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Information Mondlicht
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 01:57 PM - No Replies

Ziellos lief ich durch den Wald. Ich war wütend und traurig zugleich. Wie konnte er mir so etwas nur antun – wie konnte er UNS so etwas antun? Und das an unserem Jahrestag. Genau heute vor einem Jahr hatten wir zusammengefunden, hier in den Bergen, in einer abgelegenen Berghütte, die nur selten von Touristen angemietet wurde. Diese Herberge war ein klassischer Geheimtipp unter den Liebhabern von steilen Pisten und Leuten, die einfach nur ihren Winterurlaub in Ruhe genießen wollten, ohne grelle Partys und ohrenbetäubendes Geschrei.
Zuerst wollte ich nur einen kleinen Spaziergang durch den winterlichen Wald machen. Doch dieses Mal fröstelte es mich früher als sonst und eher als geplant, kehrte ich zur Hütte zurück. Mir zerbrach es das Herz, als ich ihn mit einem Anderen in UNSEREM Bett vorfand. Nur für eine Sekunde schaute er mich erschrocken an, dann wandelte sich sein Blick in Resignation und Gleichgültigkeit und er fickte einfach weiter dem Anderen das Hirn aus dem Schädel, als würde ich nicht in der Tür stehen und den beiden zuschauen.
Mit geweiteten Augen ging ich ein paar Schritte rückwärts, drehte mich dann um und lief einfach weg. Tiefhängende Äste streiften meine Wangen, ritzten die Haut etwas auf, doch der Schmerz in meinem Herzen überwog alles. Ich wusste nicht genau, warum ich davon so überrascht war, denn eigentlich hatte man es kommen sehen. Raoul flirtete den gestrigen Abend die gesamte Zeit mit diesem blonden Schönling, aber ich dachte, wenn es nur dabei bliebe, wäre es für mich okay.
Ich stieß zwischen zwei Bäumen hindurch auf eine große Lichtung. Noch ein paar Schritte ging ich, doch dann stolperte ich über meine eigenen Beine und landete der Länge nach im Schnee. Nur langsam stemmte ich mich ein wenig hoch, stützte mich auf Knie und Unterarme ab. Meine Hände ballte ich zu Fäusten, dann schlug ich wie wild auf den Boden ein. Ich war so dumm gewesen, so blind.
Zwischen uns hatte es schon vorher angefangen zu kriseln. Nur war ich der dummen Annahme, dass sich hier, wo wir vor einem Jahr zusammengekommen sind, alles wieder gibt. Vor einem Monat sagte er zu mir, ich sei eigenartig. Es war nicht das erste Mal, dass ich so was von jemandem hörte. Vorahnungen oder einer Eingebung folgend, schützte mich schon oft vor Verletzungen. Außerdem hatte ich die seltsame Gabe, die Gefühle und Gesinnung Anderer zu erkennen. Zwar half mir dies sehr in meinem Job, doch in Sachen Beziehung brachte es mir nur Unglück.
Die Menschen bekamen Angst vor mir, fanden meine Ausstrahlung mit der Zeit nicht mehr ungewöhnlich interessant oder anziehend, sondern unheimlich. Selbst meine Arbeitskollegen hielten Abstand von mir, weil sie zum Teil neidisch waren, da ich fast immer wusste, was meine Kunden wollten. Zum anderen war ich ihnen zu „normal“. Mal davon abgesehen, dass ich jegliche Annäherungsversuche – egal ob auf freundschaftlicher Basis oder mehr – rigoros abschmetterte. Denn früher oder später ließen mich doch alle im Stich und allein – wie auch jetzt.
Wieso habe ich ihn auch so nah an mich rangelassen? Aber es tat so gut begehrt zu werden, es tat so gut, mal nicht der abnorme Außenseiter zu sein. Das war vielleicht genau der Grund, warum ich über vieles hinweggesehen hatte. Tränen rannen über meine Wangen, was ich erst bemerkte, als die salzigen Tropfen vereinzelt im Schnee verschwanden. Ich hatte mich zwar soweit beruhigt, dass ich den Boden nicht mehr mit meinen Fäusten bearbeitete, nun kniete ich aber in der weißen Kälte und zitterte nicht wegen des Frostes, sondern wegen der Kühle in meinem Herzen.
Auf einmal hielt ich allerdings inne. Irgendjemand war hier und beobachtete mich. Ich spürte ganz deutlich diese dunkle Aura, welche klamm wie Nebel über die Lichtung kroch. Erschrocken schaute ich auf und blickte direkt in tief leuchtendes Grün. Angst erfasste mich wie ein kalter Lufthauch und ließ mich noch mehr zittern. Wie festgefroren kniete ich da und blickte mit vor Schrecken geweiteten Augen in das dunkle Glitzern dieses Wesens, dessen Pupillen mich eisig fixierten.
Dann machte er einen Schritt nach vorn und streckte seinen schwarz bekleideten Arm nach mir aus. Dies war für mich der Auslöser, mich herumzudrehen und loszustürmen. Allerdings kam ich nicht weit. Kaum hatte ich zwei Schritte getan, knirschte es geräuschvoll unter mir und wenige Sekunden später umfing mich eisiges Nass. Nur langsam drang zu mir durch, dass dies keine Lichtung gewesen war, auf die ich drauf stolperte, sondern ein zugefrorener See.
Die Kälte durchdrang sofort meinen gesamten Körper, lähmte ihn und auch meine Gedanken. Wie in einem Traum schaute ich zur zugefrorenen Wasserdecke auf, die nur vom Schnee gedämpft das Mondlicht hineinließ. Als würde ich schweben, sank ich immer tiefer und je weiter ich hinabglitt, desto mehr hieß ich die Dunkelheit willkommen. Keiner würde mich je vermissen, nirgends war ich erwünscht. Hier in der trüben Kälte war alles still, keine bösen Stimmen, die hinter meinem Rücken lästerten, keine abwertenden Blicke, die mich verfolgten. Hier durfte ich Ich sein, brauchte mich nicht zu verstellen, kein künstliches Lächeln aufzusetzen. Hier wurde ich so akzeptiert, wie ich bin.
Ich war bereit, die Finsternis gewähren zu lassen, öffnete meinen Mund, meine Lungen und ließ mich von ihr einnehmen, als wäre sie ein zärtlicher Liebhaber. Doch etwas störte. Jemand packte meinen Arm, was mich brutal aus meiner Trance riss und aufblicken ließ. Und wieder traf mich dieses dunkelglitzernde Grün. Selbst hier stach es aus der Schwärze hervor, als würde es von innen heraus glühen. Wie ein gefallener Engel schwebte das Wesen über mir. Seine Augen fixiert auf die meinen, die Brauen etwas zusammengezogen, als würde er mir verbieten wollen meinen Frieden zu finden.
Dann begann er an mir zu zerren und riss mich grob hinauf, als würde er meinen heftigen Protest und mein wildes Gezappel gar nicht bemerken. Laut schäumend durchbrachen wir die Wasseroberfläche und automatisch sog ich röchelnd die Luft in meine Lungen. Nur halb bekam ich mit, wie ich raus aus dem Wasser und zum Rand des Sees gezogen wurde. Schwer hustend lag ich im Schnee und würgte immer wieder Nass aus meinen Lungen.
Lange blieb mir nicht mich zu erholen. Schwerer, schwarzer Stoff legte sich über meinen Körper. Wenige Sekunden später wurde ich hochgehoben und fand mich in den Armen des Wesens wieder. Ich war zu erschrocken, um mich zu wehren und so ließ ich mich eine gefühlte Ewigkeit durch den winterlichen Wald tragen. Nicht ein einziges Mal traute ich mich aufzuschauen. Vor Kälte zitternd, lehnte ich mich an den harten Körper, der trotz meines zusätzlichen Gewichtes kaum in den weichen Schnee einsackte. Und je lauter ich mit den Zähnen klapperte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass das Wesen mich fester an seine Brust drückte und seinen Schritt beschleunigte.
Nach einer Weile kamen wir an einer flachen Hütte an, die umsäumt war von schneebedeckten Tannenbäumen, sodass man kaum sagen konnte, wo diese rechts und links aufhörte. Die Türen gingen fast von allein auf, was mir wieder einen Schauer über den Rücken jagte. Die warme Luft, die mir drinnen entgegenschwappte, nahm mir für einen kurzen Augenblick den Atem und selbst das schwache Licht blendete meine Augen, weswegen ich sie zusammenkniff, meinen Kopf wegdrehte und mich dichter an die Brust des Wesens kuschelte.
Ein ungewöhnlicher Geruch stieg mir in die Nase, kaum wahrnehmbar aber doch so präsent, dass ich tief einatmete und diesen zarten Duft genoss. Deswegen war ich wohl sehr irritiert, als ich mit einmal auf einen schwarzen Sessel abgelegt wurde und das Wesen im Raum schräg gegenüber verschwand. Verstört blieb ich sitzen, schlang beide Arme um meinen zitternden Körper und begann leicht auf und ab zu wippen. Wie durch Watte gedämpft hörte ich ein gleichmäßiges Rauschen und wenig später tauchte das Wesen wieder auf und begann mich auszuziehen.
Wegen der Kälte war ich nicht nur viel zu steif, um mich zu wehren, sondern auch viel zu perplex. Schuhe und Socken landeten recht schnell in der nächsten Ecke, mein Pullover und Shirt folgten wenig später. Dies passierte alles so schnell, dass ich keine Möglichkeit hatte zu protestieren, nicht mal als meine Hosentaschen kontrolliert wurden. Nachdem er mein Portemonnaie zu meinen nassen Sachen legte, stand er auf, nahm mich wieder auf seine Arme und trug mich in das Zimmer, woraus dieses Rauschen zu hören war.
Geradezu, direkt an der Wand, war eine Wanne eingefliest, die halb voll mit Wasser gefüllt war, in die ich nun gesetzt wurde. Das Wasser war bestimmt nicht heiß, doch für meinen unterkühlten Körper warm genug. Mein Gönner wand sich nach rechts, holte ein dickes Handtuch samt Bademantel aus dem hüfthohen Schrank und legte beides darauf ab. Dann kam er wieder zu mir, beugte sich etwas über die Wanne und stellte den Hahn auf eine wärmere Temperatur.
Zitternd sah ich wieder diese Augen, das tiefdunkle Grün, umgeben von einem schmalen Gesicht mit blasser Haut. Erst hier bemerkte ich, dass dieses Wesen ein junger Mann war, bestimmt nicht viel älter als ich. Nur schien er in keinster Weise zu frieren, obwohl er doch gleichfalls wie ich im kalten Eiswasser war. Sein locker nach hinten gebundenes, schwarzes Haar glänzte vor Nässe und seine Sachen waren wie steif. Weder hatte er jedoch blaue Lippen, geschweige denn eine Gänsehaut. Die Kälte machte ihm wohl gar nichts aus.
Ohne mich anzuschauen oder ein Wort mit mir zu wechseln, drehte mein Retter sich um, verließ das Bad und schloss die Tür hinter sich. Ich blieb verstört und am ganzen Leib zitternd in der Wanne sitzend zurück und wusste nicht im Geringsten, was ich davon halten sollte. Nach einer Weile hatte ich mir meine Hose samt Shorts ausgezogen, soweit es ging ausgewrungen und in das nebenstehende Waschbecken gelegt. Danach lehnte ich mich zurück und genoss die Wärme, die langsam wieder meinen Körper durchströmte.
Das Wasser hatte ich längst abgestellt, weil dies schon leicht dampfte und mich schläfrig machte. Zittern tat ich auch nicht mehr, sog tief den dezenten Lavendelduft ein, der leicht vom klaren Wasser aufstieg. Ich entspannte mich fast soweit, dass ich alles um mich herum vergaß. Vergaß, was geschah und wo ich war. Doch kaum hatte ich meine Augen geschlossen, sah ich wieder dieses tiefe Grün, welches mich fast bedrohlich anblitzte.
Wer war nur dieser junge Mann, dessen Aura mich so beängstigte? Ich musste es einfach herausfinden! Mühsam hievte ich mich aus der Wanne, trocknete mich ab und zog mir den Bademantel über. An den Armen war mir dieser ein wenig zu groß und unten reichte er mir bis zu den Knöcheln. Trotz das ich darunter nackt war, fühlte ich mich warm eingepackt. Der Stoff war schwer, aber innen richtig weich und am Saum silberne Tribals eingestickt, die sich fast glänzend vom schwarzen Untergrund abhoben.
Ich holte noch einmal tief Luft, bevor ich die Türklinge des Bades hinunterdrückte und auf den Flur trat. Wieder war der Boden unter mir warm, trotz Parkett, was wohl bedeutete, dass das ganze Haus mit Bodenheizung ausgestattet war. Der Flur war recht breit und abgesehen von der Sitzecke mir links schräg gegenüber, die ich ja schon kannte, stand rechts an der Wand, hinter einer einsamen Grünpflanze, schmale Schränke aus dunklem Holz.
Ich wand mich nach links auf ein Zimmer zu, aus dem gedämpft Licht floss. Nur langsam betrat ich dieses und schaute mich mit großen Augen um. Bücherregale aus dunklem Holz zierten ein Dreiviertel der Wände. Sie waren zwar nicht überfüllt, aber doch recht zugestellt mit antiken Stücken, sodass man sich kaum traute, eines zum Lesen herauszunehmen. In der Mitte an der linken Wand prangerte ein breiter Kamin, in dem ein schwaches Feuer knisterte. Geraderüber stand eine größere, braune Ledercouch im alten Stil und davor ein flacher Tisch, auf dem eine große Tasse stand, aus der es leicht dampfte.
Doch was mich am meisten vereinnahmte, war die Person, welche auf einem großen Sessel neben dem Tisch zur Wand hin saß und vollkommen abwesend ein Buch las. Eine Strähne seines Haares hatte sich aus seinem Zopf gelöst und hing weich auf seiner blassen Wange. Wieder fiel mir auf, wie weiß seine Haut wirkte und wie seine komplett schwarze Kleidung dies noch hervorhob. Die hohen Wangenknochen wirkten edel, fast ein wenig arrogant, und selbst von der Seite konnte ich das Grün aus seinen schmalen Augen blitzen sehen.
Keine Ahnung, wie lange ich so dastand und mit klopfendem Herzen dieses Wesen musterte. Doch obwohl er mitbekommen haben musste, dass ich das Zimmer betreten hatte, schaute er nicht auf. Er schien mich komplett zu ignorieren, total in seinem Buch vertieft. Selbst als ich mich vorsichtig räusperte, reagierte er nicht. Verunsichert setzte ich mich auf die Couch, die leicht knirschte, und nahm die dampfende Tasse in beide Hände. Das warme Wasser roch nach frischem Pfefferminz, was mir ein schwaches Schmunzeln auf die Lippen zauberte.
Ich mochte Kräuter, Pflanzen und überhaupt alles, was mit der Natur zu tun hatte. Und dieser Tee wurde auf Garantie nicht durch einen billigen Beutel aufgebrüht. Vorsichtig schlürfte ich an dem heißen Getränk und genoss den intensiven Geschmack. Doch auch wenn der Tee mich für einige Augenblicke ablenkte, musste ich immer wieder zu dem jungen Mann rüberschauen. Er schien kaum zu atmen oder zu blinzeln, saß da fast wie ein Geist.
Wieder fröstelte es mich, als ich an die Lichtung zurückdachte. Wie er dastand, mitten im Schnee und mich anstarrte, mit seinen tiefen, dunkelgrünen Augen, gleich einem schwarzen Panther, der seine Beute musterte. Auch jetzt umgab ihn diese dunkle Aura, die mich wachsam bleiben ließ. Mit Sicherheit war dieser junge Mann nicht so harmlos, wie er jetzt schien. Eine Bewegung von rechts riss mich aus meinen Gedanken. Mein Gastgeber war aufgestanden, hatte das Buch beiseitegelegt und das Zimmer verlassen.
Verwirrt schaute ich ihm nach und wusste nicht, ob ich ihm nun folgen sollte oder nicht. Er nahm mir meine Entscheidung ab, indem er wieder ins Zimmer spazierte und mir eine dicke Decke um die Schultern legte. Ein paar Holzscheite legte er auch noch im Kamin nach, als wollte er es mir extra warm machen. Dabei fror ich doch gar nicht. Warum also …
‚Moment mal. Hatte er vorhin etwa mitbekommen, dass es mich leicht wegen ihm geschüttelt hat? Er hatte also doch auf mich geachtet. Aber wieso sprach er nicht mit mir? Wieso tat er so, als würde er mich nicht registrieren?‘
Ich war so verwirrt, dass ich mir ohne Widerstand die fast leere Tasse aus der Hand nehmen ließ und mit zusammengezogenen Brauen beobachtete, wie mein Gastgeber den Inhalt der Tasse musterte, sich herumdrehte und wieder das Zimmer verließ. Er wollte mir doch jetzt nicht wirklich einen neuen Tee aufbrühen? Warum fragte er nicht, ob ich überhaupt noch einen wollte? Langsam war ich echt genervt.
Missmutig stand ich auf und ging auf den Flur. Geradeaus, an der Sitzgruppe und den schmalen Schränken vorbei, war ein Raum, aus dem leise Geräusche und sanftes Licht drangen. Ich raffte die Decke um meine Schulter fester und tapste auf das türenlose Zimmer zu. Als ich dieses betrat, verschlug es mir fast den Atem. Ich stand in einer riesengroßen Küche, deren Außenwand aus klarem Glas bestand, sodass das helle Mondlicht ungehindert in den Raum drang. Und mitten in dessen Schein stand er.
Wie hypnotisiert starrte er den Vollmond an, als wolle er dessen Kraft entziehen. Ich konnte meinen Blick einfach nicht von diesem Wesen lösen, das mir so unwirklich erschien, so bedrohlich, dass mein Herz ständig schneller schlug und ein Schauer kalt den Rücken hinunter floss. Mein Instinkt sagte mir, dass ich hier schnellst möglich verschwinden sollte, dass Gefahr von diesem Wesen drohte. Aber irgendetwas hielt mich hier. Ob es nur Dankbarkeit war, wegen meiner Rettung, oder doch die seltsame Anziehungskraft, die von ihm ausging, konnte ich bis dato noch nicht sagen.
Das Klicken des Wasserkochers ließ mich zusammenzucken und das Gesicht meines Gastgebers flog zu mir herum. Seine kalten Augen trafen mich wie ein Kälteschock und als er auf mich zukam, ging ich verängstigt ein paar Schritte zurück, bis mein Rücken an die Wand hinter mir stieß. Erst ganz dicht vor mir blieb er stehen, musterte meine Stirn und Wangen. Sein warmer Atem streifte meine Haut, was mein Herz ungewöhnlich schnell schlagen ließ.
Tief sog ich die Luft ein, als er seine Hand hob, eine Strähne meines längeren Haares zwischen die Finger nahm und eingehend musterte. Dann zogen sich seine schmalen Brauen zusammen und die Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, sodass er noch gefährlicher wirkte als so schon. Mit einem verächtlichen Schnauben ließ er meine Strähne los und stürmte aus der Küche. Ich rutschte total verstört an der Wand hinab auf den Boden und blieb dort zitternd sitzen.
Warum machte mich so eine kleine Geste von einem Wildfremden so fertig? Lag es wirklich an ihm oder doch nur an meinem geringen Selbstbewusstsein? Raoul wollte immer, dass ich mir die Haare abschneide und so eine moderne Frisur zulege, wie die von diesen Boybands. Aber ich fühlte mich so einfach viel wohler, konnte notfalls meinen Blick, mein Gesicht dahinter verstecken.
Sah ich mit langen Haaren etwa so schlimm aus? Warum wollten mich immer alle verändern? Konnte ich nicht einmal so bleiben, wie ich bin? Vor lauter Selbstmitleid bekam ich überhaupt nicht mit, wie mein Gastgeber zurück in die Küche kam. Ich bemerkte es erst, als ein Handtuch auf meinem Schopf landete und er anfing, damit über meinen Kopf zu rubbeln. Er trocknete mir die Haare, als wäre ich ein kleines Kind. Ganz dicht hatte er sich vor mir hingehockt und sah mich nun besorgt an. Mein Gastgeber hatte aufgehört über meinen Kopf zu reiben und schaute mir direkt in die Augen.
Als er seine Hand hob und mir auf die Stirn legte, war dies für mich der letzte Beweis, dass dieses Wesen sich richtig Gedanken um mich machte. Aber warum? Er kannte mich doch überhaupt nicht. Würde er wissen, was mich umgibt, wie ich bin, was ich wirklich war – er würde sich auf Garantie nie so um mich kümmern. Er wäre nie so sauer geworden, weil meine Haare nass waren, dass ich mich hätte erkälten können. Wieder versank ich in Selbstmitleid und wand meinen Blick ab.
Doch mein Gastgeber hob mein Kinn an und suchte Augenkontakt. Ich hatte allerdings keine Kraft dazu. Ich kniff meine Lider zusammen und wünschte mich zurück in den See, zu dieser sanften, alles ausfüllenden Finsternis. Aber selbst bis dahin verfolgte mich das dunkelleuchtende Grün. Vereinzelt lösten sich Tränen und flossen lautlos hinab. Warum war ich nur so schwach? Ein einzelner Kuss holte mich aus der Düsternis meiner Gedanken zurück. Erstaunt riss ich meine Augen auf und sah dieses Wesen an, das mir mit halb geschlossenen Lidern die Tränen zärtlich von den Wangen küsste.
„Erschrecke ich dich etwa so sehr?“
Seine melodische Stimme drang wie ein tiefes Saiteninstrument in mein Ohr und ließ jede Faser meines Körpers vibrieren. Ich war so perplex, weil mein Gastgeber auf einmal mit mir sprach, dass ich zuerst nur etwas mit dem Kopf schüttelte.
„Ich bin es nicht gewohnt, dass sich jemand um mich sorgt“, brachte ich später leise heraus.
Raoul war zwar zärtlich und nett zu mir gewesen, doch wenn es mir schlecht ging, wurde er eher sauer wegen meiner Schwäche und meinte, ich solle mich nicht so mädchenhaft haben. Er fragte bisher nie nach dem Warum. Mein Gastgeber zog etwas seine hübschen Brauen zusammen und sah mich stirnrunzelnd an.
„Dann hat dich niemand bisher wirklich geliebt“, kommentierte er meine Erklärung.
Wusste er eigentlich, wie Recht er hatte? Wieder wischte er eine Träne sanft mit dem Daumen von meiner Wange. Das gefährliche Blitzen in seinen Augen war fast gänzlich verschwunden. Sie schimmerten mich liebevoll an, dass mir ganz warm wurde. Wie konnte man nur so gegensätzlich sein? Seine Hand fühlte sich kalt auf meiner erhitzten Haut an und ich bekam dieses dringende Bedürfnis, sie in meine zu nehmen, um sie zu wärmen. Ich wollte ihm auf einmal nahe sein. Nicht unbedingt auf sexueller Ebene, aber dieses Wesen zog mich dermaßen in seinen Bann, dass ich mehr wissen wollte.
Wer war er und warum lebte er in dieser Abgeschiedenheit? Waren nur seine Hände so kalt? Mir wurde erstmal ganz anders, als mein Gastgeber mich wieder auf seine Arme hochnahm, aufstand und Richtung Flur ging. Trotz meiner Verwirrtheit und das ständige Warnen meines Instinktes fühlte ich mich seltsam wohl. Mitten im Flur blieb er allerdings stehen. Fragend sah ich zu ihm auf und folgte dann seinem Blick, der starr auf die Tür links neben dem Bad gerichtet war. Unter dieser quoll doch tatsächlich Schaum hervor. Sanft setzte er mich ab und öffnete mit einem Ruck die Tür. Schaum schwappte über seine Füße und ein leises Rumoren war aus dem Zimmer zu hören. Vorsichtig ging ich zu meinem Gastgeber und lugte an seinem Rücken vorbei in den Raum.
„Was ist denn hier passiert?“, lachte ich, suchte den Lichtschalter und trat nach dessen Betätigung ein.
Ich stand in einem schmalen Zimmer, lediglich gefüllt mit einer Waschmaschine, Trockner, großem Wäschekorb und hinten an der Wand ein paar Schränke. Der Boden war allerdings bedeckt mit weißen Wasserblasen, die unentwegt aus der Maschine quollen. Auf ihr stand eine Flasche Waschmittel, die komplett leer war. Ich nahm diese in die Hand und drehte mich zu meinem Gastgeber um.
„Hast du etwa die gesamte Flasche in die Maschine gekippt?“, fragte ich belustigt.
Auf seinen blassen Wangen zeichnete sich für ein paar Sekunden ein leichter Rotschimmer und für einen kurzen Augenblick fixierte er verlegen die leere Flasche. Doch dann nahm er wieder einen ernsten Gesichtsausdruck an, riss mir die Flasche aus der Hand und warf sie in einen Mülleimer bei den Schränken.
„Dies gehört nicht mit zu meinen Aufgaben!“, motze er etwas, was mich nur breiter grinsen ließ.
Mein Gastgeber schien etwas launisch zu sein und seine Emotionen gerne frei zu zeigen. Aber am meisten freute mich, dass diese Reaktion doch mehr als nur menschlich war. Ein wenig verloren stand er vor der Waschmaschine und wusste anscheinend nicht wirklich, was er nun machen sollte. Ich lachte in mich hinein, stelle die Maschine auf ‚Abpumpen‘ und wand mich dann zu den Schränken.
Wenn das hier wirklich der Putzraum war, musste es auch irgendwo einen Wischlappen geben. Mit ihm fand ich einen Eimer, den ich halb voll mit Wasser füllte. Den Lappen gut angefeuchtet, legte ich ihn auf den Boden und versuchte den Schaum zu binden. Es war zwar etwas mühselig, aber es funktionierte. Weit kam ich allerdings nicht, denn mein Gastgeber packte mich auf einmal am Arm, zerrte mich auf die Beine und bis ins Wohnzimmer und stieß mich fast schon grob auf die Couch.
„Das … gehört bestimmt nicht zu den Aufgaben eines Gastes!“, blaffte er und funkelte mich wütend an.
Ich schaute genauso verärgert zurück. Es war ja sehr nett, dass ich dies nicht unbedingt machen musste, aber konnte er das nicht etwas netter formulieren?!
„Dieser Ton gehört auch nicht gerade zu dem eines Gastgebers!“, zickte ich zurück, worauf sich seine Wangen wieder leicht rot färbten.
„Ruh dich aus!“, wurde mir befohlen, wonach er im Anschluss aus dem Wohnzimmer verschwand.
Leicht schmollend blieb ich auf dem Sofa sitzend zurück und raffte die Decke um meine Schultern fester. Eine Viertelstunde später stand mein Gastgeber wieder im Raum, samt ein paar Sachen in der Hand. Sein dünner Pullover war genau wie seine Hose durchgeweicht, als wäre er damit schwimmen gewesen.
„Deine Sachen. Ich glaube sie sind noch nicht ganz fertig“, sagte er und schaute mich um Verzeihung bittend an. Doch als ich aufstand, um sie mir anzuschauen, guckte er gleich wieder böse.
„Ich tu sie nur in die Waschmaschine. Alles weitere macht diese von allein“, beschwichtigte ich ihn, worauf er zwar noch etwas skeptisch blickte, mich aber dann doch gewähren ließ.
Allerdings folgte er mir auf Schritt und Tritt und beobachtete genau, was ich tat. Ob er lernen oder auf mich aufpassen wollte, konnte ich nicht sagen. Erst als ich fertig war, verschwand er auf dem Flur und ließ mich allein. Ich wusste überhaupt nicht, was ich davon halten sollte, aber ich war neugierig. Vielleicht war es genau das, was mich dazu antrieb, ihm hinterherzulaufen.
Der Flur machte vor dem Wohnzimmer einen Knick nach links, dem ich folgte. Die erste Tür rechts stand halb offen und es brannte ein sanftes Licht. Leise trat ich hinein, aber wohl nicht leise genug. Kaum war ich drin, drehte sich mein Gastgeber zu mir um und sah mich überrascht an. Ich schaute noch viel perplexer zurück. Er war gerade dabei seine Hose zuzuknöpfen, sein schlanker Oberkörper war komplett frei, an Bauch, Brust und Armen zeichneten sich deutlich Muskeln ab. Wie konnte ein Mensch nur so gut aussehen? Seine nackte Haut war fast weiß, wodurch die schwarzen Haare und leuchtend grüne Augen noch mehr herausstachen. Selbst als er auf mich zukam, konnte ich meinen Blick nicht von ihm abwenden.
„Geht es dir gut? Du hast einen ganz roten Kopf.“
Besorgt tastete er über meine Stirn und Wangen und schaute dann etwas ärgerlich drein.
„Ich sagte doch, du sollst dich ausruhen. Du bist ganz heiß!“
Wie recht er doch hatte! Allerdings kam dies von keinem Fieber. Er nahm mir die Decke und das Handtuch von den Schultern und zog mich zu seinem riesigen Bett. Mit weichen Knien kletterte ich auf die Matratze und ließ mich von meinem Gastgeber zudecken. Kurz verschwand er aus dem Schlafzimmer, nur um wenige Augenblicke später mit einem dunklen Becher wiederzukommen, den er mir auffordernd hinhielt. Ich setzte mich auf und nahm das mir Dargebotene entgegen. Skeptisch musterte ich das leicht prickelnde Getränk, dann den Mann neben mir.
„Das ist etwas gegen Fieber und für einen erholsamen Schlaf“, erklärte dieser und setzte sich im Schneidersitz auf das Fußende des Bettes.
Seine Anwesenheit machte mich genauso nervös, wie sie mich beruhigte. ‚Jetzt muss ich ihm wohl vertrauen.‘ In einem Zug leerte ich den Becher und stellte ihn dann auf den Nachttisch ab. Das Getränk schmeckte etwas nach Zitrone, aber nicht nach so einem künstlichen Medikament. Die Wirkung setzte nach gut zwei Minuten ein. Meine Lider wurden immer schwerer und mein Körper begann sich zu entspannen. Bis zum Schluss hielt ich Blickkontakt zu meinem Retter, der wie ein Hund über mich wachte. Dann schlief ich ein.
Als ich wieder aufwachte, wusste ich nicht, ob es Morgen oder Abend war, denn dieses Schlafzimmer hatte keine Fenster. Der leckere Geruch von frischen Brötchen hatte mich aus meinen Träumen gerissen und lockte mich aufzustehen. Ich setzte mich im Bett auf und sah mich um. Das Licht war auf ein Minimum gedimmt, aber trotzdem konnte man die Umgebung gut erkennen. Rechts von mir standen zwei bis drei Kommoden an der Wand und mal abgesehen von dem riesigen Bett, welches das Zimmer dominierte, stand nichts weiter darin.
Als ich mich umschaute, entdeckte ich am Fußende ein paar Sachen, die fein säuberlich dalagen. Ich schälte mich also aus Decke und Bademantel, zog mir die Klamotten an und folgte dem leckeren Duft bis in die Küche. Der Tisch war reichhaltig gedeckt mit Butter, verschiedenen Sorten Marmelade, Käse und Wurst. Unterschiedliche Arten von Säften und Brötchen standen auch bereit. Wie viele Leute sollten denn zum Frühstück kommen? Vor lauter Erstaunen bekam ich überhaupt nicht mit, wie mein Gastgeber sich von hinten näherte.
„Du bist wach“, hörte ich mit einmal und spürte warmen Atem in meinem Nacken.
Erschrocken drehte ich mich um, stolperte über meine eigenen Füße und fiel nach hinten. Er reagierte blitzschnell. Sein Arm schoss nach vorne, packte mein Handgelenk und zog mich zu sich heran. Den anderen Arm schlang er um meine Taille und drückte mich somit noch dichter an sich. Ich fühlte mein Herz schmerzhaft pochen, was nicht allein vom Schock kam. Wir standen gut eine halbe Minute so dicht beieinander, bis mein Gastgeber sich endlich regte. Fast dachte ich er wolle mich küssen, seine Lippen bewegten sich nahe den meinen, glitten aber vorbei, an meiner Wange entlang bis zu meinem Ohr.
„Hier … brauchst du keine Angst zu haben“, hauchte er, hob dann mein Kinn an, damit ich ihn anschauen musste. Von allein hätte ich nie meinen Kopf hoch bekommen. „Und auch nicht vor mir“, setzte er noch nach und streichelte kurz über meine Wange.
Eine Antwort wartete er nicht weiter ab. Er ließ mich einfach so stehen, ging zur Küchenecke und setzte den Wasserkocher auf. Ich blieb vollkommen verdattert zurück und hatte Mühe, mich auf den Beinen zu halten. Dieses Wesen brachte mich vollkommen aus dem Konzept. Das Rauschen des Wassers löste meine Starre und mit weichen Knien schleppte ich mich zum Tisch.
Er war nur für eine Person gedeckt, also setzte ich mich auf den entsprechenden Platz. Wirklich etwas hinunter bekam ich nicht, trotz des leckeren Tees, der mir wieder serviert wurde. In meinem Rücken befand sich die gläserne Wand, doch das helle Sonnenlicht drang kaum hinein, da das Glas nun milchig war. Veränderte es etwa bei Sonneneinstrahlung seine Konsistenz? Gestern Abend war es auf jeden Fall klar gewesen. Nicht nur das machte mich nervös. Ich spürte dieses Wesen im Raum, sah es aber nicht. Ich wollte ihn unbedingt sehen, im Blick behalten. Wieder mahnte mich mein Instinkt zur Vorsicht, aber ich wollte mehr wissen, viel mehr.
„Willst du nicht auch frühstücken?“, versuchte ich ein Gespräch.
„Es ist elf Uhr“, antwortete er schlicht.
„Für Urlaub eine akzeptable Zeit“, ließ ich nicht locker und drehte mich so auf dem Stuhl, dass ich meinen Gastgeber sehen konnte.
Er stand an der Küchenzeile angelehnt, soweit es ging im Dunkeln. Die Arme vor der Brust verschränkt, starrte der junge Mann geradeaus, als könne er direkt durch dieses milchige Glas blicken. Er schien wirklich sehr in Gedanken versunken zu sein, da er nicht mal merkte, wie ich mich ihm näherte. So kam es mir zumindest vor.
Mit meinen 1,90 Meter war ich ja schon recht groß, aber mein Gastgeber überragte mich um mindestens zehn Zentimeter. Seine langen, zu einem festen Zopf nach hinten gebundenen, schwarzen Haare glänzten im Zwielicht und seine blasse Haut verlieh dem schmalen Gesicht fast schon edle Züge. Was beschäftigte ihn nur so, dass Melancholie und Verbitterung bei ihm ein und aus gingen?
„Alles okay?“, fragte ich sanft und legte meine Hand leicht auf seinen Arm.
Als würde der junge Mann gemächlich aus einer Trance erwachen, schaute er langsam zu mir hinüber und zog etwas seine Brauen zusammen. Wie in Zeitlupe hob er seine Hand, streichelte mir über die Wange hinab bis zum Kinn und sah mich dermaßen herzzerreißend an, als müsste er gerade eine folgenschwere Entscheidung treffen und wäre schon jetzt darüber betrübt. Meine für mich so urtypische Vorahnung enttäuschte mich auch dieses Mal nicht. Mit einem Ruck drehte sich mein Gastgeber um.
„Geh! Sofort! Deine Sachen liegen im Bad.“
Kalt diktierte er mir dies über seine Schulter hinweg, ließ mir keine Frage zwecks des Warums und verschwand einfach hinter der Tür rechts von der Küchenzeile, die er laut ins Schloss fallen ließ. Ich stand noch einige Sekunden wie angewurzelt da und konnte mich vor Schrecken nicht regen. Dabei war ich mir doch so sicher gewesen, dass ich bisher nichts Falsches getan hatte … oder? War ich ihm gerade zu Nahe getreten? War ich ihm gestern zu plump gewesen? Ich … ich wusste es einfach nicht.
Hätte er mich doch lieber im See belassen! Wütend und traurig zugleich stampfte ich aus der Küche durch den Flur ins Bad. Meine Sachen lagen fein säuberlich da und selbst die schweren Schuhe waren trocken, was mich schon sehr wunderte. Doch ich war zu durcheinander, um diesen Gedanken mehr Aufmerksamkeit widmen zu können. Rasch zog ich mich an, bemühte mich gar nicht erst, die neue Kleidung ordentlich zusammenzulegen und stürmte dann regelrecht hinaus, ohne warme Worte des Abschiedes.
An der Eingangstür klebte eine knappe Wegbeschreibung, wie ich wieder zurückfinden würde und so stapfte ich verbissen durch den puderweichen Schnee und versuchte die große Hauptstraße zu finden, die jeden Augenblick zwischen den Bäumen auftauchen sollte. Es hatte wieder angefangen zu schneien und der Wind nahm auch von Mal zu Mal zu. Als ich endlich zwischen den dichten Tannenwald stieß und nach oben blickte, sah ich die dunklen Wolken, welche sich immer mehr zusammenzogen. Ich schlang meine Arme dichter um meinen zitternden Körper und verfluchte meine Kopflosigkeit, als ich aus dem Hotel gestürmt war, meine Jacke liegen gelassen zu haben.
Krampfhaft quälte ich mich die Straße entlang und hatte ständig dieses Gefühl, beobachtet zu werden. Es kroch das gleiche, unangenehm kalte Prickeln mein Rückgrat hinauf, als ich auf der vermeidlichen Lichtung stand und zum ersten Mal in die dunkel blitzenden Augen meines ehemaligen Gastgebers blickte. Verfolgte er mich etwa? Wollte er auf Nummer sicher gehen, dass ich auch wirklich verschwand?
Motorengeräusche, die sich immer stetiger vom Pfeifen des Windes abhoben, holten mich aus meinen Gedanken. Ein großer Van mit dicken Schneeketten tauchte auf der Straße auf und hielt dann direkt neben mir an. Ausnahmsweise war das Glück mir hold, denn die Besitzer des Autos boten mir an, mich bis auf die Hütte rauf mitzunehmen. Das ältere Ehepaar stellte sich als Wurst- und Fleischlieferant heraus, die das kleine Hotel mit frischen Waren versorgte. Meine Ausrede, ich hätte mich verlaufen, standen beide zuerst recht skeptisch gegenüber, akzeptierten diese dann aber mit dem lockeren Kommentar: „Die Jugend von heute.“
Des Metzgers Frau flößte mir gleich warmen Tee ein, die sie in einer Thermokanne dabei hatte. Dankbar trank ich kleine Schlucke und genoss das süßlich schmeckende Getränk, welches mich langsam auftauen ließ. Was mir nach ein paar Minuten auch auffiel, war, dass dieses kalte Kribbeln im Nacken nachgelassen hatte. Ich versuchte jedoch alle Gedanken an diesen jungen Mann zu verdrängen, da mir wichtigere Dinge bevorstanden.
Raoul hatte mich zum letzten Mal verletzt und ich hatte nicht vor, ihm abermals zu vergeben. Ich würde meine Sachen packen und abreisen. Den Urlaub hatte ich von meinem Gehalt im Vorfeld bezahlt, also würde es in dieser Richtung keine Probleme geben. Nur das Aufeinandertreffen mit meinem nun Exfreund behagte mir gar nicht. Wenn ihm etwas nicht passte, konnte er so ziemlich aufbrausend werden und für eine Szene hatte ich nicht wirklich die Kraft. Irgendwie hing ja doch noch mein Herz an Raoul, schließlich waren wir ein Jahr lang zusammen gewesen. Aber dass er mich so heftig hintergangen hatte, schmerzte einfach zu sehr.
Ich hatte ein ganz mulmiges Gefühl, als wir endlich bei der Hütte eintrafen, weswegen ich das Gebäude durch den Hintereingang betrat und nicht durch die größere Schankstube. Gerade als ich die breite Treppe im Hausflur hinaufschleichen wollte, tauchte Raoul auf. Zuerst blieb er wie vom Blitz getroffen abrupt stehen und starrte mich einfach nur an. Dann kam er wütend auf mich zugestampft.
„Chris! Sag mal spinnst du?! Weißt du eigentlich, wie viel Sorgen sich alle wegen dir gemacht haben?“
Er packte meinen linken Oberarm und drückte schmerzhaft zu. Fast hatte ich schon ein schlechtes Gewissen. Als ich wegrannte, dachte ich nicht im Entferntesten daran, dass mich irgendjemand suchen könnte. Vielleicht bereute ja Raoul seinen Seitensprung und wollte mich wieder zurück. Aber dafür fehlte irgendein Gefühl in seinem Blick. Ich wusste nur gerade nicht, welches. Doch als die Wirtin der Hütte vom Schankraum in den Hausflur kam und mich begrüßte, wurde mir einiges klarer.
„Herr Josias! Wie schön, es scheint ihnen besser zu gehen. Als ich von ihrer Magenverstimmung hörte und sie deswegen heute Morgen nicht zum Frühstück kommen konnten, hatte ich mir wirklich schon Sorgen gemacht. Aber wie ich sehe, wurden sie von ihrem Schatz gut gepflegt. Wenn sie Hunger haben, es gibt ja gleich Mittag“, plapperte die gute Frau und verschwand auf mein verkniffenes Lächeln hin in der Küche.
„Ja … wahnsinnig gute Pflege“, murmelte ich gepresst. „Mach, was du für richtig hältst, aber ich reise ab!“
Wütend riss ich mich von meinem Exfreund los und ging die Treppen hinauf. Dass er nicht einen einzigen Gedanken an mich verschwendet hatte, wo ich die Nacht über geblieben war, trieb mir fast die Tränen in die Augen. Ich hatte gerade mal die ersten paar Stufen erklommen, als Raoul mich mit einmal packte, zur Seite an die Wand schleuderte und seinen Unterarm dermaßen gegen meinen Hals presste, dass ich kaum mehr Luft bekam. Viel zu erschrocken über diese gesamte Aktion, vergaß ich komplett mich zu wehren. Mein Exfreund war zwar schon immer aufbrausend gewesen, aber noch nie brutal.
„Einen Scheiß wirst du tun!“, zischte Raoul und wollte gerade ansetzen, noch irgendetwas Dummes zu sagen, als ihn jemand von mir wegzerrte und er im hohen Bogen die Treppe nach unten flog.
Erstaunt schaute ich auf meinen Exfreund hinab, der sich laut stöhnend halb aufrichtete und dann wütend zu mir hochstarrte. Doch er sah gar nicht zu mir, sondern zu dem schwarzen Schatten schräg hinter mir. Wieder kroch dieses eiskalte Kribbeln mein Rückgrat hinauf und ließ meine Nackenhaare sich aufstellen. Ganz langsam wand ich meinen Blick um und sah abermals dieses dunkle Wesen vor mir, welches mich aus dem See gerettet hatte. Warum war er hier? Wollte er mich etwa wiedersehen? Aber warum hatte er mich dann vorher erst aus seinem Haus rausgeworfen? Ich verstand irgendwie gar nichts mehr. Raoul hatte sich wieder komplett aufgerichtet und funkelte mich wütend an.
„Ist das etwa dein neuer Stecher oder was? Glaubst du wirklich, der hält es länger als ne Woche mit dir aus?“
Bei diesen Worten geriet ich ins Schwanken. Ich war zu ungewöhnlich, zu speziell, für manche sogar beängstigend. Dass mein Exfreund es ein Jahr mit mir ausgehalten hatte, war echt ein Rekord.
Geh deine Sachen holen“, holte mich die sanfte Stimme des Schwarzhaarigen aus meinen trüben Gedanken.
Einen kurzen Augenblick sah ich ihn noch an, fühlte, wie mein Herz in der Brust schneller zu schlagen begann. Doch er fixierte weiterhin meinen Exfreund, bereit für jeglichen Unsinn, den dieser noch fabrizieren könnte. Schwer atmete ich aus, stieg weiter die Treppen hinauf und ließ beide hinter mir. Sollten die sich doch die Köpfe gegenseitig einschlagen.
Meine Tasche hatte ich schnell gepackt, mir meine Jacke drübergezogen, die noch am gleichen Fleck lag, wo ich sie am Vorabend fallengelassen hatte und so stieg ich keine zehn Minuten später wieder die Stufen hinab. Raoul stand am Eingang zum Treppenhaus, vor ihm dieser blonde Schönling von gestern, der dessen untere Lippe begutachtete, die leicht aufgeplatzt war.
Die hatten sich doch nicht wirklich geprügelt? Aber mein Grünauge sah nicht im Mindesten durcheinander oder verletzt aus. Ruhig atmend stand er in einiger Entfernung da und fixierte beide Männer. Als ich mich zu ihm gesellte, wand er sich ab, ging zur Tür und öffnete mir diese. Raoul sah mich kein einziges Mal an und ließ mich kommentarlos ziehen.
Draußen hatte der Wind ganz schön an Intensität zugelegt und aus dem sanften Schneefall einen kleinen Sturm gemacht. Ich schloss meine Jacke bis zum Hals und kuschelte mich tiefer in meinen dicken Schal. Der schwarzhaarige, junge Mann hatte mir meine Tasche aus der Hand genommen und mich zu seinem Schneemobil geführt. Sorgsam befestigte er diese auf dem dafür vorgesehenen Platz und setzte sich dann auf den vorderen Sitz. Erst nach kurzem Zögern platzierte ich mich hinter ihm.
„Bring mich bitte zum Bahnhof, ja?“, rief ich ihm über das Pfeifen des Windes hinweg zu, worauf er knapp nickte, den Motor startete und dann sofort losbrauste.
Durch den Ruck beim Anfahren rutschte ich erschrocken ein ganzes Stück nach hinten. Aber mein dunkler Engel ergriff meinen Unterarm, zog mich dicht zu sich heran und bedeutete mir, dass ich mich an ihm festhalten solle. Wieder zögerte ich kurz, bis ich seiner Aufforderung nachkam. Doch als ich dies schlussendlich tat, fühlte ich mich sofort sicherer, trotz das diese leise Warnung, ich müsse mich vorsehen, weiterhin im Hinterkopf lauerte. Rasant glitten wir die schneebedeckte Straße entlang und so dauerte es nicht lange, bis wir am Bahnhof ankamen.
Zusammen betraten wir das kleine Gebäude und ich steuerte sofort den einzigen Schalter an, um mir die Fahrkarte zu kaufen. Es war zwar normal, dass dort kaum Leute waren, da die Gemeinde nicht besonders groß war. Doch an dem Tag wartete nicht eine einzige Menschenseele auf einen Zug, geschweige denn saß ein Verkäufer im Kartenhäuschen. Suchend wand ich mich um und ging einige Schritte Richtung Ausgang zu den Gleisen hin, als ein Bahnangestellter um die Ecke kam, auf uns zu.
„Guten Tag die Herren. Ich muss ihnen leider mitteilen, dass heute kein Zug mehr fahren wird. Eine Schneelawine hat die Gleise in Mitleidenschaft gezogen, die zuerst wieder freigelegt werden müssen“, begann er uns gleich aufzuklären.
„Und wie lange soll das bitteschön andauern?“, fragte ich nicht gerade begeistert.
„Drei bis vier Tage müssten sie sich auf jeden Fall noch gedulden. Da ist eine Menge runtergekommen. Ich rate ihnen, sich so schnell wie möglich eine Unterkunft zu suchen. Der Sturm, der draußen wütet, soll laut Wetterbericht noch viel stärker werden.“
„Oh, toll. Danke.“
Höflich nickte ich dem Beamten zu, der sich daraufhin schleunigst verabschiedete. Ich stand einfach nur da und hatte die Nase gestrichen voll. Das ich nicht mit viel Glück gesegnet war, daran hatte ich mich schon gewöhnt und trotzdem zerrte diese Pechsträhne stark an meinen Nerven. Die anderen Hotels, welche verstreut auf dem Berg lagen, waren um diese Jahreszeit komplett ausgebucht und ein Auto besaß ich auch nicht, mal davon abgesehen, dass diese Straßen für Nichteinheimische mehr als nur gefährlich waren. Und zu allem Übel wurde mir auch noch meine Tasche aus der Hand gerissen. Mein schwarzhaariger Schönling trug sie Richtung Ausgang, was mich total durcheinanderbrachte. Ich lief ihm hinterher und langte nach meinem Gepäck. Doch er hielt es eisern fest.
„Was soll das?“, fragte ich gereizt.
„Hier kannst du wohl kaum übernachten“, meinte mein Gegenüber barsch.
„Und? Warum interessiert dich das? Zuerst wirfst du mich hochkantig aus deinem Haus raus und jetzt erscheinst du als die Fürsorge in Person. Warum???“
Ich war mehr als aufgebracht und wollte nicht nur ein paar Antworten, sondern ihn auch verstehen. Auf meine energische Frage hin verschwand sein starrer Gesichtsausdruck und verwandelte sich in Unsicherheit. Seine Augen wanderten hin und her, als würde er etwas Bestimmtes suchen. Hinter seinem hübschen Kopf schien es mächtig zu arbeiten, was ihn seltsam … menschlich wirken ließ. Er gab meine Tasche frei und sein Arm zuckte ganz kurz hoch, als wolle er wie schon einmal meine Wange berühren. Tief atmete mein schwarzer Engel durch, bis er endlich antwortete.
„Ich bin mir unsicher“, sagte er unzufrieden mit sich selbst. Ich hingegen begann zu schmunzeln.
„Wer ist das nicht? Das ist mit das Normalste der Welt.“
„Für mich nicht.“
Nun runzelte ich meine Stirn und blickte leicht mit dem Kopf schüttelnd zu ihm auf, als er sich weiter zu erklären versuchte.
„Ich kann für nichts garantieren, was eventuell noch geschehen wird. In mir herrscht momentan ein riesiges Chaos und ich kann nicht vorhersagen, wie alles endet.“
Über was für Sachen machte sich dieser Fremde nur so einen Kopf? War er vielleicht schwer krank? Hatte er gerade eine längere Beziehung hinter sich, wie ich? Oder war er schizophren? Vielleicht gleich mehreres zusammen? Dieser junge, hübsche Mann kam mir sehr zwiespältig vor. Trotz das mich mein Instinkt mehr warnte als zuvor, war meine Neugier geweckt, die es vorerst zu stillen galt.
„Woher willst du aber den Ausgang kennen, wenn du den Anfang komplett beiseiteschiebst?“, fragte ich ihn deshalb.
Mein Gegenüber musterte mich eingehend, bevor er dann ganz leicht zu lächeln begann. Wow, wenn seine grünen Augen mit Wärme gefüllt waren, sah er mehr als nur atemberaubend aus. Dieser Typ hatte mich in Sekunden um den kleinen Finger gewickelt.
„Darf ich dich als meinen Gast begrüßen, solange kein Zug fährt?“, bat dieser Schönling mich überaus höflich.
„Gerne“, stimmte ich zu und reichte ihm wieder meine Tasche. Eine kleine Spitze erlaubte ich mir trotzdem. „Solange du mich nicht wieder vor die Tür setzt.“
„Das nächste mal gebe ich dir den Motorschlitten mit“, lachte er gelassen, was mir schon wieder die Sprache verschlug. Der „Kleine“ hatte ja Humor.
Wenig später stand ich abermals im Flur des Hauses, aus dem ich zuletzt geflüchtet war, mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend. Ich war mir ziemlich sicher, dass es alles andere als klug war, wieder hier zu sein. Doch ich ignorierte dies gekonnt. Mir wurde das Gästezimmer gezeigt, was gegenüber vom Schlafraum meines Engels lag. Es war genauso breit, nur nicht ganz so tief. Links stand ein riesiger Kleiderschrank im modernen Stil, rechts ein Schreibtisch samt Bürostuhl. Geradezu war mittig ein Bett aufgebaut, auf dem zwei Leute gemütlich Platz hatten und am Kopfende von diesem zu beiden Seiten zwei kleine Nachttische.
Auch hier gab es keine Fenster. Scheute er etwa das Tageslicht? In Gedanken begann ich mich selbst auszulachen. Ein Vampir? Dann wurden meine Gedanken ruhig. Ich hatte ja schon viel erlebt, aber das? Vorsichtig sah ich meinen Gastgeber an, der mich freundlich anblickte.
‚Hm, blass, menschenscheu und –fremd, hat nicht wenig Geld, kälteunempfindlich und dann diese dunkle Aura. Gefrühstückt hat er auch nicht. Eigentlich passt alles. Außer das er mich bisher noch nicht bis auf den letzten Blutstropfen ausgesaugt hat. Oder gehörte das alles zu seinem Jagdstil? Oh man, was denk ich hier eigentlich?‘
„Das Zimmer ist wirklich schön. Richtig groß“, plapperte ich drauf los, um mich langsam wieder zu ordnen.
„Freut mich, wenn es dir gefällt.“
Gut, das wäre geklärt. Und nun? Etwas hilflos standen wir uns gegenüber und wussten nicht so richtig, was wir miteinander anfangen sollten.
„Ich hätte jetzt irgendetwas machen müssen, oder?“, fragte dieser Engel nach einer kleinen Weile, worauf ich leicht schmunzelte.
„Nicht unbedingt.“
Geknickt seufzend lehnte sich mein Gastgeber an den Schreibtisch.
„Tut mir leid.“
„Das muss es nicht, schließlich bist du nicht hier zu meiner persönlichen Bespaßung“, versuchte ich ihn aufzumuntern. Dankbar lächelte er mich an.
„Vielleicht sollte ich mich etwas erklären.“
Neugierig geworden, ließ ich mich auf die Bettkante fallen und lauschte seinen Worten.
„Ich komme nicht von hier“, begann er, weswegen ich etwas lachte.
„Ich auch nicht.“
Damit schien ich ihm wirklich ein wenig Mut gemacht zu haben, denn er sah schon viel entspannter aus.
„Ich wuchs abgeschieden von all dem hier auf, kenne mich maximal mit der Etikette der gehobenen Gesellschaft aus. Ein normales Leben mit normalen Leuten ist mir fast fremd.“
War er etwa adlig? Das würde zumindest so einiges erklären. Aber fürs Erste reichte mir das an persönlichen Informationen. Gediegen stand ich auf.
„Dann habe ich ja den besten Deal für uns.“
Mein Gastgeber legte seinen Kopf leicht schief und sah mich fragend an.
„Ich bringe dir etwas Normalität bei und dafür darf ich die paar Tage kostenfrei bei dir wohnen.“
Mit dem Angebot hatte er wohl nicht gerechnet, so überrascht, wie der Engel ausschaute. Auffordernd hielt ich ihm meine Hand hin, die er sofort ergriff.
„Gerne!“
„Okay. Lektion Nummer eins: Wenn man einen Gast hat, den man zum ersten Mal in sein Haus einlädt, zeigt man ihm als Erstes die Räumlichkeiten, führt ihn überall rum und gibt so kleine, überflüssige Kommentare wie ‚Das ist das Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer‘ und so weiter.“
„Ein Rundgang also? Gut.“
Mein Gastgeber schien über meine lockere Art mit allem umzugehen erfreut zu sein und überließ mir vorbildlich den Vortritt. Auf dem Flur allerdings hielt ich inne und drehte mich zu meinem Engel um.
„Ach und eines der wichtigsten Sachen: Man stellt sich zu allererst vor. Ich bin übrigens Christian Josias. Oder einfach nur Chris und ja, den Vornamen spricht man wirklich englisch aus.“
„Florian Redewig oder halt Flo. Und bei mir trifft wohl das Gleiche zu, wenn es um den Vornamen geht.“
Ich grinste über beide Ohren und ließ mich dann herumführen. Gleich bei dem ersten Zimmer, was mir gezeigt wurde, geriet ich ins Staunen. Direkt neben meinem Gästequartier war eine riesige Bibliothek. Gleich links stand wieder ein Schreibtisch aus dunklem Holz mit einem Bürostuhl, daneben eine Stehlampe und gleich danach zwei große, bequem ausschauende Ledersessel, nur getrennt durch einen kleinen Tisch, auf dem ein Schachbrett eingraviert war. Ansonsten sah ich nur Bücher. Die Regale an den Wänden waren voll damit.
„Das ist ja Wahnsinn!“, brachte ich meine Begeisterung zum Ausdruck und ging ein paar weitere Schritte hinein.
Überrascht stellte ich fest, dass am Kopfende der Raum einen Knick nach links machte und es da noch ein ganzes Stück weiterging. Kein Wunder, warum mein Zimmer kein Fenster hatte, wenn es von zwei Seiten allein schon von dieser Bibliothek umgeben war. Ich schaute mir ein paar Bücher genauer an und war von der Vielfalt verblüfft, die da herrschte. Von älterer Literatur, über Gesetzestexte, Gedichtsammlungen und neuster Jugendliteratur war wirklich alles zu finden.
„Das Zimmer scheint dir zu gefallen“, meldete sich mein Gastgeber zu Wort.
„Machst du Witze? Das hier ist einfach nur der Hammer! Du hast die alle doch nicht wirklich gelesen?“, fragte ich und deutete auf die Bücher.
„Bisher noch nicht. Dieses Haus wird oft als Unterkunft für ein kleines Trainingswochenende benutzt. Deswegen ist für jeden etwas dabei.“
„Aha. Hey, hier sind ja richtige Spezialitäten dabei: Skylark, Beck, Nero Impala“
„Das ist eine Auswahl meiner kleinen Schwester.“ Verwundert blickte ich zu ihm rüber. In diesen Büchern ging es ausschließlich um Jungs und beim Händchen halten blieb es darin nicht wirklich. „Sie ist richtig vernarrt in diese Autoren.“
Ein Mädchen, was schwule Literatur mag. Na ja, so was soll es ja auch geben.
„Okay, gehen wir weiter.“
Ich war ja hoffentlich etwas länger hier. Da könnte ich mir bestimmt später immer noch ein Buch zu Gemüte führen. Auf dem Flur wandten wir uns der Tür links zu, die nach draußen zu einem kleinen, schmalen Kiesgarten führte, wie mir Flo erklärte. Denn als wir rauskamen, war alles mit Schnee bedeckt und dicke Flocken trieben, vom starken Wind getragen, hinab. Das Ganze erinnerte mich an einen alten, japanischen Film und so ein typisches Haus. Eine zwei Schritt breite Terrasse umschloss U-förmig den Garten, und als mir mein Engel mitteilte, dass in dem Gebäude gerade rüber ein Dojang war, machte es die ganze Sache perfekt.
Schmunzelnd folgte ich ihm nach links, wodurch wir nach ein paar Metern wieder im Freien standen. Das war die Seite, die ich aus dem Küchenfenster schon kannte, doch anstatt mich wieder nach links zu führen, wo wir hätten in der Küche rauskommen müssen, stieg er rechts die zwei Stufen der Terrasse hinab und ging auf eine mannshohe Buschgruppe zu. Ich schlang meine Arme um mich, da es durch den Wind hier draußen doch recht kalt war. Mein Gastgeber bemerkte es sofort und reichte mir seine Hand.
„Wir sind gleich da“, munterte er mich auf und ich ließ zu, dass er meine Finger vorerst nicht losließ. Erst jetzt, als ich unmittelbar davor stand, entdeckte ich den schmalen Eingang, der doch tatsächlich zu einer kleinen Wasseroase führte.
„Das ist eine natürliche, heiße Quelle, die direkt aus dem Boden kommt. Dem Wasser muss man nicht einmal künstliche Stoffe zusetzen, um es so klar werden zu lassen.“
Voller Erstaunen betrachtete ich diese kleine Insel, die hier und da etwas blubberte, bedeckt mit einem sanften Nebel, der vom sachten Wasserdampf herrührte.
„Wow.“ Mehr brachte ich nicht heraus.
Nach einer kleinen Weile zog mich mein Engel wieder zurück zur Terrasse. Mir wurden noch die Gemeinschaftsduschen gezeigt, von denen auch die Tür zur Küche abging, in der wir nun wieder standen.
„Das war‘s schon“, sagte Flo bescheiden und blickte entschuldigend zu mir.
„Na ja, das Bad und den Haushaltsraum kenne ich ja schon“, lachte ich, worauf er ebenfalls schmunzeln musste. „Das Haus hier ist wirklich der Wahnsinn!“
„Es gefällt dir also?“ Er schien sich wirklich unsicher zu sein.
„Ein paar Tage lässt es sich hier auf jeden Fall locker aushalten. Sag mal, in der Bibliothek der Schachtisch. Ist der nur Zierde oder spielst du auch?“
„Sehr gerne sogar. Ich finde nur selten jemand, der gegen mich antritt.“
„So gut, ja?“
Mein Gastgeber zuckte lediglich mit den Schultern. Also war es beschlossene Sache. Für die nächste Zeit verschwanden wir in der Bibliothek und versuchten uns gegenseitig mit den verschiedensten Taktiken schachmatt zu setzen. Und das war ein nicht gerade leichtes Unterfangen. Mein Engel war wirklich gut, aber ich auch. Wir hatten gerade einen Gleichstand erreicht, als ich mich gähnend streckte und auf die Uhr schaute.
„Oh, schon achtzehn Uhr. Was meinst du, Lust auf etwas zu essen?“
„Natürlich, wenn du Hunger hast. Allerdings kenne ich mich in Sachen Kochen nicht besonders gut aus.“
„Dafür ich umso mehr. Lass uns mal nachschauen, was dein Kühlschrank so hergibt.“
Gesagt getan und wenig später standen wir schon in der Küche und plünderten was das Zeug hielt.
„Beschriftete Tupperware, damit man weiß, was drin ist und wie lange es noch haltbar ist. Nicht schlecht“, kommentierte ich amüsiert und suchte mir Gehacktes samt anderen Kleinigkeiten raus. Nach dem ich noch die Nudeln gefunden hatte, stand das Abendmahl fest. „Wie wär‘s mit Spaghetti Bolognese?“
Mein Engel lächelte breit, was ich als Zustimmung gelten ließ und loslegte. Interessiert beobachtete er mich, wie ich die Zwiebeln mit etwas Knoblauch anbriet, das Gehackte zugab und samt den restlichen Zutaten eine köstlich duftende Bolognese zauberte. Die Nudeln kochten eh fast von alleine und so war keine zwanzig Minuten später das Abendbrot servierfertig. Flo deckte den Tisch und machte sogar eine Flasche Rotwein auf.
Dadurch, dass es draußen schon dunkel war und es hier drinnen nur gedämpftes Licht gab, herrschte eine leicht romantische Atmosphäre. Während ich die gut gefüllten Teller auf unsere Plätze abstellte, schenkte er ein, weswegen ich mich schon mal hinsetzte, was er wenig später mir gleich tat. Ich langte nach meinem Glas und hielt es auffordernd zu meinem Engel hin.
„Auf einen gelungenen Abend.“
Kurz sah er mich verwundert an, lächelte dann aber warm.
„Auf einen gelungenen Abend.“
Gemeinsam stießen wir an und aßen danach gemütlich die Spaghetti. Es herrschte eine entspannte Stimmung, ohne dass irgendjemand etwas sagen musste. Beim Schachspielen hatten wir uns etwas unterhalten, was wohl erstmal beiden genügte. Dies bedeutete jetzt nicht, dass die Gespräche schlecht verlaufen waren. Im Gegenteil war es sehr angenehm gewesen, seiner melodischen Stimme zu lauschen. Wie der Gesang einer Sirene hatte mich diese mehr und mehr in den Bann gezogen und es mir schwer gemacht, mich auf das Spiel zu konzentrieren.
Die Küche war nach dem Essen schnell aufgeräumt und im gegenseitigen Einvernehmen zogen wir uns gemeinsam in das Wohnzimmer zurück, an den Kamin, in dem schon ein Feuer sanft flackerte, mit einem guten Buch. Ich brauchte keine große Unterhaltungsshow, schließlich war das mein Urlaub und da wollte ich lediglich entspannen. Und zu wissen, dass ein schwarzer Engel in meiner Nähe war, der mir jeden Wunsch von den Augen ablesen würde, nur um ein guter Gastgeber zu sein, amüsierte mich ungemein.
Obwohl es schon recht seltsam war, dass aus einem melancholischen, schizophrenen, ständig böse dreinschauenden Typen so ein zuvorkommender, höflicher, zurückhaltender, junger Mann mutierte. Jedoch gab es wiederum für alles Gründe und ich war mehr als nur neugierig, seine zu erfahren. Mit einem guten Buch in der Hand verstrich die Zeit wie im Flug und ich merkte, wie meine Augen immer schwerer wurden.
„Ich glaube es wird Zeit, ins Bett zu gehen. Du kannst ja kaum noch das Buch richtig festhalten“, schmunzelte Flo und stand auf.
„Ich glaube du hast recht“, gähnte ich schwach und erhob mich vom Sofa.
Vor den Türen unserer Schlafzimmer wünschten wir uns noch eine gute Nacht und wieder zerfloss ich fast bei diesem liebevollen Blick, den dieses Grünauge mir zum Abschied zuwarf. Kaum das ich mich ausgezogen hatte und unter meiner Decke gekrochen war, schlief ich auch schon ein, gefolgt von vielen kleinen Träumen, die alles andere als jugendfrei waren.
Trotz dessen wachte ich am nächsten Morgen recht ausgeruht auf, streckte mich wohlig und hüpfte dann aus dem Bett. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass es gerade zehn Uhr durch war, weswegen ich mich fix anzog, im Bad das allmorgendliche Prozedere hinter mich brachte und dann die Küche aufsuchte. Wieder war der Tisch gedeckt und wieder nur für eine Person. Mein Engel stand abermals an der Theke angelehnt und starrte geradeaus. Doch dieses Mal lächelte er mir sanft zu, als er mich bemerkte.
„Guten Morgen. Gut geschlafen?“
„Sehr gut sogar. Sag mal, frühstückst du gar nichts?“ Fragend deutete ich auf den gedeckten Tisch, worauf er mich entschuldigend anschaute.
„Ich bin schon etwas länger wach.“
„Leistest du mir trotzdem etwas Gesellschaft?“
So schnell gab ich nicht auf, schließlich wollte ich ihn in meiner Nähe haben und nicht, dass er allein in einer Ecke stand und Trübsal wegen was auch immer blies.
„Gerne.“
Wow, von diesem Lächeln konnte ich einfach nie genug bekommen. Er brühte mir noch rasch einen Tee auf, bis er sich dann mit zu mir setzte, seinen eigenen Tee trank und mit mir ein wenig plauderte. Nach dem Frühstück räumten wir zusammen den Tisch ab und als wir gerade fertig waren, klingelte ein Handy. Beide sahen wir verwundert auf. Meines lag auf stumm geschaltet in meiner Reisetasche im Gästezimmer, also konnte es nur seines sein. Nach kurzem Suchen fand mein Engel es schließlich und ging ran. Begeistert sah er nicht gerade aus, sprach auch nicht unbedingt viel und gab nur ab und an ein paar brummende Laute von sich.
Es sah wohl nach einem längeren Gespräch aus, weswegen ich ihm stumm bedeutete, in der Bibliothek zu sein. Ich stand auch kurz vor der Tür, als ich sachtes Vogelgezwitscher von draußen hörte. Mit gerunzelter Stirn wand ich mich dem Steingarten zu und als ich die Tür zu diesem öffnete, verschlug es mir fast die Sprache. Es hatte aufgehört zu schneien, kein Wind ging und die Sonne schien direkt der Länge nach auf den Garten, was den liegen gebliebenen Schnee wie kleine Diamanten glitzern ließ. Dieses Haus, dieser Ort, hatte wirklich etwas Magisches an sich. Genießerisch trat ich in die warmen Strahlen der Sonne und erfreute mich an das knirschende Geräusch unter meinen Füßen. Es war einfach herrlich!
Mir kam eine Idee auf, die ich kurzerhand umsetzte. Schauen wir doch mal, was die liebe Sonne unserem Vampir wirklich ausmacht. Mit den Händen formte ich eine Kugel und begann dann diese auf dem Boden weiterzurollen, bis eine recht große Kugel daraus geworden war. Das Gleiche machte ich noch zweimal und schon war mein kleiner Schneemann fertig. Zwar war er gerade mal hüfthoch, aber ich fand ihn trotzdem gelungen. Schnell verschwand ich wieder im Haus, holte meinen alten Zweitschal und Mütze, samt ein paar kleinen Ästen, die Flo immer zum Anzünden im Kamin nutzte.
Okay, Arme hatte er und Kleidung auch. Als Gesicht und typische Mantelknöpfe dienten größere Kiessteine, die hier unter dem Schnee zur Genüge rumlagen. Fehlte nur noch die Nase. Durch die Gemeinschaftsdusche hin, lief ich in die Küche, holte eine Möhre und legte diese auf die Terrasse neben der Tür. Jetzt hieß es nur noch abwarten. Die Zeit vertrieb ich mir mit Schneebällen basteln. Er kannte also kein normales Leben? Na mal schauen, wie ihm das gefällt. Ich freute mich jetzt schon diebisch und da der Schnee genau die richtige Konsistenz hatte, machte es umso mehr Spaß.
„Was machst du denn da?“ Flo stand am Türrahmen angelehnt und musterte argwöhnisch mein Treiben. Das Gespräch muss wirklich nicht toll verlaufen sein, so düster wie er dreinschaute. Ich versuchte allerdings, mich nicht beirren zu lassen.

