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Information Von Wellensittichen und ihren Menschen
Posted by: Frenuyum - 12-02-2025, 03:48 PM - No Replies

Hi, Ihr. Ich bin Felix. Man erkennt mich an meinem glänzenden, gelb-grünen Gefieder und der einmaligen Schnabelkrümmung. Bin ja selbst hin und weg, wenn ich mich so im Spiegel betrachte – meine erste Lieblingsbeschäftigung den ganzen Tag. Meine zweite Lieblingsbeschäftigung ist die Unterhaltung mit den vielen anderen Vögeln hier an diesem Ort, wo es viel Natur gibt. Und was man da alles erfahren kann! Die schönste Nachrichtenzeit ist, wenn die Zugvögel über uns hinweg ziehen. Wir sind über alle Vorgänge in der Welt bestens informiert.
Diese Menschen sind schon sehr komisch in ihrem Tun und Verhalten. Die sitzen oft sehr traurig in ihren großen Käfigen. Allein und sich sehr einsam fühlend, sehnen sie sich nach Liebe und der Nähe anderer Menschen. Wir Vögel kennen so was nicht. Wenn uns jemand gefällt, haben wir sofort Sex, und manchmal verheiraten wir uns auch umgehend für ein ganzes Vogelleben. Nur, wie wollen diese unglücklichen Menschen sich jemals kennen lernen, nur ständig allein in ihren Käfigen hockend? Mein Futterknecht, Peter heißt er, sitzt schon wieder vor diesem eckigen Rahmen mit den vielen zuckenden, mich total nervös machenden Bildern. Ich mache mir echt Sorgen um ihn! Er ist ja so was von lieb, und ich war damals überaus froh, als er mich aus dieser Massenaufzuchtsstation, von der Enge dort, befreite. Ich habe mich ja auch gleich nach vorne gedrängt, denn auf Anhieb wollte ich ihn haben. Ich bezweifle, ob diese Entscheidung richtig war. Er sitzt leider oft wie ein Häufchen Unglück vor Bildern anderer junger Menschen so wie er. Da er dann manchmal sogar weint, habe ich gut verstanden, was ihn bedrückt. Das macht mich wuschig.
In diesem großen Haus wohnen noch andere Wellensittiche mit ihren Versorgern. Sogar genau unter uns. Und Theo, meinem Kumpel dort, geht es genauso. Das stelle man sich einmal vor: Die wohnen nur 2,5m voneinander entfernt, könnten zusammen ihre Probleme lösen und kennen sich nicht mal! Und dann in den vielen anderen Etagen erst. Man könnte dieses Haus auch als Irrenhaus kennzeichnen.
Was mich sehr wundert, sind die Bilder, die Peter sich oft anschaut. Fliegenpilz und Knollenblätterpilz – das weiß schon der dümmste Vogel in seinem Ei, dass man davon die Krallen lassen soll. Mir wird total schlecht. Dann noch diese Texte, die er oft liest. Echt böse wohl, der Inhalt. Wir Vögel können nicht lesen, ist schon klar, aber anhand der Zeichenfolge erkennen wir ihren Sinn und Charakter. „Strychnin“, diese Zeichen erkenne ich oft. Ganz in Rot. Allem bösesten Unheil. Mir zittern dabei alle Federn.
Bei Theo liegen neuerdings viele scharfe Dinge umher. Er muss sogar richtig aufpassen bei seinen täglichen Rundflügen, dass er sich nicht verletzt. Wenn der Versorger auf seiner Ruhestätte liegt und sich in die Haut ritzt mit einem kalt blinkenden Teil, über ganz empfindlichen Stellen, dann mache auch ich mir große Sorgen, wenn ich Theos aufgeregtes Zwitschern höre.
Nun steht ein großes rundes Teil mit „Strychnin“ drauf vor Peter, ein kleines rundes Teil mit diesen bösen Zeichen vor meinem Futternapf. Ich habe allerhöchste Panik! Als er nun direkt an meinen Futternapf geht, fliege ich sofort hoch. Alarmstart und nicht mit Präzision. Leider kommt mir dabei ein langer Ast von diesem neuen Frühlingsstrauß in die Quere – die sehr große Vase kippt auf Grund der Hebelwirkung um, und zerschellt auf dem Boden. Viel Wasser läuft, sucht sich seinen Weg.
„Kann man denn hier nicht mal in Ruhe sich umbringen in diesem Irrenhaus! Das gibt wieder einen Ärger mit der Versicherung…“ Da ist unten jemand sehr, sehr wütend. Schritte nähern sich schnell. Sicherheitshalber suche ich mein Versteck auf, ganz oben links, hinter der Gardine.
* * *
Wir wohnen jetzt alle zusammen in der neuen Wohnung. Theo und ich, wir haben einen neuen Käfig. Da die beiden Turteltauben wissen, wem sie ihr Glück zu verdanken haben, gibt es immer „Aller erster Sahne“ – Futter. Nur wundern wir uns, dass die ständig zusammen liegen und schnäbeln. Schon drei Tage. Ununterbrochen.
Jetzt eine neue Situation: Zwei blanke Hintern. Ganz empfindliche Stellen, auch bei Vögeln. Theo und ich – wir erkennen die Situation blitzschnell. Wir bewundern kurz noch unsere spitzen, kräftigen Schnäbel, fahren schon mal die Krallen aus. „Attacke!!!“

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Information Was bleibt ist nur die Liebe
Posted by: Frenuyum - 12-02-2025, 03:47 PM - No Replies

Dimitri
„Ach Yuri, was zappelst denn schon wieder rum, beeile dich mal ein bisschen, sonst kommen wir in diesem Jahr nicht mehr hinauf, langsamer Pater du!“
Ich muss lachen über diese Wort von Nico, der neben mir geht und sich zu meinem Bruder Yuri umdreht und ihm zuruft. Yuri ist etwa 20 Meter hinter uns und hüpft auf der Innbrücke, die wir gerade überqueren, umeinander vor lauter Freude über die bereits jetzt gelegentlich abgefeuerten Silvesterfeuerwerke.
Es ist Silvesterabend, kurz nach 23 Uhr, also noch knapp eine Stunde bis zum Jahreswechsel 2007/2008. Aber, wie es halt überall ist, manch einer kann es gar nicht abwarten mit der Knallerei und pulvert schon den ganzen Abend wie wild darauf los.
„Ja, ja, jetzt bin ich wieder der langsame Pater, nur weil ich so gerne nach den Feuerwerken Ausschau halte. Aber ist ja klar, wenn du, Nico, mit deinen langen Haxen einen Schritt machst, muss ich kleiner Mann schon drei Schritte machen, um mitzuhalten. Jetzt hilf mir halt auch mal, sag was Thomas!“ so bettelt Yuri, der mittlerweile etwas aufgeholt hat, seinen Freund an.
Aber Thomas, der unmittelbar hinter uns geht, dreht sich nur zu Yuri um und lächelt ihn an:
„Ach mein Yuri, du kleiner Mann, komm her zu mir, lass dich führen, dann überholen wir den bösen Nico mit seinen langen Haxen mit Leichtigkeit!“
Alle vier müssen wir lachen, denn nur zu gut wissen wir, dass es keiner ernst meint. War ja schon immer so, diese Kabbelei zwischen Nico und Yuri, dieses Aufzwicken wegen der Rumzappelei von Yuri, deshalb „Zappel-Yuri“ genannt und der „langen Haxen“ von Nico, meinem Schatz.
So marschieren wir also weiter, neben mir mein Freund Nico und hinter uns mein Bruder Yuri mit seinem Thomas. Wir haben eben die Innbrücke von Passau überquert und sind auf dem Weg hinauf zum Mariahilfberg. Nico hatte die Idee, dass wir von dort oben die vielen Feuerwerke, die in der Silvesternacht abgebrannt werden, wunderbar beobachten können. In der Tat, man hat dort oben wirklich einen einmaligen Ausblick auf die ganze Stadt. Ich war ja mit Nico schon mal dort und wir haben die herrliche Aussicht bewundert.
Scheinbar haben andere Leute auch diese Idee gehabt, am Berg oben das Neue Jahr zu begrüßen, denn es überholen uns doch einige Fahrzeuge. Ja, man kann ganz bequem mit dem Auto den Berg hinauffahren. Es gibt auch einen großen Parkplatz dort oben. Aber nachdem wir alle vier schon etwas vorgefeiert, sprich Alkoholisches getrunken haben, wählten wir den etwas anstrengenderen Weg zu Fuß.
Wir haben in Nicos Penthousewohnung den ganzen Abend gefeiert. Nico hat sich nicht lumpen lassen und uns mit kulinarischen Köstlichkeiten geradezu verwöhnt. Es hat schon seine Vorteile, wenn man, wie im Fall Nico, der Lieblingsenkel wohlhabender Großeltern ist.
Nico hat uns schon „vorgewarnt“, wir sollten alle das Mittagessen ausfallen lassen, damit wir genügend Hunger mitbringen, wenn es gegen 5 Uhr bei ihm los geht. Nun, ich hatte wirklich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. So konnte ich mit gesundem Appetit zuerst die traditionelle Würstlparade mit reichlich Sauerkraut und später dann die vielen Leckereien auf den vortrefflich arrangierten Wurst- und Käseplatten genießen. Zu trinken gab es natürlich auch reichlich. Vor allem hat es uns die von Nico selbst zubereitete süffige Ananasbowle angetan.
Anfangs waren auch Nicos Mutter und seine Großeltern anwesend. Alles nette Leute, ich verstehe mich großartig mit ihnen und sie mögen mich. Vor allem Nicos Mutter himmelt mich förmlich an. Nicht erst einmal hörte ich Nico sagen: „He Mam, das ist aber meiner, such dir selber deinen Schnuckel!“
So gegen 20 Uhr haben sich die älteren Herrschaften verabschiedet und wir vier waren dann allein, bis wir uns auf den Weg machten.
Wir haben die engen Gässchen nach der Innbrücke verlassen und sind nun am direkten Weg hinauf nach Mariahilf. Mit dem Auto fällt einem das gar nicht so auf, aber zu Fuß ist das schon ein steiler Anstieg, den wir vor uns haben. Nach einer scharfen Linkskurve geht es nun auf einem eigenen Fußgängerweg, der von der befahrbaren Straße abgetrennt ist, steil hinauf.
Die ersten Seufzer höre ich bereits hinter mir:
„O Mann, hätte ich nur nicht soviel in mich hinein gestopft, jetzt muss ich das alles da hinauf schleppen, die vollgefressene Wampe!“
Yuri natürlich!
„Ach, du tust mir ja so leid, mein armes Schnuckelchen“ veralbert Thomas seinen Freund und legt den Arm um Yuris Schulter.
„Komm, ich helfe dir deine Wampe tragen.“
Und Thomas greift zu. Aber ob Yuri seine „Wampe“ wirklich soweit unten und zwischen den Beinen trägt, bezweifle ich.
„Ja, ja, verarschen kann ich mich selber auch, außerdem muss ich jetzt mal für kleine Yurileins.“
Yuri dreht sich etwas weg und verrichtet sein Geschäft. Wir gehen langsam weiter. Nur Thomas bleibt zurück und ruft seinem Freund lachend zu:
„Soll ich dir helfen, Yurilein, oder kommst du alleine zurecht?“
„Ja, ja“ hören wir Yuri schmollen „alle hacken auf den armen Yuri rum, jetzt du auch noch du Verräter Thomas, aber wartet, bis ich meine Hände frei habe!“
Kurz darauf kommt er auch schon daher gesaust und gibt Thomas einen Rempler, dass der beinahe umkippt. Schon ist eine kleine Rangelei zwischen den beiden im Gange, die, wie könnte es anders sein, in einem innigen Kuss endet.
Aber kurz darauf ist Yuri wieder in seinem Element, weil wir mal hinter uns, dann vor uns und dann seitlich Raketen zischen und krachen hören. Und Yuri zappelt herum, um etwas von dem Feuerzauber mitzubekommen.
Und schon wieder ein Kracher, diesmal ziemlich nah.
Yuri, durch die ganze Schauerei etwas zurück geblieben, wirbelt herum, dreht seinen Kopf hin und her, sieht nach vorne, sieht zurück, kommt zu uns her, sieht zu Thomas, schnüffelt etwas und meint dann:
„Das warst du, Thomas du Schwein! Ich schau mir die Augen aus, wo der Kracher herkommt, derweil kannst du dich nicht beherrschen!“
Thomas hält sich den Bauch vor lauter lachen und auch Nico und ich biegen uns.
„Aber eins musst du ihm lassen, Yuri, er kann sich hervorragend mit seinen Tönen den Silvesterkrachern anpassen, meinst du nicht auch?“ fragt Nico lachend.
„Jawohl, das kann er“, ereifert sich Yuri „aber er hat schon noch ganz andere Töne drauf, dieses …dieses…“
„Selber schuld, Yuri,“ meint Thomas lachend, „warum hast du mir auch soviel Kraut auf mein Teller getan, ich hab dir doch gesagt, dass ich davon…. Und außerdem bei dem ganzen Gekrache rundum – du kannst doch nicht genug davon kriegen.“
„Bah….ihr könnt mich alle mal…“ sagt ein sichtlich schmollender Yuri und zieht mit gespielt finsterer Miene an uns vorbei. Er hat es plötzlich sehr eilig und geht zielstrebig den Berg hoch.
„Diese beiden, Yuri und Thomas – also wenn das Sprichwort stimmt von den sich neckenden Liebenden, dann ist das doch die ganz große Liebe, meinst du nicht auch Niki?“
Ich sehe zu meinem Liebling und drücke seine Hand, die ich schon den ganzen Weg halte, fest.
„Muss wohl so sein, Dimi, aber ich liebe dich auch ganz ohne Neckerei und ich kann nur immer wieder sagen, wie froh ich bin, dich zum Freund zu haben.“
Ich lächle Nico an und meine: „Mir geht es doch genauso, ich weiß gar nicht mehr, wie ich solange ohne dich leben konnte.“
„Ja Dimi, was war das für ein Jahr, dieses 2007, was für ein Jahr!“
Er hat recht, was für ein schicksalhaftes Jahr, das in weniger als einer Stunde zu Ende geht.
***
Wie ja mein Name „Dimitri“ und der meines Bruders „Yuri“ schon verraten, stammen wir aus der ehemaligen Sowjetunion, sind aber bereits, zusammen mit unseren Eltern, seit mehr als 12 Jahren in Deutschland, seit einigen Jahren nun in Passau.
Es hat lange gedauert, bis ich mir über mein Schwulsein ganz klar war. Durch Zufall kamen meine Eltern darauf, noch bevor ich es ihnen selbst sagen konnte. Meine Mutter hielt von Anfang an zu mir, aber mein Vater kam anfangs gar nicht damit zurecht. Er ekelte mich praktisch aus dem Haus. So hab ich mir hier in Passau eine eigene Wohnung genommen. Es war eine schwere Zeit, wo mir doch meine Familie alles bedeutete. Aber mein Arbeitskollege Thomas half mir viel in dieser Zeit und munterte mich auf. Ja und dann kam auch das Outing meines zwei Jahre jüngeren Bruders Yuri, was mich schon sehr überrascht hat. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Durch mich fanden dann auch Yuri und Thomas zusammen.
Nico ist mir zum ersten mal am Ilzstausee aufgefallen, wo ich mit Yuri und Thomas war. Ich war von Anfang an beeindruckt von dem lieben Kerl mit den langen Haxen, wie mein Bruder immer zu sagen pflegt. Ja, er hat wirklich lange, schlanke Beine, mir gefallen sie unwahrscheinlich gut. Faszinierend aber auch seine großen Augen. Also wenn er mich mit denen so ansieht, da bin ich immer hin und weg!
Es war wohl mehr als ein Zufall (Wink des Schicksals? Göttliche Fügung? Wer weiß?), dass wir uns eines Tages im vergangenen Herbst an der Innpromenade wieder trafen. Da hat es zum ersten mal so richtig gefunkt zwischen uns. Nie vergessen werde ich, wie er mich zu einer Kreuzfahrt auf dem Schiff einlud, die sich dann als Dreiflüsserundfahrt entpuppte.
Ja, es waren die bisher schönsten und aufregendsten Tage meines Lebens, die ich in der Folgezeit mit diesem lieben Menschen erleben durfte. Die Krönung des Ganzen war dann natürlich das erste gemeinsame Weihnachtsfest mit dem Austausch der Ringe.
Auch für Nico war dieses nun fast vergangene Jahr alles andere als ereignisarm!
Zunächst sein Outing bei drei seiner, wie er glaubte, besten Freunde, das alles andere als gut verlief. Alle drei verließen ihn sofort. Und als einer von ihnen, Josef, dann doch zu Nico hielt, wurde er von den anderen fast zu Tode geprügelt. Vor allem ein gewisser Heinz tat sich da unrühmlich hervor. Er wurde gefasst und sitzt, auch wegen anderer Verbrechen, seither in der JVA Straubing ein. Ach ja, das hat Nico mir erzählt, er soll vor Weihnachten entflohen sein. Muss Komplizen dort gehabt haben. Hoffentlich haben sie ihn schon gefunden und wieder hinter Schloss und Riegel gebracht, wo er für eine ganze Zeit hingehört. Mit Josef, dem ja so übel mitgespielt wurde, hat sich Nico längst ausgesöhnt.
Schwierigkeiten gab es für Nico auch durch seinen Vater, der ihn, man stelle sich das mal vor, wegen seinem Schwulsein zu einem Arzt schicken wollte. Inzwischen sind Nicos Eltern getrennt, sein Vater spielt keine Rolle mehr in Nicos Leben, ja hat das wohl auch nie so richtig. Dafür hat er seine geliebte Mam und seine Großeltern, die ihn vergöttern. Sie haben ihm zum Geburtstag, so mir nichts dir nichts, eine Penthousewohnung in Uninähe geschenkt, so wie ich von meinen Eltern vielleicht ein neues Hemd mit Krawatte bekomme. Eine eigene Penthousewohnung zum Geburtstag!
Ja, Yuri studiert an der Passauer Uni, die er natürlich bequem zu Fuß erreichen kann.
Ich hingegen bin schon seit meiner Lehrzeit in einem großen Autohaus am westlichen Stadtrand von Passau und bewohne immer noch meine Mietwohnung unweit des Arbeitsplatzes.
Gottseidank hat es auch die Versöhnung mit meinem Vater wieder gegeben. Er hat sich mit meinem Schwulsein und auch dem von Yuri abgefunden, weil ihm die Familie doch über alles geht. Lieber schwule Söhne als gar keine! Unvergessen der für uns alle bewegende Moment, als Vater vor der Christmette im Dom zunächst meinen Nico und dann auch Thomas, also quasi seine Schwiegersöhne, umarmte!
Was für ein Jahr! Ein Jahr, in dem ich mein Glück gefunden habe!
***
Ich bin so in meinen Gedanken, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass Nico mich losgelassen hat und ein paar Schritte vor mir geht.
Erst als er sich umdreht und zu mir sagt: „Ich sehe Yuri gar nicht mehr vor uns.“ Erst da schrecke ich aus meinen Gedankengängen auf und höre, wie er zum hinter uns marschierenden Thomas sagt: „Was ist, willst du ihn nicht suchen?“
Thomas aber zuckt nur mit den Schultern: „Ach der soll ruhig ein bisschen schmollen, nachher ist er umso lieber. Außerdem wartet er sicher bereits oben auf uns.“
„Nein, ich weiß nicht, ich glaube, wir haben ihn ein bisschen zu viel geärgert, ich geh jetzt mal voraus.“
Und Nico vergrößert jetzt tatsächlich seine Schritte und eilt davon. „Kunststück bei den langen Haxen“ würde jetzt Yuri sagen!
Thomas und mir bleibt nichts übrig, als hinterher zu latschen, weit ist es eh nimmer.
Nach ein paar Minuten schweigenden Gehens sehen wir eine Bank neben unserem Weg und darauf scheinbar ein Liebespärchen. Schon komisch, denk ich mir, setzen die sich in der kalten Silvesternacht da im Finstern auf die Bank. Da es an dem Fleck wirklich sehr duster ist, die nächste Laterne ist ein Stück weg, sehen wir erst, als wir direkt vor der Bank stehen, wer denn da drauf sitzt, das heißt wer da bei wem auf dem Schoß sitzt und sich umarmt.
„Heh, weg da, das ist meiner!“ entsetzt sich Thomas.
„Was soll das, du gehörst zu mir!“ falle ich genau so entsetzt ein.
Hockt doch tatsächlich Nico auf dem Schoss von Yuri und die beiden machen auf Liebespärchen mit inniger Umarmung und schmatzenden Küsschen. Ich merke, dass Thomas im Moment genau so überrascht ist, wie ich. Erst als das „Liebespaar“ aufspringt und uns auslacht, da merken wir Idioten, wie uns die beiden angeschmiert haben.
„Ha ha, habt ihr jetzt wirklich geglaubt, ha ha, ich hätte mit dem da …ha ha….!“ Yuri kriegt sich nicht mehr ein vor lauter Gekichere und deutet auf Nico.
„Und dabei hätte der Kasper bald alles verdorben mit seiner Zappelei, meint ihr der könnte auch nur eine Minute ruhig sitzen bleiben….“ ereifert sich Nico. Und weiter an Yuri gewannt:
„Sag mal, hast du Hummeln im Hintern oder was? Jetzt hat mal so ein Schnuckel wie ich seinen süßen Popo auf deinem Schoss und nicht mal das kannst du ruhig genießen! Außerdem, hab ich mich getäuscht, oder hat tatsächlich etwas Hartes gegen mein Hinterteil gedrückt?“ Nico lacht.
„Bah, was Hartes, das hätte der Herr wohl gerne! Meine Taschenlampe hat gegen deinen ach so süßen Arsch gedrückt, hier…“
Damit zieht Yuri tatsächlich eine kleine Lampe aus seiner Hosentasche.
„Und was heißt Rumzappelei, da soll man nicht nervös werden, wenn man sieht, dass die beiden, Dimi und Thomas, schon so nahe sind und du Ewigkeiten brauchst, bis du deine langen Haxen richtig drapierst. Die ganze Überraschung wäre futsch gewesen! Aber Dimi, alle Achtung, das Küssen hast du deinem Schnuckel gut beigebracht“ lacht Yuri.
Jetzt ist Nico wieder ganz außer sich und faucht: „Bilde dir bloß nicht ein ich….“
Thomas ist es, der ihn unterbricht: „Jetzt gebt mal Ruhe ihr zwei, seht auf die Uhr, wir haben nur mehr eine Viertelstunde, also auf geht´s!“
Thomas treibt uns an, dass wir die letzten Meter noch bis Mitternacht schaffen.
Ich schnappe mir meinen Nico und der drückt mir einen tollen Kuss auf. Nein, das Küssen musste ich ihm bestimmt nicht lernen. Aber er mir auch nicht! Sagen wir es so: Wir haben uns beide in der Beziehung im Laufe der Zeit vervollkommnet.
„Jetzt bleibst du aber bei mir, nicht dass ich dich auf der nächsten Bank wieder auf irgend einem Schoss finde“ sage ich zu Nico.
Oh, das hätte ich besser nicht so laut gesagt, Yuri hat das mitgehört und schnaubt jetzt:
„Ha, was heißt da irgend ein Schoss, bin ich vielleicht irgend einer! Der soll froh sein, dass er seinen dicken Arsch auf meinen süßen Schoss betten durfte. Ha, so was aber auch!“
Da ist einer wirklich ganz außer sich. Da kommt er bei Nico aber an den Richtigen:
„Hab ich da was von dicken Arsch gehört? Ha, das ich nicht lache. Gibs doch zu, dass es dir gefallen hat. Da vorne glaube ich ist wieder ein Bänkchen, wollen wir nochmals Yurilein?“
Ich weiß nicht, wie lange dieses Hin und Her der beiden noch gehen würde, ich drücke jedenfalls meinen Nico ganz fest an mich und verschließe seinen vorlauten Mund mit einem Kuss. Thomas hat die gleiche Idee. Noch bevor Yuri Nico herausgeben kann, wird ihm ebenfalls der Mund gestopft.
Im Grunde wissen wir alle, diese Neckerei der beiden muss einfach sein. So können wir nur darüber lachen und weiter marschieren.
***
Meine Gedanken gehen aber eine Woche zurück zu Heilig Abend. Ja, ist das wirklich erst eine Woche her? Ziemlich genau um diese Zeit waren wir im Dom bei der beeindruckenden Christmette.
Und dann heraußen Vaters tiefsinniges „Und Friede den Menschen auf Erden“, eben im Bezug auf die Weihnachtsbotschaft und unsere Aussöhnung und die Aufnahme unserer Freunde in die Familie. Weihnachten nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch der Familie!
„Ja, genau“ hat Yuri damals Vater zugestimmt „Frieden auf Erden – das gilt aber auch für den Domplatz hier in Passau!“ Er spielte damit auf unsere Drohung vor dem Kirchenbesuch an, wo wir ihm wegen seines überraschenden Schneeballwerfens für hernach ein Einreibung versprochen hatten.
„Natürlich Yuri gilt das auch für den Domplatz hier – aber erst in fünf Minuten!“ erwiderte Nico und schon war er hinter Yuri her, der sich sofort umgedreht hatte und losgestürmt war.
Ja, es entstand eine wilde Jagd im Schneetreiben zwischen den Buden auf dem Domplatz, die noch vom Christkindlmarkt aufgestellt waren. Ich muss lachen, wenn ich da heute zurückdenke. War aber auch ein lustiges Bild, als sich gar noch unser Vater und Nicos Opa in die Verfolgung und Schneeballschlacht einmischten. Ja sogar ein paar fremde Leute, die eben wie wir zuvor aus der Kirche kamen, haben sich beteiligt. Es war einfach eine Gaudi. Es muss aber auch ein Journalist unter all den Beteiligten gewesen sein, denn es stand tatsächlich nach den Feiertagen in der „Passauer Neuen Presse“ ein kurzer, netter Bericht über die „heitere Schneeballschlacht nach der Christmette im Dom“.
Am ersten Feiertag waren wir, also auch Nico und Thomas, bei unseren Eltern zum Essen eingeladen. Mutter hat sich wieder selbst übertroffen und uns ein Menü beschert, dass eines Weihnachtsessens mehr als würdig war: Zuerst Leberknödelsuppe, dann Entenbraten und als Dessert Waffeln mit Vanilleeis und heißen Kirschen. Auch Nico und Thomas waren voll des Lobes ob des reichlichen und guten Essens.
Anschließend haben wir beim Abwasch und Abtrocknen zusammengeholfen, so ging das recht rasch. Ein kleiner Spaziergang zusammen mit den Eltern nachher tat uns nach dem üppigen Essen allen recht gut.
Zum Kaffee trinken am Nachmittag waren wir schließlich in meiner Wohnung. Vater hatte sie ja vorher noch nie gesehen. Mutter hatte einen Glühweinkuchen und eine Schwarzwäldertorte gebacken und mitgebracht, so dass ich zusammen mit Nico nur mehr für das Aufdecken und Kaffee
kochen sorgen musste. Naja, es war ein bisschen eng mit den vielen Leuten in meiner kleinen Wohnung, mussten wir halt eng zusammenrücken. Was mich aber keinesfalls störte – so nah an Nico dran und das in Gegenwart meiner Eltern!
Den Abend und die Nacht haben Nico und ich in seiner Penthousewohnung verbracht in trauter Zweisamkeit und mit vielen Weihnachtsüberraschungen.
Für den zweiten Feiertag waren wir, also auch meine Eltern und Nicos Großeltern bei Nicos Mutter zum Essen eingeladen. Gut, dass es dort so ein großes Esszimmer gibt, wir waren ja doch zusammen neun Leute. Auch hier gab es ein hervorragendes Essen mit Vor-, Haupt- und Nachspeise. Fragt mich aber bitte keiner, was es im Einzelnen gab. Nico hat mir zwar alles genau erklärt, aber ich kannte das alles nicht und hab so auch die Namen der Speisen vergessen. Ist auch egal, Hauptsache es hat geschmeckt. Wir sind den ganzen Nachmittag dort geblieben und es gab auch reichlich zu trinken, versteht sich. Am meisten freute es mich aber, dass sich unser Vater da so wohl fühlte und sich mit Nicos Opa glänzend verstand. Auch unsere Mutter unterhielt sich anregend mit den anderen Frauen. Sie reden sich jetzt auch alle mit Vornamen und mit Du an. Ja, man kann sagen, dass an diesem zweiten Feiertag mehrere Freundschaften geschlossen wurden. Uns kann es ja nur recht sein.
Wenn ich das Ganze so überdenke, zuerst die Versöhnung zwischen mir und Vater, das Akzeptieren, ja sogar die Umarmung meines Freundes und damit Aufnahme in die Familie, dann dasselbe mit Yuri und Thomas, schließlich das gute Verstehen mit Nicos Familie, obwohl diese einer völlig anderen Gesellschaftsschicht entstammt als unsere – ja ist man da nicht versucht, an Vaters Worte vom „Weihnachtswunder“, ausgesprochen am Heiligen Abend, zu glauben? Vielleicht ein ganz kleines Bisschen?
***
Inzwischen sind wir tatsächlich an unserem Ziel angekommen, die Aussichtsplattform neben der Mariahilfkirche, weit oben über der Stadt. Und wir haben wirklich einen imposanten Aus- und Überblick über die Dreiflüssestadt.
„Weißt du übrigens Dimi“, meint Nico mit Blick auf die unter uns liegende Stadt, „weißt du, dass Alexander von Humboldt Passau zu den sieben schönsten Städten der Welt rechnete?“
„Nein, wusste ich nicht, muss ich ehrlich zugeben, kann es aber verstehen.“
„Ja aber dass Rio de Janeiro als die schönste gilt, dass hast du sicher schon gehört, oder?“
„Das hab ich schon gehört, ja.“
„Und deshalb sagen ja die Einheimischen dort, dass der Herrgott von den sieben Tagen, in denen er die Welt erschaffen hat, alleine zwei für Rio gebraucht hat, eben weil sie ihm so vortrefflich gelungen ist.“
„Aber dann sag ich gerade mal so heraus, dass er allein für dieses Juwel am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz, mindestens auch einen ganzen Tag gebraucht hat. Sie ist ihm doch ebenso wundervoll geglückt!“
Wir müssen beide lachen und blicken hinunter auf Passau:
Direkt vor uns, gleich drüberhalb des Inns die Lichter der Altstadt, herausragend natürlich der angestrahlte Stephansdom, dann ganz im Hintergrund jenseits der Donau die Ilzstadt und oben am Berg die Veste Oberhaus, schließlich direkt unter uns die Lichter der Innstadt.
Aber wer hat jetzt schon Augen für die vielen Lichter der Stadt.
Es ist Mitternacht!
Soeben beginnen die Glocken der vielen Kirchen der Stadt das neue Jahr einzuläuten. Aber sie sind nur sporadisch zu hören, denn viel lauter sind zur Zeit natürlich die unzähligen Kracher und Raketen, die jetzt an fast allen Ecken der Stadt gezündet werden.
Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll:
Imposante Bombenraketen mit faszinierenden Leuchtstern-Buketts und Brokat-Effekten wechseln sich ab mit smaragdgrünen, saphierblauen und brillantgoldenen Kometschweifen und Buketts in Weiß und Gold, dazu Goldregen, Brillantfontänen, Überraschungsvulkane, rote Kometen mit silbernen Chrysanthemen, blinkweiße Kometen mit blauen Sternen, immer wieder Sternenbuketts, soundstarke Silberpfeifen… und und und…..
Wunderbar auch anzusehen, wie sich die Farbenpracht im Wasser von Donau und Inn spiegelt.
Wahrlich ein Farbenfest für die Augen! Für die Ohren wohl weniger, der Lärm ist eher ohrenbetäubend, gehört aber unvermeidlich dazu.
Ich drücke mich ganz fest an Nico, der seinen Arm um mich legt und genau so fasziniert das Spektakel verfolgt. Sicher habe ich schon viele Feuerwerke gesehen, aber noch nie gleichzeitig so viele und vor allem aus nächster Nähe, bedingt durch den hohen Beobachtungsposten. Es ist wirklich ein Erlebnis! Ich bin Nico für die Idee, hier heraufzukommen, mehr als dankbar.
Nico ist es auch, der mich auf den seitlich von uns stehenden Yuri aufmerksam macht. Anfangs habe ich gesehen, dass er ganz dicht bei Thomas steht. Aber das war einmal! Je länger der Feuerzauber anhält, desto weiter entfernt er sich von seinem Freund. Es hält ihn einfach nichts mehr an seinem Platz. Er kann nicht ruhig stehen bleiben und das Schauspiel genießen, so wie wir. Nein, Yuri wäre nicht Yuri, wenn er nicht umher hüpft, sich bald nach rechts dreht, weil es dort so prächtig glitzert und funkelt, dann aber, als er mehr links einige gewaltige Kracher hört, hüpft er wieder auf die andere Seite, dann wieder nach vorne, gleichzeitig kracht es mehr hinter uns, Yuri dreht sich blitzschnell um. Also wenn dem Kerl nicht schwindlig wird heute Nacht, dann weiß ich´s auch nicht. Wir können nur den Kopf schütteln und uns ein Grinsen nicht verkneifen.
Natürlich sind wir nicht die einzigen Betrachter hier oben. Von Anfang an erklingt bei jeder größeren Rakete ein mehrstimmiges „Aaah“ und „Oooh“ und „Schööön“. Aber mit der Zeit hören sich diese bewunderten Äußerungen schon sehr gekünstelt an.
Die Feuerwerke werden langsam weniger, nur mehr vereinzelte Kracher sind zu hören und verspätete Raketen zu sehen. Aber rechts vorne am Dreiflüsseeck, da kracht es immer noch gewaltig. Es sind auch noch wunderschöne rot/blau/grün-wechselnde Fontänen, die sich herrlich im Wasser spiegeln, zu sehen.
„Die müssen ja ein gewaltiges Arsenal haben, wie lange die jetzt schon feuern“, meint Nico und gleichzeitig nimmt er mich bei der Hand und zieht mich etwas von den übrigen Zuschauern weg. Er drückt mich ganz fest an sich und flüstert mir zu:
„Ich wünsche dir alles, alles Gute fürs neue Jahr, bleib mir gesund! Ich habe nur den einen großen Wunsch, dass wir nämlich in genau einem Jahr wieder so beieinander stehen, so wie jetzt, dass ich dich in meinen Armen halten kann und dir sagen darf: Dimi ich hab dich so lieb!“
Was soll man darauf sagen, mir fehlen im Moment die Worte, so gerührt bin ich. Verstohlen wische ich mir ein paar Tränen weg.
„Ja Niki, ich wünsche dir ebenfalls nur das Beste und – ja, ich möchte auch in 365 Tagen, halt, wir haben ja ein Schaltjahr, in 366 Tagen, genau um diese Zeit, so von dir gehalten werden. Muss ja nicht unbedingt wieder hier heroben sein, Hauptsache überhaupt beisammen! Und noch was Niki: Danke für das vergangene Jahr, danke für deine Liebe, die du mir geschenkt hast, ich hoffe, ich kann es dir vergelten!“
„Aber das tust du doch schon, komm her…“ und Nico gibt mir einen festen Kuss.
Von Thomas werden wir unterbrochen. Er räuspert sich und sagt dann etwas aufgeregt:
„Ach da seid ihr! Habt ihr Yuri gesehen, ich finde ihn nirgends?“
Wir können nur verneinen. Nein, wir haben ihn zwar während der heißen Phase der Feuerwerke noch rumzappeln sehen, aber dann eben nicht mehr.
„Er wird doch vor lauter Rumhüpfen nicht den Berghang hinabgekugelt sein“ entschlüpft es Nico, der nicht bedenkt, dass sich Thomas wirklich Sorgen macht.
„Ach Schmarrn, der hat sich sicher nur wieder versteckt und will uns überraschen“, versuche ich Thomas etwas zu beruhigen.
„Er wird doch nicht wieder auf einer Bank hocken und warten, dass du dich auf seinen Schoss setzt?“ höre ich Thomas zu Nico sagen, was uns alle zum Lachen veranlasst.
Wir suchen jedenfalls nochmals alles gründlich ab. Inzwischen sind wir auch die Einzigen, die sich hier noch rumtreiben. Wenn auch anfangs jede Menge Leute hier waren, jetzt sind sie verschwunden. Was sollen sie hier auch noch. Es gibt nichts mehr zu sehen und es gibt hier nichts zu trinken, also nichts zum Anstoßen, wie es sich eigentlich jetzt gehört.
Allmählich mach ich mir auch meine Gedanken und sorge mich um meinen kleinen Bruder, der heuer zwar schon 18 wird, aber manchmal halt wirklich noch ein kleiner Lausbub ist und Dummheiten anstellt.
Wir kommen an das Tor, das zum Klosterhof und zur Kirche führt.
„Da kann er nicht drinnen sein, da ist doch …“ zugesperrt will ich gerade sagen, aber Thomas hat die Tür bereits offen, also doch nicht abgesperrt. Der Klosterhof ist aber menschenleer. Direkt etwas unheimlich kommt es mir hier vor. Es ist ja auch ziemlich finster, nur eine kleine Laterne erhellt den großen Hof mit einem schwachen Licht. Gleich rechts vom Eingangstor befinden sich die Gräber der Klosterpatres, schlichte einfache Holzkreuze auf jedem Grab, wie man im Dämmerschein erkennen kann.
„Nein, hier ist keiner“, stellt Nico laut fest und erschreckt mich dabei fürchterlich.
„Aber seht doch, in der Kirche brennt Licht“, erwidert Thomas.
Richtig, jetzt sehen wir auch den schwachen Schein der aus den Fenstern fällt. Ob Yuri, ausgerechnet Yuri ….? Wir nähern uns der Kirchentüre, öffnen sie ganz vorsichtig und treten so leise es geht hinein.
Die Kirche ist menschenleer bis auf einen jungen Mann, der in der letzten Bank sitzt und der kein anderer als Yuri ist. Er hat uns scheinbar doch gehört, denn er dreht sich um und lächelt uns zu.
„Aber Yuri, Schatz, du hast uns einen schönen Schrecken eingejagt, einfach so zu verschwinden, was machst du denn hier?“ flüstert Thomas seinem Freund zu.
„Ach Thomas, was macht man schon in einer Kirche, weißt du das denn nicht mehr? Ich brauchte das jetzt einfach, wollte auch einen Moment alleine sein, die Stille genießen nach all dem Lärm da draußen. Sei bitte nicht böse, Thomas!“
„Nein, natürlich bin ich nicht böse, aber wie bist du überhaupt hier rein gekommen?“
„Ach, ich hab einen Pater vom Kloster beobachtet, der hinten auch den Feuerwerken zugesehen hat. Als der ging, bin ich ihm einfach nachgegangen und hab gefragt, ob ich mal kurz in die Kirche darf.
Erst hat er mich etwas ungläubig und misstrauisch angesehen, dann aber gelächelt und gemeint, dass er ohnehin schlecht schlafen könne, dann sperrt er eben später alles ab. Und er hat mich in die Kirche hereingelassen. So bin ich hier. Weißt du Thomas, ich hab mich auch ein bisschen mit dem Herrn da oben unterhalten und ihn gebeten, dass er doch auch im neuen Jahr ein Auge auf uns wirft, auf dich, auf mich, auf unsere Familien. Ich hab ihm auch erzählt, wie sehr wir beide uns lieben und dass da doch nichts Schlimmes dabei sein kann, wenn sich zwei Menschen lieben, auch wenn es zwei Männer sind. Ich glaube, er hat mir recht gegeben, schließlich hat er doch die Liebe den Menschen geschenkt!“
Mit diesen Worten erhebt sich Yuri und wir gehen alle sehr nachdenklich aus der Kirche. Da dachte ich immer, ich kenne meinen Bruder in- und auswendig, denkste! Diese Seite von ihm ist mir absolut neu! Der quirlige, lebendige, zappelige Yuri sucht nach dem großen Lärm da draußen mit der ganzen Ausgelassenheit und dem Frohsinn der Silvesternacht die Ruhe und Nachdenklichkeit in der Kirche! Ich kann es immer noch nicht ganz glauben.
Draußen auf dem Klosterhof kommen wir nun endlich dazu, uns gegenseitig, also auch Yuri und Thomas alles Gute für 2008 zu wünschen mit gegenseitigen Umarmen und Küsschen.
Wir machen uns auf dem Weg zum Tor, jetzt endlich wieder zu viert, da hören wir, wie hinter uns jemand ruft. Wir drehen uns um und Yuri erklärt uns, dass das der Pater ist, der ihn hereingelassen hat. Wir gehen zu ihm und Yuri bedankt sich nochmals. Der Pater fragt uns, wo wir herkommen und wie wir zusammengehören. So ergibt sich ein angeregtes Gespräch. Wir nennen ihm auch unsere Namen und er stellt sich als Pater Kilian vor. Er meint schließlich:
„Ja, dann habt ihr ja noch gar nicht auf das neue Jahr anstoßen können? Wartet mal ….!“
Und schon ist er verschwunden. Wir sehen uns fragend an. Was wird das jetzt?
Nach ein paar Minuten taucht er wieder auf, in einer Hand eine Sektflasche, in der anderen einen kleinen Stapel Plastikbecher. Wir werden mit dem Staunen nicht mehr fertig. Er aber verteilt die Becher und öffnet mit einem lauten Knall die Flasche. Klar, dass das in dem ringsum verschlossenen Innenhof widerhallt. Erschrocken und etwas ängstlich wie mir scheint, sieht sich Pater Kilian um.
„Hoffentlich haben wir keinen aufgeweckt“, meint er verschmitzt lächelnd.
„Ja dürft ihr so was hier haben und auch trinken?“ höre ich einen etwas verwirrt schauenden Thomas fragen.
„An so einem Tag sicherlich. Und wir sind hier in einem Kloster, nicht im Gefängnis. Außerdem, dass muss doch belohnt werden. Wo findet man heute noch junge Leute, die in der turbulenten und lauten Silvesternacht die Stille einer Kirche suchen!“
Trotz des schwachen Lichtes kann ich sehr deutlich eine Rotfärbung in Yuris Gesicht erkennen.
Wir stoßen nun mit unseren Becher an. Na gut, Sekt aus Plastikbechern, nicht gerade das Wahre, aber was solls. Ein schöner Zug von Pater Kilian ist es allemal.
Schließlich bedanken und verabschieden wir uns. Der Pater aber meint noch zu uns:
„Ihr seid schon in Ordnung, lasst euch nicht irre machen, geht euren Weg ruhig weiter! Sicher werden euch noch manche Steine in den Weg gelegt werden, aber wenn ihr zusammenhaltet, dann sind das keine übergroßen Hürden. Ihr schafft das schon! Man sieht euch an, dass ihr euch sehr gern habt, ja, dass ihr euch liebt. Und das ist doch das Wichtigste! Jawohl, die Hauptsache ist doch die Liebe!“
Fast andächtig und ergriffen lauschen wir den Worten dieses alten, ergrauten Paters. Wir winken ihm nochmals zu und machen uns auf dem Weg aus dem Klosterhof hinaus. Hinter uns verschließt der Pater das Tor.
Wir sind nun draußen, ganz allein zu viert auf dem Mariahilfberg.
„Müssen wir jetzt wirklich den ganzen Weg hinunter zu Fuß latschen?“ fragt ein scheinbar müder Nico.
Aber wieder überrascht uns Yuri. Er zieht sein Handy aus der Jackentasche und sagt triumphierend:
„An das hat wohl keiner gedacht, ja? Ich ruf uns ein Taxi, mir ist der Weg jetzt auch zu weit.“
Fünfzehn Minuten später sitzen wir im Taxi und sind auf dem Weg vom Berg oben hinunter in die Altstadt zu Nicos Wohnung. Und tatsächlich hören und sehen wir als wir den Inn überqueren vorne am Dreiflüsseeck immer noch ein Feuerwerk im Gange.
„Schaut mal, die lassen es immer noch krachen, da vorne.“ stellt Nico fest.
„Lass das bloß nicht Thomas hören, sonst fängt er auch wieder an“ erwidert lachend Yuri, was ihm sofort einen leichten Rempler von Thomas einbringt.
Endlich haben wir Nicos Penthousewohnung erreicht. Wir haben jetzt alle wieder Hunger und Durst. Und es ist ja noch soviel übrig von Nicos Silvestermenü.
***
Irgend etwas hat gerade gescheppert, jedenfalls bin ich dadurch wach geworden. Langsam öffne ich meine Augen, sehe mich um. Wo bin ich überhaupt? Ja klar, das ist Nicos großes Bett in seinem Schlafzimmer. Richtig, wir haben fast die ganze Nacht bis in den Morgen hinein durchgefeiert. Wie spät haben wir es überhaupt, heute an diesem Neujahrsmorgen?
Hat sich was mit Neujahrs – m o r g e n ! Es ist bereits 1 Uhr am Mittag! Kunststück, wenn man erst gegen…gegen…ja, wie früh war es denn eigentlich, 6 Uhr oder gar schon 7? Ich weiß es nicht mehr genau, kann mich überhaupt nur mehr vage an Einzelheiten der Nacht und des Morgens erinnern.
Natürlich weiß ich noch, dass wir am Mariahilfberg oben die wunderbaren Feuerwerke beobachtet haben und dass wir dann hierher gefahren sind. Keiner wollte zu Fuß zurückgehen, waren ja alle schon sooo müde. Aber kaum waren wir hier und haben die vielen köstlichen Speisen und Getränke gesehen, die von unserer Feier am Abend noch übrig waren , da waren wir alle wieder putzmunter und haben mannhaft zugeschlagen. Die Wurst- und Käseplatten jedenfalls waren dann alle abgeräumt, soweit geht meine Erinnerung schon noch. Ja und auch die Bowle haben wir bis auf den letzten Tropfen geleert. Sie war aber auch sowas von gut, naja, hat ja auch mein Nico selbst angesetzt!
Mein Nico – ja, wo ist der denn? Ich drehe mich zur Seite und werde mit einem leisen „Guten Morgen Dimi, na, gut geschlafen?“ begrüßt.
„Du bist schon wach? Auch einen guten Morgen übrigens!“ erwidere ich und rücke ganz nahe zu ihm hin, um mir den obligaten Guten-Morgen-Kuss abzuholen und gleichzeitig einen abzuliefern.
„Ja, ich bin schon ein paar Minuten wach, hab interessiert deinen Rücken betrachtet und die Verlängerung desselben ganz besonders. Hast ja wirklich einen süßen Po, naja, süß wie der ganze Kerl eben!“
„Süß?“ skeptisch ziehe ich die Augenbrauen hoch. Plötzlich komm ich erst dahinter:
„Wieso hast du meinen …?“
Ich sehe unter meine Decke – na prima, ich bin ja völlig nackt. Nico lacht:
„Mach dir nichts daraus, ich hab ja auch nichts an. Haben es in der Nacht, oder besser gesagt am Morgen mit der Schlafkleidung nicht so genau genommen, was solls. Ist doch ganz praktisch so!“
Dabei rückt Nico ganz nahe, schlingt seine Arme um mich und drückst seinen Körper an meinen.
„Ich hab dich so lieb, Dimi, und ich möchte in diesem eben erst begonnen neuen Jahr noch ganz oft so aufwachen und dich halten dürfen!“
„Das wünsche ich mir auch, so mit dir aufwachen und in deinen Armen zu liegen. Musst ja nicht unbedingt vorher auf meinen Hintern starren, so schön ist der auch wieder nicht!“
„Aber er ist halt so knackig“ erwidert Nico und stattet diesem von ihm so knackig empfundenen Körperteil einen Besuch mit seiner rechten Hand ab. Wohlige Schauer durchfluten mich und ich drücke mich ganz automatisch noch fester an ihn.
Plötzlich hält Nico still, schnüffelt etwas und mein dann:
„Also wenn mich meine Nase nicht täuscht, riecht es nach frischem Kaffee. Glaubst Du Yuri und Thomas sind schon auf und haben Kaffee gemacht?“
„Richtig, die haben ja hier im Gästezimmer übernachtet, war aber auch das Beste, dass sie hier geblieben sind, so wie die voll waren,“ glaube ich mich zu erinnern.
„Naja, voller auch nicht als wir beide. Aber lustig war es schon. Erinnerst du dich noch an Yuris sensationellen Strip?“
„Ach ja, natürlich, er hat das aber auch super gemacht. Hat er jetzt eigentlich alles, ich meine…daran kann ich mich nicht mehr erinnern?“ frage ich Nico.
„Das weißt du wirklich nimmer? Er wollte schon, der war doch so in Fahrt. Gerade als er seine Retro am Bund anfasste und herabziehen wollte, ist Thomas aufgesprungen, hat Yuri gepackt, auf beide Hände genommen und mit den Worten „das war die Vorschau, was jetzt kommt, das ist nur mehr für Member“ hat er ihn ins Gästezimmer hinüber getragen. Yuri hat natürlich geschimpft, sich gewehrt und gezappelt wie ein Fisch im Trockenen, konnte aber gegen den stärkeren Thomas nichts ausrichten. Ja und seither hab ich sie nicht mehr gesehen. Naja war dann auch schon 6 Uhr. Gleich darauf sind wir ja dann auch ins Bett.“
Jetzt wo Nico es erzählt, fällt mir auch so Manches wieder ein. Es war ja auch ein zu köstliches Bild, wie Thomas den wild strampelnden Yuri hinaustrug.
„Ja aber dann haben wir vor dem Schlafengehen auch nichts mehr aufgeräumt, oder?“ versuche ich mich zu erinnern.
„Warum meinst du zieht es mich überhaupt nicht aus dem Bett? Weil ich genau weiß, wie es im Wohnzimmer aussehen wird, Flaschen, Luftschlangen, Kleidungsstücke, Gläser, Teller, Chipreste, alles durcheinander!“
„Aber es hilft ja nichts, lass uns aufstehen und eine Tasse Kaffee wäre jetzt auch nicht schlecht. Essen, glaube ich, können wir heute ausfallen lassen.“
In der Küche dann die Überraschung:
Thomas und Yuri sitzen am Tisch, jeder eine dampfende Tasse Kaffee in der Hand. Sie strahlen uns freudig und überhaupt nicht verkatert an:
„Na endlich, ihr Langschläfer, wurde aber Zeit. Und wie ihr beiden ausseht, schaut doch mal in den Spiegel, zwei Häufchen Elend, aber wirklich. Ja ja, wer nichts verträgt, soll auch nicht soviel saufen!“ meint Yuri frech.
Ja, sie haben tatsächlich Kaffee gekocht und – wir stauen zum zweiten mal: Es steht kein schmutziges Geschirr mehr rum, die müssen alles abgespült und sogar schon aufgeräumt haben. Ein Blick ins Wohnzimmer und die dritte freudige Erkenntnis: Es ist alles aufgeräumt, keine Spur mehr von der nächtlichen Feier.
„Ob wir das Geschirr alles richtig eingeräumt haben, weiß ich nicht, Nico, aber nach und nach findest du sicher alles wieder irgendwo,“ grinst Thomas Nico frech an.
„Also jetzt bin ich wirklich sprachlos, ihr ward schon so fleißig, also ehrlich, da bin ich platt. Auf alle Fälle danke ich euch dafür!“ meint Nico etwas verwirrt.
„Ach Nico, das ist doch selbstverständlich. Wenn du uns schon einlädst und wir so gute Sachen zum Essen und Trinken bekommen und dann noch hier übernachten dürfen, da ist es doch mehr als gerecht, wenn wir dir ein wenig zur Hand gehen,“ erklärt schmunzelnd Yuri.
„Na wenn das so ist, dann ist bald die nächste Einladung fällig,“ lacht Nico und lässt sich den frischen Kaffee schmecken.
***
Es ist bereits Nachmittag, Yuri und Thomas haben sich längst verabschiedet, als wir es uns auf der Couch gemütlich machen.
Nico erzählt mir nun auch, dass Josef ihn gestern zum Jahreswechsel angerufen hat. Josef, ein Freund von Nico, der ja, nach Nicos Outing, diesen vor den anderen sog. Freunden verteidigt hat. Das wurde ihm ja böse heimgezahlt, Josef wurde zusammengeschlagen, schwer verletzt und wird wohl nie mehr richtig laufen können. Der Hauptübeltäter, Heinz, wurde zwar gefasst, ist aber vor Weihnachten aus der JVA ausgebrochen. Das war mir schon bekannt. Nun aber erzählt mir Nico, dass sie ihn immer noch nicht wieder gefunden haben. Josef macht sich große Sorgen, auch um Nico. Dieser Heinz muss einem Mithäftling gegenüber was von Rache an Josef erzählt haben, wie dieser aussagte und auch Nicos Namen fiel in dem Zusammenhang.
Als Nico mein besorgtes Gesicht sieht, meint er beruhigend:
„Ach mach dir da bloß keine großen Gedanken, die sind hinter ihm her, nur eine Frage der Zeit, wenn sie ihn wieder haben. Josef geht ja morgen wieder auf Kur, kommt aber in eine andere Klinik, wo, das hat er nicht mal mir gesagt. Ihn findet keiner.“
„Naja, ich weiß nicht, beruhigend ist das alles nicht. Pass bloß auf dich auf!“ ermahne ich Nico.
„Aber klar doch!“
***
Nach einer Weile Kuschelei auf der Wohnzimmercouch muss ich mich verabschieden. Ich muss mal wieder in meiner Wohnung nach dem Rechten sehen, Post ausleeren, Waschmaschine vollstopfen usw.
„Ich gebe dich aber gar nicht gerne her, die Wohnung ist so leer, wenn du nicht da bist!“
„Ach Dummerle, morgen bin ich ja wieder hier, muss ja erst nächste Woche wieder zur Arbeit.“
Natürlich erfolgt nun eine ausgiebige Verabschiedung, immer und immer wieder noch ein Kuss und eine Umarmung.
Schließlich haben wir es aber dann doch geschaffte und ich bin auf dem Weg in meine Wohnung am Stadtrand von Passau.
