Damien seinem Freund.
„Sag mal, hattest du denn gar keine Angst?”, wollte Randir nun wissen und hatte seinem Freund anscheinend nicht wirklich gut zugehört.
„Hab ich dir doch schon gesagt… du kennst mich doch. Ich hab gezittert, wie Espenlaub. Eben wie immer, wenn ich was nicht kenne.”
„Schon gut, mein Alter, ich geh jetzt ins Bett. Wir sehen uns. Mach es gut und schlaf gut. Bye, bye.”
„Okay, schlaf du auch gut, Randir. Bye, bye.”, dann legten beide auf und Damien saß noch sehr lange in dem Sessel am Kamin und dachte über alles nach…
Was hatte Randir gesagt? Ob er sich wirklich für das andere „Ufer” entschieden hatte? Zugegeben dieser Raven hatte etwas Reizvolles an sich. Und irgendwie zog er ihn magisch an, doch sein ganzer Körper warnte ihn vor Raven.
Nur das „Warum“ …konnte er sich nicht erklären. Diese unnatürliche Blässe war schon etwas beängstigend. Damien war der geborene Realist, deshalb las er niemals Phantasiegeschichten, oder andere Bücher, die von unnatürlichen Ereignissen oder Wesen berichteten. Denn er glaubte an solche „Sachen” nicht.
Natürlich hatte er schon von einigen übernatürlichen Wesen, durch Randir, gehört. Aber er hatte ihn immer nur belächelt. Eigentlich war Damien zum Umfallen müde, aber er wollte jetzt Antworten und probierte jetzt einfach mal das aus, was ihm Raven gesagt hatte.
Dabei war er sich ziemlich sicher, dass das eh nicht funktionieren würde…
„Raven!”, rief Damien so laut, so dass er sich beinahe, vor seiner eigenen Stimme, erschreckt hätte.
„Ich bin hier. Du brauchst nicht so zu schreien, Damien.”, ertönte eine Stimme und Damien sah sich erschrocken um.
Dann sah er auch schon Raven vor sich stehen. Schnell sprang Damien von seinem Sessel auf, stellte sich hinter den Sessel und sah Raven skeptisch an. Raven blieb genau da stehen, wo er erschienen war.
„Du hast mich gerufen, hier bin ich. Was willst du?”
„Nun, ich möchte ein paar Antworten. Erst mal will ich wissen, warum du gerade mich kennen lernen wolltest. Dann möchte ich noch wissen, was genau du von MIR willst und warum du so einfach hier in meinem Haus erscheinen kannst?”, erwiderte Damien fragend.
„Diese Fragen kann ich dir jetzt noch nicht beantworten, denn du bist noch nicht reif dafür. Du bist noch zu sehr an deine Realität gebunden. Du würdest nicht glauben, was ich dir erzähle.”
„Ist das so?! Woher willst du das alles überhaupt wissen? Du bist doch nicht etwa ein Hellseher, oder so etwas Ähnliches?”, fragte Damien nun, etwas ironisch.
„Nein, ich bin kein Hellseher. Aber mehr möchte ich dir jetzt nicht sagen, denn du bist mir zu ironisch und ich habe das Gefühl, du machst dich über mich lustig. Deshalb werde ich dich jetzt wieder verlassen.”
Schon war Raven wieder verschwunden… als hätte ihn der Erdboden verschluckt.
Todmüde, aber immer noch grübelnd, ging Damien ins Bad. Er badete, dann trocknete er sich ab und ging ins Schlafzimmer, wo er sich aus dem Schrank frische Boxershorts, ein T-Shirt und Socken herausholte und sich sogleich anzog.
Ja, Damien schlief immer mit Socken, denn er fror sehr schnell. Dann ging er zu Bett und schlief, mit einem Gedanken an Raven, ein. Was er jedoch, während er schlief, träumte ließ ihn schweißgebadet wieder erwachen.
Er setzte sich, in seinem Bett auf und blickte sich vorerst um. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es viertel vor vier war. Warum verfolgte Raven ihn auch noch in seine Träume? Was konnte er von ihm wollen?
Er stand auf, lief in die Küche und nahm sich ein Glas Wasser, das er sofort austrank. Die Flasche Wasser nahm er mit sich und auch das Glas, dann ging er ins Wohnzimmer, schaltete das Fernsehen an, setzte sich auf das Sofa und hüllte sich in eine flauschige Decke ein.
Die Dokumentation, im Fernsehen, sah er eigentlich nicht, denn seine Gedanken kreisten um Raven und was er von ihm wollen konnte. Und warum hatte er von Raven geträumt? Hatte Randir vielleicht doch recht, mit dem was er gesagt hatte?
War er – Damien – wirklich Männern zugetan? Er wusste es nicht, denn er hatte bis dahin noch nie eine Freundin oder einen Freund, in der Art, gehabt. Sein einziger Freund war Randir, aber er war mit ihm nicht in der Art und Weise, was man Liebe nannte, zusammen.
Sie waren eben nur Freunde. Randir war seine Familie, sein Freund …einfach alles. Somit wusste Damien nicht wie sich Liebe anfühlte… wie es sich anfühlte, wenn man jemanden liebte oder verliebt war.
Den Fernseher anstarrend… mehr hindurchsehend… schlief Damien endlich wieder ein. Sehr unsanft wurde Damien, durch das Läuten des Telefons, geweckt. Er schreckte hoch, sprang vom Sofa auf, hastete zum Telefon und griff nach dem Hörer.
„Ja, bitte?”, meldete er sich.
„Dam? Hier ist Randir. Na du, hast du gut geschlafen?”
„Ach, du bist es, Randir. Na ja, es geht so. Was ist denn los? Kann ich dir helfen?”
„Nein, Dam. Ich wollte dich nur fragen, ob du nicht nachher zu mir kommen magst, dann können wir beide doch mal wieder was unternehmen oder wenn du magst, können wir auch nur reden. Oder hey, ich könnte auch zu dir kommen, wenn dir das lieber ist.”, schlug Randir Damien vor.
„Okay, du kannst gern zu mir kommen. Ich würde mich eh gern mal mit dir unterhalten.”
„Gut, dann bis nachher. Ist dir 14 Uhr recht?”, fragte Randir noch mal nach.
„Gern. Ich freu mich auf dich. Bye, bye.”, antwortete Damien.
„Bye, bye, Dam.”, verabschiedete sich Randir noch, dann legten beide auf und Damien ging ins Bad, wo er duschte und sich danach im Schlafzimmer anzog.
Aber er war nicht allein in seinem Haus, denn während der Nacht hatte sich ein Einbrecher Zutritt, zu Damiens Haus verschafft. Noch ahnte Damien nicht, was ihn erwartete. Doch als er das Schlafzimmer wieder verließ, vernahm er Geräusche, die von der Bibliothek her kommen mussten. Denn die Geräusche waren sehr laut und somit unüberhörbar.
*-*-*
Damien war sehr reich. Er hatte ein riesiges Vermögen von seinen Eltern geerbt, nachdem diese bei einem Flugzeugabsturz vor zwei Jahren, ums Leben gekommen waren. Seine Eltern hatten ihren Sohn sehr geliebt und Damien hatte sie geliebt, umso mehr hatte es ihn getroffen, als beide starben.
Nach einer langen Zeit der Trauer, viel Hilfe und Trost von Randir, hatte er sich entschlossen, in dem Haus wohnen zu bleiben, obgleich ihn hier alles an seine Eltern erinnerte.
*-*-*
Langsam verließ Damien das Schlafzimmer und schlich zur Bibliothek. Obwohl er sehr große Angst hatte, wollte er doch sein Eigentum schützen und betrat vorsichtig die Bibliothek. Nach wenigen Metern konnte er sehen, wie sich der Einbrecher an dem Tresor zu schaffen machte, den er jedoch nicht öffnen konnte.
Mit einem Baseballschläger bewaffnet, den er einst von Randir bekommen hatte, schlich er sich an den Räuber heran und wollte ihm eben den Baseballschläger über den Kopf ziehen, als sich der Räuber umdrehte und aufstand.
Nun war Damien, mit einer Größe von einem Meter Fünfundsiebzig, nicht grade sehr groß und als dann der Räuber auch noch aufgestanden war, wäre Damien am Liebsten davongelaufen. Aber er lief jetzt eben nicht davon, sondern stand, mit erhobenem Schläger, vor dem Räuber.
Doch der Dieb hatte leichtes Spiel mit Damien. Denn Damien war starr vor Angst. Der Einbrecher nahm ihm den Schläger aus der Hand und schlug damit mehrmals auf Damien ein, bis er reglos, blutend und dem Tode nahe, liegen blieb.
Danach wollte der Einbrecher die Villa verlassen, doch wurde er aufgehalten. Raven stellte sich dem Räuber in den Weg und schlug ihm den Baseballschläger aus der Hand. Dann griff Raven den Einbrecher an, labte sich dann an dessen Blut und verbrannte ihn anschließend mit einem magischen Feuer.
Schnell begab sich Raven zu Damien, den er reglos und beinahe leblos auf der Erde liegend vorfand.
„Verdammt,”, fluchte er leise: „wäre ich doch nur hier geblieben…”
Vorsichtig hob er Damien hoch und brachte ihn ins Schlafzimmer, wo er ihn auf das Bett legte. Jetzt musste schnell etwas geschehen, wenn er Damien retten wollte. Er beugte sich über Damien, fletschte die Zähne und saugte ihm das Blut aus den Adern.
Mit seiner Zunge schloss er die Wunde an Damiens Hals wieder und ritzte sich anschließend die Pulsader, am Handgelenk auf. Mit ein ganz klein wenig Gewalt, öffnete Raven Damiens Mund und träufelte ihm sein Blut in den Mund hinein.
Zwischen Leben und Tod schwebend, schluckte Damien, instinktiv, die ihm verabreichte Flüssigkeit, konnte er doch nicht wissen, dass es sich dabei um Blut handelte. Hoffnungsvoll wartete Raven nun, was passieren und ob Damien wieder zu Bewusstsein kommen würde. Währenddessen strich Raven sanft über Damiens lange schwarze Haare.
„Bitte, Damien, kämpfe… und komm zurück… bitte, komm zu mir zurück.“, bat Raven flüsternd.
Doch Damien war kein Kämpfer. Er hatte sich eigentlich schon längst aufgegeben. Irgendetwas in ihm begann nun aber doch zu kämpfen und wollte nicht sterben. Aber auch Raven war nicht bereit Damien dem Tod zu überlassen.
„Damien, komm schon, wach auf. Du musst kämpfen, hörst du. Ich werde dich nicht aufgeben. Das kann ich dir versprechen.”, flehte Raven leise.
Ravens Blut hatte bereits angefangen zu wirken und begann Damiens Körper zu heilen. Ganz langsam kam Damien, nach einer Weile, wieder zu sich. Damiens Augen öffneten sich und wollten sich schon wieder schließen, als er Ravens Stimme hörte
„Nein, Damien, komm bleib bei mir. Du darfst deine Augen jetzt nicht wieder schließen.”
Erst jetzt bekam Damien mit, dass sich jemand bei ihm befand. Schnell öffnete er seine Augen und sah Raven sehr erstaunt an. Leise fragte Damien:
„Raven! Warum bist du hier? Was ist denn nur passiert?”
Vorsichtig legte Raven seinen Zeigefinger auf Damiens Mund.
„Schhh…. ruhig, Damien, du darfst jetzt nicht reden. Es ist alles in Ordnung und du wirst wieder gesund.”
Ein wenig lächelte Damien Raven an, denn langsam begann sich Damien zu erinnern, was passiert war.
„Da war doch ein Einbrecher …wo ist der hin? Er hat doch …”
„Ja, er hat dich niedergeschlagen. Aber er hat seine Strafe schon bekommen. Er wird dir nichts mehr antun können. Und dir ist nichts weiter passiert.”
„Hast du mich gerettet, Raven?”, wollte Damien wissen.
„Nur ein wenig. Es war nicht der Rede wert. Bitte, mach dir k….”, Raven wollte noch etwas sagen, als es an der Haustür zu läuten begann.
Damien wollte sich erheben, doch fiel es ihm noch etwas schwer.
„Das ist sicher mein Freund Randir.”, sprach Damien, als Raven ihm hoch half und ihn zur Tür brachte.
Dann verschwand Raven wieder und Damien stand allein an der Tür… Damien öffnete die Tür und sah seinen Freund vor sich stehen, der erst Mal einen tüchtigen Schreck bekam. Randir sah seinen Freund, mit großen Augen an.
„Dam, wie siehst du denn aus?! Was ist denn mit dir passiert?! Komm, ich helfe dir.”, bot Randir seinem Freund an.
Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer, wo Randir seinen Freund auf das Sofa legte. Er setzte sich neben Damien auf den Sofarand und sah seinen Freund an.
„Was ist denn passiert? Du bist ja so blass, wie weiße Farbe …beinahe wie ein Geist.”
„Ich weiß nicht was passiert ist. Ich weiß nur, dass ein Einbrecher hier war und ich ihn überraschte. Dann schlug er mich nieder und irgendwie hat mich Raven gerettet. Ich glaub sonst wäre ich jetzt tot.”, erzählte Damien seinem Freund.
„Aber, wo ist Raven denn jetzt? Ich möchte ihm danken, dass er dich gerettet hat …falls er nicht nur eine Einbildung von dir ist.”, sprach Randir und befühlte Damiens Stirn.
„Du glühst ja! Warte, ich hole dir eine kalte Kompresse.”, bot Randir seinem Freund an und lief sogleich in die Küche, an die Tiefkühltruhe, wo er solch eine Kompresse fand und diese der Truhe entnahm.
Er wickelte die Kompresse in ein Handtuch ein, brachte diese dann zu Damien und legte sie auf dessen Stirn. Die Kälte tat Damien gut und er schloss ein wenig die Augen.
Sich vor das Sofa kniend sah ihn Randir an.
„Dam, kann ich noch etwas für dich tun? Ich bleib auch ein wenig bei dir, wenn du magst.”, bot Randir seinem Freund an.
*-*-*
Randir nannte Damien immer Dam …schon vor je her.
*-*-*
„Nein, Randir, ich brauche jetzt nichts weiter. Aber ich danke dir.”, erwiderte Damien ein wenig nachdenklich.
Randir umarmte seinen Freund. Währenddessen fühlte Damien eine unbekannte Lust …einen Hunger nach irgendetwas …er wusste nur nicht wonach. Aber er hörte und spürte plötzlich Randirs Herz schlagen …die Halsschlagader schien deutlich hervorzutreten…
Beinahe wie eine Einladung. Was war das? Er hatte so etwas doch sonst nie so gespürt. Damien ergriff die Panik. Er sprang auf, stieß Randir von sich und rannte, so schnell es ging, davon …irgendwohin… nur weg von hier…
Randir konnte sich das nicht erklären und stand, nachdem er sich erhoben hatte, völlig verwirrt mitten im Raum. Was konnte denn nur mit Damien passiert sein …was war mit ihm los? Der Freund konnte sich keinen Reim darauf machen und folgte Damien.
Doch er konnte ihn zunächst nicht finden… Damien war aus dem Haus gelaufen. Er wusste nicht mehr wohin er eigentlich lief oder laufen wollte… sollte, wie auch immer. Aber irgendwann blieb er erschöpft stehen und ließ sich vollkommen entkräftet auf das Pflaster der Straße fallen.
„Na, du hast wohl schon mitbekommen, dass etwas mit dir nicht stimmt, hm.”, ertönte hinter Damien plötzlich eine, ihm sehr bekannte, Stimme und als Damien sich umdrehte, sah er tatsächlich Raven vor sich stehen.
Mit letzter Kraft sprang er auf und giftete seinen „Retter” teils wütend, teils verzweifelt an.
„Was hast du mit mir gemacht?! Was hast du mir angetan?!”
„Beruhige dich, Damien. Ich werde dir erklären, was mit dir los ist, okay. Als ich dich fand, warst du mehr tot als lebendig. Ich wollte dich retten und dich nicht dem Tod überlassen. Denn es hätte nicht mehr viel gefehlt und es wäre zu spät gewesen. Deshalb machte ich dich zu einem Vampir. Ja Damien, du bist jetzt ein Vampir. Du wurdest praktisch neu geboren. Und du wirst dich von nun an vom Blut der Menschen ernähren müssen. Du hast sicher schon bemerkt, dass du einen besonderen Hunger hast. Dieser Hunger entsteht, wenn dein Körper nach dem Blut der Lebenden …der Sterblichen verlangt. Denn du, Damien, bist nun unsterblich, aber hab keine Angst, ich werde dir zur Seite stehen und dir alles beibringen, was du wissen musst. Ich werde sozusagen sein Lehrmeister sein…”, erläuterte Raven ruhig.
„Du lügst doch! Es gibt gar keine Vampire! Also erzähle mir keine Märchen! Denn ich bin kein kleines Kind mehr, klar!”
Damien wurde nun, zum ersten Mal in seinem Leben, richtig wütend.
„Ich kann dich nicht belügen. Denn ich bin ebenfalls ein Vampir. Und du brauchst auch nicht wütend auf mich zu sein. Denn ohne mich wärst du jetzt tot.”, erwiderte Raven mit ruhiger Stimme.
Damien wollte noch etwas erwidern, als Randir die Beiden fand. Er war seinem Freund irgendwie gefolgt, denn er hatte sich Sorgen um Damien gemacht und ihn deshalb gesucht. Vorsichtig ging er auf Damien zu und sah auch Raven bei seinem Freund stehen, den er als erstes begrüßte.
„Hallo, du musst Raven sein. Ich bin Randir, Dams Freund. Er hat mir schon von dir erzählt. Ich möchte mich bei dir bedanken, dass du meinen Freund Damien gerettet hast.” und reichte Raven höflich die Hand.
Raven nahm Randirs Hand an, schüttelte diese leicht und entgegnete nickend.
„Das habe ich gern getan.”
Nachdem sich die Hände von Raven und Randir wieder gelöst hatten, sah Randir seinen Freund an:
„Was ist los, Dam?”, fragte Randir seinen Freund.
Denn er sah wohl, dass Damien verärgert war. Doch Damien antwortete nicht. Er sah auch Randir nicht an. Er sah nur zu Raven und wusste nicht, ob er glauben sollte, was dieser ihm erzählt hatte.
„Dam? Ist alles okay mit dir?”, fragte Randir seinen Freund noch einmal.
Aber auch diesmal bekam er keine Antwort von ihm. Stattdessen drehte sich Damien um und lief wieder davon. Er musste nachdenken, doch es schien beinahe so, als wollte er vor sich selbst weglaufen.
Randir wollte seinem Freund abermals folgen, aber Raven hielt ihn nun zurück und erklärte.
„Warte, Randir. Lass ihn laufen, er kommt von allein wieder. Weißt du, er hat gerade etwas erfahren, worüber er sich klarwerden muss. Lass ihm etwas Zeit.”
