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Information Wirbelsturm der Gefühle
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:33 AM - Replies (1)

Wirbelsturm der Gefühle – Teil 1

Der junge Mann der gerade mit dem Müll beschäftigt war, hieß Marco. Er half wie seine zwei Schwestern in der elterlichen Pizzeria, war siebzehn Jahre alt und besuchte noch das Gymnasium. Wie vielen Italiener, sah man ihm sein Herkunftsland an.

Seine schwarzen Locken hingen im Wild ins Gesicht, seine dunkelbraunen Augen stachen dennoch hervor.

Klein war er nicht, sondern hatte ein Durchschnittsmaß, kräftig gebaut, das wöchentliche Fahrrad fahren hinterlies halt seine Spuren.

„Marco trödle doch nicht wieder herum,“ rief jemand von drinnen.

„Mama, ich trödle nicht herum, sondern sortiere Müll, den irgendjemand wieder durcheinander gebracht hat. Ihr wisst doch selber, wie schnell wir da Ärger bekommen.“

„Schon gut Ragazzo, aber komm dann rein, dein Essen ist fertig, Papa will noch mit dir reden,“ hörte er seine Mutter rufen.

Was der denn wieder von mir wollte, dachte sich Marco. Er fegte noch einwenig um die Müllbehälter herum, und lief zurück ins Haus.

Seine Mama stellte ihm ein Teller Spaghetti hin und er begann zu essen. Sein Vater kam herein gestürmt.

„Melissa, kannst du nicht herauskommen, da sind gerade sechs Geschäftsleute hereingekommen und ich wollte doch mit Marco reden,“ sagte er.

Von ihr war nur das übliche „Si“ zu hören, und verschwand aus der Küche.

„So Marco, zu dir, könntest du heute abend eine Sonderschicht machen?“, fragte er, „Gino ist ausgefallen, seine Frau bekommt heute ihr Kind.“

„Mach ich Papa, das wievielte ist das jetzt eigentlich?“

„Das vierte, glaub ich.“

„War das alles?“

„Nein, ich habe eine Überraschung für dich. Du wolltest doch immer ein neues Zimmer haben oder?“

„Ja aber ich weiß das es nicht geht, Sophia und Maria, wollen ihre großen Zimmer behalten.“

„Ich weiß, aber in unserem Haus wurde die kleine Dachwohnung frei, und ich dachte die könntest du übernehmen, es ist zwar nur ein Zimmer mit Küche und Bad, aber endlich hättest du dein eigenes Reich und Mama würde endlich ein eigenes Arbeitzimmer bekommen.“

„Ist das dein Ernst Papa?“

„Ja, wir können morgen gleich los ziehen und Tapeten aussuchen für das Renovieren.“

Marco stand auf und viel seinem Papa um den Hals.

„Danke Papa.“

„Nichts zu danken, bleib so wie du bist und mach deine Schule so gut weiter wie bisher.“

Marco aß fertig, und als die letzten Gäste vom Mittagstisch gegangen waren, deckte er für den Abend noch ein.

„Mama, du musst Petro endlich mal sagen, er soll die Gläser mal sauberer abtrocknen, schau hier alles vollen Wassertropfen.“

Seine Mama lächelte, sie war froh das ihr Sohn ihr so eine große Stütze war. Heute konnte man nur noch existieren, wenn die ganze Familie mithalf. Trotzdem machte sie sich ein wenig Sorgen um ihn. Stimmt sie war froh, dass er so zur hand ging, aber gleichzeitig hatte er doch wenig Privatleben.

Er war schon mit Leuten aus seiner Klasse zusammen und unternahm einiges mit ihnen, aber mit nach Hause hatte er noch nie jemand gebracht. Keinen Freund oder gar eine Freundin. Sie erhoffte sich, dass mit der eigenen kleinen Wohnung, die sie für ihn jetzt hatten, dass sich es dann ändern würde.

„Ist heute Abend Sophia oder Maria da zum helfen?“ fragte Marco, der nun einige Gläser nachpoliert hatte.

„Sophia kommt, Maria hat heut Abend Tanzstunde.“

„Stimmt ja, habe ich vergessen, und wer holt sie ab?“

„Onkel Gino hat in der Nähe zu tun und nimmt sie dann mit,“ gab seine Mutter zur Antwort.

„Dann ist ja gut. Ich bin dann fertig und schau mir jetzt mal meine neue Wohnung an, als bis später.“

„Ciao Ragazzo. Dito.”

Marco holte seine Schulsachen. Er machte seine Tasche am Gepäckträger seiner Maschine fest. Den Helm auf, und schon startete er seine Achtziger. Es waren zwar gerade mal drei Blocks, aber er war froh wenn er die Moped in die Garage schieben konnte.

Zuhause angekommen, schloss er die Wohnungstür auf.

„Jemand da?“ rief er in den Flur.

„Ja ich,“ rief Maria aus ihrem Zimmer.

Die Tür ging auf und seine ein Jahr jüngere Schwester stand vor ihm.

„Da haben wir dich ja bald endlich los, aber irgendwie bin ich neidisch auf dich, aber andererseits freue ich mich für dich,“ sagte sie, bevor sie wieder in ihrem Zimmer verschwand.

Ja, so war Marcos Schwester Maria, sie konnte sich nie für einen Gedanken entscheiden.

Er schmiss seine Tasche in sein Zimmer und lief in die Küche um was zu trinken. Auf dem Küchentisch lagen die Schlüssel von der Dachwohnung.

Kurzerhand entschloss sich Marco, sich die Wohnung anzusehen. Er schnappte sich die Schlüssel und rannte die Fluttreppe hinauf.

„Darf ich mit?“ rief Maria ihm hinterher.

„Natürlich komm, hast du sie auch noch nicht gesehen?“

„Nein, Papa hat gesagt er schaut sie heute Abend mit mir an, bevor ins Geschäft fährt,“ meinte Maria.

„Dann komm endlich, ich will sie jetzt sehen.“

Marco steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn. Ein kurzes Schnappen war zu hören und schon öffnete sich die Tür. Er trat ein und Maria folgte ihm.

Ein winziger Flur fanden sie vor, auf dem Boden stand ein uraltes Telefon.

„Geil, schau dir das Telefon an, das ist noch mit Drehscheibe, ich glaube das behalte ich, muss Papa fragen ob das geht,“ sagte Marco.

„Jetzt geh schon weiter ich will auch noch den Rest sehen,“ meinte Marcos Schwester.

Marco öffnete eine der zwei Türen. Sie schauten in das Bad.

„Eine Waschmaschine hat hier aber kein Platz,“ kam es von Maria.

„Dafür hab ich eine Badewanne für mich alleine.“

„Du glücklicher.“

Maria öffnete die andere Tür.

„Das ist ja so groß wie Sophias und mein Zimmer zusammen,“ sagte sie erstaunt.

„Da hinten an der kleinen Mauer kommt ja auch noch eine Küche hin. He da ist ja auch ein Balkon.“

Marco öffnete die Tür und schritt nach draußen.

„Wow ist das eine Aussicht Marco, ich glaube ich werde dich ab und zu besuchen müssen.“

„Das verstehe ich,“ sagte Marco mit einem Grinsen.

„Und keiner kann dir auf den Balkon schauen. Hast du dir schon überlegt, wie du dich einrichtest?“

„Jetzt warte doch erst mal, ich muss den Raum erst auf mich wirken lassen. Die Wände werden auf alle Fälle weiß, der Holzboden bleibt, ich denke der muss erst aber abgeschliffen und neu lackiert werden.“

„Aber die Kacheln lässt du nicht, ich meine Blümchenmuster sind nicht gerade dein Geschmack oder?“

„Bestimmt nicht, ich weiß halt nicht, was Papa in die Wohnung investieren will.“

„Für neue Tapeten und Kacheln reicht es alle mal.“

Marco und Maria fuhren herum, ihr Vater war gekommen.

„Und wie findest du sie?“

„Traumhaft,“ konnte Marco nur sagen.

„Am Wochenende kommt Onkel Herbert mit seinem Sohn her und hilft dir beim tapezieren und das mit den kacheln bekommen wir sicherlich auch hin,“ meinte Marcos Papa.

„Und was ist mit den Möbeln?“ fragte Maria neugierig.

„Ich hab doch genug in meinem Zimmer stehen, muss ja nicht gleich alles wieder so voll stehen,“ antwortete Marco.

„Außerdem bekommst du von Tante Lucia ein Sofa und Onkel Giorgio hat noch eine kleine Küche übrig,“ sagte sein Vater lächelnd.

„Wow Papa, wann hast du dass alles organisiert? Ich bin total aus dem Häuschen.“

„Hat sich alles irgendwie ergeben und außerdem du kennst doch deine Mama. Wenn du Lust hast, du hast ja noch ne Stunde Zeit, damit anfangen Tapeten abzulösen. Du findest alles im Keller was du dazu brauchst.

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Nach der Schule und der Arbeit, stand Marco in seiner Wohnung, und löste Tapeten ab, klopfte die alten Kacheln in der Küchennische ab. Sein Vater hatte ein Handwerker kommen lassen.

Dieser verlegte nach Marcos wünschen neue Stromkabel, Steckdosen und auch einen Internetanschluss für seinen PC. Freitags Abends stand die ganze Familie in Marcos neuer kleiner Wohnung.

„Da könnt ihr morgen wirklich gleich mit dem Tapezieren anfangen, und Marco bist du dir wirklich sicher, das du nur Raufaser haben möchtest?“

„Ja Mama, das gefällt mir am besten.

Das Wochenende hatte Marco von seinen Eltern frei bekommen, Gino war wieder da und so entstand kein Engpass in der Pizzeria. Die Tapeten waren schnell an der Wand, mit den Kacheln gestaltete es sich dann doch etwas schwieriger.

Am Sonntag Abend war aber alles fertig.

„Morgen muss der Handwerker nur noch die Steckdosen und die Schalter anbringen und dann kannst du einziehen Junge,“ meinte Onkel Herbert, der deutsche Mann von Mamas Schwester. Cousin Alfonso, war die ganzen zwei Tage sehr ruhig gewesen.

Marco dachte, das komme durch den Neid und so redete er ihn auch nicht groß an. Er fing an den Dreckweg zuputzen der durchs Renovieren entstanden war. Total erschöpf viel er kurz vor Mitternacht in sein bett und schlief auch sofort ein.

„Morgen Marco, und läuft deine Maschine noch?“ fragte ihn Achim, der gerade auch mit seinem Moped in der Schule ankam.

„Morgen Achim, du hattest recht die Kabel waren wirklich angefressen,“ antworte Marco.

„Deswegen auch diese kurzen Aussetzer, denke ich.“

„ Ja aber jetzt fährt sie wieder eine Eins.“

„Hast du für die Arbeit gelernt?“

„Ein wenig.“

„Du bekommst ja eh wieder die volle Punktzahl.“

„Höre ich da etwa Neid?“ fragte Marco

„Ich und Neid, weiß ja nicht mal wie das geschrieben wird, aber lass und reingehen, es hat grad das erste mal gegongt.“

Beide nahmen ihre Taschen und liefen in das alte Gebäude.

„He Leute, Spaghetti is da,“ Justus immer für eine blöde Bemerkung zu haben.

Marco war in seiner Klasse beliebt, auch wenn er bekannter weise als Klassenbester eigentlich als Streber durchgehen würde. Aber nicht so bei Marco.

Er blieb auf dem Boden, half jeden, der seine Hilfe auch in Anspruch nahm. Klassensprecher wollte er nicht werden, das überlies er lieber Amanda, die besser für den Job geeignet war.

„Und wie war dein Wochenende?“ fragte ihn Nelly.

„Anstrengend,“ sagte Marco kurz.

„Zuviel Gäste?“

„Nein ich hatte frei.“

„Was war dann so anstrengend.“

„Ich habe renoviert, weil ich bald umziehe,“ sagte Marco.

„Ihr zieht in eine neue Wohnung?“

„Nein nur ich, ein Geschenk meiner Eltern.“

„Wow, eine eigene Wohnung, dass ist der helle Wahnsinn.“

„Da hast du recht.“

„Und wann steigt die Einweihungsparty?“

„Welche Party? Wo?“

Das war Lukas, der sich gerade neben Marco auf seinem Platz niedergelassen hatte.

Marco konnte nicht mehr wiedersprechen, denn die Kraus kam herein. Sie war wohl die schlimmste Mathelehrerin, die sich ein Schüler vorstellen konnte. Ihr komisch blondoranges Haar lag wie ein Deckel auf ihrem Kopf.

Die unmögliche Brille lenkte nicht von ihrem pausbäckigen Gesicht ab. Zudem kam dazu, das man meinen konnte sie wäre so hoch wie breit. All dies zusammen war eher eine Mischung für einen Horrorstreifen, aber sie war leider Marcos Mathelehrerin.

Alle holten sie ihre Sachen raus, und hörten gelangweilt der Kraus zu, die irgendwas über Formeln abließ, was im Augenblick zu so früher Stunde eh niemand verstand.

Marco wunderte sich selbst bei dieser Dame noch gute Noten zu haben, weil das Verhältnis zu Zahlen der lieben Frau Kraus, sehr undurchsichtig war.

Die Stunde zog sich wie immer endlos hin. Als der rettende Gong kam, hörte man einen tiefen Seufzer durch die ganze Klasse.

Der Vormittig war schnell vorbei und in der Pause vor der letzten Stunde, saßen alle zusammen in der Raucherecke.

„Und warum hast du mir nichts von deiner eigenen Wohnung erzählt?“ wollte Lukas wissen.

„Warum denn auch du kommst ja eh nie bei mir vorbei,“ gab Marco von sich.

„Eins zu null für dich, aber das kann man ja ändern.“

Lottchen kam wie von einer Tarantel gestochen angerannt.

„Was ist den mit dir los Lotte?“ fragte Sybille, die gerade ihr Kippe im Ascher ausdrückte.

„Ich hab gerade was sehr interessantes am Lehrerzimmer mitbekommen.“

„Und was wäre das?“ fragte Martin gelangweilt.

„Ab morgen sind wir zwei mehr in unserer Klasse.“

„Das ist ja sehr interessant Lottchen, du siehst, wir brechen in Begeisterung aus,“ meinte Sybille.

„Dann wollt ihr sicher den Rest auch nicht hören, das es ein Zwillingspärchen ist.. aus Amerika kommt..“

„Aus Amerika?“ Lukas wurde hellhörig.

„Das habe ich jedenfalls gehört, als der Direx sich mit unserem Profi unterhalten hat.“

„Jungs?“ kam es von Barbara.

„Wie, ach so. Nö beides Junge und Mädchen.“

„Dann bekommt unsere Klasse schon keine Mehrheit zustande, dann wären wir vierzehn Jungs und vierzehn Mädels,“ sagte Marco, „ ein gesundes Gleichgewicht.

„He Amanda wo wir es grad von Gleichheit haben, was ist jetzt eigentlich mit unserer Klassenfahrt .. Zelten oder Herberge?“ fragte Christian dazwischen.

„Ich denke wir werden inner Herberge unterkommen müssen, zelten hat der Direx abgelehnt,“ antwortete Amanda.

Und schon waren die Neuen vergessen. Allgemeine Buhrufe gingen durch die Menge.

„Seit wenigstens froh, dass wir ohne Paraklasse fahren können, das hab ich wenigstens durchsetzen können,“ versuchte sie die Lage zu retten.

Es gongte. Jeder schritt gemächlich zum Klassenzimmer zurück. Prof Müller war schon da und wartete ungeduldig, dass sich alle setzten.

Marco stellte seine Maschine neben der Pizzeria ab. Heute schien mal wieder die ganze Ladenzeile zum Essen gekommen zu sein, der Laden war brechend voll.

„Mama mia endlich kommst du, kannst du mir bedienen helfen?“ empfang Marcos Mutter ihn.

„Bring nur meine Tasche nach hinten, sagte Marco im Vorbeigehen.

Er band sich eine weißen Vorbinder um, nahm Block und Kuli zur Hand und stürzte sich ins Getümmel. Nach eineinhalb Stunden war alles vorbei.

„Ich hasse diese Tage, wo sie alle auf einmal kommen und essen wollen,“ meinte meine Schwester Sophia, die gerade die letzten Gläser abtrocknete.

„Sei doch froh, dass unser Laden so gut läuft. Es konnte auch schlechter sein,“ meinte ihr Vater zu ihr.

„Also Leute ich muss los, der Elektriker kommt nachher und ich habe jede Menge zum Hochtragen,“ sagte Marco und schnappte sich Tasche und Helm.

Fünf Minuten später stand Marco in seinem Zimmer. Er hatte ja schon viel zusammen gepackt, aber er wusste nich wo er anfangen sollte, was als erstes rauftragen. Er entschied sich für sein Bett.

Zwei Stunden später hatte er alle seine Möbel nach oben getragen und wieder auf gebaut. So langsam nahm das große Zimmer formen an.

Der Elektriker hatte bereits alle Sachen erledigt, so konnte er wenigstens auch seine Musikanlage aufstellen.

So gegen elf Uhr abends, war dann endlich alles geschafft. Der letzte Kleidungskarton war in seinem Schrank verschwunden. Er ging noch mal nach unten um sein altes Zimmer zu überprüfen, nein er hatte wirklich alles oben.

Seine Mutter kam gerade von der Arbeit zurück.

„Du hast schon alles oben?“ fragte sie erstaunt.

„Gerade eben und alles schon verräumt,“ antwortete Marco.

„Dann wünsch ich dir mal eine schöne Nacht in deiner eigenen Wohnung.“

„Danke Mama,“ sagte Marco und entschwand nach oben.

Er lief auf seinen Balkon und steckte sich eine Zigarette an. Er beobachtete das Lichterspiel der Stadt und genoss die Ruhe, die er ab sofort hier oben hatte. Er versank in seinen gedanken, besann sich aber eines Besseren, morgen war ja wieder Schule.

Marco stieg von seiner Maschine ab, nahm seine Tasche und rannte ins Schulgebäude. Er hatte einwenig getrödelt und war ziemlich spät dran. Als er das Klassenzimmer betrat, erschalte gerade der Gong.

Prof Müller war wie immer bereits da. Neben ihm standen ein Junge und ein Mädchen. Bis auf die Haare glichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Das müssen wohl die Neuen sein, dachte sich Marco.

„Guten Morgen Klasse, dass hier sind Bob und Jane Ripply, sie werfen ab sofort unsere schule besuchen. Ich weiß aller Anfang ist schwer, als helft wo ihr könnt, ich verlasse mich da voll und ganz auf euch,“ sagte Prof Müller und wies den beiden Neulingen an sich einen Platz zu suchen.

Die Freiheit nur Lukas als Nachbarn zu haben, war nun vorbei. Bob setzte sich neben Marco und Jane hatte einen Platz neben Sybille gefunden.

„So und nun weiter, meine Herrschaften, Amanda hat mir mitgeteilt, über euer Vorhaben eine Klassenfahrt durch zuführen. Da ich mit euren Leistungen recht zufrieden bin, habe ich ebenfalls zugestimmt.

Mit Zelten wird nichts, da hat unser Direx was dagegen, also bleibt noch eine Jugendherberge. Ich habe im Vorfeld drei ausgesucht und es ist an euch zu entscheiden, welche wir nehmen werden. Martin schalte mal bitte die Computer an, damit wir im Internet alle nachschauen können und uns dann gemeinsam entscheiden können, welche wir nehmen.“

Seit einem halben Jahr standen nun diese Computer im Klassenzimmer, viel benutzt wurden sie aber nicht. Sogar in den Pausen, wo die Allgemeinheit der Klasse dran konnten, wurden sie doch recht wenig genutzt.

Martin, das Computergenie fuhr die Rechner hoch, und Prof Müller redete weiter

„Also als erstes habe ich in Konstanz. Dort befindet sich die Herberge in einem großen Turm. Dann habe ich eine gefunden, in Rostock, die befindet sich auf einem Schiff, und als letzter Vorschlag wäre da noch eine richtige Burg. Hier auf den Blättern stehen die Homepages. Schaut sie euch an und entscheidet euch dann.“

Der Rest der Stunde gab es dann heiße Diskussionen darüber, welche wohl am geeignetesten wäre. Sogar Jane beteiligte sich ein wenig. Bob dagegen hielt sich im Hintergrund. Am Schluss wurde sich für das Schiff entschieden, weil Rostock, da war wirklich noch niemand aus der Klasse.

Prof Müller versprach alles weitere in die Hand zu nehmen. Die Stunde war vorbei. Einige stürmten hinaus, der Großteil blieb aber, um sich jetzt Bob und Jane zu widmen.

„Und wo kommt ihr jetzt genau her?“ wollte Lukas wissen.

„Aus New York,“ antwortete Jane in einem fast perfekten Deutsch.

„Und woher kannst du so super Deutsch sprechen?“ fragte Barbara.

„Meine Mutter ist Deutsche, wir sind zweisprachich aufgewachsen.“ Bob nickte, aber sagte nichts. „Macht euch aber wegen meinem Bruder keine Gedanken, er spricht nicht so gut eure Sprache, du ist deswegen so Wortkarg.“

„Jane,“ sagte Bob leicht verärgert und wurde rot.

Es war das erste was man von Bob hören konnte. Er stand auf und setzte sich an einen der Rechner. Er tippte eine Weile herum.

„Jane come here… Brad and Nora sind online,” sagte er plötzlich.

„Oh wirklich, Leute entschuldigt, dass sind Freunde aus Amerika,“ kam es von Jane.

Plötzlich setzte sich der ganze Pulk in Bewegung und scharte sich um den PC. Jeder versuchte soweit er konnte, mitzulesen, was da im Chat geschrieben wurde, es stand ja alles auf englisch da. Der Gong ertönter und Bob verabschiedete sich schnell von seinen Freunden.

„Waren wir jetzt mit New York online?“ wollte Sybille wissen.

„Ja,“ sagte Jane.

„Das is cool.“

Alle setzten sich wieder an ihren Platz, doch der Lehrer war noch nicht da.

„Bob treibst du eigentlich Sport,“ Lukas wollte das wissen.

„Basketball und Trakingbike,“ antwortete Bob.

„Oh, da kannst du dich an unseren Klassenbesten halten, der fährt auch Rad,“ meinte Jochen.

Alle schauten zu Jochen und Bob.

„Jo ich kann dir sagen, wo man hier tolle Touren fahren kann,“ meinte Marco kurz.

„Aha, Klassenbester, überhaupt Zeit Sport zu treiben?“ fragte Bob.

„Wieso, sollte ich keine Zeit dazu haben..?“ fragte Marco, der merkte worauf Bob hinaus wollte, „hey Junge, das war ein freundliches Angebot meinerseits, sorry wenn es falsch rüber gekommen ist, wird nicht wieder vorkommen.

Lukas knuffte Marco in die Seite.

„Was issen los Marco, so kenn ich dich gar nicht.“

„Wenn der Herr meint er muss mich herablassend behandeln, weil ich Klassenbester bin, ist das seine Sache, aber er soll mich dann gefälligst in Ruhe lassen,“ antwortete Marco.

Bob und Marco schauten stur nach vorne.

„Was soll der Scheiß jetzt, hört damit auf, vertragt euch wieder,“ kam es von Amanda.

„Bob bitte verscherze es dir doch nicht gleich wieder,“ sagte Jane.

„Wieder?“ kam es von Marco, „macht er das wohl öfters, prost Mahlzeit kann ja heiter werden.“

„Hör auf Marco, sei still. Hey Bob, so ist Marco normalerweise nicht, ihr habt euch wohl auf dem falschen Fuß kennengelernt,“ meinte Jochen.

„Unser Marco ist normalerweise unser Maskottchen der Klasse, er muss immer dabei sein, wenn wir was unternehmen. Also vertragt euch wieder.“

Die Tür ging auf, der Direx kam rein.

„Leute hört mal zu. Wir haben einen Notfall. Euer Lehrer ist kurzfristig ausgefallen. Ihr habt jetzt einfach ein Freistunde, wenn ihr euch ruhig verhaltet, brauch ich keine Vertretung zu schicken.

„Geht klar, ich kümmere mich darum, das es ruhig bleibt,“ lies Amanda verkünden.

„Okay, dann bin ich mal wieder weg, bis später in Chemie,“ sagte der Direx und verschwand.

„So ihr beiden, jetzt vertrag euch auf der Stelle, sonst..“ meinte Amanda.

„Sonst was?“ sagte Bob, „ ich lass mich doch nicht von so einer dummen Schwuchtel dumm anmachen.“

Das war jetzt sogar Marco zufiel und holte aus und traf ziemlich genau ins Bobs Gesicht.

Gleich stürmten die anderen Jungs her und hielten Marco fest und ebenfalls Bob, der sich wieder aufgerappelt hatte und zurückschlagen wollte.

„Du Arsch, warum hast du mich geschlagen?“ schrie Bob.

„Weil du Arsch Schwuchtel zu mir gesagt hast,“ schrie Marco genauso laut zurück.

Barbara ging dazwischen.

„Seit ihr noch ganz sauber? Marco was ist mit dir los. Du bist normalerweise unser Ruhepol der Klasse, so kenne ich dich gar nicht. Schon gar nicht das du dich prügelst, ich dachte aus dem Alter wären wir heraus.“

Lukas setzte sich zwischen die beiden und alle anderen um sie herum.

„Wir sind ein Klasse, und wenn auch ab heute zwei neue dabei sind, wollen wir das auch bleiben, wenn der Müller merkt, dass hier was nicht stimmt, können wir die Klassenfahrt vergessen, ihr wisst, wie er über Querellen in der Klasse denkt.“

Barbara holte erst mal tief Luft.

Das war Marco jetzt doch alles zu viel. Erst macht ihn der Neue dumm an und jetzt hacken auch noch die anderen auf ihm herum. Er stand auf und rannte aus dem Zimmer.

„Seht euch diese Memme an,“ kam es von Bob.

„Bob es reicht jetzt,“ sagte Jane scharf und Bob zog den Kopf ein, „immer musst du dich überall und mit jedem anlegen, willst du wirklich ins Internat, wie es dir Dad angedroht hat?“

„Nein,“ kam es kleinlaut von Bob.

„Du hast hier eine Chance zum Neuanfang, also versau nicht gleich wieder alles. Die Klasse hier ist nett, wir können froh sein, eine solche erwischt zu haben.“

Betroffenes Schweigen bei den Zuhörern.

„Bob ehrlich, bei Marco liegst du völlig falsch. Er ist normalerweise der, der unserer Klasse den Zusammenhalt gibt, er weicht keinem Problem aus, ist immer für uns alle da, wenn wir mal Hilfe brauchen, sei es wegen der Schule oder privat,“ meinte Lukas.

„Tut mir leid, wollt ich nicht, und was mach ich jetzt?“ fragte Bob.

„Das weiß ich selber nicht, ich habe Marco noch nie so erlebt, weder das Schlagen, noch das er einfach wegrennt. Ich glaub ich geh ihn mal suchen, Amanda geht doch oder?“

„Klar Lukas verschinde, aber lass dich nicht erwischen,“ meinte Amanda.

Marco war einfach nach draußen gerannt und fand sich in der Raucherecke wieder. Nervös steckte er sich eine Zigarette an. Was war bloß los mit ihm, er war doch noch nie so aus der Ruhe gebracht worden.

Musste der Arsch Schwuchtel zu ihm sagen. Das tat weh. Keiner wusste bisher Bescheid, das er schwul war nicht einmal seine Familie. Und dann kommt ein neuer daher und beschimpft ihn gleich noch.

Nervös zog er an seiner Zigarette und merkte nicht wie hm die Tränen herunter kullerten.

„Ah, da bist Marco, ich hab dich überall gesucht.“ Lukas stand vor ihm.

„Hey jetzt mach doch keine so Anstalten, nur weil der Typ Schwuchtel zu dir gesagt hat. Ist doch nur ein Schimpfwort.“

„Fängst du jetzt auch noch an,“ schrie Marco, „… damit du weißt ich bin schwul Lukas und für mich ist das kein Schimpfwort, sondern nur eine Beleidigung…“

Marco rannte wieder in die Schule. Er blieb stehen und überlegte kurz. Dann lief er zum Direxbüro und klopfte.

„Herein.“

Marco öffnete die Tür.

„Marco hallo, was ist mir dir du siehst gar nicht gut aus.“

Marco wurde von seinem Direx heimgeschickt. Wortlos und mit verheulten Augen ging Marco in seine Klasse und holte seinen Helm und Tasche und verschwand wieder. Lukas kam ihm auf dem weg nach draußen entgegen.

„Marco, warte bitte.“

„Lass mich,“ und schon war Marco aus der Tür gestürmt.

Lukas lief zurück in die Klasse.

„Leute wir haben da ein großes Problem,“ wandte er sich an die Klasse.

„Was ist mit Marco?“ fragte Jane.

„Ich weiß nicht wie oder ob ich euch das sagen soll…“ meinte Lukas.

„Nur weil ich falsch an ihn geraten bin, flippt der Typ jetzt aus?“ warf Bob ein.

„Nein Bob, das nicht, du hast das Fass nur zum überlaufen gebracht,“ sagte Lukas und nach eine kleine Pause meinte Lukas, „Marco ist schwul.“

Marco tuckerte langsam nach Hause. Ihm fiel es eh schwer zu fahren, weil er vor lauter Tränen nichts gut erkennen konnte. Zu Hause stellte er sein Bike ab und rannte in seine Wohnung hoch. Oben angekommen schmiss er sich auf sein Bett und fing hemmungslos an zu Heulen.

Die ganze Zeit hatte er sich nichts anmerken lassen, keiner hatte es mitbekommen, dass er nur auf Jungs stand. Für die anderen war er eben ein Einzelgänger.

„Ups,“ sagte Barbara. Sie beschrieb genau die augenblickliche Verfassung der Klasse.

„Und ich sag Schwuchtel zu ihm.. Scheiße.. hab mir da nichts dabei gedacht..,“ sagte Bob und senkte seinen Blick.

„Siehste, wie ich immer sage, du sprichst ohne darüber nach zudenken,“ sagte Jane vorwurfsvoll.

„Jane lass es, dass bringt uns jetzt auch nicht weiter, überlegen wir lieber wie wir Marco helfen können,“ sagte Barbara.

„Helfen?“ fragte Martin.

„Ja helfen Martin, Marco war immer für uns da, etwa so was wie ein seelischer Mülleimer für uns und wer war nicht bei ihm mit seinen Problemen?“ meinte Lukas.

Betroffenes schweigen in der Klasse.

„Hat eigentlich jemand Probleme damit, dass Marco schwul ist?“ fragte Amanda.

Allgemeines Kopfschütteln und Verneinen war angesagt.

„Gut dann wär dieser Punkt mal geklärt. Als Zweites denke ich, das wir alle geschlossen hinter Marco stehen oder?“

Ein einstimmiges Ja war zu hören.

„So und nun zu dir Bob. Eine Entschuldigung bei Marco wäre angebracht…“

Bob wollte was sagen.

„Moment Bob las mich aussprechen, ich meine nicht sofort. Erst mal muss jemand von uns zu Marco gehen,“ sagte Amanda, „Freiwillige vor…“

„Also ich bin dabei,“ kam es von Lukas, „ich hab noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen.“

„Wer noch?“ fragte Amanda.

„Ich gehe auch mit,“ kam es von Jane.

„Willst du wirklich?“ fragte Lukas.

„Ja ich möchte..“

„Dann gehe ich auch mit und vertrete unsere Mädchen,“ sagte Barbara.

„Kann ich nicht auch mit kommen,“ sagte Bob kleinlaut.

„Wenn die andern nichts dagegen haben gerne. Ich hoffe Marco wird dir ja nicht gleich den Kopf abreisen, bei seinem Temperament,“ sprach Lukas.

„Wieso Temperament?“ fragte Jane.

„Marco ist Vollblutitaliener,“ antwortete Lukas mit einem Grinsen.

Konnte er überhaupt noch der Klasse gegenüber treten, wollten sie überhaupt noch etwas wissen von ihm, wenn Lukas geplaudert hatte.

Total verwirrt stand er auf und ging auf seinen Balkon. Mit zitternden Händen zog er an seiner Zigarette. Wenn er jetzt über die Brüstung springen würde, wäre alles vorbei. Aber was würde er dann seiner Familie antun, andersrum wieder, was würden sie tun, wenn sie wüssten, dass er schwul ist.

Dann wäre es aus mit dieser Wohnung, sein Papa würde ihn raus schmeißen, und ihn als Sohn verstoßen. Plötzlich spürte er eine Hand auf seinen Rücken, er fuhr zusammen.

„Mama, was tust du hier….?“

„Das Gleiche könnte ich dich auch fragen, mein Sohn, du hast doch jetzt normalerweise Schule oder?“ fragte sie.

Marco fing wieder an zu weinen, und fiel in die Arme seiner Mutter.

„Prego Ragazzo, erzähle, was ist los?“

„Mama, ich trau mich nicht, ich hab Angst du hast mich nicht mehr lieb,“ wimmerte Marco.

„Stubido Fidelo. Wie kannst du so was nur sagen. Marco ich werde dich immer lieben du bist mein Sohn,“ sagte sie jetzt auch mit Tränen in den Augen.

Er nahm etwas Abstand zu ihr und schaute zu Boden.

„Mama, du hast dich sicherlich schon gewundert warum ich keine Freunde mit nach Hause bringe und auch …keine Freundin…io ..ich bin…“

„Schwul?“

Marco nickte mit seinem Kopf und fing erneut an zu schluchzen.

„Marco so was habe ich und dein Papa uns schon lange gedacht.“

Marco hob seinen Kopf.

„Ehrlich.. warum habt ihr nicht gefragt?“

„Weil wir dir die Freiheit geben wollten, es uns selber zu sagen. Dein Papa meinte, wir wollen dir so viel Zeit lassen wie nur möglich. Einer seiner Freunde dessen Sohn auch schwul war, wurde zu sehr bedrängt, er hatte sich das Leben genommen.“

„Deswegen die Wohnung?“

„Ja Marco, einfach um dir genug Freiheit zu geben, weil dein Papa und ich genug Vertrauen haben, dass du dies nie ausnützen würdest.“

„Und ihr seid wirklich nicht böse, weil ich keine Schwiegertochter anschleppe?“

„Nein Marco, außerdem haben wir ja noch zwei Schwiegersöhne in Aussicht.“

„Drei!“

„Drei?“

„Ja, den Jungen, den ich vielleicht mal finden werde.“

Marcos Mama lächelte und nahm ihren Sohn wieder in den Arm.

„Weiß irgendwer noch über dich Bescheid?“

„Ich denke meine Klasse..“

„Du denkst?“

Marco erzählte was sich in den letzten Stunden in der Schule zugetragen hatte.

„Fidelo, das war nicht klug.“

„Ich weiß Mama, aber bei mir ist irgendwie eine Sicherung durchgebrannt.“

„Marco das ist keine Entschuldigung, man darf niemanden schlagen, du musst dich bei dem Jungen entschuldigen.“

„Ja Mama, weiß nur nicht wie ich das machen soll.“

„Du bekommst deine Gelegenheit, dass musst du mir glauben.“

„Si.“

„Ich werde jetzt wieder zurück fahren, dein Papa wartet gewiss schon auf mich. Und du, du versuchst am Besten ein wenig zu schlafen, bis ich und dein Papa zurückkommen, dann können wir in Ruhe noch mal reden.“

„Und du meinst wirklich nicht, Papa wird enttäuscht sein?“

„Nein dein Papa liebt dich genauso wie ich.“

„Grazie Mama,“ sagte Marco und nahm noch mal seine Mutter in den Arme.“

„Dito Marco.“

„Und wie machen wir es dann nachher, wo treffen wir uns und vor allem wann?“ fragte Barbara.

„Ich würde sagen wir gehen jetzt erst mal alle nach Hause zum Essen und treffen uns danach, so gegen Zwei vor Luigis Pizzeria. Wisst ihr, wo das ist?“

Die Frage war an Bob und Jane gerichtet.

„Das ist sicherlich die Pizzeria um die Ecke bei uns,“ bemerkte Jane,“ da waren wir nach dem Einzug essen.“

„Und ihr habt Marco nicht gesehen?“ fragte Barbara.

„Wieso gesehen?“ sagte Bob erstaunt.

„Weil die Pizzeria Marcos Eltern gehört und er dort oft aushilft.“

„O Mann..“ kam es von Bob.

„Was ist, Bob,“ fragte Lukas.

„Ich blöder Hund dachte, er gehört zu den reichen Pinkeln, bei den Klamotten, die er heute morgen trug.“

Marco seine Familie mag zwar zu den Reicheren gehören hier in der Stadt, aber das Geld verdient sich Marco alles selber, seine Eltern würden ihm das nie selber geben.“

„Woher weißt du das alles Lukas, ich dachte von uns besucht ihn zu Hause niemand.“

„Das verstehe ich jetzt aber auch nicht, ihr lobt euren Marco in den Himmel, er sei immer für euch da, aber besuchen tut ihn von euch niemand.“

„Ich glaube ich muss da was klar stellen,“ meinte Lukas, „da Marco, außer zu seinen Hausaufgaben, fast so gut wie nie zu Hause ist und immer in seiner freien Zeit im Restaurant aushilft, kann von uns ihn auch keiner besuchen. Wir reden praktisch nur immer in der Schule mit ihm.“

„Ach so, dann denke ich wird es Zeit dass wir ihm einen Besuch abstatten,“ meinte Jane.

„Wo warst du denn die ganze Zeit, du wolltest doch wieder gleich zurück sein, Mellisa?“

„Ach Luigi, ich hatte gerade ein Unterhaltung mit unserem Sohn.“

„Du warst in der Schule?“

„Nein Marco war zu Hause. Es ist etwas in der Schule vorgefallen, da hat er sich krank gemeldet und ist nach Hause.“

„Hat der Junge was angestellt,“ fragte Marcos Vater.

„Nein Luigi, nichts, aber lass uns später reden, da kommen wieder Gäste, ich kann dir nur sagen, dass was wir vermutet haben, ist wahr.“

„Der Junge ist …?“

„Ja ist er.“

Marco hatte noch ein wenig seine Sachen aufgeräumt, ne kurze Shorts angezogen und ein weites Shirt. So lag er nun auf dem Bett. Er wusste nicht, was er machen sollte. Wenn Lukas wirklich geplaudert hatte, was würde ihn morgen erwarten.“

Sollte er überhaupt morgen in die Schule gehen, war er überhaupt bereit seiner Klasse gegenüber zu treten.

„Hi, da seid ihr ja, hallo Bob, hi Jane,“ rief Lukas

„Hallo Lukas, wo ist Barbara?“ rief Jane zurück.

Man gab sich die Hand.

„Barbara ist drinnen, um seine Mutter auszuquetschen, das kann Barbara gut. Ah da kommt sie ja,“ gab Lukas zur Antwort.

„Hallo ihr beiden, schon da? Ihr werdet es nicht für möglich halten, aber Marcos Mutter wusste schon über heute morgen Bescheid. Marco ist jetzt zu Hause.. in seiner neuen Wohnung.“

„Das hätte ich jetzt nicht gedacht,“ sagte Jane.

„Italiener sind Familienmenschen, die haben eine ganz anderen Zusammenhalt als wir,“ meinte Lukas.

„Marcos Mutter meinte noch, sie findet es eine gute Idee von uns Marco zu besuchen, er würde sich nicht mehr in die Schule trauen, weil er nicht weiß wie die Klasse reagiert,“ kam es von Barbara.

„Oh Mann, was hab ich da nur angerichtet,“ sagte Bob und bekam wieder einen traurigen Blick.

„Mal langsam Bob, jetzt gehen wir erst mal zu Marco und dann werden wir weiter sehen,“ meinte Lukas und klopfte ihm kameradschaftlich auf Bobs Schulter.

Marco war eingeschlafen und wusste erst nicht wo er war, als es an seiner Wohnungstür schellte. Er tapste zur Tür und öffnete.

„Hallo Marco.“

2.

„Dürfen wir reinkommen?“

Marco war perplex, vor ihm standen Lukas, Barbara Jane und auch Bob.

„Ähm.. natürlich kommt rein,“ sagte Marco immer noch verwirrt.

„Wow eine eigene Wohnung, find ich cool,“ meinte Barbara und ließ sich als erstes aufs Sofa plumpsen.

Bob und Jane setzten sich neben sie. Lukas setzte sich auf den Bettrand.

„Kann ich euch etwas anbieten?“ fragte Marco.

„Nein später vielleicht, wir wollten eigentlich mit dir reden,“ kam es Barbara.

Marco setzte sich wieder auf sein Bett. Eine Pause entstand, weil niemand wusste, wie man anfangen sollte mit der Unterhaltung.

„Ich soll dir von allen einen schöne Gruß ausrichten und gute Besserung wünschen.“

„Danke,“ sagte Marco leise.

„Also ich halt die Stille jetzt nicht mehr aus. Marco es tut mir leid, dass ich dich heute morgen so angegriffen habe, bitte nimm meine Entschuldigung an,“ sagte Bob.

Wieder entstand ein kurze Pause.

„Ist schon gut Bob, du konntest ja nicht Bescheid wissen, und außerdem hab ich mich auch wie ein Arsch benommen, ich hätte dir keine runterhauen dürfen,“ antwortete Marco kaum hörbar.

„Für mich hat er es verdient,“ sagte Jane und erntete eine bösen Blick von ihrem Bruder.

„Ich bin ein bisschen sauer auf dich Marco,“ sagte Lukas plötzlich.

„Wieso?“

„Wie lange kennen wir uns jetzt schon? Und du bringst es nicht mal fertig deinem besten Freund zu sagen, dass du schwul bist.“

Jetzt war es ausgesprochen. Marco musste schwer schlucken.

„Tut mir leid wenn ich euch alle enttäuscht habe,“ meinte Marco und merkte wie seine Tränen hochstiegen.

„He Marco,“ sagte Lukas, nahm ihn in den Arm, „ so war das nicht gemeint, ich war nur traurig, dass ich es so erfahren musste und du es mir nicht früher schon gesagt hast.“

„Du hast keine Probleme damit?“ fragte Marco.

„Marco keiner aus unserer Klasse hat Probleme damit, alle stehen hinter dir,“ warf Barbara ein.

„Echt, wow, hätte ich nicht erwartet.“

„Seit wann schleppst du das eigentlich mit dir rum?“ fragte Lukas.

„Seit wann ich weiß, dass ich schwul bin?“

Lukas nickte.

„Ich habe es so mit vierzehn gemerkt, aber bisher niemanden was davon erzählt,“ antwortete Marco.

„Das finde ich voll krass, solange etwas mit sich herum zuschleppen und niemanden zu haben, mit dem er darüber reden kann,“ sagte Barbara.

„Jetzt hat er jedenfalls uns,“ meinte Jane, Bob und Lukas nickten zustimmend.

„Danke Leute ich weiß gar nicht was ich sagen soll..,“ erwiderte Marco.

„Deine Mutter hat es auch heut erst erfahren?“ fragte Bob neugierig.

„Ja hat sie.“

„So einen Mut hätte ich in so einer Situation nicht gehabt,“ meinte Bob.

Marco wurde hellhörig, verwarf aber seine Gedankengänge gleich wieder.

„Wenn ihr es genau wissen wollt, ich stand auf meinem Balkon und dachte darüber nach, runter zuspringen, da kam meine Mutter und ich erzählte ihr alles, das hat nichts mit Mut zu tun, das war reine Verzweiflung,“ sagte Marco und zog wieder seine Beine an.

„Du wolltest dich umbringen?“ fragte Jane entsetzt.

„Ja, was würdest du denn machen, wenn du jahrelang ein Versteckspiel geführt hast und durch einen dummen Zufall kommt alles ans Tageslicht. Wusste ich, ob ich nicht morgen in der Schule einen Spießrutenlauf vor mir gehabt hätte, ich war einfach nur verzweifelt.“

„Dazu hast du ja jetzt keine Grund mehr,“ sagte Lukas, lies sich nach hinten Kippen und lehnte sich an Marcos Beine.

„Und wie geht es jetzt weiter,“ wollte Bob wissen, „ich möchte jetzt nicht jedes Mal einen so männerhaften Bums abbekommen, wenn ich Quatsch rede.

Alle fingen sie an zu lachen. Die Stimmung hatte sich ein wenig gelockert.

„So jetzt möchte ich aber wirklich was zu trinken,“ meinte Barbara.

Im Augenblick kann ich aber nur mit Cola dienen und ein paar Plastikbechern, meine Küche bekomm ich erst nächstes Wochenende,“ sagte Marco und stand auf um die Getränke zu holen.

„Du hast auch eine Balkon?“ fragte Jane.

„Ja, geh mal raus und schau dir meine Aussicht an.“

Es klopfte an der Wohnungstür.

„Kommen noch mehr aus der Klasse?“ fragte Marco verwundert.

„Nicht dass ich wüsste, „kam es Lukas, der ebenfalls auf den Balkon drängte.

Marco ging an die Tür und öffnete.

„Papa..“

Hallo Sohn, ich dachte ihr habt vielleicht Hunger,“ er drückte Marco einen Stapel mit Pizzaschachteln in die Hand, „na alles klar bei dir?“

„Ja Papa, alles wieder in Ordnung.“

„Dann bin ja beruhigt, und noch eins, ich liebe dich genauso wie vorher, es hat sich nicht geändert, ok?“

„Danke Papa.“

Marco drehte sich um, und lief ins Zimmer zurück.

„Leute hat jemand Hunger, ich hab hier was leckeres zu Essen.“

Im nu waren die Gerufenen wieder im Zimmer. Erstaunte >Ahs< waren zu hören.

„Darf ich euch meine Papa vorstellen, Papa das sind Lukas Barbara Bob und Jane.“

Lukas kenne ich ja vom sehen, Barbara kommt mir bekannt vor, aber die zwei anderen sind mir neu, obwohl nein, letzten Dienstag ward ihr bei uns Essen mit euren Eltern, stimmts?“

„Hallo Claire, bin zu Hause.“

„Hallo Clark, wie war dein erster Tag in der Firma?“ fragte Claire.

„Gut. Wo sind die Kinder?“

„Bei einem Klassenkameraden,“

„Gleich am ersten Tag Anschluss gefunden, ist ja toll.“

„Naja, Jane hat gesagt, sie gehen sich bei ihm entschuldigen.“

„Hat Bob wieder Mist gebaut?“

„Ich weiß es nicht, Jane hat sich nicht weiter dazu geäußert und Bob war heute so seltsam ruhig.“

„Ruhig, das kenne ich ja gar nicht von ihm, keine Sticheleinen wie sonst?“

„Nein gar nichts, er schien heute regelrecht bedrückt.“

„Na vielleicht ist das eine neue Masche von ihm, aber nichts desto trotz, wenn eine Verwarnung der Schule kommt…Internat!“

„Bist du sicher, dass wir ihm damit helfen würden?“

„Ihm? Claire ich bin es satt laufend meinen Kopf für meinen Sohn hinzuhalten, er muss einfach mal die Konsiquensen tragen. Ich habe lange gebraucht, mich damit ab zufinden, dass mein Herr Sohn schwul ist, aber das entschuldigt noch lange nicht das Verhalten, dass er an den Tag legt.“

Claire schaute traurig zu Boden.

„Du weißt ganz genau, warum unser Junge so geworden ist.“

„Claire wir haben ihn nicht gehänselt, verhauen oder mit Schimpfworten belegt, wie seine früheren Klassenkameraden, aber trotzdem behandelt er uns genauso.“

„Ich weiß Clark.“

„Mann war die Pizza gut, aber ich kann jetzt keinen Bissen mehr herunter bekommen, sonst platze ich,“ meinte Bob.

„Gehst du mit mir eine Rauchen?“ fragte Lukas Marco.

„Natürlich,“ gab er zur Antwort.

Lukas hast du noch eine für mich, meine sind alle,“ fragte Barbara.

Die Drei verschwanden auf dem Balkon.

„Willst du es ihm nicht sagen Bob?“ fragte seine Schwester,

„Nein Jane bitte, sag auch du nichts.“

„Ich versteh dich nicht kleiner Bruder, gefällt dir Marco denn nicht?“

„Im Gegenteil, Schwesterchen.“

„Dann versteh ich dich nicht.“

„Jane lass mir bitte Zeit. Irgendwann erklär ich es dir, ja?“

„Gut ich werde dich nicht damit nerven und du weißt meine Tür steht immer für dich offen.“

„Danke Jane.“

„Weißt du schon das Neuste Maria?“

„Was denn, erzähl,“ antwortete diese.

„Unser lieber Bruder hat Besuch.“

„Du willst mich wohl verarschen Sophia.“

„Nein überhaupt nicht. Papa hat Pizza gemacht und sie nach Hause mit genommen. Zu Mama sagte er, seine Freunde sollen sich wohl fühlen bei Marco.<“

„Freunde?“

„Ja scheinen mehrere zu sein.“

„Jetzt bin ich aber ein wenig baff, Sophia. Seit ich denken kann hat Marco noch nie Freunde bei sich zu Besuch gehabt.“

„Ich weiß, Maria. Ich war genauso erstaunt.“

„Steht das Angebot noch, dass du mir ein paar tolle Stellen zum Bike fahren zeigst?“ fragte Bob.

„Mach ich gerne, welche Kopfgröße hast du?“

„Was hat das mit meiner Kopfgröße zu tun.“

„Ganz einfach ich will wissen, ob dir mein zweiter Helm passt, daneben gibt es auch tolle Crossstrecken, da darf man ohne Führerschein fahren.“

„Du würdest mich mit deiner Maschine fahren lassen?

„Ja, wenn du möchtest.“

„Warum hast du mich noch nie gefragt ob ich mit möchte?“ fragte Lukas leicht enttäuscht.

„Weil du noch nie Interesse gezeigt hast Lukas, ganz einfach.“

„Du Bob, wir müssen langsam nach Hause, Dad ist bestimmt schon zu Hause.“

„Hast recht Jane, wer weiß wie sein erster Arbeitstag war.“

„Er hat jedenfalls keine geklebt bekommen, sagte Lukas und grinste.

Alle fingen an zu Lachen.

Marco stand auf dem Balkon, die anderen waren gegangen. Lief besser als er erwartet hatte. Er hätte nicht gedacht, dass alle so damit umgehen würden. Ihm war es jetzt um einiges leichter. Eins lies ihn aber nicht los, die Blicke von Bob.

Er hatte gemerkt, dass Bob ihm öfter in die Augen schaute. Ja, Bob ging ihm nicht mehr aus dem Kopf – sein Aussehen, wie einer dieser Surfjungs aus Kalifornien, – dieses Lächeln, entwaffnend charmant, dazu seine fast magischen, unbeschreiblich blauen Augen.

Hatte sich Marco etwa verliebt, er war sich seiner Gefühle nicht mehr sicher. Und vor allem, stand es eins zu Hundert, dass Bob auch schwul war. Marco fing an zu träumen, wie schön es wäre…wenn.

Er ging in sein Zimmer und schaute sich den Stapel CD`s an, die er vor ein paar Tagen gekauft hatte. ER nahm sich die Maxi – CD von Kate Ryan Désenchantée und holte sie heraus. Danach öffnete er die Lade des CD – Players und legte sie ein. Dann drehte er die Lautstärke höher. Er sank auf sein Bett und lauschte der Musik.

Kate Ryan – Désenchantée (Deutsche Übersetzung)

in wilden Gewässern schwimmen, morgens. hier erwarte ich das Ende, treibe in der Luft, die nur einen Hauch zu schwer ist. nach wem soll ich die Hand ausstrecken, wenn ich herunterfalle, damit mein Sturz aufgefangen wird? erholung hab ich nur in der Gleichgültigkeit gefunden trotzdem: ich würde gerne die Unschuld wiederfinden aber nichts hat einen Sinn.

nichts geht.

alles Chaos nebeneinander all meine Ideale: kaputte Worte ich suche eine Seele, die mir helfen kann. ich stamme aus einer ernüchternden Generation ernüchternd!

wer könnte mich daran hindern, alles zu begreifen, wenn die Vernunft zusammenstürzt? an welcher Brust kann ich mich ausweinen? wer gibt schon vor, uns an seinem Leibe wiegen zu wollen?

wenn der Tod ein Mysterium ist gibt es im Leben keine Zärtlichkeit wenn es im Himmel eine Hölle gibt, wird mich der Himmel erwarten! sag mir, wie soll man sich festhalten an den Winden, die in entgegengesetzte Richtungen wehen?

nichts hat mehr einen Sinn! nichts geht mehr!

Am nächsten Tag….

„Hast du alles ausgefüllt?“ fragte Lukas, in der Pause.

„Wie kommst du darauf, das war kein Test, das war Folter,“ meinte Marco.

Die Krause packte ihre Sachen zusammen, und wartete ungeduldig auf das Gongen.

„Ui, da hat es aber jemand eilig von uns weg zukommen,“ sagte Bob.

„Bob das ist immer so,“ erklärte Lukas.

„Wie sieht es bei dir aus, was für ein Gefühl hast du wegen dem Test?“ wollte Lukas wissen.

„Ein sehr gutes, habe fast alles gewusst,“ meinte Bob.

„Du willst doch nicht etwa unserem Marco Konkurrenz machen?“

„Würd mich nicht stören jemanden zu haben, der endlich mein Niveau hat,“ sagte Marco grinsend.

„Du hast recht Marco, von diesem Standpunkt aus, habe ich das noch nicht gesehen“, sagte Bob ebenfalls grinsend.

„O mein Gott, da haben sich ja die beiden richtigen gefunden,“ meinte Lukas.

Bob wurde rot und stand auf.

„Ich geh eine Rauchen,“ sagte er knapp und verschwand.

„Bob raucht?“ fragte Lukas.

„Ist mir auch neu,“ sagte Marco ebenfalls erstaunt.

Da waren wieder die Gedanken. Marco konnte sich nicht dagegen wehren. Alles kreiste wieder um Bob. Viele Fragen kamen auf, genauso viel gingen wieder verloren, verdrängt von den Nächsten. Warum ist er jetzt rot geworden? Warum wich er gerade meinem Blick aus……?

„Erde an Marco… hallo Marco,” sagte Lukas und klopfte im auf die Schulter.

„Ähm was?“

„Wo warst du gerade?“

„Ich? Sorry, war gerade mit meinen Gedanken wo anders.“

„Das habe ich auch gemerkt, darf man fragen wo?“

Marco schaute sich um, ob jemand aus der Klasse zu Nahe stand.

„Bob.“

„Was ist mit Bob?“

„Ich habe über ihn nachgedacht.“

„Und warum?“

„Oh Lukas, du stellst Fragen.“

„Bist du etwa…?“

„Ja bin ich, was dagegen?“

„Nein, bestimmt nicht. Dachte nur ein wenig schnell. Gestern morgen hast du ihn kennen gelernt, dann ihm eine reingehauen, gestern Mittag habt ihr euch versöhnt und jetzt bist du…,“ Lukas schaute sich ebenfalls um, „ in ihn verliebt.“

„Ja ich weiß, geht alles ein bisschen schnell.“

„Das kannst du laut sagen.“

„Was kann er laut sagen?“ Jane stand plötzlich hinter den Beiden.

„Ähm.., dass wir uns wundern, dass dein Bruder raucht,“ rettete sich Lukas aus der Affäre.

„Oh nein, hat er wieder angefangen.“

„Wieso angefangen,“ fragte Marco.

„Immer wenn Bob ein schwer wiegendes Problem hat, fängt er wieder zu Rauchen an,“ antwortete Jane.

„Ups, hätte ich nicht gedacht,“ meinte Lukas.

„Ich auch nicht,“ gab Marco sein Senf noch dazu.

„Dann werde ich mal meine Bruder suchen und schauen was los ist.“

„Okay mach das,“ sagte Marco.

„So und nun erzähl, warum bist du so in deinen Gedanken vertieft,“ sagte Lukas, als Jane aus dem Zimmer war.

„Lass uns raus gehen und laufen, wir haben ja jetzt ne Freistunde,“ sagte Marco und schnappte nach seine Jacke.

„Okay, wenn du willst, frische Luft würde mir auch gut tun, hast recht, besonders nach der Krause.“

Beide verließen grinsend das Klassenzimmer.

„Was ist los Bob.“

Jane hatte sich vor ihrem Bruder aufgebaut. Da sie Zwillinge waren, war Jane genauso groß wie er, nur war sie wesentlich zierlicher gebaut als Bob.

„Ich … es ist alles scheiße, ich weiß nicht weiter…“

„Das sehe ich,“ sagte Jane und wies auf die Zigarette.

„Jane was soll ich denn nur machen?“

„Im Bezug auf was?“

„Wegen…,“ Bobs Stimme versagte.

Jane sah auch gleich den Grund, sie folgte dem Blick von Bob. Am Grundstücksende liefen Marco und Lukas an der Hecke und unterhielten sich angeregt.

„Wegen Marco?“

„Ja,“ sagte Bob.

„So jetzt erzähle mir alles der Reihe nach Bob, und wenn die Zeit nicht reichen sollte, führen wir das Gespräch zu hause weiter. Ich ertrag es einfach nicht meinen Bruder so leiden zu sehen.“

„Von Anfang an… das wird wirklich lang.“

„Na dann fang an!“

„Kannst du dich noch an Dustin erinnern?“

„Du meinst den aus deiner Parallelklasse drüben in New York?“

„Ja genau der. Ich hab dir doch erzählt, das wir gemeinsam viel unternommen hatten.“

„Ja stimmt du warst selten zu Hause.“

„In Dustin habe ich mich auch gleich im ersten Augenblick verliebt, als ich ihn kennen lernte.“

„Was heißt auch, hast du dich in Marco verguckt?“

„Ja, aber las mich erst weiter erzählen.“

„Ja, schon gut.“

Der Gong wies auf das Ende der Pause hin.

„Wir reden zu hause weiter, okay?

„Wieso wir haben doch eine Freistunde, oder?,“ sagte Bob.

„So jetzt sind wir alleine,“ sagte Lukas und schlug den Weg ein der an der Außenhecke des

Schulgeländes ein.

„Ich krieg Bob nicht mehr aus Kopf,“ sagte Marco und steckte sich eine Zigarette an.

„Und was ist das Problem?“

„Du bist gut Lukas, soll ich zu ihm hingehen und ihm sagen, du Bob, du weißt ja ich bin schwul und ich hab mich in dich verliebt.“

„Wäre doch krass.“

„Arsch.“

„Danke selber.“

„Ich weiß nicht was ich tun soll, seit ihr gestern bei mir ward, nur noch Bob, Bob, Bob.“

„Bop, Bop Baby,“ fing Lukas von Westlife anzusingen.

Marco schaute ihn böse von der Seite an.

„Sorry Marco, ist mir nur grad so eingefallen. Ich weiß du kennst Bob überhaupt nicht vor allem du weißt nicht ob er schwul ist und die gleichen Gefühle für dich hegt.“

„Alles nur Wunschdenken eben…“

„Soll ich vielleicht ein bisschen nachhaken bei Bob?“

„Untersteh dich, das will ich nicht.“

„Und wie willst du es dann heraus kriegen?“

„Weiß ich nicht.“

„Na klasse!“

„Ich hatte das Gefühl Dustin würde das gleiche empfinden für mich wie ich für ihn,“ sagte Bob zu seiner Schwester.

„Und wie kamst du da drauf?“ wollte Jane wissen.

„Eben alles an ihm, war so eingestellt, wie er mich immer anschaute, seine Bemerkungen und seine Gestik, eben alles an ihm.“

„Und was hat dies damit zu tun, das du Marco nichts über dich erzählst?“

„Ich traute mich damals nicht mit Dustin zu reden, also beschloss ich, ihm einen Brief zuschreiben. Ich schrieb hinein, dass ich mich in ihn verliebt hätte und ihn gerne als Boyfriend hätte. Am nächsten Tag schmuckelte ich ihn in seine Tasche.“

„Was ist dann passiert.“

„Gar nichts. Ich dachte mir, er hatte den Brief noch nicht entdeckt. Nur wunderte ich mich, dass Dustin auf einmal so wortkarg war.“

„Irgendwie kein Wunder, was du im Brief geschrieben hast.“

„Ach Jane ich war verliebt, ich hab mir da nichts weiter dabei gedacht. Doch wiederum einen Tag später, wusste ich dann was ich davon halten sollte. Ich merkte schon als ich die ersten Pause nach draußen lief, dass viele grinsten und wenn sie mich sahen, anfingen zu tuscheln.

