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Information Sommernachtstraum
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:29 AM - Replies (1)

Sommernachtstraum – Teil 1

Ich weiß nicht wie sie es fertig gebracht hatte, aber nun saß ich hier im Freien in den Rängen und hoffte, das sich bald etwas tat auf der Bühne.

Sie? Ich rede von meiner Lieblingstante Sabine, die mich auf ein Freilichtkonzert mitgeschleift hatte. Mit meine achtzehn Jahren, nicht gerade mein Musikgeschmack. Eingezwängt in ein altes Jackett, fühlte ich mich doch sehr beengt.

„Kevin, willst du das Programm haben?“, fragte mich Sabine.

„Eine Tüte Popkorn, wäre mir jetzt lieber“, gab ich zur Antwort und nahm das Heft grinsend entgegen.

Ich schlug es auf und begann zu lesen, da auf der Bühne, sich eh noch nichts tat. Klavierstücke von Brahms und Tschaikowsky. Sehr interessant, wollte ich schon immer hören. Benjamin Kohler am Klavier. Bestimmt irgendein so altes, kleines, graues Männlein, das gleich in die Tasten haut.

Die Leute um mich herum begannen zu klatschen ich sah auf. Und was soll ich sagen… es verschlug mir die Sprache, es nahm mir regelrecht die Luft. Von wegen altes Männlein. Der war etwa so alt wie ich und… boah sah der gut aus.

Eigentlich stehe ich ja nicht auf lange Haare, aber sein schwarzgelocktes Haar hob sich sanft bei jedem Schritt und fiel genauso seidenweich zurück. Meine Tante stieß mir in die Seite.

„Wenn du Hunger hast, können wir etwas in der Pause essen“, kam es von ihr.

„Wie…was?“

„Hör auf so zu starren, man könnte meinen du willst ihn essen.“
Ich wurde rot, musste aber gleichzeitig lächeln.

„So auffällig?“

„Ja“, meinte Sabine und fing an zu kichern.

Dass liebte ich so an Sabine, sie war zwar die jünger Schwester meiner Mutter, aber für mich ist sie eher eine gute Freundin. Sie war die erste, wo ich mein sogenanntes Outing, als erstes ausprobierte. Sie sagte einfach gerade heraus >Na und, wen stört es?<.

Diese Direktheit ist ihr bis heute geblieben und wenn ich Kummer hatte war sie für mich immer da. Und heute hatte sie mich eben auf dieses Konzert geschleift.

„Wusste doch, dass dir Benjamin gut gefällt“, meinte sie leise weiter.

„Du kennst ihn?“, fragte ich wohl etwas zu laut.

Neben uns fuhren die Köpfe herum und ich erntete böse Blicke. Was die nur wollen, der hat doch noch gar nicht anfangen zuspielen.

„Erzähl ich dir nachher, genieß einfach jetzt mal die Musik“, flüsterte Sabine mir zu und schaute wieder nach vorne.

Nachdem sich der Applaus gelegt hatte setzte sich Benjamin vor das Klavier. Ich schlug wieder das Programmheftchen auf und schaute, was er spielen würde,

>Nocturne Nr. 2 Es-dur opus 9 Nr. 2<

Aha, dachte ich, wie soll man wissen, was er da spielt. Es wurde ruhig auf den Rängen, nur noch das Rauschen des nahen Waldes war zu hören. Leise fing Benjamin an zu spielen. Sanft schlug er die Töne an und ich dachte noch, das kenne ich irgendwo her.

Verträumt lauschte ich der Musik und konnte nicht davon ablassen ihn zu beobachten. Er hatte seine Augen geschlossen. Sein Haar wiegte leicht in der frischen Brise, die ich jetzt auch merkte. Ich schaute auf seine Finger, die mit einer Leichtigkeit, wie mir schien, über die Tasten schwebten.

Hin und weg. Ich saß nur noch da und verfiel dem Klavierspiel. Als er die hohen Töne anschlug, zog sich alles in mir zusammen. Und bevor ich es mitbekam, war das erste Stück fertig und alles um mich herum fing an zu applaudieren.

Benjamin drehte kurz den Kopf nickte lächelnd und wandte sich wieder seinem Klavier zu. Wieder ein langsames Stück und wieder kam es mir bekannt vor. Ich sah ins Heftchen, da stand nur etwas von einer Etüde in E-Dur.

Wie soll sich das einer merken. Ich legte das Heft zur Seite und beschloss einfach die Musik zu genießen. Erst als die Pause begann, merkte ich wie die Zeit vergangen war. Unter lautem Applaus, verließ Benjamin die Bühne.

„Und wie hat es dir bisher gefallen?“, fragte Sabine und weckte mich aus meinem Tagtraum.

„Nicht schlecht“, sagte ich.

„Nicht schlecht? Ist das alles, was du dazu zusagen hast?“

„Ja, ist ja schon gut. Es gefällt mir, danke, dass du mich hierher mitgenommen hast.“

„So ist es recht, hast du Lust etwas zu trinken?“

„Durst habe ich immer“, meinte ich.

Sabine zog mich zum Ausgang, wo mehrere Tische standen. Sie zückte ihren Geldbeutel und bezahlte etwas. Zurück kam sie mit zwei Sektgläsern. Sie reichte mir eins und stieß mit an. Ich nippte daran und verzog gleich das Gesicht.

„He, das ist kein Prosecco, das ist Champagner“, meinte sie und nahm einen leichten Schluck.

„Da bleib ich lieber beim Prosecco, der ist wenigstens nicht so trocken wie dieses Zeugs hier.“

„Dieses Zeugs ist aber dreimal so teuer, wie dein Gesöff“, meinte sie und begann wieder zu grinsen.

„Du wolltest mir noch meine Frage beantworten“, sagte ich um das Thema zu wechseln.

„Ach so, du wolltest wissen, ob ich Benjamin kenne.“

„Ja.“

„Das kann ich bejahen, Benjamin ist der Sohn einer Studienkollegin von mir“, sagte sie und nippte wieder an ihrem Glas.

„Dann könnte ja ein Autogramm für mich heraus springen.“

„Nicht die Adresse?“, fragte sie.

„Sabine!“

„Ich dachte ja nur“, und ich sah, wie sie sich das Lachen verkniff.

„Denk nicht, sondern trink lieber aus, ich fühl mich unwohl, zwischen so vielen Pinguinen.

Außerdem scheint es weiter zugehen, die Leute laufen schon zurück.“

„Es geht weiter, wenn ein Gong ertönt“, meinte Sabine.

Kaum hatte sie das ausgesprochen, ertönte dieser auch über die Lautsprecher, die hier aufgestellt waren. Also gaben wir unsere Gläser zurück, der Mann hinter dem Tisch schaute mich komisch an, weil mein Glas noch recht voll war. Danach folgte ich Sabine, wieder zu unserem Plätzen.

Vorne saß nun ein Orchester und ich dachte schon Benjamin würde nicht mehr kommen. Aber das Klavier stand ja noch. Die Musiker erhoben sich und Benjamin betrat die Bühne hinter einem Mann.

Schien wohl der Dirigent zu sein. Wieder wurde laut applaudiert und nach dem Ruhe eingekehrt war, wartete ich darauf, dass gespielt wurde. Ich fuhr zusammen, als das Orchester laut anfing zu spielen.

Und dann setzte Benjamin ein, zusammen mit dem Orchester.

„Das ist Tschaikowsky“, meinte Sabine flüsternd in mein Ohr.

„Wer, der Mann der da dirigiert?“, fragte ich leise zurück.

Sabine hielt sich die Hand vor den Mund und versuchte nicht laut loszulachen.

„Nein, das Stück.. ist von Tschaikowsky“, flüsterte sie mir wieder zu.

„Aha“, meinte ich nur und versank wieder im Klavierspiel von Benjamin. Und wie am Anfang, zuckte ich zusammen, als das Orchester laut einsetzte.

Und ich kriege Ärger, wenn mal meine Musik zu Hause zu laut aufdrehe, und hier bekommt man fast einen Hörsturz. Benjamin fegte über die Tasten. Wild zuckte sein Kopf, zu dem was er spielte und seine Haare flogen hin und her.

Er schien richtig aufzugehen in seiner Musik, so wie ich gerade auch. Langsam entrückte ich der Welt und war nur noch auf Benjamin fixiert. Mich rissen die Klänge seinens Klavierspiels mit, und so langsam entstanden Bilder in meinem Kopf, die zur Musik passten.

*-*-*

„Hier bring ich deinen Sohn zurück“, meinte Sabine, als sie bei mir zu Hause, meine Mum in der Küche antraf.

„Und wie oft musstest du ihn wecken?“, fragte meine Mum.

„Überhaupt nicht“, kam es von Sabine.

Meine Mutter sah mich merkwürdig an. Sie ging auf mich zu und fühlte an meiner Stirn.

„Aber lange bist du noch nicht krank, Kevin, oder?“

„Mum! Was soll das?“

„Wenn ich dein Gedudel von oben immer höre, kann ich mir nicht vorstellen, dass du den heutigen Abend irgendwie genossen hast.“

Sabine begann zu grinsen.

„Es hat mir sehr gut gefallen und ich bin am überlegen, ob ich da mit Sabine, nicht des Öfteren hingehen werde.“

Sabine fing schallend laut an zu lachen, meine Mutter sah fragend zwischen uns her.

„Ich geh hoch in meine Bleibe. Sabine noch mal Danke für den tollen Abend“, verabschiedete ich mich von den Beiden.

Oben angekommen schloss ich meine kleine Dachwohnung auf. Wenigstens ein bisschen Privatsfähre dachte ich. Im Schlafzimmer entledigte ich mich gleich meiner Klamotten und stand unschlüssig vor meinem Schrank, als ich das Jackett wieder auf den Bügel hängte.

Ich musste mir wirklich ein paar Sachen mehr zulegen, wenn ich mit Sabine auf Konzerte gehen wollte. Natürlich nur welche, wo auch Benjamin mit dabei war. Ich zog aus der Innentasche des Jacketts eine Autogrammkarte, die mir Sabine besorgt hatte.

Verträumt ließ ich mich aufs Bett fallen, und verschlang mit den Augen, das Gesicht von Benjamin. Ich fing an zu Grinsen. Wie alt bin ich denn? Liege hier und schwärme für Jemand, als wäre ich ein Vierzehnjähriger.

Kurz noch ins Bad, um danach doch irgendwie müde, wieder ins Bett zu fallen. Eng eingekuschelt in meine Decke schlief ich mit einem Grinsen auf den Lippen ein.

*-*-*

„Morgen“, sagte ich, als ich die Küche meiner Mutter betrat.

„Bist du aus dem Bett gefallen, oder was tust du schon so früh hier unten“, fragte meine Mum entgeistert.

„Nein ich möchte noch in die Stadt Shoppen gehen und heut am Samstag ist es besser ich geh etwas früher.“, antwortete ich.

„Frühstück?“

„Nein, danke Mum, hab ich schon oben. Will nur geschwind Sabine anrufen, ob sie Zeit hat und mitkommt.“

„Du und Sabine, die Unzertrennbaren.“

„Sei doch froh, dass ich so auf Familie mache“, gab ich grinsend zurück.

„Morgen.“

Mein Dad stand im Türrahmen.

„Morgen“, kam es von uns Zwei im Chor zurück.

„Nanu schon wach?“, fragte mein Dad ebenfalls.

„Ja und schon gefrühstückt“, ließ ich verlauten und verschwand im Wohnzimmer.

Ich nahm das Telefon und wählte Sabines Nummer.

„Ziegler.“

„Morgen Sabine, hier ist Kevin, hast du heute Morgen schon etwas vor?“

„Morgen Kevin, nein ich hab noch nichts geplant.“

„Hättest du Lust, ein bisschen mit mir Shoppen zu gehen?“

„Brauchst du den sachkundigen Rat einer Frau?“, kam es lachend von Sabine.

„Natürlich, du meintest ja gestern selbst, ich sollt mir mal was Anständiges zulegen.“

„Okay, wann treffen wir uns denn und vor allem wo?“

„Um zehn, vorm Karstadt?“

„Ja das bekomme ich hin, also dann bis nachher“, verabschiedete sich Sabine.

„Bis nachher, Tschüß.“

*-*-*

Später in der Stadt

„Was ist mit deinen Haaren?“

„Was soll mit meinen Haaren sein, fängst du schon wieder an“, sagte ich genervt zu Sabine.

„Ja, weil ich deine Frisur absolut langweilig finde.“

„Und was soll ich deiner Meinung nach ändern?“

„Vertraust du mir?“, fragte Sabine lächelnd.

„Wäre ich sonst mir dir hier?“, fragte ich gegen.

„Dann komm mal mit“, meinte sie und zog mich am Ärmel meines Pullovers mit sich.

Über eine Stunde saß ich jetzt beim Friseur. Total genervt war ich gespannt, welche Anweisungen Sabine gegeben hatte. Ich saß absichtlich nicht vor einem Spiegel, weil Sabine mich ja überraschen wollte.

Ich musste ans Fernseh denken, wo man immer diese Vorher – Nachher Sendungen sah. Unruhig schaute ich umher, ob nicht doch irgendwo eine Kamera stand. Der nette Friseur, der mir die ganze Zeit zulächelte, war bei seiner letzten Aktivität, dem Fönen.

Dann kam der große Augenblick, der nette Mann schob mich zum großen Spiegel. Mir blieb die Spucke weg. Wo waren meine braunen Haare geblieben. Strohblond, total wirr standen meine Haare in alle Richtungen.

„Na, wie gefällt es dir?“, kam es von Sabine, die jetzt hinter mir stand.

„Gewöhnungsbedürftig“, brachte ich gerade so heraus.

„Also ich finde, deine braunen Augen kommen jetzt voll zur Geltung“, meinte sie.

Ich schaute mich noch mal näher an. Irgendwie sah ich schon anders aus. Wilder und frecher, wären die Ausdrücke meiner Mum gewesen.

„So und nun lass uns Shoppen gehen“, sagte Sabine und bezahlte das Ganze.

„Wie komme ich zu der Ehre?“, fragte ich erstaunt.

„Frag nicht und nutze es, solange ich in guter Stimmung bin.

Wieder draußen auf der Fußgängerpassage, blieb sie längere Zeit vor einem Schmuckgeschäft stehen.

„Wie wäre es eigentlich mit einem neuen Ohrring?“, fragte sie plötzlich.

„Was hast du gegen den Stecker?“, fragte ich.

„Den hast du jetzt schon zwei Jahre, wär mal etwas Neues fällig“, grinste Sabine.

„Und was hat sich die Dame so vorgestellt?“, fragte ich jetzt ein wenig genervt.

„Dieses Teil da, rechts neben der goldenen Uhr.“

„Das sieht mir eher wie Kinderschmuck aus, so kunterbunt das ist.“

„Kunterbunt? Junger Mann, das sind Regenbogenfarben.“

„Die haben Ohrringe für Schwule?“, fragte ich und sah jetzt doch genauer hin.

„Scheint so. Würde der dir gefallen?“

„Hast du noch immer deine Spendierhosen an?“, meinte ich und fing an zu lachen.

Sie verzog das Gesicht, aber fing dann auch an zu lachen.

„Komm mit hinein, der ist nicht teuer, ich finde der würde dir gut stehen.“

Ich ging mit ihr in das Schmuckgeschäft und schon hatte ich einen neuen Ohrring. Warum sagt man eigentlich auch zum dem Stecker Ring, fragte ich mich, als ich den Ring ans Ohr pfrimmelte. Sabine ließ mir keine Verschnaufpause und zog mich weiter.

*-*-*

„Wolltest du dich nicht mit Kevin treffen?“, fragte meine Mum, Sabine.

„Hab ich doch, er steht am Auto und lädt seine Neuanschaffungen aus. Monika, zieh deine Brille bitte an, das ist Kevin.“

Meine Mum verschwand kurz ins Haus, um mit der Brille auf der Nase zurück zukommen.

„Oh mein Gott, was ist denn mit Kevin passiert.“

„Nur ein neues Outfit“, meinte ich, der mit Tüten beladen vom Auto kam.

„Blonde Haare?“

Meine Mutter schüttelte den Kopf.

„Ach Monika, hab dich nicht so, ich finde, du hast einen sehr hübschen Sohn“, meinte Sabine und ich begann rot zu werden, als ich mich an den Zweien vorbei drückte.

„Und was hat er in den Tüten alles?“, fragte meine Mum die mit Sabine hinter mir herlief.

„Neue Klamotten, was sonst Mum, ich war Shoppen!“

„Dann lass mal sehen“, meinte meine Mum und ließ sich auf die Couch fallen.

Nachdem die Modenschau fertig war, verstaute ich alles wieder in den Taschen.

„Ich muss sagen, ich hab einen richtig feschen Sohnemann.“

„Gell, hab ich auch gemerkt, der kann wirklich alles anziehen“, erwiderte Sabine.

Genervt rollte ich mit den Augen.

„Ich geh jetzt mal hoch und verräum die Klamotten“, sagte ich und machte mich auf den Weg nach oben.

Im Vorbeigehen wuschelte Sabine in meinen Haaren.

„Ich finde es cool“, meinte sie und grinste mir hinter her.

Oben angekommen ließ ich alles auf mein Bett fallen. Mein Blick fiel auf Benjamins Autogrammkarte, die aufrecht auf meinem Nachttisch stand. Es klopfte an meiner Wohnungstür. Ich verließ das Schlafzimmer, schloss meine Tür um dann die Wohnungstür zu öffnen.

„Hallo Sohnemann, warum gackern die zwei Hühner so in der Küche?“, fragte mein Dad, der an der Tür stand.

Ich grinste ihn an.

„Du brauchst nichts mehr sagen, ich sehe es selber. Meinst du, mir würde so ein Tapetenwechsel auch gut tun?“, meinte er.

„Wieso, willst du auf die Pirsch und inne Disse gehen?“, kam es von mir, als ich in meine Küche lief.

„Willst du denn?“

„Was meinst du?“

„Ja, oder warum diese komplette Gestaltwechslung, was dir übrigens gut steht.“

„Danke Dad. Das war Sabines Idee, ich würde immer so langweilig herum laufen.“

„Meine Schwägerin typisch.“

„Was ist mit mir?“

Ich fuhr herum Sabine war ebenfalls hochgekommen.

„Ich habe gerade deinen guten Geschmack beglückwünscht“, meinte mein Dad frech grinsend.

Auf meinem Gesicht formte sich ebenso ein Lächeln, als Sabine mich fragend anschaute.

„Ach so, warum ich überhaupt hochkomme, Kevin, hättest du Lust mich heute Abend zu begleiten und eine alten Studienkollegin zu besuchen?“, fragte Sabine.

„Ich weiß nicht… ach so… meinst du die Studienkollegin?“, fragte ich.

„Genau die“, grinste Sabine.

Mein Vater schaute fragend zwischen uns hin und her.

„Dad, guck nicht so, wenn die Mädels hier Geheimnisse vor dir haben“, meinte ich zu ihm und klopfte ihm tröstend auf die Schulter.

Sabine bog sich vor Lachen.

*-*-*

Unruhig stand ich vor dem Spiegel und versuchte mein Haar so wild hinzubekommen, wie der Friseur. Sabine wollte mich um sieben abholen. Sollte ich nicht doch das gelbe Hemd anziehen. Oh Mann, ich entwickle mich wirklich bald zur Tucke.

Ich beschloss, so zu bleiben wie ich war. Ich lief hinunter zu meinen Eltern und traf Sabine an, die wohl auch gerade gekommen war.

„Wo wollt ihr denn hin?“, meinte meine Mum, als sie mich im neuem Outfit sah.

„Männer aufreisen“, sagte ich trocken und kurz.

Sabine fing wieder laut an zu lachen und konnte sich fast nicht auf den Füssen halten, als sie den Gesichtsausdruck meiner Mum sah.

„Ganz ruhig Mum, Sabine will mir heute Abend eine Studienkollegin vorstellen.“

„Dann komm mal nicht zu spät nach Hause, morgen ist wieder Arbeit angesagt“, meinte mein Dad, der ebenfalls die Küche betrat.

„Musst du mich ans Büro erinnern, sind eh im Rückstand, seit zwei Kollegen durch Krankheit ausgefallen sind“, meinte ich.

„Dann mal ab mit euch und noch einen schönen Abend“, meinte Mum.

„Euch auch“, sagten ich und Sabine fast im Chor.

Im Auto wurde ich dann doch wieder nervös. Würde Benjamin auch da sein? Meine Hände waren feucht und ich hatte Angst, meine Deo würde auch versagen. Irgendwann wurde der Verkehr ruhiger und wir kamen in eine vornehme Gegend.

„Hast du irgendwelche Fortbildungskurse verpasst, oder warum wohnst du nicht in so einer Gegend“, fragte ich Sabine.

„Nein, Lore hat nur den richtigen Mann gefunden“, meinte sie und fuhr eine kleine Auffahrt hinauf.

„Bin ich falsch angezogen, ich meine so ein Haus, gibt es da nicht Kleiderordnungen?“, fragte ich, als das Haus zum Vorschein kam.

„Keine Sorge Kevin, Lore ist das gleiche Kaliber wie ich“, meinte Sabine.

„Oje, bin ich froh, dass diese Lore heute morgen nicht beim Shoppen dabei war“, meinte ich und grinste.

„Wieso?“

„Ich will nicht wissen, wie ich jetzt aussehen würde.“

Sabine grinste vor sich hin, als sie ihren Golf, neben einen Jaguar einparkte. Wir stiegen aus und ich folgte ihr unsicher zum Eingang. Anscheinend wurden wir schon erwartet, denn kaum hatten wir die ersten Stufen der Treppe erklommen, tat sich wie von Geisterhand die große, schwere Haustür auf.

Ein junger Mann kam herausgetreten.

„Guten Abend Frau Ziegler, die gnädige Frau erwartet sie bereits“, kam es von ihm.

Ich schaute Sabine an und zog die Augebenbrauen hoch.

„Wir müssen jetzt aber nicht die Schuhe ausziehen?“ flüsterte ich Sabine ins Ohr, als wir diesem Herrn folgten.

Sie warf mir einen vorwurfsvollen Blick zu und rollte die Augen, begann aber zu grinsen. Der Mann blieb vor einer Tür, in diesem überdimensionalen Flur stehen und klopfte. Einige Sekunden später trat er ein und ich hörte ihn leise etwas sagen.

Dann kam er wieder heraus und wies uns mit der Hand einzutreten. Etwas unruhig folgte ich Sabine. Das mir nicht ein lautes Wow herausrutschte, war gerade alles. Ich befand mich wohl in einer Art Bibliothek.

Zwei Wände waren bis zur Decke hin voll mit Büchern gestellt. Eine elegant, gekleidete Dame kam auf uns zu.

„Meinst du Phillip taut irgendwann noch auf und wird lockerer…. Hallo Lore“, sagte Sabine und umarmte diese Frau.

„Ich bin mir da nicht sicher, er nimmt seine Job sehr ernst“, entgegnete sie.

„Das ist mein Neffe Kevin, von dem ich dir schon viel erzählt habe“, kam es von Sabine und zeigte auf mich.

Gibt es etwas Peinlicheres, sich wie ein Ausstellungsstück zu füllen, was hatte sie nur wieder von mir erzählt. Mein Blut schoss mir unwillkürlich in den Kopf.

„Hallo Kevin.“

„Hallo Frau Kohler“, sagte ich und gab artig Patschhand.

Den Diener verkniff ich mir jetzt doch.

„Setzt euch, kann ich euch was zu trinken anbieten?“, fragte uns Frau Kohler und wies auf die großen Ohrensessel, die vor einem Kamin standen.

Unscheinbar drückte sie einen kleinen Knopf an der Wand, es verging keine Minute und dieser Phillip betrat wieder das Zimmer.

„Sie wünschen, gnädige Frau?“

„Einen Kaffee?“, fragte Frau Kohler, Sabine.

„Gerne“, antworte diese.

„Kevin?“

„Ich schließe mich gerne an“, sagte ich leise.

„Phillip, bringen sie uns doch bitte drei Kaffee, und von dem Gebäck, welches ich so gerne esse.“

Phillip nickte und verließ wieder das Zimmer. Dabei trafen sich kurz unsere Blicke und ich wusste nicht, wie ich diesen zu deuten hatte.

„So nun erzähl mal, du warst mit Kevin heute Shoppen?“

Wieder schenkte ich beiden Frauen meine volle Aufmerksamkeit, als mein Name fiel.

„Ja, das Ergebnis siehst du ja, beim Friseur waren wir auch.“

„Steht ihm gut, finde ich.“

Etwas verärgert, nun ein Gesprächsobjekt zu sein, atmete ich tief auf.

„Könntet ihr beiden mal aufhören über mich zu reden und dafür mit mir zu reden?“, fragte ich genervt.

Beide Frauen lachten kurz auf.

„Du musst entschuldigen, Kevin, wenn Sabine und ich zusammen sind, ist das immer so“, meinte Frau Kohler, „ach so und ich heiße Lore und du …bitte.“

Ich nickte und erschrak, als die Tür aufflog. Und da stand er in Leibesgröße vor mir. Benjamin war ins Zimmer gestürmt.

„Mum, weißt du, wo ich meine Noten abgelegt habe?“, kam es von ihm und durchstöberte einen Papierstoß auf dem Tisch.

Er hatte keine Schuhe an, lief barfuss herum. Eine verwaschene Jeans, und was mir zu Gute kam, er hatte ein Hemd an, das aufgeknöpft war. Ich schmolz bald dahin, als ich sein Sixpack sah. Bekam man von den Klavierspielen solche Muskeln?

„Nein Schatz, aber drüben im Wohnzimmer lag was auf dem Schreibtisch“, kam es von Lore.

Benjamin schaute kurz hoch und bemerkte uns.

„Oh, hallo Sabine nett dich zu sehn“, sagte er noch bevor er wieder genauso schnell, das Zimmer verließ.

„Auch nett, dich zu sehn“, rief Sabine hinter her.

Aber das hörte er sicher nicht mehr. Boah, er hatte mich nicht mal angesehen, geschweige denn, begrüßt. Wird wohl so ein eingebildetes, verwöhntes Jüngelchen sein, Beruf Sohn. Meine Laune sank, absolut auf den Nullpunkt. Sabine schien das zu merken.

„Das ist doch sonst nicht Benjamins Art, was hat er denn?“, fragte Sabine.

„Ach er muss bei einer neuen Schule vorspielen, er spielt schon die ganze Zeit verrückt. Er redet fast nicht mehr mit uns, hängt bloß in seinem Zimmer herum, geht auch nicht weg.“

Lore schaute ein wenig betrübt.

„Och, so war Kevin auch eine ganze Weile, mittlerweile aber, ist er wieder ganz normal“, sagte Sabine und schenkte mir ein Lächeln.

„Und aus welchem Grund?“, fragte Lore.

Die Frage war jetzt wohl eher an mich gerichtet. Hilflos schaute ich Sabine an.

„Keine Sorge Kevin. Lore weiß über dich Bescheid.“, meinte Sabine.

Ich wusste jetzt nicht, ob ich empört sein sollte, was wohl Sabine denn noch alles dieser Frau erzählt hatte. Lore schaute mich immer noch fragend an, sie erwartete eine Antwort von mir.

„Na ja, … als ich merkte, ich steh nur auf Jungs… brach irgendwie eine Welt zusammen. Ich zog mich immer mehr aus allen Geschehnissen zurück… wollte einfach alleine sein“, gab ich zögernd von mir.

„Meinst du, Benjamin ist auch …?“, fragte Lore.

Das hatte Sabine mal wieder geschickt eingefädelt, sie wusste dass ich schwul bin und meinte ich könnte hier jetzt helfen.

„Schwul?“, fragte ich.

Sie nickte.

„Ich weiß es nicht, ich kenne da nicht viele…“

„Irgendwie muss man doch an den Jungen rankommen“, sagte Lore, „willst du es nicht vielleicht mal probieren?“

„Ich weiß nicht Lore…“

Na super, das ist alles geplant, für wie naiv halten die zwei mich eigentlich.

„Würdest du Lore den Gefallen tun?“, fragte mich Sabine.

„Und wie soll ich dass bitte schön anstellen?“, fragte ich Sabine.

*-*-*

Irgendwie war ich jetzt schon stinksauer auf Sabine. Lore hatte mir vorgeschlagen, mich ein wenig umzusehen. So war ich in dieser Villa unterwegs, sah mir ein Zimmer nach dem Anderen an. Sabine hätte mich wenigstens in ihren Plan, Benjamin zu helfen vorher Bescheid geben können.

Jetzt wo ich wusste, was Sache war, hatte ich irgendwie keine Lust mehr hier zubleiben. Irgendwo her drang Klavier spiel an mein Ohr, doch es hatte den Zauber verloren, den ich beim Konzert noch verspürte.

Ich fand eine Tür nach draußen, in den Garten. Ich stand auf einer breiten Terrasse. Was sollte ich noch hier? Diesem eingebildeten Heini helfen…, null Bock! Irgendwo fand ich meine Schachtel Zigaretten in der Tasche. Ich zog eine Zigarette heraus und suchte weiter nach einem Feuerzeug.

„Feuer?“

Ich fuhr zusammen, hinter mir stand Phillip der Butler und hielt mir eine Feuerzeug entgegen.

„Danke“, sagte ich kurz.

Er nickte.

„Junger Herr, es steht mir nicht zu, mich einzumischen, aber in Benjamins Fall breche ich meine Berufsprinzipien. Bitte helfen sie ihm“, sagte Phillip leise.