„Aber ich muss ihm doch helfen. Ich habe ihm immer geholfen. Woher willst DU überhaupt wissen, was für Damien gut ist?! Ich kenne meinen Freund schon seit einer halben Ewigkeit und ich weiß ganz genau, dass er mich braucht!”, beharrte Randir auf seiner Meinung, die er, lauter als gewohnt, kundtat.
„Nein, lass ihn. Er hat sich sehr verändert. Du wirst jetzt nicht mit ihm reden können. Ich werde mich jetzt um ihn kümmern, okay”, antwortete Raven mit sanfter Stimme.
Randir überlegte ein wenig, doch dann nickte er zustimmend.
„Ich denke, du hast recht, Raven. Vielleicht sollte ich ihn jetzt wirklich in Ruhe lassen.”, sprach er noch und ging, mit gesenktem Kopf und etwas enttäuscht nach Hause.
Ohne größere Probleme spürte Raven Damien auf und war, im gleichen Moment, auch schon bei ihm. Damien saß, zusammengekauert, irgendwo in einem Park, auf einer Wiese und wusste nicht was er denken sollte, als Raven ihn ansprach.
„Damien, jetzt hör mir mal zu! Du kannst nicht davonlaufen …verdammt, du kannst vor dir nicht davonlaufen. Das wirst du nicht schaffen. Ergib dich in dein Schicksal und sei dankbar, dass du noch „lebst“.”
Jetzt blickte Damien auf und sah Raven an, der mit verschränkten Armen vor ihm stand.
„Lass mich in Ruhe!”, motzte Damien Raven an.
„Nein, verdammt noch mal, ich werde dich nicht in Ruhe lassen!”, entgegnete Raven mit nun etwas lauterer Stimme, denn ihn nervte es jetzt langsam, dass sich Damien derart uneinsichtig und undankbar verhielt.
Nach diesen Worten von Raven sprang Damien auf und sah Raven noch etwas wütender an, während er ihn anschrie.
„Was willst du von mir?! Warum ich?! Was soll das alles?! Ich verstehe das nicht!”
„Damien, was passiert ist, tut mir Leid. Ich wollte dich lediglich retten. Aber wie mir scheint willst du wirklich lieber sterben. Dann tu was du willst. Ich habe keine Lust mehr mich von dir verbal angreifen zu lassen. Aber komm nicht bei mir angekrochen, wenn es dir schlecht geht.”
Mit diesen Worten verschwand Raven und ließ Damien allein zurück. Nun war Damien ganz allein. Niemand war für ihn da. Niemand stand ihm jetzt bei und niemand war da, um mit ihm zu reden und ihm alles zu erklären.
Dachte Damien doch nicht daran, dass er sich falsch verhalten und Raven damit in die Flucht geschlagen hatte. Er war einfach nur verwirrt. Traurig und einsam ging Damien nach Hause. Er schloss sich ein und legte sich auf das Sofa, in der Wohnstube.
Weinend suchte er nach Antworten, doch er bekam keine Antworten. Schließlich stand er wieder auf, ging hinunter in die Küche und entnahm dem Messerblock ein großes scharfes Messer. Damit bewaffnet ging er langsam wieder ins Wohnzimmer, setzte sich auf das Sofa und sah auf das Messer in seiner Hand.
Wie im Trance setzte er das Messer an sein Handgelenk an und ritzte sich damit die Haut, vorerst nur ein wenig, auf. Doch wie erstaunt war er, als der Schnitt schneller wieder verheilte, als dies normalerweise der Fall war.
Und noch einmal …und noch einmal versuchte er es, mit immer tieferen Schnitten. Natürlich taten ihm diese Schnitte höllisch weh, dennoch überwog die Neugier. Immer wieder verheilte der Schnitt sehr schnell.
Hatte Raven etwa doch nicht gelogen? Aber Damien glaubte nicht an Vampire. Er hatte nie an so etwas geglaubt. Schließlich setzte er das Messer erneut an, aber diesmal nicht am Handgelenk, sondern am Hals…!!!
Mit einem lauten „NEIN!”, schlug Raven das Messer aus der Hand seines Schützlings. Dann hielt er ihn an den Handgelenken fest und sah Damien in die Augen …in seine wunderschönen braunen Augen… in denen er sich verlieren würde, wenn er nicht aufpasste.
„Sag mal, was ist los mit dir? Warum willst du dich umbringen? Los, antworte!” wurde Raven nun doch langsam zornig.
Damien ließ seinen Kopf hängen, Tränen füllten seine Augen und tropften leise zu Boden. Vorsichtig schob Raven seinen Zeigefinger unter Damiens Kinn, nachdem er seine Handgelenke losgelassen hatte, und hob Damiens Kopf ein wenig hoch. Mit dem Kopf schüttelnd sah er Damien an.
„Warum weinst du jetzt …hm? Du hast doch gar keinen Grund zu weinen.”, sprach Raven mitfühlend und lächelte Damien nun ein wenig an.
Doch Damien antwortete nicht. Er sah Raven nur traurig an. Aber Raven zog seinen hübschen Schützling, an der Hand, hoch und verließ anschließend mit ihm das Zimmer und auch die Villa. Damien sträubte sich etwas, weil er nicht wusste, wohin Raven mit ihm gehen wollte. Doch jetzt ließ sich Raven nicht erweichen, denn er wollte ihn, verdammt noch mal, nicht verlieren.
Es war eine schöne laue Sommernacht und Raven ging gemeinsam mit Damien durch die Straßen, nachdem sich Damien ein wenig beruhigt hatte, und hatte sich schon ein Opfer ausgesucht. Dieses Opfer wurde in eine dunkle Gasse gelockt.
Raven bannte das Opfer und zeigte Damien, wie sich ein Vampir ernähren musste.
*-*-*
So hatte er es auch mit Damien getan, als er ihn das erste Mal getroffen hatte. Denn eigentlich sollte Damien seine nächste Mahlzeit werden… doch dann spürte er etwas in sich, das er nie für möglich gehalten hätte.
Damien ließ, in dem Vampir Gefühle erwachen, die er nicht kannte, die er jedoch ergründen wollte. Er war sich sicher, dass Damien der Schlüssel zu diesen seltsamen Gefühlen war.
*-*-*
Damien war zwar ein wenig erschrocken und, was er sah, ekelte ihn etwas an, aber er sah Raven dennoch interessiert zu. Nachdem Raven seine Mahlzeit beendet hatte, fragte Damien: „Und das kann ich auch?”
„Ja, wenn du es versuchst, kannst du das auch. Du musst dich nur überwinden”, erklärte Raven seinem „Schüler“.
Damien nickte und Raven ließ die Leiche in Flammen aufgehen. Wieder gingen beide auf die Straße und suchten ein Opfer für Damien. Schon bald war eines gefunden und wieder wurde dieses Opfer in die dunkle Gasse gelockt.
Obwohl Damien nicht wusste, wie er das Opfer bannen musste, tat er es instinktiv. Sodann machte er sich langsam, und mit einigen Selbstzweifeln, an das Opfer heran. Intuitiv spürte er die Schlagader, am Hals, auf und biss hinein.
Jetzt hatte der Vampir, in ihm, die Kontrolle übernommen und Damien trank gierig das Blut des Opfers. Nachdem Damien damit fertig war, lobte Raven seinen Schüler und ließ den Körper dieses Opfers ebenfalls in Flammen aufgehen.
„Das hast du gut gemacht, Damien. Und du hast nicht einen Tropfen vergossen. Sehr gut”, fügte Raven lobend hinzu.
Damien merkte, dass es ihm nunmehr sehr viel besser ging. Jetzt konnte Damien schon ein wenig lächeln und er lächelte Raven an. Damiens braune Augen begannen zu glänzen.
Und Raven freute sich sehr, als er dies sah. Aber er nahm sich zusammen, denn auch er hatte Angst vor diesen Gefühlen die, wie hungrige Wölfe, an ihm nagten.
„Damien, ich denke du kommst jetzt ganz gut zurecht, ich werde dich einstweilen verlassen, aber wir sehen uns bald wieder.”
Aber Damien, wollte nicht, dass sich Raven gerade jetzt verkrümelte.
„Bitte, lass mich jetzt nicht schon wieder allein, Raven. Ich bitte dich.”
Noch nie hatte Damien jemanden gebeten bei ihm zu bleiben, aber nun …er wusste auch nicht warum er dies tat, aber er wollte Raven jetzt einfach bei sich haben. Zeitgleich ergriff Damien Ravens Hand und sah ihn mit seinen braunen Augen, bittend …beinahe flehend… an.
Jedoch konnte Raven jetzt nicht bei Damien bleiben, auch wenn er dieser Bitte gern nachgekommen wäre. Doch er wusste nicht, wie lange er sich noch zurückhalten und diesen Gefühlen widerstehen konnte.
Denn tief in seinem Innern spürte er die tiefe Liebe, die er für Damien empfand, doch wollte er seinen Schützling nicht erschrecken oder gar bedrängen.
„Nein, Damien, ich kann jetzt nicht bei dir bleiben. Es tut mir Leid.”
Damit war Raven schon wieder verschwunden, ohne dass es Damien hätte verhindern können.
„Aber…”
Damien wollte noch etwas erwidern, allein… Raven war schon weg. Traurig, aber auch irgendwie glücklich lief Damien wieder nach Hause. Das heißt, eigentlich wollte er nach Hause gehen, machte dann aber doch eine Kehrtwendung und stattete Randir einen Besuch ab.
Er läutete an der Haustür und nur wenig später öffnete ihm sein Freund die Tür.
„Hey Dam, komm doch rein!”, freute sich Randir.
Mit strahlenden Augen betrat Damien das Haus. Auch Randir entging dieser Glanz in Damiens Augen nicht und er fragte ihn, während beide ins Wohnzimmer gingen.
„Wie geht es dir? Und, sag mal, ist irgendwas passiert? Du strahlst ja, dass selbst die Sonne gegen dich verblassen würde.”
„Wirklich? Das ist mir gar nicht aufgefallen”, erwiderte Damien.
„Ja, wirklich. Du siehst aus …Moment mal …als wärst du …total verknallt”, antwortete Randir grinsend.
„Verknallt? Ich? Wie kommst du denn darauf?“, fragte Damien, den Unschuldigen spielend.
„Ja, du und mach mir bloß nichts vor. Ich kenne solche Blicke… nur zu gut. Wer ist denn der oder die Glückliche? Nein… lass mich raten… Raven… es ist Raven. Hab ich recht?“, stellte Randir, fragend, fest.
Verdammt, musste Randir ausgerechnet jetzt Raven erwähnen…? In Damiens Magen breitete sich, mit einem Mal, ein Gefühl aus, das er nicht kannte und das sich doch so wunderbar anfühlte. Doch Damien sah seinen Freund nur an und hätte er erröten können, dann hätte er einer überreifen Erdbeere durchaus Konkurrenz machen können.
Randir kannte seinen Freund zu genau und er wusste, dass Damien irgendwie glücklich zu sein schien und er war ganz sicher verliebt. Dass Damien den Unschuldigen nur spielte wusste Randir nun nicht.
„Na, was ist. Stimmt doch, oder? Du hast dich in Raven verliebt, richtig? Ich könnte es gut verstehen, denn „dein“ Raven ist ein Bild von einem Mann.”, sprach Randir weiter.
„Ja, du hast Recht. Ich hab mich in Raven verliebt. Nur ich weiß nicht, ob er auch in mich… na du weißt schon…”, gab Damien, mit gesenktem Kopf, zu.
„Hey, das ist doch klasse, dann wirst du endlich mal glücklich! Ich freu mich für dich. Und was Raven angeht, lass ihm etwas Zeit. Vielleicht will er dich nicht bedrängen und hat sich dir deshalb noch nicht offenbart”, erklärte Randir seinem Freund.
Damien nickte und er verstand sehr gut, was ihm sein Freund zu sagen versuchte, denn er war ja schließlich nicht dumm.
„Randir, ich muss dir etwas sagen und ich weiß nicht, ob du es verstehen wirst…”, begann Damien, „…ich bin ein Vampir. Und ich muss mich, von nun an, von dem Blut der Menschen ernähren….”
Mehr sagte Damien nicht, dann sah er beinahe schuldbewusst zu Boden, so als gäbe es da etwas ganz Tolles zu sehen. Er getraute sich nun nicht mehr Randir ins Gesicht zu sehen. Randir grinste nur, nahm Damiens Hände in die Seinen.
„Ich glaube dir jetzt zwar nicht, weil es so was nämlich gar nicht gibt, aber wenn du der Meinung bist …bitte. Oder kannst du es beweisen?”, forderte Randir seinen Freund heraus.
Damien hob seinen Kopf wieder und sah Randir an. Dann öffnete er seinen Mund und ließ zwei scharfe weiße überlange Eckzähne sehen. Um dem noch ein wenig Ausdruck zu verleihen, fletschte Damien seine Zähne und grinste dabei.
Das hatte Randir nun doch nicht erwartet und rückte instinktiv ein Stück weg von seinem Freund.
„Okay, okay. Ich glaube dir. Aber zieh bloß deine Beißerchen wieder ein, ja.”, bat Randir und lächelte leicht gequält.
„Nur unsere Freundschaft wird das dennoch nicht beenden, damit das klar ist.”, sprach Randir freundschaftlich, trotzdem er leicht geschockt war.
„Ich werde, dessen ungeachtet, immer zu dir stehen, egal was passiert. Das weißt du auch, nicht wahr, Damien. Und auch wenn du jetzt ein Vampir bist, ich bleibe immer dein Freund.”
Damiens Augen begannen nun noch mehr zu leuchten, als Randir ihm diese Worte gesagt hatte.
„Danke Randir, danke für deine Freundschaft. Das werde ich dir nie vergessen.”, erwiderte Damien dankbar.
„Na, sag mal, das ist doch selbstverständlich. Wir sind und bleiben Freunde, egal ob du nun ein Vampir, oder sonst was, bist.”, grinste Randir und bot Damien etwas zu trinken an.
Damien bedankte sich, doch lehnte er, das ihm angebotene Getränk ab.
„Nein, danke, ich bin nicht durstig.”
Randir nahm sich jedoch ein Glas Wein und prostete Damien zu. Er fand es schon irgendwie sehr interessant, nun einen Vampir zum Freund zu haben. Beide redeten noch lange miteinander. Und es wurde ziemlich spät. Schließlich machte sich Damien auf und verabschiedete sich von seinem Freund. Dann verließ er Randirs Haus.
Auf seinem Weg nach Hause, fiel Damien auf, dass er gar keine Angst mehr hatte. Er lief jetzt durch die dunklen Straßen, als sei es heller Tag. Endlich daheim, betrat er seine Villa, ging nach oben ins Bad und gönnte sich ein entspannendes Bad mit duftenden Ölen.
Anschließend betrat er sein Schlafzimmer, um sich frische Sachen anzuziehen. Danach legte er sich ins Bett, deckte sich zu und schloss die Augen. Seine Gedanken galten jetzt Raven und er wünschte sich so sehr, dass sein „Lehrer“ jetzt, in diesem Augenblick, bei ihm wäre.
„Ich bin hier, Damien.”, ertönte es von der Tür her und Damien setzte sich sogleich in seinem Bett auf.
An die Tür gelehnt, stand Raven lässig und mit verschränkten Armen da und sah Damien mit einem Schmunzeln, auf den Lippen, an. Damiens schöne braune Augen, begannen, bei Ravens Anblick, sofort wieder zu leuchten.
„Raven!”, freute sich Damien und kriegte sich kaum mehr ein. Würde sein Herz noch schlagen, hätte es jetzt sicher einen Luftsprung gemacht.
„Was willst du, hm?”, fragte Raven Damien, mit einen geheimnisvollen, erotischem Lächeln.
„Ich weiß nicht. Ich …also…”, erwiderte Damien, ein wenig stotternd, und sah ziemlich schüchtern weg. Während er jedoch weg sah gestand er: „Raven …ich habe mich in dich verliebt.”, nach diesen Worten getraute er sich nun erst recht nicht mehr Raven anzusehen.
Seine Gefühle fuhren nun Achterbahn mit ihm, denn er wusste nicht, was ihn jetzt erwarten würde.
Aber Raven stand längst neben Damiens Bett und setzte sich nun drauf. Er konnte ganz deutlich spüren, dass Damien ihm die Wahrheit gesagt hatte.
„Du kannst mich ruhig ansehen, mein Schöner.”, mit diesen Worten hob Raven seine Hand und strich sanft über Damiens lange schwarze Haare.
Schließlich überwand Damien seine Scheu, drehte sich zu Raven um und berührte sanft Ravens Gesicht.
„Du bist sehr hübsch, weißt du das.”, flüsterte Damien und sah Raven an.
Raven sah Damien ebenfalls an.
„Du bist auch sehr hübsch, Damien. Und auch ich habe mich… in dich verliebt.”, erwiderte Raven und begann Damiens Körper zu streicheln, während dieser genussvoll die Augen schloss, während er einfach nur glücklich war, dass Raven seine Liebe tatsächlich erwiderte.
In Damien regten sich nun Gefühle, …Gefühle, die er so nie …noch nie empfunden hatte… Raven behielt die „Führung“, während er Damien sanft auf das Bett zurück drückte. Zärtlich streichelte Raven Damien und zog ihn langsam und vorsichtig aus.
Damien sah Raven erwartungsvoll an, um dann seine Augen genießend zu schließen. Nur ganz kurz ließ Raven von Damien ab, um sich nun auch zu entkleiden. Anschließend widmete er sich wieder seinem schönen Geliebten.
Sich über Damiens Körper beugend bedeckte Raven ihn mit liebevollen Küssen. Damien war nicht mehr Herr seiner Sinne, als sich Ravens Hand an den Innenseiten seiner Schenkel hocharbeitete und schon bald sein heißes Zentrum erreicht hatte.
Jetzt stöhnte Damien nur noch auf und seine Augen waren noch immer genussvoll geschlossen, während seine Hände den Körper seines Geliebten sehnsuchtsvoll streichelten. Ravens Mund hatte sich, nur wenig später, die Innenseiten, der Schenkel von Damien, hinauf gearbeitet, dessen Männlichkeit erreicht und bearbeitete diese erst sanft, dann etwas härter.
Beider Lust steigerte sich beinahe ins Unermessliche. Behutsam begann Raven seinen Liebsten auf das vorzubereiten, was er gleich tun würde, indem er den „Eingang“ seines schönen Geliebten, vorsichtig weitete.
Damien kam aus dem Stöhnen nicht mehr heraus und wand sich unter Raven, wie eine Schlange. Denn einerseits tat es ihm ein bisschen weh, als Raven erst mit einem, dann mit zwei Fingern in ihn eingedrungen war, und andererseits schenkte Raven ihm damit so wundervolle Gefühle.