„Ich baue einen Schneemann, sieht man doch“, meinte ich gelassen und richtete dessen Schal zur Bestätigung. „Jetzt fehlt nur noch die Nase“, erklärte ich weiter und deutete auf die Möhre zu seinen Füßen.
Auffordernd nickte ich ihm zu und war innerlich gespannt auf seine Reaktion. Es dauerte etwas länger, bis er sich endlich in Bewegung setzte, die Möhre aufhob und langsam auf mich zukam. Kurz zögerte er, trat dann aber doch aus dem Schatten, blinzelte genervt wegen des Lichts und blieb dann schwer seufzend vor dem Schneemann stehen.
Alles klar, ich wusste nun, dass mein Gastgeber kein Vampir war. Aber so wie er in der Sonne erstrahlte, stand es mein Engel tausendmal besser. Es schien fast so, als ob er die warmen Strahlen regelrecht aufsaugte und sein Körper zum glitzern brachte. Wieder war ich einfach nur geplättet. Unsicher sah dieser Schönling von der Möhre auf zum Gesicht des eisigen Freundes und wusste immer noch nicht so recht, was er da machen sollte.
„Die Nase“, wiederholte ich deswegen Mut bringend.
Kurz sah er zu mir rüber, dann stopfte er endlich die Möhre in die Mitte der obersten Kugel. Es sah richtig lustig aus, da das grüne Blätterwerk an den Seiten herabfiel, als hätte der Schneemann einen Bart.
„Perfekt!“, kommentiere ich und schlich mich langsam zu meinen geformten Bällen.
„Und für was ist das jetzt gut? Stellt es etwas Besonderes dar?“
„Nö, ist nur ein Schneemann. Nur Spaß!“
„Spaß?“, wiederholte Flo skeptisch und schien richtig zu überlegen. Zumindest, bis ihm mein erster Schneeball an der Schulter traf. Erschrocken drehte er sich zu mir um.
„Du solltest dich echt mehr entspannen“, lachte ich und warf gleich einen nach. Er wich noch nicht mal aus, sondern stand komplett irritiert da.
„Und was soll das jetzt?“
„Sag bloß, du hast noch nie eine Schneeballschlacht gemacht? Greif dir einfach etwas Schnee, forme es zu einer Kugel und bewirf damit deinen Gegner. Sinn und Zweck? Es gibt keinen! Es macht einfach nur Spaß! Ach und du darfst selber so wenig wie möglich abbekommen“, erklärte ich schnell und warf noch ein paar nach.
Flo brauchte etwas, um sich zu sammeln, baute sich nur zaghaft einen Schneeball und warf diesen dann doch recht gekonnt nach mir, der mich geradewegs am Hals traf. Kalter Schnee unter dem Pullover war wirklich nicht nett. Mein Engel schien sich über meine kurze Schüttelaktion sehr zu amüsieren.
„Spaß? So so.“
Die Härte aus seinem Gesicht war glücklicherweise gänzlich verschwunden und zurück blieb natürlicher Spieltrieb. Innerlich klopfte ich mir auf die Schulter über meinen Erfolg und lieferte mir dann mit meinem Gastgeber die lustigste Schneeballschlacht, die ich je erlebt hatte. Als ich wenig später bei einem Ausweichmanöver ausrutschte, blieb ich einfach lachend liegen und sah schnaufend meinen Engel an, der sich sofort besorgt über mich gebeugt hatte.
„Alles okay?“
„Klar.“
Beruhigt setzte er sich neben mich und musterte mich schmunzelnd.
„Du wirst dich noch erkälten, wenn du länger so liegen bleibst.“
„Ich weiß“, seufzte ich und setzte mich auf.
„Heute ist wirklich geniales Wetter“, meinte ich nach einer kurzen Pause.
„Du bist gerne draußen, hm?“
„Ich liebe die Natur. Sie hat so was Ungebändigtes an sich, was mich meist einfach mitreist“, begann ich zu schwärmen.
„Was hältst du dann davon, heute einen kleinen Ausflug mit den Schneemobilen zu machen? Ich kenne hier ein paar gute Strecken.“
Nicht eine Sekunde brauchte ich bei diesem Angebot zu überlegen und stimmte sofort zu. Winterfestere Kleidung war schnell angezogen und so folgte ich Flo in die Garage, welche etwas abseits vom Haus stand. Die Einfahrt war seltsamerweise schon freigeräumt, obwohl es den Tag und die Nacht komplett durchgeschneit hatte. Mein Engel musste wirklich früh aufgestanden sein. Als ich ins Innere geführt wurde, kam ich wiedermal aus dem Staunen nicht heraus.
Neben zwei geländegängigen Motorrädern stand ein großer Pickup, auf dessen Rädern Schneeketten gezogen waren. Und davor warteten zwei Schneemobile auf ihren Einsatz. Flo warf mir einen Schlüssel zu und deutete auf eines der Fahrzeuge. Es war zwar etwas länger her, als ich das letzte Mal mit so etwas gefahren bin, aber an den Spaß dabei erinnerte ich mich noch sehr gut. Auf einem Regal lagen verschieden große Helme, und als ich einen gefunden hatte, der mir passte, ging es auch schon los.
Man, ich fühlte mich wie ein kleines Kind, dem man Freifahrtscheine für den Jahrmarkt geschenkt hatte. Mein Gastgeber kannte sich hier wirklich super aus und steigerte von Mal zu Mal den Schwierigkeitsgrad der Strecke. War die Piste zu Anfang gerade und gut einsehbar, wurden die Kurven enger und die kleinen Hügel größer. Zum Schluss jagten wir wie die Wilden über den Schnee, als wäre der Teufel persönlich hinter uns her und wir würden ihn auslachen, weil er einfach zu langsam war.
Gegen fünfzehn Uhr machten wir eine kleine Pause in einem beschaulichen Gasthof, wo mein Engel wohl öfter hinzugehen pflegte, denn die Rechnung wurde ihm wie immer nach Hause geschickt. Als ich meinen Anteil bezahlen wollte, meinte er lediglich, ich sei sein Gast und damit war das Thema für ihn vom Tisch. Erst als es dämmerte, schlugen wir den Heimweg ein und kamen im Dunkeln an der Garage an.
„Ahh, jetzt eine heiße Dusche und dann ein gutes Schachspiel. Oder was meinst du?“, streckte ich mich wohlig, als die Fahrzeuge abgestellt waren und wir das Haus betraten.
„Das klingt sehr verlockend.“
So verschwand ich zuerst in meinem Zimmer, holte mir Waschzeug und frische, bequeme Sachen und ging dann ins Bad, wo ich mich gut eine halbe Stunde aufhielt. Danach folgte ich einfach dem frischen Teeduft bis in die Bibliothek. Mein Gastgeber war wirklich ein Engel, denn neben dem Spieltisch stand ein etwas kleinerer Tisch mit verschiedenem Fingerfood. Käsespießer mit Weintrauben, kleine Mozzarellabällchen mit Minitomaten, eingelegte Oliven und kleine Stücke frisches Baguettebrot. Abgerundet wurde alles durch zwei Gläser gefüllt mit Wein.
„Wow“, brachte ich meine Überraschung zum Ausdruck und setzte mich ihm gegenüber.
Der sanfte Teegeruch entpuppte sich als kleine Kerze, welche eine angenehme Stimmung verbreitete. Die einzelnen Schachrunden waren etwas ruhiger wie am Tag zuvor, was wohl daran lag, dass man nun den Gegner kannte und sich mit den entsprechenden Zügen mehr Zeit ließ. Wir redeten über Allerweltssachen, Politik, Umwelt, die Vor- und Nachteile verschiedener Motorradtypen. Doch persönliche Themen kamen vorerst nicht zur Sprache. Wir schienen das allerdings beide zu vermeiden, weswegen es mir nicht unangenehm war. Meine Vergangenheit war etwas umfangreicher, weshalb ich ihn nicht schon jetzt mit irrelevanten Details belasten wollte.
Zum Schluss entfalteten die vielen Aktivitäten an der frischen Luft ihre Wirkung, denn ich wurde recht zeitig müde. Mein Gastgeber zeigte ganz gentlemanlike vollstes Verständnis und wieder wurde ich mit einem dermaßen anbetungswürdigen Lächeln verabschiedet, was regelrecht danach rief, näher erforscht werden zu wollen.
Seine Lippen, sein Kinn, sein Hals, die langen Finger … Ich wüsste einiges damit anzustellen. Allerdings war ich so müde, dass ich es nicht mal schaffte, mir selbst Erleichterung zu verschaffen. So schlief ich mit einem wohligen Seufzer ein, in Gedanken diese dunkelleuchtenden, grünen Augen, welche mich zu verschlingen drohten und ich wusste bisher noch nicht, ob dies nun gut war oder schlecht.
Der nächste Morgen begann für mich recht früh, trotzdem war ich putzmunter. Ich wachte gegen acht Uhr auf und konnte einfach nicht mehr schlafen. ‚Was soll‘s‘, dachte ich bei mir und schwang mich aus dem Bett. Leise schlich ich ins Bad, um meinen Gastgeber nicht zu wecken und erledigte die Morgentoilette. Beim Zähneputzen kam mir eine kleine Idee und als ich wieder im Zimmer war, suchte ich meine Sportsachen heraus.
Wenn ich früher durcheinander war oder ich einfach ein paar Dinge im Kopf ordnen musste, machte ich ein paar Entspannungsübungen, die mir mein älterer Bruder beigebracht hatte. Einer besonderen Form einer bestimmten Kampfsportart konnte man es nicht zuordnen, was wohl daran lag, dass ich von allen ein bisschen praktizierte. Nicht aktiv, nur halt wenn es dringend notwendig war. Ich glaube, dass ich auch etwas eingerostet war. Der Grund, warum ich damals so etwas lernen wollte, war ganz simpel der, dass ich mich gegen dämliche Schwulenhasser wehren wollte.
Ich zog mich auf jeden Fall um und lief dann hinüber zum Dojang. Unter meinen nackten Füßen spürte ich die angenehme Wärme der Bodenheizung, die auch hier installiert war und begann mit den Übungen. Es waren lediglich ein paar Bewegungsabläufe, machten aber meinen Kopf frei und ließen mich abschalten. Am oberen Ende des Dojangs stand ein riesiger Spiegel, der in der Wand eingelassen war, in dem ich noch zu Anfang meine Technik überprüfte und gegebenenfalls korrigierte. Doch nach einer Weile schloss ich meine Augen und gab mich der Übung hin.
Mein Körper bewegte sich fast schon automatisch, folgte dem altgelernten Ablauf und erst als ich mich wieder soweit entspannt fühlte, schloss ich die Übung ab und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel, ob ich auch an der richtigen Stelle stand. Vorerst interessierte mich das allerdings wenig, denn als ich in den Spiegel sah, schauten mich grünleuchtende Augen direkt an. Erschrocken drehte ich mich zu Flo um, der gelassen auf mich zukam und sich neben mich stellte.
„Fang nochmal bitte von vorne an“, bat dieser. Ich fühlte mich nur unwohl.
„Hör mal, das war nichts Besonderes“, stammelte ich, er jedoch unterbrach mich.
„Du solltest dein Können nicht selbst schmälern. Bitte zeig es mir.“
Sein Blick wurde so intensiv, dass ich einfach nachgeben musste, wenn auch widerwillig. Anfangs waren die Nachahmungen meines Gastgebers recht holprig und ich musste sie ein wenig korrigieren. Aber als er einmal den Dreh raus hatte, bewegte er sich so geschmeidig, als hätte er diese Kombination schon seit Ewigkeiten einstudiert. Ich war wirklich beeindruckt.
„Du hast echt Talent für so etwas“, sagte ich anerkennend, worauf er warm lächelte.
„Es macht nur Spaß, dir zuzuschauen. Hättest du was dagegen, etwas auszuprobieren?“
Sacht wich ich einen Schritt zurück.
„Ich … ich habe lange nicht mehr trainiert“, antwortete ich wage und rümpfte etwas die Nase, in der Hoffnung, dass er meine Ablehnung darüber erkannte. Doch selbst wenn er dies tat, ignorierte er sie gekonnt.
„Bitte.“
Oh man, wer konnte da schon Nein sagen. Ganz langsam griff er mich an und wie automatisch wich ich aus beziehungsweise konterte. Er tat dies weiter, immer auf verschiedene Arten und ich reagierte immer mit anderen Bewegungen, die aber genau die gleichen waren, wie aus meiner Übung. Flo merkte, dass ich mir langsam sicherer wurde und erhöhte sein Tempo. Ich verließ mich ganz auf meine Reflexe, was bisher auch super funktionierte.
Mit der Zeit wurde er immer schneller, seine Angriffe stetig kräftiger, bis wir einen wilden Tanz durch den halben Dojang vollführten. Und mit einmal stellte ich fest, dass mein Gastgeber nicht mehr wirklich auf mich achtete, sondern tatsächlich versuchte, meine Verteidigung zu durchbrechen. Er suchte nach einem Schwachpunkt.
Dafür allerdings kannte er mich zu wenig. Schon als Kind wurde ich von meinem großen Bruder damit solange getriezt, bis ich es perfekt beherrschte. Er wollte immer, dass ich mich selbst beschützen konnte. Ich hingegen wollte lediglich so stark werden, wie er. Die Gedanken der Vergangenheit lenkten mich für eine Sekunde ab, weswegen Flo mich zu packen bekam, zu Boden schleuderte und wenige Augenblicke später über mir thronte. Ein diebisches Lächeln zierte seinen süßen Mund.
„Hab dich!“, freute er sich.
Allerdings hatte er die Rechnung ohne mich gemacht. Geringe Verlagerung der Beine samt des Beckens und schon schaffte ich es, mit etwas Schwung die Situation umzudrehen. Nun lag mein Engel unter mir, soweit fixiert, dass kaum eine Bewegung möglich war.
„Ach wirklich?“, fragte ich spöttisch und blickte in grüne, überraschte Augen.
Dann wurde er mit einem Mal ernst und sah mich durchdringend an. Ob mein Herz von der körperlichen Belastung her so schnell schlug oder dass doch von diesem Schönling herrührte, konnte ich gerade nicht unterscheiden. Als ich meinen Griff etwas löste und schon aufstehen wollte, hob Flo plötzlich seinen hübschen Kopf und küsste mich. Es war nur ein ganz einfacher Kuss und ich war viel zu überrascht, um meine Augen zu schließen. Er befreite einen seiner Arme und streichelte sanft über meine Wange. Liebevoll begann mein Engel zu lächeln, als ich mich genießerisch in seine Hand kuschelte und sie leicht küsste. Dann legte er sie in meinen Nacken und zog mich sanft zu sich hinab.
Der zweite Kuss war wie ein Aphrodisiakum, je mehr ich davon kostete, desto williger wurde ich. War er am Anfang noch recht zart, die Zungen sehr zurückhaltend, wurde er von Mal zu Mal intensiver und zum Schluss fast gierig. Wir bissen uns leicht in die Zunge, saugten an den Lippen, pressten unseren Unterleib immer dichter aneinander. Als mein Engel mit seinen Händen unter mein T-Shirt glitt, sog ich tief die Luft ein und gab leichte Seufzer von mir, als er mit meinen Brustwarzen zu spielen begann. Flo streichelte zärtlich drüber, bis sie sich hart aufstellten, kratzte leicht und zwirbelte diese, bis er sich kurzerhand aufsetzte, mir das Shirt über den Kopf zog und mit seiner Zunge weitermachte.
Süßes Lecken ging in spielerisches Beißen und Saugen über und da mein bestes Stück stark an seinem Bauch rieb, brachte es mich fast zum Überkochen. Meine Hose landete recht schnell in der nächsten Ecke, genau wie sein Oberteil. Doch irgendwie kam ich nicht dazu, mich zu revanchieren, da ich plötzlich seine Hände überall spürte und ich mich ihnen heiß zuckend ergab. Einen kurzen Blick erhaschte ich auf die Augen meines Engels, die wilder als jedes Raubtier funkelten. Und ich war eindeutig seine Beute.
Genießerisch leckte er über meine Haut, saugte sich in meiner Halsbeuge fest, was mich laut aufstöhnen ließ. Triumphierend grinsend, dass er eine von meinen erogenen Zonen entdeckt hatte, ging er weiter auf Wanderschaft und je tiefer er kam, desto ungeduldiger zuckte mein Körper. Meine Kontrolle über mich selbst, hatte ich längst verloren und mich willig meinem Schicksal ergeben.
Zärtlich leckte er über meine Körpermitte, umschloss sie mit seinem Mund und begann mich dermaßen zu verwöhnen, dass ich mich hin und her wand. Mal war der Druck leicht wie eine Sommerbrise, mal stark wie ein kräftiger Sturm. Mein schwarzer Engel schien regelrecht Freude daran zu haben, mich zu quälen und erlöste mich erst, als ich ein gepresstes „Bitte“ jammerte.
Nachdem ich kurz verschnauft hatte, wischte ich die Spuren meines Glückes behelfsmäßig mit ein paar Taschentüchern weg und kuschelte mich dann in Flos Arme, der das Oberteil seines Kampfanzuges wärmend von vorne über meine Brust und Schulter gelegt hatte und mich dicht zu sich heranzog. Sanft küsste er mir auf die Schläfe und schmuste dann über meine Wange.
„Tut mir leid wegen meiner harten Vorgehensweise. Aber ich konnte von dir in diesem Zustand einfach nicht genug bekommen“, entschuldigte er sich fast flüsternd.
„Es sei dir verziehen“, schmunzelte ich und drehte mich so, dass ich ihn leicht auf den Mund küssen konnte.
Er begann darauf hin zu schnurren und so saßen wir noch eine kleine Weile da und kuschelten einfach miteinander, bis der Schweiß auf unserer Haut trocknete und mich frieren ließ. Flo merkte dies natürlich sofort.
„Wir sollten duschen gehen.“
Ich grummelte zwar etwas, da ich mich nur ungern aus seinen Armen wand, aber er hatte ja recht. Liebevoll führte mein Engel mich an der Hand haltend in die Gemeinschaftsdusche. Für den ersten Moment war es draußen ganz schön kühl, vor allem als Flo den Hahn aufdrehte und nur kaltes Wasser herauskam. Ihm schien das überhaupt nicht zu stören. Er stand mitten im Schauer, den Kopf nach oben gereckt und genoss es einfach. Nach einer Weile streckte er den Arm nach mir aus.
„Komm, jetzt ist es ganz warm.“
Zögernd folgte ich seiner Bitte und betrachtete skeptisch den Duschkopf. Doch als ich das fast schon heiße Wasser auf meiner Haut spürte, trat ich dicht an meinen Engel heran und ließ mich bereitwillig von ihm einseifen. Seine Berührungen taten so gut, waren wie Seide, schmeichelten meinem gesamten Körper, der daraufhin leicht zu vibrieren begann. Wohlig seufzte ich auf, als Flo abermals begann, an meinem Hals zu knabbern. Sein Atem brannte heißer als das Wasser auf meiner Haut, verglühte mich fast und ich ließ es einfach geschehen. Dicht drängte ich mich an den Körper des Anderen, suchte seine Lippen und forderte diese gierig für mich ein.
„Christian.“
Das heißere Aufstöhnen meines Engels brachte mich endgültig um den Verstand. Seine fiebrig glänzenden Augen durchbrachen selbst den immer dichter werdenden Dampf um uns herum und fixierten mich.
„Nimm mich“, flüsterte ich ihm aufgeregt zu, da ich es kaum länger aushielt.
Was geschah nur mit mir? Ich war wie Wachs in seinen Händen und es machte mir absolut nichts aus. Dabei war doch sonst ich immer der Aktivere. Mein Engel ließ sich das nicht zweimal sagen, drehte mich kurzerhand um und drückte mich gegen die Wand. Ich hörte das Reißen einer Verpackung, hörte, wie er sich das Kondom drüber zog und sich dann wieder dicht an mich presste.
„Sicher mein Herz?“
Seine Stimme bebte vor Erwartung. Er strich meine nassen Haare beiseite und biss leicht in meine Halsbeuge. Zitternd holte ich tief Luft. Zu viele Empfindungen strömten mit einmal auf mich ein. Kalte Fliesen gepaart mit heißem Wasser. Seine Lippen und Hände, die meinen gesamten Körper liebkosten, als wäre ich etwas Besonderes und seine Lebensaufgabe bestünde lediglich darin, mir Wohlwollen zu bereiten. Die Euphorie vor dem Kommenden ließ meine Sinne komplett schwinden und so verrenkte ich mich etwas, legte meine Hand in seinen Nacken und gab ihm mit einem innigen Kuss die Erlaubnis.
Trotz dass er mich weiterhin mit etlichen Küssen und Knabbereien, mit süßen Berührungen weiter liebkoste, schmerzte es, als er begann, in mich einzudringen. Zischend sog ich die Luft ein, worauf Flo seine Bemühungen mich zu entspannen intensivierte. Wie konnte er nur so vergleichsweise ruhig bleiben? Schließlich hatte nur ich beim ersten Mal das Vergnügen. Als er sich jedoch zu bewegen begann, blieb kein Platz mehr für sinnige Gedanken. War mein Engel anfangs noch sanft, vorsichtig und rücksichtsvoll, wurde er immer ruppiger und fast schon animalisch. Und was tat ich? Mit wohligen Lauten feuerte ich ihn noch zu viel mehr an und reckte mich ihm so weit es ging entgegen.
Als es endlich soweit war, glaubte ich abzuheben. Ich spürte, wie ein kräftiges Zucken Flo durchfuhr und er sich regelrecht an mir festkrallte, dass ich Probleme hatte, mich an der Wand abzustützen. Diese Welle schwappte wenige Sekunden später auf mich über. Kleine Sterne explodierten vor meinen Augen und hinterließen ein kaltheißes Prickeln, welches sich in meinem kompletten Körper ausbreitete. Dann wurde es schwarz um mich herum und das Einzige, was ich noch wahrnahm, war neben unendlicher Befriedigung, schützende Wärme, süße Zuneigung und aufkeimende Liebe.
*-*-*
Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich im Schlafzimmer meines Engels wieder. Ich lag in seinem Bett mit einem kühlen Lappen auf der Stirn und er saß auf der Kante und musterte mich besorgt.
„Hey“, flüsterte ich und lächelte schwach.
„Na du“, erwiderte er erleichtert, dennoch mit Zurückhaltung.
Ich nahm einfach seine Hand und kuschelte meine Wange an diese.
„Entschuldige. Ich vertrage wohl doch nicht soviel, wie ich dachte“, meinte ich dann.
„Nein, nein, es ist meine Schuld. Ich hätte mehr auf den Temperaturunterschied und vor allem auf dich achtgeben sollen. Nur hattest du mich so gefangen.“ Er seufzte schwer, als wäre das etwas Tragisches gewesen. Darauf hin legte ich den Lappen beiseite, setzte mich auf und nahm Flos Gesicht in beide Hände.
„Und das war auch gut so. Das Einzige, worüber ich mich etwas ärgere ist, dass ich dein süßes Gesicht nicht vor Augen hatte, als es bei dir soweit war. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn für den Anfang fand ich es schon gar nicht mal so übel.“
Liebevoll lächelte ich ihn an, was er zögerlich erwiderte. Dann küsste ich ihn sanft, worauf ein zärtliches Zungenspiel folgte. Mein Engel schien wirklich richtig erleichtert zu sein, denn er zog mich eng zu sich heran und schloss mich in seine Arme.
„Ich wusste nicht, ob ich alles richtig gemacht hatte, da ich mich einfach von meinen Gefühlen, von meinem Instinkt hatte leiten lassen.“
„Das ist doch vollkommen normal, schließlich hat Sex rein gar nichts mit Verstand zu tun, außer was das Kondom betrifft und daran hattest du doch gedacht. Es klingt fast so, als wäre das dein erstes Mal gewesen“, beruhigte ich ihn und versuchte alles durch etwas necken aufzulockern. Allerdings verkrampfte daraufhin Flo noch viel mehr, weswegen ich ihn stirnrunzelnd anschaute. Sein Kopf war komplett rot angelaufen.
„Das … das ist doch jetzt nicht dein Ernst?!“ Ich war etwas von ihm abgerückt und sah ihn mit großen Augen an.
„Ähm … ich …“, stotterte er, blickte kurz an mir vorbei, dann wieder auf die Bettdecke. Ich drehte mich herum und entdeckte ein dünnes Buch auf dem Nachtschränkchen. Bevor es mein Engel vor mir in Sicherheit bringen konnte, ergatterte ich es und studierte den Einband.
„Das erste Mal Anal. So verführen sie ihren Mann richtig“, las ich laut vor und betrachtete das Bild der zwei kopulierenden Männer darauf. Flo war aufgesprungen und fuhr sich fahrig durch seine offenen Haare. „Sag mal, wie alt bist du eigentlich?“, fragte ich immer noch so ziemlich baff.
„ … 19 …“, antwortete er stockend.
„Zwei Jahre jünger als ich???“
Ich war komplett fertig, ließ mich zurück ins Bett fallen und begann laut zu lachen. Mein Engel setzte sich verhalten zu mir und beäugte mich, als wäre ich nicht mehr ganz dicht. Etwas, glaube ich, hatte er sogar recht. Mit einmal setzte ich mich auf, schlang meine Arme um ihn und gab ihm einen dicken Kuss.
„Du bist echt das ungewöhnlichste Wesen, dem ich je begegnet bin.“
„Ungewöhnlich gut oder ungewöhnlich nicht so gut?“ Mein Liebster machte sich wirklich Gedanken. Ich rückte noch näher zu ihm heran und küsste ihn nach jedem Satz an einer anderen Stelle.
„Ungewöhnlich liebevoll. Ungewöhnlich zärtlich. Ungewöhnlich süß.“
Mit einem verklärten Blick in den Augen sah mich mein Engel an und ich bekam schon wieder dieses heftige Herzklopfen, was mir die Sinne schwinden ließ. Ich begann mit meinem Gesicht über seines zu schmusen und kraulte seinen Nacken und Hals entlang, was ihn wie ein Kater zum Schnurren brachte.
Lange blieb uns die Zweisamkeit nicht erhalten, denn ein Handy begann nervig zu fiepen. Lag das vorhin auch schon auf dem Nachttisch? Flo‘s Gesicht wurde sehr ernst und als er abnahm, versteinerte es sich fast. Er stand auf und entfernte sich etwas vom Bett. Ich verstand zwar kein Wort des Anrufers, hörte aber sehr wohl, dass es eine weibliche Stimme war. Kurz brummte er ins Telefon, dann legte er auf.
„Wir kriegen Besuch“, kommentierte er knapp und verschwand im Raum nebenan. Ich kletterte aus dem Bett und raffte den weichen Bademantel fester um mich. Als Flo wieder im Schlafzimmer erschien, hatte er seine lockeren Trainingssachen gegen feste Hosen und einen Pullover getauscht.
„Den Anruf von gestern hatte ich vollkommen vergessen. Tut mir leid.“ Liebevoll strich er mir über die Haare und gab mir dann einen sachten Kuss.
„Nicht so schlimm, schließlich hatte ich ja auch etwas Schuld daran. Ich wollte dich ablenken und lachen sehen.“
„Beides hast du geschafft und ich habe es genossen.“ Liebevoll lächelte er mich an und liebkoste meine Wange. Ich nahm seine Hand in meine und kuschelte mich ein wenig daran. „Ich muss zum Flughafen in die Stadt und sie dort abholen. Wenn ich gut durchkomme, brauche ich mindestens eine Stunde mit dem Jeep. Aber ich versuche, mich zu beeilen.“ Er klang fast traurig darüber, mich gute zwei Stunden allein lassen zu müssen.
„Wichtig ist, dass du vorsichtig fährst.“ Zärtlich verwickelte ich seine Zunge mit meiner in ein süßes Gefecht, bis er sich widerwillig von mir trennte.
„Ich muss los.“
Ich nickte verständnisvoll, aber dann fiel mir doch noch etwas ein.
„Du hast einen Jeep und kennst dich in der Gegend gut aus. Warum hast du mich nicht in die Stadt gefahren, als die Züge ausfielen?“
„Es war sehr stürmisch und die Strecke selbst für Einheimische gefährlich.“
„Und gestern?“ Verschmitzt grinste ich ihn an, worauf er wieder zu mir zurückkam und mich dicht an sich heranzog.
„Da wollte ich dich schon lange nicht mehr gehen lassen.“
Den Kuss, welchen er mir nun gab, ließ abermals mein Herz schneller schlagen und raubte mir fast den Atem. Gott, ich war ihm jetzt schon bis auf das letzte Haar verfallen.
„Bis dann, mein Herz.“
Nach einem letzten Kuss auf meine Stirn verabschiedete er sich endgültig und ließ mich allein im Haus zurück. Ein paar Minuten lang starrte ich noch die Eingangstür an, hörte, wie der Motor des Jeeps aufheulte, Schnee laut knirschte und sich dann immer weiter entfernte. Erst als ich wirklich kein Geräusch mehr vernahm, ging ich ins Gästezimmer, um mich anzuziehen. Allerdings war meine Tasche weg, das Bett frisch bezogen und mein Handtuch hing auch nicht mehr über dem Stuhl. Verwundert ging ich in Flo‘s Zimmer, dann in den Raum nebenan, wo er vorhin verschwunden war.
Das Licht schaltete sich dort automatisch an und mit Erstaunen betrat ich den begehbaren Kleiderschrank. Auch meine Tasche fand ich wieder. Sie lag vor einem der Schränke, dessen Türen offen standen und dessen Regale leer waren. Schmunzelnd schüttelte ich meinen Kopf. Jetzt war es wohl beschlossene Sache. Das wenige Gepäck war schnell ausgeräumt und bequeme Sachen auch gefunden.
Knurrend machte sich mein Magen bemerkbar und so beschloss ich erstmal in die Küche zu gehen, um mir ein kleines Frühstück zu machen. Beschwingt trat ich aus dem Schlafzimmer meines Engels und wollte Richtung Küche gehen, als ich plötzlich innehielt und die kleine Person anstarrte, die locker vor der Sitzgruppe im Flur stand und mich anlächelte.
„Aha, soweit ist es schon, dass du es wagst, sein Schlafzimmer zu betreten.“
Arrogant sah sie auf mich hinab, mit einer Kälte in den Augen, die ich zu Anfang von Florian her kannte. Mein Instinkt jagte ein Warnsignal nach dem anderen durch meinen Körper und als ich den Stab in ihrer rechten Hand erkannte, den sie nun lässig darin zu drehen begann, wusste ich auch warum.
„Ich weiß zwar nicht, wer du bist, aber Flo ist auf dem Weg in die Stadt, um jemanden vom Flughafen abzuholen. Es wird zwar noch etwas dauern, aber wenn er wieder da ist, lässt sich bestimmt alles aufklären“, versuchte ich mit ruhiger Stimme zu schlichten.
„Das weiß ich doch, schließlich habe ich vorhin mit ihm telefoniert. Aus irgendeinem Grund wollte er mich nicht hier haben und ich war neugierig. Mit irgendetwas musste ich ihn doch weglocken, damit ich mir in Ruhe selbst ein Bild machen kann. Es wäre sonst sehr lästig, wenn er mir ständig dazwischenfunken würde. Also. Dann erzähl mir mal, warum gerade du meinen Florian verdient hättest!“
Bitte? Was redete die Kleine da überhaupt? Sie ließ mir kurz Zeit zum Antworten. Ich war allerdings so perplex, dass ich nicht ein Wort herausbekam.
„Hm, selbstbewusst scheinst du schon mal nicht zu sein. Sprich: Diskussionsfähigkeit gleich null. Weißt du, hier zählt nicht, ob du gut kochen oder saubermachen kannst. Du musst schon mehr zu bieten haben, als auf die Knie zu gehen und zu blasen.“
Wie bitte??? Was bildete dieses Mädchen sich überhaupt ein?!
„Ich habe ihm keinen geblasen!“, wetterte ich sinnfrei los. Geschichten aus dem Liebesleben waren keine Details, die ich gerne preisgab.
„Na wenigstens etwas. Du siehst recht schmächtig aus, aber das hat bekanntlich nichts zu sagen. Was wäre, wenn es Florian nicht gut ginge und du ihn vor sich selbst schützen müsstest. Könntest du wenigstens das?“
Drohend kam sie langsam immer weiter auf mich zu, was mir so bedrohlich vorkam, dass ich die gleichen Schritte rückwärts tat, bis ich an die Tür zum Kiesgarten stieß.
„Ich verstehe nicht ein Wort von dem, was du sagst. Flo ist stark. Ich glaube nicht, dass er jemanden braucht, der ihn beschützt.“
„Flo ist stark. Sehr stark und genau darin liegt das Problem. Da du mir meine Fragen nicht beantworten kannst oder willst, muss ich die Antworten wohl selbst herausfinden.“
Als wäre dies der Startschuss gewesen, ging die Kleine mit einmal auf mich los. Gerade noch so schaffte ich es, die Tür hinter mir aufzureißen und hinauszustolpern. Ich war so perplex über die Aktion, dass ich die zwei Stufen hinabfiel und der Länge nach mit dem Rücken im kalten Schnee landete. Kichernd trat das Mädchen aus dem Haus.
„Also so wird das nichts.“