***
Zuerst der Postkasten ausgeleert, naja, ist ja nicht viel, Hauptsache Werbung, wie immer. Aber dann fällt mein Blick auf einen Brief mit dem Absender meines Vermieters. Was wird das sein?
Ich öffne das Kuvert und lese.
Als mein Blick sofort auf ein Datum, nämlich den 1. März 2008, fällt, glaube ich zunächst gar an eine vorzeitige Kündigung. Aber dann stellt sich heraus, dass dieses Haus vollkommen renoviert und saniert wird, angefangen vom Dach bis zu den Fenstern und Türen, den meisten Bädern und der Heizung. Ich soll, wie die anderen Mieter wohl auch, bis zum 1. März die Wohnung räumen. Als Ersatz könne ich die identische Wohnung im gegenüberliegenden bereits sanierten Wohnblock beziehen. Gut, neue Fenster wären wirklich angebracht und die Heizung fällt auch dann immer aus, wenn es bitterkalt ist draußen, aber schon wieder umziehen? Bin doch kaum ein halbes Jahr hier drinnen. Nein, ich mag nicht! Jetzt hab ich mir hier alles so schön eingerichtet und jetzt das!
Meine gute Laune von der wunderbaren Silvesternacht und dem Beisammensein mit meinem Schnuckel ist im Nu verschwunden. Soll ich ihn gleich anrufen? Was wird er zu der Sache sagen? Freilich ruf ich ihn kurz an, er will ja wissen, wie ich heimgekommen bin. Aber mit der Hausgeschichte, da warte ich bis morgen, wenn ich wieder bei ihm bin. Ich werde ihm nur erzählen, dass ich vom Vermieter einen Brief bekommen habe.
Ja, wenn ich wieder bei Nico bin, darauf freue ich mich und die ganze Umzieherei ist, zumindest vorerst, vergessen.
***
[HEADING=2]Nico[/HEADING]
Heißt es nicht, kurz vor dem Tod läuft noch einmal das eigene Leben vor einem ab? Bei mir ist es jetzt wohl soweit!
Bilder, Farben, Eindrücke, Gefühle stürzen wie eine Flut über mich herein. So ist das also, wenn man stirbt und in eine andere Dimension gleitet.
Dimi! Was wird jetzt aus Dimi?
Ich wollte doch noch schnell zum Einkaufen fahren, weil später mein Sonnenschein zu mir kommt. Wir wollten über einen Brief reden, den Dimi von seinem Vermieter bekommen hat.
Gott. Gleich platzt mir mein Schädel.
Dann werde ich vom Schmerz erlöst, weil mir die Sinne schwinden!
***
Tut der Tod so weh?
Nein, bestimmt nicht. Ergo kann ich nicht tot sein!
Außerdem, streiten sich Engel? Dass ich mal in den Himmel komme nach meinem Tod, setze ich voraus.
Engel und streiten, wohl eher nicht. Und dann noch in dieser Lautstärke!
Gesprächsfetzen dringen in mein Ohr. Langsam sickern sie auch in mein Gehirn und ich begreife allmählich was da vor sich geht! Das ist doch die Stimme von Heinz! Der Josef fast totgestiefelt hat.
„haben dir wohl den Verstand im Knast aus dem Kopf gefickt… total verblödet… Baseballschläger den Schädel… kleine Schwuchtel steinreich… Großvater von ihm… Millionen… knall dich am besten gleich ab… du versiffter Arsch… bin ohne dich besser dran… bleibt mir das Geld allein… puste dich am besten gleich weg…“
Dann höre ich tatsächlich einen lauten Knall. Hört sich so ein Schuss an? Wahrscheinlich schon.
Jetzt wird mir schlecht und ich muss mich übergeben!
Hätte ich nur mit dem Einkaufen gewartet bis Dimi dagewesen wäre, hätten mich diese Verbrecher nicht in der Tiefgarage abpassen und mir eine über den Schädel ziehen können!
Oh, Shit. Tut das weh. Mir platzt der Schädel gleich!
„Du kleine Dreckschwuchtel lebst ja also doch noch. Da freu ich mich aber. Ne Million bist du deinem Großvater doch sicher wert. Wegen dir Drecksau haben sie mich in den Knast gesteckt. Das wirst du mir jetzt auch teuer bezahlen. Den Brief mit meinen Forderungen lasse ich bei diesem Versager dort liegen. Da finden sie ihn zuerst. Und sehen auch gleich, dass mit mir nicht zu spaßen ist.
Jetzt steh schon endlich auf du Dreckschwuchtel. Stell dich nicht so an!“
Um seine Worte zu unterstreichen schlägt Heinz mir mit dem Fuß voll in die Rippen. Durch den jetzt explodierenden Schmerz schwinden mir aber endgültig die Sinne!
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
„Das Jahr beginnt, das Jahr zerrinnt,
wie Sand in einem Siebe.
Das Glück verweht, das Leid vergeht,
was bleibt ist nur die Liebe!“
Ein paarmal habe ich dieses Kalendersprüchlein heute morgen, als ich den ersten Januar abgerissen habe, gelesen, weil es mir so gefallen hat. Ja, ein ganzes Jahr steht vor uns. Was wird es uns alles bringen? Glückliche Stunden? Hoffentlich! Leidvolle Tage? Sie bleiben nicht aus! Aber gemeinsam mit Nico und unserer Liebe zueinander werden wir dieses Jahr 2008 meistern.
Ich bin auf dem Weg zu ihm und mir kann es gar nicht schnell genug gehen, dass ich ihn endlich wieder sehen und ihn in meinen Armen halten darf.
Und dabei ist heute in der Stadt ein Wahnsinnsverkehr! Es sieht so aus, als wäre ganz Passau auf den Beinen bzw. im Auto unterwegs. Stau vor der Schanzlbrücke, Stau an der Nikolastraße bei der Parkhauseinfahrt, Stau an der Kreuzung Karolinenplatz-Innstraße. Ich komme wirklich nur im Schritttempo voran. Wenn ich das geahnt hätte, dann hätte ich das Auto schon weiter draußen stehen lassen. Zu Fuß wäre ich jetzt schon bei Nico. Aber es ist ja klar, die meisten haben nach den Feiertagen noch Urlaub, Ferien sind auch, und außerdem wollen die Leute nach Silvester und Neujahr ihre Essens- und vor allem Getränkevorräte wieder auffüllen. Darum sind sie alle unterwegs.
Nico hat mir ja gestern am Telefon gesagt, dass er am Vormittag noch Verschiedenes einkaufen muss. Der Kühlschrank sei leer, hat er erklärt. Wir haben aber auch ganz schön zugeschlagen an Silvester. Ich habe ihm zwar angeboten, er solle warten, bis ich da bin, dann können wir doch gemeinsam einkaufen. Er hat aber gemeint, er fährt lieber schon eher, dass er wieder zu Hause ist, wenn ich komme, und wir müssen die gemeinsame kostbare Zeit nicht mit so schnöden Sachen wie Einkaufen vertun.
Ich weiß nicht, aber seit er mir die Sache mit Heinz, seinem Ausbruch und seiner Drohung erzählt hat, da würde ich Nico gar nicht mehr alleine lassen. Irgendwie habe ich bei der Sache kein gutes Gefühl, ja, ich habe Angst um Nico! Wird höchste Zeit, dass ich zu ihm komme.
Endlich, nach langem Suchen, habe ich einen Parkplatz gefunden und gehe nun die letzten Meter zum Haus. Vor Weihnachten hat mir Nico seinen zweiten Haus- und Wohnungsschlüssel anvertraut, damit ich nicht vor dem Haus warten muss, sollte er sich mal verspäten. So schließe ich die Haustüre auf und fahre mit dem Lift nach oben in Nicos Penthousewohnung. Der Aufzug kann mir heute gar nicht schnell genug gehen, um endlich Nico zu sehen und die dummen Angstgefühle vertreiben zu können.
Ich läute an seiner Wohnungstüre. Haustüre selber aufsperren – ja, aber Wohnungstüre? Obwohl ich auch hierzu den Schlüssel hätte, muss das nicht sein, wenn Nico in der Wohnung ist. Aber scheinbar muss es heute doch sein, denn es öffnet keiner. Wird halt noch unterwegs sein, denke ich, sicher muss er sich auch durch die verschiedenen Staus kämpfen, genau wie ich zuvor. So schließe ich also doch selbst auf und rufe in der Wohnung nach Nico. Natürlich antwortet keiner. Na dann gehe ich schon mal in die Küche und mach Kaffee, den wird er sicher mögen nach dem Einkaufsstress. Denn dass er den heute hat, das bezweifle ich nicht.
Ich habe längst meine Tasse Kaffee getrunken und werde nun doch langsam nervös. Für zehn Uhr hatten wir unsere Zusammenkunft heute ausgemacht. Jetzt ist es aber bereits elf Uhr und immer noch kein Nico in Sicht.
Längst hält es mich nicht mehr in der Küche, ich wandere in der ganzen Wohnung umher. Und es ist wieder da, dieses Angstgefühl, jetzt sogar noch verstärkt.
Warum muss ich gerade jetzt an diesen Verbrecher Heinz denken und an seine Racheschwüre? Rache an Nico? Ja warum eigentlich? Ist er eingesperrt worden, weil Nico schwul ist, oder weil Josef trotzdem zu Nico hielt? Natürlich nicht! Er ist eingesperrt -gewesen, muss man ja jetzt sagen – weil er Josef fast totgeschlagen hat und wegen ein paar anderer schlimmer Delikte. Also sind doch die Rachegelüste an Nico und Josef absoluter Blödsinn! Aber wer kennt schon die obskuren Windungen eines Verbrecherhirns!
Warum habe ich da nicht schon eher drangedacht! Naja klar, weil ich erst seit Weihnachten Handybenutzer bin! Aber Nico hat doch immer sein Handy dabei, wenn er unterwegs ist und dann auch immer eingeschaltet. Vielleicht ist er ja wirklich aufgehalten worden. Ich rufe ihn an. Aber er meldet sich nicht. Ich probiere es noch einmal – wieder nichts!
Es geht inzwischen auf halb Zwölf. Ich weiß jetzt, da muss etwas geschehen sein! Nico, der die Pünktlichkeit in Person ist, meistens jedenfalls, hätte mich angerufen, wenn er sich verspätet. Nein, da stimmt etwas nicht! Meine Angst steigert sich von Minute zu Minute.
Ich rufe Erika, Nicos Mutter, an. Sie will natürlich sofort wissen, noch bevor ich etwas sagen kann, wie es uns an Silvester noch ergangen ist und ob es spät geworden ist und ob… Bis ich ihr endlich sagen kann, warum ich anrufe und mir Sorgen um Nico mache, weil er sich am Handy auch nicht meldet. Nun wird sie doch etwas nachdenklich, wie mir scheint, ihr Redefluss von vorhin ist vorerst verebbt. Aber dann beginnt es wieder zu fließen:
„Nico hat mich heute Morgen noch angerufen, das war so nach acht Uhr. Hab mich eh gewundert, dass er schon so früh auf ist. Aber er hat erzählt, dass er jetzt zum Einkaufen fährt. Er will für dich heute kochen und da hat er gefragt, was er dazu alles braucht. Hoffentlich verrate ich jetzt nicht zuviel, es sollte ja eine Überraschung werden. Aber das war kurz nach Acht und er sagte, er will jetzt gleich fahren. Ich verstehe das nicht. Aber sicher gibt es eine einfache Erklärung dafür, mach dir blos keine großen Gedanken. Er ist bestimmt schon auf dem Weg“
Als ich Erika dann die Geschichte mit Heinz erzähle, da wird sie doch etwas unsicher. Sie wusste nicht, dass der immer noch nicht wieder hinter Schloss und Riegel sitzt.
„Aber bitte, Dimitri, mach dich nicht verrückt, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieser Heinz nochmals hierher nach Passau traut. Er weiß doch, dass sie ihn hier in seinem früheren Umfeld bald entdecken. Außerdem hat er hier doch nur mehr seine Mutter und die ist die meiste Zeit im Krankenhaus. Ja, einen Bruder hat er auch, soviel ich weiß, aber der ist schon lange weg. Und Freunde? Ob der noch Freunde hat? Nein, nein, wirst sehen, es klärt sich alles. Auf alle Fälle, ruf mich an, wenn Nico kommt, das will ich jetzt dann doch auch wissen. Und Dimitri, Nico ist kein Kind mehr, der kann auf sich aufpassen!“
Nein, er ist kein Kind mehr. Aber was kann auch ein erwachsener Nico gegen einen Verbrecher wie Heinz ausrichten? Wenn der ihn irgendwo auflauert?
Ich fahre mit dem Lift hinunter in die Tiefgarage. Ich will wissen, ob Nicos Auto da ist, obwohl ich ja nicht mit Sicherheit weiß, ob Nico nicht zu Fuß unterwegs war. Aber irgendwas muss ich tun!
Ich bin in der Tiefgarage unten und sehe tatsächlich Nicos Mini Cooper an seinem Stellplatz ganz hinten. Es sind nur wenige Autos hier unten. Die Garage ist ja auch nur für die Hausbewohner gedacht. Ein bisschen erleichtert bin ich schon darüber, dass das Auto da ist. Aber wo ist der Besitzer?
Und schon klopft mein Herz wieder wie wild, als ich nämlich sehe, dass die Fahrertür des Autos offen steht. Ich trete mit einem äußerst unguten und ängstlichen Gefühl näher heran und stoße sogleich einen entsetzten Schrei aus. Mein Puls jagt noch mehr in die Höhe, mir wird abwechselnd heiß und kalt, meine Hände zittern, meine aufgerissenen Augen blicken auf einen Körper, der neben der offenen Autotür liegt. Nein, gottseidank, das kann Nico nicht sein, das erkenne ich trotz aller Aufgeregtheit sofort. Es ist ein Mann, aber er hat schütteres Haar, ist viel kleiner und stämmiger wie Nico. Ich hab den noch nie gesehen. Er liegt in einer riesigen Blutlache, hat den Mund halboffen und die Augen … Der ist tot!!!
Mich hält nichts mehr hier unten, ich eile so rasch in kann zum Aufzug, stolpere hinein, vertippe mich in der Stockwerksangabe, komm aber irgendwann und irgendwie doch in Nicos Wohnung an.
Polizei? Notarzt? Feuerwehr? Wen soll ich zuerst anrufen? Ich versuche ruhig durchzuatmen und rufe an – Erika! Mir gehen tausend Dinge gleichzeitig durch den Kopf. Wer ist der Tote? Was macht er direkt neben Nicos Auto? Warum ist die Autotür offen? Was ist das geschehen? Und vor allen Dingen: Wo um alles in der Welt ist Nico?
Warum hat er meinen Vorschlag vom gemeinsamen Einkaufen nicht zugestimmt! Nico – wenn ihm etwas passiert, wenn er wie der Mann da unten….Nein, nicht daran denken. Das kann und darf einfach nicht sein!
Erika muss mich am Telefon immer wieder beruhigen, weil ich alles durcheinander erzähle. Schließlich meint sie:
„Bleib in der Wohnung, mache niemanden auf, ich bin schon unterwegs! Hab selbst einen Schlüssel. Ich rufe jetzt sofort Opa an, der hat gute Beziehungen zum Kripochef. Opa wir sofort alles in die Wege leiten, was nötig ist. Hörst du Dimitri, bleib in der Wohnung und – es wird alles wieder gut, glaub mir!“
Ja, ich würde es ja so gerne glauben, aber das ist die Leiche in der Garage und Nicos offenes Auto und keine Spur von ihm selbst und die ausgestoßene Drohung von Heinz und und und!
„Niki, mein Niki – was ist nur mit dir, wo bist du jetzt?“ murmle ich vor mich hin.
Wie im Traum tauchen die Bilder unseres bisherigen gemeinsamen Lebens vor mir auf: Unsere erste Begegnung am Stausee, unser erstes direktes Zusammentreffen am Inn, die geschenkte „Kreuzfahrt“, unsere wunderbaren Ausflüge, Spaziergänge, vor allem aber Weihnachten und der Austausch der Ringe, und schließlich noch die Silvesternacht am Mariahilfberg. Alles wunderbare Erinnerungen glücklicher Stunden.
„Das Glück verweht…“ hieß es nicht so heute morgen am Kalenderblatt? Nein, das darf einfach nicht sein! Reiß dich zusammen, sagt meine innere Stimme, Nico lebt und es wird alles wieder gut!
Wo nur Erika so lange bleibt? Ich trete hinaus auf die Dachterrasse, die sehr großzügig angelegt ist. Muss im Sommer ein Traum sein hier oben, wenn dann noch ein paar mediterrane Kübelpflanzen stehen, da braucht man doch gar nicht mehr in den Urlaub zu fahren. Aber das ist im Augenblick völlig nebensächlich. Ich blicke auf die Straße hinunter und sehe bereits Blaulichter von Polizei und Notarzt vor dem Haus stehen. Das ging ja rasch!
Ich gehe wieder hinein, im selben Moment betritt Erika die Wohnung. Sie umarmt mich, streicht meine Wangen, tröstet mich, obwohl es ihr, man sieht es an ihren unruhigen Augen, auch nicht gerade gut geht und sie sich Sorgen macht.
„Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber es ist kaum ein Durchkommen in der Stadt. Und dann bis ich einen Parkplatz gefunden habe! Obwohl, ich glaube ich stehe im Parkverbot. Aber ist ja jetzt sowas von egal. Ja und dann war schon die Polizei im Haus und hat alles abgeriegelt. Hat etwas gedauert, bis ich rein durfte. Opa ist auch schon unten, zusammen mit dem Kripochef habe ich ihn gesehen, die sind ja sehr befreundet. Mich ließen sie allerdings nicht in die Garage, naja, ist ja wohl besser so.“
Wenn Erika mal am Reden ist, dann kann sie so rasch nichts stoppen.
„Opa hat versprochen gleich heraufzukommen, wenn er mehr weiß. Und dich werden sie ja auch noch vernehmen wollen. Aber das kriegen wir schon hin. Und mach dir keine Sorgen, es wird alles wieder gut!“
Ich nehme an, Erika will durchs viele Reden ihr Nervosität und Angst verdrängen. Nun sind wir also bereits Zwei, die sich nicht hinsetzen können und übernervös mal zur Tür, mal auf die Uhr sehen und in der großen Wohnung herumlaufen.
Wir erschrecken fürchterlich, als es klingelt. Erika öffnet und Nicos Opa, Willi, kommt herein. Ich sehe es ihm sofort an, es ist was mit Nico! Willi, ich darf und soll ihn ja seit Weihnachten so nennen, ist kreidebleich und wie mir scheint, um Jahre gealtert. Ich kann ihn nur ansehen, getrau mich kaum zu atmen oder irgend was zu fragen. Er kommt auf mich zu, nimmt mich in den Arm und meint nur „Ach Dimitri!“
Erika ist es, die sich aus der momentanen Erstarrung löst und Opa fragt, was er nun wisse.
„Tut mir leid, dass ich euch das sagen muss: Aber so wie es aussieht, ist Nico, unser Nico, entführt worden!“
Erika stößt ein erschrecktes „Nein!“ heraus und fängt zu weinen an. Ich stehe immer noch starr da, kann gar nicht richtig begreifen, was Willi da gerade sagt. Nico entführt? Ja warum denn und von wem?
„Es liegt bei dem Toten ein Zettel. Der Entführer will eine Million Euro Lösegeld bis morgen Abend, natürlich von mir. Genauen Zeitpunkt und Ort der Übergabe gibt er morgen Vormittag auf Nicos Handy durch. Das Handy hat die Polizei auf dem Fahrersitz in Nicos Auto gefunden. Und er will nur mit dir, Dimitri, am Telefon reden und du sollst auch der Geldbote sein. Er scheint über eure Beziehung genau Bescheid zu wissen, denn er ist sich ganz sicher, dass du Nico so liebst, dass du alle Hebel in Bewegung setzt, dass die Million gezahlt wird. Er muss sich genau umgehört und auch beobachtet haben.“
„Heinz?“ kann ich nur heiser fragen.
„Man kann davon ausgehen, ja!“
„Du weißt, dass er im Knast Nico und Josef Rache geschworen hat? Nico hat es mir erst gestern erzählt.“ erwidere ich.
„Ja, Nico hat es mir auch erzählt und die Polizei weiß es jetzt auch. Es wird da unten noch alles abgesucht, die Fingerabdrücke werden ausgewertet und dann wissen wir mit Sicherheit, ob Heinz dahinter steckt, wie wir alle annehmen. Vor allem wissen wir dann auch, wer der Tote ist. Aber auch hierzu gibt es bereits Vermutungen. Dieser Heinz ist ja zusammen mit noch einem Insassen ausgebrochen. Sie sollten in einen anderen Trakt verlegt werden, dabei ist es passiert. Es ist eine ganz dubiose Geschichte, die sich da in der Strafanstalt abgespielt hat. Die Untersuchungen laufen noch, aber es muss einen bestochenen Beamten gegeben haben, mindestens einen, der den beiden geholfen hat. Sie haben ihm wohl viel Geld versprochen. Auch eine Pistole hat er ihnen wohl besorgt. Und mit dieser hat nun Heinz seinen Mitausbrecher erschossen. So sieht es jedenfalls aus. Warum? Wer weiß! Hat es einen Streit gegeben? Auf alle Fälle ist Heinz zu allem fähig, wir haben es ja gesehen!“
Als Willi sieht und hört, wie Erika laut schluchzt und auch ich mit den Tränen nicht zurückhalten kann, meint er beruhigend:
„Nein, nein, Nico tut er nichts, den rührt er nicht an, er weiß doch, dass er eine Million wert ist, aber nur unversehrt! Also beruhigt euch bitte! Glaubt mir, es wird alles gut!“
Willi, obwohl selber ängstlich und aufs Äußerste beunruhigt, versucht uns zu trösten, nimmt Erika in den Arm und klopft mir auf die Schultern. Schließlich setzt er sich auf die Couch. Er wirkt äußerlich gefasst, im Innern aber, da nimmt es ihn ganz gewaltig her! Nico, sein Lieblingsenkel, sein Ein und Alles!
Inzwischen sitzen wir alle drei im Wohnzimmer, keiner sagt mehr ein Wort. Aber in Gedanken sind wir wohl alle im Moment bei Nico und stellen uns die bange Frage, wo ist er, wie geht es ihm? Wenn ich mir vorstelle, dass er jetzt im Augenblick in irgend einem finsteren Loch hockt, an Händen und Füßen gefesselt, den Mund zugeklebt – und wir sitzen hier rum und können gar nichts für ihn tun! Es ist zum Verrücktwerden“!
Wir sind so in Gedanken, dass uns das Läuten an der Wohnungstür direkt erschreckt. Es ist Herr Schmöller, der Chef der hiesigen Kripo, den uns Willi vorstellt. Und noch ein Beamter ist dabei. Sie erzählen uns, dass es nun sicher ist, dass dieser Heinz hinter der Sache steckt und dass der Tote der mit ausgebrochene Sträfling der Anstalt ist. Auch erfahren wir, dass der Arzt den Todeszeitpunkt auf neun Uhr festgelegt hat. Nach dem Telefongespräch zwischen Nico und seiner Mutter nach acht Uhr, muss man davon ausgehen, dass sich der Vorfall bald danach abgespielt hat. Ein Wunder, dass keiner den Toten in der Garage vorher bemerkt hat, bis ich hinunter kam und da war es ja schon fast Zwölf.
Ich werde nun auch vernommen, kann aber natürlich nicht viel sagen, nur dass ich in der Tiefgarage war, das offene Auto und den Toten gesehen habe. Auch den Racheschwur von Heinz erwähne ich.
Herr Schmöller ist sehr freundlich und versucht nun auch, tröstende Wort zu finden. Er sichert auch zu, dass vorerst, bis Nico wieder frei ist, absolutes Stillschweigen gegenüber der Presse herrscht. Den Toten freilich, den kann man nicht Verschweigen, aber von der Entführung gab und gibt es kein Wort an die Medien. Und dann zeigt er uns auch den Brief, der bei dem Toten lag und den, wie wir ja nun sicher wissen, Heinz geschrieben hat, mit Maschine geschrieben hat:
„An den Freund von Nico, diesen Dummitri oder wie du heißt:
Nico ist in meiner Gewalt! Es geht ihm soweit ganz gut, vorläufig! Er wird sofort frei gelassen, wenn ich das Lösegeld bekommen habe. Ich verlange nicht mehr oder weniger als eine Million Euro, in kleinen, nicht durchnummerierten Scheinen versteht sich. Haltet es bis morgen Abend bereit. Ort und genauen Zeitpunkt der Übergabe werde ich dir, und nur dir, morgen im Laufe des Vormittags auf Nicos Handy durchgeben. Das Handy habt ihr ja wohl schon gefunden. Der Geldbote wirst du selbst sein und kein anderer wird dich begleiten, vor allem auch keine Polizei! Ich weiß, dass du selbst das Geld nicht hast, aber der Opa von Nico hat Geld wie Heu. Dem kommt es auf eine Million mehr oder weniger nicht an. Außerdem hängt er an seinem Enkel, das weiß ich von früher. Es liegt also an dir, ihn zur Bereitstellung des Geldes zu drängen und es liegt an dir, ob du deinen Freund lebend wieder siehst! Nachdem ich mich durch intensives Nachforschen und eigenes Beobachten (mir wird heute noch schlecht, wenn ich an eure Herumschwuchtelei denke) überzeugt habe, wie ihr aneinander hängt, wirst du sicher alles unternehmen, dass ich das Geld bekomme und du Nico wieder siehst. Er ist mit schuld, dass mich die Bullen eingesperrt haben. Das muss er jetzt büßen! Mit diesem Josef rechne ich auch noch ab, später. Erst brauche ich das Geld! Näheres dann morgen Vormittag.“
Handschriftlich ist dann unten noch hingekritzelt:
„Der Tote war vorher nicht geplant. Aber er hat es nicht anders verdient! Jedenfalls werdet ihr jetzt einsehen, wie ernst es mir ist. Also denkt dran!“
Das alles hat uns Willi ja in groben Zügen schon erzählt. Aber es jetzt selbst zu lesen, das macht mich einerseits furchtbar traurig, wenn ich an den entführten Nico denke, andererseits auch entsetzlich wütend, wenn ich an die Kaltschnäuzigkeit dieses Verbrechers denke. Tränen rinnen mir über die Wangen und ich gehe weg von den andern, hinaus auf die Terrasse.
Ich sehe hinunter auf die Stadt und lasse mein Blicke über die Dächer der Altstadt schweifen, sehe über dem Inn die Häuser der Innstadt, dann den Mariahilfberg, sehe in der Ferne die Donau, wie sie in der Mittagssonne glänzt und sehe drüberhalb einen Teil der Ilzstadt. Hier irgendwo wird Nico festgehalten und ich kann ihm im Moment nicht helfen, obwohl er gerade jetzt meine Hilfe am Dringendsten brauchen würde. Diese Hilflosigkeit macht mich ganz krank!
Erika kommt zur mir heraus, bleibt neben mir stehen und sieht ebenso wie ich hinunter auf die Stadt.
„Opa ist mit den beiden wieder hinunter gegangen. Er wird dir dann noch das Handy bringen, du brauchst es ja morgen!“
Ich nicke nur dazu. Sie erzählt mir auch, dass Opa natürlich die Million zur Verfügung stellt, das war überhaupt keine Frage.
„Er will doch auch so schnell es geht, seinen Enkel wieder sehen, unversehrt natürlich!“
Erika bietet mir auch an, dass ich mit zu ihr kommen kann oder auch zu Opa. Aber ich lehne ab. Ich mag sie ja alle sehr, sie sind schon fast so was wie eine zweite Familie für mich geworden. Aber wohin zieht es einen doch zuerst, wenn man vor Angst und Kummer nicht mehr weiter weiß? Zur eigenen Mutter! Und so werde ich zu meiner Familie fahren, die wissen ja noch gar nichts. Und ich werde dort auch über Nacht bleiben, da haben sie sicher nichts dagegen. Ich werde Yuri und Thomas wieder sehen und kann mit ihnen über alles reden. Allein in meiner Wohnung – nein, da könnte ich es im Moment nicht aushalten.
Willi kommt wieder in die Wohnung und reicht mir Nicos Handy. Er bittet mich auch, morgen gegen acht Uhr wieder hier zu sein. Es werden dann auch Kripobeamte zugegen sein, um den erwarteten Anruf aufzunehmen.
„Es wird alles wieder gut, Dimitri, es wird alles wieder gut, glaub mir! Ich tu alles, um Nico wieder frei zu bekommen! Ich will euch beide wieder zusammen sehen, glücklich zusammen sehen!“ spricht mir Willi Mut zu und umarmt mich. Auch Erika nimmt mich in den Arm und streicht mir übers Gesicht.
Ich aber mache mich auf den Weg zu meinen Eltern. Vor allem freue ich mich auf meine Mutter, zu der ich immer und zu jeder Zeit mit all meinen Nöten kommen konnte, sie hat mich immer wieder getröstet und mir Mut gemacht.
„Das Leid vergeht…“, so hieß es doch im Kalender. Jawohl, daran glaube ich, auf das hoffe ich!
„Niki, auch wenn ich dir jetzt nicht helfen kann, in meinen Gedanken bin ich immer bei dir!“
***
[HEADING=3]Nico[/HEADING]
„Dimi – nein – nicht!“
Ich muss so laut geschrien haben, dass ich davon wach geworden bin. Von Dimitri hab ich geträumt und von Heinz und von einer Pistole, die der Verbrecher meinem Dimi an die Schläfe hielt. Gottseidank nur ein Traum!
Verschlafen will ich mir die Augen reiben. Geht aber nicht. Meine Hände sind irgendwie am Rücken zusammengebunden, ich kann sie unmöglich nach vorne bringen. Ich versuche mich aufzurichten. Gar nicht so einfach, wenn man dazu die Hände nicht benutzen kann. Ja und meine Füße, die sind auch unbeweglich, auch fest verknüpft.
Wo bin ich denn hier überhaupt? Ich sehe mich um. Es muss irgend eine Holzhütte sein, ein Geräteschuppen oder Gartenhäuschen. Viel Licht ist ja gerade nicht hier drinnen. Naja, ist ja nur ein kleines vergittertes Fenster da vorne und daneben eine Tür. Was hier nicht alles herumliegt! Ein alter Plastiktisch, einige vergammelte Stühle, zum Sitzen wohl nicht mehr geeignet, Holzkisten, Bretter, Balken, altes Geraffel.
Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie kommt mir diese Hütte bekannt vor, so als wäre ich vor langer Zeit schon mal hier gewesen. Genau, dieses mit Spinnweben übersäte Hirschgeweih, an dem an einer Seite ein Stück abgebrochen ist, das habe ich schon gesehen. Aber wo war das?
Moment mal – die Hände und Füße zusammengebunden, allein in einer Holzhütte? Jetzt hätte ich beinahe lachen müssen, ist ja wie in einem Krimi, wie eine Ent…..
„Meine Güte – man h a t m i c h e n t f ü h r t !!!“
Klar, jetzt kommt es wieder: Ich wollte doch zum Einkaufen bevor Dimitri kommt. Und dann der Knall auf meine Birne in der Tiefgarage unten, als ich ins Auto wollte. Darum dieses entsetzliche Hämmern in meinem Kopf! Die müssen ja gewaltig zugeschlagen haben!
Die? Klar, ich hab doch Heinz gehört und er stauchte einen anderen zusammen. Und jetzt fallen mir bruchstückhaft verschiedene Worte wieder ein, wie „steinreich, Großvater, Million“. Die wollen Lösegeld von Opa!
Und dann ein Schuss oder sowas! Keine Ahnung, was da abging. Ja und noch so ein paar Wortfetzen von Heinz sind in meiner Erinnerung: „Drecksschwuchtel, schuld, Knast“. Und ein Tritt gegen die Rippen, darum diese Schmerzen! Hoffentlich ist nichts gebrochen!
Apropos gebrochen – ja, ich entsinne mich, ich hab mich übergeben müssen, deshalb dieser furchtbare Geschmack in meinem Mund! Und Durst habe ich, der ganze Mund klebt zusammen. Und mir ist kalt. Kann mir ja nicht mal die Hände wärmen. Wie denn, hinter meinen Rücken kann ich sie kaum warm pusten.
Wie spät wird es überhaupt sein? Und wo sind meine Entführer? Sind es überhaupt noch mehrere oder ist nur noch Heinz übrig? Schießen die sich gegenseitig über den Haufen?
Heinz – wir waren doch mal Freunde, gute Freunde! Wie kann es sein, dass er zu so einem Arschloch mutiert ist? Obwohl ja Arschloch noch ein zu freundlicher Ausdruck ist für diesen Verbrecher!
Ob Dimitri es schon weiß? Mein Gott, mein Dimi! Sie werden ihm doch nichts getan haben! In was für eine schlimme Geschichte ziehe ich ihn da mit hinein?
Ich muss mal schauen, auf was ich da eigentlich sitze. Es ist eine alte Decke. Wenigstens haben sie mich nicht auf die blanke Erde gelegt. Wie mir mein Kopf weh tut!
Was läuft denn da hinten rum? Tatsächlich eine kleine Maus! Nur gut, dass ich hier bin und nicht Dimitri. Der hat nämlich eine panische Abneigung gegen diese kleinen Nager. Mir machen die nichts aus. Aber was für ihn die Mäuse, das sind für mich Spin…Spin….nen! Da seilt sich doch tatsächlich so ein Miststück vor meinen Augen herab, direkt auf meinen Schoß! Und ich kann mich nicht wehren! Muss das jetzt wirklich sein? Reichen die Schmerzen und die ganze saublöde Entführung noch nicht? Muss ich mich auch noch von so einer Monsterspinne verspeisen lassen? Jetzt krabbelt das Ding über meine Hose und verschwindet dann doch seitlich. Endlich kann ich wieder durchatmen, ich kann sie einfach nicht ausstehen die Viecher!
Obwohl – sind Spinnen nicht das kleinste Übel, angesichts meiner Entführung und meines körperlichen Zustandes? Außerdem müsste ich mal dringend pinkeln. Aber wie sollte das gehen?
Plötzlich höre ich was, irgendwer kommt auf die Türe zu, sperrt auf, öffnet sie, tritt herein: Heinz! Er trägt ein paar Decken unter dem Arm und sieht mich an.
„Na, ist unser Schwuchtelchen endlich wach, ja? Hast ja lange gepennt! Musst aber schon noch einen ganzen Tag hier bleiben.“
„Warum Heinz, warum?“
„Was warum?“
„Warum machst du das? Was hab ich dir getan? Wir haben uns doch mal so gut verstanden, waren Freunde! Wie kann aus diesem netten Freund von einst so ein Arschloch, ja so ein Verbrecher werden?“
„Du verstehst gar nichts, was?“
„Nein Heinz, das verstehe ich nicht!“
„Du hast einen großen Fehler begangen, als du gesagt hast, dass du schwul bist. Das hättest du nicht tun dürfen! Alles wäre noch wie früher!“
„Aber ich habe dir doch nichts getan, was hast du gegen Schwule?“
„Du hast keine Ahnung, was? Aber was solls, ist ja jetzt ohnehin unwichtig. Dein Freund, wie heißt er gleich wieder, dieser Dummitri, also wenn der morgen das Geld von deinem Opa bringt, dann bist du frei und ich bin im Ausland. Glaubst du, ich würde nochmals in den Knast gehen? Niemals! Sind doch lauter Perverslinge dort. Nein, mich kriegen die nie mehr!“
„Er heißt Dimitri, nicht Dummitri, und wenn du ihm auch nur ein Haar krümmst, geht’s dir schlecht! Auch wenn ich nichts tun kann, seine Familie wird es dir heimzahlen, die finden dich auf der ganzen Welt.“
„Keine Angst, ich tu ihm nichts, ich tu auch dir nichts, wenn alles so verläuft, wie ich es ihnen aufgeschrieben habe.“
„Ach ja, du tust mir nichts? Und wie war das mit dem Hieb auf meinen Schädel? Und der Tritt in die Rippen? Meinst du das tat und tut nicht weh?“
„Das mit dem Kopf war ich nicht, das war dieser Lukas, der Idiot. Nein, das war so nicht vorgesehen. Aber dafür musste er auch büßen. Wäre ja noch schöner, schließlich bin ich der Chef in der Sache und solche Eigenmächtigkeiten dulde ich nicht.“
Mir fällt der Schuss wieder ein.
„Du hast ihn – nein, sag dass das nicht wahr ist! Du hast ihn erschossen? Mein Gott Heinz! Was ist nur aus dir geworden!“
„Er hätte dir den Schädel einschlagen können und was wäre dann aus meinem schönen Plan mit der Million geworden? Außerdem ist er auf mich losgegangen, als ich ihn beschimpfte. Er ist doch ein Profi-Totschläger! Da musste ich schießen! Er oder ich! Außerdem brauche ich jetzt nicht mehr zu teilen. Und die Polizei weiß, dass mit mir nicht zu spaßen ist.“
„Aber Mensch, Heinz, dann war das doch mehr oder weniger Notwehr! Du hast jetzt immer noch die Chance, dich zu stellen. Freilich kriegst du ein paar Jährchen, aber so machst du es noch schlimmer und kommst überhaupt nicht mehr raus.!“
„Spare dir die Ratschläge, ich weiß schon was ich tu. Hier, ich habe dir ein paar Decken mitgebracht. Heute Nacht wird es kalt. Und ich will ja nicht, dass du mir vorher erfrierst. Und für einen erfrorenen Nik bekomme ich kaum eine Million!“
Ja, Nik, so hat er mich früher immer genannt, früher, als wir noch so gute Freunde waren.
„Ist ja sehr nobel von dir, wie du um mein Wohlergehen besorgt bist!“ stelle ich sarkastisch fest und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Tja, so bin ich halt!“ sagt er gespielt tuntig.
„Ach übrigens, ich müsste mal ganz dringend…!“
„Na und, bin ich dein Kindermädchen? Du wirst doch noch allein…Ach so, hast ja keine Hände frei.“
Jetzt zieht Heinz seine Pistole heraus, hält ihn mit einer Hand an meinen Hinterkopf und nestelt mit der anderen am Strick, der meine Hände hinten zusammenbindet.
„Mach bloß keine dummen Sachen, ich warne dich!“
„Mann Heinz, ich will nur endlich mein Wasser ablassen, ich mach schon nichts!“
So öffnet er auch den Strick an meinen Füßen und ich kann aufstehen. Ich muss mich erst einmal strecken und meine Arme massieren, war ja lange unbeweglich und zusammengebunden da gelegen. Ich will auf die Tür zugehen.
„Nix da, stell dich in die Ecke da, das geht schon, nach draußen kommst du mir nicht!“
Na, wenn er meint, ich bin nur froh, endlich den Druck los zu werden. Dieser Blödmann beobachtet mich dabei und zielt mit seiner Pistole direkt auf meine untere Region. Ich tu mich schon schwer mit Pinkeln, wenn neben mir einer steht. Aber wenn mir auch noch einer zusieht und dabei mit der Knarre auf meine edelsten Körperteile zielt, dann geht fast gar nichts mehr, tröpfchenweise höchstens.
„Mensch Nik, geht das immer so langsam bei dir? Jetzt mach mal, ich habe nicht ewig Zeit! Muss weg, habe noch einiges zu tun und zu planen für Morgen.!“
„Du bleibst nicht hier? Kannst du das Risiko eingehen, mich allein zu lassen über die Nacht?“
„Mach dir keine Hoffnungen, du bist hier meilenweit allein auf weiter Flur. Also schreien ist absolut sinnlos. Keiner würde dich hören!“
Endlich bin ich fertig. Er holt aus einer Ecke des Schuppens eine Art Klappbett, voller Spinnweben natürlich, wischt mit einer Hand darüber, stellt es auf und wirft die mitgebrachten Decken darauf. Dabei immer die Pistole auf mich gerichtet.
„So, dein Bett ist gemacht!“
„Ach übrigens Heinz, würde mich schon noch interessieren, woher weißt du, wo ich jetzt wohne und das von meinem Freund?“
„Deine Adresse steht in jedem Internet-Telefonbuch. Nicht gewusst? Ja und ich hab mich ein wenig umgehört bei deinen Nachbarn, sind übrigens sehr gesprächig. Außerdem habe ich euch beobachtet. Hat mich zwar viel Zeit gekostet, hat sich aber gelohnt. Ward ihr nicht an Silvester am Mariahilfberg oben? Ich auch! Eigentlich war es da schon geplant, aber dann waren mir zu viele Leute unterwegs und du warst in Begleitung. Und so musste ich mir euer Geschwuchtel mit ansehen. Zum Grausen!“
Er verzieht angewidert das Gesicht.
Ich setzte mich auf das Klappbett, probiere es aus, naja, besser als der Boden allemal.
„Hier hab ich dir eine Flasche Wasser hingestellt, kannst wenigstens an der nuckeln, wenn du schon
deinen Dummitri nicht hast. Und jetzt leg dich hin, dass ich dich wieder verschnüren kann.“
„Er heißt ….ach, was solls! Aber es ist doch Blödsinn, mich zu fesseln, wo eh alles versperrt ist und mit Gittern versehen. Ich kann hier niemals raus. Und schreien, nützt ja auch nichts, sagtest du doch. Außerdem, wie soll ich was trinken oder das Gegenteil tun, wenn du mich festbindest?“
Er überlegt ein wenig, sieht zum vergitterten Fenster, sieht sich die massive Bauweise des Häuschens an und nickt dann.
Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenigstens das strenge Fesseln bleibt mir erspart. Ich habe ja auch in der Tat nicht die geringste Chance, rauszukommen.
„So, ich gehe dann, morgen bringe ich dir das Frühstück direkt ans Bett! Na, ist das vielleicht ein toller Service?“
„Ja ja, toller Service! Kannst du mir nicht wenigstens eine Taschenlampe oder Kerze da lassen, es gibt hier drinnen so viele Spinnen und so Krabbelzeug!“
„Ach ja, Nik und die Spinnen, ich weiß! Aber leider nix zu machen!“
Und schon ist er draußen und sperrt ab.
Nur mehr ein schwacher Lichtschein dringt durch das Fenster herein. Es wird langsam Nacht. So sitze ich also alleine hier zwischen jeder Menge Spinnweben und altem Gerümpel. Eine ganze Nacht werde ich so verbringen müssen.
Ich kann nur hoffen, Dimitri geht es gut und er ist nicht allein!
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Es ist schon sonderbar, wie leer, wie verlassen, ja wie kalt eine Wohnung wirkt, wenn das Wichtigste fehlt, der Inhaber. Selbst diese großzügige und wunderbar eingerichtete Penthousewohnung von Nico wirkt an diesem Morgen gespenstisch ruhig und verlassen.
Ja, ich bin wieder in Nicos Wohnung, es ist kurz vor sieben Uhr morgens. Um acht sollte ich hier sein, hat Willi, Nicos Opa, mich gestern wissen lassen. Aber ich habe es zu Hause nicht mehr ausgehalten. Seit fünf Uhr bin ich wach gelegen. Und so habe ich mich gegen halb Sieben aufgemacht und bin hierher gefahren. Unterm Herfahren und dann im Lift hier rauf, habe ich mich immer wieder bei dem Gedanken ertappt, dass ich in die Wohnung komme, ins Schlafzimmer, und Nico sieht mich ganz erstaunt an und reibt sich verschlafen die Augen. Dass das Alles gestern nur ein böser Traum war und Nico seelenruhig und unversehrt im Bett liegt.
Noch als ich durch die Wohnungstür in den Flur trat, habe ich die Ohren gespitzt, ob ich nicht doch ein leises Schnarchen aus dem Schlafzimmer höre. Aber es war und ist natürlich nichts, kein Geräusch, kein Nico, trostlose Stille! Die Wohnung ist menschenleer.
Ich trete in die Küche, sehe mich um. Dort in der Spüle steht noch meine Kaffeetasse von gestern,
gleich daneben die halb leere Flasche mit dem köstlichen Rotwein, den wir am Neujahrstag noch probiert haben. Ich sehe den Herd mit der Backröhre, wo wir unseren ersten gemeinsamen Backversuch gestartet haben, einen Nusskranz, der uns recht gut gelang.
Nachdem ich mir zu Hause keine Zeit mehr für einen Kaffee nahm, mach ich mir hier schnell eine Tasse. Ich setze mich zum Trinken in die kleine Sitzecke, eine Eckbank, Tisch, zwei Stühle, die der Küche angegliedert ist und wo wir schon oft beim gemeinsamen Frühstück saßen. Heute sitze ich alleine hier und schlürfe meinen heißen Kaffee. Der natürlich überhaupt nicht schmeckt, weil ich immer auf die Stelle der Eckbank schiele, wo sonst Nico immer sitzt und mich mit seinen großen Augen so lieb ansieht. Sonst immer – heute ist alles anders! Nico ist entführt, wird irgendwo festgehalten. Ich kann nur hoffen, dass er die Nacht nicht im Freien verbringen musste, denn es ist wirklich sehr kalt da draußen.
Ich gehe hinüber in das große Wohnzimmer, sehe die weiße Couchgarnitur, wie ja überhaupt das ganze Zimmer sehr hell und freundlich wirkt. Jede Menge Zimmer- und Kübelpflanzen, die zum größten Teil im Frühjahr dann auf die Dachterrasse kommen, dazu die große Fenster- und Glastürenfront, vermitteln den Eindruck, in einem Wintergarten zu sein.
Auf einem Sideboard stehen verschiedene gerahmte Bilder von seiner Familie, seiner Mutter, seinen Großeltern, daneben ein Bild von uns beiden, wie wir Schulter an Schulter fröhlich in die Kamera lächeln, von Yuri bei einem gemeinsamen Ausflug aufgenommen. Auch ein kleineres Bild von meinem Bruder Yuri und seinem Freund Thomas steht daneben.
Ja und dann ist da noch diese hübsche Madonnenstatue aus Wachs, die wir letztes Jahr bei unserem Ausflug nach Aign-Schlägl in der Kerzenfabrik gekauft haben. Nico hat sie so gut gefallen, die Madonna mit dem blauen Mantel und dem Kind im Arm, beide Gesichter so lebensecht modelliert. Mir kommen die Tränen, wenn ich zurück denke, mit welcher Freunde, Nico die Figur betrachtet, mitgenommen und dann hier aufgestellt hat.
Ich sehe auf die Statue, streiche mit den Fingern darüber, weiß jetzt, was ich tun werde und sage halblaut mit Blick auf die Madonna:
„Wenn Nico heute Abend wieder gesund und munter bei mir ist, dann verspreche ich, eine Kerze vor deinem Bild in der Mariahilfkirche aufzustellen. Nein, kein kleines rotes Lichterl, wie wir es schon mal zusammen taten, eine wunderschöne große Kerze soll es sein, wie keine zweite in der Kirche steht!“
Ja, das werde ich tun, ich verspreche es! Es darf nicht noch einen Toten geben! Um Gotteswillen, nein! Ich könnte nicht mehr weiterleben, ohne Nico!
Ich öffne die Terassentüre und trete hinaus. Eisige Kälte umfängt mich. Es wird langsam Tag. Ich sehe hinunter auf die Stadt mit ihrer Emsigkeit und Hektik, die sich so früh am Morgen schon ausbreitet. Mir wird kalt und ich gehe wieder in die Wohnung hinein.
Es war gut, dass ich gestern zu meinen Eltern gefahren bin. Wie hat es mir wohl getan, von ihnen getröstet und in den Armen gehalten zu werden, als ich ihnen die ganze Geschichte erzählt habe. Vater konnte es überhaupt nicht begreifen und hat immer nur den Kopf geschüttelt. „Armer Nico“ hat er immer wieder geflüstert. Ich weiß ja, dass er ihn längst in sein Herz geschlossen hat. Und eine Mordswut auf diesen Heinz, den er ja nur den Namen nach kennt, hat sich in ihm gesammelt. Sämtlich Knochen will er ihm brechen, wenn er ihn in die Finger bekommt.
Immer wieder sind meine Tränen geflossen. Aber hier zu Hause, bei meiner Familie, da konnte ich ihnen freien Lauf lassen. Und immer wieder hat auch Mutter ein tröstendes Wort für mich gehabt und mich in den Armen gehalten. Es hat so gut getan!
Später kamen auch Yuri und Thomas, sie waren mit dem Auto im Bayerischen Wald unterwegs gewesen, da ja auch Thomas diese Woche noch Urlaub hat. Auch sie konnten es nicht begreifen, was da geschehen ist.
Ich bin auch nicht mehr in meine Wohnung gefahren, blieb bei den Eltern über Nacht, das heißt in meinem früheren Zimmer. Yuri und Thomas leisteten mir noch lange Gesellschaft. Ich lag bereits im Bett, sie saßen auf der gegenüberliegenden Couch. Sie versuchten mich abzulenken, an was anderes zu denken. So erzählten sie vom Fasching, der ja heuer so kurz ist und dass sie in einen Kostümball gehen wollen.
„Aber ich weiß einfach nicht, welches Kostüm ich anziehen soll, als was ich gehen soll. Dieses Zeug ist ja alles so teuer und nur einfach mit Ringelhemd und Matrosenhütchen will ich auch nicht gehen“, jammerte Yuri.
„Ich weiß da was für dich, kostet gar nichts“ erwiderte Thomas.
„Ach ja und was?“ fragte Yuri.
„Na ganz einfach, geh so wie du immer bist – als Zappel-Yuri!“ entgegnete Thomas.
Sogleich entstand eine Rauferei zwischen den beiden, natürlich nicht ernst gemeint. Ich musste lächeln, einfach süß die Zwei!
„Aber jetzt weiß ich auch etwas für dich Thomas, was auch nichts kostet!“ meinte Yuri.
„Und das wäre?“ wolle Thomas wissen.
„Geh als Osterüberraschung!“ sagte ein verschmitzt lächelnder Yuri.
„Osterüberraschung?“ fragen Thomas und ich gleichzeitig.
„Na einfach, wenn du dich dann entblätterst, kommen schöne große Eier zum Vorschein, die ich dir natürlich vorher bunt bemale, eben eine Osterüberraschung!“
Yuri spielt damit auf den vorhandenen tatsächlich überdimensionierten Körperteil von Thomas an. Dieser schaut zuerst etwas nachdenklich und meint dann lächelnd:
„Warum nicht? Wenn du mich dann vor allen Leuten entblätterst, dann machen wir das, geh ich als Osterüberraschung.“
„Könnte dir so passen, du Sexprotz!“ meint ein gespielt entrüsteter Yuri.
Mit solchen und ähnlichen Sprüchen und Geschichten verging die Zeit rasch und es war schon nach elf Uhr, als sie dann gingen, nicht ohne mir für morgen das Beste zu wünschen.
Inzwischen ist es acht Uhr am Morgen. Die Kripobeamten sind soeben gekommen. Und nun ist auch Nicos Mutter, Erika, und Opa Willi da. Erika hat sich gleich in die Küche begeben, um für alle Kaffee zu kochen.
Die Beamten geben mir noch ein paar Hinweise, wie ich mich bei dem erwarteten Anruf verhalten soll und dass ich unbedingt darauf drängen soll, mit Nico selbst zu reden.
Ansonsten können wir nichts tun, als auf den Anruf zu warten. Nicos Handy liegt vor uns auf dem Wohnzimmertisch. Ich starre es immer wieder an und will es so bewegen, sich endlich zu rühren. Diese Ungewissheit hält ja kein Mensch aus!,
Es ist inzwischen neun Uhr – Nichts!
Es ist zehn Uhr – Immer noch nichts!
Es ist bereits elf Uhr -endlich es klingelt!
***
[HEADING=3]Nico[/HEADING]
Das war vielleicht eine Nacht, meine Herrn! Bin ich froh, dass es, wie ich durch das kleine Fenster oben sehe, allmählich Tag zu werden scheint. Dürfte so um acht Uhr rum sein. Wie dumm, dass ich ausgerechnet gestern, bevor ich gekidnappt wurde, meine Uhr im Badezimmer liegen ließ. So hab ich überhaupt kein rechtes Zeitgefühl und kann mich nur am Dunkel- oder Hell werden orientieren.
Geschlafen habe ich nicht viel. Hab mich einfach nicht recht erwärmen können, trotz der vier Decken, die Heinz gestern da gelassen hat. Ein eisiger Schneewind pfiff durch die Ritzen der Bretterwände und machte die Kälte noch schlimmer. Immer wieder bin ich aufgestanden und hab mich bewegt, um etwas warm zu werden. Viel geholfen hat es aber nicht. Bin nur froh, dass ich mich gestern früh doch relativ warm angezogen habe. Sogar eine lange Thermounterhose hab ich an. Ja, ja, bei Dimitri hab ich gelästert, als ich sie gesehen habe. Heute bin ich froh, dass ich sie habe.
Ja und wenn ich wirklich für einige Minuten Schlaf gefunden habe, dann träumte ich von Monsterspinnen, die, als sie auf mich zukamen, das Gesicht von Heinz hatten, mich zynisch angrinsten und ihre haarigen Arme nach mir schlugen. Bin ja wirklich froh, dass es auch hier drinnen allmählich hell wird.
Hab auch schon überlegt, ob ich nicht doch irgendwie an das Fenster hoch komme, um hinaus zu sehen. Vielleicht erkenne ich dann doch, wo ich hier eigentlich bin. Aber wie zu dem Fenster hoch kommen? Das Plastiktischchen da hinten hält mein Gewicht nicht aus, das fällt schon beim Ansehen zusammen. Und sonst ist nichts hier drinnen, was brauchbar wäre. Das Fenster ist aber auch wirklich sehr weit oben. Wahrscheinlich um Einbrecher abzuhalten. Aber für was hier einbrechen? Im meinem Falle ist eher das Gegenteil gefragt. Aber nichts zu machen! Die Tür ist sehr stabil und von außen verschlossen, die Holzwände sind ebenfalls sehr massiv und ohne Werkzeug nicht zu bezwingen.