Schließlich hielt es Raven nicht mehr aus und drang mit seiner Männlichkeit, die sich schon zu einer schmerzhaften Schwellung aufgerichtet hatte, sacht in Damien ein. Zuerst vor Schmerz, dann vor Lust stöhnte Damien nun auf.
Jedoch ließ Raven ihm etwas Zeit sich an ihn zu gewöhnen, bevor er begann sich langsam und sehr vorsichtig in Damien zu bewegen. Immer wieder traf er so, auf einen sehr empfindlichen Punkt, in Damien, was diesen dann beinahe Sterne sehen ließ.
Damien legte indes selbst Hand an sich und „streichelte“ seine Männlichkeit. Irgendwann erreichten beide fauchend ihren Höhepunkt und lagen, nur wenig später, aneinander gekuschelt in dem Bett, wo sie sich noch sehr lange gegenseitig streichelten und küssten.
* * *
Damien und Raven blieben auf ewig Gefährten. Sie liebten sich von ganzem Herzen und niemand hätte es je vermocht sie zu trennen. Raven brachte Damien, im Laufe der Zeit, alles bei, was er wissen musste und Damien lernte sehr schnell und gut.
Damiens Freund Randir blieb, noch eine Weile, ein Mensch. Doch irgendwann ließ er sich von Damien zu einem Vampir machen, denn er wollte seinen Freund niemals verlassen, denn Beider Freundschaft war ungebrochen.
ENDE

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Information Es war einmal
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:38 AM - No Replies

Im November 1967 erblickte ich in Leipzig das Licht der Welt und bis zu meinem sechsten Lebensjahr verlief mein Leben wie das jedes Jungen, der in einer Großfamilie heran wächst, ganz normal.
Doch dann sollte sich einiges ändern, ich kam zur Schule. Ich bekam neue Freunde und wir unternahmen auch sehr viel gemeinsam in der Schule, man nannte das Pioniergruppe zu der Zeit und auch außerhalb in der Freizeit.

Zitat
Hallo Leute, gleich zu Anfang sage ich euch, dass diese Geschichte nicht von mir ist. Ich habe diese Erzählung von einem guten Freund bekommen und ich fand, man sollte sie euch nicht vorenthalten. Es ist ein Stück Geschichte und geht Jeden von uns an!
Ich habe sie umgesetzt, umgeschrieben und veröffentliche sie hier mit seiner Erlaubnis. Wer etwas zart besaitet ist, dem würde ich empfehlen, diese Geschichte nicht zu lesen, denn sie ist real. Die Namen wurden von mir geändert um keine Personen zu schädigen oder gar zu belästigen.
Aber das ist auch das Einzige, was nicht real ist an der Geschichte. Alles hat sich so zugetragen, wie ich es hier übernommen habe.

Eines Tages, es war in den Ferien. Meine Geschwister waren mit ihren Freunden unterwegs und ich war allein zu Haus. Mir war langweilig. Draußen war wunderbares Wetter und normalerweise das beste Wetter zum Baden.
Aber allein hatte ich keine Lust. Also ging ich in den Park, um zu sehen, ob da jemand von meinen Kumpels ist. Aber ich konnte niemanden finden. ‚Na toll’, dachte ich, ‚wo sind die alle?’ Also spazierte ich so durch unser Viertel, als ich am Containerplatz ankam.
Früher gab es das in der DDR in jedem Viertel. Da konnten die Anwohner ihren Sperrmüll kostenlos entsorgen. Ich sah, dass da viel rum lag und da ich nichts anderes vor hatte, begann ich etwas herum stöbern.
Ich kletterte gerade in den Container, als ein Junge, den ich nicht kannte mit seinem Mofa angefahren kam. Er muss so um die sechzehn gewesen sein und sah recht gut aus.
Wie sich später heraus stellte, hatte ich recht. Er war 16 und er hatte gerade seinen Mofaschein gemacht. Er kam auf mich zu.
„Was machst du da?“
„Nichts, ich krame hier nur rum.“
„Hast du nichts besseres zu tun?“
„Nein, meine Kumpels sind alle nicht da“, antwortete ich ihm.
Und so kamen wir ins Gespräch.
„Meine Kumpels sind auch alle unterwegs und ich habe auch Langeweile. Hättest du nicht Lust, mit mir ein paar Runden zu drehen?“
Natürlich hatte ein Junge in meinen Alter schon davon geträumt, später selbst mal ein Mofa zu haben.
„Klar doch.“
Also half er mir aus dem Container und wir liefen gemeinsam zu seinem Mofa.
„Halt dich gut fest“, meinte er und schon ging es los.
Wir fuhren quer durch die Stadt und nach einer viertel Stunde waren wir an einem See.
„Wo sind wir und wie heißt du eigentlich?“, fragte ich.
„Ich heiße Simon und du?“
„Christian. Und wie heißt der See?“
„Das ist der Kulkwietzer See, noch nie davon gehört?“
„Doch, ich war mit meinen Eltern schon mal da, aber da war der Strand viel größer.“
Simon lächelte.
„Der ist auf der anderen Seite vom See, hierher komme ich immer mit meinen Freunden, weil es viel ruhiger ist. Wenn du ein Stück ins Wasser gehen würdest, könntest du den Hauptstrand sehen.“
„Und was wollen wir hier?“
Er antwortete mit einer Gegenfrage.
„Was macht man wohl an einem See an so einem schönen Tag? Baden natürlich.“
„Ich habe aber keine Badehose dabei.“
„Brauchen wir hier nicht, das ist der FFK – Bereich.“
‚Gut’, dachte ich und begann, mich auszuziehen. Simon beobachtete mich die ganze Zeit dabei. Als ich fertig war, sprang ich mit einem Satz ins Wasser – es war herrlich. Ich schaute zu Simon.
„Willst du nicht ins Wasser kommen?“
Er zog seine Sachen aus und kam ins Wasser und wir tollten die ganze Zeit herum. Nach einer Weile lief Simon Richtung Ufer.
„Ich geh raus und lass mich in der Sonne trocknen.“
Ich sah ihm nach und bewunderte seinen Körper. Ich verließ ebenfalls das Wasser und legte mich neben ihn. Natürlich hatte ich schon meine älteren Brüder nackt gesehen, aber da war nicht das komische Gefühl im Bauch.
Als wir am Strand so nebeneinander lagen, drehte er sich zu mir.
„Du siehst gut aus und bist gut gebaut“, meinte er
„Danke, aber du siehst viel besser aus, machst wohl viel Sport?“
Er begann zu lachen.
„Nein, soll ich dir zeigen wie man das macht?“
Ich hatte zwar keine Lust auf Sport, aber sagte ja.
Na gut, dann leg dich mal auf den Bauch“, meinte Simon, „lass mich einfach machen.
Ich tat, was er sagte und er setzte sich auf meinen Po. Er fing an, mich zu Massieren, richtig kräftig, so dass es manchmal weh tat. Aber ich wollte stark sein und biss die Zähne zusammen.
Er massierte mich von oben bis unten und besonders viel Zeit nahm er sich für meinen Po. Es war ein tolles Gefühl, als er mit seinen Fingern an meiner Kimme entlang glitt, was ich noch nicht kannte.
„Dreh dich um“, meinte er.
Ich tat wie geheißen und da sah ich, dass sein Schwanz richtig groß und dick geworden war.
„Warum ist der so groß?“
Simon lachte wieder.
„Wenn du noch ein paar Jahre wartest , ist das bei dir auch so“, sagte er und fasste mir zwischen die Beine.
Er spielte dort mit meinem kleinen Freund.
„Das hat noch niemand bei mir gemacht“, meinte ich, aber es fühlt sich schön an.
„Willst du bei mir auch mal?“, kam es von ihm.
Ich nickte, nahm ihn in die Hand und machte es so, wie Simon es bei mir gemacht hatte. Sein Schwanz wurde immer größer und dicker und Simon fing an zu stöhnen. Ich hielt inne.
„Hab ich dir weh getan?“, fragte ich.
„Nein, mach ruhig weiter,“ antwortete er lachend.
Ich tat es und während ich mit seinem Schwanz spielte, spürte ich, wie er mit seinen Fingern an meinen Arsch fummelte. Er drang mit einem Finger in mein Arschloch ein, das tat weh und ich schrie auf.
„Entschuldigung“, kam von ihm und er hörte auf.
„Mach bitte weiter Christian, hör nicht auf.“
Sein Stöhnen wurde immer heftiger und plötzlich setze er sich genau vor mich. Er drückte sich fest an mich und nahm seinen Schwanz selber in die Hand. Da merkte ich, dass es plötzlich nass an meinen Bauch wurde. Ich riss mich von ihm los und schrie ihn an.
„Du Sau, du hast mich angepisst.“
Ich sah an mir herunter und bemerkte, dass es keine Pisse war.
„Was ist das?“, fragte ich, „ist ja eklig.“
„Entschuldige, das ist Sperma, das passiert dir auch noch. Komm mit ans Wasser, ich mach dich sauber.“
Ich folgte ihm und er wusch mich ganz sanft ab.
„Hast du so was noch nie bei deinen Brüdern gesehen?“, fragte er.
„Nein.“
Wir gingen zu unseren Sachen und zogen uns an. Dann nahm er mich in dem Arm.
„Das muss aber unser Geheimnis bleiben, schwörst du mir das?“, fragte er mich.
„Ja, ich verrate nichts.“
Dann gab er mir einen Kuss auf dem Mund und lächelte mich an.
„Komm, wir gehen.“
Auf der Fahrt zurück musste ich noch viel über das nachdenken, was da gerade passiert war und warum ich mit Niemandem darüber sprechen sollte. ‚Egal, ich hatte viel Spaß’, dachte ich.
Simon setzte mich am Park ab.
„Wenn du willst können wir das öfter machen“, kam es von ihm.
„Mal sehn“, sagte ich und lief nach Hause.
Tatsächlich sahen wir uns noch des Öfteren, und jedes Mal hatten wir auch noch viel Spaß miteinander. Er hat es sogar geschafft, mich zu überreden, dass er in mich eindringen dürfte. Wir taten es dann auch und es tat auch nicht weh. Simon war sehr zärtlich zu mir.
Doch irgendwann kam er nicht mehr und wir sahen uns nie wieder.
* *
Es war einige Jahre später ich war inzwischen dreizehn Jahre alt und besuchte die siebte Klasse. Meine Familie war umgezogen in ein größeres Haus, das wir ganz für uns allein hatten.
Ich habe mir ein Zimmer mit meinem kleinen Bruder geteilt. Gott sei dank nicht mehr zu viert in einem Zimmer, wie in der alten Wohnung. In der neuen Schule habe ich auch schon viele Kumpels gefunden.
Einer von ihnen hieß Gregor, mit ihm habe ich viel unternommen. Um unser Taschengeld aufzubessern sammelten wir Flaschen, Gläser und Altpapier. Das brachte uns in einer Woche so ca. fünfzig Mark pro Kopf.
Um das zu erreichen und da die Annahmestelle nur ein Mal die Woche geöffnet hatte, mussten wir das Zeug ja irgendwo lagern. Also sprach ich mit meinem Vater, denn in unserem Haus standen viele Keller leer. Mein Vater sagte ja.
Noch am selben Nachmittag, als Gregor kam, gingen wir runter und sahen uns um, welcher der Räume uns denn am Besten gefiel.
Wir waren erstaunt, dass es hier unten so sauber war und alle Räume leer waren. Es hatte den Anschein, dass meine Eltern noch nie hier unten waren. Aber egal, das war jetzt unser Reich.
In einem der Räume richteten wir unser Lager ein und in einem anderem unseren Clubraum. Wir besorgten uns Tisch und Stühle vom Sperrmüll und auch einige Matratzen, die wir zu einer großen Liegewiese zusammen legten.
Wir hatten viel Spaß hier unten, und natürlich nahmen wir auch andere Kumpels mit in unseren Club.
Eines Tages, ich war unten und hatte unseren Erlös gezählt, kam Gregor runter. Ich war verwundert, denn es war Samstag und noch sehr früh. Gregor kam sonst immer erst gegen Mittag, aber heute war es erst neun Uhr.
„Bist du aus dem Bett gefallen?“, fragte ich.
Er antwortete mir nicht und legte sich auf unser Liegewiese.
„Was ist los mit dir?“, stellte ich erneut eine Frage.
Da wir uns seit Jahren kannten, hatten wir keine Geheimnisse voreinander. Doch er antwortete mir immer noch nicht, also sah ich ihm an, ich fragte ihn nochmals.
„Was ist los? Was ist mit dir?“
„Nichts“, antwortet er mit leiser Stimme.
Er lag da und schaute nur an die Decke. Inzwischen hatte er sein T-Shirt ausgezogen, denn es war sehr warm hier im Raum.
Als ich ihn da so liegen sah, fragte ich ihn noch mal.
„Gregor, du hast doch was? Wir haben doch immer über Alles gesprochen, also was ist?“
„Wann hast du das letzte Mal ins Bett gemacht?“, fragte er dann doch ganz leise.
Ich sah ihn verdutz an.
„Was?“
„Wann du zum letzen Mal ins Bett gemacht hast?“
„Ich muss so fünf Jahre alt gewesen sein, aber warum willst du das wissen?“
„Was ich dir jetzt erzähle, muss unter uns bleiben, das musst du mir schwören!“, sagte er.
„Also, gut ich schwöre.“
Dann fing er mit leiser Stimme an, zu erzählen.
„Ich hatte in der vergangenen Nacht einen komischen Traum gehabt, in dem nur Jungens waren und sie waren alle nackt. An einem großen, weißen Sandstrand lagen ein paar von den Jungs nur so rum und andere waren im Wasser. Es war wunderschön. Dort streichelten sich Einige und Andere lagen übereinander oder kämpften. Und dann bin ich aufgewacht und mein Schlafanzug und mein Bett waren nass“.“
Und während er so erzählte, sah ich ihn die ganze Zeit genau an und bemerkte, dass er eine Beule in seiner kurzen Stoffhose hatte.
„Du hast einen Steifen“, sagte ich zurückhaltend, denn über Sex und Mädchen hatten wir nie gesprochen.
Er drehte sich sofort auf den Bauch.
„Gregor, du hast nicht ins Bett gepisst. Du hattest einen feuchten Traum.“
Er sah mich an.
„Feuchter Traum, was ist das?“
Natürlich hatten wir uns schon gemeinsam einen runter geholt, aber mehr nicht.
„Hat dich nie jemand aufgeklärt?“
Gregor war ein Einzelkind.
„Niemand“, kam wieder leise von ihm.
„Gregor, du hast abgesahnt, nichts anderes, als ob du dir einen runterholst.“
„Aber ich habe meinen Schwanz doch gar nicht berührt“, meinte er.
„Das war dein Traum, der dich so weit gebracht hat.“
„Aber in dem Traum waren doch nur Jungs bin ich jetzt schwul oder was?“
„Ich weiß nicht“, antwortete ich und ging zu ihm rüber.
Ich legte mich neben ihn und klopfte ihm auf die Schulter. Er sah mich an, und ich erwiderte seinen Blick. Plötzlich war da Irgendwas in mir, was ich noch nicht kannte. Gregor kam immer näher mit seinem Kopf und küsste mich auf den Mund
Dann begannen wir, uns überall zu streicheln. Er zog mir mein T-Shirt aus und dann saßen wir uns im Schneidersitz gegenüber. Wir küssten uns überall und plötzlich glitt seine Hand in meine Hose.
„Nicht so grob“, sagte ich zu ihm und er nahm seine Hand weg.
Er stand auf und sah mir tief in die Augen. Dann zog er seine Hose aus und stand nun komplett nackt vor mir und sein Ständer ragte mir entgegen. Er zog mich zu sich hoch und legte meine Hand auf seinen Schwanz.
Mit seinen Händen zog er mir dann die Hose runter und fing an, mich zu wichsen. Wir wichsten uns gegenseitig bis zum Höhepunkt, bis sein Sperma auf meinem Bauch landete und meins auf seinem. Erschöpft fielen wir auf die Matten, wo wir eine ganze Weile nebeneinander liegen blieben. Plötzlich stand er auf, zog sich an und ging, ohne ein Wort zu sagen.
* *
Ich sah Gregor erst am darauf folgenden Montag in der Schule wieder. Anders als sonst sprachen wir nur das Notwendigste. Erst am Nachmittag, nach der Schule, auf dem Heimweg wurde er gesprächiger.
„Es war schön am Samstag mit dir“, meinte er.
„Und warum bist du dann so wortlos gegangen?“, fragte ich.
„Entschuldigung, aber ich musste mir erst so einiges durch den Kopf gehen lassen, was da in mir passiert.“
Erst jetzt, als ich in seine wundervollen, blauen Augen sah, merkte ich das wir uns verliebt hatten. Vor seinem Haus angekommen blieben wir kurz stehen.
„Kommst du später noch in den Club?“, fragte ich.
„Ja, so gegen 15.00 Uhr.“
„In Ordnung, bis dann“, sagte ich und ging nach Hause.
Als Gregor kam, saß ich noch über meinen Hausaufgaben.
„Ich ihm bin gleich fertig, setz dich doch.“, meinte ich.
„Bist du allein?“, fragte er.
Ich verschwand in meinem Zimmer. Ich saß am Schreibtisch in meinen Zimmer und schlug gerade meine Bücher zu, als Gregor hinter mir stand. Er beugte sich über mich und gab mir einen dicken Schmatzer auf die Wange.
„Für was war der denn?“, fragte ich erstaunt.
„Einfach dafür, dass du da bist“, kam von ihm.
* *
Eines Tages, wir waren beide inzwischen fünfzehn Jahre alt und allein im Club. Wir hörten Radio und plötzlich stand Gregor auf, ging zu Tür und schlioss sie ab. Er kam auf mich zu.
„Willst du mir einen blasen?“, fragte er.
Ich war etwas überrascht, denn die ganze Zeit, seit wir zusammen waren, war immer nur gegenseitiges Wichsen angesagt und nichts Anderes.
„Und wenn du mir einen bläst, darfst du mich auch in meinen Arsch ficken.“
Ich war baff und ehe ich mich versah, stand Gregor auch schon nackt vor mir. Er hielt mir seinen Schwanz vor dem Mund. Wir hatten uns schon oft am Schwanz geküsst, aber im Mund hatte ich ihn noch nie gehabt.
Ich dachte, ‚probieren kann ich es ja mal’, und schon hatte ich ihm in Mund.
„Pass auf deine Zähne auf“, sagte er zu mir.
Gregor war schon so geil, dass es nicht lange dauerte, bis es ihm kam. Er zog ihn heraus und spritzte mir voll ins Gesicht. Er atmete schwer und lange tief durch.
„Man, war das geil“, meinte er und rutschte auf unsere Matte.