Wieder und wieder griff sie an und ich wich jedes Mal nur ganz knapp aus. Keuchend flüchtete ich ins Dojang. Sie kam mir gemächlich nach, schien aber langsam die Lust an ihrem Spiel zu verlieren.
„Laaaaaaaaaaaangweilig! Sag mal, kannst du mir verraten, was Flo überhaupt an dir findet? Wie lange kennt ihr euch nun? Zwei Tage? Drei? Wie kamst du nur auf diesen lächerlichen Gedanken, dass ich meinen Florian so ohne Weiteres an dich abtrete? Du besitzt weder eine besondere Kraft, noch bist du seiner würdig. Du bist nichts!“
Nach jedem Satz schlug sie härter zu, präziser, energischer. Je weniger ich mich wehrte, desto wütender wurde die junge Frau. In meinem Kopf herrschte das reinste Chaos. Zum Teil hatte sie ja recht. Ich war ein Niemand, nichts Besonderes. Aber ob ich meinem Engel würdig war, konnte er nur selbst entscheiden. Vielleicht war ich kein Superactionhero, aber so einfach aufgeben wollte ich auch nicht. Ich hatte mein Herz an dieses ungewöhnliche Wesen verloren und nicht vor, es so leicht wieder rauszurücken. Ja, es stimmte, ich war nicht besonders stark, aber von vorneherein einfach so aufgeben tat ich deswegen noch lange nicht.
Mein Kampfeswille war endgültig geweckt, was das Mädchen zu spüren bekam. Ihrer nächsten Attacke wich ich galant aus, griff aber dann nach ihrem Stab, trat dagegen und diesen somit aus ihrer Hand. Überrascht sah sie mich an, begann zu lächeln und nickte mir dann anerkennend zu. Damit war allerdings noch lange nichts ausgestanden. Das ich nun ihre Waffe im Besitz hatte, schien sie wenig zu stören. Weiterhin ging sie wie eine Wilde auf mich los, versuchte mit geschickter Technik meine Verteidigung zu brechen und mich zu Fall zu bringen.
Fairerweise warf ich den Stab beiseite und startete nun kleine Gegenattacken. Wenn man sich einmal richtig darauf konzentrierte, merkte man, dass die Kleine gut trainiert war und jeglichen Vorteil versuchte für sich auszunutzen. Letzteres tat ich allerdings auch. Nach einer kleine Weile bemerkte ich, dass das Mädchen kaum Kraft besaß. Sie nutzte lediglich den Schwung des Gegners aus und wandelte diesen in Energie um, die sie für sich selbst einsetzte. Wenn sie wirklich zuschlug, musste sie auch genau den entsprechenden Punkt treffen, um eine Wirkung zu erzielen.
Mir war klar, dass ich nur einen einzigen, richtigen Schlag korrekt platzieren musste, um sie fürs Erste von ihrem hohen Ross runter zu holen. Und wenige Sekunden später ergab sich mir genau diese Chance, die ich auch zu nutzen wusste. Ich brauchte nicht mal weit auszuholen, leitete all meine Kraft in meinen rechten Arm und schlug ihr direkt in die Nieren. Mit einem krampfhaft unterdrückten Schmerzenslaut brach sie zusammen und blieb keuchend auf den Boden sitzen.
„Fuck! Scheiße tut das weh!“, jammerte sie, schien aber nicht verärgert darüber zu sein, dass ich sie so stark getroffen hatte. Ich nutzte die kleine Pause aus, um gleich etwas klarzustellen.
„Hör mal. Ich habe ja nun mitbekommen, dass dir Flo sehr wichtig ist, aber mir auch. Ich kann’s selber kaum erklären, aber in den letzten drei Tagen scheine ich immer mehr für ihn zu empfinden, als in so einer kurzen Zeit überhaupt normal möglich ist. Ja, ich bin sicherlich kein Superheld. Doch solange wie Florian mich an seiner Seite haben möchte, solange werde ich auch nicht aufgeben!“
Oje, ich war viel zu emotional geworden, wie ich an den großen Augen des Mädchens erkannte. Wütend funkelte ich sie an und was machte die Kleine? Sie begann lautstark zu lachen. Nach gut einer Minute hatte sie sich endlich wieder soweit beruhigt, dass sie sich in Schneidersitz aufsetzen konnte.
„Also wenn das so ist, habt ihr meinen Segen“, meinte sie dann und lächelte fröhlich zu mir hinüber. Ich zweifelte bis dato an ihrem Geisteszustand.
„Ehm, ehrlich gesagt verstehe ich jetzt gar nichts mehr.“
„Nicht so schlimm“, sagte sie lässig, stand auf und kam auf mich zu. Doch bevor sie noch einen weiteren Schritt machen konnte, huschte ein schwarzer Schatten vorbei, packte sie kraftvoll und warf das Mädchen gegen die Wand. Die Kleine hatte nicht einmal die Chance, keuchend an dieser hinabzurutschen, als mein Engel sie fest an die Wand presste und wild anfunkelte.
„Komm ihm noch einen Schritt näher und ich schwöre, ich vergesse mich!“
Sanft legte ich meine Hand auf seine Schulter, um ihn zu beruhigen.
„Florian, sie gab uns ihren Segen.“
Verwirrt blickte er zuerst zu mir, dann musterte er sie stark. Schlussendlich ließ er doch von ihr ab und wand sich endgültig zu mir um.
„Hey, das tat echt weh, du Idiot!“, schimpfte die Kleine hustend und schnappte nach Luft.
Ihn störte das allerdings wenig und er beäugte kritisch meine untere Lippe, die ein klein wenig aufgerissen war. Liebevoll streichelte er darüber und küsste zärtlich die Stelle, als wollte er mir den Schmerz nehmen.
„Tut mir leid. Ich hätte schneller ihre List durchschauen und eher wieder hier sein müssen.“
„Du kannst doch nicht hellsehen. Außerdem hat sie dich mir freigegeben. Was will ich mehr?“
Mit einem süßen Lächeln strich ich meinem Engel eine Haarsträhne aus seinem blassen Gesicht und presste sanft meine Lippen auf seine. In unseren Zärtlichkeiten wurden wir nach wenigen Minuten mit einem lauten Seufzer und quickender Stimme unterbrochen.
„Hach wie süüüüß! Los Flo, stell mich schon diesem Schnuffi vor!“, hippelte das Mädchen aufgeregt und zerrte an Florians Ärmel. Er atmete genervt aus und trat einen Schritt beiseite.
„Cat, darf ich dir vorstellen: Christian Josias. Chris: Cathrina Redewig, meine kleine Schwester.“
Seine was??? Das erklärte zwar einiges, warf aber umso mehr Fragen auf.
„Ich weiß zwar nicht, wies bei euch zwei Hübschen ausschaut, aber ich hab Bock auf Frühstück!“
Genüsslich streckte die Kleine sich, verzog kurz die Nase und rieb sich über die Stelle, wo ich sie recht heftig getroffen hatte und stiefelte dann Richtung Küche. Mein Engel sah alles andere als glücklich aus, weswegen ich seine Hüfte umfasste und zu mir heranzog.
„Ärgere dich nicht länger darüber, schließlich wollte sie dich nur schützen, in Sicherheit wissen, wenn auch auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise. Komm. Ein kleines Frühstück wird uns beiden guttun.“
Dankbar für mein Verständnis, gab mir mein Liebster einen zuckersüßen Kuss, dann folgten wir seiner Schwester in die Küche. Als wir dort ankamen, hatte das Mädchen den Tisch schon komplett gedeckt und der Wasserkocher blubberte auch. Sie stand auf Zehenspitzen an einem der Schränke und versuchte etwas aus dem obersten Regal zu fischen.
„Man Flo, das war doch voll mit Absicht!“, schimpfte sie, stemmte ihre Arme in die Hüfte und funkelte meinen Engel wütend an.
„Das ist ungesund“, war sein einziger Kommentar und füllte unsere beiden Tassen mit Tee.
„Na und? Was interessiert dich das? Du musst ihn ja nicht trinken. Hey, Moment mal. Chriiihiiis …“ Bettelnd sah sie zu mir, weshalb ich sie fragend anschaute. „Ich komm da nicht ran.“
Ich ging zu dem Schrank und warf einen Blick hinein. Ganz hinten am Rand stand eine größere, runde Plastedose, an die selbst ich nur auf Zehenspitzen stehend herankam. Neugierig musterte ich das Zitronenteekonzentrat. Das bestand ja aus purer Chemie und Zucker!
„Daaanke.“
Freudig nahm die Kleine mir die Dose aus der Hand und übergoss die Chemie mit heißem Wasser, während ich mich zu meinem Schatz an den Tisch setzte. Das Frühstück gestaltete sich als recht entspannt. Cathrina sorgte für genügend Gesprächsstoff, als sie von ihrem Flug hier her berichtete und ich musste manchmal echt laut loslachen. Nur schwer konnte ich glauben, dass beide miteinander verwandt waren, so aufgedreht und fröhlich wie das Mädchen war.
„Sooo, ich habe den Tisch gedeckt und ihr müsst dafür abräumen“, legte sie mit einmal fest, als wir fertig waren. „Und ich gönn mir in der Zeit ein schönes Bad in der heißen Quelle.“
Flo schnaubte daraufhin abfällig und trank den letzten Schluck seines Tees aus. Cat deutete das sofort als Angriff und begann gleich mitzuzicken.
„Hier wird nicht rumgepfft! Ich bin schließlich die Hüttenälteste, also darf ich auch bestimmen.“
Dies ließ mich wiederum aufhorche.
„Ehm, wie jung bist du denn, wenn ich das eine Lady fragen darf?“, fragte ich charmant. Mit ein paar Nettigkeiten bekam man immer die Informationen, die man haben wollte.
„Uh, ein richtiger Gentleman, obwohl die Frage doch etwas dreist ist. Aber gut. Ich bin fünfundzwanzig.“ Ich starrte sie mit offenem Mund an, was sie richtig deutete. „Ich seh viel jünger aus, was“, freute sich die Kleine. Flo stand gemütlich auf, ging zu seiner Schwester und wuschelte ihr durchs Haar, als wäre sie ein süßer Hund.
„Für eine Zwergin hast du dich recht gut gehalten“, meinte er trocken und schaffte seine Tasse zum Geschirrspüler.
Das Mädchen grummelte lautstark unverständliche Sachen in ihren nicht vorhandenen Bart und versuchte krampfhaft ihre Haare wieder zu glätten. Dann verließ sie die Küche, nicht ohne ihrem großen Bruder die Zunge rauszustrecken. Also benehmen wie zwei kleine Geschwister taten die Beiden sich allemal. Schmunzelnd räumten wir also wie befohlen den Tisch ab und verzogen uns dann mit einem Buch ins Wohnzimmer. Nach der ganzen Aufregung am Vormittag brauchten wir wohl beide etwas Ruhe.
Allerdings war dieses Mal die Platzverteilung eine andere. Mein Engel sprach mir den Sessel zu und setzte sich selber an dessen Seite zu meinen Füßen, auf ein riesiges, bequem ausschauendes Kissen. Und das natürlich so, dass ich ohne Anstrengung meinen Arm ausstrecken und ihm im Nacken und Hals kraulen konnte, was er schnurrend genoss. Nach einer ganzen Weile gesellte sich Cat zu uns, eingewickelt in einen Trainingsanzug, der ihr etwas zu groß war. Sie steckte erst ganz vorsichtig ihren Kopf ins Wohnzimmer und trat erst nach einem Nicken meinerseits ein. Als sie ihren Bruder so bei mir sitzen sah, breitete sich ein fettes Grinsen auf ihrem Gesicht aus. Zu einem Kommentar ließ sich Cat allerdings nicht hinreißen. Flo dafür umso mehr.
„Geh deine Haar trocknen!“, wies er sie zurecht.
„Hier drin ist es voll warm“, blaffte die Kleine verständnislos zurück. Mein Liebster ließ daraufhin lautstark sein dickes Buch zuknallen und blickte drohen zu ihr auf. Sie zog schmollend ihre Unterlippe hoch, gab dann aber doch nach. „Boar, du bist schlimmer als Mutter!“
Wütend verzog sie sich ins Bad, aus dem man kurz darauf den Föhn rauschen hörte. Zehn Minuten später ließ sie sich auf die Couch fallen und das, obwohl es aus ihrem geflochtenen Zopf noch immer leicht feucht schimmerte. Mein Schatz blieb dieses Mal allerdings ruhig. Es vergingen zwei weitere Stunden, bis Cat aufstand und sich wohlig streckte.
„Also ich hätte übel Lust auf Mittag. Was meint ihr?“
„Wir haben doch vorhin erst gefrühstückt“, meinte Flo ruhig.
„Das war vor drei Stunden. Außerdem hab ich auf was bestimmtes Lust und bis ich da wieder da bin, vergeht noch ne Stunde.“
Fragend sah mein Engel zu mir auf und ich lächelte ihn bestätigend zu.
„Von mir aus“, knurrte er dann.
„Yippi. Ich nehm das Schneemobil“, freute die Kleine sich und rannte schon Richtung Gästezimmer, um sich umzuziehen. Blitzschnell stand Florian auf und wollte ihr schon nacheilen, als sie nochmal ihren Kopf ins Wohnzimmer streckte. „Und jaaaa, ich fahr vorsichtig.“
Kopfschüttelnd setzte sich mein Liebster wieder hin und ich musste mich zusammenreißen, nicht zu lachen. Nach einer Stunde war sie wirklich wieder da und rief uns freudestrahlend in die Küche. Und was ich dann dort auf dem Teller liegen sah, haute mich fast um. Flo setzte sich stirnrunzelnd auf seinen Platz und betrachtete skeptisch sein Mittagessen.
„So Bruderherz. Ich präsentiere dir feierlich deinen ersten Döner.“
Mit einem Heißhunger in den Augen packte die junge Frau ihren aus und biss dann genüsslich hinein. Ich tat es ihr gleich und war überrascht, wie warm und knusprig das Brot noch war. Auch mein Schatz überwand endlich sein Misstrauen und probierte einen Bissen. Er schien kurz zu überlegen, es dann aber für gut zu halten und aß gemütlich weiter, während seine Schwester über beide Ohren zwecks ihres Erfolgs strahlte.
So ähnlich verliefen zwei weitere Tage, in denen das Mädchen uns komplett beschäftigte. Entweder fuhren wir mit den Schneemobilen durch die Gegend, wo ich auf Flos Rücksitz verbannt wurde und sie bei einer Pause prinzipiell eine Schneeballschlacht anzettelte oder wir wurden in immer verschiedenen Kartenspielen verwickelt. Zwar war Cathrina auch ab und an über Stunden allein unterwegs, um angeblich die Gegend zu erkunden für die nächste Trainingsgruppe. Trotzdem kamen Flo und ich uns kein weiteres Mal näher, als zärtliches Gekuschel kurz vor dem Einschlafen.
Es war der dritte Morgen, als Cathrina aufstand und begann, den Frühstückstisch abzuräumen.
„So, dann werd ich wohl langsam Mal meine Tasche zusammenpacken“, sagte sie ruhig.
„Und ich fahr den Wagen vor“, meinte Flo darauf.
Genervt sah die Kleine zu ihrem Bruder hinüber.
„Kannst du nicht wenigstens etwas Traurigkeit heucheln, dass ich schon wieder gehen muss?!“
Er gab ihr lediglich einen liebevollen Kuss auf die Schläfe, worauf sie leicht lächelte. Damit war dieses Thema fürs Erste gegessen. Mein Schatz kümmerte sich also um das Auto, während ich und Cat die Küche aufräumten. Wieder musste ich die junge Frau mustern, die so wenig mit Flo gemein hatte, was bei ihr nicht unbemerkt blieb.
„Was ist? Habe ich noch irgendwelche Krümel am Mund?“
Ich grinste etwas schief und wusste nicht so recht, wie ich anfangen sollte.
„Du bist so anders als Florian“, begann ich stockend. Milde lächelte sie daraufhin.
„Das wird wohl daran liegen, dass wir verschiedene Eltern haben.“
Verwirrt schaute ich sie an. Lässig lehnte sich die junge Frau an den Tisch, welchen sie gerade abgewischt hatte.
„Flo ist einer von drei wahren Kindern von Viktoria. Ich hingegen bin lediglich adoptiert. Im Prinzip habe ich rein gar nichts mit der Familie zu tun. In Wirklichkeit gehöre ich hier überhaupt nicht her.“ Zwar lächelte sie immer noch, aber in ihren Zügen konnte ich trotzdem einen Hauch an Bitterkeit erkennen. Trotz ihrer fröhlichen Miene wirkte sie traurig. Dann sah sie mit einmal erschrocken zur Seite. Mein Liebster stand im Türrahmen zum Flur hin und funkelte Cathrina böse an.
„Flo. Es ist wirklich nicht schlimm, nur die Wahrheit …“, versuchte sie zu erklären, doch ihr Bruder hörte überhaupt nicht zu.
Wütend ging er auf sie zu und stieß dabei einen im Weg stehenden Stuhl beiseite, was Cat durch das laute Poltern zusammenzucken ließ. Grob packte er ihr Handgelenk und zerrte sie bis zur Küchentheke, wo er sich ein scharfes Messer aus dem Messerblock schnappe und kurzerhand ihren Unterarm damit aufschlitzte. Bevor er das Messer achtlos beiseite warf, tat er das Gleiche bei sich selbst.
„Siehst du das?“, zischte er Cathrina an. „Durch unsere Adern fließt das gleiche Blut und nicht nur durch das Schicksal sind wir aneinander gebunden.“ Fest presste er beide blutenden Arme aneinander, ungeachtet der Tränen in ihren Augen. „Du bist und warst die einzige Person aus der Familie, die stets an meiner Seite war, mir vertraute und hinter mir stand. Du akzeptiertest mich von Anbeginn und zwar so, wie ich war, nahmst mich mit einem Lächeln in die Arme und in die Familie auf, obwohl alle anderen Warnungen aussprachen. Und du willst nicht meine Schwester sein, welche die Gabe besitzt, hinter die Fassade der Menschen zu schauen, direkt in ihre Herzen?“
Cat sah ziemlich fertig aus, und als Flo bemerkte, wie sie leicht zitterte, verschwand der Zorn aus seinem Gesicht und seiner Stimme. Liebevoll nahm er sie in seine Arme und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Tut mir Leid“, jammerte die junge Frau und klammerte sich an ihren großen Bruder.
„Schsch … ruhig. Ist ja gut“, beruhigte Flo sie sanft und ich atmete erleichtert auf.
Oh man, da hatte ich echt zwei Hitzköpfe als neue Freunde gewonnen. Kopfschüttelnd ging ich ins Bad und holte etwas Verbandszeug und andere Kleinigkeiten aus dem Medizinschrank.
„Zum Tisch, sofort!“, forderte ich beide barsch auf, als ich die Küche wieder betrat.
„Keine Sorge. Die Schnitte waren nicht tief. Also …“, begann Cat, doch ich unterbrach sie rabiat.
„Ich sagte: SOFORT!“
Streng sah ich die Geschwister an, worauf sie mich mit großen Augen anstarrten. Dann trollten sich beide und setzten sich nebeneinander mir gegenüber an den Tisch und legten ihren jeweiligen Arm darauf. Ich benetzte eine Kompresse mit Desinfektionsmittel und tupfte leicht über Cats Wunde. Diese sog scharf die Luft ein, da es wohl etwas brannte.
„Hab dich nicht so, schließlich gibt sich Chris alle Mühe, dich zu verarzten“, begann Florian gelangweilt zu meckern.
„Wenn du nicht so einen Aufstand gemacht hättest, müsste er sich jetzt nicht die Arbeit machen“, schimpfte die Kleine zurück.
„Würdest du im Kopf etwas klarer denken können, hätte ich nicht so einen Aufstand machen müssen.“
„Das sagt gerade der Richtige. Du hättest es ja auch mal mit normaler Konversation probieren können!“
Oh je, zuerst bekundeten beide die große Familienzusammengehörigkeit und umarmten sich innig und nun zofften sie sich an und würden sich am liebsten die Augen aus dem Gesicht kratzen. Die beiden waren wirklich wie Hund und Katze – halt echte Geschwister. Ich hatte einen leichten Verband um Cats Arm gelegt, worauf sie sich lächelnd bei mir bedankte und ich mich um Flo zu kümmern begann.
„Solche Worte aus deinem Mund, die erstmal auf Leute losgeht, ohne sich vorher einmal mit ihnen zu unterhalten.“
„Was ist los??? Wer ist denn wie ein Berserker auf meinen Schatz losgegangen, als ich mit ihm zusammengekommen war, hä?! Und er kannte nicht eine einzige Technik!“
„Dann ist das also so etwas wie eine Familientradition?“, mischte ich mich ein. Beide sahen mich schulterzuckend an.
„Na ja, man muss schließlich wissen, an wen man seine Geschwister abtritt“, meinte Cat schlicht, worauf Flo nickend zustimmte. Na toll, da waren die sich also wieder einig. Was soll‘s, immer noch besser, als sich ihr Gezeter anzuhören.
„Sag mal Cathrina, wann geht eigentlich dein Flieger?“, fragte ich, als ich mit der Versorgung meines Engels fertig war und alle Utensilien beisammen räumte.
„So gegen dreizehn Uhr. Warum?“
„Dann sollten wir langsam losmachen“, antwortete mein Schatz für mich und deutete auf die Uhr.
„Schon so spät? Okay, ich räum fix mein Zeug zusammen und dann kann‘s losgehen. Wenn ich zu spät komme, wird mein Freund sauer.“ Fröhlich hüpfend verschwand die junge Frau in ihrem Zimmer.
„Hey“, hielt mich Florian auf, als ich ins Bad gehen wollte, um die Sachen zurückzubringen. „Danke.“ Liebevoll lächelte er mich an, worauf mein Herz schneller schlug.
„Kein Problem. Ich habe das eine Zeit lang öfters getan. Es tut gut, anderen Leuten helfen zu können. Aber bitte tu mir einen Gefallen und mach so etwas nie wieder!“
Ernst sah ich ihn an, worauf er mir das Zeug aus den Händen nahm und auf dem Tisch abstellte. Dann umarmte er mich fest und allein diese intensive Nähe ließ mich erweichen.
„Ich will nicht, dass du dir selbst wehtust“, sagte ich leise. Mein Engel streichelte mir über Wange und Kinn und hob meinen Kopf leicht an.
„Ich versuche es, versprochen.“
Seine grünen Augen fixierten die meinen und ich spürte, wie seine Hand auf meinen Rücken immer tiefer rutschte. Ich hielt es einfach nicht länger aus und küsste ihn stürmisch. Spielerisch begann ich seine Zunge für mich einzunehmen und an seiner Lippe zu knabbern, doch Flo hielt mich sanft zurück.
„Chris, langsam. Ich möchte, dass es dir erst wieder hundertprozentig gut geht, bevor wir es erneut versuchen“, begann er sich zu erklären. Verwundert schaute ich zu ihm auf.
„So lange braucht man doch nicht, um sich zu erholen. Ich war schon am nächsten Morgen wieder fit. Aber … Moment mal. Heißt das, du hast dich die letzten Tage nur zurückgehalten, aus Sorge um mich?“
Leichte Röte benetzte Florians Wangen. Ich schüttelte amüsiert meinen Kopf.
„Mein süßer, schwarzer Engel. Und ich hatte schon Angst, du willst mich nicht mehr.“
„Wie kannst du nur so was denken?“
Zärtlich küsste mich mein Liebster immer und immer wieder und zog mich so dicht wie nur möglich an sich heran, wodurch ich kaum mehr Luft bekam. Aber das war mir egal. Ich genoss seine Wärme, seinen Duft, seine Liebkosungen. Ich bekam einfach nicht genug davon. Es war kaum zu beschreiben, wie sehr ich ihn begehrte. Und seine Erregung an meinem Becken zu spüren, gab mir fast den Rest. Ein lautes Hüsteln unterbrach uns allerdings.
„Glückwunsch Bruderherz, dass du keine Jungfrau mehr bist, aber die zwei Stunden hältst du wohl auch noch ohne aus, oder? Ich geh schon mal vor.“ Breit grinsend drehte Cat sich um, Richtung Ausgang. Flos Gesicht war komplett rot angelaufen.
„Bei den Göttern, wie peinlich“, stöhnte er dann auf.
„Nein, wie natürlich“, lächelte ich ihn an und gab ihm einen leichten Kuss. „Spritz dir etwas kaltes Wasser ins Gesicht. Das hilft ein wenig.“
Ich räumte noch schnell das Verbandszeug weg, schnappte mir meine Jacke und ging dann zusammen mit meinem Engel hinaus. Cathrina stand lässig am Jeep angelehnt und grinste einfach breit weiter.
„Schmeiß den Schneeball weg und steig endlich ein“, knurrte Flo, während er die Motorhaube umrundete.
„Ich hab überhaupt nichts in der Hand“, zickte die Kleine und ließ die weiße Kugel „unauffällig“ fallen.
Ich platzierte mich auf dem Beifahrersitz, während Cat bereitwillig hinten einstieg und Florian als Fahrer fungierte. Den Wald hatten wir schnell hinter uns gelassen, und als wir auch das letzte Dorf durchquerten, hielten wir kurz an, um die Schneeketten vom Wagen zu ziehen, damit wir auf die Schnellstraße fahren konnten.
„Oh man, eigentlich hasse ich ja den Winter, aber wunderschön anzusehen ist er trotzdem immer wieder“, seufzte Cat nach einer halben Stunde. Ich lächelte mild.
„Jede Jahreszeit hat etwas besonders an sich. Schon allein wenn man von den Gerüchen ausgeht“, meinte ich verträumt und schaute zu der Kleinen nach hinten. Doch diese saß angespannt da und starrte in den Rückspiegel.
„Flo, ich glaube wir werden verfolgt. Dieser dunkelblaue Van weicht uns nicht von der Stoßstange, seit wir auf der Autobahn sind.“
„Du hast es also auch bemerkt“, sagte Florian gefährlich ruhig. Ich sah nur verwirrt zwischen beiden hin und her. „Wir können keinen direkten Kontakt zulassen. Das wäre für Chris viel zu gefährlich.“
„Der Meinung bin ich allerdings auch. Dann zeig mal, Brüderchen, was ich dir so beigebracht habe.“
Auf dieses Stichwort hin schaltete mein Schatz einen Gang tiefer und drückte das Gaspedal durch. Der Motor heulte lautstark auf und durch die Beschleunigung wurden wir regelrecht in den Sitz gedrückt. Ich krallte mich unwillkürlich an der Tür fest und blickte ängstlich zu meinem Engel hinüber.
„Florian, was ist hier eigentlich los?“
Cat übernahm die Antwort auf meine Frage, da ihr Bruder nur betrübt dreinschaute.
„Es ist so, Chris. Das Haus und der kleine Fuhrpark wurden nicht durch Trainingscamps in kleineren Gruppen finanziert. Maximal bringen wir dort unseren Schützlingen spezielle Techniken bei, die sie bei ihrer späteren Berufsausübung gut gebrauchen können.“
Das war keine Erklärung, sondern glich eher einem Ratespiel, denn ich war nicht ein Stück schlauer. Außerdem machte mir Flos neuer Fahrstil Angst. In einem halsbrecherischen Tempo schossen wir die Straße entlang, drängelten uns in die noch so kleinste Lücke und fuhren einen mörderischen Slalom zwischen langsamen LKWs, Wohnwagen und kleineren Transportern. Doch der Van blieb hartnäckig an uns dran.
Zwar konnte ich durch den Seitenspiegel nicht erkennen, wer hinter diesen dunkelgetönten Scheiben saß, trotzdem hatte ich dieses dumpfe Gefühl, den Fahrer zu kennen. Kalt stieg dieses Empfinden in mir auf und ließ mich frösteln. Passierte das etwa alles wegen mir? Auf die Gefahr hin, dass mich meine neuen Freunde für komplett übergeschnappt halten könnten, schloss ich meine Augen und konzentrierte mich auf diesen dunkelblauen Van. Dann ließ ich meine Gabe fließen.
Wie ein sanfter Lufthauch, tastete ich über die Karosserie und drang bis ins Innere des Wagens vor, welcher immer mehr aufholte und nun fast neben uns fuhr. Ich bekam zwar noch mit, dass Cathrina mir einiges erklärte, allerdings drang kein einziges Wort sinnvoll bis zu mir durch. Meine gesamten Sinne waren auf das andere Auto gerichtet, um herauszufinden, welche Gefahr uns hier wirklich drohte.
Und dann spürte ich es. Wie ein kräftiger Schlag in die Magengegend kam es über mich, drang in meinen Körper ein und schien meine Organe zerreißen zu wollen. Schreiend wand ich mich auf meinem Sitz und versuchte diese Kräfte aus mir zu verbannen, doch wieder einmal fühlte ich mich zu schwach dafür.
Es war nicht das erste Mal, dass ich diese Art von Qualen in mir spürte. Sie waren der Grund, warum ich vor langer Zeit von zu Hause weggelaufen bin, von da an immer auf der Flucht, immer diese Angst im Nacken, sie könnten mich finden und das zu Ende bringen, was damals mein großer Bruder nur knapp verhindern konnte.
„Chris!“
Das laute Rufen meines Engels holte mich aus der Vergangenheit zurück und seine sanfte Berührung auf meiner Wange schob den Schmerzschleier ein wenig beiseite. Sehr sorgenvoll schaute er zu mir und achtete einen Moment nicht auf die Straße. Ich hörte noch, wie Cat „Vorsicht!“ rief, sah, wie orangene Pylonen umherflogen. Wir rasten mitten in eine Baustelle hinein, in der Bauarbeiter die äußere Leitplanke der Brücke reparierten, die wir gerade befuhren. Ein Großteil war davon entfernt worden und wir steuerten direkt darauf zu.
Gequält schloss ich meine Augen. Warum? Warum gerade jetzt? Ich war so lange allein gewesen. Da gab es genügend Möglichkeiten, mich still und leise beiseitezuschaffen, ohne großes Aufsehen. Und jetzt wo ich Freunde an meiner Seite hatte, wollten die sie gleich mit in den Tod schicken? Nein! Das wollte ich auf gar keinen Fall!
Schwungvoll schlitterte der Jeep von der Brücke und ich hatte für einen kurzen Augenblick das Gefühl zu schweben. Dann kam nur noch der Fall. Das Auto drehte sich einmal komplett und ich merkte nur noch, wie Florian nach meiner Hand griff. Wärme durchflutete meinen Körper und wischte jeden auch noch so kleinsten Schmerz hinfort. Es war eine total simple, mit Panik behaftete Geste und doch gab sie mir so viel. Nein! Ich wollte nicht, dass mein Engel für eine Sache büßte, mit der er absolut nichts zutun hatte.
Laut hörte ich mein Blut durch meine Adern rasen, dann begann ich zu handeln. Ich setzte eine Kraft frei, die ich tief in mir vergraben hatte und wünschte, sie nie wieder benutzen zu müssen. Sanft aber mit Nachdruck umschloss ich beide Freunde und mich mit einer schützenden Kugel, ließ diese aus dem Wagen schießen und dann ganz sacht zu Boden gleiten. Als wir unten ankamen, zerplatzten die Kugeln wie Seifenblasen. Das Auto landete ein paar Meter weiter von uns entfernt, was alle erschrocken zusammenzucken ließ. Cat war die Erste, die ihre Stimme wiederfand.
„Ehm, ich habe das dumpfe Gefühl, dass meine Erklärungsversuche von vorhin komplett sinnlos waren.“
Was? Keine ängstlichen Blicke? Keine Fragen, was überhaupt gerade geschehen war?
„Ach Schätzchen, das war bestimmt nicht das Einzige, was ihr an ihm verschwendet habt“, hörte ich eine mir wohl bekannt Stimme.
Mit einem Ruck drehte ich mich um und schaute zu den beiden Personen, die gute zehn Meter von uns entfernt standen. Höhnisch sahen sie auf mich hinab, wie all die Jahre schon. Über meine Schulter hinweg wandte ich mich an meine Freunde.
„Passt jetzt bitte gut auf. Ich werde euch von hier wegbringen. Zwar reichen meine Kräfte maximal bis zum letzten Dorf, aber das sollte weit genug sein.“
„Was redest du da für einen Blödsinn“, blaffte Cat mich an. „Wir lassen dich doch nicht mit diesen Spinnern alleine, oder Flo?“ Sie drehte sich zu ihrem Bruder um, doch dieser hockte auf dem Boden und krümmte sich vor Schmerzen. „Florian!“
Während Cathrina sich um ihn kümmerte, folgte der erste Angriff. Konzentrierte Energiebündel donnerten mit einer Gewalt auf uns ein, bei denen ich Schwierigkeiten hatte, mein läppisches Schutzschild aufrechtzuerhalten. Ich hatte viel zu lange meine Gabe nicht mehr benutzt und war entsprechend ungeübt, was mir nun zum Verhängnis wurde.
„Chris, wer sind die?!“, schrie Cat mich an und wenige Sekunden darauf versagte mein Schild.
Mit geballter Kraft wurde ich getroffen und gute zwei Meter nach hinten geschleudert. Ich fühlte mich wie ausgebrannt, als hätte ich an eine Hochspannungsleitung gefasst. Tiefe Risse zierten meine Haut, aus denen stetig etwas Blut floss und es mir schwer machte, bei Bewusstsein zu bleiben. Doch aufgeben wollte ich noch lange nicht. Die Schmerzen in meinen Gliedern ignorierend, rappelte ich mich wieder auf.
„Christian! Alles okay bei dir?“, rief Cathrina zu mir hinüber. Sie sah wirklich sehr besorgt aus.
„Soweit schon, aber lange halte ich denen nicht mehr stand. Ihr müsst hier sofort verschwinden!“ Selbst das Sprechen war anstrengend und ich spuckte bitteres Blut aus.
„Wir müssen gar nichts! Und jetzt sag uns endlich, wer diese Psychopaten dort sind!“
Traurig blickte ich zu den beiden Personen hinüber, mit denen ich bisher nur Schmerz und Leid verband. Ich sah mit an, wie sie die nächste Attacke vorbereiteten und sammelte innerlich meine letzten Reserven.
„Das sind meine Eltern.“
Ich spürte, wie die Kleine mich mit offenem Mund anstarrte und sich dann meinen Erzeugern zuwandte.
„Leute wie ihr seid das Letzte!“, brüllte sie denen entgegen, ungeachtet des gefährlichen Energiebündels, welches unaufhaltsam auf uns zuschoss. Und anstatt nun endlich Angst zu bekommen, stand die junge Frau schnell auf, machte einen Schritt nach vorn und streckte ihre flache Hand aus. Sofort umgab uns eine dunkelvibrierende, gläserne Halbkugel, weit aus mächtiger als mein Schild. „Wisst ihr eigentlich, was ihr eurem Sohn damit antut?!“, schrie die Kleine weiter.
Ihre Augen hatten sich komplett verfärbt und funkelten nun in einem Schwarz, welches dunkler als jede Nacht schimmerte. An ihrem Hals krochen schmale Streifen bis zu ihrer Stirn hinauf und bildeten ein tribalartiges Tattoo. Außerdem umgab sie nun eine dunkle Aura, welche ich bei der ersten Begegnung mit Florian nur zu deutlich gespürt hatte.
„Wir schicken ihn zu unseren Ahnen, in der Hoffnung, dass er dort Läuterung erfährt“, antwortete meine Mutter, doch meine kleine Freundin schnaubte nur abfällig.
„Pha, wir werden ja gleich sehen, wer hier die Läuterung nötiger hat! … DRAGON!“
Schwarze Blitze schlängelten sich um ihren schmalen Körper und verdichteten sich soweit, bis sie sie laut krachend auf ihre Gegner niederließ. Meine Eltern schützten sich in letzter Sekunde, hatten aber sichtlich zu tun, dieser Attacke standzuhalten. Ich hingegen verstand langsam, bei wem es sich um meine neuen Freunde handelte.
„Ihr seid Drachen“, hauchte ich ungläubig. Cat beendete ihren Angriff und fiel erschöpft auf die Knie. Mild lächelte sie mich an.
„Ich bin nur ein kleiner Abkömmling und besitze nicht bei Weitem die Kraft, wie direkt Geborene. Allerdings haben diese auch mehr Probleme, ihre Macht zu kontrollieren. Bitte, du musst Flo leiten. Auf meine Stimme hört er nicht mehr und den Schutzschild kann ich auch nicht ewig aufrechterhalten. Er muss lernen, die Kraft zu kontrollieren, nicht umgedreht.“
Wieder regneten Energiebündel auf uns hinab und ich sah an den Schweißperlen auf Cats Stirn, dass es immer anstrengender wurde, diesen Einhalt zu gebieten. Immer noch stand ich zögernd da. Beide waren Dragons, die dunkelsten Geschöpfe, die die magischen Welten zu bieten hatten. Noch nie hatte man etwas Gutes von ihnen gehört, obwohl sie, laut den Gerüchten, sich zum besseren gewandelt haben sollen. Also in richtige Drachen konnten sie sich nicht verwandeln, aber man sprach ihnen Kräfte zu, welche über die Mächte der Fabelwesen weit hinausgingen. Natürlich sah die junge Frau meine Zweifel.
„Entweder du glaubst den alten Legenden und Märchen oder du folgst deinem Gefühl, deinem Herzen. Aber bitte entscheide dich langsam!“
Und wieder hatte die Kleine recht. Mein Liebster wand sich unter Schmerzen und ich hatte nichts Besseres zu tun, als alles infrage zustellen. Schnell lief ich zu Florian und kniete mich zu ihm hinab. Sanft streifte ich ihm das verschwitzte Haar beiseite und berührte sacht seinen Oberarm. Auch seine Augen hatten sich komplett schwarz verfärbt und er schickte mir kleine Stromschläge, um mich loszuwerden. Ich allerdings hatte nicht vor, ihn so leicht ziehen zu lassen.
„Mein Engel, komm wieder zu dir!“, versuchte ich vergebens zu ihm durchzudringen. Doch er knurrte mich nur an und verschärfte seine Attacken. Gequält biss ich meine Zähne zusammen und versuchte, die kleineren Verbrennungen zu ignorieren, die mein Liebster mir zufügte.
Dann passierte alles auf einmal. Mit einem lauten Schrei wurde Cat nach hinten geschleudert und im selben Augenblick erstarb das Schild. Meine Eltern verschwendeten keine weitere Zeit und schickten neue Energiebündel direkt auf uns zu. Ich wusste, dass mein Schutzschild wie eine Fensterscheibe aus Zuckerglas zerspringen würde, trotzdem stellte ich mich schützend vor die beiden Menschen, die mir in der kurzen Zeit so ans Herz gewachsen waren. Die Attacke meiner Eltern traf mich nur wenig gebremst und fast hätte es mich erneut von den Füßen gerissen, wenn mein Liebster nicht dazwischen gegangen wäre.
Mit einem Brüllen, was mehr einem wilden Tier glich, stellte er sich vor mich und begann, schwarzzischende Blitze auf meine Erzeuger niederregnen zu lassen. Ich stand einfach nur geschockt hinter ihm, sah, wie die schwarzen Tribals an seinem Hals bis zur Stirn raufkrochen und von innen zu glühen begannen. Wild fegten die Energien um uns herum, zerwühlten unsere Haare, zerrten an unseren Sachen. Die gesamte Atmosphäre vibrierte regelrecht.
Mit einem letzten, tiefen Brüllen holte Florian weit aus und schleuderte einen dermaßen kraftvollen Blitz unseren Gegnern entgegen, dass diese vor Schmerzen laut aufschrien und dann hart zu Boden fielen. Tot waren sie allerdings nicht. Zitternd richteten sie sich etwas auf und suchten die Nähe zueinander. Für einen weiteren Angriff sahen beide viel zu geschwächt aus. Langsam drehte sich mein Liebster zu mir um, noch immer mit diesen tiefschwarzen Augen.
„Florian! Denk daran: Du magst vielleicht die schwärzeste Magie in dir tragen, die es gibt. Aber wie du sie einsetzt, ob zum Guten oder zum Bösen, diese Entscheidung triffst nur du allein!“
Cathrina kam langsam auf uns zu. Ihre Kleidung war zum Teil zerfetzt worden und ihre Haut aufgerissen und angesengt. Auf ihrer Stirn zeichnete sich eine starke Platzwunde ab und ihre Augen sahen aus, als ob sie Blut geweint hätte. Trotzdem stand sie aufrecht, schien fast wie zum Sprung bereit, ihren Bruder wenn nötig zurechtzuweisen.
Doch mein Engel beachtete sie gar nicht, fixierte mich nur weiterhin mit diesen unheimlich glühenden Augen. Zurückzuweichen kam für mich allerdings nicht infrage. Florian hatte mich beschützt. Nun war ich an der Reihe, etwas zu tun. Selbstsicher blieb ich stehen und sah ihn mit festem Blick an. Er sollte spüren, dass ich ihn nicht so leicht aufgeben würde. Gemächlich hob mein Liebster seinen Arm und streichelte mit den Fingerspitzen ganz leicht über meine Stirn und Wange.
„Ich weiß“, flüstere er fast.
Zuerst glaubte ich, dass das Schwarz in seinen Augen abnahm, heller wurde. Aber mit einmal leuchtete es wieder dunkel auf. Flo krümmte sich vor Schmerzen und fiel stöhnend auf die Knie. Er schien sehr stark mit sich zu kämpfen. Selbst als ich mich ihm nähern wollte, schleuderte er mir einen Blitz entgegen, um mich fernzuhalten. Unter seiner zerfetzten Kleidung sah ich die Tattoos, die den Anschein machten, sich vom Rest der Haut ablösen zu wollen.
Wie bei einem Fisch hob und senkten sich die Hautfetzen kiemenartig und ließen die Sicht frei auf helles Fleisch. Mir zerriss es das Herz, ihn so gequält aufbrüllen zu hören und dermaßen leiden zu sehen. Zwar konnte ich mich selbst kaum noch auf den Beinen halten, aber das Adrenalin, was durch meine Adern pulsierte, gab mir die passende Kraft, um nach vorne zu stürzen, direkt in Flos Arme. Dann küsste ich ihn.
Zu Anfang richtete er seine gesamten Attacken auf mich, wodurch sich sein Körper wieder etwas erholte. Wie ein Vampir entzog er mir meine letzten Energiereserven, wandelte diese in schwarze Magie um und ließ sie auf mich niederregnen, anstatt sich damit selbst zu schädigen. Aber mir war das egal. Wenn das der einzige Weg war, dass er sich nicht selbst vernichtete, sollte es mir recht sein. Kurz bevor ich jedoch in erlösende Ohnmacht fiel, begann sich der Energiestrom um mich herum zu verändern.
Die schwarzen Blitze hatten einen leichten Grünschimmer angenommen und anstatt mir meine Kraft zu entziehen, spürte ich neue in mich zurückfließen. Mein Liebster versuchte mich nicht mehr mit aller Macht von sich wegzustoßen, sondern umklammerte mich wie ein Ertrinkender kurz vor dem sicheren Tod. Es war ein berauschendes Gefühl, als wäre ich auf irgendeinem seltsamen Trip. Ich glaubte zu schweben, fühlte diese neue Kraft in mir, die stetig wuchs. Wunden heilten, zerfetzte Kleidung wurde wieder ganz und selbst die Umgebung erfreute sich an neuer Blüte. Alles, was vorher zerstört worden war, erschien nun wieder in neuem Glanz.
Tief holte ich Luft, als mein Liebster endlich wieder meine Lippen freigab. Und als ich aufsah, war nach einem Blinzeln das Schwarz in Flos Augen verschwunden. Nun strahlten diese mich wieder in diesem tiefen Grün an, in welches ich noch immer versinken könnte. Zwar versuchte ich mich wirklich zusammenzureißen, presste fest meine Lippen aufeinander. Aber als mein Engel mir abermals mit diesem sorgenreichen und liebevollen Ausdruck ins Gesicht schaute, rollten trotzdem vereinzelte Tränen meine Wangen hinab.
„Es tut mir so Leid“, sagte ich leise mit zitternder Stimme.
Zärtlich küsste Flo die salzigen Tropfen weg.
„Das sollte es nicht. Schließlich habe ich durch dich wieder zu mir gefunden. Ich muss dir danken, mein Herz.“
Wieder und wieder küsste er meine Wange von den Augen bis hinab zu meinem Mund, wo sich endlich unsere Lippen vereinten. Es war ein unglaubliches Gefühl. Nun, da wir unsere Kräfte voreinander nicht mehr verbergen mussten, schienen diese jetzt miteinander zu tanzen, als hätten sie schon ewig zusammengehört. Ich spürte, wie immer neue Energie in mir wuchs, und ließ diese gleichsam zu meinem Engel zurückfließen.
„Wow“, war das Einzige, was ich dazu raus bekam, als wir uns ein wenig voneinander lösten.
„Ehm, ich will zwar euer neues Glück nicht stören, aber ist das normal, dass deine Ellis so krass leuchten?“, unterbrach uns Cat.
Erschrocken fuhr ich zu meinen Erzeugern herum und sah im selben Augenblick, wie sie ihre letzten Kräfte bündelten und mir entgegenschleuderten. Irgendein Schalter legte sich in meinem Kopf um. Meine Haut begann in einem hellen Grün zu schimmern und ich fühlte jede auch noch so kleinste Energieader, die die Natur mir zu bieten hatte. Nach dieser ungewöhnlichen Vereinigung mit meinem schwarzen Engel schienen meine Sinne sich um einiges verschärft zu haben.
Ich benötigte nur einen kleinen Teil, nahm lediglich das, was die Natur mir freiwillig gab, schließlich wollte ich sie nicht so rücksichtslos ausbeuten, wie das meine Eltern schon immer getan hatten. Dann warf ich ihn mit meiner gesamten Kraft zu meinen Erzeugern. Ihre Attacke brach sofort ab und um sie herum loderte ein hellgrünes Feuer, welches reinigend und vernichtend zugleich war. Wenig später war nichts mehr von ihnen übrig. Zitternd sank ich zu Boden.
„Und wieder hast du uns beschützt, mein Herz“, sagte Flo sanft und legte seine Hand auf meine Schulter.
„Ich habe gerade meine eigenen Eltern umgebracht!“, platze es mit bebender Stimme aus mir heraus.
Ich konnte nicht verstehen, warum mein Liebster noch immer zu mir hielt. Eine Kopfnuss von Cat brachte mich wieder etwas runter.
„Sei nicht albern. Es war Notwehr. Und mal davon abgesehen: Eltern sind dafür da, ihre Kinder zu beschützen und nicht diese umzubringen. Das da waren irgendwelche bösen Geschöpfe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!“
Ich sah zu der Kleinen auf, wie sie mit in den Hüften gestemmten Händen zu mir hinabblickte. Auch ihre Wunden waren verheilt und ihre Kleidung wieder in Ordnung. Sie war wohl wieder bei vollen Kräften. Die Energie meines Engels und mir schien wirklich gut miteinander zu harmonieren.
„So, ich schätze mal, ihr braucht mich hier nicht länger. Mein Brüderchen wird alle Erklärungen bestimmt gerne übernehmen. Viel Glück euch beiden und den Segen der Götter“, verabschiedete sie sich und wollte gerade verschwinden, als ich sie aufhielt.
„Cathrina, warte!“
Fragend drehte sie sich zu mir um.
„Danke. Für alles. Ich weiß, dass meine Familie nicht gerade einfach ist.“
Die junge Frau lachte daraufhin laut auf.
„Deine Familie soll nicht einfach sein? Dann wart‘s mal ab, wenn du den Rest von uns kennenlernst und du erfährst, welchen Job wir eigentlich nachgehen. Macht‘s gut ihr beiden und meldet euch mal, ja!“
Und schwubs löste sie sich in einem dunklen Nebel auf, der von einem Windstoß getragen noch einmal um uns herum fegte und dann davonrauschte. Florian erhob sich und streckte seine Hand nach mir aus.
„Lass uns auch nach Hause gehen“, sagte er sanft und nur zu gern ließ ich mich auf die Füße zu ihm hinziehen. Liebevoll schloss er seine Arme um mich und drückte mich dicht an seinen Körper. „Vertrau mir und lass dich einfach fallen“, flüsterte mir mein Engel ins Ohr und ich hatte keine Mühe, der Aufforderung nachzukommen.
Es fühlte sich seltsam an, so formlos durch die Gegend zu schweben, aber ich hatte absolut keine Bedenken. Ich spürte deutlich die Nähe meines Liebsten und das war alles, was ich benötigte. Wie ein starker Lufthauch wehten wir in das Haus und standen mit einmal mitten im Flur vor der Sitzgruppe.
Es war eine recht seltsame Situation. Wir sahen uns einfach nur an, spürten aber nun die Empfindungen des Anderen. Als wir uns küssten, war eine besondere Verbindung zwischen uns entstanden, was nicht nur mich zu überwältigen schien. Wir brauchten nicht laut zu sagen, was uns auf dem Herzen lag, wir fühlten es einfach.
Trotzdem gab es noch so viele Fragen, die unbedingt beantwortet werden wollten. Vorerst zogen wir uns ins Wohnzimmer zurück, machten es uns auf der Couch bequem und ich begann zu berichten, wie es dazu kam, dass ich von zu Hause weglief. Es war alles andere als einfach, meine Geschichte zu erzählen. Aber Florian ließ mir genügend Zeit mich zu sammeln, wenn ich einmal stockte, oder nahm mich einfach in seine Arme. Es war unglaublich, wie viel Kraft mir allein seine Nähe gab. Dabei wollte ich doch für ihn stark sein, gerade nachdem ich seinen bisherigen Lebensweg erfuhr.
Am Ende stand fest, dass es keiner von uns bisher recht leicht hatte, aber dass wir auch kein Mitleid von irgendjemand brauchten. Er hatte gelernt, seine dunkle Magie zu verwenden, ohne das die Luft gleich nach Blut riechen musste, wie es eigentlich sonst bei Drachen so üblich war. Und ich hatte endlich mehr Selbstbewusstsein, akzeptierte mich, so wie ich nun einmal war, egal was andere davon hielten.
„Da dachte ich gerade noch, wieder neu zu mir gefunden zu haben und schon bin ich erneut verloren.“ Schwer atmete mein schwarzer Engel aus und kraulte über meinen Nacken.
Wir lagen zusammengekuschelt komplett auf dem Sofa, Flo auf dem Rücken und ich halb auf ihm drauf. Ich richtete mich etwas auf, um ihn direkt anschauen zu können. Ich leugnete es nicht, dass ich ihn nun mit anderen Augen sah, nachdem was alles passiert war und ich erfahren hatte. Aber es schmälerten nicht im Geringsten meine Gefühle für ihn. Leicht hauchte ich meinem Liebsten einen Kuss auf die Lippen und sprach endlich das aus, was mir die ganze Zeit schon auf dem Herzen lag.
„Ich liebe dich.“
Florian machte recht große Augen und seine Wangen begannen rötlich zu schimmern. Ich lächelte ihn nur verführerisch an und küsste ihn erneut. Aus diesem süßen Zungenspiel entwickelte sich rasend schnell ein wildes Gefecht, in dem wir uns gierig aneinander festsaugten. Mit einem Ruck stand mein Liebster auf, nahm mich auf seine Arme und trug mich ins Schlafzimmer bis auf sein Bett. Liebevoll legte er mich darauf ab und setzte sich auf die Kante. Ich spürte, dass er wieder die Initiative ergreifen wollte, doch dieses Mal hatte ich etwas anderes mit ihm vor.
Zärtlich aber doch mit Nachdruck zog ich Flo auf das Bett und setzte mich kurzerhand auf ihn drauf. Mit dieser Situation war er sichtlich überfordert, weswegen ich mich etwas zu ihm hinab beugte und an seinem Ohr knabberte.
„Vertrau mir und lass dich einfach fallen.“
„Christian, ich … ich weiß nicht wie ich in so einer Situation reagiere“, stammelte er heiser. Unter meinen Fingern konnte ich sein Herz spüren, wie es heftig gegen seine Brust schlug, was mir ein bittersüßes Grinsen auf die Lippen zauberte.
„Lass es uns herausfinden, mein süßer, schwarzer Engel.“
Flo war total perplex und ich nutzte die Gelegenheit, sein Shirt hochzuziehen und seinen flachen, festen Bauch mit warmen Küssen zu benetzen. Ich wanderte immer weiter hinauf, zog ihm dieses nervige Stück Stoff über den Kopf und widmete mich kurz seinen kleinen Brustwarzen, welche sich erwartungsvoll aufgerichtet hatten. Als ich begann an ihnen zu knabbern, krallte mein Liebster seine Hände fast schon schmerzhaft in meine Oberarme.
Wenn er auf diese Kleinigkeit schon so heftig reagierte, war ich auf seine anderen Reaktionen noch viel mehr gespannt. Während ich mich abwechselnd an seinem Hals festsaugte, an den Ohrläppchen leckte und mit seiner Zunge spielte, öffnete ich geschickt seine Hose und zog diese samt Shorts unter etlichen Küssen aus. Meine Kleidung folgte nur wenig später. Zwar versuchte Flo immer wieder die Initiative zu ergreifen, aber vorerst hielt ich ihn davon ab. Ich hatte es mir einfach in den Kopf gesetzt, mich für das letzte Mal zu revanchieren.
Zärtlich glitt meine Zunge über seinen Körper, über seine Brust, Becken, Bauchnabel bis hinab zu seinen Lenden. Ich benetzte meine Finger mit etwas Speichel und streichelte dann über seine Kuppe. Scharf sog mein Liebster die Luft ein und stützte sich auf seine Unterarme ab, sodass er etwas aufrecht lag. Mit einem apathischen Glanz in den Augen sah er auf mich hinab und ich schenkte ihm ein diabolisches Lächeln. Sollte er mir nur zuschauen. In wenigen Augenblicken würde er sich eh unter mir winden und nicht mehr wissen, wo oben und unten ist.
Und so war es auch. Je länger ich ihn verwöhnte, je intensiver ich meine Zunge um seine Körpermitte kreisen ließ, desto lustvoller stöhnte er auf. Längst lag er wieder flach auf dem Rücken und zerriss fast das Kissen unter seinem Kopf. Sein kompletter Körper glühte heiß unter meinen kundigen Händen auf und ich bemerkte, wie sich schwarze Tribals auf seiner Haut auszubreiten begannen, als ich ihn mit etwas Öl sanft auf mein Eindringen vorbereitete.
Ich war mir vollkommen bewusst, dass das nicht ganz ungefährlich war. Er hatte es zwar geschafft, sich letztendlich im Kampf zu beherrschen, seine dunkle Magie zu kontrollieren, aber das hier war eine komplett andere Situation. Hier sollte er sich ganz und gar gehen lassen und sich in keinster Weise zusammenreißen müssen. Und ich setzte alles daran, dies auch zu erreichen. Zärtlich neckte ich ihn mit meiner Zunge, ganz leicht nur. Und im nächsten Moment verwöhnte ich ihn mit meinen Lippen, erhöhte den Druck und half mit meinen Fingern etwas nach. Dann, wenn er glaubte, es kaum mehr aushalten zu können, ließ ich wieder von ihm ab und überhäufte ihn lediglich mit süßen Küssen.
Es war so berauschend, wie dieser athletische Körper vor Erregung zuckte, wie seine Haut im diffusen Licht von Schweiß bedeckt glänzte. Allein ihn so zu sehen, machte mich halb verrückt. Und heiß. Er war noch so unbedarft, fast schon naiv und reagierte recht extrem auf jede auch noch so kleinste Berührung. Mit einmal schien es meinem Liebsten zu viel zu werden. Ruckartig richtete er sich auf und packte mich an den Schultern.
„Quäle mich nicht länger, mein Herz.“
Seine Stimme zitterte und war komplett heiser. Warmer Atem strich über meine Wange und er legte erschöpft und leicht zitternd seinen Kopf in meine Halsbeuge und küsste mich dort. Er war fast zu schwach, um zu betteln. Mein Herz klopfte wie wild vor Aufregung. In meinem Kopf herrschte gähnende Leere. Meine gesamten Sinne waren nur auf ihn gerichtet und ich konnte es nicht erwarten, meinen Engel endlich komplett für mich einzunehmen.
Liebevoll drehte ich ihn um, glitt weiterhin mit den Fingerspitzen und Händen über seine süßen Brustwarzen und den steil nach oben gerichteten Schaft. So zärtlich wie nur möglich drang ich in ihn ein, schließlich sollte er selbst beim ersten Mal Freude dabei empfinden. Trotz meiner Bemühungen spürte ich, dass es ihm schmerzte und seine schwarzen Tattoos begannen dunkel aufzuleuchten.
Die Atmosphäre begann sich noch mehr aufzuladen und ab und an huschten kleine Blitze über die Wand. Ich öffnete meinen Geist und ließ meinem Wesen freien Lauf. Auch meine Gabe begann unweigerlich zu fließen und ließ meine Haut im hellen Grün schimmern. Mein Unterbewusstsein schien sich zur gleichen Zeit schützen und hingeben zu wollen. Florian knurrte mich warnend an, seine Augen wieder zu einem tiefdunklen Schwarz verfärbt.
Doch richtig bekämpfte er mich nicht. Im Gegenteil. Immer dichter schob er sein Becken mir entgegen, bis ich komplett in ihm versank. Laut keuchte ich auf und klammerte mich an seinem Körper fest. Es war als wolle mein Liebster mich meiner letzten Kräfte berauben, mich aussaugen wie ein Vampir. Gleichermaßen jedoch schenkte er mir neue Energie, als wolle er mir für den bevorstehenden Akt Reserven schaffen.
Tief krallte er seine Finger in meine Schenkel und riss die Haut weit auf. Mich heizte das allerdings noch weiter an. Kraftvoll begann ich mich zu bewegen, fühlte, wie ich Stoß um Stoß meinem Höhepunkt entgegentaumelte. Dieser fiebrig heiße Körper unter mir, der wollüstig hin und her zuckte, sich meinen kleinen Quälereien freiwillig ergab, brachte mich komplett um den Verstand.
Wild zischten schwarze Blitze um uns herum, die nun einen leichten Grünstich angenommen hatten. Einige gläserne Abdeckungen der Lampen hielten der Belastung nicht stand und zerstoben in tausend kleine Stücke. Uns beiden war das total egal. Nicht mal das heftige Flackern des Lichtes störte uns. Und dann, mit einem Mal, stürzte eine Welle über mich ein, die mich fast wegzureißen drohte. Mein gesamter Körper wurde von einem Prickeln erfasst und dem absolut geilsten Gefühl, was sich kaum beschreiben ließ. Animalisch brüllte Flo drachengleich auf und sein gesamter Körper begann intensiv zu leuchten, genau wie der meine. Dann brachen wir beide zitternd zusammen.
Später, als ich mich wieder etwas gefangen hatte, beseitigte ich unsere lüsternen Spuren und breitete liebevoll die Decke über uns aus. Kaum lag ich wieder im Bett, zog mich mein Liebster dicht zu sich heran und nahm mich schützend in seine Arme. Es tat so gut, so nah bei ihm zu sein und sein Herz zu hören, was sich bisher noch nicht ganz beruhigt hatte. Sacht küsste er meine Lippen.
„Ich liebe dich“, flüsterte er dann, was mich mit unendlicher Wärme erfüllte.
Sanft kraulte er meinen Nacken und ich streichelte zärtlich über seine feste Brust. Die letzten Tage waren die heftigsten, emotionalsten und ereignisreichsten, die ich je erlebt hatte. Ich hatte etwas verloren, dafür umso mehr neu dazu gewonnen. Und egal was die Zukunft auch bringen mochte, ich war endlich wieder guter Dinge. Vor allem, weil ich nun diesen zahmen Drachen an meiner Seite wusste und er nicht so schnell von dieser wieder weichen würde. Mein schwarzer, süßer Engel im Mondlicht.
*-*-*
Sprachlos klappte Tomas das Buch zu und sah die anderen Jungs an, die genauso ergriffen schienen, wie er selbst. Er und Reyhan saßen auf den Matratzen am Boden, während Alexander und Keyl beim Ausknobeln das Bett gewonnen hatten.
„Was meint ihr, ob das wirklich Christians Tagebuch ist?“, fragte Tomas laut.
„Keine Ahnung, aber das würde so einiges erklären. Mal ehrlich, Florian ist echt unheimlich. Sag mal Alex, Keyl ist doch sein Cousin, frag ihn einfach!“, meinte Rey auffordernd.
Dieser sah allerdings alles andere als begeistert aus. Skeptisch blinzelte er zu seinem Freund hinüber. Dann gab er sich doch einen Ruck und streichelte ihn sanft über die Schulter.
„Schatz? Hey? Bist du noch munter?“
„Bei eurem lauten Gequatsche kann man doch eh nicht schlafen“, antwortete er grummelnd.
Tomas war viel zu ungeduldig, beugte sich vom Fußende her über das Bett und zog dem Anderen kurzerhand die Decke weg.
„Hey! Was soll der Scheiß?!“
„Sag schon Keyl, seid ihr alle dunkle Magier?“
„Wenn, dann hätte ich euch längst zum Schweigen gebracht. Man! Es ist drei Uhr in der Früh und morgen beginnt der erste Tag des Trainingscamps. Ihr solltet euch besser ausruhen!“
„Ja, ja.“ Grinsend gab Tomas die Decke wieder zurück.
„Sag mal, wo hast du das Buch überhaupt her?“, fragte Alex dann.
„Es stand zwischen den alten Wälzern im Wohnzimmer. Der Einband sah noch nicht ganz so mitgenommen aus, weswegen er mir auffiel.“
„Gnaaaa … seid endlich ruhig!“, maulte Keyl mit einmal und warf das Kissen nach Tomas.
Allerdings hatte er zu viel Schwung drauf und schleuderte es direkt gegen die Tür. Dort stand nun aber jemand. Mit weit aufgerissenen Augen starrten die Jungs Florian an, der mit einer gelangweilten Geste das Kissen vor seinem Gesicht aufhielt und dann locker zurückwarf.
„Ihr solltet auf ihn hören“, meinte er schlicht und verlangte dann das Buch.
Keiner der Jungs traute sich zu widersprechen, hatten viel zu viel Respekt vor diesem großen, dunklen Mentor, der bisher immer alles besser wusste. Als der junge Prinz das Gewollte in den Händen hielt, schaltete er von vorne alle Lichter aus und verließ mit einem „Schlaft jetzt!“ ruhig das Zimmer.
Zu Keyls Befriedigung taten alle wie ihnen geheißen, kuschelten sich unter den Decken an ihren jeweiligen Partner und kamen endlich langsam zur Ruhe, auch wenn ihre Gedanken noch länger an diesem seltsamen Buch mit dieser mysteriösen Geschichte hingen. Währenddessen ging Florian in sein Schlafzimmer und setzte sich auf das Bett, wo sich Chris wohlig reckte.
„Schlafen die Jungs immer noch nicht?“, fragte er müde.
„Das hier scheint sie etwas durcheinandergebracht zu haben“, meinte Flo und reichte seinem Liebsten das älter ausschauende Werk. Neugierig richtete sich Christian etwas auf.
„Oh, mein altes Buch. Wo haben die denn das gefunden?“, leicht schmunzelnd nahm er es entgegen und streichelte liebevoll über den Einband.
„Was steht darin geschrieben?“, fragte Florian neugierig geworden über die Reaktion seines Partners.
„Nur ein paar Gedanken, mehr nicht.“
Behutsam legte er das Buch beiseite und zog dann seinen Schatz zu sich heran, um sich an ihn gemütlich rankuscheln zu können. Dieser gab sich vorerst damit zufrieden und genoss die angenehme Wärme des Anderen.
„Schlaf gut, mein Herz“, seufzte Flo wohlig.
„Du auch, mein süßer, schwarzer Engel“, antwortete Chris liebevoll und beide drifteten wenig später ab, in das sanfte Land der Träume.

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Information Memories
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 01:56 PM - No Replies