Wieder bewege ich mich , hüpfe umher, rudere mit den Armen, alles um warm zu werden. Jetzt ein heißes Bad und einen noch heißeren Tee, was gäbe ich dafür!
Wann wird Heinz wieder auftauchen? Ich hoffe nur, er taucht wieder auf! Was ist, wenn ihm etwas passiert, oder wenn er geschnappt wird? Und er verrät nichts von meinem Versteck? Oder er hat dann das Geld und lässt mich hier sitzen? Er muss doch dann rasch verduften, die sind doch sofort hinter ihm her! Und ich kann dann hier drinnen verschimmeln, oder die Spinnen fallen über mich her oder ich erfriere, was ja bald der Fall sein wird, wenn das so weiter geht. Kein Mensch weiß, wo ich bin! Wie sollte mich hier jemand finden? Klar, irgendwann mal, wenn ich erfroren, verdurstet und verhungert bin, dann finden sie eines Tages mein mit Spinnweben überzogenes Skelett! Allmählich, so glaube ich, wird mir erst so recht bewusst, in welcher Scheißlage ich mich hier befinde.
Und was soll aus Dimitri werden? Jetzt wo unsere Liebe immer inniger wird, wo wir einander vermissen, wenn wir nur wenige Stunden getrennt sind? Dimi, mein Dimi, wie sehr gehst du mir ab! Was für großen Kummer bereite ich dir! Es wäre besser für dich gewesen, du hättest mich nie kennen gelernt, dann wäre dir das erspart geblieben! Ob ich ihn überhaupt nochmals sehen werde? Es ist doch erstaunlich, wie sehr man sich an einen Menschen gewöhnen kann, wie sehr man ihn lieben kann, einen Menschen, von dem ich vor wenigen Monaten noch gar nicht wusste, das es ihn gibt!
Ich habe die Situation gestern gar nicht als so dramatisch empfunden, auch wenn Heinz dauernd mit seiner Pistole herumfuchtelte. Ich hab immer noch zuerst den Heinz gesehen, der mir seit Kindheit bekannt war. Aber der ist ja längst Vergangenheit! Er hat ein Menschenleben auf dem Gewissen, einen ehemaligen Freund schlimm zugerichtet und hält mich, auch ein ehemaliger Freund, hier fest, um Lösegeld zu erpressen! Wahnsinn, was aus diesem einst so netten Kerl für ein eiskalter Verbrecher geworden ist. Gestern hab ich noch gedacht, er kann seine Pistole auf mich richten, abdrücken würde er doch nie! Bei mir doch nicht! Heute bin ich mir da nicht mehr sicher, ganz im Gegenteil!
Aber ich muss an was anderes denken, sonst werde ich hier drinnen verrückt. Jawohl, an Dimitri denke ich und an unsere gemeinsamen wunderbaren Stunden. Oder an unsere Wanderungen, an unsere Ausflüge, so zum Beispiel an die Fahrt über die österreichische Grenze zum Stift Aign-Schlägl und zur Kerzenfabrik. Ja, diese wunderschöne Marienfigur, die jetzt in meinem Wohnzimmer steht, haben wir dort gekauft. Wie oft habe ich einen Blick darauf geworfen, auf die Mutter mit dem Kind am Arm, so echt dargestellt. Eine ähnliche, aber viel größere Figur steht ja droben in der Kirche am Mariahilfberg, wo ich zusammen mit Dimitri schon mal zwei kleine Kerzen angezündet habe. Das bringt mich auf eine Idee, jawohl das mache ich! Wenn ich heute Abend meinen Dimitri wieder umarmen kann, wenn also alles gut wird, dann gehe ich die mehr als dreihundert Stufen der Wallfahrtsstiege hinauf und bringe eine schöne große Kerze mit, die ich oben aufstelle. Das verspreche ich!
Ich sehe mich nun nochmals in der Hütte um, mein Blick bleibt wieder auf dem Geweih über der Tür hängen. Wo habe ich das schon gesehen?
Gartenhäuschen – Geweih? Das geht mir ein Licht auf! Natürlich, wieso hab ich da so lange gebraucht! Ich bin im Gartenhäuschen des Schrebergartens, der einst der Familie Müller, das ist die Familie von Heinz, gehört hat. Ich erinnere mich wieder, obwohl das inzwischen schon einige Jahre her ist und wir noch Kinder waren. Wir spielten ein paarmal in dem Garten, da war alles noch gepflegt, Blumen gab es und Gemüsebeete, eine Hängematte zwischen zwei jungen Birken, eine Schaukel und eine kleine Wiese. Irgendwann mal kam ein Gewitter und wir flüchteten in dieses Häuschen, das zum Aufbewahren der Gartengeräte diente. Da sah ich das Geweih zum erstenmal. Vor ein paar Jahren hat die Stadt die Pachtverträge für die Gärten nicht mehr verlängert, weil sie im Hochwassergebiet lagen. Richtig, mindestens einmal im Jahr kam das Wasser der nahen Donau bis zu den Gärten. Und so wurden die Schrebergärten aufgegeben und verwilderten.
Ich bin im vergangenen November erstmals seit Jahren wieder hier vorbei gekommen. Ich machte mit Dimitri einen längeren Spaziergang, denn es war nochmals ein wunderschöner Spätherbsttag. Ich muss schmunzeln, weil wir uns nämlich verlaufen hatten, in der Heimatstadt verlaufen! Naja, es war ja ziemlich außerhalb, am Stadtrand eben, aber trotzdem! Erst als ich die verwilderten Gärten wieder sah, kannte ich mich aus. Auch das eine oder andere Häuschen stand noch. Na gut, jetzt weiß ich zwar wo ich bin, aber was nützt mir diese Erkenntnis?
Ich höre Schritte, die Tür wird aufgesperrt, Heinz kommt herein. Er sieht nicht gut aus, scheint wenig geschlafen zu haben. Er reicht mir eine Thermoskanne.
„Da trink, ist heißer Kaffee, mehr kann ich dir nicht bieten. Muss vorerst reichen!“
Er sieht die wenig geleerte Wasserflasche und fragt, warum ich nichts trinke.
„Das Wasser da drinnen ist fast eingefroren, jedenfalls ist es eisig kalt. Wenn mich eh schon so friert, kann ich nicht auch noch eiskaltes Wasser saufen. Außerdem war die Nacht lausig kalt, hab kaum geschlafen.“
„Mach dir nichts draus, ich hab auch nicht viel geschlafen. Tja, das Hilton ist das hier nicht. Schon klar, dass es dir verweichlichten Schnösel nicht gefällt.“
„Und, wie soll es jetzt weiter gehen, was hat der Herr Entführer für Pläne mit dem Schnösel?“
„Ganz einfach! Ich werde hernach deinen Dingsbums anrufen und ihm erklären, wann, wie und wo ich das Geld haben will. Ich hol es mir und wenn alles geklappt hat, dann lasse ich dich laufen. Und ich bin dann mit der Million über die Grenze. So einfach läuft das ab!“
Genau so hab ich mir das gedacht, er holt sich das Geld und haut ab. Er kann es nie und nimmer riskieren, nochmals hierher zu kommen.
„Wo hast du eigentlich übernachtet und wo ist der Kaffee her?“ frage ich ihn.
„Nicht alle Leute hier sind gegen mich. Es gibt Freunde, die trotz allem zu mir halten und nicht verraten.“
„Aber diese Freunde, wissen die, was du hier gerade abziehst, oder das, was gestern geschehen ist, wissen die das?“
„Es sind Freunde, die im Gegensatz zu dir, keine Fragen stellen. Zufrieden?“
Muss ich wohl sein. Nach einer Weile des gegenseitigen Schweigens frage ich Heinz, wie spät es eigentlich ist.
„Hast du keine Uhr?“
„Blödmann, würde ich sonst fragen?“
„Werde blos nicht frech! Es ist gleich Elf und ich muss anrufen!“
„Soll ich derweil draußen warten?“ frage ich scheinheilig.
Er aber antwortet nicht, geht zur Tür, lehnt sich dagegen, gibt eine Nummer ins Handy ein und hält die Pistole, die er die ganze Zeit etwas nervös wie mir scheint in der Hand hält, wieder direkt auf mich gerichtet.
„Hallo Dummitri, bist du das?“
Mein Gott, er redet mit Dimitri! Wie gerne würde ich das jetzt auch tun.
„Er heißt Dimitri!“ flüstere ich ihm zu, was er aber gar nicht registriert, denn er redet schon weiter.
„Was ist? Ach so, Dimitri, ist doch wurscht! Das Geld habt ihr? Gut! Hör genau zu: Du gehst heute genau um halb Fünf, hörst du, genau um halb Fünf, mit dem Geldkoffer von der Innbrücke die steinerne Treppe hinunter, am Innkai entlang, Richtung Dreiflüsseeck. Nach gut hundert Metern geht links eine Steintreppe hoch. Und davor ist eine Bank, darauf setzt du dich, den Koffer stellst du neben dir auf die Bank. Nimm das Handy mit. Du erhältst dann weitere Anweisungen! Du gehst alleine, ist das klar! Keine andere Person, schon gar keine Polizei, darf in deiner Nähe sein! Denke dran, dein ganzer Weg wird beobachtet! Sollten wir irgend etwas Verdächtiges bemerken, wirst du deinen…Freund nicht mehr sehen! War das klar genug? Was ist? Du willst ein Lebenszeichen von Nico? Er lebt und es geht ihm gut, das muss genügen! Was?… Warum?… Warte!“
Heinz lässt sein Handy sinken und überlegt, wie mir scheint. Dann kommt er auf mich zu, gibt mir das Handy und meint:
„Er möchte ein Lebenszeichen von dir. Sag ihm, wie gut es dir bei mir geht! Und Nik, denk dran, sag nichts, was mich veranlassen würde, meine Waffe zu gebrauchen.“
Ich reiß ihm das Telefon aus der Hand und schreie fast hinein:
„Dimi, bitte hör mir zu, ich habe nicht viel Zeit, hör mir zu! Also, mir geht es soweit ganz gut, nur du fehlst mir halt. Und das ist schlimm! Aber dann denke ich an unsere schöne Zeit zusammen und mir geht es wieder besser. Erinnerst du dich an unsere Ausflüge und Wanderungen in der Gegend? Und weißt du, wie wir uns gar verlaufen haben, nicht mehr auskannten? War das nicht lustig, in der Heimatstadt verlaufen? Und weißt du, wie ich mich dann plötzlich wieder erinnerte, wo wir waren, weil ich einiges wieder erkannte. Weißt du das noch, Dimi? Du erinnerst dich sicher noch!“
Weiter komme ich nicht, Heinz nimmt mir das Handy ab und spricht wieder selbst mit Dimitri.
„Das reicht! Ach übrigens, keine falschen Hoffnungen, dieses ausgeliehene Handy wird sofort nach Gebrauch versenkt, äh, unbrauchbar gemacht. Du willst doch deinen Nico wieder sehen? Dann haltet euch an unsere Abmachung. Ende!“
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Ich lege das Handy wieder auf den Tisch, jetzt wird es, zumindest bis zum frühen Abend, nicht mehr gebraucht. Heinz hat mit einem schroffen „Ende“ das Gespräch beendet.
Es ist mucksmäuschenstill im Wohnzimmer, keiner rührt sich, keiner sagt ein Wort. Und dabei sind ja doch einige Leute hier drinnen, zu Erika und Willi ist auch noch Yuri dazugekommen, sowie Herr Schmöller von der Kripo mit noch zwei Beamten.
Ich freue mich besonders, dass mein Bruder hier ist. Er hat zwar gestern schon so was angedeutet, aber sicher waren wir nicht, ob ihn die Kripoleute überhaupt hier rein lassen. Er sitzt neben mir auf der Couch, legt einen Arm um meine Schultern und redet tröstend auf mich ein. Ich bin froh und stolz so einen Bruder zu haben! Er hat sofort erkannt, wie sehr mich dieses Gespräch mitgenommen hat, wie meine Hände zittern. Einerseits freue ich mich, Nico gehört zu haben, ein Lebenszeichen von ihm zu haben. Andererseits macht es mich traurig und gleichzeitig furchtbar wütend, ihm jetzt nicht helfen zu können, und dass ich mir von diesem Verbrecher Anweisungen geben lassen muss, tun muss, was und wie er will.
Herr Schmöller meldet sich als Erster zu Wort:
„Ich weiß Dimitri, es ist alles nicht leicht, aber wir haben nicht mehr viel Zeit! Gehen wir das Gespräch nochmals durch. Nico hat von einem Spaziergang erzählt, bei dem ihr euch verlaufen habt. So wie er es erzählte, glaube ich, er wollte uns damit einen Hinweis geben, einen Hinweis, wo er gefangen gehalten wird. Dimitri, erinnerst du dich, wo ward ihr damals?“
„Ich weiß schon noch, dass wir uns mal verlaufen haben. Wir haben es anfangs noch so lustig empfunden, Nico hat sich den Bauch gehalten vor Lachen. Aber wo das war? Die Donau war nicht weit weg, das weiß ich noch. Nico kannte sich dann wieder aus, weil er alte, aufgelassene Schrebergärten wieder erkannte. Die Familie eines Freundes soll hier mal einen Garten gepachtet haben. Als Kinder waren sie oft dort. Jetzt ist alles verwildert, aber ein paar Gartenhäuschen stehen noch. Es muss dort öfter Hochwasser gegeben haben, so hat Nico erzählt. Moment mal – die Familie eines Freundes? Könnte da nicht dieser Heinz gemeint sein?“
Jetzt meldet sich Opa Willi zu Wort:
„Natürlich, ich erinnere mich, die Familie Müller hatte einen Schrebergarten. Nico hat oft davon erzählt, als Kinder haben sie dort gespielt. Aber wo das genau ist, keine Ahnung!“
Auch Erika nickt zustimmend, weiß aber auch nicht, wo die Gärten sind.
Wieder ein paar Sekunden Schweigen.
„Ich glaube, ich weiß jetzt, um welche Gärten es sich hier handelt“ erklärt der Kripochef.
„Ein ehemaliger Kollege hatte auch so einen Garten gemietet. Dann hat die Stadt die Pachtverträge nicht mehr verlängert, eben wegen dem häufigen Hochwasser. Ist ja in Passau nichts Neues. Wir müssen nun auf schnellstem Weg herausfinden, ob meine Annahme richtig ist und vor allem, welches Grundstück den Müllers gehörte. Ich nehme fest an, dass Nico im dortigen Gartenhäuschen festgehalten wird. Soviel ich weiß, ist das ganze Areal aber ziemlich groß. Wir müssen also zuerst bei der Stadtverwaltung nachfragen, Pläne anschauen. Im Katasteramt oder der Grundsteuerstelle müssen doch noch Unterlagen vorhanden sein, auch wenn inzwischen Jahre seit der letzten Nutzung vergangen sind.“
Herr Schmöller gibt seinen Leuten ein paar Anweisungen und die machen sich sofort auf den Weg.
„Und wie geht es jetzt weiter?“ will Willi wissen.
„Wenn wir das Grundstück kennen und vor allem das in Frage kommende Häuschen, werden wir das ganze Gelände umstellen und beobachten. Wir wissen ja auch nicht mit Sicherheit, ob Heinz nicht doch Komplizen hat. Er hat am Telefon ja von ´wir´gesprochen. Ich glaube aber, er blufft nur. Der ist alleine! Und was uns noch zugute kommt, er ist kein Profi auf dem Gebiet. Ich glaube sogar, er weiß bis jetzt noch nicht, wie das mit der Übergabe ablaufen soll. Andererseits sind solche Anfänger auch wieder unberechenbar, man kann sie schlecht einschätzen.
Ich muss jetzt auch weg, bin aber auf alle Fälle rechtzeitig wieder hier, bevor du dich um halb Fünf auf den Weg machen musst, Dimitri. Müssen ja dann noch einiges besprechen, wie du dich verhalten sollst. Und – Kopf hoch, junger Mann! Dank der Cleverness von Nico sind wir jetzt im Vorteil!“
Und schon ist er verschwunden.
„Ja, da hat er mehr als recht, unser Nico hat das wirklich super gemacht, ist halt unser Nico!“ so sagt Willi voller Stolz von seinem Enkel.
„Ja ist denn von der Familie von diesem Heinz, der Familie Müller, hier gar keiner mehr, den man nach dem Garten fragen könnte? Das ginge doch viel schneller, als erst bei der Stadt in alten Unterlagen zu suchen?“ fragt Yuri.
„Nein, leider wohnt hier keiner mehr. Der Vater ist ja schon vor vielen Jahren abgehauen, hat die Familie allein gelassen. Keiner weiß, wo er ist. Frau Müller hat die Trennung nie verkraftet, sie ist seither schwer krank und soll jetzt in einem Pflegeheim sein. Ja und da war auch noch ein Bruder, ich weiß den Namen gar nicht mehr, der ist auch schon vor Jahren weg. Eine zerrissene Familie! Heinz hat zuletzt alleine hier gewohnt.“ weiß Erika zu berichten.
Willi erzählt uns auch, dass die Polizei nach der Familie auch gestern schon geforscht hat, aber bisher haben sie nur den Aufenthalt der Mutter festgestellt. Diese ist aber derzeit nicht ansprechbar. Seit sie im letzten Jahr von der Verhaftung von Heinz erfahren hat, hat sich ihr Zustand rapide verschlechtert. Arme Frau!
Yuri überredet mich dann, mit ihm heimzufahren, wir können im Moment eh nichts tun.
„Erstens lenkt es dich ein bisschen ab und zweites brauchst du etwas zum Essen. Mutter wartet auf uns!“
Willi bleibt hier in Nicos Wohnung, um eventuelle Anrufe von der Kripo entgegen zu nehmen. Herr Schmöller hat nämlich versprochen, Bescheid zu geben, wenn sie das Grundstück kennen.
Scheinbar geht mir doch von der letzten Nacht einiges an Schlaf ab, weil ich nämlich nach dem Essen, kaum hatte ich mich auf die Couch gelegt, sofort eingeschlafen bin.
Und so ist es bereits nach drei Uhr, als wir wieder in Nicos Penthousewohnung ankommen. Natürlich ist Yuri wieder mit dabei. Das ließ er sich einfach nicht nehmen!
Willi ist gerade am Telefonieren, als wie die Wohnung betreten. Sichtlich verärgert legt er auf und erzählt uns, dass die Polizei erst jetzt bei den Schrebergärten angekommen ist. Das Gelände ist umstellt und abgeriegelt. Das in Frage kommende Häuschen wird beobachtet.
Im Rathaus hat es so lange gedauert, die Pachtverträge für die in Frage kommenden Gärten zu finden, sie mussten erst aus dem Archiv geholt werden. Dummerweise hat die Stadt an drei verschiedenen Stellen, alle in Donaunähe, Gärten verpachtet, die alle zwischenzeitlich aufgelassen wurden. Dazu kam, dass sich bei der Stadt zuerst keiner zuständig fühlte, dann war der Zuständige in der Mittagspause. Erst ein „Spitzengespräch“ von Chef zu Chef, sprich Oberbürgermeister und Kripochef, brachte dann Schwung in die Sache. Schließlich geht es um ein Menschenleben!
Jetzt ist allerdings zu befürchten, dass Heinz inzwischen gar nicht mehr auf dem beobachteten Gelände ist. Es ist ja nicht mehr lange bis zur vereinbarten Übergabe. Und so kann auch niemand sagen, ob Nico überhaupt noch in dem Gartenhäuschen ist, das jetzt von ein paar Leuten nicht mehr aus den Augen gelassen wird. Hat Heinz Nico zur Übergabe mitgenommen oder lässt er ihn eingesperrt zurück?
Ich kann nur hoffen, dass sein Eingesperrtsein bald ein Ende hat und er wieder hier ist und ich ihn umarmen darf!
***
Nico
Heinz hat mich nach dem Telefonat mit Dimitri allein gelassen. Er will was zum Essen besorgen, wie er sagte. Nun stehe ich also wieder allein hier in meinem Gefängnis rum und versuche, durch etwas Bewegung, die Kälte zu vertreiben. Mir ist wirklich lausig kalt. Vor allem meine Zehen spüre ich schon gar nicht mehr, das sind eher Eiszapfen als lebendige Fußglieder. Außerdem kann ich mich selbst nicht mehr riechen. Hab ja seit fast dreißig Stunden die selben Klamotten an, ohne jegliche Möglichkeit, mich zu waschen.
Meine kleineren Geschäfte hab ich ja bisher in einer Ecke des Schuppens verrichtet. Beim letzten Pinkeln fiel mir der Witz wieder ein, den Yuri neulich erzählte, als er uns nämlich erklärte, wie ein Eskimo im eisigen Norden sein kleines Geschäft verrichtet: Er schüttelt Eiswürfelchen aus seinem eiskalten Zipfel. So ähnlich geht es mir wohl auch bald. Ist ja auch nicht gerade erheiternd mit den frostigen Fingern in die Hose zu greifen.
Aber inzwischen müsste ich auch mal ein größeres Geschäft erledigen. Aber das hier herrinnen? Wer weiß, wie lange ich noch hier bleiben muss! Ich kann nur inständig hoffen, es sind nur mehr wenige Stunden, die ich hier noch ausharren muss.
Wie hat Heinz am Telefon gesagt? Um halb Fünf soll die Übergabe sein. Spekuliert er dabei auf die dann hereinbrechende Dunkelheit? Deshalb so spät? Nimmt er mich mit zur Übergabe, praktisch ein Austausch Geldkoffer gegen Nico? Ich glaube aber fast, das ist ihm zu riskant. Er lässt mich schon hier zurück. Aber wer soll mich dann finden? Ich hab ja in dem Gespräch zuvor mit Dimitri diesen Hinweis auf mein Versteck gegeben. Ob Dimitri damit was anfangen kann? Oder die Polizei? Ich konnte ja beim besten Willen nicht mehr sagen. Hab so schon befürchtet, Heinz spannt etwas. Was aber scheinbar nicht der Fall war.
Freilich haben wir uns damals fast gekugelt vor Lachen, weil wir uns verlaufen hatten. Aber kann sich Dimitri heute noch daran erinnern? Und weiß er denn auch noch, wo das war?
„Ja Dimitri, wenn nur das alles schon vorbei wäre und ich wieder bei dir sein könnte!“
„Mit wem redest du denn?“
Heinz hat aufgesperrt und ist so leise herein gekommen, dass ich ihn gar nicht hörte. Aber vielleicht ist ja auch mein Gehör schon eingefroren. Wäre ja nicht verwunderlich.
„Mit mir selber rede ich, hab ja sonst niemanden!“
Heinz reicht mir ein Wurstbrot und nochmals heißen Kaffee.
„Soll mir keiner sagen, ich hätte dich nicht gut versorgt!“
„Na ja, für das viele Geld steht mir ja wohl ein gewisser Service zu, oder?“
Galgenhumor!
Auch Heinz beißt in ein Wurstbrot, bleibt aber an der Tür stehen und lehnt sich dagegen.
„Du hast mich gefragt, warum ich so einen Hass gegen Schwule habe“, meint er nach einer Weile.
„Nein, du musst mir nichts erklären!“ entgegne ich.
Eine Zeit lang sagt keiner was, schweigend essen wir unser Brot und trinken den Kaffee. Endlich wieder was Warmes im Magen! Gleich fühle ich mich ein bisschen besser.
Nach einer Weile fängt Heinz wieder an:
„Ich möchte es dir aber erzählen und nur dir, weil wir uns nach dem heutigen Tag nie mehr sehen werden.
Du weißt, dass unser Vater einfach abgehauen ist, ich war damals so um die elf Jahre alt. Ich nehme an, er hatte eine Jüngere, jedenfalls ist er einfach verschwunden. Es gab und gibt zwar Gerüchte, dass er irgendwo in Südamerika bei entfernten Verwandten von uns sein soll, ein Lebenszeichen haben wir aber von ihm seit damals nicht erhalten.
Unsere Mutter hat die Trennung sehr getroffen, denn sie hat ihn wirklich geliebt. Sie wurde zuerst psychisch, dann auch körperlich schwer krank. Als ich so etwa zwölf war, da ging es los mit diversen Krankenhaus-, Kur- und Erholungsaufenthalten. Kaum war sie wieder ein paar Tage zu Hause, schon kam ein Rückfall und sie musste wieder fort.
Und so war ich mit meinem Bruder allein. Du erinnerst dich noch an meinen Bruder Oskar? Er ist ja sechs Jahre älter als ich und hatte zu der Zeit seine Lehre bereits beendet. Jedenfalls hat er sich rührend um mich gekümmert, war mir Vater und Mutter zugleich. Er hat schon am Vortag das Essen für mich gerichtet, so dass ich es nach der Schule nur aufwärmen brauchte. Er hat mir bei den Hausaufgaben geholfen, ist mit mir ins Kino oder ins Freibad und zum Eisessen gegangen. Ja, er hat sich sogar frei genommen, wenn ich krank war, um mich zu versorgen. Er war der große Bruder, den sich andere so sehr wünschen. Ich hatte ihn! Ich war stolz auf ihn und habe ich mehr oder weniger verehrt.
Eines Nachts, es gab ein heftiges Gewitter, kam er in mein Zimmer, weil er wusste, wie ich mich fürchte. Er hat gefragt, ob ich will, dass er sich zu mir ins Bett legt, um mich zu beruhigen. Und ich hab voller Freude zugestimmt. Das war ein großer Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Aber damals war ich einfach nur froh, einen Beschützer zu haben, der mir die Angst vor dem Gewitter nahm. Ich hab es auch als ganz selbstverständlich angesehen, dass er mich in die Arme nahm. Es ist in dieser Nacht sonst nichts gewesen, nur dass ich so ruhig und fest schlief, wie schon lange nicht mehr.
Das nächste Gewitter kam ein paar Tage später und wieder kam Oskar zu mir und ich fand es Klasse! Als er ein paar Tage später kam, war kein Gewitter, aber mir war es trotzdem recht, dass er sich hinten an mich kuschelte. Ja, ich fand auch nichts dabei, dass er mich mit seinen Händen umfasste und streichelte, zuerst nur die Brust und den Bauch, dann aber auch weiter unten. Ich fand es zwar etwas eigenartig, als er mich da unten befummelte, aber er war ja mein großer Bruder und ich machte mir also keine großen Gedanken. Wieder ein großer Fehler! Ich hätte das von vornherein unterbinden sollen, nicht zulassen dürfen! Denn nun hatte er quasi Blut geleckt. Er kam in der Folge fast jede Nacht und ich fand es nun nicht mehr nur eigenartig, nein, ich wollte das nicht mehr! Großer Bruder hin oder her!
Und dann kam sein nächster Schritt, kannst dir ja denken, was das war. Es hat furchtbar weh getan. Oskar ist enorm bestückt und ich damals noch keine Dreizehn! Ich hab geweint und gebettelt, aber er ließ sich davon nicht beeindrucken. Ja, er droht mir, wenn ich irgendwas erzähle, muss ich in ein Heim, da ja sonst niemand für mich da wäre. Ins Heim wollte ich aber nun wirklich nicht. So hab ich halt alle paar Tage meinen Arsch für ihn hingehalten und er hat mich hemmungslos genommen. Ich konnte oft tagelang nicht mehr richtig gehen oder sitzen. Bei jedem Stuhlgang war Blut dabei.“
„Ich erinnere mich, du hast öfters was von einem Abszess am Hintern gesagt, wenn wir dich fragten, warum du so eigenartig gehst oder dich nicht hinsetzen wolltest. Aber, mein Gott Heinz, warum hat du nie etwas gesagt. Das war doch die Hölle für dich!“
„Hättest du mir helfen können? Oder ein anderer? Ja, es war die Hölle! Außerhalb der Geschehnisse im Bett war er nach wie vor der sich liebevoll um alles kümmernde große Bruder, der Vater- und Mutterersatz. Aber im Bett war er der rücksichtsloseste Perversling, den man sich denken kann. Kannst du dir vorstellen, Nik, was das für mich bedeutete? Der eigene Bruder, auf den ich stolz war, zu dem ich aufschaute, nimmt mich nach Lust und Laune, ohne Rücksicht auf meine Schmerzen seelischer und körperlicher Art!
Eines Abends kam er mit einem Freund an. Was soll ich sagen, sie haben mich beide genommen, hintereinander und ich musste auch noch zu anderen Diensten herhalten. Ich war am Ende, Nik, das kann ich dir sagen, hatte jedes Vertrauen in die Menschen verloren, wollte manchmal nur noch sterben. Und wenn du, Nik, und der eine oder andere in der Zeit nicht gewesen wäre….“
Er hält kurz inne mit seinem schlimmen Bericht und ich glaube gar Tränen bei ihm zu sehen.
„Mir tut das so leid, Heinz, ich war dein Freund damals und hab nichts bemerkt!“
„Ja, mich tarnen, das konnte ich immer schon gut. Jedenfalls als meine Mutter für ein paar Wochen wieder zu Hause war, erzählte sie mir eines Tages, als ich aus der Schule kam, dass Oskar nicht mehr bei uns wohnt und ich nun Ruhe vor ihm hätte. Ich weiß bis heute nicht, woher sie es wusste. Ich habe jedenfalls nichts erzählt. Sie muss irgendwas gehört oder sonst wie mitbekommen haben, ich weiß es nicht. Es wurde nie darüber geredet. Und mein Bruder hat sich seit dem nicht mehr bei uns sehen lassen. Seit sieben Jahren haben wir nichts mehr von ihm gehört. Von einem Bekannten habe ich mal erfahren, dass der Oskar zusammen mit seinem Freund in Thailand gesehen haben will. Aber Näheres weiß keiner.
Und weißt du, was das Schlimmste ist? Ich hab es meinem Bruder zu verdanken, dass ich nicht fähig bin, eine Beziehung zu einem Menschen aufzubauen. Ich habe ihm vertraut, an ihn geglaubt, ihn bewundert! Er hat alles kaputt gemacht!
Und dann kommst du und sagst, dass du schwul bist. Du, dem ich auch vertraut habe, der einer meiner besten Freunde war! Du hast damit alles zerstört! Sofort musste ich an meinen Bruder denken und aller Zorn, alle Wut, kam in mir hoch!“
„Du machst aber einen ganz entscheidenden Fehler, Heinz, du wirfst alle Schwulen in einen Topf. Ich bin und war aber nie wie dein Bruder! Ich würde nicht mal im Traum daran denken, einen Menschen zu vergewaltigen, schon gleich gar nicht Kinder! Niemals!“
Er sagt nichts darauf, starrt nur vor sich hin.
„Heinz, noch ist es nicht zu spät, stell dich, lass mich laufen! Das in der Tiefgarage war Notwehr, der hätte dich sonst erschlagen! Da hast du nicht viel zu befürchten. Das mit meiner Entführung und dem Lösegeld – na gut, das kann man nicht aus der Welt schaffen. Aber ich würde für dich aussagen, dass du mich gut behandelt hast, auch wenn du gestern doch ziemlich grob zu mir warst, aber Schwamm drüber! Bei der Sache mit Josef, das warst du doch gar nicht alleine. Ich weiß ja nicht, was sonst noch alles vorgefallen ist, aber das kann doch alles nicht so schlimm sein! Ein guter Anwalt, und den würden wir dir besorgen, vor allem mein Opa kennt da sicher gute Adressen, der würde das Strafmaß auf ein Minimum drücken. Freilich, wenn du das hier jetzt weiter durchziehst, bist du mit Sicherheit die nächsten fünfzehn Jahre weg vom Fenster! Aber die paar Jährchen, die du jetzt bekommst, die sitzt du doch auf einer Backe ab! Außerdem würden Dimitri und ich, zusammen mit Opa natürlich, dir hinterher helfen, wieder Fuß zu fassen. Wenn ich das alles, was du mir vorhin erzählt hast, meinem Opa und Dimitri sage, dann, und da bin ich mir ganz sicher, sind die beiden sofort bereit, dir zu helfen! Bitte Heinz, lass dir helfen!“
„Nein Nik, dazu ist es jetzt zu spät. Ich kann nicht mehr zurück. Und außerdem bitte ich dich, erzähle Keinem die Geschichte mit meinem Bruder. Es muss keiner wissen! Ich habe es dir erzählt, weil wir uns nicht mehr sehen werden. Entweder bin ich heute Abend noch in Passau, dann aber im Leichenschauhaus, oder ich bin im Ausland! Eine andere Variante gibt es nicht mehr!
Ich muss jetzt gehen, du musst noch ein wenig hier ausharren. Ich werde eine Nachricht hinterlegen, wo sie dich finden können. Keine Angst, Nik, die kommende Nacht ist spinnenfrei für dich! Dass du mir für die nächsten Stunden Glück wünscht, das ist wohl zuviel verlangt, oder? Machen wir es kurz! Ich gehe einfach hinaus, ohne zurückzuschauen und ohne Gruß! Also dann!“
Er öffnet die Tür, geht hinaus, bleibt nochmals stehen und sieht dann doch nochmals zu mir zurück.
„Und dein Opa würde tatsächlich….nach allem, was ich getan ….Ach vergiss es!“
Er schließt rasch die Tür und sperrt ab.
„Heinz!“ ruf ich ihm noch nach, aber keine Reaktion mehr.
Ich sitze auf meinem Klappbett und muss über all das nachdenken, was Heinz aus seinem Leben erzählt hat. Das glaubt man einen Menschen zu kennen, wir waren ja gute Freunde! Wie schnell ist man mit dem Urteil über einen Menschen fertig, obwohl man eigentlich gar nichts weiß! Natürlich kann ich das nicht akzeptieren, was Heinz getan hat, Verbrechen bleibt Verbrechen! Aber ich verstehe jetzt so Manches, was ich vorher einfach nicht kapiert habe, und sehe Vieles mit anderen Augen. Mir hat dieser Mensch die bisher schlimmsten Stunden meines Lebens bereitet und er hat meinem Freund Josef übel mitgespielt. Aber trotzdem – trotzdem tut Heinz mir leid!
Längst bin ich von meinem Klappbett aufgestanden und versuche wieder, dass mir durch etwas Bewegung wärmer wird. Wie spät wird es überhaupt sein? Ganz langsam scheint es schon dämmrig zu werden. Mein Gott, es wird wahrscheinlich bald der Zeitpunkt da sein, wo Dimitri mit dem Geldkoffer los muss. Wie wird der sich jetzt fühlen?
„Armer Dimitri! Hättest dir am Anfang unserer Freundschaft auch nicht träumen lassen, dass du mich mal für eine Million auslösen musst! Hoffentlich geht alles gut!“ murmle ich vor mich hin.
Hör ich da draußen tatsächlich Schritte, oder täusche ich mich? Kommt etwa Heinz zurück? Nein, es ist auf der Rückseite des Häuschens. Da schleicht doch wer rum! Da, jetzt wieder, da müssen mehrere Leute draußen sein. Haben sie mich etwa schon gefunden? Ich mach mich jetzt einfach mal bemerkbar, denn lange halte ich es hier drinnen nicht mehr aus. Mich friert und ich müsste ganz dringend….
„Hallo, ist da wer?“
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Nun ist es also so weit, ich muss den wohl schwersten Gang meines bisherigen Lebens antreten! Ein Zivilfahrzeug der Polizei hat mich bis zur Innbrücke gefahren und mich dort aussteigen lassen. Noch muss ich ein wenig warten, bis es dann genau halb Fünf ist, so wie es der Entführer haben wollte. Ich gehe von der Innbrücke die steinerne Treppe hinunter zum Innkai, den Geldkoffer in der Hand. Hätte nie geglaubt, dass eine Million Euro in diesen Koffer passen. Es sollten ja kleine Scheine sein, hat er verlangt. Naja, was sind kleine Scheine? Für gewisse Leute sind auch Hunderter noch kleine Scheine. Haben sie mir etwa gar nicht die volle Million eingepackt oder ist nur Papier drinnen? Hat man ja in manchen Filmen alles schon gesehen! Reiß dich zusammen, mahne ich mich selber, du bist hier nicht in einem Film, das ist blutige Realität!
Jeder Schritt von mir wird überwacht, haben sie mir erklärt, überall seien Leute versteckt. Die müssen wirklich gut versteckt sein, ich sehe nicht einen Menschen. Naja, die müssen aber auch aufpassen, schließlich bin ich mit soviel Geld unterwegs. Nicht dass noch irgend ein Taschen- bzw. Kofferdieb, der gar nichts mit diesem Heinz zu tun hat, auf die Idee kommt, mich zu berauben. Der würde vielleicht Augen machen, wenn er den Koffer zu Hause öffnet!
„Ganz ruhig und unauffällig weitergehen, Dimitri, du machst das sehr gut!“
Bin direkt erschrocken, plötzlich die Stimme in meinem Ohr zu hören. Herr Schmöller von der Einsatzleitung war das. Naja, sie haben mir da einen „kleinen Mann“ ins Ohr gesteckt, um mir Anweisungen geben zu können. Aber ich kann mich auch bemerkbar machen. Und so frage ich leise in mein Mikro:
„Immer noch keine Nachricht vom Schrebergarten?“
„Tut mir leid, Dimitri, aber sie haben noch nichts durchgegeben. Wir sind aber mit Sicherheit an der richtigen Stelle, es führen eindeutig Spuren zu dem Gartenhäuschen. Da war oder ist jemand drinnen!“
Wenn wenigstens die erlösende Nachricht vom Garten am Stadtrand käme, dass Nico frei und unversehrt ist, wie leicht würde mir dieser Weg am Inn entlang fallen!
Wie hat er gesagt? Ruhig und unauffällig soll ich gehen? Der hat leicht reden! Wer könnte in so einer Situation ruhig bleiben! Am Anfang dachte ich gar, mir fällt vor lauter Zittern der Koffer aus der Hand. Das wäre vielleicht was, wenn dann der Koffer aufspringt und die ganzen Scheine weht der Wind in den Inn. Aber bisher ist ja alles gut gegangen und ich hoffe, es bleibt so. Es wird auch allmählich duster und die Laternen an der Promenade sind gerade angegangen.
„Wie geht’s Dimitri?“ Wieder die Stimme im Ohr!
„Besch….eiden! Dort sehe ich jetzt die Bank, hinter der die Treppe hinaufführt. Ich werde mich hinsetzen, so wollte er es doch!“
„Gut so, Dimitri, denk daran, du bist nicht allein!“
Nicht allein – ich sehe weit und breit keine Menschenseele!
Ich hab mir bisher nur Gedanken wegen Nico gemacht, ob er gesund ist und endlich frei kommt. Doch plötzlich muss ich wieder an den Toten in der Tiefgarage denken. Was ist, wenn dieser Heinz, auch mich über den Haufen schießt, sobald er den Koffer hat? Der ist doch zu allem fähig! Nein, nein, nicht daran denken, ich hab doch tausend Beschützer um mich herum! Die lassen das doch nie und nimmer zu! Naja, tausend sind es mit Sicherheit zwar nicht gerade, aber ein paar bestimmt, haben sie mir doch zugesichert. Nur, wo die sein sollen, keine Ahnung!
Ich sitze nun also auf der Bank, stelle den Koffer daneben und nehme das Handy in die Hand.
„Ich sitze jetzt auf der Bank und halte das Handy,“ flüstere ich so leise es geht in das Mikrofon.
„Richtig! Wie wir schon besprochen haben, sind wir der festen Meinung, dass er dir mittels Handy eine neue Anweisung zukommen lässt. Hier auf der Bank wird die Übergabe nicht sein. Davon gehen wir aus!“
Ich starre auf das Handy, aber es bleibt stumm. Ich sehe mich etwas um und da fällt mir ein, dass es ja diese Bank war, wo ich mit Nico zum erstenmal direkt zusammentraf. Es war dieser wunderschöne Herbsttag und er saß alleine hier und starrte auf den Fluss vor ihm. Ja, hier auf dieser Bank, da begann´s! Hier habe ich zum erstenmal so ganz aus der Nähe in seine wunderschönen großen Augen gesehen und um mich war´s geschehen! Ironie des Schicksals, dass ich jetzt wieder auf dieser Bank sitze, heute aber alleine. Und neben mir der Einsatz für Nico, die Million! Und er selbst?
„Immer noch nichts von Nico?“ flüstere ich ins Mikro.
„Moment, da kommt gerade ein Meldung herein – warte!“
Was wird kommen? Hoffentlich die erlösende Nachricht!
„Es ist jemand im Häuschen, sie brechen gerade die Tür auf, weil sie verschlossen ist. Ich melde mich gleich wieder!“
Das kann doch dann nur Nico sein, wenn sie eine Stimme gehört haben. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht!
„Dimitri, ich hab eine erfreuliche Meldung: E s i s t N i c o ! Er ist frei und er ist OK!“
„Gottseidank!“ kann ich zur flüstern.
Hab ich jemals eine schönere Nachricht bekommen? Nico ist endlich frei und es geht ihm gut! Mir rinnen die Tränen nur so herunter, Tränen der Freude und der Erleichterung! Was auch immer in den folgenden Minuten hier mit mir passieren mag, und sollte es zu dem Toten in der Tiefgarage auch noch einen Toten auf der Bank am Inn geben – was ist das schon gegen die Freiheit und Unversehrtheit von Nico! Natürlich hänge ich auch am Leben, das ist klar, aber ich liebe ihn so sehr, dass mir auf alle Fälle sein Leben über das meinige geht!
„Nico ist auf dem Weg in die Stadt herein. Er ist natürlich ziemlich durchgefroren, aber sonst ist alles in Ordnung. Und was meinst du, hat er als Erstes gefragt, als meine Leute hinein kamen? Wie geht es Dimitri? Das war für ihn das Wichtigste! Und dann kam noch, wo hier das nächste Klo sei, er müsse doch so dringend…“
Kann man lachen und weinen zugleich? Ja, im Moment da kann ich es! Mir rinnen die Tränen über die Wangen, gleichzeitig muss ich schmunzeln über das dringende Bedürfnis von Nico.
„Und – es tut sich nichts bei dir, oder?“ fragt der Kripochef.
„Nein, ist mir ein Rätsel, inzwischen ist es doch schon Fünf vorbei. Keine Spur von ihm, kein Anruf! Ich verstehe das nicht!“
Mir wird inzwischen auch ganz schön kalt. Zwar hab ich, auch wenn mich Nico wieder mal auslachen wird, eine lange Unterhose an und dazu Thermojeans, die doch sehr warm halten, aber wir haben Winter und ein paar Grad Minus. Und ich muss auf dieser kalten Bank sitzen! Vor allem mein Hinterteil ist am Einfrieren. Ist ja auch nicht gerade das Gesündeste!
„Wie lange soll ich hier noch sitzen?“ frage ich wieder meinen Mikro-Gesprächspartner.
„Nico ist in Freiheit, also brauchen wir da keine Rücksicht mehr zu nehmen. Das Geld kriegt er auf keinen Fall mehr. Aber wir möchten den Heinz Müller erwischen. Darum musst du noch ein bisschen warten. Ich nehme an, er beobachtet dich und die Umgebung. Irgendwo steckt der und irgendwann in den nächsten Minuten taucht er auf. Und dann haben wir ihn!“
Naja, wenn er meint! Inzwischen ist aber nicht nur mein Allerwertester am Einfrieren, die Kälte kriecht in alle meine Glieder. Jetzt sitze ich hier erst ein knappe Stunde und jammere ob der Kälte. Nico musste über dreißig Stunden da draußen verbringen und friert doch auch so rasch.
Was wird das für eine Wohltat sein, wenn wir zwei Halberfrorenen heute Abend in Nicos großer Badewanne im heißen Wasser unsere Lebensgeister wieder wecken! Mit Nico – endlich wieder mit ihm!
Aber noch ist es nicht so weit. Ich sitze immer noch in der Kälte und warte auf einen Anruf oder ein sonstiges Zeichen von Heinz. Inzwischen bin ich auch aufgestanden und etwas umher marschiert, nicht ohne vorher das OK von meinem Mann im Ohr erhalten zu haben. Aber sonst wäre ich bald ein Eisblock gewesen.
Was mich anfangs auch gewundert hat, dass überhaupt keine Passanten hier an der Innpromenade unterwegs sind. Aber inzwischen weiß ich von Herrn Schmöller, dass alles abgesperrt ist. Man will natürlich kein Risiko eingehen.
Es ist jetzt halb Sechs und es meldet sich wieder der Kripochef:
„Dimitri, wir blasen die Sache ab. Der muss kalte Füße bekommen haben. Komm wieder vor zur Innbrücke. Übrigens – es wartet hier jemand auf dich!“
Ich will gerade nachfragen, da läutet das Handy. Jetzt warte ich seit einer Stunde auf ein Zeichen, und jetzt, wo sich was tut, da erschrecke ich, dass ich beinahe das Handy fallen lasse. Rührt sich Heinz also doch noch!
„Ja?“ frage ich.
„Dummitri?“
„Dimitri! Ja, bist du das Heinz?“
„Ja, der bin ich!“
Schweigen!
„Ja und? Wie soll es jetzt weitergehen?“ frage ich.
„Du gehst jetzt …“
Er zögert etwas. Mein Gott, wie wird das jetzt weitergehen? Wohin wird er mich jetzt schicken? Wie lange soll sich das noch hinziehen?
„Du gehst jetzt – dahin wo du hergekommen bist, geh zu deinem Freund, geh zu Nik! Ich hab´s gesehen, dass sie ihn gefunden haben. Also brauche ich dir das Versteck nicht mehr sagen. Übrigens Dimitri, du hast dir den besten Freund geangelt, den du finden konntest. Ich beneide euch um diese Freundschaft! Pass gut auf ihn auf! Du weißt doch, es gibt da so böse Buben, die ihm Schlimmes wollen! Aber das ist ja jetzt vorbei! Ach so, du fragst dich sicher, wo ich bin, warum ich nicht zu unserm Stelldichein am Inn gekommen bin? Nein, ich musste unser Rendezvous leider absagen. Nein, ich bin nicht mehr in Passau, auch nicht mehr in Deutschland. Mehr kann ich dir aber nicht sagen, wirst du sicher verstehen!“
„Ja aber das Geld? Warum hast du es…?“
„Ach so, die Million! Glaubst du ich habe nicht gewusst, dass die Polizei überall ist, dass ich zwar den Koffer bekommen hätte, aber niemals lebend davon gekommen wäre? Nein, die sind alle auf mein Ablenkungsmanöver hereingefallen. Ich hab jetzt Geld, bei weitem nicht die Million, aber es reicht für einen Neuanfang irgendwo fern der Heimat. Deutschland wird mich nie mehr sehen!“
„Aber woher hast du dann das Geld?“
„Ich muss jetzt aufhören, sag Nik, dass mir alles sehr leid….ach was, sag ihm, was du magst!“
Und er hat das Gespräch beendet.
Er ist also bereits im Ausland. Naja, die österreichische Grenze ist ja nur einen Kilometer nach Passau und auch die tschechische ist in kürzester Zeit zu erreichen. Noch dazu gibt es ja zu beiden Ländern keine Grenzkontrollen mehr. Schengener Abkommen oder wie das heißt.
Woher hat er dann das Geld? Er sprach von Ablenkungsmanöver, hat er also wo anders…Aber wie und wo? Rätsel über Rätsel!
Unterm Zurückgehen berichte ich Herrn Schmöller alles über das Gespräch. Einiges hat er ja schon selbst durch das Mikrofon mitbekommen, aber eben nicht alles. Auch er ist über diese überraschende Wendung des Geschehens höchst erstaunt.
„Wir haben ihn unterschätzt“ meint er. „Aber Bank hat er keine überfallen und auch sonst haben wir keine Meldung über einen Überfall oder Raub bekommen. Bis jetzt jedenfalls nicht. Das ist mir mehr als schleierhaft, unbegreiflich! Etwa wieder ein Bluff?“
Beim weiteren Gehen zurück zur Innbrücke tauchen jetzt Polizisten auf. Wo die überall versteckt waren! Ich war wirklich nicht alleine!
Kurz vor der Brücke kommt mir jemand entgegen. Auch ein Polizist? Nein, als ich noch näher komme, da fängt dieser Jemand zu laufen an, mit solch „langen Haxen“, die können nur zu einem Menschen gehören, zu den mir liebsten Menschen auf der Welt, zu Nico!
***
[HEADING=3]Nico[/HEADING]
Ich bin wieder in der Stadt und habe endlich ein Klo aufsuchen können. Die große Erleichterung ist Gold wert! Man glaubt ja gar nicht, wie wichtig einem solche alltäglichen Verrichtungen werden können, wenn man eben keine Möglichkeit hat, sie zu erledigen.
Ich hätte dem ersten Polizisten, der durch die aufgebrochene Tür in mein Gefängnis kam, umarmen können vor lauter Freude, endlich raus zu kommen aus der Kälte und dem klolosen Dasein. Als ich dann die Beamten fragte, ob sie wissen, wie es Dimitri geht und sie mir erklärten, dass er jetzt wohl unterwegs sein wird zur Geldübergabe, da war ich einerseits zwar erleichtert, andererseits aber auch voller Angst, was da auf ihn zukommt. Mir war schon klar, auch wenn ich jetzt nicht mehr in der Gewalt von Heinz bin, dass sie trotzdem alles versuchen, ihn zu erwischen und sich daher an seine Anweisungen zur Geldübergabe halten.
Die Fahrt im warmen Polizeiauto in die Stadt konnte mir gar nicht schnell genug gehen. Und dann wollten sie mich doch tatsächlich zuerst ins Krankenhaus fahren! Es hat einige Überredungskünste gekostet, um sie zu überzeugen, dass mir nichts fehlt und ich auf schnellstem Weg zu Dimitri will.
Aber nun stehe ich an der Innbrücke, bin von Herrn Schmöller über den aktuellen Stand der Dinge unterrichtet worden, und hab die Zusage, Dimitri entgegen zu gehen. Das mach ich jetzt.
Ich stehe nun unten an der Promenade und sehe im trüben Licht der Straßenlaternen ein ganzes Stück vor mir eine Gestalt daherkommen, mit einem Koffer in der Hand.
„Der Herr mit dem Koffer!“ Und das kann nur einer sein: Dimitri!
Ich fange an zu laufen und wie in einem Spiegelbild fängt auch der Kofferherr zu rennen an, immer näher kommen wir aufeinander zu. Wir stoppen beide, nur noch wenige Meter sind zwischen uns, gehen langsam weiter und mit einem „Dimi“ und „Niki“ fallen wir uns in die Arme.
Ich habe gar nicht bemerkt, dass mir Herr Schmöller nachgegangen ist, der nun Dimitri den Koffer abnimmt, sich umdreht und uns allein lässt.
„Ich hatte solche Angst um dich, Niki, nie mehr lass ich dich von jetzt an allein, du sieht ja wohin das führt!“
„Du hast mir doch auch so gefehlt, Dimi! Aber Schatz, bitte nicht mehr weinen, ich bin ja wieder da! Alles ist gut! Und du wirst mich auch nicht mehr los! Das verspreche ich dir!“
„Aber Niki, was ist denn, du zitterst ja, ist dir immer noch so kalt?“
„Das ist nur äußerlich, Dimi, nur äußerlich! Im Innern ist mir sehr warm, jetzt wo ich dich wieder habe. Aber dich friert ja auch, wie ich merke, wird Zeit, dass wir ein heißes Bad kriegen! Mit dir zusammen im….O Mann, da wird mir jetzt richtig heiß, wird mir da…!“
Herr Schmöller hat mich bereits kurz über den Anruf von Heinz informiert. Mir auch völlig rätselhaft. Erst die Entführung und der ganze Aufwand für eine Million und dann plötzlich nichts? Ein Ablenkungsmanöver? Wovon ablenken? Geld hat er jetzt angeblich. Woher?
Mit kommt da ein gewisser Verdacht und so frage ich auch gleich den Kripochef, nachdem wir ihn auf der Innbrücke wieder erreicht haben, ob er wisse, wo Opa ist.
„Der ist jetzt in deiner Wohnung, hab soeben mit ihm telefoniert. Muss aber vorher kurz weg gewesen sein, weil ich schon mal angerufen hätte. Auch deine Oma und die Mutter sind dort gerade angekommen. Waren natürlich alle über deine Befreiung überglücklich und sie warten sehnsüchtig auf dich.
Ach übrigens, Dimitri, dort hinten wartet deine Familie auf dich. Deinen Bruder konnte ich nur mit sanfter Gewalt davon abbringen, dass er zu dir läuft, als du auf der Bank gewartet hast. Immer wieder ist er zu mir gekommen und hat gebettelt und ist hier rumgezappelt. Ich glaube, der war nervöser als ihr beide zusammen. Also geh zu ihnen!“
Ja ja, unser Zappel-Yuri, das sieht ihm ähnlich, macht ihn aber noch sympathischer!
Natürlich gehe ich mit Dimitri die paar Meter zu seiner Familie. Überhaupt, das sehe ich erst jetzt, stehen überall Leute rum. Ist ja klar, dass die ganze Aktion und Absperrung nicht unbemerkt geblieben ist. Auch Presseleute schwirren rum und bedrängen jetzt Herrn Schmöller. Was wird da morgen wieder alles zu lesen sein, mir graut jetzt schon davon!
Und da löst sich auch schon einer aus der umstehenden Menge, schlüpft durch die Absperrung und im nächsten Moment fällt Yuri meinem Dimitri um den Hals. Und gleich darauf hüpft er auf mich zu und drückt mich, dass mir die Luft wegbleibt.
„Bin ja so froh, dass wir dich wieder haben, langhaxerter Nico!“ meint ein glückselig strahlender Yuri.
„Ich bin auch froh, dass ich dich wieder sehe, Zappel-Yuri!“ entgegne ich.
Und nun begrüßen und umarmen uns auch Dimitris Eltern und auch Yuris Freund Thomas ist dabei. Es ist ein allgemeines Umarmen und Drücken und Abküssen und ein verstecktes Tränen-Abwischen. Ja, wir sorgen hier direkt an der Innbrücke für allgemeines Aufsehen. So wird es höchste Zeit, meint auch die Herr Schmöller, von hier zu verschwinden.