Nach einer Weile drehte er mir den Rücken zu.
„Jetzt bist du dran“, meinte er und zeigte auf seinen Arsch.
Nervös legte ich meine Sachen ab und kroch zu ihm auf die Matte. Von meinem ersten sexuellen Erlebnis damals am See wusste ich noch, dass ich seinen Arsch erst mal etwas weiten musste. Also schob ich meinen Mittelfinger in sein hübschen, kleinen Arsch. Er stöhnte auf.
„Mach langsam“, sagte er.
Mir fiel ein, das ich ihn irgendwie einfetten musste, dass es besser rutschte. So nahm eine Dose Creme und schmierte es ihm auf sein Loch und auch auf meinen Schwanz. Dann rückte ich Gregor in die richtige Stellung.
Er kniete mit dem Rücken zu mir und stützte sich mit den Händen vorn ab. Ich setzte meinen Schwanz an seinem Loch an und mit einem einzigen Stoß drang ich in ihn ein. Er schrie auf wie zuvor.
„Soll ich aufhören?“, fragte ich.
„Nein, mach weiter“, kam es keuchend von ihm.
Und ich tat es. Ich rammelte ihn wie einer Wilder und er lechzte vor Lust.
„Spritz in mir ab,“ stöhnte er, als er merkte, dass ich kurz vor dem Höhepunkt war.
Laut stöhnend ergoss ich mich in ihm. Erschöpft ließen wir uns auf die Matte fallen. Nach einer Weile, als wir uns erholt hatten, wiederholten wir das Ganze. Später noch mehrmals und es war immer wunderschön.
Gregor und ich wussten, dass wir uns liebten, auf eine Art, die keiner von uns möglich gehalten hatte. In den nächsten Wochen schliefen wir bei ihm oder bei mir. Mein Bruder war inzwischen achtzehn Jahre alt und so hatte ich mein eigenes Zimmer. Es war eine wunderschöne Zeit, gemeinsam ins Bett gehen und früh morgens nebeneinander aufwachen, als wären wir ein Ehepaar.
* *
Gregor und ich waren bis zum Ende unserer Schulzeit zusammen und niemand wusste etwas von unserer Beziehung bis zu unserem letzten Schultag. Wir wollten gemeinsam zum Zelten. Gregors Vater wollte uns am nächsten Morgen früh zum Zeltplatz fahren, also übernachte ich bei ihm, was wir früher schon oft getan hatten.
Ich war im Bad beim Duschen, als Gregor herein kam. Er stieg zu mir in die Dusche und nach dem gegenseitigen Einseifen waren wir so erregt, dass wir uns wieder gegenseitig einen runter holten. Was ich nicht wusste, Gregor hatte vergessen, die Tür zu verriegeln.
Plötzlich wurde die Duschtür aufgerissen und Gregors Vater stand vor uns. Wir waren so erschrocken, dass wir keinen Ton heraus bekamen. Gregors Vater schaute sehr böse drein.
„Mach euch fertig und kommt dann runter“, kam es von ihm und er verließ das Bad wieder.
Wir waren immer noch sehr erschrocken. So duschten wir schnell fertig und zogen uns an. Unten angekommen, war der Frühstückstisch schon gedeckt.
„Setzt euch“, kam von Gregors Vater.
Mit gesenkten Köpfen setzten wir uns zu ihm.
„Wie lange geht das mit euch beiden schon?“
Gregor hob den Kopf.
„Seit ein paar Wochen oder Monaten…. ist das wichtig?“ fragte Gregor frech.
Ich sah Gregor mit großen Augen an, wie konnte er in dieser Situation so frech sein.
„Du musst immer mit dem Kopf durch die Wand, oder Gregor?“, fragte sein Vater und begann zu lächeln.
Gregor grinste ebenso.
„Wissen deine Eltern Bescheid?“, frage mich sein Vater.
Ich, immer noch keiner Stimme fähig, war noch ganz benommen.
„Nein, seine Eltern wissen das noch nicht, aber dank deiner werden sie es sicher bald erfahren“, sagte Gregor.
Mir blieb fast das Herz stehen.
„Hört zu, ich mache euch einen Vorschlag“, kam es von Gregors Vater, „ich gebe euch eine Woche Zeit, um mit Christians Eltern zu sprechen, so lange sage ich nichts. Aber dann werde ich mit ihnen reden müssen, aber ich möchte euch noch sagen“, ‚oh jetzt kommt es’, dachte ich so bei mir und ich hatte immer noch kein einziges Wort gesagt, „ich habe nichts gegen eure Beziehung.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich musste schlucken. Von Gregor bekam ich sogar einen Kuss. Wir waren erleichtert, die erste Hürde war zwar – nicht freiwillig, aber trotzdem – genommen. Wir hatten zwar schon darüber gesprochen, uns zu Outen, waren aber noch lange nicht so weit.
Als es Gregors Vater aber so gut aufnahm, beschlossen wir, es auch meinen Eltern zu sagen. Kurzerhand habe ich Gregors Vater für den gleichen Tag zum Kaffee bei mir zu Hause eingeladen, wir brauchten ja Unterstützung.
So wurde also nichts aus dem Zelten, denn wir hatten Größeres vor. Also ging ich nach Hause und unterrichtete meine Eltern, dass nicht nur Sven, sondern auch sein Vater zum Kaffee da wäre. Das war nichts Besonderes, da er öfter mal da war und auch sonst viel Zeit mit meinen Eltern verbrachte.
Also machten sie sich keine Gedanken, dass er schon wieder da war. Ich hörte noch mit dem Ohr an der Küchentür, meine Mutter sagen, „die werden sich wohl gestritten haben.“
Ich ging in mein Zimmer, nahm mir ein Buch und las. Irgendwann klingelte es an unserer Wohnungstür, es war Gregor.
„Warum bist du schon da, kriegst du zu Hause nichts zu Mittag?“, fragte ich verwundert.
„Ich kann ja wieder gehn“, meinte Gregor.
Ich stürmte auf ihn zu, nahm ihn in die Arme und schloss die Tür aber diesmal richtig. Bis zum Kaffeetrinken war ja noch Zeit. Nur zum Mittagessen klopfte es an meiner Tür.
„Habe keinen Hunger“, rief ich und meine Mutter ging wieder.
Ein wenig später klingelte es erneut und diesmal stand Gregors Vater vor der Tür. Er wurde von meinen Eltern begrüßt, was wir mitbekamen, als wir mein Zimmer verließen. Wir setzten uns artig an den gedeckten Kaffeetisch.
Einen Stoß in die Rippen von Gregor sollte mir zeigen, dass ich endlich anfangen sollte. Also fing ich schweren Herzens an.
„Mum ..Dad ich muss euch etwas sagen…ich bin schwul und liebe Gregor.“
Meine Mutter verschluckte sich am Kaffee und mein Vater saß mit offenem Mund da. Es kam erst kein Ton, nur dass mein Vater mich und Gregor plötzlich aus dem Zimmer schickte.
Ich hörte noch meine Mutter sagen, > ich habe es schon immer gewusst < und schloss die Tür hinter mir. Es dauerte eine Weile, bis wir wieder rein gerufen wurden. Wir setzten uns wieder an den Tisch und warteten auf die Reaktion. Mein Vater stand auf legte jedem eine Hand auf die Schulter. „Also meinen Segen habt ihr, und deine Mutter hat auch nichts dagegen“, sagte er. Beide grinsten uns an und mir fiel ein Stein vom Herzen. Jedenfalls hatten es meine Eltern so gut wie möglich aufgenommen. Und da war ja auch noch Gregors Vater, der meine Eltern aufklärte und uns unterstützte. Sie diskutierten noch eine ganze Zeit lang. Wir beschlossen aber, es sonst Niemandem zu sagen. Aber das gelang uns nur bis zu meinen fünfzehnten Geburtstag. Ich hatte eine riesige Party geplant und Gregor half mir bei der Vorbereitung. Wir luden alle unsere Klassenkameraden und Freunde ein. Meine Eltern hatten es uns erlaubt, im Keller zufeiern und so hatten wir den großen, leeren Kellerraum hergerichtet, denn es waren ja so um die vierzig Personen, die kommen wollten. * * Am Tag meines Geburtstags wurde ich früh um zehn von Gregor mit einen Kuss geweckt, meine Mutter hatte ihm rein gelassen. Aus irgendeinem Grund wollte er zu Hause schlafen. Ich war zwar nicht begeistert, aber was wollte ich machen. Also, er küsste mich wach und als ich meine Augen öffnete, schaute ich in die wundervollsten Augen der Welt. Ich gab ihm gleich noch einen, aber Gregor löste sich von mir. „Willst du denn nicht dein Geschenk?“ fragte er mich. Ich schreckte hoch. Stimmt, ich hatte ja Geburtstag. Gregor hielt mir eine kleine Schachtel hin. Nervös nestelte ich sie auf. Was zum Vorschein kam, trieb mir die Tränen in die Augen. Über seine Tante in Westdeutschland hatte er für mich eine Halskette mit zwei Buchstaben machen lassen. Ein > G < und ein > C < baumelten an der Kette und alles in Gold. Das Selbe holte er unter seinen T-Shirt hervor und kniete sich vor mich hin. „Christian, ich kenne dich fast zwei Jahre und möchte dir sagen, dass ich dich schon immer liebe. Seit ich weiß, das du für mich ebenso empfindest, liebe ich dich noch mehr. Ich möchte, dass du immer bei mir bleibst und mit mir alt wirst.“ Das war wohl die schönste Liebeserklärung, die ich je gehört hatte. Ich konnte einfach nicht mehr und fing hemmungslos an zu weinen. Wir nahmen uns fest in den Arm und küssten uns innig. Nach einer Weile löste sich Gregor von mir. „So nun mach dich aber fein, wir haben noch ne Menge vor heute“, kam es von ihm. Ich tat, was mir geheißen und wollte ins Bad, doch Gregor folgte mir. „Wenn du jetzt mit ins Bad gehst, werde ich nie fertig“, sagte ich. Gregor zog ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter. Also ging ich ins Bad, alleine, duschte mich schnell und kehrte wieder in mein Zimmer zurück. Gregor lag auf dem Bett und schmachtete mich an und ich zog mich trotzdem an. Nach dem Frühstück, verstauten wir noch alle Getränke auch die Kiste Weißwein, die ich heimlich von meinem Bruder bekommen hatte. Später lagen Gregor und ich in meinem Bett und kuschelten und schmusten ein wenig, bis irgendwann mein Bruder herein kam und meinte, die ersten Gäste wären da. Wir begrüßten jeden Einzelnen mit Handschlag und so konnte der Abend starten. Es wurde ein schöner Abend, alle genossen es sichtlich. Irgendwann legte mein Bruder „Über sieben Brücken musst du gehn“ auf. Gregor und ich, mittlerweile etwas unvorsichtig durch den Wein, nahmen uns in den Arm und schmiegten uns eng aneinander. Erst bekam es ja keiner mit, aber dann fingen die Ersten an, zu applaudieren. Wir merkten zwar, was wir angerichtet hatten, aber wir liebten uns und alles andere war uns egal. Natürlich gab es auch ein paar Arschlöcher, die ihre dummen Bemerkungen nicht zurückhalten konnten, aber die verließen recht bald die Feier. Wir sagten ein paar Worte und outeten uns öffentlich vor allen, die es anscheinend noch nicht so richtig mitbekommen hatten. * * Als die letzten Gäste gegangen waren, nahm mich Gregor auf den Arm und trug mich ins Zimmer hinauf. Was dann kam, hätte ich nie gewagt zu träumen, er verführte mich nach allen Arten der Künste. Es war ja Sonntag und so konnten wir ausschlafen. Gregor lag in meinem Arm, als ich erwachte. Mein Arm kribbelte fürchterlich. Gregor der ebenso aufwachte bemerkte das und fuhr erschreckt hoch. „Habe ich die ganze Nacht in deinen Armen geschlafen?“, fragte er. „Ja“, sagte ich ein wenig gequält. Er nahm meine Arme und schüttele wie verrückt an ihnen, danach stand er auf. „Ich geh duschen, gehst du mit?“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und verschwand mit ihm in der Dusche. * * Es kam sich immer öfter vor, dass Gregor und ich über meine Großeltern und über seine Tante im Westen sprachen. Es faszinierte uns so sehr, dass wir beide beschlossen, zu fliehen. Wir saßen da und planten gemeinsam unsere Flucht in den Westen. Wir wollten nach Berlin fahren und über die Mauer klettern. Wir naiv wir damals waren! Wir planten alles ganz genau, welchen Zug wir nehmen und was sonst noch wichtig war. Keine Gedanken daran, was ist wenn! Und wir machten noch einen Fehler: Wir sagten es unserem besten Freund (wir glaubten es jedenfalls, er wäre unser bester Freund), der natürlich mit wollte. Wir warteten noch bis zwei Tage vor meinem 16. Geburtstag. Unseren Eltern erzählten wir, dass wir Zelten fahren und so war alles ok. Also wir fuhren am 14.11.1983 um 6.48 mit den Zug auf Bahnsteig 11 nach Berlin Ost. Mein Schatz saß neben mir und wir kuschelten uns aneinander. Keiner von uns sagte die ganze Zeit ein Wort, bis Berlin. Wir waren schon zeitig da und verbrachten nun den ganzen Tag in Berlin. Erst waren wir auf dem Fernsehturm, im Perkamont Museum und natürlich auch am Brandenburger Tor, soweit man ran kam. Überall sahen wir viel Armee und wir bekamen einen Schreck. „Ich mach nicht mehr mit“, kam es von Thomas, der die Hosen gestrichen voll hatte. Ich versuchte noch, ihn zu überreden. Aber es sinnlos und es ging nichts mehr. Als wir wieder auf dem Alexanderplatz waren, verabschiedete er sich von uns und ging. Uns war nicht bewusst, was das für Folgen haben würde.. Wir lagen im Gras, warteten bis es dunkel wurde und machten uns dann auf dem Weg. Erst in Richtung Brandenburger Tor und dann weiter Pariserplatz nahe CPC, da stand nur ein Maschendrahtzaun. Gregor holte aus meinen Rucksack einen Bolzenschneider und schnitt die untersten Maschen auf, so das wir durchkriechen konnten. Wir halfen uns gegenseitig, so das wir in den ersten Sperrkreis gelangt waren. Davon gab es drei, die immer fünfzig Meter auseinander waren. Zum zweiten Zaun robbten wir, er war nur aus Stacheldraht und auch hier schnitten wir den untersten Draht durch und krochen weiter, bis wir plötzlich Stimmen hörten „Da war doch was“, kam es leise von drüben. Es waren Soldaten, die uns aber nicht entdeckt hatten. Wir blieben ganz ruhig nebeneinander liegen und erst, als die Soldaten weg waren, robbten wir beide nebeneinander weiter. Plötzlich eine Maschinengewehrsalve! Gregor lag plötzlich auf mir drauf, erst dachte ich, er wollte mich nach unten drücken. Aber als er leise meinen Namen rief, drehte ich mich um. „Christian es hat mich erwischt“, kam es von ihm und ich sah, wie sein Hemd sich rot färbte. Ich ging hoch und nahm ihn in den Arm und bemerkte, wie ihm das Blut aus dem Mund tropfte. „Gregor“, rief ich ganz leise, er reagierte nicht mehr. Mein Rufen wurde lauter, es wurde ein Schreien. „Gregorrrrrrrrrrrrr.“ Ich bekam kaum mit, wie wir von den Soldaten umringt wurden, sie irgendwas schrieen. Ich rührte mich nicht und hatte immer noch Gregor im Arm. Ich war wie von Sinnen und bekam um mich herum nichts mehr mit. Richtig mitbekommen hab ich erst wieder Etwas, als ich in Leipzig von meinem Vater bei der Polizei abgeholt wurde. Naja, auch noch nicht so richtig, jeder redete auf mich ein und ich dachte nur an Gregor. Wie er da in meinem Arm lag, ich seinen Namen schrie, er verblutete und starb. Zusammengekauert lag ich auf meinem Bett und hatte einen Weinkrampf nach dem anderen. Ich konnte nichts mehr essen, nicht mehr schlafen. Ich war vollkommen weggetreten und in Gedanken immer nur ..Gregor.. ..Gregor.. ..Gregor... * * Und dann kam der Tag seiner Beerdigung. Ich stand ganz allein in der Leichenhalle, wo er aufgebahrt war. Es war ein weißer Sarg, denn Gregor war ja noch keine achtzehn. Ich schaute hinein. Er lag da, als würde er friedlich schlafen. Sie hatten ihm einen schwarzen Anzug mit Hemd, aber ohne Krawatte, angezogen. Auf seiner Brust lag die goldene Kette mit unseren zwei Buchstaben. Ich musste sofort an Meine greifen und hätte am liebsten losgeheult. Aber ich hatte keine Tränen mehr, ich könnte nicht mehr weinen. So alleine stand ich noch eine ganze Weile am Sarg. Mein Vater kam und nahm mich in den Arm. Er führte mich hinaus in die Kapelle, wo dann die Trauerfeierlichkeiten stattfanden. Es waren Viele da und Jeder wusste etwas von Gregor zu erzählen. Aber keiner kannte ihn wirklich .... niemand kannte ihn so wie ich. Am Schluss wurde der Sarg auf einen Wagen gehoben und nach draußen geschoben. Gregors Vater kam zu mir und zog mich in die Mitte, zwischen ihn und Gregors Mutter. So bildeten wir die erste Reihe hinter dem Sarg. Gregors Vater griff unter als er merkte, dass ich beim Gehen zu taumeln anfing. Meine Beine waren zwar wie Gummi aber dennoch schaffte ich es bis zum Grab. Als nach der Grabrede der Sarg abgelassen wurde, versagte aber dann doch alles in mir und alles um mich herum wurde schwarz. * * Ich erwachte wieder im Krankenhaus und vierzehn Tage später war dann meine Gerichtsverhandlung. Thomas hatte uns verraten und ich bekam ein Strafmass von einem Jahr und sechs Monaten im Strafvollzug vom Jugendknast in Dessau. Ende erster Teil Als ich dies zum ersten Mal in Rohfassung gelesen habe, musste ich schwer schlucken und meine Tränen liefen ungehindert die Wangen hinunter. Aber nicht aus Mitleid, sondern weil ich nun weiß, was „Christian“ durchgestanden hat. An der innerdeutschen Grenze starben bis zum Fall der Mauer 178 Menschen. Diese reale Geschichte ist nicht nur diesem einen Jungen gewidmet, der sein Leben ließ, sondern erinnert auch an die Anderen. Sie erzählt die Geschichte von „Christian“, der bis zum heutigen Tage diese Bilder nie vergessen hat, die sich tief in seinem Innern eingebrannt haben. Einige Sachen habe ich bewusst nicht verschönt, um zu zeigen, was da sich wirklich zugetragen hatte. Wie es mit Christian weitergeht, was er im Jugendarrest erlebt, erfahrt ihr dann im zweiten Teil. Wenn jemand mit „Christian“ Kontakt aufnehmen will, kann er das über mich tun.. Ich werde es dann an ihn weiterleiten. Diese Geschichte unterliegt meinem Copyright und dem des Erzählers, darf nicht vervielfältigt werden, und ist ausschließlich für Pitstories umgesetzt worden. Pit „Niemand kann je genau hinter die Fassade eines Anderen schauen. Keiner wird je erkennen, was genau für Leid, Freude oder die Gefühle des Anderen, sich dahinter verbergen. Es wird immer Menschen geben, die etwas mit sich herum tragen. Schön ist es, wenn ihnen geholfen werden kann. Machen wir einen Anfang! Der Tod eines geliebten Menschen, hinterlässt in uns eine große Lücke, er entreist sie uns gewaltsam. Doch die schönen Erinnerungen, vermag uns nicht mal der Tod zu nehmen. In ihnen lebt der Mensch ewig weiter..