„Woher wissen Sie?“, fragte ich verwundert.

„Als ich den Kaffee servierte, haben sich die Damen darüber unterhalten, soll ich ihren Kaffee hier draußen servieren?“

„Ich kann auch wieder hineingehen und ihn dort trinken, danke Phillip“, meinte ich.

„Es ist kein Problem, bleiben sie ruhig hier, ich werden ihn, ihnen bringen“, sagte Phillip stellte einen Aschenbecher ab und verschwand im Innern des Hauses.

Dieser Mann war mir irgendwie unheimlich, aber mir war ja auch bekannt, dass solche Leute, die Seele des Hauses sein sollen und über alle Geschehnisse gut informiert waren. Aber, dass er um Hilfe für Benjamin bittet, war schon außergewöhnlich.

Es dauerte nicht lange und Phillip erschien wieder, mit einem Silbertablett, auf dem sich eine Tasse befand.

„Milch und Zucker?“

„Danke Phillip, ich trinke ihn schwarz.“

Phillip stellte die Tasse auf dem Gartentisch ab und verschwand leise wieder. Ich nahm einen Schluck und stellte die Tasse wieder ab. Interessiert wollte ich mehr von dem Garten sehen. Er war genug ausgeleuchtet und somit in der Abenddämmerung noch gut einsehbar.

Ich lief eine geschwungene Treppe in den Garten herunter, vorbei an einem kleinen Wasserfall, der unten in einen Teich mündete. Überall standen Büsche mit prachtvollen Blumen, die Kohlers schienen einen guten Gärtner zu haben.

„Könntest du die Güte haben, mir zu sagen, was du hier verloren hast?“

Wieder fuhr ich zusammen und drehte mich herum. Benjamin stand vor mir. Ich suchte nach Worten, aber irgendwie blieb mir alles im Hals stecken, sah nur zwei sehr traurige Augen vor mir, in denen ich regelrecht versank.

„Hallo“, kam es von Benjamin.

„Sorry, ich bin mit meiner Tante hier, Frau Ziegler“, sagte ich, als meine Stimme wieder betriebsbereit war.

„Sabines Neffe, also Kevin“, sagte er mehr zu sich, als zu mir.

Ich musste mit Sabine mal ein ernstes Wort reden, wenn sie überall über mich redet. Aber da ich nun mal schon mit Benjamin alleine hier draußen war, konnte ich ja mal einen Angriff auf den Guten starten.

„Dann weißt du auch sicherlich, warum ich hier bin“, sagte ich leise und sachlichen Ton.

„Hä?“, kam es von Benjamin, den ich anscheinend gerade aus dem Gedanken gerissen hatte.

„Du weiß auch sicherlich, warum ich hier bin, fragte ich.“

„Nein, wie kommst du darauf.“

„Weil jeder in diesem Haus, so gut über mich Bescheid weiß“, gab ich zur Antwort und dachte dabei an Phillip.

Das erste Mal wanderte mein Blick über Benjamin, dessen Kleidung sich zu vorhin nicht geändert hatte. An seiner leicht behaarten und muskulösen Brust blieb mein Blick hängen. Ein kleiner Goldanhänger funkelte an einer Kette.

„Nein weiß ich nicht, mir sagt in diesem Haus nie jemand etwas.“

Ein gewissen zickiger Unterton war heraus zuhören.

„Warum bist du hier?“, fragte er.

„Weil ich mich um dich kümmern soll.“

„Du? Aus dem Alter, für eine Gouvernante, bin ich schon draußen“, meinte er und fing hysterisch laut an zu Lachen.

„Das denke ich auch, und ich wüsste nicht, was ich hier überhaupt verloren hätte.“

„Oh, Entschuldigung, so war das nicht gemeint.“

„Aber ich habe es so gemeint“, sagte ich leicht genervt.

Dieses von oben herab Geschwafel, fing mich an anzukotzen, lief wieder Richtung Terrasse und ließ ihn stehen.

„Kevin bitte, so war es wirklich nicht gemeint“, sagte Benjamin und lief hinter mir her.

Ich drehte mich um.

„Und warum denk jeder, du hättest Hilfe nötig?“, fragte ich ihn.

Abrupt blieb er stehen und wieder diese traurigen Augen.

„Ach was weiß ich“, meinte er und rannte wieder ins Haus.

Ich folgte ihm, aber außer Phillip, war niemand im Raum, als ich wieder das Haus betrat.

„Oben rechts, letztes Zimmer“, sagte er nur und öffnete die Tür zum Flur.

Ohne ein Wort zusagen, betrat ich wieder den Flur, lieb die große Steintreppe hinauf und befand mich dann in einem langen Flur.

Rechts, letztes Zimmer, dachte ich. So folgte ich Phillips Worten. Ich stand vor der Tür und konnte von drinnen vereinzelt Töne vom Klavier hören. Ich klopfte leise, aber kein Ton kam von drinnen. Leise öffnete ich die Tür und fand Benjamin, an einen Klavierflügel sitzen.

Das war auch das einzigste Noble, was hier im Zimmer stand, sonst erinnerte dieses Zimmer eher an ein unaufgeräumtes, normales Jugendzimmer. Benjamin sah nicht auf und ließ weiterhin einzelne Töne am Klavier erklingen.

„Seit wann spielst du Klavier?“, fragte ich einfach und schloss die Tür hinter mir.

„Habe mit sechs Jahren damit angefangen“, kam es leise von ihm, ohne mich anzuschauen.

„Und wie alt bist du jetzt?“

„Wurde letzte Woche achtzehn…und du?

„Ebenfalls achtzehn.“

„Und was machst du?“

„Arbeite in einer Spedition, als Einzelhandelskaufmann.“

„Einzelhandelskaufmann?“

„Ja Einzelhandelskaufmann, irgendwie muss ich ja zu Geld kommen“, meinte ich und sah mich weiter in seinem Zimmer um.

„Kann es sein, dass du eine schlechte Meinung von mir hast?“, fragte er.

„Ja, kann sein.“

Er verzog sein Gesicht und sah wieder auf seine Tasten.

„Als Millionärssohn sitzt man in einem goldenen Käfig“, sagte er leise.

„Wieso denn? Das Jetsetleben soll doch so Klasse sein… man kann sich alles Kaufen… jede Menge hübscher Mädels…“, gab ich zurück und wartete auf eine Reaktion, die ausblieb.

„Was bringt mir das?“

„Was willst du denn?“, fragte ich leise.

Ich setzte mich auf die kleine Banknische vor dem Fenster.

„Ich will Freunde, ich will so normal leben wie andere in meinem Alter.“

„Du spielst herrlich Klavier, ist das nichts?“

„Es ist das Einzige, was mir überhaupt Freude bereitet. Mit meinen Händen, Fingern Töne ins Leben zu rufen, die Leute in anderen Jahrhunderten geschrieben haben. Ihnen Gestalt zu geben, Gefühle einzuhauchen, sie klingen zu lassen, sie leben zu lassen……“

Ich war ein wenig sprachlos, über das was Benjamin eben von sich gegeben hatte. Die ganze Zeit schaute er auf sein Klavier.. auf seine Hände. Und nun sah er mich an. Seine Augen waren tränengefüllt.

„Kevin es ist das Einzige was ich habe, die einzigste Welt in die ich fliehen kann, vergessen kann…“

Tränen liefen ihm an den Wangen herunter und tropften zu Boden. Ich hatte das starke Bedürfnis, ihn in den Arm zunehmen, aber irgendetwas hielt mich zurück.

„Was möchtest du vergessen?“, fragte ich wieder sehr leise.

Er wischte sich die Tränen weg und stand auf.

„Das alles hier“, wütend schlug er gegen einen Stoß Papier, das auf dem Flügel aufgestapelt war

„Ich will endlich leben und nicht immer eingesperrt sein, mich an die Regeln halten müssen“, schrie er, trat gegen eine Stehlampe, deren Birne mit einem Knall ausging.

„Was für Regeln?“

Die Tür ging auf und Lore und Sabine steckten den Kopf herein. Ich hob die Hand und gab Zeichen, dass sie verschwinden sollten. Ich stand auf und ging zu Benjamin.

„Wer stellt die Regeln auf?“, fragte ich und suchte seinen Blickkontakt.

Er dagegen hielt mit beiden Händen den Kopf fest und schaute zur Decke.

„Einfach jeder. Jeder denkt er muss sich in mein Leben einmischen, mir Vorschriften machen, wie ich zu leben habe.“

„Warum lässt du dir das gefallen?“

„Was bleibt mir den anderes übrig…“, er nahm ein Buch vom Klavier und schmiss es mit voller Wucht auf ein Regal, wo schön aufgereiht mehrere Pokale standen, die nun mit lauten Scheppern zu Boden fielen.

„Es ist dein Leben und nur du kannst etwas daraus machen Benjamin“, sagte ich jetzt etwas lauter.

„Ich?“

Und wieder fing er laut und hysterisch an zu lachen. Plötzlich verstummte er und sah mich an. Er wurde weiß im Gesicht, stürmte durch eine kleine Seitentür. Wenig später hörte ich, wie er sich übergab.

Ich lief schnell zur Zimmertür und fand wie erwartet, die beiden Damen davor.

„Tut mir leid, dass ihr das jetzt so miterleben müsst, aber ich denke der Ausbruch, war mal Zeit, aber bitte kommt nicht herein bevor ich euch rufe und haltet mir um Gottes Willen Phillip vom Hals“, meinte ich zu den beiden, die auf mein Gesagtes nur nickten.

Ich schloss leise die Tür und lief Benjamin nach, wohin er verschwunden war. Ich fand ihn an der Toiletteschüssel vor, immer noch würgend. Auch wenn es mir jetzt fast selber speiübel wurde, half ich Benjamin auf. Ich hob ihn hoch und auf den Armen trug ich ihn zurück in sein Zimmer und legte ihn aufs Bett.

Zurück im Bad griff ich irgendein Tuch das ich fand und hielt es unter das kalte Wasser. Zurück bei Benjamin wischte ich über sein Gesicht, fuhr behutsam die Konturen seines Gesichtes nach.

„Warum bist du hier?“, fragte er mit weinerlicher Stimme.

„Weil ich dir helfen möchte“, antwortete ich.

„Mir kann man nicht helfen“, kam es von ihm.

„Das hatten wir schon, überleg dir mal etwas Neues“, sagte ich und stand auf und ging ins Zimmer zurück.

Ich lief zu dem Regal und hob die Pokale wieder auf…, setzte sie so wieder hin, wie sie vielleicht gestanden hatten, was mir aber auch egal war. Ging zu der Stehlampe und versuchte den Schirm der Lampe gerade zu biegen.

Auf dem Boden sah ich ein Meer von Notenblättern.

„Die Noten wirst du selbst wieder aufheben müssen, ich kenne mich mit dem Sortieren nicht so aus“, meinte ich und setzte mich wieder zu ihm ans Bett.

Mittlerweile schien er sich ein wenig beruhigt zu haben, er weinte nicht mehr.

„Geht es dir jetzt wenigstens ein bisschen besser“, fragte ich und schaute mich noch mal im Zimmer um.

„Ja geht“, meinte er und hatte seinen Unterarm auf den Augen liegen.

„Soll ich deine Mum holen?“

„Nein, ich will jetzt niemand sehen…“

„Und mich?“

„Bitte bleib…“

„Warum?“

„Weil ich mich bei dir wohl fühle.“

Ich sah eine Kerze, stellte sie auf den Flügel, zündete sie an. Ich löschte das Licht und setzte mich wieder zu Benjamin ans Bett.

„Brichst du jetzt die Regeln?“, fragte ich, alles auf eine Karte setzend.

Er nahm den Arm runter und ich konnte seine Augen funkeln sehn.

„Ja.“

„Sorry ich kann keine Verstoß bemerken“, meinte ich.

„Ich… du…“

„Das sind deine Gefühle, und dafür gibt es keine Regeln auf dieser Welt“, sagte ich ruhig.

„Aber ich bin mit diesen Gefühlen alleine.“

„Bist du dir ganz sicher?“

Er schwieg.

„Ich muss jetzt nach Hause, Sabine wird schon auf mich warten… wenn du willst komme ich wieder…“, meinte ich leise.

„Du würdest wieder kommen?“

„Wenn ich darf und es willst gerne…“

„Ja, ich möchte es…“

„Gut ich melde mich bei dir.“

„Danke.“

„Für was?“

„Dass du zugehört hast.“

„Dafür war ich auch da.“

*-*-*

Natürlich wurde ich am nächsten Morgen, wegen meinen neuen Outfits von den Kollegen aufgezogen, aber es war mir auch egal. Ich ging mit Spass an meine Arbeit, meine Kollegen killten mich fast deswegen.

Ich dachte viel an Benjamin, und ab und zu beschlich mich der Gedanke gestern doch zu weit gegangen zu sein. Aber dann dachte ich an sein Lächeln beim Abschied und alles Negative war verflogen.

Hatte ich mich vielleicht doch in ihn verliebt, in den reichen, verwöhnten Snobsohn. Er hatte mich gestern sehr tief in sich einblicken lassen, ich fühlte mich geehrt über dieses Vertrauen. Aber das er das Gleiche für mich empfand, wie ich für ihn, wäre einem Wunder gleich.

Der Arbeitstag ging recht schnell vorbei und so stand ich am Abend wieder in der Küche meiner Mum.

„Dein Telefon ging den ganzen Tag“, meinte sie, als ich ihr half das Abendbrot zu richten.

„Wird wieder anrufen, wenn es wichtig war“, sagte ich.

Ich beschloss aber meinen Anrufbeantworter kurz abzuhören und rannte schnell rauf in meine Wohnung. Es wurde lediglich immer wieder dieselbe Nummer angesagt, drauf gesprochen hatte niemand.

Ich schrieb sie auf und lief wieder hinunter.

„Und etwas Wichtiges?“, fragte Mum.

„Weiß ich nicht, war nichts drauf gesprochen, lediglich die Nummer wurde angesagt.“

„Komisch…“, meinte sie.

Nach dem Essen verzog ich mich wieder in meine Wohnung und ließ mich auf meine Couch fallen. Ich nahm mein Telefon und wählte die Nummer, die ich aufgeschrieben hatte. Es tutete.

„Kohler.“

„Hallo Benjamin hier ist Kevin.“

„Wie kommst du an diese Privatnummer?“

„Och, Wunder der Technik“, sagte ich und fing an zu grinsen.

„Dein Anrufbeantworter?“

„Genau dieser.“

„Bin ich also auf frischer Tat erwischt worden.“

„Genau, aber was ich nicht verstehe, warum hast du so oft angerufen, du wusstest doch, das ich arbeiten bin.“

Die andere Seite schwieg.

„Benjamin?“

„Ja?“

„Was ist?“

„Das ist mir so peinlich…“

„Was denn?“

„Ich habe deswegen so oft angerufen, weil ich so deine Stimme hören konnte.“

„Süß.“

„Hä? Wie bitte?“

„Ich finde das Süß.“

„Aha.“

Eine kurze Pause entstand.

„Soll ich noch vorbei kommen?“

„Würdest du das tun?“

Das hatten wir gestern schon mal.

„Natürlich, gerne.“

„Soll ich dir den Wagen schicken?“

„Du lässt mich abholen?“

„Ja, warum nicht…“

„Och, ich wurde in diesem Zusammenhang noch nie abgeholt“, meinte ich.

„Welcher Zusammenhang denn?“, fragte er.

„Das erklär ich dir später, wenn ich bei dir bin.“

„Okay, ich schicke dann den Wagen los, wir sehen uns gleich.“

„Gut bis gleich.“

*-*-*

War schon ein komisches Gefühl, von einem Wagen abgeholt zu werden. Die Nachbarn, die sich vor ihren Häusern aufhielten, schauten schon etwas komisch, als ich hinten in den Jaguar einstieg, vor allem, weil der Fahrer mir solange die Tür aufhielt.

Meine Eltern standen grinsend an der Haustür, aber verschwanden gleich, bevor eine Flut der Fragen der Nachbarn, auf sie einstürmte. Seit Freitag hatte sich meine Leben irgendwie verändert. Es war interessanter geworden.

Mir ging viel durch den Kopf, bis der Wagen endlich die kleine Auffahrt von Kohlers hinauf fuhr. Der Jaguar hielt direkt vor der Treppe und schon stand Phillip bereit und öffnete die Wagentür.

„Guten Abend, Herr Bachheim“, sagte Phillip mit einem Lächeln.

„Guten Abend, Phillip, aber sie können mich ruhig beim Vornamen nennen.“

„Danke Kevin, Benjamin wartet schon in seinem Zimmer auf sie.“

„Ebenso Danke Phillip, ich finde den Weg alleine.“

So langsam gewöhnte ich mich an Phillip und es machte mir auch nichts mehr aus, von ihm bedient zu werden. Mir gefiel irgendwie seine steife Art, aber auch das Funkeln seiner Augen, wenn er mich ansah.

Ich nahm jeweils zwei Stufen auf einmal die Marmortreppe hinauf, rechts den Flur runter, bis ich vor Benjamins Tür stand. Ich wollte gerade anklopfen, als die Tür aufgerissen wurde.

„Und bring morgen, diese kindische Prüfung hinter dich, die wirst du ja noch schaffen, mit deinem Spatzenhirn.“

Ein Mann mittleren Alters, rannte mich fast über den Haufen. Er musterte mich genau von oben bis unten.

„Entschuldigung“, sagte ich automatisch, obwohl er mich ja angerempelt hat.

Ein scharfer Blick folgte von ihm, ich fühlte mich unbehaglich in meiner Haut.

„Die Wahl deiner Freunde lässt ja auch zu wünschen übrig“, meinte er noch zu Benjamin und er verschwand in einem anderen Zimmer.

Ich stand da wie ein begossener Pudel, und wusste jetzt nicht wie ich darauf reagieren sollte. Dem Herrn war ich wohl nicht fein genug. Ich war drauf und dran, ihm zu folgen, um ihm die Meinung zu geigen.

„Kevin, komm rein, es bringt nichts“, hörte ich Benjamin sagen, der wohl meine Gedanken lesen konnte.

Ich betrat sein Zimmer und schloss die Tür hinter mir.

„Dein Vater?“, fragte ich.

„Ja.“

„Ist er als Erwachsener und so reich auf die Welt gekommen?“

„Seinem Verhalten dir gegenüber wahrscheinlich, es tut mir leid.“

„Es braucht dir nicht Leid zu tun, Benjamin. Du kannst nichts für ihn.“

Benjamin stand aus seinem Korbsessel auf und kam auf mich zu. Er stand einfach nur da und sah mich an.

„Was ist?“, fragte ich.

Er lächelte nur und sah mich weiterhin an. Meine Knie wurden weich. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, jetzt oder nie, dachte ich noch.

„Willst du mich küssen?“, fragte ich leise.

Benjamins Gesicht wurde ernst.

„Küssen? Bist du verrückt“, kam es ärgerlich von ihm.

„Ich dachte… du…“, ich konnte nicht weiter reden.

Ich griff nach meiner Jacke, rannte aus dem Zimmer und die Treppe hinunter, direkt in Lores Arme.

„Hallo Kevin, was ist denn mit dir passiert?“, fragte sie.

„Tut mir leid Lore jetzt nicht…“, antwortete ich.

Ein kurzer Blick zurück und ich sah dass Benjamin oben an der Treppe stand.

„Es geht nicht“, meinte ich noch kurz zu Lore und verschwand durch die schwere Holztür nach draußen.

Ich rannte los, ohne eigentlich zu wissen, wohin. Hatte ich Benjamins Zeichen, so falsch gedeutet? Hatten wir gestern von zwei verschiedenen Sachen geredet? In mir brach eine Welt zusammen, ich hatte mich voll zum Otto gemacht, und dann auch noch vor einem dieser reichen Heinis.

Mir liefen die Tränen herunter. Ich rannte die Straße hinunter und stieß an der Ecke mit einem älteren Herrn zusammen. Um ihn nicht vollends umzureisen, verlagerte ich mein Gewicht zur Seite, was zur Folge hatte, dass ich rückwärts nach hinten fiel.

Ich fühlte einen ordentlichen Schlag an meinem Hinterkopf und alles wurde schwarz um mich herum.

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Information Pinienwald und Olivenhaine
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:28 AM - No Replies

Mike

Ich gähnte herzhaft und streckte mich. Die erste Nacht hatte ich mehr als unruhig verbracht, musste aber irgendwann doch eingeschlafen sein. Draußen schien noch alles ruhig zu sein. Ich schaute auf meine Uhr. Sieben.

Recht früh, aber jetzt war ich schon mal wach, dann konnte ich auch aufstehen. Leise zog ich den Reisverschluss meines Zeltes nach oben. Kühle Luft kam mir entgegen. Irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich einen Hund bellen.

Ich quälte mich vollends aus meinem Schlafsack und auch aus dem Zelt. Wieder streckte ich mich und genoss die ersten Strahlen der Sonne, die über den etruskischen Bergen der Toskana aufging.

Eigentlich sollte ich ja jetzt mit Elke hier sein. Doch nach dem letzten Streit war es aus. Scheiße! Mit >Mike, du bist ein Schlappschwanz< hatte sie die Tür hinter sich zugeknallt und war seitdem nicht mehr zu sehen gewesen.

Ich hatte aber ebenso die Nase voll, von ihrem Rumgezicke und Gemotze. Nicht ein Abend ging vorbei, an dem sie nicht irgendetwas fand, womit sie mich runtermachen konnte. Das Verliebt sein vom Anfang war schon lange verflogen.

Also kam mir diese Trennung eigentlich recht. So hatte ich alleine das Auto gepackt und bin in den gemeinsam geplanten Urlaub gefahren. Ja und dann kam eben das, wovor ich mich gefürchtet hatte.

Schnell merkte ich in der Nacht, beim Autofahren, wie alleine ich war. Die plötzlich aufkommende Einsamkeit tat weh und ich musste einige Zwischenstopps einlegen, weil meine Heulerei die Sicht trübte.

Und nach den drei Gläsern Rotwein, die ich gestern Abend zum Vergessen runtergeschüttet hatte, meldete sich jetzt meine Blase. Auf dem Weg zum Sanitätshaus kam ich an der Terrasse vorbei.

Hier endete das Grundstück und vor einem machte sich eine wunderschöne Aussicht auf das Tal breit. Ich hatte mit Absicht dieses Feriendomizil gewählt. Auch ein Punkt, an dem Elke herum meckerte. Ich war eben nicht dieser Ballermanntyp, der jede nacht auf einer Party absank. Tja jeder würde sagen…du bist zwanzig, als stürze dich ins volle Leben.

Meine Blase meldete sich und ich lief weiter zum Toilettenhaus.

Auch hier war noch niemand zu sehen und ich erledigte schnell den Druck, den ich spürte. Danach machte ich mich wieder auf den Rückweg zum Zelt. Nur so in Shorts, war es mir doch recht frisch.

Ich schaute mich etwas um und befand, dass meine Entscheidung hierher zu fahren richtig gewesen war. Es standen nur wenige Zelte hinter meinem und das große Haus auf dem Hügel beherbergte ein paar Ferienwohnungen.

Und dann noch der große Pool. Alles im italienischen Stil mit terrakottafarbenen Steinen hergerichtet. Wie das Haus waren auch die Zelte von Büschen und Pinien umgeben. Dann gab es noch das Sanitätshaus und ein kleines Wirtschaftsgebäude mit Waschmaschine, Kühlschrank und einer Spüle.

Der braune Mischling des Besitzers kam schwanzwedelnd auf mich zu.

„Na, auch schon wach?“, fragte ich und kraulte ihn am Kopf.

Dann trottete er weiter. Ich hielt an der Terrasse noch einmal inne und schaute ins Tal.

Thomas

Anfänglich war ich überhaupt nicht begeistert, dass mich meine große Schwester samt ihrer Freundin mit in den Urlaub schleppte. Die beiden schliefen im Schlafzimmer und ich auf der Ausziehcouch im Wohnteil.

Aber nach der Enttäuschung mit Marc…meinem Ex-Schatz, den ich mit einem Anderen im Bett erwischte, glaubte meine Schwester Jessi Samariterin spielen zu müssen. Ich solle auf andere Gedanken kommen.

Ich schlug die Decke zurück, stand auf und sofort machte sich mein Kopf bemerkbar. Gestern nach der Ankunft hatte ich ganz schön gebechert, obwohl ich wusste, ich vertrage nichts. Das einzige, an was ich mich erinnern konnte, ich hatte mich in den Schlaf geweint.

Ein neuer Tag…ein neues Leben! Dieser Satz von Iris, Jessis Freundin, hallte immer noch in meinem Kopf nach. Ein neues Leben…ein abfälliges Lächeln zierte meine Lippen. Ich hatte mit Marc so viele Pläne, doch nun war alles aus.

Leise schob ich die Tür nach draußen auf. Die Sonne war bereits aufgegangen. Mein Blick wanderte über die schöne Aussicht und blieb an einem Typ auf der Terrasse kleben. Er hatte nur Shorts wie ich an und lehnte gegen das Geländer.

Ein richtig niedliches Kerlchen, dachte ich für mich. Alles dran, was sich ein schwules Männerherz wünschte. Der breite Rücken ließ auf Sport schließen, ebenso die muskulösen Oberarme.

Ich rieb mir mit der Hand über mein Gesicht. Thomas, du bist wirklich das Letzte. Gerade frisch solo schaust du schon wieder dem nächsten Männerarsch nach. Süß und knackig war der aber allemal.

Aber die Chance, dass der Typ auch schwul war und noch solo, war gleich null – ein Wunschtraum. Sicher würde gleich eine blonde Tussi kommen und sich von ihm abknabbern lassen.

Aber es kam niemand und der Drang, ihn auch von Vorne zu sehen, wurde immer stärker. Die Neugier eben. So ging ich, wie ich war in Shorts ebenso zur Terrasse hinunter. Wie ein Deutscher sah er zumindest schon mal aus.

„Morgen!“, sagte ich.

Mike

Ich war total im Gedanken versunken, als mich jemand mit ‚Morgen’ begrüßte. Erschrocken fuhr ich herum und sah einen Typen in meinem Alter etwa vor mir stehen. Er lächelte.

„Morgen“, grüßte ich zurück.

„Auch gestern angekommen?“, fragte er.

„Ja!“

„Thomas“, meinte er und streckte mir seine Hand entgegen.

„Mike“, erwiderte ich und schüttelte sie.

Die Hand war weich und warm und doch war der Händedruck kräftig. Mir wurde bewusst, dass ich immer noch in Schlafshorts da stand und verschränkte meine Arme vor meiner Brust.

„Alleine hier?“, fragte nun Thomas weiter.

„Ja und du?“

„Mit meiner Schwester und deren Freundin. Aber du – alleine – ist das nicht langweilig?“

„Nein gerade richtig.“

Thomas verzog das Gesicht, seine Augen schienen traurig zu werden.

„Ich geh dann mal duschen“, sagte ich, nickte noch einmal und ließ ihn stehen.

Thomas

Wow! Was für ein Schnuckel! Starr stand ich da und schaute ihm hinterher. Er verschwand im nächsten Zelt und streckte mir seinen Hintern dabei entgegen. Gute Idee mit dem Duschen, denn bei dem Anblick meldete sich mein Kleiner.

Und hier draußen mit einer Mola gesehen zu werden, nein, das wollte nicht mal ich jemandem zumuten. Ich lief zurück Haus ins. Jessi und Iris schienen noch zu schlafen und so ging ich an meinen Koffer und suchte meine Duschsachen heraus.

Es dauerte eine Weile, bis meine müden Glieder endlich wach wurden. Mir fielen die vielen Duschorgien mit Marc ein, was nun auch Vergangenheit war. Jessi war schon immer der Meinung, Marc würde nicht zu mir passen.

Aber A. wer hört schon auf seine große Schwester und B. wenn man verliebt ist, schwebt man auf rosa Wolken. Na ja, nun wusste ich ja, wo ich dran war. Ich wusch meine Haare und seifte mich mehrere Male ein, bis ich von einem heftigen Klopfen unterbrochen wurde.

„Thomas, wie lange willst du noch das Bad blockieren, ich muss auf die Toilette“, hörte ich Jessi rufen.

„Gleich fertig!“

„Männer!“, war es durch die Tür zu hören.

Ohne mich abzutrocknen, band ich ein Handtuch um meine Hüften und verließ das Bad.

„Also wenn dein Bruder nicht schwul wäre…, die absolute Sünde“, hörte ich Iris sagen.

„Danke mein Herzblatt“, tuckte ich gespielt und warf ihr einen Handkuss zu.

„Iris, auch wenn mein Bruder gut aussehen würde, er ist ein Mann und Männer sind…“

„…Schweine“, fiel ich ihr ins Wort, „ich weiß Schwesterherz, das brauchst du mir nicht erzählen.“

Jessi und Iris fingen laut an zu lachen und ich verzog mich so wie ich war, nach draußen. Ein kurzer Blick auf die Umgebung…Gewissheit verschaffen…und ich löste mein Handtuch. Nackt wie ich war, legte ich mich auf die Plastikliege vor unserer Wohnung und ließ mich von der Sonne trocknen.

Mike

Die Dusche hatte ihr Ziel erreicht und mir ging es wieder gut. Total entspannt packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf den Weg zurück zu meinem Zelt. Auf das Frühstück wollte ich verzichten, hatte keinen Hunger, aber eine Tasse Kaffee musste jetzt sein.