Bis dann einer von der Oberstufe auf mich zu kam, und meinte, mein Verhalten wäre nur peinlich.“

„Echt, woher wusste er?“

„Ich fragte ihn dasselbe, und er meinte ich solle doch mal ans schwarze Brett vor dem Lehrerzimmer schauen.“

„Und was war da?“

„Dustin hatte mein Brief an ihn, ans schwarze Brett geheftet und mich so bloß gestellt, was dann danach geschehen ist, hast du ja weitgehend mitbekommen.“

„Du meinst, weil Dustin den Brief öffentlich gemacht hast, bist du das dreiviertel Jahr durch die Hölle gegangen.“

„Ja.“

„Aber warum hat er das gemacht?“

„Jane, um sich selber zu schützen. Lieber einen anderen auffliegen lassen, als das jemand merken könnte, das einer selber anders ist. In der Zwischenzeit weiß ich, ich das er schwul ist.“

„Wieso?“

„Wir sind mal zusammen fortgegangen mit ein paar Jungs und Dustin war auch dabei. Natürlich haben alle viel getrunken. Da hat sich Dustin, vollgesoffen, mich angebaggert und wurde sehr zudringlich.

„Wie hast du reagiert?“

„Ich habe ihn angeschrieen, dass er mein Leben kaputt gemacht hat und ihm eine runtergehauen, dann bin ich nach Hause gerannt.“

„Oh Bob, wenn ich das nur alles früher gewusst hätte.“

„Was dann Jane, du hättest auch nichts daran ändern können.“

„Du hast ja recht. Ich verstehe aber immer noch nicht was das jetzt mit Marco zu tun hat.“

„So kann das aber nicht weiter gehen mit euch beiden, Marco, du bist jetzt schon oft genug mehr als abwesend.“

„Das weiß ich selber Lukas. Ich bin halt nicht einer, der sich einfach nen Typen anlacht, indem er flirtet auf Teufel komm raus, ich kann das nicht.“

„Dann nimm Unterricht bei Barbara, die macht das immer so,“ scherzte Lukas.

„Scherzkeks.“

„Immer zu ihren Diensten, mein Herr.“

„Lukas.“

„Ja?“

„Ich bin froh, dich als Freund zu haben, ich wüsste sonst nicht mit wem ich darüber reden sollte.“

„Hey Marco Ehrensache, und ich bin froh, das du mir endlich volles vertrauen schenkst, aber nichts desto trotz, du musst irgendetwas machen, du bist jetzt schon oft genug, mehr als abwesend.“

„Wenn ich an seine Augen denke…..“

„Marco, aufhören!“

„Ach lass mich doch träumen, Lukas.“

„Mach aus deinem Traum Realität, das wäre viel besser!“

„Weißt du wie es ist, sich einen Korb von jemanden ein zufangen, in den du verliebt bist, und dann noch zusätzlich von ihm bloß gestellt wirst?“

„Nein kann ich nicht Bob, stelle es mir aber grausam vor.“

„Jane, ich bin daran fast zerbrochen. Ich wollte nur noch sterben. Für mich ist meine Welt zusammen gestürzt.“

„Und Marco?“

„Ich will nicht noch mal so was erleben, ich will mir nicht noch mal einen Korb einfahren, das würde ich nicht durchstehen.“

„Dann lieber diesen Leidensweg wählen? Das kann es aber nicht sein Bob. Irgendwann merken die anderen auch, dass mit dir was nicht stimmt, so wie du jetzt schon deine Löffel hängen lässt.“

„Ja ich weiß.“

„Soll ich dir irgendwie helfen, soll ich mal mit Marco reden?“

„Untersteh dich, versprich mir dass du das nicht machst, keine Einmischung.“

„Schon gut ich werde nicht mit Marco reden!“

Jane sah wie ihrem Bruder tränen über die Wangen liefen.

„Bob nicht doch.“

„Sorry tut mir leid, Jane. Es tut nur so weh an das letzte vergangene Jahr erinnert zu werden. Ich dachte, wenn wir erst mal in Deutschland wohnen, ändert sich das alles.“

„Bob, es hat sich doch schon vieles geändert.“

„Was denn?“

„Du!“

„Ich?“

„Ja, du Bob. Seit dem Streit gestern morgen, bist du nicht einmal laut geworden, auch nicht zu Hause. Hast du nicht gemerkt wie verwundert dich Mum und Dad angeschaut haben?“

„Nein Sorry, ich war wie du sicherlich gemerkt hast total in meinen Gedanken versunken.“

„Wenn du erlaubst, dann möchte ich mit den beiden reden, ich finde du hast heute schon genug erzählt, und außerdem sollten sie auch wissen, was du das letzte Jahr durchgemacht hast. Vielleicht wird auch dann das Verhältnis zwischen dir und den beiden wieder besser, weil sie dann verstehen was in dir vorgeht.“

„Wenn du meinst das hilft, ist mir recht, ich möchte so gerne von Dad wieder in den Arm genommen werden. Am Anfang dachte ich es wäre weil ich ihm gesagt habe, das ich schwul bin. Erst später merkte ich das ihn einfach meine Art wie ich mich dann gab zurück schreckte.“

„Also ein Grund mehr mit ihnen zu reden, willst du es vielleicht selber machen.“

„Nein mach du es, ich weiß, dass ich eh kein Wort rausbringen werde.“

„In Ordnung, dann heut Abend!“

„Wann kommt den sich der neue Azubi vorstellen, Mellisa?“ fragte Marcos Vater.

„Der müsste eigentlich gleich kommen, bist du sicher, dass wir einen Japaner ausbilden sollen.“

„Mellisa, wie oft soll ich es dir noch sagen, es sieht zwar komisch aus wenn ein Japaner in einer Pizzeria bedient, aber der Junge will Restarauntfachmann lernen, warum nicht bei uns?“

„Hast ja recht, einer weniger der, der auf der Strasse sitzt.“

Die Tür ging auf und ein junger Mann trat ein.

„Hallo ich bin Chan, ich komme für das Bewerbungsgespräch.“

„Hallo Chan, geh einfach hier durch die Tür mein Mann ist hinten im Büro, er wartet bereits auf dich.“

„Danke Frau Fanteggi.“

Chan lief drückte die Schwingtür auf und lief hindurch.

„Kann ich helfen,“ kam es von Luigi, ah du bist sicherlich Chan und willst dich vorstellen.“

„Ja.“

„Gut, deine Zeugnisse habe ich mit Zufriedenheit gesehen, also geht es nur um das Praktische noch. Wie ich aber aus deine Unterlagen gesehen habe, führen diene Eltern selber ein Restaurant.“

„Ja mit chinesischer Küche.“

„Und warum lernst du nicht dort?“

„Das war mein eigener Wunsch Herr Fentaggi.“

„Luigi reicht, wieso wolltest du wo anders lernen.“

„Zuhause habe ich das Gefühl ich werde bevorzugt, weil ich der Sohn des Hauses bin, bei ihnen passiert mir das nicht, weil ich nicht zur Familie gehöre.“

„Mag sein, aber das ist hier auch wie du dir denken kannst ein Familienbetrieb, wo es auch sehr familiär zugeht. Mein Sohn Marco und seine beiden Schwestern helfen hier genauso regelmäßig mit.“

„Das verstehe ich voll und ganz, dass man Hand in Hand arbeiten muss in einem Team.“

„Ich verstehe dich auch Junge, außerdem ist es immer gut, wenn man wo anders etwas sieht, kann man viel mehr dazu lernen.“

„Das würde ich auch gerne machen.“

„Dann würde ich sagen, du hast einen Ausbildungsplatz Anfang August. Ich mache die Papiere fertig und du kommst dann mit deinen Eltern her zum Unterschreiben. Und wen du es möchtest kannst du gleich da bleiben und ein wenig rein schnubbern, in unserem Betrieb.“

„Danke Herr F.. äh Luigi. Ich würde sehr gerne da bleiben.“

„Gut dann komm mit zu meiner Frau.“

Beide standen auf und gingen zurück. Melissa hatte gerade angefangen für den Abend einzudecken.

„Melissa, darf ich dir unseren neune Azubi vorstellen.“

„Schön, freut mich dich Chan.“

Beim Herumdrehen verfing sich Melissas Rock an der Tischdecke und zog sie mit sich. Alles flog mit lautem Geschepper durcheinander.

Melissa wollte schon auf italienisch anfangen zu fluchen, aber sie besann sich besseres, schon wegen dem Jungen.

„Lassen sie es Frau Fentaggi, ich decke ihn wieder für sie ein.“

„Oh, danke meine Junge,“ sagte Melissa und Luigi nickte ihr grinsend zu.

Der Junge stellte sich geschickt an, sogar die Tischdecke hat er perfekt hingezogen.

„Warum lernst du den Beruf noch, du kannst es doch schon,“ sagte Luigi.

Chan grinste.

„Hallo ich bin da,“ rief Marco von der Tür als er eintrat.

Marco blieb ruckartig stehen, als er Chan vor sich sah. Ihre Blicke trafen sich und verharrten eine Weile beieinander.

„Darf ich die jungen Herren sich vorstellen, dass ist Marco mein Sohn und das hier ist Chan unser neuer Azubi.“

„Aha, hallo,“ stammelte Marco und reichte Chan die Hand. Chan ging es nicht anders.

Luigi stellte sich grinsend neben seine Frau.

„Hast du dir schon einmal vorgestellt einen Japaner als Schwiegersohn zu haben?“ flüsterte Luigi zu ihr.

„Luigi, was für Fantasien hast du wieder.“

Beide mussten lachen und gingen ihrer Arbeit wieder nach.

Marco und Chan standen immer noch da.

„Bin zu Hause, guten Abend zusammen,“ Clark hängte seine Jackett auf einen Bügel.

„Hallo Clark, nimm dir nichts vor für heute Abend, es ist Familiensitzung angesagt,“ sagte Claire.

„Ist was passiert?“

„Ich weiß es nicht, es war der Wunsch der Kinder.“

„Hört, hört, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Lassen wir uns einfach überraschen.“

„Aber Clark bitte, nicht gleich aufbrausen, lass die Kinder zu Wort kommen.“

„Ist ja schon gut, ich werde mich zusammen reisen.“

Sie liefen beide ins Wohnzimmer, wo Jane und Bob bereits warteten.

„Also dann schießt mal los, was ist euer Begehr?“ sagte Clark und ließ sich lächelnd auf die Couch fallen.

Jane begann zu erzählen, sie gab genau das wieder was Bob ihr am Morgen erzählt hatte. Bob kamen wieder die Tränen, er war froh, dass sie das mit Marco ausließ. Seine Mutter nahm seine Hand und streichelte sie.

„Warum hast du uns nie was davon erzählt Bob… stattdessen hast du uns in dem vergangene Jahr die Hölle heiß gemacht,“ sagte Clark ein wenig verärgert.

„Clark bitte, du siehst es fällt dem Jungen jetzt noch schwer darüber zu reden.“

„Sorry tut mir leid, ich dachte nur, es hätte alles nicht sein müssen. Ich habe oft genug gesagt, er bekommt all unsere Unterstützung.“

„Anscheinend nicht oft genug,“ sagte Jane keck, was ihr einen Knuffer in die Seite von ihrem Bruder einhandelte.

„Jetzt verstehe ich wenigstens vieles was vorgefallen ist, nur.. was war dann gestern los.“

Bob stockte der Atem.

„Bob war der Meinung, wieder so einen reichen feinen Pinkel vor sich zu haben, und da ist ihm halt ein blöder Spruch rausgerutscht. Reaktion, unser Bob bekam eine geklebt,“ erzählte Jane um ihren Bruder zu retten.

„Na ja ich hoffe ihr habt das wieder eingerenkt,“ sagte Janes Mutter.

„Dann ist ja alles gut, ich hoffe nur, dass dieser Zustand jetzt so bleibt, und wir keine Beschwerden mehr bekommen,“ sagte Clark.

„Ich versuch es…,“ meinte Bob, dass erste was er bis jetzt überhaupt sagte.

„So ich denke, wir verschonen eure Mutter vor der Küchenarbeit und gehen essen, was haltet ihr davon? Pizza?“ fragte Clark und wartete auf Antwort.

„Pizza hatten wir zwar schon gestern, aber wenn du mit uns ins Luigi gehst, haben wir nichts dagegen,“ meinte Jane.

Bob nickte zu stimmend.

„Ich muss das jetzt nicht verstehen, oder? Dann geh ich mal anrufen einen Tisch reservieren.“

„Mach das Dad,“ lachte Jane.

„Mama, kann ich noch vier Personen annehmen?“ fragte Maria, die am Telefon stand.

„Ja Tisch sieben ist noch frei mein Kind.“

Maria notierte sich den Namen und legte den Hörer auf.

„Hier Mama die reserviert Karte für Tisch vier,“ sagte Maria und gab sie ihrer Mutter.

„Ripply?“ fragte sie.

„Ja so habe ich es verstanden.“

Chans Eltern hatten sich an dem Abend frei genommen und waren bereits im Restaurant eingetroffen. Sie unterschrieben den Ausbildungsvertrag und wurden von Luigi zum Abendessen eingeladen.

Chan und Marco flachsten hinter der Theke herum, als neue Gäste das Lokal betraten. Es waren die Ripplys. Bob kam als letzter herein und suchte nach Marco. Er fand ihn schließlich in einer sehr eindeutigen Position hinter der Theke.

Marco hatte seinen Arm um einen Jungen gelegt. Jane war dies auch aufgefallen und schaute zu Bob. Der bekam feuchte Augen und verschwand sofort wieder durch die Tür nach draußen.

„Was um Himmels Willen ist mit Bob los?“ kam es von seinem Vater.

„Setzt euch hin, ich sage es euch gleich, aber leise die Leute gucken schon,“ sagte Jane.

Marco kam auf sie zu.

„Hallo Jane, freut mich dich zu sehen. Wo ist Bob?“

Janes Eltern schauten sich verwundert an.

„Der ist noch mal kurz nach Hause, er muss was vergessen haben,“ log Jane schnell, „ wir haben reserviert.“

„Moment.. aha ja hier Tisch vier Ripply.“

„Ja danke.“

„Ich hol dann mal die Getränkekarte. Einen Moment bitte.“

Und schon war Marco Richtung Theke unterwegs.

„Jane könntest du so freundlich sein und uns sagen was hier los ist.“

„Das ist Marco aus unserer Klasse, der Junge den Bob für einen reichen Pinkel gehalten hat. Er hat Bob eine geklebt, weil er Marco Schwuchtel genannt hat, was Bob nicht wusste..,“ Jane hörte auf zu reden.

„So hier die Getränkekarten.“

Marco gab jedem eine in die Hand und verschwand wieder.

„Was Bob nicht wusste, das Marco.. wirklich schwul ist.“

„Und warum macht er jetzt so ein Theater?“ fragte Janes Mutter.

„Weil er mir heute morgen gesagt hat, er ist verliebt in Marco und jetzt kommt er hier rein und Marco hat nen anderen Jungen im Arm.“

„Autsch, dass tat sicherlich weh,“ kam es wiederum von Claire.

„Das denke ich auch,“ erwiderte Jane.

„Und was können wir da jetzt tun?“ fragte Clark.

„Nichts!“ sagte Jane recht scharf.

„Wie nichts?“ wollte Janes Mutter.

„Ich hab Bob versprochen, dass ich nicht unternehmen werde und mich nicht einmische.“

„Blödes Versprechen,“ sagte Claire.

„Das hast du versprochen, ich nicht meine Kleine,“ sagte Clark und stand auf.

3.

„Dad bleib hier!“

Janes Dad überhörte es einfach, er lief auf Marcos Mutter zu.

„Guten Abend Frau Fanteggi, ich bin der vater von Bob, ein Klassenkamerad ihres Sohnes.“

„Guten Abend Herr.. Ripply stimmts?“

Marco schaute zu seiner Mutter herüber und wunderte sich was sie mit Bobs Vater mit ihr zu bereden hatte.

„Ja stimmt.“

„Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“

„Nein hier ist alles bestens, nur… ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll, so was hab ich noch nie gemacht…“

„Herr Ripply, um was geht es denn überhaupt?“

„Clark bitte sagen sie Clark zu mir.,“ meinte Bobs Vater.

„Gut Clark, ich heiße Melissa…., ist irgendetwas mit meinem Sohn?“

Clark nickte.

„Ach so dass. Ich kann ihnen versichern, dass mein Sohn normaler weise sich nicht prügelt, es wird nicht ….“

„Nein Melissa, dass meinte ich nicht, dass haben die Jungs unter sich geklärt…“

„Oh Mann, was denkt sich Vater bloß, er kann doch nicht einfach dahin marschieren,“ sagte Jane zu ihrer Mutter.

„Du siehst doch wie er kann, bin bloß gespannt wie er das einfädeln will.“

Die Tür ging auf und Bob kam wieder herein, gefolgt von Lukas und einem Ehepaar. Lukas geleitete Bob an seinen Tisch.

„Heute kommt wohl die ganze Klasse hier essen,“ sagte Jane und stellte Lukas ihrer Mutter vor.

Bob setzte sich neben seine Mutter, seine Augen waren gerötet vom Weinen.

„Jane ich muss mal kurz mit dir reden,“ sagte Lukas, „ Mum Paps, ich geh kurz raus mit Jane, bestellt mir doch bitte eine Cola mit.“

„Du mir auch, bitte,“ sagte Jane zur ihrer Mutter und wurde von Lukas nach draußen gezogen.

Claire nickte und nahm ihren Sohn in den Arm.

„Wie gut kennen sie ihren Sohn Melissa?“ fragte Clark.

„Eigentlich sehr gut, warum fragen sie?“

„Würde ihr Sohn es fertig bringen, jemanden das Herz zu brechen.“

Melissa schaute Clark mit großen Augen an.

„Ich weiß zwar nicht auf was das jetzt hinausläuft, aber ich würde mal sagen, nein so schätze ich meinen Sohn nicht ein.“

„Er tut es aber gerade…“

„Mit wem?“

„Meinem Sohn…..“

„Was ist los Jane, ich finde Bob heulend an der Straßenecke und bekomm kein Wort aus ihm heraus,“ meinte Lukas draußen vor dem Restaurant.

„Wir sind vorhin gekommen und Bob hat gesehen, dass Marco einen Jungen im Arm hatte.“

„Ja und, ist doch schön wenn Marco jemand gefunden hat, aber warum reagiert Bob so komisch.“

„Mann Lukas, geh von der Leitung runter, mein Bruder ist verliebt…“

„Du meinst Bo und Marco…?“

„Ja Lukas, aber ich habe meinem Bruder das Versprechen gegeben, mich nicht einzumischen.“

„Dann haben wir beide unser Versprechen gebrochen, ich hab das gleiche Marco versprochen,“

„Du meinst Marco ist auch in ….?“

„Ja, die beiden sind ineinander verliebt und keiner weiß was von den anderen.“

„Moment Clark, ich muss gerade was klären,“ sagte Melissa und ging zu ihrem Sohn und Chat.

„Chan ich glaube deine Eltern möchten gehen, und du Marco würdest du mal wieder bedienen, an Tisch fünf sind neue Gäste gekommen.“

„Entschuldigung Mama, ich geh gleich los.“

Marco nahm die Speisenkarten und lief zu Lukas Eltern.

„Guten Abend Frau Müller, Herr Müller,“ sagte Marco und nickte leicht den Kopf.

„Guten Abend Marco,“ sagte Lukas Mutter.

„Ist Lukas nicht dabei?“

„Doch der unterhält sich draußen gerade mit einem Mädchen vom Nachbartisch.“

„Mit Jane?“

„Ich weiß nicht wie sie heißt. Könntest du uns schon die Getränke bringen… ein Pils für mich und auch für meinen Mann und für Lukas eine Cola.“

„Geht klar.“

Marco lief zum Nachbartisch.

„So Frau Ripply schon entschieden was sie trinken möchten.. oh hallo Bob wieder da?“

„Ich und mein Mann möchten einen Rotwein, kannst du uns einen empfehlen.“

Bob schaute kurz auf und Marco konnte die roten Augen sehen. Sichtlich verwirrt, empfahl Marco Bobs Mutter einen Rotwein. Für Bob bestellte seine Mutter ein Bier und für Jane, eine Cola.

Im Gedanken versunken lief Marco zurück zur Theke, und hätte fast seinen Vater übersehen.

„Ragazzo, pass doch auf. Es ist heute eh so voll hier, dann halt wenigstens deine Gedanken zusammen,“ kam es von ihm.

„Ja Papa.“

Bob hatte rote Augen vom Weinen, seine Mama stand mit Bobs Vater an der Theke und Jane und Lukas standen draußen und unterhielten sich, was war nur hier los.

„Also ich denke weiter werde ich mich nicht einmischen Clark.“

„Ich denke, ich habe auch schon zuviel gesagt, danke Melissa.“

„Die Jungs sollen das unter sich klären, oder? Sie sind schließlich alt genug. Und ich mag es wenn sich Väter so für ihre Söhne einsetzten.“

Clark wurde ein wenig rot.

„Mama, Tisch vier zweimal rot Hausmarke ein Pils und eine Cola, Tisch fünf zwei Pils und eine Cola,“ bestellte Marco als er an die Theke kam und gab das Bestellte in die Kasse ein.

„Was wollte Bobs Vater von dir?“

„Er hat sich mir nur vorgestellt.“

„Also irgendwie müssen wir das mit den beiden in Griff bekommen Jane.“

„Das finde ich auch, da ist mir sogar das Versprechen egal,“ meinte Jane zu Lukas, „ was anderes bist du noch zu haben?“

Lukas wurde rot.

„Ähm… ja.. wieso?“

„Nur so,“ sagte Jane und lief mit einem zauberhaften Lächeln ins Lokal zurück.

Lukas blieb erst ein wenig irritiert stehen und folgte ihr ebenso mit einem Lächeln auf den Lippen.

Beide setzten sich erst mal auf ihren Platz zurück und nahmen einen kräftigen schluck Cola, dass Marco serviert hatte. Luigi verabschiedete sich von Chans Eltern, die mit ihrem Jungen schon aufbrechen wollten.

„Und wieder besser?“ fragte Clark deinen Sohn.

„Ja.“

„Ich muss zugeben, mein Sohn hat Geschmack,“ sagte Claire grinsend zu Jane.

Bob hob den Kopf.

„Ihr wisst…?“

„Tja Junge, dies blieb uns diesmal nicht verborgen,“ kam es von seinem Vater.

„Oh Mann, sollen wir es nicht gleich in der Zeitung drucken….?“ meinte Bob genervt.

Seine Eltern konnten sich das lachen gerade so verbeißen.

„Ihr beide seit gemein,“ sagte Jane, „wart ihr noch nie verknallt?“

„Doch, und sind es immer noch,“ sagte Claire und gab ihren Mann einen Kuss.

Jane schüttelte grinsend ihren Kopf.

Nachdem alle ihre Essen bestellt hatten, zog Melissa ihren Sohn auf die Seite.

„Kann es sein Fidelo, dass du mir nicht alles erzählt hast?“ fragte Melissa.

„In Bezug auf was?“ setzte Marco seine Frage dagegen.

„In Bezug auf Bob.“

Marco wurde feuerrot.

„Woher weißt du denn das schon wieder.“

„Anscheinend wissen es alle außer du und Bob noch nicht.“

„Was wissen?“

„Das finde mal schön selber heraus, mein Sohn.“

„Mama!“

Das Essen wurde aufgetragen, es kehrte ein wenig Ruhe in das Lokal ein. Luigi begann mit seiner Kassenabrechnung und entnahm der Kasse , die großen Scheine.

„Heute hat es sich wieder gelohnt zu arbeiten, war ja richtig fiel los,“ sagte er zu Melissa.

„Da muss ich dir Recht geben, in gewisser Beziehung mehr als mir lieb war.“

„Habe ich irgendetwas verpasst?“

„Oh Luigi, wo hattest du nur deine Augen und Ohren. Darf ich dir dein zukünftigen Schwiegersohn vorstellen?“

„Der ist doch gerade mit seinen Eltern zur Tür raus.“

„Da sieht man mal wieder, Väter haben kein Blick für so was.“

„Dann sag mir mal was los ist!“

Melissa erzählt knapp, die Vorgänge, die in der letzten Stunde im Lokal ereignet hatte, Luigi schüttelte nur ungläubig den Kopf.

„Du meinst also, dieser Schönling von Amerikaner ist Marcos Wahl,“ sagte er.

„Ich denke ja, aber unser Sohn, scheint das selber irgendwie nicht auf die Reihe zu bekommen, so umständlich wie die zwei miteinander verfahren.“

„Wieso umständlich?“

„Beide sind sie ineinander verliebt und keiner traut sich den ersten Schritt zu machen.“

„Muss Liebe schön sein,“ grinste Luigi.

„Sei nicht so boshaft, Luigi, ich kenne noch jemand dessen italienisches Blut am Anfang aus Eis war.“

„Du kannst mich doch nicht mit Marco vergleichen, das war doch eine ganz andere Zeit und andere Umstände.“

„Bist du endlich ins laufen gekommen bist, Luigi hätte ich mir schon längst einen anderen Suchen können.“

„Und warum hast du es nicht getan?“

„Weil ich unsterblich in dich verliebt war, so wie ich es heute immer noch bin.“

Melissas Augen funkelten teuflisch.

„Lass uns das nachher noch vertiefen,“ meinte Luigi lächelnd.

Marco hatte von der Unterhaltung seiner Eltern nichts mitbekommen, noch immer trocknete er Gläser ab und stellte sie zurück in den Schrank. Was war das heute für ein Abend, seine Gefühle spielten ihm einen Streich.

Oder waren es seine Hormone, die von ihm verlangten, endlich jemanden ins Bett zu zehren? Dann diese ständige Blicke in seine Richtung, als würde der ganze Laden nur über ihn reden. Lukas lächelte ihn ständig an, wenn er nicht gerade wieder zu Jane schaute.

Nur Bob, saß die ganze zeit mit dem Rücken zu ihm. Nicht ein einzigstes Mal hatte er ihn angeschaut. Hatte er sich so geirrt in Bob. Hatte er sämtliche Zeichen falsch auf gefasst von Bob. Warum diese rote Augen vorhin, warum hatte er geweint.

Es klirrte.

Marco schaute nach unten, es sah wie sich sein Geschirrtuch rot färbte.

„Junge was machst du denn?“ fragte ihn seine Mutter entsetzt.

Marco war so in den Gedanken versunken, dass er nicht mal merkte, das Glas das er trocken polierte zu fest zusammengedrückt zu hatte. Eine langer Schnitt klaffte an seiner Handinnenfläche. Plötzlich war er wieder vol da als er den stechenden Schmerz spürte.

„Mio dio, willst du dir das Leben nehmen? Junge komm mit nach hinten…“ sagte sein Vater.

Lukas Mutter kam ebenfalls nach hinten, der das kleine Unglück nicht entgangen war. Sie war Ärztin am Krankenhaus, wie Marco wusste. Sie schaute sich die Wunde an.

„Da hast du aber noch mal Glück gehabt junger Mann. Komm setz dich da auf den Stuhl. Hast dich wohl wirklich nur aufgerissen, es ist nicht tief, nur halt sehr lang. Aber nähen müssen wir das nicht,“ kam es von ihr.

Marco atmete erleichtert auf, auch wenn es ihm doch sehr weh tat. Lukas Mutter säuberte fachmännisch die Wunde und legte einen professionellen Verband an, der die Blutung stoppte.

„Tuts sehr weh?“

Marcos Kopf flog herum, hinter ihm stand Bob, der besorgt auf den Verband schaute.

„Schon, aber dank Lukas Mutter geht es schon wieder,“ sagte Marco.

Sie schaute zwischen den beiden Jungs hin und her und spürte das sie jetzt fehl am Platze war.

Luigi und Lukas Mama gingen wieder zurück in ins Lokal und ließen die beiden alleine im Büro sitzen.

Beide starrten sich an.

„Wir sind schon irgendwie blöd oder?“ waren Marcos erste Worte.

„Schon“, erwiderte Bob.“

„Alle wissen über uns Bescheid, nur wir beide blicken es nicht.“

Bob ging vor Marco auf die Knie, streichelte sanft über den Verband. Marco schaute zu ihm hinunter.

„Warum hast du geweint vorhin.“

„Wegen dir.“

„Wegen mir, was habe ich gemacht.“

„Du hattest… du hattest diesen niedlichen Jungen im Arm.. da is bei mir wohl was ausgesetzt.“

„Chan? Stimmt er ist niedlich, aber auch zwei Jahre jünger als ich und wirklich, das muss ich mir nicht antun, ich möchte lieber jemanden in meinem Alter.“

Marco merkte die sichtliche Erleichterung auf Bobs Gesicht.

„Außerdem hab ich mich wohl, in den süßesten Jungen meiner Klasse verliebt, da möchte ich nichts mit so einem Grünschnabel anfangen.“

Ein Lächeln auf Bobs Gesicht veränderte seine komplette Erscheinung, da war es wieder dieses Funkelen seiner Augen, dass Marco so faszinierte.

„Willst du mich wirklich?“ sagte Bob leise.

„Ich könnte mir keinen anderen vorstellen. Wenn mir jetzt in den Sinn kommt, das ich dich, als wir uns kennen lernten eine runter gehauen habe, zerreißt es mir fast das Herz, weil ich dir so weh getan habe.“

„Nicht Marco ich hatte es verdient, ich habe mal wieder aufs Äußere geschlossen, war mein Fehler.“

„Wieso, gefällt dir mein Äußeres nicht?“ neckte Marco ihn.

„Doch, dreh mir doch nicht das Wort im Mund rum,“ sagte Bob.

„Da würde ich jetzt gerne was anderes rumdrehen.“

„Was hält dich davon ab?“ fragte Bob.

Marco legte seine Hand um Bobs Nacken und zog ihn langsam zu sich herein. Ihre Lippen trafen sich und beide vergaßen alles um sich herum.

„Ich sagte dir doch, dass sie hier hinten hocken und knutschen.“

Beide schauten erschrocken in die Richtung, aus der die Stimme kam. Lukas und Jane standen in der Tür und grinsten.

„Warum liegt dein Arm auf meiner Schwester,“ fragte Bob, der als erstes seine Stimme wieder gefunden hatte.

„An diesen Anblick wirst du dich wohl gewöhnen müssen Brüderlein,“ sagte Jane und drückte ihrem Lukas einen Kuss auf die Wange.

„Wie war das, Lukas? Du möchtest dir den Beziehungsstress ersparen?“ fragte Marco, der mittlerweile wie Bob auch aufgestanden war und vor den beiden stand.

„Och.. nach reiflichen Überlegungen, habe ich festgestellt, dass es doch mehr Annehmlichkeiten als Störfaktoren gibt,“ grinste Lukas, was ihm einen Seitenhieb von Jane einhandelte.

„Das scheint grad ein Störfaktor gewesen zu sein,“ meinte Marco zu Bob und musste anfangen zu lachen.

Bob nahm ihn in den Arm.

„So Marco hier vor Zeugen, sag ich dir, wie sehr ich dich lieb habe, das ich ohne dich nicht mehr sein kann, dass ich dich brauche,“ sagte Bob.

Seine Schwester wischte sich ein kleine Träne ab und Marco war genauso gerührt.

„So ihr Turteltauben, gehen wir nach draußen und lassen uns den Ramazotti nicht entgehen, den Marcos Vater gerade ausgibt,“ sagte Lukas.

„Was macht mein Vater?“ fragte Marco erstaunt.

„Eine Runde schmeißen, was denn sonst.“

Marco drückte die Schwingtür zum Lokal auf. Seine, Bobs und die Eltern von Lukas standen an der Theke und tranken einen Ramazotti, der rest des Ladens war bereits leer.. Als er mit Bob im Schlepptau, also Hand in Hand, eintrat begangen sie wild zu johlen.

„Und das sollen unsere Vorbilder sein,“ sagte Lukas und nahm Jane in den Arm und alle vier fingen an zu lachen.

„Claire ich glaube wir sind nun beide los, so wie das aussieht,“ meinte Clark.

„Ich glaube eher, wir haben jetzt vier Kinder nicht mehr zwei.“

„Und wo ist mein Ramazotti?“ fragte Marco.

Luigi goss vier kleine Gläser voll und stellte es den Vieren hin.

„So auf das dieser Abend bei allen immer in guter Erinnerung bleiben möge, und wir als Freunde dieses Haus verlassen werden,“ sagte Luigi.

Alle prosteten ihm zu

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Information Rumtopf und Apfelkuchen
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:32 AM - No Replies

»Manchmal wünschte ich, es würde die Matrix wirklich geben. Dann könnte ich wenigstens die Hoffnung haben, dass eines Tages jemand mit einer roten Pille vor mir stehen würde.
Ich würde die Pille nehmen, sie schlucken und dem Überbringer kräftig in die Fresse hauen um ihn dann zu fragen, wo er die verdammten letzten Jahre gewesen sei.«

Es folgt der übliche Abspann mit überlauter Musik bei dem sich langsam schon der Vorhang schließt. Warum können die im Kino nicht mal den Abspann ganz auf der Leinwand laufen lassen? Da war nämlich ein junger Schauspieler, von dem ich gern den Namen gewusst hätte.

Benjamin legt seine Hand auf meine Schulter und veranlasst mich nun auch aufzustehen und den Massen in Richtung Ausgang anzuschließen.

Puh, ich mag so ein Gedränge nicht. Ich hätte gern noch ein wenig gewartet bis es ruhiger geworden ist. Der Gedanke an die frische Luft draußen lässt jedoch nun auch meine Beine zum Ausgang tapern.

Vor der Tür sauge ich erstmal tief den frischen Wind in mich hinein. Wind ist eigentlich untertrieben. Kräftige Sturmböen treiben durch die Seitengasse und wirbeln Papier und Pappbecher durch die Luft.

„Du Mario, wollen wir noch was essen?“

Das ist mal wieder typisch für Benjamin. Er hat immer Hunger und kann alles essen. Wo lässt mein Schatz das bloß?

„Hm, ich weiß nicht. Ich muss mit der Kohle etwas haushalten und wir wollen doch über Ostern nach Österreich.“

Benni schaut erst etwas traurig, kann jedoch meinem trainierten Dackelblick nicht widerstehen und springt lachend voran in den peitschenden Wind.

„Was meinst Du, gehen wir noch ein wenig am Kanal spazieren?“ stelle ich neugierig zur Diskussion.

„Okay, aber vorher ziehen wir uns was anderes an!“

„Einverstanden“. Zufrieden stiefeln wir los. Weit haben wir es nicht nach Hause und schaffen es gerade noch als wieder ein kräftiger Schauer seinen Wassermassen die Freiheit zurückgibt.

Unsere Wohnung ist nicht sonderlich groß. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Vor der Essdiele haben wir dafür einen schönen Balkon mit Blick auf den Nord-Ostsee-Kanal.

Wir. Ja, also, das sind Benjamin und ich.

Benjamin ist 19 und im letzten Ausbildungsjahr zum Bankkaufmann. Er ist ein regelrechter Wirbelwind.

Die Ruhe und Gelassenheit, die er im Berufsleben vorzeigen muss, gleicht er in der Freizeit durch vielseitige Aktivitäten wieder aus. So ist wahrscheinlich auch zu erklären, dass er so schlank bleibt. Hatte ich schon angesprochen dass er ständig am futtern ist?

Benjamin hat blonde Haare und glitzernde blaue Augen – Augen zum verlieben.

Wir sind beide 180 cm groß und bringen mal gerade 62 Kilo auf die Waage.

Bei mir liegt das aber an der Ernährung. Ich esse kein Fleisch. Na ja, zugegeben – also sage ich mal fast kein Fleisch.

Dadurch, dass wir die gleiche Größe und Figur haben, können wir prima unsere Klamotten untereinander austauschen.

Wenn ich mir also mal wieder eine tolle Jeans gekauft habe, dann kann ich davon ausgehen, dass Benjamin sie in der nächsten Woche trägt.

Der größte Vorteil liegt allerdings bei den teuren Klamotten, da wir beide im Berufsleben Anzugträger sind. Auf diese Weise sparen wir eine Menge Geld.

Ich, ach ja, ich heiße Mario.

Mutter Natur gab mir pechschwarze Haare und tiefdunkle Augen und im Vergleich zu Benjamin eine etwas mehr gebräunte Hautfarbe, womit wohl meine italienische Abstammung bewiesen ist.

Die Haare trage ich etwa streichholzlang mit blondierten Spitzen, meist mit Gel wild abstehend gestylt.

Ich bin gelernter Versicherungskaufmann.

Vor 6 Wochen hatte ich meine Abschlussprüfung und in zwei Wochen (Karfreitag) feiern wir meinen 20. Geburtstag im Snowboardurlaub.

Ja und dann kreist da noch was Dunkles am Horizont.

Letzte Woche bekam ich Nachricht vom Kreiswehrersatzamt.

Ich werde im Juni zur Bundeswehr eingezogen.

Ich hätte zwar verweigern können, aber der Zivildienst geht ja noch länger und man weiß auch nicht, wo man da landet. Also Pflegedienst wäre ganz bestimmt nicht so mein Ding.

Also Augen zu, Zähne zusammenbeißen und durch. Es sind ja nur neun Monate.

Millionen von Jungs haben die Bundeswehr schon vor mir überstanden, also werde ich das auch irgendwie hinbekommen.

Und Homosexualität wird da ja mittlerweile wohl auch toleriert. Obwohl ich mir eigentlich nicht vorgenommen habe mich dort zu outen.

Mit dem Umziehen bin ich fertig. Mir ist nach einem Schluck O-Saft. Ich gehe in die Küche und was sehe ich. Da hockt da doch dieses Gerippe von Benjamin nur in Boxershorts und knabbert an dem letzten Stück kalter Pizza von heute Mittag.

Ich kann diesem Anblick nicht widerstehen. Grinsend schleiche ich mich von hinten an und lege meine Arme um seine nackte Brust.

Quiekend zuckt es zusammen. „Ih, du bist ganz kalt!“

Ich wende mich seinem Gesicht zu und beginne an seinen Lippen zu lecken.

„Hm, etwas viel Oregano würde ich sagen und – hattest du Knoblauch auf die Pizza gelegt?“

Nun lacht auch er wieder. „Heute ist doch Freitag, da können wir uns das mal erlauben!“

„Komm Benni, zieh dich an. Sonst fange ich im Ölzeug an zu schwitzen. Ich passe auch auf deine Pizza auf.“

Wie erwartet flitzt Benni ins Schlafzimmer und ich genehmige mir den erhofften Saft.

Man ist der Junge flink. Ich habe mein Glas noch nicht leer da schiebt er sich fertig angezogen noch schnell die letzte Pizzaecke in den süßen Mund.

„Soll ich die Knipse mitnehmen?“ frage ich Benjamin. „Ne, lass mal gut sein. Jetzt im Dunkeln ist alles zu schnell verwackelt.“

Ich muss hier wohl anmerken, dass Benjamin immer total begeistert ist von den riesigen Ozeandampfern, die da im Kanal fast lautlos an einem vorbei gleiten.

Man hat oft den Eindruck, sie wären zum Greifen nahe.

Zugegeben, wenn da eins von den gewaltigen Kreuzfahrtschiffen auftaucht, packt auch mich oft das Fernweh. Irgendwann einmal wollen wir beide auch eine Kreuzfahrt machen.

Dann aber auf einem Segler.

Endlich hat Benjamin nun seine Schuhe an und mir die Senkel wieder aufgezogen und verkündet stolz „Erster!!!“

Ja, so ist mein Schatz, hyperaktiv, nur dummes Zeug im Kopf und – ja und total lieb!

Kaum ist die Haustür hinter uns ins Schloss gefallen zeigt uns der blanke Hans was er kann

(Anmerkung des Autors: blanker Hans sagt man an der Nordseeküste für Sturm).

Kräftig peitscht uns der Wind Wasser ins Gesicht.

Ich glaube der Sturm hat noch etwas zugelegt.

Benjamin und ich legen uns gegenseitig einen Arm um die Schulter und geben uns so einander mehr halt (und vielleicht auch etwas Wärme und Zuneigung).

Irgendwie ist es ein tolles, ja fast aufregendes Gefühl gemeinsam der Naturgewalt zu trotzen.

Nach etwa einer Stunde im Kampf gegen den Wind am Kanalufer drehen wir um. Nicht ein einziges Schiff haben wir gesehen. Da der Wind genau quer zum Kanal weht, haben die vermutlich den Betrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt. Schade.

Der Heimweg ist für mich angenehmer. Diesmal geht Benjamin auf der Windseite und hält das Gröbste von mir ab.

Es ist schon nach Mitternacht als ich die Wohnungstür aufschließe.

Wir gehen direkt ins Bad und entledigen uns dem nassen Ölzeug.

Diesmal ist Benjamin auf ehrliche Weise als erster fertig und sitzt schon im Schlafanzug im Wohnzimmer auf dem Sofa. Auf dem Tisch hat er zwei Gläser bereitgestellt und mit seinem Taschenmesser fummelt er an einer Flasche Rotwein (italienischen natürlich) herum.

„Meinst Du nicht, es wäre Zeit fürs Bett?“ frage ich etwas zweifelnd.

„Ne, ne, Du hast mir jetzt viel zu kalte Hände und Füße“ lacht er los.

Also gut. Rein in meinen Schlafanzug. Ich ziehe noch schnell frische Socken an und meinen Bademantel über und schon kuscheln wir zwei.

Mit der Fernbedienung bringe ich den CD-Player in Gang und ganz leise stimmt eine fernöstliche Melodie an.

Feng Shui steht auf dem Cover. Benni hatte mir die CD zu Weihnachten geschenkt. Es ist genau die Art von Musik, die zum Kuscheln passt.

„Wie hat Dir denn der Film im Kino gefallen?“

„Zuviel Aktion und Science Fiction. Du weißt doch, ich mag Komödien lieber.“ erwidere ich nach ein wenig Überlegung.

„Ja, ich gebe zu, ich hatte mir auch mehr davon versprochen.“

Benjamin nippt an seinem Glas und gibt mir einen langen Kuss.

„Hmmm, perfekt. Reste von Oregano, ein Hauch Knoblauch und nun noch der Wein.

Ich sollte mal ausprobieren, ob ich Dich auch in Olivenöl einlegen und dann mit Käse überbacken kann.“

Kaum ausgesprochen packt sich Benni meine Füße und beginnt mich heftig unter den Sohlen zu kitzeln. „Hier hasst du deinen Käse. Hm, scheint Parmesan zu sein – ziemlich alt – mindestens 19 Jahre…“

Kichernd winde ich mich wie ein Aal bis Benni mich aus der Tortur entlässt.

Mein Atem hat sich wieder ein wenig beruhigt und ich schmiege mich ganz dicht an ihn.

Zärtlich streiche ich ihm durch das Gesicht. Wie ich diese glatte Haut bewundere. Seine kaum vorhandenen Bartstoppeln sind ganz weich, fast wie ein Flaum.

„Ich liebe Dich – ganz doll!“

„Ich Dich auch und Sonntags doppelt…“ höre ich von Benni.

Vorsichtig angelt er nach den Gläsern und wir stoßen miteinander an.

„Weißt Du noch, damals, als wir Brüderschaft getrunken haben?“ stelle ich in den Raum, als ich mein Glas wieder abgestellt habe.

„Wie könnte ich das vergessen. Schließlich ist bei Brüderschaft ein Zungenkuss nicht gerade üblich!“ lacht Benni.

Ja, so fing damals alles an. Das war quasi mein Coming out bei Benjamin. Da er es offensichtlich richtig genoss war es im gleichen Zuge auch sein Coming out bei mir.

Fast vier Jahre ist das nun her.

Seit zwei Jahren haben wir nun hier diese schöne Wohnung. Sie ist zwar noch nicht komplett so eingerichtet wie wir es gerne hätten, aber wir sparen tapfer auf jedes einzelne Möbelstück.

„Du Mario, wie wird das denn, wenn Du zur Bundeswehr musst. Ich meine, wie oft sehen wir uns dann?“

„Du kennst doch meine Kollegin Angelina. Ihr Bruder ist auch gerade beim Bund. Sie hat mir erzählt, dass er nur die ersten vier Wochen nicht nach Hause kam.

Das hat aber wohl auch mit daran gelegen, das er seine Grundausbildung irgendwo in Bayern bei Nürnberg gemacht hat.“

„Vier Wochen – das überlebe ich nicht!“ höre ich von Benjamin.

„Ach und wie war das, als du letztes Jahr die zwei Wochen in Mailand dieses komische Seminar besucht hast?“

„Äh, das war ganz was anderes. Außerdem wimmelte es da von total knackigen jungen Italienern mit schwarzen lockigen Haaren, rostbrauner Haut und strahlend weißen Zähnen und … aua“

Weiter kam er nicht. Grinst aber spitzbübisch wie immer.

„Kommst Du Benni? Ich bin müde…“ Fragend schaue ich in sein niedliches Gesicht und wie erhofft schwingt er sich auf die Beine und begleitet mich ins Schlafzimmer.

„Mario, stellst Du bitte den Wecker auf neun Uhr. Wir wollen doch morgen noch auf den Wochenmarkt.“

„Ist gebongt“ antworte ich. Ich öffne noch das Fenster auf kipp und vernehme sofort wieder das Heulen des Windes. Eine angenehme Geräuschkulisse um im warmen Bettchen etwas Schönes zu träumen…

Oh ist das herrlich. Es ist Samstag. Endlich einmal wieder ausschlafen. Benjamin scheint noch ganz weit weg zu sein.

Sein Atem ist ganz flach und gleichmäßig und – ja und er riecht nach Knoblauch.

Nicht heftig, aber ich nehme es deutlich wahr. Es stört mich aber nicht.

Bei meiner Familie zu Hause gab es jeden Tag irgendetwas zu essen, wo Knoblauch drin war. Ich bin also mit Knoblauch groß geworden.

Die blonden Haare liegen wild verteilt über das Kopfkissen. Wie ein Engel liegt er da. Zumindest stelle ich mir so einen Engel in etwa vor.

Ganz langsam lasse ich meine Hände auf Erkundung ausschwärmen. Vorsichtig schiebe ich meine rechte Hand unter sein Oberteil. Behutsam streiche ich ihm über die unbehaarte Brust.

Ups. Seine Nippel stehen mit einem mal fest und steif.

Mit der linken Hand streiche ich ihm ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und beginne ihn mit kleinen Küsschen zu verwöhnen. Erst die Nasenspitze. Dann seine linke Wange, schließlich knabbere ich an seinem Ohrläppchen.

Benjamin beginnt sich zu rekeln. Er dreht sich auf den Rücken und gibt ein ganz leises Grunzen von sich.

Ich mache weiter.

Meine rechte Hand wandert jetzt aus dem Oberteil heraus und sucht weiter unter ihr Glück, äh, ich meine mein Glück.

„Guten Morgen mein Schatz. Hast Du gut geschlafen?“ will Benjamin wissen. Er klingt aber noch ziemlich weit weg.

„Guten Morgen mein Prinz. In deiner Gegenwart werde ich immer gut schlafen!“

„Wie spät ist es denn? Ich habe den Wecker gar nicht gehört:“

Ich drehe mich um, um die Zeit zu peilen, doch…

„Scheiße Benni, der Wecker ist aus. Also, ich meine ganz aus, also null, keine Anzeige mehr nichts…“

„Benjamin richtet sich mit einem Satz auf und fummelt nach seiner Armbanduhr, die er über Nacht immer ablegt. „Misst, ist schon zehn Uhr durch. Nun aber schnell. Gehst Du zuerst unter die Dusche? Ich mach Kaffee.“

Gesagt, getan. Auch ich schwinge mich mit einem Satz aus dem Bett, verpasse dem Scheißwecker noch einen kräftigen Hieb, womit er in die Ecke fliegt und das Gehäuse aufplatzen lässt. Jetzt ist er ganz hinüber.

Duschen ist schnell erledigt. Das kalte Wasser hat gut getan und mich einen Moment an unseren Spaziergang gestern im Sturm erinnert. Doch jetzt ist keine Zeit zum Träumen.

Ich rufe kurz Benjamin, dass die Dusche frei ist und widme mich meiner Zahnbürste.

Oh man, da kommt der Bengel doch glatt splitternackt ins Bad und betritt die Duschkabine.

Klein Mario reagiert sofort und macht mir bewusst, dass ich ja auch nur ein kleines Handtuch um den Hals habe und sonst nichts. Hihi, dumm gelaufen.

Im Schlafzimmer suche ich für uns Wäsche aus dem Schrank. Ich mache das Fenster nun weit auf und lege das Bettzeug zurück. Die Wäsche nehme ich mit ins Wohnzimmer, schließlich muss man sich ja nicht gerade in der Kälte anziehen, oder?

Ah, es duftet herrlich nach Kaffee. Ich gieße auch für Benjamin schon die Tasse ein. Er mag ihn nicht gern all zu heiß.

Den Geräuschen nach ist er nun auch fertig. „Hast du mir auch was zum Anziehen rausgelegt?“

„Aber sicher doch mein Schatz!“

„Danke, ich könnte Dich knuddeln.“

„Tu´s doch…“

Benjamin streift sich gerade den dicken Rollkragenpullover über als er die Küche betritt.

„Mario, hast du einen Plan, was wir auf dem Markt alles besorgen müssen?“

„Klaro, ich habe das Rezept im Kopf und somit auch die paar Zutaten die wir frisch kaufen müssen. Und anschließend sollten wir noch ins Kaufhaus in der Innenstadt. Wir brauchen einen neuen Wecker, oder besser zwei. Ich dachte da an so ein Teil mit Funkuhr und Weckradio, oder so…“

„Klingt gut, aber was wird so ein Teil kosten?“

„Egal Benni, ich schätze 50 bis 80 Euro müssen wir wohl anlegen, aber ohne Wecker geht es nicht. Ich bin froh, dass das nicht in der Woche passiert ist!“ gebe ich zu Bedenken.

Der Kaffee ist ausgeschlürft und schon sitzen wir auf unseren Fahrrädern in Richtung Wochenmarkt. Der Wind hat fast ganz nachgelassen und es scheint sogar die Sonne. Dennoch ist es schneidend kalt im Gesicht. Mir laufen vom Fahrtwind sogar ein paar Tränen aus den Augen. Bei all der Eile habe ich meine Fahrradbrille vergessen.

Nach vier Kilometern sind wir da und schließen unsere Räder ab.

Nun kehrt wieder Ruhe in unsere Gemüter. Wir sind rechtzeitig da und brauchen nun nicht mehr zu hasten.

Gemütlich streifen wir von Stand zu Stand und beäugen die ausgelegten Waren. Das ist was ganz anderes, als das welke Gemüse aus dem Supermarkt.

Ja und dann der Fisch. Ja, der ist richtig frisch und riecht nicht. Ah, ich freue mich schon jetzt auf das Essen.

Ruckzuck haben wir alles beisammen, was wir für das Wochenende brauchen. Kaum 45 Minuten sind vergangen und wir stehen wieder bei unseren Rädern.

Nun also weiter zum Kaufhaus. Es waren noch mal so ca. drei Kilometer als wir unsere Räder vor dem großen Haus parken.

„Du Benni, ich bleibe mit unserem Einkauf bei den Rädern. Es wäre nicht gut, wenn der Fisch im Kaufhaus warm wird. Außerdem hast du von technischen Dingen eh mehr Ahnung. Und denke dran, kaufe gleich zwei, dann haben wir auf jedem Nachtisch einen Wecker. Einverstanden?“

„Ja, aber dann musst Du mir etwas Geld geben. Ich habe nur noch 30 Euro in der Tasche.“

„Pass auf, hier ist meine Geldkarte. Bezahle damit, okay?“

„Okay, dann mal bis gleich!“

Ein wenig Wind pfeift immer noch um die Hausecke und ich bekomme langsam kalte Finger.

Dennoch spüre ich im Gesicht die langsam anwachsende Energie die von der Sonne auf die Nordhalbkugel unseres Planeten entsendet wird.

Ich ziehe mir gerade meine Handschuhe an, als auch Benjamin wieder in mein Blickfeld gelangt.

Und, dreimal dürft ihr raten. Er ist natürlich schon wieder am mümmeln.

Bei mir angekommen schiebt er sich gerade das letzte Stück einer Currywurst in den Mund und stöhnt genüsslich.

Zu gern würde ich jetzt die Currysoße an ihm probieren, aber in der Öffentlichkeit halten wir uns doch ganz gern zurück.

Man muss ja nicht gerade provozieren, oder?

„Na, wie viel kann ich von meinem Konto abschreiben?“

„Ich glaube ich war sparsam. Zweimal 44,50 Euronen. Es gab da zwar auch ein Teil für 38, aber das wäre dann ein Radio gewesen, wo man zur Sendereinstellung noch kurbeln muss und auch so machte es keinen verlässlichen Eindruck.

Warte ab bis wir daheim sind. Da erkläre ich Dir dann alles. Ist jedenfalls super einfach zu bedienen und selbst ein Stromausfall kann uns nun nichts mehr anhaben.“

Also aufgestiegen und die Fahrräder zurück nach Hause gelenkt.

Zum Glück geht es jetzt ganz leicht bergab (soweit man hier von hügelig überhaupt reden kann).

Punkt ein Uhr schiebe ich den Rotbarsch auf seinem Gemüsebett in den Backofen.

„Benni, in einer halben Stunde können wir essen. Deckst Du bitte schon mal den Tisch!“

„Zu spät, ist längst schon erledigt. Können wir den Rest Rotwein dazu trinken?“

„Ne Benni, der ist zum Essen zu schade und auch viel zu kräftig. Im Kühlschrank liegt eine Flasche Weißwein. Das ist ein trockener und ganz leicht. Der ist zum Fisch ideal. Nimm bitte den.

Aber Du kannst uns einen kleinen Sherry einschenken.“

„Schon wieder zu spät… hihi“

Benjamin kommt mit den besagten kleinen Gläsern in die Küche. „Was gibt es denn zum Fisch dazu?“

„Selbst gemachtes Kartoffelpüree und Feldsalat mit deinem Lieblingsdressing!“

„Wow, ist heute Feiertag?“

Wir nehmen ein Schlückchen vom Sherry. Hmm lecker.

„So, Benni, nun zeig mir mal die Wunderwerke der Weckkunst.“

Benjamin führt mich ins Schlafzimmer. Er hat sogar die Betten gemacht und die Wecker auch schon aufgestellt und angeschlossen.

„Also, so wie du vorgeschlagen hast, holen sich die Teile die Uhrzeit über Funk. Man kann zwei unterschiedliche Weckzeiten einstellen.

Du kannst dich durch einen Summton oder vom Radio wecken lassen.

Auch zum Einschlafen kann man Musik hören und nach vorgewählter Zeit geht das Radio dann aus.

Außerdem ist da auch eine Batterie drin, die das Gerät versorgt falls mal der Strom ausfällt.

Na, zufrieden mit meinem Einkauf?“

Ich setze mich auf meine Bettkante und betrachte den Wecker ein wenig genauer. Es ist sogar ein Markengerät eines bekannten Herstellers. Ja und die wenigen Tasten sind wirklich selbsterklärend. Das nenne ich benutzerfreundlich.

„Benni, das hast Du wirklich sehr gut gemacht. Ich bin stolz auf dich. Welchen Sender hast Du denn eingestellt?“

„Na Radio Schleswig-Holstein natürlich. Den magst Du doch auch am liebsten, oder?“

„Ja genau – super. Man könnte sich schon fast darauf freuen mal wieder geweckt zu werden.“

„Och, schade, das heute Morgen gefiel mir nämlich auch ganz gut…“

Zum Glück rappelt in der Küche der Kurzzeitwecker und deutet an, dass der Fisch fertig ist.

Es ist schon später Nachmittag als wir mal wieder am Kanal spazieren gehen. In der Nähe der Lotsenstation ist eine Gasstätte, wo wir uns bei einem Kaffee etwas aufwärmen.

Es ist ganz schön kalt geworden. Durch den leichten Wind fühlt es sich auf der Haut wie Minusgrade an.

„Du Mario, was hältst Du davon, wenn wir dem fiesen Wetter ein Schnippchen schlagen und morgen mal in das neue Spaßbad fahren?“

„Ehrlich gesagt, nicht viel. Also Lust hätte ich schon, aber die unvorhergesehenen Ausgaben für die Weckradios und der geplante Urlaub. Ne Du, ich finde wir sollten das Geld lieber für den Urlaub sparen, damit wir uns wenigstens da dann mal etwas leisten können.“

Benjamin verzieht kurz den Mund, sagt aber nichts. Dann rückt er etwas näher und ergreift unterm Tisch meine Hand und drückt sie.

Vermutlich heißt das soviel wie: hast ja Recht.

Ein paar Tische weiter sitzt ein Ehepaar mit einem Kind, äh oder besser einem Jugendlichen.

Der Junge beobachtet uns nun schon eine ganze Weile. Jedes mal, wenn ich aufsehe, schaut er ganz schnell weg. Den kriege ich, denke ich mir. Ich erzähle Benjamin von meiner Entdeckung und er will auch mitmachen.

Jetzt starren wir beide den Jungen an.

Es dauert nur wenige Minuten und er merkt es und wird voll nervös.

Irgendwann kann er nicht mehr und lacht uns aufrichtig an.

Er sagt etwas zu seinen Eltern, steht auf und kommt zu uns rüber.

„Darf ich?“ dabei deutet er auf einen freien Stuhl.

„Klar, setz Dich und entschuldige, wir wollten dich nicht ärgern.“

„Wieso, ist doch eigentlich ganz lustig. Aber darf ich mal was fragen?“

„Natürlich, wir beißen nicht. Jedenfalls nicht jeden…“ lacht Benjamin.

„Ja, also, die Tischdecke reicht nicht sehr weit runter und ich habe gesehen, wie Ihr euch die Hände haltet. Seid ihr…, also ich meine“

„Schwul? Sag es ruhig, das ist doch nichts schlimmes.“ unterbreche ich ihn.

„Ja, das meinte ich. Also seid ihr?“

„Ja, von Kopf bis Fuß und alle beide und wir sind super glücklich dabei!“ Es klang ein ganze Portion Stolz mit, als Benjamin das herausbrachte.

„Entschuldigt, dass ich das gefragt habe. Aber ich habe noch nie Schwule kennen gelernt und außerdem habe ich sie mir immer ganz anders vorgestellt. Also – ja ich weiß auch nicht“

„Mach Dir nichts daraus. Jetzt kennst Du gleich zwei und siehe da, es sind ganz normale Menschen.“ erwidert Benjamin.

„Wenn Du uns näher kennen lernen willst, kannst Du uns ja einfach mal besuchen, aber bitte nur am Wochenende. Eiderweg 17. Und da bei Voigt / Spataro klingeln.

„Schade, daraus wird wohl nichts, wir sind hier nur auf Besuch bei Verwandten. Morgen geht es wieder nach Hause. Echt Schade. Ist trotzdem nett von euch – danke. So, ich muss wieder rüber zu meinen Eltern, die stellen sonst bloß blöde Fragen. Tschüß!“ sprachs und entschwand.

Auf dem Heimweg überlegen Benjamin und ich, was wir alles so für den Urlaub brauchen bzw. mitnehmen wollen, sollen, müssen.

Auf jeden Fall müssen wir mal die Skianzüge anprobieren, ob die noch passen. Ich bin mir zwar sicher, seit dem 16. Lebensjahr nicht mehr gewachsen zu sein, aber die Schultern sind vielleicht ein ganz klein bisschen breiter geworden.