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#2
2025-05-29, 06:04 PM 
Hier ist nun der zweite Teil von „Es war einmal“ Wie auch im ersten Teil, bitte ich die, die etwas zart besaitet sind, hier nicht weiter zu lesen. Alles was hier geschrieben steht, ist wieder Real geschehen, nichts verschönert oder weggelassen. Die Namen der Personen wurden natürlich geändert, um Niemandem zu schaden oder zu belasten. Rene hat mir auch diesen Teil erzählt, ich habe ihn lediglich umgesetzt, so wie er hier niedergeschrieben ist.

Zitat
Vorwort des Erzählers:
Zur Einführung muss ich sagen, dass es zu Zeiten der DDR den so genannten Jugendstrafvollzug gab. In den waren jugendliche Straffällige gesperrt worden, wie z.B. Vergewaltiger, Diebe und Sonstige, vor Allem junge Leute, die mit dem System der DDR nicht einer Meinung waren u.a. Republik- Flüchtlinge, so wie ich.
Ich habe ein Jahr und sechs Monate dafür bekommen, weil ich zu meinen Großeltern nach Westdeutschland abhauen wollte.
Und das ist nun die Geschichte von meiner Zeit im Jugendhaus Dessau.

Es war einmal Teil 2
Ich musste mich 6.00 Uhr früh in der Alfred-Kästner-Strasse in Leipzig melden, wo der Sammeltransport zusammengestellt wurde. Wir wurden auf LKWs verladen und zum Hauptbahnhof gebracht, wo bereits der legendäre Knastzug auf dem damaligen Bahnsteig 26 wartete.
Also wurden wir umgeladen, acht Personen in ein Abteil, immer zwei Leute mit Handschellen aneinander gekettet. Die Fenster waren verplankt und es war stickig und eng. Wir mussten warten, bis Alle verladen waren, bis der Zug sich endlich in Bewegung setzte.
Die Fahrt dauerte ca. drei Stunden und keiner wusste wohin. Bis plötzlich das Kommando zum Aussteigen kam und wieder auf LKWs umgestiegen wurde… eine Fahrt ins Ungewisse.
In einem riesigen Hof wurden wir vom Wagen gejagt und wurden aufgefordert, uns in Zweierreihen aufzustellen. Es wurde abgezählt und dann mussten immer zwanzig Leute zusammen in das große Gebäude.
Als erstes ging es in den Keller, wo wir in eine Art Umkleideraum geführt wurden. Da endlich wurden uns die eh viel zu engen Handschellen wieder abgenommen. Jeder von uns bekam einen Kleidersack mit Namensschild.
Dann kam die Weisung, sich völlig auszuziehen und alle Sachen in den Kleidersack zu tun. Danach wurden die Säcke einkassiert. Und dann wurden wir zum Duschen aufgefordert, die Duschen waren direkt hinter diesem Raum.
Man muss sich das jetzt mal vorstellen: Zwanzig pubertierende Jungs in einem nicht gerade großen Raum und keiner kennt den Anderen. Sich dann nackt ausziehen, das war der pure Horror, aber was half es, da musste man eben durch.
Was natürlich nicht ohne Folgen blieb. Durch den engen Körperkontakt dauerte es nicht lange und fast alle hatten einen Ständer und einen hochroten Kopf. So versuchte jeder schnell unter die Dusche zu kommen.
Aber auch hier… es gab für die zwanzig Leute nur zehn Duschen, also mussten wir immer zu zweit duschen, was für die Hormone auch nicht gerade leicht war. Alles unter der Aufsicht eines Herrn, der sich als Hauptwachtmeister Stenzel vorstellte
Er sollte die ganze nächste Zeit unser Erzieher sein. Mein neuer Passmann, mit dem ich noch vor kurzer Zeit aneinander gekettet war, stand bei mir mit unter der Dusche. Durch kleine Gespräche hatte ich erfahren, dass er gerade vierzehn geworden war.
Er sah aber noch viel jünger aus schien mit seinen 1,65 geradezu zierlich, dafür war aber auch sein kindliches Gesicht verantwortlich. Ganz so unschuldig war er dann doch nicht, denn er war wegen Diebstahls hier.
„Könntest du mir den Rücken einseifen?“, fragte er.
Ich nickte und nahm die Seife, wenig später tat er das dann auch bei mir.
„Abspülen, Abtrocknen und Antreten!“, kam das Kommando.
Das Wasser wurde abgestellt und wir standen wieder in Zweierreihen. Diesmal aber nackt, wie Gott uns schuf und jeder versuchte, seine abstehende Männlichkeit mit seinen Händen zu bedecken.
Die Kalfaktoren, die unsere Kleidersäcke verstauten, ließ die Szene zu einigen Kommentaren hin reissen. Ich konnte das Wort >Frischfleisch< oder >etwas Neues für das Bett< hören. Nackt wie wir waren, mussten wir geschlossen in einen Nebenraum treten. Hier wurden wir gesundheitlich am ganzen Körper untersucht.
Man ging nicht gerade zimperlich um. Als Erstes musste ich mich breitbeinig mit dem Bauch nach vorne auf einen Tisch beugen und schon fingerte der Arzt mir am und in meinen Arsch herum.
Es war zwar nicht das erste Mal, dass mir jemand seinen Finger in den Arsch steckte, aber es tat so unheimlich weh, dass ich mich aufrichten wollte, was aber der Arzt verhinderte, in dem er mich brutal auf den Tisch drückte.
Nicht nur mir ging es so, denn ich hörte auch einige Andere wimmern. Der Arzt zog seine Finger wieder raus und ich konnte mich aufrichten. Nachdem ich mich umgedreht hatte, packte er mich plötzlich am Schwanz.
Richtig vulgär wurden meine Eier und dann meinen Schwanz untersucht. Natürlich wurde mein Schwanz durch die Spielerei nicht gerade schlaff, aber das schien den Kerl nicht zu stören.
Im Gegenteil… mit der Handkante schlug er sehr derbe gegen meinen Schwanz, ich schrie auf. Danach wurde ich kurz an den Lungen abgehört und bekam für Irgendetwas noch eine Spritze.
„Der Nächste!“, kam es vom Arzt.
Ich musste nach hinten durchlaufen um dort abzuwarten, bis alle fertig waren. Nun war mein Passmann dran. Ich hatte das Gefühl, dem Arzt machte es besonderen Spass den Kleinen zu quälen.
Als er anfing zu weinen, tat er mir leid. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis alle durch waren und wir diesen Raum wieder verließen. Draußen warteten bereits vierzig andere Jungs, ebenso wie wir unbekleidet.
Beim Losgehen kamen uns Kerle in blauen Anzügen mit gelben Streifen vorbei. Wieder waren Kommentare über >Frischfleisch< oder >der fickt sich bestimmt gut< zu hören. Diese Bemerkungen hörte sicherlich jeder und mir war klar, dass da noch Etwas auf uns zukam.
Vor einer Tür mussten wir halten. Kleiderkammer stand auf der Tür und >Einzeln eintreten<, was, wie ich dann bemerkte, auch seinen Grund hatte. Ein Altstrafer, etwa zwanzig Jahre alt schrie mich mit seiner fiesen Stimme an.
„Beine und Arme auseinander!“, bellte er, „stehen bleiben!“
Er nahm ein Maßband, hielt es an verschiedenen Stellen an mich dran und fummelte auch sonst überall an mir herum. Er verschwand kurz bei den Regalen und ich konnte einen kurzen Blick auf ihn werfen.
Ich schätze ihn so auf zwanzig Jahre. So schnell er verschwunden war, kam er auch wieder zurück.
„Probieren!“
Er hielt mir eine lange blaue Unterhose hin und ein Unterhemd. Kurz prüfte er, ob es mir passte, dabei langte er mir an den Schwanz und Arsch. Ich wollte schon meckern, doch er war schneller.
„Hab dich nicht so, du wirst noch öfter deinen Arsch und deinen Schwanz hinhalten müssen, ob du willst oder nicht!“
Und dann gab er mir den berühmten blauen Anzug mit Schuhen und Sportsachen
„Du kannst hier mit deinen Körper richtig Kohle machen“, entließ er mich in den nächsten Raum.
Noch etwas in Gedanken über die letzten Worte, betrat ich das nächste Zimmer. Hier wurden meine Personalien noch mal überprüft und ich bekam einen Aufkleber auf meine Jacke. Wieder draußen auf den Flur, warten bis alle wieder da waren, dann ging es weiter in unser so genanntes Eingliederungsquartier.
Hier wurden wir dann die nächsten zwei Tage auf unsere Gruppen vorbereitet, dass heißt, wie wir uns hier drin zu verhalten hätten. Wir lernten Stechschritt und all solche Sachen, aber immer, wenn wir abends eingeschlossen wurden zum schlafen, musste ich an Gregor denken – an unsere letzten Stunden.
Nach zwei Tagen wurden wir dann unseren Gruppen zugeteilt. Ich und sechs andere kamen in die Gruppe 9c, die Leute, die da schon länger waren, schienen ganz okay zu sein. Aber das sollte sich ändern – und zwar ganz schnell.
Als wir dann abends in unseren Schlafsaal kamen und zu unseren zugeteilten Betten gehen wollten, versperrten uns drei Kerle den Weg. Es handelte sich um die Gruppenältesten. Sie waren alle so um die zwanzig Jahre alt, sehr muskulös, richtig Angst einflößend.
Einer von ihnen kam auf uns zu und baute sich vor uns auf.
„Halt, wo will denn das Frischfleisch hin? In einer Reihe aufstellen, aber Zackzack!“
Das taten wir dann auch gleich.
„Alle ausziehen!“
Als wir uns weigerten, das zu tun, waren wir von den restlichen Älteren gleich umringt. Einige hielten uns fest, der Rest zog uns aus. So standen wir wenig später alle wieder nackt da.
Der Gruppenälteste trat näher und fing an, an uns herum zu spielen. Er langte jedem an den Schwanz und auch an die Ärsche. Bei Maik, so hieß der Jüngste von uns, blieb er stehen. Das arme Schwein dachte ich noch, da wurde er schon von vier Helfern gepackt und auf das Bett verfrachtet.
Auf dem Bauch liegend, wurde er mit seinem Schlafanzug mit den Händen an die Bettpfosten gebunden. Ebenso mit den Beinen, nur dass die stark auseinander gezogen wurden.
Der Älteste trat von hinten zu Maik und zog sich aus. Was da zum Vorschein kam, war eine riesige Latte. Maik schien das wohl gesehen zu haben, denn er fing an zu schreien, aber dies half nicht viel.
Sofort kam jemand und knebelte ihn. Ich sah noch, wie sich der Typ auf Maik legte, da wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Nun waren wir Anderen ebenso dran. Auch ich wurde am Bett festgebunden und dann passierte das, was ich nie vergessen werde.
Ich wurde mehrfach vergewaltigt. Beim ersten dachte ich noch, ich habe Glück, der hat einen kleinen Schwanz, aber da täuschte ich mich. Mit einem Stoß führte er seinen Schwanz bei mir ein und begann, mich hemmungslos zu ficken.
Ich verlor irgendwie das Zeitgefühl, doch es dauerte auch unendlich lange, bis der Typ endlich in mir kam. Da standen die Anderen schon Schlange. Bis zum Zehnten bekam ich noch etwas mit, dann musste ich weggetreten sein.
Als wir am anderen Morgen geweckt wurden, lag ich noch immer nackt im Bett. Mein Arsch brannte wie Feuer. Ich stand auf und sah auf meinem Laken Sperma und Blut. Vorsichtig fasste ich an mein Loch und spürte, dass es eingerissen war, nicht arg, dafür brannte es höllisch.
Einem der anderen Neuen, er stellte sich als Bernd vor, erging es nicht besser als mir, nur er hatte Glück, er bekam am Schluss einen geblasen. Ich hatte nach all dem immer noch Druck auf der Leitung.
Ich wollte gerade meinen Weg zum Duschen antreten, es war fast niemand mehr im Schlafsaal, als einer der Kerle vom gestrigen Abend zurückkam. Er kam zu mir drückte mich auf das Bett und fing an mir einen zu blasen.
Im Vergleich zu dieser Nacht war dies himmlisch und ich kam mächtig. Später unter der Dusche sah ich auch Maik wieder. Bei näherem Beobachten, fiel mir auf, dass bei ihm noch Blut an den Beinen herunter lief.
„Maik, du blutest“, meinte ich leise.
Entsetzt schaute Maik nach unten und kippte weg. Wir brachten ihn auf die Krankenstation, wo er mit drei Stichen genäht wurde. Nach längerem Hin und Her, offenbarte er sich dann beim Sanitäter und seinem Betreuer.
Ich hatte Angst, dass es nun noch härter für uns wird, weil es ja verraten wurde. Aber so schien es nicht zu sein. Der Gruppeälteste wurde in Einzelhaft gesteckt und somit trat Ruhe im Schlafsaal ein.
Eines Tages wurden wir in ein neues Gebäude verlegt. Die Gruppen wurden kleiner, wir bestanden nur noch aus sieben Leuten und jede Gruppe hatte ihren eigenen Schlafraum. Bernd kam in meine Gruppe und da ich der Älteste war, wurde ich zum Gruppenführer ernannt und Bernd als Stellvertreter eingesetzt.
Nun war ich schon vier Monate hier und es war ruhig geworden. Natürlich hatte ich Sex, mal mit Bernd, oder auch mit Anderen. Aber so brutal wie in der ersten Nacht war es nie wieder. Das änderte sich, als wir einen Neuzugang bekamen.
Er war achtzehn Jahre alt, hieß Frank und übernahm meine Stelle als Gruppenältester. Jemand hatte uns gesteckt, er hätte seinen Freund erschlagen und hatte dafür achtzehn Jahre bekommen.
Eines Nachts, ich hatte schon geschlafen, wurde ich durch eine Berührung geweckt. Frank lag nackt in meinem Bett und versuchte, in mich einzudringen. Als ich mich wehren wollte, spürte ich schon seine Faust in meinem Magen.
Seine Hand umklammerte meinen Schwanz und die Eier so fest, dass ich unheimliche Schmerzen hatte und langsam Ruhe gab. So nahm er mich hart ran. Er fickte mich so brutal, dass ich mich nicht mal konzentrieren konnte.
Ich musste vor Schmerzen weinen. In den nächsten Wochen kam nun jeder aus unserem Zimmer dran, jeder ließ es über sich ergehen, aus Angst, niedergeschlagen zu werden. Eines Tages, beim Duschen, kam Steffen zu mir. Er war der jüngste in unserem Zimmer.
Ich sah seine Striemen auf dem Rücken und auf dem restlichen Körper.
„Was ist passiert, Steffen?“
Er brach in Tränen aus und ich nahm ihn vorsichtig in den Arm.
„Seit ein paar Wochen muss ich mich jeden Abend in der Kleiderkammer melden.“
Das hatte ich nicht gewusst. Dort wurde er von den Gruppenältesten schon erwartet. Er musste sich ausziehen und sich nackt auf den Tisch legen. Dann peitschen sie ihn und vergewaltigten ihn jeden Abend.
Falls er nicht alle aufnehmen konnte, weil er ausgelaugt war, wurde er zusätzlich noch verprügelt. Seine Angst, es unserem Betreuer zu sagen, war enorm. Das brachte mich so in Rage, dass ich den Kopf verlor.
So wie ich war, rannte ich in den Gruppenraum, an den Tisch, wo unser Gruppenältester, Frank, saß. Ich holte aus und schlug ihm ins Gesicht. Die Antwort kam postwendend. Er griff mir in die Kronjuwelen und verdrehte sie, dass es schmerzte.
Dann traf mich auch schon sein erster Schlag… meine Nase war gebrochen. Dann ging es weiter. Der nächste Schlag ging in den Magen und wären die Anderen nicht dazwischen gegangen, so wäre ich jetzt wahrscheinlich im Himmel, bei meinem lieben Gregor.
Nachdem ich wieder zur Besinnung kam, lag ich auf einer Trage und ein Sani verarztete mich. Neben ihm stand Steffen, der erleichtert schien, dass ich meine Augen wieder öffnete. Er beugte sich zu mir herunter und gab mir einen Kuss. Ich war irgendwie hin und weg davon, aber fiel auch gleich wieder in einen tiefen Schlaf.
Ich erwachte in der Krankenstation. Meine Nase hatte einen Verband und mir war ganz flau im Magen. Plötzlich fiel mir der Kuss von Steffen wieder ein und ich dachte automatisch an meinen Gregor.
>Gregor, wo auch immer du bist, ich liebe dich und wir sehen uns wieder!<
Ich verbrachte weitere vier Tage auf der Krankenstation und als ich zurückkam, war Frank nicht mehr da. Ich erfuhr, dass er in einen anderen Knast verlegt worden war, zudem hatte er nun eine Klage wegen schwerer Körperverletzung in fünf Fällen am Hals.
Vier weitere Jungen hatten ihn angezeigt, unter anderem auch Steffen. Er und ich kamen uns in den nächsten vier Monaten immer näher, er schlief häufig in meinem Bett, wir hatten aber dennoch nie Sex miteinander.
Er war eher wie ein kleiner Bruder für mich. Die Zeit verging und so war es dann auch schon Weihnachtszeit. In dieser Zeit waren alle in meiner Gruppe sehr deprimiert, das erste Mal alleine ohne Familie um sich herum.
Gregor fehlte mir auch sehr und ich weinte mich oft in den Schlaf. Und dann kam Heiligabend. Den ganzen Tag über hingen wir herum und am Nachmittag gab es so etwas Ähnliches wie eine Weihnachtsfeier.
Jeder von uns bekam einen bunter Teller. Es war zwar nicht wie zu Hause, aber trotzdem schön.