Mein Blick fiel automatisch auf das große Haus, wo ich mir nachher meinen Kaffee genehmigen würde. Und er blieb auf der Terrasse vor der einen Wohnung kleben. Da lag Thomas…nackt.

Er sah irgendwie…schön aus. Ich konnte meinen Blick nicht von Thomas wenden. Er schien wie ich geduscht zu haben, seine Haut glänzte feucht. Auch sein schwarz gelocktes Haar klebte nass auf seinem Kopf…

…was dachte ich da gerade. Ich fand einen Typen schön. Hatte ich noch alle Tassen im Schrank? Benommen krabbelte ich in mein Zelt, zog eine Shorts und ein Tshirt aus der Tasche.

Mitten in der Bewegung hielt ich inne. Das Bild vom nackten Thomas, ging nicht aus meinem Kopf. Ich ließ mich auf meinen Schlafsack sinken. Was war denn nur los mit mir? Beim Schwimmen sah ich doch auch immer meine Kumpels nackt.

Bisher hatte ich das nie groß beachtet, aber jetzt…Thomas…Ich rieb mir mit den Händen in den Augen. Hatte mich das mit Elke doch mehr mitgenommen, wie ich mir eingestehen wollte?

Nein, ich war froh Elke loszusein, nur fühlte ich mich recht alleine. Und jetzt war da Thomas, zu dem ich mich hingezogen fühlte. Ich fand ihn schön. Ich schüttelte den Kopf, als wollte ich diesen Gedanken aus meinem Kopf katapultieren.

Ich quälte mich in die Shorts und hatte Mühe, das Shirt über den Kopf zu bekommen. Eigentlich war ich ja blöde, vor dem Zelt war das Anziehen sicherlich leichter. So krabbelte ich wieder aus dem Zelt.

Als ich endlich stand, fiel mein Blick wieder Richtung Thomas, der immer noch so da lag, wie vorhin. Magisch angezogen lief ich auf das Haus zu, immer näher an Thomas heran.

Thomas

Bevor ich hier anfing zu braten, wollte ich mir doch lieber etwas anziehen. Eigentlich war ja nur trocknen angesagt, aber in der Wärme der Morgensonne, war wohlfühlen angesagt. Ich öffnete die Augen und richtete mich auf.

Ich fuhr zusammen, als ich in geringer Entfernung Mike vor mir sah. Irgendwie schien er selber überrascht, denn er zuckte genauso zusammen wie ich. Verlegen schaute er zu Boden.

„Kaffee?“, fragte er.

„Bitte?“, fragte ich.

„Hast du Lust auf einen Kaffee?“

„Gerne, aber ich frühstücke schon mit meiner Schwester und deren Freundin.“

„Kein Problem, war nur so eine Idee.“

War da etwas wie Enttäuschung in seinem Gesicht zu lesen? Er lief einfach weiter, ohne sich noch mal umzudrehen. Eigentlich hätte ich mit ihm gehen können, aber richtig Lust darauf hatte ich nicht.

Bei Marc hatte ich alles riskiert und auch alles verloren. Kurz nach unserem Kennen lernen, war ich Verrückterweise bei ihm eingezogen. Meine alte Wohnung natürlich gekündigt. Viele meiner Freunde hatte ich wegen Marc vernachlässigt…na ja eigentlich alle.

In einer Nacht und Nebelaktion war ich bei Marc wieder ausgezogen. Die Beteuerungen, dies wäre eine einmalige Sache gewesen, hätte nichts weiter zu bedeuten, waren mir bedeutungslos geworden. Mein Herz war bereits gebrochen.

Ich hatte ihn abgöttisch geliebt, aber die paar Sekunden, zerstörten alles, was für mich wichtig gewesen war. Irgendwie hatte alles seinen Sinn verloren. Und wenn Jessi nicht gewesen wäre, stände ich wahrscheinlich immer noch auf der Strasse.

Es war reiner Zufall, dass sie mich aufgegabelt hatte…wenn nicht, dann…Nein ich wollte diesen Gedanken nicht weiter denken. Jetzt saß ich hier und machte Urlaub. Vor allem saß ich nackt hier. Ach du Scheiße…vor Mike eben war ich auch nackt gewesen.

Mike

Was hatte mich nur geritten, diesen Thomas zu fragen, ob er mit mir einen Kaffee trinken wollte. Ich schüttelte den Kopf. Ich kannte ihn doch gar nicht. Das Bild erschien in meinem Kopf, wie er nackt vor mir lag.

Was hatte der Typ an sich, was mich so durcheinander brachte. Ich hatte noch nie erlebt, dass mich ein KERL durcheinander brachte. Ich ging ins Hauptgebäude, wo sich neben einem kleinen Kaufladen ein kleiner Kiosk befand.

Aber auch, was mir besonders gefiel, einen Thekenimbiss. Für wenig Geld gab es Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Ich setzte mich auf einen Hocker und studierte die kleine Karte. Hunger hatte ich ja noch keinen.

Die Bedienung kam und ich bestellte mir einen Kaffee. Ich legte die Karte wieder zurück und grübelte darüber nach, was ich mit dem heutigen Tag anfangen sollte. Ich angelte mir eine Zigarette aus der Schachtel und steckte sie mir an.

Da ich gestern soviel gefahren war, wollte ich heut nicht schon wieder mit dem Auto wegfahren, den Strand sah ich bestimmt noch früh genug. Und wenn ich es mir recht überlegte, alleine machte es wahrscheinlich auch keinen Spass.

So entschloss ich mich, mich später an den Pool zu legen. Aber vorher wollte ich doch noch kurz in den Ort, um mir einige Sachen zum Essen und zum Trinken zu besorgen. Das musste sein. Die Bedienung brachte meinen Kaffee, den ich auch gleich bezahlte.

Ich dachte an die Fahrt gestern, als ich an meinem Kaffee nippte. Mehrere Staus durch Baustellen hatten mir mehr Zeit gekostet, als ich eingeplant hatte. Und dann immer wieder diese Pausen, wo ich einfach anhalten musste.

Wo ich hinter meinem Lenkrad saß und heulte. Immer wieder kam die Szene mit Elke in den Sinn. Dieser >Schlappschwanz< hallte in meinem Kopf nach. Lachen riss mich aus den Gedanken, was vielleicht auch besser so war.

Thomas kam mit zwei Mädels den Weg herauf gelaufen.

„Wie du willst nur einen Kaffee? Bruderherz, du bist eh zu dünn, du solltest auch was essen!“, meinte die Eine.

„Also ich gefalle mir so wie ich bin! Ich weiß gar nicht was du hast, Jessi. Soll ich etwa wie der typische Deutsche rumlaufen, offenes Hemd und Bierbauch?“, antwortete Thomas.

Thomas

„Nein, bloss nicht. Davon laufen schon zu viele herum“, meinte Iris.

„Siehste!“, begann ich, „deswegen esse ich heut Morgen nichts…, nein Scherz beiseite, ich habe wirklich keinen Hunger.“

„Also ich bestell mir etwas Süßes, das brauche ich jetzt“, sagte Jessi.

„Deine Schenkel werden es dir danken, Schwesterherz“, kicherte ich.

„Arsch!“

„Gestatten Thomas!“, sagte ich und salutierte wie ein Soldat.

Jessi schüttelte den Kopf und mir brachte es einen kleinen Hieb auf den Hinterkopf ein, was wiederum Iris belustigte. Ich ließ meinen Blick wandern und entdeckte Mike an der Theke. Er wischte sich über die Augen und lächelte anscheinend über unser Gespräch.

Man sollte sich halt nicht mit der älteren Schwester anlegen, schon gar nicht ihre Figur erwähnen. Wir hatten die Theke erreicht.

„Hallo Mike“, sagte ich und er nickte mir zu.

„Also wirklich, kaum lässt man dich alleine, baggert er schon fremde Kerle an“, sagte Jessi empört.

Für diesen Satz hätte ich ihr jetzt am liebsten die Gurgel herumgedreht. Vorwurfsvoll schaute ich sie an und Iris stimmte in ein weiteres Gekicher ein. Ich setzte mich neben Mike, Iris neben mich und Jessie?

Sie setzte sich ebenso neben Mike. Keine Chance ihn vor meiner großen Schwester zu beschützen. Mike hatte sich wieder seinem Kaffee zugewendet, während ich wie die anderen die Karte zu studieren begann.

„Hallo Mike, ich bin Toms große Schwester“, hörte ich Jessi plötzlich sagen.

„Hallo“, erwiderte Mike leise.

„Und das ist Iris, eine Freundin von mir“, sprach sie weiter.

Mike nickte in ihre Richtung.

„Und du? Alleine hier?“

„Das kann ein Segen sein!“, rutschte es mir raus und Iris kicherte schon wieder.

„Ja, bin ich“, antworte Mike.

Er trank seine Kaffee aus und stand auf. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ging er einfach.

„Was ist denn mit dem los, habe ich etwas Falsches gesagt?“, fragte Jessi und schaute ihm hinter her.

„Nicht jeder erträgt deine Wortwasserfälle am Morgen!“, antwortete ich.

Iris kicherte weiter und ich seufzte.

„Da ist etwas anderes, hast du nicht gesehen, wie traurig der guckte?“, fragte Jessi.

„Klar ist mir das aufgefallen und was soll ich deiner Meinung nach tun?“, fragte ich.

„Hinterher gehen, ihn trösten.“

„Aber sonst geht es dir noch gut, Schwesterchen? Ich weiß ja nicht mal ob er mit mir reden will. Und dass der Typ nicht schwul ist, das sieht man doch meilenweit voraus!“

„Wie kannst du dir so sicher sein? Hä? Also er sieht doch wirklich absolut süß aus, findest du nicht?“

„Jessi hör auf, mich verkuppeln zu wollen!“

„Will ich ja gar nicht, ich sehe halt nur nicht gern, wenn jemand traurig herum läuft. Ich glaub, ich geh mal zu ihm.“

„Nein bloss nicht. Okay, ich gebe mich geschlagen, aber nur, damit du ihn nicht in Grund und Boden redest.“

Ich weiß nicht, wie sie es immer schafft, aber sie hatte mich wieder herum gekriegt, etwas zu machen, was ich eigentlich nicht wollte. Jessi grinste mich nur an, als ich aufstand.

„Den nächste Kaffee für mich zahlst du!“, meinte ich noch und folgte Mike.

Mike

Nach diesem Hühnergegacker war mir jetzt wirklich nicht. Nein, davon hatte ich die Nase gestrichen voll.

„Mike?“

Ich drehte mich um und Thomas folgte mir. Was soll das nun werden.

„Ja?“

„Sorry, wenn dir meine Schwester auf den Keks gegangen ist“, sagte er, als er mich eingeholt hatte.

„Schon gut.“

So liefen wir nun beide neben einander.

„Alles klar mit dir?“, fragte Thomas plötzlich.

Ich schaute auf und ihm in die Augen.

„Ich meine…du guckst so traurig…hast du geweint.“

„Wenn du es wissen willst, ja ich hab geheult“, meinte ich genervt.

„Oh…sorry, ich wollte dir nicht zu Nahe treten.“

„Was willst du?“, fragte ich und blieb stehen.

Zugegeben, meine Reaktion war jetzt etwas zu heftig, aber es wirkte. Thomas hielt den Mund und starrte mich an.

„Sorry, ich bin eben scheiße drauf und nicht interessiert an irgendwelchen Gefasel mit deiner Schwester.“

„Verständlich!“

„Bitte?“

„Da verstehe ich dich voll und ganz. Manchmal ist meine Schwester einfach nicht zu ertragen.“

Ein leichtes Lächeln zierte seinen Mund.

„Und wie sieht es mit mir aus?“, fragte Thomas.

„Was meinst du?“

„Ob du meine Gegenwart auch nicht ertragen kannst?“

„Das habe ich nicht gesagt…“

„Lust ein Stückchen zu laufen?“

Ich sah mich um. Um das Haus waren viele Olivenhaine, aber auch Wege in verschiedene Richtungen.

„Warum nicht…“, gab ich mich geschlagen.

Also liefen wir am Parkplatz vorbei, den Weg hinauf, auf die nächste Anhöhe. Wir schwiegen uns an. Jeder schaute auf seinen Weg vor sich. Ich hatte mit meinen Turnschuhen weniger Probleme damit, während Thomas nur Flip Flops trug.

Der steinige Weg tat sein übriges. Aber so lange er nichts sagte und weiterlief, sagte ich auch nichts. Der Weg stieg nun etwas mehr an und wir beide schnauften um die Wette. Es dauerte nicht lange und wir erreichten die Anhöhe.

Beide ließen wir uns auf einen gefällten, dicken Stamm am Wegesrand fallen.

„Hier ist es wirklich schön“, sagte Thomas und schaute Richtung Meer hinunter.

Mein Blick fiel ebenso in das Tal hinunter. Am Horizont konnte man die Berge um Livorno erkennen.

„Willst du heute auch noch ans Meer?“, fragte Thomas.

„Ich weiß nicht…, so alleine…“

„Und wie wäre es mit…“

„Nein, nicht mit deiner Schwester“, fiel ich ihm ins Wort.

„…mit mir?“, beendete Thomas grinsend seine Frage.

„Ähm ja…“

„Also, das wollte ich dir wirklich nicht antun, mit meiner Schwester an den Strand zu müssen und über diverse Damenmoden der Bikiniwelt zu sinnieren. Oder womöglich über figurbetonte Herren und Damen lästern.“

„Nein, dazu reichst du mir voll und ganz!“, meinte ich und begann zu Lachen.

„Also abgemacht, dann fahren wir zwei heute Mittag zum Strand.“

*-*-*

So saßen wir beide am Strand, fast alleine, bei den Dünen waren nicht viele Leute. Wir hatten es uns auf den Handtüchern bequem gemacht. Während Thomas schon seine Badeshorts anhatte, saß ich immer noch in meinen Klamotten da. Wieder schaute ich in die Ferne und verlor mich in meinen Gedanken.

„Probleme?“, fragte Thomas.

„So gesehen nicht mehr“, antwortete ich.

Thomas

Da saß dieser wunderhübsche Kerl neben mir, schaute traurig in die Ferne. Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen, aber davon ließ ich lieber ab. Ich wusste ja nicht mal, wie er auf mein Schwulsein reagierte.

„Meine Freundin, mit der ich zwei Jahre zusammen war…, hat eine Woche vor dem Urlaub Schluss gemacht“, sagte Mike leise, ohne seine Blickrichtung zu ändern.

„Hast du etwas angestellt?“, fragte ich, ohne darüber nach zudenken, was ich da gerade gefragt hatte.

Die Rechnung kam gleich, Mike schaute mich vorwurfsvoll an.

„Sorry, ich war eben von mir ausgegangen. Nicht jeder erwischt seinen Partner mit jemand anderem im Bett. Ich müsste meine Frage also umformulieren,…was hat ihr denn an dir nicht gefallen?“

„Alles.“

„Verstehe ich nicht.“

Mike schaute mich an.

„Du hast dich auch von deiner Freundin getrennt, hast sie erwischt?“

„Ähm…na ja, wie soll ich das sagen, ohne zu riskieren, dass du eventuell sauer auf mich bist.“

„Wieso sollte ich sauer sein, wenn wir über unsere Verflossenen reden?“

„Da besteht das kleine Problem…, ich habe keine Verflossene…“

„Hä?“

„Ich habe einen Verflossenen…?“

„Aha…“, meinte Mike, als könnte er damit jetzt nichts anfangen.

„Ich bin schwul…“

„Ja, schon kapiert…“

Erst sah er mich kurz durchdringend an, um dann wieder aufs Meer zu schauen. Er pfriemelte eine Schachtel Zigaretten aus der Shorts und hielt sie mir hin. Ich schüttelte den Kopf. Er zog sich selbst eine heraus, steckte sie an und ließ die Schachtel wieder verschwinden.

„Du bist jetzt nicht irgendwie schockiert?“, fragte ich.

„Nein, wieso?“

„Ich dachte nur.“

Er zog an seiner Zigarette und stierte weiter gerade aus.

„Und…wie ist das so…mit einem Mann?“, fragte Mike plötzlich.

„Wie soll das schon sein? Nicht anders, als wenn man eben eine Frau liebt…“

„Aha…“

Wieder dieses vielsagende und doch tödliche >Aha< von ihm.

„Und wann bist du schwul geworden?“ fragte er nun.

Ich hasste diese 0815-Frage.

„Wann hast du bemerkt, dass du hetero bist?“, stellte ich die Gegenfrage.

Er grinste verlegen.

„1:0 für dich…, sorry, hab nicht nachgedacht.“

„Mit fünfzehn merkte ich, dass mich Junges mehr interessieren, wie die Mädchen aus meiner Klasse.“

„Daran merkt man, dass man schwul ist?“

„Nicht nur. Es ist die komplette Reaktion deines Körpers…, deines Denkens und deines Handelns.

„Aha…“

Wenn er jetzt noch einmal >aha< sagt, drück ich ihn ungespitzt in den Boden!

„Und? Bist du auch schwul?“, fragte ich nur so aus Spaß.

Entsetzt sah er mich an. Wieder sah er hinaus zum Meer. Wir waren etwas später losgefahren und so war der Strand dabei, sich zu leeren.

„Ich weiß nicht…was ich bin…wer ich bin. Schlappschwanz hat meine Ex mir nach geschrieen.“

Ich schwieg, denn ich wusste sowieso nicht, was ich darauf sagen sollte.

„Ich weiß nur, dass es unheimlich weh tut, hier drin“, er zeigte sich aufs Herz, „ich fühle mich plötzlich so einsam…und traurig.“

Sein Kopf sank nach unten und ich sah, dass einige Tränen zu Boden tropften. Oh bitte nicht, sonst mache ich gleich mit. Der Weltmeister im heulen!

„Ist es nicht immer so, wenn eine Freundschaft kaputt geht…eine Partnerschaft? Jedenfalls bei einem von beiden.“

„Ich weiß es nicht…, es war meine erste Freundin…und wenn ich es recht bedenke…ich will auch keine mehr…“

Oha, was hören da meine Ohren.

„Wenn das jedes Mal so weh tut…wenn etwas zerbricht, dann bleib ich lieber alleine.“

Er atmete tief durch und schluchzte. Jetzt konnte ich meinem Drang nicht widerstehen und legte meinen Arm um ihn. War das der typische mütterliche Beschützerinstinkt? Wenn die Sache an sich nicht so traurig und todernst gewesen wäre, hätte ich schallend losgelacht.

So verkniff ich mir ein Lächeln und merkte wie sich Thomas an mich lehnte.

„Ist es bei euch Schwulen auch so…habt ihr auch so Schweine, die euch das Herz brechen?“

Hatte der Junge ein Problem mit Schubladendenken? Wie sich das schon anhörte >euch Schwulen<.

„Ähm Mike…, das einzige was uns zwei unterscheidet…du steckst deinen Schwanz vorne rein…ich hinten…okay?“

Ups…da hatte ich mich wohl etwas weit hinausgelehnt. Ein solcher Satz, von meinen Lippen. Wieder schaute er mich entsetzt, aber auch irgendwie neugierig an.

„Tut das nicht weh?“

Bitte? Ich verschluckte mich an meiner eigenen Spucke und begann zu Husten.

„Sorry…ich wollte dir nicht zu nahe treten“, meinte Mike und legte seine Hand auf meinen Schenkel.

Ist der des Wahnsinns… tu die Hand da runter! Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter. An allen Stellen des Körpers bekam ich Gänsehaut. War hier irgendwo eine Steckdose? Der Typ setzte mich unter Strom.

„Ähm…nicht…äh bist du nicht“, stotterte ich zusammen und spürte, wie sich Blut an einer Stelle sammelte, die mir jetzt recht peinlich war.

Er schaute mich an, als würde er auf etwas warten. Seine feuchten Augen glänzten in der Spätsonne. Oh Scheiße war der Kerl gut! Ich zerging wie Butter – nimm mich, ich bin dein!

„Ist alles in Ordnung mit dir? Du siehst aus, als hättest du Schmerzen?“, fragte Mike.

Schmerzen? Ich? Ich will dich sofort! Oh Shit, meine Sicherungen drohten durchzuschmelzen.

„Nein, alles im grünen Bereich!“

„Ich glaube, ich gehe mal ins Wasser“, sagte Mike und stand auf.

Er zog sich das Shirt über den Oberkörper und streifte seine Turnschuhe ab. Oh Gott, was für eine Schönheit…bloss nicht sabbern. Der Knopf der kurzen Hose folgte und schwup…die Hose rutschte nach unten.

Mir stockte der Atem. Was war das hier? Wie quäle ich den kleinen Thomas? Der Typ war echt wahnsinnig…hatte der doch nur noch einen knappen knallroten Slip an. Ich schluckte und kam nicht mehr aus dem Starren heraus.

„Kommst du mit?“, fragte Mike und drehte sich zu mir.

Es waren vielleicht noch zwanzig Zentimeter zwischen Badehose und meinem Gesicht. Deutlich konnte ich die Beule sehen.

„Wer erster unten ist“, schrie ich und hechtete nach vorne und rannte los.

Wie ein Gestörter heizte ich über den Strand und sprang mit einem Kopfsprung ins Wasser. Aaaaaaaaaaaaah…war das kalt!

Mike

Was war nur los mit ihm. Wie von einer Tarantel gestochen, rannte Thomas zum Wasser und sprang hinein. Ich war zu sehr überrascht, über seine Reaktion, denn ich stand immer noch an unseren Handtüchern.

Gemächlich folgte ich ihm nun und sah wie er auftauchte. Er warf seinen Kopf nach hinten und strich sich das Wasser aus dem Gesicht. Mittlerweile war ich auch am Wasser angekommen, eine kleine Welle umspülte meine Füße.

Etwas frisch für mein Gefühl.

„Bisschen kalt“, meinte ich.

„Man gewöhnt sich schnell daran“, meinte Thomas, der sich nun selbst umarmte.

War wohl doch noch etwas gewöhnungsbedürftig. Irgendwie war die Traurigkeit verschwunden. Ich war am Meer, fühlte mich wohl und…ja wenn dieses ‚Und’ nicht wäre. Langsam Schritt für Schritt lief ich zu Thomas.

Dieser Thomas, der bei mir im Kopf für Verwirrung sorgte. Ich war gerne mit ihm zusammen. Aber der Gedanke, vielleicht schwul zu sein, erschreckte mich. Es warf mein ganzes Weltbild durcheinander.

Und doch kam es mir wiederum vertraut vor, würde viele Dinge erklären. Unschlüssig und kaum fähig, jetzt einen klaren Gedanken fassen zu können, lief ich langsam ins Wasser, wo Thomas auf mich wartete.

Es war wirklich saukalt. Jedenfalls im ersten Augenblick. Genauso verfroren wie Thomas stand ich nun dicht bei ihm. Wir schauten uns in die Augen und waren beide am Zittern. Dann, wie aus heiterem Himmel, kam Thomas auf mich zu, nahm mich in den Arm und küsste mich.

Ich stand erstarrt da, spürte seine warmen Lippen auf den meinen. Eine plötzliche Wärme erfasste meinen Körper, wie ich sie noch nie gespürt hatte.

Es war schön und doch…ich stieß Thomas von mir weg, lief so schnell wie möglich aus dem Wasser.

„Mike warte…entschuldigte“, rief er mir hinterher und folgte mir.

Ich schüttelte nur den Kopf und ging weiter zu unseren Sachen. Thomas holte mich ein und zog an meinem Arm. Ich drehte den Arm weg, um seinen Griff zu entkommen.

„Fass mich nicht an“, herrschte ich ihn an.

„Oh, jetzt eins auf homophobes Arschloch?“

Ich bremste ab, drehte mich um und scheuerte ihm eine. Starr stand er da und funkelte mich an. Plötzlich sprang er los und riss mich um.

„Wenn du meinst, ich lasse mich einfach so von dir schlagen, dann bist du schief gewickelt“, schrie er und nahm meinen Kopf in den Schwitzkasten.

„Du bist doch der, der schief gewickelt ist“, keuchte ich und versuchte krampfhaft, mich zu befreien.

„Ja und du bist die Vorzeigehete schlechthin!“

Sein Griff lockerte sich kein bisschen, so hatte ich nur die Chance, mich mit meinen Beinen zu wehren. Ich klammerte meine Beine um seine und drückte fest zu. Er schrie laut auf und sein Griff lockerte sich.

Ich zog den Fuß an und trat nach ihm…erwischte seinen Magen. Mit einem Stöhnen schleuderte er von mir weg.

„Bist du noch ganz normal?“, schrie er mit heißerer Stimme und krümmte sich vor Schmerzen.

Schwer keuchend setzte ich mich auf.

„Warum hast du mich geküsst“, fragte ich tonlos.

„Weil mir danach war, du Arschloch…Verzeihung, wenn ich Mister Hetero zu nahe getreten bin“, antwortete Thomas sauer.

„Ich bin nicht schwul“, meinte ich trotzig, „das kann nicht sein…“

„Wieso nicht?“, fragte Thomas und richtete sich ebenso auf.

„Das darf nicht sein!“, sagte ich und spürte schon die ersten Tränen kullern.

„Warum?“

„Weil es unnormal ist…, jeder sagt das…“

„Danke…ich bin unnormal…“

„So habe ich das nicht gemeint“, sagte ich weinerlich.

„Aber gesagt“, kam es von Thomas eisig, „guck mich an. Was ist so anders an mir, als an dir. Nur weil ich eben Männer liebe, mich nach einer kräftigen Umarmung sehne…nach einem Mann, der mich liebt? Du hattest bisher die gleichen Gefühle wie ich für eine Frau, was ist da der Unterschied?“

Thomas redete sich in Rage, während ich da saß wie eine kleine Heulsuse.

„Wir machen sogar das gleiche im Bett miteinander…nur der kleine Unterschied…es ist ein anderes Loch! Und das ist für dich unnormal?“

Ich schüttelte den Kopf und schluchzte.

„Sorry, wenn ich mich in dich verguckt habe…“, hörte ich Thomas noch sagen, bevor er weiter stampfte.

Ich sah hoch und bekam noch mit, wie er in den Dünen verschwand. Langsam rabbelte ich mich auf und folgte ihn. Es dauerte nicht lange, da fand ich ihn neben einen Busch sitzend und auch er weinte.

„Tut mir Leid, Thomas…, das ist alles so neu und unbegreiflich für mich…“

Er reagierte nicht. Ich lief vor ihn hin und ließ mich auf die Knie fallen. Er hatte seine Beine angezogen, darüber seine Arme verschränkt und seinen Kopf drin vergraben.

„Seit ich dich kennen gelernt habe, fühle ich mir zu dir hingezogen. Ich konnte meine Augen nicht von dir lassen…fühlte mich wohl in deiner Nähe…bin ich deswegen gleich schwul?“

Thomas hob den Kopf und schaute mich mit seinen verweinten Augen an.

„Mike, vergiss es einfach, es war eine saudumme Idee von mir…lass uns einfach zurückfahren“, meinte er leise.

„Hallo…eben bist du mir noch an den Kragen und jetzt kuschst du dich so einfach? Ich werde nicht aus dir schlau. Wo ist dieser so selbstsichere Kerl, der mir imponiert hat?“

„Eben im Wasser ersoffen“, hörte ich ihn brummeln.

Ich musste grinsen…seinen Humor hatte er nicht verloren.

Thomas

Das hatte ich nun davon, weil ich den Verstand abschaltete und auf mein Herz hörte…oder war es mein Schwanz? Scheiße, wie konnte mir sowas passieren? Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Arm.

„Könnten wir noch mal von vorne anfangen und das langsam angehen? Ich weiß nicht was ich bin, Thomas. Ich bin mit meinen Gefühlen hin und her gerissen. Klar fand ich den Kuss vorhin schön, aber ich habe bisher noch nie einen Kerl geküsst, geschweige denn mich einer.“

Ich schaute auf und sein Gesicht war ganz dicht. Seine Finger streichelten ganz sanft auf meinem Oberarm. Oh Junge, du machst mich ganz kirre! Mike sah mich nur fragend an und erwartete anscheinend, dass ich was sage.

„Was ist daran so…schlimm für dich?“, fragte ich leise.

Er legte seine Kopf schief und legte diesen >ich schmelze dich jetzt< Blick auf.

„Es war nicht schlimm. Es war neu und ungewohnt…ich bin erschrocken…vielleicht über mich selbst, weil ich es schön fand.“

Seine Stimme war jetzt so sanft, beruhigte mich ungemein.

„Und was machen wir jetzt?“, fragte ich mit zittriger Stimme.

Er stand auf und hob mir seine Hand hin.

„Erst mal zu unseren Sachen zurückgehen. bevor sie nicht mehr da sind.“

Ich ergriff seine Hand und er zog mich hoch. Wieder standen wir ganz dicht beieinander, unsere Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter.

Scheiße, ich hatte mich in den Kerl verliebt. Der Typ hatte mich schlichtweg in der Hand. Betreten stand ich vor ihm, keines Wortes mächtig. Diesmal war er es, der die Initiative ergriff.

Schüchtern hob er die Hand, legte sie um meinen Nacken und zog mich in Zeitlupe, jedenfalls schien mir das so, an sich. Er schloss die Augen und wenige Sekunden später trafen sich unsere Münder.

Diesmal fühlte es sich anders an, als beim ersten Mal. Keine Starrheit seiner Lippen. Ich spürte plötzlich seine Gefühle, seine Unsicherheit. Mike zitterte am ganzen Körper. Für mich das Zeichen, endlich meine Starre zu durchbrechen und selbst aktiv zu werden.