Ganz allmählich setzt die Dämmerung ein. Schon vor ein paar Minuten versank die Sonne am Horizont. Ich bin mir nicht sicher, ob es nur Einbildung ist, aber irgendwie wird mir mit einem mal kalt. Benjamin drückt sich nun auch näher an mich heran. Vielleicht empfindet er genauso.

Den Abend lassen wir gemütlich angehen. Nachdem Benjamin über den Inhalt des Kühlschrankes hergefallen ist, habe ich es mir auf dem Sofa bequem gemacht und ein Buch vorgeholt, in dem ich nun schon fast vier Wochen lese. Doch meist werde ich abgelenkt und komme dann nicht richtig voran. Schon einige male habe ich eine Seite gelesen, ohne zu wissen was da eigentlich steht. Kennt ihr das?

So geht es mir immer wenn Benjamin gleichzeitig den Fernseher an hat.

Doch oh Wunder, auch Benjamin hat sich ein Buch geschnappt und kommt zu mir gekuschelt.

Manchmal lerne ich immer noch wieder etwas Neues an ihm kennen.

Ich muss wohl etwas eingenickt sein. Richtig wach werde ich als Benjamin aufsteht und ins Bad geht. Mühselig rappele ich mich auf und gehe mich im Schlafzimmer umziehen. Mein linker Arm ist ganz taub. Da hatte wohl Benjamin drauf gelegen. So, nun bin ich dran mit Zähneputzen. Hoffentlich wärmt Benjamin schon mal das Bett vor…

Es ist ein herrlicher Tag – strahlender Sonnenschein.

Noch.

Gegen Abend soll von Westen wieder Regen aufkommen.

Benjamin war vorhin im Keller und hat den Karton mit unserer Wintersportausrüstung rausgesucht.

Kaum zu glauben, aber wir haben Glück. Alles ist wohlbehalten und passt noch hervorragend.

Ehrlich gesagt wäre ich auch nicht gerade glücklich gewesen, wenn wir schon wieder was hätten neu kaufen müssen.

Den Tag verbringen wir in aller Ruhe. Nachdem wir ein paar Uhren nun auch noch per Hand auf Sommerzeit umgestellt haben sind so ziemlich alle Pflichten erledigt.

Ich komme endlich in meinem Buch einige Kapitel weiter und Benjamin surft im Internet um etwas mehr von unserem Wintersportort zu erfahren.

So klingt ein schönes Wochenende aus mit viel Vorfreude auf einen lang ersehnten Winterurlaub in den Alpen.

Die letzte Arbeitwoche vergeht wie im Fluge und jeden Tag steigert sich die Vorfreude auf den Schnee und das Snowboarden. Benjamin hat viel erzählt, was er im Internet über den Ort gefunden hat, nur über unsere Pension hat er gar nichts gefunden. Wird wohl ein ziemlich kleines Anwesen sein. Egal, dafür ist sie günstig und wir brauchen sie ja nur zum Schlafen.

Endlich ist es soweit. Wieder ist Wochenende und wir beginnen unsere sieben Sachen zu packen. Schon vor Jahren habe ich mir mal einen Packzettel erstellt, wo alles draufsteht, was man so beim Kofferpacken leicht vergessen könnte.

Sorgfältig legen wir die Sachen auf dem großen Bett zurecht bis alles vollzählig ist. Dann geht es los mit ordentlich zusammenlegen und verstauen.

Anfänglich dachte ich, dass meine Sachen niemals in einen Koffer und einen Rucksack passen werden. Doch zum Schluss ist sogar im Rucksack noch reichlich Platz für den Reiseproviant. Abschließend schnalle ich das Snowboard auf den Rucksack und fertig.

Man, ich bin ganz schön aufgeregt. Es wird unser erster gemeinsamer Urlaub ohne ein Elternteil. Oh, ja richtig, Eltern, ich soll ja ab und an mal anrufen. Da sollte ich vielleicht noch das Ladegerät vom Handy einpacken. Nun hätte ich trotz aller Sorgfalt beinahe doch was vergessen.

„Benni, wo hast du die Fahrkarten?“

„In meinem Rucksack, rechte Außentasche, der rote Umschlag. Da sind auch unsere Reisepässe und Impfausweise!“

„Reisepässe, Impfausweise? He wir fahren nach Austria und nicht Australia!?!“

„Mario, okay, Reisepässe wären vielleicht nicht nötig, aber Impfausweis kann nie schaden, oder?“

Na ja, viel Platz nehmen die Sachen nicht weg und schaden kann es auch nicht.

Es wird Abend und ich bin immer noch ganz aufgeregt.

Benjamin zaubert aus den letzten Resten, die im Kühlschrank noch zu finden sind eine kleine kalte Platte und hat Tee dazu gemacht.

So hocken wir vor der Flimmerkiste und lassen uns von einem Freitagabendkrimi berieseln.

Also ich bekomme kaum etwas mit. In Gedanken träume ich wie sich mein Schatz und ich im Schnee austoben.

Nur äußerst widerwillig erkenne ich die flotte Musik als das Wecksignal an. Von links spüre ich wie Benjamin sich über mich beugt und mir ganz sanft einen Kuss aufhaucht.

„Guten Morgen mein Traumprinz. Komm langsam hoch ich bin schon fertig und das Bad ist frei.“

„Oh du Traumkiller, ich war mit dir gerade auf einer Superpiste…“

„Und was bin ich, wenn ich sage: der Kaffee ist fertig?“

Das ist gemein. Er weiß genau, dass er mich damit immer aus dem Bett kriegt.

Also gut. Mit etwas Schwung hüpfe ich aus dem Bett und Benjamin beginnt sogleich mit dem Lüften.

Eine viertel Stunde später sitzen wir gemütlich in der Essdiele und schlürfen unseren letzten Kaffee daheim für die nächsten 2 Wochen.

Dann wird es auch langsam Zeit. Warm angezogen nehmen wir unser Gepäck auf und stiefeln zur Bushaltestelle. Sie ist zum Glück nur 50 Meter von unserer Haustür entfernt.

Es ist ein Überlandbus und hat prompt 10 Minuten Verspätung, aber das macht nichts. Wir haben von vornherein genügend Sicherheitspolster in unserem Zeitplan vorgesehen.

Nach 20 Minuten sind wir am Bahnhof.

Ich liebe es hier zu stehen und anderen Reisenden bei ihrem hektischen Treiben zuzusehen.

Zugegeben, gestern war ich auch ziemlich nervös, aber jetzt bin ich die Ruhe in Person. Selbst Benjamin ist für seine Verhältnisse sehr ruhig und ausgeglichen.

Benjamin hat in einem Aushang eine Deutschlandkarte entdeckt, in der alle Schienenwege der Bahn eingezeichnet sind. Er lotst mich dorthin und erklärt mir den Reiseverlauf.

Also jetzt zunächst mit dem IC nach Hamburg. Umsteigen in einen ICE über Hannover, Würzburg, Augsburg, München. Wieder umsteigen und dann über Innsbruck und schon sind wir fast da.

So um 20 Uhr sollten wir angekommen sein, wenn alles klappt.

Kling gut.

In zehn Minuten soll unser Zug kommen, also wird es Zeit mal hoch auf den Bahnsteig zu gehen.

Anhand des Wagenstandanzeigers können wir uns schon mal ein wenig orientieren wo in etwa der Wagen mit unseren Sitzplätzen zum Stehen kommt. Benjamin macht natürlich wieder ein Spiel daraus, wer von uns beiden wohl näher an der Einstiegstür stehen wird.

Nur wenige Minuten später kommt der erwartete Zug mit leichtem quietschen zum Stehen.

Ja wer hat jetzt gewonnen, wir stehen beide vor einem Einstieg, aber Benjamin vor dem des Waggons, in dem unsere Plätze reserviert sind. Okay ich gebe mich geschlagen. Man soll den jüngeren ja auch mal das Glück gönnen (grins).

Benjamin geht voran und hat auch rasch unser Abteil gefunden. Es sind nur unsere beiden Fensterplätze reserviert. Probleme haben wir allerdings mit den Rucksäcken, bzw. mit den aufgeschnallten Boards.

Die passen nicht oben ins Gepäckregal. Da sonst keiner im Abteil ist und der Zug sowieso recht leer erschien, entschließen wir uns die Rucksäcke einfach auf die freien Sitze zu stellen.

Benjamin macht sich auf dem Fensterplatz mit Blick in Fahrtrichtung breit. Ich habe eigentlich keine rechte Lust mich ihm gegenüber zu setzen. Natürlich wäre es toll ihn die ganze Zeit ansehen zu können, aber ich fürchte wir würden mit den Beinen ins Gedränge kommen.

Also setze ich mich neben Benjamin. Im ersten Moment schaut er zwar etwas verdattert, beginnt aber zu grinsen als ich die Armlehne zwischen uns hochklappe.

„Kuscheltime?“ kommt es nur ganz knapp von ihm.

„Genau…“ gesagt getan und noch bevor der Zug anrollt habe ich schon eine bequeme Stelle an seiner Schulter gefunden.

Kurz vor Hamburg werde ich wieder munter. Ich habe tatsächlich fast eine Stunde tief und fest geschlafen.

„Na Benni, wie weit ist es noch?“

„Schätze fünf Minuten. Hast Du gut geschlafen?“

„Hmmm, fantastisch. War eigentlich gar keine Fahrkartenkontrolle?“

„Doch, doch!“ schmunzelt er.

„Und, hat der nicht doof geguckt?“

„Nö, erstens war es eine Sie und zweitens hat sie gelächelt, als sie Dich sah. Hihi! Sie sagte noch so was wie: ach wie süß…“

„Da hat sie ganz bestimmt nur mich mit gemeint!“ und schon bekomme ich einen leichten Knuff zwischen die Rippen.

Langsam rappeln wir uns auf, ziehen die dicken Jacken wieder an und begeben uns mit all unserem Gepäck zum Ausgang. Keine Minute zu früh, denn der Zug fährt gerade in Hamburg Hbf ein.

Benjamin steigt zuerst aus und nimmt auf dem Bahnsteig unser Gepäck entgegen.

„Was meinst Du? Ich schlage vor, wir suchen zuerst den Bahnsteig von dem es weitergeht und dann hole ich uns ein paar Burger und was zu trinken als Proviant?“

„Klingt gut!“ vernehme ich von Benjamin.

„Also dann mal los, Herr Reiseführer.“

Wir brauchen nicht lange zu suchen und haben den Bahnsteig für die Weiterfahrt gefunden. Ist alles sehr übersichtlich hier. Ja, man muss die Bahn auch mal loben.

Laut Anzeigetafel soll der Zug sogar schon jeden Moment kommen, hat dann aber eine halbe Stunde Aufenthalt. Also warte ich noch mit dem Einkauf um Benjamin beim Gepäck zu helfen, wenn der Zug kommt.

Da kommt auch schon der übliche Aufruf, an der Bahnsteigkante Vorsicht walten zu lassen, da der Zug einfährt.

Wieder haben wir uns an der richtigen Stelle postiert und stehen direkt vor unserem Waggon. Diesmal ist es ein Großraumwagen und wir haben wieder Fensterplätze reserviert, direkt in der Mitte des Waggons wo man sich gegenübersitzen kann und sogar einen Tisch hat.

Die anderen zwei Plätze sind schon belegt. Die beiden Jungs sehen aus, als wenn sie Studenten wären.

Jedenfalls sind sie sehr nett und helfen uns mit dem Gepäck, ja sie räumen ihr eigenes sogar etwas zur Seite damit wir die Boards ordentlich verstauen können.

Ich verabschiede mich kurz von Benjamin und mache mich eilig auf dem Weg zum Burgershop.

Ich habe Glück und es nicht viel los. Für jeden drei Burger gekauft und dann zügig weiter um zwei große Orangenlimo zu ergattern.

Auch das verläuft ohne Probleme.

Zurück im Zug finde ich Benjamin schon fest in Unterhaltung mit unseren neuen Reisegefährten.

„Möchtest Du jetzt schon was essen?“ frage ich Benjamin kurz.

„Nö, die Dinger schmecken mir auch kalt.“

Das ist ja was ganz Neues. Benjamin hat keinen Hunger.

Erinnert mich mal daran. Diesen Tag muss ich im Kalender ganz dick und rot anstreichen!

„Also nach Österreich wollt ihr? Dem Gepäck nach zu urteilen macht ihr da also Badeurlaub?“ setzt der Junge neben Benjamin das Gespräch fort.

Benjamin hat diesmal übrigens mir den Platz mit Blick in Fahrtrichtung überlassen.

„Ja fast richtig. Wir wollen Wellenreiten und um diese Jahreszeit ist die Brandung auf´m Gletscher besonders gut!“

Mit dieser Schlagfertigkeit von Benjamin hat der arme Kerl wohl nicht gerechnet, jedenfalls bricht am ganzen Tisch Gelächter aus.

Als der Zug endlich in Bewegung kommt, sind wir schon ein paar Runden weiter.

Der Junge neben mir heißt Rafael und ist 22 Jahre alt. Ihm gegenüber, also neben Benjamin sitzt Johannes. Er wird in 6 Wochen 22. Beide studieren in München Germanistik, wofür das auch immer gut sein soll.

Sie kommen gerade von Sylt, wo wohl die Eltern von Johannes ein Ferienhaus haben. Die müssen also ganz gut Kohle haben.

Na ja, jedem das seine.

Wir sind auch zufrieden mit dem was wir haben. Und so schlecht geht es uns nun wirklich nicht.

Noch verhältnismäßig langsam schlängelt sich der ICE durch den Hamburger Hafen. Einen Moment gilt sowohl meine als auch Benjamins Aufmerksamkeit also der Aussicht. Doch unsere Hoffnung ein paar große Schiffe zu sehen ist schnell zerschlagen. Nur ein Forschungsschiff, direkt an den Elbbrücken bekommen wir zu sehen. Das war es dann auch schon.

Rafael hat in der Zwischenzeit eine Schachtel mit Spielkarten hervorgeholt. Solche habe ich noch nie gesehen. UNO steht auf der Schachtel sowie auf den Rückseiten der Karten.

„Was ist? Habt ihr Lust auf ein wenig Zeitvertreib?“

Eigentlich wollte ich ja ein wenig in meinem Buch weiter lesen. Da bin ich gerade an einer sehr spannenden Stelle. Doch was soll’s. Im Urlaub werde ich bestimmt noch genug Gelegenheit zum Lesen haben.

„Ich kenne das Spiel nicht. Kannst Du mir das erklären?“ erwidere ich mutig.

„Du das ist ganz einfach. Kennst du Mau-Mau?“ fragt Rafael.

„Klar, das habe ich schon als Kind gern gespielt!“

„Na siehst du, und das hier ist fast das gleiche. Also pass mal auf…“

Im wahrsten Sinne des Wortes vergeht die Zeit wie im Zuge (oder heißt es im Fluge?).

Jedenfalls haben wir sehr viel Spaß und unsere Burger schon gänzlich vergessen. Nur meine Limo habe ich schon fast ausgetrunken. Liegt wohl an der trockenen Luft von der Klimaanlage.

Irgendwann gegen Mittag machen wir eine Pause und die beiden Mitfahrer wollen ins Bistro und sich ein Bierchen gönnen.

Benjamin und ich nutzen die Gelegenheit und wir verputzen unsere Burger. Benjamin hat Recht. Kalt schmecken die auch gar nicht so schlecht. Nur wird mir langsam der Mund etwas trocken, denn Limo habe ich keine mehr.

Ich sage Benjamin bescheid, dass ich mir aus dem Bistro was zu trinken holen will. Doch da reicht er mir seine Flasche.

„Komm, kriegst von mir was ab. Dann kannst Du bestimmt bis München durchhalten.“

Oh man, ich könnte ihn knuddeln. Das ist eben auch Benjamin. Er teilt gern mit anderen und mit mir ganz besonders.

„Danke mein Schatz!“

Den letzten Satz hat Johannes gehört. Ich habe nicht gesehen, dass sie zurückkommen, weil sie aus dem hinteren Zugteil kommen.

Wortlos setzen sie sich wieder hin.

Nach einer Weile spricht Johannes ganz leise „Äh, ich habe da eben was aufgeschnappt. Also nicht das ich gelauscht habe, aber ich habe es halt gehört. Seit ihr zwei Freunde, äh, also ich meine ein Paar?“

„Ja. Richtig erkannt. Und? Ist das ein Problem für Dich?“ fragt Benjamin vorsichtig.

„Nö, überhaupt nicht. Für mich zählt nur der Charakter und ihr zwei seid sehr nett und gut drauf. War vielleicht dumm, dass ich überhaupt gefragt habe.“

„Macht ja nichts, solange es Dich nicht stört. Okay?“ Wie es scheint schloss Benjamin damit das Thema ab.

Ich glaube Johannes tut es echt leid, dass er uns das gefragt hat. Eigentlich könnte ich ja auch was dazu sagen, aber das Thema scheint beendet und dabei will ich es dann auch belassen.

Was geht andere unser Sexualleben an?

Ich muss mal wieder eingenickt sein. Jedenfalls registriert mein Bewusstsein das Quietschen der Bremsen eines anderen Zuges. Wir stehen in Augsburg im Bahnhof und die Ansagesprecherin verliest gerade die Anschlusszüge für den gerade eingefahrenen Zug am selben Bahnsteig.

„Na Mario, ausgeschlafen?“ vernehme ich von Rafael.

„Abgebrochen, nur abgebrochen.“ lache ich.

„In Ordnung, wenn du dann weiterschlafen willst lege den Kopf aber bitte auf die andere Seite. Meine Schulter ist ganz lahm geworden.“

Langsam steigt mir eine gewisse Röte ins Gesicht und Benjamin kichert was das Zeug hält.

„Tschuldigung, das habe ich nicht gemerkt. Warum hast Du mich nicht geweckt, oder Du Benni?“

„Wie sagte im letzten Zug die Schaffnerin? Och wie süß…“

„Benjamin Voigt. Das schreit nach Genugtuung!“

„Oooh, ich zittere vor Angst.“

Und wieder bricht allgemeines Gelächter am Tisch aus. Diesmal auf meine Kosten.

Na ja, sollen sie ihren Spaß haben.

„Wie geht es denn für Euch ab München weiter?“ fragt Johannes.

„So etwa 40 Minuten nach Ankunft geht ein EC in Richtung Innsbruck.“ antwortet Benjamin.

„Oh je, das ist vermutlich am anderen Ende vom Bahnhof. Aber ihr habt doppelt Glück. Erstens endet dieser Zug in München. Ihr könnt euch also mit eurem sperrigen Gepäck Zeit lassen und müsst nicht durch das dichte Gewusel und zweitens stehen in München auf dem Bahnsteig Gepäckwagen. Also ihr braucht nichts zu schleppen.“

„Oh das klingt echt gut!“ freue ich mich.

„Benni, du hattest doch da eben das Faltblatt mit dem Fahrplan. Wie lange ist es noch?“

„Also bis München, Moment. Ja, also wenn wir im Fahrplan pünktlich sind, dann sind es jetzt noch 20 Minuten. Aber ich habe vorhin in Augsburg nicht auf die Abfahrtszeit geachtet, weil es hier im Zug gerade was zu Lachen gab…“

„Blödmann!“

„Angenehm, Voigt.“

Das war er wieder. Mein Benjamin. Ach, ich liebe ihn.

In München gibt es nur einen kurzen Abschied von unseren Reisegefährten. Die beiden haben es wohl eilig nach Hause zu kommen. Eigentlich schade, denn die waren wirklich sehr nett.

Aber was soll’s. Jetzt müssen wir uns auch um unsere Sachen und die Weiterfahrt kümmern.

Als der große Andrang an den Ausgängen nachlässt sammeln auch wir unser Gepäck, ziehen uns wieder warm an und auf geht es.

Puh, ist das warm hier. Die haben hier wohl gerade Fön. Das sind bestimmt 15 Grad.

Benjamin hat einen Gepäckwagen gefunden und macht sich damit auf den Weg zu mir.

Ja, so geht es bedeutend leichter.

Auf dem Weg zum neuen Bahnsteig, der tatsächlich am anderen Ende gelegen ist, passieren wir diverse Imbissbuden und entschließen uns noch mal zwei Flaschen Limo zu erstehen.

Zu Essen holen wir nichts mehr, weil wir uns für heute Abend noch ein gutes Restaurant suchen wollen.

Gemütlich zotteln wir weiter zum designierten Bahnsteig und siehe da, der Zug für uns ist schon bereitgestellt.

Das ist ja praktisch, zumal wir für diesen Zug keine Sitzplatzreservierung haben.

Wir brauchen nicht lange zu suchen, da die Leute von der Pension in einer E-Mail geschrieben hatten, dass es günstig sei, wenn wir möglichst weit hinten einsteigen, weil der Ausgang bei denen am Bahnhof sich in Höhe des hinteren Zugteils befinden würde.

Das Verstauen der Rucksäcke mit den Boards gestaltet sich wieder als Problem. In der Hoffnung, dass der Zug nicht so voll wird, stellen wir die Rucksäcke also wieder auf die uns gegenüber liegenden Sitzplätze.

Benjamin erklärt mir nun noch einmal den Reiseverlauf, wenn wir erst einmal durch Innsbruck durch sind. Leider hat er keinen Ausdruck von der Strecke. Er erzählt, dass es nach Innsbruck die nächste Haltestelle sein soll. So jedenfalls haben es unsere Gastgeber in der Mail beschrieben.

Wie wir da so fachsimpeln, setzt sich der Zug knarrend und ächzend in Bewegung.

Man, München ist auch ganz schön groß. Es dauert eine ganze Zeit bis wir die dichte Besiedelung gegen schönere Landschaft eingetauscht haben.

So etwa eine halbe Stunde später bekommen wir ein wunderschönes Naturschauspiel geboten.

Im Zuge des Sonnenunterganges ist schon rund um uns rum Dämmerung angesagt. Aber die schneebedeckten Gipfel der schon erkennbaren Berge leuchten feurig in orange/rot.

So etwas hat auch Benjamin noch nie gesehen, obwohl auch er schon öfter im Winterurlaub war.

Also so eine tolle Fernsicht hat man wohl nur bei Fön.

Nun ist es ganz dunkel und ich krame endlich mein Buch aus dem Rucksack. Benjamin holt sich seinen MP3-Player raus und setzt sich die Ohrstöpsel ein. Zum Glück ist er kein Freund von lauter Mucke und somit stört er mich nicht.

Irgendwann halten wir in Rosenheim, aber das registriere ich nur beiläufig.

Ebenso geht es mit den nächsten drei Bahnhöfen.

Dann ist es soweit und wir halten in Innsbruck.

Ich mache Benjamin darauf aufmerksam, da er die Augen geschlossen und sich ganz in die Musik vertieft hat.

„Okay!“ sagt er und verstaut seinen Player wieder in seinem Rucksack.

„Komm lass uns packen. Keine Ahnung wie weit es bis zur nächsten Station ist.“

Nebenbei beobachten wir weiter hinten im Waggon wie es andere Reisende mit ebenfalls schwerem Gepäck es uns gleich tun. Vielleicht machen sie es aber auch nur uns nach und verlassen sich auf uns – hihi. Irgendwie lustig.

Die Fahrt dauert dann doch fast 20 Minuten, aber der Zug fährt auch nicht gerade schnell.

Endlich die Fahrt verlangsamt sich. Noch ein letzter schriller Pfiff von der Lok und wir fahren in einen kleinen unscheinbaren Bahnhof ein.

Wir sind da. Na ja, fast. Mittlerweile mit Routine steigt Benjamin wieder zuerst aus und ich reiche ihm alle Gepäckstücke auf den schneebedeckten Bahnsteig.

Die anderen Fahrgäste weiter hinter versuchen es lieber mit Hektik und Gedränge.

So, wo ist denn nun hier der Ausgang?

Wir warten bis der Zug den Bahnhof verlassen hat und siehe da, nun sehen wir auch den Hotelbus einer großen bekannten Hotelkette der auch uns mitnehmen soll.

„Kommens hier ’rüber, Herrschaften“ werden wir begrüßt.

Jetzt erkenne ich auch die Stufen, die hinunter auf die Gleise führen und somit den Ausgang präsentieren.

Der Fahrer des Busses ist sehr höflich und hilfsbereit. Zuerst verstaut er das Gepäck der anderen Urlauber und erst ganz zum Schluss unseres, nachdem er sich versichert hat, das wir beide die Gäste der Pension Rosenbach sind. Beim Einsteigen bittet er uns möglichst weit vorn zu sitzen, da er uns zuerst abliefern wird.

Während der Fahrt, die wirklich sehr langsam von statten geht, erzählt uns der Fahrer, dass wir wirklich Glück hätten. Es hat in den letzten 4 Tagen fast einen Meter Neuschnee gegeben und die Pisten seien jetzt in einem optimalen Zustand.

Eine dreiviertel Stunde später erreichen wir unseren Urlaubsort. Nicht allzu weit vom Ortseingang entfernt biegt er recht ab und fährt eine recht schmale Zufahrt zu unserer Pension hinauf.

Vor uns tut sich ein schönes Fachwerkhaus auf und es stehen auch schon zwei ältere Leutchen im Eingangsbereich.

„Herzlich willkommen auf dem Stubaier“

Nach dieser kurzen aber sehr herzlichen Begrüßung wird ein junger Bursche angewiesen unser Gepäck auf unser Zimmer zu bringen.

Ah, endlich sind wir da.

„Möchten´s noch etwas essen? Eigentlich ist unsere Küche nämlich schon zu.“ werden wir ganz höflich gefragt.

„Nein, vielen Dank. Wir werden uns jetzt nur ein wenig frisch machen und uns dann im Dorf noch ein wenig die Beine vertreten. Wir haben jetzt fast zwölf Stunden nur gesessen, da brauchen wir noch ein wenig Bewegung und vor allem frische Luft.“

„Ja gehen s’ nur. Frische Luft gibt’s hier genug. Hier haben sie einen Haustürschlüssel, warten s’, ich mache den mit an ihrem Zimmerschlüssel fest.“

Man, die denken ja an alles.

Also, ich glaube hier wird es uns gefallen.

Die nächste angenehme Überraschung ist das Zimmer. Es ist schön groß und urgemütlich eingerichtet und da steht ein Ehebett!

Was jedoch noch mehr überrascht. Wir haben ein eigenes WC und eine eigene Dusche.

Also was will man mehr.

Ich wasche mir schnell mal durchs Gesicht und die Hände.

Ein frischer Sweater und die Jeans gegen eine Thermohose getauscht und ich bin fertig für unsere Nachtwanderung zu einem guten Restaurant.

Ich habe einen richtigen Heißhunger, ich würde sogar Fleisch essen.

Benjamin ist auch schnell fertig. Wir sind uns einig, dass wir erst morgen richtig auspacken wollen.

Zum Glück hatten wir beim Packen so etwas berücksichtig und Waschzeug sowie Schlafanzüge ganz oben auf verstaut.

Wieder draußen an der frischen, aber recht kalten Winterluft lassen wir erst einmal unseren Blick in die Runde schweifen. Vorhin ging ja alles so schnell, da haben wir die Landschaft gar nicht richtig wahrgenommen.

Die schneebedeckten Berge ringsum reflektieren ein wenig die Lichter aus dem Dorf. Darüber ein sternenklarer Himmel.

Also los geht’s. Schon die ersten Schritte vermitteln uns, wo wir sind. Intensiv knirscht der Schnee unter unseren Stiefeln. Wie lange schon hatte ich dieses Knirschen nicht mehr gehört und gespürt.

Und der Schnee ist richtig weiß, also nicht so eine schmuddelige Matsche, nein richtig weißer fester Schnee.

Oh man was freue ich mich schon auf morgen, auf unsere erste Abfahrt.

Benjamin hakt sich ganz vorsichtig bei mir ein und beginnt zu schwelgen:

„Du Mario, ist das nicht wunderschön?“

Wir stiefeln also los. Es dauert nicht lang und wir finden bei einer Bushaltestelle einen Ortsplan mit viel Werbung der örtlichen Gastronomie;

den werden wir in den nächsten Tagen mal genauer studieren müssen. Jetzt gehen wir einfach mal auf gut Glück weiter.

Keine Ahnung, wie lange wir so rumgewandert sind. Jedenfalls stehen wir vor einem Gasthaus, das recht gut besucht zu sein scheint. Ein erster Blick auf die ausgehängte Speisekarte verheißt Gutes und wir kehren ein.

Bei einem Glas heißen Tee haben wir dann auch unsere Wahl getroffen und ich brauche kein Fleisch zu essen.

Während wir warten lassen wir den langen Tag noch einmal Revue passieren. So manches Mal müssen wir echt lachen über das, was wir heute so alles erlebt haben.

Ganz nebenbei scannen wir auch unser Umfeld. Wie es scheint sind die Mehrheit der anwesenden Gäste auch eher der jüngeren Generation zuzuordnen. Also ich schätze mal so zwischen 20 und 30 Jahre. Ich sehe kaum jemanden der älter zu sein scheint.

Meist sind es Grüppchen zwischen zwei und fünf Personen.

Also wenn das hochgerechnet auf alle Touristen hier im Ort zutreffen soll, dann werden wir wohl noch einigen Spaß haben.

Ah, da kommt jetzt auch unsere Bestellung. Hm, sieht echt lecker aus. Und nun entschuldigt bitte, aber ich möchte meine Forelle genießen.

„He Benni, mach sofort das Fenster wieder zu!“ entfährt es mir. Hat der Lausbub doch einfach das Fenster sperrangelweit aufgerissen und das bei eisigem Frost!

„Guten Morgen Tigerchen. Hast Du gut geschlafen?“ so nennt er mich ab und zu, seit ich die blondierten Strähnchen habe.

„Benni, bitte, bitte mach das Fenster wieder zu!“

„Okay, dann komm aber in die Puschen. Frühstück gibt es hier nur bis 10 Uhr.“

Also gut. Frühstück war hier wohl das Zauberwort und der Gedanke an einen frischen heißen Kaffee.

Meine zurück gewonnene Energie sollte tatsächlich belohnt werden. Also die Österreicher verstehen etwas von einem guten Kaffee. Der Rest vom Frühstück fällt zwar etwas einfacher aus, aber es ist in Ordnung. Nur bin ich nicht wirklich ein Freund von all diesen abgepackten Portionsbecherchen. Wenigstens gibt es den Käse frisch aufgeschnitten und sogar ein weich gekochtes Ei (in Deutschland ist das, glaube ich, in der Gastronomie verboten).

Nach dem ausgiebigen Frühstück erhalten wir von der Wirtin unsere Pisten- und Liftpässe und es kann losgehen.

Kaum zehn Minuten brauchten wir um die Koffer und Rucksäcke komplett auszupacken.

Die Boards haben wir wieder auf die Rucksäcke geschnallt und los geht’s zu unserer ersten Runde.

Auf dem Weg in den Ort besprechen wir, wie wir es angehen wollen.

Bei einer kleinen Anhöhe, von der vier Lifts abgehen, finden wir eine Pistenkarte, auf der alle Pisten verzeichnet sind und auf der temporär gesperrte Pisten gekennzeichnet sind. Die einzelnen Pisten haben je nach Schwierigkeitsgrad unterschiedliche farbliche Markierungen.

„Du Benjamin, ich finde wir sollten mit einer ganz leichten anfangen, bis sich der Körper an die Bewegungsabläufe wieder gewöhnt hat. Wir können uns ja dann nach und nach wieder zur alten Form steigern.“

„Das ist sehr vernünftig, junger Mann!“ klingt es von hinten.

Erschrocken drehen wir uns um. Da steht ein Herr mit einem leuchtend roten Anorak. Es ist unschwer zu erkennen, dass der Mann der hiesigen Bergwacht angehört.

„Sie glauben gar nicht, wie viele Touristen sich jedes Jahr überschätzen und, schwups, ist ein Haxen gebrochen.“

„Ja, das kann ich mir sogar lebhaft vorstellen. Welche Piste würden sie uns empfehlen? Wir sind erst gestern angekommen.“

„Also mit dem Snowboard solltet ihr erst einmal die blaue Piste versuchen. Die ist nicht all zu steil aber es sind genügend Unebenheiten darin, so das ihr auch das Hupfen wieder versuchen könnt.“

„Vielen Dank!“

„Also Benni, wollen wir?“

„Ich kann es kaum noch erwarten! Aufi…“

Der richtige Lift ist gefunden und es geht bergauf.

Wow, war das geil. Und das soll eine Anfängerabfahrt gewesen sein. Zweimal bin ich auf dem Hinterteil gelandet. Benjamin ist natürlich sauber durchgekommen und hat auch kaum einen Huggel ausgelassen. Wie es scheint machen sich all seine sportlichen Aktivitäten daheim nun doch bemerkbar. Er ist viel gelenkiger als ich.

Die gleiche Piste sind wir noch zweimal abgefahren.

Jetzt verlangt Benjamin allerdings nach etwas mehr Pep.

Ich bin einverstanden. Wenn ich schön vorsichtig bin, werde ich das nun auch wieder schaffen.

Die neue Abfahrt ist deutlich steiler und offensichtlich auch für Snowboarder vorbehalten. Jedenfalls sehe ich hier niemanden mit Ski.

Benjamin gibt mir eine halbe Minute Vorsprung, da ich ihm sagte, dass ich sehr vorsichtig fahren werde. Nach kurzer Zeit rauscht er wie ein geölter Blitz an mir vorbei. Ein klein wenig beneide ich ihn. Aber ich bin überzeugt in zwei, oder drei Tagen habe ich auch meine alte Form wieder.

Auch diese Piste erleben wir dreimal, bis wir Lust auf etwas Heißes bekommen.

An einer Hütte suchen wir uns einen Platz. Da ist ein Tisch mit zwei Jungs, wo noch was frei ist. Er ist günstig gelegen. Direkt in der Sonne und wir können die Snowboards im Auge behalten.

„Entschuldigung, sind die beiden Plätze noch frei?“

„Ja klar, setzt euch!“ werden wir freundlich aufgefordert. Benjamin macht sich auf um zwei Tee zu bestellen.

„Du Dein Freund ist echt gut auf dem Board, warum geht ihr nicht auf die ganz große Piste? Die hat im ersten Abschnitt jetzt sogar einen Anflug von Tiefschnee.“

„Ja, er ist echt gut, aber wir wollen es langsam angehen. Wir sind gestern erst angekommen und wollen nichts riskieren.“

Benjamin kommt mit den heiß ersehnten Teetassen.

„Du wolltest doch auch mit Zitrone, oder?“

„Ja danke Benni, das tut jetzt bestimmt gut.“

„Und was macht dein Hintern? Tut’s noch weh?“

„Nö, geht schon. Einen blauen Fleck wird es wohl nicht geben.“

„Du Mario, sind das nicht die Jungs, die gestern Abend am Tisch neben uns gesessen haben?“

„Ah, jetzt weiß ich auch woher ihr mir bekannt vorkommt!“ mischt sich einer der Jungs ein.

„Also ich bin Jörg Rosenbach und mein Gegenüber ist Thomas Werner.“

„Ich heiße Mario Spataro und das ist mein Freund Benjamin Voigt. Nett euch kennen zu lernen.

Dem Dialekt nach seid ihr von hier?“

„Ja und nein. Also ich komme von hier, lebe aber mit Thomas in Salzburg in einer WG. Wir studieren da seit einem halben Jahr.“

„Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Klagenfurt.“ ergänzt Thomas.

„Ich denke jetzt bin ich dran. Ich komme gebürtig aus Flensburg und lebe seit zwei Jahren mit Mario zusammen in der Nähe von Rendsburg. Ich bin noch in der Berufsausbildung.“

„Ja und auf mich trifft es fast genauso zu. Nur, dass ich vor kurzem meine Ausbildung abgeschlossen habe“ beende ich die kurze Vorstellungsrunde.

„Du Jörg, gibt es hier im Ort viele Familien, die Rosenbach heißen?“

„Nein, wieso fragst Du?“

„Ach ich dachte nur…

Also die Pension, in der wir wohnen, die heiß auch Rosenbach.“

„Hähä, das ist ja ein Zufall. Die gehört meinen Eltern. Dann kennt ihr ja auch sicher schon meine Schwester Michelle. Die saß doch übrigens gestern auch mit bei uns am Tisch.“ lacht Jörg.

„Äh, nicht das ich wüsste. Da war nur ein Bub, der uns das Gepäck rauf getragen hat. Benni, hast Du da noch jemanden gesehen?“

„Ein Mädchen? Hm, also ehrlich gesagt habe ich da nicht so drauf geachtet.“

„Ah ja, also der Bub ist der Alois und ist mein kleiner Bruder. Wenn keine Schule ist, muss er in der Pension mit anpacken. Und Michelle ist bei meinen Eltern in der Ausbildung zur Hotelfachfrau. Steht aber auch viel in Küche. Sie kocht super gut.“

„Dann wohnt ihr also auch in der Pension?“ will Benjamin wissen.

Ich stehe derweil auf, um noch einmal Tee zu holen. „Soll ich Euch auch was mitbringen?“

„Ja bitte das gleiche was ihr da trinkt!“ kommt es von Thomas spontan.

„Also, was meinst Du?“ bekomme ich gerade noch mit als ich die Teegläser abstelle.

„Das muss ich erst mit Mario besprechen, aber es klingt irgendwie schon verlockend.“

„Na, was habt ihr da hinter meinem Rücken gegen mich ausgeheckt?“ will ich sofort neugierig wissen.

Jörg ergreift wieder das Wort.

„Also ausgeheckt ist wohl nicht ganz zutreffend. Meine Eltern habe ein Stück den Hang weiter hoch eine Ski-/Jagdhütte, die sie ab und zu auch mal vermieten. Meistens jedoch nur im Sommer, weil vielen im Winter der Weg zu beschwerlich ist und der Umstand, dass man selber heizen muss ist auch so manchem lästig. Zurzeit bewohnen Thomas und ich die Hütte.

Platz ist da für sechs Erwachsene und man könnte dann noch für vier Kinder zusätzlich Betten aufstellen. Es gibt einen riesigen Wohnraum, eine kleine Küche, vier Schlafzimmer, also zwei Doppel- und zwei Einzelzimmer sowie zwei Nasszellen mit WC und Dusche. Die im Obergeschoss hat sogar auch eine Badewanne.

Für uns beide ist das natürlich viel zu groß und wir verlaufen uns fast darin.

Wir haben Benjamin eben angeboten, dass ihr zu uns in die Hütte umziehen könntet, wenn ihr Lust habt. Das finanzielle regele ich dann schon mit meinem Vater. Habt ihr bei uns Halbpension?“

„Nein, nur Übernachtung mit Frühstück. Also was mich betrifft klingt das auch recht reizvoll. Können wir uns das vorher mal ansehen? Denn Bergsteiger sind wir halt nicht.“

„Kein Problem. Wenn wir den Tee ausgetrunken haben können wir ja mal ganz abfahren zurück ins Tal und dann bei uns in der Hütte was zu Mittag machen.

Mögt ihr Spaghetti?“

Benjamin muss laut losprusten und hätte sich fast am Tee verschluckt.

„Du Jörg, Mario ist original italienische Abstammung. Ich glaube kaum, dass ihr ihm beim Thema Pasta irgendetwas vormachen könnt!“

Nun steckt das Gelächter alle an. Wir sind inzwischen eine richtig lustige Runde.

Genau wie wir es uns vorgenommen haben, fahren wir also zurück ins Tal.

Zehn Minuten später stellen wir an der Pension unsere Boards ab und machen uns an den Aufstieg. So schlimm ist es gar nicht, abgesehen davon dass der Weg nicht geräumt ist und somit nur ein Trampelpfad im Schnee entstanden ist. So marschieren wir also hintereinander den schmalen Pfad zur Hütte.

Schon wenige Wegebiegungen später erkennen wir weiter oben das große Holzhaus. Von wegen Hütte. Also das war ja wohl leicht untertrieben. Kein Wunder, das die beiden Jungs sich darin etwas einsam vorkommen.

Insgesamt dauert der Aufstieg etwa eine halbe Stunde.

Vor der Front mit der Haustür gibt es unter einem Dachvorbau eine Art Terrasse.

Auf dieser ist fein säuberlich der Schnee geräumt, so dass es keine Probleme macht uns gegenseitig den Schnee abzuklopfen und die Stiefel grob vom Schnee zu befreien.

Jörg öffnet die Tür und bittet uns in dem vor uns liegendem Windfang die Stiefel und Jacken auszuziehen.

Jörg öffnet nun die zweite Tür und der Blick in den Wohnraum wird frei.

„Wartet einen Moment, ich hole Euch ein paar Filzpantoffeln, oder wollt ihr auf Socken laufen? Aber seid vorsichtig, das Parkett ist sehr glatt.“

„Ich glaube Pantoffeln wären wohl besser.“ erwidert Benjamin und ich nicke sprachlos.

Oh man ist das schön. Alles aus Holz – einfach traumhaft. Schon allein der Anblick strahlt eine wohnliche Wärme aus. Ich bin mir nicht sicher, ob es Einbildung ist, aber ich glaube das Holz sogar riechen zu können.

Jörg reicht uns jedem ein Paar Pantoffeln, und legt den Kopf etwas verlegen auf die Seite als er fragt:

„Ach ja, eines habe ich noch vergessen. Ist einer von Euch Raucher? Hier in der Hütte ist strenges Rauchverbot!“

„Da kann ich Dich beruhigen. Damit haben wir beide nichts am Hut, im Gegenteil. Es ekelt uns sogar ein wenig, wenn wir diesem Qualm ausgesetzt sein müssen.“ beteuere ich.

„Thomas, zeigst du den Beiden mal alles? Ich kümmere mich derweil um das Essen.“

„Kleinen Moment Jörg, ich will nur eben den Kamin anfeuern.“

Kamin? Habe ich richtig gehört? Das muss ich sehen.

Oh Boy, ja tatsächlich. Um die Ecke sehe ich jetzt das Wohnzimmer erst im vollen Ausmaß.

Und da ist mitten drin wie eine Säule die kreisrunde, gemauerte offene Feuerstelle mit einem gewaltigen Rauchabzug. Rund um ist der Boden mit Edelstahlblech abgedeckt. In sicherem Abstand stehen drei Zweiersitzgruppen und zwei einzelne Sessel, dazwischen kleine Beistelltischchen.

Ein Stück weiter am großen Fenster noch einmal ein Dreiersofa mit Couchtisch und zwei weitere Sessel. Am anderen Ende neben der Küchentür ein großer Esstisch mit 8 Stühlen und natürlich wieder ein großes Fenster.

Zwischendrin und bei der Sitzecke am Fenster liegen hier und da diverse Lammfelle am Boden.

Ich bin hin und her gerissen. Benjamin merkt es und packt mich am Arm.

„Das ist schön, nicht wahr?“ stammele ich vor mich hin.

Das Holz fängt an zu knistern und fängt schnell Feuer. Es muss gut getrocknet sein, denn es qualmt fast gar nicht.

Thomas legt schon jetzt noch ein paar größere Scheite auf und widmet sich wieder uns, um uns die anderen Räume zu zeigen.

„Also hier unten ist das kleine Bad mit WC und die beiden Einzelzimmer. Diese werden schon von Jörg und mir bewohnt. So, nun kommt mal mit nach oben. Also hier und da vorne, das sind die beiden Doppelschlafzimmer, jeweils mit Ehebett. Die Zimmer sind beide identisch. Also gleich groß und gleich eingerichtet.“

Thomas öffnet die Tür zum ersten Zimmer. Zunächst ist es recht dunkel, aber als Thomas die Fensterläden aufkurbelt erstrahlt der Raum in seiner vollen Pracht.

Also, der Architekt, der hier zum Zuge kam, hat sein Geld zu Recht verdient.

„Ja und abschließend nun das große Badezimmer mit WC. Eigentlich sollte ich Badelandschaft sagen!“

Ja Wahnsinn. Eine riesengroße Eckbadewanne in lindgrün. Da passen locker drei Leute gleichzeitig rein. Das Bad ist bis unter die Decke ebenfalls in einem ganz blassen grün gekachelt und seit das Licht angeschaltet ist hört man das Rauschen eines starken Dunstabzuges. Der Fußboden ist gefliest und die Decke wie überall aus Holz.

Thomas erklärt, dass die Lüftung noch eine halbe Stunde nachläuft, wenn man das Licht ausschaltet um Schimmelbildung vorzubeugen, obwohl alles Holz entsprechend vorbehandelt ist.

„So, wenn ihr also Lust habt, dann könnt ihr euch jetzt jeder ein Schlafzimmer aussuchen, aber wie gesagt, sie sind beide identisch.“

Benjamin fängt an zu grinsen und ich habe Mühe mich zurück zu halten.

Gemütlich folgen wir Thomas wieder nach unten und ich werfe einen Blick in die Küche aus der ich Jörg werkeln höre.

„Jörg, darf ich dir ein wenig helfen?“ frage ich zurückhaltend.

„Hey Mario, sehr gern sogar. Schließlich will ich doch wissen was so ein kleiner Italiener alles drauf hat.“

„Na ja, ich glaube nicht, dass du das alles wirklich wissen willst, aber in der Küche helfe ich dir gerne.“ Ich habe echt Mühe mir das grinsen zu verkneifen.

„Äh, was meinst Du?“

„Ach, vergiss es. War nur ein dummer Spruch…“

Jörg hat schon Hackfleisch angebraten und löscht es gerade ab. Ich reiche ihm Tomatenmark und, oh toll, er hat frischen Paprika und frische Kräuter. Das ist gut, die haben viel mehr Aroma.

So wirbeln wir also zu zweit in der Küche und Benjamin deckt mit Thomas den Tisch.

„Trinkt ihr auch ein Glas Rotwein mit oder ist es euch noch zu früh für ein Gläschen?“ fragt Thomas.

„Also ich sage nicht nein. Was ist es denn für einer, denn Mario schwört natürlich auf italienische Weine?“ antwortet Benjamin.

„Moment mal. Ja, das habe ich erwartet, es ist natürlich österreichischer…“

„Frag mal Mario.“

„Er sagt, er will ihn in jedem Fall probieren.“

Mittlerweile hat sich die Wärme vom Kamin gleichmäßig verteilt und es ist richtig gemütlich geworden. Das Mittagessen liegt jetzt schon eine Stunde zurück.

Mit Geschirr haben wir fast nichts am Hut. Es gibt hier sogar einen Geschirrspüler.

Also planen wir den Nachmittag aus.

Wir – soll heißen, dass wir nun zu viert sind und, dass Benjamin und ich umziehen werden.

Jörg hat mit seinem Vater telefoniert und alles klar gemacht.

Als erstes wollen wir den Umzug erledigen.

Ganz nach dem Motto: erst die Arbeit dann das Vergnügen.

Natürlich wollen Thomas und Jörg uns helfen.

Hinter der Hütte zaubern sie einen sehr großen Schlitten hervor. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass er nicht nur für das Gepäck vorgesehen ist.

Nein, die Jungs wollen allen ernstes mit dem Ding und mit uns den Berg runter zur Pension rodeln. Wenn das mal gut geht.

Obwohl Benjamin und ich hinten saßen sind wir alle von Kopf bis Fuß voll Schnee. Aber es war trotzdem affengeil. Das müssen wir unbedingt noch öfter machen.

Von allem Schnee wieder befreit (durch die Kälte lässt er sich leicht abklopfen) stürmen wir die Pension und beginnen wieder die Koffer zu packen. Thomas befestigt derweil die Snowboards auf dem Schlitten und Jörg versorg sich im Vorratslager mit Proviant für die nächsten Tage. Benjamin hat ihm gesteckt, dass ich nicht besonders auf Fleisch stehe und deshalb packt Jörg auch viel Gemüse ein.

Etwa eine halbe Stunde haben wir gebraucht, als alles auf dem Schlitten verstaut und festgezurrt ist. Der Schlitten hat zwei unterschiedlich lange Zuggurte, die man sich um die Hüfte schnallen kann und dann im Gänsemarsch den Schlitten hinter sich her zieht.

Jörg und ich machen den Anfang. Durch die gemeinsame Küchenarbeit sind wir ja fast schon ein eingespieltes Team.

Auf halber Strecke bestehen Benjamin und Thomas darauf, dass sie nun an der Reihe sind.

Ich bin zwar noch kein bisschen erschöpft aber bitte, wenn sie doch darauf bestehen.

Insgesamt dauerte der Aufstieg mit dem Schlitten jetzt auch nur vielleicht zehn Minuten länger.

Allerdings haben wir unterwegs auch ein wenig rumgealbert und die Flugfähigkeit so mancher Schneebälle erkundet. …

Die Boards lassen wir draußen stehen auf dem terrassenartigen Vorbau.

Dann geht es an das Gepäck. Benjamin und ich beschließen die Koffer sofort auszupacken.

Thomas stutzt zwar ein wenig, dass wir nur ein Schlafzimmer nehmen, sagt aber nichts.

In Rekordzeit ist alles fein säuberlich im großen Spiegelschrank im Schlafzimmer verstaut

und wir finden uns wieder am Kamin ein.

„So, wir sind soweit, wollen wir jetzt wieder auf die Piste?“ fragt Benjamin.

Ein Blick in die Runde und alle Gesichter strahlen.

„Warum haben wir denn dann bloß die Boards hier ganz nach oben geschleppt? “ will ich wissen.

„Ah, gut dass du fragst. Es gibt von hier eine seichte Abfahrt hinter der Besiedelung bis etwa zur Mitte vom Ort. Von da ist es ja bekanntlich nur einen Katzensprung zu den Liftstationen!“

erklärt uns Jörg.

„Fein, das hört sich viel versprechend an. Und die seichte Abfahrt geht mit dem Board auch jetzt mit dem hohen Neuschnee?“ frage ich noch einmal nach.

„Besser als mit Skiern. Du wirst sehen, was ich unter seicht verstehe…“ lacht Jörg und auch Thomas kann sich ein Lachen nicht verkeifen.

Die Jungs hatten natürlich untertrieben. Es handelt sich um eine wirklich schöne aber auch zügige Abfahrt. Keine fünf Minuten vergehen und wir stehen mitten im Ort. Von der Pension zu Fuß dauert es etwa eine halbe Stunde.

Sechs- oder siebenmal haben wir die Pisten noch unsicher gemacht. Nach zwei Abfahrten von der Piste vom Vormittag, wo wir uns kennen gelernt haben, trauten wir uns an den nächsten Schwierigkeitsgrad.

Als wir uns zum letzten Mal vom Lift ganz nach oben befördern ließen war es schon dunkel geworden. Aber kein Problem. Die Hauptpisten sind hier bis 22 Uhr beleuchtet.

Wir haben uns vorgenommen in Viererformation bergab zu wedeln. Das ist gar nicht so einfach die Geschwindigkeit exakt den anderen anzupassen. Macht aber richtig Spaß.

„Wollen wir hier im Ort noch irgendwo etwas trinken gehen oder lieber in der Hütte?“

„Also, was mich betrifft, ich habe etwas geschwitzt und es wäre mir unangenehm, jetzt irgendwo hinzugehen, ohne vorher zu duschen.“ gebe ich zu bedenken.

„Stimmt, daran habe ich gerade nicht gedacht. Also ab nach Hause, okay?“ beschließt Thomas und erntet keinen Widerspruch, sondern zustimmendes Nicken.

Fast wortlos stiefeln wir zurück zur Hütte und nehmen erst jetzt wieder bewusst das Knirschen unter den Schuhsohlen wahr.

Sonst ist es unheimlich still. Der hohe Schnee scheint fast alle Geräusche zu verschlucken.

Nun beginnt der Anstieg auf unserem Privatpfad. Jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt und es macht sich vielleicht auch langsam Müdigkeit breit.

Schlagartig ist die Stille durchbrochen. Jörg schreit mit einem mal auf.

Das war ja klar. Benjamin hat mal wieder seine tollen fünf Minuten.

Er geht ganz vorn als erster und hat wohl einen schneebedeckten Zweig von einem Baum etwas mit sich gezogen, um ihn dann zurückschnellen zu lassen.

Die volle Schneeladung landete bei Jörg im Gesicht.

Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie mit einem Mal eine regelrechte Rauferei im tiefen Schnee im Gange ist.

Thomas und ich lassen es uns nicht nehmen und wir stürzen uns mitten rein ins Getümmel.

Ich habe keine Ahnung wie lange das so ging. Irgendwann jedenfalls geht mir allmählich die Puste aus und auch die anderen werden immer ruhiger.

„Jungs, könnt ihr mir mal helfen? Mir fehlt ein Handschuh.“ höre ich Thomas japsen.

Auf allen vieren durchpflügen wir nun den lockeren Schnee und dann kommt auch schon von Jörg die erlösende Nachricht. Er hat den Bösewicht gefunden.

Bin ich froh, als die Hütte in Sicht kommt. Mein Pullover fühlt sich nass an. Ich glaube mir hat vorhin wohl irgendjemand Schnee in den Kragen gestopft. Wenn ich mich recht erinnere habe ich das allerdings bei einem der anderen auch getan. Nur wegen der Dunkelheit weiß ich jetzt nicht bei wem.

Endlich ist die Hütte erreicht.

„So Jungs, bitte lasst alle nassen Klamotten hier im Windfang, die bringen wir dann nachher oben in die Dachkammer. Durch den Kamin sind die da in ein paar Stunden wieder trocken. Okay?“ ordnet Jörg an.

Antwort erhält er keine, aber alle gehorchen.

„Ich sehne mich jetzt nur nach einem heißen Bad.“ gebe ich müde von mir.

„Oh ja, tolle Idee. da mache ich mit“ stimmt Benjamin mit ein.

„Meint ihr, dass ich da auch noch Platz habe?“ fragt Thomas.

„Klar, also drei passen in die Wanne da oben allemal rein.“ stimme ich zu.

Auch Benjamin nickt zustimmend.

So verteilen wir uns in dem großen Haus und bereiten alles vor. Ich gehe sogleich ins obere Bad und drehe schon mal das Wasser auf. Ich warte bis ich die richtige Temperatur eingeregelt habe und gebe noch etwas Schaumbad in die Wanne.

Im Schlafzimmer ist Benjamin schon soweit. Er greift sich aus dem Schrank jeweils eine frische Garnitur Unterwäsche für uns beide und huscht rüber ins Bad, wie ihn Gott geschaffen hat.

Handtücher liegen im Bad genügend bereit, wie ich gesehen habe.

Nur wenige Minuten später liege ich neben Benjamin unter einem dichten Schaumteppich.

Ich lasse noch ein wenig heißes Wasser nachlaufen, da kommt auch schon Thomas.

Benjamin beginnt mit einem mal tierisch zu grinsen und ich weiß im ersten Moment nicht was er hat.

Vorsichtig macht er eine leicht nickende Kopfbewegung in Richtung Thomas und dann sehe ich den Auslöser für Benjamins Ausgelassenheit.

Thomas kommt doch tatsächlich in einer Badehose angestiefelt und steigt auch so zu uns ins Wasser.

Ein klein wenig komme ich mir schäbig vor. Es wird Thomas bestimmt peinlich sein, wenn er sieht, dass wir völlig ohne Hüllen hier im Wasser liegen. Ich muss irgendwie zusehen, wie ich ihm das ersparen kann. Das Beste wird sein wir gehen erst aus dem Wasser, wenn er fertig ist.

Inzwischen hat Thomas eine Unterhaltung begonnen. Er fragt uns nach unseren Berufen und Hobbys und so. Von sich erzählt er, dass er Zoologie studiert. Ich wusste gar nicht, dass das ein Studienfach ist. Sportlich ist er auch. Er spielt Handball im Verein.

Inzwischen hat sich Benjamin hinter mich gesetzt und angefangen mir die Schultern zu massieren. Ich spüre da eine leichte Verspannung und jetzt im heißen Wasser lässt sich das leicht wegmassieren.

So vergeht die Zeit und wir haben uns eine Menge voneinander erzählt.

Dann ist es soweit und Thomas rekelt sich wieder aus dem Wasser, schnappt sich eines der großen Badelaken und rubbelt sich ab.

Was ich nicht einkalkuliert habe ist, dass der Schaum mittlerweile vollkommen zusammengefallen ist und ..

„Sagt mal, habt ihr gar nichts an? Ich Trottel. Und ich habe extra wegen euch eine Badehose

angezogen. Warum habt ihr nichts gesagt?“ verlegen schüttelt er den Kopf.

„Ist doch nicht schlimm, oder?“ versucht Benjamin die Woge zu glätten.

„Nein, natürlich nicht, aber ein wenig albern komme ich mir jetzt doch vor.“

„He, Thomas. Es weiß ja keiner, außer uns. Okay?“ zweiter Versuch von Benjamin.

„Danke! Also, Schwamm drüber.“ Jetzt lacht Thomas wieder.

„Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, Jörg und ich ziehen schon jetzt die Schlafanzüge an, da es am Kamin gleich schön mollig warm wird. Aber Socken sollte man trotzdem zusätzlich anziehen.“

„Danke für den Tipp. Zu Hause halten wir das meist auch so um diese Uhrzeit.“ Ich bin froh, dass Thomas das so locker weggesteckt hat.

„Du Benjamin, wollen wir es ihnen sagen? Ich meine es macht das Zusammenleben in gewisser Hinsicht leichter.“

„Mario, du wirst lachen, aber der gleiche Gedanke schoss mir schon vorhin durch den Kopf als wir uns im Schnee ausgetobt haben.“

„Also dann sagen wir es ihnen.“ Damit ist es beschlossene Sache und ich bin mir sicher, dass es keine Probleme geben wird.

Auf dem großen Esstisch steht eine schön zurechtgemachte kalte Platte.

Jörg hat ganz offensichtlich unsere lange Badezeit genutzt und liebevoll kleine Canapés angefertigt. Allein der Anblick lässt mir schon das Wasser im Munde zusammen laufen.

Auch meiner weniger vorhandenen Vorliebe für Fleisch und Wurst hat er Rechnung getragen.

Es sind auch sehr viele Häppchen mit Käse, Frischkäse, Kräuterquark, Tomaten und Heringssalat vertreten. Alles nett garniert mit Salatblättern, Gürkchen, Radieschen, Zwiebelringen, Schnittlauch und so weiter.

Ich bin total begeistert.

„Mein Gott Jörg, wo hast du das denn gelernt?“ frage ich total verzückt.

„Schon vergessen, ich bin in der Gastronomie groß geworden. Da bekommt das halt gratis mit!“ antwortet er mit stolzgeschwelter Brust.

Gemeinsam nehmen wir an dem großen Tisch Platz und die Schlafanzug-Dinerparty beginnt.

Benjamin schenkt jedem von dem Früchtetee ein, als ich zu unserem coming out ansetze.

„Jörg, Thomas, da ist noch etwas, was wir euch gerne sagen möchten. Also Benjamin und ich, also wir sind homosexuell und wir sind ein Paar!“ so, das hat gesessen, oder?

„Cool, und, schmecken die Schnittchen? Du Mario, wenn Du gerne magst, wir haben auch noch Mozzarella und frisches Basilikum für die Tomatenschnittchen.

Ja, das hat nun wirklich gesessen.

Cool.

Mehr hat Jörg nicht gesagt.

„Soll das heißen, dass ihr da keine Probleme mit habt?“ hake ich nach.

„Nö, warum? Unser dritter Mitbewohner in der WG in Salzburg ist auch schwul. Ab und zu bringt er dann auch mal seinen Freund mit und die schmusen sogar vorm Fernseher wenn wir dabei sind. Na und? Ich knutsche ja auch mit meiner Freundin, wenn er dabei ist. Jeder soll so leben wie er mag. Hauptsache alle sind glücklich.“

Mit dieser Ansicht von Thomas habe ich nun echt nicht gerechnet.

Aber sie klingt wohl überlegt und nicht einfach dahergeredet.

Mit einem Blick zu Benjamin ernte ich nur ein leichtes Schulterzucken. Also ergebe ich mich wieder der kalten Platte und genieße jetzt jedes Häppchen noch mehr als zuvor.