Die Polizei, auch hier in Passau Freund und Helfer, zumindest im Augenblick, fährt uns in meine Wohnung. Ich bestand darauf, dass auch Dimitris Eltern und Yuri und Thomas mitkommen.
In meiner Wohnung dann Teil zwei der Begrüßungsorgie mit meiner Mutter und den Großeltern. Als mich Opa umarmt, da flüstere ich ihm ganz leise zu:
„War Heinz bei dir?“
Das ist nämlich meine Vermutung, meine Ahnung, wie sie mir vorhin in den Sinn kam, das Ablenkungsmanöver!
Opa schaut mich erschrocken an und flüstert ebenso leise:
„Nicht jetzt!“
Also bestätigen sich meine Gedanken!
Herr Schmöller, der uns auch hierher begleitet hat, erklärt, dass es mit den ganzen Vernehmungen und Aussagen Zeit hat bis morgen. Außerdem berichtet er, dass Kripobeamte das Haus die ganze Nacht bewachen, weil man ja nie wisse, ob dieser Heinz Müller nicht doch noch auftauche. Die Fahndung nach ihm läuft angeblich auf Hochtouren.
„Der kommt nicht mehr!“ brummelt Opa vor sich hin. Herr Schmöller schaut zwar etwas verwundert, als er das hört, meint dann aber, dass man das nicht ausschließen könne. Dann verabschiedet er sich.
Ich habe mich im Bad fürs erste mal waschen können. Muss ja nicht sein, dass auch meine Familie die Nase ob meines Geruches rümpft, so wie die Kripo, als sie mich fanden.
Meine Mutter hat in kurzer Zeit etwas zum Essen hergerichtet und vor allem einen heißen Tee aufgegossen, den ich nun schlürfe. Das tut gut!
Ich muss nun aber endlich wissen, was da war mit Opa und Heinz. Und deshalb sehe ich Opa immer wieder fragend an. Er aber schüttelt, von den anderen unbemerkt, den Kopf.
Ich muss nun natürlich jetzt alles haargenau erzählen, wie und was ich die letzten Stunden erlebt habe. Und auch Dimitri wird ausgequetscht über den Verlauf heute Nachmittag und Abend.
„Ich würde ihn am liebsten auf der Stelle erschießen, diesen Verbrecher!“ meint meine Mutter und alle nicken. Alle? Opa nicht und ich auch nicht!
Und auch Dimitris Vater schließt sich an und spricht vom „Knochen brechen dem Gauner“.
„Ihr urteilt viel zu schnell!“ erkläre ich und alle sehen mich erstaunt an.
„Ich kann euch keine Einzelheiten erzählen, das habe ich versprochen, aber soviel kann ich sagen: Ich kann heute verstehen, wie Heinz zu so einem Menschen geworden ist. Ich kann es nicht akzeptieren, was er getan hat, natürlich nicht, aber er tut mir leid! Und wenn ihr wüsstet, was er als Kind schon mitgemacht hat, könntet ihr mich verstehen. Bevor Heinz erschossen wird oder ihm die Knochen gebrochen werden, gehört ein anderer weggesperrt, für immer!“
Wieder allgemeines Kopfschütteln, nur Opa nickt verständnisvoll. Natürlich wollen sie jetzt alle mehr wissen, aber ich blocke alle Fragen ab. Ich werde es Dimitri erzählen, aber sonst erfährt es keiner. Endlich gibt mir Opa ein Zeichen, mit ihm hinaus auf die Dachterrasse zu gehen. Ich hänge mir noch ein Decke um, ist ja doch sehr kalt da draußen, und warte gespannt auf Opas Erklärung.
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Natürlich haben wir uns alle gewundert, was die beiden, Willi und Nico, draußen zu besprechen haben. Aber keiner hat gefragt. Meine Eltern und auch Yuri und Thomas sind dann eh schon gegangen. Nicos Mutter und seine Oma haben nur noch auf Willi gewartet. Und als der dann nach etwa zehn Minuten wieder herein kommt, verabschieden sie sich auch. Erika hat noch gemahnt, ja keinen in die Wohnung zu lassen und dass keiner alleine aus dem Haus geht. Dieser Heinz könnte doch noch irgendwo auftauchen.
Aber Willi hat wieder nur gesagt: „Der kommt mit Sicherheit nicht mehr!“
Ich habe in der Zwischenzeit das Bad eingelassen und freue mich, endlich mit Nico allein zu sein und mit ihm zusammen die wohlige Wärme des Schaumbades zu genießen.
Aber vor dem Baden kommt ja bekanntlich das Ausziehen. Mir kommt wieder in Erinnerung, dass ich eine lange Unterhose anhabe und ich weiß ja, wie lächerlich Nico so ein Kleidungsstück findet. Aber es hilft ja nichts, muss ich mich halt wieder mal auslachen lassen. Er schaut kurz zu mir her, sieht meinen Liebestöter und – ja er lacht gar nicht! Schon seltsam!
Aber nun weiß ich auch, warum meine Unterhose diesmal für ihn keinen Lacher wert ist, höchstens ein verlegenes Schmunzeln: Er hat ja selber eine an! Den Tag muss ich mir im Kalender anstreichen, Nico in langer Unterhose! Aber dann erinnere ich mich wieder, wo er die letzten Stunden verbringen musste und bin froh, dass er sie angezogen hat, obwohl er ja vorher gar nicht wusste, was auf ihn zukommt.
Nun aber genießen wir das duftende Schaumbad. Ich habe meine Beine gegrätscht und Nico sitzt dazwischen, mit dem Rücken zu mir und drückt sich an mich. Ich spüre, wie meine Lebensgeister zurückkehren. Ein Griff um Nico überzeugt mich, dass auch bei ihm wieder alles funktionstüchtig ist.
Nach dem ausgiebigen Bad legen wir uns eng aneinander gekuschelt auf das Sofa im Wohnzimmer.
„Du musst es mir nicht sagen, aber interessieren würde es mich schon, warum dein Opa so sicher ist, dass Heinz nicht mehr hier auftaucht. Ich habe da schon meine Zweifel!“
„Ja, ich werde es dir erzählen, aber es muss unter uns bleiben. Ich habe es Opa versprochen, dass es außer dir niemand erfährt.
Also – als mir Herr Schmöller das von dem Telefongespräch zwischen dir und Heinz erzählt hat, dass er also jetzt Geld hat und im Ausland ist, da hab ich mir so Gedanken gemacht. Und plötzlich hatte ich einen Verdacht.
Ich habe nämlich heute Mittag in einem Gespräch mit Heinz diesen zur Aufgabe überreden wollen. Hab ihm gesagt, er soll sich stellen. Du musst wissen, das mit dem Toten in der Tiefgarage war Notwehr. Freilich hätte er ein paar Jahre gekriegt, kommt ja doch einiges zusammen, was er sich geleistet hat. Aber ich habe ihm zugesagt, dass wir ihm anschließend helfen würden, wir, das sind wir beide und auch Opa. Wenn du und auch Opa nämlich wissen würdet, wie man Heinz als Kind übelst mitgespielt hat, dann seid ihr einer Meinung mit mir, dass man ihm nämlich noch eine Chance geben muss. Das heißt, Opa weiß es ja inzwischen. Und dir werde ich es hernach auch erzählen. Du musst es mir jetzt einfach mal abnehmen, dass da was ganz Schlimmes passiert ist!
Er hat meinen Vorschlag vom Aufgeben glatt abgelehnt. Hat es dann aber doch auf seine Weise getan!
Er war hier bei Opa in der Wohnung! Ja, so unvorstellbar es auch ist, es ist tatsächlich so gewesen! Während einige Beamte das Gelände draußen beobachteten und sich die anderen auf das Geschehen am Inn konzentrierten, marschiert er seelenruhig hierher in meine Wohnung, wo Opa alleine zurückgeblieben war. Irgendwie muss er durch einen fingierten Telefonanruf von Opas Anwesenheit und Alleinsein erfahren haben. Opa öffnete, weil er einen Polizisten draußen vermutete.
Was nun im Einzelnen hier vorgefallen ist, das hat Opa auch nicht erzählt. Ich nehme aber fest an, dass Heinz Opa, den er ja von früher gut kannte, auch das alles erzählte, was er mir anvertraut hatte. Vielleicht hat auch seine Pistole eine Rolle gespielt, ich weiß es aber nicht. Jedenfalls wird er Opa auch gesagt haben, dass ich ihm versprochen habe, ihm nach dem unvermeidlichen Gefängnisaufenthalt zu helfen. Und vor allem, dass ich erwähnt habe, dass auch Opa ihm seine Hilfe, vor allem auch in finanzieller Hinsicht, nicht versagen würde.
Wie gesagt, ich weiß nicht, wie das alles hier abgelaufen ist. Nur soviel weiß ich, dass Opa ihm Geld gegeben hat, wie viel, das hat er nicht gesagt. Klar, eine Million, wie im Koffer, waren es mit Sicherheit nicht. Sie sind zu Opas Wohnung gefahren, ist ja nicht weit vor hier, und dort kam es dann zur Geldübergabe. Opa hat im Tresor immer eine ganze Menge Bargeld, das weiß Heinz sicher noch von früher. Er war ja ganz oft mit mir dort. Ob Oma auch was davon mitgekriegt hat, weiß ich nicht, vielleicht war sie aber zu dem Zeitpunkt gar nicht zu Hause.
Jedenfalls während du, Dimi, dich zur Millionen-Geldübergabe aufgemacht hast, vollzog sich diese, wenn auch mit einem geringeren Betrag, ganz wo anders!
Ich nehme schon an, dass Opa das alles nicht ganz freiwillig gemacht hat, da hat Heinz sicher auch mit der Pistole nachgeholfen. Und Opa wusste ja zu dem Zeitpunkt auch nichts von meiner bevorstehenden Freilassung. Aber wie gesagt, Opa hat nicht viel verlauten lassen.
Was er noch gesagt hat ist, dass er Heinz das Versprechen abgenommen hat, nie mehr nach Deutschland zurück zu kommen. Und das kann er sich ja auch gar nicht mehr erlauben. Wir nehmen jedenfalls an, dass er mit dem Auto über die Grenze nach Tschechien ist. Er hatte ja sein altes Vehikel hier bei einem Bekannten untergestellt. Natürlich wird er ein anderes Kennzeichen aufgetrieben haben, mit dem er sich dann über die Grenze traute.
Mir ist ganz dunkel in Erinnerung, dass die Familie Müller in der Tschechei irgendwelche entfernte Verwandte haben. Bei denen wird er vorerst untertauchen, bis er neue Papiere und vor allem Flugtickets hat. Zu Opa hat er was gesagt von einem Land in Südamerika, ein Land, das nicht ausliefert. Er will dort einen Neuanfang wagen. Vor allem will er auch nach seinem Vater forschen, so erzählte er Opa. Sein Vater soll sich ja irgendwo dort aufhalten.“
Und dann erzähle ich Dimitri die ganze Leidensgeschichte vom jungen Heinz, so wie ich sie heute Mittag von ihm selbst gehört habe. Dimitri hört aufmerksam zu und kann nur immer wieder entsetzt den Kopf schütteln.
„Kannst du jetzt verstehen, dass er mir leid tut? Und dass ich froh bin, dass ihm Opa geholfen hat? Freilich hat Herr Schmöller durch Opas Worte einen Verdacht geschöpft, aber das gibt sich wieder. Es wissen ja außer Opa nur wir Zwei, was hier vorgefallen ist, und von uns wird keiner was erzählen, das ist doch klar! Ehrlich Dimi, ich bin wirklich froh, dass es so ausgegangen ist. Natürlich wird die Polizei morgen noch Einiges wissen wollen und wird uns die Presse auf die Pelle rücken, aber auch das schaffen wir gemeinsam. Hauptsache gemeinsam!
Aber jetzt noch was anderes: Ich muss dir etwas gestehen, Dimi!“
„Ach ja? Ich dir nämlich auch!“
„Na dann los, sag es schon!“
„Warum ich zuerst, du hast angefangen!“
„Na gut! Ich hab etwas versprochen, als es mir in der Hütte draußen so dreckig ging und ich am Verzweifeln war. Wenn ich heute Abend wieder gesund mit dir beisammen sein kann, will ich zum Dank eine wunderschön verzierte große Kerze über die Wallfahrtsstiege zur Mariahilfkirche hinauf tragen und sie vor der Madonnenstatue aufstellen. Das hab ich versprochen! Aber warum lachst du mich deshalb aus? Mir ist das ernst!“
„Dummerchen, ich lach dich doch nicht aus. Ich muss nur lachen, naja, weil ich genau die selbe Idee hatte. Wir werden also gemeinsam dort hinauf pilgern und die Kerze wird dann halt um einiges größer ausfallen. Ich habs doch auch versprochen, wenn ich dich heute Abend wieder in den Arm nehmen darf!“
„Na und….?“
„Was na und..?“
„Nimmst du mich nun endlich in den Arm?“
***
[HEADING=3]Nico[/HEADING]
Muss man wirklich erst eine Nacht in einem eiskalten, windigen Schuppen in der Nachbarschaft von Spinnen und Mäusen verbringen, um das eigene warme und saubere Bett wieder mehr zu schätzen? Es scheint mir so zu gehen! Nach der vorletzten grausamen Nacht fühlte und fühle ich mich in dieser letzten Nacht als läge ich in einem Himmelbett.
Ich hab wundervoll geschlafen und bin soeben wach geworden. Es ist bereits hell draußen und ich werfe einen Blick auf Dimitri, der neben mir noch süß schlummert. Soll er nur der Gute, hat doch auch gestern diesen schlimmen Tag erleben müssen.
Ich amüsiere mich immer köstlich, wenn ich in Geschichten, die auf gewissen Seiten im Internet abgedruckt sind, lese, wie zwei Freunde am Morgen aufwachen. Da müssen sich die einen erst sortieren, weil sie mit Händen und Füßen total verwurstelt sind. Ein anderer wird wach, weil etwas Schweres auf seine Brust drückt, was sich dann als Kopf des Freundes herausstellt. Wieder ein anderer wird wach, weil er auf dem Arm oder einem Bein des Partners liegt und das am Morgen dann doch als unbequem empfindet. Oder die beiden liegen eng umschlungen, noch genau so, wie sie am Abend eingeschlafen sind. Ich frage mich dann immer, was müssen die Leute für einen Schlaf haben! Direkt zum beneiden! Ich könnte das jedenfalls nicht und auch Dimitri braucht seine Bewegungsfreiheit im Bett.
Deshalb ist es auch kein Problem für mich, ohne den Partner zu wecken, aufzustehen und mich auf den Weg in die Küche zu machen. Dimitri soll ruhig weiterschlafen.
Da ich ja vorgestern meinen Plan vom Einkaufen infolge Kidnapping nicht mehr durchführen konnte, hat sich Mam bereit erklärt, für mich das heute zu erledigen. Es ist wirklich besser so, wenn wir für ein paar Tage nicht aus dem Haus gehen, bis sich der Presserummel etwas gelegt hat.
Wir sind auch gestern nicht mehr ans Telefon gegangen. Immer wieder haben zuvor Presseleute angerufen und wollten ein Interview. Ich hab sie jeweils an die Kripo verwiesen. Würde mich nicht wundern, wenn ich trotzdem in einem Boulevard-Blättchen ein Interview mit mir lesen würde. Die reimen sich dann halt irgend was zusammen, kennt man ja. Wie hat es einer mal formuliert?
„Glaub von dem, was in den Medien gebracht wird die Hälfte und dann zweifle an dieser Hälfte. Dann liegst du richtig!“
Wo sie meinen Namen und Adresse her bekommen haben, möchte ich ja auch gerne wissen. Aber ich denke, die sind uns gestern einfach nachgefahren, was weiß ich.
Inzwischen bin ich auch im Bad fertig und richte den Tisch fürs Frühstück. Auch wenn der Kühlschrank immer noch fast leer ist, Marmelade, Honig und Butter sind immer da, Kaffee, Tee oder Saft natürlich auch. Und die Semmeln aus dem Gefrierfach sind rasch aufgetaut.
So stünde also dem Frühstück nichts entgegen. Ja aber nur, wenn endlich auch der zweite Frühstücker auftaucht.
Und wie aufs Kommando erscheint auch schon ein noch ziemlich müde und verschlafen aussehender Dimitri.
„Na Langschläfer, auch wieder unter den Lebenden?“ begrüße ich ihn mit einem Kuss.
„Warum hast du mich nicht geweckt?“ will er wissen und küsst zurück.
„Du weißt genau, dass ich es nicht übers Herz bringe, dir den Schlaf zu rauben, wenn du so süß schlummerst!“
„Ich schlummere süß? Wer hat dir denn das erzählt?“
„Das braucht mir doch niemand erzählen, hab es schon oft selbst erleben dürfen!“
„Na ja, wenn du meinst!“
Unterm Frühstücken fällt mir wieder ein, dass Dimitri von einem Brief seines Vermieters erzählt hat, am Neujahrstag war das. Aber ich weiß bisher nicht, um was es da ging und so frage ich.
„Durch die ganzen Aufregungen der letzten Tage habe ich selber nicht mehr daran gedacht. Stell dir vor, ich muss aus der Wohnung wieder raus!“ berichtet Dimitri.
Auf mein entsetztes „Aber warum denn?“ antwortet er mir:
„Nicht nur ich muss raus, alle Mieter, das Haus wir komplett renoviert. Ich kann aber dafür in den total gleich gebauten Wohnblock gegenüber einziehen, bekomme dort die identische Wohnung. Dieses Haus ist komplett renoviert worden, vor allem ist die Heizung einschließlich aller Heizkörper neu, was ja schon viel wert ist. Also von der Wohnung her gesehen wäre es eine Verbesserung. Noch dazu hätte ich dann einen schöneren Ausblick auf die Donau. Aber ehrlich gesagt, ich mag doch nicht schon wieder umziehen, war doch so froh, als der ganze Stress damals vorbei war. Aber mir wird nichts anderes übrig bleiben, als in den sauren Apfel zu beißen.!“
„Ich wüsste da eine Möglichkeit, wie du dir das ´in den sauren Apfel beißen´ ersparen könntest. Naja, ein bisschen müsstest du dann wohl auch beißen, aber vielleicht ist dieser Apfel nicht gar so sauer!“
Dimitri sieht mich mit großen Augen fragend an.
„Ich wollte es dir schon zu Weihnachten sagen, aber immer kam was dazwischen: Dimi, möchtest du nicht bei mir einziehen, in meine Wohnung, die dann unsere Wohnung wäre? Schau, die Wohnung ist doch riesengroß, zu groß für mich allein. Und zusammen sind wir doch so die meiste Zeit. Darüber hinaus stehen noch zwei Zimmer völlig leer, wo wir deine Sachen, soweit du willst, unterbringen. Und du hast ein Rückzugsgebiet, wenn ich dich nerve. Pscht, sag jetzt nichts, überlege es dir gut! Es ist ja doch eine ganz gewichtige Entscheidung. Geht ja um mehr als meinetwegen um die Frage, ob ich dir noch ein Honigbrot schmieren soll.!“
„Apropos Honig – du hast da etwas Honig an deinem Mund, soll ich…?“
„Hatten wir das nicht schon einmal? Und weißt du noch, wie lange damals unser Frühstück dann dauerte, weil wir uns gegenseitig die Honigreste wegschleckten und dann…?“
Wir werden jetzt beide etwas rot und müssen schmunzeln.
Nach einer Weile meint Dimitri:
„Zu deinem Angebot Niki, ich brauche da nicht überlegen: Ja, von Herzen gerne will ich hier bei dir wohnen, kann mir nichts Schöneres vorstellen! Und das nicht in erster Linie wegen der wunderschönen Wohnung und der sicherlich für Passau einmaligen Dachterrasse, nein, vor allem, weil ich dann immer in deiner Nähe sein kann. Freilich kennen wir uns erst ein paar Monate. Aber gerade die letzten beiden Tage haben mir gezeigt, wie verloren ich ohne dich bin, dass ich dich brauche wie die Luft zum Atmen!“
„Wem sagst du das, Dimi, ich brauche die doch ebenso! Und ich würde mich glücklich schätzen, wenn wir dann immer beisammen wären.
Übrigens, bis wann musst du raus aus der jetzigen Wohnung?“
„Zum ersten März schon!“
„Na dann würde ich sagen, packen wir es bald an. Wenn wir zusammen helfen, mit Yuri und Thomas, mit deinen Eltern und meiner Mutter, haben wir deinen Umzug an einem Tag geschafft, ganz bestimmt schaffen wir das!“
„Naja, viel Zeug habe ich ja ohnehin nicht, dann ist das sicher bald geschehen. Übrigens da fällt mir ein, dass Thomas seit einiger Zeit eine eigene Wohnung sucht. Er ist ja immer noch bei seinen Eltern.“
„Fragen wir ihn mal. Dann hätten die beiden, Yuri und Thomas endlich ihr ungestörtes Liebesnest! Yuri wäre überglücklich, meine ich!“
Wir unterhalten uns noch lange und schmieden Pläne zum Umzug und Einrichten der gemeinsamen Wohnung.
Ich erzähle Dimitri dann auch, dass ich schon seit längerem den Wunsch nach einer eigenen Sauna hätte. Dazu wäre der Raum neben dem Bad doch ideal. Er ist mehr oder weniger bisher ein Abstellraum. Der Boden ist gefliest und es ist sogar Wasseranschluss für eine eventuelle Dusche vorhanden. Ich erzähle ihm aber auch, dass mir das Ganze im Moment zu teuer ist und ich Opas Freigebigkeit nicht überstrapazieren möchte. Hat ja eh schon viel zu viel für mich getan.
Wir schmieden weiter Pläne, bis Mam auftaucht und sich erkundigt, was sie für uns einkaufen soll. Sie erzählt auch, dass immer noch oder schon wieder Reporter und Fotografen an der Haustüre unten stehen. Das waren sicher auch die, die schon ein paarmal geläutet haben, aber wir machen keinem auf. Zum Glück hat Mam ja einen eigenen Schlüssel. Jedenfalls ist es im Moment besser für uns, wenn wir im Haus bleiben. Herr Schmöller hat bei Mam angerufen, da er uns nicht erreichen konnte, wir gingen ja gestern nicht mehr ans Telefon. Jedenfalls kommen heute Nachmittag Beamte von ihm vorbei, es sind ja noch Protokolle zu fertigen. Sie rufen aber an, sobald sie vorm Haus sind, damit wir sie reinlassen können.
***
Inzwischen sind zwei Wochen seit der Entführung vergangen. Die Presseleute haben uns tatsächlich in Ruhe gelassen. Wir können uns nun auch wieder ungestört zu Fuß in der Stadt bewegen. Ja, die Zeitungsfritzen haben wohl interessantere Themen gefunden, so hat der Prozess gegen die beiden Mörder der Passauer Studentin begonnen, über den sie ausführlich berichten, und natürlich über den Wahlkampf, der in seine heiße Phase tritt. Der Stadtrat und der Oberbürgermeister werden ja im März neu gewählt.
Nachdem ich die erste Nacht nach meiner Befreiung so himmlisch geschlafen habe, ich fühlte mich ja auch wie in einem Himmelbett, ging es dann die nächsten Nächte nicht immer so gut. Ich hatte manchmal schlimme Albträume, schreckte dann schweißgebadet auf und konnte lange nicht mehr einschlafen. Spätfolgen der Entführung, meinte mein Arzt.
Dimitri beruhigt mich dann, nimmt mich in den Arm und es geht mir wieder gut. Aber es ist jetzt eh schon viel besser geworden, diese Albträume kommen nur noch gelegentlich und werden sicher bald ganz vorbei sein.
Mein Arzt hat sich eh gewundert, dass ich von der ganzen Geschichte nicht mehr abbekommen habe. Manche derartigen Opfer sind anschließend monatelang traumatisiert, können nicht mehr alleine sein und sind für lange Zeit arbeitsunfähig. Was da bei mir eine große Rolle spielte war eben, dass ich meinen Entführer kannte, ja mit ihm befreundet war und ich somit das Ganze nicht gar so dramatisch empfand wie viele andere in ähnlicher Situation. Freilich schlimm war es für mich auch und nicht nur der Spinnen wegen.
Gestern haben wir nun endlich unsere große Kerze bekommen. Hat ziemlich lange gedauert, schließlich haben wir nun bereits Ende Januar. Die Kerze ist einen Meter hoch, hat einen Durchmesser von fünfzehn Zentimeter und ist mit wunderschönen Verzierungen versehen. Ein „Danke – von Nico und Dimitri“ haben wir in kunstvoll verzierter Schrift anbringen lassen.
So haben wir uns dann auch gleich aufgemacht und sind die mehr als dreihundert Stufen der Wallfahrtsstiege mit der schweren Kerze hinaufgestiegen. Mit dem Tragen haben wir uns abgewechselt, trotzdem kamen wir ganz schön ins Schwitzen, bis wir endlich oben in der Kirche waren. Die Kerze hat schon ihr Gewicht. Pater Kilian, den wir ja schon in der Silvesternacht kennen lernten, hat uns einen Platz angewiesen, wo wir die Kerze aufstellen konnten. Er hat sich übrigens gefreut, uns wieder zu sehen und sich ausführlich die ganze Entführungsgeschichte erzählen lassen.
Inzwischen haben wir auch schon den Umzug von Dimitri zu mir erledigt. Ging tatsächlich alles an einem Tag. Aber eben nur, weil alle mit anpackten. Zwar hat Dimitri nun weiter zu seiner Arbeit, ist jetzt aufs Auto angewiesen, aber wir haben eine gemeinsame Wohnung. Dimitri spricht inzwischen auch bereits von unserer Wohnung, was mich ungemein freut.
Thomas hat tatsächlich die Wohnung genommen, die Dimitri ab März hätte beziehen sollen, also in dem Wohnblock gegenüber der alten Wohnung. Natürlich haben wir auch bei diesem Umzug und der Einrichterei alle mitgeholfen.
Gestern habe ich Dimitri von meinem Studienkollegen, dem Conny erzählt. Konrad heißt er, aber alle sagen nur Conny. Ich kenne ihn schon vom Gymnasium her, haben im letzten Jahr das Abitur zusammen gemacht. Ich mag ihn, weil er ein sehr offenes Wesen hat, gerne lacht und ein Optimist ersten Ranges ist. Wir waren zwar schon in der Schule beisammen und sind es jetzt auf der Uni, aber in privater Hinsicht haben wir eigentlich bisher kaum was zusammen unternommen. Ich war lediglich einmal anlässlich einer Party bei ihm. Jedenfalls habe ich Dimitri erzählt, dass mich Conny zu seiner Geburtstagsfeier nächste Woche eingeladen hat. Ich würde gerne mit ihm zusammen dort hin gehen. Ich weiß gar nicht, warum er darauf so komisch reagierte. Ja, er wurde richtig sauer, wie ich es von ihm bisher nicht gewohnt bin. Ich rede angeblich dauernd von diesem Conny, hat er gemeint. Ist doch gar nicht wahr!
Na gut, es entstand kein Streit deshalb, wir haben das Thema Conny einfach ausgelassen. Aber wissen möchte ich doch, was ihn da so gereizt hat. Ich hab doch nichts…Meine Güte, der wird doch nicht…! Natürlich, das ist es:
Dimitri ist eifersüchtig!
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Conny, Conny, nichts als Conny höre ich die ganze Zeit von Nico. Was für ein toller Kerl er doch sei, was er alles kann, wie gut er aussieht, wie schick er gekleidet ist, wie gerne er lacht…blablabla…Da soll man nicht sauer werden, wenn einem dauernd dieser Superboy vorgeführt wird. Na gut, dauernd ist übertrieben, genauer gesagt hat Nico erst zweimal von ihm erzählt. Aber gestern Abend ist mir das Ganze etwas sauer aufgestoßen, weil Nico nun auch noch zu seiner Geburtstagsfeier will und ich mitkommen soll zu diesem Blödmann. Kenn den Affen doch gar nicht!
Naja, es war nicht nur diese Geschichte, der ganze Tag gestern war einer von der Art, wo man am besten in der Früh gar nicht aufgestanden wäre. Der erste Ärger in der Werkstatt mit einem blöden alten Karren und einem noch blö…äh.. uneinsichtigen Kunden, dann eine Meinungsverschiedenheit mit dem Meister. Auf der Heimfahrt dann waren lauter Rindviecher unterwegs, zweibeinige wohlgemerkt. Einer hat mir doch glatt die Vorfahrt genommen, konnte gerade noch scharf bremsen, sonst hätte es gescheppert. Dann kurbelt dieser Idiot das Fenster herunter und beschimpft mich. Erst als ich mit der Polizei und einer Anzeige drohte, da suchte er schleunigst das Weite. Zum guten, besser gesagt schlechten Schluss war dann auch noch mein Stellplatz in der Tiefgarage, den wir inzwischen bekommen haben, von einem fremden Fahrzeug belegt. Da soll einem nicht der Hut hochgehen!
Und dann kommt Nico und schwärmt von diesem Conny! Und er fragt mich dann auch noch, ob ich etwa eifersüchtig wäre. Bah, ich und eifersüchtig auf diesen Lackaffen, in meinem Leben nicht! Andererseits frage ich mich schon, warum reagiere ich so gereizt, wenn nur der Name Conny fällt? Überhaupt „Conny“, was ist das für ein Name? Kommt von Konrad, hat Nico gesagt. Na, toller Name! Gibt es da nicht so ein Verslein von Wilhelm Busch mit diesem „Konrad sprach die Frau Mama, ich geh aus und…“
Ach das fällt mir auch was ein, mal sehen, ob ich das so hinkriege, also ganz ganz frei nach dem Busch Willi:
„Konrad, spricht der Dimitri, meinen Nico kriegst du nie!“
Ha, das reimt sich sogar, gut!
„Fasst du ihn noch einmal an, warte nur, dann biste dran!“
Na wer sagts denn, geht doch!
„Schneide ab dir deine …., werf sie in den nächsten Weiher!“
Ha, dem hab ich es aber gegeben! Wollen wir mal sehen, ob er hernach dann auch noch das Strahlemännchen ist!
Wir haben das Thema Conny an diesem Abend dann ausgespart. Wäre ja noch das Schönste, wenn uns dieser Herr den gemeinsamen Abend zerstören würde. Obwohl- so ganz bringe ich die Frage nicht weg, warum ich auf diesen Menschen so allergisch reagiere. Bin ich am Ende doch…?
Vorerst aber werde ich in meinen Gedanken unterbrochen, da Yuri und Thomas gekommen sind, jede Menge Tüten in den Händen. Es ist ja heute Rosenmontag und so wollen die Zwei in einen Maskenball gehen. Sie haben sich zum Umziehen ins Fremdenzimmer verzogen, wo sie ja nach dem Ball auch übernachten werden. Da die Veranstaltung hier in nächster Nähe ist, können sie bequem zu Fuß hingehen und später dann hierher zurückkehren. Sie haben es uns bisher nicht verraten, als was sie sich verkleiden werden. Auch haben sie Nico und mich schon vor Tagen überreden wollen, mitzukommen. Aber wir beide sind nun mal regelrechte Faschingsmuffel, keine Chance, uns mitzubekommen.
Man muss aber auch sagen, dass der Fasching, wie er ja in Bayern heißt, hier beileibe nicht den Stellenwert hat wie etwa im Rheinland der Karneval oder auch der Fasching in Franken. Er beschränkt sich hier fast überhaupt nur auf die Säle, eben mit Bällen. Straßenfasching gibt es höchstens noch in kleineren Orten, dann eben mit Umzügen.
Maskenbälle, dann noch mit Prämierung sind auch selten geworden. Aber heute ist ein solcher hier in der Nähe und Yuri und Thomas sind gerade beim Umziehen. Natürlich sind wir beide gespannt, was für Faschingsgestalten dann hernach vor uns stehen werden. Das mit der Osterüberraschung, das Yuri neulich als Maske für Thomas vorgeschlagen hat oder das mit dem Zappel-Yuri, das wird wohl nichts werden. War ja auch nicht ernst gemeint. Aber was dann?
Die Tür geht auf und vor uns stehen…ja klar, es sind Yuri und Thomas, aber was stellen sie dar? Es scheinen mittelalterliche Adelskostüme zu sein, ein Prinz vielleicht und eine adelige Dame? Moment – Mittelalter, Adelige, Mädchen und Junge – natürlich, Romeo und Julia! Thomas und Yuri als Romeo und Julia, ist das nicht himmlisch? Jetzt können wir auch verstehen, warum das so lange dauerte, sie haben sich auch sehr viel Mühe mit den Kostümen und dem Schminken gegeben. Vor allem die hübsche Julia sieht hinreißend aus, aber auch der fesche Romeo ist das Hinsehen wert.
„Sag mal Romeo, ist deine Hose nicht sehr gewagt, so gehst du unter die Leute?“ fragt ein schmunzelnder Nico.
In der Tat ist da schon ein große Ausbuchtung vorne zu sehen.
„Mein lieber Nico, das ist originalgetreu, so zeigten sich die adeligen Herren von damals, da kann ich nichts dafür!“ meint Romeo alias Thomas.
„Und du liebliche Julia, ist dein Ausschnitt nicht sehr gewagt?“ frotzle ich und greife zum Schein an die benannte Stelle.
„Wüstling, unterstehe er sich!“ empört sich gespielt die liebliche Julia, alias Yuri und meint:
„Aber wisst ihr, was das Beste an diesen Kostümen ist? Wir können auf dem Ball nach Herzenslust miteinander tanzen, uns umarmen, schmusen und busseln, ohne dass es einen stören wird. Schließlich verlangt man das doch von so einem historischen Liebespaar!“
„Da hat sie recht, sie geht wirklich als liebliche Julia durch. Pass blos auf Romeo, dass dir nicht einer der Herren auf dem Ball dein Edelfräulein abspenstig macht!“ empfiehlt ein sich vor Lachen schüttelnder Nico.
Schließlich verabschieden sich die beiden und wir wünschen ihnen viel Spaß, den sie aber sicher haben werden.
Ja, der Fasching ist vorbei, manche bedauern dies, für Nico und mich ist das aber völlig egal. Romeo und Julia haben auf dem Ball für großes Aufsehen gesorgt und tatsächlich den ersten Preis bei der Prämierung erhalten. Und was ist der erste Preis? Ein Reisegutschein über immerhin fünfhundert Euro von einem Reisebüro. Das war es auf alle Fälle wert, denn nun ist der Grundstock für eine Urlaubsfahrt heuer im Sommer für die beiden gelegt.
Aschermittwoch ist also heute und das ist immer der Tag im Jahr, wo in der ganzen Stadt kaum ein Durchkommen ist, wo die Presse- und Fernsehleute aus ganz Deutschland und darüber hinaus hierher kommen. „Politischer Aschermittwoch“ heißt das magische Wort, das alle anzieht. Die politischen Parteien schicken ihre Spitzenleute zu den verschiedenen Kundgebungen in der Dreiflüssestadt oder in Städten der Umgebung, weil hier gar nicht alle Platz hätten.
Nico und ich reden selten über Politik. Wie sagte Nico mal?
„Alle Parteien sind ein Übel, wählen kannst du immer nur das kleinste Übel!“
Hat er da nicht recht?
Ich sitze allein zu Hause und fühle mich hundeelend. Nicht nur, weil mir Nico fehlt, sondern auch, weil ich mich für mein Verhalten ohrfeigen könnte. Wir haben das Thema Conny bis gestern ausgeklammert. Da hat dann Nico gesagt, dass morgen die Geburtstagsfeier von Conny sei und dieser uns beide nochmals eingeladen hat. Nico will auf alle Fälle hingehen. „Auf alle Fälle“ hat er gesagt und das hat mich so geärgert, dass ich sagte „dann geh doch!“
Entgegen unserer Abmachung, nie ohne vorherige Versöhnung ins Bett zu gehen, taten wir es dann doch. Kein Wort mehr im Bett, kein Wort am nächsten Morgen. Als ich dann heute Abend von der Arbeit kam, da war Nico nicht da. Ich weiß nicht, ob er schon zur Feier ist, oder noch wo anders. Er ist jedenfalls bisher nicht aufgetaucht. So sitze ich also alleine rum und ärgere mich über mein kindisches Verhalten. Was wäre denn daran so schlimm gewesen, mitzukommen? Wir hätten ja nicht lange bleiben müssen. Aber warum muss er auch sagen, er geht da „auf alle Fälle“ hin? Das heißt doch, ganz egal, ob ich mitkomme oder nicht! Und das ärgert mich.
Ist dieser Conny mehr wert als ich und unsere Freundschaft?
Ach, was rede ich mir da ein, Nico liebt mich und würde nie mit einem anderen etwas anfangen! Ich vertraue ihm doch! Also dann benimm dich auch entsprechend, sagt meine innere Stimme. Und das nächste mal gehe ich mit, ganz bestimmt!
Jetzt ist morgen auch noch Valentinstag, der Tag der Liebenden. Ironie des Schicksals, dass wir ausgerechnet einen Tag zuvor unsere erste ernsthafte Auseinandersetzung haben. Das heißt, wir setzen uns ja gar nicht auseinander, im Gegenteil, wir schweigen uns an!
Ich habe in einem Blumengeschäft in der Stadt einen Strauß Rosen bestellt, den ich morgen nach der Arbeit abholen werde. Dazu habe ich mir noch was ausgedacht, was aber noch ein bisschen dauern und Nico auch noch nicht verraten wird.
Nico will ja gerne eine Sauna einbauen lassen, den Plan hat er aber vorerst aus finanziellen Gründen fallen lassen. Ich weiß, dass er nächste Woche für ein paar Tage auf einer Studienfahrt ist, das ist die Gelegenheit. Ich habe mit meinem Vater und Thomas schon vereinbart, dass wir dann die Sauna aufbauen werden. Zum Glück weiß ich, was Nico für eine Sauna vorschwebt und ich hab sie auch schon bestellt. Nächste Woche wird sie geliefert, eben dann, wenn Nico nicht da ist. Auch einen Elektriker haben wir schon zur Hand, der dann die entsprechenden Anschlüsse verlegt.
Nico wird vielleicht Augen machen, wenn er zurückkommt und eine nagelneue Sauna in seiner Wohnung hat! Soll eben meine Valentinsüberraschung sein! Und ein kleiner Beitrag meinerseits, als Dank, dass ich bei ihm sein darf. Durch den guten Verdienst in letzter Zeit war es mir doch möglich, etwas Anzusparen, für die Sauna reicht es jedenfalls.
Ja wenn wir nur diesen Streit, der ja eigentlich gar keiner ist, schon beigelegt hätten. Einen ganzen Tag ohne ein Wort zwischen uns, ohne seine unmittelbare Nähe, ohne seine Zuneigung, ohne Kuss! Ich fühle mich hundeelend und bin noch selber daran schuld! Ob es ihm ähnlich geht?
***
[HEADING=3]Nico[/HEADING]
Warum muss Dimitri auch so stur sein und nicht zur Geburtstagsfeier mitkommen! Jetzt sitze ich hier unter jeder Menge Leute, die ich nur zum Teil von der Uni her kenne. Ich langweile mich, gleichzeitig könnte ich heulen, weil ich genau so ein Sturschädel bin wie er. Warum habe ich Dimitri zu Liebe nicht auf diesen Abend verzichtet? Wie schön könnten wir es jetzt zu Hause haben, nebeneinander auf der Couch oder eng umschlungen im Bett! Aber nein, ich musste ja auf alle Fälle her kommen, musste meinen Willen durchsetzen! Aber so funktioniert nun mal eine Partnerschaft nicht, hätte mir klar sein müssen!
Nun kann ich mir das Geschwafel rundum anhören und immer wieder höflich lächeln, wenn mich jemand ansieht. Das Stück von der Riesengeburtstagstorte war noch das Beste vom ganzen Abend bisher, aber auch da habe ich schon Besseres gehabt.
Überhaupt, ich hau jetzt ab, fahre heim zu meinem Dimi, rede endlich wieder mit ihm und der Abend ist gerettet! Noch dazu wo ja morgen unser erster gemeinsamer Valentinstag ist! Rosen habe ich schon bestellt, brauche sie morgen nur noch abholen. Dazu kriegt Dimitri aber noch was, nämlich eine Urlaubsreise im Sommer, eben einen Gutschein für eine solche. Über das Ziel werden wir uns sicher rasch einigen. Ich glaube schon, dass er sich freuen wird.
Es ist dann doch schon nach zehn Uhr, als ich in der Wohnung bin. Dimitri liegt bereits im Bett und schläft. Er wird nicht mal wach, als ich aus Versehen Licht mache. Leider wird es damit auch heute nichts mehr mit Reden, denn ihn dazu aufwecken, nein, das bringe ich nicht fertig. Na dann eben gleich morgen, bevor er zur Arbeit fährt!
Nein, es ist leider auch heute Morgen nichts geworden! Dimitri muss sehr leise aufgestanden sein, ich hab jedenfalls nichts gehört. Und als ich dann später in die Küche kam, war er bereits verschwunden. Hat er heute mit Absicht eher angefangen, um mir auszuweichen? Verdenken könnte ich es ihm ja wirklich nicht! Ob er heute an den Valentinstag denkt, trotz allem?
Lustlos schenke ich mir Kaffee ein. Alleine frühstücken ist einfach nur traurig! Höchste Zeit, dass dieser üble Zustand beseitigt wird!
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Ich habe heute eher angefangen, weil ich ja vorhabe, schon um drei am Nachmittag aufzuhören. Dann kann ich noch in Ruhe die Rosen abholen und zu Hause etwas zu Essen herrichten, bevor Nico heimkommt. Soviel ich weiß, hat er ja heute bis vier Uhr Vorlesung. Und ich hoffe wirklich, es ist dann wieder alles gut zwischen uns. Den der derzeitige Zustand ist nicht zum Aushalten! Das ist überhaupt kein Zustand mehr, das ist reinste Folter! Und schuld bin ich selbst mit meinem Sturkopf und – naja, ich gebs ja zu, meiner Eifersucht, grundlosen Eifersucht.
Aber heute ist genau der richtige Tag, wo ich ihm sagen werde, wie sehr ich ihn brauche, wie lieb ich ihn hab! Und dass ich Vertrauen zu ihm habe! Jawohl, das sage ich! Und dazu überreiche ich die Rosen, einen ganzen Strauß.
Zum Abholen desselben stehe ich nun im Blumengeschäft mitten in der Stadt, wo heute natürlich Hochbetrieb herrscht. Muttertag und eben der Valentinstag – zwei der Hauptumsatztage eines jeden Blumenladens! Aber es ist ja ein großer Laden und es sind auch heute mehrere Verkäuferinnen beschäftigt. Außerdem habe ich meinen Strauß ja vorbestellt, also dürfte es nicht so lange dauern, nehme ich jedenfalls mal an.
Ich sehe mich etwas im Laden um. Nur zwei oder drei Damen warten auf Bedienung, meist sind es heute eben die Herren, ältere aber auch jüngere Jahrgänge, die alle ihrer Liebsten Blumen schenken wollen. Oder ist doch auch einer unter ihnen, der an seinen Liebsten denkt? So wie ich zum Beispiel, oder wie…Nein, das gibt es doch gar nicht…Aber wirklich, er ist es! Der junge Herr, schräg vor mir, der gerade einen großen, eingewickelten Strauß überreicht bekommt und ihn nun bezahlt, der denkt mit Sicherheit nicht an seine, sondern an seinen…! Jawohl es ist Nico!
Und als er sich nun umdreht und zurück zum Ausgang gehen will, da entdeckt er mich, bleibt stehen, sieht mich erstaunt an, sein Gesicht nimmt leicht Farbe an und dann lächelt er mich an! O, wie habe ich diese Lächeln die letzten Tage vermisst! Ich glaube, ich habe auch eine leichte Rotfärbung im Gesicht und lächle zurück. So lächeln wir uns eine Zeitlang an und ich überhöre glatt, dass mich die Verkäuferin schon angesprochen hat, ich bin nämlich schon dran. Erst als mir Nico mit einem Wink andeutet, dass er draußen wartet, wende ich mich zu meiner Blumenlady.
Mit meinem Rosenstrauß trete ich aus dem Laden und schaue nach Nico. Sehe ihn aber nirgends. Etwas verwundert gehe ich um die Ecke zu meinem Auto und sehe Nico darinnen sitzen. Wie geht das denn?
„Lässt du dein Auto immer offen, wenn du einkaufst?“ fragt er als ich einsteige.
Hab ich doch glatt das Zusperren vergessen! Naja, wenn man in der Arbeit zigmal am Tag von den verschiedensten Autos ein- und aussteigt, da vergisst man das schon mal. Ich lege meinen Strauß zu dem anderen auf der Rückbank und nehme Nicos Hände und drücke sie fest.
„Tut mir leid, dass ich…“ beginne ich stotternd.
„Nein, mir tut es leid, dass ich…“ erwidert er nicht weniger zaudernd.
Wir sehen uns an und können uns ein Grinsen nicht verkneifen.
„Also uns beiden tut es leid! Können wir es so sagen?“ meint Nico und ich kann nur zustimmend nicken.
Wir fallen uns in die Arme, soweit das im engen Auto möglich ist, und geben uns endlich den erlösenden Versöhnungskuss. So schlimm auch so eine Auseinandersetzung, oder ein Streit oder ein Nichtmehrmiteinanderreden sind, so wunderschön ist doch die Versöhnung hinterher! Da soll es doch Leute geben, die streiten ab und zu, weil sie es so schön finden, sich hinterher wieder zu versöhnen. Na, ich weiß nicht!
Ich erfahre nun auch, dass Nico die letzte Vorlesung hat sausen lassen, um ja vor mir zu Hause zu sein. Und dabei habe ich auch meine letzte Stunde „sausen“ lassen. Mit dem selben Hintergedanken.
So richten wir halt zusammen etwas zum Essen her, geht ja auch viel schneller gemeinsam.
Schließlich packen wir unsere Blumensträuße aus und hervor kommen zwei fast identische Sträuße wunderschöner roter Rosen, die wir einander lächelnd überreichen. Nico hat in den Strauß, der er mir gibt, noch rasch ein Kärtlein gesteckt, das ich nun heraus ziehe und lese:
„Diese Rosen verlangen sehnsüchtig danach, zu dir zu kommen!
Aber nicht du sollst mit den Rosen dich schmücken, sondern die Rosen sich mit dir!
In Liebe – dein Niki!“
Ich bin zu tiefst gerührt und auch beschämt, weil ich es nur mit einfachen Worten sagen kann, die aber auch von Herzen kommen:
Niki, ich hab dich lieb!“
Später erfahre ich dann, dass dieser Vers nicht von Nico selbst stammt, sondern von einem gewissen Philostratos, der sie seinem Geliebten sandte, im alten Griechenland eben, wo die Männer- und Jünglingsliebe so hoch im Kurs stand.
Ich erhalte auch einen Gutschein für eine Urlaubsreise, über die ich mich natürlich auch riesig freue. Wird dann Zeit, dass wir hierzu Pläne schmieden.
Ich erzähle Nico, dass ich auch noch eine Überraschung habe, aber dazu muss er noch ein paar Tage warten. Er will natürlich Näheres aus mir rauskitzeln, aber ich bleibe standhaft, sonst wäre es ja keine Überraschung mehr.
Nach dem guten, weil gemeinsamen, Essen und einem ausführlichen Gespräch über Conny, über Eifersucht und Vertrauen und unsere Liebe, gehen wir noch ein wenig spazieren durch das nächtliche Passau. Es ist ganz angenehm draußen, obwohl wir ja noch Winter haben, ist ja erst Mitte Februar. Aber dieser Winter ist ja, wie schon sein Vorgänger, keiner bisher.
Wir gehen am Inn entlang, durch die Brücke durch und marschieren dann den Weg entlang, den ich vor noch nicht langer Zeit mit dem Koffer gehen musste. An der bewussten Bank, auf der ich damals so lange ausharren musste, bleiben wir stehen. Es ist ja auch die Bank, wo wir uns im Oktober letzten Jahres zum ersten mal trafen und wo es, zumindest bei mir, funkte. Wir setzen uns auf die Bank, rücken ganz nahe zusammen und dann frage ich Nico:
„Hab ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe, Niki?“
„Hast du, ja, aber sag es ruhig noch ein paarmal, das kann ich nicht oft genug hören. Weil ich dich doch auch von ganzen Herzen liebe, Dimi, mein Dimi!“
***
[HEADING=3]Nico[/HEADING]
Das war vielleicht eine riesengroße Überraschung, als ich von der Studienreise zurück kam und mich Dimitri in die Sauna einlud. Erst hab ich ihn fragend angesehen, er aber hat nur meine Hand genommen und mich in die bisherige Rumpelkammer geführt, wo die fertige und bereits eingeschaltete Sauna stand. Noch dazu genau die, die ich haben wollte. Da mir von draußen eh saukalt war, taten mir die Saunagänge mehr als gut. Ja, diese Überraschung war Dimitri wirklich gelungen.
Bezüglich unserer Urlaubsreise haben wir uns auf Gran Canaria geeinigt, wo wir für August, zwei Wochen gebucht haben. Und das Tollste dabei ist, dass auch Yuri und Thomas mitkommen werden. Ich freue mich schon heute darauf, Yuri im Meer rumzappeln zu sehen. Auf alle Fälle wird das ein Heidenspaß und wir können es alle Vier kaum erwarten!
Nur noch wenige Tage trennen uns von Ostern. Yuri und Thomas sind wieder mal zu Besuch bei uns. Wir haben eben Kaffee getrunken und dazu den von Dimitri und mir gebackenen Nusskranz gegessen.
Wir haben jede Menge Eier gekocht und wollen sie hernach gemeinsam bemalen. Ich habe den anderen auch erzählt, dass es hier der Brauch ist, zu Ostern seiner Liebsten oder eben seinem Liebsten, das schönste rote Ei zu schenken. Den Brauch kannten sie alle nicht.
Bevor wir noch mit dem Malen anfangen, hüpft Yuri mal wieder in der im eigenen Art rum und bettelt Thomas darum, Eier bemalen zu dürfen. Verwundert schaut ihn dieser an.
„Na klar, Yurilein, du darfst Eier bemalen, warum nicht!“
„Echt? Ich darf wirklich?“
„Was fragst du denn, natürlich darfst du!“
„O fein! Gut, dann zieh dich mal aus!“ meint Yuri zu Thomas.
Dieser hat wohl selten dämlicher aus der Wäsche geguckt, wie in diesem Augenblick.
„Wieso soll ich mich ausziehen?“ fragt er deshalb und auch wir, Dimitri und ich, sehen etwas erstaunt drein, was wird Yuri jetzt im Sinn haben?
„Na weil ich die Eier anmalen darf, hast du selber gesagt!“ erklärt ein ganz und gar cooler Yuri.
Jetzt geht uns allmählich ein Licht auf, welche Eier Yuri anmalen möchte, dieser Schelm!
„Du hast gefragt, ob du Eier, ganz allgemein, anmalen darfst, aber nie war von den meinen die Rede, nie und nimmer!“ erwidert der nun doch etwas verwirrte Thomas.
„Aber ich hatte doch nur die zwei bestimmten im Sinn und du hast es erlaubt! Ich hab Zeugen dafür, ist es nicht so?“
Also wir können nur zustimmend nicken.
„Ach ihr spinnt ja wohl alle! Ich muss am Samstag Fußball spielen, was meint ihr was da los ist, wenn ich mit bemalten Eiern antanze. Ich bin das Gespött der Mannschaft!“
„Du musst doch nicht allen deine Eier zeigen, oder?“ frage ich und kann dabei ein Lächeln nicht verstecken.
„Gipskopf! Ich kann doch wohl kaum nach dem Spiel in Badehose duschen, oder?“ erklärt Thomas.
„Aber Schatzi, bis Samstag ist die Farbe doch längst weg, und wenn ich sie dir ablecken müsste!“ meint ein hinterhältig grinsender Yuri.
„Bestimmt ist die da längst weg!“ pflichte ich Yuri bei.
„Jetzt komm Thomilein, sei kein Spielverderber, du hast es ihm erlaubt“, glaubt nun auch Dimitri seinen Senf zugeben zu müssen.
„Warum ausgerechnet ich, warum sollen meine…?“ fragt Thomas.
„Weil du….“ will Dimitri ansetzen, doch Yuri quatscht dazwischen:
„Weil du von uns allen die schönsten und größten und rasierten hast, darum!“
„Thomas, brauchst jetzt nicht rot werden, Yuri hat doch recht“ meint Dimitri.
„Ach komm mein Schatzilein, mein Bärchen, mein Mäuseschwänzchen, meine Zuckerschnute, jetzt sei doch nicht so!“ zappelt Yuri vor seinem Thomas rum und setzt sich dann auf seinen Schoss.
„Also solche Kosenamen will ich in Zukunft auch von dir hören, Dimi! Oder wann hast du mich schon mal so lieb ´Mäuseschwänzchen´ genannt, hm?“ frage ich ihn lachend.
Der antwortet: „Weil du keinen so kleinen …, ach lassen wir das. Jetzt komm Thomas, zier dich nicht mehr lange. Du kannst doch deinem Yurilein nicht diese kleine Bitte abschlagen. Zu Kindern darf man doch nie nein sagen, das stört doch deren gesunde Entwicklung! Ja, schaut nicht so, hat diese schlaue Tante, das Supernännchen im Fernsehen neulich gesagt!“
„Die spinnt doch das Weib! Aber na gut, ich mach es, aber ihr andern da, ihr seht dabei weg. Ich mach mich doch nicht für euch zum Kasperl!“ sagt Thomas.
Und Yuri winselt: „Aber das ist doch nur der halbe Spaß, wenn keiner zuguckt. Jetzt stell dich nicht so an, bist doch sonst auch nicht so gschamig!“
Da gibt sich Thomas geschlagen und zieht die Hosen aus. Yuri taucht voller Freude einen Pinsel in die Farben und malt zuerst das linke Ei rot an, dann das rechte, nein, nicht auch rot, er nimmt nun die blaue Farbe. „Ist wegen dem Kontrast“ meint ein kluger Yuri.