Langsam hob ich meine Arme und legte sie vorsichtig um Mike. Er vergrub sein Gesicht in meiner Schulter.

„Angst?“, fragte ich.

Er nickte fast unmerklich.

„Vor was?“

Er hob den Kopf und sah mich wieder an.

„Ich weiß es nicht…, ich weiß nicht was passiert, was auf mich zukommt.“

Ich drückte Mike etwas von mir weg und legte meine Hände auf meine Schultern.

„Hör mal, Mike. Ich hab nie vor, dir irgendetwas anzutun…will nichts machen, wobei du dich unwohl fühlst…das vorhin war ein Ausrutscher! Tut mir leid…entschuldige.“

„Schon gut. Es ist ja nicht so, dass ich nicht neugierig wäre…“

„Aber?“

„Dieses Unbehagen…und gleichzeitig fühle ich mich wiederum wohl in deiner Nähe.“

Wir hatten unsere Sachen erreicht und Mike ließ sich auf sein Handtuch fallen. Ich setzte mich gemächlich daneben. Er rollte zur Seite und stütze seinen Kopf mit der Hand ab. Ich konnte nicht anders, als seinen Prachtkörper von neuem zu betrachten.

Natürlich bleiben meine Augen auf seinem roten Minislip hängen, unter dessen Stoff sich nun eine größere Beule als vorher abbildete. Wieder musste ich schwer schlucken. Mike folgte meinem Blick und begann verlegen zu kichern.

„Ich kann nichts dafür… er fängt einfach an zu wachsen…“, sagte Mike.

Oha, erwischt. Nun trieb es mir die Röte ins Gesicht. Mike rückte etwas näher und legte seine Hand wieder auf meinen Schenkel.

„Ich fühl mich unbehaglich, wirklich… aber in mir drin brodelt es gerade… verlangt nach mehr.“

Ich verfloss fast bei diesen Worten. Mike hatte sie sehr leise und etwas tiefer als normal klingen lassen. Diese Stimme war so erotisch. Klein Thomas stieg in null Koma nichts in Kingsize Position.

Ich konnte nicht anders und beugte mich zu ihm hinunter und küsste Mike. Diesmal war nichts mehr von Schüchternheit zu spüren. Er hatte sofort seine Hand auf meinem Nacken und zog mich noch näher zu sich.

Ich verlagerte meine Haltung vom Sitzen ins Liegen. Was ich nicht gedacht hätte, traf nun ein. Mike lag plötzlich halb auf mir. Sein Kuss wurde fordernder. Meine Hand wanderte über seinen Rücken, seine warme weiche Haut.

Ich konnte ihn leise brummen hören, was mich irgendwie noch zusätzlich antörnte.

„Mike du musst… das nicht…“

„Ich will aber“, stöhnte er mir ins Ohr.

Hart rieben unsere Erregungen aneinander. Meine Hand wanderte hinunter, schuf sich einen Weg unter dem Gummi des Slips. Sanft knetete ich seinen Hintern. Mike stöhnte auf und drückte sein Kreuz durch.

Er nun auch mutiger, wanderte in meine Badeshorts. Erst etwas zaghaft, aber als er dann mein kochendes Fleisch zu fassen bekam, war es um ihn geschehen. Seine Zunge bohrte wie wild in meinem Mund, tobte mit meiner Zunge.

Hart umgriff er meinen Schwanz und begann ihn zu reiben. Aber ich wollte noch nicht so schnell kommen, wollte diesen Augenblick mit ihm noch länger genießen. Sanft drückte ich ihn von mir weg.

Enttäuscht schaute er mich an.

„Gefällt es dir nicht?“, fragte er traurig.

„Eher das Gegenteil…“, keuchte ich.

Mein Blick fiel auf seinen engen Slip. Was ich da zu sehen bekam, hatte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Sein Schwanz war so riesig, dass sich bereits seine Eichel über den Bund schob.

Munter tropfte sie vor sich hin. Schnell hatte ich meine Short abgestreift und er tat dasselbe. Ich konnte nicht anders und beugte mich nach vorne, um mir dieses Prachtteil in den Mund zu schieben.

Kaum hatte ich meine Lippen um Mikes Eichel gelegt und mit der Zunge begonnen, die Eichel zu bearbeiten, warf sich Mike stöhnend nach hinten. Seine Hand suchte wieder meinen Schwanz, griff hart nach ihm und begann wieder zu reiben.

Wir waren beide so überfällig, so gereizt, dass wir beide schon nach kurzer Zeit zusammen kamen. Laut stöhnend, Schub um Schub spritze er mir in den Rachen und ich feuerte nicht weniger ab. Beide zuckten wir um die Wette und Mikes Fluss schien nicht aufhören zu wollen.

Irgendwann ließ ich mich erschöpft neben Mike fallen, der mich anlächelte.

„Ist das jedes Mal so geil?“, keuchte er.

„Es wird immer besser“, keuchte ich zurück.

Ich setzte mich auf und Mike ebenso. Auf Mikes gebräunter Brust, waren deutlich die Spuren meines Ergusses zu sehen. Seine Hand strich über meinen Schenkel, was in mir ein wunderschönes Kribbeln verursachte.

Ich zog die Augenbrauen hoch, als ich Mikes Ständer sah, der nicht wie vermutet zusammengefallen war, sondern immer noch wie eine Eins stand.

„Kann es sein, das hier jemand ausgehungert ist?“, fragte ich und griff nach seinem Schwanz.

Ein breites Grinsen zierte plötzlich sein Gesicht und er zog mich zu einem weiteren Kuss heran, Dieser innige Kuss und Mikes forschende Hände bescherten mir einen weiteren Blutstau zwischen den Beinen.

Mike zog mich wieder auf das Handtuch herunter und ich legte meinen Kopf auf seine Schulter. Seinen muskulösen Oberarm hatte er dabei um mich gelegt. Meine Hand ruhte auf seinem Schwanz, spielte sanft mit der Vorhaut.

„Bin ich jetzt schwul?“, kam plötzlich die Frage.

Ich hob meinen Kopf und sah in seine Augen, die recht traurig schienen.

„Wie kommst du jetzt da drauf?“, fragte ich.

„Also… ähm… ich hatte eben einen tierischen… Orgasmus, wegen dir. So was habe ich noch nie erlebt…und es hat mir gefallen.“

„Nur weil du mit einem schwulen etwas Sex hattest, bist du nicht schwul?“

„Aber es war ja nicht nur der geile Sex von eben. Thomas, als ich dich heute Morgen nackt auf dieser Liege gesehen habe… meine Gefühle spielten plötzlich verrückt.“

„Ich verstehe, was du meinst.“

„Du bist der erste Mann überhaupt, den ich so wahrgenommen habe. Beim Sport habe ich ständig nackte Kollegen gesehen, aber keiner hat mich interessiert.“

„Nie auf deren Schwänze geguckt?“

Mike lächelte verlegen.

„Jetzt wo du das sagst…“

„Und was hast du dabei gedacht?“, fragte ich.

Mike

Oh toll, was habe ich gedacht.

„Ich weiß es nicht mehr“, antwortete ich.

Thomas’ sanfte Massage an meinem Schwanz blieb nicht unbemerkt. Tief in mir begann erneutes leichtes Kribbeln.

„Thomas…“, ich stöhnte leicht auf, „wenn du so weiter machst, kommt es mir noch mal.“

Thomas verstärkte den Druck seiner Hand und begann nun an meinem Schwanz zu reiben.

„Tom…stöhn… waa is das geil“, presste ich hervor.

„Genieß es in vollen Zügen“, brummte er mir ins Ohr.

Danach versenkte er seine Zunge in meinem Rachen. Ich spürte wie meine Schenkel sich anspannten… ich die Luft anhielt und doch laut zu stöhnen begann. Tom hatte seine Geschwindigkeit erhöht.

Kräftig rubbelte er an meinem Teil und ich begann unkontrolliert zu zucken. Wow, war das geil Toms Hand an meinem Schwanz zu spüren, seine Zunge die mit meiner tobte. In mir zog sich alles zusammen.

Ich konnte nur noch stoßweise atmen.

„Tom …. Ich glaub, ich komm gleich…“, presste ich nur noch hervor.

In mir schien ein Vulkan ausgebrochen zu sein. Mein ganzer Körper brodelte, die Kraft schien sich in meinem Schwanz zu sammeln. Ich stöhnte auf und begann abzuspritzen.

„Wow Mike, dass sind ja Fontänen“, hörte ich Tom aus der Ferne.

Mein ganzer Körper zuckte nur noch, ich stöhnte die Lust aus mir heraus… es schien kein Ende zu nehmen. Tom rieb so stark wie zuvor und so langsam war das Gefühl unerträglich, wenn er mit der Handfläche über meine Eichel fuhr.

Ich griff nach seiner Hand und er stoppte. Wenige Sekunden später spürte ich aber etwas anders Weiches. Ich öffnete benommen die Augen und schaute nach unten. Tom hatte bereits wieder meinen Schwanz im Mund, um auch noch die letzten Tropfen zu bekommen.

Ich zitterte wieder am ganzen Körper, aber Toms Art beruhigte mich.

*-*-*

Auf wackligen Beinen lief ich mit Tom zum Auto zurück.

„Und was wird jetzt werden?“, fragte ich „… wo kommst du eigentlich her?“

Fragend schaute ich ihn an.

„Was meinst du“, fragte mich Thomas und schloss den Kofferraum seines Wagens auf.

„Was aus uns beiden wird…“

Eine gewisse Traurigkeit spielte in meiner Stimme mit, aber ich hoffte Thomas würde das nicht bemerken.

„So gesehen weiß ich überhaupt nichts über dich Tom…, wo kommst du überhaupt her?“

„Passau.“

So weit weg…

„Du sprichst aber kein bayrisch.“

„Wieso, wos megst an etz vo mia hean?“

Ich musste grinsen.

„Ich rede aber lieber hochdeutsch, macht mir mehr Spass… und wo kommst du her?“

„Aus einem kleine Kuhdorf, oberhalb von Heidelberg.“

„Aha…“

„Gib zu, du weißt nicht wo Heidelberg liegt.“

Tom schüttelte verlegen den Kopf.

„Kennst du Karlsruhe in Baden-Württemberg?“

„Öhm ja…“

„Mannheim liegt grob etwas oberhalb von Karlsruhe.“

„Ganz schön weit weg“, bemerkte Tom.

Ich seufzte nur.

„Du Mike… ich weiß… das geht jetzt alles bisschen schnell.“

Auf was wollte er nur hinaus?

„Könntest du dir ein Leben mit einem Mann vorstellen?“

Ich schaute ihn entgeistert an.

„Gut an deiner Reaktion seh ich schon…, vergiss die Frage einfach wieder“, sagte Tom und ließ mich stehen.

„Jetzt lauf doch nicht weg! Darf ich darüber erst mal nachdenken?“, rief ich ihm vorwurfsvoll hinterher.

Abrupt blieb Tom stehen und drehte sich um.

„Du bist schon vielleicht dein ganzes Leben schwul, denkst und fühlst so“, redete ich weiter, „tut mir leid, wenn ich nicht so denke… oder noch nicht. Tom für mich ist das wirklich zu schnell. Alles ist total neu für mich“

Tom schaute mich traurig an, denn ich war etwas laut geworden bei meinen Ausführungen, aber in mir drin brodelte es.

„Mag sein, dass ich eben in der Sache etwas naiv bin, etwas länger brauche. Ich kann nicht einfach sagen, ich liebe dich, will bei dir sein.“

Seine Augen wurden noch trauriger.

„Tom bitte, verstehe mich jetzt nicht falsch! Klar mag ich dich und ich spüre auch Dinge in mir, die mir total fremd sind, die aber alles irgendwie etwas mit dir zu tun haben. Ich brauche Zeit… verstehst du das?“

Tom nickte, sagte aber kein Wort. Eine einzelne Träne löste sich von seinem Auge.

Thomas

Ich weiß nicht, was mich geritten hatte, ihn so etwas zu fragen. Ich hatte mich in Mike verliebt, das war mir jetzt klar. Aber über eine eventuelle Zukunft nachzudenken – sowas brachte auch nur ich fertig.

Ich kämpfte gegen meine Tränen. Mike stand vor mir und schaute mich an.

„Tom, es ist nicht so, dass ich mich in den letzten vier Stunden nicht wohl gefühlt habe. Um ehrlich zu sein, es waren die vier schönsten Stunden, die ich seit langem erleben durfte. Ich brauche aber Zeit, um das alles für mich zu verarbeiten.“

„Vergiss es einfach… okay Mike… ich hatte da eine verrückte Idee im Kopf.“

„Jetzt rede doch nicht so einen Scheiß“, fuhr mich Mike abermals an und trat auf mich zu.

Ich wich zurück, plötzlich fühlte ich mich unwohl in meiner Haut. Mike sah mich entsetzt an.

„Ähm… was ist? Hast du etwa Angst vor mir…?“, fragte Mike leise.

Er hob die Hand und griff nach meiner. Ich zuckte leicht, bei seiner Berührung, blieb aber diesmal stehen.

„Nein, habe ich nicht“, sagte ich nach einer kleinen Weile.

So standen wir nun da. Er hielt meine Hand und wir sahen uns an. Nichts um uns herum konnte uns ablenken.

„Ich brauche einfach Zeit… Thomas… gibst du mir die?“

Wieder nickte ich, der Kloß in meinem Hals wurde immer größer.

„Und um deine Frage von vorhin zu beantworten. Ja, ich könnte mir das sogar vorstellen… besonders mit dir“, sprach er leise weiter und gab mir einen Kuss auf die Wange.

Dann ließ er meine Hand los und lief zur Beifahrertür. Ich stand wie angewurzelt da, streichelte mit der Hand über meine Wange, wo sich eben kurz noch die Lippen von Mike befunden hatten.

Ich war diesem Kerl verfallen, mit Haut und Haaren, zwecklos sich dagegen zu wehren. Wollte ich das überhaupt?

„Kommst du?“, fragte er vom Auto.

*-*-*

Mike

Erschöpft lag ich auf meiner Matte. Langsam zog noch einmal der Tag an mir vorüber, was ich alles erlebt hatte. Ich musste schmunzeln, als ich an das Essen mit Tom, seiner Schwester und deren Freundin dachte.

Ich hatte schon lange nicht mehr so gelacht. Und jetzt lag ich in meinem Zelt und meine Gedanken kreisten um Tom. Sollte es das wirklich sein, nach dem ich mich gesehnt hatte? Ich mit einem Mann?

Der Gedanke an den Sex ließ meine untere Region wieder nach Blut lechzen und doch war ich zu müde, um mich überhaupt irgendwie zu betätigen. Ich genoss den Gedanken, mich an Toms Nähe zu erinnern, seine sanften Hände auf meinem Körper.

Meine Hand wanderte automatisch in die Shorts.

„Mike…, bist du noch wach?“, hörte ich eine Stimme flüstern und fuhr zusammen.

„Tom?“, sagte ich und krabbelte an den Reisverschluss.

Langsam zog ich ihn auf und ich hatte das Gefühl, dass es das einzige Geräusch am ganzen Platz war. Im Halbdunkel tauchte vor mir eine Gestalt auf, die ich als Thomas erkennen konnte.

„He, was machst du denn hier?“, fragte ich und musste lächeln.

„Ich konnte nicht schlafen. Mir geht so ein süßer Bengel nicht aus dem Kopf, der mir den Kopf verdreht hat“ flüsterte Tom.

„Komm rein…“, sagte ich und machte Platz.

Mühselig kroch Mike in mein Zelt und ließ sich neben meinem Schlafplatz plumpsen.

„Au“, konnte ich ihn leise sagen hören.

Ich hatte total vergessen, dass ich meine Habseligkeiten alle dort liegen hatte, wo sich Mike hat fallen lassen.

„Tut mir Leid, hab nicht mehr dran gedacht, dass dort was liegt“, sagte ich leise.

„Schon gut, war auch mehr der Schreck.“

Ich suchte Mikes Hand in der Dunkelheit. Und ich fand sie auch.

„Was wird aus uns beiden“, hörte ich Thomas leise fragen.

„Was meinst du?“

„Du fährst in zwei Tagen nach Hause… ich… Mike ich habe mich in dich verliebt!“

Geschockt schaute ich in die Dunkelheit. Was sollte ich dazu sagen. Gut ich mochte Thomas sehr, fühlte mich sehr wohl in seiner Gesellschaft, aber bin ich deshalb wirklich schwul?

„War eine blöde Idee von mir herzukommen, ich geh wieder.“

Ich griff nach seinem Arm.

„Bitte bleib!“

„Warum Mike, es hat doch eh alles keinen Sinn. In zwei Tagen fährst du heim und verschwindest somit aus deinem Leben.“

„Warum redest du so?“

„Weil es so ist, oder?“

Ich hatte seinen Arm immer noch fest in Griff, wollte nicht loslassen.

„Kannst du mir denn nicht etwas Zeit lassen? Ich kann nicht einfach sagen „Thomas, ich liebe dich“, weil ich überhaupt nicht damit klar komme.“

„Dann lebe weiter in deiner Hetenwelt… lebe wohl!“

Er wand seinen Arm frei und kroch aus dem Zelt.

„Tom, bitte… bleib da…“

Ohne ein Wort zu sagen verschwand er. Mir stiegen die Tränen in die Augen, einerseits weil das jetzt unheimlich weh tat, aber auch vor Wut. Was sollte das jetzt? Verstand er nicht, was in mir vorging?

War es zuviel verlangt mir Zeit zu lassen, mir über mich und meine Gefühle klar zu werden. Ich ließ mich auf mein Kissen zurück fallen und wischte die Tränen weg.

***

Ich hatte nicht viel geschlafen, aber mein Entschluss stand fest, dass ich heute schon abreisen würde. Meine Klamotten hatte ich schon verstaut und gerade war ich dabei, die Heringe aus dem Boden zu ziehen.

„Hallo Mike… du fährst schon?“

Erschrocken drehte ich mich um. Da stand Jessie mit ihrer Freundin Iris.

„Ja, habe es mir anders überlegt, ich fahre heute schon.“

„Das hat nicht zufällig etwas mit meinem Brüderchen zu tun?“, fragte sie weiter.

„Wie kommst du da drauf?“

„Weil mein Herr Bruder verheult ist und nicht mehr aus seinem Zimmer kommen will.“

„Und was soll ich bitteschön daran ändern?“

Jessie zuckte zurück, anscheinend war mein Tonfall etwas zu barsch gewesen.

„Sorry!“, meinte ich und klopfte die Heringe ab, bevor ich sie im Wagen verstaute.

Ich griff in den zusammengefallen Haufen von Stoff und zog die Stangen heraus.

„Dann wünsch ich dir… eine gute Fahrt…Tschüss.“

„Tschüss…“

Ich drehte mich nicht einmal zu ihr um, um sie anzusehen. Schnell faltete ich das Zelt zusammen und pfriemelte es mühsam in die vorgesehene Tasche. Auch sie wanderte ins Auto. Kurz schaute ich mich noch um, konnte aber nichts mehr sehen, was in den Wagen gehörte.

Nachdem ich den Kofferraum verschlossen hatte, schnappte ich mir mein Duschzeug und frische Klamotten, denn so verschwitzt wollte ich nicht nach Hause fahren. Nach Hause… was erwartete mich da. Eine halb leere Wohnung. Egal, es war besser so und ein Singleleben soll ja gar nicht so schlecht sein.

Während ich zu den Duschen lief, dachte ich plötzlich nach, wie es wäre, mit Thomas zusammen zu leben. Er liebte mich… tat ich das auch? Immer noch hallten seine letzten Worte in mir nach und es tat weh. Richtig weh.

Wenn mir das so nahe ging, ich laufend an ihn dachte… dann mußte doch etwas dran sein. War ich auch in ihn verliebt? Ich betrat das Duschhaus, das um die Zeit recht leer war. Freie Auswahl. Ich entschloss mich für eine der Familienduschen, die räumlich viel größer waren.

Ich stellte das Duschgel ins Regal und legte das Handtuch und die Klamotten ab, bevor ich die Tür hinter mir verschloss. Langsam kam warmes Wasser aus der Düse und ich stellte mich darunter.

Trotz der hohen Temperaturen tagsüber war das warme Wasser immer wieder eine Wohltat. Aber ich musste mich sputen, bis zehn Uhr musste ich vom Platz machen und die Rechnung musste ich auch noch bezahlen. Also wusch ich mich schnell und war ein paar Minuten später frisch angezogen.

Als ich am Haupthaus vorbei kam, fiel mein Blick automatisch auf den Balkon, wo ich Thomas zum ersten Mal gesehen hatte. Aber da war kein Thomas, alle Türen waren zu und fest verschlossen.

Traurig lief ich zum Auto, verstaute meine Sachen, setzte mich hinter das Steuer und fuhr vor bis zur Rezeption. Ich schnappte mein Geld und betrat das Häuschen. Schnell war der Betrag beglichen und ich wieder draußen.

Noch einmal blickte ich den Weg entlang zum Haupthaus. Es war niemand unterwegs. Ich atmete tief durch und stieg in mein Auto. Der Motor startete und der Wagen rollte langsam den Weg entlang vor zur Strasse.

Ich schaute noch mal in den Rückspiegel und konnte plötzlich Thomas erkennen.

Thomas

Nein, so durfte ich ihn nicht fahren lassen. Nicht so. Ich rannte wie ein Besessener zu seinem Platz, aber der war schon leer. Ich atmete kurz durch und rannte zur Rezeption. Mit Flip-Flops gar nicht so einfach.

Irgendwann hatte ich es satt und zog sie aus. Ich spürte die spitzen Steine kaum. An der Rezeption angekommen, sah ich nur noch die Rücklichter von Mike’s Auto, er fuhr gleich auf die Straße.

Meine Hände in die Seiten gestemmt, schwer keuchend, schossen mir die Tränen in die Augen. Warum habe ich mich nur wie ein Arschloch benommen? Jetzt war er weg… für immer.

Plötzlich leuchteten die Bremslichter auf, Staub wurde aufgewirbelt. Mein Atem stockte. Die Tür öffnete sich und Mike stieg aus. Noch immer stand ich total starr da. Im Gegensatz zu Mike, denn er rannte auf mich zu.

Irgendwo tief in mir drin, gab es einen Schub und ich rannte ebenso los. Wenige Sekunden später lagen wir uns in den Armen.

„Mike, es tut mir so Leid! Bitte fahr nicht!“

Meine Stimme klang weinerlich.

„Doch ich werde fahren…“

Erschrocken ließ ich von ihm ab. Ich verstand nicht und er lächelte auch noch. Er drehte sich um und lief zu seinem Wagen zurück. Er stieg aber nicht ein, sondern beugte sich nur in den Wagen, um wenige Sekunden später mit etwas in der Hand zu mir zurück zukehren.

„Schreibst du mir bitte Telefon, Handy und deine Adresse auf?“, sagte er leicht außer Atem und hob mir einen kleinen Notizblock entgegen.

„Öhm, ja gerne“, sagte ich immer noch etwas verwirrt.

Er beugte sich leicht nach vorne und so konnte ich seinen Rücken als Schreibunterlage nutzen. Schnell war alles aufgeschrieben. Er griff sich hinten an die Gesäßtasche und zog seinen Geldbeutel vor.

„Hier steht alles drauf“, sagte er und reichte mir eine Karte, „melde dich, wenn du wieder zu Hause bist.“

Mit großen Augen schaute ich ihn an, immer noch keines Wortes fähig.

„Schau nicht so. Wenn du wieder zu Hause bist, komme ich dich besuchen. Ich will ja den Mann, ich den ich mich beginne zu verlieben richtig kennen lernen!“

Die letzten Worte hallten in meinem Kopf nach und ich konnte nicht anders, als ihn an mich zu reissen und fest zu drücken.

„Danke“, hauchte ich.

Wir ließen einander los. Mit feuchten Augen schaute ich ihn an.

„Schick bitte eine SMS wenn du zu Hause angekommen bist“, sagte ich mit zitternder Stimme.

„Mach ich, versprochen“, erwiderte er mit breitem Lächeln.

Dann legte er seine Hand um meinen Nacken, zog mich zu sich und wenig später spürte ich seine Lippen auf den meinen.

Seine Zunge drang in mich ein und unsere Zungen fingen an, wie wild mit einander zu tanzen. Meine Knie wurden weich.

„Also dann… man sieht sich“, meinte er leicht keuchend.

Ich nickte.

„Ich meld mich“, sprach er weiter.

„Tu das… und Mike?“

„Ja?“

„Ich liebe dich“, hauchte ich.

„Ich weiß“, meinte er und hauchte mir nochmals einen Kuss auf die Lippen.

Dann drehte er sich um und lief wieder zu seinem Wagen. Immer wieder drehte er sich um und winkte mir lächelnd zu. An seinem Wagen angekommen, schickte er mir noch mal einen Handkuss, bevor er einstieg und den Wagen startete.

Mit einer Staubwolke hüpfte der Wagen auf die Straße und weg war er. Ich stand immer noch an derselben Stelle, seine Karte an mein Herz gedrückt und schaute ihm nach, obwohl er schon aus dem Sichtfeld war.

*** Ende ***

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Information Othello und andere Katastrophen
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:27 AM - No Replies

»Eins, Zwei – Polizei. Drei, vier – Grenadier…«

Grinsend tippte ich auf die Rufannahme der Freisprecheinrichtung meines Handys. Vor ein paar Tagen hatte Derek diesen Klingelton eines Uralt-Hits auf das Gerät überspielt und seiner eigenen Nummer zugewiesen, somit war klar, wer da etwas von mir wollte.

»Hallo Schatz.«

»Hi Sascha. Sag mal, was machst du gerade?«

»Ich steck im Stau auf der A9 kurz vorm Schkeuditzer Kreuz. Wieso?«

»Okay, dann hast du wohl kurz Zeit für mich.«

»Für dich hab ich doch immer Zeit!«

»Haha, schön wärs. Paß auf, ich hab von einem Kunden zwei Theaterkarten bekommen, für Othello.«

Schrott, nicht schon wieder. Ich war kein großer Fan vom Theater, leider sah das bei Derek ganz anders aus. Ich verkniff mir das Seufzen, welches mir bereits auf der Zunge lag.

»Und für wann?«

»Das ist das Problem, schon für heute abend. Hast du Zeit?«

Das war DIE Gelegenheit, ein paar Überstunden vorzuschieben! Andererseits… Derek war so süß, dem konnte ich eigentlich nichts abschlagen.

»Ich denk schon. Wann und wo?«

»Um acht im Schauspielhaus. Packst du das?«

»Werd ich schon hinbekommen. Soll ich mich groß in Schale werfen?«

»Naja, etwas mehr als deine üblichen Jeans plus T-Shirt darf es schon sein.«

Ich hatte es geahnt.

»Okay. Treffen wir uns halb acht vorm Eingang oder wie?«

»Ja, super! Danke, Sascha!«

Ich konnte förmlich spüren, wie zufrieden Derek jetzt lächelte. Was tat ich nicht alles für den Jungen.

»Gut, dann bis heute abend.«

Wir verabschiedeten uns und ich beendete die Verbindung. Theater. Argh! Othello? Davon hatte ich schon gehört, aber man frage mich bitte nicht, worum es dabei nun ging. Theaterdinge gingen bei mir zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Aber halt, da war was. Ich mußte grinsen, ein »berühmter« sächsischer Witz kroch durch meine Gehirnwindungen: »Was ist der Unterschied zwischen einem Teekessel und Othello? Im Gessl da sieded där Dee – im Odello da deeded där sie!«

Rrrrrrriinnnnnng! Rrrrrrriinnnnnng!

Das war ja heute wie in der Telefonzentrale! Dieser Klingelton allerdings verhieß nichts gutes, das klang dienstlich.

»Altmann.«

»Sascha, wo steckst du?«

Immer die gleichen Fragen.

»Am Schkeuditzer Kreuz.«

»Setz auf und scher dich in die Nürnberger Straße 32.«

»Was gibt’s da?«

»Wohnungsbrand, und die F hat ne Leiche gefunden.«

Soll ja bei sowas schonmal vorkommen. Allerdings war das normalerweise kein Job für uns, da mußte mehr dahinterstecken.

»Und?«

»Todesursache vermutlich weder das Feuer noch die Rauchgase.«

Ah ja, somit war es doch ein Job für uns.

»Okay, ich bin unterwegs.«

Ich ließ das Fenster neben mir heruntersurren und pappte dann den blauen Stroboblitzer aufs Autodach. Dazu noch die passende Musik aufgelegt, und wie durch Geisterhand wurde der Weg vor mir frei. Okay, ganz so reibungslos ging es leider nicht, aber immerhin, ich stand nicht mehr.

Vielleicht wäre das jetzt der passende Zeitpunkt, um mich vorzustellen. Gestatten, Sascha Altmann. Kriminalkommissar Sascha Altmann, um genau zu sein. Beschäftigt bei der Kripo Leipzig im Dezernat »Delikte am Menschen«, im schnöden Alltagsdeutsch auch Mordkommission genannt. Jugendliche 25 Jahre alt, groß, schlank, blond, schwul. Naja, nach dem Telefonat mit Derek dürfte das eh schon klar gewesen sein. Wir kannten uns jetzt ein halbes Jahr, und so langsam näherten wir uns dem Zeitpunkt, an dem es ans Zusammenziehen gehen würde.

Verflixt, diese doofe Tussi! Blind und taub! Zieht die einfach vor mir in die Spur. Und das mit nem Smart. Wäre ich nicht voll in die Eisen gegangen, hätte mein schwerer BMW dieses Schachtelchen dermaßen angeschubst, daß sie glatt auf der neuen Startbahn des nahen Flughafens gelandet wäre. Das hätte wieder einen Papierkram gegeben!