Der lange Tag hat hungrig gemacht und so bleibt uns nichts anderes übrig, als dass Jörg und ich in der Küche noch zwei Baguettestangen aufschneiden und wie gehabt belegen.

Thomas hat inzwischen noch eine Kanne Tee aufgegossen.

„Was machen wir mit dem angebrochenen Abend. Ich habe Lust irgendetwas zu spielen. Ihr auch?“ stellt Benjamin die Frage in den Raum.

„Hm, mal überlegen. Also da vorn in der Kommode müssten ein paar Spiele sein. Ich glaube da ist Monopoly und halt die üblichen einfachen Gesellschaftsspiele.“

„Oh ja, Mensch ärgere Dich nicht. Zu viert wäre das genial. Habt ihr Lust?“ Benjamin erntet allgemeine Zustimmung und schon ist die Sache beschlossen.

Nicht ganz eine Stunde später haben wir die Möbel ein wenig zur Seite geschoben und es uns auf ein paar Lammfellen direkt am Kamin gemütlich gemacht. Keine Menschenseele stört es, das Benjamin und ich dabei ganz eng beieinander hocken.

So gegen 21.30 Uhr wärmt Jörg zwei Flaschen Glühwein auf, was allgemeine Zustimmung und später Heiterkeit auslöst.

Irgendwann kommt das Spiel ganz zum Erliegen und es werden viele Geschichten und Erlebnisse erzählt. Am meisten müssen die Zwei lachen, als Benjamin ihnen verklickert, wie wir Brüderschaft getrunken haben.

Benjamin und ich sind die ersten heute Morgen, als wir die Treppen runterkommen.

Die anderen Beiden scheinen noch zu schlafen.

Auf leisen Sohlen bringen wir das Wohnzimmer wieder in Ordnung.

„Also einer von uns muss jetzt runter zur Pension die Brötchen abholen und der andere macht den Kamin sauber, heizt ihn wieder an und bereitet Frühstück vor.“ stelle ich zur Diskussion.

„Oh man, zur Pension und zurück, da ist man eine Stunde unterwegs. Was hältst Du davon wenn wir beide mit dem Schlitten runterfahren und ihn gemeinsam wieder hochziehen.“

„Ne, Benjamin, dann kann man genauso gut allein mit dem Snowboard runterdüsen.“

„Okay, überredet. Du willst mich wohl unbedingt loswerden…“ erwidert nun ein Schmollnase.

„He, Benjamin. Erzähl nicht so ein dummes Zeug. Du weißt ganz genau wie ich dich jede einzelne Minute vermissen werde. Ich liebe Dich doch. Aber wir müssen auch ein wenig vernünftig sein. Ja?“

Viel hat es nicht gebracht, aber als ich ihm einen richtig dicken Kuss gebe ist er wieder versöhnt.

Gemeinsam ziehen wir unsere Wintersachen an. Benjamin um die Brötchen zu holen und ich um neues Kaminholz von dem Stapel hinter der Hütte ins Haus zu holen.

„Benjamin warte, ich verpacke Dir noch eben den Müll und die Asche, die kannst Du dann gleich bei der Pension entsorgen.“

Gesagt getan.

Ein letzter Kuss und Benjamin schwingt sich mit dem Board in Fahrt.

Mist, ausgerechnet jetzt fängt es wieder an zu schneien.

Der Frühstückstisch ist schnell gedeckt. Die verderblichen Sachen lasse ich noch im Kühlschrank bis alle am Tisch sitzen. Der Kamin ist nun auch schon soweit, dass ich die ersten dicken Holzscheite auflegen kann.

Mit der ersten Tasse Kaffee setze ich mich an den Kamin und lasse mich vom Züngeln der Flammen und dem leisen Knistern im Holz berauschen.

Huch mein Handy klingelt. Ach ja, ich sollte ja auch meine Eltern anrufen. Das habe ich total vergessen. Das werden sie bestimmt sein.

Seltsam, noch bevor ich es aus meiner Anoraktasche rausholen kann hat es schon wieder aufgehört.

Im Display steht: 1 verpasster Anruf.

Ich klicke weiter, das war Benjamin. Hm, sehr merkwürdig.

Ich klicke auf Rückruf. Es kommt aber sofort die Mailbox. Der gewünschte Teilnehmer ist zurzeit nicht erreichbar. Wenn sie eine Nachricht hinterlassen wollen sprechen sie nach – klick.

Irgendetwas stimmt da nicht. Erst ruft er mich an und dann ist er nicht erreichbar.

Ganz langsam beginnt sich mein Magen zusammenzuziehen und mich überkommt ein seltsames Unbehagen, wie ich es noch nie gespürt habe. Ich wähle noch einmal Benjamins Nummer.

Wieder das gleiche. Jetzt reicht es.

Ich gehe nach hinten ins Zimmer von Jörg und wecke ihn. Total aufgeregt schildere ich ihm, warum ich mir Sorgen mache.

„Mario, nun bleib mal ganz ruhig. Ich ziehe mir jetzt erst mal was an und dann erzählst mir mal der Reihe nach was dich so beunruhigt.“

Mittlerweile ist es eine dreiviertel Stunde her seit Benjamin mit dem Snowboard losgefahren ist.

Er müsste längst wieder da sein.

Jörg hat sich nun alles noch einmal in Ruhe von mir angehört. Er schnappt sich sein Handy und ruft seine Eltern an.

„Hi Paps, Jörg hier. Du, war der Benjamin Voigt schon bei euch und hat unsere Brötchen abgeholt? Nicht? Ja du, dann vermissen wir ihn jetzt. Sagst Du der Bergwacht bescheid? Wir beginnen mit der Suche von hier oben, er trägt eine rotweiße Jacke und eine orangefarbene Hose. Ja Paps, wir werden vorsichtig sein. Ciao!“

„Los Mario weck bitte Thomas.“ Ich lasse mich kein zweites mal auffordern und gehe auch zu Thomas ins Zimmer und reiße den armen Kerl aus dem Schlaf.

Kurz und knappt schildert Jörg dem Thomas die Lage und mir ist speiübel.

„Wie fühlst Du Dich Mario. Meinst Du, Du kannst mitkommen. Sechs Augen sehen mehr als vier.“

„Klar komme ich mit. Was denkst Du denn?“

„Okay, okay, aber Du musst mir versprechen, dass du alle meine Anweisung befolgen wirst, egal welche. Einverstanden?“

„Versprochen – ehrlich!“

Somit ist alles geklärt. Zügig legen wir unsere Ausrüstung an. Jörg geht ganz nach hinten und holt aus der Abstellkammer einen roten Rucksack, wo auch der Sticker von der Bergwacht aufgenäht ist.

„Diese Ausrüstung hat die Bergwacht in allen abgelegenen Hütten deponiert. Da ist so ziemlich alles dabei, was man im Notfall gebrauchen könnte.“ erklärt Jörg, als er meinem skeptischen Blick begegnet.

Vor der Hütte ruft Jörg noch einmal seinen Vater an und sagt bescheid, dass wir zu dritt sind und nun mit der Suche talwärts beginnen.

„Mario wir fahren ganz langsam. Du bleibst so dicht wie möglich am Trampelpfad. Wir wollen versuchen möglichst seine Spur zu finden und dieser zu folgen. Thomas, du fährst etwa 15 Meter rechts von Mario. Links brauchen wir nicht suchen, da ist der Wall mit der Baumreihe. Ich suche noch weiter recht von euch. Alles klar? Gut also dann mal los.“

Gehorsam bringe ich mein Board ganz langsam in Bewegung. Das ist gar nicht so einfach, da man immer wieder stecken bleibt. Aber zu Fuß würde es auch nicht gehen, da abseits vom Trampelpfad der Schnee zu tief ist. Direkt vor mir ist eine Spur. Hier muss er einen Rechtsschwung gefahren sein. Danach verliert sich die Spur wieder.

Wir sind jetzt eine viertel Stunde unterwegs und mal gerade fast einhundert Meter weit.

Und weiter geht die Suche.

Nach weiteren Zehn Minuten meint Thomas etwas zwischen den Bäumen links vom Trampelpfad zu sehen.

„Macht ihr hier ganz normal weiter, ich sehe mir das mal an.“ befiehlt Jörg.

Jörg nimmt Schwung und fährt auf die von Thomas beschriebenen Bäume zu.

„Hier ist er! Kommt her!“

Als wir ankommen ist Jörg schon dabei Benjamin zu untersuchen.

Jörg fummelt sein Handy raus und ruft bei der Bergwacht an.

„Hi, ich bin Jörg Rosenbach. Es geht um den vermissten Benjamin Voigt. Wir haben ihn gefunden. Er hat Atmung und Puls, ist aber nicht ansprechbar. Er liegt eingeklemmt zwischen zwei Bäumen. Äußere Verletzungen keine. Position: etwa 150 bis 200 Meter südlich der Rosenbachhütte. Wir brauchen hier Hilfe. Ja, verstanden. Wann meinen sie können die Kameraden hier sein? Ja, das machen wir. Danke und Ende.“

„In dem Rucksack soll so eine Aluminium-Thermodecke sein. Die sollen wir soweit möglich um ihn wickeln. Wir sollen ihn aber auf keinem Fall bewegen. Die Bergwachtkameraden und auch ein Notarzt sind auf dem Weg. Macht ihr das mit der Decke ich rufe nur noch schnell meinen Vater an.“

Das mit der Thermodecke gestaltet sich schwieriger als ich zunächst angenommen habe. Wie wickelt man jemanden darin ein, der zum Teil mit Schnee bedeckt, zwischen zwei Bäumen eingeklemmt ist und obendrein nicht bewegt werden darf?

Zu meiner Verwunderung laufen momentan alle meine Handlungen total mechanisch.

Während ich mich oben in der Hütte am liebsten erbrochen hätte, so bin ich jetzt irgendwie total kalt und sachlich. Es ist so, dass ich fast Angst vor mir selber bekomme.

Ich gehe jetzt vorsichtig um die Bäume herum. Ich muss aber sehr aufpassen denn es geht nur wenige Zentimeter weiter gut 4 Meter steil bergab.

Jetzt sehe ich Benjamins Gesicht. Ein wenig Hautabschürfung am Kinn und an der rechten Wange. Sonst ist scheinbar alles in Ordnung. Vorsichtig streiche ich ihm über die Stirn.

„Benni. Benni, hörst Du mich?“ – Keine Reaktion.

Mein rechter Fuß verliert langsam an Halt und ich ziehe es vor, wieder auf die sichere Seite der Bäume zurückzukehren. Vorsichtig mache ich mich auf den Rückweg, da kommen auch schon drei Männer der Bergwacht.

Einer der Männer beginnt sofort mit der Untersuchung. Ein anderer schnallt Benjamin das Board von den Schuhen.

Jetzt kommt auch der Notarzt. Er lässt sich kurz in die Lage einweisen und untersucht dann auch noch einmal Benjamin.

Der Arzt legt Benjamin einen Zugang und hängt einen Tropf daran.

Dann geht er auf Jörg zu.

„Hallo Herr Rosenbach. Gehört der Junge zu ihnen?“

„Ja und nein. Er ist mit diesem jungen Mann bei uns zu Besuch in der Hütte.“

„Ja schön. Also machen sie sich keine Sorgen. Augenscheinlich ist der Junge unverletzt.

Er hat einen Schock und ist etwas unterkühlt. Da er ohne Bewusstsein ist bekommen wir ihn da nicht so ohne weiteres raus. Die Bergwacht hat im Tal Bescheid gegeben, das wir hier eine Motorsäge brauchen. Aber das dauert halt noch eine Weile.“

„Herr Doktor, oben in der Hütte haben wir eine Motorsäge. Ich könnte die in spätestens zehn Minuten hier haben.“

„Ja, dann aber los!“

Noch bevor ich richtig verstanden habe was hier nun eigentlich laufen soll ist Jörg losgelaufen Richtung Hütte. Das Tempo, das er dabei zu Tage legt ist wahrlich atemberaubend.

Es sind kaum 5 Minuten vergangen, da kommt Jörg mit dem großen Schlitten in einem wilden Schneegestöber angerast und bringt den Schlitten punktgenau zum Stehen.

Dankbar nehmen die Bergwachtmänner die Säge entgegen. Der Arzt beugt sich nun von hinten über Benjamin und versuch mit der Thermodecke eine Art Gesichtschutz zu falten.

Wir werden angewiesen Benjamin festzuhalten, damit er nicht wegrutschen kann, wenn der Baum fällt.

Der Motor der Säge wird gestartet. Der Mann setzt die Säge so tief an wie es nur geht und beginnt auf der von Benjamin abgewandten Seite. Dort schneidet er behutsam einen großen Keil aus dem Baum. Nun beginnt er auf der anderen Seite und arbeitet sich zu dem Keil vor als auch schon der Baum zu kippen beginnt. Im gleichen Moment packt der Notarzt zu und zieht Benjamin zu sich hoch.

„Junge, Junge, du bist ja leicht wie eine Feder!“ lästert der Arzt und legt Benjamin auf dem Schlitten ab.

Von hinten tippt mir Thomas auf die Schulter.

„Das lag zwischen den Bäumen im Schnee.“

Ich schau mich um und da hat Thomas das Handy von Benjamin in der Hand. Ich nehme es. Als ich es einschalten will gibt es nur ein kurzes piep und es ist wieder aus. Der Akku ist leer.

Das erklärt einiges und wird in Zukunft bestimmt nicht wieder vorkommen.

In diesem Moment kommt Benjamin wieder zu sich.

„Hallo Leute ist hier eine Party, von der ich nichts weiß?“

„Wie es aussieht ist das ihre Party. Hallo ich bin Doktor Reindl. Wie fühlen sie sich?“

„Mir ist schweinekalt und ich habe das Gefühl, als wenn jemand auf meinen Rippen sitzt.“

„Okay. Ich werde sie jetzt von Kopf bis Fuß untersuchen und sie sagen sofort Bescheid wenn es irgendwo weh tut. Ja?“

„Okay.“

Inzwischen hat Jörg von der Bergwacht die Motorsäge zurück. Jörg hat Thomas gebeten diese schon mal langsam zurück zur Hütte zu bringen und dort im Kamin Holz nachzulegen, da wir bestimmt bald nachkommen.

„Ja Herr Voigt, soweit so gut. Nun versuchen sie einmal aufzustehen. Ja, das ist gut. Ist ihnen schwindelig, nein? na prima. Herr Voigt sie haben eine leichte Rippenprellung. Das ist nichts Ernstes. Wird höchstens mal beim Husten oder Lachen etwas zwicken in den nächsten drei Tagen. Wenn sie gleich oben in der Hütte sind, legen sie sich noch etwas hin und wärmen sich wieder richtig auf.

Ich gebe ihren Freunden gleich noch ein paar Pillen mit. Sie haben einen Schock. Es könnte passieren, dass sie mal nachts davon träumen und nicht wieder einschlafen können. Dann nehmen sie eine davon, aber nur dann. Verstanden?“

„Ja, und danke Herr Doktor.“

Die Truppe macht sich auf den Weg zurück ins Tal. Jörg hat sich zuvor schon ausführlich bei den Männern der Bergwacht bedankt.

Obwohl Benjamin nicht will, wird er verdonnert auf dem Schlitten zu sitzen. Dafür darf er alle Snowboards halten. Thomas und ich ziehen gemeinsam den Schlitten zurück zur Hütte. Ist ja nicht weit. Kaum angekommen bekomme ich mit einem mal weiche Knie. Mit aller Kraft versuche ich mir nichts anmerken zu lassen und stützt mich ein wenig an der Hauswand ab.

Erst jetzt fühle ich die Anspannung, die ich wohl mit übernatürlicher Kraft die ganze Zeit verdrängt hatte. Meine Gefühle kehren zurück und verlangen ihren freien Lauf. Mühsam gelingt es mir die Tränen zurückzuhalten. Noch.

Gemeinsam geleiten wir Benjamin ins Haus. Nachdem wir ihn ausgezogen haben (nein, natürlich nur den Snowboardanzug), verfrachten wir ihn sogleich auf das große Sofa.

Jörg reicht ihm eine Wolldecke in die ich ihn ganz fest einpacke.

„Man Benni, mache das bitte nie wieder. Ich hatte eine Schweineangst um dich.“

Ich kann es jetzt nicht mehr verhindern, aber nun kommen die Tränen und rollen ungebremst durch mein Gesicht. Benjamin greift zitterig nach meiner Hand und drückt sie ganz fest. Auch ihm kullern ein paar Tränen durchs Gesicht.

„Du Mario, Jörgs Bruder war gerade da und hat die Brötchen gebracht. Meinst Du Benjamin kann mit uns am Tisch essen?“

„Nein, besser nicht, der Arzt sagte er soll heute lieber liegen bleiben. Ich mache ihm die Brötchen fertig und bringe sie ihm dann her.“

„Nix da, einer für alle, alle für einen. Komm Thomas heute wird am Couchtisch gegessen.“

setzt sich Jörg durch.

Cool, das nenne ich Freunde. Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie die Jungs alles rüber getragen haben.

Die Platte ist leer geputzt und alle sind satt geworden. Benjamin fühlt sich schon wieder ganz gut und seine Lippen sind auch nicht mehr blau. Er friert auch nicht mehr.

„Du Mario, ich habe vorhin beim Sturz instinktiv alle Muskeln verkrampft. Ich fürchte ich werde einen Muskelkater bekommen, es sei denn ich nehme ein ganz heißes Bad.“

„Kein Problem, jetzt wo du wieder durchgewärmt bist, kannst Du das gerne machen. Aber nur unter Aufsicht!“

„Ja gerne, kommst du mit? Dann kannst du mich auch ein wenig massieren.“

„Hm, schade, aber ich habe eben Jörg versprochen, das ich ihn begleite. Er will runter zur Pension und frische Lebensmittel holen. Für euch brauchen wir Fleisch und für mich viel Gemüse und Salat. Jörg möchte gern, dass ich mir das Gemüse selbst aussuche. Schließlich kennt er ja nicht so meinen Geschmack und meine Vorlieben wie du.

Bist du jetzt sauer?“

„Ach was, Mario! Doch nicht wegen solcher Lappalie. Vielleicht wäre Thomas ja bereit auf mich aufzupassen.“

„Soll ich ihn fragen?“

„Wie, du hast nichts dagegen? Und wenn ich ihn diesmal ganz nackt sehe?“

„Hihi, Benjamin, du weißt ich liebe dich. Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt. Dazu gehört auch Vertrauen. Ich vertraue Dir. Reicht das? So, und nun frage ich Thomas, was er davon hält.“ Benjamin schaut mich an wie ein Eichhörnchen.

„Hallo Thomas, du, Benjamin möchte gerne ein heißes Bad nehmen. Ich möchte aber, dass er dabei unter Aufsicht ist. Könntest Du auf ihn Acht geben, denn ich habe Jörg versprochen mit ihm frischen Proviant zu holen.“

„Klar kein Problem. Meinst Du ich könnte dabei auch in die Wanne. Ich bin auch ein wenig abgespannt.“

„Dumme Frage. Wieso nicht, du hast doch schon mal mit uns gebadet. Also, wenn du dich dann bitte um alles kümmern würdest. Und bitte, lasse Benjamin nicht allein. Ich mache mir immer noch Sorgen um ihn!“

So, das wäre geregelt. Ich sage Jörg Bescheid, dass wir los können und ziehe mich wieder Winterfest an. Jörg macht sich gerade noch ein paar Notizen, was wir so alles brauchen werden. Er hat so eine Vermutung, dass in den nächsten Tagen mehr Pasta durch die Töpfe geht als sonst. Komisch, wie kommt er bloß auf die Idee – hihi.

Nun ist auch Jörg umgezogen. Wir machen den Schlitten klar und ab geht die Post.

Im Vorratslager der Pension fällt mir fast die Kinnlade runter. Also derjenige, der für dieses Haus den Einkauf macht versteht sein Handwerk. Alle erdenklichen Frischgemüse finde ich im Kühlraum. Durch die Bank in bester Qualität.

Nach etwa fünfzehn Minuten haben wir zusammen was wir so für die nächsten paar Tage brauchen.

Jörg bittet mich schon den Schlitten zu beladen, weil er noch kurz etwas mit seinen Eltern bereden will.

Der Rückweg ging schneller als ich befürchtet hatte. Ich glaube so langsam baue ich Kondition auf und gewöhne mich an den steilen Weg.

Wir haben nur 25 Minuten gebraucht.

„Du Jörg, was hältst Du davon, wenn wir gleich nur einen kleinen Imbiss machen. Dann kannst du mit Thomas noch den ganzen Nachmittag auf die Piste. Ich koche dann was für den Abend.“

„Hey, klingt echt gut. Da ja nun am Vormittag nichts gelaufen ist, haben wir dann vom Nachmittag umso mehr. Sagst du es Thomas und Benjamin?“

„Ja mache ich, die haben jetzt eh lange genug im Wasser gelegen.“

Als ich im Obergeschoß ankommen ist Benjamin schon im Schlafzimmer und zieht sich gerade einen Jogginganzug über. Thomas klart noch das Bad wieder auf und flitzt im Bademantel nach unten in sein Zimmer.

„Na Benni, geht es dir jetzt wieder etwas besser?“

„Also wenn du mich so fragst, ich fühle mich wieder topfit. Aber ich will mal tun was der Arzt gesagt hat und lege mich unten gleich wieder hin.

Was machst Du denn noch heute Nachmittag?“

„Hm, vielleicht mit dir ein wenig kuscheln? Die Jungs schicke ich auf die Piste.“

Ich erkläre Benjamin kurz, was ich mit Thomas besprochen habe.

Benjamin findet es sehr fair und hält es für die richtige Entscheidung.

Kaum eine halbe Stunde später sind Thomas und Jörg wie üblich vermummt und schnallen sich die Boards unter die Stiefel.

„Und es macht euch wirklich nichts aus, dass wir Fun haben und ihr in der Bude hocken müsst?“ fragt Jörg noch einmal sehr fürsorglich.

„Nein, absolut nicht und morgen sind wir ja auch hoffentlich wieder dabei! Viel Spaß!“ verabschiede ich die Jungs.

Ich schnappe mir noch eine Ladung Kaminholz und begebe mich wieder in die warme Stube.

„So, Benni, wir haben Sturmfrei…“ grinse ich und Benjamin legt wieder sein schelmisches Gesicht auf.

„Haben die gesagt, wann sie zurückkommen?“

„Jörg meinte, sie wollen wieder bis in die Dunkelheit fahren. Außerdem will er kurz durchklingeln, wenn sie die Piste verlassen. Dann habe ich immer noch eine Stunde um das Essen vorzubereiten.“ erwidere ich.

Ich lege noch etwas Holz in den Kamin und trolle mich zu Benjamin.

„Erzähl doch mal, was eigentlich passiert ist.“

Benjamin rutscht ganz dicht an die Rückenlehne und macht mir so etwas Platz.

Vorsichtig lege ich mich zu ihm und schlage die Wolldecke über unsere Beine.

„Genau kann ich es auch nicht erklären. Ich war ja gerade erst losgefahren. Mit dem letzten Schwinger kam ich gerade erst ordentlich in Fahrt, da kam von den Bäumen eine Ladung Schnee herunter – mir direkt ins Gesicht.

Die Skibrille war sofort dicht und ich sah nichts mehr.

Ich wollte mich gerade nach hinten fallen lassen, da krachte es.

Es fühlte sich an, als wenn mir jemand erst einen Kinnschieber verpasste und dann auf die Brust boxte.

Einen Moment lang bekam ich fast keine Luft mehr und ich sah bunte Ringe vor den Augen.

Ich habe keine Ahnung wie lange ich da so hing.

Jedenfalls konnte ich mich fast nicht bewegen.

Nur der linke Arm war etwas frei.

Ich versuchte mir mit den Zähnen den Handschuh auszuziehen, aber ich bekam den Klettverschluss nicht zu fassen.

Also versuchte ich mit Handschuh das Handy rauszufummeln.

Es dauerte eine ganze Zeit und langsam kam ein wenig Panik in mir auf.

Endlich hatte ich das Handy.

Ich versuchte dich über Kurzwahl anzurufen, da rutscht mir das verdammte Ding weg und lag unerreichbar direkt vor mir im Schnee.

Ich wusste, dass ich noch nicht weit weg war, also schrie ich um Hilfe bis mir langsam schwarz vor Augen wurde.

Es wurde immer dunkler um mich rum und jedes Geräusch erstarb.

Langsam kam da diese Stimmung, die mir mit einem mal alles scheißegal erscheinen ließ und von da an ist Filmriss.“

Wieder kullern ein paar Tränen. Nicht nur bei Benjamin.

Vorsichtig schmiegt er sich noch dichter an mich ran.

Behutsam wusele ich mit meiner Rechten durch seinen blonden Schopf.

Er rekelt sich ein wenig und liegt mit einem mal auf mir und bettet seinen Kopf auf meiner Brust. Wie Elektrizität durchströmt seine Wärme meinen Körper.

Klein Mario reagiert und macht sich deutlich bemerkbar. Auch sein Gegenüber scheint nicht zu ruhen.

Benjamin wölbt sich ein wenig wie eine Brücke und flink haben seine Finger meinen Gürtel geöffnet. Auch ich wölbe mich ein wenig und Benjamin streift meine Jeans geschwind ein wenig runter.

Mit seiner Jogginghose habe ich es leichter. Der Gummibund leistet keinen ernsthaften Widerstand.

Langsam beginnt Benjamin sich an mir zu reiben. Anfänglich wirklich nur ganz langsam und behutsam. Mit tiefer Sinnlichkeit steigert Benjamin nach und den Rhythmus seiner Bewegung.

Ich werde fast wahnsinnig, so stark ist die Lust in mir. Immer stärker empfinde ich nun regelrecht eine Hitze, die Benjamin auf mich überträgt.

Unsere Lippen finden sich bei geschlossenen Augen und die Zungen vermählen sich.

Immer heftiger werden die Bewegungen.

Ich kann schon nicht mehr gleichmäßig atmen. Immer wieder halte ich die Luft an, um sie dann mit einem Stöhnen herauszupressen.

Auch Benjamin ist von einem Hecheln ins Stöhnen übergegangen.

Er zieht seine Zunge zurück, bäumt sich auf und auch mein ganzer Körper wird mit einem mal steif wie ein Brett und das schönste Gefühl der Welt lässt mich ein paar mal zucken, bevor ich in mich zusammensacke.

Benjamin liegt total schlapp auf mir und sein Atem wird immer ruhiger.

Er hält immer noch die Augen geschlossen.

Es ist dunkel und nur die Flammen im Kamin geben dem Raum eine lebendige Atmosphäre.

Mein Handy klingelt.

Vorsichtig schiebe ich Benjamin zur Seite und rappele mich auf.

„Spataro. Ah, Jörg, ja ist gut. Danke für den Anruf.“

„Kommen die beiden jetzt?“ höre ich von der Couch eine verschlafene Stimme.

„Ja, sie machen sich gleich auf den Heimweg. Sie haben sich gerade noch einen Tee geholt und wollen dann los. Also habe ich etwas mehr als eine Stunde.

„Komm, Mario, lass uns eben ganz kurz duschen gehen. Ich habe ziemlich geschwitzt.“

„Okay, aber es muss wirklich ganz schnell gehen.“

Und tatsächlich. Sehr diszipliniert erledigen wir die Körperpflege in weniger als zehn Minuten.

Auch ich fühle mich nun wieder wohler.

So klingt ein weiterer Abend aus. Allerdings wird es heute nicht so spät. Benjamin möchte früh ins Bett und ich begleite ihn natürlich.

Die nächsten Tage passiert eigentlich nichts Besonderes. Benjamin ist wieder der alte.

Von den Folgen einer Rippenprellung habe ich bei ihm nichts bemerkt, außer einem blauen Fleck unter dem rechten Arm. Auch die bunten Pillen, die uns der Arzt überlassen hatte bedürfen keiner Anwendung.

Mittlerweile befahren wir alle vier auch die schwierigste Piste und haben unbeschreiblichen Fun.

In der Hütte sind wir eigentlich nur zum Essen und Schlafen (und kuscheln!).

Ich fühle etwas sehr warmes im Gesicht. Nein, es ist nicht der Atem von Benjamin. Es ist permanent und wird stärker. Vorsichtig öffne ich die Augen um sie gleich wieder zu schließen.

Die Sonne strahlt mit aller Kraft durchs Fenster und brennt auf meinem schwarzen Haar.

Es ist Karfreitag und heute braucht keiner die Brötchen zu holen, weil, es keine geben wird.

Gestern war alles grau in grau und gegen Abend begann ein heftiges Schneegestöber.

Ich schäle mich aus dem Bett und gehe ans Fenster. Vorsichtig versuche ich es lautlos zu öffnen.

Ich beuge mich hinaus und erblicke einen tiefblauen Himmel. Die Sonne steht schon fast zwei Handbreit über den Bergen und alles erscheint so friedlich. Tief atme ich die eisigkalte Luft ein. Mein Atem verbreitet eine lange weiße Dampffahne.

Die Bäume lassen unter der schweren Schneelast ihre Zweige tief hängen.

Es mutet fast weihnachtlich an.

Komm Mario, jetzt fang dich wieder, es ist fast Ostern!

Doch als so ein Romantiker, wie ich nun mal einer bin, genieße ich die schöne Aussicht noch einen Moment. Auf leisen Sohlen schleiche ich zu Benjamins Nachtschränkchen und schnappe mir die Digitalknipse. Fünfmal macht es leise Klick und dieses schöne Naturschauspiel ist für immer elektronisch gespeichert.

„Morgen Tigerchen. Machst Du bitte das Fenster wieder zu und kommst noch auf eine Minute ins Bettchen?“

Im ersten Moment erschrecke ich ein wenig, denn ich habe nicht bemerkt, dass Benjamin aufgewacht ist. Zu sehr haben mich wohl die Eindrücke in ihrem Bann gehabt.

Eilig und gehorsam schließe ich das Fenster, lege die Kamera zur Seite und krieche wieder unter die Decke.

„Ih, du bist schon wieder ganz kalt.“

„Du kannst mich ja wieder aufwärmen – wenn du willst!“ grinse ich verschmitzt.

Benjamin dreht sich und mit einem kurzen Schwung sitzt er auf meinem Bauch. Mit seinen warmen Händen greift er meine Arme und führt sie weit auseinandergestreckt über meinen Kopf. Sein Gesicht beugt er zu mir herunter und unsere Lippen finden zusammen.

Ein kurzer aber inniger Kuss.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag mein Schatz. Du sollst immer gesund bleiben und lange leben – mit mir!!!“

Er sprach es sehr langsam und auch ganz leise, aber es klang soviel Liebe in den Worten mit, dass mir doch tatsächlich eine Träne abhanden geht.

Benjamin lässt nun meine Hände los. Er zieht eine kleine Schachtel unter seinem Kissen hervor, fummelt etwas und legt mir was um den Hals.

Es fühlt sich gar nicht kalt an.

„Heb mal bitte kurz den Kopf etwas an.“ werde ich aufgefordert.

Ein paar Sekunden und er ist fertig.

„Komm Tigerchen, steht auf und schau in den Spiegel.“

Instinktiv fahre ich natürlich gleich mit den Händen an den Hals um das Neue zu betasten. Eine Kette mit einem Anhänger, soviel ist schon mal klar.

Ich hüpfe aus dem Bett und eile zum Spiegelschrank. Benjamin tut es mir gleich, stellt sich hinter mich und seine Hände umfassen meine Hüfte.

Sanft knutscht er mich links am Hals als ich erkenne, was er mir da umgelegt hat.

Ein feingliederiges Goldkettchen mit einem Anhänger aus Tigerauge in Form eines Herzens.

Der Anhänger ist etwa so groß wie eine 20 Cent Münze und hat eine feine, unregelmäßige Maserung die zwischen fast schwarz und honigfarben schillert. Je nach Lichteinfall verändert er seine Farben.

Ich bin mir meiner Gefühle nicht mehr im Klaren. Es schwankt zwischen überwältig und total gerührt.

Schon wieder kullern Tränen und ich drehe mich zu meinem Schatz um.

„Danke, wirklich danke. Das ist ein wunderschönes Geschenk.“

„Ja, nicht war. Es steht dir auch ungemein gut. Bei deiner Bräune und den schwarzen Haaren kommt der Edelstein so richtig zur Geltung.“

Es folgt eine lange Umarmung und eine regelrechte Kussattacke.

„Komm Mario, lass uns nun Duschen gehen, die anderen warten bestimmt schon mit dem Frühstück.“ Sein Wunsch ist mir Befehl.

Ruckzuck ist etwas frische Wäsche rausgesucht und wir verschwinden im Bad.

In Rekordzeit sind wir stubenrein und angekleidet. Ich habe mir einen schwarzen Sweater von Benjamin genommen und trage den Anhänger darüber. Vor dem schwarzen Hintergrund scheint er beinahe zu leuchten. Jedenfalls wird jeder Lichtstrahl im Stein reflektiert.

Schon beim Verlassen des Badezimmers hat meine feine Nase den Kaffeeduft registriert.

Wie vermutet sitzen Jörg und Thomas am Kamin und warten geduldig mit dem Frühstück auf uns.

Als sie uns erblicken stehen sie gleich auf und kommen strahlend auf mich zu.

„Guten Morgen Mario, herzlichen Glückwunsch zum Geburttag“

„Auch ich möchte dir herzlich gratulieren. Du sollst fortan immer glücklich sein!“ ergänzt

Jörg noch. Beide umarmen mich nach einander und drücken mich einen kurzen Augenblick.

Nun erblicke ich den Frühstückstisch. Heute liegt eine bunte Tischdecke auf mit schönen Frühlingsmotiven. An meinem Stammplatz brennt eine große, dicke Kerze und mein Gedeck

ist mit schon ergrünten Birkenzweigen eingerahmt.

„Oh man, ihr seid alle so lieb zu mir. Das kann ich gar nicht wieder gut machen.“

„Das sollst Du auch gar nicht. Heute ist dein Ehrentag. Das ist das doch das Mindeste, was wir unter diesen Umständen für dich tun können.“ freut sich Thomas und wirkt ein wenig verlegen.

„Danke Jungs! Woher wisst ihr eigentlich, dass ich heute Geburtstag habe?“

Die Jungs grinsen und Benjamin studiert total unschuldig und desinteressiert die Maserung der Holzdecke.

Na ja, kann man so einem Schnuckel etwas übel nehmen? Außerdem muss ich zugeben, dass ich mich unheimlich freue.

Wir setzen uns und die ersten Scheiben Toast werden in das Röstgerät geschoben.

„Mario, sag, was ist das für ein schöner Anhänger. Hast Du den von Benjamin bekommen?“

„Yep, das ist Tigerauge. Ich glaube der Edelstein kommt aus Südafrika.“

„Stimmt“ fällt Benjamin mit ein „und in Afrika glaubt man er würde vor Verwünschungen und Dämonen schützen.“

„Na, dann bin ich ja jetzt vor euch in Sicherheit!“ ergänze ich und alle fangen an zu lachen.

Wir lassen uns sehr viel Zeit, obwohl mich das schöne Wetter förmlich anzieht.

Als alles aufgeräumt ist, stellt Thomas einen Tisch auf die Terrasse und einen Karton mit Eiern.

„Was soll das denn werden?“ fragt Benjamin skeptisch.

„Wir wollen noch ein wenig Osterdekoration basteln. Holt ihr bitte mal vier Stühle raus. Es ist Windstill und in der Sonne lässt es sich prima aushalten. Nur feste Schuhe sollte ihr anziehen.“

Nun kommt auch Jörg mit einer Schüssel, Zahnstochern, Streichhölzern und einer Rolle Garn sowie ein paar Farbtöpfchen, Pinsel und einer alten Zeitung.

Zunächst breitet er ein paar Seiten der Zeitung über den Tisch aus und dann geht es los.

„Habt ihr schon einmal Eier ausgeblasen?“ fragt Jörg.

Benjamin und ich schauen uns kurz an und prusten laut los. Ich spüre wie ich dabei rot anlaufe.

„Ist was? Habe ich was Falsches gesagt?“

„Hör auf, ich kriege keine Luft mehr!“ schreit Benjamin.

„Du Jörg, ich glaube, den beiden geht dabei in der Phantasie etwas anderes durch den Kopf, als du gemeint hast.“ Nun ist es Jörg, der zunächst die Gesichtsfarbe wechselt, aber dann auch herzhaft zu lachen beginnt.

Nach einer Weile kriegen wir uns wieder ein und beginnen mit etwas mehr Ernsthaftigkeit unsere Bastelstunde.

Jörg piekt mit den Zahnstochern jeweils gegenüberliegend Löcher in die Eier.

„Man muss ziemlich tief einstechen, damit auch das Dotter kaputt geht. Bei frischen Eiern hast du sonst keine Chance den Inhalt durch das enge Loch auszublasen!“ erklärt Jörg.

Benjamin und ich haben das Ausblasen übernommen. Jetzt verstehe ich Jörgs Erklärungen.

Auch mit dem zerstochenen Dotter ist es unheimlich anstrengend das Ei auszublasen.

Benjamin und ich wechseln uns ab, kommen aber trotzdem ganz schön ins Schwitzen.

Thomas schneidet derweil ein paar Streichhölzchen in etwa einen Zentimeter lange Stückchen, knotet etwas Garn daran und führt dann das Hölzchen in das obere Loch einer leeren Eierschale. Fertig ist der Aufhänger.

„Ich habe übrigens die Eier vorher mit etwas Essig abgerieben. So haftet die Farbe nachher besser auf den Schalen.“ führt Jörg seinen Unterricht fort.

Es sind zwar nur 10 Eier, aber Benjamin und ich brauchen über eine halbe Stunde um sie alle auszublasen. Ich hätte mir im Traum nicht vorgestellt, dass es so anstrengend ist.

Jörg nimmt die Schüssel mit dem „Rührei“ und bringt sie in den Kühlschrank.

„So, Jungs nun kommt der angenehme Teil. Malstunde ist jetzt angesagt“ grinst Jörg als er zurück ist. „ Aber gebt acht, dass ihr euch nicht selber anmalt, die Farbe geht aus der Wäsche nur ganz schwer wieder raus!“

Vorsorglich hole ich mir eine Schürze aus der Küche und ein paar Tücher von der Küchenrolle.

Jeder malt nun drauf los. Nach Herzenslust und was ihm gerade einfällt. Ich versuche mich an einem kleinen Hasen und mit ein klein wenig Phantasie kann man ihn auch als einen solchen erkennen. Noch ein paar Blümchen darum herum und fertig.

Dem nächsten gebe ich zunächst eine komplette dunkelblaue Grundfärbung und lasse es erstmal trocknen. Danach bringe ich mit Gelb einfache aber wirkungsvolle Verzierungen auf. Sieht auch nicht schlecht aus.

Nach etwa einer weiteren Stunde haben Jörg Thomas und ich jeweils drei Eier in den unterschiedlichsten Weisen verziert.

Nur Benjamin sitzt noch immer an nur einem Ei und das mit voller Hingabe.

Ich lehne mich an ihn und versuche zu erkennen was da entsteht.

„Wow, Benni! Du hast mir noch nie erzählt, das du Malen kannst!“ Benjamin schaut etwas verlegen.

„Na ja, in der Schule hatte ich in Kunst immer eine Eins.“

Noch ein paar Pinselstriche und auch er ist fertig. Ein kleiner Tiger vor einem Bambushain ist entstanden. Ich bin mir sicher, dass weder Jörg noch Thomas die wahre Bedeutung des Gemäldes erahnen. Dafür weiß ich es umso besser und drücke völlig ungeniert Benjamin einen sanften Kuss auf die Wange.

„Danke!“ flüstere ich dabei leise in sein Ohr. „Der ist wunderschön!“

„Wir haben sehr spät gefrühstückt, ich bin dafür, wir lassen Mittag ausfallen und finden uns zur Kaffeestunde wieder ein.“ schlägt Jörg vor. Ich möchte mich inzwischen ein wenig aufs Ohr hauen. Ich fühle mich ein wenig kaputt.

„In Ordnung. Du habt ihr noch die Schneeschuhe in der Abstellkammer?“

„Ja Thomas, da sollten sechs Paar an der Wand hängen. Ich glaube auch, sie die Tage noch gesehen zu haben. Willst Du wandern?“

„Klar jetzt mit dem Neuschnee, ist doch genial und macht Laune. Außerdem waren Benjamin und Mario noch nicht auf dem Gipfel eures Hausberges.“

„In Ordnung, du kennst die Route ja schon. Nehmt aber bitte jeder einen Lawinenpiepser mit und jeder sein Handy. Und geht kein Risiko ein, das ist die schöne Aussicht da oben nun auch nicht wert!“ Jörg gähnt und zieht sich in sein Zimmer zurück.

„Seit ihr schon mal mit Schneeschuhen gewandert?“ Benjamin und ich schauen uns an und zucken mit den Schultern.

„Okay, lass uns eben die Terrasse aufräumen und dann zieht gleich eure Snowboardanzüge an.“

Eine Weile später stehen wir abmarschbereit wieder auf der Terrasse. Benjamin hat noch schnell eine neue Speicherkarte und Batterien in die Digicam eingesetzt.

„Also, eigentlich ist es gar nicht schwer. Ihr müsst nur etwas breitbeinig gehen, etwa so wie die Skater mit den tief hängenden Hosen. Dann solltet ihr darauf achten, dass ihr die Schuhe bewusst sehr hoch hebt für den nächsten Schritt, so dass der Schuh immer von oben auf den Schnee aufgesetzt wird. Nun müsst ihr nur noch aufpassen, dass ihr euch nicht selbst auf den Schuh tretet.

Eigentlich ganz einfach, aber für den ungeübten auch etwas anstrengend. Deshalb werden wir auch ganz langsam gehen. Er schnallt sich einen Rucksack auf den Rücken und geht los.

Das erste Stück geht es so einiger Maßen. Ich bin mir, trotz der ausführlichen Erklärung doch ein paar Mal auf den eigenen Schuh getreten.

Nun wird der Pfad steiler und Thomas verlangsamt das Tempo noch weiter. Schritt für Schritt erklimmen wir im tiefen Schnee einen nicht sichtbaren Pfad.

„Ihr habt eigentlich ein super Glück. Ich war mit Jörg auch im Herbst hier und da war der Weg nicht begehbar. Lauter loses Geröll. Versteht ihr?“

„Wann bist du diesen Weg denn das letzte mal gegangen?“ frage ich etwas beängstigt.

„Am Samstag. Also am Tag bevor wir euch kennen gelernt haben. Also keine Sorge. Wir werden schon nicht vom Pfad abkommen.“ beruhigt Thomas mich.

Nach weiteren fünf Minuten macht Thomas halt.

„So Jungs. Nun verschnauft euch mal einen kurzen Moment. Aber wirklich nur kurz, sonst fangt ihr an zu frieren.“ Dankbar setze ich mich in den Schnee und streife die Schneeschuhe ab. Der Blick ins Tal und auf die gegenüberliegenden Berge ist jetzt schon unbeschreiblich.

Benjamin ist noch hinter mir stehen geblieben und den Klickgeräuschen nach fängt er die Aussicht mit der Kamera ein.

„Wie viele Bilder passen auf die Speicherkarte?“ fragt Thomas.

„Ich habe jetzt eine 1 GB-Karte drin. Damit kann ich 300 Pics bei höchster Auflösung machen.“ erklärt Benjamin sachlich.

„Cool. Ich wollte nur sicherstellen, dass du nachher, oben auf dem Gipfel noch genügend Reserve hast. Du wirst schon sehen warum.“

Die Bemerkung macht mich nun allerdings neugierig. Ich streife mir die Schneeschuhe wieder über und Thomas hilft mir beim Aufstehen.

Thomas legt uns beiden jeweils einen Arm um die Schulter und blickt noch einmal gemeinsam mit uns ins Tal.

„Kommt Jungs, diese Aussicht ist nur zum Anfüttern.“

Ich muss zugeben, als Tourführer versteht Thomas es uns zu motivieren.

Es geht weiter sehr steil bergauf und Thomas hat jetzt eine noch langsamere Schrittfolge gewählt. Dennoch kommen wir ganz gut voran.

Noch einmal machen wir eine ebenso kurze Rast wie vorhin und dann beginnt der Endaufstieg.

Die Steigung lässt langsam nach. Erst jetzt bemerke ich rein zufällig, dass hier keine Bäume mehr stehen.

Immer mehr flacht sich das Gelände ab. Und jetzt, fast wie auf einer kleinen Ebene erkenne ich im Schnee zwei Erhöhungen.

„Wir sind da, bevor ihr euch ausruht, helft mir mal kurz.“ Aus seinem Rucksack zieht Thomas ein kleines Kehrblech.

„Unter diesem Hügelchen sollten sich eigentlich zwei Bänke und ein Tisch befinden. Ich kümmere mich mal um das kleine Gipfelkreuz.“ und deutet ein paar Meter weiter auf eine andere Schneewehe.

Tatsächlich legen wir geschwind besagte Sitzgelegenheit und den Tisch frei. Es geht ganz leicht, da der Schnee nicht klebt. Auch Thomas hat nur mit den Händen das Gipfelkreuz soweit freigelegt, dass man es gut erkennen kann.

Thomas und ich lassen uns am Tisch nieder während Benjamin mit der Kamera ein Motiv nach dem anderen einfängt.

„Mario, komm mal her, von hier kann man den ganzen Gletscher einsehen!“ Dieser Aufforderung bedurfte es kein zweites Mal. Vorsichtig stiefele ich zu ihm hinüber und er hat Recht. Ein beeindruckendes Panorama breitet sich da vor uns aus. Ich umschlinge Benjamin von hinten mit meinen Armen.

„Es ist wunderschön, nicht wahr? Und alles so friedlich und so still. Die Natur ist einfach vollkommen. Und wir beide stehen mittendrin. Benjamin – ich liebe dich – ganz doll.“

Stolpernd dreht er sich langsam um, spielt mit seiner Nase an meiner und gibt mir dann einen ganz langen Kuss.

„Ich dich doch auch, Tigerchen. Ich gebe dich nie wieder her.“

„Ich will ja nicht stören, aber wer hat Lust auf einen heißen Kaffee?“

Was? Kaffee? höre ich da dieses Zauberwort?

Tatsächlich. Auf dem Tisch stehen eine Thermoskanne und eine kleine Rolle mit diesen runden mit Schoki gefüllten Keksen.

So schnell wie es die Schneeschuhe erlauben, eilen wir zu Thomas.

„Sorry Jungs, in der Eile habe ich leider weitere Becher vergessen. Also müssen wir wohl oder übel alle aus diesem trinken.“

Wo ist das Problem?

„Ih git, da ist ja gar kein Zucker drin?“ beschwert sich Benjamin.

„Das ist Absicht. So löscht der Kaffee besser den Durst. Ach ja und nicht vergessen, Kaffee treibt. Bevor wir den Rückweg antreten solltet ihr noch mal pinkeln!“ Da spricht der Pragmatiker.

Nach und nach finden auch die Kekse den Weg ihrer Bestimmung. Und immer wieder macht der Kaffeebecher seine Runde. Thomas füllte ihn absichtlich nicht zu voll, da er sonst zu schnell auskühlen würde.

Thomas ist da wie ich. Kaffee muss heiß sein. Nur Benjamin mag ihn lieber weniger heiß und so bekommt er immer den Becher als letzter in der Runde.

„Mario, hier nimm mal die Tube. Das ist eine medizinische Sonnenschutzcreme. Ich glaube du solltest Benjamin mal damit behandeln.“

„Oha, hast Recht. Das wird höchste Zeit. Aber warum machst du es nicht selbst? Traust du dich nicht einen Schwulen anzufassen?“

„Hähä, nachdem ich schon mit Benjamin nackt gebadet habe??? Also kann das gar nicht so schlimm sein.“

Langsam geht Thomas um den Tisch und setzt sich vor Benjamin auf die Bank.

Die Nase von Benjamin hat wirklich schon einen Sonnenbrand und auch die Lippen sehen sehr spröde aus.

Behutsam trägt Thomas ihm einen Strang der Salbe auf und massiert sie mit kreisenden Bewegungen in die Haut ein. Ganz zieht die Salbe nicht ein und so hat nun Benjamin eine weiße Nase.

Ich kann es mir nicht verkneifen und stimme flötend die Melodie eines bekannten Weihnachtsliedes an, in dem es um eine rote Nase geht.

Zum Glück sitzt Benjamin mit dem Rücken zu mir und kann sich nicht wehren.

„Thomas, du solltest dich auch eincremen. Ein wenig bist du auch gerötet.“ sagt Benjamin.

„Machst du das bitte.“ erwidert dieser.

„Man Mario, hast du ein Glück. Hast du schon jemals im Leben einen Sonnenbrand gehabt?“ will Thomas von mir wissen.

„Äh, schreibt man Sonnenbrand mit T oder mit DT?“

„Okay, schon verstanden.“

Ich schenke nun den letzten Schluck Kaffee ein und stopfe die leere Keksverpackung wieder in den Rucksack von Thomas.

Ein letztes Mal macht der Becher die Runde und dann ist auch die Thermoskanne wieder verstaut.

„Ah, ist das schön hier. Und gar nicht kalt. Schade, dass wieder gehen müssen!“ stelle ich abschließend fest.

„Täusche dich nicht. Aber ihr habt unbeschreibliches Glück. Heute kommt alles zusammen. Trockene Luft und dadurch die Superfernsicht und dann auch noch Windstille. Das zusammen gibt es höchsten zweimal im Jahr. Was schätzt ihr wie viel Grad es sind? Ich habe es so auch noch nicht erlebt. Auch bei mir zu Hause nicht.“

„Hm, ich sage mal -5 Grad“. schätzt Benjamin.

„Ne, niemals. also ich würde sagen ganz kapp unter Null.“ ergänze ich.

„Ha, da sprechen die norddeutschen Küstenbewohner. Also, kleiner Tipp. Vorhin an der Hütte war es minus 12. Wir sind fast 700 Meter aufgestiegen, somit dürften es hier rein rechnerisch etwa -17 Grad sein.“ belehrt uns Thomas.

„Rechnerisch? Gibt es da eine Formel?“ will Benjamin wissen.

„Ja, ich bin Segelflieger, und da haben die uns beigebracht, dass in einer Standardatmosphäre die Temperatur pro 1000 Fuß Höhenzunahme um 2 Grad abnimmt.“

„Aha.“ gebe ich zum Besten, obwohl ich nur Bahnhof verstanden habe. Aber er wird wohl Recht haben.

Thomas hat mittlerweile seinen Rucksack aufgenommen und schreitet voran in den Fußspuren die wir beim Aufstieg hinterlassen haben.

Noch einmal lasse ich verträumt meinen Blick die wunderschöne Aussicht einfangen. Wenn Thomas Recht hat, dann werden wir ein so wundervolles Panorama wohl nie wieder mit eigenen Augen sehen.

Thomas hält noch einmal an.

„Benjamin, gibst du mir mal deine Kamera? Ich gehe mal ein paar Schritte voraus und mache dann von euch ein paar Bilder vom Abstieg. So etwas fehlt euch ja noch von dieser Tour.“

„Okay. Meinst du, du kannst damit umgehen.“

„Ja, unser Mitbewohner in Salzburg hat glaube ich die gleiche.“

Und schon stiefelt Thomas etwas voraus. Als er den Arm hebt und uns zuwinkt marschieren auch wir weiter, gehen jetzt aber nebeneinander.

Die Bilder sind im Kasten und Benjamin verstaut die Kamera wieder in der Innentasche seines Anoraks.

„Achtung Benjamin, Mario! Jetzt kommen wir langsam wieder an die steile Strecke. Es klingt zwar vielleicht nicht logisch, aber mit den Schneeschuhen ist der Weg bergab viel schwieriger als bergauf. Also seit behutsam und achtet konzentriert auf jeden einzelnen Schritt. Es ist egal wie lange wir brauchen. Okay?“

Wir setzen unseren Marsch fort. Vorneweg Thomas, der das Tempo vorgibt, dann der hübsche Junge mit der weißen Cremenase und ich mache den Abschluss. Oh shit, jetzt bin ich mir wieder selbst auf den Schuh getreten. Wie wild rudere ich mit den Armen, wachse um Längen und kann nur noch einen Urschrei ausbringen.

„Aus dem Weg!!!“

Im letzten Moment erkenne ich noch, dass Thomas tatsächlich einen gewaltigen Sprung zur Seite macht, dann ist alles nur noch weiß und die Welt um mich herum dreht sich.

Ich stoße gegen irgendetwas Weiches, aber kullere noch weiter und weiter.

Lange dauert es nicht und die Erde steht wieder still und mein Gesicht steckt im Schnee.

„Danke, das war es was ich jetzt unbedingt brauchte!“ kichert Benjamin, der ein Stück hinter mir liegt.

„Gern geschehen mein Hase. Du weißt ja, für dich tue ich alles. Nun mal ehrlich alles klar bei Dir?“

„Außer ein wenig Schnee im Nacken ist nichts passiert.“ Mittlerweile hat er sich hingesetzt, die Handschuhe ausgezogen und versucht sich den Schnee aus dem Kragen zu pulen.

Ich versuche aufzustehen, aber es geht nicht. Die Stiefel finden keinen Widerstand und versinken einfach im Tiefschnee.

Ein Stück weiter oben kringelt sich Thomas vor Lachen.

„Schade, dass ich die Kamera zurückgegeben habe. Das ist ein Bild für die Götter.“

Benjamin spielt mit und fummelt die Knipse hervor.

„Hier, tue dir keinen Zwang an.“ grinst und übergibt Thomas das Gerät.

Aus allen Richtungen lichtet Thomas nun zwei unfreiwillige Schneemänner ab, während ich meine rote Strickpudelmütze aus dem Schnee ausgrabe.

Zum Glück ist es so kalt, dass sich der Schnee mühelos abklopfen lässt.

Nach und nach hat nun Thomas unsere Schneeschuhe zusammengesucht und kontrolliert.

Es ist nichts kaputt gegangen und wir können sie wieder anlegen.

Nun hilft er uns wieder auf die Beine und ist immer noch am Lachen.

Auch Benjamin lacht ungeniert und jappst nach Luft.

Nach und nach beruhigen wir uns und Thomas schenkt es sich, uns noch einmal zur Vorsicht zu ermahnen.

Vorsichtiger als vorher folge ich meinen Gefährten und achte nun aber genau darauf, wo ich hintrete.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir das Basiscamp, äh, ich meine die Rosenbachhütte.

Ich bin total erschöpft und habe Hunger und Durst.

Benjamin hingegen, quirlig wie er ist, hat sich ruckzuck seiner Winterausrüstung entledigt, sammelt die Schneeschuhe ein und beginnt für Ordnung zu sorgen.

Auch ich quäle mich nach und nach aus dem warmen Anzug und folge in das gut geheizte Wohnzimmer.

„Oh man. Sage mal, Mario, wirst du immer so schnell braun?“ fragt Jörg kopfschüttelnd als er mich sieht.

Er sitzt mit ausgestreckten Beinen am Kamin und hat ein Taschenbuch auf dem Schoß.

„Ja, das ist mein italienisches Blut. Ich brauche nur das Wort Sonne zu schreiben und schon färbt sich die Haut.“ lache ich. Auch er muss grinsen.

„Benni ist da genau das Gegenteil. Ich fürchte, er hat sich ein wenig die Nase verbrannt.“

„Hat Thomas euch die Creme gegeben?“

„Ja und er hat Benni auch liebevoll behandelt.“ grinse ich.

„Dann ist ja gut. Morgen wird dann davon nichts mehr zu sehen sein.“ beruhigt mich Jörg.

Ich gehe mir kurz die Hände und das Gesicht waschen und schon sind wir wieder alle versammelt als Jörg beginnt an der gedeckten Kaffeetafel einzuschenken.

„Ich dachte mir, zur Feier des Tages wäre ein Gläschen Rumtopf zum Kaffee eine gute Idee.“

stellt Jörg so einfach in den Raum.

Oh, oh, so eine Erfahrung habe ich schon einmal gemacht. Wie das wohl enden wird. Aber auch ich stimme mit einem kräftigen Nicken zu.

Auf der Anrichte stehen dieser verdächtige Tonkrug und vier Bowlegläser mit so kleinen Cocktailspießchen.

„Thomas, würdest Du das bitte übernehmen? ich hole noch eben was aus der Küche.“

Benjamin und ich schließen uns Thomas an, und empfangen jeder ein gefülltes Glas, welches sofort sein charakteristisches Aroma freigibt.

Jörg ist nun auch wieder da und wir stoßen gemeinsam an.

„Auf deinen Zwanzigsten, lieber Mario!“ führt Thomas die Runde an.

Wir nehmen den ersten Schluck und begeben uns zum Esstisch.

Nun bleibt mir aber die Spucke weg. Da steht ein Kuchen.

„Wo kommt der denn her?“ Ungläubig schaue ich in die Runde.

„Ja glaubst Du denn wirklich, dass ein Student in meinem zarten Alter schon einen Mittagsschlaf braucht? Außerdem wollten die vielen Eier ja sinnvoll verwertet werden!“ Thomas lacht und alle anderen fallen mit ein.

„Sagt bloß ihr wusstet davon?“ Zuerst schaue ich Benjamin an, dann Thomas. Schon wieder zwei lammfromme Gesichter die zur Zimmerdecke schauen.

Nacheinander umarme ich sie und drücke sie ganz fest. Zum Schluss Jörg und sage deutlich vernehmbar für alle:

„Danke, ihr seid so lieb. Danke!“

Thomas erhebt noch einmal das Glas und sagt:

„Prost, also ist uns diese Überraschung ja gelungen!“

„Prost!“

Wir setzen uns und Jörg schneidet den Kuchen an.

Ich bekomme ganz glasige Augen im Kerzenschein und bin total gerührt.

Nervös greifen meine Hände zum Anhänger an meiner Kette.

Benjamin legt seine linke Hand auf meinen rechten Oberschenkel.

„Ist ja schon gut. Komm probiere den Kuchen.“ haucht er mir ins Ohr.

Willig folge ich der Anweisung.

„Hmmm, Apfelkuchen! Und der ist ja sogar noch lauwarm und so saftig und überhaupt. Hmmm, lecker!?!“

„Ja, ich musste ihn sogar kurz nach draußen stellen. Der ist erst seine einer halben Stunde aus dem Ofen.“ erklärt Jörg.

„Wo hast du backen gelernt?“ frage ich neugierig mit vollem Mund.

„Schon meine Herkunft vergessen? Aber Spaß beiseite. Das ist ein ganz einfacher Rührteig. Äpfel geschält und draufgeschnippelt, ein paar Streusel drüber und ab in den Ofen. Backzeit nach Gefühl und aus die Maus!“ Alle schmunzeln und genießen.

„Bitte glaubt mir, das ist der schönste Geburtstag, den ich je erlebt habe. Einfach perfekt. Da passt heute aber auch alles zusammen. Ich Danke euch. Danke, euch allen!!!“

Wir tafeln lustig weiter. Kaffee, Kuchen und immer wieder ein klitzekleines Schlückchen Rumtopf aus dem mittlerweile dritten Gläschen. Hihi.

Die Stimmung ist super.

Der Kuchen ist bis zum letzten Krümel verschwunden und die Kaffeetafel abgeräumt.

Ich darf mir was wünschen wie es weitergeht und entscheide mich für ein einfaches Kartenspiel: Mau-Mau.

Simpel, aber immer wieder gern genommen.

So feiern wir bis tief in die Nacht. Jörg hat irgendwann noch mal ein paar Schnittchen gemacht, aber fragt mich nicht was da drauf war.

Jedenfalls bin ich unheimlich glücklich und dieser süße Junge in meinen Armen mit dem Engelshaar auch.

Den Samstag lasse ich aus Gründen der Diskretion wohl besser aus. Vielleicht nur soviel, dass Jörg ein deftiges Katerfrühstück aufgefahren hat und wir uns von den Pisten ferngehalten haben.