Mit Blaulicht und Sirenen fuhr ein Krankenwagen die Straßen entlang zum Krankenhaus. Innerhalb weniger Minuten erreichte der Krankenwagen das Krankenhaus.
Natürlich wurde der Krankenwagen schon von ein paar Ärzten und Schwestern erwartet. Die Sanitäter öffneten die Hintertür des Wagens und zogen, eine junge Frau aus dem Wagen heraus, die auf einer fahrbaren Trage lag.
Anschließend stieg auch ein Mann, mit sorgenvollem Gesicht, aus. Die Frau hatte schreckliche Schmerzen, denn sie stöhnte immer wieder schmerzvoll auf.
Die Frau wurde von dem Krankenhauspersonal in Empfang genommen und sofort in den OP geschoben, während der Ehemann nach den Personalien gefragt wurde.
„Ähm …ja der Name meiner Frau ist, …ist …hach …können wir das nicht nachher machen …ich muss doch zu meiner Frau …bitte…”, bat der Mann aufgeregt und irgendwie verzweifelt, während sein Kopf vor Schweiß glänzte.
„Bitte, sie können jetzt nichts für ihre Frau tun und wir müssen jetzt ihre Personalien haben. Bitte seien sie doch vernünftig.”, sprach die Empfangsschwester ruhig auf diesen Mann ein.
Der Mann nickte und sprach dann: „Der Name meiner Frau ist, Fabienne Lymand und mein Name ist Randir Lymand.”, gab er dann, mehr oder weniger bereitwillig, Auskunft.
Anschließend bat ihn die Schwester im Warteraum Platz zu nehmen. Schweißgebadet und aufgeregt tat er wie ihm geheißen und wartete …und wartete und wartete…
Sekunden wurden zu Minuten, Minuten zu Stunden und diese wurden beinahe zu einer… Ewigkeit.
Im OP bemühten sich derweil sämtliche Ärzte und Schwestern, das Leben von Fabienne und dem, noch ungeborenen, Kind zu retten.
Leider konnte nur das Leben von Fabienne gerettet werden …das Kind war …tot…
Das Kind starb, als man es, per Kaiserschnitt, auf die Welt zu holen versucht hatte.
Da man Fabienne unter Vollnarkose gesetzt hatte, bekam sie natürlich nichts mit. Sie erfuhr erst später vom Tod ihres Kindes und war daran zusammengebrochen. Der Tod ihres Kindes, auf das sie sich so sehr gefreut und auf das sie solange gewartet hatte, war für sie sehr schlimm gewesen. So musste sie, nach der Beerdigung ihres Kindes, die sie nur schwer verkraftete, für eine Zeitlang, in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden.
*-*-*
Das alles war jetzt etwa ein Jahr her. Der Alltag war weitgehend wieder hergestellt, doch kam Fabienne, verständlicher Weise, nie ganz über den Tod ihres Kindes – ihrem kleinen Sohn Toby, dem sie trotzdem einen Namen gegeben hatte, hinweg.
Zu allem Übel konnte Fabienne keine weiteren Kinder mehr bekommen, was ihre Trauer noch mehr verstärkte. Ständig besuchte sie Tobys kleines Grab und sprach zu ihm. Tag für Tag war sie hier bei ihm und Randir, der sich voll in die Arbeit gestürzt hatte, ging nur am Wochenende mit.
Das alles hatte auch ihn sehr schwer getroffen, doch er versuchte alles, um den Tod seines Sohnes zu verdrängen, was ihm natürlich nur sehr schwer gelang…
Wieder einmal, war Fabienne auf dem Friedhof und sprach zu Toby. Der Tag war wunderschön, die Sonne schien vom Himmel herab und es war, als hätte Toby selbst die Sonne an den Himmel gemalt, dennoch war es bitterkalt, denn es war Winter und es lag Schnee.
Als nun Fabienne, wie immer, zu dem Grab, von Toby, sprach …hörte sie plötzlich ein leises Wimmern …bildete sie sich das nur ein? Hatte sie jetzt schon Halluzinationen? Doch als sie weiter sprach hörte sie das Wimmern abermals. Nun wurde es ihr doch zu unheimlich und sie machte sich auf die Suche woher das Wimmern kommen konnte.
Dass das Wimmern nicht von dem Grab her kommen konnte, war ihr auch klar.
Nur wenige Meter vom Grab ihres Sohnes entfernt, fand sie eine kleine Tragetasche. Sie bückte sich und sah hinein. Was sie sah erschütterte sie zutiefst. Ein kleines Baby, das sicher erst wenige Tage alt war, befand sich darin, weinte und wimmerte herzzerreißend. Es war schon fast blau gefroren.
Welcher Unmensch …welche Frau, oder wer auch immer, brachte es übers Herz ein so kleines Baby hier …auf einem Friedhof …in dieser Eiseskälte, auszusetzen???, fragte sich Fabienne und schüttelte den Kopf.
Fabienne nahm das Baby an sich. Sie öffnete ihren Mantel, hielt das Kind an ihren Körper und schloss den Mantel wieder vorsichtig. Das Kind schmiegte sich sogleich an Fabienne an und war augenblicklich still. Die Tragetasche nahm sie ebenfalls mit sich und ging auf dem schnellsten Wege zu ihrem Auto.
Sie setzte sich vorerst auf den Rücksitz und sah sich das kleine Würmchen erst mal an. Es ist so süß, dachte sie. Sie war, vom ersten Augenblick an, sehr angetan von dem Baby. Während sie das Baby wärmte, sah sie noch einmal in die Tragetasche und fand einen Zettel darin und las was drauf geschrieben stand.
*-*-*
Hallo, der / die du das Baby gefunden hast, kümmere dich bitte gut um ihn.
Es ist ein kleiner Junge und ich gab ihm den Namen Sephiroth.
Er ist erst drei Tage alt, doch ich kann ihn nicht behalten… So leid es mir tut.
Meine Eltern haben mich geschlagen. Sie haben mich verprügelt, weil ich ein Kind zur Welt gebracht habe. Sie haben es nicht verstanden.
Ich bitte dich, kümmere dich um Sephiroth und gib ihm bitte ein gutes und schönes Zuhause.
Ich danke dir und wünsche dir alles Gute und viel Glück mit dem Kleinen.
Liebe Grüße,
die unbekannte Mutter.
*-*-*
Fabienne ließ den Kleinen nicht mehr los und steckte den Zettel in ihre Manteltasche. Mit dem Kleinen unter ihrem Mantel setzte sie sich ans Lenkrad und fuhr, auf dem schnellsten Wege, nach Hause…
*-*-*
Aus sicherer Entfernung hatte die unbekannte Mutter alles mit angesehen. Und sie freute sich für ihren kleinen Jungen, denn sie wusste, dass er bei dieser Frau, die doch täglich auf diesen Friedhof kam und dieses Kindergrab besuchte, ein gutes Zuhause und eine glückliche Kindheit haben würde…
*-*-*
Schon bald war Fabienne zu Hause angekommen, parkte den Wagen und lief, nachdem sie auch die Tragetasche aus dem Auto entfernt hatte, ins Haus hinein.
Drinnen angekommen, lief sie ins Wohnzimmer und fand dort, zu ihrer Überraschung, ihren Mann Randir vor.
„Randy, mein Schatz.”, begrüßte sie ihn und strahlte: „Schau, was ich gefunden hab.”, begann sie, knöpfte ihren Mantel auf und zeigte ihrem Liebsten freudestrahlend das Baby, das sie unter ihrem Mantel hielt.
Sie erzählte ihm die Geschichte, wie sie den Kleinen gefunden hatte, dann bat sie Randir vollkommen euphorisch:
„Liebster, könntest du bitte Babynahrung und alles was wir noch so brauchen kaufen gehen?”
Sie schrieb ihm eine Liste, all dessen, was sie für Sephiroth brauchte.
„Halt! Stopp! Nein, so geht das doch nicht. Liebes, du kannst den Kleinen nicht einfach so behalten. Wir müssen das Jugendamt verständigen und das Kind muss von einem Arzt untersucht werden.”, erklärte Randir seiner Frau, in seiner sehr sachlichen Art und Weise.
Erschrocken sah Fabienne ihren Mann an und mit Tränen in den Augen schüttelte sie den Kopf.
„NEIN, ich werde Sephiroth nicht mehr hergeben. Das kannst du vergessen. Ich werde dieses kleine Würmchen behalten und ihm ein wunderschönes Zuhause geben. Und wenn du die benötigten Sachen nicht kaufen gehst, dann werde ich es tun.”, erwiderte sie und hielt das Baby beschützend vor sich.
„Schon gut, schon gut …behalte ihn meinetwegen.”, willigte Randir schließlich ein.
Er sah sich den Kleinen genauer an. Lächelnd nickte er und sprach:
„Ich kann dich verstehen, er ist wirklich niedlich. Wir behalten ihn und ziehen ihn, wie unseren Sohn, auf.”
Er konnte seiner Frau doch nicht weh tun, indem er ihr das Kind weg nahm. Sie schien plötzlich so völlig anders …voller Lebensfreude und er war sich sicher, dass sie dem Kleinen eine wunderbare Mutter sein würde.
Freudestrahlend küsste Fabienne ihren Liebsten, dann nahm er den Zettel von seiner Frau entgegen, verließ das Haus und fuhr einkaufen.
Derweil kümmerte sich Fabienne um den Kleinen. Sie stieg, mit dem Baby …“ihrem Baby“… die Stufen nach oben und ging zuerst ins Kinderzimmer, dass sich, seit damals, nicht verändert hatte, und zog das Baby aus.
Nachdem sie ihn in ein weiches Badetuch eingewickelt hatte, nahm sie ihn wieder an sich und betrat mit ihm das Bad. In eine kleine Kinderbadewanne, ließ sie angenehm warmes Wasser ein, dann badete sie den Kleinen.
Anschließend brachte sie den Kleinen ins Kinderzimmer, wo sie ihn ankleidete und liebevoll mit ihm sprach.
„Na, mein Kleiner …du bist so niedlich. Wer hat es nur fertig gebracht dich auszusetzen. Aber, ich verspreche dir, mein Kleiner, dass ich dich von nun an immer beschützen werde, egal vor wem und du wirst hier ein gutes Zuhause haben. Ich hab dich so lieb, mein kleiner Prinz.” und ihn dabei beinahe anhimmelte.
Irgendwann kam dann auch Randir wieder nach Hause und brachte alles Gewünschte mit.
Mit Sephiroth in ihren Armen, ging sie ihrem Liebsten entgegen.
„Schau doch mal, Schatz …ist er nicht allerliebst?!”, freute sich Fabienne, mit strahlenden Augen und legte Sephiroth in Randirs Arme.
Fast sah es so aus, als würde das Baby seinen „Vater” Randir leicht anlächeln, was natürlich nicht der Fall war, doch es sah ebenso aus. Natürlich war Randir ebenfalls von dem Kleinen sehr angetan.
*-*-*
Beide behielten den kleinen Sephiroth und adoptierten ihn, nur wenig später, offiziell. Vom ersten Augenblick an wurde der Kleine wie ein Prinz von den Beiden behandelt. Es gab nichts was sie ihm verwehrten. Kein Wunsch blieb unerfüllt. Dabei war es egal, ob es sich nur um eine Gute-Nacht-Geschichte handelte, Spaziergänge, Reisen, oder materielle Dinge …ganz oben stand jedoch die liebevolle Zuwendung die Fabienne und Randir Sephiroth angedeihen ließen. Kurzum, Sephiroth fehlte es an nichts…
Natürlich vergaßen Fabienne und Randir nie ihr erstes Kind… Toby. Doch nun gingen sie nur noch einmal in der Woche, und schon bald noch etwas seltener, zum Grab von Toby.
Selbstverständlich nahm Fabienne Sephiroth immer mit sich. Niemals ließ Fabienne ihren kleinen Sohn allein. Auf das Grab von Toby stellte Fabienne jedes Mal ein paar frische Blumen hin und sprach ein paar Worte zu dem Grab…
*-*-*
Die Jahre vergingen viel zu schnell und schon bald hatte Sephiroth das Alter von sechzehn Jahren erreicht.
Sephiroth war von seinen Eltern sehr verwöhnt worden und das ließ er seine Umwelt schon gern ein wenig spüren. Er war etwas Besseres. Allerdings ließ er dies seine Eltern niemals spüren. Er verehrte und liebte seine Eltern sehr. Obwohl er wusste, dass er „nur“ adoptiert war. Beide hatten es ihm irgendwann gesagt, dass sie ihn adoptiert hatten und ihm auch die Geschichte erzählt, wie Fabienne ihn auf dem Friedhof gefunden hatte.
Fabienne und Randir waren für ihn die einzigen Eltern, die er je hatte und haben würde. Das stand für Sephiroth fest.
Seine leibliche Mutter konnte Sephiroth niemals kennen lernen, denn sie hatte sich irgendwann das Leben genommen.
Immer wieder hatte sie Fabienne gesehen, wenn sie mit Sephiroth auf den Friedhof ging. Es freute sie zu sehen, dass es ihrem kleinen Sohn gut ging. Die unbekannte Mutter bekam auch noch mit wie Sephiroth laufen lernte. Und sie sah, wie niedlich und hübsch ihr kleiner Sohn war. Sie ertrug es jedoch nicht mehr länger …es tat ihr zu weh, dass sie sich nicht selbst um den Kleinen kümmern konnte und setzte ihrem Leben irgendwann ein Ende…
*-*-*
Sephiroth hatte die modernsten, teuersten und besten Sachen überhaupt. In der Schule gehörten nur ausgewählte Mitschüler zu seinen Freunden. Selbstverständlich war er der Anführer der Clique, die ER gegründet hatte.
Seine schulischen Leistungen waren exzellent, so dass er ab und an Nachhilfe gab …allerdings nur dann wenn es IHM gerade passte.
Es war mal wieder ein ganz normaler Schultag …Gedränge auf den Fluren und Chaos in den Klassenzimmern. Sephiroth unterhielt sich noch etwas mit seinen Leuten aus der Clique, als ihn plötzlich ein Schüler der zwölften Klasse, anrempelte.
„Entschuldigung.”, sprach der Schüler gehetzt und lief weiter, das heißt …er wollte weiterlaufen…
„MOMENT MAL!”, rief Sephiroth diesem Schüler nach.
Er schnappte sich diesen Mistkerl, wie er ihn nannte, blitzschnell und hielt ihn am Arm fest.
„Pass mal auf du kleine miese Ratte. Du kannst mich hier nicht anrempeln und dich NUR entschuldigen. Was glaubst du eigentlich wer du bist und wen du vor dir hast?”, giftete Sephiroth den Kerl, vor sich, an.
Der jedoch grinste nur und ließ sich von dem Anderen nicht einschüchtern.
„Ooch… das tut mir aber leid, Kleiner. Hab ich dir etwa weh getan?! Du bist doch der kleine verwöhnte Streber. Von dir hört man ja so einiges, in der ganzen Schule. Du bist Sephiroth, nicht wahr. Dich erkennt man doch sofort an deinen langen silbernen Haaren. Geh nach Hause zu deiner Mami und lass dir mal eine ordentliche Frisur verpassen, kleiner Sephiroth, der du noch nicht einmal ein Mann bist.”, lachte der andere ihn aus, befreite sich aus dem Griff des Silberhaarigen und ging weiter seines Weges.
Sephiroth war wütend und schwor Rache und seine Jungs stimmten ihm selbstverständlich zu. Sie hielten allesamt zu ihm und während der nächsten Pausen planten sie das weitere Vorgehen.
In einer der großen Pausen saßen die Vier mal wieder auf ihrem Platz, an einem Baum, auf dem Schulhof.
„Hey Seph, wie wäre es, wenn wir Damien, so heißt der Kerl, der dich angerempelt hat, nach der Schule auflauern und ihm ordentlich eins auf die Fresse hauen.”, schlug Zack vor.
Doch Sephiroth war mit seinen Gedanken ganz woanders. Er wollte es diesen Kerl allein heimzahlen. Er wollte ihn …erledigen …für immer …vernichten …eliminieren. Obgleich es nur ein Versehen war, ging es für Sephiroth um die Ehre …dieser Kerl …hatte seine Ehre verletzt …ihn gekränkt und beleidigt.
Das konnte Sephiroth auf gar keinen Fall auf sich sitzen lassen.
„Seph?”, fragte Zack und stupste seinen Kumpel leicht an.
„Äh …ja …was ist denn?”, fragte Sephiroth, aus seinen Gedanken gerissen.
„Hast du mir eben zugehört?”, fragte Zack leicht grinsend.
„Nein, entschuldige, bitte.”, erwiderte Sephiroth: „Was sagtest du denn?”
Zack erzählte ihm alles noch einmal, doch Sephiroth winkte nur ab.
„Nein, ich werde mir Damien allein vornehmen und ich werde ihn …vernichten, verlasst euch drauf. Und wehe es mischt sich einer von euch ein…”, drohte Sephiroth und sah seine Freunde, mit drohenden Blicken und leicht erhobener Faust, an.
Seine Freunde sahen ihn an und nickten: „Schon okay.”, sprach Genesis.
„Hast du denn schon einen Plan wie du das bewerkstelligen willst?”, wollte Angeal wissen.
„Ja, natürlich …aber das ist und bleibt mein Geheimnis…”, antwortete Sephiroth, leise… drohend…
*-*-*
Die Schule war vorbei und die Freunde gingen, jeder für sich, nach Hause. Sephiroth lief ziemlich nachdenklich die Straße entlang. Ihn beschäftigte die Sache mit Damien noch immer und er legte sich schon mal einen Plan zurecht.
„Na, wenn das mal nicht der kleine Streber, Sephiroth, ist.”, sprach es, nachdem Sephiroth gegen etwas gelaufen war, weil er nicht hingesehen und aufgepasst hatte.
Er sah hoch und sah jemanden vor sich stehen …genau den, …den er abgrundtief hasste …den er vernichten wollte …Damien!
„Gib den Weg frei, Damien, oder du wirst den Tag verfluchen an dem du geboren wurdest, das schwöre ich dir!”, warnte Sephiroth Damien und sah ihn bedrohlich an, während der Wind mit seinen langen silbernen Haaren spielte.
„Ooch… wie süß, sollte das jetzt eine Drohung werden, Kleiner?”, grinste Damien und sah sich Sephiroth etwas genauer an.
Grinsend betrachtete er den Anderen, dachte sich aber seinen Teil.
„Ich gebe mich nicht mit Abschaum ab.”, wand sich Sephiroth ab.
Sephiroth ging in die entgegengesetzte Richtung, denn er konnte auch in der anderen Richtung zum Anwesen seiner Eltern gelangen. Mit Damien würde und wollte er sich später befassen, wenn die Zeit reif war.
Doch wenn Sephiroth nun dachte, dass er Damien damit abgehängt hätte …weit gefehlt. Damien ging ihm nach. Über Sephiroths Drohungen stand Damien drüber, so was war er gewohnt. Sanft packte Damien Sephiroth am Arm und drehte ihn zu sich um.
„Was ist los, Sephiroth? Vorhin hast mir noch Rache geschworen und eben hast du mir sogar gedroht. Du hast es dir doch nicht etwa anders überlegt, mein kleiner Streber …oder…?!”, sprach Damien provozierend zu Sephiroth.
„Erst mal …nenn mich nicht „mein” kleiner Streber, denn das bin ich nicht, und zum anderen …lass mich sofort los…”, erwiderte Sephiroth, mit der Freundlichkeit einer ausgewachsenen Königskobra und… in seiner Stimme lag Kälte …eisige Kälte.
Seine Augen strahlten ebenfalls eine Kälte aus …die selbst die Hölle gefrieren lassen würde.
„Nein, ich lasse dich nicht los, Sephiroth. Was ist los …hm? Ist es dir unangenehm, wenn ich dich berühre?”, wollte Damien provozierend wissen.
Ja, es war Sephiroth sehr unangenehm, wenn man ihn berührte. Selbst seine Freunde hielten mehr oder weniger Abstand zu ihm, sie wussten, dass Sephiroth es nicht mochte. Also ließen sie es bleiben, wenn es irgendwie ging. Die einzigen die ihn berühren durften waren seine Eltern. Warum das so war wusste Sephiroth selbst nicht.
Scheinbar gelassen stand Sephiroth da und blickte Damien, mit seinen, kalten Augen, die zu kleinen Sehschlitzen verengt waren, an.
„So, du wirst mich also nicht loslassen, dann werde ich dir wohl eine Lektion erteilen müssen…”, flüsterte Sephiroth mit drohend ruhiger Stimme und glich einer Kobra …kurz vor dem Angriff.
Dann, und so als hätte man etwas verpasst, beförderte Sephiroth Damien auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit einem schnellen und sehr geschickten Griff hatte er ihn zu Boden geschleudert, wo Damien vorläufig, sehr verblüfft und etwas geschockt, liegen blieb. Das hatte Damien nun doch nicht erwartet. Dann war Sephiroth womöglich doch nicht das Muttersöhnchen und …der Streber, für den er ihn hielt.
Schließlich trat Sephiroth mit seinem rechten Fuß nach Damien und stellte diesen auf Damiens Brustkorb drauf. Dann sprach er triumphierend:
„Lass dir eines gesagt sein: Ich mag es nicht, wenn man mich berührt …das dürfen nur meine Eltern. Und noch etwas, ich bin weder ein Feigling …noch ein Streber …ich …bin ein Perfektionist. Was ich tue werden niemals halbe Sachen sein. Irgendwann mache ich dich fertig, sei dir dessen bewusst. Und Damien …wage es nie wieder …mir zu nahe zu kommen, klar!”, dann nahm Sephiroth seinen Fuß von Damien runter, lächelte böse und hinterhältig, dann ging er nach Hause…
Damien stand schnell auf und sah Sephiroth nach. Er war tatsächlich nicht der, für den Damien ihn gehalten hatte. Sephiroth hatte sehr viel mehr zu bieten …als das was er für gewöhnlich zu zeigen bereit war. Er war doch sehr viel stärker, als es den Anschein hatte. Doch sah man es ihm keineswegs an.
Langsam begann Damien Sephiroth ehrlich zu bewundern. Von nun an würde er ihn in Ruhe lassen …nun …er nahm es sich zumindest vor, zudem war diese kleine Lektion von Sephiroth Damien eine Lehre. Noch einmal würde er sich sicher nicht mit ihn anlegen. Und doch hatte dieser Bengel etwas an sich, das… Moment mal, was dachte er da eigentlich?!
Nachdem Sephiroth zu Hause angekommen war wurde er, wie immer, sehr herzlich von seiner Mutter Fabienne begrüßt.
„Sephi, mein Engel. Da bist du ja wieder. Na du, wie war dein Tag? Das Essen ist gleich fertig, Schatz.”, wobei sie ihn liebevoll umarmte und ihm einen Kuss auf die Wange gab.
Ihm gefiel es nicht besonders, doch er ließ es, seiner Mutter zu Liebe, zu. Allerdings rollte er mit den Augen und blickte nach oben. Natürlich wusste Fabienne, dass es ihrem Sohnemann nicht gefiel, wenn sie ihn auf die Wange küsste. Aber sie konnte es nicht lassen… zu sehr liebte sie ihren Sohn.
„Mein Tag war ganz okay, danke.”, antwortete Sephiroth grinsend und sprach dann weiter: „Mum, ich wäre gern ein wenig allein, okay. Essen kann ich doch auch später noch.”
„Ist okay, mein Schatz. Ich lasse dich in Ruhe.”, respektierte Fabienne den Wunsch ihres Sohnes.
Sephiroth ging hinauf in sein Zimmer, schloss die Tür und setzte sich an seinen Schreibtisch, der genau vor seinem Fenster stand. Nachdenklich sah er hinaus. Dann erblickte er …Damien! Was suchte der denn hier? Der war ihm doch wohl nicht etwa gefolgt!? Wohnte der nicht in einem ganz anderen Stadtteil? Aber vielleicht wohnte auch einer seiner Freunde hier in der Nähe.
Warum hatte er ihn dann aber hier niemals gesehen? Fragen über Fragen gingen Sephiroth durch den Kopf, doch für jede gefundene Antwort, stellte sich gleich eine andere Frage.
War das eben etwa ein Läuten …nicht dass …nein… Doch zum Nachdenken war es jetzt zu spät…
„Sephiroth?”, rief seine Mutter von unten hinauf. „Kommst du mal bitte runter?”, bat sie ihn.
Sephiroth ging an seine Tür öffnete sie einen Spalt breit und rief hinab.
„Was ist denn los, Mum?”
„Hier möchte dich jemand sprechen, soll ich ihn zu dir hinauf schicken?”, fragte Fabienne weiter.
„Nein, Mum, ich sagte dir doch vorhin schon, dass ich meine Ruhe möchte.”, lehnte Sephiroth die Frage, konsequent, ab.
„Schon gut, Sephi.”, willigte seine Mutter ein, dann war es erst mal still.
„Es tut mit leid, Damien, aber wenn Sephiroth seine Ruhe möchte, dann akzeptiere ich das. Bitte, kommen sie ein anderes Mal wieder.”, bat Fabienne und wollte Damien gerade zur Tür begleiten, als dieser sagte:
„Wissen sie was, ich glaube ihr Sohn ist ein kleines verwöhntes und verzogenes Muttersöhnchen, das sollte ihm wirklich mal jemand sagen und es ihm austreiben.”, mit diesen Worten ging er, ohne noch etwas zu sagen, an Fabienne vorbei und die Treppe hoch.
Dann öffnete er die Tür zu Sephiroths Zimmer, ohne vorher angeklopft zu haben. Er hatte schließlich sehen können, wo sich Sephiroths Zimmer befand, als dieser die Türe ein wenig geöffnet hatte.
Damien fand Sephiroth auf einem weichen Sofa vor, wo er sich auszuruhen schien.
„So, so, der Kleine ruht sich aus und lässt sich verwöhnen. Steh auf, Sephiroth!”, sprach Damien laut und stellte sich neben das Sofa.
Sephiroth aber drehte sich weg: „Lass mich in Ruhe. Und verschwinde endlich. Was zum …”, Sephiroth stand auf und stellte sich genau vor Damien hin.
Dann fragte er: „Was, zum Teufel noch mal, willst du von mir?!” und sah Damien böse an.
„Das fragst du mich nicht wirklich, oder?! Ich will, dass du mal von deinem Sofa runter kommst, dich bewegst und dich nicht dauernd bedienen lässt. Was glaubst DU eigentlich wer du bist? Du bist kein …Prinz …nur ein verwöhnter kleiner Bengel! Man sollte dich mal ordentlich übers Knie legen!”, sprach Damien etwas lauter werdend, wobei er Sephiroth abermals unbemerkt musterte.
Dann jedoch war es schlagartig vorbei, denn Fabienne betrat das Zimmer und wütete, wie eine Furie.:
„Sie verschwinden sofort aus dem Zimmer meines Sohnes, oder ich werde die Polizei rufen und sie hinauswerfen lassen! Was erlauben sie sich eigentlich, so mit meinem Sohn zu reden?! Raus hier, sonst vergesse ich mich!”
Grinsend trat Damien den Rückzug an.
„Schon gut, ich gehe, aber Sephiroth …wir sehen uns wieder …verlass dich drauf.”, damit zwinkerte er Sephiroth zu und verschwand durch die Tür, verfolgt von Fabienne.
Fabienne wütete immer noch und gab nun genau acht, dass Damien nicht noch einen Trick versuchte. Sie gab erst auf, als Damien das Haus durch die Tür verlassen und sie die Tür von innen verschlossen hatte.
Schließlich ging Fabienne noch einmal in das Zimmer ihres Sohnes, klopfte an und betrat das Zimmer anschließend. Langsam ging sie auf Sephiroth zu, der noch immer neben dem Sofa stand und an die Wand vor sich starrte.
„Hey, mein Kleiner, was ist denn los?”, fragte Fabienne und nahm ihren Sohn sanft in die Arme.
Sephiroth schmiegte sich an seine Mutter an und fragte sie flüsternd:
„Mum, bin ich wirklich so schlimm? Und warum hast du noch nie so mit mir gesprochen, oder Dad? Was habe ich denn falsch gemacht?”
Fabienne streichelte Sephiroth zärtlich.
„Mein Kleiner, ich hatte nie Grund dazu, so mit dir zu reden, auch dein Vater hatte nie Grund solche Worte an dich zu richten. Und du hast nichts falsch gemacht, mein Sohn. Du bist das Beste was uns passieren konnte und das bleibst du auch. Du bist nie schlimm gewesen, lass dir so etwas nicht einreden. Wir lieben dich.”
„Danke Mum. Ich liebe euch auch.”, flüsterte Sephiroth und war wirklich froh solche Eltern zu haben…
Auf dem Weg nach Hause tat es Damien schon wieder leid, was er zu Sephiroth gesagt hatte. Denn er mochte den Kleinen echt gern …diese Ausstrahlung …diese langen silbernen Haare …diese schlanke Gestalt …ihn zu verführen …ein Traum…
In seinen Gedanken schien es sich wirklich nur noch um Sephiroth zu drehen.
Jedoch wusste Damien auch, dass es nicht leicht werden würde, Sephiroth die Gefühle zu gestehen, die er für ihn empfand. Er würde es sicher nicht verstehen, vielleicht würde er davonlaufen, oder ihn beschimpfen …egal. Es würde gewiss ein hartes Stück Arbeit werden, aber er musste versuchen Sephiroth für sich zu gewinnen.
Ihn zu erobern …beinahe eine Lebensaufgabe…
*-*-*
Sephiroth hatte sich derweil wieder auf das weiche Sofa gelegt und blickte nachdenklich an die Decke. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er etwas ändern musste. Oder waren etwa schon Veränderungen im Anmarsch? Er spürte förmlich, dass in nächster Zeit etwas auf ihn zukommen würde. Nur was?
Nun, das würde sich sehr bald zeigen…
Der Rest des Tages verlief weitgehend langweilig, bis auf ein langes Telefonat, dass Sephiroth mit Genesis führte.
„Sag mal, was ist denn nun mit Damien? Wollen wir uns den nicht doch besser gemeinsam vornehmen? Ich glaub, mit dem Typen stimmt was nicht. Der ist mir vorhin übern Weg gelaufen und sprach mich an. Du, der wollte doch tatsächlich wissen, ob du eine Freundin oder einen Freund hast. Man, der wollte mich voll über dich ausquetschen. Ich hab ihm natürlich keinerlei Auskunft gegeben. Warum sollte ich auch? Du sag mal, der ist doch in deine Richtung gelaufen, hat der dich besucht?”, fragte Genesis.
„Ist doch egal, ich will gar nicht darüber reden.”, erwiderte Sephiroth leise und klang eher …ein wenig betrübt.
„Was ist denn los, Seph? Kann ich dir irgendwie helfen, soll ich vorbeikommen?”, fragte Genesis sorgenvoll.
„Nein, lass nur, ich, …ich sagte doch schon, dass ich nicht drüber reden will, ich mag …ich will jetzt auch niemanden sehen.”, erwiderte Sephiroth genervt.
„Seph, jetzt mache ich mir aber wirklich Sorgen um dich. Was ist los mit dir? Hat Damien dir was angetan?”
„Nein, hat er nicht. Wir sehen uns morgen. Bye!”, erwiderte Sephiroth nur noch, dann schaltete er das Telefon ab.
Schließlich stand er von dem Sofa auf, zog sich etwas anderes an und verließ sein Zimmer.
„Mum, ich geh noch mal raus. Ich bin bald wieder zurück. Ach ja, und was ich sagen wollte: Meine Hausaufgaben hab ich schon erledigt.”, sprach Sephiroth zu Fabienne und verließ anschließend das Haus.
„Ist okay, mein Schatz. Pass auf dich auf!”, rief Fabienne Sephiroth noch nach, doch da war er schon weg.
*-*-*
Es dämmerte bereits und die Straßenlaternen begannen langsam zu ihr Licht abzugeben.
Sephiroth lief, langsamen Schrittes, die Straßen entlang. Immer noch vollkommen in Gedanken versunken achtete er auf rein gar nichts, was um ihn herum passierte. Er lief auf eine stark befahrende Straße zu und überquerte diese, ohne aufzupassen. Quietschend bremsten einige Autos, was einige Male beinahe schief gegangen wäre.
Dann jedoch kam ein großer LKW angefahren und hätte Sephiroth beinahe überrollt, wenn Damien ihn nicht rechtzeitig gerettet hätte. Schnell packte Damien Sephiroth und brachte ihn, auf dem Gehsteig, in Sicherheit. Er stellte Sephiroth vor sich hin, packte ihn kräftig an den Schultern und schüttelte ihn sacht. Ihm war es jetzt auch herzlich egal, ob der Bengel es nun mochte angefasst zu werden oder nicht.
„Sephiroth! Willst du dich umbringen, oder was?! Was ist los mit dir?!”, fragte Damien Sephiroth sehr aufgebracht, der ihn dann seinerseits nur fragend ansah.
„Sephiroth? Hey, Kleiner, was ist los mit dir …hm? Bedrückt dich etwas, kann ich dir helfen?”, wollte Damien wissen und beruhigte sich langsam wieder.
Langsam kehrte auch Sephiroth, aus seinen Gedanken wieder in die Realität zurück, sah Damien an und sah auch, dass Damien ihn an den Schultern gepackt hatte. Mit eisigen Blicken sah er Damien an und flüsterte drohend:
„Lass mich sofort los, oder du wirst es bitter bereuen, das schwöre ich dir!”
Schnell, und weil Damien genau wusste, dass man sich mit Sephiroth besser nicht anlegte, ließ er ihn los.
„Schon gut, schon gut …beruhige dich wieder. Ich habe dir das Leben gerettet, meinst du nicht, dass du dich dafür wenigstens bedanken könntest?”
„Nein, das meine ich nicht! Bye!”, mit diesen Worten drehte Sephiroth Damien den Rücken zu und war im Begriff zu gehen, ohne auch nur noch ein Wort gesagt oder sich wenigstens bedankt zu haben.
„Moment mal …hier geblieben, Kleiner! Du kannst nicht einfach abhauen, wenn ich mit dir rede.”, rief Damien Sephiroth nach und stellte sich ihm in den Weg.
„Lass mich sofort vorbei!”, sprach Sephiroth mit normaler Stimme, die jedoch völlig ausdruckslos klang.
„Nein, Sephiroth, ich lasse dich jetzt nicht vorbei. Bitte, ich möchte mit dir reden und …also, ich muss dir etwas wichtiges sagen.”, antwortete Damien und sah Sephiroth direkt in die Augen.
Doch, hielt er dessen kalten Blick nicht lange stand und wand seinen Blick wieder leicht von Sephiroth ab.
Sephiroth sah Damien unvermindert weiter mit seinem kalten, starren Blick, von oben herab, an.
„Ich, will aber nicht mit dir reden. Und jetzt lass mich vorbei, oder du kannst was erleben…”
„Sephiroth bitte, lass mich doch erst mal ausreden.”, bat Damien und in seinem Blick lag Sehnsucht, …Sehnsucht nach ….
„Ich will deine Worte …aber nicht hören und es ist mir auch herzlich egal, was du mir zu sagen hast. Im Übrigen hast du mir gar nichts zu sagen.”, sprach Sephiroth wieder mit der Freundlichkeit einer ausgewachsenen Kobra.
„Oh doch, du wirst dir jetzt meine Worte anhören müssen. Denn…. ich habe mich in dich verliebt, Sephiroth.”, gestand Damien, leise.
„Wie bitte?! Ich glaub, ich hör nicht richtig! Du hast dich in mich verknallt?! Das ist doch wohl nicht dein Ernst! Und nun pass mal auf: Ich …liebe dich aber nicht, klar!? Ich werde dich niemals lieben …ich hasse dich und nun lass mich endlich zufrieden!”, wütete Sephiroth und war nun schon etwas geschockt.
Dann rannte er, so schnell er konnte, an Damien vorbei …die Straßen entlang …nach Hause…
*-*-*
Damien stand da, sah Sephiroth eine Zeitlang nach und konnte sich ein wirklich breites Grinsen nicht verkneifen, denn mit dieser Reaktion hatte er jetzt schon gerechnet. Von nun an begann seine Jagd auf Sephiroth und nach der gemeinsamen Liebe, die Sephiroth bislang leider noch ablehnte. Kein Wunder, er war ja auch erst sechzehn Jahre alt.
Was Liebe ist wusste er vermutlich nicht einmal …die einzige Liebe die er wahrscheinlich kannte, war die Liebe, die er von seinen Eltern bekam und für sie fühlte. Nun, Damien würde ihm schon zeigen …was es heißt jemanden zu lieben oder verliebt zu sein. Zumindest wusste Sephiroth jetzt Bescheid, das sollte, fürs erste, genügen.
Völlig fertig kam Sephiroth auf dem Anwesen seiner Eltern an, betrat das Haus und rannte hinauf in sein Zimmer. Krachend fiel die Tür ins Schloss und Sephiroth ließ sich auf sein Bett fallen.
„Verdammt!”; fluchte Sephiroth und kämpfte gegen die Tränen an.
”Was bildet sich Damien eigentlich ein? Er kann mich nicht lieben, wenn ich ihn doch so sehr hasse. Außerdem geht doch so was nicht …ein Mann kann doch keinen Mann lieben…”, sprach Sephiroth laut der Decke entgegen.
Sein Vater Randir bekam sein kleines Selbstgespräch mit und betrat das Zimmer. Er ging langsam zum Bett seines Sohnes und setzte sich zu ihm. Sacht legte er seine Hand auf die Hand seines Sohnes.
„Mein Sohn, jetzt höre mir bitte zu. Ich hab dein kleines „Gespräch“ von eben mitbekommen und ich möchte dir etwas sagen: Es ist vollkommen okay, wenn ein Mann einen anderen Mann liebt oder sich in einen anderen Mann verliebt.”, erklärte Randir seinem Sohn sehr sachlich.
„Aber das kann doch nicht sein. W …weil …also ich liebe ihn aber nicht …ich hasse ihn sogar…”, erwiderte Sephiroth.
„Dann solltest du es demjenigen sagen, damit er sich keine falschen Hoffnungen macht, verstehst du?”
„Ja, aber, ich habe es ihm gesagt und er hat nur gelächelt. Ich glaub, der nimmt mich nicht ernst.”
„Dann werde ich dir beistehen, wenn du willst.”
„Ach Dad….”, begann Sephiroth zu weinen, erhob sich und umarmte seinen Vater.
Er schmiegte sich an dessen Schulter an und weinte sich nun aus, während Randir seinem Sohn den Rücken streichelte.
„Schhh… ist schon gut, Sephi. Ich bin ja da. Ist es denn so schlimm? Oder steckt da doch mehr dahinter, als du zugeben willst …hm?”, versuchte Randir seinen Sohn ein wenig zu beruhigen, konnte es sich aber nicht verkneifen ihn ein wenig zu provozieren.
Sephiroth ließ seinen Vater los und entfernte sich ein wenig von ihm, dann antwortete er empört:
„Dad, w-was denkst du von mir? Da gibt es nichts weiter und es ist auch nicht schlimm. Ich brauche auch nichts zuzugeben …weil… da einfach nichts ist.”
„Ich verstehe, aber solltest du Hilfe brauchen oder einen Rat, dann weißt du, kannst du immer auf uns zählen.”, mit diesen Worten stand Randir auf, strich seinen Sohn noch einmal über den Kopf und verließ anschließend das Zimmer.
Sogleich stand Sephiroth auf und verschloss die Tür. Anschließend legte er sich bäuchlings wieder auf sein Bett und weinte. Warum er weinte wusste er jetzt selber nicht, es war eben einfach so. Und doch machte er sich so seine Gedanken:
Tze …ich und jemanden lieben und dann auch noch Damien …ausgerechnet …meinen Erzfeind. Niemals! Eher wird der Mond runter fallen, als dass ich mich diesem …diesem Möchte-gern-Helden zum Fraß vorwerfen würde. Vielleicht sollte ich mich tatsächlich …aber nein…
Schnell schob er diese Gedanken wieder von sich weg. Er würde sich ganz einfach so verhalten wie sonst auch, basta. Und an Damien musste er ja nicht denken, auch wenn der ihm zwangsläufig in der Schule begegnen würde, was er ja nicht verhindern konnte. Er konnte ihn ja dann einfach ignorieren. Aber was sollte er tun, wenn ….ja, wenn Damien ihn nicht in Ruhe ließ und ihm weiter auf den Wecker ging? Weshalb nannte er ihn eigentlich beim Namen? DER war doch eh nur ein hirnloser Idiot.
*-*-*
Am nächsten Morgen, als Genesis, Angeal und Zack ihren Freund Sephiroth von Zuhause abholen wollten, hatte Sephiroth das erste Mal, in seinem Leben, wirklich verschlafen.
Randir und Fabienne waren arbeiten und bislang hatte auch immer alles sehr gut geklappt, nur heute hatte er den Wecker entweder nicht gehört oder er hatte ihn nicht hören wollen.
Zack läutete an der Haustür …einmal, zweimal …dreimal …schließlich ging Sephiroth nach unten, zur Haustür und öffnete diese. Halbnackt, nur mit einer Boxershorts bekleidet, so stand er vor seinen Freunden, die ihn dann auch noch ein bisschen komisch ansahen, weil …so halbnackt hatten ihn seine Freunde noch nie gesehen.
„Was gibt es denn so wichtiges, dass ihr mich aus dem Bett klingeln müsst.”, fragte Sephiroth noch sehr verschlafen.
„Ja, wir wünschen dir auch einen guten Morgen, du Schlafmütze. Hallo?! Wir haben Schule, Seph!”, erwiderte Genesis.
„Ähm… Ja, kommt erst mal rein. Ich mach mich gleich fertig. Dann ging er in die Küche kochte sich einen Kaffee, setzte sich an den Tisch und ließ sich erst mal das üppige Frühstück schmecken, das ihm seine Mutter hingestellt hatte, so wie sie es immer tat.
Nachdem Sephiroth in aller Ruhe seinen Kaffee ausgetrunken und endlich zuende gefrühstückt hatte, setzte er sich endlich in Bewegung, ging ins Bad und duschte ausgiebig. Anschließend kleidete er sich an, dann stylte er noch seine Haare und lief dann wieder hinab, um mit seinen Freunden in die Schule zu gehen.
„Man, ich hab heute echt null Bock auf den ganzen Kram. Vor allem wenn ich daran denke, dass …”, Sephiroth sprach nicht weiter, sondern schluckte den Rest des Satzes runter.
Genesis wollte den Rest aber doch hören und fragte seinen Freund: „Wenn du woran denkst …dass was…?”
„Ach nichts, vergiss es einfach, okay.”, erwiderte Sephiroth genervt und schwieg sich aus.
Die vier Jungs waren beinahe an der Schule angekommen, da fragte ihn Zack: „Es hat nicht zufällig was mit …Damien zu tun …oder?”
„WAS??!! NEIN! Lasst mich doch mal in Ruhe, mit dem Scheiß, man!”, regte sich Sephiroth künstlich auf, rannte davon und ließ seine Freunde einfach stehen.
Die drei Freunde grinsten nur und nickten einander zu. Dann sprach Angeal:
„Ich denke, wir sollten ihm folgen. Das hat ganz sicher was mit Damien zu tun. Wenn da nicht mehr im Spiel ist außer …Hass… dann weiß ich auch nicht was mit ihm sonst los sein könnte. Denn, ehrlich gesagt, kaufe ich ihm seine Version, von wegen, er hasst Damien, nicht so ganz ab. Habt ihr mal gesehen, wie er den Kopf hält? Sonst trug er seinen Kopf immer stolz nach oben und nun… Er sieht bekümmert aus und wenn ihr mich fragt …unser Freund hat Liebeskummer…”
„Stimmt, das ist mir auch aufgefallen.”, erwiderte Zack: „Warum sonst wollte er nicht, dass wir gemeinsam Damien zu Leibe rücken?”
„Ja, jetzt verstehe ich auch, warum er am Telefon mit mir nicht über Damien reden wollte und stattdessen aufgelegt hat.”, entgegnete Genesis.
„Kommt, wir sollten Seph folgen. Nicht, dass er noch Dummheiten macht.”, schlug Zack vor, die anderen nickten nur und ließen die Schule für heute mal sausen.
Sephiroth war den Freunden jetzt einfach wichtiger…
Aber auch Damien machte sich so seine Gedanken, wo die Clique denn heute war, die von Sephiroth angeführt wurde. Denen war doch wohl nicht etwa was passiert? So konnte auch Damien nicht anders, verließ das Schulgelände und machte sich auf den Weg zum Anwesen der Lymands.
Sephiroth war nach Hause gerannt, hatte in einer Windeseile das Haus betreten, war hoch in sein Zimmer geflitzt und hatte dieses zudem verschlossen.
Niemand …wirklich niemand sollte ihn jetzt stören.
Er setzte sich auf das Sofa und ließ seinen Oberkörper nach vorn sinken. Sich auf seine Oberschenkel, mit den Unterarmen, abstützend, ließ er den Kopf hängen und seufzte.
Warum konnten DIE ihn nicht in Ruhe lassen? Verdammt, er liebte niemanden, außer seine Eltern und sich selbst. Warum begriff das niemand?
Während Sephiroth so am Nachdenken war begann es an der Haustür zu läuten. Wieder und wieder …es nahm einfach kein Ende. Sephiroth stand auf, da ihm das ständige Läuten mächtig auf den Zeiger ging. Er sah heimlich und ohne dass es jemand bemerkte aus dem Fenster und erblickte Zack, Angeal, Genesis und …Damien!
Wie jetzt? Hatten sich seine Freunde etwa mit Damien gegen ihn verbündet? Wenn nicht, warum standen dann alle geschlossen vor seiner Haustür?
Das ärgerte Sephiroth sehr. Doch er dachte vorläufig nicht daran sich auch nur ansatzweise aus seinem Zimmer geschweige aus dem Haus zu bewegen.
Leider würde dieser Zustand nicht sehr lange anhalten, denn schon bald würden seine Eltern heimkommen. Dann sollte er sich wirklich was einfallen lassen. Aber er hatte ja sein Zimmer zum Glück abgeschlossen und er hatte Eltern, die ihn sicher nicht den anderen ausliefern würden…
Damien war, nachdem er das Schulgelände verlassen hatte, auf Zack, Genesis und Angeal getroffen. Zuerst hatten die drei Freunde Damien nur angepöbelt. Aber als Damien sie zur Rede gestellt und ihnen offenbart hatte, dass er Sephiroth liebte, hatten sie ihm doch, wenn auch etwas skeptisch, zugehört.
Denn auch die Drei hatten sich große Sorgen, um ihren besten Freund, gemacht. Gemeinsam waren sie alle dann zum Anwesen der Lymands gegangen.
Als sich jedoch, auch nach mehrmaligem Läuten, niemand zeigte, wurde die Sorge aller noch etwas größer. So setzten sich alle gemeinsam auf die kühlen Steine und warteten ab. Wenn Sephiroth nicht zu Hause war, würde er hier irgendwann vorbei müssen. Und wenn er zu Hause war, dann würden aber sicher bald seine Eltern hier auftauchen. Wenn sie es den Beiden erklärten, würden sie sicher zu Sephiroth vorgelassen werden.
*-*-*
Jedoch sollten die Vier eine ganz andere Erfahrung machen, als sie dachten. Denn als erstes kam Fabienne von der Arbeit nach Hause. Als sie die vier Jugendlichen vor dem Haus sitzen sah, fragte sie vorerst, was sie alle hier zu suchen hätten. Natürlich kannte sie die Freunde ihres Sohnes, doch war sie jetzt nicht in der Stimmung sich mit ihnen zu unterhalten.
Genesis erwiderte daraufhin: „Wir bitten um Entschuldigung, aber wir glauben, dass mit Sephiroth etwas nicht stimmt. Wir machen uns wirklich Sorgen um ihn.”
„Ich …glaube, aber, dass mit meinem Sohn alles in Ordnung ist und ich denke auch, dass ihr jetzt von hier verschwinden solltet. Ganz besonders …sie …junger Mann…”, mit diesen Worten wand sie sich Damien zu.
Sie schloss die Haustür auf und wollte eben hineingehen, als sich Zack erhob und sie höflich fragte.
„Mrs. Lymand, dürfte ich wenigstens mit Sephiroth reden. Bitte, ich mache mir wirklich große Sorgen um ihn und er ist auch heute nicht in der Schule gewesen. Wegen ihm waren auch wir nicht in der Schule, denn er ist davongelaufen. Bitte, lassen sie mich mit ihm reden.”
Fabienne nickte und ließ Zack, mit einer einladenden Handbewegung, eintreten.
Sogleich lief Zack die Stufen, zu Sephiroths Zimmer, hinauf, und klopfte an.
„Lass mich in Ruhe!”, rief Sephiroth aus seinem Zimmer heraus.
„Seph, bitte, ich möchte mit dir reden. Bitte, lass mich zu dir ins Zimmer.”, bat Zack.
„NEIN! Ich sagte, du sollst verschwinden! Ihr seid alles Verräter …habt euch mit diesem Idioten … verbündet!”, regte sich Sephiroth auf.
Zack wollte gerade etwas erwidern, als sich Fabienne einmischte:
„Zack, wenn mein Sohn nicht mit dir reden will, dann braucht er das nicht zu tun.”
„Ja …aber …ich…”, Zack wollte noch etwas erwidern, als ihn Fabienne vom Zimmer ihres Sohnes, mit ein wenig „Überzeugungsarbeit” entfernte.
Sephiroth rieb sich die Hände, lachte leise und gemein auf, als er hörte wie seine Mutter Zack von seiner Tür weg zog und wie der sich zu verteidigen suchte.
Doch, nicht lange und Sephiroth öffnete die Tür und sprach zu seiner Mutter:
„Mum, bitte lass ihn los, ich möchte doch mit ihm reden …ein letztes Mal.”
Fabienne ließ Zack los, der dann sogleich ins Zimmer von Sephiroth lief. Sephiroth schloss die Tür, stellte sich vor Zack hin und sprach dann:
„Was willst du, Zack?”
„Seph, bitte, ich möchte gern mit dir reden, eigentlich wollten die anderen auch mit dir reden, aber du lässt ja niemanden an dich heran. Wir haben unterwegs Damien getroffen und er sagte uns, dass er in dich verliebt ist. Und seine Worte waren ehrlich, bitte, glaub mir.”, antwortete Zack ruhig und gelassen.
„Ja, toll, genau das ist es was ich nicht will. Diese schwule Ratte soll sich jemand anderen suchen, aber nicht mich. Man, ich bin nicht schwul. Wofür hältst du mich?!”, regte sich Sephiroth weiter auf.
„Darf ich dir ganz ehrlich meine Meinung sagen?!”, fragte Zack.
„…nur ein falsches Wort …und du fliegst raus…”, drohte Sephiroth.
„Ganz ehrlich, du empfindest sehr viel mehr für Damien, als du zuzugeben bereit bist. Du kannst oder willst es nicht zulassen. Du bist der Anführer der Clique und der Größte und willst …keine Gefühle zeigen …nicht wahr. Aber selbst wenn du dich ebenfalls in Damien verliebt hättest und mit ihm zusammen kommst, meinst du wirklich, dass wir dich deswegen fallen lassen würden? Mensch Seph, keiner von uns würde dich fallen lassen. Jeder von uns würde weiterhin zu dir stehen.“, erklärte Zack ruhig und fragte seinen Freund: „Wovor fürchtest du dich eigentlich, Seph?”
Sephiroth ging ein Stück rückwärts und setzte sich dann auf sein Bett. Nachdenklich und traurig zugleich ließ er seinen Oberkörper nach vorn sinken…
”Nein, verdammt! Ich will das nicht. Und Angst hab ich auch keine…”
Sephiroth stand wieder auf und lief in seinem Zimmer herum, wie ein Tiger in seinem Käfig. Schließlich lehnte er sich an eine Wand und ließ seufzend den Kopf hängen. Er wusste nicht mehr was er noch denken sollte…
Während Zack und Sephiroth miteinander sprachen, war auch Randir nach Hause gekommen und sah die „Bande” ebenfalls vor dem Haus sitzen. Auch ihm wurde die Lage erklärt und er ließ, gegen den Willen seiner Frau, die Jungs ins Haus ein.
Denn ihm lag etwas daran, dass sie sich alle vertragen. Er führte die Jungs anschließend zum Zimmer seines Sohnes, klopfte an und ließ sie alle in das Zimmer. Er schloss die Tür von Außen und entfernte sich.
Sephiroth sah sie alle in seinem Zimmer stehen und blieb vorerst an der Wand stehen. Wie ein scheues Reh sah er erst seine Freunde, dann …Damien …an.
Ohne, dass es Sephiroth bemerkte gab Zack, Angeal und Genesis ein Zeichen, dann verschwanden die Drei aus dem Zimmer.
Zack schloss leise die Tür und die drei Freunde liefen die Stufen hinab. Randir fing die Drei ab und fragte sie:
„Wie sieht’s aus, möchtet ihr etwas trinken?”
„Sehr gern.”, antworteten die Freunden, wie aus einem Munde.
Randir bot allen einen Platz an und bewirtete sie.
Im Zimmer von Sephiroth spielten sich derweil ganz andere Dinge ab…
Damien stand mitten im Raum, während sich Sephiroth nicht einen Millimeter von der Stelle bewegte.
Schließlich brach Sephiroth sein Schweigen und sprach, beinahe drohend:
„Verschwinde aus meinem Zimmer, Damien…”
„Nein, ich werde mich jetzt nicht von der Stelle bewegen. Warum …weißt du ja bereits. Ich habe mich in dich verliebt, Sephiroth. Warum kannst du es nicht einfach zulassen?”, erwiderte Damien.
„Verdammt, noch mal, hast du vielleicht schon mal daran gedacht, dass ich eventuell nicht so bin, wie du?! Dass ich eventuell nicht schwul sein könnte?! Allein der Gedanke, mit einem Kerl ins Bett zu steigen, widert mich an.”, schrie Sephiroth nun Damien an.
„Schon gut, schon gut, ich gehe. Das war deutlich. Mach’s gut, Sephiroth. Wir sehen uns vielleicht in der Schule.”, dann ging Damien zur Tür, öffnete diese und trat auf den Flur hinaus.
Gerade wollte er die Tür schließen, als er von drinnen noch etwas ganz anderes zu hören bekam…
Sephiroth hatte Damien vorerst nur nachgeschaut, dann legte er sich auf sein Bett und begann bittere Tränen zu vergießen. Er konnte ja nicht ahnen …geschweige denn wissen, dass es Damien noch mitbekam.
Vorsichtig öffnete Damien noch einmal die Tür (bloß gut, dass die Türen hier nicht quietschten oder womöglich knarrten) und sah noch einmal ins Zimmer hinein. Dann sah er Sephiroth weinend auf seinem Bett liegen. Ganz langsam nährte sich Damien Sephiroths Bett, setzte sich neben Sephiroth auf das Bett und streichelte seinen Rücken…
Als Sephiroth bemerkte, dass ihm jemand den Rücken streichelte, drehte er sich ein wenig erschrocken um. Dann setzte er sich schnell auf und sah Damien an.
„Was soll das?!”, fragte Sephiroth mit Tränen in den Augen.
„Sephiroth, warum weinst du jetzt …hm?”, fragte Damien liebevoll.
„Ich weine nicht. Lass mich in Ruhe und verschwinde…”, flüsterte Sephiroth.
„Nein, ich werde jetzt nicht gehen und wenn du dich auf den Kopf stellst. Wir werden jetzt vernünftig miteinander reden.”, blieb Damien nun konsequent.
„Tze …dann rede doch, aber aus mir bekommst du kein Wort mehr raus.”, wurde Sephiroth nun sehr stur.
„Gut, dann rede ich oder noch besser wir schweigen uns an, was hältst du davon?”, erwiderte Damien und sprach dann weiter, da von Sephiroth absolut nichts mehr kam.
„Du hast also nicht geweint. Gut so, das habe ich auch nicht von dir erwartet. Hmm …die Frage ist nur, wo kamen dann die Tränen in deinen Augen her? Findest du das nicht auch ein wenig merkwürdig? Ich mein ein Staubkorn kann es ja kaum gewesen sein, wo hier so gar kein Lüftchen weht. Sephiroth jetzt rede mit mir, oder soll ich dir etwa noch mehr solchen Quatsch erzählen …hm?”, sprach Damien und sah Sephiroth grinsend an.
Sephiroth jedoch drehte sich von Damien weg, er sah keinen Anlass sich mit DEM da zu unterhalten.
„Okay, Sephiroth, du willst also nicht mit mir reden. Gut, dann bleiben wir hier sitzen, bis du mit mir redest und wenn es die ganze Nacht dauern sollte. Ich hab Zeit und ich habe viel Geduld. Ich darf es mir doch derweil etwas gemütlich machen, oder…?”, provozierte Damien Sephiroth und machte es sich auf Sephiroths Bett gemütlich.
Natürlich ärgerte sich Sephiroth über so viel Dreistigkeit. Aber er wollte nicht mit Damien reden, also ließ er sich auf diese Provokation nicht ein. Auch wenn er Damien am Liebsten ordentlich eine rein gehauen hätte…
*-*-*
Langsam bewegte sich Sephiroth, stand von dem Bett auf, und ging zur Tür. Diese öffnete er und verließ das Zimmer mit den Worten:
„Viel Spaß noch auf meinem Bett. Lass es dir gut gehen, solange du noch kannst und die Chance dazu hast.”, dann knallte er die Tür hinter sich zu und lief die Stufen in aller Eile hinab.
„MUM!”, rief Sephiroth seine Mutter.
Sogleich war Fabienne zu ihrem Sohn geeilt und fragte ihn: ”Was ist denn los?”
„Nichts ist los. Ich wollte dir nur sagen, dass ich noch etwas hinaus gehe, ich möchte einfach ein wenig frische Luft schnappen.”, erwiderte Sephiroth und versuchte ruhig zu bleiben.
Fabienne nickte und willigte mit den Worten: „Aber pass gut auf dich auf, Schatz.” ein.
„Das werde ich, Mum.”, antwortete Sephiroth und verließ das Haus und bald auch das Anwesen, so schnell er konnte.
Er drehte sich jedoch noch mal um, betrat noch einmal das Anwesen, schloss die Garage auf, schnappte sich den Schlüssel, denn er wusste genau wo sich dieser befand, setzte sich dann in das Auto seines Vaters, startete und fuhr davon…
Randir hörte, dass jemand sein Auto startete. Er blickte aus dem Fenster und sah Sephiroth mit seinem Auto davonfahren. Sogleich schnappte er sich die Schlüssel seiner Frau, hastete in die Garage, bestieg den Wagen seiner Frau und fuhr seinem Sohn nach.
Irgendwann …Stunden später …war der Tank des Wagens, den Sephiroth fuhr, leer. Und er blieb stehen.
„Mist, verdammter!”, fluchte Sephiroth, stemmte seine Hände gegen das Lenkrad und blieb erst einmal in dem Auto sitzen.
Randir war seinem Sohn gefolgt und stieg aus dem anderen Auto aus, nachdem er hinter seinem Wagen gestoppt hatte und ging auf sein Auto zu. Er öffnete die Beifahrertür und setzte sich in das Auto. Vorerst blickte er zur Frontscheibe, ohne wirklich hinauszusehen und schwieg. Auch Sephiroth schwieg, doch er sah auf den Autoboden.
Nach einer kleinen Weile brach Randir sein Schweigen und fragte ruhig:
„Warum, Sephiroth, warum? Was sollte das? Was ist los mit dir?”, Randir blickte seinen Sohn vorwurfsvoll, aber auch sorgenvoll an und sprach dann weiter:
„Weißt du, Sephi, du warst und bist unser ganzer Stolz. Schon seit wir dich das erste Mal sahen. Warum bereitest du uns nun solchen Kummer? Wir haben dich aufgenommen, adoptiert und wie unseren eigenen Sohn aufgezogen, als wir unseren leiblichen Sohn verloren hatten. Dir fehlte es wirklich an nichts. Weißt du, Sephi, ich dachte wirklich du vertraust uns und wir könnten dir vertrauen. Damals, als du erst drei Tage alt warst und ich dich in meinen Armen hielt, da hatte ich das Gefühl, dass du mich angelächelt hättest. Dieses Lächeln erwärmte mein Herz, so dass ich deiner Mutter zustimmte und wir dich behielten. Und nun …klaust du …aus Dankbarkeit, mein Auto, oder was sollte das werden!? Mensch Junge, dir hätte sonst was passieren können, weißt du das?! Und weißt du auch, wie sehr dich deine Mutter liebt …sie liebt dich mehr noch als sie mich je liebte, aber ich ließ und lasse es zu, weil ich sie ebenfalls sehr liebe. Und dich liebe dich auch. Weißt du, wie weh es deiner Mutter getan hätte, wäre dir etwas passiert? Ich glaube …sie wäre dir gefolgt. Sie liebt dich abgöttisch. Hey, Kleiner, bitte, rede mit mir. Nur so kann ich dir helfen. Und nun frage ich dich: Liebst du diesen jungen Mann? Liebst du Damien? Wenn nicht dann sag es mir ins Gesicht und ich werde dir zur Seite stehen und dir behilflich sein. Aber wenn du nicht mit mir redest und noch dazu weg läufst, kann ich dir nicht helfen.”, Randir hatte seine Rede beendet und sah seinen Sohn, mit ernstem Gesicht, an.
„Dad….”, weinte Sephiroth, fiel seinem Vater um den Hals und weinte sich aus. „Es tut mir leid. Bitte …vergib mir…”, schluchzte Sephiroth, während Randir seinem Sohn sanft den Rücken streichelte. „Schhh… schon gut, ich meine es doch nicht böse.“
Eine Weile blieben die Beiden in dem Auto sitzen, dann fragte Randir seinen Sohn:
„Wie sieht’s aus, gehen wir ein Stück spazieren? Dann können wir uns mal richtig unterhalten …was hältst du davon?”
Sephiroth nickte einwilligend: „Okay, ich bin einverstanden. Danke Dad.”
Beide verließen das Auto, schlossen beide Autos ab und gingen ein wenig spazieren. Dabei unterhielten sie sich sehr lange…
„Dad, ich weiß nicht was ich fühlen soll. Und es war auch nicht richtig als ich sagte, dass ich Damien hassen würde. Aber ich liebe ihn auch noch nicht so …wie er mich wahrscheinlich.”
„Ja, mein Sohn, die Betonung liegt auf „noch”. Was fühlst du denn, wenn er in deiner Nähe ist?”
„Nichts. Gar nichts. Deshalb sag ich ja, ich weiß nicht was ich fühlen soll.”
„Mein Sohn, du bist noch sehr jung, daher ist es kein Wunder, dass du noch nicht wirklich weißt, was du fühlen sollst. Das kann ich gut verstehen. Dann solltest du es Damien auch so sagen und dich nicht stur stellen. Und …weglaufen …ist auch keine Lösung. Ich werde dir den Rücken stärken, Kleiner, wenn du möchtest. Aber du musst mit Damien reden, okay.”
„Okay, Dad. Ich danke dir. Du bist der beste Dad der Welt.”, erwiderte Sephiroth und umarmte seinem Vater.
„Schon gut, Sephi, du weißt, dass ich immer zu dir stehe, ebenso wie deine Mutter. Und nun komm, wir fahren jetzt erst mal tanken, ich schlepp den Wagen ab und dann fahren wir nach Hause und du klärst die Sache mit Damien, okay.”
„So machen wir das.”, willigte Sephiroth ein.
Randir hatte das Auto abgeschleppt und es an der nächsten Tankstelle voll tanken lassen. Anschließend ließ er Sephiroth, ausnahmsweise den Wagen nach Hause fahren, er selbst fuhr das Auto seiner Frau heim.
*-*-*
Nachdem beide auf den Anwesen eingetroffen waren, parkten sie die Autos in der Garage. Randir schloss die Garage ab, dann gingen beide gemeinsam ins Haus. Noch einmal streichelte Randir Sephiroths Rücken.
„Du schaffst das, ich bin bei dir.”, flüsterte Randir noch, dann betraten sie die Küche.
Vorerst schickte Randir die anderen Anwesenden, außer Damien, hinaus. Dann nickte er seinem Sohn zu und setzte sich neben ihn. Dann begann Sephiroth vernünftig zu reden. Er wusste, dass er die Unterstützung seines Vaters sicher hatte:
„Damien, ich habe dir etwas mitzuteilen und bitte höre mir einen Augenblick zu.”, begann Sephiroth seine Rede, während Damien ihn ansah und nickte, dann sprach Sephiroth ruhig weiter:
„Erst mal möchte ich dir vorweg sagen, dass ich dich nicht hasse …aber …ich liebe dich auch nicht. Ich fühle eigentlich gar nichts für dich. Noch nicht, ich mein …also ich…”, weiter kam Sephiroth nicht, da mischte sich liebevoll Randir ein.
„Schon gut, Sephi, ich helfe dir.”, sprach Randir ruhig und wand sich ebenfalls an Damien:
„Damien, wie du sicher weißt ist mein Sohn erst sechzehn und auch schon sechzehn, aber er kann noch nicht so die Gefühle zeigen und damit auch noch nicht so umgehen, wie du vielleicht. Ich schlage daher vor, dass ihr euch vielleicht öfter treffen könntet und eventuell baut sich ja zwischen euch eine Freundschaft auf. Denn auch aus Freundschaften ist schon sehr oft die große Liebe geworden.”, erklärte Randir und zwinkerte beiden zu.
„Das verstehe ich gut, Mr. Lymand.”, erwiderte Damien ein wenig lächelnd.
Nickend willigte auch Sephiroth ein und sprach: „Ich bin auch damit einverstanden. Also, Frieden?”, mit diesen Worten stand Sephiroth auf und reichte Damien die Hand.
„Frieden.”, erwiderte Damien freundlich und reichte Sephiroth ebenfalls die Hand.
Genau in diesem Moment kam Zack in die Küche und fragte erstaunt: „Haben wir jetzt ein neues Mitglied in der Clique?”
Sephiroth, Randir und auch Damien blickten gleichzeitig zu Zack, dann erwiderte Randir, seinen Sohn anblickend: „Hey, Seph, das ist doch eine sehr gute Idee, warum eigentlich nicht.”
Sephiroth sah erst seinen Vater an, dann blickte er zu Damien und schließlich zu Zack.
Beinahe unmerklich schüttelte Sephiroth den Kopf. Er wollte nicht, dass Damien Mitglied in seiner Clique wurde und schwieg deshalb.
„Sephi? Was ist los?”, wollte Randir nun wissen.
„Nichts …ich will es eigentlich nicht, …dass …na ja, dass Damien jetzt schon Mitglied in meiner Clique wird.”, sträubte sich Sephiroth entschlossen, während Zack in der Tür stand, sich aber schon bald dazu setzte.
„Darf ich fragen, warum nicht?”, fragte Randir geduldig.
„Weiß ich nicht. Ist doch auch egal. Ich will es eben nicht.”, begann Sephiroth nun doch wieder herum zu Zicken.
„Das ist keine Antwort, Sephi. Ich möchte von dir wissen, warum du nicht willst, dass Damien in deine Clique aufgenommen wird? Ich mein, eben hast du Damien noch die Hand gereicht und Frieden mit ihm geschlossen. Also, was soll das jetzt?”
„Man, Scheiße, lasst mich doch alle in Ruhe!”, motzte Sephiroth und lief genervt davon.
Oben in seinem Zimmer wollte er eben die Tür von innen verschließen, als sich jemand von außen dagegen stemmte.
„Nein, Sephiroth. Du wirst jetzt nicht schon wieder weglaufen.”, sprach Damien, schloss die Tür hinter sich und blieb genau dort stehen, damit ihm der Kleine nicht wieder entwischen konnte.
Stur und bockig, wie ein kleines Kind stand Sephiroth, mit verschränkten Armen, mitten im Raum.
„Was soll das? Was willst du noch von mir?! Reicht es nicht schon, dass ich dir den „Frieden” angeboten habe?! Musst du nun auch noch in meine Clique wollen?! Und nun lass mich hier raus, oder noch besser, verschwinde sofort aus meinem Zimmer!”, sprach Sephiroth wütend, aber doch mit ruhiger Stimme.
„Sephiroth, jetzt höre mir bitte einen Moment zu. Du weißt, ich liebe dich, aber ich würde mich, dir zuliebe, auch auf eine Freundschaft einlassen, wenn du es zulassen würdest. Außerdem bin ich es nicht gewesen, der den Vorschlag mit dem neuen Mitglied in deiner Clique hatte, oder!? Ich wäre schon mit deiner Freundschaft zufrieden und ich will auch nicht unbedingt in deine Clique. Wovor hast du nur solche Angst, Sephiroth?”
„Tze, ich habe vor gar nichts Angst. Wovor sollte ich mich denn auch fürchten?”, erwiderte Sephiroth arrogant und voller Stolz.
„Na, zum Beispiel, dass dir jemand deine Clique wegnehmen und dir deine Freunde ausspannen könnte und du würdest dann eventuell ganz allein und einsam sein. Vielleicht fürchtest du auch, ich könnte dich von deinem „Anführerposten” stoßen. Oder hast du einfach Angst dich zu verlieben und vor den ganzen Gefühlen, die auf dich zukommen könnten? Vielleicht gibt es da noch ganz andere Ängste …hm?”
Verdammt, Damien kam Sephiroths Ängsten gefährlich nahe und er sprach diese viel zu offen aus. Er musste unbedingt versuchen daraus zu entkommen. Viel zu tief war Damien schon in ihn eingedrungen, das konnte so auf keinen Fall weitergehen. Nach einer Ausrede suchend blickte Sephiroth zu Boden und sein Gesicht färbte sich in ein leuchtendes, sehr ungesundes Rot.
Langsam ging Damien auf Sephiroth zu und blieb, in einem geringen Abstand vor ihm stehen.
„Was ist los, Kleiner? Ich habe deine Ängste zu offen ausgesprochen, stimmt’s? Hey, ich will dir nicht wehtun. Und es tut mir leid, wenn ich dich doch irgendwie verletzt haben sollte. Das wollte ich nicht, bitte glaub mir.”, mit diesen Worten umarmte Damien Sephiroth sanft und hielt ihn einfach nur in den Armen.
Gefühle stiegen in Sephiroth auf und er fühlte sich zunehmend unwohl. Nach relativ kurzer Zeit stieß Sephiroth Damien sehr unsanft von sich.
„Nein, lass das …ich…”, sprach Sephiroth, doch beendete er den Satz nicht und er blickte Damien auch nicht an.
Er drehte sich von Damien weg und blickte scheinbar aus dem Fenster.
„Schon gut, Kleiner, ich verstehe dich. Und ich werde dich jetzt allein lassen, okay. Bye, mach’s gut.”, antwortete Damien kurz und bündig, dann verließ er das Zimmer.
Nachdem Damien die Treppen hinab gegangen war, bedankte er sich bei Randir, verabschiedete sich vom ihm und machte sich auf den Weg nach Hause.
Sephiroth hatte sich derweil in seinem Zimmer eingeschlossen und war nicht bereit, das Zimmer noch einmal zu verlassen. Er legte sich in sein Bett, schaltete das Fernsehen an, relaxte und schlief schon sehr bald ein, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die Gespräche zu verschwenden.
*-*-*
Sephiroth erwachte aus einem eigentlich sehr schönen Traum, doch ängstigte ihn das, was er geträumt hatte …na ja, zum Glück war es ja nur ein Traum, wenn er ihm auch mehr als real vor kam. In diesem Traum ging es wieder einmal um …Damien!
Langsam setzte sich Sephiroth in seinem Bett auf und sah sich um. Dann sah er auf die Uhr …au man, es war erst viertel vor drei und ein Blick zum Fernsehen verriet ihm, dass dort ein ziemlich mieser Erotikfilm lief …und doch sah er interessiert zu, dann schaltete er ein paar Mal hin und her …nichts anderes …immer wieder …Moment mal …war das nicht ein …Schwulenfilm?!
Zunächst gelangweilt dann, etwas interessierter, sah Sephiroth zum Fernsehgerät und sah sich diesen Film an. Die Männer, die sich da liebten, sahen richtig klasse aus und passten richtig gut zusammen. Entgegen seiner Erwartungen, ekelte ihn nicht an, was er sah …im Gegenteil …in ihm regte sich etwas und er…
Nein, was soll das?! Schnell schaltete er den Fernseher aus und ließ seinen Oberkörper nach vorn sinken. Sodann bemerkte er, dass ihn dieser Film ziemlich angeheizt hatte …aber…
Was sollte er jetzt tun? Sollte er jetzt etwa, so wie es ihm sein „Instinkt” sagte, Hand an sich legen …so was hatte er noch nie getan …und …er fand es auch irgendwie unangemessen. Nur, wenn er jetzt nichts dagegen tat, was würde dann passieren …zudem seine Erregung ja nun sichtbar war.
Er legte sich in sein Bett und versuchte an etwas anderes zu denken und die Bilder aus dem Film, aus seinem Kopf zu verdrängen. Aber es gelang ihm nicht. Wie von selbst …so als konnte er gar nicht anders, legte er doch Hand an sich und begann sich zu streicheln.
Nach nur sehr kurzer Zeit überkam ihn ein wohliges Gefühl, als er sich in seiner Hand ergoss. Sein ganzer Körper zitterte leicht, seine Augen waren geschlossen und seiner Kehle entrann ein erregtes Stöhnen… Jetzt fühlte sich Sephiroth schon sehr viel besser. Nachdem er sich erholt hatte und wieder normal atmen konnte, stand er auf, lief ins Bad und duschte so an die …zwei Stunden…
Erst als er alle Spuren beseitigt hatte, trocknete er sich ab und ging wieder in sein Zimmer. Hier zog er sich etwas bequemes an, holte sich anschließend, aus der Küche eine Flasche Mineralwasser, lief wieder in sein Zimmer, legte sich auf das Sofa und schaltete das Fernsehen wieder an. Er sah sich diesen „Schwulenfilm“ weiter an.
Jetzt versuchte Sephiroth sich unter Kontrolle zu halten, was ihm sehr schwer fiel. Aber er schaffte es letztlich. Woraufhin er schließlich einschlief. Zum Glück war ja Samstag und er musste heute nicht in die Schule, somit konnte er endlich mal wieder ausschlafen.
*-*-*
Samstagmorgen, Sephiroth schlief noch sehr lange und erwachte erst, als ihn seine Mutter vorsichtig weckte …was nicht so ganz „ungefährlich“ war …ebenso gut konnte man auch gleich in ein Krokodilsgehege gehen, das dann wahrlich gemütlicher war, als Sephiroth, wenn man ihn weckte…
„Sephi? Sephi, mein Schatz, komm wach auf.”, weckte Fabienne ihren Sohn sehr sanft.
„Mum, was ist denn?”, fragte Sephiroth Schlaftrunken, ohne seine Augen zu öffnen.
„Sephi, du hast Besuch. Möchtest du dich erst frisch machen, oder magst du deinen Besuch so empfangen?”, wollte Fabienne noch wissen.
„So, wer ist es denn?”, fragte Sephiroth weiter.
Doch kam Fabienne nicht mehr dazu ihm zu antworten, denn der Besuch sprach für sich selbst:
„Ich bin es, Sephiroth und ich wollte dich fragen…” dann trat Damien neben Fabienne und stand jetzt vor dem Sofa, auf dem Sephiroth lag.
„Verschwinde einfach. Mir ist nicht nach reden…”, mit diesen Worten drehte sich Sephiroth um, schloss die Augen und schwieg wieder.
„Sephi, das ist sehr unhöflich. Bitte, rede mit Damien anständig.”, forderte Fabienne liebevoll, verließ dann aber das Zimmer ihres Sohnes.
Sephiroth drehte sich wieder um, stand langsam auf und sah Damien gelangweilt an.
„So, ich bin jetzt wach, was gibt es denn so wichtiges?”, fragte Sephiroth und sah Damien tief in die Augen, der dann beinahe dahin schmolz.
„Seph, ich wollte dich fragen ob du vielleicht Lust hast mit mir in Kino zu gehen.”, erwiderte Damien freundlich.
„Dazu hab ich keinen Bock. Und jetzt raus aus meinem Zimmer. Ich will nämlich weiter schlafen.”
„Gut, wie du meinst, wir können auch unser kleines Gespräch von gestern fortsetzen. Na, was hältst du davon?”
„Ich sagte schon, dass ich beabsichtige noch etwas zu schlafen. Und jetzt raus hier…”
Damien verschloss die Zimmertür von innen und sprach: „Nein, ich werde das Zimmer jetzt nicht verlassen.”
„Man, geht das schon wieder los?!”, murmelte Sephiroth, verschränkte die Arme, rollte mit den Augen und stellte sich ans Fenster.
Mit einem Mal dachte er, eigentlich ungewollt, an den Film, den er um drei Uhr morgens gesehen und der ihn so sehr erregt hatte, dass er …Hand an sich legen musste. Vorerst gelang es ihm diese Erregung zu unterdrücken. Jedoch wurde seine Erregung, trotz aller Mühe, sehr bald und sehr deutlich sichtbar, so dass er sich wirklich nicht mehr zu Damien umdrehen konnte.
Mist, verdammter …dachte Sephiroth, was sollte er jetzt tun? Wenn Damien das mitbekam, dass er …so erregt war …was würde er dann tun? Und vor allem, was konnte er selbst jetzt gegen seine Erregung tun? Hier, vor Damien konnte er jetzt kaum Hand an sich legen …das würde den doch erst recht …anheizen.
Krampfhaft versuchte Sephiroth an etwas anderes zu denken, auch wenn es ihm gerade sehr schwer fiel und er unter großem „Druck“ stand.
Nun saß… eher stand… Sephiroth, wortwörtlich, in der Falle…
Sephiroth schwieg sich aus, denn er hatte jetzt wirklich mit seiner Erregung zu kämpfen. Damien fragte ihn jedoch:
„Was ist los, Seph? Kann ich dir helfen? Was hast du denn? Bitte, rede mit mir, Kleiner.” und ging mit langsamen Schritten auf Sephiroth zu.
Sanft berührte er ihn an den Schultern und drehte ihn langsam zu sich um. Zuerst blickte Damien Sephiroth ins Gesicht, das knallrot angelaufen war. Sein Blick wanderte auch ein wenig über den Körper des Anderen. Dann musste er schmunzeln. So war das also …der Kleine stand ziemlich unter Druck.
Damien legte seine Arme vorsichtig um Sephiroths Hüfte und flüsterte ihm ins Ohr:
„Ich kann dir helfen, deinen Druck loszuwerden, Kleiner. Wenn du mich lässt.” und grinste frech.
Sephiroth stand nun so sehr unter Druck, dass er es notgedrungen zuließ und Damien ohne Worte zunickte.
Damiens Herz machte beinahe einen Freudensprung. Er hob Sephiroth hoch und trug ihn, auf seinen starken Armen, auf das breite weiche Bett. Langsam begann Damien Sephiroth zu entkleiden, doch merkte er sehr schnell, dass der Kleine unter sehr großem Druck stand. Also machte er sich an Sephiroths Hose zu schaffen, zog dem Kleinen die Hosen aus und begann die Männlichkeit seines Angebeteten zuerst sanft zu streicheln.
Aber er wollte es nicht zu schnell enden lassen und Sephiroth noch etwas der süßen Folter aussetzen. Deshalb küsste er den Silberhaarigen zunächst sanft, dann leidenschaftlich auf den Mund. Im nächsten Moment küsste er am Hals des Jüngeren entlang und sich an dem zarten, sehr schlanken Körper des Jüngeren hinab zu küssen.
Und erst nachdem er sich den Innenschenkeln und auch dem anderen Rest des Körpers ausgiebig gewidmet hatte, küsste und leckte er die Männlichkeit seines Angebeteten sehr sanft. Vorsichtig ließ er „den kleinen Sephiroth“ in seinen Mund gleiten und begann genussvoll zu saugen. Erst sehr sacht, dann immer gieriger werdend, bearbeitete er Sephiroths Männlichkeit…
Derweil war Sephiroth längst nicht mehr Herr seiner Sinne und stöhnte nur noch laut auf. Diese Gefühle …die kein Ende mehr zu nehmen schienen …sie waren so …schön …viel schöner, als wenn er es sich selbst machte. Sein Herz pochte so schnell, als könnte jeder Schlag der Letzte sein.
Schließlich konnte er sich nicht mehr zusammennehmen und ergoss sich unter lautem Stöhnen, das eher einem äußerst erregtem Schreien glich. Sein ganzer Körper zitterte …bebte und bäumte sich auf. Seine Hände suchten Halt in dem weichen Bettlaken und krallten sich hinein.
„Ahhh …Damien…!”, stöhnte Sephiroth laut auf.
Währenddessen spreizte Damien die Beine des Jüngeren und führte erst einen dann zwei Finger behutsam in den Eingang des Jüngeren ein, nachdem er seine Finger etwas befeuchtet hatte. Vorsichtig begann er ihn zu weiten und ihn auf das vorzubereiten, was er gleich mit ihm tun würde.
Seine Augen schließend kam Sephiroth nicht mehr aus dem Stöhnen heraus und seine Männlichkeit hatte sich schon wieder zu einer schmerzhaften Schwellung aufgerichtet.
Dies war Damien natürlich nicht entgangen. Er befeuchtete seine Männlichkeit mit etwas Speichel (Gleitcreme stand nicht zur Verfügung) und versuchte vorsichtig in Sephiroth einzudringen.
Als Sephiroth das bemerkte, verkrampfte er ein wenig und aus seinen Augen rann eine winzige Träne, so dass Damien sein „Vorhaben” zunächst nicht fortführen konnte.
„Schh…, ganz locker bleiben, Kleiner, nicht verkrampfen, dann tut es auch nicht weh, versprochen.”, flüsterte Damien Sephiroth liebevoll zu und küsste ihn sanft.
Schließlich schaffte es Damien in den Sephiroth einzudringen und bewegte sich anfangs nicht, damit sich der Kleinere an ihn gewöhnen konnte. Dann bewegte er sich nur sehr sacht in ihm.
Sephiroth stöhnte erst vor Schmerz, dann vor Erregung laut auf, als Damien in ihn eindrang.
Diese Enge erregte Damien so sehr, dass er sich kaum noch beherrschen konnte. Lustvoll bog er seinen Oberkörper leicht nach hinten und stöhnte. Jetzt stieß Damien sehr hart zu, auch wenn er befürchtete dem Jüngeren weh zu tun, doch konnte er sich nun nicht mehr beherrschen. So brachte er sich und Sephiroth zum wohlverdienten Höhepunkt.
Beider Körper spannten sich lustvoll an. Beide stöhnten laut auf …dann entspannten sie sich wieder und Damien fiel neben Sephiroth auf das weiche Bett.
Damien sah Sephiroth liebevoll an und hauchte ihm zu:
„Ich liebe dich.”, und streichelte seinen „Liebsten” zärtlich.
Doch Sephiroth erwiderte nichts …er errötete nur und schloss seine Augen.
Eine Weile blieb Sephiroth noch neben Damien liegen, doch dann stieg er aus dem Bett und ging ins Bad. Jetzt musste er unbedingt gründlich duschen. Er musste alles sorgfältig abwaschen und das tat er auch…
Damien hatte sich zwar gewundert, dass Sephiroth nichts erwidert hatte und sich schon so bald erhoben und sich ins Bad verkrümelt hatte. Aber er blieb dennoch selig in dem Bett liegen, schloss die Augen, drehte sich auf die Seite und genoss den Duft von Sephiroth, der dem Kopfkissen anhaftete. Er liebte Sephiroth wirklich von ganzem Herzen…
An die zwei Stunden vergingen ehe Sephiroth das Bad verließ und sein Zimmer betrat. Er betrat anschließend seinen begehbaren Kleiderschrank, holte sich seine schwarzen Sachen raus und kleidete sich an. Jetzt fühlte er sich schon sehr viel besser. Nur eines störte noch. Damien!
*-*-*
Mit einer Eiseskälte, in seinem Blick, weckte Sephiroth Damien, der friedlich eingeschlummert war, sehr unsanft:
„Los Damien steh auf und verzieh dich. Du hast hier nichts zu suchen!”, doch berührte er ihn nicht.
Ein wenig verschlafen räkelte sich Damien und sah Sephiroth lächelnd an. Als er jedoch diesen eisigen Blick von Sephiroth wahrnahm wurde ihm ziemlich mulmig zumute. Sogleich stand er auf und zog sich seine Boxershorts an. Dann fragte er ihn:
”Darf ich wenigsten noch duschen?”
„Mach was du willst, aber geh mir aus den Augen und nimm deine Klamotten mit!”, erwiderte Sephiroth kalt und sah Damien arrogant und hochmütig an, während er ihm seine Sachen achtlos vor die Tür warf.
Damien verließ das Zimmer und hob seine Sachen vom Boden auf um das Bad aufzusuchen.
Währenddessen verschloss Sephiroth das Zimmer wieder und atmete erst mal tief durch.
Geschafft …dem hatte er es aber gezeigt. Sephiroth lachte diabolisch auf, als er an den erschrockenen Blick von Damien dachte.
Da er sowieso wach war, war ihm jetzt langweilig und er verließ sein Zimmer wieder, woraufhin er auf Damien traf, der gerade aus dem Bad kam. Sephiroth ignorierte Damien gekonnt und lief an ihm vorbei. Er flitzte die Treppen runter, lief in die Küche zu seiner Mutter und fragte sie:
„Mum, darf ich mit dem Ferrari fahren? Bitte, Mum.”, und sah Fabienne liebevoll und mit kindlichem Blick an.
Fabienne lächelte ihren Sohn an und nickte, dann sprach sie liebevoll bittend:
„Na gut, Schatz, aber fahr vorsichtig, hörst du. Und bitte, fahre nicht zu schnell.”
„Werde ich nicht, versprochen, Mum. Ich hab dich lieb und danke.”, bedankte sich Sephiroth, drückte seine Mutter liebevoll an sich, und ließ sich von seiner Mutter die Schlüssel geben.
Dann ging er in die Garage, stieg in den Wagen ein, startete den Motor und fuhr, vor Damiens erstauntem Gesicht, davon…
Kopfschüttelnd sah Damien Sephiroth nach. Hatte sich Damien wirklich so sehr von seinem Gefühl und von Sephiroth täuschen lassen? Wobei, wenn er richtig überlegte, hatte Sephiroth ihn nur für eines gebraucht …sich befriedigen zu lassen. Sollte er sich wirklich so sehr geirrt haben? Nun, scheinbar verhielt es sich tatsächlich so, dass Sephiroth nichts von ihm wollte …er liebte ihn wirklich nicht.
Traurig trat Damien den Heimweg an und er schwor sich …ab sofort würde er Sephiroth aus dem Weg gehen …wenn es sich denn einrichten ließ.
Es würde sehr schwer werden, denn er liebte diesen Bengel, den er zudem eben erst verführt und der sich ihm so ganz und gar hingegeben hatte. Sollte das alles wirklich nur eine Illusion und eine Lüge gewesen sein? Nein, das konnte es doch noch nicht gewesen sein…
Immer weiter lief Damien, in Gedanken versunken, die Straße entlang, als plötzlich neben ihm ein Auto, mit quietschenden Reifen, hielt…
Sephiroth war eine Weile herum gefahren und hatte genug Zeit zum Nachdenken gehabt. Hatte er sich in letzter Zeit wirklich richtig verhalten? Er hatte seine Freunde enttäuscht, seine Eltern und …Damien…
Sollte er vielleicht zurückfahren und sich bei Damien entschuldigen …nein …Sephiroth schüttelte mit dem Kopf …niemals würde er sich, außer bei seinen Eltern, bei jemandem entschuldigen.
Aber er hatte einen anderen Plan, wie er vorgehen konnte, ohne sich entschuldigen zu müssen.
So wendete er den Wagen und kehrte um. Er war schon eine Weile gefahren, als er Damien auf dem Gehweg laufen sah. Er schien traurig zu sein oder überlegte er nur? Na, egal, Sephiroth fuhr an den Rand des Gehwegs und stoppte das Auto.
„Damien, bitte bleib stehen ich möchte mit dir reden.”, begann Sephiroth, sprang gekonnt aus dem Ferrari-Cabrio und stellte sich genau vor Damien hin.
Damien seinerseits sah Sephiroth nur an und fragte ruhig und traurig:
„Was willst du noch, Sephiroth? Hast du mir nicht genug weh getan, reicht es dir denn noch immer nicht!? Ich gratuliere, du hast dein Ziel erreicht und mich vernichtet. Das war es doch was du wolltest, nicht wahr?!”
„Bitte, steig in den Wagen. Ich möchte mit dir reden. Und nein, ich will dir jetzt nicht noch einmal weh tun und ich will dich auch nicht mehr „vernichten“. Komm, ich fahr dich heim.”, bot Sephiroth Damien bittend an.
„Okay, schon gut. Ich werde mir anhören was du zu sagen hast.”, willigte Damien ein und stieg in den Wagen, denn irgendwie kam er von Sephiroth nicht los und liebte ihn trotz allem noch immer.
Sephiroth startete den Motor, gab Gas und fuhr vorerst in einen wunderschönen kleinen Park.
Hier parkte Sephiroth den Wagen, stieg aus und bat auch Damien auszusteigen.
Ohne ein Wort zu verlieren kam Damien der Bitte von Sephiroth nach.
Auf einem wunderschönen Fleckchen Rasen setzte sich Sephiroth und bot auch Damien einen Platz an. Damien setzte sich und sah Sephiroth einfach nur an …verdammt, wenn ihn dieser Anblick seines Angebeteten nur nicht so sehr faszinieren würde…
Sephiroth sah Damien ebenfalls an, aber diesmal hatte sein Blick etwas warmes …freundliches, dann sprach Sephiroth ruhig:
„Damien, ich bin nicht der Typ der sich entschuldigt und das werde ich auch nicht tun, ich hoffe du verstehst das. Aber, ich möchte dir etwas sagen. Von nun an werde ich dich nicht mehr als meinen Feind ansehen, ich werde versuchen zu dir ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Es wird eine Zeitlang dauern und ich bitte dich, mir etwas Zeit zu geben. Nun, vielleicht, entwickelt sich ja, irgendwann Liebe zwischen uns. Nur, bitte, bedränge mich nicht, okay. Ich biete dir zudem auch an Mitglied in meiner Clique zu werden, wenn du möchtest. Ja, das war’s eigentlich schon was ich dir sagen wollte …außer …na ja …noch, …dass du echt ein fantastischer Liebhaber bist.”, dann errötete Sephiroth und senkte seinen Kopf.
Damien schmunzelte und erwiderte: „Seph, bitte sieh mich doch an. Ich würde niemals von dir erwarten, geschweige von dir verlangen, dass du dich entschuldigst. Aber ich freue mich sehr über deine Worte. Und ich danke dir. Zudem würde ich mich wirklich sehr freuen, Mitglied deiner Clique werden zu dürfen. Und was die Zeit angeht …ich werde dir soviel Zeit lassen, wie du brauchst.”, erwiderte Damien, doch ging er jetzt nicht auf die Bemerkung von Sephiroth wegen dem „Liebhaber” ein.
Dem Kleinen war es ohnehin schon unangenehm genug, das spürte Damien genau. Langsam und sanft schob Damien einen Finger unter Sephiroths Kinn und hob dessen Kopf ein wenig an. Dann machte Damien Sephiroth ein Kompliment:
„Weißt du eigentlich was für wunderschöne Augen und was für ein hübsches Gesicht du hast?” und lächelte, dann fragte er ihn vorsichtig:
„Seph, darf ich dich in die Arme nehmen?”
Sephiroth nickte, ein wenig lächelnd, dann nahm Damien ihn liebevoll in die Arme, küsste ihn und drückte ihn sanft an sich.
Nur ganz langsam wagte es Sephiroth sich an Damien anzulehnen und ihm zu vertrauen…
Epilog
Wie versprochen nahm Sephiroth Damien in seine Clique auf, was auch die anderen drei Freunde sehr freute. Zwischen allen, außer einem, entwickelte sich eine enge Freundschaft, nach dem Motto: Einer für alle und alle für einen!
Wie erwartet verwandelte sich irgendwann die Freundschaft zwischen Damien und Sephiroth zu einer sehr starken Liebe. Sie begannen sich von ganzen Herzen zu lieben und …sie trennten sich nie wieder voneinander.
Natürlich war Sephiroth schon die ganze Zeit von Damien angetan, um nicht zu sagen, in ihn, verliebt gewesen. Aber er konnte es sich nicht eingestehen und er wollte es nicht wahrhaben. Vor seinen Freunden hatte Sephiroth immer nur den Größten spielen wollen …den Unbesiegbaren …er der angeblich keine Gefühle kannte …geschweige denn empfand. Dabei hatte er nur Angst vor dem was ihn erwartete…
Sephiroths Eltern …oder zumindest sein Vater Randir, hatte es natürlich die ganze Zeit bemerkt. Er kannte seinen Sohn einfach viel zu gut, um das nicht zu erkennen.
Da Sephiroths Eltern eine große Villa besaßen, zog Damien irgendwann zu Sephiroth.
Beider Eltern hatten nichts gegen diese Beziehung, auch wenn Damiens Vater doch sehr erschrocken über die Neigung seines Sohnes war. Dennoch stand er zu seinem Sohn.
Was niemand wusste, Zack und Angeal waren schon sehr lange ein Paar. Das hatte alle mehr als erstaunt, als sich die beiden irgendwann vor den Freunden, der Clique, outeten. Auch Sephiroth war sehr verwundert, obgleich er eigentlich alles von und über seine Freunde wusste. Er freute sich jedoch für Zack und Angeal.
Allein, Genesis konnte das alles nicht wirklich verstehen und trennte sich irgendwann von der „Schwulen – Clique”, wie er sie nannte. Zuerst war er allein geblieben, hatte sich aber irgendwann eine Freundin und neue Freunde gesucht und gefunden. Seiner ehemaligen Clique ging er, von nun an, aus dem Weg…
ENDE