Zum Glück kam ich nun langsam aus dem Stau heraus, und bald schon hatte ich wirklich freie Fahrt bis hinein ins Leipziger Stadtzentrum. Schon von weitem sah ich die Blaulichter der Feuerwehr blitzen, als ich in die zum Tatort führende Einbahnstraße einbog. Kurz darauf parkte ich den Wagen hinter einem grünweißen Passat. Das Haus sah nach einer ziemlich dunklen Hütte aus, da sollte ich wohl meine Taschenlampe mitnehmen. Beim Aussteigen entdeckte ich das erste bekannte Gesicht und begrüßte den uniformierten Kollegen, der sich um die Absperrung der Straße kümmerte..

»Moin Berni.«

»Moin Sascha. Hast ja lange gebraucht, dein Boß ist schon ne halbe Ewigkeit da.«

»Ich hatte ja auch den weitesten Weg, ich war heute schon in Weißenfels, Beweismaterial abliefern.«

»Du Ärmster. Naja, viel Spaß da drinnen, da ist alles verrußt.«

Zum Glück trug ich eine schwarze Hose. Ich marschierte zum Hauseingang, durch welchen sich noch zwei Feuerwehrschläuche schlängelten. Einer der Feuerwehrleute kam mir entgegen.

»Wo wollen Sie hin?«

»Altmann, Kripo. Wo MUSS ich hin?«

»Alles klar. Zweite Etage links. Nicht zu verfehlen, immer dem Gestank nach.«

Das wurde immer besser. Ich kämpfte mich die triefend nassen Treppen hinauf und betrat kurz danach die betroffene Wohnung. Die Kollegen von der F waren anscheinend schnell am Ort des Geschehens gewesen und hatten das Feuer auf die Wohnung beschränken können. Gut so, ansonsten hätte das Holztreppenhaus in diesem abgewohnten Altbau wohl riesige Probleme bereitet.

Ich ging tiefer in die Wohnung hinein und entdeckte beim Blick durch die dritte Zimmertür meinen Oberindianer.

»Moin Chef.«

»Hallo Sascha, da bist du ja endlich.«

Beleidigt verzog ich das Gesicht.

»Chef, es ist noch nichtmal neun, und ich war schon in Weißenfels!«

Kriminalhauptkommissar Machlitzke grinste.

»War nur ein Witz, vom Schkeuditzer Kreuz bis hierher warst du ja ziemlich flott.«

Na das wollte ich aber auch gesagt haben!

»Was haben wir hier?«

Einladend zeigte Jens (so der Vorname meines werten Chefs) in die hintere linke Zimmerecke.

»Schau es dir selbst an.«

Ich trat ins Zimmer und ging dorthin, wo ein weiteres bekanntes Gesicht neben einem leicht angeschmorten menschlichen Körper stand.

»Hallo Doc.«

»Sascha.«

Ihgitt, das war wirklich kein sonderlich schöner Anblick. Ein Mann, anscheinend mittleren Alters, die Klamotten teilweise in die Haut eingebrannt, lag in verkrümmter Körperhaltung auf dem Fußboden.

»Todesursache?«

»Jedenfalls nicht das Feuer, er war schon vorher tot. Guck dir mal den Kopf an.«

Darauf hätte ich gerne verzichten können, aber es gehörte halt zum Job, also ging ich neben der Leiche in die Hocke. Hm. Hier hatte das zeitige Eintreffen der Feuerwehr dafür gesorgt, daß man einige Dinge noch gut erkennen konnte. Zum Beispiel die gewaltige Delle über der linken Schläfe.

»Sturz oder Schlag?«

»Schlag mit einem stumpfen Gegenstand würde ich sagen. Man müßte schon selten dämlich stürzen, um sich sowas einzufangen.«

Damit war auch endgültig klar, warum mein Verein angefordert worden war. Ich erhob mich wieder und ging zu Jens hinüber.

»Mord mit Brandstiftung zur Vertuschung?«

»Sieht ganz danach aus. Mord oder Totschlag. Riech mal.«

Ich schnupperte. Durch den beißenden Brandgeruch und den Gestank von verbranntem Fleisch hindurch nahm ich nun noch einen schwachen anderen Geruch war.

»Brandbeschleuniger.«

»Genau. Der Klecks da drüben sieht wie ein geschmolzener Benzinkanister aus.«

Ich schaute mich ein wenig im Zimmer um.

»Kann aber nicht voll gewesen sein, ansonsten hätte die F keine Chance mehr gehabt.«

»Stimmt, Großer, waren wohl nur noch ein paar Tropfen drin.«

»Hat er wohl erst hier gefunden und nicht mitgebracht. Ungeplant? Eher Totschlag, oder?«

»Das gehört zu den Dingen die wir herausbekommen müssen. So, sieh dich mal ein wenig um, vielleicht findest du ja was interessantes.«

Genau das tat ich dann auch, ich streifte mir Handschuhe über, knippste meine Taschenlampe an und begann damit, die Umgebung eingehend zu betrachten. Im Zimmer mit der Leiche, vermutlich dem Wohnzimmer, hatten Feuer und Löschwasser eine Spur der Vernichtung hinterlassen. Oder war da noch mehr?

»Chef, hat die F hier so gehaust?«

»Nee, die sagen, daß sie kaum was angerührt haben.«

»Dann hat es hier wohl einen handfesten Streit gegeben, so wie die Möbel in der Gegend rumliegen.«

»Richtig. Paß ein wenig auf wo du hintrampelst, nicht daß du uns noch auf die Tatwaffe drauflatscht.«

»Menno, so ein Frischling bin ich nun auch nicht mehr!«

»Na hoffentlich.«

Vorsichtig wühlte ich mich durch die Reste eines Eßtisches samt der dazugehörigen Stühle. Hm. Große Delle am Kopf. Ein Stuhlbein? Aber die schienen alle noch an den zugehörigen Stühlen zu sein. Ich wühlte weiter. Momentmal. Was war denn das? Vorsichtig legte ich ein größeres Holzteil im Trümmerfeld frei. Wow. Sah ganz so aus, als wäre ich auf Gold gestoßen! Durch die darüberliegenden Trümmer war das Ding anscheinend ein wenig vorm Feuer geschützt gewesen, jedenfalls sah es ziemlich intakt aus, und es war auch nicht angekokelt. Das dunkle da waren keine verbrannten Stellen, das sah nach Blut aus!

»Jens!«

Sofort war KHK Machlitzke neben mir.

»Hast du was gefunden?«

»Ja, sieht ganz so aus. Könnte die Tatwaffe sein.«

Verblüfft starrte Jens auf meinen Fund.

»Ein Nudelholz?«

Trotz der makabren Situation mußte ich lachen.

»Damit hätten wir den potentiellen Täterkreis auf Schwiegermutter und Ehefrau eingegrenzt.«

Jetzt lachte auch mein Chef.

»Schön wärs, wenn es so einfach wäre. Aber gute Arbeit, Sascha.«

Das bestätigte auch Doc, der mittlerweile zu uns getreten war.

»Ja, das könnte durchaus hinkommen. Die Größe paßt auf jeden Fall zu der Kopfverletzung. Genaueres kann ich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt sagen.«

»Schon klar, Doc. Todeszeitpunkt?«

Der Angesprochene runzelte die Stirn.

»Tut mir leid, Jens, das ist auf die Schnelle schwer zu sagen. Je eher ich die Leiche auf dem Tisch habe, umso eher bekommst du genauere Informationen.«

»Alles klar, Doc. Ich sorg dafür, daß er dir schnellstens angeliefert wird.«

»Danke. Ich verschwinde dann wieder, für mich ist hier nichts mehr zu tun. Viel Spaß noch, ihr zwei.«

Mit diesen Worten verschwand der Gerichtsmediziner, und Jens schaute mich an.

»Ruf die kalte Hand, die können abräumen kommen.«

Ich tat wie mir geheißen und rief per Handy den Leichenwagen herbei. Die armen Schweine würden auch ihre Freude an ihrem Kunden haben. Anschließend schloß ich mich Jens an, der sich noch weiter in der Wohnung umschaute. Leider fanden wir nichts mehr, was uns einen schnellen Hinweis auf den möglichen Täter lieferte. Allerdings entdeckte mein Chef hinter einem umgestürzten Sessel einen Laptop.

»Wollen wir doch mal schaun, ob der noch was sagt.«

Er machte Anstalten, auf den Einschaltknopf zu drücken.

»Nicht, Jens!«

Erstaunt schaute er mich an.

»Wieso nicht? Ich will doch nur sehen, ob der vielleicht noch geht? Vielleicht finden wir irgendwelche Informationen die uns weiterhelfen.«

Zweifelnd schaute ich auf das Gerät, welches arg mitgenommen aussah. Das Gehäuse war am Monitorrand gesplittert, an einer anderen Stelle leicht angeschmort, und auch das Löschwasser hatte sich am Zerstörungswerk beteiligt.

»Wenn du versuchst, das Ding einzuschalten, könnte es ihm endgültig den Rest geben.«

»Scheiße, stimmt vermutlich. Aber wenn ich es zum LKA ins Labor gebe, dann bekomm ich das Ergebnis irgendwann zwischen Weihnachten und Silvester. Und ich sage absichtlich keine Jahreszahl dazu.«

Ich mußte lachen. Seitdem Machlitzke vor zwei oder drei Jahren einen hochrangigen LKA-Fritzen des Mordes an seiner Geliebten überführt hatte, war das Verhältnis zwischen ihm und den dortigen Kollegen mehr als nur etwas angespannt.

»Ich hab ne bessere Idee, Chef.«

»So? Schieß los!«

»Das Ding ist auch für die LKA-Heinis ne Nummer zu groß, sowas geben die zu externen Experten für Datenrettung.«

»Worauf willst du hinaus? Halt, warte! Ist nicht deine bessere Hälfte so ein Computerguru?«

»Genau, der arbeitet bei Data Rescue, und vermutlich würde der Schleppi früher oder später eh bei ihm auf dem Tisch landen.«

Das Gesicht von Jens klarte sich etwas auf.

»Hm, du meinst, wir könnten es ihm direkt unterjubeln? Da würden einige Leute ziemlich keifen so von wegen Umgehung des Dienstweges.«

Dann lachte er auf.

»Ach scheiß auf den Dienstweg. Hildebrand?«

Einer der mittlerweile eingetroffenen Kriminaltechniker stürzte heran.

»Ja, Chef?«

»Schau mal schnell, ob du an dem Ding irgendwelche Spuren findest, damit wir es dann zur Datenrettung schicken können.«

»Ist geritzt.«

Der Techniker nahm den Laptop entgegen und verschwand damit in Richtung des mobilen Labors. Jens wandte sich wieder an mich.

»Kannst du das Teil dann direkt zu deinem Devon bringen?«

»Derek, nicht Devon. Ja, ich denke schon. Der ist mir eh einen großen Gefallen schuldig.«

Neugierig schaute Machlitzke mich an.

»Wofür? Oder sollte ich unschuldiger Hetero diese Frage lieber nicht stellen?«

Lachend antwortete ich ihm.

»Hehe, ganz harmlos. Der schleift mich heute abend ins Theater, zu Othello.«

»Klingt doch gut, du Kulturbanause. Ich sollte mit meiner Frau auch mal wieder sowas unternehmen.«

»Sorry, aber das ist wirklich nicht mein Ding. Aber vielleicht muß ich ja heute doch noch Überstunden machen?«

Hoffnungsvoll schaute ich meinen Vorgesetzten an, dieser aber schüttelte grinsend den Kopf.

»Nichts ist. Besonders jetzt, wo wir deinen Dennis bei Laune halten müssen damit er uns hilft.«

»Derek!«

»Schon gut, schon gut. Also los, schieb ab. Sobald Hildebrand mit der Spurensuche fertig ist, fährst du zu deinem Schatz und schwatzt ihm das Ding auf.«

»Alles klar, Chef. Soll ich danach wieder hierher kommen?«

»Nein, fahr direkt ins Büro, ich mach mich auch bald auf die Socken. Hier kann ich eh nicht mehr viel machen, den Rest muß die KT erledigen.«

Ich verließ also den ungemütlichen Tatort und wanderte hinunter auf die Straße, wo ich dann in den Kleintransporter der Kriminaltechnik stieg. Der anwesende Techniker beugte sich gerade über den Laptop.

»Irgendwas zu finden, Werner?«

»Drei ziemlich versaute Fingerabdrücke und ein halber Handabdruck. Ich kann aber nicht versprechen, daß die am Ende auch noch verwertbar sind.«

»Aber versuchen tust du es?«

»Klar, ich werd mein bestes geben. So, ich wäre fertig, du kannst das Ding mitnehmen.«

»Prima.«

Ich schnappte mir den Laptop, der mittlerweile auch etwas gereinigt worden war. Nachdem ich ihn sicher im Wagen verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg zur Firma meines Liebsten. Hm. Vielleicht sollte ich den vorwarnen. Ich tippte auf die Kurzwahl für sein Handy. Nach anderthalb Klingeltönen war er auch schon dran und ich hörte seine fröhliche Stimme.

»Hallo Sascha, schon wieder Sehnsucht nach mir?«

Ich lachte.

»Ich hab IMMER Sehnsucht nach dir, wenn wir nicht zusammen sind.«

»Oller Schmeichler. Ich hoffe bloß für dich, daß du nicht anrufst um für heute abend abzusagen!«

Ich seufzte.

»Nein, aber ich hab ein Attentat auf dich vor.«

»Schieß los.«

»Ich brauche deine fachliche Hilfe. Wir haben hier einen beschädigten Laptop, und wir müßten dringend an die Daten rankommen. Wenn wir das dem LKA überlassen, dauert es ewig und drei Tage.«

»Wie sehr beschädigt?«

»Heftig, würde ich sagen. Sturz, Feuer und Löschwasser.«

Derek stöhnte auf.

»Du machst keine halben Sachen, oder? Und wie ich dich kenne, soll ich alles andere stehen- und liegenlassen?«

Ich mußte grinsen, er kannte mich einfach viel zu gut.

»Das wäre SEHR nett!«

»Na gut, ich kann mir das Ding ja mal anschauen. Wann wirst du hier sein?«

Ich schaute mich kurz um, der Verkehr rollte recht gut.

»Fünf bis zehn Minuten, länger brauch ich nicht.«

»Okay, ich räum schonmal den Tisch frei. Bis gleich.«

Wir beendeten das Gespräch, und etwa sieben Minuten später bog ich auf den Firmenparkplatz von Data Rescue ein. Nachdem ich den Laptop aus dem Kofferraum geholt hatte, betrat ich das Bürohaus und wollte den mir bekannten Weg zu Dereks Büro einschlagen – aber ich hatte nicht mit dem Hausdrachen hinter dem Empfangstresen gerechnet.

»Halt, wo wollen Sie denn hin?«

Ich schaute mich um. Oh Gott, wo hatte Data Rescue denn DIE alte Schabracke aufgetrieben? Sollte eine Empfangsdame nicht eigentlich freundlich die Kundschaft begrüßen? Ich beschloß, mit einer Gegenfrage zu antworten.

»Wo ist Fräulein Dölke?«

»Die ist im Urlaub, ich bin die Vertretung. Also, wo wollen Sie hin? Sie können hier nicht so einfach reinspazieren!«

So, das konnte ich nicht? Wäre ja ganz was neues.

»Sie sind die Vertretung? Aha. Sagen Sie, kennen Sie zufällig den Herrn Prosch?«

»Natürlich, das ist einer der Geschäftsführer!«

Na wenigstens wußte sie soviel.

»Prima. Ich bin erstens sein Freund, hab zweitens einen Termin und bin drittens davon überzeugt, daß er nicht sonderlich begeistert darüber wäre wenn er mitbekäme, in was für einem Ton Sie hier die potentielle Kundschaft anfahren!«

Das Drachengesicht wurde immer länger, weitere Lautäußerungen kamen jedoch nicht mehr, also wandte ich mich wieder um und war drei Minuten später im Büro/Labor von meinem Schatz.

»Hi Derek.«

»Sascha!«

Er kam zu mir gestürzt, nahm mir ganz vorsichtig den Laptop ab und stellte diesen auf einen Tisch, um mich anschließend längst nicht so vorsichtig zu umarmen. Oh Gott, ich war dermaßen verknallt in diesen verrückten kleinen Braunhaarigen! Etwa drei Stunden später schafften wir es, voneinander abzulassen. Na gut, es waren nicht ganz drei Stunden. Genaugenommen war es viel zu kurz. Aber die Pflicht rief.

»Das ist also mein neuer Patient?«

»Ja. Was denkst du, bekommst du das hin?«

Derek beäugte neugierig den Laptop.

»Hat schon wer dran rumgespielt?«

»Nein, ich konnte Jens gerade noch davon abhalten ihn einschalten zu wollen.«

»Sehr gut, dann besteht Hoffnung. Wo hast du den her?«

»Der lag im Zimmer eines Ermordeten, in dem der Täter zur Vertuschung Feuer gelegt hat.«

Ich erzählte Derek kurz von meinem neuesten Fall. Er seufzte.

»Nett. Bis wann brauchst du ein Ergebnis?«

»Laß mich überlegen. Bis … gestern?«

Tadelnd schaute er mich an.

»Okay … bis vorgestern?«

»Blödmann! Also gut, ich stürze mich gleich drauf und melde mich bei dir, wenn ich was gefunden habe.«

»Das wäre wirklich sehr lieb von dir, Schatz.«

»Für dich tu ich doch alles. Aber bei Othello heute abend bleibt es, oder?«

»Ja klar!«

Das »leider« dachte ich mir lieber nur. Ich verabschiedete mich von Derek, warf auf dem Weg nach draußen dem Empfangsdrachen noch ein freundliches »Auf Wiedersehen!« zu, setzte mich ins Auto und fuhr ins Präsidium. Dort traf ich praktisch im gleichen Moment wie mein Chef ein, und gemeinsam gingen wir nach oben ins Büro.

»Was sagt David, bekommt er den Laptop hin?«

»Derek! Er heißt Derek! Und er wird sein Bestes versuchen.«

»Na hoffentlich, wir haben in der Wohnung nichts Brauchbares mehr gefunden. Aber vielleicht hat ja Eva schon irgendwas.«

Eva Schlüter ware ihres Zeichens Kriminalhauptmeister, saß nach einem schweren Unfall im Rollstuhl und erledigte seitdem alles was man vom Schreibtisch aus erledigen konnte. Tatsächlich fanden wir sie dabei, fröhlich auf der Tastatur ihres Computers herumzuhacken.

»Moin Eva.«

»Hallo Chefchen, Sascha.«

Nach der Begrüßung setzten wir uns auf unsere Sessel und schauten das einzige weibliche Wesen im Raum erwartungsvoll an.

»Also, ich hab schon ein paar Sachen herausgefunden. Der Mieter der Wohnung heißt Harald Brauner, 43 Jahre alt, mehrfach vorbestraft. OV (das Dezernat Organisiertes Verbrechen) hat eine dicke Akte über ihn, von Menschenschmuggel bis Falschgeld ist alles dabei. Aber er war immer nur einer der kleinen Fische. Hier, es gibt auch ein Foto.«

Eva zeigte auf den großen Flachbildschirm an der Wand. Hm, also ich konnte partout nicht sagen, ob das unsere angekokelte Leiche war. Konnte sein, mußte aber nicht. Jens schien es ähnlich zu gehen.

»Das könnte das Opfer sein, aber festlegen würde ich mich darauf nicht. Wobei es natürlich seine Wohnung war, es spricht also einiges dafür.«

Vermutlich. Es wäre doch ein ziemlicher Zufall wenn sich jemand, der dem Mieter einigermaßen ähnlich sieht, in einer fremden Wohnung erschlagen ließe.

»Gibt es irgendwelche aktuellen Ermittlungen gegen ihn?«

»Nein, Chef. Brauner ist vor sechs Wochen erst aus dem Gefängnis raus, seitdem ist er noch nicht wieder in Erscheinung getreten.«

»Hm. Frag trotzdem mal bitte beim OV nach, vielleicht können die uns irgendeinen Tip geben wo wir suchen sollten.«

»Mach ich, Chef.«

»Sascha und ich gehen jetzt erstmal in die Kantine, wir hatten beide noch kein vernünftiges Frühstück.«

Frühstück? Ich schaute auf die Uhr, es war schon kurz nach elf. Wie doch die Zeit verging.

»Sollen wir dir was mitbringen?«

»Nein, vielen Dank, ich geh nachher mit den Mädels mittagessen.«

Machlitzke und ich gingen ins Nebengebäude, in welchem sich die Kantine befand. Diese war einigermaßen leer, die Frühstückszeit war vorbei, die Mittagszeit fing gerade erst an. Wir besorgten uns was zu beißen, dann setzten wir uns an einen der vielen freien Tische.

»Was denkst du, Jens? Ein Vorbestrafter mit ner dicken OV-Akte, ein Mord, paßt doch alles zusammen.«

Nachdenklich schaute mein Chef auf seinen Teller.

»Ja, sieht so aus. Das könnte eine ziemlich große Nummer werden, wenn da irgendwelche Bandengeschichten mit reinspielen. Es wäre wirklich verdammt wichtig, daß dein Detlef…«

»Derek!«

»…wie auch immer, daß er etwas auf dem Laptop findet. Ich laß die Wohnung auch nochmal mit dem feinsten Kamm durchsuchen, vielleicht ergibt sich dort ja doch noch was.«

Wir unterhielten uns noch ein wenig, bevor wir uns gegen halb zwölf wieder auf den Weg ins Büro machten. Dort hatte Eva bereits Neuigkeiten für uns.

»Doc hat angerufen und uns die Fingerabdrücke vom Opfer rübergeschickt. Viel war nicht mehr rauszuholen, die Finger waren ziemlich angesengt, aber mit 85prozentiger Wahrscheinlichkeit ist es Brauner. Er macht auch noch einen Zahnvergleich, aber das dauert, da braucht er erst die Akten vom Gefängnisarzt.«

»Gut, das reicht aus, um mit der Hypothese zu arbeiten, daß es sich bei dem Toten tatsächlich um Harald Brauner handelt. Hast du schon was vom OV gehört?«

»Nein, die waren ganz überrascht, daß der schon wieder draußen ist. Eigentlich hatte der noch anderthalb Jahre abzusitzen.«

Sehr komisch. In diesem Moment bimmelte mein Handy mit der bekannten Melodie, welche die anderen beiden Anwesenden zum Lachen brachte. Schnell nahm ich den Anruf an.

»Ja?«

»Hallo Schatz. Paß auf, der Laptop war längst nicht so beschädigt wie er von außen aussah. Ich hab die Festplatte fast komplett auslesen können und alles auf eine DVD gebrannt. Einer unserer Außendienstler sollte in ner Viertelstunde oder so bei dir eintreffen, er hat den Laptop und die DVD dabei.«

»Wow, du bist spitze! Ich hätte nicht gedacht, daß das so schnell geht.«

»Wie gesagt, der Schaden war nicht so groß wie er hätte sein können. Also dann, bis heute abend.«

»Vielen Dank, Kleiner!«

Grinsend legte ich auf und schaute in die erwartungsvollen Gesichter meiner Kollegen.

»So breit wie du grinst muß dein Daniel was gefunden haben.«

»Derek!«

Diesmal wurde mein Einwand gegen die Verunstaltung des Namens meines Liebsten durch Eva in Stereo unterstütz.

»Jaja, schon gut. Also los, was ist nun?«

»Er hat fast alle Daten kopieren können, in ein paar Minuten bekommen wir den Laptop zurück und dazu eine DVD mit den Daten der Festplatte.«

»Großartig! Ich hoffe, daß das uns weiterhilft. Geh am besten runter und nimm das Zeug gleich in Empfang.«

Ich folgte der Anweisung, und zwanzig Minuten später betrat ich das Büro wieder. Die DVD gab ich gleich Eva.

»Hier, schau mal nach, was du damit anfangen kannst.«

Unsere Computerexpertin stürzte sich sofort auf die Arbeit, und noch während sie dies tat, ging die Tür auf und KHK Berger vom Dezernat Organisiertes Verbrechen trat ein.

»Mahlzeit. Ich hab gehört, daß ihr einen meiner Patienten bearbeitet?«

»Also eigentlich bearbeitet Doc den gerade, und als Patienten würde ich den nicht mehr unbedingt bezeichnen. Hast du irgendwas, was uns weiterhelfen könnte?«

»Nicht viel was ihr nicht auch schon hättet, aber ich hab zumindest rausbekommen, warum der schon aus dem Knast entlassen wurde.«

Neugierig schauten wir unseren Besucher an.

»Darmkrebs im Endstadium, die Ärzte gaben ihm noch drei bis sechs Monate.«

Nicht einmal die drei Monate hatte er erreicht. Aber das erklärte die vorzeitige Haftentlassung. Und vielleicht sollte Brauner glücklich sein, daß ihm die letzte Phase seiner Krankheit erspart geblieben war.

»Laut den Akten war Brauner kein großes Licht, oder?«

»Nee, der war immer nur Handlanger. Und immer der, der erwischt und eingebuchtet wurde. Aber er hat seine Hintermänner nie verpfiffen.«

»Also keine Rache unter alten Geschäftsfreunden?«

»Glaub ich nicht. Wie gesagt, er hat keinen verraten, und um sich jemandem zum tödlichen Feind zu machen war er viel zu unbedeutend.«

»Jedenfalls bis heute.«

»Genau, Jens. So, ich laß euch wieder arbeiten. Gebt mir bitte nen Wink wenn ihr was rausgefunden habt, okay?«

Machlitzke versprach es ihm, dann waren wir wieder nur noch zu dritt im Büro.

»Jungs, ich hab da was!«

Sofort stürzten wir zu Eva, die konzentriert auf den Monitor ihres Computers starrte.

»Hier, sein eMail-Programm. Er hat in den letzten zwei Wochen ständig mit einem Viktor Barenkow kommuniziert.«

Irgendwas klingelte in meinem Kopf bei diesem Namen, aber ich kam nicht drauf was genau.

»Und hier, er wollte sich heute früh mit ihm treffen, und zwar in seiner Wohnung! Für irgendwas wollte Brauner 50.000 Dollar von Barenkow kassieren.«

Jens zuckte auf.

»Ich habs. Viktor Barenkow. Der betreibt einen Auto- und Schrotthandel irgendwo draußen in Lößnig. Angeblich steckt er in Autoschiebereien drin, aber man konnte es ihm nie nachweisen.«

Nachdenklich schaute ich auf den Monitor.

»Wollte Brauner ihn damit erpressen?«

»Möglich. Aber wartet mal, hier ist noch was. In dieser Mail erwähnt Brauner irgendwelche Steine. Ich glaube, die wollte er Barenkow für die 50.000 verkaufen.«

Unser Chef griff zum Telefon und wählte eine Kurzwahl.

»Sven? Jens hier. Sag mal, Brauner im Zusammenhang mit irgendwelchen Steinen, klingelt da was bei dir?«

Jens hörte kurz zu, dann schaltete er auf Lautsprecher.

»Nochmal, bitte, damit die anderen mithören können.«

Die Stimme von KHK Berger ertönte.

»Kurz vor seiner letzten Festnahme steckte Brauner in einem Handel mit Blutdiamanten drin. Vielleicht sind ja solche Steine gemeint?«

Eine interessante Theorie. Vielleicht hatte ja Brauner damals welche abgezweigt?

»Wieviel davon bräuchte man, um dafür 50.000 Dollar zu bekommen?«

Unser Telefonpartner überlegte kurz.

»Kommt drauf an. Bei einem einigermaßen seriösen Händler – wenn man bei Blutdiamanten überhaupt von seriös reden kann – gar nicht mal soviel. Wenn man schnell verkaufen muß und sich den Käufer nicht groß aussuchen kann, müßte es wohl schon eine Handvoll sein.«

Jens schaltete sofort.

»Brauner hatte ja nicht viel Zeit, um sich einen seriösen Käufer zu suchen. Er mußte auf die Beziehungen zurückgreifen, die er von früher hatte. Sag mal, ist in Zusammenhang mit ihm irgendwann mal der Name Barenkow gefallen?«

»Barenkow? Viktor Barenkow? Der Autoschieber? Nicht daß ich wüßte, aber der steckt ja angeblich überall und nirgends mit drin.«

»Okay, danke, Sven. Ich denke, wir werden den Herrn Barenkow mal besuchen.«

»Gern geschehn. Und haltet mich auf dem Laufenden, okay? Wenn ihr was gegen Viktor in die Hände bekommt wäre das ein Festtag für uns. Der schleimige Bruder ist uns bisher immer durch die Lappen gegangen.«

»Machen wir.«

Machlitzke legte auf und schaute mich an.

»Los, Sascha, wir fahren raus.«

Wir schnappten uns unsere Jacken und machten uns auf den Weg. Zwanzig Minuten später hatten wir den Schrottplatz mit angeschlossenem Gebrauchtwagenhandel gefunden. Alles sah sehr ruhig aus, keine Menschenseele weit und breit, das Tor allerdings stand weit offen, also fuhren wir hinein. Wir stiegen aus und schauten uns um, als plötzlich in etwa hundert Metern Entfernung ein Mann um einen Stapel Schrottautos herumkam. Als er uns erblickte blieb er stocksteif stehen. Jens rief ihn an.