Vielleicht sollte ich aber erwähnen, dass Toni den Jörg angerufen hat. Toni ist der Inhaber der Skihütte, wo wir immer unseren Tee zwischen den Abfahrten trinken.

Er hat gefragt ob wir morgen aushelfen können, um Ostereier zu verstecken. Seine Söhne, die das sonst machen, liegen mit Grippe im Bett.

Selbstverständlich hat Jörg zugesagt.

„Guten Morgen ihr Schlafmützen, fröhliche Ostern!“ weckt uns jemand total unchristlich.

Mein Blick in die Runde lässt mich zweifeln, ob das Realität ist, oder nur ein ganz, ganz böser Traum.

„Benni, kannst du mich mal kneifen?“ „Autsch!“

Das darf doch nicht wahr sein. Es ist noch dunkel!!!

„Kommt Jungs, ich weiß es ist noch sehr früh, aber wir müssen spätestens um 7 Uhr bei Toni sein, sonst schaffen wir das nicht. Es wollen 1000 Eier versteckt werden und die Kids dürfen um 10 Uhr mit der Suche anfangen!“

„Ist der Kaffee fertig?“ ist das einzige was mir momentan dazu einfällt.

„Klaro, oder glaubst du ich bin lebensmüde und wecke dich vorher?“ beschwichtigt Jörg mich.

Tja, dieses Zauberwort wirkt doch immer wieder bei mir. Noch schlaftrunken taste ich mich die Treppe runter und folge mit meiner Nase dem untrüglichen Duft Südamerikas.

„Gibst du mir auch einen Schluck?“ haucht Benjamin müde vor sich hin.

„Ich habe dir schon einen eingeschenkt. Nur halbvoll, damit er nicht so heiß ist.“ antworte ich und streiche ihm zärtlich mit meiner rechten Hand den Rücken rauf und runter.

„Danke. Du bist echt lieb.“

„Ich weiß.“ lächele ich.

„So, ich gehe duschen, kommst du mit?“

„Geh ruhig schon vor, ich trinke nur in Ruhe aus, dann bin ich bei dir.“ antwort mein Schatz.

Wie üblich nehme ich für Benjamin gleich frische Wäsche mit ins Bad und ergebe mich dann dem kalten Wasserstrahl.

Gemeinsam setzen wir uns an den gedeckten Frühstückstisch.

„Sage mal Jörg, wann bist Du denn aufgestanden?“ will Benjamin wissen.

„Kurz vor fünf. Ich bin sogar von selbst wach geworden.“

„Tapfer, tapfer, kann ich da nur sagen.“

Sonst wortlos genießen wir unser Toastbrot und die weich gekochten Eier.

Erst jetzt bemerke ich den schönen Osterstrauß auf dem Tisch.

Zweige von verschiedenen Bäumen, alle mit schon geöffneten Knospen. Natürlich hängen die von uns bemalten Eier daran und ein paar bunte Schleifen sind auch noch angebracht.

„Jörg hast Du auch den Osterstrauß gemacht?“ frage ich neugierig und auch bewundernd.

„Nein, das war Thomas. Den hat er gestern Abend noch fertig gestellt. Schön, nicht wahr?“

„Nicht nur schön. Ich würde lieber sagen romantisch. Da sage noch mal einer, Männer wären kaltherzig.“ Thomas schaut ein wenig verlegen, aber auch ein ganze Portion Stolz ist in dem Mienenspiel vorhanden. Zu Recht!

Der Tisch ist abgeräumt, wir fertig angezogen und bereit aufzubrechen.

Wir haben Glück. Die Sonne ist zwar noch nicht aufgegangen, aber die Dämmerung hat schon eingesetzt. Das Licht reicht soweit aus, dass wir mit den Snowboards zur Ortsmitte fahren können.

1000 Schokoladenostereier und -osterhasen. Habt Ihr so viele auf einmal schon gesehen?

Toni gibt uns kurz eine Einweisung, wo überall, in welchem Umkreis und wie wir die Süßigkeiten verstecken können, sollen, dürfen.

Jeder bekommt ein Körbchen mit dem wir die zu versteckende Ware transportieren können und schon geht es los. Toni selbst legt selbstverständlich auch Hand an.

„Du Toni, darf ich auch kleine Nestkuhlen in den Schnee drücken mit gleich vier Eiern drin.“

„Du bist Benjamin richtig? Also Benjamin, du darfst alles. Aber am besten sieht es dann vielleicht aus, wenn du in so ein Nest einen Hasen setzt und dann ein paar von den kleineren Eiern dazu legst!“

„Oh ja, gute Idee. Danke!“

Benjamin ist mal wieder mit aller Begeisterung und voll Schwung dabei. Schon zum zweiten Mal füllt er sein Körbchen wieder auf.

Aber auch wir anderen kommen gut voran und entdecken immer wieder neue Möglichkeiten für ein geeignetes Versteck.

Schon etwa zwei Stunden sind wir mit Eifer dabei, als uns Toni mit einem Pfiff zur Hütte beordert.

„Kommt Jungs, macht mal Pause. Ich habe frisch Tee aufgegossen, der wird uns gut tun.“

Dankbar nehmen wir die heißen Gläser entgegen.

„Wir sind sehr gut im Rennen. Ich schätze noch etwa zwanzig Minuten und wir sind fertig.“ stellt Toni zufrieden fest.

„Damit eines klar ist, für den Rest eures Urlaubs habt ihr Tee und Kaffee bei mir frei, soviel ihr mögt. Das ist das mindeste, was ich euch schuldig bin!“ ergänzt Toni noch.

Zu einer Antwort kann sich keiner von uns durchringen. Irgendwie ist es uns fast peinlich. Zumindest fühle ich so. Schließlich macht es doch auch Spaß und ich freue mich schon jetzt darauf, wenn die Kids nachher mit der Suche beginnen.

Die Teepause ist vorbei und wir machen uns weiter auf die Suche nach geeigneten und originellen Versteckmöglichkeiten.

Wie schon von Toni vermutet sind wir bald fertig.

„Ich nehme stark an, dass ihr hier bleibt und die funkelnden Kinderaugen sehen wollt, nicht wahr?“

„Klar Toni, ich glaube ich spreche hier für alle, aber das lassen wir uns bestimmt nicht entgehen!“ bestätigt Jörg spontan und wir nicken zustimmend.

Im Hintergrund vernehme ich die typischen Geräusche, als die Liftanlagen in Betrieb genommen werden.

„Jörg, da vorn auf der Ausgabetheke liegen Rollen mit kleinen Plastiktüten. Bitte nehmt euch davon und gebt jedem Kind eine Tüte. Sonst schmilzt denen die Schoki in der Hand.“

„Ja gern, ich kann es kaum erwarten bis es losgeht!“

Ich frage mich wer aufgeregter ist. Die Kinder oder wir? Jedenfalls kommen da schon die ersten Touristen mit ihren Kindern.

Thomas und ich geben wie geplant Tüten aus.

Jörg schlürft noch an einem Tee und Benjamin fängt das ganze Geschehen mit seinem Fotoapparat ein.

Die letzten Wolkenfetzen ziehen nach Osten ab und geben den Sonnenstrahlen den Weg frei.

Ich wage es gar nicht mir vorzustellen, was hier los wäre, wenn es jetzt ein Schneegestöber geben würde. Nein – undenkbar. Das wäre eine Katastrophe.

Schnell schiebe ich die bösen Gedankenfetzen zur Seite und erfreue mich an den vielen glücklichen Kinderaugen.

Ab und zu werfe ich einen Blick auf den süßesten Jungen hier weit und breit. Benjamins Augen gleichen denen der Kinder. Auch er strahlt.

Oh man, was ist das für ein Spaß.

Schade, dass Benjamin und ich niemals Kinder haben werden.

Hihi, es ist echt interessant wo die Kleinen überall lang krabbeln und klettern. Selbst an Stellen, wo ich niemals gedacht hätte, dass sie für Kinder erreichbar sind.

Abseits sehe ich wie Thomas mal wieder bei Benjamin steht. Was machen die denn da?

Ups, die Sonne zeigt wohl schon wieder Wirkung.

„Hat Benjamin schon wieder eine rote Nase?“

„Noch nicht. Aber Vorbeugen ist besser. Dafür brauche ich es jetzt auch nur ganz dünn aufzutragen und es sieht nicht so doof aus!“ klärt mich Thomas auf.

„Danke Thomas. Mario, kommst Du mit, ich gebe einen Tee aus?“ lächelt mein Freund.

„Oh ja, gern. Jörg hat gerade meinen Platz übernommen.“

„Hast Du ein paar schöne Bilder machen können?“

„Sind nicht alle Bilder von Kindern mit glücklichen Augen irgendwie schön?“ philosophiert Benjamin.

„Stimmt. War wohl eher eine dumme Frage.“

Etwas querab weint ein kleines Mädchen. So wie es aussieht ist es wohl auf einen Schokihasen getreten.

Thomas hat das auch gesehen und eilt zu dem Mädchen um es zu trösten. Leider kann ich nicht verstehen, was er dem Kind sagt, aber es scheint sich tatsächlich zu beruhigen und macht sich weiter auf die Suche.

Es ist fast Mittag als sich die Show langsam auflöst. Nur noch ganz selten scheint ein Kind etwas zu finden.

Wir beschließen uns nun auch abzusetzen. Wir verabschieden uns von Toni und wünschen ihm noch einen frohen Ostertag.

„Kochen, oder Restaurant?“ frage ich und schaue zu Jörg.

„Restaurant!!! Bis wir in der Hütte sind und gekocht haben ist es zwei Uhr durch. Das überlebe ich nicht!“ kommt sofort die Antwort von Jörg.

Benjamin und Thomas nicken intensiv ihre Zustimmung und auch ich bin total hungrig.

Unter der ortskundigen Führung von Jörg finden wir in einer Seitenstraße ein recht modernes Restaurant in dem relativ wenig los ist.

Wir überlegen nicht lange und treten ein. Jörg wird schon wissen, warum er uns hier hingeführt hat.

Nach opulenten Mahl und drei Flaschen Wein verlassen wir die gastliche Stätte und schlendern gemütlich zurück zu Tonis Hütte um unsere Snowboard einzusammeln.

Ich glaube ich habe einen leichten Schwips.

Mir ist alles egal. Auf dem Heimweg hake ich mich mutig bei Benjamin ein und so stiefeln wir langsam den beiden Jungs hinterher.

Das kleine Nickerchen hat gut getan und wir lassen den Abend in aller Ruhe und Stille ausklingen. Benjamin und ich haben es uns am Kamin gemütlich gemacht und lesen in unseren Büchern. Was Thomas und Jörg machen weiß ich ehrlich gesagt nicht. Zu tief bin ich in dem Buch versunken.

Der Vormittag verlief schon fast wie immer, mit dem einzigen Unterschied, dass Benjamin und ich sehr lange in der Wanne gelegen haben.

Den Mittag sind wir zu Jörgs Eltern in der Pension eingeladen.

Ist natürlich ein Vorteil, wenn man selbst keine Arbeit hat, dafür müssen jedoch Benjamin und ich uns zusammenreißen und ordentlich benehmen (also nichts mit Händchen halten und so).

Zum Glück wissen die Rosenbachs über meine Essvorlieben bescheid und haben entsprechend Rücksicht genommen.

Nun haben wir auch Michelle und Alois näher kennen lernen dürfen. Beide sind sehr nett.

Besonders Alois ist ein recht cleveres Kerlchen und für sein Alter schon sehr vernünftig.

Wir bleiben noch den ganzen Nachmittag in lockerer Runde zusammen und führen viele sehr spannende Unterhaltungen. Kurzum, auch dieser Tag ist ein gelungener Festtag, nur diesmal halt in sehr familiärer Atmosphäre.

Die Tage der Woche sind in Routine übergegangen.

Essen, Piste, Essen, Piste, Essen, Feiern, Kopfschmerzen und so weiter.

Nein, nein, also ganz so schlimm ist es wahrlich nicht.

Aber es passierte auch nichts, was eine besondere Erwähnung wert gewesen wäre.

Und so kommt es wie es nun mal kommen muss.

Gestern Abend haben Benjamin und ich soweit möglich schon gepackt.

Jörg hat versprochen uns zum Bahnhof zu fahren.

Heute Morgen mussten wir mal wieder vor dem Wachwerden aufstehen und nun sitzen wir beim Frühstück zusammen. Thomas will auch mitkommen zum Bahnhof.

Was das Zusammensitzen betrifft, so habe ich mit Absicht das Wort gemütlich weggelassen.

Irgendwie ist die Stimmung gedrückt, bzw. es will gar keine Aufkommen.

Benjamin hat nur zwei Aufbackbrötchen gegessen. Für seine Verhältnisse ist das geradezu ein Nichts.

Im Moment schreibt er zwei Zettel für die Jungs mit Anschrift und E-Mail-Adresse.

Unsere Handynummern haben die Jungs ja schon.

Nun greift sich Thomas den Block und schreibt uns seine Daten auf. Jörg hat mir eine Visitenkarte gegeben.

„Versprecht ihr mir, dass ihr wirklich zu Weihnachten wiederkommt?“ fragt Jörg noch einmal und legt den Kopf etwas skeptisch zur Seite.

Ich schaue zu Benjamin und er zu mir. Wir nicken uns zu.

„Fest versprochen! Ehrenwort!“ beteuert Benjamin und hält seine Hand mit der Handfläche nach oben über die Mitte des Tisches, worauf erst Jörg, dann ich und zum Schluss Thomas einschlagen.

Ich schau auf meine Uhr und stehe auf.

„Es hilft alles nichts. Es wird Zeit, wenn wir den Zug nicht verpassen wollen.“

Mein Aufbruch steckt an und alle stehen nun auf.

Während Benjamin und ich uns anziehen stellt Thomas noch schnell die Lebensmittel in den Kühlschrank.

Den Schlitten mit dem Gepäck lässt Thomas vor sich her gleiten und wir kommen gut voran.

Niemand spricht. Die Stimmung ist nahezu unheimlich.

Bei der Pension wird umgeladen und die letzte gemeinsame Etappe des Urlaubs nimmt ihren Verlauf.

Am Bahnhof helfen die Jungs und kommen mit auf den Bahnsteig.

Als noch weit entfernt ein Pfiff der Lok die Stille durchbricht beginnen wir mit dem Abschied nehmen.

„So Jungs, jetzt rede ich mal Klartext. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für Trübsal, Trauer, oder Tränen. Klar? Lass uns jetzt einfach daran denken, wie schön die letzten beiden Wochen waren, was wir alles erlebt haben und wie viel wir gelacht haben. Okay?

Ich jedenfalls habe jetzt nur noch das im Kopf und die Vorfreude auf das Wiedersehen!!!“

Wow, so habe ich Benjamin ja noch nie erlebt, aber er hat total Recht.

Der Zug fährt gerade ein, als wir uns alle nacheinander umarmen und fest drücken.

Wir steigen ein und die Jungs reichen uns Stück für Stück das Gepäck hoch.

„Gute Reise und ruft bitte kurz an wenn ihr zu Hause seid.“

„Klar machen wir!“ rufe ich zurück und der Zug setzt seine Fahrt fort.

Die Sitzplatzsuche ist eigentlich gar keine, denn der Waggon scheint komplett leer zu sein.

Wir machen es uns gemütlich und Benjamin beginnt die Unterhaltung.

„Erinnerst du dich wie du uns bei den Jungs geoutet hast?“

So geht es die ganze lange Fahrt bis wir wieder zu Hause sind.

Szene für Szene des gesamten Urlaubs holen wir uns in Erinnerung und müssen so manches Mal so doll lachen, dass sich andere Fahrgäste zu uns umsehen.

Fazit ist, das waren bislang unser aufregendster Urlaub, unser erlebnisreichstes Osterfest und mein schönster Geburtstag! Wir haben ganz tolle Freunde gewonnen und neben mir sitzt der liebste Junge der Welt!!!

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Information Romeo und Julius (Coautor Rasmus)
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:32 AM - No Replies

An einem kalten Frühlingstag, kurz vor Ostern, machte sich Julius auf, wie jeden Tag wenn er zur Arbeit musste. Mit seinem alten Landrover hangelte er sich den steilen Weg hinauf zur Straße. In der nacht hatte es gestürmt, doch jetzt war die Luft rein und klar.

Das alte Cottage, dass Julius bewohnte hatte er von seinem Großvater geerbt. Ein Grund mehr warum er aus Dänemark, wo er aufwuchs, zurück nach England zog. Und um das Cottage zu halten, jobbte er in einem Hotel, zu dem er jetzt unterwegs war.

Auf der Straße angekommen genoss er kurz den Anblick der Weite des Landes, wie es für die südenglische Küste bei Cornwall bekannt war. Schweren Herzen gab er Gas und fuhr die Straße Richtung St. Ives davon.

* *

„Julius, könntest du die blaue Suite herrichten?“ fragte Maggie vom Empfang.

„Ja mach ich, wer kommt?“, kam es von Julius.

„Ein gewisser Gugini, einer von den Neureichen, denk ich mal.“

„Wie alt?“

„Fünfundzwanzig.“

„Na dann auf, bis später Maggie“, sagte Julius und verschwand in den Personalbereich.

Es war Julius eigentlich egal wer kam, er verrichtete seine Arbeit, die Gäste waren zufrieden, also keinen Stress für ihn. Er suchte sich die englische und italienische Tageszeitung heraus. Es störte ihn auch nicht weiter, für Gäste den Diener zuspielen, Hauptsache er verdiente damit Geld.

Julius schob seinen Wagen in die blaue Suite und schloss hinter sich die Tür. Julius schob seinen Wagen in die blaue Suite und schloss hinter sich die Tür. Er legte die zwei Zeitungen auf den Sekretär und überprüfte die Minibar, ob sie vollständig bestückt war.

Im Bad war auch alles in Ordnung, er konnte mit beruhigten gewissen auf seinen neuen Gast warten. Er schaute gerade zum Fenster auf, als die große Flügeltür aufgeworfen wurde.

„Und das Frühstück auf Zimmer, keine Anrufe durchstellen vor zehn und Abends möchte ich eine wohl temperierte Flasche Monopoles Nicolas Napoleon auf den Zimmer stehen haben“, kam es von dem Neuankömmling.

Nick kam hinter ihm hergesprungen und notierte sich alles. Julius verzog keine Mine und begrüße den Gast.

„Guten Morgen Mister Gugini.“

Mister Gugini drehte sich um und musterte Julius von oben bis unten.

„Wenn ich dich brauche kannst du wieder auftauchen, aber jetzt verschwinde gefälligst.“

Julius nickte und verschwand mit Nick zusammen aus dem Zimmer.

* *

„Was ist das denn für ein Arsch“, fragte Nick und musste sich beherrschen nicht laut zu werden

„Beruf Sohn würde ich sagen, nichts anderes“, entgegnete Julius

„Ist doch voll s.., der Chef hat angedeutet, das wäre ein wichtiger Gast und wir sollen ihn gut und zuvorkommend behandeln.“

„Der Kunde ist König, dass weißt du doch Nick“, sagte Julius und nahm die Treppe nach unten.

Innerlich war Julius auf hundertachtzig, aber nach außen hin war er wie immer der ruhige Nette, den alle mochten. Aber was anderes machte Julius Gedanken, obwohl er diesen Gugini nicht ausstehen konnte, fühlte er sich irgendwie zu ihm hingezogen. Gegensätze scheinen sich wirklich angezogen zu fühlen, dachte er sich im Stillen.

Unten angekommen, kam ihm Hotelmanager Henson entgegen.

„Julius, was hat sie denn geritten. Unser neuer Gast hat gerade angerufen und sich über sie beschwert“, sagte er und blähte sich dabei auf wie ein Walross.

„Bitte? Er hat gesagt, er ruft mich, wenn er mich braucht, sonst hat nichts mit mir gesprochen“, sagte Julius entsetzt.

„Das ist mir egal, kommt noch mal eine Beschwerde, können sie ihre Papiere abholen, bei so einem Gast können wir uns das nicht leisten.“

Julius wusste nicht wo ihm der Kopf stand und er war unheimlich sauer. Er hat außer dem „Guten Morgen“ nicht ein Wort mit dem Fremden gewechselt und nun beschwert sich dieser Typ über ihn.

„Julius, du wirst in der blauen Suite verlangt“, sagte Maggie und rollte mit den Augen.

Zornig rannte Julius die Treppe hinauf, bis er vor der Suite angelangt war. Er zog seine Kleidung zu recht und klopfte.

„Herein“, rief es von drinnen.

Julius öffnete die Tür und trat ein.

„Wurde auch langsam Zeit, dass jemand kommt“, kam es aus dem Bad.

Überall im Zimmer waren Klamotten verteilt. Innerhalb einer viertel Stunde, hatte der Fremde das Zimmer auf den Kopf gestellt. Julius begann die Kleidung aufzuheben, und schön zusammengelegt über den Herrendiener zu hängen.

Die Tür zum Bad wurde aufgeworfen und Mister Gugini trat heraus. Julius musste schwer schlucken, denn außer dem Handtücher über die Schulter, hatte Gugini nichts an.

„Was starrst du so, hol mir gefällig den blauen Anzug aus dem großen Koffer“, sagte Gugini.

Julius tat wie ihm geheißen. Er zog den blauen Anzug aus dem Schrankkoffer und hängte ihn am Schrank auf.

„Welches Hemd möchten sie dazu anziehen, Sir?“, fragte Julius leise.

„Entweder das Blaue oder das Weiße.“

Vorsicht entnahm er das weiße Hemd und legte drei dazu passende Krawatten heraus. Er stellte sich nähe des Koffers auf die Seite und wartete auf weitere Anweißungen. Julius Augen wanderten wieder über diesen makellosen Körpers des Italieners. Er schien Sport zu treiben, nach der Muskulatur zu urteilen.

„Du kannst dann gehen, anziehen kann ich mich alleine“, sagte Gugini wiederum in einem sarkastischen Ton.

* *

Julius saß da und weinte. Eben war er aus dem Personalbüro raus und hatte seine Kündigung bekommen. Er verstand die Welt nicht mehr. Es gab wirklich nichts zu beanstanden an seiner Arbeit, aber dieser Italiener hatte es fertig gebracht, ihn bei seinem Chef anzuschwärzen.

Er packte seine Habseligkeiten in seinen Rucksack und lies dann die Spindtür zuknallen. Maggie saß an der Rezeption und warf ihm einen mitleidigen Blick zu. Er winkte ihr kurz noch mal zu und verließ das Hotel durch den Haupteingang. Am Landrover angekommen, schmiss er den Rucksack auf den Beifahrersitz und stieg dann selber ein.

Eine Weile war vergangen, und er saß immer noch da. Es gab jetzt nur eins was er tun konnte. Er wusste wohin er fahren musste. Graine!

* *

„Hallo Julius, schön das du vorbei schaust.“

Graine arbeitete in ihrem Vorgarten, der Sturm gestern Abend schien ihm zugesetzt zu haben.

„Hallo Graine“, sagte Julius.

„Hast du geweint? Was ist passiert?“

„Ich bin mein Job los, ich wurde rausgeworfen..“

Graine ließ ihre Hacke fallen.

„Wie bitte, man hat dich rausgeworfen, aber warum das denn?“

„Wegen eines reichen, italienischen Snobs, dem mein Gesicht nicht gefiel.“

In diesem Augenblick fing Julius wieder an zu weinen. Graine nahm ihn in den Arm.

„Weißt du was, komm mit rein ich mach uns eine Tasse Tee“, sagte Graine und zog ihn mit ins Haus.

Julius setzte sich an den Küchentisch und Graine ließ den Teekessel voll Wasser laufen.

„Ich hab mir ein wenig was auf die Seite gelegt, das wird noch eine Weile reichen, aber wenn ich keinen neuen Job finde, dann…“, Julius verstummte.

„Jetzt mal doch nicht gleich schwarz. Du findest bestimmt einen neuen Job. Und wenn nicht, ich hab dir schon angeboten, mich umzuhören, ob jemand deine Bilder kaufen möchte“, meinte Graine und stellte das Teegeschirr auf den Tisch.

„Wer will denn schon Landschaftsmalereien kaufen“, sagte Julius und verzog das Gesicht.

„Du würdest dich wundern, was für eine große Nachfrage besteht, nach solchen Bildern. Also abgemacht ich höre mich um und gebe dir Bescheid“, kam es von Graine, die gerade das heiße Wasser in die Teekanne schüttete.

„Wenn du meinst… meinetwegen, obwohl ich mir da nicht viel Hoffnung mache.“

Julius hatte seine Tasse in der Hand und starrte zum Fenster hinaus.

„Was ist los, über was grübelst du?“, fragte Graine.

„Über den Italiener…“

„Wie bitte…. vergiss den Arsch.“

Julius schaute Graine durchdringend an.

„Oje Julius, sag bitte nicht, dass was ich denke.“

„Doch Graine, er hat mir irgendwie gefallen.“

„Lieber Julius, nicht jeder Mann der einen süßen Arsch in der Hose hat, ist schwul.“

„Das weiß ich selber, aber er geht mir nicht aus dem Kopf.“

* *

Julius stand dicht am Rand der Klippe. Draußen auf der See tobte der Sturm, hoch schlugen die Wellen gegen das Land. Er spürte wie hart der Wind sein Gesicht traf, doch er genoss es. Verloren in seiner Gedankenwelt, strotze er dem Wind. Im kamen seine Eltern in den Sinn, mit denen er sich überworfen hatte.

Das erste mal seit langen sehnte er sich nach ihnen. Sein Vater konnte und wollte nicht akzeptieren, dass Julius auf Jungs stand und nach Meinung seines Vaters, ein normales bürgerliches Leben mit Frau und Kind führen sollte. Er wischte sich die Tränen aus den Augen.

Tief saß dieser Schmerz in ihm, denn er liebte seinen Vater und dieser Bruch, brachte ihn fast um den Verstand. Traurig und müde lief er zum Haus zurück.

* *

„Hallo jemand da?“

Graine hörte draußen jemanden rufen, ging zur Tür und öffnete sie. Ein junger Mann, edel gekleidet, stand im Vorgarten.

„Sie müssen Mister Gugini sein,“ fragte Graine, an der Tür stehend.

„Ja, und sie Misses Huddington?“ fragte der Fremde.

„Stimmt, wir haben telefoniert.“

Gugini lies seinen Blick über den Vorgarten wandern.

„Schön haben sie es hier…“

„Ja, aber leider unverkäuflich“, sagte Graine.

Gugini fing an zu grinsen.

„Sie haben mir sicherlich ein paar ebenso schöne Cottages herausgesucht, oder?“

„Das will ich aber meinen“, sagte Graine, und wollte sich wieder zur Tür drehen, um ihre Unterlagen zu holen.

„Ich habe da ungefähr zwei Meilen von hier ein wunderschönes Haus an den Klippen gesehen, ist das auch dabei?“

„Nein, das bleibt beim Besitzer, denk ich mal“, sagte Graine und forderte Gugini mit einem Handwink zu Eintreten auf.

Gugini trat ein und schaute sich in der Wohnküche an.

„Sie haben einen guten Geschmack, richten sie auch Häuser ein?“ fragte Gugini.

„Ab und wann ja, wenn es der Kunde wünscht“, antwortete Graine und zog ihren Ordner aus dem Regal.

„Und sie meinen wirklich nicht, dass sich der Besitzer, gegen eine höhere Bezahlung, sich von seinem Häuschen trennen würde?“, fragte Gugini und schaute durch das Fenster Richtung Meer.

„Sie können es gerne versuchen, aber Hoffnungen mach ich ihnen keine.“

* *

Julius schloss die Läden, denn es war ein schwerer Sturm, diese Nacht angesagt. Von weitem hörte er ein Motorgeräusche und drehte sich in dessen Richtung. Auf seinem Privatweg schlich sich ein Sportwagen herunter.

„Was zum Teufel, sucht der hier?“, sagte Julius ärgerlich zu sich.

Der Wagen blieb oberhalb des Hauses stecken. Julius musste grinsen. Ein Mann stieg aus, und kam den Hang herunter gestolpert.

Könnten sie mir hel….. , du?“ kam es von Gugini.

„Was wollen sie hier?“ fragte Julius sauer und wollte zurück ins Haus.

„Dir gehört das hier?“

„Ja, was dagegen?“

Julius musste sich beherrschen nicht laut zu schreien.

„Ja, denn ich will es haben.“

Julius blieb abrupt stehen und dreht sich zu Gugini. Ruhig und sachlich antwortete er Gugini.

„Ich wüsste nicht, das mein Haus zum Verkauf steht. Zum Zweiten habe ich ihnen nie das Du angeboten und jetzt machen sie, dass sie von meinem Land kommen.“

„Es wird schon Mittel und Wege geben, an dein Haus zukommen“, sagte Gugini frech.

Der Sturm hatte mittlerweile an Stärke zugenommen und der Regen prasselte nieder. Beide waren schon durch nässt. Julius konnte sich nicht mehr beherrschen und holte aus. Von der Wucht des Schlages, fiel Gugini rückwärts zu Boden.

„Das wird dir noch leid tun, Kleiner“, schrie Gugini, aber das hörte Julius schon nicht mehr, denn er war im Haus verschwunden.

Gugini war auf gestanden und sah an sich herunter. Durchnässt und dreckig von der Erde, versuchte er zurück zu seinem Wagen zu klettern. Auf halber Höhe rutschte er mit seinen glatten Schuhen aus, und rollte den Berg hinunter. Er wurde von einem großen Stein gebremst.

Hart schlug sein Kopf dagegen und er blieb bewusstlos liegen.

Julius kochte vor Wut. Wie kann man nur so scheiße drauf sein, was wurde mit diesem Menschen nur angestellt, das er so fies und berechnend werden konnte. Julius rubbelte sich die Haare mit einem Handtuch trocken. Der Wind hatte noch mehr zu genommen und Julius wunderte sich, dass er trotz der Lautstärke draußen, das Motorengeräusch von Guginis Wagen noch nicht gehört hatte.

Er machte sich Gedanken, fing an zu fluchen, schmiss das Handtuch in die Ecke und lief nach draußen. Hart schlug ihm der Wind entgegen. Er lief hinter das Haus und schaute Richtung, des Wagens, der unberührt noch an derselben Stelle stand. Er guckte in sämtliche Richtungen, konnte Gugini aber nicht ausmachen.

Er kletterte dem Wagen entgegen und erschrak. Gugini lag an einem Felsen. Er rannte zu ihm.

„Scheiße!“ entwich es ihm.

Er sah das Blut, dass aus eine Wunde am Kopf rann. Er kniete zu Gugini herunter und hob vorsichtig den Kopf von ihm an.

„Mister, wachen sie auf…“, schrie er, aber Gugini gab kein Lebenszeichen von sich.

Er versuchte ihn hoch zuheben, was sich bei der Rutschigkeit des Hanges, als große Schwierigkeit erwies. Mit letzten Kräften hievte Julius Gugini ins Haus. Er stieß die Tür zu seinem Schlafzimmer auf.

* *

Romeo versuchte seine Augen zu öffnen, aber einen starken Schmerz in seinem Kopf, lies ihn seine Augen fest zusammen kneifen.

„Julius kommst du, ich glaube er wacht auf.“

Romeo hob seine Kopf mit der Hand und öffnete deine Augen. Misses Huddington kam zum Vorschein.

„Hallo Mister Gugini, endlich zurück aus dem Reich der Toden?“ kam es von ihr.

Er vernahm ein Geräusch von der Seite und wendete den Kopf. Vor ihm stand Julius.

„Was zum Henker will der hier?“ kam es von Romeo.

„Sie liegen in seinem Bett, Mister Gugini.

Romeo sah Graine ungläubig an.

„Julius hat sie gestern hinter dem Haus blutend vorgefunden, sie reingetragen und verarztet. Er hat mich angerufen und ich habe sie hier mit Verband am Kopf hier vorgefunden“, erzählte Graine.

„Ich kann mich an nichts erinnern, nur das dieser Doofkopp, mir eine runter gehauen hat“, sagte Romeo.

„Dieser Doofkopp hat ihnen wahrscheinlich das Leben gerettet, dieser Doofkopp, war die ganze Nacht an ihrem Bett gesessen und hat sich ernstlich Sorgen um sie gemacht“, sagte Graine säuerlich.

„Ich muss aufstehen und meinen Wagen holen….“, sagte Romeo.

„Das lassen sie mal schön bleiben, der Arzt war hier und hat ihnen mindestens noch zwei Tage Bettruhe verordnet. Und ihren Wagen hat bereits Julius geholt. Er steht im Schuppen“, meinte Graine.

Julius stand immer noch schweigend mit eine Tasse Kaffee in der Hand an der Tür

„So ich muss nach Hause, ich bekomme noch einen Kunden, aber ich werde später noch mal vorbei schauen.“

Graine erhob sich, gab Julius einen Kuss auf die Wange und verlies die beiden. Julius trat ans Fenster und schaute hinaus. Der Sturm, von vergangener Nacht hatte sich verzogen und die Sonne schien.

„Warum hast du das gemacht?“, fragte Romeo.

„Was?“, kam genervt von Julius, der gerade an seinem Kaffee genippt hat.

„Mich da rausgeholt…“

„Ich bin eben nicht so wie du….“

Das hatte gesessen.

„Wie bin ich denn?“, fragte Romeo leise.

„Ein versnobter, verwöhnter, herzloser Mistkerl“, kam es von Julius.

„Das ist nicht war… ich bin nicht herzlos.“

„Ach und warum hast du mich ohne Grund im Hotel angeschwärzt und dadurch feuern lassen?“ fragte Julius, der seine Kopf zu Romeo gewandt hatte.

Ein Pause entstand und Romeo wusste nicht recht, was er antworten sollte.

„Also doch herzlos“, kam es von Julius.

Er schaute wieder zum Fenster hinaus.

„Es tut mir leid, aber du bist mir zu gefährlich geworden…“, sagte Romeo nach einer Weile.

„Wie bitte, wie soll ich das verstehen?“

Romeo hielt sich die Augen zu, und Gesicht verzerrte sich schmerzvoll.

„Tut mir leid, ich strenge dich zu sehr an, ich gehe und wir können nachher weiter reden..“

„Nein Julius bleib hier“, kam es von Romeo.

Julius stoppte auf dem Weg zur Tür.

„Hör mal… wie heißt du eigentlich..?“

„Romeo.“

Julius musste unweigerlich grinsen.

„Hör mal Romeo, der Arzt hat dir Ruhe verordnet, du versuchst jetzt zu schlafen und wir können nachher noch weiter streiten.“

Romeo sah Julius in die Augen.

„Bleibst du solange bei mir…. bis ich eingeschlafen bin?“, sagte Romeo ganz leise.

„Eigentlich sollte ich gehen, nachdem was du schon alles abgezogen hast…“, meinte Julius und setzte sich auf den Bettrand.

„Und was hinter dich daran?“ fragte Romeo.

„Ich mag dich….!“

* *

„Ja, natürlich. Ich werde einen Termin mit ihnen und Mister Grönslan vereinbaren und melde mich dann wieder bei ihnen. Auf Wiederhörn.“

Graine legte den Hörer auf und begann zu juchzen. Sie schnappte sich ihren Schlüssel und verlies das Haus.

* *

„Aber wenn die Schmerzen zu stark werden bring ich dich wieder rein Romeo“, sagte Julius besorgt.

„Ist schon gut Julius, aber mir tut die frische Luft hier draußen gut, glaub es mir“, kam es von Romeo.

Julius setzte sich an den Rand der Holzliege und schaute Romeo an.

„Warum bist du jetzt so ganz anders, als wo ich dich kennen gelernt habe?“

Romeo schaute zur Seite.

„Ich bin so wie ich bin.“

„Aber dieser andere Romeo bräuchtest du nicht zu sein.“

Romeo verfiel in ein hysterisches Lachen, unterlies es aber dann, denn sein Kopf fing an zu schmerzen.

Er blickte in Julius Augen.

„Was weißt du denn schon von mir. Julius, du kannst es nicht verstehen, in was für einer Welt ich lebe.“

„Dann erzähl es mir..“

Romeo atmete tief durch und schloss die Augen.

„Streng ich dich zu sehr an?“

„Nein tust du nicht….. Julius es ist nur halt so, ich bin in eine andere Welt hineingeboren worden, die nichts mit deiner zu tun hat.“

„Zeig mir deine Welt.“

„Ich weiß nicht, ob sie dir gefallen würde.“

„Das lass meine Sorgen sein Romeo.“

„Ich wurde als Sprössling von einer der reichsten Familien in Italien geboren, also war mein Lebensweg dato schon vorbestimmt. Privatlehrer.. Jetsetleben und alles was man mit Geld kaufen kann.“

„Das kann doch nur von Vorteil sein.“

„Eben nicht, die Liebe kann man sich nicht kaufen.“

„Nein geht nicht…“

„Und als Stammhalter der Familie habe ich auch ne gewisse Form zu achten.“

„Inwiefern?“

„Oh Julius, hast du das immer noch nicht gemerkt…?“

„Doch, aber ich wollte es aus deinem Mund hören.“

„Das ich auch schwul bin?“

„Ja.“

Julius Gesicht hellte noch mehr auf, ein fröhliches Lächeln zierte sein Gesicht.

„Weißt du, was ich für Probleme ich damit habe.“

Julius nickte.

„Mein Vater würde mich aus der Familie werfen.“

Julius fröhliches Gesicht verschwand abrupt.

„Habe ich was falsches gesagt?“, fragte Romeo.

„Nein, ich habe nur schon seit drei Jahren kein Kontakt zu meinen Eltern.“

Ein Wagen hielt vor dem Cottage, Julius schaute auf. Es war Graine, die da ausstieg.

„Und, habt ihr euer Kriegsbeil endlich begraben?“, kam sie fragend auf die Beiden zu.

„Waffenstillstand würde ich sagen“, kam es grinsend von Romeo.

Julius knuffte ihn leicht in die Seite.

„Nein, noch in den Verhandlungen“, sagte Julius.

„Ihnen scheint es ja wieder besser zu gehen, Mister Gugini“, kam es von Graine.

„Romeo bitte,“ sagte er und reichte ihr die Hand.

Graine fing laut an zu lachen.

„Was ist?“

Romeo schaute sie fragend an.

„Romeo und Julius, was für ein Paar“, sagte sie immer noch lachend.

„Graine mach dir keine falsche Hoffnungen, ich werde mich nicht für diesem Herrn umbringen“, sagte Julius.

Jetzt fingen alle drei an zu lachen. Romeo hielt sich wieder den Kopf und Julius und Graine verstummten.

„Schon gut Leute, es tut halt weh“, sagte Romeo.

„Männer und ihre Leiden“, sagte Graine frech.

Julius musste aber ebenso grinsen.

„Ach so warum ich vorbei komme, ich habe einen Interessenten für deine Bilder gefunden“, meinte Graine.

„Wirklich wer?“ sagte Julius erstaunt.

„Du malst?“ fragte Romeo.

„Ja, Julius malt wunderschöne Landschaftsbilder von hier“, beantwortete Graine die Frage und wandte sich wieder zu Julius.

„Eine Galerie in Lands End will deine Bilder haben, wir brauchen nur noch einen Termin ausmachen, wann der Herr von der Galerie bei dir hier die Auswahl der Bilder trifft.“

„Dann hätte ich ja eine neue Einnahmequelle für mich gefunden, wenn jemand ein Bild kauft,“ sagte Julius.

„Wieso, brauchst du Geld?“, fragte Romeo.

„Natürlich, oder meinst du, so ein Haus zu unterhalten braucht kein Geld, und außerdem hat mir ein sehr eingebildeter Schnösel meinen bisherigen Geldhahn zugedreht.“

Julius konnte sich diesen Seitenhieb nicht verkneifen. Romeo schaute auf seine Beine.

„Jetzt hör auf den Beleidigten zu spielen, das ändert jetzt auch nichts mehr daran, dass ich meinen Job los bin. Vielleicht war es auch besser so.“

„Lust auf Tee?“ fragte Graine um vom Thema abzukommen.

Romeo nickte.

„Ich bring dann alles hier nach draußen, es ist so herrlich in der Frühlingssonne.“

Graine verschwand ins Haus.

„Warum ist es vielleicht besser so?“, fragte Romeo nachdenklich.

„Weil ich dann dessen wahre Seite dieses traumhaften Mannes vor mir nie kennen gelernt hätte…“

„Du bist im Begriff dich in mich zu verlieben, Julius, dass ist nicht gut“, sagte Romeo und legte seine Hand auf die von Julius.

„Warum nicht?“

„Schau dir mein Lebenswandel an, schau dich mich an…“

„Den kann man ändern, Romeo.“

„Hilfst du mir dabei?“

„Natürlich“, sagte Julius und gab Romeo sanft einen Kuss auf die Wange.

* *

Julius war auf dem Weg nach Lands End. Seine Bilder waren gut angekommen, sogar schon ein paar verkauft worden. Er wollte sich mit dem Chef der Galerie treffen.

Romeo hatte sich sehr schnell erholt und war nach St. Ives ins Hotel zurückgekehrt. Henson, der Hotelmanager, hatte sogar angerufen, sich entschuldigt und Julius gebeten seine Stelle wieder anzutreten, aber Julius hatte dankend abgelehnt.

Julius hielt direkt vor dem Penlee House. Er schloss den Wagen ab und betrat die Galerie. Eine älter Dame steuerte auf ihn zu.

„Kann ich ihnen helfen?“ fragte die Dame.

„Ja, ich bin Julius Grönslan und habe eine Verabredung mit Mister Hopkins.“

„Ah, der Maler höchst persönlich, kommen sie, ich bringe sie zu ihm.“

* *

Das Telefon klingelte. Romeo stand auf und lief zum Telefon und nahm ab.

„Ja?“

„Ein Gespräch aus Italien für sie, Mister Gugini.

„Danke, stellen sie es durch.“

Ein leises Knacken in der Leitung war zu vernehmen.

„Romeoschatz, bist du es?“

Romeo verdrehte die Augen.

„Ja Mutter ich bin es.“

„Wie geht es dir, man hört ja gar nichts von dir?“

„Wieder gut Mutter, ich hatte einen kleinen Unfall.“

„Mein Gott Kind, warum hast du nicht angerufen.. soll ich kommen.. ich pack sofort die Koffer.“

„Mutter, es geht mir gut und du kannst zu Hause bleiben, ich bin lediglich gestürzt und hatte mich am Kopf verletzt.“

„Kommt gar nicht in Frage, reservier mir ein Zimmer ich bin heute Abend bei dir.“

„Mutter bitte.“

„Keine Widerrede Junge, bis heute Abend.“

Sie hatte aufgelegt, es war nur noch ein Summton zu hören.

„Das Gespräch wurde unterbrochen, Mister Gugini, haben sie noch Wünsche?“ drang eine andere Stimme aus dem Hörer.

Romeo atmete noch tief durch.

„Ja, haben sie noch eine Suite frei, meine Mutter möchte heute Abend anreisen.“

„Ich werde sehen, was ich für sie tun kann.“

Romeo legte auf. Er vergrub verzweifelt sein Gesicht in seinen Händen. Er fing an zu weinen.

* *

Julius hatte gerade die Galerie verlassen, als sein Handy klingelte. Er schaute aufs Display…Romeo.

„Hallo Romeo.“

„Hallo Julius.“

Julius merkte sofort an der Stimme von Romeo, dass was nicht stimmte.

„Romeo, ist was passiert?“

Romeo fing erneut an zu weinen.

„Romeo bist du im Hotel? Ich bin ich einer dreiviertel Stunde bei dir, bleib wo du bist.“

„Ich brauch dich Julius…“

„Ganz ruhig, ich bin gleich bei dir.“

Julius war bereits im Auto, und startete den Motor.

„Danke Julius.“

Romeo drückte das Gespräch weg. Julius gab Gas und mit quietschenden Reifen wendete er den Wagen. Der alte Landrover krächzte und diesem Manöver, aber das überhörte Julius. Er wollte nur so schnell wie möglich bei Romeo sein. Eine gute dreiviertel Stunde später, machte er eine Vollbremsung vor dem Hotel.

Er stieg aus und rannte durch den Haupteingang.

„Hallo Julius“, rief Maggie erstaunt.

„Hi Maggie, ich muss kurz hinauf zu Ro.. Mister Gugini, kannst du mir meine alte Codekarte geben, falls er nicht öffnet.“

„Aber für was..?“

„Frag bitte jetzt nicht gib sie mir einfach, ich erkläre es dir später und zu keinem ein Wort Maggie.“

Sie nickte.

Julius rannte die Treppe hinauf und kam mit schweren Atem vor Romeos Tür zum stehen. Er klopfte nicht sondern nahm gleich die Codekarte zur Hilfe. Er stürmte ins Zimmer und fand Romeo weinend auf seinem Bett vor.

„Romeo, was ist?“

Romeo schaute auf und saß Julius, er sprang auf und fiel ihm um den Hals.

„Jetzt sag doch was..“, meinte Julius und zog ihn aufs Bett.

„Ich weiß nicht, vorhin hat meine Mutter angerufen und jetzt wird sie herkommen.“

„Und was ist daran so schlimm?“

„Julius verstehst du denn nicht, sie wird hier her kommen und das mit dir erfahren oder sie weiß es längst.“

„Wie das?“

„Sie kriegt doch alles raus, Frauen sind so.“

„Romeo schalt mal ein paar Gänge zurück, du bist ja total aufgelöst.“

„Nein ich habe nur Angst meine Familie zu verlieren.“

„Ist es das wert? Du verzichtest auf dein wahres ICH nur um der Familie willen, wenn du möchtest, werde ich mich fern halten.“

„Das will ich auf keinen Fall.“

„Ja und…?“

„Julius…“

Er stockte. Er stand auf und kniete sich vor mich.

„Julius ich habe die sehr, sehr gerne und so langsam merke ich, wie ich mich in dich verliebe.“

Er schluckte und weitere Tränen rannen über seine Wangen.“

Julius wischte mit dem Daumen die Tränen weg.

„Hör mir zu Romeo. Das ich mich in dich verliebt habe, weißt du schon und egal was auch kommen mag, dass wird niemand ändern. Ich stehe zu dir, was immer auch kommen mag.“

„Danke.“

Das Telefon ging und Romeo nahm den Hörer ab.

„Ja?“

„Mister Gugini, die rote Suite einen Stock tiefer, haben wir für ihrer Mutter hergerichtet. Und wie wir vom Flughafen erfahren haben, wir ihre Mutter gegen achtzehn Uhr heute Abend ankommen.“

„Gut danke.“

„Holen sie ihre Mutter selbst ab oder sollen wir sie abholen.“

„Ich würde sagen, sie kümmern sich darum.“

„Wir erledigt Sir.“

Romeo legte auf.

„Noch vier Stunden, dann ist sie da.“

Julius nahm Romeo in den Arm und zog ihn aufs Bett. Sie lagen einfach engumschlungen auf dem Bett.

* *

Die vier Stunden vergingen natürlich im Flug vergangen. Romeo lief nervös durch das Zimmer.

„Soll ich wirklich bei dir bleiben, bist du dir sicher?“, fragte Julius.

„Ja Julius, ich brauch dich jetzt, bleib bitte an meiner Seite.“

„Und hier auf diesem Stockwerk wohnt mein Sohn?“ hörte man im Flur draußen eine laute Frauenstimme.

Romeo zuckte zusammen. Julius wollte schon zu ihm aber da sprang die Tür auf, ohne das jemand klopfte.

„Romeoschatz, da bist du ja endlich, wieso warst du nicht am Flughafen, wo hast du dich verletzt, sollen wir nicht doch ins Krankenhaus fahren?“

Julius stand einfach nur da und beobachtete die beiden.

„Mutter…“

Ich soll dich von deinem Vater grüßen. Ich finde, dass sieht gar nicht gut aus. Was ist das hier überhaupt für ein Hotel. Wirst du auch gut bedient. Soll ich mal..“

„Mutter… bitte.“

Romeo war schon etwas lauter geworden. Seine Mutter bremste ihren Redeschwall.

„Hallo Mutter.“

Sie umarmte ihn, als würde sie einen Fremden umarmen, Julius tat das irgendwie weh. Ihm hatte sie noch keine Beachtung geschenkt, ihn eher übersehn.

„Darf ich dir meine Freund Julius Grönslan vorstellen?“

„Ach ja guten Abend.“

Julius streckte höfflich seine Hand entgegen, aber sie war bereits weiter gegangen und schenkte ihm keine weitere Beachtung. Romeo warf einen verzweifelten Blick zu Julius und der zuckte nur mit der Schulter.

„Gibt es in dieser Kleinstadt eigentlich etwas wie Gesellschaften, oder muss ich in meinem Zimmer verkümmern?“

Julius merkte das Romeo langsam sauer wurde und auch seine Meinung über Romeos Mutter sank weiter, die wohl die Überheblichkeit für sich gepachtet hatte.

„Du hättest ja nicht her kommen brauchen“, meinte Romeo giftig.

„Junge jetzt bin ich extra wegen dir hier hergeflogen.“

Sie wischte mit ihrer Hand über die Tischfläche, schaute ihre Hand an und verzog das Gesicht.“

„Ich habe dich nicht darum gebeten.“

Miss Gugini schaute ihren Sohn streng an.

„Du willst mich also nicht hier haben, also hast du wieder etwas ausgefressen…“

„Nichts habe ich.“

„Wer ist es diesmal… oder hast du wieder ein Auto zu Schrott gefahren?“

Julius versuchte sich ein Grinsen zu verbeißen.

„Ich hab mich verliebt.“

Romeo schaute auf Julius und der zwinkerte ihm zu.

„Das ist ja mal was neues“, sagte sie teilnahmslos, „wenigstens reich?“

„Ist das so wichtig?“, fragte Romeo leise.

„Ich will nicht, dass du mir irgendein Gesindel ins Haus schleppst.“

„Julius ist kein Gesindel..“

Jetzt war Julius doch erstaunt, Romeo musste seinen ganzen Mut zusammen genommen haben um das zu sagen.

„Na egal, dein Va… was.. Julius?“

Sie schaute ihren Sohn an, als hätte er eine ansteckende Krankheit.

„Ja, ich habe mich in Julius verliebt.“

„Aber.. aber, dass ist doch ein Mann?“, schrie sie jetzt doch leicht hysterisch.

„Sieht so aus..“, meinte Romeo lächelnd und legte den Arm um Julius.

Romeos Mutter schnappte nach Luft. Sie riss die Zimmertür auf, sah Romeo und Julius schnaubend an, und weg war sie.

„Was hat dich jetzt geritten, es ihr selber zu sagen?“ fragte Julius und zog Romeo enger an sie ran.

„Weil ich gemerkt habe, was ich da liebe… nein eine richtige Mutter ist das nicht.“

„Meintest du das eben ernst?“

„Was?“

„Dass du dich in mich verliebt hast?“

Romeo zog Julius dicht an sich und ihre Lippen trafen sich zum ersten mal.

„Ist das Antwort genug?“, meine Romeo, als er von Julius anließ.

„Wow… darf ich noch mal spüren, wie verliebt du bist?“

Erneut küsste er Julius, nur eine Spur heftiger als das erste Mal.

„Romeo ich kriege keine Luft mehr.“

Romeo lächelte.

„Danke, das du geblieben bist“, sagte er.

Julius schaute Romeo lange an.

„Was?“, fragte Romeo.

„Und wenn sie dich jetzt enterbt, dir dein Geld entzieht.“

Romeo lies von ihm ab und fing laut an zu lachen.

„Was ist daran so lustig, ich möchte nicht, dass du wegen mir irgendwelche Einschränkungen hast“, sagte Julius.

„Keine Sorgen, das kann weder meine Mutter noch mein Vater, dass ist mein Geld.“

„Wie dein Geld.“

„Das Geld gehört alleine mir, dass hat mir alles mein Großvater vererbt. Meine Eltern haben lediglich ihren Pflichtteil bekommen.“

„Das heißt also..“

Romeo fiel Julius ins Wort und nahm ihn wieder in den Arm.

„Das heißt, du hast dir einen superreichen Mann geangelt. Ich bin eine gute Partie.“

Julius schaute ihn mit großen Augen an.

„Ich liebe aber mein einfaches Leben.“

„Daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Nur eins musst du mir versprechen..“, meinte Romeo und gab ihm einen Kuss auf die Nase.

„Und das wäre?“

„Nicht zu schimpfen, wenn ich dir einen neuen Landrover schenke.“

„Wieso sollte ich das? Ich wünsche mir schon lang einen neuen Wagen.“

„Ach der Herr gewöhnt sich schnell an den Reichtum.“

Julius schaute Romeo ernst an.

„Ich will dein Geld nicht…ich will dich ..ich liebe dich.“

„Das war ein Spass, Julius. Ich liebe dich auch.“

Sie wollten sich gerade wieder küssen, als erneut die Tür aufsprang. Romeos Mutter.

„Wenn du denkst du kommst damit durch, dann hast du dir in die Finger geschnitten, denn ich und dein Vater werden das schon zu unterbinden wissen.“

„Mutter.“

„Ja.“

„Pack deine Sachen und geh, die Rechnung zahle ich natürlich.“

„Wäre ja noch schöner für diese Bruchbude einen Pfund aus zugeben“, rief sie und lies die Tür hinter sich zu fallen.

„Romeo, bist du sicher, dass du es auf diese Art willst?“

„Ja Julius, denn durch dich habe ich endlich begriffen, was wirklich Liebe ist, und das ist etwas, was mir meine Eltern nie kaufen konnten!“

* *

Zwei Monate später auf dem Londoner Flughafen. Julius wartete auf die Ankunft von Romeo, den er jetzt schon fast seit zwei Monaten nicht gesehen hatte. Romeo war in den Staaten um sich vollkommen rechtlich abzusichern gegen seine Eltern. Aber dessen Sorge war unbegründet, das Testament seines Großvaters konnte nicht angefochten werden.

Unruhig tippelte Julius auf seinem Platz herum, die Maschine hatte Verspätung. Der Londoner Nebel war ja bekannt für seine Tücken und im augenblick war die Sicht gleich null. Julius hatte schon Angst sich zu verspäten, weil er so langsam zum Flughafen fahren musste. Die Ansage kam das sie in wenigen Minuten landen würde.

Er stand an der Scheibe und schaute Richtung Rollbahn, wobei er nicht mal die Positionsleuchten sah. Er kannte sich nicht mit der Technik großartig aus, aber bewunderten die Piloten wie sie bei einem solchen Wetter doch genau landen konnten. Die Lautsprecher begannen zu brüllen, die Maschine wäre gelandet.

Julius beeilte sich an die Gate zu kommen, um Romeo gebührlich zu begrüßen. Ein ganzer Pulk kam da zur Tür heraus. Julius hatte Mühe überhaupt etwas zu sehen.

„Suchst du mich Schatz?“

Julius drehte sich erschrocken um. Romeo stand direkt hinter ihm. Nach einer Schrecksekunde fiel Julius Romeo um den Hals.

„Wie ich dich vermisst habe“, hauchte Julius, Romeo ins Ohr.

„Ich liebe dich auch, mein Schatz“, kam es von Romeo.

Romeo nahm seine Tasche und sie liefen gemeinsam zum Ausgang.

„Und wie sieht es aus, alles fertig geworden?“, fragte Romeo, als sie in den Landrover stiegen.

„Die Garage ist komplett fertig, und die Scheune muss noch gedeckt werden. Deine Idee über die Garage ein Atelier einzurichten, war genial“, antworte Julius und steuerte den Wagen Richtung Ausfahrt.

„Danke und ist es genauso, wie du es dir vorgestellt hast?“

„Ja besonders das Schlafzimmer.“

Romeo musste grinsen.

„Du willst mich unbedingt im Bett haben, oder?“, fragte Romeo.

„Natürlich, oder willst du mit deinen Körper noch länger verweigern?“ fragte Julius keck.

Nun lachte Romeo laut auf.

„Nein bestimmt nicht Schatz, nach zwei Monaten könnten wir schon endlich mal unsere Beziehung vertiefen.“

„Was ist mit den Anwälten in New York?“, fragte Julius.

„Da habe ich sogar Neuigkeiten für dich.“

„Und die wären?“

„Das ich den Altenteil jederzeit ihres Amtes entheben darf, die Firma gehört ebenso mir seit ich fünfundzwanzig geworden bin.“

„Das haben dir deine Eltern also auch verschwiegen?“

„Ja und vieles andere auch. Und wie sieht es mit deinen Eltern aus.“

Julius schwieg kurz.

„Julius?“

„Ich habe fast vier Stunden mit meiner Mutter telefoniert.“

„Das ist doch klasse.“

Der Landrover fuhr gemächlich auf der Landstraße entlang.

„Was ist“, fragte Romeo plötzlich.

„Was soll sein, mein Vater wollte nicht mit mir reden“, antwortete Julius.

„Du mit ihm?“

Julius schaute kurz zu Romeo hinüber.

„Wolltest du mit ihm reden?“, wiederholte Romeo seine Frage.

„Ich weiß es nicht“, kam es fast trotzend von Julius.

„Hast du noch nie darüber nachgedacht, warum dein Vater nicht mit dir reden wollte?“

„Ist doch klar, als ich ihm damals sagte, ich sei schwul. Hinterher hat er mich rausgeschmissen.“

„Und danach hast du nie wieder mit ihm geredet?“

„Nein, ich bin danach weg von Dänemark.“

„Aha. Dein Vater konnte sich also nie bei dir entschuldigen“, meinte Romeo und schaute zum Fenster hinaus.

„Er sich entschuldigen. Dafür hat er doch gar keinen Grund“, sagte Julius, jetzt doch recht erstaunt.

„Julius, es könnte immerhin sein, dass er bemerkt hat, einen Sohn verloren zu haben.“

„Da wäre ich mir nicht so sicher.“

„Klar, ich kenne deine Vater nicht, aber mir scheint, du auch nicht.“

Julius starrte verbissen auf die Straße. Dieses Gespräch mit Romeo um seinen Vater, war ihm sehr unangenehm. Warum bohrte Romeo so? Es war etwas, wo rüber Julius überhaupt nicht gerne redete.

„Die ist das unangenehm“?, fragte Romeo.

„Ja.“

„Auch wenn es dir unangenehm ist, merke ich doch, dass es dich sehr beschäftigt.“

„Und ich dachte, so was kann man leicht verdrängen.“

„Warum verdrängen?“

„Weil mein Vater mich so tief verletzt hat“, sagte Julius leiser werdend.

„Du ihn nicht?“

Alles brach über Julius zusammen. In schneller Bilderfolge spielte sich noch mal der Abend mit seinem Vater ab. Ihm viel wieder ein, was er damals seinen Vater alles an den Kopf geworfen hatte, als sie gemeinsam beim Abendessen saßen. Julius war danach einfach aufgesprungen.

In seinem Zimmer packte er alles nötige in seine Koffer und verlies noch in der selben Nacht das Elternhaus. Seit diesem Abend war Funkstille zwischen ihm und seinen Eltern gewesen. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter.

„Julius, ich bin für dich da, wir stehen das gemeinsam durch, so wie meine Probleme auch.“

„Danke Romeo.“

Schweigend, ohne einen Ton, verlief der Rest der Fahrt.

* *

„Das ist ja wirklich schön geworden.“

Romeo hatte den Wagen verlassen und stand vor dem Cottage. Da die Baufirma, die gleichen Steine für die Garage verwendet hat, wie für das Haus selbst, war fast kein Unterschied zwischen neu und alt fest zustellen. Den Vorgarten hatte Julius auch schon passend angelegt.

Per Knopfdruck öffnete sich das Garagentor und Romeos Cayenne kam zum Vorschein. Julius parkte seinen Landrover direkt daneben.

„Ist ja, immer noch viel Platz, hätte ich nicht gedacht“, meinte Romeo.

„Es ist nach deinen Entwürfen gebaut worden, lieber Schatz“, sagte Julius. Als er aus der Garage trat.