Wir sehen uns an und müssen uns sehr beherrschen, um nicht laut zu lachen. Am Ende macht Thomas dann noch einen Rückzieher. Aber als wir dann die fertig bemalten Eier sehen, da können wir nicht anders, wir müssen laut loslachen, zu ulkig sieht das aber auch aus. Yuri strahlt über das ganze Gesicht über sein gelungenes Meisterwerk. Nur Thomas, der weiß noch nicht so recht, ob er lieber mitlachen oder doch eher schimpfen soll.
„Und ihr seid sicher, die Farbe geht leicht runter?“ fragt er uns.
„Aber klar doch!“ meint Dimitri.
Und ich bin mir fast sicher, er ist davon ebenso wenig überzeugt, wie ich. Ich hatte an den Fingern mal ein paar Tage Ostereierfarbe vom Bemalen dran. Und dabei kann man die Hände richtig schön abbürsten. Versuch das mal mit dem nun bemalten Körperteil von Thomas!
Dieser ist nun jedenfalls voll überzeugt und präsentiert uns voller Stolz das Kunstwerk seines Freundes.
„Jetzt noch die unteren Haare da grün einfärben und fertig ist das Osternest!“ behaupte ich mal so ganz ungefragt.
„Ja freilich, und den Schniedel dann gelb anmalen, dann hab ich die ganze Farbpalette an mir“, ereifert sich Thomas.
„Ach ja, darf ich? Bittebittebitte!“ bettelt ein übereifriger Yuri lächelnd und greift schon zum Pinsel.
„Untersteh dich, jetzt reichts!“ Und schon zieht Thomas seine Hosen wieder an.
Ich hoffe ja nur, die Farben sind schon trocken, sonst bekommt auch seine blütenweiße Unterhose etwas von den Ostereiern ab.
Wir machen uns aber nun ans Färben der eigentlich dafür vorgesehenen Eier. Vor allem bei den roten geben wir uns alle Mühe.
Wir sind soeben von der Ostermesse im Dom zurückgekommen. Es ist Ostersonntag und ich bekomme mein Ostergeschenk von Dimitri, einen großen Schokohasen und natürlich das rote Ei. Ich will mich revanchieren, mache es ihm mit meinem Geschenk nicht ganz so einfach. Ostereier und Osterhasen wollen gesucht werden! Also habe ich meine Sachen versteckt. Und Dimitri sucht und sucht und findet nichts. Ich hab dann aber Mitleid mit dem armen Suchenden und gebe ihm mit „heiß“ oder „kalt“ Hinweise auf das Versteck. Jedenfalls hat er jetzt schon mal die Küche als Versteck ausgemacht, denn von da geht es am Wärmsten her!
***
[HEADING=3]Dimitri[/HEADING]
Das ist doch ein Schuft, ein lieber zwar, aber Schuft bleibt Schuft! Ich, anständig und fair wie ich bin, überreiche Nico, ohne dass er lange suchen muss, meinen Osterhasen und das rote Ei.
„Einen Schokohasen für meinen süßen Hasen!“ habe ich so aus dem Stegreif heraus formuliert. Naja, er ist ja auch süß, mein großer Hase! Aber was macht er? Er lässt mich suchen! Bin ich denn ein Kleinkind nach dem Motto:„So nun such schön s´Nesterl!“
Wenigstens zeigt er mir jetzt mit den Temperaturangaben das ungefähre Versteck an. Zuvor bin ich ja durch sämtliche Räume getigert, ohne was zu finden. Sogar den Klodeckl hab ich geöffnet, bei Nico weiß man ja nie!
In der Küche also, da wäre ich ja nie drauf gekommen! Ich öffne Schubläden und Schranktüren und bin nun endlich durch seine Hilfe an der Mikrowelle angekommen. Ich öffne sie – tatsächlich, da lacht mir ein Osterhase entgegen, nein, nicht einer, eine ganze Familie und dazu das rote Ei. Osternest in der Mikrowelle! Darauf kann auch nur Nico kommen!
„Danke mein süßer Osterhase, aber im nächsten Jahr, da denke ich mir auch was aus und du suchst lange, mein Freund!“ erkläre ich ihm.
Zu Mittag sind wir heute alle zu Nicos Großeltern eingeladen. Auch Nicos Mutter, meine Eltern und Yuri und Thomas sind dabei. Heute gibt es, wie in vielen Familien zu Ostern, Lammbraten. Eine Köstlichkeit!
Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich zu Thomas hinüber sehe und was uns Yuri vor dem Essen draußen noch rasch erzählte. Wie befürchtet, ist die Farbe nicht abgegangen. Er soll gebürstet haben wie wild, alles tat ihm schon weh. Aber letzten Endes musste er mit bunten Eiern zum Fußball spielen. Das Gelächter nach dem Spiel muss groß gewesen sein. Aber Thomas soll ganz selbstbewusst erklärt haben, dass das jetzt die neue Mode sei, aus den USA zu uns gekommen, so wie Vieles eben. Ob es ihm einer geglaubt hat? Naja, vielleicht hat beim nächsten Spiel der eine oder andere auch bunte Eier, wer weiß? Aber heute kann Thomas schon wieder darüber lachen und war uns zu keinem Zeitpunkt ernsthaft böse, schon gar nicht seinem Maler!
Es ist schon Tradition, hab ich mir von Nico sagen lassen, dass seine Großeltern wie zu Weihnachten auch zu Ostern Kinder aus einem Heim hier in Passau einladen. So werden auch heute Nachmittag etwa zehn Kinder zum Ostereier suchen kommen. Es soll immer sehr lebhaft und lustig zugehen. Die Kinder sollen mit Begeisterung dabei sein und suchen den ganzen Garten nach Schokohasen, Eiern und anderen Leckereien ab. Alles Gefundene wird dann zusammengetan und ins Heim gefahren. Es ist so reichlich, das jedes der dortigen Kinder was bekommt.
Heute habe er eine besondere Überraschung für die Kleinen und auch wir Großen werden Augen machen, erklärt uns Opa Willi. Verrät uns aber nicht mehr.
Die Kinder sind nun angekommen und wir gehen alle in den Garten. Wir müssen zusammen mit den Kindern vorne am Eingang stehen bleiben, der Osterhase sei noch nicht ganz fertig, erklärt uns Willi.
Und tatsächlich, ich traue meinen Augen kaum, hüpft da ein lebendiger großer Osterhase zwischen den Bäumen und Sträuchern umher. Einen Korb hat er auf dem Rücken gebunden und verteilt seine Sachen vor, hinter und zwischen all dem vielen Gebüsch. Weil es wirklich viele Sträucher und Bäume im Garten gibt, sieht man den hoppelnden Hasen nur sporadisch, wenn er zwischen all dem Geäst auftaucht. Und so sieht man auch nicht genau, wo er seine Leckereien ablegt. Den Kindern wäre ja sonst der Spaß des Suchens genommen.
Die Kinder strahlen nur so um die Wette und sie hält es kaum mehr auf ihren Plätzen am Rande des Gartens. Wann haben sie schon einen lebendigen Osterhasen gesehen? Da hatte Willi wirklich ein grandiose Idee, einen Osterhasen zu engagieren. Wusste gar nicht, dass es so was gibt! Naja, sicher ein Student, der im Verleih ein Osterhasenkostüm erstanden hat. Es ist ein hellbrauner Felloverall, der auch den Kopf bedeckt, man sieht die langen Ohren und das niedliche Schwänzchen hinten. Nur vom Gesicht des Hasen, da sieht man fast nichts.
Er hoppelt und hoppelt tatsächlich meist auf allen Vieren durch den Garten. Immer wieder hält er an, greift mit einer Hand hinter sich in die Kraxe und legt die Osterüberraschung ab. So kommt er wirklich den ganzen Garten ab. Da haben die Kleinen hernach aber was zu suchen!
Endlich ist Meister Langohr fertig und hoppelt an uns vorbei ins Haus.
Also wenn ich es nicht genau wüsste, dass es nicht sein kann, dann hätte ich jetzt fast gedacht, der Osterhase sieht aus wie….
Endlich dürfen die Kinder suchen und sie stürmen laut lärmend im Garten umher.
„Wisst ihr wo Yuri ist?“ fragt uns Thomas dann.
Jetzt fällt auch den anderen auf, dass sie ihn schon eine ganze Zeit nicht mehr gesehen haben. Während wir noch überlegen und sich mein Verdacht zu erhärten scheint, steht plötzlich der Gesuchte hinter uns, ganz normal, so als wäre er schon die ganze Zeit da gestanden und lacht uns an:
„Na, was ist, wollt ihr denn nicht suchen?“
Thomas sieht mich an, dann Nico, dann Yuri, dann schaut er zu den Kindern im Garten, dann wieder zu Yuri und fängt schallend an zu lachen. Er kann sich gar nimmer beruhigen. Alle steckt das fröhliche Lachen an und so lachen bald alle mit, obwohl keiner so recht weiß, warum.
Endlich hat sich Thomas so weit beruhigt, dass er zuerst auf den Garten zeigt, dann auf Yuri und immer noch kichernd meint:
„Das warst du!“
Nun geht erst recht das Gelächter los und Yuri lacht einfach mit. Das Beste, was er tun kann.
Unser Yuri, der Osterhase!
„Und so“, erklärt uns Nico, „ist aus dem Zappel-Yuri der Hoppel-Yuri geworden!“
Und Thomas breitet seine Arme aus und ruft ihm zu:
„Hoppel-Yuri! Komm her zu mir und lass dich drücken, mein Osterhäschen!“
ENDE

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Information Was lange währt, wird gut…
Posted by: Frenuyum - 12-02-2025, 03:46 PM - No Replies

Eine kleine, aber wahre Geschichte, die überwiegend auf wahre Tatsachen beruht. Leider nur überwiegend.
„Hey, wir sollten endlich mal wieder `ne Runde Billard spielen gehen!“ Mein alter Kumpel Jan hatte sich telefonisch bei mir gemeldet, um mitzuteilen, dass er es wünschte, mit mir gemeinsam in Kürze eine mehr oder weniger ruhige Kugel zu schieben.
Ich hielt das für keine allzu schlechte Idee, auch deshalb, weil es mir nur zwei Jahre nach meinem Abi gelungen war, fast die gesamte Belegschaft meiner alten Klasse aus den Augen zu verlieren. Obwohl ich immer noch wie in der guten alten Schulzeit hundert Meter von dem Ort entfernt wohnte, der mich dreizehn Jahre lang (obwohl es eigentlich nur zwölf hätten sein müssen!) täglich mehrere Stunden lang mehr oder weniger in seinen Bann gezogen hatte.
Wir verabredeten uns in einer kleinen Gartenkneipe, um dort nicht nur Kügelchen über befilzte Tische zu jagen, sondern bei ein bis sieben schöngeistigen Getränken über alte Zeiten zu plaudern. Eigentlich genau so, wie das auch bei Leuten läuft, die schon sehr viel länger als zwei Jahre die Schulzeit hinter sich haben.
Immerhin hatten Jan und ich das schon zelebriert, als wir noch gemeinsam der Hochschulreife entgegenstrebten. An einem Abend im Jahr 1995 hatten wir uns zum Bierchen verabredet, aus dem dann etwas mehr wurde. Nachdem die kleine Kneipe dichtgemacht hatte, feierten wir mit einer Flasche „Appelkorn“ bei mir zu Hause weiter. Wir wurden mit jedem Schluck sentimentaler und dachten an die Zeiten zurück, als wir gemeinsam das ABC lernten. Als uns beigebracht wurde, das zwei und sieben genauso neun sein kann wie vier und fünf und wir gemeinsam das blaue Halstuch der jungen Pioniere umgebunden bekamen (womit verraten wäre, das die Geschichte im Osten spielt). Diese Nacht endete mit vielen Umarmungen, auch deshalb, weil Jan sonst niemals mehr auf zwei Beinen nach Hause gekommen wäre. Nachts um halb drei lieferte ich ihn wohlbehalten in heimischen Gefilden ab, und er bedankte sich sehr überschwänglich für meine Bemühungen und wollte mich partout nicht loslassen. Irgendwie schaffte ich es dann aber doch, schließlich wollte ich nicht, dass er in diesem Zustand irgendetwas tat, was er ein paar Stunden später bereuen würde.
Nun wäre eine halb durchzechte Nacht weniger schlimm gewesen, wenn da nicht zweierlei Hindernisse am nächsten Morgen zu bewältigen gewesen wären. Erstens für Jan eine nullte Stunde Chemieunterricht (Beginn: 7:05 Uhr), bei er als lebendiges Anschauungsobjekt zum Thema Alkoholabbau hätte herhalten können. Wenn er nicht verschlafen hätte. Zweitens für mich eine Verabredung um 7:30 Uhr – und zwar mit meiner Fahrlehrerin zum Zwecke einer Übungsfahrt. Die brach sie nach 250 Metern ab und setzte mich mit der Empfehlung zu Hause ab, einen starken Kaffee zu trinken oder mich noch mal fünf Stunden aufs Ohr zu hauen. Aus schultechnischen Gründen war mir das nicht möglich, da ich nur für zwei Stunden entschuldigt war. Jan und ich nahmen uns vor, solche Abende häufiger zu verbringen. Allerdings blieb es der einzige bis zu dem Moment, als irgendwann im Sommer 1999 mein Telefon klingelte. (s. Anfang der Geschichte!)
Umso mehr freute ich mich darüber, dass es Jan offensichtlich auch angenehm empfinden würde, wieder mal in alte Zeiten und vielleicht später am Abend auch in meinen Armen zu versinken.
Ich war zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort, Jan kam charaktergemäß rund 15 Minuten zu spät. Und genau das hatte zu dem Problem geführt, dass der Billardtisch von zwei Jungs besetzt war, die den Eindruck machten, sich häuslich an der Platte einrichten zu wollen.
Wir tranken ein Bier, nahmen ein weiteres und als der Kellner das dritte Blonde auf den Tisch stellte, kam Jan auf die Idee, die beiden anzusprechen, ob nicht ein Doppel zu arrangieren wäre: „Sonst treff ich heut abend gar nichts mehr, jedenfalls keine Billardkugel“. Ich hielt das für eine gute Idee und wendete mich an einen der ungefähr 16-jährigen Boys: Sagt mal, was haltet ihr davon, wenn wir uns den Tisch teilen und mit zwei Teams weiterspielen?
Danny und Simon – so stellten sie sich später vor – waren einverstanden, und so begannen wir einen netten Billardabend. Der endete darin, dass Jan irgendwann verschwand, weil er genug hatte und die beiden Jungs blieben, obwohl sie nicht mehr genug hatten – nämlich Geld.
Das führte dazu, dass ich noch zwei Runden Billard sponserte und dann einer Einladung von Simon folgte, mit auf ein Bierchen an die frische Luft zu kommen. „Im Rucksack haben wir noch welche, und billiger ist es auch.“
Da eh keine weiteren Billardgegner in Sicht waren und der Gastronom deutlich Lust auf Feierabend signalisierte, entschied ich mich, dieses Angebot anzunehmen.
Im Dunkeln stellten Simon und ich fest, dass wir uns eigentlich schon viel länger kannten. Als er eingeschult wurde, war seine Schwester in meiner Klasse und unsere damalige Klassenlehrerin bat einige Schüler von uns (damals Klassenstufe fünf), eine Patenschaft für Erstklässler zu übernehmen. An Simon bissen wir uns allerdings die Zähne aus, weil er mit einer derartigen Lese- Rechtschreibschwäche ausgestattet war, die ihn später zum Besuch einer Sonderschule zwang.
An seinen unsäglichen Lernschwächen hatte sich nichts geändert. Simon hatte es nur zu einem Abschluss der siebten Klasse geschafft und hatte somit keinerlei Chance, zu einer vernünftigen Berufsausbildung zu kommen. Das wiederum brachte ihm den weniger guten Ruf eines Klein-Kriminellen ein, obwohl er damals zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd mit dem Gesetz zu tun gehabt hatte. Im Gegenteil: Simon war eigentlich ein ausgesprochen liebenswerter Junge mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und großer Naturverbundenheit, die er mir an diesem Abend erstmals präsentierte. „Wir wollen heute noch Nachtangeln, haste Lust mitzukommen?“
Da es nun einmal Hochsommer war und mich der Ausgang dieser Nacht durchaus reizte, begleitete ich die beiden zum ersten Angelausflug meines Lebens. Der wurde aufregender, als ich dachte. Das lag nicht nur an der Anwesenheit der beiden Jungs und der Tatsache, dass die Flussauen der Elbe bei Nacht und sternenklarem Himmel eine äußerst beeindruckende Kulisse bildeten, sondern auch daran, dass weder Danny noch Simon über eine gültige Angelerlaubnis verfügten. Somit mussten wir unsere sechs Augen nicht nur auf den wunderschönen Himmel und die Knicklichter auf dem Wasser richten, sondern auch darauf, dass keine gesetzestreuen Angler unsere Fischfangbucht entdeckten. Die nämlich mochten es natürlich nicht, wenn angelscheinlose Konkurrenz auf Fischfang ging. Auch vor Streifenwagen mussten wir auf der Hut sein, die so selten an den Elbe nächtlichem Strande gar nicht anzutreffen waren. So hieß es bei jedem auftauchenden Scheinwerferkegel in Deckung gehen, obwohl sich in 97 Prozent aller Fälle Liebespaare dahinter versteckten, die Anderes im Sinn hatten, als ein paar Jugendlichen ihre Angelnacht zu zerstören.
Die Nacht endete erst im Morgengrauen und war der Anfang eines Angel-Sommers. Oft fuhren wir, mal zu zweit, mal zu dritt, hinaus an den Fluss. Der Fischertrag hielt sich in sich in Grenzen, gefangene Tiere kamen sofort zurück ins Wasser, und was viel häufiger war als Fische, waren Krabben.
Irgendwann stritten sich Danny und Simon, und fortan fuhr ich an den Wochenenden mit Simon allein. Ich hatte mir vorgenommen, ihm irgendwie zu helfen. Allerdings wurden unsere gemeinsamen Angelausflüge seltener, was ich darauf schob, dass die Vorboten des Herbstes die Nächte einfach schweinekalt werden ließen.
Im darauffolgenden Sommer brachte Simon immer mal einen kleinen, unscheinbaren Jungen mit zu unseren Angelterminen. Thomas war erst elf, aber genau so ins Angeln vernarrt wie Simon. Der Kleine schlief öfter beim Großen, was mich häufig darüber nachgrübeln ließ, warum seine Eltern ihn in diesem Alter auswärts übernachten ließen oder mit welcher Ausrede Thomas sie dazu überreden konnte.
Wegen meiner damals grade begonnenen Ausbildung konnte ich mich zunehmend weniger an diesen Ausflügen beteiligen und verpasste somit, dass Simon zumindest zeitweise Anschluss an eine kleine Clique und ein Mädchen gefunden hatte, das ihm gefiel und bei dem diese Gefühle zumindest auf einen Hauch Erwiderung stießen.
Eines späten Abends oder besser frühen Morgens kam ich von der Geburtstagsfeier eines Bekannten, als ich fast vor Simons Haustür auf ein lautes Lachen aufmerksam gemacht wurde. „Huhu“, schallte mir eine bekannte Stimme entgegen. Simon wankte mir entgegen und fiel in meine Arme. „Ich… hihihi … bin `n bisschen besoffen“ Thomas war hinter ihm. „ Ein bisschen is`gut“, lachte unser gemeinsamer junger Freund. „Was habt ihr denn gemacht, fragte ich die Runde. „Wir waren angeln, und Simon hat sich ne Flasche Martini reingedonnert.“, klärte mich Thomas auf. „Hast du auch was getrunken?“, erkundigte ich mich besorgt bei Tommy. „Nur n` ganz kleinen Schluck. „Musst du nicht schon längst zu Hause sein?“ „Ich schlaf bei ihm heut nacht.“ Diese Pläne durchkreuzte der Zustand des betrunkenen Angelfreundes. „Bringt mich in’ Keller auf die Luf`matasse?“, lallte Simon, der offenbar nicht in seinem Bett zu schlafen wünschte. „Und was wird mir?“, fragte Tommy besorgt, nachdem wir den trinkfreudigen Angler in seine „Ausnüchterungszelle“ gesperrt hatten. „Du kommst jetzt erst mal mit zu mir.“ Wir legten die Strecke zu meiner Wohnung in schneller Geschwindigkeit zurück, auch weil Tommy etwas zu mir gesagt hatte, was ich dann auch bemerkte: „Arschkalt hier draußen, oder?“
Nachdem wir die Haustür hinter uns geschlossen hatten, sahen wir uns an, und dann fiel mir Tommy in die Arme, und wir schüttelten uns vor Lachen ob dieses merkwürdigen Endes eines Angelausflugs. „Danke, dass du mich mitgenommen hast.“ Ich bot ihm an, zur Erwärmung zu duschen, worauf er verzichtete. Wir schauten noch ein bisschen fern, und erzählte mir noch einmal die Geschichte dieses Besäufnisses. „Erst hat seine Freundin mit ihm Schluss gemacht, und dann hat er wohl Riesen-Stress mit seinem Vater gehabt. Da hat er wohl ein bisschen abgedreht“. „Kein Wunder“, dachte ich mir. „Dann hat er halt die Flasche Martini klargemacht und dann noch `ne halbe Flasche Sekt, das hat ihm den Rest gegeben. Dazu holte er eine halbgeleerte Flasche „Rotkäppchen“ aus seinen Rucksack, offensichtlich das Übrigbleibsel dieses Frustbesäufnisses. „Soll ich das Zeug wegschütten?“, fragte ich Tommy. Lass uns noch einen Schluck trinken, bat er mich. Ich hielt das zwar nicht für besonders empfehlenswert, aber auch für ungefährlich. Also leerte ich drei Viertel der halben Sektflasche, den Rest gönnte sich Thomas. Danach bereitete ich ihm im Wohnzimmer ein Nachtlager, zog mich in mein Zimmer zurück und wollte eigentlich nur noch schlafen, als es klopfte und Thomas leise die Tür öffnete.
„Hey, schläfst du schon? Darf ich zu dir kommen?“ Nun hatte ich wirklich schon fast im Reich der Träume gelegen, wegschicken wollte ich Tommy aber nicht. „Was gibt’s denn?“ Durch das ins Zimmer fallende Licht der Straßenlaternen bemerkte ich deutlich, dass er mich etwas verunsichert ansah. „Ich bin so alleine!“ „Komm her“ Er setzte sich auf mein Bett und wir fingen an, über Gott und die Welt zu reden – über die Schule, über Familie, übers Angeln und über viele andere Sachen mehr. Irgendwann mitten in der Nacht sagte er zu mir: „Du bist wie ein Vater zu mir“ und kuschelte sich ganz fest an mich. Da saß ich nun mit meinen 21 und wurde von einem zehn Jahre jüngeren Jungen als Vater bezeichnet. Am nächsten Tag wachten wir auf und blieben bis zum Mittag im Bett, redeten weiter und ich hatte den Eindruck, ich war der erste, der dem kleinen Thomas wirklich zuhörte. Irgendwann brachte ich ihn dann auf den Gedanken, eventuell doch mal nach Hause zu müssen. „Wie spät ist es denn“, erkundigte er sich bei mir. „Kurz vor eins“, entgegnete ich ihm. „Scheiße, ich muss los.“ Wir umarmten uns noch einmal, dann ließ mich mein „Sohn“ allein und außerdem mit verdammt vielen Fragen zurück.
Wir trafen uns noch ein paar Mal in diesem Sommer zum Angeln, Tommy, Simon und ich. Es war deutlich zu spüren, dass der Kleine und ich ein besonderes Verhältnis hatten. Ein paar Mal redete er mich wirklich mit Papa an, und ich versuchte somit gleich zwei Sorgenkindern, einen Halt zu geben. So unbeschwert wie in diesem Sommer wurde es allerdings nie wieder.
Ich musste mich um intensiv um meine Ausbildung kümmern, hatte außerdem eine lukrative Nebentätigkeit, die meine Freizeit auf ein Minimum schrumpfen ließ. Simon startete ins berufsvorbereitende Jahr. Unsere Treffen wurden immer seltener. Aber wenn wir uns sahen, beschwerte sich Simon immer wieder darüber, dass ihn seine Umwelt einfach abschreiben würde. Unsere Angelnächte waren eingeschlafen. Immerhin hatte Simon eine Clique gefunden, die ihm ein bisschen Halt gab oder besser zu geben schien. Aber es war eine Clique, die nicht wirklich gut für ihn war.
Tommys Eltern waren wach geworden, der Junge durfte jetzt nur noch sehr eingeschränkt nach draußen und wurde dazu verdonnert, seine schulischen Leistungen auf die Reihe zu bekommen. So kam es, dass es mein nächstes Wiedersehen mit Tommy erst gab, als der bereits 13 war – wir hatten uns fast zwei Jahre lang nicht gesehen.
Simon hatte in unserem Ortsteil einen Garten angemietet, nicht, um dort Radieschen und Tomaten zu züchten, sondern um mit seiner Clique die ein oder andere Partie feiern zu können. Seine neue Leidenschaft galt Motoren aller Art, Schwarzfahren mit getunten Mopeds war „in“ und angesagt. Wir hatten uns in der Gartenkneipe wiedergesehen, in der wir uns vor rund drei Jahren beim Billard getroffen hatten. Dort hatte er mich sofort in seine grüne Oase eingeladen: „Lass uns ein Bier trinken, der Thomas ist auch da und würde sich bestimmt freuen, wenn du mitkommst.“ Auch ich war sofort neugierig, wie sich der Junge entwickelt hatte und beendete das Skatspiel, bei dem ich grad eh alles andere als eine Glückssträhne hatte und folgte Simon in den nur wenige Meter entfernten Garten.
Da saß Tommy auf der Bank und grinste mich an, als wären seit unserem letzten Treffen grade mal zwei Stunden vergangen: „Hi Papa, schön dich wiedersehen“. Ich sah ihm in die Augen, er sah mir in die Augen und suchte dann sofort eine Umarmung. Ich drückte ihn an mich: „Hast dich ja zwei lange Jahre ganz schön rar gemacht…“ Tommy wollte zu einer Antwort ansetzen, als die Tür der Laube aufflog und zwei weitere Garten-Gäste ans Tageslicht traten und begannen, über die Folgen ihres letzten Trips zu diskutieren. Ich enthielt mich der Stimme, dachte mir meinen Teil und starrte unauffällig auf Thomas. Der hatte sich kaum verändert, obwohl er doch spürbar älter geworden war. Auch er schaute gelegentlich zu mir rüber, und wir tauschten das ein oder andere Lächeln aus.
Im Verlaufe des Abends versammelten sich immer mehr Leute in dem kleine Garten. Immerhin hatte ich in Erfahrung gebracht, dass weder Simon noch Thomas in irgendwelche Drogenangelegenheiten verwickelt waren, bei den anderen Herrschaften war mir das eher egal. Für mich endete der Abend, als mich einer der Gäste unabsichtlich in das kleine Schwimmbecken beförderte, was einen Großteil der Anwesenden ungemein erheiterte. Vermutlich hätte ich auch mitgelacht, wenn es einen Anderen getroffen hätte oder mein Hosenbein wenigstens nicht so entsetzlich feucht gewesen wäre. „Ich geh mir was Trockenes anziehen“, verabschiedete ich mich von der ausgelassenen Meute. „Warte, nimm mein Fahrrad“, bot mir Tommy an. „Aber bitte beeil dich, ich muss um zehn zu Hause sein“ Ich warf einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass es sich nicht mehr lohnen würde, dann noch einmal zum Garten zurückzufahren und bot ihm an, gleich mitzukommen. Tommy sagte sofort ja und auch Simon hatte sich schon wieder seinen Gästen gewidmet – ein weiterer war im Pool gelandet. Diesmal allerdings ohne fremdes Zutun, sondern auf Grund mangelnder Koordinationsfähigkeit in Folge überhöhtem Alkoholkonsums.
Wir verließen die Wasserspiele und entschieden uns, das Fahrrad lieber zu schieben. Schon mal, um ein bisschen Zeit zu schinden. Auf dem Weg erklärte mir Tommy, was der Grund dafür war, dass wir uns zwei lange Jahre nicht mehr gesehen hatte. „Meine Mama hat jetzt einen neuen Freund, und ich muss jeden Tag spätestens zum Abendbrot drin sein, und am Wochenende darf ich höchstens noch bis um neun. Mit Simon darf ich mich eigentlich auch nicht mehr treffen, aber manchmal sehen wir uns in einer Garage und basteln dann an seinem Moped. Außerdem hab ich in der Schule Probleme.“ Wenig später standen wir vor meiner Tür, und ich hätte ihn gern mit nach oben genommen. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir aber, dass es günstiger wäre, Tommy nach Hause zu schicken, um ihm unnötigen Ärger zu ersparen. Als wir uns verabschiedeten, sagte er zu mir: „Ich wäre gern noch bei dir geblieben, aber ich krieg sonst Stress. Schade, dass wir nicht mehr angeln gehen“. Ich hatte fast eine Träne in den Augen und sagte ihm nur: „Lass es bitte nicht wieder zwei Jahre werden.“ „Kannst du dich drauf verlassen, Papa“, entgegnete mir und drückte mir ein Küsschen auf die Wange, bevor er in die anbrechende Dunkelheit verschwand.
Ein paar Tage erzählte mir Simon, dass Tommy wegen seines Zuspätkommens an diesem Tag zwei Wochen Stubenarrest aufgebrummt bekam. Mein kleiner Tommy… erst ein paar zu lockere Leinen, dann die ganz straffe Tour. Für mich spielte der Kleine irgendwie eine ganz besondere Rolle. Kein Wunder, er hatte mich vor zwei Jahren als Vaterfigur betrachtet, und das war damals jedenfalls alles andere als ein Witz. Jetzt hatten wir uns nach zwei Jahren wiedergetroffen, und von der ersten Sekunde an war sofort wieder die Vertrautheit da.
Bis zum nächsten Wiedersehen dauerte es tatsächlich keine zwei Jahre. Im folgenden Frühjahr traf ich ihn bei einer Motorsportveranstaltung unserer Heimatstadt – als Mitglied der Jugendfeuerwehr. Wir hatten allerdings kaum die Möglichkeit, mit einander zu reden. Ein paar Sätze zum brachten mir immerhin darüber Aufschluss, das er sich bei den jungen Brandbekämpfern engagierte. Kontakt zu Simon hatte er kaum noch. „Simon hatte mittlerweile durch seine Motor-Begeisterung und das ständige Schwarzfahren etliche Probleme bekommen.“, berichtete Tommy. „Wir müssen uns in diesem Jahr unbedingt mal treffen. Ne` Runde Billard oder so.“, bot ich ihm an. Er gab mir seine Handy-Nummer, wir umarmten uns – und danach verloren wir uns wieder länger als ein Jahr aus den Augen. Von kurzen, belanglosen SMS und einem kurzen Treffen während der Hochwasserkatastrophe im August 2002 abgesehen, als er Sandsäcke schleppte und ich mit einem Kamerateam unterwegs war, um die schrecklichen Momente der Wasserherrschaft zu dokumentieren. Wir redeten weniger als eine Minute über die aktuelle Lage, und als ich eigentlich schon weg war, zupfte er mich an der Schulter: „Wir wollten uns treffen, oder?“ Ich sah ihm in die Augen und antwortete: „Ja, irgendwie haben wir es beide verschwitzt.“
In Folge tauschten wir in losen Abständen wenige SMS aus, denn Tommy hatte kaum Geld auf der Handy-Karte und wurde in dieser Hinsicht von seiner Familie wohl recht knapp gehalten. Immerhin verdiente er sich ein paar Cent durch das Austragen eines Werbeblattes dazu. So erfuhr ich bei gelegentlichen zufälligen Treffen an fremden Briefkästen, dass Schule, Feuerwehr sowie Mutti und Stiefpapa ein Treffen verhinderten. Und ich wollte ihn alles andere als drängen, es sollte seine Entscheidung sein. Einen Termin, den er gefunden hatte, musste ich aus dienstlichen Gründen absagen – irgendwie sollte es wohl nicht sein.
Im Frühjahr 2003 meldete er sich bei mir – und erkundigte sich nach meinem Zeitplan am kommenden Freitag. Der signalisierte grünes Licht, Thomas kam abends um acht – und wir redeten wie in alten Zeiten. Über das Hochwasser, über Simon, der mittlerweile zwar vorbestraft, aber noch immer ohne Job war. Darüber, dass Tommy in Kürze seinen Mopedführerschein machen würde und sich damit den bis dahin größten Traum seines Lebens erfüllen würde, dafür aber auch unglaublich viel für die Schule ackern musste. Zumal Tommy mittlerweile eine Ehrenrunde gedreht hatte. Wir schauten uns ein Video über die Flut an, tauschten unsere Erfahrungen über diese Zeit aus. Tommy wäre an diesem Abend gern länger geblieben, aber SEIN Zeitplan an diesem Abend war von seiner Familie auf 22 Uhr limitiert wurden. Pünktlich zur verabredeten Zeit, also nach knapp zwei Stunden, ging er. Nicht, ohne das wir uns versprachen: „Keine zwei Jahre“ und uns beim Abschied wie übrigens auch bei der Begrüßung in die Arme nahmen.
Wir versuchten danach immer wieder mal, Treffen anzuleiern, und zweimal fuhr er mir auch mit seinem Motorrad über den Weg und wir konnten ein paar Minuten reden – aber entweder hatte er etwas vor oder ich dienstlich zu tun.
Er hatte Freunde gefunden, die seiner Alterklasse entsprachen und zog mit ihnen durch die Kante. So wie jeder normale Junge in seinem Alter. Entgegen meinen Befürchtungen hatte er sein Leben in den Griff gekriegt. Und daran hatten dreierlei Personen(gruppen) einen Anteil. Seine Familie, weil die ihn spät, aber nicht zu spät altersgerecht behandelte. Hätte sie das von Anfang an gemacht, hätten wir uns allerdings nie kennen gelernt. Ich, weil ich ständig versuchte, ihn bei unseren wenigen Treffen in die richtige Richtung zu stupsen. Und nicht zuletzt Simon, weil der ihm ganz deutlich demonstriert hatte, wie es eben nicht laufen sollte.
Zum Ende des Jahres 2004 wechselte ich berufsbedingt meine Wohnung, zog in einen 25 Kilometer entfernten Ort. Von dort schrieb ich Tommy im Januar 2005 eine SMS mit allen guten Wünschen für das neue Jahr und äußerste meinen Wunsch, wieder mal einen Abend mit ihm zu verbringen. Er antwortete, wünschte mir auch ein gesundes neues Jahr und antwortete: „Ich hab grad an dich gedacht, Würd dich auch gern sehn, muss jetzt aber auf alle Fälle Schule hinbekommen. Meld mich aber auf jeden Fall.“
Er meldete sich wirklich im Mai, und er hatte den Realschulabschluss geschafft. Wir wollten uns treffen, wollten feiern und eine Runde Billard spielen … und am verabredeten Abend machte mir ein nicht abwendbarer dienstlicher Termin das Wiedersehen zunichte.
Ende Juni versuchte ich es erneut, einen Termin auf die Beine zu stellen. Diesmal war es Tommy, der total beschäftigt war. „Bin voll im Umzugsstress. „Sorry, ich melde mich“, so ein Teil seiner SMS.
Da er mit seiner Familie in einer wunderschönen Gegend in einer ebenso wunderschönen Wohnung zu Hause war, ging ich davon aus, dass Bekannte oder Verwandte von ihm von einem Domizil ins nächste wechselten und maß dem keine weitere Bedeutung bei. Mitte Juli fragte ich nach, ob denn der Stress absolviert sei. Die Antwort kam einige Tage später, an einem Sonntag. Ich öffnete die SMS, freute mich und bekam zu lesen: „Na du, was machst du grad? Ja, alles erledigt. Wie sieht es aus, wollen wir uns heute abend mal treffen? Bin nur noch bis Montag da.“
Klar, dass ich sofort reagierte und antwortete, auch wenn ich im Auto saß. Ich fuhr rechts ran. „Na du! Wo gehst du denn hin? Treffen wo?“
Irgendwie war ich nervös, ließ das Auto stehen und wartete auf Antwort. Die kam diesmal nicht nach ein paar Tagen, sondern nach wenigen Minuten auf mein Handy. „Nach Österreich. Aber das erzähle ich dir heute abend….“
Wir verabredeten uns an einem Supermarkt in dem Ortsteil, wo wir uns kennen gelernt hatten, den ich verlassen hatte und den er auch verlassen würde. Am nächsten Tag. Mit dem Unterschied, dass er um so vieles weiter weg ziehen würde…
Sein Motorrad war bereits in der Alpenrepublik, so dass wir auf mein Fahrzeug angewiesen waren. Auf die Minute genau bog ich auf den Supermarkt-Parkplatz ein, und ich sah ihn an der Eingangstür stehen. Er lächelte, ich lächelte, und er stieg zu mir ins Auto.. Wir umarmten uns, ich schaute ihn an – und staunte. Ein Jugendlicher, dem zur Volljährigkeit noch ein gutes halbes Jahr fehlte und der außerdem atemberaubend hübsch aussah. „Was wollen wir machen?“ „Ich weiß es nicht.“ „Wollen wir ein Bier trinken fahren?“ „Ja.“ „Wohin?“ „Egal“.
Ich fuhr mit ihm in die kleine Kneipe, in der ich das letzte Mal mit Jan war, als am Folgetag meine Fahrstunde nach 250 Metern zu Ende war. Daran dachte ich, als ich mit Tommy bei wunderschönem Wetter an einem Freilufttisch saß. Und daran, wie schnell die Zeit vergeht. Der Abend mit Jan war zehn Jahre her, das erste Treffen mit Thomas nun schon sechs. Und obwohl wir uns so selten getroffen hatten, bedeutete er mir unglaublich viel. Und ich ihm wohl auch nicht ganz wenig, wenn er mir den letzten Abend in seiner alten Heimat widmete.
Er erzählte mir, dass sein Stiefvater Arbeit in Österreich gefunden hätte, vor einem Jahr schon. Er war mit seiner Mutter nur deswegen noch geblieben, um seine Schule beenden zu können. Das hatte er getan, und nun hieß es Abschied nehmen. Auch wenn nicht für immer, Tommys ältere Schwester blieb genauso in der Stadt wie seine Oma, was eine gelegentliche Rückkehr nicht undenkbar machte.
Wir tranken aus, und ich fragte ihn, ob er noch irgendetwas Bestimmtes sehen wollte. Wollte er nicht, und deswegen lenkte ich mein Fahrzeug in die Gartenkneipe, in der ich vor sechs Jahren Simon getroffen hatte. Auch dort setzten wir uns an einen Freilufttisch und redeten über alte Zeiten und darüber, dass sich Simon endgültig ins Abseits manövriert hatte: Schwarzfahren, keine Arbeit, Alkohol … ein Teufelskreis, aus dem wir ihn nicht befreien konnten.
An diesem Abend hätten wir Billard spielen können, aber das wollten wir beide nicht. Wir setzten uns ins Auto und fuhren an die Elbe. Von dort erreichten wir zu Fuß nach wenigen hundert Metern die Stelle, an der Tommy und Simon im Schutz der Dunkelheit so manches Mal ihre Angel in den Fluss geworfen hatten. „Weißt du noch…“ Wir tauschten Erinnerungen aus, und irgendwann nahm ich ihn in meine Arme. „Warum gehen eigentlich immer die Besten?“ „Ich möchte eigentlich auch nicht weg.“ Ich küsste ihn auf die Wange. „Hey, Kleiner: Wenn es Probleme gibt, ich bin für dich da. Immer. Du musst dich nur melden.“ „Danke.“ Wir gingen langsam zurück zum Auto, und dort drückte ich ihm als Erinnerung das Hochwasservideo in die Hand, dass wir uns rund zwei Jahre zuvor gemeinsam angesehen hatten.
Erneut lagen wir uns in den Armen, und nur wenige Minuten später hieß es endgültig Abschied nehmen. Ich setzte ihn vor der Haustür seiner Oma ab, die ihn und seine Mutter beherbergte in dieser letzten Nacht, die Tommy in seiner Heimatstadt verbrachte. Die er am darauffolgenden Tag in eine ungewisse Zukunft verließ. Keine Freunde, keine Lehrstelle – der Weg würde lang und steinig werden. Ich küsste ihn zum Abschied, er antwortete schüchtern, stieg aus und winkte ein letztes Mal – aus und vorbei.
Ich lenkte mein Auto zurück nach Hause, und während dieser 25 Kilometer wurde ich mir darüber klar, dass an diesem Abend aus väterlichen Gefühlen mehr geworden war. Und eigentlich sträubte ich mich dagegen. Nicht nur zehn Jahre lagen altersmäßig zwischen uns, sondern auch eine Freundschaft. Eine Freundschaft, die eigentlich nicht durch Liebe zerstört werden dürfte. Und woher verdammt wusste ich, dass er auch annähernd ähnlich empfinden würde?
Am Dienstag meldete er mir seine Ankunft in Österreich. Da SMS aus dem Ausland alles andere als kostengünstig sind, übermittelte ich ihm meine E-Mail-Adresse und schrieb als Schlusssatz: „Ich danke dir für die schöne Zeit, auch wenn sie viel zu kurz war, mein Freund.“ Kaum fünf Minuten später hatte ich die Antwort: „Ja, war echt schön … Du bist wie ein großer Bruder …. ich danke dir für die schöne Zeit.“ Es war die erste SMS meines Lebens, nach der ich Tränen in den Augen hatte. Vor Freude und vor Schmerz gleichzeitig, hey, ein blödes Gefühl. Eigentlich würde sich nichts ändern. Wir würden uns ewig nicht sehen, wie gehabt eigentlich. Aber, das Gefühl, jemanden deswegen nicht sehen zu können, weil er hunderte Kilometer weit weg wohnte, löste in mir sämtliche Alarmglocken aus. Und ein bisschen was Anderes steckte auch noch dahinter…
Ich musste ihn wiedersehen, nicht in einem Jahr oder so. Ich wollte Gewissheit. Was empfindet er für mich? Vater, Bruder, Freund oder doch etwas mehr? Der letzte Abend hatte viele Fragen gestellt. Nun wollte ich Tommy nicht damit überfallen, das ich ihn unbedingt sehen müsse, es hätte auf Grund unserer Vergangenheit vielleicht etwas komisch geklungen. Monatelang Ruhe, und dann nach dem Umzug nach Österreich fällt mir nach drei Tagen ein, dass es ohne ihn nicht geht.
Ich ließ mir also ein Bewerbungsgespräch in München einfallen, und da es von dort nur noch rund zwei Stunden Fahrtzeit in Tommys neue österreichische Heimat waren, machte ich ihm den Vorschlag, ein Wochenende bei ihm zu verbringen. Es dauerte eine Weile bis zu seiner Antwort, aber Begeisterung hatte er mir schon vorher schon kurz signalisiert. Mama und Stiefpapa hatten eingewilligt, und er wollte mich auch sehen. Und so fuhr ich an einem Septemberfreitag ins Salzburger Land.
Tommy holte mich mit seinem Motorrad von der Ortseinfahrt ab und lotste mich zu seinem neuen Zuhause. Was ich in unserer gemeinsamen alten Heimat nicht geschafft hatte, gelang mir in Österreich – seine Mutter und ihren Freund kennen zu lernen. Ich wurde herzlich begrüßt, das Gästezimmer war für mich hergerichtet. „Schön, das den Thomas jemand aus der alten Heimat besucht. Es ist ein bisschen schwer für ihn, hier Anschluss zu finden“, erklärte mir Tommys Mutter beim Abendbrot. Nach dem Essen setzte ich zum ersten Mal in meinem Leben auf ein Motorrad und ließ mir von meinem Gastgeber die Umgebung seines neuen Heimatortes zeigen.
Die Müdigkeit zog mich nach langer Fahrt recht zeitig ins Bett, ich wollte fit sein für den nächsten Tag, für den wir uns Salzburg vorgenommen hatten. Ich war fast schon in Morpheus Armen gefangen, als es an der Tür klopfte und Tommy leise die Tür öffnete. „Hey, schläfst du schon? Darf ich zu dir kommen?“ Ich war auf einen Schlag hellwach – genau dieselben Worte hatte Tommy vor rund sechs Jahren benutzt, als es darum ging, nicht allein im Wohnzimmer bei mir schlafen zu müssen. „Komm rein“ Er setzte sich auf mein Bett, und ich nahm ihn sofort in die Arme. Er küsste mich auf die Stirn. „Danke, dass du gekommen bist. Du hattest kein Vorstellungsgespräch in München, oder?“ Es war die Minute, in der es Zeit wurde, offen zu sein. „Nein, aber weißt du, was ich hatte?“ Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten. „Sehnsucht nach dir. Ich hab den Gedanken nicht ertragen, dass du so weit weg bist. Du bedeutest mir nämlich ne ganze Menge“ Er schaute mich aus feucht werdenden Augen an. „Ist das dein Ernst?“ „Ja, sonst wäre ich nicht hier.“ „Dir ist klar, dass ich nie wieder Bruder oder Papa zu dir sagen werde?“ „Ich werd damit leben müssen.“ Tommy lächelte mich an, was ich nur durch das einfallende Licht einer Straßenlaterne erkennen konnte. Dann fiel er mir in die Arme, und es war anders als jemals zuvor. Wir küssten uns, und auch das anders, als jemals zuvor.
Wir hatten uns gefunden, 700 Kilometer von zu Hause entfernt. Aber wir wussten genau, das es niemandem mehr gelingen würde, uns zu trennen. Nicht mal zehn Jahre Alterunterschied. Wir hatten uns selbst lange genug voneinander ferngehalten. Diese erste Nacht in Österreich war die eine Nacht des Lebens, die nie enden sollte …. weil man eine zweite davon nicht erlebt.
I LOVE YOU TOMMY.

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Information Waschen, legen und fönen…
Posted by: Frenuyum - 12-02-2025, 03:45 PM - No Replies

Ein warmer Sommerregen prasselte auf die Straßen nieder, als ich runter ins Geschäft musste, um den Salon aufzuschließen.
Natürlich wurde ich, ohne Jacke bekleidet, auf kurzärmligen Hemd und hautenger Jeans ein wenig nass. Aber das störte mich nicht besonders.
Erst einmal schloss ich noch hinter mir ab. Dann sortierte ich das Geld in die Kasse ein und widmete mich meinen Haaren.
Ich föhnte meine mittellangen dunklen mit hellen Strähnen bestückten Haare und meinen pinken Pony, wieder in die richtige Form, was der Regen ruiniert hatte und stylte sie mit etwas Haarspray.
Anschließend schaute ich, ob genügend Tassen bei dem Kaffeeautomaten standen und genügend Pads vorhanden waren. Die Milch holte ich aus dem Kühlschrank und stellte sie neben dem Zucker, den ich auch noch auffüllte.
Noch einmal schaute ich mich um, ob alles sauber war, bevor ich das Licht anschaltete und meinen Laden öffnete.
Seit etwa drei Monaten hatte ich jetzt meinen eigenen Salon. Nachdem ich meinen Meisterbrief in der Tasche hatte, wagte ich es kurzerhand und eröffnete meinen eigenen kleinen Salon.
Er war ausschließlich für Männer und bot viele Top Angebote, die Männerherzen höherschlagen ließ.
Unter anderem bot ich eine Wöchentliche Behandlung an, wo man nur verwöhnt wurde.
Die Haare wurden gewaschen, man bekam einen Kopfmassage, dann schaute ich noch nach, ob vielleicht der Nacken ausrasiert werden musste, was für mich zum Service gehörte und man wurde noch geföhnt und gestylt.
Viele Männer liebten das und so lief es ganz gut an.
Nur heute würde sich wohl kaum jemand hierher verirren, bei dem Wetter.
Dann kam auch schon Emanuel, der für mich arbeitete. Er hatte einen komischen Stil, mit zerrissenen Jeans und schlabber Shirt. Aber er machte seine Arbeit sehr gut und das war die Hauptsache.
Ich kannte die Stadt und die meisten Leute und viele kannten mich. Jedes Wochenende ging es auf Tour und so lernte man viele Menschen kennen.
Mit meinen 28 Jahren zählte ich schon beinahe zum alten Eisen und dennoch war ich immer noch Single. Viele kamen mit meiner Lebenseinstellung nicht klar.
Bei mir stand die Arbeit und Karriere vorne an. Das Haus hatte ich gekauft, indem der Salon sich befand und oben drüber hatte ich eine kleine Wohnung.
Dann kamen meine Freunde und wenn ich mal hatte eben auch mein Freund. Leider hatte ich bisher immer Pech gehabt und meine Freunde wollten an erster Stelle stehen.
Von meiner Familie lebte niemand mehr. Sie hatten alle viel zu früh gehen müssen. Doch bei so vielen tollen Freunden, hatte ich da meine Familie gefunden.
*-*-*
Man, was für ein Mistwetter!
Ausgerechnet jetzt musste es, wie aus Kannen, regnen. Mein 1,82m großer Körper war inzwischen schon pitschnass. Mein Mantel und mein Anzug waren schon fast völlig durchnässt, meine kurzen schwarzen Haare sahen aus, als hätte ich eben erst geduscht. Das Regenwasser tropfte von den Haaren herab und mir ab und zu in meine braunen Augen.
Man, und das heute… wo ich, hier in der Stadt, einen äußerst wichtigen Termin hatte und eigentlich sowieso nur einen Geschäftstermin wahrnehmen musste.
In einer Woche musste ich schon wieder zuhause in Japan sein und ich brauchte dringend Ergebnisse! Eigentlich wollte ich mir ja ein Taxi nehmen, aber als ich das Hotel verlassen hatte, schien noch die Sonne und es war nichts von Wolken, geschweige von Regen zu sehen.
Ja, ich war der Chef eines riesigen Unternehmens, das sich auf Computerspiele spezialisiert hatte, mit Sitz in Japan, das mir mein Vater vor zwei Jahren, an meinem 25. Geburtstag, geschenkt hatte.
Natürlich wusste niemand… wirklich niemand von meinen Neigungen, die schon fast ins Krankhafte… fast schon Perverse gingen und ich hatte auch nicht vor, es jemandem zu erzählen.
Dies war auch der Grund dafür, dass ich keine Beziehung hatte. Denn wenn die Männer mitbekamen, was ich gern mit ihnen zu tun pflegte, bekamen sie es mit der Angst zu tun und waren nur allzu schnell verschwunden.
Noch immer ärgerte ich mich, über das Wetter und bog in eine Straße ein, von dort aus war es nicht mehr weit, bis zu der Firma zu der ich musste.
Eine Weile war ich schon gegangen, als ich ein Friseurgeschäft erblickte, das ich sogleich betrat.
„Guten Tag“, grüßte ich höflich, mit meinem noch etwas gebrochenen Deutsch und mit japanischem Akzent.
*-*-*
Ich war gerade vor an der Kasse dabei das Regal neu einzurichten, als ein Kunde den Salon betrat.
„Guten Tag, der Herr. Was wünschen sie?“, begrüßte ich den äußerst attraktiven Mann.
Er schien total durchnässt zu sein und ich reichte ihm, aus dem Regal ein sauberes Handtuch, damit er sich abtrocknen konnte.
Höflich lächelte ich ihn an.
*-*-*
„Arigatou“, bedankte ich mich, merkte aber zu spät, dass ich Japanisch sprach, verbesserte mich dann aber: „Vielen Dank.“ und nahm das Handtuch entgegen.
Ich trocknete mir zunächst die Hände ab, zog meinen Mantel aus und hängte diesen auf die Garderobe, so würde er besser trocknen.
Zeit hatte ich ja jetzt noch genug und so wollte ich mich noch ein wenig stylen lassen.
„Können sie bitte, meine Haare wieder in Ordnung bringen und sie ein wenig stylen“, bat ich den Mann vor mir und lächelte, wie ich es gewohnt war… Japaner eben…
*-*-*
Höflich lächelte ich zurück und nickte.
„Gerne, kommen sie doch mit. Wenn es okay ist, lasse ich ihren Mantel in der Zeit ein wenig Föhnen, dann ist er wenn sie fertig sind, wieder trocken“, bot ich dem Japaner an.
Ich begleitete ihn zu einen Stuhl und ließ ihn platz nehmen.
Dann legte ich ein Handtuch um seine Schulter und holte das Waschbecken mit einer Bewegung aus der Hüfte zu uns herüber.
Den Stuhl kippte ich leicht, indem ich aber die Schultern des Mannes festhielt, damit er sich nicht erschrak.
Anschließend legte ich seinen Hals vorsichtig ins Waschbecken hinein. Das Wasser drehte ich zuerst auf heiß, damit es schnell warm wurde. Fühlte am Handgelenk nach der richtigen Temperatur und stellte nach und nach kaltes Wasser hinzu, bis es perfekt war.
Vorsichtig dirigierte ich den Strahl über den Kopf des Mannes.
„Ist die Wassertemperatur so angenehm?“, fragte ich nach und verstellte es je nach Wunsch.
„Heute Morgen sah es erst so schön aus und dann fing es doch plötzlich an zu regnen. Nicht gerade das richtige Wetter, um in so schicken Sachen herumzulaufen. Haben sie etwas Besonderes vor? Sie sind nicht von hier, habe ich recht?“, versuchte ich ein Gespräch zu beginnen.
Dabei fingen meine Hände an, den Kopf des Mannes sanft, aber mit dem richtigen Druck mit Shampoo zu massieren.
Das Wasser hatte ich ausgestellt. Seine Haare wären auch nass genug gewesen, doch war er sicherlich froh, über das warme Wasser.
*-*-*
Bei der wirklich höflichen und zuvorkommenden Bedienung fühlte ich mich hier doch gleich wie in meinem Land. Diesen Salon würde ich jederzeit weiter empfehlen, zumindest auf den ersten Blick.
Mit viel Gefühl begann der Friseur meine Haare zu waschen und meine Kopfhaut zu massieren, was ich mit geschlossenen Augen genoss.