»Herr Barenkow? Viktor Barenkow? Polizei.«

Kaum hatte der Mann das Wort Polizei gehört, als er auch schon kehrtmachte und davonrannte. Wir flitzten hinterher. Als wir um den Stapel Schrottautos herumkamen sahen wir gerade noch, wie der Mann die Außentreppe eines etwa dreistöckigen Gebäudes hinaufstürmte.

»Stehenbleiben, Polizei!«

Man konnte es ja mal versuchen. Der Flüchtige jedoch blieb von dieser Aufforderung unbeeindruckt und stürzte durch eine Tür am Ende der Treppe ins Gebäude hinein. Mein Chef und ich rannten auf das Gebäude zu, da tauchte der Mann wieder in der Tür auf und hielt etwas in den Händen, was einen arg bedrohlichen Eindruck machte. Ich erkannte sofort, worum es sich handelte.

»Scheiße, der hat ein AK!«

Im nächsten Moment flogen uns auch schon die Kugeln aus der Kalaschnikov um die Ohren. Zum Glück schoß der Typ aus der Hüfte, was für die Zielsicherheit alles andere als zuträglich war. Jens und ich sprangen hinter Schrottautos in Deckung und zogen unsere Waffen.

»Barenkow, geben Sie auf, Sie kommen hier nicht raus!«

Als Antwort schlugen erneut Kugeln in das Blech ein, welches meinen Chef schützte.

»Verdammt. Wenn der genug Munition hat, kommen wir nicht so leicht an den heran.«

»Wir sollten Verstärkung rufen und das Gelände abriegeln lassen. Nicht daß der uns hintenherum abhaut.«

Machlitzke grinste bösartig.

»Das zumindest kann er nicht. Ich kenne das Gebäude, das ist ein alter Kohlenbunker, obendrauf das Büro. Der einzige Zugang ist diese Treppe. Und ob AK oder nicht – dort kommt er nicht weg.«

Wenigstens eine gute Nachricht.

»Trotzdem hast du recht, wir fordern Verstärkung an. Gegen ein Sturmgewehr renn ich nicht mit der Pistole an, ich ruf lieber das SEK.«

Mein Vorgesetzter griff zum Handy, klappte es auf und fluchte.

»Verdammt, kein Empfang hier. Was sagt deins?«

Leider genau das gleiche – kein Wunder, wir verwendeten das gleiche Netz.

»Chef, ich flitz zum Wagen und mach das über Funk.«

Nachdenklich schaute Machlitzke sich um. Das Gelände sah gut aus, ich würde unterwegs immer wieder Deckung haben.

»Okay, ich geb dir Feuerschutz. Bist du bereit?«

»Ja, auf drei.«

Mein Begleiter nickte, und ich fing an zu zählen.

»Eins … zwei … DREI!«

Wir sprangen beide auf, und während Jens mehrere Schüsse in Richtung des Gebäudes abgab, in welchem sich Barenkow verschanzt hatte, stürmte ich davon.

Es funktionierte. Bis die ersten Schüsse aus der Kalaschnikov fielen, war ich längst um die schützende Ecke herum und rannte in sicherer Deckung zu unserem Dienstwagen. Dort angekommen versuchte ich es nochmal mit dem Handy, aber auch hier gab es keinen Empfang. Nun, dann mußte es halt über den offenen Funk gehen. Auch auf die Gefahr hin, daß es hier demnächst von Pressehanseln wimmeln würde. Ich schaltete das Gerät ein und griff zum Mikro. Gerade fragte ein Streifenwagen einen KFZ-Halter ab, solange konnte ich nicht warten.

»Funk frei! Löwe zwo!«

Sofort erstarb das Gebrabbel im Äther, und die Funkzentrale meldete sich.

»Rufer Löwe zwo!«

»Sieben-Dreiundzwanzig.«

»Zwo hört!«

»Standort Autohandel Barenkow, Zwieselstraße. Wir werden mit einer automatischen Waffe beschossen und benötigen dringend das SEK.«

Passenderweise erklang im Hintergrund die nächste Salve aus dem AK.

»Empfangen, Verstärkung und SEK sind unterwegs!«

Na also.

»Sieben-Dreiundzwanzig, danke und aus.«

Ich stieg wieder aus dem Wagen und ging zum Kofferraum. Aus diesem entnahm ich zwei kugelsichere Westen, von denen ich eine sofort anlegte. Aus dem Geheimfach holte ich die Heckler&Koch MP5, die zumindest ein klein wenig Waffengleichheit herstellen würde. Wobei natürlich eine Maschinenpistole einem Sturmgewehr in allem außer der Handlichkeit unterlegen war. Ich lud durch, und in diesem Moment hörte ich schon die Sirene des ersten Verstärkungswagens. Kurz darauf kam dieser mit quietschenden Reifen neben mir zum Stehen, und die beiden uniformierten Kollegen sprangen heraus. Ich kannte sie nicht, also stellte ich mich vor.

»Altman, Mordkommission. Mein Chef ist dort hinten festgenagelt, in dem Gebäude am Ende des Geländes hockt ein Mordverdächtiger mit einer Kalaschnikov.«

»Schöne scheiße. Gehen wir vor?«

»Ja, wir gehen vor, aber nicht rein. Das soll das SEK übernehmen.«

»Na Gott sei Dank.«

Die Kollegen trugen bereits Schutzwesten, und einer hatte auch schon die Maschinenpistole des Streifenwagens in der Hand.

»Dann mal los, zeig uns wo wir hinmüssen.«

Wir flitzten vor zur Ecke des Schrottstapels, hinter welchem das Gefahrengebiet begann. Vorsichtig schaute ich herum und sah, daß mein Chef die Tür des Gebäudes mehrere Meter über dem Erdboden im Auge behielt. Ich stieß einen kurzen Pfiff aus, daraufhin schaute er zu mir. Ich hob den Daumen und zeigte an, daß ich wieder zu ihm kommen würde. Er nickte und schaute wieder zurück zum Gebäude. Ich wandte mich an die Kollegen.

»Schaut mal kurz um die Ecke, damit ihr euch ein Bild machen könnt.«

Sie taten genau das, und ich erzählte weiter.

»Er feuert aus der Tür am Ende der Treppe.«

»Ist er alleine?«

»Sieht so aus, wir haben keine anderen Leute bemerkt.«

»Gut. Du willst wieder vor?«

»Ja. Gebt mir Deckung mit der HK, okay?«

»Alles klar.«

Es wiederholte sich der Ablauf von vor wenigen Minuten, auf »drei« stürmte ich hakenschlagend nach vorn, während der grüngekleidete Kollege mit der MP das Feuer eröffnete. Als Antwort kamen einige Schüsse aus dem Gebäude, allerdings völlig ungezielt, sodaß ich problemlos die Deckung erreichte, hinter der mein Chef ausharrte.

»Hier, ich hab dir was mitgebracht.«

Dankbar nahm Jens die kugelsichere Weste entgegen. Auch wenn die gegen einen Schuß aus einem Sturmgewehr keinen echten Schutz bieten würde.

»Ich versuch ihn nochmal anzusprechen.«

»Okay.«

Ich ging mit der MP in Anschlag, während mein Vorgesetzter vorsichtig über die Deckung lugte.

»Barenkow, geben Sie auf! Sie sind umstellt, gleich trifft das SEK ein. Sie haben keine Chance!«

Als Antwort prasselten wieder Kugeln in unsere Deckung aus Stahl und Blech, also zogen wir lieber die Köpfe ein.

»Der scheint es ausschießen zu wollen, Chef.«

»Sieht ganz so aus. Und wenn er Brauner umgebracht hat, hat er auch kaum noch was zu verlieren.«

So sah es leider aus, also warteten wir auf das Eintreffen des Sondereinsatzkommandos und behielten unterdessen die Treppe aus dem Gebäude im Auge. Zehn Minuten später trafen die schwerbewaffneten und gepanzerten Kollegen ein. Der Einsatzleiter kam im Zickzack zu uns gerannt.

»Mahlzeit. Was habt ihr schönes für uns?«

Machlitzke weihte ihn ein.

»Einen Mordverdächtigen, der mit nem AK rumballert.«

»Na super. Wie sieht es mit anderen Ausgängen aus?«

»Es gibt keine, rein oder raus geht es nur über diese Treppe.«

»Na wenigstens etwas. Sollen wir reingehen oder wollt ihr es nochmal im Guten versuchen?«

Wir lachten leise.

»Seine Antwort auf unsere Versuche im Guten bestand bisher immer aus Blei.«

»Alles klar. Ich zieh meine Leute heran, Zugriff in fünfzehn Minuten.«

Während der SEK-Einsatzleiter nun seine Männer sortierte und informierte, fielen überraschenderweise keine Schüsse mehr, obwohl einiges an Bewegung herrschte, als sich die Beamten heranarbeiteten. Fragend schaute ich zu Jens.

»Ob er keine Munition mehr hat?«

»Darauf verlasse ich mich lieber nicht. Wir hängen uns ans SEK dran. Du kannst mit dem Ding doch umgehen, oder?«

Er zeigte auf die Maschinenpistole in meinen Händen.

»Achtundvierzig von fünfzig beim letzten Training.«

»Sehr schön.«

Die Uhr tickte gnadenlos weiter, und dann war es soweit. Der Einsatzleiter wandte sich wieder an uns.

»In einer Minute schlagen wir los.«

»Okay, wir hängen uns an euch dran.«

Begeistert schien er von dieser Ankündigung nicht zu sein, aber er widersprach nicht.

»Einverstanden. Aber falls eine Schießerei losgeht, schmeißt ihr euch in den Dreck.«

Wir versprachen es, dann machten wir uns startbereit. Noch zehn Sekunden…

»Los los los!«

Einige SEK-Beamte stürmten aus ihren Deckungen hervor, während andere ihre Waffen auf die Türöffnung richteten. Als nicht sofort geschossen wurde, sprangen auch Jens und ich auf und folgten den Kollegen. Schnell überbrückten wir die freie Fläche bis zum Gebäude, wo wir uns dann an der Hauswand entlang die Treppe hinauftasteten. Noch immer gab es keine Reaktion von Barenkow. Sehr komisch.

Die ersten SEKler hatten die Tür erreicht und sprangen ins Gebäude, kurz darauf ertönten die ersten Rufe.

»Links sicher!«

»Rechts sicher!«

Die nächsten Beamten stürmten hinein, gefolgt vom Einsatzleiter sowie Jens und mir.

»Rückfront sicher!«

»Alle Räume gesichert!«

Das war viel glatter gelaufen als ich befürchtet hatte. Keine Schießerei am OK Corall? Ich sicherte die MP und schaute mich um, als auch schon der SEK-Einsatzleiter aus den hinteren Räumlichkeiten zurückkam.

»Tut mir leid, aber euer Vögelchen ist ausgeflogen.«

Jens war wie vor den Kopf geschlagen.

»Wie ist das möglich? Hier gibt es keinen zweiten Ausgang!«

In diesem Moment ertönte ein Ruf aus einem der hinteren Räume.

»Hierher!«

Wir stürzten zu dem Beamten der gerufen hatte. Er stand vor einem offenen Fenster. Ungläubig schaute Jens auf das sich bietenden Bild.

»Das kann doch nicht sein, das sind mindestens acht Meter bis zum Boden!«

Der SEK-Beamte zeigte auf einen Seilfetzen, welcher am Heizkörper hing.

»Er hat es mit ner Strickleiter versucht. Mit der Betonung auf *versucht*.«

Als wir ans Fenster traten und hinausschauten zuckten wir erschrocken zurück. Am Boden, tatsächlich acht oder mehr Meter unter uns, lag eine verkrümmte Gestalt, neben ihr eine Kalaschnikov und auf ihr eine Strickleiter. Wortlos drehte mein Chef sich um und stürmte aus dem Gebäude heraus, ich folgte ihm dicht auf den Fersen. Am Fuße der Treppe angelangt liefen wir KHK Berger in die Arme.

»Habt ihr ihn erwischt?«

»Kann man so sagen. Was machst du hier?«

»Ich hab im Funk über die Schießerei gehört und bin gleich hergekommen. Wo ist Barenkow?«

»Komm mit.«

Wir umrundeten das Gebäude, und als Berger die »heruntergekommene Gestalt« erblickte, entfuhr ihm ein kleiner Aufschrei.

»Ach du scheiße. Ist der rausgehüpft oder wie?«

Nach wenigen Schritten hatten wir den AK-Schützen erreicht, und mein Chef griff zu der auf ihm liegenden Strickleiter. Deren Ende sah arg ausgefranst aus, entweder hatte die schon vorher nen Schaden gehabt oder Barenkow war einfach zu schwer dafür gewesen.

»Gehüpft ist der nicht, der wollte sich abseilen. Und ich Idiot hab gar nicht an diese Möglichkeit gedacht.«

Und hätte er nicht mit minderwertigem Material gearbeitet, wäre ihm die Flucht wohl sogar gelungen. Während ich die auf den ersten zwei oder drei Stockwerken fensterlose Rückwand des Gebäudes anschaute, hockte sich KHK Berger neben den verhinderten Kletterer.

»Hm. Zwei Dinge, Jens. Erstens: er ist tot. Zweitens: es ist nicht Barenkow.«

Ich zuckte herum, gerade rechtzeitig, um das nun endgültig total verdatterte Gesicht meines Chefs zu sehen.

»Nicht Barenkow? Warum ist der dann abgehauen, als wir ihn mit Barenkow angesprochen haben?«

»Keine Ahnung, aber das ist mit Sicherheit nicht Viktor. Er kommt mir bekannt vor, ich glaube das ist einer seiner Laufburschen. Auf den Namen komm ich jetzt nicht, da muß ich mir erst nochmal die Akten anschauen.«

Die Geschichte wurde immer undurchsichtiger.

»Chef, vielleicht hat gar nicht Barenkow den Brauner umgebracht? Wenn das hier Viktors Laufbursche ist, dann hat der vielleicht etwas von dem Diamantendeal mitbekommen und wollte sich selber eine kleine Gehaltsaufbesserung gönnen.«

»Wäre möglich, aber andererseits hatte Brauner heute einen Termin mit Barenkow.«

In diesem Moment klingelte das Handy meines Vorgesetzten.

»Machlitzke.«

Angespannt lauschte er in den Hörer.

»Gute Arbeit, danke!«

Er beendete das Gespräch.

»Sascha, deine Theorie ist gerade den Bach runtergegangen. Auf dem Nudelholz waren die Fingerabdrücke von Barenkow.«

Verdammt. Warum hatte dann dieser Heini hier so wüst herumgeballert?

»Wir sollten hochgehen und uns mal ein wenig im Büro umschauen. Vielleicht finden wir ja einen Hinweis auf den Aufenthaltsort von Viktor.«

Wir begaben uns also wieder zurück in die Räumlichkeiten, aus denen so wild auf uns geschossen worden war. Dort teilten wir uns auf und begannen damit, uns eingehend umzusehen. Ich fand auf dem Schreibtisch viele Unterlagen über den Schrott- und Autohandel, aber nichts was uns irgendwie weiterhalf. Mein Glück wendete sich erst, als ich mir den Papierkorb vornahm.

»Chef, ich hab da was!«

Sowohl Jens als auch der Kollege vom OV traten zu mir. Triumphierend zeigte ich ihnen einen Brief.

»Was ist das, Großer?«

»Eine Buchungsbestätigung der Bahn. Barenkow hat im Internet ein Ticket für den Moskau-Expreß gekauft, und das ist ihm per Post zugeschickt worden.«

»Gut gemacht, Sascha! Steht auch da, für wann das Ticket ist?«

Ich las mir den Text genauer durch und wurde blaß.

»Für heute!«

»Verdammt, welche Zeit?«

»16.33 Uhr.«

Synchron schauten wir auf unsere Uhren. Es war bereits kurz vor halb vier, wir würden uns mächtig beeilen müssen.

»Wir müssen zum Bahnhof, und wir brauchen ein Foto von Barenkow!«

»Ich hab eins dabei, und ich komme mit, ich erkenne ihn auch so.«

»Gut, dann nichts wie los.«

Wir stürmten zu unseren Wagen, und kurz darauf rasten wir mit Blaulicht und Sirene durch den dichter werdenden Nachmittagsverkehr in Richtung Hauptbahnhof. Unterwegs hatte ich eine Idee.

»Sollten wir nicht die Bundespolizei informieren? Die könnten sich massiv auf dem Bahnsteig umsehen.«

Jens überlegte kurz.

»Da hab ich auch schon dran gedacht, aber lieber nicht. Wenn Barenkow genauso irre ist wie sein Handlanger, dann ist er vielleicht auch schwer bewaffnet. Bei den Menschenmassen auf dem Bahnhof gäbe das eine Katastrophe. Wir sollten versuchen, das möglichst unauffällig über die Bühne zu bekommen.«

Das war allerdings ein gutes Argument. Endlich trafen wir am Hauptbahnhof ein, ließen unsere Wagen am Taxistand stehen und stürmten hinein ins Gebäude. Während wir hinauf zum Querbahnsteig liefen, zeigte uns Berger ein Bild von unserem Mörder. Oben angekommen, stoppte mein Chef unseren Sturmlauf.

»Wir sollten jetzt lieber unauffällig weitergehen. Sascha, zu welchem Bahnsteig müssen wir?«

Ich schaute auf die elektronische Anzeigetafel.

»Bahnsteig 9.«

»Gut, dann los. Wir teilen uns auf. Sascha, du steigst vorn ein und gehst durch den Zug. Sven, du gehst schnell ans andere Ende und fängst von dort an. Ich übernehm den Bahnsteig. Und denkt dran, der ist gefährlich, also seid vorsichtig.«

Schnellen Schrittes aber ohne zu rennen begaben wir uns zum genannten Bahnsteig. Noch knapp 20 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges. Durch die geöffnete erste Tür des ersten Waggons stieg ich ein. Der Zug war schon ziemlich voll, und viele Reisende waren mit schwerem Gepäck unterwegs. Es würde gar nicht so einfach werden, durch die vollen Waggons voranzukommen.

Mühsam arbeitete ich mich voran, aber auch nach drei Waggons hatte ich Barenkow noch nicht entdeckt. Und der Zug wurde immer voller. Hoffentlich hatte einer der beiden anderen mehr Erfolg! Seufzend schob ich mich weiter, dabei einen älteren Mann anrempelnd.

»Entschuldigung.«

»Job twoju mat!«

Fick deine Mutter? Wie nett. Ich warf dem Typen einen wütenden Blick zu, welcher grimmig unter seinem Schnauzer zurückstarrte. Naja, dafür hatte ich jetzt keine Zeit, ich dreht mich um und ging weiter. Doch plötzlich zuckte etwas durch mein Gehirn. Die Nase kam mir irgendwie bekannt vor. Aber der Bart? Und die blonden Haare? Andererseits: einen Bart kann man ankleben, und Haare kann man färben. Ich drehte mich erneut zu dem freundlichen Kerl um und musterte ihn eingehend. Und je mehr ich ihn musterte, umso mehr kam ich zu der Überzeugung, daß das Viktor Barenkow war!

Leider fiel diesem meine eingehende Betrachtung seiner Person auf. In nur zwei Metern Entfernung befand sich eine der Waggontüren, und durch diese sprang er nun auf den Zwischenbahnsteig. Ich stürmte ihm hinterher.

»Barenkow, stehenbleiben, Polizei!«

Noch im Laufen zog ich meine Dienstwaffe – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Der Verfolgte jedoch dachte gar nicht daran, stehenzubleiben oder gar mich anzugreifen, er rannte weiter in Richtung Querbahnsteig, wohl in der Hoffnung, in den dortigen Menschenmengen untertauchen zu können.

Ich holte allerdings recht schnell auf, meine Beine waren wohl 15 bis 20 Jahre jünger als seine. Als er sich dann noch kurz vor Erreichen des Querbahnsteigs nach mir umschaute, schlug das Schicksal zu, und zwar in Form eines kleinen Hundes, welcher ihm vor die Füße lief und ihn zu Fall brachte. Drei Sekunden später, während er noch versuchte sich wieder aufzurappeln, warf ich mich auf ihn.

»Schön liegenbleiben. Viktor Barenkow, Sie sind vorläufig festgenommen wegen Verdacht des Mordes an Harald Brauner.«

Ich saß förmlich auf seinem Rücken, steckte meine Pistole weg und griff zu den Handschellen, die ich ihm auch gleich anlegte. In der Zwischenzeit waren zwei ziemlich abgehetzte Beamte der Bundespolizei eingetroffen.

»Was ist denn hier los?«

Ich griff in meine Jackentasche und zeigte meinen Dienstausweis.

»Altmann, Kripo Leipzig. Ich hab soeben einen Mordverdächtigen festgenommen. Können Sie etwas über die Lautsprecher am Bahnsteig 9 ausrufen lassen?«

»Ja, kein Problem.«

»Gut. Lassen Sie bitte durchsagen, daß sich Hauptkommissar Machlitzke und Hauptkommissar Berger zum Querbahnsteig begeben sollen, der Einsatz wäre beendet.«

»Alles klar.«

Der eine Beamte sprach in sein Funkgerät, und kurz darauf erklang die Durchsage über die Bahnsteigslautsprecher. Einige Minuten später tauchten die beiden Ausgeruffenen nach Luft japsend bei uns auf. Als mein Chef den gesicherten Barenkow erblickte, stahl sich ein breites Lächeln auf sein Gesicht.

»Du hast ihn erwischt? Super, Sascha! Irgendwelche Probleme dabei?«

»Nein, er wollte stiftengehen, ist dann aber über so nen kleinen Kläffer gestolpert, und das wars dann.«

»Prima. Wo genau hast du ihn gefunden?«

Ich zeigte auf die immer noch offenstehende Waggontür am Zwischenbahnsteig.

»Dort rein, nach links, er stand vor dem zweiten Abteil.«

»Gut, dann werden wir gleich mal nachschauen, ob wir sein Gepäck finden.«

Machlitzke wandte sich an die beiden Bahnhofspolizisten.

»Sie kommen am besten mit, und sorgen Sie doch bitte dafür, daß der Zug vorläufig nicht abfährt.«

»Darüber wird die Bahn nicht begeistert sein.«

»Das läßt sich nicht ändern, wir werden uns auch beeilen.«

Wieder sprach einer der Beamten in sein Funkgerät, und kurz danach erschallte aus den Lautsprechern die Information, daß der Moskau-Expreß voraussichtlich 10 Minuten Verspätung bei der Abfahrt haben würde. Auf dem Weg zurück zum Waggon schaute KHK Berger zwischen mir und Barenkow hin und her. Dann schüttelte er den Kopf.

»Der hat sich ganz schön verändert. Wie hast du ihn erkannt? Ich glaube, ich wäre einfach an ihm vorbeigelaufen.«

»Wäre ich wohl auch, aber er hat mich beleidigt, und da hab ich ein zweites Mal hingeschaut. Trotzdem bin ich erstmal weitergegangen, aber dann hab ich mich an die Nase erinnert.«

Diese Nase war mal gebrochen gewesen und steckte ein klein wenig schief im Gesicht – und das war ein Merkmal, welches man nicht so einfach verdecken konnte.

»Gute Arbeit, Sascha. Hättest du nicht Lust, zu mir ins OV zu kommen?«

Jens sprang sofort darauf an.

»Das hab ich gehört, Sven! Laß die Pfoten von Sascha, der gehört mir!«

Abwehrend hob Berger die Hände.

»Schon gut, schon gut, den Versuch war es wert.«

In der Zwischenzeit hatten wir den Waggon erreicht und stiegen wieder in den Zug. In dem Abteil, vor welchem Barenkow gestanden hatte als ich ihn anrempelte, saßen noch zwei weitere Leute, ein uraltes Paar. Freundlich lächelnd trat Machlitzke ein.

»Guten Tag, Kriminalpolizei. Sagen Sie bitte, war dieser Herr hier vorhin in diesem Abteil?«

Der beiden alten Leutchen waren etwas verängstigt, und der Mann antwortete in gebrochenem Deutsch.

»Ja, er hier mit saß.«

Mein Vorgesetzter lächelte noch breiter.

»Können Sie mir sagen, welches seine Gepäckstücke sind?«

Mit zitternder Hand zeigte der Großvater auf einen Koffer und eine Reisetasche. Jens griff sich den Koffer und gab ihn mir nach draußen, er selbst schnappte sich die Reisetasche. Dann wandte er sich nochmals an die alten Leute.

»Gehört ihm sonst noch etwas aus diesem Abteil?«

Die zwei schüttelten die Köpfe.

»Gut. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit, ich wünsche Ihnen eine gute Reise!«

Mit diesen freundlichen Worten verließen wir erst das Abteil und dann den Zug. Während des ganzen Geschehens hatte der Verhaftete kein Wort gesagt, er hatte nur wütend in der Gegend herumgeguckt und auch keinen weiteren Fluchtversuch unternommen.

»Damit wäre ja hier alles geklärt. Der Zug kann jetzt abfahren.«

Der Bundespolizist mit dem Funkgerät gab dies durch, während Machlitzke per Handy einen Streifenwagen zum Bahnhof zitierte, welcher Barenkow zum Präsidium bringen würde. Es war mittlerweile 16.40 Uhr.

Im Präsidium angekommen, begannen wir gleich mit der ersten Vernehmung. Nachdem wir Barenkow die Beweise präsentiert hatten, besonders natürlich seine Fingerabdrücke auf der Tatwaffe, brach er ziemlich schnell sein Schweigen um uns klarzumachen, daß es sich nicht um Mord sondern »nur« um Totschlag gehandelt hatte. Kurz nach 18 Uhr wurde er in seine Zelle gebracht. Unser Fall war gelöst. Zufrieden lehnten wir uns auf unseren Stühlen zurück.

»Das ist ja heute wirklich super gelaufen, ich hätte nicht gedacht, daß wir die Sache noch am gleichen Tag abschließen können.«

Sowas kam wirklich eher selten vor.

»Aber Sascha, du solltest dich jetzt sputen. Du hast einen Termin im Theater. Nicht daß du deinen Derek versetzt und der dann wütend auf dich wird. Dann hab ich gleich den nächsten Mord am Hals, und eigentlich will ich jetzt Feierabend machen.«

Halleluja! Mein Chef hatte den richtigen Namen meines Freundes benutzt! Aber er hatte recht, ich mußte mich wirklich beeilen. Vor allem da ich mich ja noch umziehen mußte. Und eine schnelle Dusche konnte ich auch gebrauchen. Ich verabschiedete mich also und stürzte nach Hause. Ich erledigte alles im Schnelldurchlauf, und pünktlich auf die Minute erreichte ich das Schauspielhaus. Schon von weitem entdeckte ich Derek, und als dieser mich auch endlich erblickte, kam er auf mich zugerannt und sprang mir regelrecht in die Arme.

»Da bist du ja! Ich hatte schon befürchtet, du würdest mich hängenlassen.«

Ich knuddelte meinen Kleinen ordentlich durch.

»Ich hab dir doch versprochen, daß ich da sein werde.«

Glücklich schaute er mich aus seinen großen braunen Augen an.

»Ja, hast du. Gehen wir rein?«

Da führte wohl kein Weg dran vorbei, also ließ ich mich von ihm ins Theater zerren. Als wir unsere Plätze eingenommen hatten, waren es bis zum Beginn der Vorstellung noch zehn Minuten.

»Was macht dein Fall? Haben die Laptop-Daten euch weitergeholfen?«

»Ja, haben sie, die waren eine große Hilfe. Wir haben den Täter vorhin verhaften können.«

»Komm schon, erzähl! Was war genau los?«

Mein Kleiner war immer sehr interessiert, wenn es um meine Arbeit ging, also erzählte ich ihm, wie wir Barenkow auf die Spur gekommen waren. Als ich bei der Szene auf dem Schrottplatz angekommen war, wurde Derek immer bleicher.

»Der hat auf dich geschossen?«

Sanft nahm ich ihn in den Arm.

»Ja, aber mir ist nichts passiert.«

»Verdammt, versprich mir, daß du immer auf dich aufpaßt!«

Ich tat ihm den Gefallen, dann erzählte ich weiter bis zum Schluß.

»Aber warum hat er diesen … wie hieß der? Brauner? Warum hat er den umgebracht?«

»Er behauptet, es wäre im Affekt passiert. Brauner wollte plötzlich 10.000 Dollar mehr für die Blutdiamanten, und da ist es zum Streit gekommen. Angeblich ist Brauner mit einem Messer auf ihn losgegangen, da hat sich Barenkow das Nudelholz gegriffen und es ihm über den Schädel gehauen. Als er merkte, daß Brauner tot war, hat er Panik bekommen und die Bude angezündet. Anschließend hat er sich die Haare gefärbt und einen Bart angeklebt. Da er eh heute nach Rußland wollte, hat er gedacht daß er sich einfach absetzen könnte. Mit den Daten auf dem Laptop hatte er allerdings nicht gerechnet.«

»Und dieser Brauner war todkrank?«

»Ja, er wollte sich wohl mit dem Geld ein paar schöne letzte Wochen machen. Tja, Pustekuchen. Aber ich glaube, jetzt geht es los.«

Tatsächlich, die Lichter wurden dunkler und das Theaterstück begann. Derek war schnell voll im Bann der Handlung, ich hingegen hatte Mühe, nicht einzuschlafen. Der Tag war anstrengend gewesen. Ob ich wohl den Theaterbesuch als Überstunden würde abrechnen können? Schließlich ging es darin um Mord und Totschlag, das war doch quasi Weiterbildung, oder?

Als wir spät am Abend das Theater verließen, war mein kleiner Schatz noch völlig aufgekratzt.