Steffen saß neben mir, ganz dicht an mich gekuschelt und schluchzte. Ich versuchte, ihn zu trösten, indem ich ihm über seinen blonden Wuschelkopf streichelte, was mir dann auch gelang.
So saßen wir dann bis zum Schlafen gehen. Da wir es gewohnt waren, mit nacktem Oberkörper neben einander zu schlafen, war es auch diesen Abend nichts Besonderes, als Steffen sich plötzlich neben mir aufrichtete.
„Ich habe da noch ein kleines Geschenk für dich“, meinte er und schaute mir dabei tief in die Augen.
Bevor ich fragen konnte, was er denn meinte, hatte ich schon seine Lippen auf den meinen und er begann, mich leidenschaftlich zu küssen. Unsere Zungen tanzten wie wild im Mund. Dann ließ er von meinem Mund ab und wanderte über meinen Hals zu meinem Körper, aber jede Stelle wurde mit einem Kuss bedeckt.
Er begann, an meinen Brustwarzen zu knabbern, um dann weiter zu meinem Bauchnabel zu wandern. Dass ich davon ein Steifen bekam, merkte Steffen natürlich sofort. So wanderte er den gleichen Weg hinauf, wie er hinunter gewandert war.
Er küsste mich weiter zärtlich, bis er wieder von mir absetzte.
„Christian…, ich würde dich gerne in mir spüren…“, kam es leise von Steffen.
„Bist du dir da sicher?, fragte ich leise, „ich will dir nicht weh tun.“
„Tust du schon nicht… nicht du!“
Steffen dreht sich auf den Bauch und hob seinen Hintern an. Ich zog erst seine, dann meine Hose aus. Im Mondlicht konnte ich seinen wunderschönen Arsch beschauen, wo ich aber auch die Narben von Frank und seinen Kumpanen zu sehen bekam.
Ich massierte mit meinem Finger langsam sein Loch, was bei Steffen ein leises Stöhnen verursachte. Ich versenkte langsam meinen Finger in seiner Grube und er wand sich langsam unter mir.
Als ich spürte, dass es leichter ging, ließ ich einen weiteren Finger folgen, wobei Steffen sein Gesicht verzog.
„Soll ich aufhören, tu ich dir weh?“
„Nein!“, hauchte er.
Also massierte ich sanft weiter, bis Steffen nur noch kernig stöhnte. Ich zog meine Finger heraus und setzte meine Schwanzspitze an. Plötzlich fing Steffen an zu jaulen.
„Komm, ich hör auf, das tut dir weh!“
Er schüttelte den Kopf.
„Mach bitte weiter…“, sagte er heiser.
Also verblieb ich in der Stellung, bis er sich an mich gewöhnt hatte, bevor ich tiefer in ihn eindrang. Ich fing langsam an, mich auf und ab zu bewegen und aus Steffens Wimmern wurde langsam ein Stöhnen.
Irgendwie vergaß ich Steffen und dachte nur noch an Gregor. Wild bearbeitete ich Steffens Loch, der sich meinem Rhythmus immer mehr anpasste. Ich griff nach vorne und wichste seinen Schwanz.
Schon bald merkte ich, dass ich an der Schwelle stand, aber dass auch Steffen gleich kommen würde. Noch ein letzter Stoss und ich entlud mich in seinem Darm. Fast gleichzeitig mit mir kam dann auch Steffen.
Erschöpft ließen wir uns fallen. Ich wollte meinen Schwanz schon herausziehen, weil er auch schlaff wurde, doch Steffen drückte seinen Schließmuskel derart fest zusammen, dass es fast schon wehtat.
Irgendwann entließ er mich dann doch und wir lagen dann dicht neben einander.
„Du Christian, das war mein schönstes Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe.“
Ich gab ihm einen Kuss und schon bald schliefen wir ein.
Es war am 17.01.1983. Ich war auf den Tag genau ein Jahr hier und hatte es geschafft, den Grossteil meiner Strafe abzusitzen. Strafe für was? Ach ja, ich hatte ja versucht, die Republik zu verlassen.
Ich hatte in diesen Jahr viel erlebt, aber auch neue Freunde gefunden wie Bernd, der mit mir hier angekommen war und nun nur noch einen Monat vor sich hatte und Steffen, der Ende des Monats entlassen werden würde. Er war für mich inzwischen nicht nur mein kleiner Bruder, aber ich denke, ihr wisst schon, was ich meine.
In dem Jahr hatte ich auch viel an Gregor denken müssen und jedes Mal endet es mit den Bildern unserer letzten gemeinsamen Nacht. Wie er da lag und in meinen Armen starb. Wie ich so in meinen Gedanken versunken dasaß, merkte ich, wie mir wieder Tränen über die Wangen liefen.
Steffen hatte das auch bemerkt und kam zu mir.
„Christian, was ist mit dir, warum weinst du?“
„Ach nichts…“
„Christian du weinst, wie kann da nichts sein.“
Ich schüttelte nur den Kopf. Noch nie hatte ich mit jemand über diese Nacht geredet und Steffen ließ einfach nicht locker. So riss ich mich zusammen und erzählte ihm die ganze Geschichte.
Wie ich Gregor kennen gelernt hatte, wie wir uns geliebt hatten und auch diese Nacht, in der Gregor starb, wo mein Leben plötzlich keinen Sinn mehr hatte. Steffen hörte die ganze Zeit aufmerksam zu.
„So nun weißt du alles“, meinte ich und zog die Beine an, um mich dahinter zu vergraben.
Auch Steffen hatte Tränen in den Augen. Er setzte sich nun dicht neben mich und nahm mich in den Arm.
„Ich weiß, dass ich dir nie Gregor ersetzen kann, aber darf ich das fortsetzen, was Gregor mit dir nicht erleben konnte?“, fragte Steffen leise, „darf ich dein Freund sein, bis an das Ende unserer Tage?“
Ich wischte mir die Tränen aus den Augen, konnte nicht recht antworten.
„Kannst du mir bitte Zeit lassen?“
Er nickte.
Die Tage vergingen wie im Flug und Steffens Entlassung kam immer näher und ich merkte, dass er immer noch auf eine Antwort wartet, doch ich konnte mich nicht entscheiden. Es war seine letzte Nacht hier in der JVA, er lag wie immer neben mir und ich sah ihm an, dass er ganz aufgeregt war.
„Steffen?“
„Ja?“
„Ich hab lange darüber nachgedacht, was du zu mir gesagt hast.“
„Und?“
„Du hast schon Recht, du könntest mir nie Gregor ersetzen…“
„Aber?“
„Ich würde es gern mit dir versuchen… nimmst du mich trotzdem?“
Mit einen strahlenden Gesicht beugte er sich zu mir und gab mir einen so leidenschaftlichen Kuss, dass ich fast keine Luft mehr bekam.
„Willst du mich nicht?“
Entsetzt schaute er mich an.
„Wieso, was meinst du?“
„Wenn du mich noch einmal so küsst, dann bin ich schneller bei Gregor als dir lieb ist, ich hab keine Luft mehr bekommen!“
„Oh, entschuldige, ich war wohl etwas zu heftig.“
Doch dann fingen wir beide an zu lachen und hatten in der Nacht wunderschönen Sex miteinander. Am nächsten Morgen saßen wir alle etwas gedrückt beim Frühstück. Und dann kam der Augenblick, vor dem ich mich fürchtete. Steffen hatte seine wenigen Habseligkeiten an sich genommen und stand vor mir.
„In fünf Monaten sehen wir uns wieder!“, meinte Steffen.
Ich nickte nur und mir liefen die Tränen herunter.
„Ich schreib dir auch, versprochen!“, sprach Steffen und gab mir noch einmal einen innigen Kuss, bevor er sich herum drehte und durch die Tür unsere Abteilung verließ.
Bernd stand hinter mir und nahm mich in den Arm.
„Du hast ihn ja bald wieder!“, raunte er mir ins Ohr, während mein Blick immer noch auf der geschlossenen Tür haftete.
„Du hast gut reden, du hast ja nur noch einen Monat… aber fünf, das ist noch so lange.“
Steffen schrieb wie versprochen, so oft es ihm möglich war.
Wieder wurden Bernd und ich verlegt, hatten zwar die gleiche Gruppenstärke, aber dieses Gebäude war anders. Jede Gruppe hatte ihren eigenen Schlafraum mit einer separaten Sanitäreinrichtung.
Es waren täglich Abgänge im Haus, aber nur einmal in der Woche Zugänge. So kam es oft vor, dass Bernd und ich mit einem oder zwei Jungen alleine war.
Und so geschah es, dass Bernd und ich auch mal ganz allein waren. Natürlich schliefen wir miteinander und haben uns oft gegenseitig einen gewichst, bis eben auf unser Zimmer eines Tages zwei Neuzugänge kamen.
Zwei junge Knaben im Alter von 13 Jahren standen vor uns. Sie waren schlank und noch voll in der Entwicklung. Kaum waren wir für die Nachtruhe eingeschlossen, stellte ich mich vor die Beiden.
„Aufstellen!“, sagte ich, „und Ausziehen.
Ich hatte mittlerweile so einen Befehlston drauf, dass die Beiden ohne viel zu überlegen meiner Anweisung folgten. Und so standen sie wenig später im Adamskostüm vor uns. Ich nahm einen der süßen Knabenschwänze in die Hand und streichelte ihn.
Sofort wurde dieser steif und der Junge bekam einen roten Kopf und schämte sich. Bernd grinste sich eins weg.
„So auf die Knie und Mund auf!“, meinte ich und sie taten beide, was ich sagte.
Bernd stellte sich neben mich und wir zogen gleichzeitig unsere Hosen herunter. Die Beiden staunten nicht schlecht, weil unsere Pracht voll ausgefahren war.
„Maul auf!“, befahl ich und wir schoben gleichzeitig unsere Schwänze in die Mäuler. Es war ein wundervolles Gefühl, in so einen Jungenmaul zu ficken. Ich nahm meinen Knaben und legte ihn auf ein Bett.
Ich befingerte ihn überall, am ganzen Körper. Es gefiel ihm anscheinend so, dass er plötzlich mächtig abspritzte. Ich nahm seine Knabenmilch mit meiner Hand auf und schmierte sie über seine haarlose Kimme.
Danach beugte ich mich über ihn, setzte meinen Schwanz an und rammte ihn mit einem Stoss rein. Der Junge schrie kurz auf, aber er ließ mich dann gewähren. Wie ein Wilder fickte ich ihn durch und ich kam gewaltig in ihm.
Die Zwei schliefen nun ständig bei uns, bis wir entlassen wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie noch zwei Monate abzusitzen. Nach unserer Entlassung haben Bernd und ich uns aus dem Augen verloren, ich weiß bis heute noch nicht, wo er ist oder was er macht.
Sebastian, einer der zwei Jungs die am Schluss in meinem Bett schliefen, hatte ich dann ein paar Mal getroffen. Nachdem wir weg waren, hatte er es mit Jedem getrieben, der ihm in die Finger kam, er konnte nicht genug kriegen.
Er war nur siebzehn Jahre alt geworden, denn er hatte sich bei Irgendeinem mit Aids angesteckt.
Die Zeit verging und jede Woche kam ein Brief von Steffen, den ich natürlich immer gleich beantwortete. Und dann war es endlich soweit, der 17.06.1983, der Tag meiner Entlassung. Ich hatte noch gefrühstückt und wurde dann in die Reservatenkammer geführt, wo ich mich wieder ausziehen musste. Ich durfte duschen, um mir danach dann meine eigenen Sachen abzuholen, die ich damals abgeben musste.
An der Ausgabe war wieder derselbe Kalfaktor, wie bei meiner Einweisung, doch er erkante mich nicht. Ich konnte mich noch gut an seine Worte erinnern, die er damals sagte. Ich schüttelte den Kopf und nahm grinsend meine Sachen.
Schnell war ich wieder angezogen und an der Kasse wurde mir mein Entlassungsschein und 175,54 Ostmark ausgehändigt. Danach wurde es ernst, man führte mich zum Ausgang. Dahinter warteten meine Eltern.
Nach meiner Entlassung aus dem Jugendstrafvollzug bin ich zur Wiedereingliederung zu meinen Eltern zurück geschickt worden. Ich war inzwischen achtzehn Jahre alt und musste arbeiten gehen.
Vom Staat hatte ich eine Stelle zugewiesen bekommen und ich musste in die Jugendorganisation FDJ eintreten, was mir damals zuwider war. Es wurde erst besser, als ich mit zu den Veranstaltungen fahren durfte, die im ganzen Ostblock stattfanden.
Da gab es viele junge Burschen und auch viele, die so waren wie ich, also schwul – zwar nicht offen, aber man verstand sich. Somit wurde die FDJ für mich Mittel zum Zweck. Ich hatte mich für jede Veranstaltung als Teilnehmer beworben, was mir Anerkennung und hohes Ansehen in meiner FDJ-Gruppe einbrachte.
Bei der ersten Veranstaltung, wo ich dabei war, war das Pioniertreffen in Karl-Marx-Stadt – das heutige Chemnitz. Wir waren in einer Schule untergebracht, das heißt, die Jungen auf einer Etage und die Mädchen auf einer anderen.
Dazwischen die Ordnungsposten (Ordnungsgruppe der FDJ) und die mussten aufpassen, dass da zwischen Jungen und Mädchen nichts passiert. Aber was da zwischen Boy und Boy abging, wussten sie nicht.
Eines Abends – wir kamen von einer Veranstaltung, musste ich dringend mal auf die Toilette. Doch als ich mich auf das Becken setzte hörte ich Geräusche von nebenan. Ich hörte sofort auf und stellte mich auf das Becken, so dass ich unbemerkt über die Trennwand sehen konnte.
Da waren gerade drei Boys zwischen sechzehn und zwanzig zugange. Einer wurde von hinten und vorne bearbeitet, er war völlig nackt. Die beiden anderen hatten jeweils nur ihre Hose heruntergelassen.
Einer der beiden lutsche genüsslich an dessen Schwanz, der andere hatte seinen dicken Schwanz tief in dessen Loch vergraben. Plötzlich erkannte ich den Nackten, es war mein Kollege Thomas, der aber normalerweise immer jedem Mädchen hinterher rannte.
Ich wurde wieder aus den Gedanken gerissen, als die drei vor mir auf den Höhepunkt zusteuerten. Erst spritze Thomas dem Einen eine geballte Ladung ins Gesicht, bevor sein Hintermann sich auf seinem Rücken entlud.
„Das müssen wir unbedingt mal wieder wiederholen“, meinte Thomas zu den Beiden, die jetzt aber schnell abzogen. Während Thomas sich wieder anzog, entdeckte er mich auf der Brüstung.
Natürlich ließ mich das eben Gesehene nicht kalt und ich war selbst am Wichsen.
„Was machst du denn hier und wie lange bis du schon da?“
Ich konnte nichts sagen, denn ich stand kurz vor dem Abspritzen. Da stand er auch schon in meiner Kabine. Als er mich mit meiner runtergelassen Hose sah, spritzte ich auch schon ab.
„Geil!“, kam es von Thomas, „dass ist wunderbar, ich habe schon lange ein Auge auf dich geworfen“
„Ich auf dich auch“, sagte ich, als ich meinen Schwanz wieder verstaute und von meinem Platz herunterstieg, „aber du bist ja immer mit den Mädchen herum gezogen.“
„Das war alles Tarnung!“, meinte er grinsend, „komm, Schlafenszeit.“
So verließen wir gemeinsam die Toilette und gingen schlafen. Am nächsten Tag hatten wir Freizeit für uns und Thomas fragte mich, ob wir gemeinsam schwimmen gehen würden. Ich stimmte zu.
Wir fuhren mit der Straßenbahn kreuz und quer durch die Stadt und ich fragte mich, wo das enden sollte. Ich war noch in Gedanken versunken, als er mich plötzlich am Arm zog.
„Komm, aussteigen. Wir sind fast da.“
Nach wenigen Schritten waren wir wirklich schon am Stadtrand und vor uns lag ein Wäldchen.
„Und wo ist der See?“, fragte ich.
Er grinste.
„Komm, wir sind gleich da“, meinte Thomas und verschwand im Wald.
Nach einem kleinen Fußmarsch standen wir vor einer kleinen Blockhütte an einem See, kein Mensch weit und breit.
„Wau, woher kennst du diesen Ort, du wohnst doch wie ich auch in Leipzig und wir sind gestern erst angekommen?“
„Das ist das Wochenendgrundstück von meinen Eltern und ich habe den Schlüssel mitgebracht. Uns habe ich für das Wochenende abgemeldet, meinte einfach, mit deiner Schwester stimmte etwas nicht und du müsstest nachschauen und ich würde dich dabei begleiten.“
Ich schüttelte den Kopf.
„So haben wir beide drei Tage Zeit, um uns näher kennen zulernen“, beendete Thomas seine Ausführung.
„Du bist verrückt!“, sagte ich und er schloss die Tür auf.
Es war heiß im Haus und auch draußen, so das wir nur in Badehosen rum liefen, nachdem ich mir die Hütte angesehen hatte.
„Nun, gehen wir baden?“, fragte Thomas.
„Ja, eine Abkühlung tut jetzt gut“, sagte ich und schon war er im Wasser.
Mit einem Satz sprang ich neben ihm ins Wasser. Er kam auf mich zu und umschlang mich mit seinen Armen. Dann vergrub er seine Zunge in meinem Rachen und seine Hand wanderte zu meinem Schwanz.
„Nicht hier draußen…, wenn uns jemand sieht“, meinte ich.
„Hierher hat sich bis jetzt noch niemand verirrt!“, bekam ich als Antwort und schon waren seine Hände überall.
Er nahm meine Hand und führte mich aus dem Wasser. Wir legten uns ins hohe Gras, wo wir uns die Badehosen abstreiften und nun nackt waren. Er wanderte an meiner Brust entlang und küsste jeden Fleck meines Körpers, bis er schließlich meinen Schwanz in den Mund nahm.
Doch ich wollte nicht ihm die ganze Arbeit überlassen und so waren wir schnell in der 69er-Stellung und ich schmeckte zum ersten Mal seinen Schwanz. Es war einfach wunderbar. Wir bliesen uns, bis wir fast gleichzeitig kamen und spritzten uns gegenseitig auf den Oberkörper.
Als wir uns erholt hatten gingen wir nackt, mit der Badehose in der Hand, zurück in die Hütte, wo Thomas Badewasser einließ und wir uns in der Wanne gegenseitig saubermachten. Wir zogen uns nichts an nach dem Baden, sondern liefen nackt herum.
An diesen Tag bliesen wir uns noch mehrmals, bis wir dann ins Bett gingen. Thomas fing an, zu erzählen und ich hörte einfach zu. Er erzählte mir von seinem ersten Mal und von einem festen Freund, den er suchte, aber noch nicht gefunden hatte.