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Information Mein bester Freund
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 01:55 PM - Replies (1)

Mein Wecker ging für mein Befinden, wie immer viel zu früh am Montagmorgen. Noch einmal drückte ich die Schlummertaste und drehte mich für fünf Minuten um, kuschelte mich wieder in mein weiches Kissen und die mollige Decke ein.
Draußen herrschten sowieso Minusgrade und da ging keiner freiwillig vor die Tür. Außerdem stand für heute eine Mathearbeit auf dem Programm und da hatte ich nun gar keine Lust drauf.
Aber der Wecker war unbarmherzig und dröhnte erneut durch mein Zimmer. Nun kam auch noch meine Mutter hinzu, die auf einmal gegen die Tür hämmerte.
“Nico! Aufstehen! Du verpasst noch den Bus!“, rief sie durch die geschlossene Tür.
Etwas genervt kroch ich auf allen Vieren aus dem Bett und fand tatsächlich den Weg unter die Dusche. Komisch, dass man sich danach immer wie neugeboren fühlte und die morgendliche Müdigkeit wie weggeblasen war.
Dennoch bereute ich es manchmal mich fürs Gymnasium entschieden zu haben. Mit meinen achtzehnJährchen hätte ich jetzt auch beinahe mit einer Ausbildung fertig sein können. Doch mein bester Freund hatte mich so bedrängt, dass er nicht alleine weiter zur Schule gehen wollte, dass ich zugestimmt hatte.
Was hatte ich jetzt davon? Dass er, als absoluter Mädchenschwarm, eine nach der anderen abschleppte und ich immer ihre Freundinnen aushalten musste.
Meine Zähne putzte ich noch und schmierte mir ein bisschen Gel in die dunkelbraunen, kurzen Haare, so dass sie auch mit Mütze nachher noch sitzen würden. Meine rehbraunen Augen verrieten mir wie anstrengend das Wochenende gewesen war und ich nahm mir wie immer vor, es das Nächste ruhiger angehen zu lassen.
Aus meinem Kleiderschrank wählte ich eine Bootcut Jeans und einen Kuschelpulli. Beides zog ich über meinen gut durchtrainierten Körper, für den ich viel Sport trieb, um ihn so in Schuss zu halten.
Dann rannte ich die Treppe runter, nahm immer zwei Stufen auf einmal und sprang die letzten drei runter. Zog meine Daunenjacke an, setzte meine Mütze auf und schnappte meinen Rucksack.
Ein kurzer Taschencheck versicherte mir, dass Zigaretten, Feuerzeug, Portemonnaie und Handy an Bord waren.
“Ich bin dann weg!“, rief ich meiner Mutter noch zu.
“Wann kommst du heute nach Hause?“, kam es fragend aus der Küche.
“Denke erst heute Abend“, antwortete ich, da ich meistens noch mit zu meinem besten Freund ging und war auch schon auf dem Weg zu Bushaltestelle.
*-*-*
„Roy?! Du solltest langsam aufstehen!“, rief es von unten und ich erkannte diese Stimme als die meines Vaters.
Ja, auch mit meinen 18 Jahren ließ ich mich noch von meinem Vater wecken.
Eine Mutter hatte ich nicht mehr, sie war, nach einer Impfung, gestorben, als ich 12 Jahre alt war.
Ihr Tod hatte mir damals schwer zugesetzt, aber ich hatte es verdrängt und bis heute nicht verarbeitet.
Von da an hatte sich mein Vater sehr liebevoll und rührend um mich gekümmert.
„Ja…“, stöhnte ich genervt, schälte mich aus meinem Bett und ging ins angrenzende Bad.
Mein Spiegelbild sagte mir… man, Junge, du siehst ja furchtbar aus.
Meine langen, leicht gewellten, feuerroten Haare, die mir bis zum Hintern gingen, waren total zerzaust und meine hellblauen Augen waren noch so halb geschlossen.
Ich sprang erst mal unter die Dusche und duschte mich kurz ab. Anschließend ging ich wieder in mein Zimmer, suchte mir meine Sachen für heute raus und kleidete mich an.
Meinen sehr schlanken, etwas sportlichen Körper, mit einer Größe von 1,78 m bekleidete ich nun mit einer blauen Designerjeans, die diverse Applikationen besaß, ein dunkelblaues Sweatshirt, mit Kapuze und schwarze Biker-Halbstiefel, die ich aber unter den Hosenbeinen „versteckte“.
Meine langen roten Haare kämmte ich sehr sorgfältig, doch ließ ich sie, wie immer, offen.
Ich schnappte mir dann meinen schwarzen Rucksack und rannte die Treppe herab, verabschiedete mich von meinem Vater, schnappte mir meine Autoschlüssel, rannte aus dem Haus, zur Garage, schloss diese auf und setzte mich dann in meine feuerrote Dodge Viper, die ich von meinem Vater zum achtzehnten Geburtstag geschenkt bekommen hatte, dann startete ich den Motor und raste los, ab zum Gymnasium…
*-*-*
Ich musste feststellen, dass es heute wirklich wieder sehr kalt war, als ich auf dem Weg zur Haltestelle war. Mein Gesicht vergrub ich schützend in meine Jacke, genauso wie meine Hände in den Taschen Schutz suchten.
Eigentlich wollte ich ja eine Zigarette rauchen, konnte mich aber nicht dazu durchringen meine Hände aus der Wärme zu nehmen. Als ich um die Ecke bog, sah ich gerade den Bus an der Haltestelle stehen. Das würde ich im Leben nicht mehr schaffen, auch wenn ich in Sport eine Eins hatte.
Mein Schritt verlangsamte sich und ich wühlte suchend in meiner Tasche nach meinem Handy. Wozu hatte man denn einen besten Freund mit Führerschein und Auto? Meine Eltern verdienten leider nicht genug, um mir den finanzieren zu können. Weshalb ich noch immer als Fußgänger unterwegs war.
Meine Mutter war schon wieder Arbeitslos, bereits das vierte Mal dieses Jahr und mein Vater schaffte es man gerade, mit seinem Job alle Rechnungen zu bezahlen. Geld war ein Dauerstreitpunkt in unserem Hause.
Deshalb verbrachte ich auch am Liebsten viel Zeit bei Roy. Bei ihm war es total harmonisch und sein Vater war einfach toll. Aber nicht nur seinen Vater fand ich toll.
“Hey, magst du mich einsammeln“, sagte ich ins Handy hinein, mit einem gewissen Unterton, da er sich sicher denken konnte, dass ich meinen Bus mal wieder verpasst hatte.
*-*-*
Ich lag ganz gut in der Zeit, als mein Handy klingelte und ich auf die Lauttaste drückte.
„Hey, Nico… klar, ich bin gleich da. Bis denn dann.“, dann drückte ich wieder auf die Taste und beendete das Gespräch.
Ich trat ins Gas und nur wenig später hatte ich die Bushaltestelle erreicht. Ich öffnete die Beifahrertür mittels Knopfdruck und ließ meinen Freund einsteigen.
„Hey, mein Alter.“, begrüßte ich meinen besten Freund, schloss die Tür dann wieder ebenfalls per Knopfdruck, gab Gas und schon waren wir auf dem Weg zum Gymnasium.
„Na, was geht, alles klar bei dir?“, fragte ich ihn und achtete doch auf den Verkehr.
*-*-*
“Hey“, begrüßte ich Roy ebenfalls und konnte es nicht lassen ihn von der Seite zu mustern.
“Na ja, meine Mum hat heute morgen mal wieder ein auf heile Welt gemacht. Das nervt mich total. Nachdem was gestern Abend wieder für ein Krach war. Kann ich nachher wieder mit zu dir kommen?“, fragte ich ihn dann.
Eigentlich war die Frage überflüssig, da es schon Gang und Gebe war. Doch manchmal hatte er ja auch ein Mädel mit dem er lieber alleine sein wollte und das musste ich mir nun wirklich nicht antun.
Ich lehnte mich im Sitz zurück und schaute auf die Straße. Ab und an glitt mein Blick aber wieder zu Roy. Er war eben einfach ein Traummann.
*-*-*
Mitfühlend verzog ich das Gesicht, als er von seiner Mutter erzählte… kannte ich doch die Familie. Nico tat mir echt leid. Eigentlich wollte ich meinen Vater schon fragen, ob er nicht bei uns einziehen könnte.
Aber das würde er wahrscheinlich nicht wollen, da ich ja öfter mal eine Tussi abschleppte, na ja… ich wechselte die Mädels sehr oft, dann gabs einen „Stempel“ auf den Hintern und dann wollte ich sie immer nur noch schnell los werden.
Herrje, und was sie dann immer für ein Fass auf machten, nur weil ich keine Feste Beziehung, sondern nur Sex wollte… nicht mehr und nicht weniger.
Ich wusste, was die Tussen immer so an mir anzog… mein Auto, mein Geld und meine Designerklamotten… dafür ertrugen sie sogar, dass ich zickiger war, als sie selbst… tze… aber nicht mit mir.
„Klar, kannst du nachher mit zu mir kommen.“, beantwortete ich die Frage meines Freundes Nico.
Dann meinte ich, eigentlich eher beiläufig:
„Hey, eigentlich könntest du doch zu mir ziehen. Mein Dad hätte sicher nichts dagegen. Der kann dich doch eh echt gut leiden. Außerdem könnte ich dich dann immer mit dem Auto mit zur Schule nehmen.“
Dann hatten wir das Gymnasium erreicht, ich parkte mein Auto ein, stieg dann aus, ließ auch meinen Freund aussteigen und schloss das Auto dann sorgfältig ab.
Natürlich bemerkte ich die bewundernden Blicke, die mich immer wieder trafen, wenn ich mit der Viper vorfuhr.
Ich betrat dann mit meinem Freund das Schulgelände, doch kaum dass wir es betreten hatten, kam auch schon so eine Tussi auf mich zu.
Sollte ich die kennen…???
„Roy Youngster… wolltest du mich nicht gestern Abend anrufen?“
„Nein, wieso, sollte ich dich kennen?“, antwortete ich kalt lächelnd.
„Du… bist SO gemein…!!! Roy… was hab ich dir denn getan?“, heulte die Tussi los.
Ich schob sie nur beiseite und ging, mit meinem Freund, weiter.
„Du glaubst wohl, nur weil du reich bist, kannst du dir alles erlauben, was?!“, schrie sie mir hysterisch nach, was mich aber nicht juckte.
Natürlich konnte ich es mir erlauben, denn die Mädels lagen mir doch reihenweise zu Füßen. Außerdem gingen sie doch freiwillig mit mir mit. Klar, wusste ich auch, dass es nicht okay war, was ich tat, aber irgendwie konnte ich nicht anders… kein Plan warum.
Für mich waren sie alle nur ein angenehmer Zeitvertreib. Ich und eine Beziehung? Nein, danke. Der einzige zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis hatte, war Nico. Mit ihm konnte ich mich wenigstens vernünftig unterhalten… auch wenn ich bei einigen Themen, ihm gegenüber, auch schon mal zickig wurde…
*-*-*
Auf Roys Frage im Auto schüttelte ich nur den Kopf.
“Lieb gemeint von dir. Ich kann es mir ja mal durch den Kopf gehen lassen.“
Nichts würde ich lieber tun, doch würde ich mich dann bestimmt schnell verraten. Das konnte ich doch nicht riskieren. Vor allem wenn Roy es erfuhr, würde er mich sicherlich sowieso nicht mehr um sich haben wollen.
Die Sache mit den Mädels kannte ich ja nun schon mehr als gut und so verwunderte mich die Reaktion des einen Mädchens nicht sonderlich. Roy war in der Hinsicht ein richtiger Casanova. Nachdem ich aus meiner Jackentaschen meine Zigaretten geholt hatte und sah, dass ich nur noch zwei hatte, bot ich sie trotzdem Roy an.
Er würde mich aus Höflichkeit nicht abweisen, doch auch dafür sorgen, dass ich den Rest des Tages etwas zu rauchen haben würde. Nachdem ich meine leere Schachtel entsorgt hatte und mir meine Zigarette anzünden wollte, gab auch noch mein Feuerzeug den Geist auf.
“Hast du für Mathe gelernt?“, fragte ich Roy.
“Ich krieg den Mist nicht in meinem Kopf“, fügte ich hinzu.
Bei dem Gedanken wieder eine schlechte Note mit nach Hause zu bringen, wurde mir ganz schlecht. Eigentlich war ich doch Volljährig und konnte machen was ich wollte. Es war schließlich mein Leben.
Aber mein Vater sah das anders. Solange ich in seinem Haus wohnte, hatte ich auch gute Noten mit nach Hause zu bringen. Sollte ich im Haushalt mithelfen und stets mein Zimmer aufräumen. Vielleicht wäre es doch nicht so verkehrt, bei Roy einzuziehen. Dann wäre ich noch öfter in seiner Nähe.
Dann wollte ich nicht mehr an Mathe denken und schaute Roy fragend an.
“Was steht nachher denn noch so an?“
Schlafen, wäre eine gute Antwort, denn mir fielen schon beinahe wieder die Augen zu.
*-*-*
Was war nur mit meinem Freund los? Ich sah ihn an und konnte mir auf sein Verhalten keinen Reim machen. Er wollte es sich durch den Kopf gehen lassen, ob er zu meinem Vater und mir ziehen wollte? Warum?
„Sag mal, du hast heute echt nicht ausgeschlafen, was. Du weißt doch ganz genau, dass ich Nichtraucher bin.“, kicherte ich und wuschelte meinem Freund durch die Haare.
Irgendwas stimmte mit meinem Freund ganz und gar nicht. Ich wunderte mich sowieso schon lange, dass er keine Freundin hatte… na ja, zumindest hatte er mir noch nie etwas erzählt, das in die Richtung ging.
Aber na ja, vielleicht hatte er einfach noch kein Interesse für Mädels. Und was nicht ist konnte ja vielleicht noch werden. Er hatte ja auch wirklich genug andere Sachen im Kopf und leicht war für ihn das alles auch nicht… kannte ich doch seine familiären Verhältnisse.
Er tat mir so unglaublich leid und ich wollte ihm so gern helfen. Okay, ich war zwar zu den Mädels nicht ganz korrekt… verhielt mich sogar richtig fies zu ihnen, aber zu meinem Freund war ich immer offen und ehrlich und ihm würde ich jederzeit helfen.
„Nein, ich hab nicht für Mathe gelernt, das bisschen kann ich doch im Schlaf. Aber wenn du magst, können wir ja, nachher bei mir ein bisschen üben. Ich helfe dir gern.“
Ich machte eine kurze Pause und sah meinen Freund weiterhin sehr verwirrt an.
„Was nachher anliegt… kein Plan. Vielleicht üben wir erst mal Mathe oder so und dann chillen wir bei mir einfach ein bisschen. Was hältst du davon?“
Als er die leere Packung wegwarf, nahm ich seine Hand und zog ihn hinter mir her. Immerhin hatten wir noch genügend Zeit und konnten so noch schnell zum Kiosk um die Ecke gehen.
„Los komm, ich kauf dir noch ein paar Zigaretten.“, bot ich ihm grinsend an, denn ich wusste, dass er ohne diese Dinger nicht lange „überleben“ würde.
Okay, ich verstand zwar nicht, wie man überhaupt rauchen konnte, aber wenn er es denn so dringend brauchte… herrje, dann sollte er diese Dinger auch haben.
Nur einmal hatte ich versucht zu rauchen, aber es war mir schlecht bekommen, seitdem ließ ich es lieber bleiben, zudem kostete es eh zu viel Geld. Nicht, dass ich aufs Geld achten musste, aber ich sah einfach keinen Sinn darin Geld für etwas zu bezahlen, was meine Gesundheit ruinieren könnte.
*-*-*
“Aber die Mathearbeit ist doch heute“, sagte ich zu Roy, der mich hinter sich herzog.
Seine warme Hand, hatte meine gefangen genommen und mir war so, als würde mein Herz dazwischenliegen. Ohne Gegenwehr ließ ich mich von ihm mitziehen und genoss es, dass er meine Hand hielt. Mir stieg sogar ein wenig die Röte ins Gesicht und das obwohl es so kalt draußen war.
Ich vergrub einfach meinen Kopf weiter in meine Jacke hinein, vielleicht würde das dann nicht so auffallen.
Natürlich mussten uns zwei Mädels entgegen kommen und man konnte sie reden hören. Zuerst schwärmen sie über Roy, was nicht wirklich verwunderlich war. Als wir dann an ihnen vorbeigingen, konnte man die eine sagen hören:
“Zwischen mir und Nico lief absolut gar nichts. Er hat mich wohl im Arm genommen und Händchen gehalten, aber das war es auch schon. Nicht mal einen Abschiedskuss habe ich bekommen.“
Sabine hieß das Mädchen und ich konnte mich noch gut an sie erinnern. Sie war aufdringlicher als die anderen gewesen. Hatte es geradezu darauf angelegt. Aber ich blieb stur. Woher sollte sie auch wissen, dass ich gar nicht auf Frauen stand. Wenn es sonst auch noch niemand wusste.
Noch tiefer vergrub ich meinen Kopf in meine Jacke, so dass zwischen Mütze und Jacke nur noch meine Augen zu sehen waren. Ich war mir sicher, dass sie über mich redeten in der Schule, und dass sie es schon alle ahnten. Nur wie war das mit Roy? Ahnte er es auch?
*-*-*
Während ich Nico, mehr oder weniger, mit zum Kiosk zog kamen uns ein paar Tussen entgegen, die doch tatsächlich erst über mich redeten und eine dann über Nico redete. Irgendwie kam es mir komisch vor. Er hatte nicht mit ihr? Warum nicht?
Dass er eventuell schwul sein könnte, ahnte ich bis dahin nicht und machte mir so auch weiteren keine Gedanken darüber. Und auf das Gerede in der Schule gab ich eh nichts. Er war mein bester Freund und ich glaubte, wenn es etwas gab, dass so wichtig war, dann würde er doch sicher mit mir reden und sich mir anvertrauen. Da er das aber bislang nicht getan hatte, machte ich mir eben keine Gedanken darüber.
Ich mochte ihn sehr. Wir beide gingen immer durch Dick und Dünn… egal wie schwierig es war, wir schafften es… gemeinsam. Somit konnte ich mir nicht vorstellen, warum er mit mir nicht über so ein wichtiges Thema reden sollte, wenn denn an dem was dran war, was man in der Schule redete. Ich glaubte es jedenfalls keine Sekunde.
Am Kiosk angekommen kaufte ich ihm zwei Schachteln Zigaretten und ein Feuerzeug, dann gab ich ihm das alles anschließend und ging mit ihm zurück zur Schule. Unterwegs meldete ich mich dann doch zu Wort.
„Das weiß ich, dass die Mathearbeit heute ist, aber ich könnte dir trotzdem helfen, wenn du magst. Du weißt, dass mir das alles keine Probleme bereitet und warum sollte ich dir dann nicht helfen.“, und grinste ihn an.
„Wir können aber auch einfach nur chillen und abhängen… ganz wie du magst.“, schlug ich im Nachhinein vor.
Schließlich erreichten wir die Schule wieder und gingen gleich ins Gebäude, denn der Unterricht würde gleich beginnen…
*-*-*
Eigentlich hasste ich Üben und Lernen, aber mit Roy würde es sicherlich Spaß machen, deshalb stimmte ich zu.
“Okay, lernen wir nachher bei dir“, antwortete ich ihm.
Dann läutete es auch schon zur Stunde.
Ausnahmsweise war das Schicksal auf meiner Seite und unser Mathelehrer war krank, weswegen die Arbeit verschoben wurde. Es gab ein riesiges Gejubel im Klassenzimmer, als die Vertretung das verkündete.
Die Stunde über ging es locker zu. Wir sollten uns selber beschäftigen, aber ruhig verhalten. Während Roy und ich uns mit der Reihe vor uns unterhielten, kam von den Mädels ein Zettel rüber, der, wie sollte es auch anders sein, für Roy war.
Tina stand schon eine Weile auf ihn und wollte mit ihrer Freundin Barbara sich mit ihm verabreden. Sofern er auch einen Freund mitbringen würde. Ich ahnte schlimmes und hoffte darauf, dass er auf Tina keine Lust hätte.
Doch da machte ich mir sicherlich falsche Hoffnungen, denn sie war recht hübsch.
*-*-*
Obgleich ich das Lernen und die Schule sehr mochte jubelte auch ich, als verkündet wurde, dass die Klassenarbeit ausfallen würde. Wunderbar… dachte ich… das heißt viel Zeit zum Üben für Nico…. nein, an mich dachte ich dabei nicht.
Au man, dann erreichte mich, während wir uns selbst beschäftigen durften, ein Zettel von …, wie ich lesen musste, Tina. Gequält verzog ich das Gesicht, denn obwohl sie wirklich recht hübsch war, war sie nicht mein Typ und passte somit nicht in mein Beuteschema.
Also schrieb ich ihr zurück, dass ich keine Zeit hätte, weil ich was anderes vor hätte. Dann ließ ich den Zettel wieder zu ihr wandern und kümmerte mich nicht weiter um sie.
Langsam hatte ich nämlich die Nase gestrichen voll von den ganzen Tussen. Das war doch eh immer dasselbe. Alles woran die dachten war doch nur mein Geld und was ich ihnen vielleicht kaufen und möglichst noch schenken würde… na ja, und meine Viper machte die Sache wohl auch nicht besser.
Nein, danke, ich hatte echt keine Lust mehr auf den Kram und nahm mir vor, mich vorläufig mit keiner mehr zu treffen und auch sonst ein wenig auf Abstand zu gehen. Den Einzigen, den ich wirklich gern um mich hatte, war Nico, er war wenigstens nicht so oberflächlich wie diese Weiber….
*-*-*
Ich war mehr als erleichtert, als ich lesen konnte, was Roy zurückschrieb. Also hatten wir wie vereinbart nachher Zeit fürs lernen. Mir war es egal, was wir miteinander machten, Hauptsache er war bei mir. Ertragen könnte ich es nicht ihn als Freund zu verlieren. Dafür war er mir viel zu wichtig.
Der Rest des Vormittages verging ohne weitere Ereignisse und so rückte der Schulschluss näher. Als es endlich läutete, war ich sehr froh darüber. Kaum dass wir draußen waren, steckte ich mir auch schnell noch eine Zigarette an und ging mit Roy zu seinem Auto.
Sicher war es cool in so einem Wagen zu fahren, aber für mich machte es keinen Unterschied, ob es ein teures oder eine Klapperkiste war. Auch war ich nicht Roys bester Freund, weil er mir regelmäßig Zigaretten kaufte.
Wir kannten uns schon über Jahre und hatten die Freundschaft aufgebaut. Auch ohne Geld würde ich ihm am Liebsten nie wieder von der Pelle rücken. Bevor wir einstiegen, trat ich meine Zigarette aus und lächelte Roy an. Die Sonne strahlte jetzt und es war viel wärmer als heute morgen.
*-*-*
Froh darüber, dass Nico, die Zigarette ausgedrückt hatte, bevor er in mein Baby stieg, denn ich mochte es gar nicht, wenn in meinem Auto geraucht wurde… ich mochte diesen Geruch von Rauch überhaupt nicht.
Bevor ich einstieg, sah ich, dass Nico mich anlächelte und ich lächelte einfach nur zurück, dann stieg ich ein, startete den Motor, gab Gas und fuhr zu mir nach Hause, nachdem mein Freund Nico ebenfalls im Auto saß.
Allerdings fuhr ich niemals schneller als es erlaubt war und hielt mich strikt an die Verkehrsregeln.
Zum einen wollte ich meinen Vater nicht enttäuschen, zum anderen hatte ich Angst um mein Auto.
Zuhause angekommen, parkte ich mein Baby, stieg aus, ließ auch Nico raus und ging mit ihm ins Haus.
„Wie siehts aus, bevor wir zu Lernen anfangen, essen wir erst mal was, oder.“, bot ich ihm an und zog ihn auch schon hinter mir her, in die Küche.
Für uns Beide zauberte ich ein tolles Essen und deckte den Tisch in der Küche, so dass wir gleich loslegen konnten.
*-*-*
Gegen etwas zu Essen hatte ich nicht im Geringsten was und so ließ ich mir Roys Essen schmecken. Er hatte es einfach drauf und konnte auch noch verdammt gut kochen.
“Mmmhhhh lecker!“, gab ich nur während es Essens von mir.
Es schmeckte wirklich wie immer sehr gut und ich aß auch wie immer viel zu viel. Das würde ich nachher wieder abtrainieren müssen.
Wenn er jetzt auch noch Nachtisch hätte, würde ich vermutlich platzen. Dabei stand ich total auf Süßes. Nur war es schwierig Roy und Schokolade unter einem Hut zu bringen, schließlich war Roy schon viel zu Süß.
Nach dem Essen half ich noch beim Aufräumen und dann ging es hoch in sein Zimmer. Wie immer legte ich mich halb aufs Bett und holte meine Mathesachen raus. Nebenbei schaute ich noch schnell, was wir noch an Hausaufgaben auf hatten.
“Wollen wir erst die Hausaufgaben machen oder erst lernen?“, fragte ich unsicher und schaute in Roys schöne Augen.
Für einen Moment schienen sie mich gefangen zu haben, denn ich starrte Roy wie in Trance an.
*-*-*
Ich kochte gern mal, wenn ich Lust hatte, denn vieles hatte ich mir von meiner Mutter abgeguckt, als sie noch lebte, und dann hatte ich meinem Vater weiter zugesehen, der ebenfalls toll kochen konnte, deshalb gab es bei uns niemals Fastfood.
Mich freute es immer wieder, wenn es Nico schmeckte und ich ließ ihn essen so viel er wollte, warum auch nicht. Nachdem wir nun endlich in meinem Zimmer saßen, holte auch ich meine Schulsachen raus und schaute nach, was wir an Hausaufgaben auf hatten.
„Ich denke wir machen erst die Hausaufgaben und dann üben wir ein wenig, okay.“, antwortete ich Nico und machte mich sogleich an die Arbeit.
Dann bemerkte ich aber, dass er mich so merkwürdig ansah.
„Hey, was ist mit dir los? Schau mich nicht so an, sieh in deine Bücher. Oder hab ich einen Krümel auf der Nase?“ und konnte mir ein Lachen nun nicht wirklich verkneifen.
Konnte ich doch nicht wissen, was gerade in ihm vorging. Nachdem ich das Lachen nachgelassen hatte, machte ich mich weiter an meine Hausaufgaben, die für mich nun echt keine Hürde darstellten und die ziemlich schnell erledigt waren.
Mein Papa würde wieder sehr zufrieden mit mir sein. Wobei er das eh war. Er schimpfte fast nie, außer ich gab mal wirklich eine freche Antwort… was aber selten vorkam. Meine wechselnden Mädchenbekanntschaften störten ihn nicht, er ließ mich machen.
Seiner Meinung nach, war ich alt genug, um allein entscheiden zu können, was ich zu tun hatte und was nicht… was ich wollte oder eben nicht. Nun ja, das lag anscheinend auch daran, dass ich mir bislang keine schlimmeren Exzesse geleistet hatte und er somit wusste, dass er sich auf mich verlassen konnte.
Nach Mamas Tod hatte er sehr um sie getrauert und immer wieder hatte er geweint, aber, wie er meinte hätte er ja noch mich und ich wäre sein ganzer Stolz. So hatten wir uns gegenseitig getröstet. Aber so wirklich verarbeitet hatten wir es eigentlich nie.
Wir hatten es beide nur verdrängt und nie wieder ein Wort drüber verloren. Er hatte sich dann wirklich nur um mich gekümmert, so dass es mir nie an etwas fehlte… weder materiell noch gefühlsmäßig… er war einfach immer für mich da gewesen.
Wann immer ich ihn brauchte… er war da. So gab es für mich auch keinen Anlass irgendwelchen Unsinn anzustellen… das hätte ich mich auch gar nicht getraut… immerhin wollte ich ihn niemals enttäuschen.
Deshalb sagte ich auch noch immer Papa zu ihm… nicht wie andere Vater sagten, sobald sie „erwachsen“ waren. Er war eben einfach mein Papa und er blieb es auch. Mir war es auch egal, ob wer dabei war oder nicht und was andere dann dachten… war mir auch so ziemlich egal.
Ich liebte meinen Papa eben sehr… war er doch der beste Papa auf der ganzen Welt…
*-*-*
Als Roy lachte, wurde mir erst mal bewusst, dass ich ihn anstarrte. Ich versuchte irgendwie abzulenken, indem ich kurz mitlachte. Dann ging auch ich an meine Hausaufgaben, konnte es jedoch nicht sein lassen, ab und an zu Roy rüberzuschauen. Natürlich nur, wenn er gerade nicht hersah.
Für mich waren die Hausaufgaben nicht so leicht. Meinen Kopf musste ich ganz schön anstrengen, um alles richtig zu machen.Endlich war ich auch mit den letzten Sachen fertig. Mein Blick fiel wieder zu Roy, der schon lange fertig zu sein schien.
Jetzt wollte ich aber erst mal eine Rauchen. Denn das hatte ich mir nun wirklich verdient. Höflich wie ich war, ging ich dafür nach unten vor die Tür.
“Bin gleich wieder da. Soll ich was zu Trinken aus der Küche mitbringen?“, fragte ich noch, bevor ich runter ging.
*-*-*
Natürlich wusste ich, dass sich Nico sehr schwer mit den Hausaufgaben tat, aber wenn er hätte Hilfe haben wollen, dann hätte er mich sicher gefragt, zumindest erwartete ich das von ihm.
Ich musste grinsen und sah ihm kurz nach, als er mal wieder runter ging, um eine zu rauchen. Du meine Güte, was fand er bloß daran? Mich törnte so was eher ab, da er aber mein bester Freund war, duldete ich es.
„Nein, du brauchst nichts zu Trinken mitzubringen, ich gehe eh gleich in die Küche.“, rief ich ihm nach und räumte schon mal meine Schulsachen weg… die brauchte ich jetzt eh nicht mehr.
Ich stand dann auf und machte ein bisschen leise Rockmusik an, dann ging ich runter in die Küche und holte zwei Flaschen Cola und zwei Gläser aus der Küche, damit ging ich dann wieder hinauf in mein Zimmer und stellte alles auf den Tisch.
Aus meinem Schrank holte ich noch Chips, tat diese in eine Schale und stellte diese dann auf den Tisch. Anschließend wartete ich auf Nico, denn ein bisschen Lernen wollten wir ja auch noch…. nein, ich würde davon nicht abweichen… nahm ich mir zumindest vor.
*-*-*
Vom Rauchen zurück, erwartete mich eine romantische Stimmung, wie ich fand. Es hätte nur noch eine Kerze gefehlt. Ich nahm mir ein Glas Cola und bediente mich bei den Chips. Manchmal hatte ich ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich mich hier so durchfutterte. Aber Roys Papa und auch Roy hatten mir schon des Öfteren zu verstehen gegeben, dass ich das nicht haben bräuchte.
Dann machte ich es mir wieder auf Roys Bett bequem und hoffte sehr, dass Roy sich zu mir gesellen würde.
“Du willst jetzt lernen, hab ich recht?“, fragte ich skeptisch. Da mir die Motivation fehlte und ich sowieso nichts kapierte in Mathe.
Die Chancen, dass Roy da etwas ändern würde waren gering.
*-*-*
„Sehr richtig, wir werden jetzt Mathe lernen.“, bestimmte ich grinsend, nahm dann auch schon was ich brauchte an mich und gesellte mich zu Nico auf mein Bett.
Klar, dass ich mir nichts dabei dachte, aber ich fand es einfach schöner, auf dem Bett abzuhängen und so zu lernen. Ich schlug eine Seite mit Aufgaben auf, wo ich wusste, dass es ihm schwer fiel. Sodann begann ich ihm alles langsam zu erklären… eben so, wie es mein Papa mit mir immer getan hatte.
Er hatte mir immer Eselsbrücken gebaut, so hatte ich alles sehr viel besser verstanden und das tat ich nun auch für Nico, denn ich wusste, dass es sehr wohl helfen konnte. Zwischendurch goss auch ich mir ein Glas Cola ein und knabberte ein paar Chips.
*-*-*
Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, dass wir so dasaßen und lernten. Ich war gerne in Roys Nähe – viel zu gerne sogar. Doch die Sache mit dem Lernen war nicht ganz so toll. Aber da musste ich durch, und dass eine oder andere blieb auch hängen.
“Danke, ich denke das reicht jetzt aber wirklich“, sagte ich, denn es war schon beinahe dunkel draußen.
“Bin ja mal gespannt, wann wir die Arbeit nun schreiben werden“, fügte ich hinzu und rieb mir müde über die Augen.
*-*-*
„Hast du denn auch wirklich alles verstanden, hm?“, fragte ich Nico, der schon ziemlich müde zu sein schien.
„Ich denke mal, dass sie uns schon bescheid geben werden, wann wir die Arbeit nun schreiben.“, dachte ich laut nach und sah Nico an.
„Bist du müde? Soll ich dich heim fahren?“, bot ich ihm fragend an.
Dann hörte ich aber meinen Vater heim kommen und entschuldigte mich kurz bei Nico.
„Sorry, bin gleich wieder da.“, meinte ich, dann riss ich die Tür auf und ging hinab auf den Flur, wo sich grad mein Vater befand.
„Hallo Papa!“, freute ich mich, „da bist du ja wieder“, strahlte ich ihn, mit meinen Augen, förmlich an.
„Hallo Roy.“, begrüßte auch er mich, dann lagen wir uns einfach nur in den Armen.
„Wie war denn Tag, mein Kleiner?“, fragte er mich.
Wie immer erzählte ich ihm alles was gewesen war und er hörte mir interessiert zu.
„Nico ist auch hier, er ist oben in meinem Zimmer.“, beendete ich meine Erzählung.
„Ah, warte ich komme mit hoch.“, sprach er, dann gingen wir gemeinsam in mein Zimmer.
„Hallo Nico.“, begrüßte mein Vater meinen Freund sehr freundlich… eben wie immer.
*-*-*
“Och ein bisschen halte ich wohl noch durch“, hatte ich Roy geantwortet.
Als dann sein Papa nach Hause kam, freute ich mich auch. Ich mochte ihn sehr und begrüßte ihn auch.
“Hallo“, lächelte ich ihn an.
Einerseits war es schon manchmal komisch, da es bei mir zu Hause genau das Gegenteil war. Da beneidete ich Roy richtig ein bisschen. Andererseits wusste ich wie schwer es für Beide war, dass Roys Mutter nicht mehr am Leben war.
“Wie war ihr Tag?“, fragte ich Roys Papa, “Unser war etwas durcheinandergewürfelt aber das hat ihnen Roy ja gerade eben schon erzählt.“
*-*-*
„Mein Tag, war, wie immer, sehr schön.“, meinte mein Papa und lächelte. „Ja, er erzählt mir eben immer alles.“, fügte er hinzu.
Ich stand nur neben ihm und hörte einfach zu, während ich zwischen Beiden hin und her sah.
„Papa?“
„Ja?“
„Sag mal, hättest du was dagegen, wenn Nico zu uns ziehen würde?“
„Nein, warum, sollte ich denn was dagegen haben? Er ist doch ein ganz vernünftiger junger Mann. Ich habe nichts dagegen.“, stimmte mein Papa zu und sah Nico an, dann fragte er ihn:
„Würdest du das denn wollen, Nico? Roy scheint sich da ja ziemlich was in den Kopf gesetzt zu haben.“
Seine Worte ließen mich ein wenig erröten und ich sah zu Boden.
*-*-*
Na toll, das hatte Roy ja fein hinbekommen. Dabei hatte ich ihm doch gesagt, dass ich drüber nachdenke. Etwas sauer war ich jetzt schon, auch wenn Roys Reaktion auf seinen Papa recht süß war.
“Ich habe ihm gesagt, dass ich drüber nachdenke“, gab ich kleinlaut als Antwort.
Sicher war es bei meinen Eltern kein Zustand dort zu wohnen und die meiste Zeit war ich sowieso hier. Aber was wäre, wenn mein Geheimnis rauskommen würde. Stände ich dann auf der Straße? Meine Angst vor Roys Reaktion war wirklich groß. Doch jetzt war ich eigentlich nur eines: Sauer auf ihn!
*-*-*
Mein Papa sah erst mich, dann Nico an und zuckte mit den Schultern.
„Dann überlegst du es dir eben erst mal. Es ist okay.“, meinte mein Papa dann.
Nun sah ich Nico auch an und begann herumzuzicken:
„Man, dann eben nicht! Ich habs ja auch nur gut gemeint… dann geh doch zu deinen Leuten…. was willst du dann hier?! So viel zu… wir sind ja ach die besten Freunde!!!“
Mein Papa hatte derweil mein Zimmer verlassen, er mochte Streit nicht und mein herumgezicke… mochte er ebenso wenig, ergo verzog er sich.
„Dann kannst du ja auch gleich gehen!!“, zickte ich weiter, wollte ich doch meinen Kopf durchsetzen… eben auch wie immer…
*-*-*
“Sag mal geht’s noch?“, fragte ich skeptisch.
Eigentlich kannte ich Roys herum gezicke, nur hatte er es bei mir noch nie so weit gebracht. Wir stritten nur selten, doch heute hatte er irgendwie einen wunden Punkt erwischt. Ich war schon den ganzen Tag müde, die Mädels in der Schule hatten genervt, das blöde Lernen für Mathe und jetzt auch noch das. Da platzte mir der Geduldsfaden!
“Du weißt doch gar nicht was bei mir zu Hause ab gehen würde, wenn ich sage, ich ziehe aus. Außerdem scheint es dich ja herzlich wenig zu interessieren, was in mir vorgeht“, schrie ich Roy fast an.
So sehr war ich in Ekstase.
*-*-*
„Dann sag es mir, was in dir vorgeht, oder bin ich es dir nicht wert?! Du weißt alles von mir und über mich… aber weiß ich auch alles über dich?! Ich glaube nicht!“, schrie ich zurück und konnte meine Tränen eigentlich nur schwer zurückhalten.
„Außerdem bist du alt genug, um ausziehen zu können… aber egal. Und ob ich mich dafür interessiere, was in dir vorgeht… sicher interessiert es mich, aber danke für den Vorwurf! Ich mache und tue für dich, was ich kann… reiß mir den Hintern auf und von dir kommen nichts als haltlose Vorwürfe! So viel zu… beste Freunde!“, rastete ich, ob der Anschuldigung, ich würde mich nicht für ihn interessieren, nun völlig aus.
„Man, und ich dachte echt, du bist anders… man, was bin ich doch für ein Idiot!“, kam es von mir dann aber nur noch flüsternd…
*-*-*
Es zerriss mir das Herz, dass wir uns streiteten, dass Roy mir vorhielt, er wüsste nicht alles über mich.
Dann kam es wie von selbst aus mir heraus: “Ich bin durchaus anders! Weißt du wie scheiße es ist, wenn du auf einmal merkst, dass du dich fürs gleiche Geschlecht interessierst und es nicht nur eine Phase ist?
Kannst du dich da hineinversetzen? Sicherlich nicht!“
Tränen standen mir in den Augen. Vor Wut und auch vor Angst.
Das letzte was ich wollte, war Roy zu verlieren. Aber ich fühlte mich auch sehr erleichtert, als wäre eine riesengroße Last von mir abgefallen.
“Ja, du hast richtig gehört. Dein bester Freund steht auf Männer! Ist eine Schwuchtel!“, betonte ich es noch und merkte wie Tränen über meine Wangen liefen.
Ich sah alles nur noch verschwommen, so sehr weinte ich.
“Deshalb sollte ich wohl kaum hier einziehen“, brachte ich noch irgendwie raus, bis nur noch ein schluchzen kam.
*-*-*
Zunächst stand ich ziemlich geschockt da und sah Nico ebenso geschockt an. Das musste ich erst mal verdauen…
„Oookaaay…. du bist also schwul und magst Männer, gut, damit komme ich klar.“
Ich sah meinen Freund nun strafend an und sprach weiter:
„Aber warum erzählst du mir das erst jetzt, wo wir uns streiten!? Ich mein, du bist doch sicher nicht erst seit gestern schwul, oder. Und warum hattest du nicht schon vorher mal so viel Vertrauen zu mir und hast es mir erzählt, hm?!“
Ich wand mich ein wenig von Nico ab und flüsterte:
„So viel zum Vertrauen… und du willst dich meinen Freund nennen…?! Man, man, man… echt, das ist SO unglaublich mies. Weißt du, ich hab echt nichts dagegen, dass du schwul bist, na und, soll jeder machen was er will, es ist okay. Aber, dass du noch nicht mal mir vertraut hast… echt, das muss ich erst verdauen. Ich muss ja wirklich ein schlimmes Monster sein, das mir mein bester Freund nicht mal vertraut.“
Nur eine kurze Pause gönnte ich mir und fragte ihn dann:
„Warum …jetzt? Was hat sich geändert, dass du mir auf einmal doch vertrauen willst, hm? Oder ist es jetzt aus dem Streit aus dir heraus geplatzt?! Komm schon, sags mir und sag mir auch, warum du mich andauernd so anstarrst! Und lüge mich jetzt bloß nicht an… dann schwöre ich dir… kündige ich dir die Freundschaft… wenn du es wagen solltest mich zu belügen…“
*-*-*
Irgendwie versuchte ich mich einigermaßen zu beruhigen, denn meine Tränen machten was sie wollten. Verzweifelt wischte ich mit meinem Pulli durch mein Gesicht, da ich gerade kein Taschentuch zur Hand hatte.
Es machte Roy also nichts aus, dass ich schwul war. Doch war es ja nur die halbe Wahrheit und ich verstand sehr wohl, dass er sauer war.
“Ich hatte solche Angst vor deiner Reaktion!… Wollte dich doch nicht verlieren… Als Freund…Ich hab doch nur dich!…“, schluchzte ich mir zurecht.

“Gemerkt habe ich es schon vor einer ganze Weile. Nur wollte ich es lange nicht wahrhaben!…“, fuhr ich fort, “Denkst du mir macht das Spaß? Ich habe mich lange damit auseinandergesetzt…. So sehr gehofft, es sei nur eine Phase… doch es wurde nicht besser und dann…“
Eine Pause musste ich machen und kräftig schlucken. Es fiel mir so schwer, doch was hatte ich noch zu verlieren?
“Dann… wurde mir klar… dass ich mich in dich verliebt hatte… Deshalb habe ich nichts gesagt! Verstehst du?“, kam es kleinlaut von mir.
Unsicher schaute ich Roy durch den verweinten Schleier an. Auf alles gefasst, wartete ich auf sein Urteil für mich.
*-*-*
Jetzt musste ich mich setzen und ließ mich auf den Boden fallen… das war für mich wie ein Schlag in die Magengrube. Nachdem ich mich ein wenig gefasst hatte, stand ich doch wieder auf und sah ihn an. Ich sah sehr wohl, dass er weinte, aber darauf konnte ich jetzt leider nicht eingehen, auch wenn er mir sehr leid tat.
Dann platzte es aus mir heraus, nachdem seine Worte langsam durch mein Hirn gesickert waren
„DU HAST WAS?! Du… hast dich in mich… nein, das ist ein Scherz, oder?! Man, sag mir, dass das nicht wahr ist?!“
Natürlich verstand ich ihn nun sehr viel besser und ich verstand auch, dass er unter diesen Umständen nicht hier einziehen wollte…. aber dass er sich ausgerechnet in mich verliebt hatte, damit musste ich erst noch klar kommen….
„Au man… ich glaub, ich dreh gleich durch. Jetzt verstehe ich auch, warum du nie über Mädels geredet hast und nie eine hattest. Man, ich muss ja wirklich blind gewesen… Sorry, ich muss das erst mal verdauen.“, damit trat ich die Flucht an, verließ das Zimmer… hinter mir die Tür zuschlagend und rannte dann aus dem Haus.
Draußen angekommen, flitzte ich zu meinem Auto und setzte mich zunächst nur hinein, so als könnte es mich trösten. Mittels der Zentralverriegelung hatte ich die Türen abgesperrt, denn jetzt wollte ich einfach nur allein sein und meine Ruhe haben.
Meinen Kopf legte ich weinend auf das Lenkrad und weinte. Erst verließ mich meine Mutter… jetzt musste ich erkennen, dass ich eigentlich nie einen Freund hatte… denn wenn man sich einander nicht vertraut, kann auch keine Freundschaft entstehen… ergo war er doch nie wirklich ein Freund gewesen… und ich Trottel hätte echt fast alles für ihn getan… ich hatte immer zu ihm gestanden… egal was war… und nun hatte er sich auch noch in mich verliebt….
Wie sollte ich damit umgehen?
*-*-*
Ich wusste ja, dass Roy die Sache nicht gut aufnehmen würde. Nachdem er den Raum verlassen hatte, stand ich taumelnd auf und suchte meine Sachen zusammen. Irgendwie schaffte ich es auch die Treppe runter und machte mich auf dem Weg nach Hause.
Meine Jacke, meine Mütze und auch meinen Rucksack hielt ich den ganzen Weg über in meinen Armen. Aus irgendeinem Grund tat die Kälte unheimlich gut. Als hätte ich keinen seelischen Schmerz mehr.
Zuhause angekommen, schloss ich die Haustür auf und hörte meine Eltern schon wieder streiten. Meinen Schlüssel steckte ich von innen in die Tür und schloss ab, so würden sie sehen, dass ich zuhause war. Dann ging ich nach oben, legte meine Sachen in die Ecke und schmiss mich aufs Bett.
Noch nicht mal Licht hatte ich gemacht. Das würde ich jetzt nicht brauchen. Meine Tränen liefen einfach über meine Wangen und ich vergrub mein Gesicht in mein Kissen. Warum nur hatte ich es ihm gesagt? Er würde das nie verstehen und mir nie verzeihen.
Dabei dachte ich doch, er sei mein bester Freund. Wie konnte ich Idiot mich auch nur in ihn verlieben?
*-*-*
Etwas später hatte ich mich zumindest soweit beruhigt, dass ich wieder einigermaßen klar denken konnte. Und ich dachte über alles nach, was Nico mir gesagt und erzählt hatte. Natürlich hatte ich mitbekommen, dass er gegangen war und er tat mir jetzt so unglaublich leid.
Aber was sollte ich jetzt tun? Ich war mir ziemlich sicher, dass unsere Freundschaft vorbei wäre, dennoch wollte ich mich wenigstens noch einmal mit ihm vernünftig aussprechen. Das war mir unsere Freundschaft wert… auch wenn diese anscheinend nun vorbei war.
Vorbei… das war so ein unschönes Wort und ich musste wieder weinen… warum… warum hatte er mir nicht vertraut? Sicher, er hatte meine Reaktion wahrscheinlich befürchtet und vorausgesehen. Aber es war ja nicht so, dass ich was dagegen hatte, dass er schwul war… nein, dagegen hatte ich nun echt nichts und ich verstand ihn ja auch.
Aber was sollte ich jetzt tun? Ich war mir so unsicher und ich dachte weiter nach… Verdammt, ich wollte ihn doch nicht verlieren. Aber das hatte ich scheinbar schon… dabei war er der einzige wirkliche Freund gewesen, den ich je hatte…
Alle, die ich gern hatte, verließen mich… meine Mutter… nun auch mein Freund… mein bester Freund… ich hatte alle verloren, die ich gern hatte. Was war mein Leben jetzt noch wert? Nichts… absolut nichts mehr!
Dass unsere Freundschaft jetzt vorbei war, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Den Tod meiner Mutter hatte ich verdrängt, aber das Ende der Freundschaft zu Nico, brach mir nun endgültig das Herz…
Aus dem Handschuhfach fischte ich einen Kugelschreiber und einen Zettel, den ich von dem Block abriss, dann schrieb ich.
Lieber Papa,
ich kann nicht mehr… ich halte es nicht mehr aus. Erst verlässt mich Mama, jetzt mein Freund Nico…. mein einziger und bester Freund. Papa, mein Leben ist nichts mehr wert… es tut mir leid… Bitte, verzeih mir.
Nico, ich verstehe dich und ich habe dich so sehr gemocht… du warst der einzig gute Freund, den ich je hatte. Dass unsere Freundschaft vorbei ist… verkrafte ich nicht. Bitte, verzeih mir, dass ich nicht für dich da war, als du mich brauchtest.
Aber eines ist mir klar geworden… ich weiß jetzt warum ich die Mädchen immer so mies behandelt habe… vielleicht… ich weiß nicht… So gern hätte ich mich noch einmal mit dir ausgesprochen… aber nun scheint es so, als hätte ich meine Chance vertan…
Bitte verzeiht mir.
Roy
Den Zettel hängte ich an die Windschutzscheibe, dann ließ ich den Motor an und ließ ihn laufen, derweil ließ ich die Fenster meines Autos automatisch runter und atmete das Gas ein. Die Garage war nicht so sehr groß, es sollte also schnell gehen…
Minuten später verlor ich auch schon das Bewusstsein…
*-*-*
Roys Vater Maximilian, wunderte sich, dass es plötzlich so ruhig war… er ging nachsehen, doch es war niemand mehr da. Nico war weg und auch Roy schien verschwunden. Er dachte sich zunächst nichts dabei und ging nun der Hausarbeit nach.
Anschließend ging er in den Garten und wollte hier noch ein paar frische Blumen pflücken, doch dann hörte er, als er an der Garage vorbei kam, dass der Motor vom Auto seines Sohnes lief… da stimmte doch was nicht…
So schnell er konnte, öffnete er die Garage, flitzte zum Auto und stellte den Motor ab, dann öffnete er die Autotür und hob seinen Sohn aus dem Wagen raus. Er war bewusstlos und Maximilian konnte sich nur schwer die Tränen verkneifen. Sollte er, nach seiner Frau nun auch noch seinen Sohn verlieren?
Mit seinem Handy rief er so schnell es ging einen Krankenwagen, der wenige Minuten später auch eintraf und sofort Reanimierungsmaßnahmen einleitete. Inzwischen hatte Maximilian den Zettel gefunden, den sein Sohn geschrieben hatte und las ihn.
Tränen rannen aus seinen Augen und er nahm sich vor, würde Roy das hier überleben, würde er das Thema „den Tod seiner Mutter“, noch einmal mit ihm durchgehen. Anscheinend hatte es Roy nicht wirklich verkraftet.
„Herr Youngster?“
„Ja?“
„Ihr Sohn erst mal soweit stabil, aber wir nehmen ihn jetzt mit ins Krankenhaus.“
„Ja, gut. Wohin bringen sie ihn denn?“
Der Sanitäter gab Maximilian die Adresse, dann fuhren sie, mit Roy los und Maximilian stand da… und konnte nun seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ungehemmt und schluchzend weinte er los. Das war auch für ihn zu viel.
Sein Sohn, sein ein und alles, hatte sich echt umbringen wollen und es wäre ihm beinahe gelungen… von nun an würde er auf ihn acht geben… egal was er würde dafür tun müssen. Er war nur froh gewesen, dass man ihr hatte retten können.
Anscheinend hatte Roy mehr gelitten, als er nach außen hin zeigte… Nachdem sich Maximilian umgezogen und den Zettel in seine Hosentasche gesteckt hatte, fuhr er zum Krankenhaus und erkundigte sich nach dem Befinden seines Sohnes.
Man sagte ihm, dass es ihm schon etwas besser ginge und er durchkommen würde, er aber noch nicht wieder bei Bewusstsein wäre. Dann führte man Maximilian in das Krankenzimmer, in dem Roy lag und ließ ihn dann mit ihm allein.
Als er hörte, dass Roy durch käme, weinte er Freudentränen. Er ging an das Bett seines Sohnes und hielt seine Hand.
„Alles wird wieder gut, das verspreche ich dir, mein Kleiner. Wir werden alles gemeinsam durchstehen und dann wird es dir bald besser gehen. Und auch die Sache mit Nico wird wieder gut. Ich hab dich lieb, mein Kleiner.“, sprach Maximilian unter Tränen und blieb noch mindestens eine Stunde lang, dann machte er sich auf den Heimweg.
Am nächsten Tag erschien Roy natürlich nicht in der Schule. Maximilian war zur Schule gefahren und wollte im Sekretariat Bescheid sagen, was mit Roy passiert war…
*-*-*
Ich hatte von allem dem nichts mitbekommen, war irgendwann vor Müdigkeit einfach eingeschlafen. Am Nächsten Morgen ging es mir so verdammt schlecht, mein Bauch tat weh und mir war übel. Doch quälte ich mich aus dem Bett, da ich unbedingt noch einmal mit Roy sprechen musste.
Wie gewohnt machte ich mich fertig, nur dieses Mal nicht so emotional, sondern eher gelassen. Schaffte es sogar rechtzeitig zur Haltestelle und erreichte den Bus. Im Bus hörte ich sie reden und am Liebsten hätte ich es allen an den Kopf geworfen, doch dafür ging es mir einfach zu schlecht. Außerdem wollte ich unbedingt erst mit Roy sprechen.
Bei der Schule angekommen, wartete ich ungeduldig auf Roys Auto, doch er kam nicht. Als es dann zur Stunde klingelte, schleppte ich mich nicht zum Klassenzimmer, sondern ins Sekretariat. Meine Schmerzen waren unerträglich schlimm geworden.
Oder bildete ich mir das alles nur ein? So gerne wollte ich noch einmal mit Roy sprechen. Doch wieso war er nicht hier in der Schule? Ging er mir aus dem Weg? So gerne wäre ich auch zu Hause geblieben in meinem kuscheligen Bett.
Beim Sekretariat angekommen, stützte ich mich gegen eine Wand und hielt mir den Bauch. Ein Lehrer kam schon auf mich zu und dann war da auch Roys Papa, den ich verwundert ansah.
“Wo ist Roy?“, wollte ich von ihm wissen und mir liefen die Tränen bereits wieder über die Wangen.
Wollte er jetzt wegen mir auch noch die Schule wechseln?
*-*-*
Gerade wollte Maximilian am Sekretariat anklopfen, als er Nico sah, dem es sehr schlecht zu gehen schien und der zudem weinte.
„Nico… was ist denn los, hm?“, sorgte er sich um den Freund seines Sohnes. Dann wurde er nachdenklich und hätte wohl auch beinahe wieder los geweint, doch verkniff er sich das jetzt.
„Weißt du, Roy… geht es nicht so gut… er… liegt im… Krankenhaus… er hat gestern versucht sich ….zu töten und wäre ich nicht da gewesen… hätte er es auch geschafft.“, flüsterte Maximilian stockend.
Dann holte er tief Luft, um seine Tränen zurückhalten zu können. Anschließend holte er den Zettel aus seiner Hosentasche und übergab diesen an Nico.
„Hier, das hat er mir aufgeschrieben… uns aufgeschrieben. Er wollte wirklich Schluss machen… sein Leben beenden…“, jetzt wo Maximilian daran dachte… liefen ihm nun doch die Tränen… er konnte sie einfach nicht mehr zurückhalten.
Zu sehr traf es ihn, wenn er daran dachte, dass er beinahe auch noch seinen Sohn verloren hätte.
„Nico, was ist denn zwischen euch vorgefallen? Bitte, rede doch mit mir… ich helfe euch doch…“, flehte Maximilian Nico an.
Aber nahm er ein Taschentuch und gab es Nico, der auch ziemlich fertig zu sein schien. Dann klopfte er an der Tür des Sekretariats an und wurde herein gebeten. Mehr oder weniger zog er Nico mit sich und sprach dann zu der Sekretärin.
„Bitte, helfen sie Nico… ihm geht es nicht gut. Und dann… wollte ich noch bescheid geben, dass Roy vorläufig nicht in die Schule kommen kann, Er ist krank und liegt im Krankenhaus.“, mit diesen Worten übergab Maximilian die Krankschreibung an die Sekretärin.
Im Krankenhaus war Roy inzwischen wieder erwacht und, wie von dem Arzt festgestellt wurde, hatte er keine bleibenden Schäden davongetragen. Allerdings zog man nun einen Psychologen hinzu, der sich um Roy kümmern sollte.
Freilich wehrte sich Roy dagegen und spielte vor dem Psychologen den Coolen, doch dieser hatte ihn ziemlich schnell durchschaut, so dass sich Roy dann doch so nach und nach öffnete und dem Psychologen alles erzählte, was ihn bedrückte und warum er hatte unbedingt sterben wollen…
*-*-*
Als ich das hörte, glaubte ich meinen Ohren kaum. Roy hatte versucht sich das Leben zu nehmen. Dabei hätte ich es doch sein sollen, der aus Verzweiflung sich das Leben nimmt. Ich erzählte Maximilian alles was passiert war, ließ wirklich nichts aus. Outete mich also auch vor ihm, obwohl ich mir ziemlich unsicher war, ob das eine so gute Idee war.
Dann als er mir den Zettel gab, las ich wieder und wieder den Zettel durch, wurde aber aus ein paar Worten nicht richtig schlau raus.
“Bitte, darf ich mit zu Roy? Sie gehen doch jetzt wieder zu ihm, oder? Bitte!“, flehte ich Maximilian an. Meine Schmerzen waren wie weggeblasen.
Ich wollte nur noch zu Roy, wissen wie es ihm geht und mich mit ihm aussprechen. Das war es doch was ich auf gar keinen Fall wollte, ihn verlieren. Auf die Schule konnte ich mich sowieso jetzt nicht konzentrieren und da es mir ja sowieso nicht gut ginge, wäre ich so oder so wieder gegangen.
Flehend schaute ich Maximilian an, da ich nicht wusste wie er reagieren würde. Gerade jetzt nach meinem Outing…
*-*-*
Etwas verdattert, weil er das nicht erwartet hatte, stand Maximilian da und sah Nico an. So, er hatte sich also in Roy verliebt… irgendwie gefiel ihm der Gedanke… na ja, auch wenn er vielleicht irgendwann gern Enkelkinder gehabt hätte… aber das war nicht wichtig.
Wichtig war, jetzt nur, dass sich die Beiden aussprachen und er war sich eigentlich ziemlich sicher, dass Roy auch eine leichte Ader für das „andere Ufer“ hatte. Irgendwie wären die Beiden schon ein verdammt süßes Pärchen.
„Ja, ich fahre jetzt zu Roy und natürlich kannst du mitkommen. Ich bin der Meinung ihr solltet euch wirklich mal richtig aussprechen, das ist sehr wichtig. Ich habe nämlich auch noch ein paar Worte mit meinem Sohn zu reden.“, meinte Maximilian freundlich lächelnd.
Dann regelte er die Sache noch im Sekretariat und meinte, dass er Nico jetzt mit zum Arzt nehmen und ihn untersuchen lassen würde. So gab es wenigstens keinen Stress an der Schule, weil Nico fehlte.
Natürlich hatte er ein wenig gelogen, wusste er doch was los war und so hätte Nico wenigstens keinen unentschuldigten Fehltag. Anschließend verließ er mit ihm die Schule, ging mit ihm zu seinem Auto, ließ ihn einsteigen und fuhr mit ihm direkt zum Krankenhaus.
Dort, nach einer halben Stunde, angekommen, parkte er den Wagen, ließ Nico wieder aussteigen und stieg dann selbst ebenfalls aus. Nachdem er das Auto abgeschlossen hatte, betrat er mit Nico das Krankenhaus und ging auch gleich zum Zimmer von Roy.
Vor dem Zimmer stehend, sah Maximilian Nico an.
„Bitte, keinen Streit, okay. Redet bitte in Ruhe miteinander.“
Da ging aber auch schon die Tür auf und der Psychologe kam aus dem Zimmer. Maximilian hielt diesen aber für den behandelnden Arzt.
„Guten Tag, mein Name ist Maximilian Youngster, wie geht es meinem Sohn?“
„Guten Tag. Es geht Roy soweit gut. Alles weitere erfahren sie von dem Arzt. Ich bin nur der Psychologe. Und ich muss ihnen sagen, dass Roy unbedingt den Tod seiner Mutter verarbeiten muss. Er denkt doch wirklich, dass er Schuld an ihrem Tod hat. Er hat sie damals gefunden, richtig“, antwortete lächelnd der Psychologe.