»Wollen wir noch irgendwo ein Bier trinken?«

Gequält verzog ich das Gesicht.

»Du, sei mir nicht böse, aber ich hatte nen langen Tag. Eigentlich möchte ich nur noch ins Bett.«

Ein freches Grinsen erschien auf Dereks Gesicht.

»Hast du Lust, bei mir zu übernachten?«

Plötzlich war ich gar nicht mehr SO müde. Ich grinste zurück.

»Sind deine Eltern da?«

»Nö, die sind verreist, wir haben das Haus für uns alleine.«

Wie vielversprechend.

»Na dann mal los!«

Eine Viertelstunde später erreichten wir Dereks Wohnung, und weitere zehn Minuten später kroch ich nackt in sein Bett, während mein Freund noch dabei war, seine Sachen abzulegen. Nanu? Was war das denn? Meine Füße waren an irgendwas gestoßen. Ich beugte mich vor und zog es unter der Bettdecke hervor. Im nächsten Moment wurde ich von Gelächter durchgeschüttelt. Ich hielt eine Wärmflasche in der Hand. Und auch noch eine in knalligem Pink!

»Sag mal, was ist das denn?«

Derek grinste.

»Na irgendwas muß mich doch warmhalten wenn du nicht da bist.«

»Schon klar, aber das hier? Das sieht so richtig schön schwul aus! Und ich dachte, du wärest bei uns derjenige mit dem Sinn fürs Schöne.«

»Bin ich ja auch, schließlich hab ich mich für DICH entschieden. Und ich würde das Ding lieber heute als morgen ausmustern. Das kann ich aber erst, wenn wir zusammenziehen und du mich jede Nacht wärmst…«

Verdammt, ich glaube, das sollten wir wirklich bald tun. Ich schleuderte das Gummiteil aus dem Bett und Derek schlüpfte zu mir unter die Decke…

Eine halbe Stunde später schlief ich ein und verfiel in einen wilden Traum voller Nudelhölzer, Laptops, Strickleitern, Zugtickets und nicht zu vergessen pinker Bettflaschen. Das war nur ein einziger Tag in meinem Leben gewesen, und er hatte Stoff für mindestens einen halben Roman gebracht!

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Information Morgentau
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:26 AM - No Replies

Platsch.

Oh – Rufe, Hundegebell, Aufruhr.

Dennis schüttelte kurz seinen Kopf, der Helm war verrutscht und saß schräg auf dem braun behaarten Schopf. Kläffend turnte Tiffy, die Jack-Russel-Hündin auf ihm herum. Was war grad passiert?, dachte er und sah aus seiner ungewollten Sitzposition ungläubig zu der Zuschauertribüne.
Einige Leute waren aufgestanden und blickten mit halb offenem Mund in seine Richtung. Als Dennis sein Missgeschick klar wurde, ließ er sich einfach in den Matsch fallen. War jetzt eh schon alles egal. In dem Moment spürte er einen stechenden Schmerz in der Schulter. Er schloss die Augen. Wut kam auf, Zorn.
Alles verspielt. Aus und vorbei. Seine letzte Chance vertan. Bevor der Sanitäter bei ihm war zogen schnell die letzten Wochen an seinem geistigen Auge vorbei. Soviel Pech hatte er noch selten in seinen 19 Lebensjahren gehabt. Pech oder Unglück? Schicksal? Er konnte es nicht trennen.

»Alles Ok mit dir?«, fragte einer der Sanitäter und kniete sich neben Dennis auf den vom Regen der letzten Tage aufgeweichten Boden.

»Meine Schulter«, antwortete er leise. Er vermochte nicht zu sagen was mehr weh tat – dieses Turnier verloren zu haben oder der Schmerz.
Kaum berührte der Sani die Stelle schrie Dennis auf.

»Autsch«.

»Kann das Schlüsselbein sein. Sonst noch Schmerzen irgendwo?«

Dennis schüttelte den Kopf und er spürte jetzt Tränen in seinen Augen.

»Kannst du aufstehen?«

Dennis wusste dass es der Sani gut meinte, aber ihm wurde das alles furchtbar peinlich. Noch immer starrte alles zu ihm hin, irgendwer plärrte irgendwas durch die Lautsprecher und Dennis versuchte gar nicht erst die hallenden Worte zu verstehen.
Sein Name fiel, das bekam er noch mit, den Rest wollte er wirklich nicht hören. Dass er ausgeschieden war, dass sein Erzfeind Ralf den ersten Platz des Reitturniers gewonnen hatte. Dabei hatte alles so gut ausgesehen an dem Morgen.
Billy, Dennis’ Kohlfuchs und einziger Freund, war gut gelaunt, zickte nicht herum und war ganz brav auf den Platz getrabt. Alle Disziplinen klappten hervorragend, einige Leute riefen seinen Namen und feuerten ihn damit an.
Doch dann dieser Knall. Irgendwoher kam er, laut und scharf. Billy bäumte sich so schnell auf dass Dennis gar nicht reagieren konnte. Sekunden später fiel er aus dem Sattel und landete auf dem Boden.
Resigniert ließ sich Dennis von dem Sani vom Platz führen. Ausgerechnet die rechte Schulter. Wenn das Schlüsselbein gebrochen war konnte er sich erst mal darauf einstellen nicht schreiben zu können. Und das zu einer Zeit als die Abschlussprüfung seiner Lehre anstand.
Er mochte nicht weiterdenken was das bedeutete. Kann man wirklich so viel Pech haben? Erst war sein Vater samt zugehöriger Sekretärin abgehauen, dann ging sein Auto kaputt und schließlich zog Stefan, sein bester Freund aus Schultagen, weg aus der Stadt.
Und nun dies. Er sah zu Billy hinüber, der von einem Jurymitglied vom Platz geführt wurde. Der stolze Kohlfuchs konnte schließlich nichts dafür, ihm die Schuld zu geben war das Letzte was Dennis in den Sinn kam. Nur, wenn er den erwischen würde der das zu verantworten hatte, dem würde er auch mit nur einer Hand die Gurgel umdrehen.
Aufmunterte Worte raunten ihm entgegen als der Sani mit ihm im Geleit durch die Menschenmenge nach draußen ging. Dennis traute sich nicht ihnen in die Augen zu sehen. Am wenigsten in die seiner Schwester oder gar seiner Mutter, die bestimmt hier in der Nähe waren. Ihnen gleich zu begegnen war eh unsausweichlich, aber er hätte lieber darauf verzichtet.
Den Blick auf den Boden gerichtet stapfte er tapfer hinaus aus der Koppel. Plötzlich blieb der Sani stehen und Dennis sah vor sich. Vor ihnen aufgebaut stand Ralf, sein Rivale. Er mochte Dennis einfach nicht, was sich aber nur dadurch äußerte dass er ihm eigentlich permanent aus dem Weg ging.
Ralf war schon im Verein als Dennis vor drei Jahren hier dazukam. Seine Schwester hatte ihn öfter mitgenommen und irgendwann saß er auf dem Rücken von Billy und unternahm seine ersten Reitversuche.
Er bekam Spaß an der Sache, ging immer öfter hin und es stellte sich heraus dass er für diesen Sport geboren war. Nur war da eben Ralf, der ihm nicht von Anfang an mit Misstrauen begegnete.
Der Junge, der in seinem Alter war, war auf den ersten Blick gar nicht so unbequem. Zu Beginn saßen sie öfter im Reiterstübchen und unterhielten sich, hatten sogar gemeinsame andere Interessen festgestellt.
Im Lauf der Zeit spürte Dennis dann aber Zuneigung zu ihm. Sein Faible für hübsche Jungs war ja nicht neu, aber eines Abends, als sie wieder einmal zusammensaßen, spürte Dennis dass da mehr war als eine beginnende Freundschaft. Er gestand sich ein, dass er sich in Ralf zu verlieben begann. Dass er schwul war verheimlichte er tunlichst und niemand um ihn herum bekam seine heimliche Leidenschaft mit.
Dennis begann immer öfter zu grübeln wenn sie zusammen waren. Ralf hatte keine Freundin so wie er herausbekam und schien auch sonst nur viel Interesse an etlichen Sportarten zu haben.
Dann begannen die ersten Turniere und Dennis wurde immer besser, bis er schließlich ein erster Preis nach dem anderen einheimste. Von da an distanzierte sich Ralf immer mehr von ihm, bis er ihm schließlich ganz aus dem Weg ging.
Dennis war darüber mehr als unglücklich, versuchte Anfangs Ralf klar zu machen dass das alles nichts persönliches wäre, aber er kam kaum noch an ihn heran. Eigentlich hatte er gehofft Ralf würde ihn dadurch mehr beachten, aber das war offenbar ein Trugschluss. Schließlich fand er sich damit ab dass Ralf nicht das war was er sich insgeheim erhofft hatte. Natürlich wäre er ihm nie zu nahe gekommen, aber schon die bloße Anwesenheit oder die Gespräche mit ihm waren eine reine Freude für ihn.
Das war die Zeit als er sich Mirko anschloss. Der war alles andere als sein Typ, aber wenigstens klug, anständig. Fast ein Kopf kleiner als er, rotblonde Haare, Sommersprossen und er kam aus einer reichen Familie. Nicht nur an Geld, sondern auch aus Kindern. Mirko hatte noch vier Geschwister, allesamt Mädchen. Aber die waren jünger als Mirko, er selbst erst 17.

Ihre Augen trafen sich. Schöne, braune Augen hatte Ralf, umrahmt von langen Wimpern. Lächelte er grade? Oder war das Schadenfreude? Wohl eher das. Verständlich, obwohl er doch jetzt als Sieger hervorgegangen war. Gewonnen, das wichtigste Turnier des Jahres.. Dennis schämte sich, auch wegen seinem Aussehen. Total verdreckt vom Matsch überall dürfte er eine richtige Jammergestalt abgegeben haben.

»Na, Pech gehabt, wie?«

Dennis stiegen wieder die Tränen in die Augen. Nicht wegen der Worte, sondern dass er sie sagte, er, seine heimliche Liebe, immer noch.

»Scheint so«, murmelte er fast unhörbar. Hätte er ihm nun doch nicht lieber eine gescheuert? Er wusste nicht was er noch denken oder sagen sollte. Es wurde ihm auch egal, der Schmerz in seiner Schulter begann jetzt Oberhand zu gewinnen.
Ohne noch einmal aufzusehen lief er los, an Ralf vorbei wobei sich ihre Schultern berührten weil Ralf nicht auswich.

»Kind, hast du dich schwer verletzt?«, fragte seine Mutter, die plötzlich bei ihm stand, im Schlepptau Anni, seine Schwester.

»Nein, ich glaub nicht«, antwortete er missmutig und stieg in den Sanitätswagen. Er legte sich ohne Aufforderung auf die Trage und ließ sich von dem Sani anschnallen.

»Wir fahren ins Krankenhaus St. Elisabeth« sagte der nur zu Dennis’ Mutter und schloss die Tür. Dennis hörte noch dass sie draußen diskutieren, vermutlich wollten sie mitfahren. Ihm war recht dass das in der Regel nicht erlaubt war, er wollte alleine sein. Alleine mit sich und seinem Elend. Jetzt lösten sich die Tränen vollends und er begann zu schluchzen, als sich der Unfallwagen in Bewegung setzte und mit gemäßigtem Tempo vom Gelände fuhr.

Das Prozedere im Krankenhaus dauerte und dauerte. Röntgen, alle möglichen Körperteile nach etwaigen Verletzungen absuchen.. Zum Glück war das Schlüsselbein nur angebrochen, trotzdem verpasste man ihm einen Stützverband mit dem er nun einige Wochen herumlaufen musste.
Seine Mutter holte ihm am späten Nachmittag vom Krankenhaus ab und lud ihn – wohl zum aufmuntern – zu einem Eis in der Stadt ein. Dennis war es egal, er sträubte sich nicht, war aber auch nicht begeistert.

»Nun nimm es endlich hin, Dennis. Du kannst an all dem nichts ändern und zudem hat niemand Schuld. Zumindest du und Billy nicht. Sie sagten sie werden schon rauskriegen wer da geknallt hat, denn sie vermuten dass das mit Absicht getan worden ist. Aber selbst wenn man den nicht findet, es war schließlich nicht das Ende aller Tage«, sagte seine Mutter und löffelte in ihrem Eisbecher.

Dennis nickte nur, sie hatte ja recht. Trotzdem ärgerte es ihn und die Sache mit Ralf wurmte noch mehr.
Zu Hause angekommen legte er sich aufs Bett und grübelte. Immer wieder versuchte er sich einzureden dass es wieder besser werden würde, wusste er doch dass er seine Prüfungen nachholen durfte nachdem seine Mutter mit dem Betrieb telefoniert hatte.
Auch reiten konnte er wieder, irgendwann. Aber Ralf wich nicht aus seinem Kopf. Dieser hübsche Kerl, der so eine Ausstrahlung hatte der er sich nicht entziehen konnte. Die blonden, strubbeligen Haare, der schlanke Körper, der, eingehüllt in die Reiterkluft, so unheimlich anziehend für ihn war. Der niedliche Po.. Dennis stöhnte. Er hätte alles dafür gegeben Ralf als richtigen Freund bekommen zu dürfen. Aber irgendwas oder irgendwer waren scheinbar dagegen.

Gerade als er am einschlafen war klopfte es an der Tür.

»Dennis, kann man reinkommen?«

Verschlafen setzte er sich halb auf. Diese Stimme gehörte Sandra, einer guten Freundin aus der Nachbarschaft. Er mochte sie, weil sie so unkompliziert war und leider hatte sie auch schon Andeutungen gemacht dass sie ihn sehr gerne mochte. Er hoffte immer wenn sie zusammen waren dass sie keine Annäherungsversuche starten würde. Aber irgendwann, das ahnte er seit langem, würde es dazu kommen. Dann blieb ihm nichts als Farbe zu bekennen, so sehr er sich auch gegen ein Outing bei irgendwem sträubte.

»Ja, komm rein«, rief er und schon stand sie, in der Hand eine riesige Schachtel Pralinen, bei ihm am Bett.

»Hallo du Unglücksrabe. Wie geht’s dir?«

Er lächelte gequält.

»Frag lieber nicht.«

»Och, nun sei nicht so ein Frosch. Das wird doch wieder und dann kannst du es dem Ralf so richtig zeigen.«

Ralf. Der Name erzeugte einen Stich in seinem Herzen.

»Wenn möglich erwähne ihn in absehbarer Zeit bitte nicht in meiner Gegenwart.«

»Oh, er hat dir doch aber nichts getan.«

„Denkst du“, dachte er bei sich.

Mein Herz hat er gebrochen, das ist schlimmer als jede Verletzung irgendwelcher Körperteile.

»Sag mal, warum vertragt ihr euch eigentlich nicht? Am Anfang…«

»Bitte, Sandra, reden wir von was anderem.«

Ohne zu fragen setzte sie sich auf sein Bett und fuhr ihm durch die dichten, dunkelbraunen Haare.
»Also tut mir Leid, ich möchte schon gern wissen was zwischen euch ist. Man kann das ja nicht mit ansehen. Ich find es ganz toll wenn ihr auf auswärtigen Turnieren die anderen da so richtig abserviert. Das müsste doch…«

Dennis wischte sich über die Augen.

»Hast du große Schmerzen?«, unterbrach sie ihre Ausführungen.

Er sah auf seine Finger und spürte dass der Zeitpunkt gekommen war. Sie musste, sie konnte und sie sollte es wissen, denn irgendwann kam es doch heraus. Und er kannte sie gut genug dass er wusste, sie konnte schweigen. Möglich dass sie dann nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte, aber das musste er nun einfach riskieren.

»Sandra, ich hab ein Problem..«

Sie sah ihn an, aber eher gelassen.

»Komm, raus mit der Sprache.«

»Es ist aber nicht so einfach«, nuschelte er und bohrte seinen Blick in den Teppich.

»Sonst wär’s kein Problem, oder?«

»Ja, schon.. Also die Sache mit Ralf.. «

»Ja? Hat er dir was getan?«

»Im Grunde schon.«

Ihre Augen wurden groß und sie rückte ein Stück von ihm weg um ihn besser betrachten zu können.

»Nun sag schon, was ist da los?«

»Ich hab.. ich hab mich in den verliebt.«

Er wollte mehr sagen, aber jetzt die richtigen Worte zu finden fiel ihm schwer. Im Grunde war ja auch so alles raus. Mehr musste nicht sein. Er sah sie jetzt an und wartete auf ihre Reaktion.

Sandra blies die Luft aus ihren Lungen.

»Ach so. Ich dacht schon er hätte was mit deinem Unfall zu tun.«

Schlagartig sah Dennis hoch, direkt in ihre Augen. Das hatte er noch gar nicht bedacht. Natürlich. Ralf war schon drei Durchläufe vor ihm dran, er hatte Zeit genug das Gelände zu verlassen und den Knall abzugeben.
Genau im richtigen Augenblick. Das konnte nur er gewesen sein. Wut übermannte ihn plötzlich. Er wäre am liebsten zu ihm hin, jetzt, auf der Stelle. Aber Worte drangen in seine Ohren und er beruhigte sich. Zumindest äußerlich.

»Und sonst hast du nichts dazu zu sagen?«

»Dass du schwul bist? Was soll ich dazu sagen. Kannst ja nichts dafür. Ich hätte mir da natürlich was anderes vorstellen können.. aber soviel ich weiß kann man da ja nichts ändern. Dumm nur dass Ralf.. oder ist der auch?«

Dennis blinzelte in die Sonne die in sein Zimmer schien.

»Das weiß ich nicht. Er hat keine Freundin, das weiß ich. Aber mehr auch nicht.«

»Dann sei vorsichtig. Wenn er was merkt und Schwule nicht mag kann das schnell ins Auge gehen. Er kennt viele wichtige Leute im Verein und..«

»Ja, ja«, unterbrach er sie, »ich werd mich ruhig verhalten. Ich wollte.. nein ich musste aber jetzt mit jemandem drüber reden.«

»Und das mit mir. Ehrt mich irgendwie, auch wenn ich jetzt meine Hoffnungen auf dich begraben muss.«

Sie gab ihm einen zarten Kuss auf die Wange.

»So, nun muss ich aber, Stefanie will mit mir ins Kino. Oder kommst du auch mit?«

Er schüttelte lächelnd den Kopf.

»Lieb von dir, aber ich muss nachdenken. Ein andermal gerne. Und – danke dass du mir zugehört hast. Und mich nicht hocken lässt.«

Unter der Tür grinste sie, blinzelte ihm zu und zeigte mit dem Daumen nach oben.

»Wird schon, kein Problem.«

Dennis ließ sich in seine Kissen fallen um kurz darauf den Grund seines Aufenthalts bei dem Wetter in seinem Zimmer zu spüren. Wie ein Dolchstoß durchfuhr in der Schmerz.

»Verd…«, fluchte er und dachte erneut darüber nach, ob Ralf wirklich etwas mit all dem zu tun haben könnte.

Die Tage verstrichen ohne dass etwas aufregendes passiert wäre. Dennis’ Schulter ging es jeden Tag besser, endlich konnte er auch wieder schreiben. Aber das alles befriedigte ihn nicht. Er wollte wieder reiten. Rauf auf sein Pferd, das er jeden Tag besuchte.
Ralf war ihm dabei nur ein paar Mal begegnet, aber sie sahen sich nicht an. So wie zwei Fremde kam es Dennis vor. Menschen, die sich überhaupt nicht kennen. Sein seelischer Schmerz darüber begann abzuklingen, wenigstens war Mirko um so enger um ihn herum. Mirko hatte sich inzwischen Fiola als Freundin auserkoren.
Sie war ebenfalls im Verein und eine ganz annehmbare Person. Allerdings wich sie Mirko nicht von der Seite und Dennis versuchte ab und an ihnen fern zu bleiben.
Sandra kam jeden zweiten Tag bei ihm vorbei oder fuhr ihn zum Reitplatz. Sie war eine Seele von Mensch und wenn er nicht schwul wäre hätte er sie längst eingefangen. Abends in seinem Bett fand er oft keinen Schlaf.
Manchmal träumte er von Ralf, viele Sachen machten sie zusammen. An den schönsten Stellen schreckte er hoch, musste realisieren dass nichts davon der Wahrheit entsprach.

Es war dann nicht unbedingt nur Ralf der ihm nicht aus dem Kopf gehen wollte, es war die Frage wie es weitergehen sollte. Seiner Mutter musste er es irgendwann beichten, obwohl er da kein großes Problem sah.
Sie war tolerant, engagierte sich im Landfrauenverein und war auch sonst weltoffen. Aber sie war ja nicht alles und nicht jeder.
Nach Wochen dann endlich der erste Ausritt. Am frühen Sonntagmorgen, bei schönstem Sommerwetter, sattelte Dennis seinen Kohlfuchs auf. Nicht weit wollte er, nur ein paar Runden in den Rheinauen. Noch spürte er leichtes Ziehen in der Schulter, aber das störte ihn nicht.
Das Aufsteigen machte etwas mehr Probleme, aber als er endlich im Sattel saß waren die Schmerzen wie weggeblasen.
Langsam trabte er zum Gattertor hinaus. Schwalben umkreisten das Reitergespann, Fliegen brummten im warmen, noch milden Sonnenlicht und überall glitzerten die Blüten im Morgentau. Dennis merkte erst jetzt was er so lange vermissen musste.
Plötzlich hörte er Hufe neben sich. Schon aus den Augenwinkeln sah er dass es Ralfs Rappe war. Der hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt und er versuchte es einfach zu ignorieren, gab seinem Pferd sanft die Sporen und beschleunigte leicht.
Die Tritte neben ihm blieben, Ralf zog mit. Was hatte er vor? Dennis stoppte abrupt und drehte sein Pferd in Ralfs Richtung.
So standen sie da, die Pferde fast Kopf gegen Kopf.

»Was willst du von mir?«, fragte Dennis forsch.

»Vielleicht – ein Stück mit dir ausreiten?«

Dennis begann leicht zu zittern. Diese Stimme. Nichts Lautes, Aufdringliches oder gar Bedrohliches. Und dann dieses Bild. Nein, so anmutig saß keiner sonst im Sattel. Stolz würde er sagen. Und schön. Ja, schön. Sein Herz klopfte. Es lag an ihm das Angebot anzunehmen. War Ralf wirklich der Übeltäter? Führte er nun schon wieder etwas im Schilde? Dennis wusste keine Antwort auf diese Fragen. Aber er würde schließlich gewarnt sein, genau aufpassen was passiert.

»Wenn du willst«, sagte er wenig höflich. Eigentlich wollte er das so nicht sagen, aber sein Misstrauen überwog.

»Schön. Dann komm«, sagte Ralf und setzte seinen Rappen in Bewegung.

Dennis folgte ihm mit einigem Abstand, auf dem Pfad entlang hinein in den Pappelwald, der sie bis zum Rhein begleitete.
Dennis beobachtete seinen Vormann, wie er das Pferd führte; die schmale Taille, dieses anmutige Fortbewegen das eher einem schweben glich. Ralf ist für die Pferde geboren, dachte er. Sie waren eins da vorne, Reiter und Pferd verschmolzen zu einer grazilen Einheit. Dennis holte tief Luft.
Trotz der ungeplanten Begleitung fühlte er sich wohl, irgendwie. Warum konnte Ralf nicht sein Freund sein? Nur so, ohne das schwule drum herum? Er hätte damit leben können, bestimmt. Er wagte es nicht in die Zukunft und damit die Schwierigkeiten zu sehen, die so eine einseitige Freundschaft mit sich bringen würde.
Wenn das Verlangen immer stärker wird, bis hin zu dem Punkt wo man zusammenbricht. Wo man nicht mehr anders kann als dem anderen seine Liebe zu gestehen.

Sie verließen den Wald, vor ihnen tat sich die weite Rheinaue auf. Viel Platz zum reiten, die meisten Menschen waren noch gar nicht auf den Beinen, es war fast einsam da draußen.
Ralf hielt sein Pferd an und Dennis schloss zu ihm auf.
Unruhig tippelten die Pferde auf der Stelle.

»Wollen wir mal sprinten?«, fragte Ralf plötzlich.

Sofort gingen in Dennis die roten Lampen an. Was sollte das jetzt bedeuten? Was konnte man da anrichten? Er fühlte sich stark genug um einen Sprint hinzulegen, ohne Zweifel.
Er atmete tief durch. Sollte er sich auf dieses Wagnis einlassen? Billy ist topfit, an uns beiden kann’s nicht scheitern, dachte er.

»Ja, von mir aus. Bis wohin?«

Ralf lächelte. Umwerfend, betörend. Dennis begann alle Bedenken und Anschuldigungen über Bord zu werfen. Wenn er es war der an seinem Unfall Schuld hatte, dann war es in diesem Augenblick völlig egal.

»Bis zum Grenzstein«, sagte Ralf und drehte den Kopf in die Richtung in die es ging.

»Schön. Und was ist mit dem Sieger?«, wollte Dennis nun doch wissen.

»Sollte es einen geben?«, stellte Ralf eine Gegenfrage.

Dennis grübelte was er damit gemeint haben könnte, zog dann aber einfach die Schultern hoch.

»Sollte es doch einen Sieger geben – der Preis ist geheim«, sagte Ralf und brachte sein Pferd in die Position.

Ein Kilometer war der Grenzstein entfernt, direkt am Wegrand. Ohne Schiedsrichter machte es eh keinen Sinn, aber Dennis ließ sich einfach darauf ein.
Er stellte sich direkt neben ihm auf und sah nach vorn, dann neben sich zu Ralf. Gleiche Augenhöhe. Diese wunderbaren Augen, die sinnlichen Lippen.

»Achtung, fertig, los!«

Gleichzeitig setzten sich die Pferde in Bewegung, aus dem Stand in rasenden Galopp. Der Weg war breit genug für die beiden und so konnte man sich ganz auf die Strecke konzentrieren. Der Weg war trocken und nur wenige Steine lagen herum, es gab keine Wasserrinnen oder sonstige Hindernisse. Und er war fast kerzengerade.
Zwei Staubfahnen hoben sich hinter ihnen in den blauen Himmel und weit waren die Anfeuerungsrufe der beiden Reiter zu hören. Wie von Furien getrieben rasten sie den Weg entlang, wie getrieben von einer mächtigen, unsichtbaren Kraft.
Kühl war der Wind der ihnen entgegenschlug, die Pferde sperrten die Mäuler auf und Schaumfetzen wurden vom Gegenwind zerrissen.
Dennis beugte sich immer weiter nach vorn, legte sich mit dem Oberkörper an den Hals seines Tieres wie ein Jockey. Ralf tat es ihm nach und allmählich gerieten sie wie in einen Taumel. Immer schneller wurden sie, trieben mit ihren Peitschen das Letzte aus ihren Pferden heraus.
Dann kam er, rasend schnell kam der Grenzstein auf sie zu.

Die Reiter sahen das gleiche, erlebten den selben Moment. Die Vorderbeine ihrer Pferde passierten im gleichen Augenblick den dunklen Schatten, den der Grenzstein durch die noch tiefstehende Sonne über den Weg warf.

Es gab keinen Sieger.

Langsam ließen sie ihre Pferde auslaufen, bremsten nur allmählich die Geschwindigkeit herab bis sie zum stehen kamen.
Die Luft war erfüllt vom Keuchen der Tiere und Reiter, die nur langsam aus dem Rausch zurückkehrten. Schweißnass wurden jetzt ihre Gesichter und Kleider, ohne den kühlenden Gegenwind. Herzen klopften bis zum Anschlag und ihre Münder klebten trocken zusammen.
Ralf rückte seine Jacke zurecht und drehte sein Pferd in Richtung woher sie gekommen waren.

»Toll. Das hat Spaß gemacht«, keuchte er. »Dir auch?«

Dennis nickte, nach Luft jappend und drehte Billy ebenfalls.

»Wir waren gleich schnell«, sagte Dennis nach etlichen, schweigsamen Minuten.

Ralf grinste.

»Ich sagte ja, dass es keinen Sieger geben wird.«

»Und was wäre sein Preis gewesen?«

Ralf sah zu Boden, dann in die Ferne. Er rückte seinen Helm weiter ins Genick und wischte mit einem Tasschentuch über sein Gesicht.

»Was hältst du davon, wenn wir zum Schnakenwirt reiten und etwas trinken?«

Dennis wollte die Antwort gar nicht mehr wissen. Ralf hatte akzeptiert dass sie zumindest heute gleich schnell und stark waren und das war für ihn Preis genug.
»Ja, warum nicht. Wenn der schon so früh aufhat?«

Ralf nickte nur und langsam ritten sie dem Rhein zu, wo eine alte, kleine Hütte stand. Dort konnte man Pause machen; die Ausflügler, Angler, Reiter, wer auch immer. Und weil im Sommer die Schnaken zu einer großen Plage hier werden konnten nannte man die Hütte schlicht „Schnakenwirt“.

Die Sonne begann zu brennen als sie wieder die ersten Bäume am Ufer des Rheins erreichten.
Sie stiegen ab und ließen die Tiere das Wasser des Flusses trinken, während sich Ralf erschöpft unter einen Baum setzte und am Stamm anlehnte.
Dennis tat es ihm nach. Sie sahen hinaus zu den Schiffen, die gleichmäßig dahintuckerten, verfolgten die kleinen weißen Wolken am Himmel.
So hätte er sitzen mögen, neben Ralf, ein Leben lang. Er drehte seinen Kopf zu dem jungen Mann und sah ihn an. Ralf hatte seine Augen kurz geschlossen und saß ganz friedlich da. Nein, das war nicht einmalig. Das will ich oft so haben, flehte Dennis. Ganz oft neben dir sitzen, ganz dicht. Bei Tag oder Nacht, egal. Regen, Schnee, Hitze – was soll es mir antun wenn du bei mir bist? Nichts, gar nichts.