Er wurde immer nur von Anderen benutzt und immer nur von Älteren.
„Hast du dich schon mal ficken lassen?“, fragte er mich, er ist immer nur gefickt worden und möchte auch mal wissen, was für ein Gefühl das ist, „darf ich dich ficken?
Ich stimmte nach kurzem Überlegen zu, denn ich kannte das Gefühl noch von der JVA. Da hatte ich andere Kaliber in mir und die haben nicht vorher Gefragt. Er war sofort wieder hell wach und wollte es sofort tun.
Ich kniete mich auf allen vieren auf das Bett und reckte ihn meine Kiste entgegen. Er spielte zuerst mit den Fingern an meiner Rosette, um sie etwas zu entspannen, dann setzte er seinen steifen Schwanz an und drang langsam in mich ein.
Er war ganz behutsam, es tat nicht weh und als er dann auch noch mit seiner Schwanzspitze meine Prostata immer wieder berührte, war ich glücklich.
Er aber auch, wie ich hören konnte. Ich kam, ohne dass ich meinen Schwanz berührte zwei mal und es dauerte dann auch nicht lange, bis er in mir kam und seine Ladung in meine Därme spritzte. Es war wundervoll. Eng umschlungen schliefen wir ein. Dieses Wochenende werde ich mein Leben nie vergessen.
Mit Thomas war ich noch sechs Monate zusammen, bis er von heute auf Morgen in den Westen abgeschoben wurde. Wir haben uns nach der Wende schon ein paar Mal getroffen, aber Sex hatten wir nie wieder.
Er hat einen festen Freund und lebt heute in Bingen am Rhein in der Nähe von Mainz.
Es war Juni 89. Ich war mittlerweile 21Jahre alt. Ich wollte normalerweise nur Urlaub in der CSSR in Prag machen, aber es kam ganz anders.
Ich bin also mit dem Zug nach Prag gefahren, hatte mir ein kleines Hotel am Stadtrand von Prag ausgesucht. Nichts Besonderes, aber billig und in der DDR bekannt, dass es da schwulenfreundlich zugeht – ich wollte ja was erleben.
Als ich ankam, bezog ich sofort mein Zimmer und schon auf den Weg in dieses bemerkte ich, dass hier viele Ostdeutsche junge Leute abgestiegen waren. Wie auch der junge Mann, der mir ins Auge fiel, etwa so alt wie ich, blond und ca. 1,80 groß. Er sah unwahrscheinlich gut aus.
Ich ging also in mein Zimmer. Es war nicht besonders groß, aber für das Geld genug. Ich hatte ein Bett für die nächsten vierzehn Tage, dachte ich. ‚Nun wollen wir uns mal die Umgebung anschauen’, dachte ich so bei mir und ging zuerst mal auf den Balkon.
Hier hatte man einen guten Blick auf den Innenhof, wo der Pool war. Auch hier lagen viele hübsche junge Kerle in der Sonne. Ich beschloss, mich zu ihnen zu gesellen, zog mir meine Badehose an, nahm mir ein Handtuch und ging runter am Pool.
Ich musste ein wenig suchen, um noch eine freie Liege zu finden. Geschafft, ich habe Urlaub und liege in der Sonne und um mich herum lauter junge hübsche Boys, was wollte ich mehr? Es war so gegen Mittag, als mir auf einmal jemand die Sonne nahm. Es war der blonde Boy.
„Entschuldige, ist die Liege neben dir noch frei?“
„Ja!“
Und schon lag er neben mir und wir kamen ins Gespräch. So erfuhr ich, dass er Marc hieß und gerade achtzehn Jahre geworden sei. Die Reise sei ein Geburtstagsgeschenk seiner Eltern und dass es auch das erste Malwäre, dass er alleine in Urlaub sei.
Wir freundeten uns schnell an und verstanden uns auf Anhieb.
„Wenn wir noch etwas zu Essen wollen, dann müssen wir uns aber jetzt beeilen“, meinte er plötzlich.
Während des Essens beschlossen wir, gemeinsam Etwas zu unternehmen und so verabredeten wir uns für 14.00 Uhr, so dass jeder von uns genügend Zeit hatte, sich frisch zu machen. Nach dem Essen gingen wir dann jeder in sein Zimmer.
Bis 14.00 Uhr war noch genug Zeit und so setzte ich mich auf dem Balkon in die Sonne, was mir gut tat. Aber ich hätte besser auf die Zeit achten sollen, denn ich war ein wenig eingenickt. Ich sah auf die Uhr und erschrak. Es war schon fünf vor Zwei und ich musste doch noch duschen.
Als ich gerade unter die Dusche steigen wollte, das Wasser lief schon, klopfte es an der Tür. Ich also wieder raus und öffnete die Tür. Da stand Marc.
„Bist du schon fertig?“
„Nein, komm rein, ich muss noch schnell duschen.“
Er folgte mir ins Zimmer und ich verschwand im Bad. Ich merkte nicht, wie Marc ins Bad kam. Plötzlich stand er vor mir.
„Weißt du dass du gut aussiehst, so im Adamskostüm“, meinte er, nahm das Handtuch, das ich vorhin abgelegt hatte und begann, mich abzutrocknen.
Es war ein gutes Gefühl. Ich drehte mich zu ihm und gab ihm zärtlich ein Kuss auf seine Wange.
„Wenn wir noch etwas unternehmen wollen, muss ich mich jetzt anziehen.“
Ich ging aus dem Bad zu meinem Koffer, um mir ein paar Klamotten heraus zu suchen. Marc folgte mir.
„Schade!“, meinte er etwas traurig.
Und so zogen wir los. Es war wunderbar, mitzuerleben, wie Marc so richtig aufblühte in seinem ersten Urlaub ohne seine Eltern. Wir waren in der City von Prag und haben uns alles angesehen, was es zu sehen gab.
So gegen 20.00 Uhr sind wir dann zurück in unser Hotel, von unterwegs haben wir noch zwei Flaschen Wein mitgenommen. Im Hotel angekommen, sind wir auf das Zimmer von Marc, wo wir uns auf dem Balkon setzten und eine Flasche Wein öffneten.
Nach einer Weile meinte Marc, er müsse jetzt Duschen, denn er habe viel geschwitzt. Er stand auf und verschwand im Bad. Ich blieb sitzen und hörte das Wasser rauschen. Nach einer Weile kam er wieder raus, nur mit einem Handtuch bekleidet.
Er rief nach mir und ich ging rein, als er gerade das Tuch fallen lies und vor mir stand, so wie Gott ihn geschaffen hat. Es war ein wundervoller Anblick. Seine makellos gebräunte Haut ohne weiße Flecken wie bei mir. Sein kindliches Gesicht und sein voll ausgefahrenes Rohr – einfach zum Anbeißen.
„Du siehst aber auch saugut aus“, sagte ich und er lächelte mich an mit einem Ausdruck, der mich faszinierte.
„Ist dir nicht auch zu warm?“, sagte er plötzlich und begann, mich auszuziehen, bis ich dann auch nackt war.
Dann küssten wir uns so leidenschaftlich, dass mir fasst die Luft weg blieb. Hand in Hand gingen wir zum Bett, wir lagen nebeneinander, wir küssten und streichelten uns gegenseitig am ganzen Körper. Es war der Wahnsinn, wir waren so geladen, dass wir ohne weiteres Zutun fast gleichzeitig kamen.
Nach einer kleinen Verschnaufpause, in der keiner etwas sagte, hatte ich noch mal die Gelegenheit, mir meine neue Eroberung anzuschauen. Er sah wirklich super aus, so schlank, mit seinem Waschbrettbauch und seinem niedlichen Gesicht, einfach zum Verlieben.
Während ich ihn so ansah, begann er zu erzählen. Er wüsste seit seinem 14 Geburtstag, dass er schwul war. Seinen ersten richtigen Sex hatte er mit seinem Nachbarn, der ihn in seiner Wohnung verführte.
Dann wurde es ruhig. Er war in meinen Armen eingeschlafen und so eng umschlungen erwachten wir auch am anderen Morgen. Ich wurde von ihm wach geküsst. Die folgenden Tage vergingen wie im Fluge und wir hatten viel Spaß.
Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Wir hörten im Radio, dass Ungarn die Grenzen nach Österreich geöffnet hatte. Das war meine Chance. Ich hatte endlich die Möglichkeit, zu meinen Großeltern nach Güglingen bei Heilbronn zu kommen.
Sofort erzählte ich Marc von meinen Vorhaben. Aber er war enttäuscht von mir, denn er wollte nicht weg ohne seine Eltern und er hatte doch niemand im Westen. Von dem Tag an sahen wir uns immer weniger, bis ich mir eine Fahrkarte nach Ungarn gekauft hatte.
An diesem Abend sahen wir uns zum letzten Mal, er gab mir nur einen Kuss auf die Wange und meinte: „Viel Glück!“
Am nächsten Morgen habe ich meine Sachen zusammen gepackt und bin zum Bahnhof. Mit dem Zug fuhr ich nach Sotina in Ungarn an der Grenze zu Österreich. Es war einfach der Wahnsinn, was sich im Zug und an der Grenze abspielte.
Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, würde ich sagen, in der DDR muss es keine Einwohner mehr geben, denn die waren alle hier!
Es waren Menschenströme, die gen Westen zogen und wenn du einmal drin bist musst du mit, ob du willst oder nicht. Doch ich wollte ja. So geschah es, das ich im Juni 1989 das erste Mal westdeutschen Boden betrat.
Wir wurden vom Bundesgrenzschutz im Empfang genommen und mit Bussen nach Giessen in das damalige Auffanglager gebracht, wo unsere Personalien aufgenommen wurden und jeder, der Verwandtschaft oder Bekannte in der BRD hatte, durfte einen Anruf tätigen.
Ich habe sofort meine Großeltern angerufen und so wurde ich noch am selben Tag von meinem Opa abgeholt, und konnte somit dem Chaos, das dort herrschte, entfliehen.

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Information Erinnerungen
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 11:36 AM - No Replies

Einleitung:
Etwas unernst hier mein Versuch, sich mit einem sehr ernsten Thema zu befassen.
Im Ernst zum Inhalt: Ich hatte eine ganze Weile mit einem Rollifahrer zu tun (krebskrank) und das alles wird mich auch noch eine Weile innerlich beschäftigen. Und diesen Berry gibt es in der Bekanntschaft wirklich.
Man, bin ich wütend! Nun muss ich hier still liegen – dabei ist mein Terminkalender heute so etwas von voll! Aber wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: Kaum habe ich in der Frühe meine Wohnungstür verlassen, da bin ich hingeknallt. Mein Kopf war schon auf der Besprechung, hat das Glatteis zu spät bemerkt. Fazit: Hab vom Doktor Ruhe für mein Knie verordnet bekommen. Lust, bei den Schmerzen noch durch die Gegend zu laufen – ich doch nicht. Genug Zeit also, um endlich mal einige Erinnerungen für meinen Sohn aufzuschreiben. Ich habe ihm ja nie alles erzählt… und aufschreiben ist für mich weniger anstrengend, als bei dem Inhalt vor Peinlichkeit ins Schwitzen zu kommen. (Eltern verstehen das…) Dann muss ich ihm nur mal bei Gelegenheit den Text unterschieben. Termine sind vorerst ja keine, so will ich es zumindest versuchen. Das kaputte Bein schön hoch gelegt, die Tastatur irgendwie sehr unbequem auf den Bauch, schon geht es los. Wie schreib ich es denn – aha, werde es wohl als Geschichte verfassen.
Versuch beginnt:
Hallo Leute! Mein Name ist Stefan und Ihr dürft mich ein wenig in meinem Leben begleiten. Ich bin gestern Vierzehn geworden. Und es war eine für mich tolle Feier! Alle Pfleger und die beiden Zivis haben sich den ganzen Tag um mich sehr gekümmert. Von meinen Freunden hier habe ich dann noch ein ganz besonderes Geschenk bekommen: Sie haben für mich ein Geburtstagslied gesungen, sogar selbst komponiert. Das ist gar nicht so einfach – singt Ihr mal laut und deutlich im Liegen. Ja, liegen dürfen wir hier alle – den ganzen Tag, die ganze Nacht, diese Woche, den nächsten Monat und das folgende Jahr. Immer. Für viele der Normalzustand schon seit Geburt. Na gut, ich persönlich kann ja etwas sitzen. Und dann noch die schöne Torte! Mein bester Zivi Eugen hat mir die Kerzen dicht vor das Gesicht gehalten, und ich konnte sie sogar alle auspusten.
Nach dem Mittagessen war gemeinsames Eisessen angesagt, im Ort in der großen Eisdiele. Die mussten wir allerdings extra buchen, weil bei „normalem“ Betrieb gäbe es Schwierigkeiten mit den ganzen Rollis, dem Platz und wegen den Behinderungen der Gäste durch uns. Finde ich schade so, denn wir stehen schon etwas abseits vom Leben, so als Querschnittsgelähmte, und wir sind immer froh, auch mal andere Leute und Orte zu sehen. Immer nur das Pflegeheim ist nicht genug. Es soll ja sehr schön hier sein, auf der Insel Usedom, sagt man, aber meistens sehen wir nur den großen Park und den Strand da gleich hinter der großen Düne. Ich kriege sofort Depressionen, wenn ich die gesunden Kinder dort im Sommer alle schwimmen und toben sehe. Besser ist es in unserem eigenen Bad, auch das ganze Jahr schön warm, wo wir versuchen, unsere Gliedmaßen in Schwung zu halten. Das ist kein unbedingt schöner Anblick, so ein mickriger Körper, der kaum Muskeln hat… Wir haben ja als Gegensatz und Anschauungsstücke die Zivis immer im Blick, weil die uns ständig helfen müssen, im und am Wasser. Allein wäre ich wohl schnell abgegluckert. Wenn Ihr aber glaubt, wir würden alle nur den ganzen lieben Tag unsere Situation beweinen und über unser schlechtes Leben grübeln – da irrt ihr! Wir haben ja noch unsere Köpfe, extra lose Mundwerke und jederzeit einen guten Spruch auf Lager. Das ist fast wie ein Sport mit Worten unter uns. Und wenn man alles, was man mit dem Kopf und den daran befestigten Teilen machen kann, berücksichtigt, ist das Leben schon mal ganz interessant. Musik hören und den Fernseher an ist doch auch nicht so schlecht, oder? Für viele vollkommen Gesunde ist das der ständige und einzige Tagesinhalt. Aber so richtig gesund sind die nicht, finde ich! Kennen wir es hier denn auch anders…
Und nun rolle ich wieder mal so durch die Gegend, äh – Gänge, die Fahrstühle rauf und runter, und kann mich als Spiegelbild an der Glaswand zu unserem Gemeinschaftsraum sehen. Die Abendsonne steht eben günstig. Aufpassen, Stefan, sonst gibt es Bruch! Mein Elektroflitzer ist ganz schön schnell und wenn ich nicht richtig navigiere, habe ich schnell Jemanden über den Haufen gefahren, wie normal auch im Straßenverkehr. Mein Gesicht: Ohren. Viele Ohren. Und gut zu sehen, weil abstehend. Mist. Ziemlich stolz bin ich auf meine langen, gewellten und hell-blonden Haare. Wie ein Engel, höre ich oft. Dann ist da noch ein ziemlich langes Gesicht mit einer dazu passenden langen, schmalen Nase. Augen auch, und zwar dunkelbraun und groß. Die Hände ruhen auf den Hebeln, ziemlich lange und schmale Finger sind da dran. Ja, meine Hände kann ich recht gut gebrauchen, aber leider sind die Arme total ohne Power, und sehr lang und dünn. Auch sonst ist alles nur eher schmal, so als ob ich immer noch elf oder so wäre. Und nur 1,65 hoch, oder besser lang wenn liegend, denn richtig hoch geht ja bei mir alleine nicht. So, Captain Kirk, beame mich wieder auf mein Zimmer!
Nun, ich bin hier schon, seit ich denken kann. Man sagt, ich wäre mal aus dem Fenster gefallen, und deswegen haben mich irgendwelche Eltern hier abgegeben, weil die ein kaputtes Kind nicht haben wollten. Haben sich ein neues Ganzes gemacht, hörte ich mal. Zu denen kann ich aber nichts weiter berichten. Unbekannt verzogen, oder so. Und darum besucht mich nie einer. Und das ist der Punkt, womit ich nicht gut mit klar komme. Das ist das Letzte, und das Mega-Allerletzte, denn alle sonst bekommen Besuch, und ich suche mir dann einen Platz zum ungestörten Schmollen. Und wenn ich sehe, wie eine Mutti ihr Kind küsst, könnt ich heulen. Andere Jungs in meinem Alter würden sich ja vielleicht schämen, so in der Öffentlichkeit und mit bereits fünfzehn, aber mich hat noch nie jemand geküsst oder mir sonst direkt körperlich gezeigt, dass man mich richtig gern hat! Ich meine jetzt nicht nur lächelnd meine Hand schütteln und mir Geschenke verpassen. Sind ja alle hier meist nett zu mir, aber ich denke trotzdem, da wäre noch eine Steigerung möglich… Zimmer eben erreicht und gleich wieder kehrt gemacht. So, geht jetzt bitte. Jetzt ist mal wieder der Punkt, da möchte ich lieber alleine sein!
„Hallo! Guten Morgen. Na, Ihr schon wieder. Bin doch gerade erst aufgewacht. Habe nicht so früh mit Euch gerechnet, aber schön ist es doch mit Euch. Mag nicht so gern allein sein, wie Ihr schon bemerken konntet. Kommt doch einfach mit.“
Heute ist keine Schule, steht seit Tagen an der Wandtafel auf dem Flur. Wegen Handwerkern. Die bauen hier was oder so, keine Ahnung. Nach dem Frühstück nimmt mich Eugen mit nachhause, hat er mir vor 5 Minuten gesagt. Heute ist kein guter Aufenthalt hier für mich und für ihn kaum was zu tun. Abfahrt so in 45 Minuten. „Na, mitkommen? Nö? Bis denne dann.“
Im Rollimobil, einem speziell ausgestattetem Kleintransporter, geht es Richtung Wolgast. Allein nur die Gegend so zubetrachten, bereitet mir schon Freude. Eugen bewohnt mit seiner Freundin ein Ferienhaus, welches seiner Verwandtschaft gehört, und das, bis seine Zivizeit vorbei ist. Fasziniert beobachte ich die Küsserei, die zwischen Eugen und seiner Freundin bei der Ankunft ausbricht. Haben die mich jetzt nicht irgendwie vergessen… Ohne dass ich groß nachdenke, entwischt meinem vorlauten Mund ein kräftig forderndes, „Und ich?!“, was zwei Leuten die Gesundheit retten dürfte, denn jetzt holen beide tief Luft. Oder ist es mein Einwand, der für Entrüstung sorgt… Erst jetzt werde ich wohl als Jemand wahrgenommen, der auch seine Bedürfnisse hat, scheint mir, denn vier Augen sehen mich erst forschend, dann spitzbübisch an. „Moment Mal – Dich nehmen wir als Nachtisch!“ Schon spüre ich Lippen auf meinem Mund und zwei Hände links und rechts auf der Schulter. Ich bin überrumpelt. Chaos im Hirn breitet sich aus. Um das noch völlig unbekannte Gefühl voll genießen zu können, vor allem auch entspannt, müsste ich aber bestimmt noch viel üben, scheint mir, denn ich brauche einige Zeit, um meinen Mund eine dem Kuss entsprechende Form zu geben. „So, nun bin ich dran.“ Eugen.