Maximilian nickte bedächtig.
„Aber ich habe ihm doch immer wieder gesagt, dass er keine Schuld hat.“
„Er glaubt es dennoch. Klären sie das bitte… dringend. Und auch eine bestimmte andere Sache sollte dringend geklärt werden.“, empfahl der Psychologe und fügte dann hinzu:
„Es ist ziemlich schwer hinter seine Fassade zu blicken, das weiß ich, aber sie dürfen ihm das auf keinen Fall durchgehen lassen.“
„Danke, ich werde es mir merken.“, erwiderte Maximilian, dann verabschiedete sich der Psychologe und Maximilian holte noch einmal tief Luft, ehe er das Zimmer, mit Nico, betrat.
*-*-*
Ich lag im Bett und war gerade wieder am Einschlafen, als sich die Tür öffnete und ich meine Augen wieder öffnete. Meinen Blick zur Tür gerichtet sah ich meinen Vater herein kommen und freute mich ihn zu sehen.
„Papa…“, mehr brachte ich nicht heraus, dann war mein Vater auch schon bei mir und nahm mich lieb in die Arme.
„Hey, mein Kleiner.“, begrüßte mich mein Vater ebenfalls und flüsterte:
„Was machst du denn für einen Unsinn, hm. Bitte, tu das nie wieder… ich habe mir wirklich große Sorgen um dich gemacht.“
Ich umarmte meinen Vater und weinte. Er tröstete mich und flüsterte:
„Ich kenne da noch jemanden, der sich auch große Sorgen um dich macht… ich hab ihn auch gleich mitgebracht.“
Mein Vater wand seinen Kopf etwas zur Seite und zeigte auf Nico, den ich nicht gleich gesehen hatte.
„Nico….“, flüsterte ich, als könnte ich es nicht glauben und als würde ein Engel vor mir stehen.
Meinen Blick senkend liefen die Tränen einfach so aus meinen Augen… ich konnte sie einfach nicht mehr aufhalten….
*-*-*
“Roy“, brach es zwischen Tränen aus mir heraus. Mehr brachte ich nicht zu Stande.
Dann ging ich auf Roy zu und umarmte ihn einfach. Hielt ihn fest. Ich hatte doch solch eine Angst um ihn gehabt. Dabei wusste ich nicht mal ob es ihm recht war, dass ich ihn umarmte. Aber der Wunsch war viel zu groß, so dass ich es einfach tat.
“Es tut mir alles so Leid“, sagte ich nach einer ganzen Weile.
“Bitte verzeih mir, dass ich so ein großes Geheimnis vor dir geheim gehalten habe. Es wird nie, nie wieder vorkommen. Das verspreche ich dir! Nur musst du mir verzeihen. Ich kann und will dich als besten Freund nicht verlieren. Nur weil ich schwul bin, bin ich doch kein anderer als vorher“, sagte ich zu Roy.
“Tu so was bitte nie wieder! Ich hatte solche Angst dich zu verlieren. Du bist mir doch so wichtig. Ohne dich will ich nicht sein. Auch wenn du meine Liebe nicht erwidern kannst, möchte ich trotzdem mit dir befreundet sein“, sprach ich weiter.
Dabei zitterte ich am ganzen Körper, solch eine Angst hatte ich. Doch war meine Stimme die ganze Zeit ganz ruhig, denn das letzte was ich wollte, war wieder mit ihm zu streiten.
*-*-*
So, als könnte ich gar nicht anders, umarmte ich meinen Freund nun auch und lehnte mich an ihn, während meine Tränen einfach weiter aus meinen Augen rannen. Ich klammerte mich schon fast an ihm fest. Es fühlte sich so schön an, von ihm gehalten zu werden.
„Nein, dir muss nichts Leid tun, ich habe dir nichts zu verzeihen… mir tut es leid… ich bin so ein… Idiot gewesen. Bitte, verzeih mir.“, flüsterte ich unter Tränen.
„Ich tu es nicht noch mal… versprochen… es tut mir so leid… verzeih mir… bitte. Ich hab dich doch total gern und ich will dich auch nicht verlieren.“, sagte ich leise… noch immer heftig schluchzend und konnte mich irgendwie so gar nicht beruhigen.
Hinzufügend flüsterte ich ihm sehr leise zu.
„Bitte, lass mich nie mehr los… bleib bei mir… bitte….“, dann sah ich ihm direkt in die Augen und stellte fest, dass er wunderschöne braune Augen hatte… das war mir vorher nie so aufgefallen.
Warum jetzt?
Maximilian hatte derweil das Zimmer wieder verlassen und wartete draußen, er wollte beiden ihre Zeit lassen, die sie brauchten und sich nicht einmischen.
*-*-*
“Roy, sag doch nicht so was“, antwortete ich sehr verlegen. Er wusste doch wie ich fühlte, warum musste er mich um so etwas bitten.
“Ich würde alles für dich tun, wirklich alles!“, sagte ich und hielt ihn einfach fest. Solange es ihm glücklich machte, würde ich meine Gefühle versuchen zurückzuhalten.
Liebevoll strich ich ihm über den Rücken, streichelte ihn sanft, fuhr mit meinen Fingern kleine Kreise wie auf einer Schlittschuhbahn.
Es war so wunderschön ihn in den Armen zu halten, seinen Duft einzuatmen, ihm nahe zu sein. Nie mehr wollte ich ihn loslassen. Am Liebsten für immer so verharren. Vielleicht konnte ich ihm ja ein bisschen von dem geben, was er bei den Mädels immer gesucht hatte. Auch wenn es mehr platonisch wäre, würde ich nehmen, was ich kriegen könnte.
Energisch sog ich seinen Geruch in mir auf, hielt ihn ganz fest an mich gedrückt, als wäre es das letzte Mal, dass ich ihn so halten dürfte. Schließlich wusste ich nicht, ob er es nochmal dulden würde. Also genoss ich es in vollen Zügen.
*-*-*
„Warum soll ich so etwas nicht sagen? Ich weiß, was du für mich fühlst und genau deshalb muss ich mal etwas los werden, glaub ich“, erwiderte ich, überlegte einen Moment, dann sprach ich leise weiter, allerdings ohne ihn loszulassen.
„Vielleicht bist du ja der fehlende Teil von mir. Ich mein, vielleicht habe ich mich deswegen den Mädel gegenüber so mies und gemein verhalten. Ich hatte nie eine richtige Beziehung zu ihnen… habe sie nur …na ja… benutzt und dann …fallen lassen. Ich… möchte… so gern… also… deine… Gefühle… erwidern… aber… ich weiß nicht ob ich… das kann… also… ich weiß nicht wie sich so was anfühlt.“, und begann nun richtig zu stottern, etwas das mir noch nie passiert war und mein Gesicht glühte förmlich.
Es fühlte sich so schön an, wie er mich hielt und mich streichelte, so dass ich mich ein wenig in seinen Armen entspannte. Mich dennoch ein wenig an ihm festkrallend… als hätte ich Angst er könnte einfach so verschwinden, flüsterte ich weiter.
„Bitte… zieh zu mir… bitte… ich… möchte deine Nähe… nicht mehr missen… bitte…“, flehte ich und sah ihm dann mit dicken Tränen in den Augen an.
Ich weiß wirklich nicht warum, aber ich wollte ihn für immer in meiner Nähe haben… ihn nicht mehr loslassen. Und nie wieder wollte ich mit ihm streiten… nie wieder. Es hatte mir doch so wahnsinnig weh getan.
In seiner Nähe fühlte ich etwas, dass ich so noch nie bei einem Mädchen gefühlt hatte… aber ich wusste einfach nicht was es sein konnte… Maximilian war derweil, da es im Zimmer sehr ruhig zuging, in die Cafeteria gegangen und gönnte sich nun einen Kaffee und ein Stück Kuchen.
Er machte sich jetzt erst mal keine Gedanken um die Beiden. Das was er mit seinem Sohn zu besprechen hatte, konnte er auch später noch tun.
*-*-*
Aufmerksam hörte ich Roy zu, konnte ihm auch folgen. Glaubte es aber kaum.
“Ist das dein Ernst?“, fragte ich etwas skeptisch, da ich damit nun so gar nicht gerechnet hatte.
Leicht drückte ich Roy von mir und sah ihn verwundert an. Hielt ihn jedoch an den Armen fest. Wollte ihn nicht ganz von mir stoßen, weil ich doch versprochen hatte ihn zu halten. Das alles kam mir wie ein Traum vor. Ein Alptraum der zu einem guten Traum wurde.
“Ja, ich ziehe zu dir, wenn du es möchtest. Wir versuchen es einfach, okay? Wenn du etwas nicht möchtest, sagst du es mir. Ja? Ich tue alles was du möchtest. Nur sei jetzt bitte nicht mehr traurig“, sagte ich zu Roy.
Dann wischte ich sanft seine Tränen mit den Fingern weg und nahm ihn wieder fest in meine Arme.
*-*-*
Ich nickte ihm zu.
„Ja, das ist mein ernst. Ich würde mich echt freuen, wenn du zu mir ziehst. Ich möchte dich immer in meiner Nähe haben… natürlich nur wenn du es auch willst.“, wobei ich mir den letzten Satz wahrscheinlich hätte sparen können, aber nun sah ich ihm aufrichtig in die Augen, um dem Ernst meiner Worte noch etwas Ausdruck zu verleihen.
Ich lächelte ihn an und konnte wieder nur einwilligend nicken:
„Ich… würde mich freuen, wenn wir es versuchen. Ich werde mich natürlich an vieles sicher erst… na ja… gewöhnen müssen.“, kicherte ich nun ein wenig und versuchte mir vorzustellen, wie es wohl wäre einen Mann zu küssen.
So etwas hatte ich ja noch nie getan. Dass es sicher etwas anders wäre, als bei einem Mädchen, war mir schon klar. Aber ich wollte es unbedingt versuchen und wenn wir viel miteinander redeten, würde es vielleicht wirklich eine… schöne Beziehung werden.
Wobei ich ja, von Beziehungen nun gar keinen Plan hatte. Nico sanft anlächelnd, hörte ich endlich auf zu weinen und sah ihm nun einfach nur noch in die Augen…
*-*-*
Es war so schön! Ich hatte meinen besten Freund nicht verloren. Er war immer noch da. Wenn es anders gekommen wäre, wär er doch nie wirklich mein Freund gewesen. Dann hätte er nie zu mir gestanden.
Die Tatsache, dass er vielleicht auch für mich Gefühle hatte, war ein schöner Bonus!
“Ich werde mich bei meinen Eltern outen und dann meine Sachen packen und zu euch ziehen. Vorausgesetzt dein Vater möchte das jetzt noch, denn ich habe ihm bereits alles erzählt… Genug mit meinem Versteckspiel! Von mir aus sollen es jetzt alle wissen. Auch in der Schule möchte ich es sagen“, erzählte ich Roy.
Dann machte ich eine kleine Pause und wurde etwas nachdenklich.
“Allerdings sollten wir das mit dem Beziehungsversuch noch keinem sagen, außer wenn du möchtest, vielleicht deinem Vater. Ich meine natürlich nur, bis wir uns sicher sind, was das zwischen uns wird“, fügte ich dann hinzu.
Am Liebsten hätte ich es der ganzen Welt erzählt – aus mir rausgeschrien. Aber dafür war es noch zu früh. Roy sollte sich erst mal erholen und sammeln.
Wir würden sicherlich eine Weile brauchen, bis wir das eine oder andere ausgetestet hätten. Selbst dann wäre es noch fraglich, ob er nicht doch lieber mit einem Mädchen zusammen wäre. Aber ich ließ es darauf ankommen und würde mich ins Zeug legen, um sein Herz zu erobern.
*-*-*
„Ehrlich… wirklich echt?!“, freute ich mich mit strahlenden Augen und sah ihn auch genauso an.
„Ja, meinem Papa möchte ich es erzählen. Ich weiß, dass er sehr tolerant ist und er sicher nichts dagegen hat. Außerdem, wenn mein Papa was dagegen hätte, nachdem du ihm alles erzählt hast, wärst du mit Sicherheit jetzt nicht hier… dann hätte er dich zum Teufel gejagt.
Glaub mir, ich kenne ihn genau. Wenn der sauer wird, ganz ehrlich, das willst du nicht erleben.“, erklärte ich Nico, ihm noch immer fest und direkt in die Augen sehend.
Ich freute mich, dass er sich nun endlich outen wollte und es mit der Geheimnistuerei endlich vorbei wäre. Obwohl ich mir noch nicht wirklich sicher war, ob ich es wollte… oder was ich überhaupt wollte, wagte ich es nun, denn meine Neugier war geweckt.
Jetzt wollte ich es wissen… So sah ich Nico in die Augen, nahm ihn lieb in die Arme, ließ mir noch einen Moment Zeit… dann… legte ich meine Lippen sanft auf die seinen und küsste ihn zärtlich, während ich die Augen schloss…
*-*-*
Nur zu gerne erwiderte ich den Blick, den Roy mir schenkte. Jedoch war ich etwas perplex, als er mich nun auch noch küsste. Sicher hatte ich mir nichts sehnlicher gewünscht, doch war es auch mein allererster Kuss. Etwas unsicher küsste auch ich ihn und schloss ebenfalls meine Augen.
Seine Lippen waren so warm und weich. Ich genoss den Augenblick sehr und wollte, dass er nie mehr endete. Auch ich hielt ihn fest in den Armen und mochte ihn gar nicht mehr hergeben, so schön war dieser Moment.
*-*-*
Tatsächlich erwiderte Nico meinen Kuss und …wow… es fühlte sich absolut einzigartig an… so ganz anders… als ich es mit den Mädels erlebt hatte. Ich empfand diesen Augenblick als einen der Schönsten überhaupt.
Und so küsste ich ihn nun noch etwas mutiger… fast schon leidenschaftlich und bekam kaum noch genug von ihm, viel zu schön fühlte sich das hier an. Irgendwann endlich löste ich mich von ihm und sah ihm, mit leicht erröteten Wangen, in die Augen.
Dann beugte ich mich noch etwas zu ihm vor.
„Du küsst echt gut“, flüsterte ich ihm zu und streichelte ihn dabei sanft.
Maximilian hatte sein „Kaffeekränzchen“ beendet und war wieder zum Zimmer seines Sohnes gegangen. Leise hatte er die Tür geöffnet und sah kurz hinein, da es noch immer sehr ruhig da drin war.
Was er sah ließ ihn grinsen und er schloss die Tür leise wieder, um sich dann auf die Suche nach dem behandelnden Arzt zu machen.
*-*-*
Ich hatte den Kuss sehr genossen und musste grinsen, als ich Roys rote Wangen sah. Dann behauptete er doch tatsächlich, ich würde gut küssen.
“Muss wohl ein Naturtalent sein. Das war nämlich mein erster Kuss“, neckte ich ihn und zwickte ihn in die Seite.
“Aber mir hat es auch sehr gefallen“, gab ich kleinlaut zu. Denn in meiner Hose war es recht eng geworden.
Irgendwie kam ich mir gerade vor, wie ein Teenie. So leicht hatte mich Roys Kuss erregt, ja geradezu um den Verstand gebracht. Deshalb starrte ich auch die ganze Zeit auf seine Lippen und konnte an nichts anderes mehr denken. Es schmeckte definitiv nach mehr!
*-*-*
Kichernd beschwerte ich mich, als er mir in die Seite zwickte.
„Hey, lass das.“, und zwickte ihm dann ebenfalls, aber sehr verspielt, in die Seite und musste dann aber lachen.
„Ehrlich? Dir hat es auch gefallen?“, fragte ich unnötigerweise.
„Wie geil, ich durfte deinen ersten Kuss mit dir erleben… das sollten wir irgendwann feiern.“, meinte ich grinsend und sah ihm geheimnisvoll in die Augen.
Aber dann wurden wir gestört. Es klopfte an der Tür und herein kamen mein Vater und der Arzt. Zuerst sah ich Nico an, dann meinen Vater und den Doktor.
„Wie ich sehe, geht es ihnen besser.“, meinte der Arzt. „Ich werde sie dann heute entlassen, aber sie ruhen sich bitte zuhause noch etwas aus. Eine Schwester wird ihnen gleich die Entlassungspapiere bringen. Alles Gute, junger Mann.“, sprach der Arzt weiter.
Ich strahlte. Endlich durfte ich dieses blöde Krankenhaus verlassen. Dann verließ der Arzt das Zimmer und ich lächelte erst meinen Vater, dann Nico an.
„Na, dann zieh dich mal an, mein Sohn. Nico ist dir sicher gern dabei behilflich. Ich warte so lange draußen.“, scherzte mein Vater und grinste wissend.
„Papa…“, beschwerte ich mit leicht errötetem Gesicht, musste aber grinsen.
„Macht mal, ich warte draußen im Auto, ihr kommt dann raus.“, bestimmte er mit ruhiger Stimme und verließ dann das Zimmer.
Ich nickte nur, dann stand ich auf und suchte meine Sachen raus…
*-*-*
Als ich hörte, dass Roy nach Hause durfte, freute ich mich sehr darüber. Der Kommentar von Maximilian ließ auch mich rot werden im Gesicht. Ich sollte ihm beim anziehen helfen… Nun ja, er trug einen Krankenhauskittel, der ihm durchaus stand. Aber so konnte er unmöglich auf die Straße gehen.
“Ähm… also sexy ist das Teil ja schon, was du da anhast…“, grinste ich ihn neckend an.
Dabei musterte ich ihn genau. Schließlich ließ das Kleidungsstück einige nette Einblicke, wie zum Beispiel die Farbe seiner Unterhose. Aber seine Beine fand ich auch extrem nett anzuschauen.
“Brauchst du denn Hilfe“, wollte ich dann die Aussage seines Papas aufgreifen. Setzte dabei den Hundeblick auf und zog eine Schnute. Vielleicht hatte ich so mehr Glück und er würde ja sagen.
*-*-*
Danke Papa., dachte ich bei mir und mein Gesicht lief puterrot an. Dann sah ich Nico an, der einen Blick drauf hatte, mit dem er jedes Bambicasting sofort gewonnen hätte… so nickte ich etwas schüchtern, legte meine Sachen auf das Bett drauf und willigte ein.
„Ähm… ja… ich glaube, ich könnte schon deine Hilfe brauchen.“, antwortete ich kleinlaut, aber noch immer schüchtern, während ich versuchte seinen Augen… seinem Blick standzuhalten.
Ich ging freiwillig auf ihn zu, bis ich ganz nahe vor ihm stand…. bereit mir von ihm… „helfen“ zu lassen. Jedoch schwieg ich nun und sah Nico erwartungsvoll in die Augen.
*-*-*
Ja, er hatte tatsächlich ja gesagt. Meine Hände wurden ganz feucht und fingen an zu zittern, so nervös wurde ich auf einmal. Als Roy direkt vor mir stand, half ich ihm liebevoll aus dem Krankenhauskittel und sah ihm seit langem mal wieder halbnackt. Er hatte einen tollen Körper, von dem ich nicht genug bekam.
Schüchtern legte ich meine Hand auf seine Brust und gab ihm dann einen kurzen Kuss.
Dann suchte ich sein Oberteil heraus.
“Arme hoch!“
Ich stand auf und zog ihn das Oberteil über den Kopf, streifte dabei zärtlich seine Seiten und seinen Bauch. Anschließend holte ich seine langen roten Haare heraus, die sich noch unten drunter befanden.
Danach ging ich vor Roy auf die Knie und half ihm mit der Hose. Dabei musste ich kräftig schlucken, als ich sie langsam nach oben zog. Zu musste er sie selber machen, dafür war ich beim besten willen nicht mehr in der Lage.
Hier war es auf einmal so heiß drin, dass ich dringend Abkühlung bräuchte. Seine Jacke reichte ich ihm noch, bevor ich Richtung Tür ging. Meine Jacke hingegen zog ich etwas tiefer, damit Niemand meine innere Hitze sehen konnte, bis mein Körper sich wieder beruhigt hatte.
*-*-*
Oh je, wie hatte ich es genossen, mich von ihm ankleiden zu lassen, aber ich sah ihm dabei auch zu und spürte förmlich, wie heiß ihm dabei wurde. Wie sehr genoss ich es zudem als seine Hand meine Brust berührte. Ich erwiderte seinen Kuss und musste mich nun auch arg zusammennehmen.
Er machte es wirklich gut, doch als er vor mir auf die Knie ging um mir meine Hose anzuziehen, schluckte ich hart und mein Gesicht nahm eine ungesunde rötliche Färbung an. Nun musste ich aber sehr frech grinsen, als er sich nicht an den Reißverschluss meiner Hose traute.
So machte ich mir den Reißverschluss und den Kopf selbst zu… konnte ich ihn doch zu gut verstehen, zudem ich bei einem ganz kurzen Blick auf seine Hose, sah was los war und es ließ mich nun noch etwas frecher grinsen.
Dankend nahm ich meine Jacke von ihm entgegen und verließ dann auch das Zimmer. Kurz meldete ich mich im Schwesternzimmer, wo ich meine Entlassungspapiere bekam und dann mit Nico das Krankenhaus verließ.
Gemeinsam gingen wir zum Auto meines Vaters und stiegen hinten ein. Wissend grinste mein Vater, sparte sich aber jeden Kommentar und fuhr uns dann heim…
„Das nächste Mal darfst du mich ausziehen.“, flüsterte ich ihm leise ins Ohr und pikste ihm dann leicht in die Seite.
*-*-*
Bei dem Satz, den Roy mir ins Ohr flüsterte, wurde ich rot und musste beschämt zu Boden schauen.
“Wirklich?“, fragte ich leise zurück.
Da das in die Seite piksen mir keine wirkliche Sicherheit brachte. Am Liebsten hätte ich noch gefragt, wann denn das nächste Mal sein würde. Doch das wusste er sicherlich genauso wenig, wie ich.
Wir würden einfach alles auf uns zukommen lassen.
“Wenn es okay ist, würde ich dann doch gerne bei euch einziehen“, richtete ich dann mein Wort an Maximilian.
*-*-*
Mein Vater sah in den Rückspiegel.
„Natürlich ist es okay, dass du bei uns einziehst. Ich habe nichts dagegen“, erwiderte er und grinste dann in sich hinein.
Derweil musterte ich Nico schon mal so vorab und stellte mir vor, wie es wohl wäre… wenn wir… uns nicht nur küssen würden… wenn wir bis ans Äußerste gehen würden. Bei dem Gedanken schoss mir sogleich wieder die Röte ins Gesicht.
Zuhause angekommen, parkte mein Vater das Auto ein und ließ uns aussteigen, bevor er selbst ebenfalls ausstieg. Er wandte sich an mich.
„Dein Auto solltest du dann auch wieder mal …auftanken… du weißt warum und was ich meine. Und dann reden wir mal ernsthaft miteinander, okay“, kam es trocken von ihm.
Ich wusste was er meinte und antwortete schuldbewusst.
„Ja, Papa.“, und schluckte hart.
„Ich erwarte dich dann im Wohnzimmer.“, erwiderte er und ich hatte schon ein bisschen Angst vor dem was vielleicht kommen würde.
Aber erst mal nahm ich Nico bei der Hand und wollte das Haus betreten, als sich mein Vater noch an ihn wand.
„Nico, wenn du ein eigenes Zimmer möchtest, dann sagst du es bitte. Ich werde dir dann eines einrichten.“, dann ging er vor uns ins Haus.
Mit Nico an der Hand folgte ich ihm und schloss hinter uns die Tür. Dann brachte ich Nico erst mal hoch in mein Zimmer.
„Du kannst es dir ja hier gemütlich machen… ich werd dann mal ins Wohnzimmer zu Papa gehen.“
Ich lächelte ihn etwas an, dann verließ ich mein Zimmer und ging ins Wohnzimmer, wo ich auch schon auf meinen Vater traf.
„Papa, du wolltest mich sprechen?“
„Setz dich, bitte, Roy.“
Ich tat was er sagte und setzte mich auf die Couch, er selbst setzte sich in einen Sessel und sah mich ernst an.
„Roy, du hörst mir jetzt mal bitte zu! Das was du gestern getan hast, hat mich wirklich erschreckt. Ich hatte Angst um dich, denn ich wollte dich nicht auch noch verlieren. Ich verstehe zwar, warum du es getan hast, aber ich möchte von dir wissen …warum?“
Schuldbewusst sah ich meinen Vater an und er tat mir unendlich Leid.
„Ich… also…“, begann ich zu stottern, wusste aber nicht so recht, was ich antworten sollte.
„Schon gut… du wirst mir jetzt keine Antwort geben können, aber ich möchte, dass du mir jetzt zuhörst: Du hast keine Schuld am Tod deiner Mutter. Deine Mutter hatte eine Impfung bekommen, die sich nicht vertragen hat… auf die sie allergisch reagiert hat, deshalb ist sie gestorben. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Mir tut es nur leid, dass du sie finden musstest. Wir hätten das alles nicht verdrängen dürfen. Ich hätte mich besser um dich kümmern und alles mit dir zusammen aufarbeiten müssen. Das werden wir nachholen, okay. Wir werden über deine Mutter reden, so lange du möchtest. Es wird uns beiden noch einmal weh tun, aber vielleicht hilft es uns ja auch. Und was die Sache mit Nico angeht. Du hättest einfach nicht davonlaufen dürfen und hättest mit ihm reden müssen… nicht streiten. Wie steht du jetzt eigentlich zu ihm, hm?“
Ich hatte meinem Vater genau zugehört und nun liefen mir wieder Tränen an meinem Gesicht herab.
Das Thema „meine Mutter“ belastete mich sehr.
„Okay, wir können ja mal über Mama reden. Aber bitte… nicht jetzt.“, bat ich meinen Vater, „also… ähm… Nico… also… ich… wir haben beschlossen es miteinander zu versuchen. Ich möchte gern seine Gefühle, die er für mich hat, erwidern.“
„Ja, das habe ich gesehen. Ich habe gesehen, dass ihr euch vorhin geküsst habt und ich denke, dass du auf einem guten Weg bist. Lass dir Zeit, lerne ihn besser kennen. Denn es ist schon was anderes, ob man nur befreundet oder …richtig zusammen ist. Du wirst ihn jetzt noch einmal richtig kennen lernen müssen… genau, wie er dich jetzt erst mal wieder richtig kennen lernen muss. Lasst euch Zeit… und wenn ich irgendwas für euch tun kann, dann sagst es, hörst du.“
„Ja, Papa, ich habe dich verstanden. Danke.“
„Ist schon gut. Ich möchte für euch da sein, so gut ich kann.“, bot mein Vater mir an, dann stand er auf und nahm mich ganz lieb in die Arme.
Sanft drückte er mich an sich und streichelte meinen Rücken. Nur allzu gern lehnte ich mich an ihn. Seine Nähe und Güte taten mir verdammt gut…
*-*-*
Roy hatte mich nach oben in sein Zimmer gebracht, wo ich nun ungeduldig auf ihn wartete. Wie immer lag ich auf seinem Bett und hatte mir ein wenig Musik angemacht. Wie zu Hause fühlte ich mich hier schon so lange.
Derweil dachte ich darüber nach, ob ich ein eigenes Zimmer haben wollte. Der Gedanke war nicht verkehrt. Wenn ich mich mal zurückziehen wollte, konnte ich das da tun und meine ganzen Sachen hatten bei Roy gar keinen Platz.
Maximilian war so was von nett. Er hatte es alles als selbstverständlich aufgenommen. Wie würden meine Eltern wohl reagieren. Den Kopf abreißen konnten sie mir ja nun nicht. Ich war volljährig und alt genug selbst meine Entscheidungen zu treffen. Selbst wenn ich jünger wäre, müssten sie es akzeptieren. Was sollten sie denn auch schlimmsten Falls tun?
Meine Angst war wie weggeblasen, da ich verbündetet hatte, die hinter mir standen: Roy und sein Papa.
*-*-*
Nachdem wir nun alles geklärt hatten, lösten wir uns voneinander und lächelten uns gegenseitig an.
„Na, dann ab nach oben mit dir, zu Nico. Ach ja, und frage ihn bitte, wegen des eigenen Zimmers, ja.“
„Ist okay, Papa. Mach ich. Danke… dass er hier wohnen darf.“
„Du musst mir nicht danken, Roy. Er ist ein lieber junger Mann, ich mag ihn und wenn er dir gut tut und du ihn… liebst… was ja offensichtlich ist, dann ist es vollkommen okay, dass er hier bleibt.“
„Papa! Woher weißt… ähm… ich mein… trotzdem danke.“
„Woher ich das weiß. Ich kenne dich zu lange und zu genau… ich sehe es dir an. Deine Augen beginnen sofort zu strahlen, wenn auch nur sein Name fällt. Mir machst du nichts vor. Und jetzt ab mit dir, lass ihn nicht so lange warten.“
„Ich bin schon weg.“, freute ich mich und rannte nach oben in mein Zimmer und stürmte hinein.
Leicht außer Atem ließ ich mich in meinem Zimmer auf den Boden fallen und grinste Nico an.
„So… alles okay…. und bei dir auch alles okay? Ach ja, ich soll dich von Papa fragen ob du nun ein eigenes Zimmer möchtest, oder nicht.“, plapperte ich munter drauf los und grinste Nico an.
*-*-*
Ich zuckte etwas zusammen, als Nico ins Zimmer stürmte, da ich total in Gedanken war.
“Bei mir ist alles okay, obwohl es mir noch besser gehen würde, wenn du nicht auf dem harten Boden, sondern bei mir sitzen würdest“, sagte ich und zwinkerte ihm zu.
“Na ja und ich mache mir ein bisschen Gedanken, wie wohl meine Eltern reagieren werden…
Wenn es für dich okay ist, würde ich schon gerne auch ein eigenes Zimmer haben. Erst Mal wegen meinen ganzen Kram, der hat hier ja wohl kaum Platz und dann wenn ich mich vielleicht mal zurückziehen möchte, habe ich einen Rückzugspunkt“, antwortete ich Roy.
Dann klopfte ich demonstrativ neben mir aufs Bett und grinste ihn an.
*-*-*
„Klar, ist es okay für mich, das du ein eigenes Zimmer für dich haben magst.“, erwiderte ich, stand dann auf und ging auf mein Bett zu, auf dem Nico saß.
Ich setzte mich neben ihn und machte es mir ein wenig gemütlich, doch schaute ich ihn nun wieder sehr schüchtern an und doch konnte ich seinem Blick nicht widerstehen.
Er hatte einfach etwas an sich, das mich magisch anzog und mich nicht mehr los ließ.

Schließlich griff ich das Thema über seine Eltern auf.

„Hey, wegen deiner Eltern, mach dir mal keine Sorgen, wenn du magst kommen wir mit und werden deine Eltern schon überzeugen“, bot ich ihm an.
Dann grinste ich und begann ihn in die Seite zu kitzeln, wobei ich ihn anlachte und ihn weiter kitzelte.
*-*-*
“Das wäre lieb von euch, denn irgendwie muss ich meine ganzen Sache auch hierher bekommen“, antwortete ich Roy.
“Hey, nicht kitzeln“, lachte ich, als er anfing an mir herumzufummeln.
Das war mehr als gemein, wo ich doch so empfindlich war.
“Lass das!“, beschwerte ich mich unter Lachen.
“Du bekommst auch einen Kuss“, versuchte ich ihn zu bestechen.
Es war süß, dass er mich versuchte aufzumuntern und ich hatte nichts dagegen ihm nahe zu sein. Ganz im Gegenteil.
*-*-*
Ein wenig kitzelte ich ihn noch, dann hörte ich auf und sah ihn an.
„Sag mal, ist es denn viel, was du mitnehmen willst? Ich mein, brauchen wir ein großes Auto, so wegen Möbel und so?“, fragte ich ihn, dann plapperte ich einfach weiter munter drauf los:
„Na klar, helfen wir dir… ist doch selbstverständlich. Außerdem hat mein Papa gesagt, dass er dich mag, also helfen wir dir auch und ich… möchte dich gern für immer in meiner Nähe haben.“
Ich merkte gar nicht, dass ich wie ein Wasserfall redete und redete, bis mir dann beinahe etwas raus gerutscht wäre, ich nun aber zu stottern begann:
„Und dann… und außerdem… na ja, glaub ich… hab ich… mich… auch… na ja… also… in dich… verliebt“, dann schwieg ich, senkte meinen Blick und spürte wie mein Gesicht puterrot anlief.
Herrje, wie sich das jetzt angehört hatte… und seit wann stotterte ich eigentlich?! Ob er mich jetzt auslachen würde, weil ich gestottert hatte? Nun wagte ich es nicht mehr ihm in die Augen zu schauen und sah stattdessen lieber auf die Bettdecke.
*-*-*
“Also wie ich deinen Papa kenne, brauche ich keine Möbel. Die sind sowieso schon ziemlich hinüber. Also würde auch sicherlich dein Auto reichen“, grinste ich ihn wissend an.
Dann wollte ich ihm gerade sagen, dass ich ihn auch gerne für immer in meiner Nähe haben wollte. Doch auf einmal sagte er etwas, was mich total verwirrte. Er hatte doch Gefühle für mich! Es machte mich so glücklich, dass ich am liebsten einen Luftsprung gemacht hätte.
Ich konnte mich ja unmöglich verhört haben und die Tatsache, wie er es gesagt hatte, zeigte mir, dass es ihm schwer viel. Liebevoll hob ich sein Gesicht am Kinn an, so dass er gezwungen war mir in die Augen zu schauen. Dann lächelte ich ihn liebevoll an und legte meine Lippen zärtlich auf die seinen.
Dieser Kuss war ganz anders, als die vorigen. Er schmeckte viel süßer und war sehr viel intensiver.
Zaghaft drückte ich ihn nach hinten in die Kissen, hörte aber nicht auf ihn zu küssen.
*-*-*
Meine Ängste waren unbegründet gewesen, denn er hatte mich nicht ausgelacht. Okay, das hätte mir eigentlich auch klar sein müssen… warum sollte er auch. Offensichtlich hatte er meine Worte trotz allem verstanden und seiner Reaktion nach freute er sich über mein, wenn auch gestottertes, Geständnis.
Mein Herz begann heftig zu schlagen, als er mich „zwang“ ihm nun doch in die Augen zu sehen, was meine, schon so roten, Wangen mit noch etwas mehr Gesichtsröte quittierten. Seinen zärtlichen Kuss erwiderte ich nur allzu gern, jedoch schloss ich meine Augen genießend. Sein Kuss war süßer als die Sünde selbst… süßer sogar, als alles was man auf Erden oder im Himmel kannte.
Nie zuvor hatte ich etwas Ähnliches erlebt… gefühlt… Schließlich spürte ich, wie er mich sacht, nach hinten, in die Kissen drückte und mich weiter küsste. Meine Augen nun wieder öffnend sah ich Nico erwartungsvoll an, während ich seine sanften… so unglaublich zärtlichen Küsse weiterhin erwiderte.
Etwas unsicher begann ich meine Hände über seinen Körper auf Wanderschaft zu schicken und diesen zu erkunden und ihn liebevoll zu streicheln. Es fühlte sich, für mich, erst mal sehr seltsam an, einen männlichen Körper zu streicheln… zudem es ja der Körper meines „eigentlich“ besten Freundes war, den ich da streichelte und erkundete.
Aber es fühlte sich toll an, so ganz anders als ein Mädchen… so einmalig… so rein… so absolut unschuldig. Nico hatte einen wirklich tollen Körper… zumindest soweit ich ihn erfühlen konnte. Jedes weitere Wort war nun erst mal überflüssig geworden…
*-*-*
Eigentlich hatte ich vor, es bei einem schönen Kuss zu belassen, aber Roy machte mich wahnsinnig mit seinem Streicheln. Ein unkontrolliertes Stöhnen kam aus mir heraus, als seine Hände mich abtasteten. Aber ich ließ ihn machen, denn es fühlte sich sehr schön an.
Jetzt hatte ich auch den Mut, meine Hand über seinen Oberkörper gleiten zu lassen. Ehe ich mich versah, hatte sie wie von allein den Weg unter Roys Pulli gefunden und berührte zaghaft seinen Bauch.
Er war so warm und weich. Zögernd zog ich kleine Kreise mit dem Finger auf Roys Haut. Unterdessen hatten meine Lippen sich mit seinen regelrecht verkettet. Meine Zunge war mutig geworden und hatte sich einen Weg in Roys Mundhöhle gesucht. Dort ging sie auf Wanderschaft und begann einen Kampf mit Roys Zunge.
*-*-*
Ihn weiter streichelnd spürte ich, wie seine Hände ebenfalls auf Wanderschaft, über meinen Körper gingen. Sein Stöhnen war für mich die schönste „Melodie“, die ich seit langem zu hören bekommen hatte. Ich machte es also richtig… gut zu wissen.
Aber nun konnte ich mir ein leises Seufzen nicht so wirklich verkneifen, als er seine Hände unter meinen Pullover gleiten ließ und meine Haut direkt zu streicheln begann. Herrje, wie sehr ich es genoss, so von ihm berührt und gestreichelt zu werden.
Ganz langsam ließ ich nun meine Hände auch unter seinen Pullover gleiten und begann auch seine Haut direkt zu streicheln und mit meinen Händen zu liebkosen. Es war, als würde ich meinen „besten Freund“ tatsächlich erst kennen lernen…. richtig kennen lernen. Es war ein sehr schönes Gefühl, das ich in vollen Zügen genoss.
An seine Zunge in meinem Mund, die mit meiner Zunge einen leidenschaftlichen Kampf vollführte, musste ich mich allerdings erst noch gewöhnen. Denn so etwas hatte ich selbst mit einem Mädchen noch nie getan. Aber ich ließ es zu und machte mit, so gut ich konnte. Auch daran würde ich mich wohl, mit der Zeit, gewöhnen.
*-*-*
Weiter als bis an Roys Bauch traute ich mich aber noch nicht so wirklich. Ein bisschen streichelte ich ihn noch, bevor meine Hände würde seinen Pulli gingen. Mein Kuss wurde allmählich langsamer und ich löste mich von Roys Lippen, mit einem kleinen Seufzen. Es war so wunderschön gewesen. Ich hatte es mir nicht mal in meinen Träumen so ausgemalt.
Dann legte ich meinen Kopf auf seine Brust und schloss für einen Moment die Augen. Nach einer Weile gingen mir jedoch viele Sachen durch den Kopf.
“Wann darfst du eigentlich wieder zur Schule? Sicherlich noch nicht morgen, oder? Ich würde mich nämlich gerne dann einfach krank schreiben und dich ein wenig pflegen, wenn ich darf. Weil ich dich schon gerne dabei hätte, wenn ich mich in der Schule vor den anderen oute. Natürlich kümmere ich mich auch darum, dass wir dann die Hausaufgaben bekommen.“
Mir ging noch viel mehr durch den Kopf und ich wollte eins nach dem anderen in Ruhe mit Roy besprechen. Meinen Kopf hatte ich immer noch auf seiner Brust liegen, jedoch war mein Gesicht ihm jetzt höflich zugewandt, wo wir miteinander sprachen.
*-*-*
Trotzdem es sehr schön war, von ihm gestreichelt zu werden, war ich doch froh, dass er noch nicht weiter gegangen war. Ich wusste einfach nicht, ob ich wirklich schon soweit war, um mit ihm … na ja…. Sex zu haben.
Ich hatte zwar schon so gewisse Gefühle für ihn, die es auch in meinem Bauch heftig kribbeln ließen, aber mit dem Sex mit ihm wollte ich doch noch warten. Schließlich spürte ich seinen Kopf auf meiner Brust und ich legte meine Arme um seinen Oberkörper, den ich sanft streichelte.
Sein Gespräch aufnehmend, erwiderte ich, ihn ebenfalls anschauend.
„Nein, morgen darf ich noch nicht wieder in die Schule. Auf dem Zettel stand, dass ich auch noch nächste Woche krankgeschrieben bin.“
Nun musste ich grinsen, als er meinte, dass er mich gern pflegen würde.
„Natürlich darfst du mich… gesund pflegen.“ und musste nun echt lachen… aber es war ein liebevolles Lachen.
„Hey, dann können wir uns doch… gemeinsam outen, wenn ich wieder gesund bin.“, fügte ich hin zu und meinte dann aber sehr ernst, „ja, Hausaufgaben sind sehr wichtig… ich will nicht zu viel verpassen.“, wobei ich Nico dann lieb in die Augen sah…
Da es schon langsam dunkel wurde, bereitete Maximilian schon mal das Abendessen zu und hoffte, dass die Beiden auch Hunger hatten… und nicht allzu beschäftigt wären…
*-*-*
“Cool, diese und nächste Woche auch noch“, freute ich mich wie ein kleines Kind.
“Das wäre schön, wenn wir uns beide outen, dann bin ich nicht so alleine damit“, fuhr ich fort und sagte anschließend: “Ich werde mich gleich morgen um die Hausaufgaben kümmern, dass die uns jemand vorbeibringt.“
Den Rest des heutigen Tages wollte ich jetzt mit Roy genießen.
“Wann wollen wir denn meinen Umzug planen? Du solltest dich ja erst mal ausruhen. Dann werde ich heute wie gewohnt nach Hause und wir schauen mal, wie es dir die Tage geht. Vielleicht können wir es ja noch in den zwei Wochen irgendwie erledigen“, sagte ich dann zu Roy.
Dabei fing ich an mit einer seiner Haarsträhnen zu spielen und sie immer wieder um meinen Finger zu wickeln.
*-*-*
Genießend spürte ich, dass Nico mit meinen Haaren spielte.
„Hey, du weißt doch ganz genau, dass ich dich niemals im Stich lassen würde und werde. Klar, muss ich mich jetzt auch erst mal dran gewöhnen, dass ich das gleiche Geschlecht bevorzuge, aber ich stehe dazu und damit auch zu… dir.“
Ein wenig überlegte ich noch, als er den Umzug ansprach.
„Bitte, können wir das nicht heute noch erledigen, dann sind wir doch beide nicht mehr allein. Bitte. Sieh mal und so schlecht geht es mir ja nicht… zumindest nicht körperlich… warum ich noch krankgeschrieben bin, ist wegen meiner …psychischen Verfassung. Bitte, zieh heute schon zu mir… bitte… Und mein Papa hilft uns doch. Bitte, sag nicht nein…“
Flehend sah ich Nico in die Augen, während ich ihn sanft an der Wange streichelte.
*-*-*
Es war zu süß, wie Roy mich anflehte direkt zu ihnen zu ziehen. Wie konnte ich da widerstehen.
“Wir sollten erst mal deinen Papa fragen“, schlug ich vor und erhob mich auch direkt, “Außerdem krieg ich langsam Hunger. Es gibt doch bestimmt gleich essen, oder? Dann können wir das ja mit ihm besprechen. Um ehrlich zu sein, würde es mir schon schwer fallen, einfach nach Hause zu gehen und dich hier zurückzulassen.“
Noch einmal küsste ich ihn sanft und nahm ihn dann an die Hand, damit wir runtergehen konnten.
*-*-*
Ich erwiderte seinen Kuss und erhob mich dann ebenfalls.
„Okay, gehen wir runter, ist eh Zeit zum Essen und wie ich Papa kenne, hat der schon alles fertig und wartet nur auf uns.“, meinte ich grinsend.
Dann ging ich mit meinem Schatz… Moment… Schatz? Echt, war ich schon soweit, dass ich so dachte…? So war es wohl und irgendwie gefiel es mir. In der Küche angekommen betrat auch mein Vater soeben die Küche und grinste uns an.
„Na, ihr Beiden… habt ihr Hunger?“
Ich nickte und setzte mich auf den Stuhl, am Fenster. Bevor ich zu essen begann, fragte ich meinen Vater sogleich.
„Papa? Bitte, kann Nico heute schon hier einziehen… und können wir ihm dabei helfen… bitte…“, dabei sah ich ihn mit einem Blick an, der jedes Bambicasting sofort gewonnen hätte… ich wusste, dass er dann nicht widerstehen konnte und… ja ….sagen würde.
Lächelnd sah er mich an.
„Du weißt ganz genau, wie du mich herumkriegst, hm. Okay, wenn Nico das auch will, dann ziehen wir das heute noch durch. Du liebst ihn wohl sehr, hm.“, kam es dann von meinem Vater und ließ mich stark erröten.
Aber ich nickte bejahend, ihm weiter in die Augen sehend… richtete dann aber meinen Blick zu Nico.
*-*-*
Es fühlte sich so toll an, wie Maximilian die ganze Sache aufnahm. Ich hoffte so sehr, dass auch meine Eltern so viel Verständnis zeigen würden. Ich erwiderte Roys Blick mit einem Lächeln und setzte mich neben ihn. Legte meine Hand auf die seine, als wolle ich sagen: Du bist meiner.
“Ja, ich möchte es so schnell es geht, hinter mich bringen!“, versicherte ich.
Dann bediente ich mich beim Abendbrot, was mal wieder sehr köstlich aussah. Schließlich machte Knutschen hungrig und grinste Roy dabei an.
*-*-*
Mit strahlenden Augen sah ich meinen Papa und auch Nico an und freute mich so sehr, dass ich kaum essen konnte, aber doch ein bisschen was zu mir nahm.
Mein Vater nickte.
„Ach ja, Nico, was ist, willst du nun ein eigenes Zimmer oder nicht? Dann würde ich es, nach dem Abendessen, für dich vorbereiten und dann holen wir deine Sachen.“
Ich verstand die Hand von Nico auf der meinen und nickte ihm zustimmend zu… Ich bin dein und du bist mein., dachte ich und lächelte ihn voller Liebe an.
*-*-*
“Ja, es wäre schön, wenn ich auch ein eigenes Zimmer bekommen könnte“, kam es etwas schüchtern von mir. Schließlich bot Maximilian mir hier so viel an und ich konnte ihm gar nichts dafür geben. Lag ihn sogar regelrecht auf der Tasche, was mir ein wenig unangenehm war.
“Wir könnten ja gleich schon mal vorgehen zu mir. Ich muss ja noch mit meinen Eltern reden und meine Sachen noch packen“, sagte ich während des Essens.
Maximilian konnte ja nachkommen, sobald er soweit wäre.
*-*-*
Ich hielt mich erst mal aus dem Gespräch heraus und aß ganz in Ruhe mein Essen.
„Sicher bekommst du dein Zimmer, so kannst du dich auch mal zurückziehen, falls dir was zu viel wird. Ich finde deine Entscheidung gut und richtig.“, dann aß auch er etwas und sprach weiter, nachdem er den Bissen herunter geschluckt hatte:
„Okay, ihr geht dann vor und ich komme mit dem Auto nach.“
„Machen wir, Papa.“, mischte ich mich, mit vollem Mund ein und erntete dafür einen gespielt bösen Blick von meinem Vater.
„Roy, hast du noch immer nicht gelernt, dass man nicht mit vollem Mund spricht?!“
Ich sah meinen Vater mit schuldbewusstem aber auch unschuldigem Blick an, schluckte den Bissen hinunter.
„Entschuldigung, Papa“, sagte ich leise, dann senkte ich meinen Blick, schwieg und aß weiter, während mein Vater am Grinsen war.
*-*-*
Nach dem Essen machten wir uns auf dem Weg zu meinen Eltern. Ich war so nervös, dass ich den ganzen Weg über nichts zu Roy sagte. Meine Hände schwitzen und ich wischte sie ständig an meiner Hose ab.
Dann hatten wir endlich das Haus erreicht und ich schloss die Tür auf. Meine Eltern hörte man direkt. Sie schienen in der Küche zu sein und stritten lautstark. Noch einmal holte ich tief Luft, bevor ich die Küchentür öffnete. Sofort wurde es still im Raum, als wir in die Küche gingen.
“Oh, welch seltener Besuch“, lächelte meine Mutter verlegen. Die meiste Zeit war ich bei Roy und er selten hier, weshalb meine Mutter sich freute ihn zu sehen. Mein Vater hingegen nickte Roy nur zu und nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Es war leider schon zur Gewohnheit bei ihm geworden.
“Mum, Dad, ich muss euch etwas sagen“, begann ich.
“Erstens, möchte ich euch sagen, dass ich ausziehen werde. Mein Entschluss steht fest, dass ich zu Roy und seinen Vater ziehen werde.“
Meine Mutter schaute mich erstaunt an und kam direkt auf mich zu. Sie wollte mich umarmen, aber ich wimmelte sie ab.
“Ich bin noch nicht fertig!“, sagte ich eiskalt.
“Aber mein Junge“, kam es gespielt kränklich von ihr.
“Mein Junge? Dein Junge bin ich schon lange nicht mehr! Es geht hier doch alles drunter und drüber. Ihr solltet euch mal sehen. Wie ihr euch gehen lasst“, fuhr ich sie an und schüttelte mit den Kopf.
“Zweitens, solltet ihr euch scheiden lassen. Es hat kein Hand und kein Fuß mehr, was hier vor sich geht. Deshalb will ich hier auch so schnell es geht weg. Heute werde ich noch meine Sachen packen.“
Meine Mutter schlug die Hände vors Gesicht und quetschte eine Träne raus. Mein Vater hingegen stand gegen die Küche gelehnt und trank sein Bier. Er zuckte nicht mal mit der Wimper, schaute mich aber direkt an.
“Und drittens?“, fragte er wütend.
Als könnte es mir Kraft geben, nahm ich Roys Hand und hielt sie ganz fest.
“Drittens… Ich bin schwul und mit Roy zusammen“, platzte es aus mir raus und kaum hatte ich es ausgesprochen, fing meine Mutter an zu weinen und mein Vater brach in schallendes Gelächter aus.
“Ich habe es gewusst! Du hast unseren Sohn zur Schwuchtel gemacht“, lachte mein Vater und sprach damit meine Mutter an.
Die war außer sich.
“Ich? Was habe ich denn damit zu tun?“
Der Streit, der vorher wütete, entfachte regelrecht neu und tobte wie ein Wirbelsturm. Nur hatten sie ein neues besseres Thema gefunden. Es brachte erst mal nichts mit ihnen weiter zu reden. Ich war jedoch froh, dass die Last von meinen Schulter gefallen war.
Roy an der Hand mitziehend, ging ich nach oben. Dort suchte ich alles was ich an Taschen hatte heraus und holte noch einen großen Karton vom Dachboden. Dann begann ich alles, was ich mitnehmen wollte einzupacken. War jedoch mit den Gedanken unten.
*-*-*
Au man, na hier ging es ja ab. Erst jetzt wurde mir richtig bewusst, wie gut ich es bei meinem Vater hatte und wie notwendig es war, dass Nico gleich zu mir zog. Aus den Gesprächen hielt ich mich raus, hatte den Eltern zur Begrüßung auch nur zugenickt…. armer Nico… was hatte er all die Jahre erdulden müssen…
In seinem Zimmer angekommen, half ich ihm beim Einpacken seiner Sachen. Zwischendurch, sah ich zu ihm und ging auf ihn zu.
„Hey, mach dir keinen Kopf. Wir sind für dich da und helfen dir, wenn du Hilfe brauchst. Ich bin froh, dass wir dich hier raus holen.“, dann küsste ihn kurz aber sanft.
Die Reaktion seiner Eltern konnte ich nicht verstehen und auch nicht nachvollziehen. Mich ärgerte solch ein Verhalten sehr. Dann hörte ich es an der Tür klingeln und wusste, dass es mein Papa war…
Maximilian hatte inzwischen Nicos Zimmer gemütlich hergerichtet und auch das Bett frisch bezogen. Alles andere konnte Nico sich ja dann selbst einrichten, wie er es haben wollte. Dann machte er sich auf den Weg zu Nicos Eltern, parkte seinen Wagen, stieg aus und ging dann zur Wohnung der Eltern.
Er klingelte und wartete, dass ihm aufgemacht wurde….
*-*-*
“Das mein Vater total dagegen ist, konnte ich mir denken. Bei meiner Mutter bin ich mir nicht sicher, was da noch kommt. Wir werden sehen…“, sagte ich zu Roy und schaute ihn an, als es klingelte.
Direkt ging ich zu meiner Zimmertür und öffnete sie, um die Treppe zur Eingangstür hinunterzuschauen. Meine Mutter öffnete, noch leicht schluchzend Maximilian die Tür.
“Guten Abend Herr Youngster“, begrüßte sie ihn, “sie nehmen also unseren Sohn bei sich auf? Ich weiß natürlich, dass das hier kein Zustand für ihn ist.“
Von hinten hörte man meinen Vater brüllen.
“Der Junge bleibt hier! Dass werden wir ihn noch austreiben. Von wegen schwul…“
Meine Mutter schien es sichtlich unangenehm zu sein, da mein Vater schon angetrunken war.
“Tut mir Leid“, lächelte sie, „er hat heute seinen Job verloren und dann jetzt noch das alles hier. Das war etwas zu viel für ihn. Vielleicht sollte Nico erst mal hier bleiben und wir überdenken das Ganze noch einmal. Sicherlich ist es nur ein Phase.“
“Es ist keine Phase!“, schrie ich von oben, als ich das hörte, da es mich total sauer machte.
“Mutter, du weißt doch gar nicht was ich all die Jahre durchgemacht habe. Ich dachte mit sechzehn auch, es ist nur eine Phase, das geht vorbei. Jetzt werde ich bald neunzehn und ich stehe immer noch auf Männer.“
Entgeistert schaute mich meine Mutter an.
“Wir sollten trotzdem nochmal über alles in Ruhe reden“, lächelte sie wieder ziemlich gespielt zu mir hoch.
“Das können wir ja gerne die Tage machen, wenn ich auf einen Kaffee vorbeikomme. Jetzt packe ich meine Sachen und ziehe aus. Ich bin volljährig und kann machen was ich will. Muss mich nicht beugen und das tun was ihr wollt.“
Dann wandert mein Blick zu Maximilian, dem ich so dankbar war, wie toll er das Ganze aufgenommen hatte.
*-*-*
„Ich wünsche ihnen auch einen guten Abend. Aber ich denke, dass ihr Sohn schon ganz gut allein entscheiden kann was er möchte und was nicht. Er ist alt genug. Bitte respektieren sie das.“, antwortete mein Vater und ich bewunderte ihn, wie cool er blieb und sich nicht provozieren ließ.
So war er eben… er war der liebste und beste Dad der ganzen Welt. Ich liebte ihn, als Vater einfach nur unglaublich.
Auf die Worte des Vater und der Mutter gab er eh nicht viel. Er wartete, dass Nico und ich fertig waren und los konnten.
Natürlich tat die Frau ihm leid, aber da musste sie durch.
„Ich glaube auch nicht, dass es nur eine Phase ist. Es ist ganz normal, dass sich Nico in Roy verliebt hat und es ist okay. Wichtig finde ich nur, dass beide glücklich sind. Oder bedeutet ihnen das Glück ihres Sohnes gar nichts?
Wissen sie, ich hätte irgendwann vielleicht auch gern Enkelkinder gehabt, aber wenn mein Sohn Roy mit Nico glücklich ist, dann bin ich es auch. Sie sollten die Entscheidung ihres Sohnes einfach akzeptieren. Darüber gibt es nichts zu reden und nachzudenken. Und wie Nico richtig bemerkt hat, ist er volljährig und kann lassen und tun, was er möchte.“
Damit war nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater gemeint. Sein Gesichtsausdruck ließ keinen Widerspruch zu, als er die Mutter und auch den Vater durchdringend ansah. Er war froh, dass Nico ab heute bei ihnen wohnen würde. Damit war für ihn das Thema erledigt und er wartete jetzt nur noch auf Nico und Roy.
*-*-*
Ich war so stolz, dass Maximilian hinter uns stand und so eine Ansprache hielt. Meine Mutter traute sich nichts mehr zu sagen und mein Vater holte sich erneut ein Bier aus der Küche.