Romeo folgte ihm ins Haus. Hier hatte sich nichts geändert. Man trat nach wie vor in den großen Wohnbereich, der an der Küche übergangslos anschloss. Er stellte seine Tasche neben die Treppe.

„Willst du dich erst mal frisch machen?“, fragte Julius.

„Keine schlechte Idee, erst der Flug, dann die Autofahrt… ja Wohlfühlklamotten wären mir jetzt ganz recht.“

Julius nahm Romeos Tasche.

„Man folge mir in die Gemächer, werter Herr.“

Romeo trottete kichernd hinter Julius her. Als sie oben angekommen waren, verfiel er erst mal in Schweigen. Das Schlafzimmer war komplett neu. Wo früher der Schrank stand, war jetzt ein großes Doppelbett, und da wo Julius Bett stand, war jetzt eine Tür.

„Willst du duschen oder lieber runter zum Strand eine Tour baden gehen“?, fragte Julius.

„Ist das Wasser nicht zu kalt?“, kam es von Romeo.

„Da gewöhnt man sich schnell dran, und zu dem kann ich dich auch wärmen.“

Romeo lächelte und zog Julius an sich. Langsam kamen sie sich näher und verschmolzen in einem Kuss.

* *

„Ieks…. das Wasser is ja doch kalt“, schrie Romeo.

„Wenn du nur am selben Platz stehst, und dich nicht bewegst, ist mir das klar, das du frierst“, rief Julius zurück.

Julius entledige sich seiner Badeshorts und sprang nackt wie er war in die Fluten. Romeo genoss den Anblick von Julius.

Dicht neben Romeo taucht er wieder auf und nahm Romeo in den Arm.

„Romeo….“

„Ja..“

„Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch.“

Sie machten dort weiter, womit sie vorhin im Schlafzimmer begonnen hatten. Sie küssten sich und Romeos Hand wanderte zärtlich über Julius Rücken. Trotz der Kälte des Wassers, breitete sich in Romeo ein warmes Gefühl aus. Er spürte das Julius erregt war. Hart stand sein Schwanz zwischen ihnen.

Ein Brecher kam und überzog die beiden mit Wasser. Julius hatte Wasser geschluckt und musste husten.

„Komm lass uns an den Strand gehen“, meinte Romeo und zog ihm aus dem Wasser. Kaum an Land entledigte sich Romeo ebenfalls seiner Badeshorts und legte sich auf Handtuch. Julius kniete sich zu ihm hinab und lies sich langsam auf Romeo sinken.

Romeo ließ seine Hände auf Julius Körper wandert, ganz sacht und sanft. Er hörte wie Julius leise in sein Ohr stöhnte. Julius hob den Kopf und schaute direkt in Romeos braune, funkelten Augen. Langsam berührten sich ihre Lippen. Er knabberte an Romeos Unterlippe und zog sie ein bisschen weg. Romeo musste lächeln.

Und wieder ein Blick in diese Augen. Sie küssten sich leidenschaftlich und die Welt herum versank, wie die Sonne am Horizont. Romeos Hände wanderte durchs Haar wieder den Rücken entlang und verharrten dort.

„Und willst du nicht tiefer?“, hauchte Julius in sein Ohr.

Romeos Finger glitten weiter, Julius stöhnte auf. Er begann alles zu erkunden und Julius begann noch lauter zu stöhnen. Vorsichtig dringt Romeos Finger in Julius ein, der anfing unter diesem Gefühl sich vor Erregung zu winden. Julius entzog sich der gefühlvollen Berührungen und legte sich neben Romeo.

Er wanderte küssend und mit der Zunge leckend immer tiefer über Romeos Körper, der unter seiner Geilheit seinen Rücken Julius entgegen drückte. Sanft fuhr er mit der Zunge über Romeos Schwanz und begann mit kreisenden Bewegungen an dessen Eichel.

Romeos Körper erbebte und er stieß ein lautes Zischen aus. Tief trieb Romeo seine Schwanz in Julius`s Mund, so das dieser sich fast unter der Größe verschluckte. Voll Lust, bearbeitete Julius die Eichel und Romeo wand sich wie unter Schmerzen.

„Julius mach langsam, sonst kommt es mir gleich.“, stöhnte Romeo erstickend.

Julius ließ ab von Romeos Schwanz und setzte sich auf ihn.

„Willst du wirklich?“, fragte Romeo schwer atmend.

„Ich will ganz dir gehören…“

Julius faste unter und führte Romeos Schwanz langsam bei sich ein. Romeo schloss die Augen und genoss es in vollen Zügen. Nur ganz langsam ließ sich Julius auf dessen Schwanz nieder sinken, denn er musste sich erst an dessen Größe gewöhnen. Romeo spürte wie sich langsam der Druck löste und er leichter eindringen konnte.

Julius hielt mehrere male inne, bis auch das letzte Stück von Romeo in ihm verschwunden war. Er beugte sich vor und gab Romeo eine Kuss. Danach richtete er sich wieder auf und stützte sich mit den Händen auf Romeos Brust ab. Langsam begann er sich auf Romeos Schwanz zu heben und zu senken.

Der Rhythmus wurde gleichmäßiger und Romeo half von sich aus mit. Beide waren sie schon lange ihren Gefühlen erlegen und man hörte von beiden nur noch das stöhnen. Julius beschleunigte sein Tempo, als er merkte, das Romeo nicht mehr weit von seiner Schwelle entfernt war.

Tief trieb Romeo seine Schwanz in Julius hinein.

„Julius ich komme“, schrie Romeo fast und das reichte aus, dass Julius jetzt ebenfalls soweit war.

Unter lauten Stöhnen entluden sie sich beide. Julius spürte eine Welle nach der anderen in sich aufsteigen, ebenso Romeo. Schwer atmend ließ sich Julius auf Romeo sinken. Er spürte sein eigenen Samen, wie er sich unter dem Druck beider Körper, verteilte.

* *

Erschöpft kamen sie am Cottage an.

„Duschen?“, fragte Julius.

„Auch“, grinste Romeo.

Julius gab ihm einen Kuss und zog ihn ins Haus. Unter der Dusche und später im Bett, wiederholte sich das Spiel von Strand, bis beide irgendwann total erschöpft engumschlungen einschliefen.

Graine genoss beim Aussteigen die morgendliche frische Luft. Sie schaute sich um, aber von den zwein war noch nichts zu sehen. Mit ihrem Notschlüssel schloss sie die Haustür auf und betrat das Haus.

„Hallo jemand da?“, rief sie.

Es kam keine Antwort.

Das ist wieder typisch Julius, mich zu Frühstück einladen, und nicht aufstehen“, sagte sie laut zu sich selber.

Sie setzte den Kaffee auf und beschloss Julius und Romeo aus den Federn zu schmeißen. Langsam und lauschend lief sie die Treppe hinauf. Am Schlafzimmer angekommen, klopfte sie noch mal.

Als auch hier keine Antwort kam, öffnete sie vorsichtig die Tür. Ein Lächeln überzog ihr Gesicht, als sie die beiden schlafend da liegen sah. Julius lag auf dem Rücken, war von der Decke halb zugedeckt und Romeo lag nackt auf dem Bauch, seinen Kopf auf Julius Brust liegend.

Sie räusperte sich und klopfte noch mal an die Tür. Romeo begann sich als erste zu räkeln, um sich dann noch mehr an Julius zu kuscheln. Julius dagegen schlug die Augen auf und sah direkt zu Graine.

„Ihr habt wohl eine stürmische Nacht hinter euch“?, fragte Graine frech grinsend.

„Ja, der Sturm war heut Nach sehr heftig“, antwortete Julius und gähnte.

Julius bemerkte das Romeo nackt in voller Schönheit da lag. Er zog seine Decke über ihn und grinste nun ebenso.

„Das ist gemein Julius, mir so einen Anblick auf einen Knackarsch zu verwehren“, meinte Graine.

„Das is ja auch meiner“, brummelte Romeo ins Kissen.

Er hob den Kopf und schaute zur Tür hinüber.

„Dir gefällt es wohl, nackte jungen Männer zu sehen“?, meinte er.

„Wem gefällt das nicht?“ kam es von Julius.

* *

„Und nehmen deine neuen Bilder Gestalt an?“ fragte Graine.

Sie saßen gemütlich vor dem Haus und frühstücken gemeinsam. Es war ein herrlicher Morgen. Die Sonne schien schon kräftig, nur eine leichte kühle Brise stieg vom Meer auf.

„Seit ich Romeo habe, fließen meine Farben gerade so hin“, meinte Julius.

Romeo lächelte vor sich hin und nippte an seinem Kaffee.

„Hach muss Liebe schön sein“, sagte Graine mit einem glasigen Blick.

„Warum hast du nie geheiratet?“, fragte Romeo.

„Gelegenheit hatte ich oft, aber irgendwie war mir Freiheit und Ungebundenheit lieber.“

„Ist das nicht ein ziemliches einsames Leben?“

„Ich kann mich nicht beschweren, ich habe diesen Weg gewählt und wenn ich mal alleine bin, habe ich auch noch sehr gute Freunde.“

„Jedem das seine“, sagte Julius und zwinkerte Romeo an.

„Romeo, wenn du Zeit hast kommst du nachher noch rüber und unterschreibst die Verträge für das Cottage?“, fragte Graine.

„Du willst dir wirklich dieses alte Haus kaufen?“, kam es von Julius.

„Ja will ich, aber nicht direkt für mich, ich werde es vermieten“, antwortete Romeo.

„Und Mieter haben wir auch schon gefunden“, sagte Graine.

„Ich komm dann nachher zu dir rüber, ich will eh noch in die Stadt ein paar Besorgungen machen, willst du mit Julius?“, fragte Romeo.

„Nein, lass mal, ich werde mich meinem Bild widmen und auf dich zu Hause sehnsüchtig erwarten“, antwortete Julius.

„Dann räumen wir mal zusammen“, sagte Graine.

„Last ruhig alles stehen, ich mach das schon“, meinte Julius.

„Komm Graine, bevor er sich es doch anders überlegt“, lachte Romeo.

Er holte sich seine Jacke aus dem Haus und stieg in seinen Cayenne. Langsam fuhr er Graine hinter her, den Berg hinauf. Julius dagegen stellte das Geschirr zusammen auf ein Tablett und trug es hinein. Als er den Rest holen wollte, kam ein fremder Wagen den Berg hinunter.

Gespannt schaute Julius zum Berg hinauf, weil er dieses Auto hier noch nicht gesehen hatte. Es dauerte noch eine Weile bis er im Hof dann zum stehen kam. Eine junge Frau stieg aus und kam direkt auf Julius zu.

„Wohnt hier Romeo Gugini?“, fragte sie.

„Ja der wohnt hier und wer möchte das wissen?“, kam es von Julius.

„Oh, Entschuldigung. Ich bin Franzeska Sabatine eine Freundin von Romeo.“

„Da wird er sich aber sicher freuen, sie zu sehen.“

Julius vernahm einen Schrei eines kleinen Kindes. Die Frau wendete sich dem Wagen zu und öffnete die Hintertür. Ein süßer kleiner Junge kam zum Vorschein, den die Frau auf dem Arm trug.

„Ich weiß nicht ob Romeo sich freuen wird mich zu sehen…. und seinen Sohn“, sagte die Frau leise.

„Seinen Sohn?“, rief Julius entsetzt.

* *

Romeo war ein bisschen schnell mit seinem Wagen. Als er bremste, rutschte er ein wenig über den Kies vor dem Cottage. Als er ausstieg wunderte er sich über den fremden Wagen.

„Julius kannst du mal rauskommen, und mir rein tragen helfen?“, rief er laut.

Julius erschien an der offenen Haustür.

„Wir haben Besuch?“, fragte Romeo.

„Du hast Besuch“, antwortete Julius ein wenig abweisend.

„Ich? Wer denn?“

„Franzeska.“

„Was will die denn hier?“

„Dir deinen Sohn zeigen.“

Romeo glitt die Einkaufstüte aus der Hand.

„Bitte was?“

Er hatte den scharfen Unterton von Julius wohl bemerkt. Er kam zu Julius und wollte ihn in den Arm nehmen, doch dieser wich zurück. Jetzt leicht ärgerlich, betrat Romeo das Haus und fand Franzeska auf einem Sessel vor.

„Hallo Franzeska, und wie viel haben sie dir bezahlt?“, sagte Romeo, sehr abwertend.

„Wie.. was?“, Julius schaute Romeo entgeistert an.

„Lieber Julius, diese Dame lügt wenn sie sagt dieser Balg wäre von mir.“

Franzeska blieb ruhig auf ihrem Sessel sitzen und schaute zwischen den zweien hin und her.

„Bist du dir da sicher, ihr wart schließlich drei Jahre zusammen.“, meinte Julius, der immer noch entsetzt über Romeos Ton war.

„So sicher, wie das Amen in der Kirche. Also meine Liebe, wie viel haben sie dir geboten, für dieses Schauermärchen, dass du versuchst uns aufzutischen?“

„Wer hat ihr was geboten?“, fragte Julius.

Franzeska senkte den Kopf und der Kleine fing an zu weinen.

„Meine Eltern, wer sonst Julius, denn jeder Arzt kann dir beweißen das dieser Sprössling nicht von mir stammt, denn ich kann überhaupt keine Kinder kriegen. Nur das wusste bisher noch niemand.“

Julius stand starr, vor Romeo.

„Es tut mir leid…aber ich dachte..“, stammelte Julius.

„Ganz ruhig Julius, dass hätte ich ebenfalls gedacht, dich trifft keine Schuld, womit wir aber wieder bei Franzeska wären. Also hast du uns nichts zu sagen?“, meinte Romeo, der sich erneut vor Franzeska aufbaute.

Der Kleine schrie immer noch und Julius nahm ihn aus seinem Schalensitz. Abrupt verstummte das Kind und lächelte Julius an.

„Es tut mir leid Romeo, aber ich war in Schwierigkeiten, und da kam dein Vater plötzlich mit dieser Idee. Ich weiß selber nicht was mich geritten hat, aber ich wusste nicht mehr weiter…“, Franzeska brach in Tränen aus.

„Das sieht meinem Vater wieder ähnlich. Und von wem ist das Kind?“, fragte Romeo.

„Von deinem Nachfolger, als ich schwanger wurde, ließ er mich sitzen“, schluchzte Franzeska.

„Feiner Zug, wie heißt der Kleine?“ kam es von Julius.

„Fabio….“

Julius ließ den Kleinen mit seinen Finger spielen, dem das sichtlich Spass machte und zu juchzen begann.

„Und jetzt…?“, kam es wieder ganz leise von ihr, der Mutter, „willst du mich anzeigen?“

„Ach Franzeska, früher hät ich das wohl gemacht und mich auf das Niveau meiner Eltern herab gelassen, heute bin ich da anderst.“

„Wie das?“, fragte sie erstaunt.

„Der Grund steht neben mir und hat deinen Sohn in Arm.“

Franzeska schaute zu Julius, der voll Hingabe mit Fabio spielte.

„Franzeska, ich habe in Julius das gefunden, was ich immer gesucht habe.“

„Du liebst ihn also wirklich.. dein Vater meinte er wäre nur hinter deinem Geld her“, sagte Franzeska.

„Julius? Das ich nicht lache. Julius is wohl das liebste und gütigste, was mir je über den Weg gelaufen ist.“

Julius schaute auf und wurde ein wenig rot.

„Und was wird jetzt aus mir?“ fragte Franzeska erneut.

„Zurückfliegen?“

„Ich habe kein Geld, dein vater hat alles gezahlt und zurück sollte ich mit dir kommen.“

Romeo war am überlegen.

„Was wirst du wegen deinen Eltern tun?“, fragte Julius.

„Überhaupt nichts, ich lass sie liebend gerne weiter schmoren. Und was Franzeska betrifft, werden wir uns wohl was überlegen müssen“, meinte Romeo.

„Hab ich dir schon gesagt, wie sehr ich dich liebe?“ kam es von Julius.

„Mehrmals täglich, aber ich höre es immer wieder gerne“, lächelte Romeo.

„Und zu dir Franzeska“, zu ihr gewandt, „wir haben hier ein Gästezimmer und wenn es Julius recht ist, kannst du ein wenig bleiben.“

Julius nickte Romeo zu.

„Romeo ich weiß nicht was ich sagen soll, ich erkenn dich wirklich nicht mehr“, kam es von Franzeska.

„Das hast du meinem Kleinen zu verdanken, der hat mich gezähmt.“

Romeo lächelte seinem Julius liebevoll zu, der immer noch begeistert mit Fabio spielte.

* *

Es dauerte nicht lange und Graine stand vor der Tür. Julius hatte sie angerufen und kurz geschildert, was geschehen war. Sie war ebenso entsetzt über das Vorgehen von Romeos Eltern, aber schnell wieder versöhnt, als sie den kleinen Fabio in Arm hatte.

„Jetzt macht euch nicht soviel Gedanken wegen Franzeska, weil sie nicht mehr zurück will. Ich hätte da eine ganz gute Lösung“, kam es von Graine.

„Da bin ich aber jetzt mal gespannt“, sagte Julius und reichte ihr den Tee.

„Als Romeo heute morgen davon angefangen hat, von wegen alleine wohnen und zu ging mir das den ganzen Tag durch den Kopf. Wenn Franzeska wirklich gerne hier in England bleiben will, weil sie zu Hause in Italien auf sich alleine gestellt wäre,.. also ich habe Platz genug:“

„Das würden sie für mich tun?“, sagte Franzeska den Tränen nahe.

„Natürlich und nun lass mal das sie weg, du und Graine reichen völlig.“

Franzeska fiel Graine um den Hals.

„Hast du eigentlich irgendwas an Besitz noch in Italien?“, fragte Romeo.

„Nein, meine Familie hat mich rausgeworfen, alles was ich besitze ist im Auto draußen.“

„Das ist ein Leihwagen?“, wollte Julius wissen.

„Ja, geht alles auf Rechnung von den Guginis.“

„Gut dann werden wir das noch ein wenig ausnutzen.“

Julius rümpfte die Nase.

„Was ist mein Schatz?“, fragte Romeo.

„Kann es sein das der Kleine die Hosen voll hat?“

Julius hob den Kleinen weit von sich.

„Er ist zwar klein, aber stinken tut er wie ein großer“, kam es von Romeo.

* *

Die Woche war schnell vergangen und so kam dann das Wochenende, wo sich Julius Eltern zum Besuch angesagt hatten. Julius total nervös, bekam ein regelrechten Putzwahn. Wenn Romeo ihn nicht zurückgehalten hätte, wäre Julius immer bis tief in die Nacht am Putzen gewesen.

Diese Nacht schlief Julius sehr unruhig. Er wälzte sich im Bett hin und her. Irgendwann hatte Romeo die Nase voll, und nahm ihn fest in den Arm. Irgendwann fiel auch Julius dann in einen traumlosen, tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen war Julius recht früh wach. Er ging ins Bad und duschte. Romeo wurde durch das Rauschen des Wasser wach. Er folgte leise Julius ins Bad. Julius fuhr zusammen als Romeo ihn ansprach.

„Musst du mich so erschrecken?“

„Jetzt mach mal halb lang, du bist ja das totale Nervenbündel“, sagte Romeo und wich zurück.

Das Telefon ging und Romeo lief zurück ins Schlafzimmer um abzunehmen.

„Hier bei Julius Grönslan, Romeo Gugini am Apparat.“ „Hallo Herr Gugini, hier ist Frau Grönslan, Julius Mutter, kann ich Julius sprechen?“

„Oh Frau Grönslan, er steht gerade unter der Dusche, könnte ich ihm etwas ausrichten?“ „Das ist schade, aber wir sehen uns nachher, in ungefähr zwei Stunden sind wir da.“

„Gut, ich werde es ihm ausrichten, er wird sich darüber freuen.“ „Da bin ich mir nicht so sicher.. sie sind doch Julius Freund, oder?“

„Ja, der bin ich Frau Grönslan.“ „Dann wird er auch sicher von seinem Verhältnis zu seinem Vater erzählt haben.“

„Ja hat er, wir haben darüber geredet. Und erwünscht sich nichts sehnlicher als sich mit seinem vater zu vertragen.“

Julius stand in der Badtür und schaute Romeo an. Romeo hatte das ausgesprochen, worüber er sich schon Jahre Gedanken machte. „Dann will ich mal hoffen, dass dies gut geht.“

„Seien sie sicher, es wird gut gehen!“ „Ich freue mich jetzt schon sie näher kennen zu lernen.“

„Danke Frau Grönslan.“ „Lassen sie meinen Namen weg, ich heiße Helen.“

„Nochmals danke ..Helen, wir sehen uns nachher.“ „Ja, bis nachher Romeo.“

Romeo drückte das Gespräch weg. Erst jetzt bemerkte er, das Julius hinter ihm stand.

„Hab ich dir schon mal gesagt, dass du ein besonderer Mensch bist, Romeo?“

„Nein, aus deinem Munde kam das noch nicht.“

Julius zog ihn heran und gab Romeo einen sanften Kuss.

* *

Julius tippelte aufregt auf der Stelle. Gemeinsam mit Romeo beobachtete er wie der Wagen seiner Eltern langsam den Bergweg herunterrollte. Romeo nahm seine Hand und er wurde ruhiger.

„Danke Romeo, ich liebe dich.“

„Ich dich auch mein Kleiner.“

Langsam rollte der Wagen auf dem Vorplatz aus. Kaum stand er, öffnete dich schon die Tür der Beifahrerseite. Das musste Julius Mutter sein, dachte sich Romeo und blieb im Hintergrund.

„Junge endlich“, brachte sie nur heraus und fiel Julius um den Hals.

Eine Weile standen sie nur so da. Julius Vater schenkte dem keine Notiz, wie Romeo feststellte. Er war damit beschäftigt, das Gepäck aus zuladen.

Helen ließ ab von Julius und wandte sich zu Romeo.

„Und dieser recht reizende junge Mann muss wohl Romeo sein?“ kam es von ihr.

Romeos Gesicht überspannte ein breites Lächeln.

„Ja der bin ich“, erwiderte er.

Sie gaben sich die Hand und führten einen kleine Smalltalk. Aus dem Augenwinkel bemerkte Romeo, wie Julius seinen vater anstarrte, der keinerlei Anstalten machte sie beide ebenfalls zu begrüßen.

„Olaf“, kam es scharf von Helen.

Er schaute auf.

„Wir haben lange genug über diesen Augenblick geredet, und ich lass ihn mir jetzt nicht von dir kaputt machen.“

Olaf verzog keinerlei Mine. Helen ging zu Romeo und hängte sich bei ihm ein.

„Kommen sie Romeo, zeigen sie mir ein wenig das Haus.“

Romeo nickte und gab Julius ein aufmunterndes Zwinkern, bevor er mit Helen im Haus verschwand. Julius und sein Vater dagegen standen immer noch an ihren Plätzen.

„Du hasst mich also immer noch..“, kam es leise von Julius.

„Das habe ich nie behauptet“, meinte sein Vater und schloss den Kofferraum.

Julius schluckte kurz heftig und versuchte seine Tränen zu unterdrücken. Er lies seinen Blick über die Landschaft gleiten.

„Aber das Gegenteil auch nie..“, meinte Julius.

„Was erwartest du denn von mir, kannst du mir das sagen? Du kommst zu mir, sagst so nebenbei Dad ich bin schwul, ohne Vorwarnung ohne irgendetwas.“

„Wie sollte ich dir das damals denn sonst sagen. Du hast dich doch nie für mich interessiert.“

Sein Vater wandte sich Richtung Klippen.

„Es ist unverschämt von dir, so was zu behaupten.“

„Wie soll ich denn auf einen anderen Gedanken kommen, du warst doch nie da, wenn ich dich mal wirklich gebraucht hätte.“

„Gebraucht?“ Für was denn? Deinem Seelenheil gut zu reden?“ Mach dich nicht lächerlich Julius.“

„Ist dir vielleicht mal eingefallen, das ich gerne mit meinem Problemen zu dir gekommen wäre. Ja, ich weiß über das Schwulsein hast du dir in Sekunden ein Urteil gebildet. Aber du hast mir keine Chance vorher gegeben, damit klar zu kommen.“

„Hast du mir je eine Chance gegeben, damit umzugehen? Du bist einfach weggelaufen und hast mich stehen lassen.“

„Aber das war, nachdem du mich so angeschrieen hast, dass tat so weh“, schrie Julius fast mit erstickender Stimme.

Olaf wurde ebenfalls lauter.

„Jetzt mach mal halb lang Julius, du hast mich aus deinem Leben ausgeschlossen, ich durfte an nichts teilhaben, meinst du das hat mir in den letzten drei Jahren nicht weh getan.“

Er zeigte dabei auf sein Herz.

„Dad ich habe dich immer geliebt auch jetzt noch, ich ertrag diese Trennung einfach nicht von dir. Ich geh daran kaputt.“

Julius Stimme versagte und über seine Wangen rannen die Tränen. Helen und Romeo standen vom Geschrei herbei gelockt an der Tür, aber sie mischten sich nicht ein.

„Junge ich liebe dich auch, aber ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, ich kann das nicht.“

Julius stand nun direkt vor seinem Vater.

„Hilf mir bitte Julius, gib du mir eine Chance, dich zu verstehen… bitte“, kam es jetzt nur noch recht leise von Olaf.

Julius fiel seinen Vater um den Hals und fing laut an zu weinen. Olaf nahm ihn fest in den Arm und strich mit seiner Hand über sein Haar.

„Darauf warte ich jetzt schon drei Jahre“, sagte Helen leise zu Romeo, der ebenfalls mit seinen Tränen kämpfte, weil er Julius nicht leiden sehen konnte.

Helen nahm seine Hand fest in die Ihre.

„Aber jetzt wird alles gut Romeo!“, sagte sie mit einem Lächeln.

* *

Am Abend liefen Julius und Romeo gemeinsam hinunter zu den Klippen. Die Sonne war am unter gehn und ein kühler Wind kam auf. Romeo nahm Julius von hinten in den Arm und sie schaute auf die See hinaus. Wild schlugen die hohen Brecher gegen die Klippen und lösten sich in feinen Niesel auf.

„Meinst du, wir können endlich glücklich werden, ohne das es uns jemand neidet?“, fragte Julius.

„Du ich bin glücklich.“

Julius wandte den Kopf und schaute in Romeos Augen.

„Ich habe den Menschen gefunden, der mir mein bisheriges Leben vor die Augen gebracht hat. Ich habe den Menschen gefunden, den ich bedingungslos vertrauen kann. Ich habe den Menschen gefunden, den ich über alles liebe und nie verlieren möchte. Ich bin glücklich weil ich dich habe Julius… ich liebe dich!“

„Ich liebe dich auch Romeo…..“

Und gemeinsam schauten sie wieder hinaus, der Sonne entgegen, die mit ihren letzten wärmenden Stahlen im Meer versank.

** Ende **

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Information Ro & Ro – Regennacht
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:31 AM - No Replies

Die Sonne hatte sich schon den ganzen Tag nicht richtig blicken lassen, dafür huschten viele Wolken, die zum Abend hin immer dunkler und dichter wurden, über das Firmament. Mehr hatte Roland Hollerbach vom Wettergeschehen des ganzen Tages nicht mitbekommen, dazu war er zu sehr in seine Arbeit vertieft. Der Fachanwalt für Erbrecht vertrat seit Kurzem Claudia Wessels, die älteste Tochter des unlängst verstorbenen Helmuth von Barkenau. Die Dame meinte, ihre vier Geschwister hätten sie beim Erbe übervorteilt.
Dem alten Barkenau gehörte neben der Brauerei noch so Einiges in der Stadt, allein die Familienvilla samt fünf Hektar großem Park hatte einen Verkehrswert von über drei Millionen. Allerdings verstand der Verblichene es ziemlich meisterhaft, seine umfangreichen finanziellen Transaktionen und seine Beteiligungen in einem derartigen Ausmaß zu verschleiern, dass der Verdacht, dem Fiskus seinen Anteil vorenthalten zu wollen, Betrug ist wirklich ein hartes Wort, mehr als gegeben war.
Die Sache war ganz gewiss nicht einfach, aber der 38 Jahre alte Brillenträger war sich sicher, so er denn einen Erfolg bei Gericht für seine Mandantin erzielen würde, endlich vom angestellten Anwalt zum Partner in der altehrwürdigen Kanzlei Grus, Fundus und Müller aufsteigen zu können. Sein Name würde zwar nicht auf dem Firmenschild prangen, aber er wollte Friedemann Ritter beerben, der zum Jahresende seinen Posten als Partner aufgeben wollte, um in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen. Er wollte dieses Ziel erreichen, koste es, was es wolle! Und diesem Meilenstein seiner Karriere ordnete er alles, aber auch wirklich alles unter: Sein Privatleben hatte er fast komplett aufgegeben, selbst die Pausen zum Zwecke der Nahrungsaufnahme waren auf ein Minimum reduziert.

Er blickte von seinem Schreibtisch auf und sah in das leere Vorzimmer. Alle anderen Angestellten, seien es Anwälte oder Schreibkräfte, ja sogar der Bürobote, sonst der Mensch, der immer abschloss, waren schon vor Stunden verschwunden, hatte ihn mit seinen Akten alleine zurückgelassen. Er griff zum Telefon, dachte an Robin, den Mann, mit dem er seit fast sieben Jahren Tisch und Bett teilte. Er sollte ihn wirklich anrufen und sagen, er würde bald nach Hause kommen. Bald!
Aber war das nicht schon der dritte Abend in Folge, den er am Schreibtisch hier im Büro anstatt auf dem heimischen Sofa verbrachte? Er überlegte kurz und schüttelte den Kopf: Es war bereits die vierte Nachtschicht, die ihn in der Innenstadt festhielt. Letzten Freitag hatte er das millionenschwere Mandat übernommen und war sofort voll eingestiegen. Selbst am Wochenende saß er mit Laptop und Unterlagen am heimischen Esszimmertisch und arbeitete verbissen an dem Fall; die einzige Unterbrechung war ein kurzer Besuch seiner Mutter am Samstagnachmittag, die auf ihrer Rückreise vom Nordkap auf einen Kaffee in der Domstadt vorbeischaute.

Es war einfach noch so viel zu tun und so wenig Zeit, es zu tun. Er wollte die Partnerschaft in der Kanzlei. Seine Hand lag immer noch auf dem Telefon. Aber was würde ein Anruf auch schon großartig bringen? Nur einen weiteren Vortrag seines Liebsten, wie wenig Zeit man in letzter Zeit miteinander verbringen würde. Der lebensfrohe Bibliothekar mit den festen Arbeitszeiten und den Sicherheiten eines Beamten hatte gut Lachen, er war keinem internen Konkurrenzdruck ausgesetzt, denn neben Roland machten sich noch zwei seiner Kollegen Hoffnung auf den bald vakanten Posten als Partner.
Robin war – dank seines Parteibuches – mit 35 Jahren schon Leiter des Stadtarchivs und würde das auch wohl bis zu seinem Dienstzeitende bleiben, es sei denn, eine entsprechende Stelle im Landesarchiv würde frei werden, er sich darauf bewerben und – bei entsprechender Couleur der Landesregierung – dann genommen werden. Aber auch in diesem ziemlich unwahrscheinlichen Fall würde sich nicht viel an den Gesamtumständen ändern: Das Landesarchiv lag nur zwei Straßen neben seinem städtischen Pendant und man teilte sich sowieso schon mit der Oberfinanzdirektion ein und dieselbe Kantine. Seine Finger rutschten vom Hörer.

Roland streckte seine müden Glieder, versuchte, die Verkrampfung zu lösen, indem er eine Runde um seinen Schreibtisch spazierte. Wenn doch alles nicht so kompliziert wäre! Wie gerne würde er mit seinem Mann, Hand in Hand wie ein frisch verliebtes Paar, durch die Natur schlendern, mal wieder zum Schwimmen an ihren Badesee fahren, dort ein Lagerfeuer entzünden, Wein trinken, lachen und scherzen, um dann später, im Schein der Flammen, das Wort Begehen zu buchstabieren. Wie lange war es jetzt her, dass sie sich zuletzt mit all ihrer Intensität geliebt hatten? Zwei Wochen? Einen Monat? Der Robenträger schüttelte mit einem mitleidigen Lächeln den Kopf und ging zurück zu seiner Arbeit, vergaß alles um Robin.

Regen hatte eingesetzt und trommelte in immer stärkerem Rhythmus gegen das Glas des Fensters. Roland rieb sich die Augen, blickte auf die Uhr. Seit seinem letzten Rundgang war fast eine Stunde vergangen. Die Thermoskanne, die ihm seine Sekretärin vor deren Feierabend noch hingestellt hatte, war fast leer, wie er beim Anheben des Edelstahlbehälters feststellen musste. Aber der Kaffee, den er sich den ganzen Abend über schon einverleibt hatte, verlangte nach Auslass.
Auf dem Rückweg stoppte er kurz an der kleinen Teeküche: Jetzt ein frischen Türkentrank! Er wusste zwar, welchen Knopf er auf der hochmodernen Maschine drücken musste, um an Koffein in heißer und flüssiger Form zu kommen, aber er wusste nicht, wie er den Kaffeezubereiter italienischer Bauart später wieder hätte reinigen sollte; die Seniorpartner legten größten Wert auf Hygiene. Er zuckte mit den Schultern und setzte seinen Weg fort, er würde sich mit der Neige in der Kanne begnügen.

Er rieb sich den Rücken, als er am dunkelgetönten Fenster stand und aus dem zweiten Stock des Bürogebäudes hinaus in die Nacht blickte. Das Kopfsteinpflaster der Fahrbahn schimmerte nassglänzend im fast gelblichen Licht der Straßenlaternen. Die Neonröhre der Bushaltestelle, die der Kanzlei schräg gegenüberlag, schien bald ihren Geist aufzugeben, ab und an flackerte sie auf, als ob sie noch ein Lebenszeichen von sich geben wollte. Der Regen schien nachgelassen zu haben, die Tropfen prasselten kaum noch hörbar an die Scheibe, dafür war wohl Wind aufgekommen, die Bäume im Vorgarten der Kanzlei wogen unrhythmisch hin und her.
Die Straße war leer, kein Wagen fuhr. Auf dem Bürgersteig eilte ein Paar, Hand in Hand, die jeweils freie Hand leicht über den Kopf erhoben, wohl um sich vor dem Regen zu schützen, in Richtung des Unterstandes, der sonst dem öffentlichen Nahverkehr als Ein- und Auslasspunkt dient. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Roland erkannte zwei Männer, der eine stieß den anderen an die gläserne Rückwand des Unterstandes und küsste ihn. Der Anwalt schmunzelte: zwei Liebende im Regen!

Wie in Trance ging er zu seinem Schreibtisch, löschte die Schreibtischlampe, die einzige Lichtquelle, um dann sofort wieder zum Ausgangspunkt seiner Beobachtungen zurückzukehren: Aus dem Dunkel seines Büros hatte er jetzt einen besseren Ausblick in die Dunkelheit und das Treiben in derselben.
Es waren wirklich zwei Männer, er hatte sich also doch nicht getäuscht. Einer war groß und schlank und blond, der andere kleiner, kompakter, mit dunklen Haaren. Der Dunkelhaarige drückte den Blonden an die plakatierte Wand und übte sich in intensiver Mund-zu-Mund-Beatmung. Roland konnte zwar keine Gesichter erkennen, aber die Aktion der Zwei war eindeutig genug: Die beiden Männer dachten wahrscheinlich, sie hätten die ungemütliche Nacht ganz für sich allein, denn der Dunklere zog dem Blonden plötzlich das T-Shirt aus seiner Jeans und gab so die darunterliegende Brust dem Regen, aber auch den lüsternen Blicken des Mannes aus dem zweiten Stock, preis, aber Letzteres wohl eher unbeabsichtigt. Der Kopf des kleineren Mannes huschte nun über die Brust des Lehnenden, er schien ihn auf das Heftigste zu küssen und zu liebkosen. Was würde das geben?

Roland konnte sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen Robin und er über keinen Ort verfügten, an denen sie sich zurückziehen konnten, um dort das zu machen, was Liebende normalerweise zu tun pflegen. Als er vor knapp einer Dekade in die Stadt kam und seine Stelle bei Grus, Fundus und Müller antrat, fand er Unterschlupf bei einer Cousine seiner Großmutter: Die Einliegerwohnung war groß und kostengünstig und er brauchte sich auch nicht Dinge wie Wäsche, Putzen und Einkäufe zu kümmern, aber der Familienanschluss hatte den enormen Nachteil der ständigen Beobachtung; zum damaligen Zeitpunkt war er ungeoutet, heute wusste jedenfalls seine Familie bescheid.
Diese Not wurde vor sieben Jahren größer, als er Robin erst kennen-und dann lieben gelernt hat. Der damalige Student lebte mit seiner Mutter auf 66 Quadratmeter. Aber in jenen Tagen war ihrer beiden Leidenschaft so heiß und das Feuer der Begierde loderte so hell, dass man immer einen Ort fand, an dem man improvisieren konnte, eben wie jene Liebenden unten auf der Straße.

Roland spürte, wie es langsam eng in seiner Hose wurde: Je länger und je intensiver der eine Mann die Brust des anderen Mannes bearbeitete, desto stärker wurde das Kribbeln in seinen Lenden und desto mehr Blut wurde in Justitias Schwert gepumpt. Die Brust, an der der kleinere Mann nuckelte, muss glatt und sanft gewesen sein, aber – vor allen Dingen – sie war heiß. Wären seine Nippel die Opfer dieser erotischen Zungenmassage, sie würden mehr als hart sein, fast so hart wie das Teil in seiner grauen Anzughose, deren Reißverschluss er nun langsam öffnete, um hineingreifen zu können.
Er zitterte am ganzen Körper, als seine Fingerspitzen die Konturen seines Schwanzes, der noch immer von der roten Retro, die er sich nach der morgendlichen Dusche übergestreift hatte, geschützt war, nachzeichneten. Mit seiner linken Hand hantierte er erst am Gürtel, dann am Hosenbund. Als der Weg frei war, fuhr er mit seiner Rechten durch das Bündchen des Produktes von Calvin Klein. Als Fleisch Fleisch spürte, pulsierte sein ganzer Körper vor Aufregung, er glühte regelrecht; sein Sahnespender war noch härter, als er erwartet hatte.
Es war lange her, wohl viel zu lange, dass er einem sexuellen Reiz so spontan nachgegeben hatte. Der sonst so auf Konventionen bedachte Jurist blickte hinter sich, sah durch die offene Tür in das Dunkel der sonst so geschäftigen Etage. Niemand war da, der ihn und seine Geilheit stören würde. Ein lautes Stöhnen drang aus seinem Mund, als er seine Kronjuwelen komplett freilegte und seine zittrigen Finger seine Erektion hautnah begrüßten.

Die beiden Typen an der Bushaltestelle küssten sich wieder, hatten die Hände um den Körper des anderen geschlungen, fast schienen sie langsam zu tanzen. Roland schlug kurz auf seine sabbernde Schwanzspitze und zitterte vor Vorfreude. Es war eine heiße Nacht, die der künftige Partner erlebte – trotz des Platzregens. Das Paar auf der anderen Straßenseite trug nur Jeans und T-Shirt und der Tanz der Arme wurde schneller und schneller.
Langsam, aber mit fester Hand, fuhr er Zentimeter um Zentimeter erst in Richtung Bauchdecke, nur damit seine Hand dann wieder die Flucht nach vorn antreten konnte. Der Kleinere hatte sich an seinem Oberteil zu schaffen gemacht, der Blonde zog es ihm nun endgültig über den Kopf, es landete auf der Sitzbank des Haltepunktes. Die Hände des größeren Mannes streichelten den nun nackten Rücken, nur um im nächsten Augenblick abrupt in die Höhe gestreckt zu werden. Diesmal zerrte der dunkelhaarige Typ am Stoff, er landete neben der Bank, riss aber das Shirt mit auf den Boden.
Der Fachanwalt für Erbrecht konnte sich gar nicht sattsehen, seine Hand wurde immer schneller und schneller, aber plötzlich erstarrte er mitten in der Bewegung, seine Hand blieb an seinem Schwanz regelrecht kleben. Die beiden Männer in der Bushaltestelle ließen – von jetzt auf gleich – urplötzlich voneinander ab, standen sich nur noch starr gegenüber. War das das Ende der nächtlichen Show?

Roland wollte schon wieder einpacken, aber dann sah er, wie das Paar – fast synchron – sich bückte, nach den durchfeuchteten Shirts griff und dann über die Straße rannte, auf das Bürogebäude zu. Wo wollten sie ihr Liebesspiel fortsetzen? Der Jurist stöhnte vor Freude, als er sah, dass der anwaltliche Vorgarten, durch eine hohe Mauer von der Straße getrennt, Ziel der Flucht war. Die beiden wollten wohl etwas mehr Privatsphäre in ihr privates Treiben bringen; ihm sollte es recht sein. Zwar war er durch den Platzwechsel seiner Frontalsicht beraubt, aber aus der Vogelperspektive konnte man noch genug erkennen.
Am Schluss war er sogar dankbar für die kurze Unterbrechung, denn die zwei Gespielen hatten es sich in der Ecke gemütlich gemacht. Es gab nun keine Störungen durch zuckende Neonröhren mehr, die 25 Meter entfernte Straßenlaterne sorgte für eine gleichmäßige Beleuchtung der Szenerie. Die Körper, die genau da weitermachten, wo sie auf der anderen Seite der Straße aufgehört hatten, wirkten durch die gelbliche Illumination sogar noch aktiver, noch dramatischer, fast wie in einem chinesischen Schattentheater; Roland konnte die Erotik unten fast körperlich spüren.
Die Hände tanzten wieder auf den Rücken, machten sich dann wohl an den Gürteln zu schaffen. Nach kurzer Zeit fiel erst die Jeans des Blonden, dann landete die Baumwollhose des Dunkelhaarigen auf den Shirts. Die beiden standen sich jetzt nur noch in ihren Unterhosen gegenüber, beäugten sich. Von seinem Fensterplatz aus meinte das Organ der Rechtspflege sogar, deutliche Ausbuchtungen der durchfeuchteten Unterkleidung erkennen zu können. Er leckte sich lasziv die Lippen und schluckte, seine Hand glitt wieder über seine Erektion, nur diesmal ein wenig schneller, ein wenig härter.

Der dunkelhaarige Mann drückte den Blonden nun gegen die Backsteinmauer, die fast nackten Körper schienen miteinander zu verschmelzen. Roland stöhnte, er konnte die pure Lust der beiden Kampfhähne, die, keine fünfzehn Meter von ihm entfernt, nicht nur ihre Männlichkeiten aneinander rieben, deutlich spüren, fast regelrecht fühlen. Sie küssten sich innig, leidenschaftlich, dann gingen die Köpfe etwas auseinander und die ausgestreckten Zungen umkreisten einander.
Der Anwalt lockerte seine Krawatte und knöpfte mit seiner freien Hand sein Hemd auf. Die zittrigen Finger fuhren erst den Ausschnitt seines Unterhändlers entlang, schlüpften dann durch den linken Träger und untersuchten die Brustmuskulatur, erst auf der linken, dann auf der rechten Körperhälfte. Am Ende fand er die die steinharte Brustwarze, mit deren höchster Erhebung er sanft und zärtlich spielte, als wolle er sich selbst belohnen.
Der Tanz der Zungen schien beendet, der Waschlappen des Dunkelhaarigen machte sich über Kinn, Hals, Brust und Bauchnabel auf den Weg nach unten, der Blonde krümmte sich vor Lust. Er kniete nun vor dem langen Mann, sein Kopf schien sein Ziel endlich gefunden zu haben. Er umklammerte die schmalen Hüften, hielt sich daran fest wie ein Ertrinkender an einem Rettungsring.

„Geil!“ Roland atmete schwer, nahm alles, aber auch wirklich alles, fasziniert auf. Eine Hand spielte mit seinem Schwanz, die andere mit seiner Brustwarze, seine Augen beobachteten gebannt das lüsterne Geschehen im Vorgarten. Der Knieende beschäftigte sich jetzt fast ausschließlich mit dem ausgebeulten Innenleben der Boxershorts des blonden Mannes.
„Blas ihn! Blas ihn endlich!“ Die Aufforderung verhalte im leeren Raum, aber in Gedanken galt sie sowieso nur Robin, der wie kein anderer Mann verstand, einen Schwanz hart und zugleich zärtlich, sanft aber dennoch fordernd, zu bearbeiten. In der Vorstellung des Juristen kniete sein Mann jetzt vor ihm, leckte sich lustvoll seine Lippen, um sich dann das Schwert der Gerechtigkeit einzuverleiben. Spielte ihm seine Fantasie einen Streich? Spürte er tatsächlich die Feuchte des Mundes, der ihn heute Morgen zum Abschied nur flüchtig geküsst hatte?

Der unsichtbare Dritte stoppte urplötzlich alle körperlichen Aktivitäten, seine Hände fuhren wie entnervt durch seine kurz geschnittenen Haare. Betrog er mit dem, was er hier tat, etwa den Mann, mit dem er jahrelang zusammenlebte und den er liebte, indem er das öffentliche Liebesspiel zweier wildfremder Männer heimlich beobachtete und sich dabei einen von der Palme schüttelte?
Roland hielt kurz inne, grinste dann in sich hinein und setzte seine Handlungen an sich unbeirrt fort. Er würde wegen seiner Tat nie vor Gericht stehen, weder auf dieser Welt noch vor irgendeiner anderen Instanz; Selbstbefriedigung ist schließlich kein Betrug, egal was sie ausgelöst hat. Das auslösende Moment war aber immer noch im Gange, spielte sich direkt vor den glänzenden Augen des Anwalts ab und der konnte seinen Blick nicht von der atemberaubenden Szene wenden.

Der kniende Mann hatte seine Finger mittlerweile unter den Bund des Slips des Blonden geschoben, zog sie langsam nach unten. Der Lange ging ins Hohlkreuz, drückte seine Scham nach vorn, so als wolle er sie dem anderen in ihrer vollen Größe aufdrängen.
„Ja! Zieh sie runter! Saugt ihn aus!“ Der Anwalt zischte mehr als er sprach, zwirbelte seine rechte Brustwarze dabei so hart, dass er seine Lust am liebsten laut hinausgeschrien hätte. Der Dunkelhaarige setzte wohl zum finalen Akt an, das durchnässte Stück Stoff fiel zuerst in die Knie des Blonden, landete dann schlussendlich auf dem Boden. Der Anblick der nun freiliegenden und leicht zuckenden Zuckerstange raubte dem Spanner fast den Atem.
Der knieende Mann ergriff das Gemächt des Stehenden, umklammerte es mit seinen Händen, hielt und betrachtete den langen Schwanz wie eine Monstranz, die es anzubeten galt. Am Ende verleibten sich die Lippen dann aber doch das Brot des Lebens ein. Der Blonde kam ihm entgegen, so, als ob er ihn, wie einen Hungernden, füttern wollte. Roland hätte schwören können, dass er das Schmatzen des kleineren Mannes bis in sein Büro hören konnte. In dem gleichen Rhythmus, wie die Speisung des Hungrigen im Vorgarten der Kanzlei vonstattenging, wurde im zweiten Stock der Stock des Anwalts durch selbigen bearbeitet. Die Linke war diesmal jedoch nicht oberhalb des Bauchnabels unterwegs, nein, sie griff unten herum unterstützend ein, indem sie die Haut des Eiertragebehältnisses kräftig und intensiv massierte und walkte.

Ein Blitz spaltete den Himmel und tauchte die mehr als erotische Szene in reines weißes Licht. Von oben war kein Zwischenraum mehr erkennbar, die Nase des Knieenden kitzelte augenscheinlich den Schambereich des Blonden, der seine Hände auf das dunkle Haar gelegt hatte. Wollte er noch tiefer in den eh schon weit geöffneten Mund eindringen?
„Ja!“ Das Organ der Rechtspflege konnte nur noch Grunzlaute von sich geben, seinen Schwanz bearbeitete er mittlerweile mit beiden Händen, das Tempo wurde immer schneller und das Gefühl dabei immer intensiver. Unten zog der Dunkelhaarige die Hüften des Blonden zu sich heran, der Lange drückte den Kopf des Kleineren immer noch tiefer auf seinen Lustspender. Es war einfach nur ein atemberaubender Anblick; schade eigentlich, dass es nur einen heimlichen Beobachter gab.
„Geil!“ Roland ächzte, anders konnte er seine Bewunderung für die oralen Fähigkeiten des Bläsers keinen Ausdruck verleihen. Die Bewegungen im Vorgarten wurden immer schneller, immer spastischer, immer heftiger. Der Körper des Blonden schien zu vibrieren, zu zucken. Aber auch innerhalb des Gebäudes war an einen geordneten Ablauf nicht mehr zu denken. Ein Donner grollte.

„Gib‘s ihm! Gib ihm deinem Saft!“ Der Brillenträger zischte nur noch. Der Kopf des Bläsers ging nach hinten, der Geblasene tänzelte nicht, wie gewohnt, nach vorn, sondern leicht nach hinten, der fleischliche Kontakt riss aber dennoch nicht ab. Die Zuckungen des Blonden wurden stärker, immer unkontrollierter. Es schien, als hätte er den Gipfel seiner Lust erreicht und das Gipfelkreuz direkt auf die Mandeln des Dunkelhaarigen gesetzt. Roland konnte nicht anders, auch er entließ seine Sahne in die Freiheit.
Aber, im Gegensatz zum Geschehen im Vorgarten, landeten seine Schwimmer nicht in der warmen Umgebung einer Mundhöhle, nein, sie platschten einfach profan und äußerst unromantisch auf das kalte Buchenparkett seines Büros. Es dauerte eine Weile, bis der Atem des Brillenträgers sich wieder normalisiert hatte.

Ein neuer Blitz erhellte den Himmel, der Donner folgte unmittelbar. Der angehende Partner, immer noch nicht wieder ganz fit, sah erstaunt nach unten: Die Szenerie hatte sich komplett gewandelt: Der Blonde hatte sich umgedreht oder war umgedreht worden, wer konnte das sagen? Er stützte sich jetzt mit beiden Händen an der Backsteinmauer ab, reckte sein recht ansehnliches Hinterteil dem kleineren Teil des dynamischen Duos entgegen. Er wackelte mit seinem Arsch, so als wollte er den anderen Mann entweder anmachen oder aber den Schlägen, die dieser mit seinem auch recht ansehnlichen Schwanz auf das wippende Hinterteil auszuteilen versuchte, entgehen.
Die ersten Tropfen fielen vom Himmel, aber der Blonde spielte sein unbarmherziges Spiel unbarmherzig weiter: Er wusste genau, dass er gleich gefickt werden würde, in den Arsch, im Regen, im Freien, in aller Öffentlichkeit. Ein Schlag noch mit der menschlichen Peitsche, dann war es so weit, der lange Blonde wurde von dem kleineren Dunkelhaarigen aufgebockt. Der Niederschlag, der nun immer dichter fiel, schien die beiden in ihrem Treiben nicht zu stören, im Gegenteil, er schien sie regelrecht anzuspornen. Der Brillenträger konnte seine Augen nicht von dem Paar lassen, das seine Gelüste offen auslebte.
Blitz und Donner erfolgten gleichzeitig, aber die Naturgewalten schienen den beiden den Spaß, den sie hatten, nicht zu verderben. Erst als der Typ mit den dunklen Haaren auf dem Rücken des Blonden mehr oder minder zusammenbrach, ließen sie voneinander ab. Die beiden küssten sich innig, das Spiel der Arme und der Tanz der Zungen begann von Neuem, aber plötzlich, wie von unbekannter Hand gesteuert, ließen sie voneinander ab, griffen sich ihre Sachen, zogen sich an und suchten das Weite.

Roland starrte noch lange auf die Stelle, die gerade eben noch intimer Mittelpunkt der Zweisamkeit zweier Männer gewesen war, aber ein erneuter Donner ließ den Fachanwalt für Erbrecht erneut zusammenzucken. Die Spuren seines nächtlichen Treibens mussten behoben werden! Er ließ die graue Stoffhose, die immer noch in seinen Kniekehlen hing, nach unten gleiten, stieg aus den Beinkleidern. Die rote Schutzhülle seiner Männlichkeit landete direkt daneben. Fast nackt machte er sich auf den Weg in die Wasserspiele, um sich und sein Verkehrsgerät zu reinigen.
Nach erfolgter Säuberung, er verbrauchte mindestens 20 Blatt aus dem Papierspender, schlich er sich wie ein Dieb zurück in sein dunkles Büro. Nachdem er den Lichtschalter betätigt hatte, erwartete ihn dort zwar keine Katastrophe, nur natürliche Hinterlassenschaften waren auf dem hölzernen Boden erkennbar. Aber auch diese Spuren mussten beseitigt werden! Schnell zog er sich an, um wieder Papier aus dem Handtuchspender zu holen.
Als dieses nach Gebrauch in der städtischen Kanalisation verschwand und der Fachanwalt auch sonst keine verräterischen Spuren seines frivolen nächtlichen Treibens mehr entdecken konnte, beschloss er, den langen Arbeitstag, den er hinter sich hatte, zu beenden. Aber, wir an jedem Abend, ordnete er noch die Papiere auf seinem Schreibtisch, ehe er seinen Arbeitsplatz verließ. Er schaltete, nachdem er die Tiefgarage verlassen hatte, die Alarmanlage des Gebäudes noch scharf und machte sich um kurz nach elf endlich auf, heimatliche Gefilde anzusteuern.

Als Roland seinen Wagen abgestellt und die Tür zu seiner Wohnung aufgeschlossen hatte, war er ziemlich überrascht, dass noch Licht im Flur brannte; Robin musste also noch wach sein. Er fand den Mann, mit dem er Tisch und Bett teilte, im Badezimmer, ein Handtuch um die Hüften gewickelt, mit einem anderen Frottee trocknete er sich augenscheinlich die Haare.
„Was ist denn los?“ Der Anwalt tat ganz unschuldig. „Man könnte meinen, dass der Regen dich erwischt hat, der vor einer halben Stunde runter gekommen ist.“

Robin grinste und ließ das weiße Gewebe von seinem Kopf auf seine Schultern sinken. „Man könnte es nicht nur meinen, man kann es sogar mit aller Deutlichkeit sagen!“

Roland lächelte verhalten zurück, einerseits war er erleichtert, dass der Mann im Bad nicht wütend auf ihn und seine späte Heimkehr war, aber andererseits machte sich plötzlich ein flaues Gefühl in der Magengegend breit. „Äh, wieso könnte man das sagen?“

„Tja, Sören, der Student, der gerade sein Praktikum bei mir macht, hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zu dem schwulen Kurzfilm-Festival zu gehen, das heute im alten Atrium angelaufen ist.“ Er lachte ihn an. „Erst wollte ich nicht, aber …“

Der Anwalt wurde neugierig. „Aber?“

„Du hast dich den ganzen Tag über ja nicht bei mir gemeldet, da … da habe ich Sören um halb acht noch angerufen und ihm dann doch noch …“ Er schüttelte seine immer noch feuchten dunklen Haare und Rolands schlimmste Befürchtungen schienen bestätigt zu werden. „… zugesagt. Den ersten Streifen haben wir zwar nur halb gesehen, aber die anderen Filme waren wirklich klasse! Wir wollten dich später noch im Büro überraschen, aber da … da kam uns der Regen in die Quere.“ Er lächelte seinen Partner geheimnisvoll an. „Aber das Festival noch geht noch ein paar Tage. Musst du morgen Abend auch wieder so lange arbeiten?“

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Information Nobody is perfect
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:30 AM - No Replies

Ich hatte wieder den Bus verpasst. Gelangweilt saß ich am Bushäuschen und wartete auf das nächsten Beförderungsmittel. Es war mir egal, ob ich zu spät nach Hause kam, denn dort wartete sowieso niemand auf mich.

Meine Mutter war den ganzen Tag am Arbeiten und kann dadurch selber erst spät heim. Ach so ich heiße Peter, na ja eigentlich Hans-Peter, meine Mutter dachte wohl, sie müsse wohl, die Namen der Opas in Ehren halten.
Von meinem Vater weiß ich nicht mehr viel, ich war drei oder vier als er mich und Mum verließ. Dass einzige was ich noch weiß, dass er recht groß war, etwas was ich wohl geerbt hatte.
Mit meinen siebzehn, war ich mit meinen 1,91 cm, der größte in der Klasse. Meine Mum meinte immer ich hätte seine tollen Haare. Naja hellbraun und immer wirr, was da toll dran war.
Der Bus kam und ich stieg ein. Im Gedanken versunken, zogen die Häuser an mir vorbei und wenn die Fahrerin nicht meine Haltestelle aufgerufen hätte, säße ich wahrscheinlich jetzt noch.
Ich schloss die Haustür zu unserem kleinen Häuschen auf und wunderte mich schon, weil nicht abgeschlossen war.

„Peter, bist du das?“

„Ja Mum, was tust du denn schon hier?“

„Komm erst mal rein ins Wohnzimmer“, rief meine Mutter.

Ich schloss die Tür warf meine Rucksack auf den Boden und lief zu ihr. Noch in der Tür bekam ich noch einen ordentlichen Schrecken. Meine Mutter saß auf dem Sofa und hatte einen verbundenen Fuß auf dem Tisch liegen.

„Mum was ist den geschehen?“

„Nichts Schlimmes, ich bin im Geschäft gestürzt und hab mir dabei den Fuß verstaucht.“

„Nichts Schlimmes? Du bist gut, tut es sehr weh?“

„Es geht, seit ich hier ruhig sitze nicht mehr so.“

„Brauchst du was, fehlt irgendwas?“

„Langsam Peter, aber es wäre nett, wenn du etwas einkaufen würdest, der Kühlschrank ist leer.“

„Mach ich doch, was soll ich holen?“

„Ich hab dir einen Zettel geschrieben, liegt auf dem Küchentisch, neben dem Geldbeutel.“

„Gut, kann ich dich allein lassen?“

„Ja, mein Großer“, meinte sie lächelnd.
Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand in die Küche. Oh ihr denkt jetzt, der ist siebzehn und knutscht noch mit der Mama. Tja Leute, so ist es nun mal, wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis, sie ist mir fast wie ein gute Freundin.
Vor zwei Jahren hatte sie von einer Tante, dieses kleine Häuschen geerbt, das wir dann bezogen. Riesen Fortschritt, gegenüber der kleinen Mietwohnung vorher, wo ich nicht mal ein eigenes Zimmer hatte und im Wohnzimmer schlief.
Sie stand auch voll hinter mir, als ich ihr unmittelbar nach dem Umzug beichtete, dass ich nie Mädchen mit nach Hause bringen würde. Ja ich bin schwul und seit ich das Versteckspiel aufgehört hatte, ging mir es auch wesentlich besser.
Die Klasse hatte es akzeptiert, war mir aber nicht so wichtig war, weil ich eher ein Einzelgänger war und so viele Freunde an der Schule hatte ich nicht. Mein sonstiges Umfeld nahm es gelassen auf, schon alleine mit der Hilfe meiner Mum, sie war oft in die Bresche für mich gesprungen.
Ich nahm den Zettel und den Geldbeutel und machte mich auf den Weg zum Supermarkt. Als ich fertig mit einkaufen war. Bereute ich es mein Fahrrad nicht mit genommen zu haben. Der Korb war schwer und ich musste mich beherrschen nicht laut los zu fluchen.

„Hallo Peter, wie geht es deiner Mutter?“

O Gott, der olle Ziegler, hatte es also schon die Runde gemacht in unserer Strasse.

„Ja Herr Ziegler, es geht ihr schon besser, danke der Nachfrage.“

„Dann ist ja gut.“

Ich nickte ihm noch zu und lief den kleinen Weg unseres Vorgartens entlang. Ich schloss auf und brachte den Korb in die Küche.

„Hi Mum, bin wieder da.“

„Kannst du mir ein Sprudel mitbringen?“, rief es aus dem Wohnzimmer.

„Klar doch“, sagte ich und nahm ein Glas aus dem Schrank und ging zu dir.