Kurzschluss im Schaltkasten. Alte Verdrahtung auf den Müll, neue angeklemmt, mit Verbindungskabel in Richtung Sexualität.
Leider kann ich ihn nicht festhalten, was ich automatisch hab tun wollen. Ab jetzt öffnet sich für mich eine neue Sicht: Waren mich umgebende Personen vorher Objekte meiner Umgebung, nur eine Art Zubehör meines Lebens, so sind es nun auch bestimmte Reize auf mich ausübende Personen, sexuelle inbegriffen. (Eine Wertung zwischen den Geschlechtern – dazu ist es in meiner Lage allerdings noch zu früh.)
Als Eugen am Nachmittag mich durch einen großen Elektronikmarkt lotst, bin ich nicht ganz bei mir, denn zu viel Neues gilt es für mich zu verarbeiten, was noch Tage dauern dürfte. Die elektrische Steuerung vom Rolli auf „Aus“ und Arm-Antrieb durch Eugen auf „Ein“ geschalten, besser so. Was mein Aufenthalt mit ihm dort eigentlich bezweckt, verstehe ich nicht. Ich habe mich im Moment um für mich viel wichtigere Dinge zu kümmern, als Computer und anderen Technikkram… Spät am Abend komme ich erst ins Bett. Und bin so etwas von müde.
(edit: Jetzt habe ich so was die Schnauze voll von der Tastatur auf dem Bauch. Habe ein altes Schulheft gefunden, ja, und wie lange schon nicht mehr als eine Unterschrift nur mit der Hand geschrieben…)
„Guten Morgen in die Runde. Habe nicht viel Zeit für Euch. Schule, Ihr versteht…“ Wenn Ihr jetzt nicht folgen mögt – ich habe Verständnis. Nur, warum muss ich meinen Super-Elektro-Rolli-Ferrari tauschen gegen so ein altes Teil? Nur bis zum Abend, wird mir gesagt.
Wenn Ihr jetzt nicht zuschaut, verpasst Ihr was: Ich sitze sehr bequem in meinem Rolli und sehe Internet. Und das ohne großen Monitor – habe eine Videobrille auf. Sieht allein für sich schon ziemlich cool aus, und es gibt keine Schwierigkeiten mit Blendeinwirkungen auf den Monitor, wie sonst oft. Neben mir steht der Techniker-Azubi einer bekannten Firma, der mir den Tag über alles in den Rolli eingebaut hat. Nur WLAN muss da sein, mit dem Netzwerkkabel anschließen hätte ich arge Probleme. Wenn Ihr jetzt aber glaubt, ich werde hier bevorzugt – alle, bei denen es vom Vermögen her Sinn macht, bekommen auch so etwas. Gespendet. Aber ich bin der Erste! Bedienen werde ich alles über ein System mit zwei Mäusen und vielen Sondertasten können, und auch mittels selbst programmierten Funktionen, behauptet der Techniker. Ob ich es kann muss sich erst erweisen. Lernen, lernen, lernen – mir raucht jetzt schon der Schädel von der langen
Einweisung! Monate später:
Ich bin das rollende Auskunftsbüro und habe auf jede Frage die passende Antwort. Glaubt Ihr nicht? Testet selber und fragt mich was! Ich kann es Euch erklären: Mittlerweile bin ich der Internet- und Computerfuchs hier im Haus. Obwohl ich das Ding noch niemals richtig gesehen habe und angefasst schon gar nicht, weiß ich schon ziemlich alles rund um meinen Computer. Und mit den Fragen beantworten – da ist viel Schummeln bei, denn gleichzeitig, wenn mich einer was fragt, lasse ich mir diese im Internet beantworten, etwa von Wikipedia und sehe die Antwort in der Videobrille. Und das Allerbeste ist, ich habe viele neue Freunde gefunden. Vollkommen gesunde, als auch Leute, die noch viel mehr Probleme mit dem Körper haben als ich. Wie zum Beispiel Berry aus den USA. Der hat nur einen Stift im Mund und bedient damit seinen ganzen Computer. Ja, sicher, so schnell ist er dabei nicht, aber er kann damit sogar Bilder malen, richtig coole Serien, die viel Sinn machen und für viel Lachen hier sorgen.
Ein neuer Zivi ist auch da. Robert. Gut, dass der sich mit meiner Technik auskennt, der will auf dem Gebiet sogar mal was studieren. Aber an dem ist was komisch: Während des Nachtdienstes schläft der oft auf meinem Zimmer in dem leeren Bett an der Tür. OK, es ist ja meist nie was richtig los in der Nacht, das finde ich schon gut so. Aber wenn ich mal nicht schlafen kann, höre ich von dort merkwürdige Geräusche, als ob er mit was kämpft, und die Bettdecke bewegt sich. Da ich nicht weiß, wie ich das im Internet eingeben muss, werde ich ihn einfach mal fragen, was es damit auf sich hat.
Robert ist sauer. Stinksauer, glaube ich. Erst wurde er ziemlich rot im Gesicht bei meiner Fragerei draußen während des Spazierganges, dann hat er eine Weile nicht so richtig mit mir gesprochen. Wenn er es mir nicht erklärt – ich verstehe es nicht. Erst nach Tagen ist er wieder so wie vor meiner Befragung. Und dann erklärt er es mir, dabei erstrahlend im tiefsten Rot! Den Rest besorgt das Internet. Gebt doch nur mal die passenden Wörter ein. Ihr wisst schon…
Nun habe ich ein Problem. Ich will es auch probieren, mein Schwanz will es neuerdings sogar unbedingt, aber meine Arme haben nicht genug Kraft dafür. In meiner Not begehe ich einen riesen Fehler. Mein Spruch an seine Adresse: „Wenn Du es mir nicht zeigst, sage ich dem Chef, was Du so nachts in meinem Zimmer machst!“ Und er hat es mir gezeigt. Erst habe ich kaum was bemerkt, und es hat lange gedauert, aber ich bin genau zu dem Erfolg gekommen, wie es im Internet auch beschrieben ist und es jeder Junge mal kennen lernen wird. Einfach nur geil, mega geil, hoch drei sogar. Mit einem sehr bitteren Nachgeschmack allerdings etwas später, denn Robert hat sich auf eine andere Station versetzen lassen und wird mir nun in Hunderten von Jahren noch böse sein, glaub ich. Ich habe jetzt verstanden, dass er so etwas an mir nicht tun darf. Nie durfte. Und ich hätte ihn niemals erpressen dürfen. Mist – aber auch wieder nicht. Ich habe dabei gelernt, in zweierlei Hinsicht. (Edit: Und ich bin heute froh, dass ich alles so gemacht habe – hat es mich letztendlich viel weiter gebracht.)
Ja, was glaubt Ihr denn – was man einmal so schön erlebt hat, soll doch nicht nur blosse Erinnerung sein! Ich habe mich dann mehrere Wochen abgequält mit dem rechten Arm, dann wieder den linken, und so weiter geübt, wie alle Teenager, doch weitaus mühevoller. Und heute hat es endlich geklappt! Das Pflegepersonal wird sich künftig regelmäßig wundern, wenn das die Bettwäsche wechseln muss. Andere nehmen Tempos… Eine Riesen Sauerei! Mir doch egal, ich liebe mein Vergnügen. Ein ganz anderer Nutzeffekt ist nun – ich habe gemerkt, ich kann mehr, als ich eigentlich dachte zu können. Ich kann mich noch entwickeln.
Nach längerer Zeit meines speziellen Übens – aber natürlich habe ich auch andere Sachen in der Zwischenzeit gelernt – das ist doch nicht gesund, was Ihr denkt – kann ich von meinen Hormonen profitieren. Die geben mir Kraft, Ausdauer, verändern mein Aussehen und machen mich angriffslustig. Nun will ich das Leben gewinnen, das ganze. Ich lese viel über meine Krankheit, nächtelang. Auf einer Seite bin ich oft, Professor Woronzow seine in Moskau. Er hat schon mehrfach hoffnungslose Fälle wie mich behandelt und geheilt! Und ich träume jede Nacht, dass er mir hilft und ich richtig gesund werden kann. Aber da ist ein Haken: Da steht auf englisch: „Zahlen Sie bitte den Betrag von 1.000.000 Euro auf mein Konto.“ Erfolgsgarantie allerdings gibt es nicht.
Dann beschließe ich, kriminell zu werden. Ich will mir das Geld beschaffen, mit meinen Mitteln, also über das Internet. OK – als Pornostar bin ich nicht zu gebrauchen, diese Seiten habe ich auch schon entdeckt, Hollywood will mich nicht, und als Popstar bin ich schlecht. Erben steht leider auch nicht an, beim Banküberfall würde man mich nur auslachen. Was bleibst mir also weiter übrig… Mein Motto jetzt: Lieber gesund und zur Not im Knast, alles immer im Rolli!
Über lange Zeit bin ich nicht recht ansprechbar. Alles über Hacken, Anonymisierung, Codes knacken, Firewalls besiegen und letztendlich Geld besorgen lernen, das ist mein großes Ziel. Ich muss aber aufpassen, dass man mir den Rechner nicht wegnimmt, denn man glaubt schon, das Internet fügt mir gesundheitlichen Schaden zu. Diagnose internetsüchtig, im fortgeschrittenen Stadium. Zwischendurch schaue ich mich neuerdings auf speziellen Seiten um, die Jungs in meinem Alter abbilden. Ganz nackt. Habe ich zufällig gefunden und finde ich sehr interessant. Ich glaube, ich bin schwul. Was ich aber natürlich nicht genau weiss, denn mit Mädchen kenne ich mich nicht gut aus mangels Erfahrung – es ist mehr nur so eine Ahnung. Ich lese auch so bestimmte Geschichten…
Ich spreche wirklich mit Keinem mehr. Ist ja auch ganz einfach – mit mir will niemand mehr was zu tun haben. Alle glauben, ich bin der ganz eigenartige Sonderling, dem sein Computer als Umgang reicht. Und es wird Zeit, dass ich das wieder ändere, denn sonst befürchte ich schon selbst, dass ich mich an das Hackerleben gewöhne und nicht mehr zurück kann. Fragt mich mal nach der Jahreszeit – null Ahnung. Letztendlich habe ich etwas mehr als die Summe transferiert. Ich hoffe, dass meine Gaunereien nicht auffliegen, bevor ich behandelt worden bin und warte auf Bescheid aus Moskau.
Als bei meinem Arzt Unterlagen für Moskau angefordert werden, ist helle Aufregung im Haus! Natürlich werde ich als solventer Kunde mit einem Privatflugzeug transportiert werden. In der Billig-Airline ist es aber auch zu schwierig mit mir… Ja, was soll ich nun schreiben: Ich gebe ja zu – meine größte Angst ist die vorm Fliegen. Beim Doktor war ich schon so oft, und sehr intensiv – was soll mich die Behandlung also noch jucken, außer dem Ergebnis. In wenigen Tagen geht es schon los…
Zwischenzeitlich gibt es nichts weiter zu berichten. Ich kann ja nicht mal richtig aus dem Fenster schauen beim Fliegen, und dann erst im Rollitransporter. Da sehe ich leider auch nur hohe Häuser, manchmal. Nach einem Check meiner gesundheitlichen Eignung und dem Ausfüllen sowie Unterschreiben von viel Papier falle ich schon bald in den medizinisch verordneten Schlaf.
Aufwachen schaffe ich auch, wie ich dem scheinbar noch fernen russischen Gemurmel entnehmen kann. Dann ist bald alles wieder wie es immer war, und ich liege in einem speziellen Zimmer für Rollifahrer. Allerdings ganz allein und das in Moskau. Zwischenzeitlich werde ich mit Essen versorgt, kann lesen, TV sehen. Nur einfach so loslaufen, oder mich wenigstens irgendwie anders fühlen als sonst – das will mir nicht recht gelingen, und ich bekomme schon etwas Panik.
Plötzlich wird die Tür aufgerissen und Leute in Uniform stürmen herein und brüllen, „Sie sind verhaftet!“ Die legen mir sogar Handschellen an und ein Bein wird am Bettgestell befestigt – ich kann ja so etwas von gut weglaufen! In einem kahlen kalten Kellerraum lässt man das Rollbett mit mir drin stehen. Ich habe leider vergessen, mich über die russischen Gesetze zu informieren. In Deutschland bin ich minderjährig und wäre fein raus… In großer Angst lässt man mich bestimmt eine Stunde so schmoren, glaube ich. Nun, in die Hose machen geht ja nicht – ihr versteht – ein Glück auch!
Dann kommt ein ganzes Ärzteteam rein, mit Herrn Professor voran. „Ja, Herr Stefan, Sie haben uns ja sehr hereingelegt, aber für alles im Leben muss man bezahlen. Ich verspreche Ihnen, wir werden kein Minus machen. Wir werden Sie ausnehmen wie die sprichwörtliche Weihnachtsgans. Ihre Nieren werden heute schon gebraucht, und, na ja, eigentlich bleiben Ihnen nur einige wenige Knochen. Für alles andere von Ihren Bestandteilen sind die Verträge mit den neuen Eigentümern schon unterschrieben. Und wenn ich den letzten Schnitt mache, bevor Sie ableben – ich werde die Betäubung so einstellen, dass sie wirklich alles mitbekommen. Haben Sie mich verstanden?!“
Und wie ich verstanden habe… Ich bin schon dabei, und verdrehe die Augen pflichtgemäß, muss mich mit meiner selbstverschuldeten Lage abfinden. Da merke ich auf einmal ein Kribbeln in meinen Beinen, so wie ich es manchmal in meinen Armen spüren kann, wenn das Blut nicht richtig fließt. Das war dort noch nie! Sehr, sehr schade, lieber Stefan, aber das wirst du jetzt leider nicht weiter beobachten können. In Erwartung der letzten Spritze schließe ich bereitwillig meine Augen.
Ein Klopfen und Tasten an meinen Beinen ist denn aber was anderes, als ich nun zwangsweise erwarte. Klopfen und Tasten? Ich öffne meine Augen wieder etwas. Moment, diese Weißkittel da – waren das nicht auch die Leute in Uniform?
„Ach, mein lieber Herr Stefan. Wir haben uns das noch mal überlegt, und lassen Sie nun in einem Stück weiter leben. Mir scheint, unsere Operation war etwas erfolgreich und das ist an sich schon ziemlich selten. Wir wollen das gern noch beobachten. Wäre ja sehr schade dann, und ich muss ja auch auf das Renome meines Hauses achten. Erfolge sind dafür immer gut… Zur Not können wir Sie ja später immer noch schlachten.“ Schallendes Gelächter aller Anwesenden folgt nun. Hä??? Von den Weißkitteln in eigentlich nicht für meine Umstände adäquater Verhaltensweise, also laut lachend begleitet, finde ich mich bald in dem schon bekanntem Büro wie bei der Anmeldung wieder. Als ich mit dem Professor alleine bin, lächelt der mich doch sehr freundlich an. Was ist das nun wieder für eine Falle?
Mein Gesicht ist wohl verformt zu einem Fragezeichen. Jetzt scheinbar wieder ernst, beginnt der Professor zu reden. „Bitte machen Sie sich keine Gedanken und verzeihen Sie uns unser Theater, was wir für Sie extra gut aufgeführt haben. Zu unserem größtem Vergnügen, muss ich gestehen. So was wie Sie ist uns auch noch nicht unter gekommen. Ich glaube, Sie nehmen es noch gut mit der hiesigen Mafia auf, und würden dort später gut bezahlte Arbeit bekommen können. Viel lieber wäre mir aber, wenn wir auch künftig in Verbindung bleiben könnten. Ich würde auch gern Ihre Station in Deutschland kennen lernen. Wenn da noch mehr solche Verrückten wie Sie sind… Wir benötigen immer dringend geeignete Testpersonen. Also Chance auf kostenlose Heilung – oder alles bleibt wie es ist, für die schweren Fälle. Bezahlung ist übrigens für Sie kein Thema mehr. Es gibt immer ein paar Reiche, die Gutes mit ihrem vielen Geld ausrichten wollen. Für Sie mit Ihrer besonderen Geschichte könnte ich sogar mehr als genug Stifter finden. Ich wünschte mir, mein Sohn hätte nur ein Zehntel von Ihrer Energie, Stefan. Ach, und bitte, Sie sind für heute Abend bei mir zu Hause eingeladen. In Ihrem Fall dulde ich keine Widerrede. Was ich noch vergaß zu erwähnen: Theoretisch sind Sie nun vollkommen gesund. Nur müssen Sie alles wieder lernen, was Sie als Kleinkind schon mal wussten. Windeln, Krabbelstube, Bauklötzer sage ich nur…“ „Danke, danke, Herr Professor!“
* * *
Nun beginnt mein Knie dermaßen verschärft zu schmerzen, und ich denke, andere Leute könnten ja auch mal was aufschreiben. Mein Lebenspartner wäre jetzt dran, wenn er denn mag. Mir reicht es heute definitiv.
Ich glaube, da kommt er schon. Ich höre seinen Dieseltransporter deutlich schnurren. „Schön, Igor, dass Du schon da bist. Mir ist ja heute was passiert…“ Nach der förmlichen Begrüßung gibt es erst mal die Vorspeise in Form eines langen Kusses. Unterbrochen von einem lauten und bestimmten, „Und ich?!“, fährt uns der Sohn mit seinem E-Rolli leicht gegen die Beine. „Au! Mein Knie!“ Aber woher soll Johannes das mit dem Knie auch wissen. Ich verkneif mir den Schmerz, aber seine Forderung eben, das kommt mir gerade so bekannt vor… Unauffällig schiebe ich den Entwurf meiner Sohnemannsgeschichte in die Schreibtischschublade. Will da morgen noch was ausbessern und überlesen.
Abends kommt Johannes ganz aufgeregt zu uns ins Wohnzimmer gefahren. „Papi und Papi, ich habe jetzt aber eine ganz dringende und wichtige Frage…“ Er hat da so ein altes Schulheft in der Hand…
Aufschreiben hat sich nun erledigt. Morgen fahre ich gemeinsam mit Igor ins Woronzow-Institut zur Arbeit. Noch einen Tag ausspannen, nein.

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