Schnell ging ich wieder ins Zimmer und packte die letzte Sachen zusammen. Noch einmal schaute ich mich um und vergewisserte mich, dass ich auch wirklich alles hatte. Denn sicher war ich mir nicht, ob ich nochmal herkommen wollte. Dann nahm ich den großen Karton, nickte Roy zu und ging nach unten.
Meine Mutter war wieder am weinen, als ich runter kam und den Karton Maximilian in die Hände drückte. Jedoch ignorierte ich sie und ging noch einmal hoch. Während Roy mir mit Sachen entgegenkam, holte ich nun die letzte Tasche aus meinem Zimmer. Viel hatte ich ja nicht, so ging es schneller.
Dann ging ich runter und wollte zur Tür raus gehen, als meine Mutter mich am Arm festhielt.
“Du gehst jetzt aber nicht für immer, oder?“, schluchzte sie.
“Ich schlage vor, wir lassen das alles hier erst mal in Ruhe sacken und dann meldest du dich einfach die Tage bei mir, wenn wir noch einmal über alles reden sollen. Aber nur, wenn du deine Meinung geändert hast. Denn ich bin und bleibe schwul! Da kannst du machen was du willst“, sagte ich im ernsten Ton und schaute meiner Mutter direkt in die Augen.
“Und jetzt wäre ich dir dankbar, wenn du mich loslassen könntest. Wir wollen nämlich jetzt los. Es ist schon spät und einen Teil einräumen wollte ich auch noch“, fuhr ich fort und schüttelte dabei meinen Arm, den meine Mutter immer noch festhielt.
Sie nickte dann aber einwilligend, ließ mich los und ich hörte meinen Vater noch irgendwas von hinten rufen, was ich aber nicht verstand. Denn schon war ich bei Maximilian und Roy beim Auto.
*-*-*
Wow, so hatte ich meinen Vater aber noch nie erlebt. Er konnte ja richtig ernst sein… wie sehr ich ihn doch bewunderte… vermag ich nicht in Worte zu fassen. Ich half Nico noch die Taschen zum Auto zu bringen und mein Papa verstaute dann alles in seinem Auto.
Anschließend stiegen wir ein und mein Papa fuhr mit uns nach Hause… und somit einer glücklichen Zukunft entgegen. Ich freute mich einen Kullerkeks, dass alles so gut abgelaufen war und wir endlich zusammen waren und wohnten, dass mir direkt ein paar Tränen des Glücks übers Gesicht liefen.
Endlich daheim angekommen, luden wir alles aus, auch mein Papa packte ordentlich mit an. Gemeinsam schafften wir alles in kürzester Zeit ins Haus und auch in sein Zimmer.
„Nico, willkommen in deinem neuen Zuhause“, sprach Papa zu Nico und zeigte ihm sein Zimmer, „ich hoffe du wirst dich hier bei uns wohlfühlen. Nun erholst du dich erst mal, richtest dein Zimmer ein, wie du es möchtest und dann sehen wir weiter, okay.“
Nach dieser Ansprache an Nico, konnte ich nicht anders, ging auf meinen Papa zu und umarmte ihn überglücklich.
„Ich hab dich so lieb, Papa. Danke.“
Ich sah ihm mit Tränen in den Augen an, während auch er mich an sich drückte.
*-*-*
“Danke, ich bin so froh hier sein zu dürfen. Sobald die Schule durch ist und ich erst mal was verdiene, kann ich auch ein bisschen Geld dazu steuern“, sagte ich zu Maximilian.
Mir ging es jetzt richtig gut, ich war erleichtert und total froh hier sein zu dürfen. Mein Outing lief mehr oder weniger gut ab. Mit meinen Eltern würde ich nochmal versuchen in Ruhe zu reden. Jetzt wollte ich mich erst mal in Ruhe einrichten und meine Sachen auspacken.
“Magst du mir nochmal helfen“, fragte ich Roy mit einem Hundeblick.
*-*-*
Nachdem ich mich von meinem Vater gelöst hatte, sah ich Nico an und nickte einwilligend.
„Klar, helfe ich dir. Ist doch selbstverständlich… umso schneller hab ich dich wieder für mich.“, gab ich von mir und grinste.
Mein Vater lächelte.
„Nichts zu danken. Du kommst jetzt erst mal hier an und richtest dich in Ruhe ein und um Geld mach du dir mal keine Sorgen.“, dann entfernte er sich und ging ins Bad, wo er, wie immer um diese Zeit, duschte.
Ich sah ihm noch bewundernd nach, dann wand ich mich dann an Nico.
„Na, dann mal los…. richten wir dein Zimmer ein. Ich kann dir auch ein paar Poster geben, wenn du willst.“, schlug ich vor und war voller Tatendrang.
*-*-*
Ebenfalls verwundert sah ich Maximilian hinterher und richtete mich dann an Nico: “Poster sind immer gut. Aber lass uns heute nicht allzu viel machen, schließlich will ich auch noch ein bisschen Zeit für dich haben.“
Ebenfalls voller Tatendrang, legte ich auch schon los. Meine Gedanken waren bei dem was wir heute noch anstellen würden. Ob ich wohl bei Roy im Bett schlafen dürfte? Oder würde er hier bei mir schlafen? So gerne würde ich jetzt alles liegen lassen und mit ihm kuscheln.
*-*-*
Ich half Nico alles ordentlich wegzuräumen, so wie ich es gewohnt war. Ja, Ordnung war für mich sehr wichtig… hatte ich es doch von meiner Mutter gelernt und so achtete ich immer peinlich genau auf Ordnung.
Da Nico nicht allzu viele Sachen hatte, hatten wir schon bald alles erledigt, dann ging ich in mein Zimmer und holte eine Mappe mit vielen Postern, die ich in sein Zimmer brachte. Da war alles dabei… von hübschen Männern, Schauspielern, Sängern… über Boybands, aber auch ein paar Anime und Mangaposter waren dabei.
Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nicht ein einziges Poster hatte, wo Frauen oder Mädchen drauf abgebildet waren. Hmm… das gab mir jetzt schon zu denken… war ich vielleicht schon die ganze Zeit über auf das männliche Geschlecht fixiert und hatte es nur nicht bemerkt, oder nicht wahrhaben wollen?
Seltsam… sehr merkwürdig…
„Schau mal, hier kannst du dir welche aussuchen.“, bot ich Nico fröhlich lächelnd an und übergab ihm die geöffnete Mappe.
*-*-*
“Oh wow, so viele hast du… also das muss auf jeden Fall an die Wand und das auch…“, sagte ich und suchte mir allerhand Poster aus.
Anschließend hingen wir die Poster auf und schon sah alles wohnlich aus. Das letzte hing ich übers Bett und legte mich danach darauf. Es war ein hübscher junger Schauspieler, der sehr meinem Geschmack entsprach und den ich jetzt anschaute.
Dann aber suchte ich Roys Blick und lächelte ihn an. Mein Freund war mir dann doch lieber und ich klopfte neben mir aufs Bett, in der Hoffnung er würde zu mir kommen. Zu gerne wollte ich vorm schlafen noch ein wenig mit ihm schmusen, auch wenn es schon spät war. Die Schule mussten wir morgen ja nicht besuchen und so war es auch egal wann wir ins Bett gingen.
Etwas müde rieb ich mir dann aber doch die Augen. Erst jetzt merkte ich wie emotional tief das heute alles ging, und dass ich total fertig war. Drüber nachdenken durfte ich dann doch nicht, denn es wären mir die Tränen gekommen.
Ich hatte einfach nur Glück gehabt. Den Mann, den ich liebte, mein bester Freund, erwiderte meine Gefühle und ich hatte eine Familie gefunden, bei der ich mich sehr wohl fühlte. Gut, meine Eltern hatten es nicht so gut aufgenommen, aber das Thema würde ich nochmal anschneiden und schauen, ob es vielleicht erst mal der Schock war.
Mein Outing in der Schule stand noch bevor, aber das würde ich auch überstehen und hatte ja in Roy die beste Stütze!
*-*-*

Ich freute mich total, dass Nico einige der Poster gefielen und wir sie gleich an die Wand brachten. Jetzt sah sein Zimmer doch schon wesentlich besser aus. Liebevoll lächelte ich ihn an, als ich mich, zu ihm, auf das Bett legte und zunächst schwieg.
Dann drehte ich mich auf die Seite und sah ihn an. Ich konnte förmlich spüren, dass ihm etwas durch den Kopf ging. So legte ich meinen Kopf auf seine Brust, kuschelte mich an ihn und streichelte dabei seinen Bauch.
Einen Moment überlegte ich, dann sprach ich leise.
„Magst du mir sagen, was dich beschäftigt? Hat es was mit dem heutigen Tag zu tun? Gefällt es dir hier doch nicht? Du weißt, dass du mit mir jederzeit über alles reden kannst oder auch mit Papa.“
Klar, wusste ich auch, dass es mal wieder ziemlich viele Fragen auf einmal waren, aber irgendwie wollte ich die bedrückende Situation ein wenig auflockern.
Irgendwie war ich jetzt aber doch so fertig von diesem Tag, dass ich die Augen schloss und, eigentlich ungewollt, einschlief. Ich hatte mich einfach so beschützt und geliebt bei ihm gefühlt, dass ich mich vollends entspannte und tief und fest eingeschlafen war.
Zudem war ich psychisch noch ziemlich angeschlagen. Der heutige Tag war wirklich sehr anstrengend für mich gewesen. Vielleicht hatte ich mir heute doch etwas zu viel zugemutet. Aber so war ich nun mal. Selbst, wenn es mir sehr schlecht ging, versuchte ich anderen noch irgendwie Mut zu machen und zu helfen… auf Gedeih und Verderb.
*-*-*
Maximilian hatte geduscht und sich dann etwas Bequemes angezogen. Auch ihm war der heutige sehr nahe gegangen… insbesondere was Nico und Roy anging.
Eines bereute er aber auf gar keinen Fall, dass er Nico aus dieser „Hölle“, wie er Nicos Zuhause bezeichnete, heraus geholt hatte.
In den nächsten Tagen würde er sich aber verstärkt um Roy kümmern müssen, denn sie beide hatten eine Menge aufzuarbeiten und es würde sicher nicht ohne Tränen abgehen. Aber es musste sein, denn Roys Selbstmordversuch hatte ihm gezeigt, dass es so auf keinen Fall weiter gehen konnte.
Er ging ins Wohnzimmer, schaltete das Fernsehen an und legte sich dann auf die Couch, wo er es sich, bei einem Glas Wein, gemütlich machte. Eine Kerze stand auf dem Tisch und er dachte an seine verstorbene Frau Mara, die er mehr als alles andere geliebt hatte und von der ihm nur Roy geblieben war.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er ihn auch noch verloren hätte. Aber Mara schien noch immer auf ihren Sohn aufzupassen… sonst hätte er ihn vielleicht wirklich verloren.
Tränen rannen über seine Wangen. Er fühlte sich so verdammt einsam und allein… er hatte niemanden der ihm zuhörte… der ihm half. Jedoch zeigte er es nicht offen und auch in der Öffentlichkeit war er der harte Typ, der keinen Widerspruch duldete.
Nur wenn er Zuhause und allein war, gab er sich seinen Gefühlen hin…, ließ alles aus sich heraus. Niemals würde er wollen, dass ihn jemand SO sah.
So lag der, 1,90 m große, sehr schlanke… hübsche Mann, mit den schulterlangen, schwarzen Haaren und männlich – markanten Gesichtszügen, schluchzend auf der Couch und weinte hemmungslos…
*-*-*
Am Liebsten hätte ich Roy alles erzählt. Ihm mein Herz ausgeschüttet. Doch als ich gerade anfangen wollte, merkte ich, dass er eingeschlafen war. Aber auch ich war müde und schloss meine Augen, versuchte nicht mehr an den heutigen Tag zu denken. Nur ging mir viel zu viel durch den Kopf, dass ich nicht wusste was ich tun sollte.
Einschlafen konnte ich einfach nicht. So schälte ich mich vorsichtig aus dem Bett, ohne dabei Roy zu wecken. Vorsichtig mich von ihm lösend, stand ich auf und verließ das Zimmer. Ich hatte Durst und ging nach unten in die Küche, um mir etwas zu trinken zu holen.
Auf dem Rückweg sah ich, dass im Wohnzimmer noch Licht brannte. Erst wollte ich Maximilian nicht stören, schließlich brauchte auch er seine Privatsphäre. Aber dann klopfte ich doch an und ging allerdings, ohne eine Antwort abzuwarten hinein.
Das Schauspiel, das sich mir bot, ließ mir gleich die Tränen in die Augen steigen.
“Entschuldige bitte…“, sagte ich, weil ich ja einfach so hereingekommen war, “ist alles in Ordnung bei dir?“
Noch etwas unsicher ging ich auf ihn zu und setzte mich zu ihm.
“Der Tag heute war echt anstrengend“, begann ich zu reden, als hoffte ich es würde ihn trösten, “Beinahe hätte ich den Menschen verloren, den ich am meisten Liebe. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst… Keine Ahnung was ich gemacht hätte, wenn Roy…“
Dann liefen auch mir wieder die Tränen über die Wangen.
“Darf ich dich noch um etwas bitten? Wäre es vielleicht okay, wenn ich mir ein wenig Geld borge. Ich bräuchte vielleicht noch ein kleines Schränkchen… Können wir die Tage eines zusammen kaufen gehen? Natürlich nur, wenn es okay ist“, fragte ich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte.
*-*-*
Gerade gab sich Maximilian seinen Gefühlen richtig hin, als er hörte, dass es an der Tür klopfte. Dann hörte er auch schon, dass Nico das Wohnzimmer betrat und ihn ansprach. Nun konnte er sich aber nicht so schnell wieder beruhigen, wie er es gern gewollt hätte…. wischte sich aber dann doch schnell die Tränen, mit einem Taschentuch aus dem Gesicht.
Als Nico dann neben ihm saß und zu reden begann, hörte Maximilian ihm einfach zu… wie er es eben immer tat… und nickte nachdenklich. Jedoch unterdrückte er seine Tränen nun, ihm war es so schon peinlich genug, dass Nico ihn SO gesehen hatte.
„Ist schon gut, Nico, ich verstehe dich. Zum Glück haben wir Roy nicht… verloren.“, antwortete er und musste hart schlucken, um seinen Schmerz und Kummer nicht überhand nehmen zu lassen.
Aber redete dennoch nicht über das was ihn noch so bedrückte und wie er sich fühlte, sondern beherrschte sich… wollte Nico nicht auch noch Kummer bereiten. Er hörte sich auch an, was Nico sich wünschte und nickte einwilligend.
„Natürlich bekommst du das Schränkchen und wenn du noch etwas brauchen solltest sag es einfach, okay. Wie ich dir schon sagte, mach dir um Geld keine Sorgen. Wenn du willst, legen wir dir auch ein Konto an und ich überweise dir jeden Monat eine gewisse Summe, so dass du wenigstens auch etwas Taschengeld hast.“, meinte Maximilian fürsorglich.
Schließlich bat er Nico, mit ruhiger sanfter Stimme.
„Bitte, lässt du mich einen Moment allein, ja….“
Maximilian sah ihn, mit einem Blick voller Trauer, Schmerz und Qual, an. Solange jemand in seiner Nähe war unterdrückte er alles was ihn quälte und bewegte, doch wusste er nicht, wie lange er das noch durchhalten würde. Da er Nico aber auch nicht verscheuchen wollte, stand er schließlich auf und entschuldigte sich bei Nico.
„Bitte, entschuldige mich.“, sah ihn aber mit einem… ziemlich gequälten… Lächeln an, dann erst verließ er das Wohnzimmer und begab sich in sein Schlafzimmer, wo er die Tür von innen schloss und sich dann einen Moment auf sein Bett setzte.
Irgendwann erhob er sich jedoch, ging in seinen begehbaren Kleiderschrank und zog sich um. Bekleidet mit blauen Jeans, weißen Turnschuhen und einem weißen Pullover verließ er sein Zimmer wieder, hinter sich die Tür schließend.
Er wollte jetzt einfach noch etwas spazieren gehen und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Zudem konnte er so besser nachdenken…
*-*-*
Nachdem Maximilian das Wohnzimmer verlassen hatte, ging ich wieder nach oben. Doch wollte ich Roy nicht wecken und da ich noch nicht müde genug war, ging ich in sein Zimmer und fing an zu trainieren.
Vorher zog ich jedoch für mehr Bewegungsfreiheit mein Shirt und meine Hose aus. Trainierte als nur auf Shorts meinen Körper. Wie schon so oft, machte ich meine Übungen, nachdem ich mich ordentlich gedehnt hatte. Dabei kam ich ordentlich ins schwitzen und merkte gar nicht wie die Zeit verging.
Irgendwann, mitten in der Nacht, kam endlich auch Maximilian wieder heim, ging sogleich in sein Schlafzimmer, zog sich aus und legte sich ins Bett. Da er zum Umfallen müde gewesen war, schlief er augenblicklich ein.
*-*-*
Als ich erwachte, war es schon wieder hell. Wie lange ich wohl geschlafen hatte? Ich sah mich um und musste irgendwie erst mal klar kommen. Dies hier war definitiv nicht mein Zimmer… ich sah neben mich und stellte fest, dass auch Nico weg war.
Langsam erhob ich mich und rieb mir ein wenig die Augen. Irgendwie war ich immer noch sehr müde, aber ich erhob mich und verließ das Zimmer. Auf dem Weg ins Bad, hörte ich, dass wer in meinem Zimmer war… okay, da es definitiv nicht Papa war, der würde mein Zimmer niemals ohne meine Genehmigung betreten… konnte es nur Nico sein.
Aber vorerst ging ich ins Bad und erleichterte mich, dann wusch ich mir zumindest erst mal die Hände und das Gesicht, anschließend ging ich zu meinem Zimmer, öffnete leise die Tür und lugte hinein.
Wow… was für einen geilen Körper ich zu Gesicht bekam… da konnte man ja schwach werden… mir lief augenblicklich das Wasser im Mund zusammen und ich musste echt aufpassen, dass ich nicht noch zu sabbern begann.
Ich betrat mein Zimmer, unbemerkt von Nico und sah ihm eine Weile zu, dann konnte ich es mir nicht mehr verkneifen.
„Wow… was für einen geilen Körper du hast. Guten Morgen, Nico.“
Ich grinste ihn ziemlich frech an, während ich ihn mit meinen Blicken fixierte.
*-*-*
“Guten Morgen“, kam es etwas verwirrt von mir. War es denn schon morgen?
Tatsächlich war es inzwischen hell geworden und ich stand leicht verschwitzt in Roys Zimmer.
“Sorry, ich konnte gestern nicht schlafen und habe wohl beim Trainieren die Zeit vergessen“, lächelte ich Roy an und ging auf ihn zu.
“Dir gefällt also was du siehst“, neckte ich ihn und streichelte mit meinem Finger über seinen Bauch.
“Ich befürchte ich brauche ganz dringend eine Dusche!“, grinste ich ihn an.
*-*-*
Ich hörte was er sagte, und dass er sich entschuldigte… warum auch immer…. er war doch jetzt eh hier zuhause… und doch starrte ich, wie im Trance, ihn und seinen wunderschönen Körper an… da konnte man ja richtig neidisch werden.
„Ja, mir gefällt sehr, was ich sehe.“, grinste ich und musste dann lachen, weil er mich am Bauch streichelte.
„Lass das, ich bin kitzlig.“, beschwerte ich mich halbherzig, doch grinste ich ihn gleich wieder frech an und sprach, noch immer fasziniert von Nicos schönen Körper:
„Ich brauche auch ganz dringend eine Dusche und wenn du nichts dagegen hast, würde ich gern mitkommen.“, mit diesen Worten, streichelte ich zärtlich über seinen nackten Oberkörper, nahm ihn dann in die Arme und küsste ihn leidenschaftlich…
*-*-*
Maximilian hatte nicht sehr lange geschlafen, als er ebenfalls erwachte, aber noch etwas in seinem Bett liegen blieb. Schließlich stand er doch auf und ging in seinem Bad duschen. Anschließend zog er sich an und bereitete das Frühstück für sich und die beiden Jungs zu.
Immerhin hatten sie ja heute noch was vor….
*-*-*
Zärtlich erwiderte ich Roys Kuss, nahm ihn dann an die Hand und zog ihn mit ins Bad. So etwas ließ ich mir doch nicht zweimal sagen. Zögernd fing ich an ihn auszuziehen, auch wenn meine Hände wie blöd zitterten.
Aufgeregt küsste ich ihn immer wieder. Die Vorstellung von uns beiden unter der Dusche, machte mich wahnsinnig. Meine Erregung konnte ich nicht wirklich verbergen, da meine knappe Shorts dafür zu viel preis gab.
Warum war ich nur so verdammt nervös. Wir wollten doch nur ein bisschen zusammen duschen. Krieg dich wieder ein Nico! Aber sofort! Nur machte mein Körper was er wollte und mein Kopf dachte schon an ganz schlimme Bilder.
Roy nackt unter der Dusche mit mir! Die Vorstellung ihn einzuseifen an ganz bestimmten Stellen, ließ meinen kleinen Freund unterhalb der Gürtellinie wie eine Eins stehen.
*-*-*
Und ich ließ mich nur allzu gern mitziehen. Meine Fantasy war auf dem Höchstpunkt… herrje, was ich mir alles vorstellte… Natürlich half ich Nico dabei mich auszuziehen und es konnte mir gar nicht schnell genug gehen.
Blitzschnell war ich nackt und zog ihm nun auch seine Shorts aus… was sich als nicht ganz so einfach erwies, wie ich feststellen musste, da er sehr erregt war, was mich frech grinsen ließ. Ich zog ihn dann zur Dusche, stellte das warme Wasser an und zog ihn mit in die Dusche hinein.
Während ich ihn noch küsste, begann ich seinen schönen Körper zu erforschen und benetzte ihn dabei mit Wasser… wobei ich es nun auch nicht lassen konnte, nur kurz, wie zufällig seine Männlichkeit zu berühren, was mich schon fast sabbern ließ, bei dem was ich spürte und …sah.
So dauerte es nicht lange und meine Männlichkeit richtete sich nun ebenfalls auf…
*-*-*
Wir standen tatsächlich zusammen unter der Dusche. Traumhaft fühlte es sich an, wie Roy meinen Körper streichelte. Auch meine Hände gingen auf Wanderschaft und streichelten seinen Körper. Als jedoch seine Hand meine Männlichkeit streifte, gab ich ein leises Stöhnen von mir.
Den Kuss erwidernd, forschte meine Zunge erneut in seiner Mundhöhle und fing an mit seiner zu spielen. Dabei angelte meine eine Hand nach dem Duschgel, was ich auch gleich auf Roys Körper auftrug.
Ihn liebevoll einseifend, unterbrach ich für einen Moment den Kuss und schaute mir meinen Freund ganz genau an. Jede Hautpartie, die ich wusch, betrachtete ich auch ganz intensiv. Spielerisch streichelte ich seinen Bauch, schluckte einmal hart und kam dann zu seiner mittlerweile harten Männlichkeit, die ich ganz vorsichtig auch einseifte.
*-*-*
Ein leises Stöhnen konnte ich nun auch nicht mehr unterdrücken, als er meinen kleinen Freund einseifte, mein Körper zitterte vor Erregung und ich schloss einen Moment die Augen… seine Zärtlichkeiten ließen mich nicht los… hielten mich gefangen…
Aber auch ich nahm mir nun das Duschgel und seifte ihn ebenfalls ab… zärtlich und ganz sanft… bis ich zu seiner Männlichkeit kam und diese auch einseifte… alles spülte ich vorsichtig ab und ging langsam vor ihm in die Hocke, küsste seinen Bauch… dann noch weiter runter… was ich nun wollte war klar.
Ich wollte ihn ….schmecken… von den Mädchen her kannte ich es ja schon… okay, es war geringfügig was anderes, aber ich war mir sicher, dass es ihm gefallen würde.
Nur ganz kurz sah ich ihm dabei in die Augen, dann hatte ich seinen kleinen Freund erreicht und nahm ihn zunächst nur in die Hand… konnte aber nicht widerstehen, küsste die Spitze und begann ihn genussvoll abzulecken… wie eine Zuckerstange. Meine Zunge glitt langsam an seiner Männlichkeit entlang, erreichte die Spitze und leckte diese ebenfalls.
Immer wieder sah ich ihm dabei ins Gesicht… wollte seinen Gesichtsausdruck, jede noch so kleine Regung, einfach alles fest in meinem Gedächtnis speichern.
Die Augen wieder schließend, umhüllten meine Lippen nun seinen kleinen Freund, während meine Zunge seine Spitze neckend ärgerte und begann vorsichtig an ihm zu saugen, auch konnte ich imitierte Schluckbewegungen nicht unterlassen…
Es fühlte sich toll an, Nico so zu verwöhnen und ihm somit zu zeigen, dass ich ihn liebte…
*-*-*
Was Roy mit mir tat, war atemberaubend schön. Genießerisch schloss ich die Augen und ließ mich ein wenig zurückfallen. Lehnte nun mit dem Rücken an der Wand und konnte mein Stöhnen nicht mehr zurückhalten.
Es war einfach viel zu geil, was Roy hier abzog. Er blies mir tatsächlich einen. So oft hatte ich davon geträumt und jetzt erfüllte sich mein größter Traum. Seine Lippen umschlossen meinen Schaft und seine Zunge spielte ihr Spiel an meinem Stängel. Ich war schon zum Platzen erregt und meine Männlichkeit war zum brechen hart.
Lange würde ich es nicht mehr zurückhalten können. Dafür machte er mich viel zu heiß. Doch ich wollte ihm auch Lust bereiten. Noch sollte es nicht vorbei sein. Sanft schaute ich ihm in die Augen, legte meine Hände auf seine Schultern und zog ihn zu mir hoch. Dann küsste ich ihn leidenschaftlich und ging nun vor ihm in die Hocke.
Instinktiv tat ich das, was mir auch gefallen würde. Ich umfasste Roys Männlichkeit so, dass ich auch seine Hoden berührte und streichelte diese dabei. Dann legte ich meine Lippen an seine Spitze und saugte ein wenig daran.
Anschließend nahm ich ihn zu einem Drittel in den Mund und ließ ihn wieder herausgleiten. Danach bis zur Hälfte und ließ ihn wieder hinaus. Bevor ich ihn ganz und gar in meinen Mund und Rachen verschwinden ließ. Dabei saugte ich kräftig an ihm, als wolle ich ihn aussaugen.
Nur langsam rutschte er wieder aus meinem Mund raus. Dann küsste ich liebevoll Roys Bauch und ging wieder hoch, um Roys Lippen zu küssen. Dabei langte meine Hand wieder zu seiner Männlichkeit und bearbeitete sie hart. Während meine Erektion gegen seine drückte und nach Beachtung lechzte.
*-*-*
Gott, war das geil, was Nico mit mir tat und beinahe wäre ich direkt gekommen. Ich konnte mich kaum noch zurückhalten, dann umfasste ich aber seine Männlichkeit ebenfalls und bearbeitete ihn auch sehr hart.
Ich kam aus dem Stöhnen nun echt nicht mehr raus und drückte mich ihm entgegen. Schließlich war ich derart erregt, dass ich mich in seiner Hand, laut stöhnend ergoss und mein Körper vor Erregung bebte und zitterte, während ich mich nun doch an ihm festkrallte.
„Ich liebe dich“, stöhnte ich noch immer ein wenig atemlos und sah ihn, mit noch immer von Lust verhangenen Augen, an.
Maximilian bekam davon allerdings nichts mit, er hatte mit sich selbst zu tun und den Tag für sich und die Jungs zu planen.
*-*-*
Als ich spürte wie Roy sich in meiner Hand ergoss, kam es mir auch. Seine Hand fühlte sich so toll an meiner Männlichkeit an, dass ich meinen Höhepunkt erreichte.
“Ich liebe dich auch“, lächelte ich ihn an und küsste ich noch einmal.
Dann drehte ich jedoch das Wasser aus. Sauber waren wir jedenfalls. Nach einen Handtuch griff ich und reichte es Roy, während ich mir auch eines nahm. Jetzt war mir aber auch kalt und ich trocknete mich rasch ab.
Bevor ich jedoch wieder ins Zimmer ging, wo ich meine Anziehsachen hatte, bekam Roy noch einen Kuss und einen kleinen Klaps auf seinen süßen Po. Das würden wir wohl noch auslosen müssen, wer hier wen. Mein Kopfkino in der Hinsicht lief jedenfalls schon auf vollen Touren.
In meinem Zimmer zog ich mich dann an und ging schauen, wie weit Roy war.
*-*-*
Mit dem Badetuch um meine Hüfte, ging ich nun ebenfalls in mein Zimmer, nachdem mich Nico geküsst und mir einen Klaps auf den Hintern gegeben hatte und ich ihn nur angrinste. In meinem Zimmer angekommen, bekleidete ich mich mit einer schwarzen Jeans und einem blauen Sweatshirt. Anschließend kämmte ich meine langen feuerroten Haare… ließ sie jedoch offen.
Dann legte ich mir noch meine Kette um den Hals, die mir meine Mutter geschenkt hatte, kurz bevor sie… starb. Das Zimmer verlassend, traf ich auf Nico und lief ein wenig rot an, doch grinste ich frech, dann nahm ich ihn an die Hand und führte ihn in die Küche, wo wir auf meinen Vater trafen, der ziemlich angeschlagen aussah.
„Guten Morgen, Papa.“
„Guten Morgen Roy, guten Morgen, Nico. Setzt euch, das Frühstück ist fertig.“
Ich setzte mich auf meinen Stammplatz und sah meinen Vater an.
„Papa, ist alles okay mit dir?“
„Ja, es geht mir gut… alles okay.“, antwortete er und doch war ich mir sicher, dass nichts in Ordnung war.
Fragend sah ich Nico an… als würde er mir alles erklären können.
„Nach dem Frühstück fahren wir ins Möbelhaus“, bestimmte er und setzte sich dann an den Tisch.
Ich nickte, wusste aber nicht warum wir ins Möbelhaus fahren wollten bzw. sollten. Hatte ich irgendwas verpasst?
*-*-*
“Bevor ich gestern angefangen habe zu trainieren, bin ich noch nach unten, weil ich mir etwas zu trinken holen wollte. Da dachte ich, dass ich deinen Vater ja mal eben fragen könnte, ob wir noch ein kleines Schränkchen kaufen gehen? Irgendwie ist alles ziemlich in den Kleiderschrank gestopft. Weißt du?“, erklärte ich Roy, der mich so fragend ansah.
Die Sache mit Maximilian, was ich gesehen hatte, ließ ich allerdings weg. Ich wollte nicht, dass Roy sich Sorgen machte. Dann richtete ich mich an Maximilian.
“Die Sache mit dem Taschengeld würde ich gerne annehmen. Aber nur, wenn ich es irgendwann zurückzahlen darf. Darauf bestehe ich!“
*-*-*
„Ach so, ja gut, okay.“, erwiderte ich nachdenklich und doch wusste und sah ich, dass etwas mit meinem Papa nicht stimmte.
Er schien mir auf einmal so eisig… so… ja fast schon… frostig. Was hatte er nur? So kannte ich ihn doch nicht. Als Nico die Sache mit dem Taschengeld ansprach, schwieg ich, denn ich kannte ja meinen Vater.
Mein Papa sah Nico streng… durchdringend an, meinte es aber keineswegs böse… und antwortete ruhig.
„Höre mir mal bitte zu, Nico! Entweder, du nimmst es so, oder aber es gibt nichts, okay. Wie ich dir schon sagte, musst du dir ums Geld keine Sorgen machen. Ich wollte es eigentlich nicht sagen, weil ich nicht gern damit prahle, aber… ich habe so viel Geld, dass ich es wahrscheinlich in drei Leben nicht ausgeben kann und es kommt immer noch mehr dazu. Und wenn ich dir etwas gebe, dann gebe ich es dir gern… sonst würde ich es dir nämlich nicht geben. Hast du mich jetzt verstanden? Und ich möchte keine Diskussionen mehr ums Geld hier haben, okay… Nico. Sonst kann ich auch ziemlich böse werden.“
Ich atmete tief durch.
„Ich mein, ich verstehe dich, du bist es anders gewohnt… aber hier… geht es anders zu und daran wirst du dich gewöhnen müssen. Weißt du, ich bin froh, dass ihr beide glücklich seid und endlich zu euch gefunden habt… das reicht mir als …Dank.“
Ich rollte schon genervt mit den Augen, denn solche Predigten kannte ich ja, und aß mein Frühstück. Jedoch ließ mich der Zustand meines Vaters nicht in Ruhe, so stand ich auf.
„Papa? Bitte, kann ich mit dir kurz sprechen?“
„Sicher.“
Wir verließen die Küche kurz und ich sprach dann, im Wohnzimmer, mit meinem Vater.
„Papa, bitte, sag mir, was mit dir los ist. Du hast mir gestern versprochen, dass wir über alles reden… also… bitte.“
Mein Vater lächelte mich an.
„Du bist wie deine Mutter… sehr hartnäckig, aber gut, ich rede mit dir… sonst gibst du ja doch keine Ruhe.“, begann er, „weißt du, ich fühle mich manchmal sehr einsam und allein, seit deine Mutter tot ist. Und gestern Abend kam es über mich und ich weinte… auch, weil ich daran dachte, dass… ich dich beinahe verloren hätte, wo du doch das einzige bist, was mir von deiner Mutter geblieben ist. Außerdem bist du mein ganzer Stolz.“
Er fuhr sich durch sein Haar.
„Ich musste gestern an sehr vieles denken, verstehst du. Die Sache mit Nicos Eltern und überhaupt das alles, nahm mich wirklich sehr mit. Ich bin nur froh, dass wir Nico hier haben, und dass ich dich nicht verloren habe.“
Ich hatte meinem Vater genau und sehr aufmerksam zugehört und verstand nun seine Reaktion. Dann stand ich auf, ging auf ihn zu und nahm ihn lieb in die Arme.
„Papa, es tut mir so Leid, dass ich dir Kummer gemacht habe. Und, ich mein, vielleicht findest auch du noch einmal eine neue Liebe. Du musst doch auch nicht für immer allein sein. Ich hab dich lieb, Papa und was ich dir noch sagen wollte: Du bist der beste und liebste Papa der ganzen Welt.“
„Ist schon gut“, erwiderte mein Vater und nahm mich auch in die Arme, „ich habe dir nichts zu verzeihen… vielmehr habe ich deinen Hilfeschrei verstanden und werde mich künftig etwas besser um dich kümmern… auch wenn du schon volljährig bist… aber erwachsen bist du deswegen noch lange nicht.“
Er grinste mich dabei lieb an, allerdings war er nun nicht auf meinen Vorschlag mit einer neuen Liebe eingegangen. Wollte er etwa für immer und ewig allein bleiben? Oh je, er war doch erst 39 Jahre alt… oder vielmehr jung, denn er sah keineswegs aus wie 39 Jahre … eher wie 25 Jahre… da konnte er doch nicht sein ganzes restliches Leben allein bleiben.
Schließlich lösten wir uns und gingen wieder in die Küche. Mich wieder zu Nico setzend entschuldigte ich mich.
„Sorry, dass wir eben so schnell weg sind, aber… mein Papa und ich hatten was zu klären.“, dann gab ich ihm einen sanften Kuss.
Nein, es störte mich nicht, dass es mein Vater sah… er wusste doch eh bescheid… und außerdem liebte ich Nico.
*-*-*
Als Maximilian mir eine Standpredigt hielt, nickte ich nur, da ich jetzt bescheid wusste. Er hatte recht, ich war es anders gewohnt und kannte so viel Liebe und Wärme nicht.
“Gut, also dann würde ich mich über ein Taschengeldkonto freuen“, gab ich kleinlaut von mir.
Sicherlich verstand ich es, als Roy mit seinem Papa zum Reden ins Wohnzimmer ging. Auch wenn ich mich ein wenig ausgeschlossen fühlte. Sie konnten mir doch auch vertrauen. Aber das würde sicher mit der Zeit noch kommen.
Dann als sie wieder in der Küche waren, erwiderte ich Roys Kuss.
„Ist schon okay. Du musst dich deswegen nicht entschuldigen. Habe nur fast alles aufgegessen.“
Scherzend grinste ich ihn an und küsste ihn erneut. Schnell schob ich mir meinen letzten Bissen in den Mund und trank mein Glas leer.
“So, von mir aus können wir los“, gab ich frech von mir.
Schließlich konnte ich es kaum erwarten, ein wenig Schoppen zu gehen. Das letzte Mal war ewig her, dass ich einfach mal unbeschwert Geld ausgeben konnte. Obwohl ich sicherlich auf die Preise achten würde und gedanklich dabei wäre, nicht zu viel auszugeben. Einfach nur weil es in mir drin steckte, sparsam zu sein.
*-*-*
Ich grinste, als Nico zu scherzen begann und erwiderte seinen Kuss ebenfalls. Er schien sich tatsächlich langsam hier einzuleben und sich wohl zu fühlen, was mich sehr freute.
„So? Was hat dich denn so hungrig gemacht, hm?“, gab ich ebenfalls scherzend zurück.
Nachdem mein Vater und ich noch ein Glas Orangensaft getrunken hatten, nickten wir, fast gleichzeitig.
Mein Vater sah uns an und ließ uns wissen was er geplant hatte
„Wir fahren jetzt erst mal zur Bank, richten dir, Nico, ein Konto ein und fahren dann zum Möbelhaus. Seid ihr einverstanden?“
Ich nickte und sah dann Nico an, der schon voller Vorfreude zu sein schien.
Na, dann kommt… fahren wir“, meinte mein Vater und verließ die Küche und bald auch unser Haus.
Wir verließen die Küche ebenfalls, zogen uns die Schuhe an und gingen dann zum Auto meines Vaters. Nachdem wir alle eingestiegen waren fuhr mein Vater auch schon los.
Wie von meinem Vater geplant fuhren wir erst zur Bank, wo er alles erledigte und Nico ebenso viel Taschengeld, wie mir, auf das Konto überwies. Für mich war es nichts Besonderes mehr, ich war das gewohnt.
Und auch wenn ich trotz allem Luxus relativ normal geblieben war, wollte ich diesen Luxus nicht missen. Man gewöhnt sich eben doch sehr schnell an dieses bessere Leben. Und ich konnte mir schon denken, dass sich auch Nico sehr bald und ziemlich schnell an diesen Luxus gewöhnen würde. Sicher, noch war es sehr neu und ungewohnt für ihn, aber auch das würde sich bestimmt bald ändern.
Ich fand es nur wichtig, dass man trotzdem so normal wie möglich blieb und nicht, ob des ganzen Luxus, abhob. Schließlich kamen wir im Möbelhaus an und sahen uns ein wenig um. Auch mein Vater sah sich hier um und begutachtete die verschiedensten Möbelstücke…

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Information Martin
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 01:54 PM - No Replies

Wenn wir beide mit 50 noch keinen Partner haben, tun wir uns zusammen, denn alleine sein ist blöd!
Dieses Versprechen gab ich einen guten Freund vor fünf Jahren. Damals feierten wir seinen 45. Geburtstag und hatten schon so einiges getrunken. Verstanden haben wir uns immer gut, nur irgendwie nie zusammengefunden.
Vielleicht weil wir eigentlich nur Freunde waren und sich nie mehr entwickelt hatte. Ausgerechnet heute holte mich dieses Versprechen ein, da Martins Geburtstagsparty anstand und zwar sein Fünfzigster!
Mein Geburtstag war vor drei Wochen gewesen. Ich hatte mich vor dem Feiern gedrückt und kurzentschlossen einen Kurzurlaub gebucht. Meine Freunde nahmen mir das nicht wirklich übel, da ich sie frühzeitig vorgewarnt hatte.
*-*-*
Doch nun stand ich unentschlossen vor dem Spiegel, band mir die sechste Krawatte um und war nicht wirklich glücklich mit meinem Aussehen.
„Ach Liebchen, du stehst da wie jemand, der gerade seine große Liebe verloren hat“, krächzte mein bester Freund Maik.
„Maik, ich weiß nicht. Vielleicht sollte ich doch eine andere Krawatte nehmen, oder ein anderes Hemd“, versuchte ich mich rauszureden.
„Maike!“, kam es gleich protestierend von meinem Gegenüber, der sich vor mich aufbäumte und seine Hände in die Hüften stemmte, „heute bin ich Maike!“
Ich konnte ein Seufzen kaum unterdrücken und quetschte hervor: „Tut mir Leid, ich vergaß.“
Aber wie hätte ich so etwas vergessen sollen, da Maik ja aufgebrezelt wie eine Frau vor mir stand und eine üppige Oberweite präsentierte. Ich kannte ihn nun schon so lange, doch an dieses Getue konnte und wollte ich mich einfach nicht gewöhnen.
Es war wohl eher die Tatsache, dass ich permanent an Martin denken musste, der soviel ich wusste, genau wie ich immer noch Single war.
„Ach Liebes“, holte Maik mich aus meinen Träumen, „wie bindest du dir denn die Krawatte? Komm her, ich mach das!“
Und schon hatten Maiks schlanke Finger ihren Weg an meinen Hals gefunden, um mir die Krawatte zu Recht zu zupfen.
„So! Perfekt!“, kam es anschließend von Maik und auch wenn ich mich immer noch skeptisch im Spiegel betrachtete, mussten wir nun wohl oder übel los.
Mein BMW stand frisch gewaschen vor der Tür und wie es so sein sollte, fing es natürlich an zu regnen. Maik kramte in seiner Riesentasche nach ein Miniregenschirm und zog mich rasch an sich heran, indem er sich bei mir einhackte. Dann öffnete er den Schirm und ich war sehr erstaunt wie groß der doch war.
Wir gingen rüber zum Auto, wobei ich selbstverständlich Maik die Tür aufhielt, um ihn und sein pompöses Outfit trocken ins Auto zu befördern. Danach stieg ich bei der Fahrerseite ein und sah zu, dass wir hier weg kamen. Schließlich waren wir bereits spät dran und die Party würde bestimmt schon in vollem Gange sein.
Schweren Herzens lenkte ich mein sauberes Auto durch die immer nasser werdenden Straßen, um dabei mit ansehen zu müssen, wie es immer dreckiger wurde. Der nächste Termin in der Waschstraße war somit sicher, wo ich sowieso schon Stammkunde war.
Maik hingegen regte sich über kleine Flecken auf seinem Rock auf und redete wie ein Wasserfall. Trotz dass die Musik leise nebenher lief, bekam ich nur die Hälfte mit, da ich immer noch an Martin denken musste.
Vermutlich machte ich mir ganz um sonst so einen Kopf. Er hatte dieses Versprechen bestimmt schon längst vergessen oder es als Scherz abgehackt. Doch wieso machte ich mir so viele Gedanken darum.
War es nur die Tatsache, dass ich mir schon seit langem wieder eine Beziehung wünschte? Vielleicht hatte ich auch Angst davor alleine zu sterben? Ruckartig hielt ich mit quietschenden Reifen vor einer roten Ampel, wobei Maik mit einem festen Ruck nach vorne gegen die Scheibe geschleudert wurde.
„Aua“, schrie dieser auch gleich auf, „kannst du nicht aufpassen?“
„Oh… Entschuldige…“, stammelte ich zu Recht.
Dabei hätte Maik sich lieber anschnallen sollen, anstatt darauf zu achten, dass sein Outfit nicht zerknitterte. Zum Glück war nichts weiter passiert, außer vielleicht einer kleinen Beule, die nun Maiks Stirn zierte.
Ich hingegen ließ die Worte mir noch einmal leise über die Lippen wandern: „Angst alleine zu sterben.“
Nachdem ich mich dann durchgesetzt und den Gurt über einen protestierenden Maik gelegt hatte, setzen wir unsere Fahrt fort. Die Strecke quer durch die Stadt kannte ich zu gut, da ich sie schon oft gefahren war.
Auch wenn Martin einer von vielen Freunden schien, kannte ich den Weg mit verbundenen Augen. Die Parkplatzsuche erwies sich wie immer schwierig und obwohl ich die Nebenstraßen abfuhr, mussten wir dreimal im Kreis fahren, bis endlich jemand uns seine Parklücke überließ.
Wenigstens hatte es mittlerweile aufgehört zu regnen, so dass wir trockenen Fußes den Weg zu Martins Wohnung hinter uns bringen konnten. Schon mehrere Meter vorher hörte man lautstarke Musik, die regelrecht zum Feiern einlud.
Vielleicht wurde uns gerade deshalb erst nach dem vierten Mal klingeln von einem Bekannten geöffnet.
„Hey“, schrie Philipp uns entgegen und umarmte Maik direkt.
„Hi“, erwiderte ich und bekam auch eine überschwängliche Umarmung zu spüren.
„Martin ist irgendwo im Getümmel“, hörte ich Philipp noch sagen, bevor er auch schon zu weit entfernt war, als dass man ihn hätte verstehen können.
Da Maik mich am Arm hinter sich herzog, mitten rein in die Menschenmenge. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass so viele Leute in Martins Wohnung einen Platz finden. Es schienen unzählbar viele Bekannte und Freunde da zu sein, so dass man eigentlich nur Stückweise vorankam. Bei jedem Zweiten hielt ein längeres Gespräch auf.
Dabei wussten wir nicht einmal, ob wir in die richtige Richtung gingen. Doch nach endlosen Gesprächen und tausenden Umarmungen und Küsschen, sah ich Martin endlich. Er stand auf dem Balkon seiner Wohnung umringt von ein paar Leuten, die eine Zigarette rauchten.
Erst als wir auch den Balkon betraten, sah ich, dass er seinen Arm um einen jungen Mann geschlungen hatte. Dieser schaute etwas herausfordernd und ängstlich zugleich zu Martin. Martin war am erzählen und die anderen hörten ihn aufmerksam zu.
Er unterbrach sein Gespräch nicht, doch bemerkte uns und nickte begrüßend.
„Zum Schluss waren gut 180 Fotos in meiner Kamera. Der CSD war wirklich geil. Alles so bunt und schrill und ich war wie immer mittendrin. Eine wirklich hübsche Transe habe ich fotografiert, weil ihr Blick mich nicht losließ. Sie, oder er hatte wahnsinnig tolle Augen – war einfach schön anzusehen. Die Vielzahl der Eindrücke genoss ich sehr, sonst hatte ich mir nichts vorgenommen. Ich wollte die Cocktails an der brasilianischen Bar testen, das regenbogenfarbende Schlüsselband haben und den dunkelhäutigen mit den Engelsflügeln küssen.“
Alles musste lachen und für einen kurzen Moment hielt Martin inne, nahm einen Schluck von seinem Getränk und sprach dann weiter.
„Als der CSD zu seinem Ende kam, lockte mich zum Schluss, auf dem Weg zum Bahnhof Zoo noch der Tierpark. Ihr wisst ja, Crusingarea! Es war noch hell, so etwa um zwanzig Uhr rum und ich wollte einfach nur ein bisschen schauen.“
Ein Raunen ging durch die Menge und Martin verdrehte die Augen, redete dann aber weiter:
„Suchen musste ich jedenfalls nicht, wie es eben beim CSD so ist, bekam ich auch gleich was zum Spannen. Anschließend setze ich mich noch an den See, genoss die herrliche Luft und betrachtete auf dem Screen die Bilder, die ich geschossen hatte. Doch dann bekam ich Gesellschaft.“
Martins Blick hielt auf den jungen Mann in seinem Arm inne und ein Lächeln spiegelte sich auf seinen Lippen. Sein Gegenüber lies seine Zunge lasziv über seine Lippen streichen und betrachtete jeden in der Runde.
„Er setze sich neben mich und fragte nach einer Zigarette“, kam es weiter von Martin, „bevor der obligatorische Satz von ihm kam, „Suchst du was?“
Ich gab ihm eine Zigarette und betrachtete seine blauen, traurigen Augen und seinen tollen Körper. Ich fand es sehr schade, dass er stricht. Deshalb kam meine Antwort.
„Ich suche nichts.“
Prompt kam die Gegenantwort: Vierzig Euro. Durchaus wäre er die vierzig Euro wert gewesen, aber sein trauriger Blick versetze mir einen Stich ins Herz, so dass mir klar wurde er macht es nur aus Not. Trotzdem wirkte er professionell und unwiderstehlich.
Nein, ich muss gehen, antwortete ich grob und war schon auf dem Sprung. Eine Träne rollte über seine Wange, was mich erstarren ließ.
„Wo wohnst du?“, rief er und ich wunderte mich sehr darüber.
„Hast du einen Platz zum Schlafen?“, fügte er hinzu, was mich seltsam durcheinander brachte.
„Wie heißt du?“, wollte ich von ihm wissen.
„Tobias.“
„Was erwartest du?“, fragte ich nun.
„Du siehst ehrlich aus und ich, ach geh…“, stotterte er.
Mein Mutter – Theresa – Komplex und der Sympathiefaktor hatten gewonnen. Ihr seht ja selbst, wie geil Tobias aussieht und was für tolle Augen er hat. Was Tobias in diesem Moment mit einem knurrenden Geräusch, einem darauffolgenden „Ach ja?“ und einem Tritt gegen Martins Schuh, beantwortete.
Ein kurzer Aufschrei kam noch von Martin, bevor er sein Gespräch fortsetzte.
„Okay, komm mit“, erwiderte ich.
Eine Stunde und dreißig Minuten später waren wir bei mir. Wir tranken viel Bier und aßen leckere Pizza. Es herrschte Schweigen auf dem Balkon, da alle darauf warteten, dass noch etwas kam.
Martin musste grinsen.
„…und JA…, wir hatten Sex!“
„Alter Mann“, sagte Tobias und lachte.
Das war zu viel für mich. Ich riss mich von Maik los, der mich immer noch am Arm festgehalten hatte und stürmte vom Balkon. Mit so etwas hatte ich nun gar nicht gerechnet. Meine schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet.
Martin hatte einen Freund – Die Wette war hinfällig – Ich würde für immer alleine sein. Ich drängte mich durch die Menschenmenge nach draußen. Schweißgebadet hielt ich draußen vor der Tür auf der Treppe inne und spürte wie sich dicke Tränen ihren Weg bahnten.
Sie kühlten meine erhitzten Wangen und ließen mich schluchzend auf der Treppe platz nehmen. Ich umklammerte das Geländer, als müsste ich es vorm wegwehen bewahren, da etwas Wind aufgekommen war.
Total in mich versunken bemerkte ich erst spät, dass neben mir Jemand platz genommen hatte. Vergeblich versuchte ich mit den Händen, die immer stärker werdenden Tränen wegzuwischen.
„Langsam“, hörte ich eine vertraute Stimme, „sonst hast du gleich ganz rote Augen.“
Martin umarmte mich, reichte mir ein Taschentuch und legte dann seine freie Hand auf mein Knie. Ich spürte, wie mir mein Herz bis zum Hals schlug und lauschte erneut Martins unwiderstehlicher Stimme.
„Ja, wir hatten Sex. Warum wir im Bett gelandet sind und warum der Sex so toll war? Ich fand ihn jung und attraktiv und er wollte auch mal Sex mit dem Gefühl etwas geliebt zu werden. Seitdem sind wir tolle Freunde.“
Immer wieder wiederhole ich gedanklich den letzten Satz und ließ ihn langsam wirken. Martin hat gar keinen Freund! Ich spüre wie mein Gegenüber den Druck seine Hand auf meiner Schulter verstärkte und mich zaghaft zu sich heran zog.
Seine Lippen kamen langsam näher und so schloss ich allzu gerne meine Augen und ließ geschehen, was geschehen sollte.
Endlich tun wir uns zusammen, denn alleine sein ist blöd!

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Information Marcel & Tim
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 01:53 PM - No Replies

Ich sah auf die Uhr und fluchte. Ich war mal wieder etwas spät aus dem Büro gekommen und vor meinem geistigen Auge sah ich den Zug schon abfahren. Gerade an einem Freitag mochte ich das gar nicht. Mich trennten noch 900 Meter und mindestens –30 °C vom Bahnhof (na ja, vielleicht nicht wirklich 30 Minus… bei Kälte übertreibe ich gerne mal).
Vor mir lag ein ‚tolles’ Wochenende. So mit totalem Allein sein und Einsamkeit. Keine Party in Sicht, und mein Traumprinz ließen auch noch auf sich warten. Denn Traumprinzen gibt es ja auch im Jahre 01 nicht per Katalog (ehrlich gesagt… in manchen Versandkatalogen gibt es ja schon den einen oder anderen Hingucker aber… nein… das ist zu armselig).

Aber vielleicht sollte ich mich jetzt erst mal vorstellen. Ich heiße Marcel, bin 21, 187 groß und zarte 74 Kilo leicht. Mittellange blonde Haare und nahezu dunkelblaue Augen. In der Regel halte ich mich mit Judo fit, leider fehlten mir in den letzten drei Wochen die Lust und Zeit dazu. Wenigstens musste das bisher meine eigentlich ansehnliche Figur nicht ausbaden.