„Du bist schon Straßengespräch“, meinte ich zu ihr.

„Och nein, wieso?“

„Der olle Ziegler hat mich nach deinem Befinden gefragt.“

„Peter, lass das ja niemand hören, der olle…, wenn der das mal hört. Aber du hast Recht, wenn der das schon weiß, wissen es bald alle in unserer Straße. Da kann ich mich ja auf eine Besuchsansturm gefasst machen.“

„Dann hast du schon keine Langeweile und so schlimm wird es auch gar nicht werden. Wenn ich nicht da bin, lässt die eh niemand herein, oder willst du mit DEM Fuß jedes Mal aufstehen.“

„Dein Wort in Gottes Gehörgang“, meinte meine Mum und wir fingen beide an zu lachen.

„Hast du alles, ich würd gerne ein bisschen in mein Zimmer gehen“, fragte ich.

„Geh du ruhig, ich wird mich schon bemerkbar machen, wenn hier unten das Chaos herrscht.“

Es klingelte. Ich ging zur Haustür und vor mir stand Brigitte, unsere Nachbarin.

„Wo ist sie?“

Sie rannte mich fast um.

„Auch ein Hallo, schön dich zu sehen… im Wohnzimmer…“, sagte ich seufzend und schneller als ich schauen konnte, war sie schon im Wohnzimmer verschwunden.

Ohne Probleme konnte ich Mum beruhigt alleine lassen, jetzt wo ihre Freundin da war. Ich schnappte mir mein Rucksack und ging hinauf in mein Zimmer. Ich schmiss ihn neben den Schreibtisch, machte meine Stereoanlage an und legte mich aufs Bett.
Im Radio kam Xavier Naidoo.. sie sieht mich leider nicht… ich schloss die Augen und begann zu träumen. Ich überhört einfach das „sie“ und ersetzte es durch ein „Er“. Einen Traumprinzen… gefunden hatte ich noch keinen, geschweige denn kennen.
Ich griff unters Bett und holte mein Block hervor. Schon lange hatte ich mir angewöhnt, meine Gedanken einfach aufzuschreiben. Meine Mutter meinte immer es wären schöne Gedichte. Ich zückte den Kuli und lies meinen Gedanken freien Lauf.

ich sitze am Fenster
und schaue nach draußen
versuche die Ruhe
in mich aufzuziehen
die da beim Sonnenuntergang herrscht
das Vogelgezwitscher verstummt
keine Autos mehr fahren
die Gespräche der Nachbarn verklingen
ab und zu ein Flugzeug
dass einsam am Himmel seine Bahn zieht
vereinzelt ein Wolke vorbei zieht
diese Ruhe
macht mich ruhig
das brauche
um Gedanken und Gefühle
zuordnen
die sich angesammelt haben
und langsam überhand nehmen
die auf Verarbeitung warten
dass alles wieder ruhig werden kann
bevor das nächste Chaos meiner Gedanken losbrechen kann
©peter2002

Ich musste eingeschlafen sein, als es an meine Tür klopfte. Ich schrak auf.

„Ja“, rief ich verschlafen.

Die Tür ging auf und Brigitte schaute herein.

„Tut mir leid ich wollte dich nicht wecken, wollt nur fragen ob du mit uns was isst?“

„Ja gerne, gebe mir fünf Minuten, ich komm dann runter.“

„Okay“, und sie verschwand wieder.

Ich legte meine Block und Kuli zur Seite und ging kurz ins Bad. Ich schaute in den Spiegel mir das Gesicht zu waschen Danach sah ich mir selber tief in meine grauen Augen… warum gefallen diese Augen keinem anderen… schoss es mir in den Kopf. Ich musste grinsen.

*-*-*

„Oh, ihr habt was vom Chinesen kommen lassen“, fragte ich, als ich das Wohnzimmer betrat.

„Ja setze dich zu uns, freie Auswahl“, meinte Mum.

Ich griff mir einer der Schachteln um diese Auswahl zu studieren.

„Der eigentliche Grund, warum ich heut zu dir gekommen bin, besser gesagt zu euch, war eigentlich ein Anderer. Das mit dem Fuß hat mir der olle Ziegler auf der Straße erzählt.“

Ich musste kichern, denn ich war nicht der einzige der „der olle Ziegler“ sagte.

„Morgen stehst du in der Blödzeitung“, kicherte ich weiter.

„Und was ist so wichtig, dass du es uns zu erzählen hast?“, fragte Mum.

„Es betrifft mich auch?“, fragte ich.

„Schon irgendwie.“

„Dann schieß mal los“, sagte ich und machte es mir auf einem Sessel bequem.

„In Bremen sind doch schon Ferien und da hat mich mein Bruder angerufen. Er würd sich große Sorgen um seinen Sohn machen.“

„Du meinst den kleinen Dicken, dein Neffen, der letztes Jahr bei dir eine Woche gastierte?“ warf meine Mutter ein.

„Ja genau der, nur das er etwas geschossen ist und seit er fast nichts mehr isst, nur noch eine Bohnenstange ist.“

„Kann auch interessant sein“, warf ich ein, was ich aber gleich wieder bereute, weil ich von den zwei Damen, mir böse Blicke einfing.

„Na jedenfalls, meinte mein Bruder, weil es Jochen so gut bei mir gefallen hat, ob ich ihn nicht für ein oder zwei Wochen bei mir aufnehmen würde, damit er was anderes sieht.“

„Du hast natürlich zugesagt?“, fragte Mum.

„Ja, hab ich, ich mag Jochen sehr, und außerdem bin ich neugierig, was los ist mit ihm.“

„Und was hat das dann mit mir zu tun?“, fragte ich.

„Jochen ist so alt wie du Peter, und ich dachte du könntest dich auch ein wenig um ihn kümmern. Ich weiß ja, dass du ebenfalls nur zu Hause rumsitzt.“

Volltreffer, aber was ging das Brigitte an. Oder hatte meine Mum da irgendetwas angekurbelt von dem ich nichts wusste.

„Von mir aus, kann ja mal versuchen, ob er mit mir redet. Wann kommt er denn?“

„Am Samstag, mit dem Zug, willst du mit ihn abholen?“

„Jetzt übertreibe mal nicht, man könnt ja meinen du hast etwas vor.“

Meine Mum fing so komisch an zu grinsen, also war doch was im Busch.

„Hol ihn mal lieber alleine ab, er hat dann immer noch genug Zeit mich kennen zu lernen“, meinte ich.

„Wir könnten ja gemeinsam Grillen“, schlug meine Mum vor.

Später lief ich hoch in mein Zimmer und ließ meinen PC hochfahren, während ich mich auszog. Ich rief kurz meine Mails ab, ab wie es so ist, war nichts Interessantes dabei. Ich tippte noch schnell, das Geschriebene vom Mittag ab und speicherte es ab.
Noch kurz ins Bad und schon lag ich im Bett und versank in meinem Vatikanskrimi >Der Engelspapst<.

*-*-*

Ich wurde aus dem Schlaf gerissen, als mein blöder Radiowecker losging. Ich denke, ich werde nicht der Einzige sein, der diese Erfindung hassen wird, oder?. Ich stand also auf und taperte ins Bad.

„Du wirst dir wohl heut selber Frühstück machen müssen“, kam es aus dem Schlafzimmer.

Ich stoppte und schaute nach meiner Mutter.
.
„Geht schon in Ordnung, alles klar bei dir.“

„Hab zwar die halbe Nacht wach gelegen, aber sonst geht es.“

Ich verschwand ins Bad. Eine halbe Stunde später stand ich an der Haltestelle und wartete auf den Bus.

„Morgen Piet“, kam es von hinten.

Ich drehte mich um.

„Morgen Sabine“, sagte ich zu meiner Klassenkameradin, die grad zu mir stieß.

„Und wie geht es deiner Mutter?“

„Ist meine Mutter jetzt schon Dorfgespräch, oder was? Es geht ihr soweit gut, nur das Bein ist leicht verstaucht“, erklärte ich leicht genervt.

„Anscheinend, meine Mutter hatte es von einer Nachbarin und die…“

„Halt! Brauchst es mir gar nicht zu erklären, ich weiß wie das hier läuft.“

Der Bus kam und wir stiegen ein.

„Morgen Micha“, sagte Sabine.

„Morgen Sabine, morgen Piet.“

Ich nickte und wir beide setzten uns zu ihm auf die letzte Bank.

„Hat einer von auf den Mathetest gelernt?“, fragte Micha.

„Nein“, antwortete ich ehrlich.

Sabine bejahte.

„Dass du nicht Mathe büffeln musst, ist mir klar“, meinte Micha zu mir.

„Ja unser Genie steht da drüber“, meinte Sabine grinsend.

„Der Eine kann’s, der andere nicht“, sagte ich.

„Naja, noch zwei Wochen, dann haben wir mal sechs Wochen Ruhe“, sagte Micha.

Ja auf die Sommerferien freute ich mich auch. Ausschlafen, faulenzen, einfach nichts tun!

*-*-*

In der großen Pause, saßen wir auf der Bank unter den Linden.

„Oh man, ich glaub ich habe den Test versiebt“, meinte Michael.

„Wieso du hast doch alles ausgefüllt“, sagte ich.

„Ausgefüllt ja, aber ob es richtig ist?“

„Soweit ich das von meinem Platz aus sehen konnte, lagst du richtig.“

„Aha, du hast also von mir abgeschrieben?“, meinte Micha mit einem Lächeln.

„Ich? Abschreiben, das ist total unter meinem Niveau!“

Micha holte sich eine Zigarette aus der Tasche und steckte sie sich an.

„Du wolltest doch aufhören“, meinte Sabine, „wenn du so weiter machst, kriegst du von unserem Schatz hier nie wieder einen Kuss.“

Dabei zeigte sie auf mich. Micha, bekam einen fiesen Gesichtsausdruck.

„So also nicht mehr.“

Ich wusste gar nicht was ich antworten sollte. Micha beugte sich zu mir und drückte mir einen Kuss auf die Lippen, dass mir Hören und Sehen verging. Sabine und Micha fingen laut an zu lachen.

„Haha, so komisch finde ich das gar nicht“, sagte ich immer noch ein bisschen benommen.

„Wieso hat es dir nicht gefallen?“, fragte Sabine immer noch lachend.

„Doch, dafür dass Micha absolut Hetero ist, küsst er verdammt gut.“

Diesmal war ich es der anfing laut zu lachen, weil Micha voll rot wurde im Gesicht. Ich nahm Micha in den Arm.

„Danke Micha, hätte ich echt nicht gedacht von dir.“

„Ich … äh… nein… oh Mist“, stammelte Micha.

„Ich frag mich, wer wen jetzt aus der Fassung gebracht hat“, meinte Sabine lachend.

*-*-*

„Hallo Mutti bin wieder zu Hause“, rief ich, als ich die Haustür aufschloss.

Sie kam aus der Küche gehumpelt. Entsetzt und böse werdend schaute ich sie an.

„Was läufst du schon wieder herum, hat der Arzt nicht gesagt, du sollst dich schonen?“

„Jetzt mach mal halblang, als würdest du immer machen, was man dir sagt! Ich langweile mich halt.“

„Was ist mit den Besucherstürmen?“

„Von Birgit abgewehrt, hat gemeint, ich kann keinen Besuch empfangen, von wegen aufstehen und so.“

Ich konnte nicht anders und fing an zu lachen.“

„warum lachst du jetzt so blöde?“

„Da erzählt der olle Ziegler bestimmt, du stehst unter Quarantäne und bist höchst ansteckend.“

„Der soll sich das mal trauen, dann zieh ich ihm eins mit der Krücke über.“

„Mum, was hast du für so brutale Gedanken, ich bin entsetzt von dir!“

„Du hast meine dunkle Seite in mir noch nicht gesehen!“

Kam jetzt irgendwo so ein nackthäutiges, verrunzelte Männchen zum Vorschein und rief: „die Macht sei mit dir…?“

Wir lachten beide.

„Könntest du nicht Schule schwänzen?“

„MUM!!! Das geht auch vorbei, da musst du jetzt durch und außerdem kommt Brigitte bald von der Arbeit, dann haste wieder jemand zum Quasseln.“

„Ist ja schon gut.“

„Also dann geh ganz brav wieder zurück ins Wohnzimmer, leg dich auf Sofa und das Essen, dass hier so gut riecht, kann ich auch servieren.“

„Dann mach mal flott, ich hab einen riesen Hunger.“

Mit einem Lächeln verschwand ich in der Küche.

*-*-*

Als ich am Mittag an den Hausaufgaben saß, begann mein Telefon zu klingeln.

„Hier Peter.“

„Micha…“

„Hi Micha, was ist los?“

„Ich… ähm… mir… oh Mann, ist das peinlich…“

„Micha, ganz langsam, was willst du mir sagen, was ist peinlich?“

„Der Kuss heute Morgen…“

Ich musste grinsen, weil ich den schon in den grauen Ecken meines Gehirns versenkt hatte.

„Was ist mit dem?“

„Mir, …mir hat das auch gefallen…“

„Wie, der hat dir auch gefallen?“

Jetzt stand ich grad irgendwie total auf dem Schlauch.

„Als ich dich küsste, ging so eine enorme Kraft von dir aus, so etwas habe ich noch nie erlebt. Nicht bei einem einzigen Mädchen, die ich bisher hatte.“

Ups, dass hätte ich nicht gedacht, aber ich fühlte mich unheimlich geschmeichelt.

„Deswegen rufst du an?“

„Peter, du musst mir glaube… ach ich weiß selber nicht was ich… kann ich bei dir vorbei kommen… ich möchte nicht hier am Telefon reden.“

„Ja kannst du, bin auch gleich mit den Hausaufgaben fertig.“

„Okay ich setze mich aufs Rad und bin in zwanzig Minuten bei dir.“

„Gut bis gleich.“

„Bye.“

*-*-*

Wow, jetzt hatte ich doch tatsächlich Micha aus dem Gleichgewicht geworfen. Eigentlich ist er ja daran selber schuld. Er hatte mich geküsst und ich nicht ihn. Vor allem auch noch unaufgefordert. Aber was konnte man von einer Hete da schon erwarten.
Ich räumte meine Schulsachen weg, öffnete das Fenster und ließ den Rollladen zur Hälfte herunter. Dann lief ich nach unten, holte Getränke und Gläser und dann klingelte es auch schon.

„Lass mal Mum ich mach auf, es ist für mich.“

„Schon okay, wäre eh nicht aufgestanden. Sonst kriege ich wieder einen Anschiss!“

Ich konnte es förmlich sehen, das freche Grinsen meiner Mutter, nach dieser Antwort. Ich lief zur Wohnungstür und zog sie auf.

„Du? … öhm hi… Sabine, was tust du denn hier?“

„Ich kann auch wieder gehen, du bist offensichtlich nicht erfreut, mich zu sehen?“, fragte sie.

„Nein… ja… ach Quatsch, ich habe Micha erwartet.“

„Deswegen bin ich auch hier, er hat mich angerufen und sagte ich solle herkommen, er hätte uns was Wichtiges mitzuteilen.“

„Da bin ich mal gespannt.“

„Ich auch.“

*-*-*

Ich hatte Sabine herein gebeten. Sie zog ihre Schuhe aus und ging erst mal ins Wohnzimmer um meine Mum zu begrüßen. Währenddessen klingelte es wieder an der Tür. Wieder öffnete ich und wieder war es nicht Micha.

„Christian du? Haben wir hier Klassentreffen?“

„Ähm … Micha hat gesagt ich solle herkommen..“ sagte Christian.

„Wie vielen denn noch?“

„Noch mehr?“

„Sabine ist auch schon da.“

„Weißt du was er will?“

„Nein, wir werden es gleich hören, dahinten kommt er angeradelt.“

Christian drehte sich um und gemeinsam warteten wir, bis uns Micha erreicht hatte. Er stellte das Rad ab und ich bemerkte schon, dass irgendetwas nicht stimmte.

„Gehen wir erst mal hoch in mein Zimmer“, sagte ich und die beiden betraten das Haus,

„Sabine kommst du Micha ist da.“

„Ja gut,.. gute Besserung .“

Sie kam wieder aus dem Wohnzimmer.

„Christian du auch? Kommen noch mehr?“

„Nein nur wir vier“, meinte Micha hinter Christian.

„Dann gehen wir mal hoch in mein Zimmer, hier im Treppenhaus wollt ihr sicher nicht weiter reden“, sagte ich.

Während die anderen in mein Zimmer gingen, lief ich in die Küche, um die Getränke und mehr Gläser zu holen.

„Peter?“, hörte ich meine Mutter rufen.

Voll beladen lief ich zu ihr ins Wohnzimmer.

„Warum hast du nichts gesagt, dass du so viel Besuch kriegst?“

„Das weiß ich doch selbst nicht, eigentlich wollte nur Micha mit etwas besprechen.“

„Aha, dann geh, die warten sicher schon auf dich.

Ich nickte und ließ sie alleine. Oben angekommen herrschte in meinem Zimmer absolute Stille. Als ich es betrat, schauten mich alle an. Jetzt war mir irgendwie komisch zu Mute. Ich stellte alles in der Mitte auf den Boden und ließ mich ebenso nieder.

„Micha, warum dieses Treffen?“, fragte Christian, „willst du alles ausplaudern?“

Was war denn mit den beiden los?

„Soll ich nicht? Piet und Sabine sind meine besten Freunde.“

„Könnte ihr beide die Güte haben, uns zu erklären was hier los ist?“

Sabine nickte zustimmend, aber Micha druckste herum, und schließlich fing Christian an zu erzählen.

„Nach eurem Kuss heut Morgen, kam Micha total verwirrt zu mir.“

„Kann ich mir vorstellen“, meinte ich und wollt schon wieder loslachen.

„Und warum kommt er dann ausgerechnet zu dir?“, warf Sabine ein, „ihr versteht euch doch sonst nicht so gut, streitet laufend.“

„Alles Tarnung…“, kam es leise von Micha.

„Wie Tarnung“, fragte ich verwirrt.

„Micha und ich sind seit einem halben Jahr ein Paar“, sprach Christian leise.

„Da brauch ich mich ja nicht wundern, dass Micha so traumhaft gut küssen kann“, sagte ich.

„Peter hör auf hier Späße zu machen, die beiden haben sich gerade geoutet“, meinte Sabine in einem leicht säuerlichen Ton

„Na und, ich bin selber schwul, und jeder weiß davon, ich leb auch noch. Warum habt ihr mir das nicht früher gesagt?“

„Da muss ich Peter recht geben, jeder in unserer Klasse weiß, dass er schwul ist und es hat deswegen auch noch nie Schwierigkeiten gegeben“, meinte Sabine.

„Wir trauten uns nicht“, sagte Micha leise.

„Da haben wir zwei absolut süße Schnuckelchen in unserer Klasse und ich weiß nicht mal das sie schwul sind“, sagte ich um die Stimmung ein wenig zu heben, wobei meine gerade ins Bodenlose fiel.

Sabine schien dass zu bemerken und legte ihren Arm um mich.

„Jetzt gugg nicht so, du findest sicher auch irgendwann deinen Traummann. Ansonsten kannst du dir ja sicher mal einen von den beiden ausleihen.“

„Ausleihen?“

„Nichts da, das ist mein Schatz, den gebe ich nicht her!“, kam es von Christian und zog Micha in seine Arme.

Ein total ungewohntes Bild für mich, sicher auch für Sabine. Ich überlegte kurz.

„Was haltet ihr davon am Samstagabend, eine kleine Grillfeier hier zu veranstalten, muss natürlich erst meine Mum fragen, aber ich denke das geht in Ordnung.“

Klar wusste ich, das Mum mit Birgit und diesem Jochen am Samstagabend grillen wollte, aber was war gegen ein paar Gäste mehr zu sagen. Micha und Christian schauten sich an und nickten sich zu.

„Wenn meine Eltern nichts dagegen haben gerne Peter“, meinte Sabine.

„Könnten wir auch hier schlafen?“, fragte Micha.
„Oben der Speicher ist ausgebaut, da können wir alle zusammen schlafen“, meinte ich und wollte gerade aufstehen, als es an meiner Tür klopfte.

„Ja herein“, meinte ich.

Die Tür ging auf und Brigitte schaute herein.

„Oh… hallo, ich wusste nicht, dass du so viel Besuch hast. Wollte dir nur sagen, Jochen kommt morgen schon.“

Und schon war sie wieder verschwunden.

„Wer ist Jochen?“, fragte Christian.

„Oh Mist, den habe ich ja ganz vergessen.“

*-*-*

Natürlich erlaubte Mum, das die anderen am Wochenende zum Grillen kamen und danach auch bei mir schliefen, Platz genug hatten wir ja. Nur sie selbst war plötzlich nicht mehr so davon überzeugt, dabei sein zu wollen.
So entschied sie sich, den Abend mit Brigitte im Nachbarhaus zu verbringen. Grillspeisen konnte man bequem über den kleinen Zaun hinüber reichen. So hatte sie ihre Ruhe und ich etwas sturmfreie Bude.
Wir entschieden, dass es auch nicht nur wir vier bleiben sollten, sondern auch noch Jörg, Sybille und Andre dabei waren, damit wäre die Clique komplett. Natürlich kam man auch noch auf Jochen zu sprechen.
So neigierig dieser Haufen war, musste ich versprechen ihn ebenso zum Grillen einzuladen, mit der Begründung, man könne ihn ja nicht bei den zwei Damen zurücklassen, während man im Nachbargarten wild feiert.

*-*-*

Die große Pause hatte begonnen.

„Und gehst du nachher gleich rüber und frägst Jochen ob er am Samstag dabei ist?“, fragte Sybille.

„Ja Sybille, keine Sorge!“, antwortete ich genervt.

Unsere Runde saß im Schatten unter der großen Eiche im Schulhof, einer unserer Lieblingsplätze.

„Jetzt lass ihn doch erst mal Jochen richtig kennen lernen“, sprach Sabine ein Machtwort.

„Wie sieht er aus?“, wollte Sybille noch wissen.

„Das kann ich dir nicht mal sagen.“

„Aber du hast doch schon mit ihm gespielt, du musst doch wissen wir er aussieht!“

„Sybille, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, war er klein, rund und ein Vielfraß. Seine Tante meinte aber, er wäre jetzt schlank und gutaussehend.“

„Peter wird das schon hinbekommen Sybille, du wirst diesen Jochen noch früh genug kennen lernen“, meinte Andre und somit war für ihn die Sache erledigt, „Leute, irgendetwas stimmt hier heute nicht.“

„Was soll hier denn nicht stimmen, es ist alles wie immer“, sagte Jörg und kaute weiter auf seinem Grasstängel herum.

„Doch, hier ist es irgendwie zu still.“

„Ach dass meinst du, da gebe ich dir Recht“, sagte Jörg, „Micha und Christian sind heute auffallend ruhig!“

„Das hat auch einen Grund“, kam es leise von Christian leise.

„Soll ich wirklich?“, meinte er zu Micha gewandt und dieser nickte.

„Vielleicht wollen sie uns ja erzählen“, begann Andre, „dass sie endlich ihr Kriegsbeil begraben haben und

„Andre, halt doch einfach mal die Klappe, wenn die beiden etwas Wichtiges sagen wollen!“, fuhr ihn Sabine an.

Ich konnte nicht anders und musste grinsen, ich wusste ja was jetzt kam.

Christian stand auf und setzte sich zwischen die Beine von Micha, der am Baum gelehnt saß.

„Micha und ich sind ein Paar“, meinte Christian und beide hatten einen roten Kopf.

„Ich habe es dir gesagt, dass die beiden zusammen sind“, meinte Sybille zu Jörg.

„Und ich wollte es dir nicht glauben, aber nichts desto trotz, Herzlichen Glückwunsch euch beiden.“

„Ihr habt das alle gewusst? Warum erfahr ich denn als letztes von eurem Glück“, gab Andre seinen Senf dazu.

Micha und Christian atmeten erleichtert auf und schauten zu Andre.

„Was schaut ihr mich an?“, fragte Andre, „ich freu mich für euch und wieder zwei weniger, die mir Konkurrenz sind bei den Mädchen.“

„Das war ja jetzt klar“, sagte Sabine und zeigte ihm den Vogel.

Alle fingen wir lauten an zu Lachen. Micha nahm Christian von hinten in den Arm und gab ihm einen Kuss. Sehnsüchtig schaute ich die zwei an.

„Neidisch“, sagte Sabine und rempelte mich an.

„Um ehrlich zu sein „Ja“. Will auch haben…“
Das hätte ich nicht so laut sagen dürfen, denn nun standen alle auf. Sie schmissen sich auf mich, und knutschen mich ab.

„Hilfe Vergewaltigung…“ schrie ich, aber es ging im Gelächter der anderen unter.

*-*-*

Einen weiteren Lachanfall musste ich über mich ergehen lassen, als ich beim Mittagessen meiner Mutter das Ganze erzählte.

„Und von wem hast du den Knutschfleck?“, fragte sie grinsend.

„Das weiß ich selber nicht so genau, aber ich denke Micha oder Christian waren es.“

Wieder fing sie an laut zu Lachen. Wenig später als sie sich beruhigt hatte, erzählte sie mir vom Telefonat zwischen Brigitte und ihrem Bruder.

„Brigittes Bruder ist wirklich ratlos, aber wir werden es ja selber sehen“, meinte meine Mutter, als es an der Haustür klingelte.

„Das werden sie sein“, meinte sie und wollte aufstehen.

„Du bleibst sitzen!“ sagte ich in einem strengen Ton.

„Ja Papa“, meinte sie und fing wieder an zu lachen.

„Erwachsene.. tztztzztz.“

Ich ging als an die Tür und öffnete. Wie nicht anderst erwartet, war es Brigitte. Und hinter ihr… ich glaub ich kriege einen Herzschlag, da stand der absolute megasüße Boy…

„Erde an Peter…“ riss mich Brigitte aus den Gedanken.

„Ähm ja.“

„Das ist Jochen von dem ich dir erzählt habe.“

„Hallo Jochen“, meinte ich und streckte meine Hand hin.“

„Hi“, sagte er und reichte mir seine Hand.

O man, was für eine süße Stimme… glaubt ihr auch an Liebe auf den ersten Blick. Ich glaube mich hat es erwischt.

„Warum musste deine Mutter ebenso laut lachen? Das habe ich ja bis rüber zu mir gehört“, meinte Brigitte.

„Lasst uns rein gehen, sie soll es dir selber erzählen“, sagte ich.

Brigitte schob an mir vorbei gefolgt von Jochen. Für wenige Sekunden betrachtete ich ihn mir genauer. Was war aus dem kleinen dicken Jungen geworden. Jochen war fast ein wenig größer als ich.

Seine blonden Haare waren jedenfalls genauso wirr, wie meine und diese Augen, diese Himmelsblaue Augen… schmachtz… traumhaft. Ich schloss die Tür und folgte den beiden in die Küche.

„Du hattest recht Brigitte, Jochen ist wirklich geschossen seit letzten Jahr, steht ihm aber gut, er ist richtig fesch geworden“, meine Mutter wieder.

Jochen bekam leichte rote Flecken im Gesicht.

„Was war gerade schuld an deinem überaus lauten Heiterkeitsausbruch eben?“, fragte Brigitte.

Ich stützte meine Kopf auf die Hände und schüttelte ihn.

„Und ich dachte das wäre vergessen“, murmelte ich.

Meine Mutter gab haargenau wieder, was ich ihr vor nicht einmal einer halben Stunden erzählt hatte. Brigitte bog sich vor Lachen. Bei Jochen bemerkte ich ein Grinsen übers Gesicht huschen.

„Willst du Jochen nicht dein Zimmer zeigen?“, fragte Brigitte.

„Sagt doch gleich, dass wir euch nicht weiter stören sollen“, antwortete ich, „kommst du Jochen.

Er nickte und folgte mir die Treppe hinauf.

*-*-*

Jochen schaute sich in meinem Zimmer um.

„Du bist also schwul?“, fragte er ohne mich dabei an zusehen.

„Ganz offensichtlich, sonst wäre ich wohl kaum in diese Lage heute Morgen gekommen.“

„Freund?“

„Nein.“

Wieder folgte Schweigen. Er schaute meine CD-Sammlung an. Jetzt wurde es mir doch ein wenig zu bunt.

„Und du?“, fragte ich.

„Was?“

„Einen Freund.“

Er drehte sich um und war total weiß im Gesicht. Er wollte etwas sagen, aber stattdessen kullerten ihm Tränen über die Wangen. Er sah mich hilflos an und rannte dann aus dem Zimmer. Ups.. da hatte ich wohl in ein Wespennest gestochen.

„Jochen, bleib doch..“, rief ich hinterher, doch ich hörte nur noch unsere Haustür knallen.

„Peter“, schrie es von unten.

Ich polterte hinunter.

„Keine Fragen, ich muss da hinterher.“

Meine Mum und Brigitte sahen mich verdutzt an, aber sagten kein Wort. Und schon war ich zur Tür draußen und auf der Straße. Ich sah gerade wie er noch in den Park einbog. Also setzte ich an und rannte hinter her.
Total außer Puste blieb ich im Park stehen. Ich schaute am Ufer entlang und sah ihn am rechten Ufer sitzen. Langsam lief ich auf ihn zu, nicht um ihn irgendwie aufzuschrecken, nein einfach weil ich nicht mehr konnte. In einiger Entfernung blieb ich stehen.

„Können wir reden?“, fragte ich.

Er zuckte zusammen und schaute zum See hinaus.

„Oder soll ich wieder gehen.“

Es kam keine Antwort von ihm, also beschloss ich wieder auf Distanz zu gehen.

„Bleib… bleib bitte“, kam es dann doch von ihm.

Wieder näherte ich mich ihm langsam und setzte mich neben ihn.

„Sorry, wenn ich dir zu Nahe getreten bin Jochen.“

„Da kannst du doch nichts dafür, wie denn auch. Daran bin ich ganz alleine schuld, dabei kann mir niemand helfen.“

„Und warum versuchst du es nicht mal?“, fragte ich.

Er tat mir leid, dieses zarte Gesicht, in das ich mich schon bei seiner Ankunft verguckt hatte, war gerötet, ebenfalls seine blauen Augen, die traurig zum See hinaus schauten.

„Was versuchen?“

„Dir helfen zu lassen.“

„Kann ich nicht.“

„Warum denn?“

„Ich weiß ja nicht mal wie.“

Das klang jetzt aber schon verzweifelt.

„Wie wäre es, wenn du einfach mal erzählst, was dir in den Sinn kommt.“

„Meinst du wirklich?“

„Ja, ich bleibe hier sitzen und höre einfach zu.“

Wieder Schweigen. Ich kramte meine Zigaretten für Notfälle heraus und steckte mir eine an.

„Du rauchst?“, fragte Jochen.

„Ab und zu.“

„Er auch.“

„Wer?“

„Thomas.“

„Und wer ist Thomas, wenn ich fragen darf?“

„Der Typ, in den ich mich unsterblich verliebt hab.“

„Aber…?“

„Es gibt kein aber…“

„Es gibt immer ein aber, also…?“

Ging ich zu schnell vor? Ich beschloss jetzt doch ein wenig den Mund zu halten, es zumindest zu versuchen.

„Oh man scheiße.“

Er raufte sich den Kopf und schaute mich an.

„Es hat alles angefangen, als mein Vater vorschlug, ob ich nicht irgendeine Sportart betreiben möchte. Das Einzige was mich interessiert war Volleyball und so nahm das Unheil seinen Anfang.“

Ich schaute ihm in seine Augen, blieb aber ruhig.

„Schnell hatte ich daran Spaß gefunden und bin dann einmal in der Woche zum Training gegangen. Du weißt doch noch, wie ich letztes Jahr aussah.“

Ich nickte.

„Ich wusste schon zu der Zeit, dass ich mich mehr für Jungs interessierte, als für Mädchen. So viel mir dann auch ein Typ auf, der auch im Training war. Das tolle war, er … also Thomas, kümmerte sich ein wenig um mich. Ich war oft außer Puste, wegen meines Gewichtes.“

Ich drückte meine Zigarette auf dem Boden aus, und verschränkte meine Arme auf meinen Knien.

„Irgendwann nach drei Monaten ungefähr, mit Thomas verstand ich mich mittlerweile super, sagte ich ihm dann, dass ich schwul wäre.“

„Und er ließ dich abblitzen.“

„Nein im Gegenteil, er meinte er fühle sich ja geehrt, aber ich solle mich doch mal anschauen…, wenn er mal einen Freund hätte, sollte dieser auch gut aussehen.“

„Oh, dass tat sicherlich weh?“

„Nein, er hatte ja recht, ich war ein dicker fetter Schwappel.“

„Und was hast du dann gemacht?“

„Ich habe angefangen ab zu nehmen. Am Anfang habe ich einfach nichts mehr gegessen, die Pfunde kullerten, aber mir ging es Zunehmens schlechter. Also begann ich wieder zu Essen, doch immer nur wenig. Und es klappte ich nahm ab. Mir kam dann noch zu Gute, das ich ein bisschen gewachsen bin, das Resultat, siehst du ja jetzt.“

„Also das Resultat find ich absolut sahneschnittenmäßig!“

Ein kleines Lächeln huschte übers Gesicht von Jochen.

„Das fand Thomas wohl nicht…“

Sofort war wieder Jochens finsteres Gesicht zurück gekehrt. Sein Kopf schüttelte sich leicht.

„Wieso?“

„Er meinte er hatte nie gesagt er sei schwul, nur wenn er einen Freund hätte, der müsse gut aussehen. Zwei Tage später sah ich ihn vor dem Kino mit einem Mädchen knutschen.“

„Autsch.“

Jochen schwieg wieder.

„Und deswegen hast du dich zurückgezogen?“

„Ja und ich habe sogar mit Volleyball aufgehört, nur um Thomas nicht mehr über den Weg laufen zu müssen.“

„Mensch Jochen, vergiss den Typen. Du siehst so verdammt gut aus und es gibt ja wohl genug Mütter mit Söhnen, denen du sofort auffällst. Du findest bestimmt einen.“

„Wenn denn?“

„Nimm mich“, sagte ich ein wenig verunglückt.

Jochen schaute mich an und fing herzhaft an zu lachen. Ich wusste nicht recht wie ich reagieren sollte, warum lachte er jetzt.

„Das ist lieb von dir gemeint, aber ich kenne dich doch nicht mal richtig, man kann sich doch nicht einfach so verlieben.“

„Wieso, ich hab es doch …“

„Wie… oh… ups.“

*-*-*

Ich schloss die Haustür auf. Es war doch schon ein wenig spät geworden. Jochen folgte mir ins Wohnzimmer. Meine Mum und Brigitte stellten keine Fragen, wir setzten uns einfach zu ihnen.
Wir redeten noch über den Samstag und Jochen war einverstanden auch zu kommen. Brigitte und Jochen verabschiedeten sich und ich saß noch ein wenig bei meiner Mutter.

„Na alles klar?“, fragte sie.

„Ja alles im grünen Bereich. Keine Sorge, ich bieg das schon wieder gerade mit Jochen.“

„Ich bin stolz auf dich mein Großer. Und wie sieht es mit dir aus?“

„Wie mit dir.“

„Peter ich bin nicht blind, ich habe Augen im Kopf und sehe wie du Jochen anhimmelst.“

„Ach so, na ja.. mach dir da mal keine Gedanken. Vor allem in drei Wochen ist Jochen wieder weg, ich mach mir da eh keine Hoffnungen.“

„Ist Jochen schwul?“

„Ja ist er, ein Problem, das mitverantwortlich war, warum er sich so zurück gezogen hat.“

„Dann nutz die Gelegenheit, schnapp ihn dir solange er da ist.“

„Mum du sagst das so leicht. Wenn ich einen Freund habe will ich was Dauerhaftes.“

„Das kann man wohl arrangieren, oder?“

„Bitte misch dich da nicht ein Mum.“

„Nein mach ich nicht, ich möchte nur, dass du glücklich bist.“

„Danke Mum werde ich schon.“

Wir umarmten uns noch kurz und ich ging ins Bett.

*-*-*

„Morgen Sabine.“

„Morgen Peter du strahlst so. Ist dir dein Traummann über den Weg gelaufen?“

„Yepp.“

„Aha. Und wer, wenn ich fragen darf.“

Der Bus fuhr los und kam an unserem Haus vorbei. Da stand Jochen mit Brigitte am Auto.

„Schau aus dem Fenster, dann weißt du es.“

„Wow, was ist das für ein süßer Typ?“

„Du wirst ihn kennen lernen, er kommt Samstagabend auch, das ist Jochen.“

Der Bus hielt an und Micha und Christian stiegen ein.

„Ähm guten Morgen, das ist aber nicht deine Haltestelle Micha.“

„Nein, ich war bei Christian über Nacht“, sagte er mit einem Strahlen im Gesicht.

„Gibt es vielleicht einen Grund, dass ihr beide so strahlt. Ist ja fast nicht auszuhalten erst Peter und jetzt ihr“, meinte Sabine und schaute zwischen uns hin und her.

„Was Peter auch?“, fragte Christian.

Ich wurde rot.

„Hat es dich endlich auch erwischt“, meinte Micha und fing an zu lachen, „wer ist denn der Glückliche.“

„Jemand der nur drei Wochen hier ist und dann wieder nach Bremen fährt“, sagte ich ein wenig traurig.

„Jochen?“

„Ja.“

„Wenn ihr ihn sehen würdet, könntet ihr unseren Peter verstehen, der ist wirklich megasüß“, meinte Sabine.

„Und was bringt mir das… egal, so warum strahlt ihr beiden so? Nur wegen einer miteinander verbrachten Nacht?“

„Nein“, fing Micha an, „wir sind gestern Abend gemeinsam mit unseren Eltern essen gewesen und haben uns geoutet.“

„Wow, und es schien gut zu gehen, so wie ihr beide glücklich ausseht“, meinte Sabine.

„Ja, sie hätten sich schon so etwas in der Art gedacht, wollten aber nichts sagen, weil sie uns selbst dazu die Gelegenheit geben wollten“, erklärte Christian.

„Naja…, danach folgte dann noch eine lange und ausführliche Predigt über das Thema Schutz und Aids. Die hörten nicht mal damit auf, als wir meinten, so weit wären wir noch gar nicht“, sagte Micha.

„Wie ihr habt noch nie…?“, fragte ich erstaunt.

Beide wurden rot.

„Nein haben wir noch nicht, schlimm?“, fragte Christian.

„Nö, ich find es toll. Man muss ja nicht gleich beim ersten Mal gleich im Bett landen“, sagte ich.

Sabine fing laut an zu lachen.

„Was denn?“, fragte Micha leise, wir saßen ja schließlich immer noch im Bus und waren nicht alleine.

„Ihr solltet euch mal hören. Normalerweise sind es immer die Mädchen, wo sich über so was unterhalten“, kam es von Sabine.

„Tja, das ist so, wenn Schwestern unter sich sind“, sagte Christian, worauf wir alle anfingen zu lachen.

*-*-*

Der Unterricht zog sich heute sehr in die Länge, besonders weil’s draußen auch so heiß war. Wunderlich war es, dass unser Klassenmacho fehlte. Unser Klassenlehrer kam herein. Sein Gesicht hatte etwas Ernstes an sich.

„Morgen Leute, packt eure Sachen weg, wir gehen raus“, sagte er kurz.

Ich räumte alles wieder in meinen Rucksack und wir folgten ihm nach draußen. Wir machten es uns unter der Eiche bequem.

„Grund, warum ich mit euch hier raus gehe, ist Matthias“, sagte Henrichs, unser Lehrer.
Matthias unser Macho also.

„Er wurde gestern Abend von Skinheads zusammengeschlagen, weil er sich Schwulenfeindlich geäußert hat.“

„Skinheads, die sind doch normalerweise auch gegen Schwule“, rief einer aus der Klasse.

„Nicht alle, es gibt auch Schwule Skinheads und an die ist Matthias geraten.

„Das verstehe ich nicht“, kam es von Miriam, „er hatte doch auch nie was wegen Peter gesagt.“

Ich wurde rot.

„Peter?“, fragte Henrichs.

Es wurde ruhig in unsere Klasse.

„Ja ich… ich bin schwul… und Matthias wusste davon.“

„Das ist jetzt aber mal was Neues“, kam es von Henrichs.

„Haben sie damit ein Problem?“, wollte Sabine wissen.

„Nein habe ich nicht, der Sohn meines Bruders ist selber schwul, und ich habe mitbekommen was er mitgemacht hat, er hat anscheinend nicht so eine tolerante Klasse wie Peter hier.“

Im Augenwinkel sah ich wie Micha und Christian unruhig wurden. Sabine grinste mich an und ich konnte mir denken was jetzt kam.

„Ähm Leute, wo wir gerade beim Thema wären…“, Micha hat das Wort ergriffen.

Alle Köpfe flogen herum.

„Christian und ich sind auch… schwul.. und zusammen.“

Ein wildes Gejohle ging in der Klasse los, alle sprangen auf und gratulierten den beiden.

„Also wie ich sehe, gibt es hier wirklich keine Probleme in dieser Klasse“, meldete sich Henrichs zurück.

„Und was machen wir jetzt wegen Matthias?“, fragte Miriam.

„Eine interessante Frage“, sagte Henrichs.

Allgemeines Schweigen war angesagt, ich hatte wirklich das Gefühl jeder machte sich Gedanken.

„Wie wäre es, wenn einige von uns ihn besuchen, Peter sollte natürlich dabei sein“, sagte Isabella.

„Keine schlechte Idee“, meinte Henrichs, „was sagst du dazu Peter?“

„Könnte ich machen, und wer geht noch mit?“

Andre und Sabine meldeten sich und Georg und Miriam auch. Am Mittag standen wir also im Krankenhaus. Unser Lehrer hatte sich auch bei den Eltern erkundigt, ob wir Matthias überhaupt besuchen durften.
Sie meinten, er sei zwar ganz schon ramponiert, aber Besuch konnte er schon empfangen. Jochen hatte ich einfach mitgenommen. Ich klopfte an der Tür und öffnete sie.

„Dürfen wir?“, fragte ich als wir eingetreten waren.

Matthias versuchte den Kopf wegzudrehen.

„Was wollt denn ihr hier?“, kam es leise von ihm.

„Dich besuchen natürlich“, sagte Sabine und setzte sich neben ihm auf das Bett, „war es das wert?“

Sabine zeigte auf den Gipsarm.
„Ihr wisst also…?“

„Ja wir wissen Bescheid, Henrichs hat heute Morgen den Unterricht deswegen sogar sausen lassen“, sagte Jörg.

„Warum?“, fragte ich nur, „du hast dich doch nie gegenüber mir negativ geäußert.“

Eine kurze Pause entstand. Ich schaute mir Matthias ein wenig genauer an. Bis auf den Gips hatte er zahlreiche blauen Flecken am Oberkörper und auch Prellungen im Gesicht.

„Ich war neidisch…“, sagte Matthias plötzlich.

„Auf Peter?“, fragte Andre erstaunt.

„Ja…“ kam es fast erstickend, Matthias hatte anscheinend ziemliche Schmerzen.

„Sollen wir lieber gehen?“, fragte ich besorgt.

Jochen war bereits aufgestanden.

„Nein bleibt bitte. Es geht schon, bin ja selber schuld.“

„Warum bist du neidisch auf Peter?“ wollte Sabine wissen.

„Peter ist so beliebt in der Klasse, alle verstehen sich gut mit ihm…“

„Aber doch nicht weil er schwul ist“, kam es wiederum von Sabine.

„Das weiß ich jetzt auch, gestern ist wohl eine Sicherung durchgebrannt und ich bin an die falschen Leute geraten.“

„Und nur wegen mir?“, fragte ich jetzt irgendwie mit einem schlechten Gewissen.

„Sorry Peter tut mir leid, ich mag dich sehr gerne, aber irgendwie habe ich nie den richtigen Draht zu dir gefunden.“

„Und warum hast du nichts zu mir gesagt, man kann mit mir reden.“

Schweigen.

„Dein Stolz denke ich mal“, kam es von Andre.

Matthias nickte.

„Ja, dann werden wir das mal ändern wenn du hier draußen bist“, sagte ich“, wann darfst du wieder raus?“

„Wenn nichts dazwischen kommt, am Samstag…, wieso?“

„Gut, dann werden wir dich am Sonntag zu Hause besuchen.“

„Du bist mir nicht böse… ich meine … ähm, wegen dem Schwul und so.“

„Nein warum sollte ich, es ist ja alles geklärt, oder muss ich dich erst küssen, damit du mir glaubst?“

„Das würdest du tun?“

Alle fingen wir an zu lachen.

„Das würdest du mit einem armen wehrlosen Jungen machen?“, fragte Matthias grinsend.

„Seinen Humor hat er ja wieder, dann können wir ja beruhigt sein“, meinte Miriam.

Ich ging zu ihm hin und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, was wiederum eine Welle von Gelächter auslöste.

„Was nicht auf den Mund?“, fragte Matthias, den die Schmerzen beim Lachen doch jetzt Schwierigkeiten machten.

„Vielleicht hat da jemand was dagegen?“, fragte Sabine und schielte zu Jochen.

Ich wurde wieder mal rot. Jochen zeigte fragend auf sich, als ihn Sabine fixierte.

„Nicht das ich wüsste…“, kam es von ihm.

Ein bisschen enttäuscht schaute ich dann doch drein.

„Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden“, setzte er dann nach.

Mit großen Augen schaute ich ihn an.

*-*-*

„Du meintest das vorhin wirklich ernst?“, fragte ich Jochen.

Wir liefen Hand in Hand nebeneinander her.

„Ja schon, denn es ist ein schönes Gefühl wenn da jemand ist, der einen gern hat“, antwortete Jochen.

„Deine Eltern haben dich auch gern und Brigitte auch.“

„Das ist etwas anderes“, meinte er.

Eine kurze Pause entstand.

„Was überlegst du?“, fragte er mich schließlich.

„Ich mache mir Gedanken um uns.“

„Wieso?“

„Ich hätte dich schon gern als Freund, aber wie soll das mit uns dann weiter gehen, du gehst in knapp zwei Wochen nach Bremen zurück und ich …“

„He was soll das Peter, du malst schwarz. Bis jetzt bist du immer so energisch und mit Energie aufgetreten, und jetzt?“

„Wenn ich verliebt bin …“

„Du hast dich in mich verliebt?“

„Ja.“

„Ui … öhm … wow, jetzt bin ich platt. Das hat mir noch niemand gesagt.“

„Und was meinst du dazu?“

Jochen hielt an und nahm mich in den Arm. Sein Gesicht näherte sich meinem und er gab
mir einen Kuss.

„Warum weinst du?“, fragte mich Jochen, als er meine Tränen bemerkte.

„Ich bin einfach nur glücklich.“

„Wirst du auch bleiben, ich habe nämlich eine Überraschung für dich.“

„Und die wäre?“

Ich ließ ihn los.

„Was für eine Überraschung?“

„Hat Brigitte noch nichts gesagt?“

„Was soll sie gesagt haben, jetzt mach es doch nicht so spannend.“

„Ist es denn wirklich so schlimm für dich, wenn ich so weit weg wohne?“

„Schon, aber ich will dich nicht wieder verlieren, da muss ich wohl die Entfernung in Kauf nehmen.“

„Du würdest also zu mir nach Bremen kommen, wenn du Zeit hast, oder auf mich warten bis ich wieder her komme?“

„Ja, ja, ja. Ich will dich Jochen, keine andern, ich liebe dich! Auf was willst du denn hinaus?“

Ich wurde total nervös, mir war absolut nicht klar was Jochen damit bezweckte.

„Ganz einfach, dass du mich nicht verlieren wirst, und nicht auf mich verzichten musst.“

„Hä? Was jetzt, versteh ich nicht.“

„Also von vorne. Mein Vater hat durch Brigitte hier ein ganz tolles Angebot für einen Job bekommen, und da werden wir wohl hier her ziehen.“

„Du bleibst hier?“

„Ja, das heißt eigentlich nein! In zwei Wochen fahr ich noch mal heim, um packen zu helfen. Dann komm ich wieder her.“

Ich ließ Jochen los, fing an herumzurennen, zu hüpfen und zu jubeln.

„He, Kleiner langsam, schalt mal ein paar Gänge herunter, haben sie dir was in die Cola getan?“

Ich rannte zurück und nahm Jochen in den Arm.

„Nein ich bin nur glücklich.“

„Danke ich auch.“

Und wieder küssten wir uns.

*-*-*

Kaum hatte ich dir Haustür hinter uns geschlossen, lagen wir uns schon wieder in den Armen und küssten uns wieder.

„Wie wäre es mal mit Luft holen, werte Herren.“

Ich und Jochen fuhren auseinander. Meine Mutter stand grinsend im Türrahmen des Wohnzimmers.

„Dann hat dir wohl Jochen erzählt, dass er bald hier wohnt, so wie ihr aneinander hängt.“

„Du hast das gewusst?“, fragte ich erstaunt.

„Ja Brigitte hat mir erzählt, dass sie in das leer stehende Haus gegenüber ziehen.“

„Warum hast du mir nichts gesagt.“

„Ich wollte wissen, ob du für deine Liebe kämpfen willst“, antwortete meine Mum.

„Das hat er“, lächelte Jochen, „er hat nämlich gleich mit dem Thema Entfernung
angefangen.“

„Doch so ernst“, sagte meine Mutter und versuchte eine gewichtige Miene aufzusetzen, was ihr deutlich misslang.

Jochen begann schallend zu lachen. Meine Mutter kam zu mir her gehumpelt und nahm mich in den Arm.

„Ich gratuliere dir zu einem so lieben Freund“, meinte sie“, und du Jochen, mach meinen Großen nicht unglücklich, sonst bekommst du es mit der Mutter zu tun.

Dass sie es nicht ganz so ernst meinte, merkte man an ihrem Grinsen.

„Jetzt habe ich noch ein Problem“, meinte Jochen, „wie sage ich das meinen Eltern?“

*-*-*

Es war Samstagabend und Jochen und ich grad fertig mit dem Richten der Getränke und dem Essen, es klingelte an der Tür. Ich rannte hinunter und öffnete die Tür. Sabine mit Christian und Micha standen vor der Tür.

„Hallo Peter, hier sind wir, der Abend kann los gehen. Jörg und Sybille kommen auch gleich, die wollen noch etwas besorgen“, meinte Sabine und drängte mit ihrer Tasche herein.

Micha und Christian folgten ihr.

„Geht schon nach oben, Jochen ist schon da, ich hol nur noch schnell die Eiswürfel.“

Es klingelte erneut, der Rest der Truppe war angekommen. Als ich mit Sybille, Jörg und Andre oben angekommen war, saßen die anderen bereits da und diskutierten darüber, welche Musik aufgelegt werden sollte. Ich lief zu meinem CD- Player und legte eine Cd ein.

„Shania Twain, woher hast du die Scheibe denn?“, fragte Andre.

„Die habe ich von meinem Schatz geschenkt bekommen“, antwortete ich und wartete auf die Reaktion der anderen.

„Mach gleich lauter, ich hör die gern“, kam es von Andre.

„Wie Schatz?“, kam es dann endlich von Sabine.

Micha und Christian schauten auch neugierig. Jochen kam auf mich zu und nahm mich in den Arm.

„Ich habe sie ihm geschenkt“, sagte Jochen.

„Du .. ihr..“, stotterte Sabine.

„Ja wir, wir sind zusammen“, gab ich strahlend von mir.

Jochen besiegelte das mit einem Kuss.

„Peter kannst du die mir ausleihen, damit ich sie mir brennen kann“, fragte Andre.

„Andre“, rief Sybille, „ hast du gerade gehört, was uns die beiden gesagt haben.“

„Ja, na und, wurde langsam Zeit das unser Peter endlich in feste Hände kommt“, grinste er.

Alle fingen laut an zu lachen. So lief auch der restliche Abend ab, bis wir schließlich uns für Nachlager fertig machten. Jochen sah mich an und ich wusste was er wollte. Ich nahm sein Kissen und legte es zu meinem auf die Matratze.
Keine fünf Minuten lagen wir alle flach. Eng an Jochen gekuschelt, genoss ich seine Wärme, einfach seine Nähe. Eine Diskussion war ausgebrochen, ob man so was nicht öfter machen sollte. Bisher waren wir ab und zu zusammen ins Kino gegangen oder Eis essen.
Jeder war dafür, dass wir mindestens einmal im Monat alle was zusammen machen sollten.

*-*-*

Anderswo in Bremen…

„Du meinst wirklich dem Jungen würde das gut tun?“

„Ja Annabelle, wenn sich sein Zustand nicht gebessert hat, kommt er zu einem Therapeuten.“

„Hoffentlich überstürzen wir nichts, Karlheinz.“

„Ich rufe nachher mal bei Brigitte an und frage wie es dem Jungen geht.“

„Rufe bitte gleich an“, sagte Annabelle.

„Wenn es dir danach wohler ist.“

„Hast du dir endlich einen Film ausgesucht, den wir noch schauen?“

„Du bist gut, Brigitte. Holst gleich vier Filme wie kann ich mich da entscheiden.“

Das Telefon klingelte.

„Wer ruft denn um diese Zeit noch an?“

Brigitte ging nahm den Hörer ab.

„Ja hier Tillich.“

„Hallo Brigitte, hier ist Karlheinz.“

„Hallo Karlheinz, wie geht es euch?“

„Soweit gut, der Hauptteil haben wir verpackt. Morgen kommen wir gegen Mittagessenszeit bei dir an. Und dir macht es wirklich nichts aus, wenn wir ein paar Tage bei dir sind?“

„Nicht die Bohne, freue mich sogar drauf.“

„Ist unser kleiner in der Nähe.“

„Da muss ich enttäuschen. Er ist mit Freunden zusammen.“

„Du redest von unserem Sohn?“

„Ja ich rede von Jochen. Er hat hier Anschluss gefunden sogar sehr lieben.“

„Das ging jetzt aber sehr schnell.“

„Ich habe dir doch erzählt von meiner Nachbarin.“

„Ja.“

„Und die hat einen Sohn in seinen Alter, der Peter.“

„Warum habe ich irgendwie noch so ein komisches Bauchgefühl bei der Sache?“

„Tja, liebes Brüderchen, ich verstehe was du meinst, aber dieses Gespräch ist euch mit eurem Sohn vorbehalten. Ich halte mich da raus.“

„Hat er was angestellt?“

„Nein ich sage nur so viel, er ist frisch verliebt.“

„Aha, na ja da bin ich ja mal gespannt, wir sehen uns morgen.“

„Ja bis dann. Tschüss.“

„Tschüss.“

Brigitte legte auf.

„Hast du nicht ein bisschen vorgegriffen“, meinte Inge, Peters Mutter.

„Iwo, ich kenne meinen Bruder.“

„Wenn das mal gut geht.“

„Hör mal Inge, dein Kleiner ist endlich mal glücklich verliebt und so schnell lass ich nichts an meinen Jochen und deinen Peter kommen, auch nicht von seinem Vater.“

„Du hast ja die Ruhe weg, ich will nur, dass meinem Großen nichts passiert.“

„Das wird es auch nicht versprochen.“

Mitten in der Nacht wachte ich auf. Zuerst musste ich mich zurechtfinden wo ich überhaupt war, zudem schmerzte mir der Arm. Schnell wurde mir bewusst, was der Grund war. Jochen lag darauf und sein Kopf hatte sich auf meiner Brust breit gemacht.
Warum wir beide kein T-Shirt mehr anhatten, wusste ich auch nicht mehr. Aber es war einfach nur schön. Ich spürte Jochens Wärme auf meiner Haut, seinen gleichmäßigen Atem und seine Hand die auf meinem Bauch ruhte.
Ich strich ihm mit den Fingern sanft über die Schulter.

„Kannst du nicht schlafen mein Kleiner“, flüsterte er leise.

„Du bist auch wach?“ gab ich leise zurück.

„Wie kann ich da schlafen, wenn mich so was Süßes im Arm hält.“

„Ich weiß nicht aber ich finde es schön.“

Jochen wendete den Kopf und gab mir einen zärtlichen Kuss auf den Mund. Dann kuschelte er sich wieder an mich und zufrieden schliefen wir beide wieder ein.

*-*-*

Morgens wurde ich wach, weil ich etwas Feuchtes in meinem Gesicht spürte. Ich fuhr hoch und ein Waschlappen flog mir vom Gesicht.

„Er hat länger gebraucht als Jochen, anscheinend gefällt ihm was Feuchtes im Gesicht.“

Ich drehte meinen Kopf und das saß mein Schatz, Christian und Micha vor mir an der Matratze alle nur in Shorts, das war ein traumhafter Anblick. So könnte ich jeden Morgen geweckt werden, na ja der Waschlappen musste nicht unbedingt sein.
Frisch angezogen stand ich unten in der Küche und richtete das Frühstück. Jochen deckte den großen Tisch auf der Terrasse und die Mädels waren losgezogen um Brötchen zu holen.

„Morgen Peter“, meine Mutter kam in die Küche, „dürfen Brigitte uns euch anschließen?“

„Natürlich Mum es ist genug für alle da.“

Jochen legte noch zwei Gedecke mehr auf und eine halbe Stunde später, saßen wir alle vergnügt am Tisch.

„Das scheint noch ein herrlicher Tag zu werden“, meinte ich.

„Das kann ich noch nicht behaupten“, meinte Jochen, „heute Mittag kommen meine Eltern.“

„Schlimm?“

„Ich weiß nicht, wie sie drauf reagieren, sie wissen ja nichts.“

„Sie wissen, dass du verliebt bist?“, kam es von Brigitte, „mehr habe ich deinem Vater am Telefon gestern Abend nicht verraten.“

„Was hast du“, fragte mein Schatz ein wenig säuerlich.

„Er hat nach dir gefragt wie es dir geht, und ich hab gemeint dir gehe es gut du hast Anschluss gefunden und dich verliebt.“

„Jochen, daran musst du dich gewöhnen, Frauen sind so.“

Diese Aussage bereute ich sofort, als ich Sabines Ellenbogen in meinen Rippen spürte. Vom Rest der Damenwelt, erntete ich dafür böse Blicke. Andre konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

*-*-*

Die anderen waren gegangen, und wir lagen in der Sonne im Garten. Jochen war ein wenig eingedöst und ich betrachtete ihn mir genau. Im Sonnenschein glänzte sein Haar noch mehr. Im Gesicht konnte ich ein paar Sommersprossen entdecken, was ihn irgendwie noch frecher wirken lies.
Er war eigentlich normal gebaut so wie ich, das Volleyballspiel konnte man doch entdecken, seine Muskeln waren besser ausgeprägt als meine.

„Willst du mich noch weiter anstarren, oder gibst du mir endlich einen Kuss.“

Ich fuhr zusammen, wie machte er das bloß, das ich immer glaubte er schläft. Ich beugte mich zu ihm hinüber und gab im den gewünschten Kuss.

„Peter, Jochen… Jochens Eltern sind da.“

Meine Mum kam immer im passenden Augenblick, erschreckt fuhren wir auseinander, wobei es jetzt wahrscheinlich als Warnung für uns galt, wegen dem anstehenden Besuches. An Jochens Gesichtsausdruck konnte ich sehen, wie es ihn innerlich quälte was jetzt auf ihn zu kam. Mum kam mit Brigitte und einem Pärchen auf die Terrasse.

„Hallo ihr beiden, ist wohl doch später geworden gestern Abend“, meinte meine Mum.

„Nein wir haben nur die Sonne genossen“, gab ich zurück.

Blödes Gespräch dachte ich noch. Um Jochen die Nervosität ein wenig zu nehmen lehnte ich mich lässig an Jochens Schulter.

„So das hier ist mein Sprössling Peter“, sagte Mum zu Jochens Eltern.

Artig gab ich Händchen, den Diener lies ich weg.

„So du bist also jener welcher, der unserem Jochen den Kopf verdreht hat?“ sagte Jochens Papa.

Entsetzt schauten Jochen und ich mich an und wurden rot.