Er versuchte dann mit mir zu reden, doch verstand ich bei weitem nicht alles. Bemühte mich aber korrekt zu antworten.
„Ja, ich habe einen wichtigen Termin, mit einer Firma. Ich bin der Chef eines riesigen Unternehmens in Japan, das sich auf Computerspiele spezialisiert hat.“
Es war wirklich sehr schön hier und ich fühlte mich hier wirklich sehr wohl, der Mann verstand etwas von seinem Handwerk.
*-*-*
Ich bemerkte, dass der Mann sich lieber etwas entspannen wollte, also beließ ich es dabei.
„Verstehe“, erwiderte ich nur. Nach einer Weile spülte ich das Shampoo aus, fragte selbstverständlich wieder, ob die Wassertemperatur als angenehm empfunden wurde.
Anschließend wickelte ich ein Handtuch um den Kopf, so dass kein Wasser herablaufen konnte. Mit einer erneuten Hüftbewegung war das Waschbecken wieder weggeschoben und meinen Kunden hielt ich erneut fest, um den Stuhl wieder in die richtige Position zu bringen.
Dann rieb ich vorsichtig die Haare trocken und legte das nasse Handtuch weg. Selbstverständlich beherrschte ich das Haarewaschen so gut, dass die Ohren trocken blieben.
„Ich werde ein wenig die Nackenhaare wegrasieren, die nachgewachsen sind“, warnte ich den Mann vor.
Dann setzte ich den Rasierer an und korrigierte die Konturen. Anschließend wischte ich die Haare mit dem Pinsel weg.
„Eine kleine Kopfmassage? Mögen sie es lieber beruhigend oder erfrischend?“, fragte ich nach, damit ich wusste, welches Haartonic ich benutzten würde.
Dabei lächelte ich meinen Kunden an und schaute in seine hübschen Augen.
Eigentlich liebte ich es zu flirten, aber hier auf der Arbeit war ich eher zurückhaltend. Schließlich wollte ich meine heterosexuellen Kunden nicht vergraulen.
*-*-*
Professionell bemerkte der Mann, dass ich mich etwas entspannen wollte und redete nicht weiter, das fand ich wirklich sehr gut, er wusste tatsächlich was er tat.
Sehr gut.
Endlich wieder in sitzender Position, sah ich, dass er mich anlächelte… ein hübsches Lächeln, wie ich fand, so dass sich sogleich wieder mein Kopfkino anschaltete und ich gedanklich schon ganz schlimme Dinge mit diesem Mann tat.
Natürlich zeigte ich dies nicht nach außen… ich hatte als Japaner meine Gefühle gut unter Kontrolle. Ich lächelte ihn aber ebenfalls an, aber nicht zu viel… sollte es doch nicht aufdringlich wirken.
„Eine Kopfmassage wäre gut, danke und bitte beruhigend“, erwiderte ich… ja, eine Beruhigung konnte ich gut brauchen, bei dem woran ich gerade dachte.
Aber Gedanken sind ja frei und nicht verboten.
Innerlich musste ich wirklich grinsen und dachte so bei mir:
Wenn du wüsstest… hehehe…
*-*-*
Wie besprochen, griff ich nach dem beruhigenden Haartonic und rieb ein wenig auf die Kopfhaut. Dann ließ ich meine Finger sanft mit dem nötigen Druck über den Kopf des Mannes gleiten.
An den Schulter begann die Massage und ging über den ganzen Kopf bis zu den Schläfen und auch hinter den Ohren.
Eine ganze Weile massierte ich, bis die Massage mit ein paar Handgriffen an den Schultern endete.
Einen Moment ließ ich meine Hände auf den Schulter ruhen und wartete, bis der Mann die Augen öffnete.
„Möchten sie auch etwas Trinken?“, fragte ich freundlich.
*-*-*
Wow, beinahe wäre ich bei dieser Massage eingeschlafen. Es fühlte sich wirklich toll an und ich war enttäuscht, als es schon vorbei war.
Ich hatte mich wirklich entspannen können und es hatte mir sehr gut getan.
„Danke, das war sehr gut“, lobte ich den Mann und lächelte dankbar.
„Einen Kaffee schwarz, bitte“, bestellte ich und begann derweil mit dem Mann schon ein wenig zu flirten.
Erst mal wollte ich ihn testen, ob er sich drauf einließe und dann nun ja… ich war ja noch eine Woche hier…
*-*-*
Heute war sonst nichts los und Emanuel hatte sich hinten verkrochen und las eine Zeitschrift. Da konnte ich schon ein bisschen flirten, zumal mein heutiger Kunde sehr nett und gutaussehend war.
Also erwiderte ich, wenn auch noch zaghaft, den Flirt.
Ich ging rüber zum Kaffeeautomaten und holte ihm einen Kaffee, wo es auch einen Keks zu gab.
Den kleinen Teller, auf dem die Tasse mit dem Keks lag, stellte ich auf dem Tisch, vor meinem Kunden ab. Dann stellte ich mich wieder hinter ihn und fing an seine Haare zu föhnen.
„Lieber etwas Gel, Schaum oder Wachs?“, fragte ich dann nach.
Schließlich kannte ich es, dass jeder etwas anderes mochte.
*-*-*
Hatte ich es mir doch gedacht, er ging wirklich drauf ein, also machte ich weiter und flirtete mit ihm… ganz ungeniert.
Als dann der Kaffee vor mir stand, nahm ich vorsichtig einen Schluck, kostete diesen aus und nickte anerkennend.
„Wachs bitte“, beantwortete ich seine Frage und lächelte wieder ein wenig, während ich ihn heftig anflirtete.
Den Keks ließ ich allerdings liegen, denn ich mochte Süßes nicht so sehr, dafür war der Kaffee ausgesprochen gut.
Die nette Bedienung, mit der man flirten konnte und alles andere hier, fand ich sehr ansprechend… nun, ich würde wohl noch ein paar Mal in dieser Woche hier erscheinen.
*-*-*
Den Flirt erwidernd, föhnte ich seine Haare trocken und stylte sie mit Wachs, wie er es wünschte.
Ein wenig Zeit ließ ich mir schon, schließlich war nichts zu tun und der Kunde äußerst nett.
Dann zeigte ich ihm aber doch, den Spiegel, damit er sich auch von hinten sehen konnte.
„Fertig“, lächelte ich ihn an und nickte.
„Trinken sie ruhig noch in Ruhe aus. Ihre Jacke ist mit Sicherheit jetzt auch trocken“, sagte ich noch.
Dann schaute ich nach seiner Jacke, die ich über einen Stuhl gehängt und darüber eine Trockenhaube angeschaltet hatte. Sie war gut getrocknet und in Form geblieben.
Ich stellte die Haube aus und hängte die Jacke auf einen Bügel.
*-*-*
Zur Erwiderung nickte ich dankend, denn er hatte seine Arbeit sehr gut gemacht und ich war äußerst zufrieden.
Ich trank den Kaffee, wie von ihm angeboten, noch aus, dann erhob ich mich, schnappte mir meinen, inzwischen trockenen, Mantel, zog diesen an und ging zur Kasse.
„Was bekommen sie von mir?“, fragte ich, auf die Rechnung wartend.
Ich zog aber auch schon meinen Geldbeutel aus meiner Hosentasche und entnahm diesem auch noch eine Visitenkarte, auf der alles stand, was er wissen musste, wollte er vielleicht zu mir Kontakt aufnehmen, was mich sehr freuen würde.
Denn jetzt wollte ich nicht weiter machen. Ich hatte jetzt noch den Termin, dafür brauchte ich all meine Konzentration und außerdem wollte ich nicht zu aufdringlich sein… ein zu viel wäre jetzt aber aufdringlich gewesen, was ich natürlich nicht wollte… ich wusste genau, wie ich vorgehen musste.
*-*-*
Ich lächelte meinen Kunden freundlich an und bedankte mich für die Karte, dann legte ich ihm die Rechnung vor.
Bei mir musste alles stimmen, der Service und die Preise!
Es war guter, höflicher Service zu günstigen Preisen. So kamen die Kunden gerne wieder.
Aber diesen Kunden würde ich allzu gerne wieder sehen.
Auch ich zog eine Karte aus dem Stapel, notierte auf der Rückseite noch meine Handynummer und steckte sie ihm zu.
Dann bedankte ich mich und verabschiedete mich.
„Ich hoffe, sie beehren uns bald wieder!“
*-*-*
Ich bezahlte den angegebenen Betrag und gab auch ein etwas höheres Trinkgeld… immerhin konnte ich es mir ja leisten, auch wenn es bei uns in Japan nicht üblich war ein Trinkgeld zu geben.
Aber ich wusste ja über die Sitten dieses Landes hier genauestens bescheid, schließlich war ich nicht das erste Mal hier.
Über seine Visitenkarte freute ich mich sehr, zeigte es jedoch nicht allzu deutlich, verneigte mich nur dankend… eben wie ich es gewohnt war.
Bevor ich ging, sah ich ihm direkt in die Augen und sprach grinsend:
„Wir sehen uns wieder… ganz sicher“, dann verließ ich den Salon.
Draußen war das Wetter wieder besser geworden. Es regnete nicht mehr und so kam ich trocken in der Firma an.
Ich meldete mich bei der Sekretärin an, die mich sogleich ihrem Chef ankündigte.
Sogleich wurde ich vorgelassen und betrat das Büro.
Im Sessel hinter dem Schreibtisch saß ein etwas fülliger Mann, aber das störte mich nicht, ich war nur im Auftrag meiner Firma hier.
Er begrüßte mich höflich und auch ich grüßte, wie ich es gewohnt war.
„Guten Tag, mein Name ist Ray Stephano.“
„Ich wünsche ihnen auch einen guten Tag, mein Name ist Daisuke Yamashita. Ich freue mich sie kennen zu lernen.
„Ich bin auch sehr erfreut“, antwortete Ray.
Er bot mir einen Platz an und ich setzte mich.
„Kommen wir gleich zum Geschäft“, begann ich, holte meine Akten aus der Tasche und legte diese Ray zur Einsicht vor.
Ray nickte anerkennend, lächelte mich an und meinte dann:
„Das sind sehr gute Konditionen, damit bin ich einverstanden.“
Na, das lief ja besser als ich dachte und dauerte gar nicht mal so lange, wie ich dachte.
„Gut, dann brauchen sie das nur noch zu unterschreiben und das Geschäft ist ihnen sicher“, erwiderte ich, verzog jedoch keine Miene.
Ray nickte, nachdem er sich das alles noch mal kurz angesehen hatte, nahm einen Stift und unterschrieb den Vertrag.
Den unterschriebenen Vertrag nahm ich an mich, verstaute ihn wieder in meiner Tasche, eine Kopie des Vertrages legte ich ihm auf den Tisch.
„So, hier bitte schön, der ist für sie.“
„Vielen Dank“, erwiderte Ray, dann verabschiedete ich mich.
„Es hat mich gefreut mit ihnen Geschäfte zu machen. Ich darf mich empfehlen. Auf Wiedersehen.“
Auch Ray verabschiedete sich von mir, dann verließ ich das Büro und musste mir einen bewundernden Blick der Sekretärin gefallen lassen, die ich nur kurz zulächelte… es aber keineswegs ernst meinte. Aber das wussten ja die meisten Europäer nicht.
Bald schon befand ich mich auf den Weg ins Hotel und hatte wenig später mein Zimmer betreten, wo ich mich erst einmal auf das Bett legte und alles noch einmal Revue passieren ließ. Dabei sah ich vor meinem geistigen Auge natürlich sogleich ein Bild dieses Mannes aus dem Salon und schloss grinsend die Augen.
*-*-*
Natürlich hatte ich mich über das großzügige Trinkgeld gefreut und schaute meinen Kunden noch eine Weile nach.
Dann füllte sich der Salon schnell, da das Wetter besser geworden war. Ich hatte alle Hände voll zu tun und das bis nach dem Mittag.
Erst gegen drei Uhr kam ich dazu, etwas zu essen und ein wenig aufzuräumen.
Dann kamen noch ein, zwei Kunden und der Feierabend rückte näher.
Emanuel verabschiedete sich um Punkt 18 Uhr, wie er es immer tat. Nachdem ich den Rest aufgeräumt und alles in Ordnung gebracht hatte, schloss ich ab.
Anschließend leerte ich die Kasse und machte noch die Abrechnung, wobei ich mir einen Feierabend Kaffee gönnte.
Nebenbei war ich am überlegen, was ich wohl zu Abend essen würde.
Plötzlich hörte ich vorne an der Tür ein Klopfen und stand auf, um erst mal nachzusehen, wer da war.
*-*-*
Nachdem ich mich etwas erholt hatte, duschte ich ausgiebig, setzte mich danach mit meiner Firma in Verbindung und erklärte was los war.
Anschließend pflegte ich mich, zog mich an, allerdings diesmal nicht in Schlips und Kragen und Anzug… nein, etwas lockerer, dennoch adrett. Noch ein paar Schmuckstücke angelegt, dann noch ein wenig dezentes Parfüm und ich war fertig.
Noch einmal prüfte ich ob ich alles dabei hatte, dann verließ ich das Hotel. Wohin ich wollte war klar.
Sehr schnell hatte ich die Straße erreicht und bald auch den… Salon. Okay, es war schon geschlossen, aber vielleicht war er ja noch hier.
So klopfte ich an die Tür, in der Hoffnung, er wäre noch da und würde mir öffnen.
Nun wartete ich geduldig an der Tür…
*-*-*
Freudestrahlend öffnete ich die Tür.
„Hast du etwas vergessen?“, fragte ich frech und duzte ihn einfach.
Musste dabei aber schelmisch grinsen.
Höflich öffnete ich die Tür und ließ ihn herein, strich dabei meine Haare aus dem Gesicht und schaute ihn verführerisch an.
*-*-*
Ich freute mich sehr, dass er doch noch da war und mir die Tür öffnete.
Auf seinem Gesicht erkannte ich, dass er sich freute. Sein Grinsen verriet mir, dass es ihm nicht so ganz unangenehm war, dass ich hier wieder aufgetaucht war.
Er duzte mich… okay, vielleicht war es hier so Sitte, so brauchte ich mich vielleicht auch nicht mehr so ganz zusammennehmen.
„Hallo, nein, ich habe nichts vergessen. Aber ich würde dich gern zum Essen einladen, wenn du magst. Ich würde dich gern besser kennen lernen“, erwiderte ich und duzte ihn ebenfalls.
Sein verführerischer Blick war mir natürlich nicht verborgen geblieben und ich erwiderte diesen Blick ebenso verführerisch… ließ meinen Charme spielen.
*-*-*
„Das trifft sich gut, dann brauche ich nicht mehr überlegen, was ich esse“, antwortete ich.
„Komm doch erst mal rein, ich bin fast fertig. Dann müsste ich aber noch eben schnell duschen, wenn das okay ist“, fügte ich hinzu.
Ich führte ihn nach hinten und setzte mich wieder an meine Abrechnungen.
„Wenn du auch noch einen Kaffee möchtest, bedien dich einfach beim Automaten vorne… Ist doch okay, wenn ich einfach du sage, wo du mich schon zum Essen einlädst, oder?
Ich heiße übrigens Frank, aber alle sagen Franky zu mir“, kam es dann noch von mir, wobei ich ihn anlächelte.
Viel musste ich nicht mehr machen, aber das wollte ich noch eben zu Ende bringen.
*-*-*
Nur allzu gern betrat ich mit ihm den Salon und ließ mich von ihm nach hinten führen.
„Es ist okay, ich kann warten und ich habe viel Zeit“, erwiderte ich auf seine Erklärung.
Schließlich nahm ich das Angebot an, ging nach vorn und holte mir einen Kaffee, anschließend setzte ich mich wieder zu ihm nach hinten.
„Mein Name ist übrigens Daisuke… du kannst aber gern Dai zu mir sagen. Ich habe nichts dagegen, dass du mich duzt.“
Während er noch am Arbeiten war, sah ich mich hier ein wenig um, konnte aber so ganz den Blick nicht von ihm lassen und ich freute mich schon auf diesen Abend.
Allerdings machte ich mir keine allzu großen Hoffnungen, dass das hier jemals mehr werden würde… wünschte es mir aber.
Nun, ich würde abwarten und schauen, was sich ergab.
*-*-*
Schnell waren die letzte Dinge erledigt und ich trank meinen Kaffee leer. Dann stellte ich die Tasse in die Spüle und nickte Dai zu.
„Wenn du möchtest, können wir jetzt nach oben zu mir. Hier bin ich fertig“, sagte ich zu ihm.
Ich nahm die Unterlagen und das Geld, sowie meinen Schlüssel, damit ich vorne abschließen konnte und hinten ums Haus herum, meine Eingangstür aufschließen konnte.
*-*-*
Ich nickte einwilligend.
„Danke, sehr gern“, erwiderte ich und blieb natürlich weiterhin sehr höflich, eben wie gewohnt.
Meinen Kaffeebecher ließ ich auf dem Tisch stehen… keine Ahnung, wo ich gerade mit meinen Gedanken war… vielleicht bei Franky.
Er sah sehr hübsch aus und war sehr nett und… er passte genau in mein Beuteschema.
Diesmal würde ich es jedoch langsam angehen lassen… immerhin lernt man ja… bei meinen beiden anderen Liebschaften war ich wohl etwas zu… schnell vorgegangen.
Das sollte mir jetzt nicht noch einmal passieren. Langsam, Schritt für Schritt würde ich vorgehen und dann… nun ja…
Auch wenn das hieß, dass ich dafür sehr oft hierher kommen musste… was von Japan aus, nicht gerade um die Ecke war. Vielleicht würde ich aber auch mal etwas länger hier bleiben… aber das würde die Zeit zeigen… jetzt war es sowieso noch viel zu früh um sich darüber Gedanken zu machen.
*-*-*
Wir gingen nach draußen und ich schloss den Salon ab. Dann führte ich Dai um die Ecke des Geschäftes, wo eine kleine Treppe mit drei Stufen raus ging.
Meine Haustür schloss ich auf und dann mussten wir noch eine größere Treppe raufsteigen, bis wir vor meiner Wohnungstür ankamen.
Auch die schloss ich auf und betrat sie mit Dai.
Meine Wohnung hatte ich edel eingerichtet, wenn auch mit wenig Möbeln. Ich mochte es eher schlicht und nicht allzu vollgestellt, dafür extravagant.
„Setzt dich doch. Wenn du noch etwas trinken möchtest, steht in der Küche alles. Ich will eben schnell duschen“, sagte ich zu Dai.
Die Wohnung hatte vor der Haustür einen Flur, wo man Jacken und Schuhe auszog. Dann kam man direkt ins Wohnzimmer, wo sich ein edles Sofa, mit Beistelltisch, worauf das Telefon stand, befand und kleines Bücherregal mit Büchern, sowie ein Schränkchen mit dem Fernseher.
Die Küche befand sich in der einen Richtung direkt nebenan. Wo auch ein Tisch mit drei Stühlen stand. Von der Küche aus, kam man in ein kleines Gästezimmer, mit Bett, Nachttisch und Kleiderschrank, worin sich auch mein Schreibtisch und somit Arbeitszimmer befand.
Mich führte mein Weg aber in die andere Richtung, ins Schlafzimmer. Dort stand ein sehr großes rundes Bett mit einen kleinen Nachttisch.
Von da ab gab es noch einen begehbaren Kleiderschrank und das große Bad mit Dusche und Wirlpool.
Es waren sehr große Räume, und somit eine schöne große Wohnung, die für einen oder zwei Personen mehr als ausreichend waren.
Unter dem Salon, hatte ich noch einen Keller, wo die Waschmaschine, der Trockner, und meine Waren vom Salon sich befanden.
Ein Auto besaß ich nicht, da es hier besser war Bus und Bahn zu benutzen, regelte ich alles zu Fuß. Außerdem waren wir hier sehr Zentral.
Ich suchte mir etwas zum Anziehen raus, was zu Dais Outfit passte und ging ins Bad, wo ich mich ausgiebig duschte und pflegte. Meine Gedanken waren frei, da ich eher etwas Festes suchte, würde es sicher ein schöner Abend werden, aber ohne Sex!
Auch wenn Dai mehr als verlockend war.
*-*-*
Mich traf fast der Schlag, als ich die Wohnung von Franky betrat. Wow, kam es mir in den Sinn, denn das hatte ich so nicht erwartet.
Mir gefiel was ich sah, sehr und so ließ ich es mir nicht nehmen, mich ein wenig in der Wohnung umzusehen. Die Einrichtung mit allem Drum und Dran traf genau meinen Geschmack.
Franky schien genau denselben Geschmack zu haben, wie ich. In dieser Hinsicht waren wir schon mal gleich.
Allein die Größe der Wohnung ließ mich staunen… sehr gut… wirklich sehr gut. Hier konnte man sich sehr schnell wie zuhause fühlen.
Na gut, ich besaß ein Anwesen, das ich aber fast genauso eingerichtet hatte.
War es vielleicht Schicksal, dass mich mein Weg heute Morgen genau in diesen Salon geführt hatte?
Ich freute mich schon sehr auf diesen Abend und darauf Franky etwas näher kennen zu lernen. Er hatte etwas an sich, das mich magisch anzog.
Trinken wollte ich jetzt nichts, viel zu sehr war ich damit beschäftigt mir die große Wohnung anzuschauen, das Bad ließ ich allerdings aus.
Irgendwann erreichte ich wieder das Wohnzimmer und setzte mich auf das gemütliche Sofa, wo ich auf Franky wartete.
*-*-*
Ich beeilte mich schon etwas, da ich Dai nicht allzu lange warten lassen wollte. Er schien wirklich nett zu sein und ich freute mich sehr auf den Abend, auch wenn ich wieder zeitig im Bett sein musste, um morgen ausgeruht, den Salon öffnen zu können.
Als ich fertig war, legte ich noch etwas Parfüm auf und ging zu Dai ins Wohnzimmer.
„So fertig! Ich hoffe dir war es nicht zu langweilig!“, sagte ich zu ihm.
„Wenn du möchtest, können wir. Wohin geht es denn?“, wollte ich dann von ihm wissen, während ich schon im Hausflur stand und aus meinem Schuhschrank die passenden Schuhe raus suchte.
*-*-*
Als Franky endlich fertig war und zu mir ins Wohnzimmer kam, um mir zu sagen, dass wir los könnten, erhob ich mich und ging mit ihm.
Einen Moment musste ich warten, bis er sich die Schuhe angezogen hatte.
Auf seine Frage antwortete ich ihm:
„Ich dachte mir, wir gehen in ein schickes japanisches Restaurant. Es ist nicht sehr weit weg von hier. Wir können bis dahin laufen. Du magst doch japanisches Essen, oder?“
Als er dann seine Schuhe endlich anhatte, machten wir uns auf den Weg zum Restaurant, das wir nur eine viertel Stunde später auch erreichten und es dann betraten.
Den Kellner kannte ich schon, denn hier ging ich immer, wenn ich denn in Deutschland war, essen. Er kam direkt auf uns zu, als er mich sah und begrüßte uns.
Ich grüßte natürlich in meiner Landessprache, was er höflich lächelnd erwiderte.
Danach brachte er uns zu meinem Stammplatz und brachte uns, nachdem wir Platz genommen hatten, die Karte und auch ein Glas Wasser, eben wie üblich.
*-*-*
„Ich esse so ziemlich alles und japanisch sehr gerne!“, hatte ich geantwortet, was wirklich stimmte, denn ich kannte das Restaurant ebenfalls.
Nur meistens holte ich mir nur etwas zu essen raus und aß zu Hause.
In die Karte brauchte ich gar nicht zu schauen, ich nahm wie üblich, was ich sonst auch aß und kannte die Nummern bereits auswendig.
„Also, was machst du so, wenn du nicht arbeitest?“, wollte ich ein Gespräch beginnen.
Wobei es auch gleich ein Test war, wie viel er arbeitete. Schließlich arbeitete ich die meiste Zeit am Tag und hatte somit keine wirklichen Hobbies.
*-*-*
Die Karte hatte ich weg gelegt, denn ich wusste was ich essen wollte… Franky schien es ebenfalls zu wissen, da er gar nicht erst in die Karte sah.
Ich nahm einen Schluck Wasser zu mir und antwortete dann:
„Nun, ich habe eigentlich kaum Hobbies, so etwas kann ich mir nicht leisten. Ich muss sehr viel arbeiten, denn in meinem Unternehmen gibt es sehr viel zu tun. Das Unternehmen hat mir mein Vater, vor zwei Jahren zu meinem 25. Geburtstag, vererbt. Ab und zu muss ich hier her kommen, wegen der Verträge mit anderen Firmen.“
Ich sah ihm direkt in die Augen, während ich das erzählte.
„Tja, und in einer Woche muss ich schon wieder zurück nach Japan. So bin ich immer im Stress und sehr viel unterwegs, aber es macht mir auch sehr viel Spaß.“
Der Kellner kam an unseren Tisch und nahm unsere Bestellungen auf.
„Was machst du so, wenn du nicht arbeitest?“, wollte ich nun meinerseits auch wissen.
*-*-*
Ich musste schmunzeln, als Dai erzählte, dass er viel arbeitete. Doch als er dann sagte, dass er in einer Woche schon wieder nach Japan müsse, wurde mir ein wenig schwer ums Herz.
„Mir geht es genauso, wie dir. Ich arbeite die meiste Zeit. Wenn ich nicht arbeite, treffe ich mich höchstens mal mit Freunden. Aber sonst, sind die meisten Beziehungen, die ich hatte, immer daran gescheitert, dass ich zu viel gearbeitet habe“, erzählte ich ihm ganz offen, nachdem ich meine Bestellung aufgegeben hatte.
Ebenfalls schaute ich ihm direkt in die Augen und es kam mir so vor, als würde ich ihn schon ewig kennen.
Dann erzählte ich ihm von meinem Meisterbrief, und dass ich den Salon noch nicht so lange hatte, es aber wagen wollte.
*-*-*
„Ich bewundere dich wirklich, denn du machst deine Sache mit dem Salon sehr gut, soweit ich es beurteilen konnte“, erwiderte ich, als er mir das mit dem Meisterbrief erzählte.
Er hatte so wunderschöne Augen, wie ich feststellen musste, als er meinen Blick erwiderte und ich ihn einen Moment fast schmachtend ansah.
Mit ihm konnte ich mir irgendwann eine Beziehung vorstellen. Anscheinend war er es, der mir zu meinem vollkommenen Glück fehlte.
„Tja, da haben wir wohl beide kaum Freizeit, was“, meinte ich und sah einen kurzen Moment aus dem Fenster… aber wirklich nur kurz… denn unhöflich wollte ich ja nun nicht sein.
Irgendwann brachte der Kellner das Essen und stellte es vor uns auf den Tisch.
„Guten Appetit“, wünschte ich Franky.
Ich trank noch einen Schluck, dann begann ich langsam und genießend zu essen.
*-*-*
„Wünsche ich dir auch“, sagte ich, nahm ebenfalls einen Schluck zu Trinken und begann zu essen.
Dai schien so perfekt zu sein, dass ich mich fragte, wo sein Haken war. Aber das würde ich mit der Zeit sicher noch herausfinden.
Das Essen schmeckte wie immer sehr gut. Vielleicht noch besser, als wie wenn man es mit nach Hause nahm.
Ich genoss es sehr, auch Dais Anwesenheit.
Die Zeit schien zu fliegen. Nach dem Essen bestellte ich noch einen Nachtisch, den ich sehr genoss. Wir redeten viel und ich erzählte viel mehr über mich, als ich es zu Anfang wollte.
Dann war es auch schon 23 Uhr.
„Ich fürchte, dass ich gleich nach Hause muss“, sagte ich betrübt, da ich mich ungern von ihm trennen wollte.
*-*-*
Es war ein wirklich schöner Abend geworden. Franky hatte sehr viel von sich erzählt, während ich ihm einfach nur zugehört hatte. Ab und zu hatte ich ein paar Fragen gestellt, wenn mich etwas sehr interessierte.
Aber auch ich hatte ein wenig über mich erzählt… natürlich hatte ich gewisse Dinge wohlweislich ausgelassen… wollte ich ihn doch nicht gleich verschrecken.
Wie immer genoss ich das Essen hier sehr und Frankys Anwesenheit machte es noch etwas besser.
Als Franky meinte, dass er langsam heim musste, sah auch ich auf die Uhr und nickte:
„Da hast du recht, ich muss morgen auch wieder etwas früher aufstehen… na ja, Termine eben“, stimmte ich zu.
Dann winkte ich den Kellner zu uns heran, bat um die Rechnung und bezahlte diese dann… für uns beide. Natürlich, bezahlte ich… immerhin hatte ich ihn doch eingeladen.
Dann stand ich schließlich auf, zog mir meine Jacke an und wartete noch auf Franky.
*-*-*
Ich stand ebenfalls auf und zog mir die Jacke an.
„Danke“, lächelte ich Dai an.
Mit einem Mal hatte ich keine Worte mehr. Vielleicht weil ich so viel erzählt hatte oder aber weil es schon spät war.
Draußen war es schon dunkel und die Sterne zierten den Himmel. Wir hatten Vollmond, der hell leuchtete.
Tief einatmend, schaute ich zum Himmel. Die Luft war herrlich und es war wirklich ein so schöner Abend.
*-*-*
Draußen angekommen atmete auch ich die frische Nachtluft tief ein.
„Komm, ich bring dich noch nach Hause, okay“, bot ich ihm an, folgte aber zunächst seinem Blick.
„Es ist eine schöne Nacht“, schwärmte ich lächelnd.
Schließlich brachte ich Franky nach Hause. Dort angekommen, verabschiedete ich mich von ihm.
„Also, dann. Gute Nacht, schlaf gut. Und… danke, für den schönen Abend. Das würde ich sehr gern irgendwann wiederholen“, dabei lächelte ich ihn sanft an, tat aber sonst nichts weiter, denn das wäre wiederum zu aufdringlich gewesen, was ich nicht wollte.
Noch einmal winkte ich ihm lächelnd zu und machte mich dann auf den Weg ins Hotel, das ich schon bald erreichte.
In meinem Zimmer angekommen, zog ich mich aus und fiel ins Bett, wo ich sogleich einschlief.
*-*-*
„Ich wünsche dir auch eine gute Nacht und würde mich freuen, wenn wir das wiederholen“, antwortete ich ihm zum Abschied.
Dann ging ich hinein und fiel ebenfalls ins Bett. Beim Einschlafen musste ich an Dai denken und hatte sehr schöne Träume.
Leider holte mich mein Wecker aus einem und ich musste wieder an die Arbeit gehen.
Den ganzen Tag dachte ich nur an Dai und versuchte trotzdem meiner Arbeit nachzugehen.
Es war ein langgezogener Tag, da das Wetter mal wieder nicht so toll war und deshalb wenig Kunden da waren.
Mittags ging ich rüber zum Bäcker und holte mir eine Kleinigkeit zu Essen. Wobei ich mich nicht wirklich entscheiden konnte, bei der vielen Auswahl.
Emanuel wollte wie immer ein Käsebrötchen und ich stand unentschlossen vor dem Tresen, ließ sogar schon Leute vor.
*-*-*
Nach einer schönen Nacht… ja, ich hatte endlich mal wirklich gut geschlafen, wurde ich sehr unsanft von meinem Handy geweckt. Noch ziemlich schlaftrunken, nahm ich das Handy an mich, drückte auf die grüne Taste und meldete mich.
Ach ja, mein Stellvertreter war dran.
Er erklärte mir was los sei und ich gab ihm verschiedene Instruktionen, was er zu tun und zu lassen hatte. Natürlich hatte er eine gänzlich andere Meinung als ich, so dass ich ihn grob zurechtweisen musste und er sich mir ergab.
Ich war nun mal der Chef und es wurde getan was ich wollte… nicht was andere wollten… Punkt, aus, Basta… keine Widerrede!
Ich musste mich sehr oft richtig durchsetzen. Insbesondere hatten manche ältere Mitarbeiter mit mir ein Problem… weil ich ja noch so jung sei und keine Erfahrung hätte… was natürlich Quatsch war.
Ich vermochte es dennoch mich immer wieder hart durchzusetzen. Wer eben nicht spurte wurde abgemahnt oder vor die Tür gesetzt. Da kannte ich keine Gnade!
Nachdem ich wieder aufgelegt hatte, dachte ich, mit einem Lächeln auf den Lippen, an Franky.
Sogleich schrieb ich ihm eine SMS:
Guten Morgen, Franky, magst du heute, nach Feierabend, zu mir ins Hotel kommen? LG Dai.
Dann schrieb ich ihm noch den Namen und die Adresse des Hotels und meine Zimmernummer auf.
Anschließend schickte ich die SMS ab, ging dann ins Bad und machte mich fertig für den Tag.
Inzwischen wurde mein Frühstück serviert, so dass ich noch in Ruhe was essen konnte, bevor ich das Hotel verließ und meine Termine wahrnahm.
Es waren einige Firmen, die ich besuchen musste und viele Chefs stellten sich quer, so dass ich einiges an Überredungskunst aufbringen musste, um meine Ziele zu erreichen, denn so leicht gab ich mich sicher nicht geschlagen.
Währenddessen der Verhandlungen durfte ich nicht an Franky denken, denn das hätte mir womöglich alles zunichte gemacht und das konnte ich mir nicht leisten.
Nur zwischendurch, wenn ich etwas Ruhe hatte, dachte ich an ihn… hoffte auf eine SMS von ihm und eine Zusage.
*-*-*
Nachdem ich mich endlich für etwas zu Essen entschieden hatte und wieder rüber in den Salon ging, machte ich meine Mittagspause.
Ich aß und trank und hatte auch Zeit auf mein Handy zu schauen.
Erfreut bemerkte ich erst jetzt die SMS von Dai. Denn während der Arbeit schaute ich nur selten auf mein Handy.
Ich komme dich heute Abend sehr gerne besuchen
Schrieb ich ihm zurück. Der Nachmittag verlief ruhig, so dass ich mich schon um vieles kümmern konnte.
Der Feierabend verlief wie immer, nur dass ich mich sehr beeilte. Nachdem ich den Laden abgeschlossen hatte, ging ich hinauf, duschte und machte mich fertig.
Mit einer Tüte zu Knabbern bewaffnet, ging ich zum Hotel, fuhr mit dem Fahrstuhl hoch und fand auch schnell die angegebene Zimmernummer.
Ein bisschen nervös war ich nun schon. Hoffentlich hatte Dai keine schlimmen Absichten, wo er mich in sein Hotelzimmer einlud.
Doch versuchte ich ihm einfach zu vertrauen und klopfte, nachdem ich einmal tief durchgeatmet hatte.
*-*-*
Die stressigen Termine endlich hinter mir, war ich wieder im Hotel angekommen und hatte, nachdem ich die Zusage von Franky erhalten hatte, vom Hotelpersonal, in meiner Suite, ein zauberhaftes… ja, romantisches japanisches Dinner herrichten lassen.
Auch die Kerzen fehlten nicht. Im ganzen Zimmer war das Licht sehr gedämmt, so dass die Kerzen besser zur Geltung kamen.
Ich selbst hatte vorher noch gründlich geduscht und mich gepflegt, dann hatte ich mich schick angezogen, gestylt und noch einigen seltenen, aber dezenten Schmuck angelegt.
Noch etwas Parfüm… dann klopfte es auch schon an der Tür. Ich schaute mich noch um, ob auch wirklich alles perfekt war, dann öffnete ich die Tür und freute mich ihn zu sehen.
„Hallo Franky, schön, dass du da bist. Bitte, komm doch rein“, begrüßte ich ihn und schloss hinter ihm die Tür, nachdem er das Zimmer betreten hatte.
Seine Jacke nahm ich ihm ab und hängte sie auf, anschließend führte ich ihn zu Tisch und ließ ihn Platz nehmen… gab mich schon fast Gentlemanlike.
Ich bediente ihn und setzte mich dann selbst auch hin.
„Guten Appetit. Lass es dir schmecken“, wünschte ich Franky mit sanfter Stimme und einem liebevollem Lächeln.
Ja, ich wollte bei ihm landen… ihn um den kleinen Finger wickeln… auch wenn ich vielleicht noch keinen Sex wollte, aber ich legte mich mächtig ins Zeug… wollte ihm einfach gefallen… stellte ich mir doch eine gemeinsame Zukunft mit ihm vor… egal wo und egal wie lange es dauern würde, bis es soweit wäre.
*-*-*
Wow war ich begeistert. Es sah hier wahnsinnig toll aus und Dai legte sich sehr ins Zeug.
So umgarnt wurde ich noch nie und ich genoss es in vollen Zügen.
„Danke, ich wünsche dir auch einen guten Appetit“, sagte ich und ließ mir das Essen schmecken.
Während des Essens schwieg ich, lächelte ab und zu Dai an und konnte gar nicht genug, vom leckeren Essen bekommen.
Dann war der Teller leer und ich mehr als satt.
„Das war wirklich sehr lecker!“, musste ich zugeben.
Anschließend plauderte ich ein wenig, wie mein Tag war und was die nächsten Tage anlag. Mein einer Freund hatte morgen Abend Geburtstag und ich würde Dai gerne mit dabei haben.
„Ich würde mich freuen, wenn du mich begleitest“, bot ich ihm an. Sicher würden meine Freunde Fragen stellen, aber ich wollte auch ihre Meinung zu Dai hören.
Immerhin war ich dabei mein Herz an ihn zu verlieren und hoffte auf eine ernsthafte Beziehung.
*-*-*
Ich freute mich sehr, dass es ihm so gut gefallen hatte und mir so vieles zu erzählen hatte.
„Schön, dass es dir geschmeckt hat. Ich freue mich, dass du meine Einladung angenommen hast“, erwiderte ich lächelnd.
Tatsächlich wollte er mich mit zu seinen Freunden nehmen, das wollte ich mir nicht entgehen lassen.
„Ich komme sehr gern mit. Danke, dass du mich mitnehmen willst. Ich freue mich drauf“, antwortete ich einwilligend.
Lieb sah ich ihm in die Augen, bekam nicht genug von diesen wahnsinnig schönen Augen.
Zu gern hätte ich ihn jetzt geküsst, aber es war vermutlich noch zu früh und ich hatte keine Lust ein Risiko einzugehen… einen Fehler zu machen… und ihn damit womöglich zu verschrecken.
Obwohl ich ihn noch nicht so lange und so gut kannte, wusste ich bereits, dass ich meine große Liebe gefunden hatte. Die Gefühle in meinem Inneren fuhren Achterbahn und doch nahm ich mich zusammen.
*-*-*
Ich war sehr froh darüber, dass Dai mich begleiten wollte. Wie ein kleines Kind freute ich mich innerlich auf den morgigen Abend.
Dai zog mich magisch an und auch wenn ich ihn erst so kurz kannte, hatte ich das Gefühl, dass uns irgendetwas verbannt.
„Und was stellen wir jetzt an?“, wollte ich nach dem Essen wissen.
Sicher hatten wir uns viel zu erzählen, wollten uns besser kennenlernen und am nächsten Tag mussten wir beide wieder früh aus den Federn, aber irgendetwas musste ich jetzt anstellen, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen.
*-*-*
Auf seine Frage hin, fiel mir schon etwas ein, das wir tun könnten, aber… nein… nein, das musste ich vorläufig aus meinen Gedanken verbannen.
Dennoch wollte ich es ihn wissen lassen, was ich fühlte und setzte alles auf eine Karte… egal was dann passieren oder Franky von mir denken würde.
Ich stand auf, kniete mich vor ihm hin, nahm seine Hände in die meinen und sah ihm sanft in die Augen.
„Franky, ich habe mich in dich verliebt und ich hoffe sehr, dass dies hier irgendwann eine Beziehung wird. Ich weiß, es ist vielleicht sehr früh an so etwas wie eine Beziehung zu denken, aber… ich wollte einfach, dass du weißt, was ich für dich empfinde… für dich fühle.“
Nun wartete ich auf seine Reaktion… hoffend, dass er mich nicht sofort abweisen würde.
*-*-*
Total verwirrt schaute ich ihn an, errötete ein wenig und musste dann lächeln.
„Du hast mir jetzt erst einen Schrecken eingejagt“, lachte ich auf, „Ich dachte schon, du willst mir einen Antrag machen.“
Liebevoll drückte ich seine Hand und zog ihn wieder auf die Beine. Dann umarmte ich ihn und konnte nicht anders, als einen sanften kurzen Kuss auf seine Lippen zu hauchen.
„Ich habe mich auch in dich verliebt und hoffe, dass wir trotz der vielen Arbeit und der Entfernung zueinander, eine Beziehung eingehen können. Du hast aber schon recht, wir sollten es langsam angehen lassen und uns alle Zeit der Welt nehmen“, antwortete ich ihm dann.
Dabei sah ich direkt in seine schönen Augen und lächelte.
*-*-*
Ich schmunzelte, als er einen Scherz machte… jedoch war mir nicht nach Lachen zumute, denn ich meinte es verdammt ernst.
Als er mich jedoch so sanft, aber kurz küsste, erwiderte ich direkt den Kuss.
Erleichtert atmete ich auf, als er meine Liebe tatsächlich erwiderte.
„Natürlich lassen wir uns alle Zeit der Welt, ich möchte auch nichts überstürzen. Wie gesagt, ich wollte dich nur wissen lassen, was ich für dich empfinde. Unsere Arbeit und die Entfernung werden uns sicher nicht im Wege stehen, denke ich. Da ich sowieso sehr oft hier bin, sollte das kein Problem darstellen und wer weiß… vielleicht besuchst du mich ja auch mal in Japan“, erwiderte ich ebenfalls lächelnd.
Dann nahm ich ihn in die Arme und drückte ihn sanft an mich.
*-*-*
Wie gut sich das anfühlte. Dai empfand genauso wie ich und seine Nähe machte mich beinahe wahnsinnig.
Wir verstanden uns super und hatten dieselben Gedanken, wie man eine ernsthafte Beziehung angeht.
Es hörte sich alles so gut an, beinahe zu gut, um wahr zu sein.
Seine Umarmung erwiderte ich nur zu gerne und lehnte mich regelrecht an ihn ran.
Warum nur war ich ihm nicht eher begegnet? Sollte es einfach so sein? War das hier alles Schicksal?
„Am liebsten würde ich dich nie wieder los lassen“, scherzte ich.
Dann gab ich ihm noch einmal einen sanften kurzen Kuss. Nur als Zeichen, wie ernst mir alles war.
*-*-*
Ich genoss es sehr Franky in meinen Armen halten zu dürfen und er sich zudem an mich lehnte.
Zärtlich streichelte ich seinen Rücken und schloss dabei ein wenig und nur kurz die Augen.
Es war wirklich toll zu wissen, dass da jemand war, der ebenso empfand und dachte, wie man selbst.
„Wir müssen uns doch auch gar nicht mehr loslassen… lassen wir die Zeit einfach stillstehen“, erwiderte ich flüsternd und lehnte meinen Kopf an den seinen.
Seinen sanften Kuss erwiderte ich, aber nicht nur ganz kurz… nein, jetzt wurde mein Kuss etwas leidenschaftlicher… wollte mich wirklich nicht von ihm lösen.
„Ich liebe dich“, flüsterte ich ihm zu, nachdem ich nun doch den Kuss gelöst hatte.
*-*-*
„Ich liebe dich auch“, antwortete ich Dai und ließ mich einfach treiben.
Seinen Kuss hatte ich natürlich erwidert, aber mehr sollte es erst mal nicht sein.
Die Zeit rannte und so musste ich schon bald gehen.
Noch einmal küsste ich ihn, bevor ich mich auf dem Heimweg machte. Natürlich grinste ich über das ganze Gesicht und war so was von glücklich.
Hach, Liebe ist doch etwas Schönes!
Dennoch war ich nervös, was meine Freunde wohl sagen würden zu Dai und so fieberte ich dem nächsten Abend entgegen.
Den Tag verbrachte ich wie immer mit reichlich Arbeit. Nach dem Feierabend ging es nach oben, wo ich gründlich duschte.
Ich war spät dran, so dass ich gerade unter der Dusche weg kam, als es klingelte. Nur mit einem Handtuch um die Hüften, ging ich zur Tür und betätigte den Summer.
Dann ging ich in meinen begehbaren Kleiderschrank, wo ich mich abtrocknete und nach etwas passendem zum Anziehen suchte.
*-*-*
Ein wenig traurig war ich schon, als Franky gegangen war, aber ich wusste ja, dass es so sein musste, also ließ ich den Zimmerservice alles ab – und aufräumen und legte mich danach völlig fertig ins Bett.
Mit einem Bild von Franky vor meinem geistigen Auge, schlief ich friedlich ein und wurde erst gegen Morgen, von meinem Handy sehr unsanft aus einem wunderschönen Traum geweckt.
Ich nahm ab und meldete mich.
Mal wieder war mein Stellvertreter am Telefon und motzte mich voll. Wie es schien hatte der nicht wirklich alles im Griff. So sah ich mich gezwungen einen Flug schon für den nächsten Tag zu buchen. Es nutzte nichts… ich musste zurück.
Irgendwie würde ich es auch Franky beibringen müssen… aber ich würde ja wieder kommen… wenn es meine Zeit erlaubte.
Heute hatte ich ausnahmsweise mal keine Termine, so dass ich den Tag entspannt angehen lassen konnte… na ja, bis auf das Telefonat eben… es regte mich auf.
So verbrachte ich den Tag mit diversen Einkäufen und hatte auch eine Kleinigkeit für Franky besorgt… hoffend, es würde ihm gefallen.
Gegen Abend, war ich wieder im Hotel angekommen, machte mich fertig und dann auf den Weg zum Franky.
Überpünktlich hatte ich sein Haus erreicht und klingelte.
Er öffnete und ich betrat seine Wohnung, suchte ihn… weil er mich nicht an der Tür begrüßt hatte.
„Franky? Wo bist du?“, fragte ich in die Stille hinein… wollte ich doch nicht durch die Wohnung laufen, um ihn zu suchen.
*-*-*
„Ich bin im Kleiderschrank“, antwortete ich und musste lachen, weil sich das mehr als komisch anhörte.
Außerdem stand ich noch immer Splitterfasernackt da, weil ich nicht wusste was ich anziehen sollte.
„Hilf mir“, maulte ich, „Ich hab nichts zum Anziehen!“
Manno, war das doof. Irgendwie hatte man ja auch nie das richtige.
*-*-*
So, so, im Kleiderschrank also… ich musste grinsen, als ich das hörte und ging sogleich zu ihm.
Den Kleiderschrank erreicht, wich ich zurück… wollte meinen, mehr als schmutzigen Gedanken, keine Nahrung geben und ihnen auf keinen Fall nachgeben. So drehte ich mich um und meinte:
„Zieh dir bloß was an… ansonsten kannst du den Geburtstag deines Freundes vergessen. Du wirst schon das Passende finden. Sorry, ich kann dir dabei nicht helfen.“
Man, man, man… und da sollte ich mich nun zusammenreißen…
„Ich warte im Wohnzimmer auf dich..“, fügte ich hinzu und ging dann ins Wohnzimmer, wo ich mich auf das Sofa setzte und auf Franky wartete.
*-*-*
Etwas verdutzt war ich im ersten Moment nun schon, musste dann aber breit Grinsen.
Ich fand dann nach einigem hin und her, doch etwas zum anziehen und ging nachdem ich meine Haare gerichtet und etwas Parfum aufgelegt hatte, ebenfalls ins Wohnzimmer.
Noch immer musste ich breit Grinsen und lachte Dai an.
„Hi“, begrüßte ich ihn und gab ihm einen Kuss.
*-*-*
Endlich war Franky fertig und kam zu mir ins Wohnzimmer.
Sogleich stand ich auf und ging auf ihn zu. Herrje, er sah zum Verlieben aus.
Natürlich erwiderte ich seinen Kuss nur allzu gern.
„Hallo Franky“, begrüßte ich ihn, holte dann eine kleine rote Schachtel aus meiner Jackentasche und öffnete sie.
Aus der Schachtel holte ich eine silberne Kette, die zu einer Kordel gedreht war, heraus, stellte mich hinter ihn und legte ihm die Kette um den Hals.
Dann stellte ich mich wieder vor ihn.
„Das ist mein Geschenk an dich, wenn du magst, schau es dir ruhig mal an. Sollte es dir nicht gefallen, dann sag es mir bitte“, meinte ich und sprach dann weiter:
„Franky, bevor wir losgehen, muss ich dir leider noch etwas sagen. Ich muss morgen früh schon los, denn es gibt Ärger in der Firma. Aber ich werde so schnell wie möglich wieder kommen. Bitte, sei nicht traurig.“ und sah ihn lieb, aber auch sehr traurig an.
*-*-*
Total glücklich wegen der Kette, aber auch traurig wegen der Nachricht, ging ich erst mal zum Spiegel.
Die Kette war der absolute Hammer und ich hätte auch gerne etwas für Dai gehabt.
„Die Arbeit geht vor! Das verstehe ich, auch wenn ich traurig bin. Die Kette ist wunderschön, vielen lieben Dank!“, sagte ich zu ihm.
Dann ging ich rüber und küsste ihn leidenschaftlich, wobei ich ihn umarmte.
„Wann geht dein Flug? Ich würde dich gerne zum Flughafen bringen!“, wollte ich dann wissen, nachdem ich den Kuss beendet hatte.
*-*-*
Es freute mich total, wie sehr er sich über mein kleines Geschenk freute, und lächelte.
Ich erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuss nur allzu gern… konnte kaum genug bekommen… umarmte ihn ebenfalls und drückte ihn sanft an mich.
Es war gut zu wissen, dass er so viel Verständnis zeigte… natürlich, denn er dachte ja genau wie ich. Die Arbeit geht vor!
„Nicht traurig sein, ich komme wieder. Das verspreche ich dir“, flüsterte ich ihm zu und streichelte sanft seinen Rücken, bis er sich wieder von mir löste.
Auf seine Frage antwortete ich:
„Mein Flug geht morgen Vormittag um 10 Uhr. Wir haben also noch etwas Zeit. Ich würde mich freuen, wenn du mich zum Flughafen begleiten würdest.“ und streichelte zärtlich seine rechte Wange.
Liebevoll sah ich ihn an und fragte ihn:
„Wollten wir nicht zum Geburtstag deines Freundes?“ und musste ein wenig grinsen.
*-*-*
Dais Grinsen erwidernd, küsste ich ihn erneut. Ich konnte und wollte mich jetzt nicht von ihm lösen.
„Ach, ich weiß nicht, ich glaube uns ist da etwas zwischen gekommen“, lächelte ich.
Dann nahm ich Dai an die Hand und führte ihn ins Schlafzimmer. Sicher wollte ich ihn meinen Freunden vorstellen und sicher wollten wir noch warten.
Aber ihn so gehen zu lassen, war für mich unmöglich. Vielleicht würden wir später noch zum Geburtstag gehen.
Jetzt wollte ich erst mal ein wenig mit Dai alleine sein und mich für das tolle Geschenk bedanken.
Ein wenig unsicher schaute ich ihn noch an, bevor ich ihn erneut küsste. Es wäre ein leichtes gewesen, ihn aufs Bett zu zerren, doch ich wollte, dass er es genauso wollte wie ich.
Mir war nach ein wenig Zärtlichkeit. Schmusen ohne große Erwartungen. Alles andere hatte noch Zeit!
Nur sollte er wissen, was er vermissen würde.
*-*-*
Wow… jetzt ging Franky aber ran. Ich war schon sehr überrascht, als er mich jetzt in sein Schlafzimmer führte, aber ich erwiderte seinen Kuss und wurde doch gleich etwas leidenschaftlicher.
….herrje… er wollte doch wohl nicht etwa… ?
Nun, mir war es recht, egal was er jetzt vorhatte, oder eben nicht… an mir sollte es sicher nicht liegen.
Sagen wollte ich jetzt nichts mehr, denn jetzt wäre sowieso jedes weitere Wort zu viel gewesen und hätte diesen schönen Moment zerstört.
Seinen unsicheren Blick bemerkend streichelte ich ihn sanft… küsste ihn dann und schob ihn sacht zum Bett, auf das ich ihn vorsichtig gleiten ließ.
Währenddessen strich ich mit meiner Zunge, um Einlass bittend, über seine Lippen, drang noch etwas scheu in seine Mundhöhle ein und erkundete diese.
Meine Hände machten sich derweil selbstständig und begannen seinen Körper streichelnd zu erforschen, nachdem ich mich halb auf ihn gelegt und ein Bein zwischen seine geschoben hatte.
Sein Körper machte mich fast wahnsinnig, zumal ich ihn ja vorhin schon nackt, wenn auch nur sehr kurz, gesehen hatte.
Es fiel mir schwer mich jetzt noch zusammenzureißen, aber ich tat es, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wie lange ich dieses Spiel durchhalten würde.
Sicher, ich wollte ihn… so sehr, dass ich hätte töten können. Meine Begierde… meine Sehnsucht nach ihm, ließen mich fast den Verstand verlieren.
Aber konnte ich ihn jetzt und hier so einfach… verführen…?
…Nein…
….ich musste mich beherrschen…
*-*-*
Ich ließ mich nur zu gerne, von Dai aufs Bett dirigieren und genoss es, dass er auf mir lag.
Seine Zunge drang in meinen Mund ein und meine fing direkt an, mit ihr zu spielen. Die Streicheleinheiten waren wunderschön und genauso, wie sein Bein zwischen meinen sich gut anfühlte.
Aber dennoch, war ich für einen Stellungswechsel, legte den Arm um ihn und drehte mich mit ihm um. Jetzt lag ich auf ihn und drängte mein Bein zwischen die seinen.
Mein Bett war schließlich mehr als groß genug, für solche Spielchen und ich genoss es nun, die Führung übernommen zu haben.
Den Kuss kurz lösend, küsste ich liebevoll Dais Hals und knabberte ein wenig an seinem Ohr, bevor ich den Kuss fortsetzte.