Nach einem kurzen Blick auf meine Uhr setzte ich zum Endspurt an. Dann sah ich die Bahn, näher als mir lieb war… also doch noch ein Zahn schneller laufen. Ich sprintete die Treppen zum Gleis hoch und huschte durch die sich schließenden Türen. Gerade noch geschafft. Missmutig schaute ich mich um und erspähte eine freie Vierergruppe. Mit einem Schnaufen fiel ich in den Sitz, die kalte Luft brannte noch in meinen Lungen. „Sei doch nicht so Memmenhaft!“ dachte ich mir… scheinbar dachte ich dies zu laut denn hinter mir kicherte jemand.
Jetzt nur noch nach Hause und dann ist Ruhe. Irgendwie baute mich das auch nicht auf. Gelangweilt ließ ich meinen Blick schweifen.
Plötzlich traf es mich wie ein Blitz. Augen wieder zurück und da war es, oder besser: da war er! Vielleicht 2 Meter von mir entfernt … wie konnte ich ihn nur vorher übersehen haben? Dunkelblonde Haare, geheimnisvolle Augen zum ertrinken (einfach nur „blau“ zu sagen würde dem nicht gerecht) und ein schmales, wohlgeformtes Gesicht.
Er war in ein Buch vertieft, den Titel konnte ich nicht erkennen (Kunststück, das hat mich ja auch nur wenig interessiert in dem Moment). Ab und an umspielte ein zauberhaftes Lächeln seine schmalen Lippen. Zauberhaft? Oh man, mich hatte es erwischt. Verträumt sah ich ihm weiter zu Ein Räuspern. Ich nahm es nicht wahr. Noch ein Räuspern, diesmal so laut das ich verschreckt aufsah.
Eine alte „Dame“ stand an der Tür, wollte wohl gleich aussteigen, beobachtete mich aufmerksam, folgte meinem Blick und starrte mich böse an. Ich wurde leicht rot und ermahnte mich, mit der Glotzerei etwas besser aufzupassen (und betete das die Lady jetzt keinen Aufstand probt mit solchen Sprüchen wie „zu meiner Zeit wären Leute wie Du…“) Auch der Schnuckel hatte sich neugierig zu der Oma umgedreht, folgte seinerseits ihrem Blick und sah mich an. Spontan hob ich die Schultern und tat völlig überrascht, innerlich zitterte ich aufgeregt. Aber was ging es diese Hexe eigentlich an, wen ich mir ansah? Er jedenfalls lächelte mich *schmacht* kurz an und versank wieder in seinem Buch. Ich war hin und weg.
Die Alte stieg tatsächlich an der nächsten Station aus, funkelte mich nochmals giftig an verhielt sich aber ruhig. Da hatte ich wohl Glück.
Ich versuchte mich zu konzentrieren und riskierte ab und zu einen kurzen Blick. Ich versuchte mir vorzustellen wie er wohl unter seiner Jacke aussah. Langsam spürte ich gewisse Regungen unterhalb meines Gürtels…
Ein kurzer Blick nach draußen zeigte mir das wir immer noch an der Station standen wo die Alte ausgestiegen war. Für einen Moment hatte mich die Realität wieder. Ich sah auf die Uhr und stöhnte. Wenn wir hier nicht schnell losfuhren, dann konnte ich meinem Anschlussbus vergessen. Gedacht, gemacht, die Türen fielen zu und die Bahn setzte sich in Bewegung.
Ich schaute wieder zum dem Schnuckel und unsere Augen trafen sich. Hmmm? Ne, oder? Doch sein Blick wich wieder von mir, hinaus zum Fenster und hin zu seinem Buch. Es wäre ja auch zu schön gewesen. Nach der nächsten Station, ich sah mich um, waren nur noch wir 2 im Wagen.
Mein Herz pochte, doch er schien mich nun völlig zu ignorieren. Nächster Halt… Endstation. Na Bravo! Mein Bus stand schon dort mit laufendem Motor. Total auf diesen Bus fixiert rannte ich zur Tür und riss die Tür der Bahn nach dem Halt auf und flitzte. Geschafft. Ich griff in meine Jacke um meinen Fahrschein herauszuholen.
Die Tasche war leer. Wie alle anderen auch. Es war zum Heulen. Die Brieftasche mit Fahrschein, Führerschein (nicht das ich den zurzeit brauchte) und dem Ausweis war weg. Angesäuert griff ich in meine Gesäßtasche und zückte meinen Geldbeutel, nannte dem Fahrer mein Ziel und zahlte.
Als ich meinen Sitz erreicht hatte fuhr der Bus los. Jetzt erst fiel mir der süße Boy wieder ein. Ich sah aus dem Fenster und erblickte ihn, wie er sich scheinbar suchend umschaute. Wird wahrscheinlich abgeholt, dachte ich. Frustriert schloss ich meine Augen und träumte ein wenig vor mich hin.
Aus dem Dunkel trat sein Gesicht hervor, sein Lächeln, dieses traumhafte lächeln als er mich ansah, nach dem Räusperer der alten Schachtel. Eine Stimme schallte in mein Ohr und der Traum löste sich auf.
„Nächster Halt: Hochbergstrasse!“ hallte die Stimme des Fahrers durch die Lautsprecher.
Ups, 20 Minuten Fahrt sind schon vorbei? Ich drückte auf den Knopf. Kurz danach kam der Bus mit einem Zischen zum Stehen. Ich war der letzte Passagier und rief dem Fahrer „Nen schönen Abend noch!“ zu. „Danke gleichfalls“ rief er zurück. „Danke“ brummelte ich, den werd ich schon nicht haben, dachte ich dann noch.
Keine 5 Minuten später fiel dann meine Wohnungstür hinter mir ins Schloss. „Hallo! Ich bin zu Hause!“ rief ich. Natürlich kam keine Antwort, wohnte ja keiner hier außer mir. (Anmerkung: mein liebstes Opfer für meinen ausgeprägten Sinn für Sarkasmus und Ironie ist… bin ich selber.)
Ich schleppte mich ins Bad und entschied mich für eine heiße Dusche gegen die Kälte in meinen Knochen. Ich schälte mich aus meinem Anzug (Berufskleidung!) und marschierte zur Dusche. Auf dem Weg kam ich am Spiegel vorbei und blieb kurz stehen. Ich betrachtete mich… schaute mir traurig in die Augen und dachte mir das ich doch eigentlich gar nicht hässlich bin. „Was soll’s“ entfuhr es etwas lauter meiner Lippen. Im nächsten Moment war ich in der Dusche und drehte das Wasser auf. „Scheiße!“ brüllte ich… die Tatsache, das diese Dusche einen Moment zum warm werden braucht war mir wohl entfallen… egal, wohne ja erst 1.5 Jahre hier. Doch dann wurde es warm und ich verlor mich unter dem Wasserstrahl.
<< DING DONG >>
Das kann ja wohl nicht sein… die Türglocke störte mich empfindlich. „Moment“, rief ich. Ich stellte das Wasser ab und fischte nach meinem Handtuch.
<< DING DONG >>
„JAAAAAAAA!!!“ Jetzt brüllte ich. Scheinbar war mir keine Zeit vergönnt und ich wickelte mich in mein Handtuch, stürmte zur Tür. „Wer das auch immer ist, der kann sich auf was gefasst machen“, schoss es mir durch den Kopf. Ich riss die Tür auf und… erstarrte.
Ich schloss die Augen für einen Moment und öffnete sie wieder. Doch er war immer noch da. Ja, ER war es. Der Traum der S-Bahn. Ich spürte seinen Blick auf mir und wurde rot.
„J-aa?“ stammelte ich.
Er antwortete leise und mit himmlischer Stimme: „ Eh’, sorry falls ich ungelegen komme, aber…“ er verstummte und nestelte an seiner Jackentasche. Kurz darauf hielt er ein braunes Mäppchen in der Hand.
„Meine…“ fing ich an, und er nickte sofort. „Aber wie… ?“ (klasse Marcel, benimm dich ruhig wie ein Vollidiot…)
„Sie lag im Zug. Und Dein Ausweis, die Adresse steht drin“ beendete er meinen Versuch einer Frage. Ich nahm die Brieftasche entgegen. Ich fand tatsächlich Kraft für einen ganzen Satz:
„Vielen Dank. Kann ich mich mit einem Kaffee revanchieren?“, fragte ich und steckte das Fundstück in meine Gesäßtasche. Moment, Gesäßtasche???? Zu spät. Das Handtuch zog sich auseinander und folgte den Gesetzen des Herrn Newton.
„Äh nein, ich muss wieder weg. Ciao!“, rief er und entfernte sich eiligen Schrittes. Man könnte auch sagen, dass er rannte. Wie erstarrt stand ich da, dankte der wunderbaren Schwerkraft und dem Herrn „da oben“, weil er mich scheinbar gerne mit peinlichen Situationen folterte.
Mit einem Mal erwachte ich aus der Starre und schleuderte die Türe zu. „Leise da unten“, tönte es von einer Etage höher. Das hat doch alles keinen Sinn, dachte ich und marschierte wieder ins Bad. Wenigstens die Dusche wollte ich noch beenden.
Es dauerte nicht lang und ich war fertig. Ich dachte an das erlebte zurück und verpasste mir eine innerliche Ohrfeige. Ich griff nach dem Bademantel, zog ihn über und marschierte ins Wohnzimmer um erneut meine Selbstironie auszukosten. Kurz danach brummte JBO aus den Lautsprechern…
… heut ist ein guter Tag zum Sterben,
so hat das Leben keinen Sinn.
Die Götter wollen Mir den Spaß verderben,
man gönnt mir keinen Lustgewinn…
Nicht das ich ein großer Fan der Band wäre, aber ich konnte mir das einfach nicht verkneifen. Genauso wie das Telefon, das sich scheinbar just in diesem Moment das Klingeln nicht verkniff.
Ich meldete mich: „Kreis-Krematorium Frankfurt“.
Ein kurzes Zögern in der Leitung, „Ja, Pietät Gansbach hier, die Abholung verzögert sich noch etwas.“
„Hä? Andreas?“
Ein Kichern auf der anderen Seite „Was dachtest Du denn? Bist mies drauf, was? Es tut mir ja leid, Cori musste aber leider weg und deswegen hol ich Dich erst in ner knappen Halben. Ich weiß ich sollte schon vor ner Viertelstunde kommen. Sorry“.
Jetzt grübelte ich. Wieso wollte er mich holen? Da fiel es mir ein. Kino. Wir wollten ja alle ins Kino.
„Shit“ zischelte ich.
„Hab doch gesagt, dass es mir Leid tut!“
„Äh sorry, Andy, das ging jetzt mehr an mich.“
„Du hast…“ er lachte schallend „Du hast es jetzt doch nicht schon wieder vergessen?“
Ich räusperte mich „Och, nur so ein wenig. Ist heut nicht mein Tag. Aber reden wir später weiter. Ich hab ja schließlich nur ne halbe Stunde mich anzuziehen…“
„Okay, mach hinne.“ Ich konnte sein blödes Grinsen direkt vor mir sehen. Bevor wir auflegten hörte ich noch wie er zu pfeifen anfing „Heut ist ein guter Tag zum sterben“.
Aha, hatte er es also mitbekommen. Dann konnte ich mich ja auf ne interessante Ausfragerei gefasst machen.
Kurz zur Erklärung, falls sich jemand fragt wer Andreas ist: Andreas kenne ich fast genau 13 Jahren und wir waren seit der Zeit auch immer die besten Freunde. Ihm konnte ich einfach immer alles erzählen.
Und mit ihm… hatte ich sogar mein „Erstes Mal“. Wir waren beide 14 und irgendwie neugierig. Seine und meine Eltern hatten sich für einen Theaterbesuch verabredet. Und wir sollten bei mir übernachten. Meine Mutter hatte die Couch extra hergerichtet. Na ja, wie Kids nun mal sind waren wir nicht ganz so brav, veranstalteten ne „Wilde Party für 2″.
Und mein Daddy hatte den schwersten Fehler aller Fehler gemacht: er hatte die Bar nicht abgeschlossen. Als Erstes haben wir uns über dieses komische blaue Zeugs hergemacht dessen Namen keiner von uns damals aussprechen konnte… „Blue Coolesau“ haben wir es dann später genannt, nach den ersten Gläsern.
Als Zweites lagen wir dann irgendwann ziemlich „unnüchtern“ im Bett. Andreas fragte ob ich es mir schon mal selber gemacht hatte. Berauscht wie ich war gab ich ein „Ja“ zurück. „Ich auch“ antwortete er. „Ich frag mich wie das ist wenn ein anderer das macht“, murmelte er.
Wir waren uns recht schnell einig und wir lagen nackt im Bett. Ein Blick nach unten, wir hatten beide einen ziemlichen Ständer. Enthemmt wie wir waren hielt sehr bald jeder den Schwanz des anderen in der Hand.
Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen, aber die große Sauerei ließ nicht lange auf sich warten.
Scheinbar war dies bei mir damals auch gleich der große Wendepunkt in meinem Leben.
Es war nicht sonderlich romantisch oder wahnsinnig gefühlvoll, aber dennoch hatte ich mir das schon seit einigen Monaten von Andreas gewünscht. Okay, ich war verknallt in ihn. Ich sagte ihm das etwas später auch. Seine Reaktion überraschte mich dann doch als er sagte, dass dies kein Problem wäre.
Im gleichen Moment hat er sich dann auch geoutet… als Hete. Da war er sich ziemlich sicher, und bis heute hatte ich auch keinen weiteren Grund daran zu zweifeln. Und wiederholt haben wir es auch nicht mehr. Nur die Verbundenheit blieb.
29 Minuten später, ich schlüpfte gerade in meine Schuhe, klingelte es. Ich sah noch mal in den Spiegel. Die weiße Jeans sitzt… zu knapp *grins*. Arsch… kommt zur Geltung. Mein schwarzes Shirt sitzt wie angegossen, quasi wie eine zweite Haut. Muskeln werden vorteilhaft betont, Fettpolster… *uff* noch keine in Sicht. Haare sitzen fast perfekt. Nur eine Strähne die mir vorwitzig in die Stirn springt. Sieht irgendwie nett aus.
Und wieder klingelt es an der Tür. Okay, ich war fertig, nahezu in Rekordzeit. Und Andreas kam genervt an die Tür.
„Es ist kalt draußen…“ grummelte er, während er die Treppe hochkam. Dann sah er mich und blieb stehen. Ein Grinsen machte sich in seinem Gesicht breit.
„Also, nur weil Du weißt das Cori heut nicht da ist, hast Du kein Recht mich verführen zu wollen!“, sprachs und schlug sich vor Lachen auf die Schenkel. Ich sah ihn nur verdattert an.
Er kam näher und flüsterte mir was ins Ohr. „Wenn man mal von Deinen traurigen Augen absieht, dann siehst Du wirklich stark aus.“ „Danke“ hauchte ich zurück, gab ihm nen Schmatz auf die Wange und nahm ihn dann in den Arm.
„Hey, nicht so stürmisch! Spar Dir die Energie lieber für die vielen süßen Typen die Dir heute garantiert nachlaufen.“
Bei seinem Lächeln muss man einfach weiche Knie bekommen. Ich hab gar nicht erwähnt das Andreas wirklich zum sterben gut ausschaut? Noch 20 Jahre alt, 190 groß, kurze schwarze Haare zu einem frechen Igel gestylt, smaragdgrüne Augen zum träumen, einen süßen schmalen Mund und so ein süßes kleines Grübchen am Kinn.
Und seinen Body hielt er seit Jahren schon mit Schwimmen und Karate fit, wunderbar ausdefinierte Muskeln. Was er mir nie verraten wollte war, ob er seinen Körper rasiert, oder ob er wirklich von Natur aus so haarlos war. Bei mir war es Natur. Aber jetzt bitte, keine Zweifel, ich war über ihn hinweg, meistens.
„Dein Vertrauen in Ehren“, sagte ich, „aber wieso sollte der Tag besser aufhören als er angefangen hat?“
„Nun, kennst Du den Spruch ‚’Man soll den Tag nicht vor dem Abend verteufeln’?“.
„Ne Du, den Spruch kenne ich mit Sicherheit so nicht.“
Er grinste wieder „Jetzt mal Spaß bei Seite. Was ist denn heute los mit Dir? Du wirkst so als ob die Welt untergehen müsste.“
„Nicht jetzt“, entgegnete ich „lass uns das verschieben. Welchen Film schauen wir uns an?“
Andys grinsen verblasste etwas. „Ich denke wir lassen den Film für heute lieber sausen und setzen uns irgendwo hin… im Kino kann man ja sooo schlecht plauschen.“
„Arsch, genau deshalb will ich ja dahin.“
Mit aufgesetztem Ärger funkelte er mich an „Keine Widerrede, Kino ist erledigt für heute!!!“
„Ja, Papa…“, ich versuchte zu schmollen. Da sprang er auf mich zu, „warf“ mich auf die Couch und im nächsten Moment spürte ich seine Hände überall auf mir, in kitzeliger Absicht.
Atemlos rang ich nach Luft, war völlig wehrlos. Ich war bestimmt der kitzeligste Mensch auf dieser Erde. Nach Momenten die mir wie Jahre vorkamen ließ er mich wieder los.
„Auf geht’s, mach hinne!“.
Sein „Befehl“ brachte mich zum salutieren „Yes, SIR!“. Immer noch lachend stiegen wir dann in sein Auto und fuhren los.
Ich war neugierig.
„Wohin fahren wir?“
„Überraschung.“
„Unfair!“
„Sei ein braver Beifahrer und verhalte Dich ruhig.“
Da streckte ich ihm die Zunge raus, blieb aber ruhig. Schon bald darauf fuhren wir in Frankfurt ein. Und irgendwie kam mir auch das Eck sehr bekannt vor.
Andy fand bald einen Parkplatz und wir gingen zu einer meiner Lieblingskneipen, dem „Big Apple“. (Anmerkung: Kenner der Frankfurter Szene werden wissen das es dort keine Kneipe mit diesem Namen gibt. Aber irgendwie hat das ja auch was mit dem New Yorker Stadtteil zu tun, nach dem der Laden in Wirklichkeit benannt ist).
Dort fanden wir auch gleich einen Platz. Der Kellner tänzelte heran und Andreas bestellte. „Ne Coke für mich, und der Süße da“ er lachte mich an „kann bestimmt ein gutes Weißbier vertragen.“
Ich lächelte zurück. Kurz darauf hatten wir das Gewünschte. Andy wirkte nun ernster. Marcel, Kleiner… was ist denn nun los?“ Ich seufzte.
Ich erzählte es ihm. Angefangen beim Zug, der blöden Alten, dem süßen Grinsen, dem engelhaften Gesicht. Und dann vom Verlust der Brieftasche.
„Oh Shit“ kam es von ihm.
„Ich war ja noch nicht fertig. Ich kam nach Haus und hüpfte unter die Dusche. Es klingelte zweimal. Ich rannte dann mit nem Handtuch um die Hüften zur Tür und riss sie auf. Und da stand ER!“
„Aber so wie Du aus der Wäsche guckst ist wohl was schiefgelaufen…“
Ich erzählte ihm von meiner grammatikalischen Fehlkonstruktionen und dem entscheidenden Moment der Übergabe.
Ich pausierte, trank einen Schluck Bier und berichtete von der „Gesäßtasche“.
Andy schaute mich ungläubig an, ich nickte kurz und ihm schossen die Tränen in die Augen, vor LACHEN!
Giftig, diesmal nicht gespielt, sah ich zu ihm rüber.
Er verstummte sofort. „Sorry, aber das klingt zu komisch.“
„Findest Du? Ich weiß ja nicht. Ich fasse mal zusammen: mein Traumboy steht vor meiner Tür. Ich öffne, nur im Handtuch. Er bringt mir was wieder und ich will ihn auf ne Tasse Kaffee einladen.
Ich mach nen Fehler, steh unverhüllt vor ihm, so peinlich berührt das ich noch nicht mal daran denke zu sehen wo er mir vielleicht gerade hingeschaut hat, um überhaupt noch nen Rest an Hoffnung zu haben. Er rennt panisch davon, obwohl es ja eigentlich gar nicht so schlimm ist. Ich war doch nur nackt…“ langsam wurden meine Augen feucht.
Andy griff nach meiner Hand, „Hey, ist doch gut. Und wenn Du willst dann lass den Frust raus. Aber… findest Du die Reaktion von dem Typen denn nicht sonderbar? Vielleicht war er ja auch von Dir einfach nur überwältigt, hatte Panik sich in Dich zu verlieben, falls es nicht schon geschehen ist und träumt jetzt von Dir, immer noch grübelnd ob Du schwul oder hetero bist.“
Ich schaute ihn ungläubig an und schluchzte „deine Fantasie möchte ich haben. Er und in mich verlieben…. aber selbst wenn, ich weiß ja eh nichts von ihm. Kein Name, keine Ahnung wo er wohnt. Nix.“
Er drückte meine Hand fester
„Stell Dein Licht nicht unter den Scheffel. Also, wenn ich schwul wäre, Du süßer Schnuckel…“ er lachte mich lieb an, „aber mal im Ernst: Cori hat mir gesagt das sie Dich auch total sexy findet, und auch ein paar Freundinnen von ihr haben heimlich ein Auge auf Dich geworfen.“
Na toll. „Da kommt wohl noch was auf mich zu…“
„Neee, echt nicht“ lachte Andy.
„Cori hat mir von ner Diskussion erzählt. Das Thema warst etwas später Du. Eine von den Tussis meinte dann (Andy verstellte seine Stimme und fuchtelte wie ne Schickimicki-Tussi rum): ‚aber ist eh egal. Typen wie der sind entweder vergeben, oder schwul’. (Ab jetzt wieder im normalen Tonfall)
Darauf fing Cori dann an zu lachen. Die Tussi nickte dann wohl selbstgefällig: Ich wusste es, Marcel hat ne Freundin. Dann hat Cori mir erzählt das sie unter schweren Lachkrämpfen nur noch mühsam ein:’ne, aber schwul’ rausbrachte.“
„Klasse, und das wo ich diese Art von Outing sooo liebe.“
„Kein Stress Kleiner. Die Mädels hamm wohl kräftig geschluckt, waren etwas traurig, Du Herzensbrecher, waren sich aber einig das man ja wenigstens noch von dir träumen könne.“
Ich gähnte, „Bla bla bla. Und was willst Du mir damit sagen?“ Ach herrje, mein Kopf war total leer und ich wurde nicht mal rot. Irgendwie stand ich voll auf der Leitung.
„Bist Du jetzt so doof? Schau in den Spiegel, man. Du bist halt ein hübscher Kerl!“.
Ich wurde rot. Nicht wegen dem WAS, naja, vielleicht auch deswegen, er mir gesagt hatte, sondern wie. Es war nicht sehr… diskret und ganz bestimmt nicht leise. Der Kellner sah mich an und zwinkerte mir zu.
Wie auf Kommando schwebte ein Typ heran. Eigentlich gar nicht hässlich, offensichtlich interessiert. „Ist der Platz hier noch frei?“ Er deutete auf den freien Platz neben mir.
„Ja.“ War Andy jetzt total ausgeflippt?
Jetzt legte ich den „Zicken-Gang“ ein „Nein. Da hat sich mein Kumpel geirrt.“
„Nun hab Dich nicht so. Der sieht doch süß aus!“
Bitte? Ich funkelte Andy an. „Dann schnapp ihn dir doch selbst!“
Aber der Typ rauschte schon beleidigt ab. Ich glaubte noch ein leises „Arschloch“ zu vernehmen, während Andy meinen Kommentar dezent ignorierte und mir seine Hand tröstend auf die Schulter legte.
Ich vergrub meinen Kopf in den Händen und schüttelte selbigen ungläubig. „Danke, macht es dir Spaß kleinen unschuldigen Schwuppen die Schamesröte ins Gesicht zu treiben?“
„Du und unschuldig? Du hast ja sogar deinen besten heterosexuell veranlagten Freund verführt und erfolgreich befriedigt!“
Er grinste verdammt dreckig. Sah irgendwie süß aus. So richtig böse konnte ich ihm nie lange sein.
„Ich hab Dich nicht verführt!!! Der Alk hatte Schuld.“
„Oh, bin ich so hässlich das Du erst saufen musst?“ und wieder sein fieses Grinsen.
Jetzt mussten wir beide lachen, und es tat so gut.
Er nahm mich in den Arm. „Alles wird gut“, raunte er mir ins Ohr.
Ich schaute mich etwas um hoffte auf wenigstens ein paar nette Gesichter, aber die Gedanken an den unbekannten Prinzen ließen alles andere verblassen. Wir saßen noch eine ganze Weile herum plauderten gemütlich und bestellten noch ein paar kleine Runden. Andy wich nicht mehr von meiner Seite und niemand, außer dem Kellner, störte uns mehr. Zum Glück wirkte der stattliche Kerl, der mich da so lieb im Arm hielt, abschreckend genug. Das kam mir sehr gelegen.
Kurz nach dieser Feststellung tranken wir aus, zahlten (Andreas zahlte) und fuhren zu mir.
„Du bist so still?“ Andreas schaute kurz zu mir rüber.
„Ja… ist Dir mal aufgefallen das ich nicht weiß wie er heißt, oder wo er wohnt?“
„Und?“
„Was, und?“
„Ja, wo ist das Problem?“
„Das ich gar nichts über ihn weiß!“ Es tat mir zwar leid, aber ich klang etwas ungehalten.
„Hey, hey Kleiner, langsam. Das ist mir bewusst. Aber Du kennst meine Theorie, dass er sich ja vielleicht doch in diesen unglaublich hübschen Kerl verliebt hat. Er weiß wo Du wohnst, und ich gehe jede Wette: Du wirst ihn wieder sehen!“
„Und was hab ich jetzt mit diesem hübschen Kerl zu tun?“
Das nennt man jetzt wohl „fishing for compliments“.
„Hä? Du…!“ weiter kam er nicht. Ich lachte schallend.
„Arsch!“ hörte ich und spürte einen unsanften Knuff in den Rippen.
„Hast Du verdient! Und nu raus mit Dir! Damit Du endlich ins Bett kommst und mal den Blödsinn im Schlaf vergisst!“ er lachte mich wieder so elendig lieb an… da konnte ich nicht wieder sprechen.
„Danke, mach ich. Und noch mal… danke für den Abend. Schlaf gut.“ Ich hauchte ihm nen Kuss auf die Wange.
„Du auch. Gern geschehen.“ und er küsste mich auf die Stirn.
Ich winkte kurz, als er dann noch ausstieg und sich auf den Weg zur Döner Bude gegenüber machte, und ging zur Tür.
In der Wohnung sah ich auf die Uhr, es war erst 22 Uhr? Was soll’s, geht es heut mal früher ins Bett.
Gesagt getan, nach nem kurzen Aufenthalt im Bad für die hygienischen Notwendigkeiten war ich bereit. Ich legte mich ins Bett und löschte das Licht. Aber ans einschlafen war trotz aller Mühen nicht zu denken. Ich beschloss Klein-Marcel etwas Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Ich dachte an den Traumschnuckel und Klein-Marcel schaute mich bereitwillig an. Meine Hand glitt über meinen Bauch, hinein in die Shorts und umschloss das warme Zeichen meiner Erregung. Langsam glitt meine Hand am Schaft entlang und…
<<>>
So eine verdammte Schei… ! Wer zur Hölle stört denn noch um die Zeit? Jedes Gefühl von Geilheit war verflogen, ich zog nen Bademantel an und ging zur Türe. Wer auch immer das war sollte sich auf was gefasst machen. Ich riss die Tür auf und… taumelte Rückwärts. Nein, bitte kneif mich einer. ER stand wieder vor mir und schaute verlegen zu Boden. „Was, ich mein, äh ‚Hi’.“ Meine Fähigkeit zur Kommunikation ließ zu wünschen übrig.
„Hi. Gilt die Einladung noch?“
„Wel – welche Einladung?“
„Kaffee…“ (oh, diese Stimme)
„Äh klar, kann’s auch Tee sein?“
„Schwarz?“
„Sure. Komm rein. Ich bin Marcel.“
„Ich weiß…“
Ich Idiot! Klar wusste er es.
„Tim.“
„Bitte?“
„Das ist mein Name.“ Er zögerte „meine Freunde nennen mich Timmy.“
Okay, ich war gerade dabei mich komplett zum Narren zu machen. Aber ich war ja auch tierisch nervös. Der Junge brachte mich um den Verstand.
„Okay, Tim. Was machst Du eigentlich hier?“
„Nenn mich ruhig Timmy.“ Er schaute mich lieb an.
„Oh klar, Timmy, sorry.“
„Also, das ist jetzt ne komische Geschichte. Ich saß ne Weile in der Döner Bude hier gegenüber. Vor ner halben Stunde, so gegen 10 kam ein Typ rein. Er bestellte was und wollte gerade gehen, kam dann aber zu mir. Er fragte ob ich Marcel kenne.
Welchen er denn meinen würde, fragte ich zurück.
Er meinte: ‚Den Marcel dessen Wohnzimmerfenster Du die ganze Zeit anstarrst!’“
Ich schluckte. Timmy hatte mein Fenster angestarrt?
Er erzählte weiter:
„Der Typ hat sich dann als Andreas vorgestellt, er wäre ein Freund von Dir. Wir haben uns die ganze Zeit unterhalten. Irgendwie hab ich sofort Vertrauen zu ihm gefasst. Ich fühlte mich sicher genug um Dinge zu erzählen die ich sonst keinem erzählen würde. Am Schluss riet er mir dann schnellstens den Laden zu verlassen und zu Dir zu gehen… um ein paar Dinge zu klären.“
Soso, Andreas… danke man. Der Typ sieht echt alles.
„Andreas ist mein bester Freund, richtig. Und worüber habt ihr euch so unterhalten, wenn ich fragen darf?“
„Nun, ich hab ihm was erzählt, und wollte wissen wie bestimmte Personen auf bestimmte Dinge reagieren würden.“
„Bitte? Geht das auch etwas genauer?“
„Also, ich sagte ihm, dass beim letzten Mal, als ich einem Jungen meine Liebe gestand, die Ärzte gute Arbeit leisten mussten um mich wieder zusammen zu flicken… Er riet mir es zu versuchen, diesmal würde zumindest das nicht passieren.“
Ich saß da, sprachlos. Ein Kloß im Hals. Ungläubig schaute ich ihn an.
„Also, ich hab ihm gesagt dass ich mich heute schon im Zug in dich verguckt habe, aber sonst eigentlich total schüchtern bin. Und ich glaube ich geh jetzt besser.“
Er stand auf und lief in Richtung Tür.
„Nein!“ Meine Stimme klang unglaublich fest, befreit. Kein Vergleich zu meinen Knien. Die zitterten wie Blätter im Wind. Fragend drehte Tim sich um. Ich lächelte ihm entgegen.
„So wie es scheint hat Andy nicht alles erzählt. Sonst wüsstest Du…Timmy, Du bist nicht der Einzige, der sich im Zug verguckt hat!“
Er lächelte mich an, nein, das war kein Lächeln! Es war als ob der Himmel seinen schönsten Engel geschickt hatte der mich nun anstrahlte.
Mit geschmeidigen Bewegungen kam er schnell auf mich zu und… verfing sich mit einem Fuß im Läufer und flog (nicht gerade Engelsgleich *hihi*) in meine Richtung.
Ich fing ihn ab und nahm ihn in meine Arme. Meine Lippen suchten seine und fanden sie. Sanft tauchten unsere Zungen ein und erforschten sich gegenseitig. Sein Kuss nahm mir die Sinne. Seine Hand glitt unter meinen Bademantel, berührte die nackte Haut meiner Brust. Es fühlte sich an wie kleine elektrische Entladungen die kribbelnd durch meinen ganzen Körper strömten. Und dabei war er so unendlich zärtlich. Ich war zu keiner Bewegung mehr fähig, ich lehnte mich zurück und genoss seine Hände, seine Lippen und das Spiel unserer Zungen.
Irgendwie schaffte ich es dann doch ihm die Jacke abzustreifen und glitt mit meiner Hand unter seinen Pullover. Zarte, samtige Haut erwartete mich. An seiner Brust fühlte ich kein einziges Haar. Sein Bauch war glatt und fest.
Seine blauen Augen schauten mich an und sein Blick machte mich ganz benommen. „Du bist wahnsinnig schön!“ flüsterte ich in sein Ohr.
„Du auch!“
Eine Träne rann an seiner Wange entlang.
„Hast Du was?“
„Nein, ich bin nur unglaublich glücklich!“ kam es von ihm.
„Ich auch, Timmy. Ich auch. Musst Du heute noch weg?“
„Nein Marcel. Ich kann bleiben. Jetzt wo ich meinen Traum gefunden habe lasse ich ihn nicht so schnell wieder los.“ Er lächelte.
„Das wollte ich hören. Du, es soll jetzt keine Aufforderung sein, aber vielleicht sollten wir den Raum wechseln?“ Ich reichte ihm meine Hand.
„Okay. Ich gehe überall hin, wenn Du nur dabei bist.“
Ich führte ihn ins Schlafzimmer, legte den Mantel ab und setzte mich in meinen Shorts aufs Bett.
„Komm her.“
Timmy zog sich bis auf Shirt und Shorts aus und kuschelte sich zu mir ins Bett. Ich schaute ihm tief in die Augen und er wirkte etwas verlegen.
„Was ist los?“
„Also, ich war noch nie mit einem anderen Menschen zusammen…“
„Wirklich? Wenn man dich so sieht kann man das kaum glauben.“
„Meinst Du? Stimmt aber. Und du?“
„Zu sagen bei mir isses genauso wäre gelogen. Aber eine richtige Beziehung hatte ich bisher auch nicht. Es waren mehr von diesen „ein Abend – eine Nacht – ein Morgen“ Geschichten… Nichts was auf Dauer glücklich macht.“
„Oh.“
„Aber lass uns lieber das Thema wechseln. So wahnsinnig gern red ich da auch nicht drüber.“
Er nickte.
“Timmy…“
„Ja?“
„Keine Angst. Bei Dir sagt mir mein Gefühl etwas anderes. Wenn ich Dich in den Arm nehme dann will ich gar nicht mehr loslassen.“
Er lächelte mich glücklich an.
Eine Frage brannte mir noch unter den Nägeln: „Wie alt bist Du eigentlich? Mein Alter, 21, steht ja indirekt im Ausweis…“
„Stimmt. Hab ich auch nachgeschaut. Deshalb bist Du 4 Jahre älter als ich.“
„17 Jahre erst?“, jetzt war ich doch etwas überrascht. Er wirkte älter auf mich.
„Ja“ seine Stimme klang unsicher „ist das ein Problem für dich?“
„Ich denke nicht! Mach dir da mal keine Sorgen.“
Vier Jahre, mein Gott, was soll’s. In ein paar Jahren würde sich erst recht niemand mehr dran stören, und so alt fühlte ich mich innerlich ja auch nicht.
Er seufzte erleichtert und gab mir einen zärtlichen Kuss. Als sich unsere Lippen berührten kam es wieder, das Kribbeln am ganzen Körper. Danach konnte ich süchtig werden, nein, ich war es bereits. Mit Haut und Haaren war ich ihm verfallen.
So lagen wir da, streichelten uns gegenseitig durch die Haare und schauten uns verliebt in die Augen.
Doch dann… dann forderte der lange Tag seinen Tribut. Mit dem Gefühl der Geborgenheit in seinen Armen schlief ich in nahezu unverzeihlicher Weise glückselig ein.
***
Tim schaute auf das schlafende Gesicht von Marcel. Er wirkte friedlich wie ein Baby. Er war glücklich und zufrieden mit der Welt.
Diesmal war sein Liebesgeständnis nicht auf taube Ohren gestoßen, diesmal prasselten keine Fäuste in unbändiger Wut auf ihn ein, so wie vor einem Jahr, als er seinem ehemals besten Freund seine Liebe gestand.
Er hätte nie gedacht, dass dieser einen solchen Hass auf Schwule hatte. Doch das war nun vorbei, das Kapitel gehörte endlich der Vergangenheit an. Selig streichelte er über das Haar seines Geliebten, bis auch ihn ein tiefer Schlummer erfasste.
***
8 Uhr. Mein Blick fiel auf meinen Wecker. Zu früh für einen Samstag. Und… ich schluckte, mein Bett war leer.
Nichts von den Klamotten die Timmy auf den Boden legte war noch zu sehen.
Hatte mir mein Kopf einen fiesen Streich gespielt? Vielleicht war ich doch eingeschlafen und die Klingel ertönte nur in einem Traum?
Kein Liebesgeflüster, kein unendlich zärtliches Streicheln? Oder vielleicht doch, aber als ich einschlief war er vielleicht enttäuscht und ging?
Die Fragen quälten mich. Ein Schrei entfuhr meiner Kehle. Und plötzlich stürmte ein blonder Kopf samt Körper in mein Schlafzimmer.
„Marcel, ist was, hast du Schmerzen?“ er schaute mich besorgt an.
Ich schüttelte den Kopf, sichtbar erleichtert.
„Moment, ich hab gerade Frühstück gemacht. Bin sofort da!“ er lächelte.
Er war noch da! Ich sank zurück ins Kissen. Gott sei dank.
Und da kam er schon mit einem Tablett herein. „Du hast ne ziemlich intuitive Küche, hab alles fast auf Anhieb gefunden. Aber dein Schrei, was war los?“
Ich wurde rot „Äh, ich war… ich fand das Bett leer, und…“
„ … und du hattest Zweifel ob das alles geschehen ist?“
„In der Art, ja. Eine andere Möglichkeit war noch das Du gegangen bist, enttäuscht weil ich einschlief…“
„Dummkopf!“ er lächelte mich an „Ich hab Dir noch etwas beim Schlafen zugesehen. Du wirkest so gelöst und glücklich. Es sah gut an Dir aus. In der S-Bahn hast Du noch so ernst und verbissen geschaut.“
„Wo hast Du denn die Brötchen her? Ich hatte doch keine.“
„Vom Bäcker um die Ecke. Sei mir nicht böse, aber ich hab etwas durch deine Sachen gewühlt, auf der Suche nach dem Schlüssel. Wollte mich nicht aussperren. Sonst hätte ich dich wecken müssen.“
„Ist schon okay“ ich griff nach seiner Hand „es sieht alles sehr lecker aus. Aber bitte erschreck mich nicht so beim nächsten Mal!“
Ich zog ihn zu mir herunter, nachdem er das Tablett auf den Nachttisch gestellt hatte und presste meine Lippen auf seine. Seine Zunge schob sich durch meine Lippen und spielte mit meiner.
Dann zog er sich zurück: „Los, essen! Du brauchst Energie für den Tag!“
Okay, dem Wunsch kam ich gerne nach. Es sah nicht nur lecker aus, es schmeckte auch so. Wir fütterten uns gegenseitig. Mal hielt er mir ein Brötchen zum abbeißen hin, dann wieder ich. Als alles weggeputzt war fühlte ich mich satt und vollends glücklich.
„Timmy, ich weiß jetzt das Du 17 bist… aber sonst gar nichts. Ich würde wirklich gerne mehr über Dich erfahren.“
„Da gibt es nicht viel… wirklich.“
„Wenn Du nicht willst, dann ist es okay. Vielleicht magst Du ja später mal…“
„Nein, das ist es nicht. Ich will dich mit nichts belasten. Es war nicht immer alles „eitel Sonnenschein“.“
„Timmy, niemand hat nur Gutes erlebt. Und wenn eine Liebe so was nicht verträgt, dann ist sie es auch nicht wert.“
„Liebst Du mich wirklich?“
Das war eine gute Frage. Und sicher nicht leicht zu beantworten, ich kannte ihn ja kaum.
Ich schwieg einen Moment. Dafür kassierte ich einen traurigen Blick von dem Engel neben mir.
„Timmy, bitte verstehe es nicht falsch. Ich fühle mich mit dir auf eine ganz besondere Art verbunden. Dein Aussehen benebelt meine Sinne. Deine warme Stimme berührt mein Herz im innersten. Du bist ein Traum. Zärtlich, liebevoll. Du gibst mir Geborgenheit. Wenn Du aus dem Raum gehst vermisse ich Deine Nähe sofort. Ich bin verliebt in dich, hoffnungslos verschossen. Aber Liebe muss sich erst entwickeln.“
Seine Augen waren feucht, doch er nickte. „So etwas hat mir noch keiner gesagt.“ Seine Stimme klang zittrig „so ehrlich. Und es war das Schönste was je einer zu mir gesagt hat. Und ich fühle das ich dir vertrauen kann.“
Seine Stimme versagte, er weinte.
Ich zog seinen Rücken an meine Brust, legte meinen Kopf auf seine Schulter und hielt ihn fest.
„Du musst mich für ne ziemliche Heulsuse halten.“
„Süßer kleiner Spinner.“ sagte ich und wischte mir selber ein paar Tränen weg.
Ich weiß nicht ob es 10, 20 Minuten oder mehr waren die wir so verbrachten. Wir schwiegen und hielten uns aneinander fest.
„Also gut.“ Timmy fasste sich ein Herz, „seit ca. 2 Jahren weiß ich, dass ich schwul bin. Meinem Vater, ich lebte damals mit ihm allein weil Mutter 5 Jahre zuvor gestorben war, habe ich dann davon erzählt. Seine Reaktion kam für mich unerwartet. Ich hielt ihn für toleranter als er eigentlich war. Kurz und gut: er prügelte auf mich ein und beförderte mich dann aus der Wohnung. Ein Nachbar hat damals einen Krankenwagen geholt.“
Er schluchzte. „Ich hatte ein paar Knochenbrüche, Arm, Schultern und so. Doch in mir drinnen schmerzte es viel mehr.“
Ich drückte ihn fester an mich.
„Das Jugendamt bekam damals einen Anruf vom Arzt der mich behandelte. Kurz danach bekam ich Besuch von Klaus, ein Sozialarbeiter vom Jugendamt. Ich erzählte ihm die Geschichte. Alles. Er sorgte letztendlich dafür, dass ich in ein Heim kam, weg von meinem Vater. Das nächste Jahr verlief recht gut. Im Heim lernte ich Markus kennen.
Er wurde mein bester Freund und wir unternahmen ne Menge zusammen. Langsam verliebte ich mich in ihn. Es dauerte eine Weile, doch dann fasste ich mir ein Herz und sagte es ihm.
In diesem Moment veränderte sich alles. Markus stieß mich weg, schrie mich an, beschimpfte mich.
An diesem Abend weinte ich mich in den Schlaf.
Am Morgen lag ein Zettel an der Tür…
‘Tim,
wir müssen reden.
Komm heute um 20 Uhr in den Park hinter dem Minigolf-Platz.
Markus‘
Da schöpfte ich Hoffnung und fühlte mich besser. Ich freute mich auf den Abend.“
Tim zitterte. „Im Park sah ich dann Markus. Er schaute mich an. Aber… aber seine Augen glitzerten kalt, böse… hasserfüllt. ‘Schaut, da kommt die kleine Schwuchtel‘ hörte ich ihn sagen.
Irgendwo hinter mir ertönten Stimmen. Gemeine Lacher klangen durch die Nacht. Jemand sagte ‘Dann lass uns dem kleiner Arschficker mal zeigen was wir von Viechern wie ihm halten‘. Dann hielt mich jemand fest. Markus kam auf mich zu und… „
Tim brach ab und weinte bitterlich.
Auch mir schossen die Tränen in die Augen. Aus Wut darüber wie man so einem Engel derartiges antun konnte, ihn so zu hintergehen.
„Es ist doch gut, ich bin bei dir. Ich passe auf dich auf.“ Ich versuchte ihn zu beruhigen. Aus roten Augen schaute er mich hilflos an.
„Danke… ich hab an so was fast nicht mehr geglaubt.“
„Verlass dich drauf.“
Die Augen standen zwar immer noch in Tränen, aber seine Stimme klang wieder fest und sicher: „Gut. Abgesehen von einem Trommelfeuer seiner Fäuste in mein Gesicht kann ich mich eh an nichts erinnern. Nur das ich 3 Tage später wieder im Krankenhaus aufwachte. Die Schmerzen waren schlimmer als beim ersten Mal. Sie hatten sich auch nicht nur auf gebrochene Knochen beschränkt.“ Er hielt kurz hinne und zog sein Shirt aus. Als er seinen rechten Arm hob sah ich eine ca. 15 cm lange Narbe. „Hier haben die mich mit einem Stück Holz verwechselt und schnitzen geübt“, er lachte bitter. Ich drückte ihm einen vorsichtigen Kuss auf die Narbe.
„Aber ich hab’s überlebt. Es sah erst nicht so toll aus. Ich muss wohl ziemlich viel Blut verloren haben.“
Ich war erschüttert mit welcher Kaltblütigkeit er nun über sein „beinahe- Ableben“ berichtete.
„Und wieder war es Klaus vom Jugendamt der mich besuchte. Seinen mitleidigen Blick werde ich wohl nie vergessen. Jedenfalls brachte er mich in einem speziellen Programm unter. Ich besuchte wieder eine normale, aber andere Schule. Und ich musste nicht mehr ins Heim. Das Jugendamt stellte mir eine kleine 1 Zimmer Wohnung und werde auch sonst von denen unterstützt, soweit es irgendwie möglich ist. Und in dieser Wohnung lebe ich zurzeit.“
Wow, was für eine Story. Meine Knie waren weich wie Butter in der Sommersonne.
Er sah mich fragend an „Du bist so ruhig… ändert das alles etwas zwischen uns?“
Ich zögerte kurz und lächelte ihn an „Allerdings…“
Ein Hauch von Panik spiegelte sich in seinen Augen wieder „Aber i..“
„Halt, ich war nicht fertig. Lebst Du allein in dieser Wohnung?“
„Ja. Ich hab auch kaum Kontakt zu den Anderen im Haus.“
„Gut. Ich wünsche, dass Du zu mir kommst. Du warst lang genug allein.“
Mit einem Freudenschrei sprang er herum und drückte mich zurück in die Kissen.
„Wir sollten gleich los und ein paar Sachen einkaufen. Heute koche ich ein Festmahl für uns.“
Er nickte „das klingt richtig gut!“
„Aber Timmy…“
„Jaaaa?“
„Zieh dir bitte um Gotteswillen sofort Dein Shirt wieder an. So wie Du da über mir liegst… das sieht so verdammt sexy aus. Wir kommen sonst nicht vor Ladenschluss weg.“
„Oh, zu Befehl!“ Er lachte, sprang auf und versuchte zu salutieren. Mein Kissen knallte ihm an die Brust. „Auf, Soldat.“
Das war so herrlich. Nachdem wir vorhin zusammen weinten lachten wir nun endlich auch zusammen.
„Marcel, ich muss aber am Montag erst mit meinen Betreuern reden. Die wollen schon Bescheid wissen wenn ich die Wohnung für ne Weile verlasse.“
„Aber klar. Kein Problem. Und jetzt zieh Dir endlich was über!“ Es wurde wirklich Zeit. Meine Shorts spannten fürchterlich.
Ich sprang noch schnell unter die Dusche. Diesmal beeilte ich mich auch. Ich trocknete mich kurz ab und wickelte mir ein Handtuch um die Hüften. Ich ging zurück ins Schlafzimmer während ich mit einem anderen Handtuch meine Haare abrubbelte.
„Bleib so!“
*CLICK — SURR*
„Sehr sexy. Das ist ein tolles Bild. Marcel, weißt du das du verdammt fotogen bist?“ Er lachte.
„Na vielen Dank. Ich HASSE Fotos.“
„Du hast dazu gar keinen Grund. Schon mal in den Spiegel geschaut?“
„Öfter als du es dir vorstellen kannst.“
„Eitler Pfau!“
Ich tat entrüstet.
„Marcel?“
„Jaaaa?“
„Zieh dir bitte was an. So wie Du da rum stehst sieht das verdammt sexy aus. Wir kommen sonst vor Ladenschluss nicht weg.“
„Touché.“ Und wieder lachten wir beide.
Langsam aber sicher bekam ich einen Muskelkater im Zwerchfell. Zwanzig Minuten später (ich brauch halt etwas Zeit für die Frisur *grins*) waren wir dann tatsächlich aus dem Haus.
Auf dem Weg forderte er mich auf etwas über mich zu erzählen, da ich ja nun das Meiste über ihn wusste.
Ich erzählte ihm von meinem Outing bei meinen Eltern als ich 16 war, das es damals sehr gut verlief. Das ich nach dem Abitur von Hamburg hier herzog um eine Lehre als EDV-Kaufmann zu beginnen, später dann von der Firma übernommen worden bin. Ich erzählte ihm von der besonderen Beziehung zu Andreas (wobei er schmunzelte und meinte das wir mit Andy auch mal was unternehmen müssten, dem heimlichen Beziehungsstifter). Und letztendlich das ich seit Jahren auf jemanden wie ihn (Timmy) gewartet hatte.
– Sorry, aber mein Leben war wirklich nicht sehr spektakulär bisher.
Keine besonderen Höhen oder Tiefen. Ein stilles Leben in einer kalten und unwirtlichen Welt. –
Knappe 90 Minuten später waren wir wieder bei mir.
„Menno, das die Leuts immer die Einkäufe auf den Samstag legen müssen.“ Nein, ich bin generell kein Fan von Einkäufen. Aber wat mutt dat mutt.
„Ist doch egal.“ Timmy lenkte beschwichtigend ein „Dafür hab ich etwas über dich erfahren. Und die Hauptsache ist doch das wir zusammen waren, oder?“
„Du hast eine unwiderstehlich süße Art selbst in lästigen Dingen noch etwas wirklich Positives zu sehen.“
„You cannot KISS! “
„Pardon? Das finde ich jetzt aber nicht nett von dir, lieber Tim.”
„Maaaaan, das heißt ‚Keep It Short and Simple’. Ich wollte damit nur sagen, dass du dich immer so kompliziert ausdrückst. ‚Du hast recht’ hätte völlig gereicht.“
Ich versuchte ihn böse anzuschauen „Hey, der Klugscheißer hier bin ich! Damit das jetzt klar ist!“
Er revanchierte sich mit einem leidenschaftlichen Kuss. „Timmymaus, Du schaffst mich.“
„Das nehme ich als Kompliment.“
„Zu was anderem bin ich dir gegenüber gar nicht fähig.“
Timmys Augen wurden feucht „Du das Beste bist was mir bisher in meinem Leben passiert ist. Ich hab dich gar nicht verdient.“
„Du verdienst nur das Beste, du kleiner Engel.“ Ich leckte zärtlich eine Träne von seiner Wange, nahm ihn in den Arm und küsste ihn. Während wir so standen hörte ich den Refrain eines Songs den ich schon immer gern hörte:
So wander down the ancient hallway
Taking the stairs only one at a time
Follow the sound of my heartbeat now
I’m in the room at the top, you’re at the end of the line
Open the door and lay down on the bed
The sun is just a ball of desire
(Meat Loaf, ‘Out of the frying pan’)
„Timmy, ich glaube ich bin mir jetzt. Ich liebe Dich. Von ganzem Herzen und mit allem was dazu gehört.“
„Ich liebe Dich auch.“
„Und jetzt lass mich kochen.“ Ich legte mein frechstes Grinsen auf und kassierte einen Knuff auf die Rippen.
„Andy und du würden gut zusammenpassen. Ihr seid beide gleich brutal!“ Mit kunstvoll verzerrtem Gesicht rieb ich über die „so wahnsinnig stark schmerzenden“ Rippen. Timmy riss mir den Pulli hoch und drückte mir einen Kuss auf die geschundene Stelle.
„Bist ein ganz schönes Weichei.“ meinte er dann. „Außerdem will ich den Andy gar nicht, obwohl der ja echt auch sehr lecker ausschaut.“
Ich schüttelte den Kopf und beschränkte mich dann auf nen kurzen Ausruf „MÄNNER!“
Dann drehte ich mich und verteilte die Einkäufe in der Küche.
So nach und nach nahm das Essen Formen an. Das Gemüse duftete, die Lendchen brutzelten und die Rahmsoße blubberte langsam vor sich hin.
Timmy hatte sich ins Wohnzimmer verzogen und beobachtete mich durch die Tür. Immer wenn ich mich umdrehte warf er mir aufreizende Blicke zu.
Mit einem schnippischen „Pöh!“ drehte ich mich jedes Mal wieder um.
Dann flötete er mit zuckersüßer Stimme „Sei mir doch bitte nicht mehr böse.“
Ich drehte mich um und wollte gerade das passende sagen, doch ich bekam den Mund nicht mehr auf, oder bekam ich ihn nicht mehr zu?
Meine Augen weiteten sich bei dem Anblick den ich da geboten kam.
Sein T-Shirt ließ er spielerisch durch die Finger gleiten und er räkelte sich verführerisch auf der Couch. Und die Beule in seinen Jeans war auch nicht ohne.
Mit seiner freien Hand glitt er über seinen niedlichen Waschbrettbauch, bewegte spielerisch sein Sixpack. Dann kreisten seine Finger um seine Nippel, welche zusehends härter wurden. „Ich will auch wieder ganz lieb sein.“
Ich keuchte. Schweiß rann mir von der Stirn. Das war beinahe mehr als ich vertagen konnte.
„Das Essen, ich muss das erst fertig machen…“
Es war ein kläglicher Versuch meine Lust aus der Stimme herauszuhalten. Es gelang mir nicht. Wie sollte es auch? Ich wollte diesen Jungen. Jetzt… Nein, es ging nicht. Ich wollte mir für unser erstes Mal Zeit lassen. Jetzt wäre das nur eine kurze Hauruck-Nummer geworden, so geladen wie ich war.
„Gefall ich Dir etwa nicht?“
Ich riskierte einen kurzen Blick. Mittlerweile trug er nur noch seine Shorts. Die Ausbuchtung war nicht zu übersehen.
„Bitte…“ ich stammelte. Jetzt war es zuviel. Ich drehte den Herd ab. Essen konnten wir später.
Langsam schritt ich auf ihn zu. Er zog den Bund seiner Shorts ein Stück weiter runter. Mein Gott, er war total rasiert. Ich nahm seine Hand, die er mir entgegenstreckte. Mein Hirn setzte aus, in meiner Hose pochte ein zweites Herz. Er zog mich auf die Couch, mit einer schnellen Bewegung war mein Pulli fort. Seine Lippen näherten sich meiner Brust und schon fühlte ich seine Zunge an meinen Nippeln. Sie waren bereits hart und fest.
„Timmy, du raubst mir den Verstand“ ich keuchte, das sprechen fiel mir schwer.
„Nein, ich borg ihn mir nur kurz aus“ hörte ich ihn von unten sagen. Er öffnete die Knöpfe meiner Jeans und seine Hand glitt in meine Shorts. Da war er nun. Seine Hand schloss sich um meinen Schaft. Sie war so warm und zart. Unwillkürlich stöhnte ich auf. Ich schloss die Augen, lehnte mich zurück. Er ließ kurz los und seine Hand fühlte sich plötzlich so feucht an. Ich öffnete die Augen. Es war nicht seine Hand. Ich sah seinen Kopf in meinen Schoß vergraben, wie er langsam auf und ab wippte. Seine Zunge streichelte sanft aber bestimmt über die Spitze von meinem Schwanz. Mit leichtem Druck massierten seine Lippen den Schaft.
„Timmy, langsam, ich kann nicht…. Oooh“ es war bereits zu spät. Sämtliche Sicherungen fielen aus. Ich spürte meinen Körper beben, mir wurde schwarz vor Augen. Ein unglaubliches Kribbeln machte sich in meinen Lenden breit welches langsam hoch wanderte. Ich wandte mich unter der zärtlichen Umklammerung seiner Lippen bis der heiße Saft aus mir schoss.
Und er reagierte! Er nahm mich soweit wie möglich in sich auf, begann zu saugen. Jeder Tropfen rann seine Kehle hinab. Er gluckste wie ein zufriedenes Baby und sah zu mir auf, lächelnd.
„Ich hoffe es gefiel dir.“ Sagte er plötzlich ganz schüchtern.
Ich rang nach Luft „Unglaublich. Das war fantastisch. Du warst fantastisch!“
„Wow. Hätte ich selber nicht dran geglaubt. Aber du… du schmeckst fantastisch.“
„Das hat auch noch keiner gesagt?“
„Alles Ignoranten!“ er grinste „bitte hilf mir mal.“ Er schaute auf seine Shorts „der tut schon weh!“
Das brauchte er nicht zweimal sagen. Ich zog ihn vorsichtig hoch und küsste ihn. Meine Lippen wanderten tiefer. Übers Kinn, seinen Hals, seine Brust, ich knabberte vorsichtig an seinen Nippeln. Er schnurrte, seine Hand streichelte meinen Nacken. Ich roch seine Haut und nahm seinen tollen Duft in mir auf.
Meine Zunge wanderte weiter über seine Bauchmuskeln, die vor Erregung zitterten, seinen süßen Nabel. Mit einem Handgriff waren seine Shorts aus dem Weg und meine Zunge hatte freie Bahn zu seinen rasierten Bällen. Sie waren groß und kräftig, sein Schwanz wohl geformt und minimal nach oben gebogen. Er war recht gut bestückt, stellte ich zufrieden fest, leicht über dem normalen Durchschnitt.
Timmy verkrallte sich in der Couch und atmete zischend während meine Zunge ihn bearbeitete. Sein Stöhnen wurde zusehend lauter.
Jetzt wollte ich ihn schmecken. Meine Lippen glitten über sein hartes Teil. Der Geschmack seiner Spitze war unbeschreiblich. Die ersten Tropfen waren bereits da. Sein ganzer Körper zuckte, seine Hüften schmissen sich mir geradezu entgegen. Der warme harte Schaft glitt unter meinen Lippen auf und ab während meine Zunge flink über den zarten Kopf wirbelte.
Ich steckte ihm einen Finger in den Mund den er sofort saugte und lutschte. Ich nahm den nun feuchten Finger zurück und zog ihn durch seine glatte, haarlose Furche zwischen den wunderschönen knackigen Pobacken. Da war mein Ziel, sein enges warmes Loch. Bei der Berührung zuckte er kurz zusammen, lehnte sich dann aber wieder entspannt zurück. Der Finger war aber wieder trocken.
„Bleib so! Nicht bewegen!“
Ich sprang auf und rannte ins Schlafzimmer und griff dort nach der Tube mit Gleitgel im Regal. Gründlich schmierte ich meinen Finger ein und kehrte zurück.
Timmy sah mich erwartungsvoll an. Ich lächelte ihn an und vergrub meinen Kopf ebenfalls wieder in seinen Schoß. Sein Schwanz pochte, war wie Granit. Mein Finger fand wieder sein Ziel und diesmal ließ ich ihn langsam hineingleiten. Ein tiefer, kehliger laut von Tim ließ mich erstarren.
„Nein, weiter!“ presste er mühsam hervor. Langsam schob ich den Finger weiter vor, bis es nicht mehr ging. Langsam zog ich ihn zurück und wieder vor. Ich nahm einen zweiten Finger zur Hilfe.
Sein Atem wurde heftiger, sein Stöhnen immer lauter. Mit einem letzten aufbäumen und einem Schrei füllte sich mein Mund. Sein süßer Saft füllte mich aus. Es schmeckte teuflisch gut. Gierig saugte ich alles auf.
„… Uff. Timmy… Du schmeckst atemberaubend…“ das Reden fiel mir schwer.
Er rang auch noch nach Luft. „Das war das Beste was ich bisher erlebt hab… Äh, aber könntest Du vielleicht jetzt deine Finger wieder rausnehmen?“ Er grinste.
„Ja, klar, sofort!“ sein Wunsch war mir Befehl.
„Hat sich aber geil angefühlt. Vielleicht machst Du das mal mit deinem „anderen“ Finger.“ Er schaute verlegen und wurde leicht rot.
„Gerne, wenn du es willst. Ist aber kein Grund rot zu werden.“ wir hielten uns in den Armen.
„Kommst Du mit unter die Dusche?“ Er nickte. Ich besorgte uns zwei große Tücher und schon waren wir in der schmalen Nasszelle.
Der kalte Strahl ließ uns diesmal beide schreien. (Ich weiß… irgendwann lerne ich das auch noch)
Zärtlich seiften wir uns ein. Plötzlich griffen seine Hände um mich herum, legten sich auf meinen Hintern und er zog mich zu sich heran. Wir verschmolzen in einem langen Kuss unter dem warmen Wasserstrahl.
Nach einer wunderbaren, aber viel zu kurzen Ewigkeit verließen wir die Dusche wieder und trockneten uns gegenseitig ab.
„Ich muss unbedingt in meine Bude und noch ein paar frische Sachen holen. Ich kann ja nicht das ganze Wochenende das hier anbehalten.“ Timmy zeigte auf den Stapel mit seiner Wäsche auf dem Fußboden.
„Wer sagt denn was von anbehalten?“ grinste ich.
„Also wirklich! Am Montag würde ich schon gern was frisches Anziehen.“
„Wie lange wirst Du denn brauchen?“ fragte ich, mit einer Spur von vernünftiger Resignation.
„Äh, ca. 20 Minuten hin, 20 packen und 20 zurück. Stunde.“
„Okay, ein Vorschlag: besorg dir deine Klamotten, und wenn Du wieder da bist gibt es dann auch was zu Essen.“
„Gut. Wenn ich nicht so nen Hunger hätte würde ich dich ja fragen ob du mitkommst. Aber…“ er legte seine Hand auf den nackten Bauch und rieb darüber. Mitleidig verzog er sein Gesicht.
Ich nickte „geht mir auch so. Es gefällt mir gar nicht das du für ne ganze Stunde weg bist. Aber so komm ich wenigstens zum kochen. Hoffentlich kann ich noch was retten.“
Er zwinkerte „jetzt tu nicht so als ob ich dich zu was gezwungen hätte. Du bist ganz freiwillig zu mir gekommen.“
Ich musste lachen „Ja, so freiwillig wie ne Motte in die Kerze fliegt. Gegen dich sind die Sirenen ein müder Partygag der Antike.“
Er wurde rot „Du übertreibst…“ Ich gab ihm einen Klaps auf den nackten Po „mach das du fort kommst. Sonst dauert es viel zu lang bis du wieder hier bist!“
Er guckte beleidigt „ist ja schon gut!“ Dann zog er sich an. Falls man es so nennen kann. Die Shorts ließ er links liegen und zog direkt die Jeans an.
„Das ist Sünde!“ rief ich.
„Nimm mir die Beichte ab!“ wir lachten, und das Pochen im Unterleib kehrte zurück.
„Oh Timmy, wenn du so weitermachst, dann gehe ich ab morgen auf dem Zahnfleisch.“
„Wiesooooo?“ er guckte scheinheilig.
„Weil ich dich permanent und immer und jede Sekunde will…“
Er wurde leicht rot „dito“. Sprachs und zog sein Shirt über. „Da wirst du dich trotzdem etwas gedulden müssen.“
Ich nickte. „Leider ja.“
„Ich beeil mich, okay?“
„Ja… du fehlst mir jetzt schon.“ Er küsste mich. „Du mir auch.“
Dann war er auch schon zur Tür hinaus.
Ich griff zum Telefon und wählte.
„Gansbach. “
„Hi Andy!“
„Hey Marcel! Was iss los? Du klingst ja so fröhlich!“ ein dreckiges Kichern von seiner Seite.
„Du glaubst es nicht, aber ich hab doch tatsächlich gestern noch Besuch bekommen!“
„Was du nicht sagst. Meiner Meinung nach recht ansehnlichen Besuch, hihi.“
„Als ob ne Hete wie du das beurteilen könnte.“
„Jetzt tust Du mir unrecht. Ihr Schwuppen sagt doch auch das ihr ne hübsche Frau erkennt wenn ihr eine seht!“
„Ist ja auch… okay, 1:0 für dich. Ich vergaß das normale Heteros nur selten zugeben das ein anderer Typ gut aussieht.“
„Normale Heteros schlafen ja auch nicht mit Leuten wie dir!“ Schluck, das saß.
„Du bist ganz schön gemein.“
„Wer’s verdient!“ Sprechpause, er war im Begriff sich tot zu lachen.
Glucksend meldete er sich zurück „Aber mal Spaß beiseite: wie war es?“
„Bingo!“
„Häh?“
„Na, Timmy, so heißt er. Volltreffer. Es hat mich aus den Schuhen gehauen. Ne Wucht. Mein Traum. Ich bin total verschossen.“
„Echt? Ich hab’s mir so für dich gewünscht. Für nen Typen sieht der echt schnuckelig aus. Du hast Geschmack … Er aber auch.“
Ich wurde rot „Danke… solche Worte bin ich ja überhaupt nicht von Dir gewohnt?!“
„Wer’s verdient! Und außerdem lügst du. Ich sag es Dir ständig.“
„Seufz.“
„Äh, ich bin jetzt so am gratulieren, dabei weiß ich ja gar nicht, also: hoffe es beruht auf Gegenseitigkeit?“
„Das tut es. Dem Herrn im Himmel sei Dank, er fühlt genauso.“
„Männer, atmet auf! Der „Wilderer“ ist angeleint!“
„Arsch.“
„Danke, immer wieder gerne. Du, ich muss noch weg. Meinst Du wir können heute noch was unternehmen? Wir drei?“
„Drei? Cori noch fort?“
„Jupp. Bis Dienstag, ächz. Das wird verdammt lang.“
„Oh je. Und so was bei nem Hormonbomber wie dir…“
„Iwo. Hab ja noch meine fünf Freunde.“
„Okay, ich denke das geht klar.“
„Oki, ich meld mich später. Ciao!“
„Ciao Andy, und … Danke für alles. “
„Stets zu Diensten! Ich verneige mich!“
* CLICK *
Weg war er.
Auf dem Weg in die Küche kam ich am Spiegel vorbei und kicherte. Nackt kochen kommt nicht gut, dachte ich und zog mich dann erst mal an. Hatte ich total vergessen.
Ich stellte meinen halbtrockenen Weißwein kalt und ging ans Werk. Offensichtlich hatte die kurze Unterbrechung dem Essen nicht geschadet. Dann ging es ans Tischdecken. Ich kramte mein gutes Festtagsgeschirr aus dem Schrank, stellte ein paar Kerzen auf und legte romantische Musik in den CD-Player.
Exakt eine Stunde nach Timmys Aufbruch war das Essen fertig. Ich stellte mich ans Fenster und wartete.
Und tatsächlich, er bog gerade um die Ecke. Ich ging zur Tür und drückte den Summer. Die Haustür klapperte und jemand kam eiligen Schrittes nach oben gestürmt.
Ich öffnete die Tür und Timmy flog mir um den Hals. „Du hast mir gefehlt!“
„Du mir auch.“ Kuss. „Das Essen ist fertig.“
„Okay. Warte noch nen kleinen Moment.“ Timmy ging zur Haustür und hob etwas vom Boden auf. In einer Hand hatte er seine Reisetasche und die andere hielt er auf dem Rücken versteckt.
„Für dich!“ Er hielt mir einen wundervollen Blumenstrauß entgegen.
„Danke schön. Dann such ich gleich eine Vase. Der Strauß passt wunderbar auf den Esstisch.“
Er schaute ins Wohnzimmer „Den hast Du schön gedeckt.“
„Für dich nur das Beste, hab ich ja vorhin schon gesagt.“
Ich ging in die Küche und suchte eine passende Vase. Die war schnell gefunden, etwas Wasser rein und schon stand sie auf dem Tisch. Ja, der Strauß sah deutlich besser aus, als dieses, leicht angestaubte, Plastikblumengesteck.
„Setz dich schon mal. Ich bringe das Essen.“
Er ging zum Tisch. Ich drapierte ein paar Kroketten auf unsere Teller, gab noch Gemüse, Fleisch und Soße dazu. Sah ganz passabel aus.
„Marcel, das duftet ganz toll!“
Ich rief zurück „hoffentlich schmeckt es auch!“
„Hab ich keine Zweifel.“
„Danke fürs Vertrauen. Aber würdest Du im Restaurant vor dem Essen bezahlen?“
„Kommt ganz auf das Restaurant an. Die, die ich mir erlauben kann machen das so, “
„Bäh, schändlicher Fastfood Jünger.“
„Dann zeig mir die Welt ohne Fastfood.“
Ich trat ins Wohnzimmer „Vorsicht mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.“
Er lächelte „das hoffe ich doch. Zumindest die Wünsche die dich betreffen.“
Ich stellte die Teller ab und küsste ihn auf die Stirn „die werde ich gerne erfüllen.“
Kurz darauf saßen wir nebeneinander und aßen.
„Wow, das war echt lecker.“
„Die Küche dankt.“
„Ich danke der Küche. Ich bezahl dann auch gleich.“
Ich hatte nicht mal die Gelegenheit ihn schief anzusehen, als ich seine Hand in meinem Nacken, und seine Zunge in meinem Mund fühlte. Mit geschlossenen Augen war ich einfach nur glücklich.
„Darauf kann ich nicht rausgeben.“ stöhnte ich, als der Kuss endete.
„Der Rest ist Trinkgeld.“
Das konnte ja noch heiter werden. Was Sprüche anging stand er mir in nichts nach.
„Wir gehen heute noch weg. Andy würde sich gern heut mit uns treffen. Oder passt dir das nicht?“
„Warum nicht? Ich muss dem auch noch Danke sagen. Ohne ihn wäre ich hier ja nie aufgetaucht… Und hätte mir bis ans Ende meines Lebens Vorwürfe gemacht.“
„Völlig zu Recht, wie ich finde.“
Er nickte zustimmend.
„Dann ist ja alles klar!“ sagte ich und küsste ihn.
Ende?

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