„Woher weißt.. du?“ stotterte Jochen.

Wieder ergriff Jochens Papa das Wort.

„Deine Mutter hegte schon lange den Gedanken, schon alleine, weil du keine Mädchen mit nach Hause gebracht hast, aber Gewissheit verschaffte uns erst Thomas.

„Thomas?“, riefen ich und Jochen gleichzeitig.

„Kommt lasst uns an den Tisch sitzen, ist bequemer für uns und für mich nicht so anstrengend“, meinte Mum.

Also setzten wir uns alle an den Tisch auf der Terrasse.

„Was hat das mit Thomas zu tun?“, fragte Jochen.

„Ich hab ihm vor den Supermarkt getroffen“, kam es diesmal von Jochens Mutter, „und ich hab ihn einfach gefragt, was mit dir los ist, da er ja anscheinend dein bester Freund war. Ich ließ nicht locker, da erzählte er mir alles, mit dem Vorbehalt, dir keine Ärger zu machen, was ich auch nicht vor hatte.“

„Ihr habt also keine Probleme damit?“, fragte Jochen.

„Es ist gewöhnungsbedürftig, schon alleine das wir keine Enkel haben werden, aber ich bin mehr als glücklich, das du wieder oben auf bist und dir zu dem solch einen adretten Jungen ausgesucht hast.

Kann man eigentlich tiefrot noch steigern? Jochen schaute seinen Papa an.

„Mach nicht so ein Gesicht Junge“, fing dieser an, „ich habe dich genauso lieb wie vorher. Wir haben uns mächtig Sorgen gemacht, erst verlierst du so viel Gewicht, was dir übrigens sehr gut steht, und dann den letzten Monat nur noch auf dem Zimmer, außer Schule überhaupt nichts mehr.“

„Thomas war eben der Grund, wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt. Ich hatte ihn missverstanden und hab mir Hoffnungen gemacht, falsche Hoffnungen. Ich wollte bloß niemanden mehr sehen.“

„Das hat sich ja jetzt anscheinend geändert, deinem Peter hast du es zu verdanken, dass wir nicht mit dir zum Therapeuten gegangen sind“, sagte Jochens Mum.

„Wie Therapeut? Verstehe ich nicht“, meinte Jochen.

„Junge vielleicht hast du es selber nicht gemerkt, aber im letzten Monat hast du dich nicht nur im Zimmer verkrochen, sondern auch immer weniger gegessen und wir hatten Angst, dass wird jetzt krankhaft bei dir.“

„Das er wenig isst, davon habe ich heute Morgen aber überhaupt nichts gemerkt beim Frühstück“, sagte ich und versuchte die Stimmung aufzulockern, „hat mir glatt das letzte Brötchen weggefressen.“

„Stimmt doch gar nicht, ich habe gefragt.“

„Stimmt wohl!“

Und schon jagte mich Jochen durch den halben Garten. Der Effekt war erzielt alle lachten, mir fiel ein Stein von Herzen, das alles so ausgegangen war. In meiner Versunkenheit der Gedanken stolperte ich über eine Wurzel und fiel hin, so hatte mich Jochen eingeholt. Er schmiss sich auf mich und begann mich durch zu kitzeln.

„Jochen hör auf, ich halt das nicht aus“, schrie ich vor Lachen, aber er machte weiter.

„Bitte Jochen ich mach mir gleich in die Hosen, hör doch auf…“

Und dann passierte es, ich konnte mich nicht mehr halten und es floss in Strömen in meine Hose. Zu spät merkte es Jochen und er bekam auch etwas ab.

„Inge ich glaube du solltest wieder windeln kaufen, dein Kleiner hat in die Hosen gemacht“, sagte Jochen und konnte sich fast nicht mehr halten.

Mit nasser Hose und hochroten Kopf lief ich an der lachenden Sippschaft vorbei ins Haus. Eigentlich sollte ich ja stinksauer sein, für die Blamage, aber ich konnte Jochen nicht böse sein.
„Warte doch Peter, Entschuldigung, soweit wollte ich nicht gehen.“

Ich stand mit der nassen Hose vor Jochen und schaute ihm in die Augen.. Ein kurzer Blick nach unten von ihm und er prustete wieder los.

„So ernst meinst du es also mit deiner Entschuldigung“, ich spielte den Beleidigten.

„Pietimaus, verzeih mir doch bitte“, sagte er lachend.

Wie hatte er mich genannt? Breitspurig lief ich weiter die Treppe hoch.

„Bitte Schatz vergib mir noch einmal“, er kroch fast die Treppe hoch, so lachen musste er.

In meinem Zimmer begann ich mich langsam auszuziehen, vor seinen Augen. Ich ließ ein Kleidungsstück nach dem anderen fallen. Jochen schluckte hart, als ich dann nackt vor ihm stand.

„Gehst du mit duschen?“, fragte ich lief an ihm vorbei in mein Bad.

Ich ließ die Tür ein Spalt offen, und drehte die Dusche an, bis ich plötzlich Küsse auf meinem Rücken spürte. Meinem Kopf nach hinten fallend genoss ich die zarten Berührungen von Jochen der sich nun eng an mich drückte.
Er war ebenfalls nackt. Ja ich wusste, dass ging jetzt alles etwas schnell, aber ich wollte mich nur rächen, aber dass es so ausging, war doch auch nett, oder?

*-*-*

„Da seid ihr ja endlich, wir haben beschlossen zu grillen, nachdem uns Karlheinz sein neues Domizil gezeigt hat“, sagte meine Mum, schaute auf unsere nassen Haare und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Meine rote Gesichtsfarbe hatte heute echt Hochkonjunktur, …irgendwie fühlte ich mich schon Blut leer, fast wie vorhin unter der Dusche, aber da war es aus einem angenehmeren Grund….

„Gerne, ich würd gerne sehen, wo Jochen wohnt“, sagte ich.

„Du willst mein Zimmer sehen?“

„Ja warum nicht, kann dir ja ein paar Tipps geben wo du was hinstellst.“

„Du kannst mir helfen tapezieren“, sagte Jochen.

„Bin ich froh, dass ich noch Schule habe diese Woche“, grinste ich.

„Aber nur morgens“, sagte meine Mutter lachend, wofür sie ein bitterböser Blick von mir erntete.

*-*-*

Also ergab ich mich meinem Schicksal, Montagmittag, stand ich in Jochens Zimmer und half tapezieren. Als mir Jochen erzählte, was er alles in seinem Zimmer vor hatte, machte es mir mit der Zeit mehr Spaß zu helfen.
Wir wurden zumindest mit Tapezieren fertig, streichen wollte Jochen am nächsten Tag.

„Welche Farbe?“, fragte ich.

„Da wo das Bett hinkommt möchte ich ein sattes kräftiges Blau, den Rest weiß.“

„Was für ein Bett überhaupt?“

„Es ist so groß, dass wir beide Plätze genug drin haben.“

„Ist dir etwa mein Bett zu klein?“

„Wenn ich öfters bei dir schlafen sollte, ist es zu klein, auf die Dauer schon.“

„Dann muss ich unbedingt mit meiner Mutter reden, was die Finanzen sagen.“

„Mach dass, aber erst mal solltest du Duschen, überall klebt an dir der Kleister“, meinte Jochen und nahm mich in den Arm. Er fing an, an meiner Unterlippe zu kauen.

„Bleiben wir hier oder duschen wir bei mir?“

Jochen lächelte, weil ich genauso reagierte wir er sich es vorstellte.

Später saßen wir bei Brigitte und aßen zu Abend.

„In was für eine Schule gehst du überhaupt, nach den Sommerferien“, fragte meine Mum.

„Das hab ich ja noch gar nicht gesagt. Ich werde das letzte Jahr bis zu meinen Prüfungen mit Peter in dieselbe Klasse gehen“, antwortete Jochen.

„Ob das mal gut geht“, meinte Jochens Mutter.

„Und danach?“

Meine Mum war heute wieder äußerst neugierig.

„Ich weiß noch nicht genau, aber ich würde gerne auf das technische Gymnasium gehen.“

„Hört, hört unser Sohn schmiedet Pläne.“

„Ja und, ich muss ja auch irgendwann an die Zukunft denken.“

Man sah Jochens Vater an das er vor Stolz trotzte, aber gesagt hatte er dann doch nichts. Also in den technischen Bereich wollte mein kleiner hinaus. Trotz Realschule, dank meiner guten Noten, hatte ich die Wahl zu einer privaten Kunstschule aufgenommen zu werden.
Auch sie war wie das technische Gymnasium in unserer Nähe. Also stand uns von da her auch nichts im Weg. Ich war einfach nur glücklich. Während Jochen mit seinem Vater über weitere Berufsmöglichkeiten diskutierte, hatte ich die Möglichkeit in genau zu beobachten.
Jochen sprach nicht einfach nur, er setzte seinen Hände, ja seine ganzen Körper ein. Ich war fasziniert davon und lauschte seiner Stimme. Ich nahm jede einzelne Bewegung in mich auf und merkte nicht wie ich langsam scharf auf ihn wurde.
Erst als sich in meiner Hose etwas zu regen begann, besann ich mich auf Besseres. Jochen war mittlerweile fertig mit seinen Ausführungen und kaute an seinem Steak. Er schaute mich an und merkte gleich, dass etwas mit mir nicht stimmte.
Schneller als ich dachte, fragte Jochen, ob wir nicht noch ein wenig hoch gehen wollten, Musik hören. Also taperten wir hoch in mein Zimmer. Kaum hatte ich die Tür geschlossen, nahm er mich in den Arm.

„Was ist los mein Großer?“, fragte er.

„Ich hab mir da vorhin Gedanken gemacht…“

„Über was?“

„Über dich und mich… ich will dir endlich ganz gehören…“

„Du willst wirklich?“

„Ja möchte ich..“

„Du weißt, dass kann ordentlich weh tun.“

„Nichts was du mit mir machst wird weh tun…“

*-*-*

Erschöpft lagen wir aufeinander.

„Ist es jedes Mal so schön?“ keuchte ich.

„Nein, es wird jedes Mal schöner“, sagte Jochen ebenfalls aus der Puste.

„Danke.“

„Wofür.“

„Dass ich eins mit dir sein durfte, dass du mich spüren lassen hast, wie sehr du mich liebst.“

„Oh du kleiner verrückter Kerl.“

„He, fragt sich wer hier der Kleine ist“, sagte ich.

*-*-*

Ein paar Tage später…

Ich wurde aus dem Schlaf gerissen, mein Wecker hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet. Es war ja zum Glück das letzte Mal. Viel laufen würde heute in der Schule nicht mehr, eigentlich nur die Ausgabe der Zeugnisse und dann endlich sechs Wochen Ferien.

„Warum grinst mein Schatz so früh am Morgen?“, es war Jochen der ebenfalls wach geworden war.

„Weil heut mein letzter Schultag ist und ich jetzt den ganzen Tag Zeit für dich habe.“

„Du weißt aber, dass ich heute mit meinen Eltern zurück fahre?“

„Das ist heute schon, o man… was mach ich dann nur ohne dich.“

„Jetzt hör dich doch einer mal an. Noch vor einer Woche wusstest du noch gar nicht, dass ich hier her ziehen würde. Und jetzt jammerst du weil ich drei Tage nicht da bin“, sagte Jochen und nahm mich in den Arm.

„Da siehst du mal, wie sehr du mich in deinen Bann genommen hast, ich bin süchtig nach dir.“

„Na hoffentlich bekommst du keine Entzugserscheinungen.“

Wir grinsten uns beide an.

„Wann fahrt ihr?“

„Nach dem Frühstück“, sagte Jochen.

„Gehst du mit mir duschen?“

„Nicht das du zu spät in die Schule kommst.“

„Dann muss halt mal die Kurzversion her halten.“

*-*-*

Die Ferien hatten begonnen. Unsere ganze Meute hatte sich für Mittags am Baggersee verabredet. Biene und ich fuhren zusammen mit dem Rad dahin. Es war unerträglich heiß geworden und ich freute mich auf ein kühles Bad.

„He Piet und Sabine, wir haben da ein Problem“, rief uns Jörg entgegen, als wir ankamen.

Ich sah es schon der Baggersee war an dieser Stelle restlos überfüllt.

„Und wo sollen wir jetzt hin liegen, wir sind sieben Leute“, meinte Sybille.
Andre meldete sich zu Wort.

„Ich kenne eine Stelle wo es garantiert noch leer ist. Es hat nur einen Haken.“

„Und der wäre?“, fragte Micha.

„Das ist der FFK Bereich“, sagte Andre.

Wir schauten uns alle an.

„Also Leute ich habe keine Schwierigkeiten vor euch nackt rum zulaufen“, kam es von Sabine als erstes.

Schnell waren wir uns einig, an die besagte Stelle von Andre zu fahren. Also schwangen sich alle aufs Fahrrad und fuhren Andre hinter her.
Er hatte uns wirklich nicht zu viel versprochen, es war wirklich ein schöner Platz. Umringt von Bäumen und Büschen, hatte man keinen Einblick von dem Weg her. Eine große Rasenfläche, die direkt am Wasser endete.
Ein großer uralter Baum spendete viel Schatten und ein Teil wuchs hinaus auf den See. Wir stellten unsere Räder ab und breiteten unsere Sachen aus. So nun standen wir da.

„Also ich zieh mich jetzt aus, ich vergehe bald“, meinte ich, machte den Anfang und zog mich aus.

Alle anderen zogen langsam nach, bis wir endlich alle nackt da standen.

„He Andre, was hast du da für ein geiles Tatu?“, fragte Sybille.

Automatisch schauten wir alle zu Andre. Direkt neben seinem Heiligtum prangte eine rote Rose mit einem Namen drauf. Christian beugte sich ein wenig vor um ihn besser lesen zu können.

„He Schatz, kaum haben wir nichts mehr an, stierst du schon nach anderen Kerlen“, meinte Micha.

„Ich wollte doch nur lesen, was für ein Name da steht“, antwortete Christian.

„Und was steht da?“, fragte Jörg.

„Andre, was sonst“, kam es von Andre selber, „aber würdet ihr bitte aufhören so zu starren, sonst kann ich für nichts mehr garantieren. Ich möchte ja nicht, dass hier ein paar anwesenden Herren neidisch werden.“

Alle fingen laut an zu lachen, dann rannten wir alle ins Wasser und eine riesige Wasserschlacht begann. Abgekühlt lagen wir dann auf unseren Matten und ließen uns von der Sonne wärmen. Es wurde ein richtig wunderschöner Mittag.
Sybille hatte die Idee Eis zu holen, also zogen ich und Micha uns an und liefen gemeinsam zu Kiosk. Als wir dort ankamen, musste ich einem Kind auf seinem Dreirad ausweichen, das an mir vorbeiheizte.
Ich tat einen Schritt zurück und schon passierte es, ich stolperte über etwas und verlor das Gleichgewicht. Und schon lag ich der Länge nach auf dem Boden.

„`Tschuldigung hast du dir was getan?“

Vor mir stand ein junger Mann in Saniklamotten, er gab mir die Hand und half mir auf.

„Nee, ist noch alles dran, bin nur erschrocken.“

„Tut wirklich nichts weh“, sagte er und schaute mich genauer an.

„He Peter du blutest am Rücken“, rief Micha.

„Habe ich gar nicht gemerkt, es tut zumindest nicht weh“, sagte ich.

„Ist aber ein ganz schöner Kratzer, warte ich mach dir etwas drauf, Peter… wenn ich richtig gehört habe“, meinte der Sani.

„Ja Peter heiße ich.“

„Ich heiße Vincent“, stellte sich mir der Sani vor.

Er war fast gute zwei Kopf kleiner wie ich, dick aber das störte mich nicht weiter, ich gehörte nicht zu denen, die aufs Äußere hielten. Was machte ich mir da schon wieder für Gedanken, nicht jeder Typ ist schwul, der mir über den Weg lief.
Wobei Vincent hatte irgendwie etwas besonders an sich. Ich fühlte mich wohl in seiner Gegenwart.

„Du Piet, ich geh schon mal zurück zu den anderen, das Eis fängt schon an zu verlaufen und womöglich denkt Christian noch, ich flirte hier herum“, sagte Micha.

„Als mein Jochen würde so etwas nie von mir denken“, meinte ich grinsend, während Vincent sich an meinem Rücken zu schaffen machte, „ich komm dann noch gleich nach, wenn Vincent hier fertig ist.“

„Okay bis gleich“, und schon war Micha verschwunden.

„Du bist schwul?“, fragte Vincent zögerlich als er meine Wunde mit irgendetwas einsprühte.

„Ja bin ich… Probleme damit?“

„Nein, jedenfalls nicht so wie du denkst“, erwiderte Vincent.

Vincent packte seine Tasche zusammen.

„Ich muss dann weiter, war nett dich kennen zu lernen“, sagte Vincent und war schon am weiter gehen.

„Vincent?“

„Ja?“

Er drehte sich noch mal zu mir um.

„Ich würde dich gerne näher kennen lernen.“

„Was bringt das? Du hast schon einen Freund, oder?“

„Ja habe ich, aber was hat das damit zu tun, wenn ich dich näher kennen lernen will.“

„Weil ich etwas Festes suche“, antwortete Vincent und sah seine traurige Augen.

„Hör mal, Vincent, ja ich hab einen festen Freund, aber was spricht gegen gute Freunde die für einen da sind. Du magst zwar älter sein als ich, aber dagegen spricht bei einer guten Freundschaft doch nichts.“

„Du magst recht haben, ich mag Jungs in deinem Alter sehr, aber ich will eben mehr, als nur einen normale Freundschaft.“

„Hast du was zum schreiben?“

„Ja warum?“

„Ich gebe dir jetzt meine Telefonnummer. Ruf doch einfach an, wenn du mit jemanden reden willst.“

„Danke nett von dir, aber…“

„Nichts aber, stecke sie einfach ein. Und danke noch mal fürs verarzten.“

„Ist mein Job.“

Es war mir egal, wer da alles um uns herum lief, ich gab Vincent einen Kuss auf die Wange.

„Also dann, Tschüss“, sagte ich und Vincent sah mir tief in die Augen.“

„Ja….. Tschüss.“

Ich spürte ein merkwürdiges Kribbeln im Bauch.

„Da bist du ja endlich wieder, du Schwerverletzter“, sagte Sabine, als ich wenig später unseren Liegeplatz wieder erreichte.

„Soso, hat Micha wieder Horrorgeschichten erzählt“, meinte ich.

„Und wegen dem kleinen Kratzer, hast du solange gebraucht“, Sabine wieder.

„Nein ich habe mich nur mit Vincent ein wenig unterhalten, mehr nicht.“

Alle schauten mich an.

„He Leute, ja Jochen ist mein fester Freund, deswegen darf ich mich doch noch mit anderen unterhalten.“

„Stimmt naschen darf man, aber essen muss man zu Hause“, kam es von Andre.

„Du und deine neunmalklugen Sprüche“, zickte ich ihn an.

„Wer weiß, ob du wegen Jochen nicht auf Entzug stehst“, sagte Andre wiederum.

Ich ging zu ihm hin.

„Und mir scheint, dein Eis hat dir keine Abkühlung gebracht.“

Ich hob ihn hoch und rannte mit ihm ins Wasser. Andres, nackten Körper an meinem zu spüren, hinterließ an mir Spuren, aber zum Glück war ich ja jetzt im Wasser.

„Rache ist süß“, rief Andre und schon tunkte er mich unter.

Die anderen waren auch ins Wassergekommen und schon war wieder ein Wasserschlacht im Gange.

*-*-*

Ich lag im Bett und hatte meinen Schatz am Telefon.

„Oh man, da wäre ich gerne dabei gewesen“, sagte Jochen, „und gefällt dir so was ein Tatu?“

„An Andre sah es mal nicht schlecht aus.“

„Und der Rest?“

Ich lachte laut auf.

„Nicht von schlechten Eltern, aber deiner gefällt mir fiel besser.“

Jetzt musste Jochen ebenfalls lachen.

„Jochen du fehlst mir.“

„Du mir auch mein Kleiner.“

Ich atmete tief durch.

„Peter komm, in zwei Tagen bin ich ja schon wieder bei dir.“

„Das sind zwei Tage ohne dich.“

„Mach es dir und mir doch nicht so schwer….“

„Hast ja recht… mit welchen Zug kommst du?“

„Mit dem kurz vor Vier, holst du mich ab?“

„Natürlich, kann doch meinen Schatz da nicht alleine auf dem Bahnsteig verkümmern lassen.“

„Also, dann noch eine schöne Nacht.“

„Ohne dich…“

„Peter…“

„Ja ist ja schon gut.“

„Ich liebe dich.“

„Ich dich auch.“

„Kuss.“

„Kuss.“

tut – tut – tut

Ich legte auf.

*-*-*

Mir kam es vor als wären es die längsten Tage meines Lebens. Es war drei Uhr und ich wollte gerade aus dem Haus um Jochen vom Bahnhof abzuholen, als das Telefon klingelt.

„Hier Peter.“

Stille

„Hallo wer ist denn da?“

„Vincent.“

„Hi Vincent, was ist denn los?“

„Ich kann nicht mehr…, will nicht mehr.“

„Vincent so darfst du nicht reden.“

„Wen stört das denn noch.“

„Vincent bitte, hör auf.“

Ich bekam Angst.

„Ich werde jetzt einfach einschlafen…“

„Vincent mach kein Blödsinn.“

Es kam nichts mehr.

„Vincent“, schrie ich ins Telefon.

Was mache ich jetzt nur. Ich war fast nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Ich rief bei meiner Mutter an und schilderte ihr kurz, was vorgefallen war. Sie hatte die Idee, beim DRK anzurufen, wo Vincent beschäftigt war.
Ich rief, nachdem ich die Nummer gefunden hatte, in der Leitstelle an. Zuerst wollte man mir nicht glauben, aber als ein Kollege im Hintergrund rief Vincent wäre noch nicht zum Dienst erschienen, änderte sich das schnell.
Wo Vincent wohnte, wollte man mir nicht sagen, aber ich hörte wiederum im Hintergrund, wo die anderen hinfahren sollten. Ich schmiss den Hörer auf und rannte zu meinem Fahrrad. Wie ein Wahnsinniger, raste ich durch die Strassen, dort angekommen stand schon der Rettungswagen.
Ich drängte mich durch den Haufen von Leuten, die vor der Eingangstür standen, um in die Wohnung zu kommen. Ich fand alle in einem Schlafzimmer, wo Vincent im Bett lag und versorgt wurde.

„Junger Mann verlassen sie bitte die Wohnung“, sagte einer der Männer.

„Ich habe sie verständigt wegen Vincent“, sagte ich mechanisch und starrte immer noch zu Vincent.

Mir liefen die Tränen herunter. Ich sah den Radiowecker.. scheiße 16.10 Jochen hatte ich auch noch vergessen.

Der Mann nahm mich in den Arm und schob mich hinaus. Ob Vincent überleben würde, was machte jetzt Jochen?

Ich saß draußen auf den Boden und weinte nur noch. Nach einer Weile merkte ich eine Hand auf meine Schulter.

„He Kleiner, was machst du denn, kaum lass ich dich alleine.“

Ich schaute nach oben.

„Jochen?

Ich sprang auf, fiel ihm um den Hals und fing an zu weinen, wie noch nie in meinem Leben. Jochen strich mir beruhigend über die Haare.

„Was ist wenn er nicht…..“

„Ssssscchh … Peter nicht, hör auf… es wird alles gut.“

Der Krankenwagen fuhr mit Sirenengeheul los, Jochen und ich standen immer noch am Straßenrand. Ich schaute ihn an.

„Wieso… wie bist du …“

„Deine Mutter, sie wusste doch wann ich ankomme, und als du vorhin in Panik bei ihr angerufen hattest, dachte sie schon, dass du mich vergessen würdest.“

„Tut mir leid Jochen, das ich dich vergessen habe..“

„Peter, Quatsch. Du hast einem anderen Menschen, wahrscheinlich das Leben gerettet.“

„Und wie kommst du hier her.“

„Das hast du ebenfalls dem Eifer deiner Mutter zu verdanken. Sie hat den Stellenleiter solange bearbeitet, bis er die Adresse rausrückte. Aber nun komm, laden wir dein Fahrrad ein und fahren nach Hause. Deine Mutter wartet schon da drüben.“

Ich lief zu meiner Mutter und nahm sie ebenfalls in den Arm.

„Wird schon alles wieder gut, morgen besuchst du den Vincent und wirst sehen, es geht ihm schon wieder besser.“

„Aber wenn er wieder….“

„Peter hör mir mal bitte zu, wenn Vincent hätte sterben wollen, hätte er nicht bei dir angerufen, das war seine Form von Hilferuf.“

„Da muss ich deiner Mutter recht geben“, sagte Jochen, der mit meinem Fahrrad hinter uns stand.

Am Abend war ich immer noch ein wenig geknickt, aber Jochen verstand es mich aufzumuntern.

„Was hast du mit mir für morgen alles geplant?“, fragte er.

„Wir wollten eigentlich schwimmen gehen, die ganze Meute“, gab ich zur Antwort.

„An derselben Stelle, die ihr letztes Mal wart?“

„Natürlich, wenn sie nicht schon besetzt ist, die gleiche Stelle.“

„Ah, dann kann ich mir ja auch die Rose von Andre anschauen.“

„Nur die Rose?“

Ich musste frech grinsen.

„Ich verspreche dir, ich werde nur Augen für dich haben.“

„Jaja und zu den anderen schielen.“

„Hör ich da grad was von Eifersucht bei meinem Kleinen, man du bist so süß.“

„Wie süß?“

Jochen neigte sich zu mir und strich sanft mit seiner Zunge über meine Lippen.

„Traumhaft süß!“

*-*-*

Ich wurde früh wach. Jochen lag neben mir und schlief noch. Sachte strich ihn sein wirres Haar aus dem Gesicht. Zufrieden brummte er und begann zu lächeln. Ich stand auf und suchte meine Shorts, weil nackt wollte ich meiner Mutter unten in der Küche nicht begegnen.

„Morgen Schatz und geht’s dir besser?“

„Ja Mum, ich habe geschlafen wie ein Baby.“

„Kann ich mir vorstellen bei dem Babysitter.“

Ich schaute meine Mutter grinsend an. Sie strich mir übers Haar und räumte ihr Geschirr weg.

„Heute wird es bei mir ein wenig später, wir haben noch die Inventur fertig zu machen.“

„Geht in Ordnung, ich bin ja nicht alleine.“

„Also gut, bis heute Abend dann.“

Sie nahm ihre Tasche und schon war sie zur Tür raus. Ich stand am Küchenfenster, schaute ihr nach und trank einen Schluck von meinem Kaffee.

„Wie kannst du mich nur alleine im Bett liegen lassen“, kam es von hinten.

Ich fuhr herum, Jochen stand vor mir.

„Ich wollte dich nicht wecken, du warst so goldig, als du schliefst.“

„Ich weiß.“

„Aha, der Herr ist überhaupt nicht eingebildet“, sagte ich lächelnd.

„Nö, wieso.“

Er trat mir gegenüber und gab mir einen Kuss.

„War das alles?“

Er öffnete das Marmeladenglas tunkte seinen Finger hinein und strich dann damit über meine Brust. Satt verteilte er die Marmelade auf meiner Haut. Dann fing er mit der Zunge alles abzulecken. Ich konnte nicht anders und stöhnte laut auf.
Plötzlich hörte er auf und ließ mich stehen.

„He was soll das jetzt?“

„Ich gehe duschen.“

„Und du lässt mich hier jetzt einfach so stehen?“

„Natürlich, hast mich ja auch einfach im Bett so liegen lassen.“

„Ach so läuft der Hase, na warte wenn ich dich in die Finger kriege.“

„Versuchs doch mal“, lachte Jochen und rannte die Treppe hinauf.

Ich stellte endlich meine Tasse Kaffee ab und setze ihm nach. Ich kam in mein Zimmer, in der Erwartung ihn an zutreffen doch hier war er nicht. Plötzlich spürte ich seine Hände in meinen Seiten und ich ließ einen lauten Schrei von mir, weil es kitzelte.
Ich fiel vornüber ins Bett, Jochen landete auf mir. Seine Finger bohrten unaufhaltsam in meinen Rippen.

„Jochen hör auf du weißt wo das endet.“

Abrupt hörte er auf zu kitzeln.

„Ich will keinen Ärger mit deiner Mutter haben, wenn sie dein vollgepinkeltes Bett abziehen muss.“

Er schaute mich einen Augenblick ernst an und fing dann laut an zu lachen.

„Du Jochen, da fällt mir was ein.“

Ich stand auf und machte meinen PC an.

„Ich habe etwas für dich geschrieben, als du weg warst“, sagte ich.

„Für mich?“

„Ich habe dir doch erzählt, dass ich ab und zu meine Gedanken aufschreibe.“

„Ja hast du, und nun hast du also auch was über mich geschrieben.“

„Nein für dich, mein Schatz.“

Ich öffnete den entsprechenden Ordner und lies ihn lesen.

gefühle für dich
so unbeschreiblich schön
unerklärbar und doch so nah
…. zum greifen nah ….
im gedanken mit dir aufstehen
den tag verbringen seite an seite
und abends gemeinsam in die nacht schreiten
in traumlandschaften
weit hinter dem horizont
die fülle unserer gedanken
gemeinsam genießen
und das jede einzelne sekunde
im meer aus farben unserer gefühle
treiben lassen
auftanken und weiter gehn
in den nächsten tag
der genauso beginnt
wie der andere erstarb……….
gefühle für dich
so unbeschreiblich schön
©peter2002

„Und dann das hier noch, ich hoffe es gefällt dir auch“, sagte ich.

die sehnsucht nach dir
vernebelt meine gedanken
macht mich unfähig einen gedanken zu halten
du – du – du immer du
schwierst mir im kopf umher
die bilder der erinnerungen laufen vorbei
erwecken erneut gefühle
du – du – du immer du
bohrst in meinem tiefsten innern
findest ecken
wo vor dir noch niemand war
du – du – du immer du
besänftigst meine seele
die unruhig umher fliegt
kein ende finden kann keinen halt
du – du – du immer du
raubst mir die sinne
das verlangen nach dir
zur sucht wird
du – du – du immer du
bist mein
gestern
heute und mein morgen
was ich aber auch nie wieder hergeben möchte…….
© peter 2002

Jochen starrte noch immer auf den Monitor. Ich bemerkte eine einzelne Träne die über seine Wange sich ihren Weg suchte.

„So sehr liebst du mich?“

„Ja!“

Er war aufgestanden und drückte mich fest an sich.

„Noch vor einem Monat hegte ich dieselben Gedanken wie dieser Vincent.“

Er setzte sich wieder auf das Bett. Ich schaute ihn fassungslos an.

„Ja, ich hab mir darüber Gedanken gemacht, eine Schlussstrich zu ziehen. Was hätte ich auch tun sollen. Im Nachhinein sieht alles anders aus. Ich war gekränkt, zu tiefst verletzt. Eigentlich durch einen eigenen Fehler, aber das wollte ich so nicht sehen. Dann kam mein Vater mit der Idee zu Tante Brigitte zufahren.“

„Du wolltest dich echt umbringen?“

„Ich hatte es mir fest vorgenommen. Irgendeine Möglichkeit hätte ich hier schon gefunden. Aber kurz nach meiner Ankunft hier, hat sich alles verändert.“

„Aus welchem Grund?“

„Ich war mit Brigitte jemanden besuchen… und als die Tür geöffnet wurde, da stand er… du, mit einem Lächeln im Gesicht, das mich fast um den Verstand gebracht hätte. Aus deinen Augen sprang so viel Energie auf mir über, dass ich wieder neuen Lebensmut fand.“

„Und doch bist du vor mir weggelaufen.“

„Ja, die Erinnerungen kamen zurück und ich hatte Angst davor, wieder enttäuscht zu und verletzt zu werden.“

Ich kniete mich vor ihm nieder und nahm seine Hände in die Meinigen.

„Du brauchst deswegen nie wieder Angst zu haben. Ich liebe dich Jochen und genieße wirklich jede einzelne Sekunde. Falls es auch mal Streit geben sollte, weil ich denke, wir sind nicht immer einer Meinung, darfst du nie vergessen wie sehr ich dich liebe!“

„Ich weiß gar nicht womit ich dich verdient habe. Du bist so lieb und ich bin froh, dass du da bist, mich raus gezogen hast aus dem ganzen Schlamassel.“

„He wir haben heute mein Großer, also vergiss ganz schnell was war, ok?“

„Ja tu ich.“

Er nahm mich in den Arm und wir verloren uns in einen unendlichen Kuss.

„Du bist sicher, dass ich mit hinein gehen soll?“

„Jetzt komm Jochen, sei kein Frosch. Vincent möchte dich sicherlich auch kennen lernen“, meinte ich.

Ich öffnete die Tür und wir traten ein. Die Jalousie war herunter gelassen, aber es war genug Licht um Vincents Bett zu erkennen.
„Vincent?“ sagte ich leise.

„Ja“, kam es vom Bett.

„Hier ist Peter.“

Er drehte den Kopf und sah uns an.

„Das ist Jochen mein Freund.“

„Hallo“, kam es zaghaft von Vincent und streckte Jochen die Hand entgegen.

„Tut mir leid, dass ich dir so viel Ärger gemacht habe Peter.“

„Hast du nicht, ich bin nur verärgert, dass du den Weg eingeschlagen hast, und nicht versucht hast, dir von jemanden helfen zu lassen“, antwortete ich.

„Peter, das ist nicht so einfach“, kam es von Jochen, „wenn du die umbringen willst, in dem Augenblick denkst du nicht über andere nach, alles dreht sich nur um dich.“

„Du hast wohl auch Erfahrungen damit gemacht“, sagte Vincent.

„Den letzten Schritt habe ich nicht gemacht, dank Peter“, erwiderte Jochen und senkte seinen Kopf.

„Unser Peter entwickelt sich wohl zum Retter von Selbstmördern..“

Ich schaute Vincent etwas schräg an.

„Ist ja schon gut, ich weiß, war ne blöde Feststellung“, meinte er dann nur.

„Bei Peter war es nur so, er hat bei mir bewirkt, dass ich wieder leben wollte“, sagte Jochen.

„Inwiefern?“, fragte Vincent.

„Ich hab mich in ihn verguckt“, meinte Jochen mit einem Lächeln.

„Wenn ich nur jemanden finden würde…..“, sagte Vincent und ich merkte wie er kurz vor dem Weinen stand.

Ich nahm seine Hand.

„Vincent, wenn du versuchst mit Gewalt einen Freund zu finden, wird das nichts, am Ende gerätst du an den Falschen, der dir womöglich noch das Herz bricht. Ich habe auch nicht mit einem Freund gerechnet, bis Jochen bei mir vor der Tür stand, wobei ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste ob er auch schwul war.“

„Peter hat Recht. Es läuft eben nicht ab wie im Film, Junge trifft Jungen verliebt sich und wenn sie nicht gestorben sind, so lieben sie sich noch heute“, meinte Jochen, „es hat nie jemand behauptet die Liebe und alles was damit zu tun hat wäre einfach.“

„Also Vincent, wenn du jemand, und ich denke ich spreche auch für Jochen, wenn du jemand zum reden brauchst, wir sind für dich da.“

„Ich möchte euch aber nicht zur Last fallen“, sagte Vincent.

„Wieso solltest du uns zur Last fallen. Wir bieten dir unsere Freundschaft, und das einzigste, was du machen musst, sie annehmen.“

Jochen nickte.

„Du bist so lieb Peter.“

„Das höre ich heute schon zum zweiten Mal. Muss wohl was dran sein.“

Jochen fing an zu grinsen.

„Und wie geht es jetzt weiter mit dir?“, fragte ich.

„Also erst mal bin ich vom Dienst einen Monat befreit, aber mein Chef bestand darauf, zu unserem hauseigenen Therapeuten zu gehen. Wegen meiner Einsamkeit und so.“

„Weiß dein Chef, dass du schwul bist?“, fragte Jochen.

„Ja weiß er.“

*-*-*

Wir waren noch ein ganze Weile bei Vincent gesessen, und hatten fast vergessen, das wir zum schwimmen verabredet waren. Zu Hause angekommen, packten wir schnell unsere Schwimmsachen und radelten wieder los.
Natürlich waren die anderen schon da. Ich und Jochen zogen uns gleich aus und breiteten unser Matten aus.

„Das so süße Jungs schwul sein müssen“, sagte Sabine, als sie ihn nackt sah, „man Jochen du bist ja echt eine Sahneschnitte.“

Jochen wurde feuerrot im Gesicht und ich musste lachen.

„Also wenn ihr nichts dagegen habt ich gehe gleich ins Wasser mir ist warm“, meinte Jochen und rannte schon davon.

Das ließen sich die anderen nicht zweimal sagen und folgten Jochen. Das Wasser war herrlich erfrischend und nach einer kleinen Wasserschlacht nahm mich Jochen in den Arm.

„Guck dir doch die zwei Turteltäubchen an“, meinte Jörg.

„Neidisch?“ kam es von meinem Schatz.

„Nicht im geringsten“, meinte Jörg und zog Sybille zu sich und küsste sie.

„Andre komm her und nehm mich in den Arm ich ertrage es nicht das hier mit anzusehen“, meinte Sabine.

Alle fingen an zu lachen.

Wenn später folgte noch eine Überraschung. Matthias tauchte auf.

„Andre hat mir erzählt, dass ihr euch hier immer trefft, und ich dachte ich schau mal vorbei. Bei der Hitze werde ich noch verrückt mit diesem scheiß Gips.“

Ein Grinsen ging durch die Menge.

„Willst du dich nicht ausziehen?“, kam es von Sabine, die auffällig dicht bei Andre lag.

„Würde ich gerne, aber es gibt da ein klitzekleines Problem.“

„Und das wäre“, fragte Sabine.

„Mit meinem Gips bin ich nicht so gelenkig wie ich das gewohnt bin.“

Ich stand auf und ging zu Matthias.

„Da werde ich mich mal opfern und Abhilfe schaffen“, sagte ich.

„Jochen ließ einen gespielt bösen Blick zu mir herüber wandern.

„Nene lass mal lieber, so wie dein Freund guckt, ich will nicht noch einen zweiten Gipsarm.“

Jochen fing schallend laut an zu lachen und kam ebenfalls zu Matthias.

„Peter ich denke wir werden das mal zu zweit übernehmen“, meinte Jochen.

„Ich glaub Matthias verliert jetzt seine Unschuld“, rief Jörg, was ihm zwar einen Rüffel von
Sabine einbrachte, dafür aber die Lacher der anderen.

„Wenn ihr zwei Hilfe braucht Christian und ich helfen gerne“, sagte Micha lachend.

„Och, keine Sorge, mit Matthias werden wir schon fertig“, sagte ich.

Matthias verzog das Gesicht, als ich mich an seinem Tshirt zu schaffen machte.

„Wenn du oben anfängst, mach ich unten weiter“, sagte Jochen und lachte.

Matthias wurde rot, weil man unter seine Shorts eine mächtige Beule sah.

„Ähm Matthias, ich habe doch noch gar nichts gemacht“, sagte Jochen grinsend.
Ich zog das Shirt noch vorsichtig über den Gips und sah dann, was Jochen meinte.

„Ihr seid gemein, was würdet ihr machen, wenn ihr von so zwei gutaussehenden Jungs ausgezogen wirst.“

Alle fingen wieder an zu lachen.

„Matthias… ähm, du stehst auf Jungs?“ sagte Andre.

„Wieso, bist du noch zu haben?“

Alle Achtung, das war ein guter Konter von Matthias.

„Nein, ich glaube ich bin weg vom Markt, oder was meinst du Sabine?“

Das war das erste Mal wo ich Sabine sprachlos erlebte. Sie wehrte sich auch nicht, als Andre sie küsste.

„Na super und ich gehe leer aus“, sagte Matthias.

Jochen zog ihm jetzt auch noch die Shorts herunter und ich setzte mich mit ihm auf unsere Matten zurück.

„Und wo kann ich mich jetzt setzen?“, fragte Matthias.

„Komm zu uns“, meinte Jochen und legte sich zu mir herüber.

„Wenn du noch eine Weile mit deinem Hintern so an mir reibst, kann ich für nichts garantieren“, flüsterte ich ihm ins Ohr.

Er wendete den Kopf und grinste mich an.“

„Gibt es hier Zecken?“, fragte er mich nur und ich musste los lachen, während Matthias sich auf Jochens Matte nieder lies.

„Sag mal Matthias, hast du das vorhin ernst gemeint, dass du auf Jungs stehst?“, fragte Sybille.

„Wenn du mich so fragst, ich würde eher sagen ich bin Multiculti, ich interessiere mich für alles.“

„Könntest du dir eine Beziehung mit einem Freund vorstellen?“

„Warum nicht, wenn ich Christian und Micha und die zwei Täubchen hinter mir sehe, da spricht nichts dagegen.“

„Und wie sollte er so sein?“

„Du um ehrlich zu sein, bin ich noch nie nach dem Aussehen gegangen.“

„Hört, hört, unser Klassenmacho hat gesprochen“, meinte Sabine und versuchte sich das Lachen zu verkneifen.

„Das stimmt aber wirklich. Nehmt Peter als Beispiel, so einen Freund wie er mit so einem Charakter, so was würde mir sofort gefallen.“

„Nur das der mir gehört und verdammt gut aussieht“, sagte Jochen.

„Leider“, sagte Matthias ernst, fing aber dann zu lachen.

„Du Peter, ich wüsste da jemanden“, sagte Jochen.

Ich wusste sofort wen er meinte.

„Ich weiß nicht, Vincent ist ein lieber Kerl, aber ob Matthias…“

„Wer ist Vincent?“, fragte Matthias.

*-*-*

Wenige Tage später besuchte ich wieder Vincent, und diesmal war Matthias dabei. Die Zwei verstanden sich auf Anhieb und nach einer halben Stunde, ließ ich die beiden dann auch alleine. Ich selber fuhr nach Hause zurück.
Die Geheimniskrämerei zwischen Jochen und meiner Mutter ging mit langsam auf die Nerven. Das einzige was ich wusste, dass es um meinen achtzehnten Geburtstag ging. Jedes Mal wenn die zwei beieinander waren, und ich dazu kam, endete ihr Gespräch abrupt.

… noch eine Woche, dann war ich endlich Volljährig, aber ändert sich da was für mich? Ja, ich kann ein paar Sachen mehr machen, aber so gesehen, bleibt irgendwie doch alles beim Alten…

Und da sich anscheinend die beiden sich um meinen Geburtstag kümmerten, brauchte ich mich wohl nicht drum kümmern. Also saß ich vor meinem PC und beantwortete einige Mails.

„Na Kleiner was treibst du?“ Jochen war in mein Zimmer gekommen.

„Da müsste ich erst mal jemanden da zu haben“, antwortete ich.

„Zu was?“

„Zum Treiben“, lachte ich.

„Und hast du Mails bekommen.“

„Ja, eine aus Kanada, von meinem Mailfreund. Er hat geschrieben, er gehe jetzt segeln eine Woche, damit ich weiß das er nicht da ist.“

„Ist der auch schwul?“

„Nein, er hat schon seit zwei Jahren ne Freundin.“

„Und weiß er über dich Bescheid?“

„Ja, und über dich auch, er hat sich sehr gefreut, das ich endlich auch jemanden habe.“

„Hast du ein Bild von ihm?“

„Ja Moment, ich muss es kurz aufmachen.“

„Ui, der is aber süß.“

„Ich weiß, ich kenne nur so süße Typen“, grinste ich.

„Muss ich jetzt eifersüchtig werden?“

„Kannst du, weil du dann immer so goldig guckst.“

Ich zog ihn zu mir her und gab ihm einen Kuss. Ich flog fast von meinem Stuhl, weil er sich mit seinem vollem Gewicht auf mich fallen lies.

„Bett?“, fragte er mich.

„Warum nicht?“

„Worauf wartest du dann noch?“

„Das du endlich von mir runtergehst.“

„Ups..aha.“

*-*-*

Drei Tage später kamen Jochens Eltern mit zwei großen LKWS einer Umzugsfirma. Unsere Freunde waren auch gekommen, so ging es richtig schnell, die zwei Wagen auszuladen. Der olle Ziegler stand natürlich am Zaun um ja nichts zu verpassen.
Als Jochen mich kurz in den Arm nahm und einen Kuss gab, fiel ihm der Unterkiefer in den Vorgarten, so würde es aber auch bald die ganze Strasse wissen. Micha bekam das mit und begann natürlich gleich seinen Christian abzuknutschen.
Das war jetzt wohl doch zuviel für den Ziegler, entrüstet ging er ins Haus zurück. Und wir standen da und konnten nicht mehr vor lachen.

„Könnte man den Grund eurer Heiterkeit erfahren?“, fragte Jochens Mutter.

Jochen erzählte ihr in Kurzfassung, was eben gerade geschehen war. Sie wusste nicht ob sie laut loslachen sollte, oder schimpfen. Sie entschied sich für ersteres. Nach intensiven vier Stunden, waren die zwei Lkws leer.
Brigitte und Mum hatten im Garten für alle etwas zum Essen gerichtet. Mit Heißhunger fielen wir darüber her, so dass die Erwachsenen nur noch den Kopf schüttelten. Danach verabschiedete sich unsere Clique von uns und nur noch Jochen und ich standen da.

„So los komm, richten wir dein Zimmer ein“, sagte ich.

„Das Bett zuerst?“

„Natürlich, sonst müssen wir uns ja wieder mit meinem Bett abgeben“, grinste ich.

Wir stürmten die Treppe hoch zum Dachgeschoss. Die blaue Giebelwand kam wirklich gut, wo Jochen das Bett haben wollte. Mit ein paar Anfangsschwierigkeiten bekamen wir es dann doch noch gestellt.
Umso schneller waren Schrank, Regale und der Schreibtisch aufgebaut. Während Jochen begann seine Klamotten einzuräumen, stellte ich seinen Pc auf. Nach gut zwei Stunden, sah es schon recht wohnlich aus. Es klopfte an der Tür.

„Kann ich reinkommen?“

Es war Jochens Vater.

„Das hat er noch nie gefragt“, meinte Jochen, „natürlich kannst du.“

Die Tür ging auf und er schaute herein.

„Hi ihr zwei. Man ihr seid ja schon ganz weit gekommen. Ähm.. Jochen ich habe da noch was für dich, sozusagen als Einzugsgeschenk.“

Er hob Jochen eine kleine Kiste entgegen, die ihm Jochen mit großen Augen abnahm. Er riss sie auf und ein kleines schnurrloses Telefon kam zum Vorschein.

„Wir dachten uns, du brauchst ein wenig mehr Privatfähre jetzt und haben dir einen Anschluss hochlegen lassen. Und das hier ist eine Karte fürn Pc, das du auch ISDN und DSL nutzen kannst.“

„Wow Papa… womit hab ich das verdient?“

Er legte die Sachen auf seinen Schreibtisch und fiel seinem Vater um den Hals.
„Danke Dad, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“

„Nichts Sohnemann, mir reicht dein lachendes Gesicht, darauf habe ich solange verzichten müssen.“

Ich sah mir das an, und wurde irgendwie traurig. Irgendwie vermiste ich jetzt meinen Vater, war neidisch auf Jochen. Sein Vater verließ das Zimmer wieder und Jochen schloss das Telefon gleich an.
Er schaute mich an und merkte gleich das was nicht stimmte. Er streichelte sanft über mein Gesicht.

„Was ist los“, fragte er.

„Ach nichts.“

Ich drehte mich weg und lief zum Fenster.

„Hey Peter, was soll das?“

„Ach, ich weiß selber nicht, als ich dich grad so innig mit deinem Vater gesehen habe, wurde ich neidisch, ich kenne so was eben nicht.“

„Ist es so schlimm?“

„Ja irgendwie schon. Habe es oft vermisst, von meinem Vater in den Arm genommen zu werden.“

„Weißt du eigentlich was aus ihm geworden ist?“

„Natürlich, er wohnt nicht mal weit weg. Er hat wieder geheiratet und ich habe sogar Stiefgeschwister glaub ich, gesehen habe ich sie aber noch nie.“

„Keinen Kontakt?“

„Nein… die Karten die zum Geburtstag immer kommen, die sind von seiner Frau geschrieben, aber gesehen habe ich ihn schon lange nicht mehr.“

„Er fehlt dir wirklich..“

„Ja.. ich will nichts meiner Mutter absprechen, sie war immer für mich da, hat mir bei allem geholfen, aber wenn ich andere Kinder mit ihren Vätern spielen hab sehen.. dass tat eben weh.“

Jochen nahm mich von hinten in den Arm und drückte mich an sich. Mit den Fingern wischte er mir die Tränen aus dem Gesicht, die ich gar nicht bemerkt hatte.

„He Kleiner nicht versagen, da finden wir auch noch ne Lösung.“

Ich hörte ihm gar nicht recht zu, denn meine Gedanken kreisten nur um meinem Vater.

*-*-*

Es dauerte fast eine Woche, bis Jochens Eltern den letzten Karton auspackten und somit fast fertig waren mit dem Umzug. Jochens Dad musste jetzt auch bei seiner neuen Stelle anfangen und somit war es an seiner Mutter, den rest noch zu bewältigen.
Jochen und ich waren fast jeden Mittag am Baggersee, natürlich mit der ganzen Clique. Zwei waren dazu gekommen… Matthias und der Vincent.
Am Abend vor meinem Geburtstag, hielt ich es dann doch nicht mehr aus. Ich rannte hinunter in die Küche. Meine Mutter stand mit Brigitte und Annabelle und waren kräftig am wirken.

„Kann ich wirklich nichts helfen?“, fragte ich.

„Eigentlich sind wir mit dem meisten fertig, nein kannst du nicht“, kam es von meiner Mutter.
Ich fuhr zusammen, weil sich plötzlich ein Arm um mich legte.

„Ist mein Kleiner wieder neugierig?“ es war Jochen.

„Oh man, hast du mich jetzt erschreckt.“

„Schlechtes Gewissen?“

„Sollte ich das haben?“

„Wer weiß“

Und wieder dieses Herz zerreisende Lächeln, das mich hinschmelzen ließ.

„Wie wer mit Kino?“, fragte Jochen.

„Gerne, und was für einen Film?“

„Das kannst du aussuchen“, meinte er.

„Also gut, dann lass uns mal losgehen“, meinte ich.

*-*-*

Von dem Film hatte ich nicht viel mitbekommen, weil ich nur am Knutschen mit Jochen war. Gut gelaunt kamen wir zurück. Bei mir war schon alles dunkel, bei Jochen brannte noch Licht im Schlafzimmer seiner Eltern.

„Schläfst du bei mir?“

„Gerne.“

So liefen wir leise hoch in mein Zimmer, machten uns Bettfertig.

„He Kleiner komm mal her“, sagte Jochen.

„Was ist?“

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, es ist zwölf Uhr.“

„Danke Jochen.“

Er nahm mich in den Arm und küsste mich, dass mir ein leichtes Schaudern den Rücken runter lief.

„Ich wollte es dir ja erst beim Frühstück geben, aber jetzt geht es auch schon.“

Jochen ging zu seiner Hose und zog ein Päckchen heraus.

„Hier für dich Peter, mein Schatz.“

Ich nahm es entgegen und packte es aus. Zum Vorschein kamen eine Kette und ein Ring. Ich lächelte Jochen an.

„Lies was im Ring steht.“

Ich nahm den Ring und sah die kleinen Buchstaben auf der Innenseite.

> Forever and Allways<

Ich merkte das Nass in meinen Augen und zog Jochen zu mir.

„Danke Jochen, noch mal, das ist absolut lieb von dir.“

Jochen nahm die Kette und den Ring und legte es mir an den Hals an.

*-*-*

Unsanft wurde ich durch das Gesinge meiner Mutter geweckt. Sie stand in der Tür und hatte eine Torte mit achtzehn Kerzen drauf in der Hand. Ich sah Jochen an, der anscheinend schon hellwach war und mich angrinste.

„Alles Gute zum Geburtstag Sohnemann.“

„Danke Mum. Ich muss das wohl jetzt ausblasen?“

„Oder zieh dir erst mal was an“, kam es grinsend von meiner Mutter.

Jetzt erst merkte ich, dass ich überhaupt nichts anhatte. Meine Mutter verließ lachend das Zimmer, ich zog mir einer Shorts und Tshirt über und folgte ihr.

„Wenn es nach mir gegangen wäre, hättest du so bleiben können, dein Anblick ist einfach zu…, na ja geh mal deine Kerzen auspusten, bevor die Torte verbrennt“, meinte Jochen.

Ich grinste und rannte in die Küche hinunter.

„Happy Birthday“, riefen mir Brigitte und Jochens Eltern entgegen.

Jetzt stand ich doch einwenig baff da.

„Komm blas deine Kerzen aus, Karlheinz möchte ein Stück davon“, sagte meine Mum.
Irgendwie mechanisch blies ich die Kerzen aus. Brigitte und Jochens Eltern waren aufgestanden. Brigitte nahm mich in den Arm und drückte mich an sich.

„Alles Gute Peter“, sagte sie und drückte mir einen Umschlag in die Hand, „der ist von uns allen Vieren.“

Annabelle und Karlheinz gratulierten mir ebenfalls. Nervös öffnete ich den Umschlag und zog eine Gutscheinkarte heraus.

Einen

Gutschein

für einen
einwöchigen
Segeltörn
für
zwei Personen
von
Mum, Brigitte, Annabelle und Karlheinz.

„Mensch Leute danke, aber das ist doch viel zu teuer“, sagte ich und musste jeden einzelnen drücken.

„Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen, du hast sehr viel für uns getan“, meinte Karlheinz und schaute mir über die Schulter, wo ich Jochen bemerkte.

„Da muss ich mir direkt überlegen, wen ich da mitnehme“, sagte ich.

Meine Mum wollte schon etwas sagen, bemerkter aber das ich nur Spass machte.

*-*-*

Der Vormittag und Mittag gingen schnell vorüber. Jochen und ich schafften meinen PC auf die Terrasse für die Musik. Die Damen schmückten den Garten und Karlheinz machte sich am Grill zu schaffen.
Ich schaffte es gerade noch, mich zu duschen und anzuziehen, da kamen schon die ersten Gäste. Wenig später rief mich meine Mum ins haus ob ich die Tür öffnen könnte es hätte geklingelt. Ich gab Jochen mein Glas und lief durchs Haus zur Haustür. Ich öffnete und war wie vom Blitz getroffen.

„Vater du?“

Es war komisch, solange nicht mehr gesehen, aber ich wusste sofort wer vor mir stand.

„Hallo Peter.“

Da stand mein Vater mit seiner Familie vor der Tür.

„Hallo Reinhard, schön dass ihrs einrichten konntet zu kommen“, kam es von hinten.

Meine Mum und Jochen standen hinter mir.

„Hast du..?“, fing ich an zu stammeln.

„Nein, lieber Sohn, das ist alleine von deinem Jochen ausgegangen“, sagte Mum.

Ich schaute wieder zu meinem Vater.

„Alles Gute zum Geburtstag wünschen wir dir“, sagte mein Vater.

„Danke Dad, sorry kommt doch erst mal mit rein.. ihr müsst entschuldigen, damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet“, sagte ich.

„Dir es aber gewünscht, oder?“ sagte Jochen.

Ich ging ins Wohnzimmer, wohin mir alle folgten. Mein Vater stellte mir seine Familie vor.

„Das ist Gudrun meine Frau und Kirstin meine Tochter. Und der junge Herr, der so gelangweilt in der Ecke steht ist Rüdiger.“

Ich begrüßte jeden der Reihe nach, aber ich war immer noch, einwenig benommen.

„Ich muss ehrlich sagen, da hast du wirklich einen tollen Freund gefunden“, meinte Gudrun.

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen.

„Ähm .. wieso.“

„Er ist mit seinem Vater bei uns einfach aufgetaucht und hat uns zu deinem Geburtstag eingeladen, meinte du würdest dich sehr darüber freuen.“

„Tu ich, ja tu ich, aber ich hätte nie im Leben damit gerechnet das mein Dad zum meinem achtzehnten Geburtstag kommt.“

„Jetzt ist er da!“, sagte Jochen und stupste mich von hinten an.

Mein Vater breitete die Arme aus. Ich ging langsam auf ihn zu und lies mich in seine Arme fallen. Die Tränen kamen nur so herausgeschossen. Ich schaute meinem Dad ins Gesicht.

„Danke Dad!“

„Bedank dich bei deinem Kleinen da drüben, ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier.“

Ich drehte mich zu Jochen um der ein wenig verloren in der Mitte des Raumes stand. Meine Mum zog die anderen nach draußen. Ich ging langsam auf Jochen zu.

„Das ist wohl das schönste Geschenk, das du mir hast machen können“, meinte ich zu ihm.

„Du hast bei dem Gespräch über unsere Väter so traurig geschaut, da wusste ich, ich musste was unternehmen“, sagte Jochen.

„Oh man Jochen bin ich glücklich dich zu haben.“

Ich fiel ihm um den Hals und gab ihm einen Kuss.

Jemand räusperte sich hinter uns. Da stand immer noch Rüdiger, er war wohl nicht mit den anderen hinaus gegangen.

„Ihr beide seid wirklich schwul?“ kam es von ihm leise.

„Ja“, kam es uns wie aus einem Munde.

„Cool“, meinte Rüdiger nur, und ließ uns dann alleine.

Jochen schaute mich fragend an, aber ich zuckte nur mit der Schulter.

„Lass uns raus gehen“, meinte Jochen.

Ich folgte Jochen auf die Terrasse, wo sich die Erwachsenen breit gemacht hatten. Der Rest stand unten im Garten an den Stehtischchen.

„Ah da kommt das Burzelkind ja endlich, na wie fühlt man sich so als…. alter Mann“, kam von Sabine.

„Der alte Mann weißt darauf hin, dass er jetzt mit dem nötigen Respekt behandelt werde“, sagte ich, wofür ich die Lacher auf meiner Seite hatte.

Vincent kam auf mich zu und gab mir einen Kuss auf den Mund.

„He, he, ich dachte ich hab mein Geschenk schon bekommen“, meinte ich.

„Das war auch als Dankeschön gedacht.“

„Und wofür?“

„Für den süßesten Jungen, den du mir gebracht hast.“

„Matthias?“

„Ja, wer denn sonst.“

Ich fing laut an zu lachen.

Sorry ich kenne Matthias, dass er jetzt so ist haben wir alleine dir zu verdanken. Früher war er nämlich unser Klassenmacho.“

„Reden wir vom selben Matthias?“

Matthias stand neben uns und wurde rot.

„Yepp genau dieser“, meinte Sabine, „ bin froh das endlich jemand ihm mal die Leviten ließt.“

Ein Grinsen ging durch die Menge.

„Kommt hört auf, so schlimm war ich doch nicht.“

„Doch“, kam es einstimmig als Chor zurück.

Jetzt musste sogar Vincent lachen. Es gibt Augenblicke, da wünscht man sich, sie würden nie vorbei gehen, so auch dieser Abend. Ich saß eine ganze Weile mit meinem Vater zusammen und wir redeten über die vergangenen Jahre.
Ich verstand viel von dem, was er mir versuchte zu erklären. Einiges jedoch machte mich traurig, und er konnte sich nur entschuldigen. Auf jeden Fall wollten wir den Kontakt nie wieder so schleifen lassen. Jochen saß die ganze Zeit neben mir, drückte mir oft die Hand oder nahm mich in den Arm.
Mein Dad meinte zum Schluss er würde sich sehr freuen, dass ich so einen netten Schwiegersohn mit nach Hause gebracht hätte. Der Abend ging langsam seinem Ende entgegen und alle verabschiedeten sich.
Später bei Jochen im Bett kuschelte ich mich eng an ihn. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und hörte seinen gleichmäßigen Herzschlag. Ich war glücklich und Jochen war es auch. Und das war die Hauptsache, wir hatten uns einander gefunden.

** Ende **

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