Auch meine Hände erkundeten nun ein wenig seinen Oberkörper, waren aber noch etwas scheu, wenn auch neugierig.
*-*-*
Hui… Franky hatte es echt drauf, denn schneller als ich denken konnte, lag er auf mir und ich genoss es in vollen Zügen… ihn auf mir zu spüren… seine Hände, die meinen Oberkörper streichelnd erkundeten… genießend schloss ich die Augen.
Nur allzu gern ließ ich ihn gewähren, mochte auch sein Bein, zwischen den meinen… es war ein sehr angenehmes Gefühl, von dem ich nicht genug bekam.
Ich ließ mich fallen, genoss seine Küsse… seine Streicheleinheiten und gab schon ein wohliges Seufzen von mir.
Irgendwie wollte ich mehr, aber ich wollte auch nichts überstürzen.
Meine Hände blieben natürlich nicht untätig… nein.
Ich ließ meine Hände, ebenfalls streichelnd, über seinen Oberkörper wandern, so gelangten sie auch unter sein Shirt, wo sie Frankys wunderbar weiche Haut zärtlich streichelten… Zentimeter für Zentimeter… ganz langsam.
Seine Küsse erwiderte ich währenddessen sehr leidenschaftlich, wie ein Abhängiger auf Entzug, hing ich an seinen weichen Lippen, die mich fast noch mehr in den Wahnsinn trieben.
*-*-*
Auch ich genoss es sehr, Dai zu küssen und dessen warme Finger auf meiner nackten Haut zu spüren.
Zwischendurch störte mein Handy, was lautstark immer wieder bimmelte. Doch ich versuchte es zu ignorieren, konnte mir denken, dass es meine Freunde waren, die wissen wollten, wo ich bleibe.
Mir kam auch ab und an ein Seufzen über die Lippen, denn es war viel zu schön mit Dai. Am liebsten hätte ich ihn nicht gehen lassen oder mich in seinen Koffer geschmuggelt, aber das ging nun mal nicht.
Wir mussten es so nehmen, wie es war.
Jetzt wollte ich einfach ein wenig seine Nähe genießen, solange es noch ging und morgen würde ich mir für ein paar Stunden frei nehmen, um ihn richtig verabschieden zu können.
*-*-*
Mein Franky schien ein richtiger Schmusekater zu sein, natürlich ließ ich ihn weiter gewähren… nahm mich zurück, denn für weitergehendes hätten wir noch genug Zeit, wenn wir erst mal richtig zusammen wären und eine Beziehung führen würden.
So genoss ich einfach seine Zärtlichkeiten, die ich natürlich nur allzu gern erwiderte.
Jemanden, wie Franky hatte ich bislang nie kennen lernen dürfen… die anderen waren immer so oberflächlich gewesen. Ich kam immer sehr schnell zur Sache, aber hier mit Franky wollte ich mir Zeit lassen… viel Zeit.
Warum konnte ich ihn nicht einfach zusammenfalten und mitnehmen…?
Aber es war ja nicht möglich, so genoss ich einfach weiter, mit ihm hier zu liegen und Zärtlichkeiten auszutauschen.
*-*-*
Leider rannte der Abend so dahin und ich wusste gar nicht wo die Zeit geblieben war. Langsam wurde es dunkel in der Wohnung und ich löste mich von Dai, wenn auch etwas unfreiwillig.
„Magst du heute einfach hier schlafen und morgen stehen wir beide früh auf? Ich helf dir auch beim Packen, falls du das noch machen musst!“, bettelte ich.
Nun schaute ich doch auf meinen Handy nach und simste einen Freund eben, dass alles okay sei. Außerdem gab ich Emanuel Bescheid, wegen morgen. Ich würde wohl erst gegen Mittag arbeiten. Bis dahin musste er es mal alleine schaffen.
Auch machte sich nun mein Magen bemerkbar, da ich noch nichts gegessen hatte.
„Ups“, grinste ich.
*-*-*
Leider ging dieser schöne Moment viel zu schnell vorbei und als sich Franky von mir löste, was ich schon etwas enttäuscht, zeigte es aber nicht.
Ich fand es aber zu niedlich, wie er mich anbettelte, ob ich nicht hier bleiben könnte.
Nach kurzer Überlegung antwortete ich ihm:
„Hör mir bitte kurz zu, okay. Ich werde jetzt noch mal ins Hotel fahren, meinen Koffer nehmen und auschecken. Gepackt hab ich schon. Und dann komme ich wieder her. Einverstanden?“ und sah ihn lieb an.
Natürlich wollte ich mich auch nicht so ohne weiteres von ihm trennen. Aber so hätten wir morgen noch etwas mehr Zeit für uns.
Als ich dann noch seinen Magen grummeln hörte, grinste ich.
„Oder wir gehen jetzt zusammen, essen noch eine Kleinigkeit und kommen dann hierher zurück. Was hältst du davon?“, schlug ich vor.
*-*-*
„Ja, das hört sich sehr gut an! Oder aber wir gehen beide ins Hotel, lassen uns was zu Essen aufs Zimmer bringen und übernachten da…?“, schlug ich vor, obwohl mir seine Idee auch sehr gut gefiel und es mir eigentlich egal war, was wir nun taten.
Hauptsache wir waren zusammen und mein Magen bekam etwas zu tun.
Dann küsste ich Dai noch einmal. Manno, warum zogen mich seine Lippen auch so an?
Anschließend lächelte ich ihn an und erhob mich vom Bett.
*-*-*
„Gut, einverstanden, dann kommst du eben mit ins Hotel und wir lassen uns was zu Essen aufs Zimmer bringen“, willigte ich nickend ein.
Nachdem ich seinen sanften Kuss erwidert hatte, erhob auch ich mich von dem Bett und rückte meine Kleidung etwas zurecht.
Ja, es musste alles perfekt sitzen.
Dann nahm ich ihn bei der Hand und sah ihm in die Augen.
„Gehen wir?“, fragte ich ihn lächelnd.
*-*-*
„Gehen wir!“, willigte ich ein.
Dann machten wir uns auf den Weg ins Hotel und ließen, wie besprochen, etwas zu Essen aufs Zimmer kommen.
Ganz bequem nahmen wir das Essen im Bett ein, dicht aneinander gekuschelt.
„Das Essen ist echt der Hammer. Aber wenn du das nächste Mal hierher kommst, wohnst du bei mir! Ich hab auch ein Gästezimmer, in dem du dich notfalls zurückziehen kannst“, beschloss ich einfach und kuschelte mich noch enger an Dai.
Es war schon spät und ein wenig Müde war ich nun, nach dem leckeren Essen schon irgendwie.
*-*-*
Hach, war es schön, so gemütlich, mit Franky im Bett zu sitzen und zu essen. Das Essen war hier zum Glück echt spitze, nun ja, es war auch das beste Hotel… sozusagen ein fünf Sterne Hotel.
Ich musste grinsen, als er bestimmte, dass ich das nächste Mal bei ihm wohnen sollte.
„Ja, natürlich. Damit bin ich einverstanden. Ich werde es mir merken“, antwortete ich sanft, legte meine Arme um ihn und lehnte mich mit ihm in die Kissen zurück.
Ihn sanft streichelnd, schloss ich die Augen und flüsterte ihm noch ein: „Gute Nacht, mein Schöner. Ich liebe dich.“ zu, dann begann ich langsam einzuschlafen, ließ ihn aber nicht los.
*-*-*
„Ich liebe dich auch“, antwortete ich einfach. Dabei war ich mir gar nicht sicher.
Verliebt war ich, sehr sogar, aber liebte ich Dai auch? Das würde wohl die Zeit bringen.
Jetzt schloss ich auch erst mal die Augen und genoss seine Nähe. Schnell war ich eingeschlafen.
Auch wenn es ungewohnt war, auf einmal wieder mit Jemanden zusammen einzuschlafen. Es war schön, ich war sehr müde und geschafft von der Arbeit. Sicher würde ich in der Nacht ein wenig umher wühlen, bis ich mich wieder an so etwas gewöhnt hätte.
*-*-*
Sehr schnell war ich tief und fest eingeschlafen und hatte mich an Franky gekuschelt.
Am nächsten Morgen wurde ich durch meinen Handywecker geweckt, blieb aber noch ein wenig liegen.
Ich rief den Hotelservice an und bestellte das Frühstück zu 8 Uhr.
Anschließend küsste ich Franky noch auf die Stirn, bevor ich das Bett verließ und mir eine belebende Dusche gönnte. Ich pflegte mich ausgiebig und ging dann zurück ins Zimmer.
Sehr ordentlich kleidete ich mich an, stylte mich und legte mir die gleiche Kette um, wie ich sie auch Franky geschenkt hatte… so war es, als wären wir miteinander verbunden.
Schließlich weckte ich Franky mit einem Kuss.
„Guten Morgen… aufstehen.“ und streichelte ihn liebevoll.
*-*-*
Nur zu gerne, ließ ich mich so liebevoll von Dai wecken. Sein Streicheln genoss ich und hätte ihn am liebsten wieder zu mir ins Bett gezogen.
Doch er sah so hübsch und perfekt gestylt aus, da konnte man das einfach nicht.
Also erhob ich mich und ging ins Bad, nachdem ich ihn ebenfalls einen guten Morgen gewünscht hatte.
Auch ich duschte und pflegte mich ausgiebig. Stylte mich und zog mich an.
Dann ging ich zu Dai ins Zimmer zurück und musste schmunzeln, als ich sah, dass er die gleiche Kette trug.
Nur noch wenige Stunden blieben uns zusammen, dann wären wir erst mal voneinander getrennt, aber die Arbeit würde uns ablenken und es gab ja zum Glück das Internet.
*-*-*
Nachdem Franky ebenfalls fertig war, kam pünktlich um 8 Uhr das Frühstück, das wir gemeinsam einnahmen und sehr genossen.
Ich schwieg, wollte den Moment jetzt nicht zerstören. Zudem dachte ich nach. Würde es wirklich gut gehen mit uns… würde er mich jemals so lieben, wie ich ihn?
Wir hatten ausgiebig gefrühstückt, als wir uns endlich erhoben und das Zimmer verließen.
Ich checkte aus dem Hotel aus, dann fuhren wir mit einem Taxi zum Flughafen, wo ich meine Boardkarte abholte und meinen Koffer aufgab.
Dann gingen wir langsam zum Gate und verabschiedeten uns voneinander. Wir küssten uns noch einmal sanft. Es war ein schmerzlicher Abschied, denn so schnell konnte ich nun nicht mehr zurückkommen können, was ich ihm aber nicht sagte.
Wollte ich doch diesen letzten Moment nicht mit Worten zerstören.
Schließlich lösten wir uns voneinander und ich ging durch das Gate, winkte ihm noch einmal zu. Irgendwann bestieg ich das Flugzeug, das dann bald darauf startete und ich auf dem Weg in meine Heimat war.
*-*-*
Ich hatte ganz schön mit den Tränen zu kämpfen, als ich da stand und Dai zuwinkte. Doch wollte ich einfach nicht losheulen.
Erst als ich wieder im Taxi Richtung Arbeit und Dai im Flugzeug saß, liefen die Tränen. Dagegen konnte ich nichts machen.
Bei der Arbeit angekommen, wurde ich aber sofort wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Der Salon war mehr als voll und so blieb mir nur der Moment, wo ich mir kaltes Wasser ins Gesicht spritzte, bevor ich mich ins Getümmel stürzte.
Am Abend, als dann endlich irgendwann Ruhe einkehrte, Emanuel längst Feierabend gemacht hatte und ich bei den Abrechnungen saß, liefen erneut die Tränen.
War unsere junge Liebe, dazu überhaupt bereit? Es hatte noch nicht einmal richtig angefangen und nun waren wir schon getrennt.
Mich zusammenreißend, ging ich nach oben in meine Wohnung und duschte erst mal ausgiebig.
Schließlich war ich erwachsen und kein Teenie mehr. Weshalb ich genau wusste, egal was passieren würde, ich würde das hier überleben.
Dann beschloss ich, damit ich nicht den ganzen Abend nur weinte, zu dem Freund zu gehen, der am Vorabend Geburtstag gefeiert hatte. Telefonisch meldete ich mich kurz, bevor ich mich auf den Weg machte.
Das Geschenk lag sowieso noch bei mir herum und der Freund freute sich sehr.
Ich erklärte ihm, weswegen ich nicht gekommen war und er verstand mich total. Den restlichen Abend verbrachte ich bei ihm und hatte somit eine gute Ablenkung.
Erst spät kam ich nach Hause und fiel todmüde ins Bett. Mit Dai gedanklich in den Armen, kuschelte ich mich in meine Decke und schlief bald ein.
Der nächste Morgen war ein Samstag, was für mich hieß, dass es sehr viel zu tun gab, wenn auch nur den halben Tag lang.
Also riss ich mich zusammen und ging an die Arbeit, eben wie immer. Auch wenn meine Gedanken viel bei Dai waren und ich ihn vermisste.
*-*-*
Nach einer Flugzeit von 12 Stunden und einem Zwischenstopp, war ich wieder in meiner Heimat gelandet. Mit einem Taxi ließ ich mich nach Hause fahren, rief währenddessen meine 3 Jahre ältere Schwester Mariko an und bat sie zu mir nach Hause zu kommen, da ich mit ihr reden müsste.
Sie sagte zu und nur zwei Stunden später trafen wir uns bei mir zuhause.
Mein Gepäck wurde von meiner Haushaltshilfe entgegen genommen, so dass ich mich nicht darum kümmern musste und in Ruhe mit meiner Schwester reden konnte.
Wie immer begrüßten wir uns sehr herzlich, dann ließen wir uns einen Tee bringen und redeten miteinander.
Sie erzählte mir dann zunächst freudestrahlend, dass sie endlich schwanger wäre und von ihrem Mann Yuki ein Kind bekäme.
Ich freute mich riesig für sie und beglückwünschte sie. Ich wusste ja, wie lange sich die Beiden schon ein Kind wünschten… nun, jetzt war es wohl soweit und ich würde endlich Onkel werden.
„Wann ist es denn soweit?“, wollte ich noch von ihr wissen.
„Nächstes Jahr im Januar“, teilte sie mir freudig mit, was mich lächeln ließ.
Schließlich wechselte sie das Thema:
„Und jetzt zu dir. Was gibt es denn, Brüderchen? Es scheint ja ziemlich dringend zu sein, wenn du mich schon hierher bestellst.“
„Ja, das ist es auch. Hör zu. Es gibt da etwas, das ihr von mir nicht wisst… ich bin schwul und habe mich in einen Mann verliebt. Er heißt Frank und wohnt in Deutschland.“
„Das weiß ich doch längst… immerhin hattest du nie eine Freundin und ich habe dich auch schon mal mit einem jungen Mann beobachtet… du hattest ihn geküsst. Aber keine Sorge unseren Eltern hab ich es nicht erzählt. Ja, und… nun erzähl schon, wie sieht er aus, wie ist er so?“
Ich erzählte ihr dann alles, nachdem ich sie erstaunt angesehen, weil ich damit nicht gerechnet hatte.
„Und was willst du jetzt tun? Ich mein, du wirst ja wohl kaum dauernd dorthin fliegen wollen, hm?“
„Also ich dachte mir das so: Du könntest doch hier das Unternehmen leiten und ich würde in Deutschland die Filiale leiten. Dann könnte ich dort bleiben und würde nur ab und an hierher kommen.“
„Wow… das willst du echt tun? Du liebst ihn sehr, was?“
„Ja, ich liebe ihn sehr… mehr alles andere.“
„Aber, was wenn das mit euch schief geht? Ich mein, du hast dann alles hier zurück gelassen. Deine Freunde, deine Familie… alles.“
„Es wird gut gehen, ich weiß das. Außerdem sind wir alle ja nicht aus der Welt und ich werde ab und zu sowieso hierher kommen. Mit den Behörden in Deutschland rede ich noch, das wird auch nicht leicht, aber ich werde es schaffen.“
„Wirst du es Vater sagen? Ich mein, dass du einen Freund hast und nach Deutschland ziehen willst?“
„Das werde ich ja wohl müssen.“
Mariko nickte bedächtig.
„Er wird nicht begeistert sein.“
„Ich weiß.“
„Na, dann hast du ja noch viel Arbeit vor dir, was.“
Jetzt war ich es, der nickte.
Ich fragte mich nur, ob Franky das auch wollen würde, oder würde es ihm bald zu viel werden, wenn ich für immer dort blieb?
Nun, ich würde es auch mit ihm besprechen müssen, denn sonst machte das alles keinen Sinn.
Unser kleines Gespräch beendet, verließen wir zusammen mein Haus und fuhren zusammen, mit ihrem Auto, meines ließ ich stehen, zu unseren Eltern.
Dies hier war der schwerste Gang überhaupt.
Sehr herzlich wurden wir empfangen und Mutter stellte Kuchen, Tee und Kaffee auf den Tisch… natürlich wir hatten uns ja auch eine ganze Weile nicht gesehen.
Zunächst sah ich meine Mutter an, dann meinen Vater und begann:
„Vater… Mutter, ich muss euch etwas sagen..“, blickte dann Mariko an, die mir lächelnd zunickte: „Ich möchte gern nach Deutschland ziehen und die dortige Filiale leiten. Der Grund ist: Ich habe einen Freund..“, ich holte noch einmal tief Luft und sprach dann weiter: „…und ich… liebe ihn.“
Jetzt war es raus und ich sah in das entsetzte Gesicht meines Vaters. Ich rechnete mit allem, auch damit, dass er mir die Firma vielleicht wieder wegnehmen würde.
„Junge, weißt du, was du da sprichst?!“, fragte mich mein Vater entsetzt.
„Ja, Vater… das weiß ich.“
Meine Mutter begann nun zu grinsen, was mich etwas verwirrte.
„Weiß der junge Mann davon?“, wollte mein Vater dann wissen.
„Er weiß, dass ich ihn liebe, ja, aber er weiß noch nichts davon, dass ich dort bleiben will.“
„Dann solltest du mit ihm reden“, mischte sich meine Mutter ein, während ich es nun war, der beide etwas schief ansah.
Meine Mutter konnte sich nicht mehr halten und begann zu kichern.
„Junge, jetzt schau nicht so. Wir haben es geahnt, aber nicht wahrhaben wollen“, erklärte mir meine Mutter, noch immer kichernd.
Mein Blick wanderte zu Mariko, die sich ein Grinsen auch nicht verkneifen konnte.
„Also, unseren Segen hast du, mein Junge. Aber bitte, komm uns besuchen, so oft es geht, ja. Und den jungen Mann würden wir auch gern kennen lernen. Wie heißt er überhaupt?“, meinte mein Vater.
„Er heißt Frank und ihr werdet ihn sicher bald kennen lernen“, erwiderte ich und begann übers ganze Gesicht zu strahlen… war doch alles besser ausgegangen, als ich erwartet hatte.
Schließlich konnte ich mich nicht mehr zusammennehmen und fiel meinen Eltern einfach nur um den Hals.
„Danke.“
Bei Kaffee und Kuchen besprachen wir noch so einige wichtige Details, bis mich meine Schwester dann wieder heim fuhr.
Zuhause angekommen, verabschiedete ich mich zunächst von Mariko, dann gönnte ich mir erst einmal eine belebende Dusche und zog mir etwas Bequemes an, da ich ja jetzt erst mal nirgends mehr hin musste.
So setzte ich mich ins Wohnzimmer und durchdachte noch einmal alles.
War es vielleicht zu früh, jetzt schon weiter zu denken? Würde Franky das überhaupt wollen?
Wo würde ich wohnen können? Würde Franky mich bei sich aufnehmen, oder war es vielleicht besser, wenn ich mir erst mal eine eigene Wohnung suchte?
Es gab so vieles worüber ich nachdenken musste, aber ohne Frankys Zustimmung konnte ich nichts unternehmen und auch nichts entscheiden, denn ihn betraf es ja auch.
Ich nahm schließlich mein Handy zur Hand und tippte eine SMS an Franky:
Hallo, mein Traummann. Kann ich dich heute noch anrufen? Ich möchte gern etwas mit dir besprechen. Es ist sehr wichtig. Ich liebe dich. LG Dai.:-D
Dann schickte ich die SMS ab und hoffte auf eine baldige Antwort, während ich mich nun ein wenig entspannte.
*-*-*
Als mein Handy ging, schaute ich direkt nach und antwortete.
Hallo mein Schatz, du darfst mich immer anrufen! Aber nur, wenn es nichts Schlechtes ist, was du mit mir besprechen möchtest Ich liebe dich auch. LG Franky
Etwas unsicher war ich nun schon und machte mir so meine Gedanken. Doch das gehörte wohl dazu.
Warum nur machte ich mir so viele Gedanken um diese Beziehung?
Dai war mir in so kurzer Zeit schon so wichtig geworden. Wenn das schief gehen würde, wäre ich sicher sehr verletzt.
Ich sehnte mich nach ihm und vermisste ihn jetzt schon sehr. Als wäre er schon Wochenlang weg.
*-*-*
Ich musste direkt schmunzeln, als ich die SMS von Franky las.
Sofort rief ich ihn an und wartete, bis er dran ging.
Nachdem er sich gemeldet hatte, plapperte ich sogleich los.
„Hallo, mein Liebling“, begrüßte ich ihn zunächst und begann ihm zu erzählen, was ich vor hatte:
„Höre mir erst mal zu, okay. Also, ich würde gern nach Deutschland kommen und dort bleiben. Da es dort eine Filiale von meinem Unternehmen gibt, könnte ich diese leiten und wäre dann immer bei dir. Mein Hauptunternehmen wird dann von meiner Schwester geleitet.
Die Frage ist jetzt nur, wo kann ich dann wohnen? Soll ich mir vielleicht erst mal eine eigene Wohnung bzw. ein eigenes Haus suchen und wärst du überhaupt damit einverstanden, dass ich dann in deiner Nähe bin?“
Ja, es waren viele Fragen und Franky würde sicher eine Weile brauchen ehe er das entscheiden und mir eine Antwort geben konnte.
„Na ja, und dann wollte ich dir noch sagen, dass dich meine Eltern gern kennen lernen würden, und dass ich dich über alles liebe“, fügte ich hinzu, dann schwieg ich erst mal und wartete was er antworten würde.
*-*-*
Wow, da war ich erst mal sprachlos, bei so vielen Informationen und Fragen. Doch freute ich mich auch, denn so sah ich die Beziehung gleich von einer ganz anderen Seite.
„Ich bin froh, dass du so etwas vorschlägst, auch wenn alles gut durchdacht sein sollte“, fing ich an zu antworten, „Du kannst sehr gerne bei mir wohnen. Schließlich arbeiten wir beide viel und werden uns sowieso meistens nur abends sehen und da wäre es schon schön so.
Natürlich nur, wenn es dich nicht stört. Du gibst schon was auf und wohnst ja quasi in meinem Reich. Obwohl ich es dann schon als unser bezeichnen würde.
Aber ich möchte nicht, dass du diesen Entschluss irgendwann bereust. Verstehst du was ich meine?
Wir sollten es auf jeden Fall miteinander versuchen und vielleicht haben wir ja Glück, was ich sehr hoffe und es klappt zwischen uns. Aber mal angenommen, es klappt nicht, was dann?
Hast du darüber gut nachgedacht? Natürlich freue ich mich sehr, dass ich dich regelmäßig sehen werden. Nur kann keiner von uns in die Zukunft sehen und sagen was in ein paar Wochen oder Monaten sein wird.
Du kannst gerne das Gästezimmer als Rückzugspunkt wie dein Zimmer ansehen und auch so einrichten.
Oh Gott, du siehst, ich drehe schon voll durch. OKAY! Lass es uns einfach wagen, aber nur, wenn du dir vollkommen sicher bist und auch falls es nicht hinhaut einen Plan B parat hast.
Ich möchte nicht dein Leben verbockt haben. Ja?“
Es ging mir so vieles durch den Kopf und ich hoffte, es mit den richtigen Worten gesagt zu haben. Dai war mir sehr wichtig und um jeden Preis wollte ich es mit ihm versuchen und dafür war mehr Zeit mit ihm sehr sinnvoll.
*-*-*
Ich freute mich sehr, als ich hörte, dass Franky einverstanden war.
„Ehrlich? Meinst du das wirklich ernst?“, fragte ich noch einmal, als könnte ich es nicht glauben.
Am liebsten wäre ich gleich durchs Telefon gekrabbelt, hätte ihn einfach nur in die Arme genommen und geküsst.
„Also, als Plan B… hmm… nein, daran mag ich nicht denken. Ich weiß einfach, dass es gut geht und ja, ich will es unbedingt versuchen“, freute ich mich und konnte es kaum mehr erwarten wieder bei ihm zu sein.
„Ähm… was ich fragen wollte. Kannst du dir in den nächsten Tagen irgendwie frei nehmen? Ich würde dich gern meinen Eltern vorstellen. Das Flugticket würde natürlich ich bezahlen, wenn es für dich okay ist. Außerdem könntest du dann auch gleich meine Heimat kennen lernen“, fragte ich ein bisschen scheu.
Wieder wartete ich seine Antwort ab.
*-*-*
„Ich sehe zu, was ich machen kann. Muss sowieso noch eine Urlaubsvertretung einstellen. Sobald ich jemanden habe, sag ich dir Bescheid, okay“, antwortete ich ihm.
Wobei ich total nervös war, da ich noch nie geflogen war und dann wollte Dai mich auch noch einen Eltern vorstellen. Mann oh Mann. Wie sollte ich das nur überleben?
Außerdem musste ich erst mal jemanden geeigneten für den Salon finden. Emanuel konnte unmöglich alleine bleiben. Für ein paar Stunden ging das wohl, aber ein paar Tage waren undenkbar.
*-*-*
„Natürlich, das verstehe ich. Lass dir Zeit und mach alles ganz in Ruhe. Ich werde auf dich warten und freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen“, erwiderte ich mit ruhiger Stimme.
„Ich werde schauen, dass ich in den nächsten Tagen alles notwendige veranlasse, auch mit den Behörden… die ja in Deutschland nicht gerade umgänglich sind.
Und dann muss ich noch alles in der Filiale vorbereiten und hier auch… also, ich werde nicht so schnell bei dir sein können… aber bald und darauf freue ich mich schon“, erklärte ich liebevoll.
*-*-*
„Okay, dann wäre das alles geklärt“, freute ich mich, „Schön deine Stimme zu hören!“
Es tat wirklich gut und am liebsten hätte ich ihn in die Arme genommen.
Wir telefonierten noch eine Weile, bevor wir uns wieder voneinander losreißen konnten. Die nächsten Tage gab es viel zu tun. Ich gab Suchanzeigen auf und meldete beim Arbeitsamt, dass ich jemanden suchte.
Es kamen einige zum Vorstellungsgespräch und auch welche zum Probearbeiten. Die meisten waren jedoch so schlimm, den konnte man beim Laufen die Schuhe besohlen, so langsam waren sie.
Jeden Abend war ich todmüde und dachte schon, dass ich nie jemanden finden würde.
Doch dann endlich, betrat Collin den Salon und er passte von Anfang an super in das Team. Nach dem Probearbeiten, kam er täglich Stundenweise als Hilfskraft und ich stellte ihn erst mal als Urlaubsvertretung ein.
Machte aber eine Anmerkung im Vertrag, dass er mehr Stunden bekommen würde, sobald der Salon richtig angelaufen war.
Trotz dass ich Collin von Anfang an Blind vertraute, bekam Emanuel die Schlüssel und die Obhut meines Salons übertragen.
Dann war es endlich soweit und mein Flug nach Japan stand an. Ich war sehr nervös und das nicht nur wegen des Fliegens.
*-*-*
Die Tage vergingen und endlich bekam ich grünes Licht von Franky, so dass ich die Flugtickets kaufte und sie ihm per Email schickte, die er nur noch auszudrucken brauchte.
Meinen Eltern hatte ich ebenfalls Bescheid gegeben, so dass sich meine Mutter schon mal drauf einstellen konnte.
Auch mein Vater freute sich schon Franky kennen zu lernen.
Einige Tage später sollte es dann soweit sein. Ich hatte mir frei genommen natürlich, ich konnte es mir ja leisten und auch schon mal Mariko die Geschäfte überlassen.
Mit meinem Auto war ich zum Flughafen gefahren, parkte und wurde nun doch langsam sehr nervös… schaute mich immer wieder um, während ich auf Franky wartete.
Der Flieger war schon gelandet, das konnte ich auf der Tafel sehen, nun blieb nur abzuwarten, wo Franky blieb.
Dann sah ich ihn auch schon… meine Augen begannen schon zu strahlen und winkte ihm freudig zu, während ich mit schnellen Schritten auf ihn zuging.
*-*-*
Der lange Flug war überstanden und schon bald konnte ich Dai sehen. Müde aber sehr glücklich ging ich auf ihn zu. Auch ich wurde immer schneller, bis ich ihn endlich in die Arme schloss.
Ein Freudentränchen stahl sich aus meinem Auge und ich drückte ihn ganz fest an mich.
Mein Herz schien zu rasen und meine Knie wurden ganz weich. Wir hatten die Zeit über viel telefoniert und jetzt sahen wir uns endlich wieder.
Es war ein so schönes überwältigendes Gefühl und ich genoss es sehr.
*-*-*
Auch ich drückte ihn lieb an mich und konnte es nicht lassen, ihn zu küssen und das Tränchen sanft weg zu küssen.
„Schön, dass du da bist. Ich hab dich so vermisst und ich liebe dich so sehr“, flüsterte ich ihm zu, nachdem ich den Kuss gelöst hatte.
„Also, wir fahren jetzt erst mal zu mir, da kannst du dich ausruhen und später fahren wir zu meinen Eltern… sie freuen sich schon sehr auf dich“, schlug ich ihm vor, denn ich konnte mir sehr wohl vorstellen, dass er sicher sehr müde war.
Dann führte ich ihn aus dem Flughafen raus, zu meinem schwarzen Cabrio. Ich öffnete ihm die Tür und ließ ihn einsteigen. Seinen Koffer legte ich auf die Rückbank.
*-*-*
Nur zu gerne hatte ich Dais Kuss erwidert.
„Ich liebe dich auch und habe dich auch sehr vermisst“, hatte ich zurück geflüstert.
Dann genoss ich seine Aufmerksamkeit, indem er mir die Tür aufhielt und meinen Koffer auf die Rückbank legte.
Sehr erschöpft und glücklich stieg ich ein und genoss die Fahrt ruhig neben Dai. Meine Hand hatte ich frech auf sein Knie gelegt, um zu spüren, dass er da war.
Sein Haus war der Hammer und ich konnte kaum glauben, dass er das hier für MICH aufgeben wollte.
*-*-*
Auf der Fahrt nach Hause, hatte ich ihm einiges erklärt, was wir so sahen, denn immerhin kam er wahrscheinlich nicht jeden Tag nach Japan.
Seine Hand auf meinem Knie machte mich schon ganz schön an und er hatte echt Glück, dass ich mich auf den Verkehr konzentrieren musste.
Als wir endlich mein Anwesen erreicht hatten, brachte ich ihn ins Haus, trug auch seinen Koffer ins Gästezimmer.
„So, das hier, ist für die nächsten Tag dein kleines Reich“, erklärte ich ihm, dann zeigte ich ihm die Bäder, das Schlafzimmer, die Bibliothek, den Swimmingpool, von denen es zwei gab… einen im Garten und einen im Partykeller, dann noch das Wohnzimmer und die Küche.
Von meiner Haushaltshilfe ließ ich uns einen Tee bringen, den sie in der Bibliothek servierte, so konnte er sich erst einmal ein wenig erholen.
Natürlich würde ich mein Haus und mein Anwesen nicht aufgeben… es blieb meins und wenn ich mal wieder hier war, hatte ich immer ein zweites Zuhause.
*-*-*
„Es ist wunderschön hier!“, sagte ich im ruhigen Ton, aber total begeistert, während ich meinen Tee trank.
„Ob ich mich wohl noch einen Moment hinlegen kann? Der Flug hat mich ganz schön mitgenommen. Das hätte ich nie gedacht. Obwohl ich gegen ein lebendiges Kuscheltier auch nichts einzuwenden hätte, aber ob ich dann zum Schlafen komme, ist fraglich“, scherzte ich.
Dabei musste ich frech grinsen, denn bei mir hatte sich ganz schön was aufgestaut in der ganzen Zeit. Aber dafür sollten wir uns wohl lieber später Zeit nehmen.
Ausgeruht und ohne spätere Termine wäre das sicher sinnvoller.
*-*-*
„Danke, ich habe hier alles ausgesucht und eingerichtet, es steckte sehr viel Arbeit hier drin. Ich werde es auch selbstverständlich nicht aufgeben, es ist und bleibt meins… oder wenn du magst auch unseres“, erklärte ich Franky.
Aber dann musste auch ich grinsen und konterte:
„Ich stelle mich dir gern als Kuscheltier zur Verfügung“, nahm ihn dann an die Hand und zog ihn mit in mein Schlafzimmer.
Behutsam ließ ich ihn auf mein Bett gleiten und legte mich einfach neben ihn.
Ich drehte mich auf die Seite, und begann ihn einfach nur zu streicheln.
„Schlaf ein wenig… ich wecke dich nachher“, flüsterte ich ihm zu und küsste ihn sanft.
Natürlich musste ich mich mal wieder stark zusammenreißen, aber es ging schon… denn dafür wollte ich mir für ihn viel Zeit nehmen.
*-*-*
Kaum, dass ich lag, waren meine Augen auch schon geschlossen. Ich war einfach nur müde und erschöpft.
Dais Nähe tat gut und auch wenn der Kuss nach mehr schmeckte, war ich binnen weniger Sekunden eingeschlafen.
Mein Traum handelte von allem erlebten: Dem Flug, die Fahrt mit dem Auto hierher und die vielen neuen Eindrücke, das Haus und vor allem Dai.
Wir schliefen allerdings nicht, sondern machten viele versaute Sachen.
Mein Körper sammelte neue Energie, die ich brauchte, während ich seelenruhig schlief.
*-*-*
Ein liebevolles Lächeln legte sich auf meine Lippen, als ich sah, wie schnell Franky eingeschlafen war.
Ich streichelte ihn noch ein wenig, ließ dann aber von ihm ab, legte mich nun ebenfalls hin und schloss ein wenig die Augen… schlummerte aber nur, denn ich wollte meine Eltern auf keinen Fall warten lassen.
Ich wusste, dass sie sehr auf Pünktlichkeit achteten und in diesem Punkt keinen Spaß verstanden. Aber wir hatten ja noch vier Stunden Zeit. Ich würde ihn also zeitig genug wecken müssen.
So ließ ich uns noch etwas Zeit.
Es waren etwa drei Stunden vergangen, als ich ihn weckte.
Ich streichelte seine Wange sanft und flüsterte:
„Komm, mein Schatz, aufstehen“, und küsste ihn zärtlich.
Langsam erhob ich mich aus dem Bett, ging ins Bad, duschte und zog mich dann, in meinem Ankleidezimmer an.
Bekleidet mit einer schwarzen Jeans, einem weißen Hemd, das ich oben offen ließ, und schwarzen Schuhen, stellte ich mich noch vor den Spiegel und stylte mich.
Damit fertig legte ich noch Schmuck an und ein dezentes Parfüm.
Zurück im Schlafzimmer, sah ich nach Franky und weckte ihn noch einmal.
„Hey, mein Traummann… aufwachen… wir müssen bald los“, flüsterte ich und streichelte noch einmal über seine rechte Wange.
*-*-*
Wie herrlich es war von Dai geweckt zu werden, da drehte man sich automatisch noch einmal um, damit er das nochmal tat.
Nun erhob ich mich aber doch, reckte und streckte mich, bevor ich ins Bad ging. Dort duschte ich mich und ging anschließend zu meinen Koffern, wo ich mir etwas zu anziehen heraussuchte.
Ich fühlte mich schon wie zu Hause. Natürlich hatte ich mal wieder nichts zum Anziehen und suchte, probierte herum.
„Geht das so?“, fragte ich skeptisch. Denn ich war nun doch sehr nervös und wollte Dais Eltern gefallen.
Meine Familie konnte ich Dai ja leider nicht mehr vorstellen, aber ich war mir sicher, dass sie ihn gemocht hätten.
Als ich dann endlich das passende gefunden hatte, stylte ich noch schnell meine Haare und legte meine neue Kette von Dai wieder um.
„So… Fertig!“
*-*-*
Es war doch wirklich zu niedlich, wie Franky sich noch einmal umdrehte, um sich von mir weiter wecken zu lassen. Bei dem Anblick musste ich echt grinsen.
Schließlich war er doch aufgestanden und hatte sich fertig gemacht.
Aber in Punkto anziehen benahm er sich wie meine Schwester Mariko, die auch nie was zum Anziehen hatte… trotzdem ihr ganzer Kleiderschrank voller Sachen war.
Als er dann endlich fertig war, nahm ich ihn bei der Hand, sah ihn an und lächelte.
„Du siehst wirklich umwerfend aus… zum verlieben, mein Schöner“, versicherte ich ihm, denn er sah wirklich zum Verlieben aus, dann küsste ich ihn noch einmal.
Ich merkte natürlich, dass er ein wenig nervös war und konnte es auch durchaus verstehen, aber ich war ja bei ihm und meine Eltern würden ihn sicher nicht fressen.
Franky weiter an der Hand haltend, ging ich mit ihm zum Auto, ließ ihn einsteigen, setzte mich ans Steuer und fuhr mit ihm los.
Unterwegs erklärte ich ihm, dass meine Eltern weder Deutsch noch Englisch sprachen… eben nur Japanisch und ich ihm alles übersetzen würde. Meine Schwester Mariko, die auch noch hinzu kommen würde, sprach aber schon auch Deutsch und Englisch, so wie ich. So versuchte ich ihn auch ein wenig zu beruhigen, und dass er sich wirklich nicht zu sorgen brauchte.
Beim Haus meiner Eltern angekommen, parkte ich mein Auto und blieb noch einen Moment mit ihm sitzen.
„Alles okay?“, fragte ich ihn und konnte es nicht lassen ihn noch einmal sanft zu küssen, bevor wir dann endlich ausstiegen.
Seine Hand in der meinen haltend, ging ich mit ihm an die Tür und klingelte.
Sogleich konnte man Schritte von drinnen hören, worauf dann auch gleich die Tür aufging und meine Mutter vor uns stand.
Sie begrüßte uns höflich, natürlich auf Japanisch, und lächelte, als sie Franky ansah, und ich übersetzte Franky was sie sagte. Sie freute sich uns zu sehen und ihn kennen zu lernen.
Natürlich hatte ich ihn meiner Mutter vorgestellt und meine Mutter ihm vorgestellt.
„Komm gehen wir rein“, bat ich meinen Schatz dann.
Mutter schloss dann die Tür hinter uns und wir gingen ins Wohnzimmer, wo auch schon mein Vater auf uns wartete.
Jetzt würde es ein bisschen schwierig werden, denn mein Vater war sehr misstrauisch und skeptisch… er würde viele Fragen stellen.
Vor meiner Mutter zu bestehen war einfach, sie mochte doch eh jeden und sah auch beinahe jeden als Freund an.
Aber mein Vater… oh, oh…
Er stand auf, kam auf uns zu und sah uns nacheinander an, nachdem er uns und wir ihn ebenfalls begrüßt hatten.
Franky ansehend, musterte er ihn eingehend. Ich schluckte hart und sah meinen Vater abwartend an.
Aber dann, ganz plötzlich und für mich vollkommen unerwartet, begann er Franky anzulächeln und meinte:
„Du bist mir sympathisch“, was ich Franky natürlich übersetzte.
„Setzt euch, bitte“, bat er, was ich Franky wiederum übersetzte.
Wir setzten uns und ich begann mich mit meinem Vater zu unterhalten, auch bezog ich Franky mit ein und musste natürlich weiterhin den Übersetzer spielen… war ja klar.
Derweil deckte meine Mutter den Tisch, mit Kaffee, Kuchen, Tee… stellte auch Teller, Milch, Zucker und alles andere drauf.
Wenig später kam auch meine Schwester hinzu, betrat das Wohnzimmer und begann sogleich loszuquietschen… was sie trotz ihrer nun mehr 30 Jahre nicht lassen konnte.
Sie hatte lange schwarze Haare, braune Augen und war ….leider… ein bisschen größer als ich.
„DAI…!!!“, quietschte sie und eilte auf uns zu.
Sie umarmte erst mich, liebevoll, dann sah sie Franky an.
„Hey, du bist sicher Franky, richtig. Ich bin Mariko, Dais große Schwester. Schön dich kennen zu lernen“, stellte sie sich Franky, mit leuchtenden Augen, vor, ließ dabei ihren Charme spielen, was sie besonders gut konnte, und umarmte ihn dann auch sehr liebevoll.
Dann wandte sie sich wieder an mich:
„Brüderchen, du hast mir nicht gesagt, dass Franky SO süß ist“, quietschte sie weiter und zog damit das Gelächter von unserer Mutter, von Vater und mir auf sich.
„Na, ist doch wahr“, schmollte sie gespielt, lächelte dann aber Franky an.
„Wir werden uns später sicher noch etwas unterhalten, nicht“, bat sie und lächelte ihn an, als wollte sie ihn um den Finger wickeln.
Eifersüchtig musste ich nicht sein, denn sie war ja mit ihrem Traummann verheiratet und obendrein schwanger.
Meine große Schwester war aber trotzdem einfach nur zu niedlich, so dass ich nicht anders konnte als einfach nur zu lächeln.
„Lass dich von ihr nicht einwickeln“, flüsterte ich Franky scherzend und zwinkernd zu, musste aber direkt lachen.
Meine Mutter bewirtete uns alle, tat jedem ein Stück Kuchen auf den Teller und fragte wer Kaffee oder Tee wollte.
*-*-*
Zu Anfang wäre ich vor Nervosität beinahe gestorben, doch es lief so gut und alle waren so nett, dass man sich einfach nur wohl fühlen musste.
Schnell war ich ein Teil der Familie, so kam es mir jedenfalls vor. Auch Dais Schwester war sehr nett.
Nur bei ihrem Kompliment lief ich ein wenig rot an. Wie konnte sie nur einfach so offen sagen, dass sie mich niedlich fand.
Ich aß Kuchen und trank Tee, während wir uns weiter unterhielten. Sicher wollten sie vieles wissen, was nur verständlich war. Aber ich zeigte auch großes Interesse an Ihnen.
Nach einer ganzen Weile, wäre ich aber gerne einfach wieder gegangen. Nicht das es mir hier nicht gefiel. Es war nur so, dass ich gerne ein wenig mit Dai alleine gewesen wäre.
Die Sehnsucht endlich intim mit ihm zu sein wuchs und ich hatte ja nur ein paar Tage, die ich hier bleiben konnte.
*-*-*
Die Zeit verging schneller als mir lieb war… war es doch so gemütlich hier und ich war echt froh, dass meine Familie Franky so gut aufgenommen hatte.
Sie alle waren einfach nur begeistert von Franky und mochten ihn sehr.
Nach dem Abendbrot, schließlich, verabschiedeten wir uns von allen, mussten auch noch das Knuddeln von allen über uns ergehen lassen… insbesondere Mariko wollte sich gar nicht von uns trennen, aber es nutzte ja nichts… irgendwie wollten wir schon noch mal für uns sein.
Dann endlich saßen wir im Auto und ich fuhr uns nach Hause.
Zuhause angekommen, parkte ich mein Auto in der Garage, ließ Franky aussteigen und ging dann, gemeinsam mit ihm ins Haus.
Schon in der Eingangshalle nahm ich meinen Schatz liebevoll in die Arme, sah ihm in die Augen und fragte ihn verführerisch:
„Und was machen wir beide jetzt, hm?“ und grinste ihn dabei frech an.
Jedoch wartete ich seine Antwort nicht ab, sondern begann ihn erst zärtlich, dann leidenschaftlich zu küssen, streichelte währenddessen sanft über seinen Körper.
*-*-*
Genau das hatte ich jetzt auch gewollt. Ebenso leidenschaftlich erwiderte ich den Kuss und fing ebenfalls an Dai zu streicheln.
Schon nach kurzer Zeit landete sein Hemd auf dem Fußboden, nachdem ich die Knöpfe bezwungen hatte.
Frech drückte ich ihn an eine Wand, während meine Lippen über seinen nackten Oberkörper wanderten. Mir war jetzt alles egal! Ich wollte Dai spüren.
Meine Hände kneteten unterdessen frech seinen Schritt und umfuhren die Umrisse seiner Männlichkeit. Was ich da fühlte, gefiel mir sehr.
*-*-*
Hui, da hatte es aber jemand ganz besonders eilig und was ich nun zu spüren bekam… wow… also das hätte ich mir so nie träumen lassen, aber es erregte mich sehr, so dass ich schon ein leises, wohliges Seufzen von mir gab.
Seine Lippen auf meinem Oberkörper, ließen mich leise aufstöhnen… aber seine Hände, die meinen Schritt sacht „kneteten“ machten mich halbwegs wahnsinnig!
Ooookaaayy… er hatte es so gewollt und jetzt gab es kein Zurück mehr… jetzt war er mein und ich würde mich jetzt auch nicht mehr zurückhalten.
Noch so halbwegs Herr meiner Sinne, zog ich ihn mit ins Schlafzimmer, schubste ihn sacht auf das Bett und setzte mich auf ihn, wobei ich meinen Oberkörper nach vorn beugte und meine Hände rechts und links neben seinem Kopf parkte.
Und während ich mich zu ihm herab beugte und ihn leidenschaftlich küsste, begann ich ihn nun auch von seinem Hemd zu befreien, das dann sehr schnell den Weg neben das Bett fand. Meine Hände wanderten derweil an seinem wunderschönen Körper entlang, während ich mich nun an seinem Körper herab küsste.
Sein Körper war der absolute Wahnsinn und machte mich noch geiler als ich ohnehin schon war.
Angefangen am Hals… knabberte ich nebenbei noch an seinem Ohrläppchen, glitt an seinem Hals herab, hinterließ dabei eine feuchte Spur und gelangte so langsam aber unaufhaltsam zu seinen Brustwarzen, die ich erst mal nur mit der Zunge umrundete.
Nur leicht saugte ich an ihnen und biss auch leicht hinein, um dann entschuldigend drüber zu lecken und anschließend leicht drüber zu pusten, indes ich die andere mit meinen Fingern ein wenig ärgerte.
Meine Lippen wollten noch sehr viel mehr von Franky spüren, so wanderte ich an seinem Oberkörper weiter herab, versenkte meine Zunge kurz in seinem Bauchnabel und öffnete dabei seine Hose.
Ganz langsam zog ich seine Hose ein wenig runter und begann seine Männlichkeit, durch die Shorts hindurch zu küssen. Was ich spürte, gefiel mir und ließ mich innerlich grinsen.
Schließlich entfernte ich ganz langsam seine Hose, die dann auch neben dem Bett landete.
Nur noch seine Shorts trennte meine Lippen von seiner Männlichkeit…
*-*-*
Mein Körper bebte unter Dais Berührungen und meine Stimme erhob sich unter Stöhnen, wenn ich nicht gerade geküsst wurde.
Viel zu lange war das letzte Mal her und viel zu sehr sehnte ich mich nach diesem Spiel.
Dai wusste durchaus was er tat und ließ meinen Körper regelrecht vor Erregung dahin schmelzen.
Er hatte zwar für meinen Geschmack noch zu viel an, aber jetzt wollte ich ihn erst mal machen lassen.
*-*-*
Mit dem was ich tat, machte ich weiter und schon bald war seine Shorts ebenfalls Geschichte. Seine Härte sprang mir fast förmlich entgegen und ich konnte nicht umhin, sie mir einen kurzen Moment anzuschauen.
Schließlich spreizte ich seine Beine und begann die Spitze zu küssen und meine Zunge auf ihr kreisen zu lassen… ganz langsam …genüsslich.
Bis ich seine Männlichkeit in den Mund nahm und zu saugen begann… wobei ich immer wieder von ihm abließ und es somit in die Länge zog.
Auch seine Hoden massierte ich währenddessen, saugte sie ab und an ein und ließ immer wieder von ihm ab.
So zog ich das Spielchen extrem in die Länge… „folterte“ ihn somit ein wenig.
*-*-*
Was Dai mit mir tat, brachte mich beinahe um den Verstand und ich stöhnte vor Lust. Doch wenn er so weitermachen würde, wäre es bald um mich geschehen, also zog ich ihn hoch zu mir und küsste ihn.
Jetzt drehte ich mich mit ihm, so dass er unten lag und ich oben. Jeden noch so kleinen Fleck seines Körpers küsste und liebkoste ich, während ich ihm langsam seine restlichen Sachen auszog.
Stück für Stück folterte ich ihn genauso, wie er mich zuvor.
Meine eigene Männlichkeit stieß ab und an mal gegen Dai und entlockte mir ein Brummen. Ich war schon schmerzlich erregt, als ich endlich mich Dais Männlichkeit widmete.
Erst nahm ich nur die Spitze in den Mund, dann aber schob ich es bis zum Anschlag hinein. Dabei öffnete ich meinen Rachen, damit auch alles Platz hatte.
Seine Hoden knetete ich dabei ein wenig. Genüsslich saugte ich an seiner Männlichkeit, als wollte ich ihn melken. Ließ aber rechtzeitig von ihm ab, legte mich neben ihn und begann ihn erneut zu Küssen.
Dann zog ich ihn auf mich und streichelte, unter Küssen seinen Rücken. Mich an ihn reibend genoss ich den intensiven Kuss in vollen Zügen und ließ mich total gehen.
*-*-*
Gerade war ich noch so schön dabei meinen Schatz ein wenig zu foltern, als er mich zu sich zog und ich dann plötzlich unter ihm lag.
Mit einem leisen Stöhnen quittierte ich, was er mit mir tat, streckte mich ihm entgegen, als ich jedoch fast gekommen wäre, hörte er auf und zahlte es mir somit heim.
Jetzt bekam ich wieder eine Chance und diese nutzte ich nun.
Seine leidenschaftlich-feurigen Küsse erwidernd, spreizte ich nun wieder seine Beine und mit einem kurzen Griff in mein Nachtschränkchen hatte ich was ich brauchte und es uns erleichtern würde, bei dem was ich nun mit ihm tun wollte.
Ein Kissen legte ich noch unter seinen Po, damit es für ihn angenehmer war.
Mit viel Gleitcreme befeuchtete ich dann meine Finger und drang zunächst nur mit einem in ihn ein… langsam und vorsichtig, begann ich ihn zu weiten, schmuggelte einen zweiten Finger dazu und spreizte diese immer wieder.
Währenddessen küsste ich ihn immer wieder, um ihn von dem anfänglichen Schmerz etwas abzulenken.
Natürlich konnte ich es nicht lassen ihn auch ein wenig zu ärgern, wenn ich mit meinen Fingern an seine Prostata stieß.
Dies tat ich noch eine Weile, bis ich es schließlich nicht mehr aushielt, viel Gleitcreme auf meine eigene, schon schmerzhaft erregte, Männlichkeit tat und sie dann zwischen seine Backen schob.
Vorsichtig drang ich zunächst nur mit der Spitze in ihn ein und wartete, bis er sich an mich gewöhnt hätte.
*-*-*
Dai wusste wie er mich verwöhnen konnte und bereitete mich gut vor. Als er dann endlich in mich eindrang, schob ich mich ihm entgegen und legte meine Arme um seinen Hals.
Leidenschaftlich küsste ich ihn, während ich versuchte mich an ihn zu gewöhnen. Es tat nicht weh, weil er mich gut genug vorbereitet hatte. Aber es war noch etwas unangenehm und meine Erregung ließ für einen Moment nach.
Erst als ich mich Dai entgegen bewegte und den richtigen Rhythmus fand, wuchs meine Erregung wieder.
Immer intensiver fing ich an mich an ihn zu reiben, küsste ihn dabei leidenschaftlich und merkte, wie heiß mir wurde.
Dann wollte ich die Stellung wechseln, um nicht vorschnell zum Ende zu kommen. Also entzog ich Dais Männlichkeit meiner Enge und drehte mich um.
Auf allen Vieren kniend streckte ich meinen Hintern gegen Dais Schoß, während ich zu ihm schaute und ihn angrinste.
Meine eigene Männlichkeit stand mittlerweile wie eine eins, doch ich ignorierte sie.
*-*-*
Au ja, mein Schatz verstand es ausgezeichnet mich noch weiter zu erregen… mir meine Wünsche zu erfüllen. Endlich mal jemand der wusste was gut war… was mir gefiel und ganz wichtig… was ihm ja offensichtlich auch gefiel.
Nachdem ich seine heißen, leidenschaftlichen Küsse erwiderte hatte, er sich mir entzog, sich umdrehte und sich mir entgegenstreckte, drang ich direkt gleich wieder in ihn ein, diesmal jedoch nicht mehr ganz so vorsichtig.
Jetzt hatte er in mir das Feuer entfacht und das wollte unbedingt gelöscht werden.
Mit heißblütiger ungezügelter Leidenschaft begann ich mich nun recht heftig in ihm zu bewegen… hielt in dabei an der Hüfte fest. Eine Hand legte ich jedoch um ihn herum und bearbeitete seine Männlichkeit mit etwas Druck, aber nicht zu fest.
Allein diese Enge trieb mich fast in den Wahnsinn. Immer schneller stieß ich zu… konnte mich nicht mehr beherrschen… Schweißperlen bildeten sich auf meiner Haut, dann ergoss ich mich schon bald, mit einem äußerst erregtem Stöhnen, in ihm.
Nach Atem ringend, blieb ich aber noch etwas in ihm… entzog mich ihm noch nicht.
Wie sehr ich ihn liebte, vermochte ich kaum in Worte zu fassen…
*-*-*
Dais Berührungen erregten mich so sehr, dass ich nur kurz nachdem ich gespürt hatte, wie er sich in mir ergoss, meinen eigenen Höhepunkt genoss.
Mit lautem Stöhnen quittierte ich diesen.
Es hatte sich so wunderschön angefühlt und ich wusste, dass ich noch viel mehr davon wollte. Nur jetzt war mir danach, es einfach zu genießen.
Ich drehte mich zu Dai, nur mit dem Kopf um und küsste ihn leidenschaftlich.
„Ich liebe dich“, hauchte ich in den Kuss hinein.
Erst danach entzog ich mich ihm und drehte mich ganz zu ihm um. Zog ihn mit aufs Bett runter und kuschelte mich an ihn.
Jetzt brauchte ich erst mal einen Moment zum Verschnaufen.
*-*-*
Nachtrag
Franky und Dai lernten sich im Laufe der Zeit richtig kennen und lieben, so dass es für beide undenkbar war, jemals ohne den anderen zu sein.
Sie hatten sich gesucht und gefunden.
Wie geplant, zog Dai zu Franky und blieb auch bei ihm wohnen. Ab und zu musste er natürlich auch wieder zurück in seine Heimat, wohin ihn Franky sehr oft begleitete.
Und als Dais Schwester einem gesunden Jungen das Leben schenkte, flogen sie zusammen nach Japan und besuchten sie.
*-*-*
Erst nachdem Dai irgendwann sicher war, dass Franky nicht so „prüde“ war und so ziemlich alles mitmachte… führte er ihn in seine diversen… sehr perversen Sexspielchen ein, die Franky sehr oft Schmerzen bereiteten, aber die Lust siegte stets und er gewöhnte sich daran.

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Information Weihnachtsengel II
Posted by: Frenuyum - 12-02-2025, 03:44 PM - No Replies

In einem Einkaufszentrum schaute sich ein junger Mann suchend um. Nach einiger Zeit entdeckte er sein Ziel. Das Personalbüro. Er ging dort hin und klopfte an.
„Herein“, erschall es von innen.
Der junge Mann trat ein und sah eine ältere Frau am Schreibtisch sitzen.
„Guten Tag, mein Name ist Benjo. Die Agentur X-Mas-Man schickt mich.“
„Ah gut, wir haben schon auf Sie gewartet. Gehen Sie ruhig durch, der Chef erwartet Sie schon.“
Benjo ging nach einem kurzen Klopfen in den Nebenraum und befand sich in einem großen Büro wieder. Hinter einem riesigen Schreibtisch saß ein älterer etwas korpulenterer Mann.
„Guten Tag“, begrüßte Benjo den Herrn.
„Ah guten Tag, Sie müssen Benjo sein. Die Agentur hat mich schon informiert, dass Sie heute vorbei kommen. Setzen Sie sich doch.“
Nachdem Benjo sich gesetzt hatte, redete der Mann weiter.
„Hat die Agentur Ihnen schon genau mitgeteilt wie es hier abläuft?“
„Nein, ich wurde direkt nach hier geschickt. Tut mir leid.“, antwortete Benjo.
„Kein Problem. Dann erzähl ich Ihnen erst mal was Sie hier erwartet. Also Sie werden ab morgen täglich von 15Uhr bis 18Uhr arbeiten. Ihr letzter Arbeitstag ist der 24.12. dort werden Sie aber nur von 15 Uhr bis 17Uhr arbeiten. Danach haben Sie frei. Haben Sie bis jetzt schon Fragen?“
„Nein, das ist alles in Ordnung so.“
„Gut. Das Kostüm werden wir Ihnen stellen. Ihr Arbeitsplatz befindet sich im mittleren Bereich des Zentrums. Ich werde dies Ihnen gleich noch zeigen. Sie haben dort noch eine Kollegin, die Ihnen helfen wird. Ihr Gehalt bekommen Sie immer am Ende einer Woche. Dies wurde auch schon mit der Agentur abgesprochen.“
„Gut.“
„Na dann folgen Sie mir mal. Ich zeige Ihnen jetzt Ihren Arbeitsplatz.“, damit stand der ältere Herr auf und begab dich Richtung Türe.
Benjo folgte ihm. Sie gingen bis zum mittleren Bereich des Einkaufszentrums, das in drei Bereiche aufgeteilt war.
„So hier wären wir. Dies wird ab morgen Ihr Bereich sein.“
Benjo sah ein erhöhtes Podest, das eine runde Form hatte. Auf diesem Podest stand eine kleine Holzhütte in die wahrscheinlich nur eine vielleicht aber auch zwei Personen reinpassen würden. Weiterhin stand da ein großer bequemer Sessel so wie ein Schlitten mit Rentieren. Natürlich nicht echt. Überall waren weiße Stoffe verteilt, so dass es wie eine wunderschöne Schneelandschaft aussah. Über dem Podest hingen Lichterketten, die das ganze noch in ein schönes Licht tauchten.
„Das ist sehr schön.“, bemerkte Benjo.
„Ja, wir haben uns auch viel Mühe damit gegeben. So folgen Sie mir, ich zeig Ihnen noch wo Sie das Kostüm bekommen und wo Sie sich dann umziehen können.“
Benjo folgte dem Chef wieder zurück in den ersten Bereich. Nicht weit vom Personalbüro befand sich eine weitere Türe mit der Aufschrift ‚Privat nur für Angestellte’. Dort hinter befand sich ein Aufenthaltsraum und eine kleiner Kammer mit der Dienstkleidung.
„So hier werden sie morgen ihr Kostüm finden. Haben sie noch irgendwelche Fragen“, fragte der Chef Benjo.
„Nein, danke, ich habe keine Fragen mehr“, antwortete Benjo.
„Gut, dann sehe ich morgen während Sie arbeiten mal nach Ihnen. Guten Tag noch“, verabschiedete sich der Chef.
„Guten Tag“, verabschiedete sich auch Benjo und machte sich auf den Heimweg.
***
Am nächsten Nachmittag machte sich Benjo wieder auf den Weg zum Einkaufszentrum und ging direkt zu dem Personalraum um sich das Kostüm anzuziehen. Kaum im Raum angekommen, sag er es auch schon da hängen.
Eine weite rote Hose, dazu schwarze Stiefel und einen roten dicken Mantel. Als er sich weiter umsah, fand er auch noch einen künstlichen dicken Bauch wie auch einen weißen Bart und die dazugehörige rote Mütze. Damit war das Kostüm komplett.
Schnell zog sich Benjo um wobei er einige Probleme hatte den Bauch um zu bekommen. Doch genau in dem Moment als er sich damit abquälte, kam eine junge Frau in einem elfenähnlichen Kostüm herein. Sie schaute sich seine Bemühungen lächelnd an und fragte dann; „Soll ich dir helfen? Dann geht es bestimmt einfacher.“
„Danke, das wäre wirklich sehr hilfreich. Der ist aber auch echt unhandlich.“, antwortete Benjo und lächelte sie freundlich an.
Während sie ihm half, erfuhr er, dass sie Tanja hieß und seine Partnerin während der Arbeit war.
„So fertig, jetzt noch den Mantel drüber.“ Auch dabei half sie ihm. Dann zog sich Benjo den Bart über.
„Sitzt er so richtig“, fragte er Tanja.
„Moment“, meinte sie und zupfte ihn noch etwas zu Recht. „Ja, so ist es gut. Na dann komm wir müssen los.“
Im Rausgehen nahm Benjo noch die Mütze an sich und zog sie sich über den Kopf. Sie gingen zu ihrem Arbeitsplatz und sahen schon von weitem eine Kindergruppe.
„Wie du siehst, Benjo, wirst du erwartet.“
Lächelnd machte sich Benjo auf den Weg um sich den in Sessel zu setzen, während Tanja unten stehen blieb.
„Mami, Mami, da ist der Weihnachtsmann, darf ich zu ihm?“, hörte Benjo auch gleich die erste Kinderstimme.
„Ja, geh nur zu ihm“, antwortete die Mutter.
Das kleine blonde Mädchen rannte zu Benjo hoch und blieb vor ihm stehen. „Hallo Weihnachtsmann.“ „Hallo Annika“, begrüßte Benjo sie, kurz zuvor hatte ihm Tanja noch den Namen der Kleinen mitgeteilt, den sie von der Mutter erfahren hat.
„Du weißt ja meinen Namen“, staunte das Mädchen. „Darf ich auf deinen Schoss?“
Ohne zu antworten, hob Benjo sie hoch und setzte sie auf seinem Schoss ab.
„So Annika, was wünschst du dir denn vom Weihnachtsmann?“
„Weißt du, Weihnachtsmann, ich hab zu hause eine Barbie aber ihr fehlt ein Pferd weißt du.“, erklärte ihm Annika.
„Und jetzt wünschst du dir ein Pferd vom Weihnachtsmann?“
„Ja, lieber Weihnachtsmann. Bekomme ich eins?“
„Na, dann lass dich am Weihnachtsabend überraschen.“, sagte Benjo als er von der Mutter ein Nicken bekam. Damit ließ Benjo Annika wieder von seinem Schoss, die dann strahlend zu ihrer Mutter lief.
Da kam auch schon der nächste kleine Fratz, der ihn lieb anschaute und auf seinen Schoss wollte.
„Na, Sascha, was wünschst du dir denn?“ Wieder hatte Tanja ihm vorher den Namen des Kleinen zugeflüstert.
„Ich wünsch mir ein Rennauto.“ Dabei guckte er Benjo mit einem herzallerliebsten Blick an.
„Ein Rennauto also. Das ist ein schöner Wunsch.“, nach dem Nicken der Mutter, sagte er „dann wirst du es auch bekommen. Aber immer schön weiterhin brav sein.“
„Ja, das werd ich. Auf wiedersehen, Weihnachtsmann.“
Und so ging es den ganzen Nachmittag weiter. Benjo nahm jedes Kind auf seinen Schoss während Tanja vorher ihre Namen in Erfahrung brachte.
Am Abend machten sich Benjo und Tanja auf den Weg in den Personalraum um sich umzuziehen.
„Bis morgen, Benjo“, verabschiedete sich Tanja und ging.
„Bis morgen, Tanja.“
***
So vergingen zwei Wochen.
Wie jeden Nachmittag half Tanja auch diesen Benjo mit dem Bauch.
„So du bist fertig“, meinte Tanja dann.
„Na dann lass uns gehen, die Kinder warten sicher schon“, sagte Benjo und ging vor.
Benjo setzte sich wieder auf den Sessel und verfiel direkt wieder in die Rolle des Weihnachtsmanns. Er hörte sich die Wünsche an und je nach dem wie die Eltern reagieren, sagte er ihnen, dass sich der Wunsch erfüllte. Oder er fragte noch nach einem zweiten Wunsch, wenn der erste von den Eltern nicht realisierbar war.
Benjo seufzte gerade erleichtert auf, da es auf 18Uhr zu ging und er gleich Feierabend hatte. Heute war ein besonders anstrengender Tag. Gerade wollte er sich erheben, um sich wieder zum Aufenthaltsraum zu begeben als ein kleiner Junge angerannt kam.
„Weihnachtsmann, Weihnachtsmann“; rief er.
Benjo blieb sitzen und wartete bis der Junge bei ihm war. Der Junge kletterte auf seinen Schoss und schaute den Weihnachtsmann mit einem ganz süßen Blick an.
„Hallo, kleiner Mann, bist du denn ganz alleine unterwegs?“, fragte Benjo ihn.
„Nein, Daddy ist auch da“, meinte der Junge und schaute sich um. „Da, da kommt er.“
„Passi! Du kannst doch nicht einfach wegrennen.“, sagte der Vater zu dem Kleinen.
„Aber, Daddy, ich wollte doch unbedingt zum Weihnachtsmann.“, antwortete der kleine Junge und sah seinen Daddy mit einen Welpenblick an.
Der Vater verdrehte leicht die Augen, lächelte aber dabei. Ein wunderschönes Lächeln wie Benjo fand. Er schaute sich den Vater mal etwas genauer an. Er schien so Anfang 40 zu sein und hatte schwarze Haare mit strahlend blauen Augen. Sein Körper war gut gebaut also alles in allem eine angenehme Erscheinung. Dann wandte Benjo sich wieder dem kleinen Jungen auf seinem Schoss zu, der genauso wie sein Vater schwarze Haare hatte. Jedoch hatte er dazu graue Augen, die ihn neugierig anschauten.
„Pascal, da musst du auf deinen Vater hören, du darfst nicht einfach weglaufen. Sag ihm wohin du gehst und geh dann erst. Er macht sich doch Sorgen, wenn du einfach wegrennst.“, sagte Benjo zu Passi.
„Ja, Weihnachtsmann. Darf ich mir trotzdem noch was wünschen?“, hoffnungsvoll sah der kleine Junge den Weihnachtsmann an.
„Ja, hast du. Was wünschst du dir denn?“
„Darf ich dir in Ohr flüstern. Daddy soll nicht hören“, antwortete Pascal leise.
Benjo sah zu Pascals Vater, doch der zuckte nur mit den Schultern. Er beugte sich etwas zu Pascal runter und meinte: „Was wünschst du dir denn Schönes, dass du das nicht laut sagen magst.“
„Es ist ein Wunsch für Daddy, lieber Weihnachtsmann, geht das?“
„Ja, das sollte gehen, wenn es nicht zu schwierig ist“, antwortete Benjo lächelnd.
„Ich wünsche mir für Daddy jemanden, der ihn lieb hat. Er ist manchma ganz traurig. Das will ich nich“, erklärte Passi.
„Hat denn deine Mami den Papi nich lieb?“, fragte Benjo.
„Ich hab keine Mami, nur Daddy hab ich“, erwiderte Passi traurig.
„Oh, – Benjo nahm ihn etwas fester in den Arm -, und du wünschst dir eine Mami?“
„Ja, oder noch einen Daddy. Weil in Kindergarten auch eine zwei Daddys hat, das is toll. Das will ich auch, geht das, lieber Weihnachtsmann?“, fragte der Kleine begeistert und voller Hoffnung.
„Das wird nicht einfach, kleiner Mann.“
„Warum nich?“
„Weißt du, solche Wünsche sind nicht so leicht zu erfüllen. Denn auch dein Daddy muss das ja auch gut finden.“, als Benjo Passis trauriges Gesicht sieht, hängt er noch an. „Dein Daddy muss dir diesen Wunsch erfüllen, weil er muss deinen neuen Daddy oder Mami ja auch lieb haben, oder Kleiner?“
„Ja, und mich auch lieb haben.“, ergänzte Pascal und wischte sich die Tränen weg.
„Siehst du, und wenn ich jetzt deinen Wunsch erfülle, dann kann passieren, dass dein Daddy ihn gar nicht lieb hat, und das ist nicht gut, oder?“, meinte Benjo.
„Nein. Aber will doch, dass Daddy nich mehr traurig is.“
„Ich verrat dir ein kleines Geheimnis, ja?“, sagte Benjo zum Kleinen.
„Au ja.“, sagte Passi, während er auf Benjos Schoss auf und ab hopste.
„Aber pssst, nicht weitersagen.“
„Nein ich sag nich weiter“, meinte Pascal überzeugend. „Darf ich auch Daddy nich sagen?“
„Auch ihm nich, gut?“
Passi nickte heftig mit dem Kopf.
„Wenn du ganz feste daran glaubst, dann erfüllt sich dein Wunsch bestimmt. Vielleicht nicht zu Weihnachten aber bald.“, erzählte Benjo dem Kleinen.
„Echt?“
„Ja echt“, sagte er lächelnd.
***
Während sein Sohn mit dem Weihnachtmann redete, stand Pietro, Pascals Vater, unweit entfernt und beobachtete die beiden. Als er sah, dass Passi weinte, wollte er schon zu ihm rennen, jedoch als der Weihnachtsmann ihn beruhigte, ging er nicht dahin. Er ließ seinen Blick über den Weihnachtsmann gleiten, doch konnte man nicht viel erkennen. Das einzige was man erkennen konnte, waren die Augen. Als der Weihnachtsmann Pietro direkt anschaute, bekam er eine Gänsehaut. Diese Augen waren ein Traum. Sie haben die Farbe von lichtbeschienener Bernstein. Benjo lächelte Pietro zu und wandte sich dann wieder Pascal zu.
„So Pascal, jetzt wird’s aber Zeit, schau mal dein Daddy wartet schon“, meinte Benjo zu ihm.
„Ja, danke lieber Weihnachtsmann“, sagte Passi und gab dem Weihnachtsmann noch einen Kuss auf die Wange. Dann sprang er vom Schoss hinunter und rannte zu seinem Daddy. Dieser kniete sich hin und hob seinen Jungen hoch.
„Und hast du dir was gewünscht“, fragte er seinen Sohnemann.
„Ja Daddy.“
„Sagst du mir was?“, versuchte Pietro herauszubekommen was Pascal sich gewünscht hat.
„Nein, sag ich nicht“; sagte Pascal fest davon überzeugt.
„Na dann eben nicht“, lächelte Pietro „So jetzt geht’s aber erstmal nach Hause.“
„Daddy, ich hab Hunger.“, jammerte Passi.
„Wir sind gleich zuhause, dann mach ich dir etwas zu essen.“
Zuhause angekommen, bekam Pascal etwas zu essen und danach ging es ab ins Bett.
***
Benjo machte sich währenddessen auch auf den Heimweg, nachdem er sich umgezogen hatte. Ihm ging die ganze Zeit nicht Pascal und dessen Vater aus dem Sinn. Immer wieder musste er an den Wunsch des Kleinen denken, und dabei schlich sich jedes Mal ein Grinsen auf sein Gesicht. Dann flogen seine Gedanken wieder zu dem Vater. ‚Schlecht sah er ja nicht aus…eher richtig gut. Aber ob er schwul ist? Immerhin hat er einen Sohn und so alt ist der Kleine ja noch nicht.’, dachte er während er sich Bettfertig machte, da er zwischenzeitlich zuhause angekommen ist.
***
Benjo machte seine Arbeit weiter, doch er war nicht immer ganz bei der Sache. Seine Gedanken schweiften immer zu dem Kleinen Passi und dessen gut aussehendem Vater. Zumeist in Gedanken arbeitete Benjo eine Woche lang weiter ohne das etwas Interessantes passierte. Auch Pascal hatte er nicht wieder gesehen.
***
Eine neue Woche begann und Benjo machte sich auf den Weg ins Einkaufszentrum. Kaum hatte er es erreicht, sah er schon eine größere Gruppe Kinder, die auf den Weihnachtsmann zu warten schienen. ‚So wie es aussieht, hat sich Enrico etwas früher aus dem Staub gemacht. Aber es ist ja nur noch diese Woche und dann ist Weihnachten.’ Als Benjo den Personalraum erreichte, fand er sich seiner Annahme bestätigt, denn Enrico hatte es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Als Benjo eintrat, richtete sich Enrico auf.
„Hallo Benjo.“
„Hallo Enrico. Wie ich sehe, hast du dich vor der Gruppe gedrückt.“
„Ja sicher, Benjo, hast du gesehen wie viele das waren? Dies überlass ich dann doch lieber dir“, grinste Enrico.
„Vielen Dank auch.“
„Gern geschehen“, sagte Enrico grinsend und verschwand bevor Benjo hätte reagieren können. Seufzend zog sich Benjo um und machte sich auf den Weg zu seinem Platz. Er wurde von lauten, freuenden Kindern begrüßt.
„Ho ho ho, meine Kleinen, da seid ihr aber zu vielen gekommen“, sagte Benjo während er sich in dem Sessel setzte. Er nickte Tanja zu, die schon da war und sie begann das erste Kind zu ihm hoch zu holen. Es ging alles wie gewohnt von statten. Auf einmal sprang ein ihm bekannter kleiner Mann auf seinen Schoss. „Hallo, lieber Weihnachtsmann.“, wurde Benjo begrüßt. Bevor Tanja ihm den Namen hätte verraten können, sagte Benjo:
„Hallo Pascal. Was wünschst du dir denn heut, kleiner Mann? Wieder etwas für deinen Daddy?“
„Nee, heute ich wünschen was für mich, ja“, fragend sah Passi Benjo an.
„Ja, Passi.“
„Gut“, nickte der Kleine, „Ich wünsche mir ein Auto. So eins mit Fernbedienung, kennst du das, lieber Weihnachtsmann?“
„Ja, das kenne ich und so eins hättest du gerne?“
„Ja, voll gerne.“
„Dann werde ich mal sehen, dass ich dir deinen Wunsch erfülle“, sagte Benjo.
„Au ja“, freute sich Passi und sprang von Benjos Schoss. „Tschüss, lieber Weihnachtsmann.“
Pascal war der letzte der Gruppe und damit ging die Gruppe. Benjo seufzte erst einmal erleichtert auf, denn es war schon anstrengend, so viele Kinder hinter einander. Tanja kam mit zwei Tassen Kaffee an.
„Das haben wir uns erstmal verdient“, meinte sie und reichte ihm eine Tasse.
„Danke Tanja, du bist ein wahrer Schatz.“
Im Laufe des Nachmittags kamen noch einige Kinder. Doch nach dem großen Andrang ging es eher ruhig zu.
***
Kaum kam Benjo zuhause an, klingelte das Telefon. Er ließ seine Sachen fallen und sprintete zum Telefon.
„Ja, Merten hier.“
„Guten Abend, Herr Merten, hier ist die Agentur X-Mas-Man, verzeihen Sie die späte Störung.“
„Schon gut.“
„Wir haben ein wichtiges Anliegen an Sie. Wir wollten Sie fragen, ob Sie sich vorstellen könnten am Heiligabend im Krankenhaus zu erscheinen? Es wird natürlich gut belohnt.“
„Hm. Ich weiß nicht. Wie würde das denn da ablaufen und ab wann?“, fragte Benjo unsicher.
„Sie würden dort zuerst durch die Zimmer der Dauerpatienten gehen und sie kurz begrüßen. Aber die Hauptaufgabe wäre die Kinderstation. Wo Sie dann mit den Kindern zusammen etwas Zeit verbringen. Mit denen wo es geht in einem Raum zusammen und die anderen müssten Sie dann extra aufsuchen. Wir haben dann für jedes Kind ein kleines Geschenk parat, das Sie ihnen dann geben.“
„Hört sich nicht schlecht an. Gut ich werde es machen“, meinte Benjo.
„Vielen Dank, Herr Merten. Sie sind unsere Rettung, wir dachten schon wir müssten dem Krankenhaus absagen. Vielen Dank.“
„Kein Problem. Ich mach das schon.“
„Danke. Auf Wiederhören, Herr Merten.“
„Auf Wiederhören.“ Damit legte Benjo auf und fuhr sich durch die Haare.
‚Worauf hab ich mich da wieder eingelassen? Bin mal gespannt wie das wird.’
***
Am nächsten Abend erlebte Benjo eine Überraschung. Nicht weit von seinem Arbeitsplatz stand Pascals Vater und schaute ihm zu wie er mit den Kindern umging.
Um 20 Uhr schaute Benjo sich um, ob noch ein Kind in der Nähe war, doch keins war zu sehen. Er stand auf und wollte sich auf den Weg zum Personalraum machen, als sich Passis Vater ihm in den Weg stellte.
„Entschuldigung, bitte.“, sprach dieser Benjo an.
„Ja, was kann ich für Sie tun“, fragte Benjo.
„Sind Sie der, der letztens Pascal auf dem Schoss hatte. Ich weiß es ist schwer sich an alle zu erinnern. Aber waren Sie es, der mit ihm geflüstert hat?“, erkundigte sich Pietro.
„Ja, der war ich? Wieso wollen Sie das denn wissen?“
„Ich hätte da eine Bitte an Sie. Könnten Sie mir nicht verraten was sich Pascal gewünscht hat?“
„Das geht leider nicht, ich habe es Passi versprochen.“, antwortete Benjo.
„Bitte sagen Sie es mir doch. Ich möchte meinen Kleinen doch nicht enttäuschen.“, flehte Pietro.
„Nein tut mir leid, das kann ich nicht. Aber ich kann Ihnen noch etwas anderes sagen, was er sich wünscht. Er war ja gestern mit seiner Kindergartengruppe, nehme ich an, hier.“, versuchte Benjo Pietro zu überzeugen.
„Ja? Das wäre wirklich sehr nett von Ihnen“, meinte Pascals Vater.
„Er hat sich ein ferngesteuertes Auto gewünscht.“
„Danke, danke. Ich wäre schon fast verzweifelt. Ich wollte ihm nicht irgendwas schenken. Es sollte schon was sein was er haben möchte. Vielen Dank, dass Sie mir das verraten haben“, bedankte sich Pietro.
„Gern geschehen. Ich muss aber auch mal sagen, Sie haben da einen richtig süßen kleinen Schatz.“
„Ja, das ist er wirklich. Jetzt möchte ich Sie aber auch nicht länger von Ihrem Feierabend abhalten. Auf Wiedersehen.“, verabschiedete sich Pietro.
„Das haben Sie nicht“, lächelte Benjo. „Auf wieder sehen!“
Während des Gesprächs sind sie am Personalraum angekommen, in den nun Benjo ging um sich umzuziehen. Währenddessen ging Pietro nach draußen. Er beobachtete aber von dort aus die Türe, denn er wollte erfahren wer hinter dem Weihnachtsmannkostüm steckt. Wer es war, der seinen Sohn so begeisterte.
Kurze Zeit später öffnete sich die Türe und Benjo kam heraus. ‚Ah das ist er ja.’ Pietro beobachtete Benjo genauer und musterte ihn. Benjo hat kastanienbraunes Haar, war, so schätze Pietro, nur etwas kleiner als er selber. Umso näher Benjo kam umso besser konnte er ihn erkennen. Benjo war sportlich gebaut, was man vorher unter dem Weihnachtsmantel nicht hatte erkennen können. Pietro fielen wieder diese wunderschönen bernsteinfarbenen Augen auf und ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht.
Seit einiger Zeit ist ihm bewusst geworden, dass er doch eher auf das eigene Geschlecht stand, und da vorne ging ein Traum von einem Mann. Aber bestimmt nicht schwul und als Pietro sah, dass Benjo noch ziemlich jung, er schätzte ihn auf Mitte 20, fühlte er auf einmal sein Alter.
Benjo blickte auf und sah Pietro. Er runzelte die Stirn, ging aber dann auf ihn zu.
„Guten Abend. Wollen Sie immer noch versuchen rauszubekommen, was Passi sich noch gewünscht hat“, fragte Benjo mit einem umwerfenden Lächeln.
„Versuchen kann man es doch“, lachte Pietro.
„Stimmt schon. Aber ich werde es trotzdem nicht verraten.“
„Schade.“
„Ich weiß, dass wir uns jetzt nicht gerade kennen, aber dürfte ich Sie etwas fragen?“, fragte Benjo Pietro unsicher.
„Ähm. Ja.“, sagte Pietro.
„Passi meinte zu mir er hätte keine Mutter. Da wollt ich fragen, ach ist ja auch egal. Das geht mich nichts an“, meinte Benjo.
Pietro musste einmal schlucken. ‚So was sagt Pascal dem Weihnachtsmann? Wieso nur?’
„Sie wollen wissen warum er keine hat? Hab ich recht?“, sagte Pietro zu Benjo.
„Ähm ja.“
„Sie ist kurz nach der Geburt gestorben.“
„Oh das tut mir leid.“, sagte Benjo und schaute Pietro mitleidig an.
„Schon gut. Ich hab mich damit abgefunden und Passi braucht mich ja.“
„Ja der Kleine, ist ein richtig putziges Kerlchen“, lächelte Benjo.
Während des Gesprächs gingen sie in Richtung U-Bahnstation, und stellten dort verwundert fest, dass sie wohl den gleichen Weg zu scheinen haben. Und wo war es auch. Benjo musste nur eine Station früher aussteigen.
„Auf Wiedersehen, ähm.“, meinte Benjo.
„Pietro.“
„Ah gut, Auf wieder sehen, Pietro. Kommen Sie gut nach Hause.“
„Sie auch, – Benjo sagte ihm seinen Namen – Benjo.“, verabschiedete sich Pietro.
***
Am nächsten Tag gegen Mittag klingelte bei Benjo das Telefon. Durch das Klingeln wach geworden. Griff er müde zum Telefon.
„Ja?“
„Hey Benjo! Hab ich dich geweckt? Du hörst dich so verschlafen an?“, hörte Benjo die Stimme seiner besten Freundin Marie.
„Nein gar nicht, Marie, ich bin schon seit Stunden wach“, antwortete er ironisch.
„Ah dann ist ja gut.“
„MARIE!!!“
Als Reaktion hörte er nur Maries Lachen.
„Also was ich eigentlich wollte, Benjo, hättest du jetzt Zeit dich zu treffen?“, fragte Marie.
„Mit wem?“
„Na mit mir, du Dummerchen.“
„Na gut“, sagte Benjo mit einem Lächeln in der Stimme.
„Gut ich bin in 15 Minuten bei dir.“, damit legte Marie auf ohne dass Benjo noch hätte reagieren können.
Immer noch müde quälte sich Benjo aus dem Bett und machte sich fertig. Kaum war er angezogen da klingelte es auch schon an seiner Tür. Langsam schlürfte er dorthin und öffnete sie.
„Hey Benjo! Oh man, du siehst echt verschlafen aus.“, begrüßte Marie ihn und drückte ihn dabei.
„Hey Marie.“
Benjo schlürfte weiter in Richtung Küche um sich erstmal einen Kaffee zumachen. Marie hingegen machte es sich im Wohnzimmer bequem und wartete auf Benjo.
„Ich muss dir unbedingt was erzählen“, rief sie ihm zu, als er langsam auch ins Wohnzimmer kam.
„Ich hoffe es ist etwas Wichtiges, warum du mich so früh ausm Bett schmeißst.“, meinte Benjo daraufhin.
„Natürlich ist es wichtig. Würde ich dich jemals mit was Unwichtigem nerven“, fragte Marie.
„Lass mich mal überlegen. Ja würdest du“, antwortete Benjo lächelnd.
Marie knuffte daraufhin Benjo mal in die Seite und schaute ihn leicht böse an, doch das Lächeln auf ihren Lippen verriet sie.
„So jetzt lass mich mal erzählen. Ich habe mich verliebt.“
„Das ist das wichtige? Marie, dafür hast du mich geweckt?“
„Ja genau dafür. Denn weißt du er ist einfach perfekt, so nett, charmant…“
„Wenn du schon so anfängst, dann gibt es doch einen Harken, oder?“, unterbrach Benjo sie.
Marie seufzte und meinte: „Ja, den gibt es. Er ist schon vergeben.“
“Ach Marie“, er nahm sie in den Arm und hielt sie ganz fest. „Warum musst du dich auch immer in die Falschen verlieben?“
„Wenn ich das wüsste“, seufzte sie.
„Wenn es dich tröstet, ich bin auch unglücklich verliebt.“
„Du? Verliebt? In wem? Ich möchte alles hören.“, mit diesen Worten schaute sie Benjo auffordernd an.
„Er heißt Pietro. Sieht einfach toll aus. Er ist sehr nett und wir verstehen uns wirklich gut. er hat einen kleinen Sohn, Pascal, ein richtig süßer Fratz. Ein richtiger Traumtyp und sehr wahrscheinlich nicht schwul“, seufzte nun Benjo.
„Du weißt es noch nicht mal und seufzt hier rum? Also echt, Benjo, dann musst du raus finden ob er schwul ist.“, meinte Marie.
„Und wie soll ich das machen? Ich kann ihn ja schlecht einfach fragen.“
„So, und warum nicht?“, fragte Marie.
„Meinst du echt ich will die entstehende Freundschaft zerstören?“, fragte Benjo zurück.
„Dann musst du es irgendwie anders herausbekommen.“
„Ja und wie?“
„Das weiß ich noch nicht genau. Aber ich überleg mir was.“, meinte Marie.
Die beiden unterhielten sich noch so lange bis Benjo sich für die Arbeit fertig machen musste.
Auf der Arbeit war nichts Besonderes los. Doch nach der Arbeit wartete wieder Pietro auf Benjo, was diesen am Anfang doch etwas irritierte.
„Guten Abend, Pietro. Was machst du denn hier? Mit dir hätte ich gar nicht gerechnet?“
„Guten Abend, Benjo. Na ja ich hab jetzt Feierabend und ich dachte wir könnten ja wieder zusammen nach Hause fahren. Natürlich nur wenn du möchtest.“, meinte Pietro.
„Sicher sehr gern. Mit angenehmer Gesellschaft ist es doch schöner nach Hause zu fahren als allein“, lächelte Benjo Pietro an.
„Na dann kommen Sie, junger Mann“, lachte Pietro und hielt ihm seinen Arm hin wo sich Benjo unterharkte.
Sie unterhielten sich die ganze Zeit angeregt. Kurz bevor Benjo aussteigen musste, fragte er einfach.
„Wie sieht es eigentlich mit einer neuen Mutter für Pascal aus?“
„Ähm, ja, schlecht“, meinte Pietro.
„Wieso denn das? Ist da niemand Nettes in Aussicht?“, fragte Benjo nach.
„…ähm, na ja, das ist so…, ich hoffe du verachtest mich jetzt nicht, … aber ich bin schwul“, gestand Pietro und schaute Benjo unsicher an.
„Dich verachten? Nie! Aber wenn du schwul bist, wie kommt es dann, dass du Pascal hast? Musst nicht antworten, wenn es mich nichts angeht.“
„Na ja ich habe meine Gefühle unterdrückt und dann mit Passis Mutter eine Beziehung angefangen. Dann nahm dies alles so seinen Lauf. Ich habe sie ja auch geliebt aber nicht so wie sie es verdient hat. Kurz vor ihrem Tod habe ich ihr das gebeichtet und weißt du was sie erwidert hat? – Benjo schüttelte den Kopf – Sie meinte sie wüsste das schon.“
„Bist du denn auf der Suche nach einem Freund?“
„Wie kommt es, dass du so gelassen reagierst?“, fragte Pietro statt zu antworten Benjo.
„Wies sollte ich denn anders reagieren? Bin doch selbst schwul.“, antwortete Benjo.
„DU bist schwul?“, fragte Pietro ungläubig.
„Ja.“
„Hätte ich irgendwie nicht gedacht“, gestand Pietro.
„Und wie ist die Antwort auf meine Frage?“, fragte Benjo nach.
„Ähm welche Frage meinst du noch mal?“
„Ob du auf der Suche bist?“
„Ähm, ja, oder nein, doch eher ja…“
„Und was jetzt genau“, lachte Benjo ihn an.
„Na ja ich kenn da jemanden, – dabei schaute er Benjo tief in die Augen -, aber ich weiß nicht ob er Interesse an mir hat?“
„Hm und wie willst du das heraus finden?“
„Nun so…“
Gerade als sich Pietro zu Benjo vorbeugen wollte, sah dieser nach draußen und bemerkte, dass er aussteigen musste.
„Mist, wir sind ja schon da. Tut mir leid, Pietro. Bis morgen.“, damit rannte Benjo schnell aus der stehenden U-Bahn.
Pietro blieb allein zurück uns seufzte. ‚Warum muss die Bahn auch immer im falschen Moment halten. Jetzt erfahr ich nie ob er Interesse an mir hat.’ Leicht traurig ging Pietro nach Hause, wo er sogleich von seinem Sohn begrüßt wurde.
„Daddy!“, damit sprang Passi seinem Vater in die Arme.
„Hallo kleiner Mann. Na hattest du viel Spaß?“
„Ja sehr. Tante Sofie und ich haben Kekse gebacken. Musst du gucken, Daddy.“, erzählte Pascal begeistert.
Pietro ging mit Passi auf dem Arm in die Küche wo Sofie, seine Schwester, noch die letzten Kekse in eine Dose verstaute.
„Guten Abend, Sofie“, begrüßte er sie.
„Guten Abend, Pietro. Na dann werd ich mich mal auf den Weg nach Hause machen. Bis morgen dann.“, verabschiedete sich Sofie.
„Bis morgen, Tante Sofie.“
„Tschüss Passi. Und denk daran nicht so viele Kekse naschen.“
„Mach ich doch nie“, sagte der Kleine gespielt ernster Mine
***
Als Pietro im Bett lag, dachte er noch mal über den Abend nach. ‚Benjo ist also auch schwul. Das ist sehr gut. Morgen muss ich auf jeden Fall versuchen ihm zu sagen, dass er es ist, den ich liebe.’
***
Während Benjo wie jeden Tag seiner Arbeit nachging, dachte auch er über den gestrigen Abend nach. ‚Was hat Pietro zum Schluss gesagt…er kenne da schon einen…wie dieser jemand wohl ist…Moment mal. Wie wollte er noch mal raus finden, ob dieser jemand auch Interesse hat…? Pietro hat sich vorgebeugt…ja da bin ich mir ganz sicher…wollte er mich etwa küssen? Meinte er mich mit dem Jemand?’ Ein wunderschönes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. ‚Ja, er meinte bestimmt mich. Er hat an mir Interesse. Wow. Wenn das so ist, dann muss ich ihm heute unbedingt sagen, dass es bei mir auch so ist.’, nahm sich Benjo vor.
***
Kaum war seine Arbeitszeit zu Ende ging er schnellen Schrittes zum Personalraum um sich umzuziehen. So schnell er konnte, machte er sich fertig und ging nach draußen. Dort sah er auch schon Pietro stehen. Lächelnd ging er auf ihn zu und umarmte ihn.
„Guten Abend, Pietro, schön dich zu sehen.“
„Guten Abend, Benjo, ich freue mich ebenfalls dich zu sehen.“
Wie auch schon gestern harkte sich Benjo beim Älteren unter und sie gingen zur U-Bahnstation. Während sie sich auf den Weg machten, setzte Benjo an um Pietro etwas zu sagen
„Du, Pietro, wegen gestern…ich wollt dir da was sagen.“
„Was denn?“, gespannt sah Pietro ihn an.
„Na ja weißt du…ich hab mich ver…“, dann wurde er von einer Stimme unterbrochen, die laut ‚Pietro’ rief.
Pietro schaute in die Richtung aus der die Stimme kam und sah seine Schwester mit Pascal im Auto sitzen.
„Da bist du ja, Pietro, wir wollten dich abholen. Kommst du?“, rief Sofie wieder.
Pietro schaute Benjo entschuldigend an.
„Erzählst du es mir morgen? Wir sehen uns doch morgen wieder, oder?“
„Ja. Bis morgen dann.“
„Bis morgen.“ Dann ging Pietro zum Auto und stieg ein. Währenddessen machte sich Benjo allein auf den Heimweg. ‚So ein Mist, fast hatte ich es ihm gesagt. Wieso musste auch diese Frau dazwischen funken…’
***
Während der Heimfahrt machte sich Pietro Gedanken darüber, was Benjo ihm sagen wollte. ‚ich hab mich ver… kann es sein? Wollte er mir sagen, dass er mich liebt? Oder ist das nur Wunschdenken? Und liebt er gar einen anderen?’ so und so ähnliche Gedanken gingen Pietro durch den Kopf.
***
Am nächsten Tag wartete Benjo schon sehr gespannt auf den Feierabend. Er wollte Pietro endlich sagen was er fühlte. Kaum sprang der Zeiger der Uhr auf 18 Uhr da rannte Benjo schon los um sich umzuziehen. Er wollte so schnell wie möglich zu Pietro. Doch als er nach draußen ging, sah er nicht wie sonst Pietro schon da stehen. Er ging zu dem Platz wo sonst immer auf ihn gewartet wurde und wartete diesmal selber, auf Pietro.
Doch nach einer Stunde sah er immer noch keinen Pietro weit und breit. Benjo seufzte. ‚Ihm ist wohl etwas dazwischen gekommen. Dann werde ich es ihm morgen sagen. Ja genauso mache ich es.’ Mit diesem Gedanken machte er sich auf den Heimweg.
***
Doch auch am nächsten Tag erschien kein Pietro. ‚Ob er mich nicht mehr sehen mag? Vielleicht war ja doch nicht ich gemeint und er ist nun bei seinem Freund.’ Benjo seufzte tief. ‚Warum nur muss immer ich so viel Pech haben.’ Traurig schlurfte Benjo nach hause und rief Marie an. Er brauchte jetzt seelische Unterstützung und wer wäre da besser geeignet als seine beste Freundin.
„Ja, Marie hier.“
„Marie, ich bin’s Benjo. Kommst du vorbei?“, fragte Benjo sie.
„Was ist denn los, Benjo? Du hörst dich ja gar nicht gut an. Mach nichts Unüberlegtes. Ich bin sofort bei dir.“ Damit legte Marie auf und machte sich auf den Weg.
Kurze Zeit später klingelte sie bei Benjo, der ihr traurig die Türe öffnete.
„Hey Benjo, was ist denn passiert? Na komm ich mach dir erstmal einen Tee und dann erzählst du mir was los ist.“ Damit bugsierte sie ihn zurück auf das Sofa und ging in die Küche um wie gesagt einen Tee zu kochen.
Kaum war der Tee fertig setzte sie sich zu ihm auf die Couch. Während er leicht abwesend die Tasse mit seinen Händen umschlungen hält, schaute sie sich ihn genauer an und versuchte so schon mal herauszubekommen was ihn bedrückte.
„So Benjo, was ist denn nun passiert?“
„Er liebt einen anderen.“
„Dein Traummann? Wie kommst du denn da drauf?“
„Er kam heute und gestern nicht wie verabredet zum Einkaufszentrum. Er muss also jemand anderes haben.“, sagte Benjo.
Marie schaute ihn skeptisch an. „Das muss doch nicht gleich bedeuten, dass er jemanden hat. Vielleicht musste er einfach nur Überstunden machen. Das ist bei den meisten doch jetzt kurz vor Weihnachten so.“
„Meinst du wirklich?“, fragte Benjo, mit Hoffnung in den Augen.
„Ja ich mein das wirklich so. Nun blas doch nicht gleich Trübsal nur, weil er zweimal nicht da war, du wirst sehen, morgen ist er wieder da.“
„Glaubst du? Ich werde aber morgen nicht viel Zeit haben. Ich muss doch um 18 Uhr schon im Krankenhaus sein. Wie soll ich ihn dann sehen können. Er denkt doch ich muss immer bis 18 Uhr arbeiten. Aber morgen ist doch nur bis 17 Uhr. Was mach ich denn nun?“, hilflos sah er sie an.
„Benjo, wenn er dich liebt, und davon gehe ich aus, denn dir kann keiner widerstehen, dann wird er schon einen Weg finden wie ihr euch treffen könnt. Du wirst sehen.“, meinte Marie zuversichtlich.
„Ich hoffe es so sehr.“
„So sehr liebst du ihn?“
„Ja, er ist einfach perfekt. Wir verstehen uns sehr gut und ach er ist so süß, und sehr charmant. Halt einfach perfekt.“, schwärmte Benjo.
„Also Benjo, kein Trübsal blasen mehr, ok? Ich muss nämlich wieder gehen. Hab noch ein Date.“, sagte Marie lächelnd.
„Du? Ein Date? Mit wem?“
„Ja ich. Ich habe ihn gestern durch Zufall kennen gelernt und heute treffen wir uns noch mal und vielleicht wird ja was draus. Drück mir dir Daumen.“
„Werd ich machen. Viel Spaß, Marie.“
Benjo begleitete Marie noch zur Türe und verabschiedete sich von ihr.
„Tschüss Marie, und danke.“
„Gern geschehen, Benjo, du weißt ich bin immer für dich da. Bye.“
***
Als Benjo seine Arbeit beendete, schaute er sich draußen noch mal um ob er Pietro nicht doch irgendwo stehen sah. Doch er wurde enttäuscht. Schnellen Schrittes machte er sich auf den Weg zum Krankenhaus. Sein Kostüm hatte er noch an. Da es eh der Agentur gehörte, konnte er es in Ruhe anlassen und musste sich dann nicht im Krankenhaus es wieder anziehen.
Im Foyer des Krankenhauses wurde er auch schon von einer älteren Dame begrüßt.
„Guten Abend, sind Sie Herr Merten?“
„Guten Abend, ja der bin ich.“
„Gut dann folgen Sie mir doch bitte. Sie wissen wie es hier heute Abend abläuft?“
„So ungefähr. Ich soll zu den Patienten und dann zur Kinderstation. Aber wie genau alles abläuft, wurde mir nicht mitgeteilt.“
„Gut, Sie werden wie Sie gesagt haben, zuerst zu den erwachsenen Patienten gehen. Denen überreichen Sie einen Schokoladenweihnachtsmann. Wir geben Ihnen gleich genug davon. Sie müssen dort nur kurz in die Zimmer rein. Sie begrüßen und das Geschenk überreichen und dann gleich weiter. Ich werde Sie die ganze Zeit begleiten, damit Sie keins vergessen oder nicht durcheinander kommen. Alles verständlich soweit?“, erklärte die Frau ihm.
„Ja, das ist alles klar.“
„Gut dann folgen Sie mir. Zuerst holen wir den Geschenksack ab und dann geht es los. Das mit der Kinderstation erkläre ich Ihnen gleich. Das ist Ihnen doch recht, oder?“
„Ja, ist es.“, antwortete Benjo.
Kaum den Sack geholt machten sie sich auf den Weg die Krankenzimmer abzugehen. Es ging alles ziemlich zügig. Nur bei manchen älteren Patienten blieb Benjo ein wenig länger.
„So nur noch dieser Gang und der erste Teil des Abends ist vorbei“; teilte ihm die Frau mit.
Als er an eine Tür ziemlich in der Mitte des Ganges klopfte, hörte Benjo eine ihm bekannte Kinderstimme. Kaum betrat er den Raum sah er seine Annahme bestätigt. Dort saß Pascal und in dem Bett lag Pietro. Dieser schaute ihn an und lächelte.
„Guck mal, Daddy, der Weihnachtsmann.“, freute sich Passi.
„Ho ho ho, guten Abend.“, damit ging Benjo näher auf das Bett zu. ‚Jetzt weiß ich auch warum er nicht kommen konnte, wenn er hier liegt.’
„Guten Abend, lieber Weihnachtsmann“, sagte Pascal.
Als Benjo direkt vor dem Bett stand, blieb er stehen und schaute Pietro direkt in die Augen. Diesen traf die Erkenntnis. Er erkannte Benjo direkt an seinen Augen.
Benjo wandte sich an Pascal und fragte ihn; „Na Pascal, war dein Papa dieses Jahr auch brav?“
„Ja Daddy immer brav.“, sagte Passi voller Überzeugung.
„Na, dann hat er sich wohl ein kleines Geschenk verdient.“, damit holte Benjo einen Schokoweihnachtsmann aus dem Sack und überreichte ihn Pietro.
Dann schaute er wieder zu Passi und meinte; „Dein Geschenk, Pascal, habe ich schon zu euch nach Hause gebracht. Meinst du, du kannst dich solange gedulden bis du zu Hause bist?“
„Ja, ich das können.“, und lieb lächelte er den Weihnachtsmann an.
„Das ist sehr lieb von dir“, dann tätschelte er ihm noch den Kopf und machte sich daran hinaus zu gehen. In der Türe drehte er sich noch mal um und meinte; „Pascal, möchtest du mir nicht beim weiteren Verteilen helfen? Und gleich gehe ich zu den Kindern hier. Möchtest du mitkommen?“
„Au ja. Darf ich, Daddy?“, bittend schaute er seinen Vater an. Der nickte nur und schaute Benjo dankend an, denn so war Passi etwas beschäftigt und musste nicht hier rum sitzen.
„Na dann komm, Pascal“, rief Benjo ihn.
Pascal rannte auf ihn zu und schaute ihn mit strahlenden Augen an. Zusammen mit Pascal besuchte Benjo noch die restlichen Zimmer.
Als dies geschafft war, meinte die Frau zu ihm; „So dann zeig ich Ihnen mal wo es zur Kinderstation hingeht.“
Unterwegs tauschten sie noch die Säcke aus und auf Passis fragenden Blick meinte Benjo nur, dass es zu schwer wäre, wenn er beide hätte tragen müssen, so dass er einen hier abgestellt hatte. Verstehend nickte Pascal.
In der Kinderstation waren schon alle Kinder im größten Raum versammelt und warteten gespannt auf den Weihnachtsmann, der auch in diesem Moment durch die Türe herein kam.
„Ho ho ho, ihr lieben Kinderlein.“
„Hallo, lieber Weihnachtsmann“, wurde er von allen Seiten begrüßt.
Die Kinder saßen und lagen in einem Halbkreis um einen Stuhl herum, auf den sich nun Benjo setzte. Pascal mischte sich zwischen die Kinder.
„Hallo ihr lieben Kleinen und Großen. Wie geht es euch denn heute?“, fragte Benjo in die Runde und bekam ein einstimmiges ‚gut’ zurück. Eines der Kinder kam mit einem dickeren Buch auf ihn zu und schaute ihn bittend an.
„Du möchtest, dass ich euch etwas vorlese?“, fragte er das kleine Mädchen, dieses nickte daraufhin nur.
„Na dann werde ich das machen. Möchtest du etwas Bestimmtes hören?“, fragte er erneut.
Das kleine Mädchen zeigte ihm welche es gerne hören mochte. Benjo las den Kindern die Geschichte vor und jeder hörte ihm gespannt zu.
Als die Geschichte zu ende war, schlug er sanft das Buch zu und legte es auf die Seite. Dann lächelte er die Kinder an und meinte zu ihnen; „Nun kommen wir zu den Geschenken? Alle einverstanden?“ und wieder erschall ein einstimmiges und lautes ‚JA’
Benjo lachte und nahm aus dem Sack ein kleines Büchlein in dem, wie die Frau ihm sagte, die Namen der Kinder war und auch die Farbe des Punktes, der das passende Geschenk markierte. Und so überreichte Benjo einem Kind nach dem anderen ein Geschenk und bekam als Belohnung viele strahlende Gesichter zu sehen.
Langsam verabschiedete Benjo sich. Pascal kam auf ihn zu und fragte; „Du, Weihnachtsmann, darf ich noch was hier bleiben?“
„Ja, bleib ruhig was hier, ich werde deinem Vater sagen, dass du hier bist.“
Pascal rannte wieder zu den Kindern zurück und Benjo folgte der Frau nach unten.
„Kann ich mich hier irgendwo umziehen? Ich wollte noch jemanden hier besuchen?“, fragte er sie.
„Ja, kommen Sie, ich zeig Ihnen wo Sie sich umziehen können. Dort können Sie solange auch das Kostüm liegen lassen.“
„Vielen Dank.“
Die Frau zeigte ihm eine leere Abstellkammer und reichte ihm den Schlüssel dazu.
„Den geben Sie mir aber nachher wieder.“, ermahnte sie Benjo.
„Natürlich. Wo werde ich Sie denn finden?“
„Ich bin dort an der Rezeption.“
***
Frisch umgezogen und mit klopfendem Herzen stand Benjo vor der Türe zu Pietros Zimmer. Er atmete noch einmal tief durch und klopfte an. „Herein“, erschall Pietros Stimme. Benjo betrat das Zimmer und ging direkt auf das Bett zu.
„Hallo Pietro.“
„Hallo Benjo. Bin ich froh dich zu sehen. Glaub mir ich wollte wirklich zu dir kommen. Doch bin ich auf dem Weg zum Einkaufszentrum so blöde gestürzt, dass ich mir eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen hab und jetzt lieg ich hier seit nun drei Tagen. Er tut mir wirklich leid. Du wolltest mir doch was gesagt haben? Was war es denn? Ich wollt dich damals auch nicht unterbrechen aber dann kam Sofie….“
Benjo reichte es. Er wollte keine weiteren Erklärungen hören und er hatte sich einfach vorgebeugt und Pietros Lippen mit den seinigen versiegelt. Pietro war im ersten Moment leicht überrumpelt doch erwiderte er den Kuss sofort.
Nach längerer Zeit unterbrach Benjo den Kuss und schaute Pietro liebevoll in die Augen.
„Ich wollte dir damals nur sagen, dass ich dich liebe, aber so funktioniert es ja auch“, lachte er. Da konnte Pietro nur zustimmen. Seine Hand wanderte zu Benjos Nacken und er zog ihn für einen weiteren Kuss wieder nach unten.
„Ja so ist das viel schöner“, meinte Pietro nachdem sie den Kuss wieder unterbrochen hatten. „Ich liebe dich auch, Benjo.“
Sie küssten sich immer wieder. Mal etwas länger mal etwas kürzer aber immer mit viel Liebe. Bis sich auf einmal die Türe öffnete und ein kleiner schwarzhaariger Wuschelkopf seinen Kopf hinein steckte. Der kleine Kerl kam ins Zimmer hinein und stellte sich vor das Bett während er seinen Daddy und dem ihm noch fremden Mann beobachtete. Doch dann leuchteten seine Augen. Hatte der Weihnachtsmann ihm seinen Wunsch doch noch erfüllt.
Freudig rief der kleine Junge; „Daddy!“
Die beiden sich Küssenden erschraken sich und sprangen auseinander. Pietro schaute seinen Sohn an.
„Passi, musst du uns so erschrecken?“
„Tschuldigung Daddy. Wer ist das?“, fragte Passi und zeigte dabei auf Benjo.
„Das ist Benjo, er ist… ja er ist…“, stotterte Pietro.
Benjo kniete sich vor Passi und hielt ihm die Hand hin.
„Hallo kleiner Mann. Ich bin Benjo, der Freund deines Papas. Wie heißt es so schön; Wenn du ganz feste daran glaubst, dann erfüllt sich dein Wunsch bestimmt.“
Pascal bekam große Augen doch dann strahlte er wie ein Honigkuchenpferd. Benjo half ihm auf das Bett und Pascal krabbelte zu seinem Daddy und setzte sich auf seinen Schoss, dann meinte er:
„Das ist das schönste Weihnachten. Jetzt hab ich zwei Daddys.“ Dabei strahlte er ununterbrochen.
„Daddy, du musst was rutschen, dann kann Benjo auch noch hier liegen.“, sagte er zu seinem Vater.
Dieser tat ihm den Gefallen und machte für Benjo etwas Platz. Zu dritt lagen sie nun auf dem Bett und schlummerten nach und nach ein. Eine kleine glückliche Familie.
Für jeden der drei, ist dieses das schönste Weihnachten. Denn sie fanden die Liebe

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