»Woran denkst du?«, unterbrach Ralf plötzlich die Stille, die nur durch das Gurgeln der kleinen Wellen am Ufer untermahlt wurde.

»Woran ich denke? Dass das schön war.«

Ralf rupfte einen Pflanzenstängel aus der Erde, kürzte ihn und begann auf der Rispe herumzukauen. Lustig sah das aus wie sie auf und ab, hin und her wippte.

»So, fandest du.«

Dennis nickte nur, Worte begannen ihn zu stören. Sie konnten soviel zerstören. Dann lieber nichts sagen.

»Warum wolltest du mitkommen?«, fragte er dann doch.

Ralf blinzelte ihn an.

»Hatte eben Bock drauf.«

»Und wenn da ein anderer gewesen wäre? Ich meine..«

»Nein«, unterbrach ihn sein Nebenmann, »mit keinem hätte ich ein Wettrennen wie dieses machen können. Ich hätte immer gesiegt.«

»Und das wolltest du heute nicht?«

»Siegen? Ja, klar. Ich will immer siegen, das weißt du doch.«

Dennis wurde unruhig.

»Und was wäre, wenn ich gewonnen hätte?«

»Dann säßen wir jetzt nicht hier.«

Dennis lehnte sich wieder zurück. Trotz allem was er für Ralf empfand, diese egoistische Art und Weise mochte er nicht. Er stand auf und nahm Billy an der Trense, stieg in den Bügel und setzte sich auf.

»Wo willst du hin?«

»Ich weiß nicht ob mir deine Art gefällt. Im Moment tut sie es nicht.«

»Warte, ich hab’s nicht so gemeint. Lass uns was trinken gehen, wir können ja noch ein bisschen reden.«

Dennis schwankte. Machte es Sinn? Was konnte er verlieren? Nichts mehr. Höchstens gewinnen, denn er würde ihm – sollte Ralf auf dieser Schiene weiterreden – ein für alle mal sagen was er von ihm hält.

Die Hütte machte gerade auf als sie ankamen. Sie banden ihre Pferde an der Rückwand fest und kauften sich bei dem alten Mann eine Flasche Bier. So früh hatte Dennis noch nie Alkohol getrunken, aber irgendwann ist immer ein erstes Mal, dachte er.
Sie setzten sich hinunter ans Ufer auf die großen Quadersteine und prosteten sich zu.

Ralf zog seine Stiefel und Strümpfe aus und ließ seine Füße vom kühlen Wasser umspülen. Dennis schluckte. Schöne Füße, dachte er. So schön wie die Hände..

»Weißt du«, begann Ralf das Gespräch, »ich muss dir vorkommen wie ein Snob. Eingebildet, egoistisch und eitel. Stimmts?«

Dennis hörte gespannt zu, genau das war sein Eindruck geworden.

»Ja, aber du warst nicht immer so. Denk an die erste Zeit..«

Ralf winkte ab.

»Ja, aber hast du inzwischen auch mal auf dich geschaut?«

Dennis schreckte hoch.

»Wie meinst du das?«

»Na, wie kam es denn wohl dazu dass ich dir aus dem Weg ging.«

»Weiß nicht, keine Ahnung. Ich denk aber als ich so langsam alle Preise einheimste.«

»Ja, richtig. Da hattest du nichts anderes mehr im Kopf als reiten, reiten, reiten. Und dann gabst du dich mit diesem Mirko ab. Der ist doch nur reich, sonst nichts.«

Dennis wollte Protest erheben, dachte dann aber genau über diese Worte nach. Konnte da was dran sein?

»Du musst jetzt nichts dazu sagen, aber vielleicht denkst du mal drüber nach wie mir es da ergangen ist. Plötzlich drehte sich alles nur noch um dich. Dennis, der Sieger. Der von den Weibern angeschmachtete Schönling..«

»Du warst eifersüchtig?«

Dennis nahm einen großen Schluck.

»Vielleicht nicht das richtige Wort, aber ich kam mir vor wie ein in die Ecke gestellter, alter Besen.«

»Ralf, das war keine Absicht, bestimmt nicht. Ich hab doch gedacht du neidest mir das alles und…«

»Was und?«

Ralf blinzelte ihn wieder an.

Dennis trank den Rest der Flasche leer. Mut stieg in ihm auf. Unendlicher Mut.

»Ralf, ich hab sehr darunter gelitten dass du mir aus dem Weg gegangen bist. Viel mehr als du glaubst. Mirko hat zu mir gehalten, deswegen war er immer um mich herum. Ich hatte sonst niemand wie du sicher bemerkt hast.«

»Und warum hast du mich nicht mal drauf angesprochen?«

»Du bist mir ständig aus dem Weg gegangen. Wenn, hätte ich das mit dir in aller Ruhe besprechen wollen, nicht umgeben von lauter Menschen oder gar im vorbeigehen.«

Ralf schränkte die Arme hinter dem Kopf und sah aufs Wasser hinaus.

»Und was fangen wir jetzt mit diesen Erkenntnissen an?«

»Ganz einfach, Ralf. Ich möchte dich zum Freund haben. Das hab ich schon immer gewollt. Und ich kann dir meine Freundschaft anbieten. Du musst nur ja sagen.«

Ralf stand unsicher auf, das Bier am Morgen war nicht sein Fall.

»Ich weiß nicht ob ich dich als Freund haben möchte«, sagte er recht laut und rülpste ungehobelt.

Dennis wusste nicht ob das Abstoßend für ihn war oder nicht.

»Was heißt, du weißt es nicht?«

»Na, so wie ich es sage. Ich such mir für gewöhnlich meine Freunde aus und lass sie mir nicht andrehen.«

Nun lief das Fass über. Nachdem er aufgesprungen war begann Dennis zu schreien.

»Hör zu. Ich zwinge dir hier gar nichts auf, überhaupt nichts. Ich hab dir ein Angebot gemacht, wollte dieses ungnädige Kriegsbeil begraben. Mehr nicht. Aber der Herr hat keine Freunde nötig, er braucht keine.«

Er spürte wie ihm die Tränen in die Augen stiegen.

»Du hast keine Freunde, nicht mal ne Freundin, das weiß ich. Und die Frage warum nicht – nun, sieh dich an. Hör dir zu was du sagst. Menschen die dich mögen vor den Kopf stoßen, nicht verlieren können, das ist das was du kannst und willst. Ich weiß überhaupt nicht warum ich mich mit dir überhaupt noch unterhalte.«

Ralf hatte ohne Regung zugehört.

»Bist du jetzt fertig?«

Dennis kochte, noch nie war er so wütend. Er holte aus und schleuderte die leere Flasche hinaus in den Rhein.

»Nein, verdammt noch mal, ich bin noch nicht fertig. Ich Idiot hab dich geliebt. Ja, geliebt. Ich wäre dir nie zu nahe gekommen, aber ich wollte dich in meiner Nähe haben. Bei dir sein, um dich sein ohne dir auf die Nerven zu fallen. Ich war glücklich die erste Zeit neben dir, so wie noch nie. Und dass ich mir Mühe gegeben habe auf den Turnieren, das hab ich wegen dir getan. Damit du mich beachtest, nicht abwendest.«

Seine Stimme wurde heiser und lauter.

»Aber das ist jetzt eh alles egal. Gut, verständlich, denn jetzt hast du ja einen Grund mir aus dem Weg zu gehen. Mit einem Schwulen kann man nicht zusammensein, nicht du, der nicht mal Hetenfreunde hat. Geh hin und verkünde es, dann hast du erreicht was du wolltest. Dann bin ich weg vom Verein und du kannst in Ruhe deine Preise abstauben. Sei es dir gegönnt.«

Damit stapfte er mit der gehörigen Menge Wut im Bauch zu seinem Pferd. Als er in den Steigbügel stieg und aufsitzen wollte legte sich eine Hand um seine Taille.

»Du musst mir nicht aufhelfen. Schwule sind durchaus selbstständig«, fauchte er und versuchte sich nicht umzudrehen, damit Ralf seine Tränen nicht sehen konnte.

Der stand hinter ihm, hielt ihn weiter fest und sagte nichts.

Mit einem Ruck befreite sich Dennis aus der Umklammerung, schwang sich auf Billys Sattel und ritt ohne sich umzusehen sofort los.
Kühl fühlten sich seine feuchten Wangen an, angenehm und doch tat es weh. War es richtig was er getan hatte? Er wusste es nicht. Er versuchte an gar nichts zu denken. Schon morgen würde er seine Sachen aus der Reithalle wegholen, es gab noch andere Vereine in der Gegend. Trotz seiner Wut war er Stolz auf sich.
Er hatte es gesagt, wem auch immer. Sandra und Ralf waren erst der Anfang. Seine Mutter würde es noch heute erfahren und morgen die in der Firma. Er wusste dass er raus musste aus dieser zweiten, falschen Haut. Die, in der man ihn als braven, netten Jungen kannte. Der selbstverständlich Hetero sein musste.

Er hatte Ralf nicht kommen hören, plötzlich ritt er neben ihm.

»Und wie geht’s dir jetzt?«, fragte er.

Dennis zuckte kurz zusammen, dann fuhr er sich mit dem Handrücken über das Gesicht. Allerdings, wozu sollte Ralf die Tränen nicht sehen? Bessere Beweise dass es ihm ernst war gab es nicht.

»Wie es mir geht? Als würde dich das noch interessieren. Mir ist schlecht, es dreht sich alles, ich bin müde und möchte nicht mehr reden.«

»Warum bis du eigentlich so giftig?«

Dennis lachte gequält auf.

»Giftig? Ich und giftig? Entschuldige, ich kann über diesen Witz nicht lachen.«

»Es ist kein Witz.«

»Wieso unterhältst du dich überhaupt mit einer Schwuchtel?«

Ralf schüttelte lächelnd den Kopf, aber Dennis bemerkte es nicht.

»Siehst du, fängst schon wieder an. Dabei wollte ich nur wissen wie es dir geht.«

»Ich hab es dir gesagt. Sonst noch etwas?«

»Ja.«

Ralf trabte schnell ein Stück nach vorne und stellte sich Dennis und Billy in den Weg. Das Pferd wieherte auf und stoppte.

»Hey, was soll das? Geh uns aus dem Weg.«

»Nein. Wenn du mir zugehört hast kannst du weiterreiten.«

»Ich möchte dir aber nicht mehr zuhören, verdammt.«

»Es wird dir nicht viel anderes übrig bleiben.«

Er gab nach. Im Grunde war es egal was Ralf sagte. Er würde es zur Kenntnis nehmen und nach Hause reiten, so einfach war das.

Ralf kreuzte seine Arme vor dem Sattel, lehnte sich vor und begann ruhig zu reden.

»Du hast mich vorhin nicht zu Wort kommen lassen. Ich habe nicht im entferntesten daran gedacht wie du zu mir stehst. Ich glaubte wirklich du wolltest allein da im Rampenlicht stehen und ich war dir ganz egal. Dass ich es falsch ausgefasst habe – das tut mir leid.«

Dennis versuchte nicht zuzuhören, aber er ging nicht. Jedes einzelne Wort drang in seine Ohren, hörte sich an wie das leise klingeln eines Windspiels.

»Dass du mich liebst.. auch das habe ich nicht bemerkt…«

»Ja, klar. Das kann ich ja noch verstehen..«

»Lass mich bitte ausreden. Für mich war es das Schlimmste dass du plötzlich an diesem Mirko gehangen hast.«

»Wieso war das schlimm? Außerdem hab ich nicht an ihm gehangen. Von ihm hab ich ja nie was gewollt.«

Ralfs Augen weiteten sich.

»Nein?«

»Nein, warum ist das so wichtig?«

Die Sonne knallte auf die beiden herab, Schweiß rann ihnen an den Schläfen herunter und die Fliegen begannen lästig zu werden. Ralf stieg von seinem Pferd und stellte sich neben Billy.
»Komm, steig ab.«

»Warum?«

»Warum nicht?«

Wiederwillig schwang sich Dennis aus dem Sattel und kam neben Ralf auf den Boden.

»Nun?«

Ohne ein weiteres Wort packte Ralf Dennis’ Hals und zog ihn zu sich. Seine Augen weiteten sich, er wollte sich wehren, aber er war wie gelähmt. Sekunden dachte er an seine letzte Minute, daran dass gleich alles vorbei war.
Er war es, der den Knall ausgelöst hatte. Wahrscheinlich hatte er auch gehofft dass er bei dem Wettrennen stürzen würde. Aber sein Blick in Ralfs Augen holte ihn aus der Angst zurück. Direkt hinüber auf die andere Seite. Näher und näher kamen sie sich, Dennis’ Verkrampfung löste sich immer mehr und dann ließ er sich gehen. Hineinfallen in eine andere Welt, die sich ihm durch die Wärme und Weichheit zweier Lippen offenbarte.
Er sackte zusammen, ließ sich von Ralf einfach festhalten bevor er seine Arme um dessen Taille legte und die Hände auf dem Rücken schloss.

»Ralf…«, entkam es ihm nach scheinbar ewigen Zeiten, »warum machst du das?«

Noch immer hatten sie sich umarmt, es störte sie nicht dass zwei Radfahrer an ihnen vorüberfuhren und sie so ausgiebig musterten dass sie beinahe gestürzt wären.

»Warum? Ich lieb dich, darum«, antwortete Ralf leise.

»Ja aber…«

»Pscht, nicht reden jetzt. Es sei denn du willst den ersten Preis nicht haben..«

Erneut küssten sie sich.

Sie ritten langsam zurück auf dem Pfad unter den hohen Bäumen hindurch, deren Blätter das Sonnenlicht in tanzenden Punkten auf ihren Gesichtern und Körpern wiederspiegeln ließ.
Dass Ralf vorausritt und nicht neben ihm, dass sie laut reden mussten um sich zu verstehen störte Dennis nicht. Das hätte es selbst dann nicht, wenn sie von hier aus auf dem Reitplatz zu hören gewesen wären.

»Du liebst Menschen, die sich auseinandersetzen und wehren können?«, fragte Dennis, dessen Augen mit der Sonne um die Wette strahlten.

»Ja. Ich wusste nur von dir dass du gebildet bist, leise und angenehm reden kannst, und dass du ziemlich hübsch bist. Mehr nicht. Das war mir zu wenig. Aber dann kam ja all das dazwischen und ich dachte du hättest was mit Mirko angefangen. Darum bin ich dir aus dem Weg. Ich hab längst auch nicht mehr geglaubt dass du noch einmal mit mir reden würdest. Und heute, das mit dem Wettrennen, das war Zufall. Und dann Vorgabe. Ich hätte heute erfahren was mit dir und ihm ist. Mehr wollte ich nicht.«

»Aber wie kamst du denn drauf dass ich schwul bin? Das musst du doch dann gewusst haben?«

»Ich hab das nicht gewusst, ich hab’s gehofft, Nacht für Nacht.«

»Dann warst du das nicht mit dem Knall?«

Ralf lachte laut.
»Nein. Ich hab den gehört und gesehen wie du von Billy gefallen bist. Aber ich hab genau mitbekommen woher das kam und bin losgerannt. Das war der Grügers Kurt in seinem Schrebergarten. Er wollte Amseln verjagen.«

»Hast es ihm verboten?«

Ralf räusperte sich.

»Ähm.. Ja.«

Dennis konnte sich nun dieses „Verbot“ in etwa vorstellen..

»Ach..«

Ralf hielt seinen Rappen an und grinste in sich hinein.

»Was ist, warum reitest du nicht weiter?« rief Dennis nach vorn.

Ralf drehte sich im Sattel um und lachte ihn an.

»Fangen eigentlich alle Schwulenfreundschaften mit einem handfesten Streit an?«

Dennis lachte zurück.

»Du, ich glaub eher nicht. Aber wer weiß, was das für ein Omen ist..«

Dann lag die Reithalle vor ihnen und laut kläffend kam Tiffy den Reitern entgegengerannt. Dennis fürchtete einen Augenblick lang gleich aus einem Traum zu erwachen.

Er wachte nicht auf.

** Ende**

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Information Mondenkind
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:25 AM - No Replies

Prolog:

Diese Geschichte beginnt sehr grausam und wird vielleicht nicht für jeden von euch etwas sein. Ja, ich knüpfe starke Erinnerungen daran …zumindest teilweise. Doch hier habe ich dem Hauptcharakter die Chance gegeben ein besseres Leben führen zu können. Etwas das mir leider teilweise versagt geblieben ist.

Natürlich weiche ich auch in dieser Geschichte nicht von meinem Schreibstil, der Homoerotik, ab. Allerdings wird es hier keine detaillierten Act – Szenen geben. Dies eine Mal deute ich solche Szenen nur an.

Eine meiner Lieblingscharaktere ist natürlich mit von der Partie und wie nicht anders zu erwarten, geht es ihm vorerst nicht gerade glänzend. Jedoch dauert diese Phase nicht allzu lange an, da ich solche Szenen nicht allzu lang ertragen, lesen, geschweige denn schreiben kann. Warum? Nun, ich kenne solche Szenen leider aus eigener Erfahrung… ist es mir doch nicht so sehr viel anders ergangen…

*-*-*

Die Charaktere Sephiroth, Genesis, Zack, Cloud und Angeal sind und bleiben das Eigentum von Square Enix (Final Fantasy VII).

Selbstverständlich habe ich diese vier Charaktere, von ihren Wesen her, hier stark verändert, alles was ihnen bleiben wird, sind ihre Namen.

Und noch etwas: Diese Geschichte hat nichts… absolut nichts mit Final Fantasy VII oder anderen Final Fantasy Games zu tun.

Und bitte… reißt mir nicht den Kopf, wenn ihr das hier lest… ich brauche meinen Kopf doch noch.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. null

*-*-*

Kapitel 1:

Ein friedliches kleines Dorf, das etwas außerhalb von London lag. Es war tiefster Winter und es war folglich bitterkalt. Der Schnee lag zentimeterdick auf den Straßen und den Feldern, während sich die Dunkelheit, wie ein Schleier, über das Dorf legte.

Aus den Fenstern des kleinen Dorfes strahlten Gemütlichkeit, Wärme und wunderbare Lichter …die kleinen Accessoires, die in den Fenstern hingen, taten ein übriges. Jeder in diesem Dorf war glücklich und zufrieden und damit beschäftigt, alles für den heiligen Abend, der in zwei Tagen stattfinden sollte, vorzubereiten.

Leider …ging es nicht allen so gut und nicht alle waren so …glücklich…

*-*-*

„Verdammt, wo ist der Bengel wieder abgeblieben?!”, rief eine betrunkene Frau fragend ihrem, ebenfalls betrunkenen, Mann zu.

„Weiß ich doch nicht, wo du ihn schon wieder hingeschickt hast!”

„Dann such ihn gefälligst. Der soll mir mein Bier bringen, aber ein bisschen flott!”, rief die Frau, aus dem Wohnzimmer, wieder zurück.

„Ja, ja, geht ja gleich los!”, erwiderte der Mann genervt, ging in den Flur und stieg, von dort aus, ein paar Stufen hinauf.

Schnell betrat der Mann ein kleines Zimmer, das eher einer Kammer, als einem Kinderzimmer glich, in der oberen Etage, des Hauses, und schlug die Türe heftig zu. Sogleich packte er den kleinen vierjährigen Jungen, der völlig verängstigt in einer Ecke saß, an den Haaren und zog ihn aus der Ecke heraus. Am Boden liegend sah der Kleine seinen Vater an, der ihn dann anschrie:

„Hast du nicht gehört, du mieses verkommenes Dreckstück?! Deine Mutter will ihr Bier haben! Bring es ihr gefälligst, aber schnell!” und schlug dem kleinen Jungen, mit der flachen Hand, ins Gesicht, trat dann nach ihm und zog ihn, an den Haaren, aus dem Zimmer …die Treppen hinab und in die Küche …direkt vor den Kühlschrank, ließ er den Kleinen fallen.

Aber der kleine Junge weinte nicht. Er hatte schon lange keine Tränen mehr. Denn es war jeden Tag das selbe böse Spiel …er war es doch nicht mehr anders gewohnt.

Demütig stand er vom Boden auf, holte das Bier aus dem Kühlschrank, brachte es seiner Mutter, in die Wohnstube, und kassierte dafür …nein, kein Lob …eine kräftige Ohrfeige und einen Tritt …eben wie immer.

Jeden Tag die selben grausamen Gemeinheiten… Seit seinem zweiten Lebensjahr wurde der Kleine beinahe tagtäglich von seinen Eltern verprügelt, misshandelt und tief gedemütigt. Er hatte selten „Ruhe” vor seinen Eltern…

Leise und so unauffällig, wie möglich, verließ der kleine Junge das Wohnzimmer wieder. Nun hatte er vorläufig seine Ruhe, das wusste er. Also nahm er sich seine kleine Jacke vom Kleiderhaken, im Flur, zog sich diese über seinen geschundenen kleinen Körper und verließ das Haus. Seine Eltern würden jetzt eh nicht bemerken, dass er weg war.

Hungernd, weil er seit drei Tagen nichts zu Essen, nur ab und an einen Schluck Wasser zu trinken bekommen hatte und frierend, da seine kleine dünne Jacke ihn nicht genügend vor der beißenden Kälte schützen konnte, ging er durch die Straßen des Dorfes und sah sich hier und da die schönen bunten Fenster an, in denen es so wunderbar leuchtete. Wie sehr sehnte er sich nach etwas, das er eigentlich nicht kannte Wärme …nur ein wenig …Wärme…

Bitterlich weinend und schluchzend lief er weiter, bis er einfach nicht mehr laufen konnte, da ihn seine kleinen Beine nicht mehr zu tragen vermochten. Er setzte sich an eine kalte Steinmauer, in den nassen, kalten, aber weichen Schnee, kauerte sich zusammen und versuchte der Kälte zu trotzen. Seine Tränen, die ihm leise über das kleine Gesicht liefen, gefroren sogleich zu kleinen glitzernden Eisperlen… Und doch kam kein einziger Laut mehr über seine Lippen… Schließlich hüllte die Dunkelheit den kleinen zarten, abgemagerten Körper, wie in einen Mantel, ein und er kippte zur Seite nieder…

Mit seinen Einkäufen fertig und diese im Wagen verstaut, wollte der achtzehnjährige junge Mann gerade in sein Auto steigen und wieder nach Hause, zu seinen Eltern, fahren, als er etwas dunkles an seinem Auto bemerkte. Irgendetwas oder irgendwer lehnte doch da an der Stoßstange. Er bückte sich und sah, dass ein kleines Kind an seinem Auto lehnte. Er berührte es vorsichtig und sprach leise:

„Hey, Kleines, ist alles okay mit dir? Oh je… du bist ja eiskalt…”, mehr zu sich selber, als zu dem kleinen Kind.

Schnell öffnete er das Auto, holte eine warme weiche Decke heraus, umhüllte das Kind damit, hob das Kleine hoch und legte es vorsichtig auf den Rücksitz seines Autos. Anschließend schnallte er es sacht fest, damit ihm, während der Fahrt, nichts passieren konnte.

Er selbst setzte sich ebenfalls ins Auto, startete den Wagen und fuhr, so schnell er konnte und durfte, ins nächste Krankenhaus von London.

Dort angekommen, wurde das kleine Kind sogleich in der Notaufnahme untersucht. Der herbeigerufene Kinderarzt kannte das Kind bereits und fragte den jungen Mann wo er den Kleinen gefunden hätte.

Der junge Mann, mit den langen silbernen Haaren erzählte genau und wahrheitsgemäß was passiert war.

Der Arzt nickte und sprach:

„Junger Mann, sie haben dem Kleinen, hier …sein Name ist Randir, das Leben gerettet. Nicht mehr lange und er wäre erfroren. Der Kleine ist jetzt vier Jahre alt und wird seit seinem zweiten Lebensjahr regelmäßig von seinen Eltern schrecklich misshandelt. Er wurde deshalb auch schon sehr oft hier eingeliefert. Das arme Kind …armer kleiner Randir…”, beendete der Arzt seine Erklärung.

„Sagen sie bitte: Warum hat denn noch niemand etwas gegen diese Eltern, falls man diese Monster so nennen kann, unternommen und sie angezeigt?”, wollte der junge Mann weiter wissen.

„Gestatten sie mir eine Gegenfrage. Wer sind sie eigentlich?”, wollte der Arzt wissen.

„Mein Name ist Sephiroth Crescent. Aber nun beantworten sie mir bitte meine Frage.”, erwiderte der junge Mann ungeduldig und ziemlich gereizt, da er nicht verstand, wie „Eltern“ so etwas einem kleinen Kind antun konnten.

„Wir haben die Eltern schon sehr oft angezeigt, aber immer wenn das Jugendamt die Eltern besuchte, war alles bestens. Man konnte ihnen nie etwas nachweisen. Ein anderes Problem ist, dass sich das Jugendamt vor jedem Hausbesuch anmelden muss.”, erklärte der Arzt.

„Dann werde ich die Eltern eben noch ein weiteres Mal anzeigen… und noch etwas: Ich werde mich, in Zukunft, um Randir kümmern, wenn es denn möglich ist… und dann wird er sicher glücklicher werden, das kann ich ihnen versprechen. “, sprach Sephiroth entschlossen und mit ein wenig Wut in seiner Stimme, die nicht zu überhören war.

Ja, Sephiroth war wütend …sehr wütend darüber wie man ein so kleines Kind so grausam misshandeln konnte. Er konnte so etwas einfach nicht verstehen.

„Gut, dann werde ich sofort alles Notwendige veranlassen. Dem Kleinen geht es, dank ihnen, ganz gut und wenn sie möchten, können sie ihn auch gleich mitnehmen. Ich hole nur noch schnell das Attest und eine Bescheinigung, die gebe ich ihnen dann gleich mit. Das Jugendamt müsste dann ebenfalls verständigt werden, aber das wissen sie sicher.”

Sephiroth nickte und wartete im Behandlungsraum auf den Arzt.

Während er auf den Arzt wartete, sah er sich den kleinen Randir an und streichelte ihm sanft über das kleine Köpfchen, mit den schwarzen Haaren. Sanft berührte er auch die Hände des Kleinen, doch schien der Kleine nichts mitzubekommen…

„Du wirst es gut bei uns haben, das verspreche ich dir, mein Kleiner.”, sprach Sephiroth sanft und sehr leise.

Der Arzt betrat den Raum wieder und übergab Sephiroth das Attest und Bescheinigung für den kleinen Randir und Sephiroth steckte die Dokumente in seine Manteltasche.

„Herr Doktor, sagen sie: Geht es dem Kleinen wirklich gut? Weil …er bewegt sich gar nicht. Ich mache mir große Sorgen um ihn.”, fragte Sephiroth den Arzt besorgt.

„Keine Sorge, Randir geht es gut. Er schläft nur. Fahren sie ruhig mit ihm nach Hause, halten sie ihn warm und behandeln sie ihn gut, dann ist er bald wieder okay. Allerdings fürchte ich, dass seine kleine Seele jede Menge Schaden abbekommen hat. Sie sollten mit ihm sehr vorsichtig umgehen. Er hat viel durch machen müssen… in seinem bisherigen Leben.”, erwiderte der Arzt freundlich, denn er bemerkte schon, dass sich dieser junge Mann wirklich um den Kleinen sorgte und er wusste, dass es Randir von nun an gut gehen würde.

Sephiroth nahm den Kleinen in seine Arme und verließ mit ihm das Krankenhaus.

Der Arzt und auch Sephiroth erstatteten tatsächlich eine erneute Anzeige gegen die Eltern von Randir.

Sein Auto erreicht, schloss Sephiroth es auf, legte Randir wieder auf den Rücksitz und befestigte ihn sanft mit einem Gurt, damit dem kleinen Randir nur nichts passieren konnte.

Sodann fuhr Sephiroth mit Randir, auf dem schnellsten Weg, nach Hause.

Natürlich hatten sich seine Eltern schon große Sorgen um Sephiroth gemacht. Doch wie überrascht waren sie, als ihr Sohn mit einem kleinen Kind, in seinen Armen, das Haus betrat, der zudem ein bildhübscher kleiner Junge mit schwarzen Haaren war.

„Och, ist der Kleine niedlich…”, schwärmte Dilara sofort und hatte ihn schon in ihr Herz geschlossen. Auch Reid war sehr angetan von dem Kleinen.

Doch erschraken beide, über die schlimmen Verletzungen in dem kleinen Gesicht.

Sephiroth erzählte Beiden, nachdem sie das Auto ausgeladen und das Haus betreten hatten, was dem Kleinen passiert war, dass er aber schon mit ihm im Krankenhaus war und man ihn dort untersucht hatte.

„Ich habe für Randir, so heißt der Kleine, die Verantwortung übernommen.”, und stand, stolz und voller Entschlossenheit, vor seinen Eltern.

Seine Eltern verstanden Sephiroth nur allzu gut und boten ihm ihre Hilfe an, wenn es Schwierigkeiten geben sollte. Natürlich musste die Adoption, die Sephiroth für den Kleinen anstrebte, erst noch eingeleitet werden, aber das sollte nun wirklich kein Problem darstellen, bei dem Status, den seine Eltern und er genossen.

Behutsam legte Sephiroth den kleinen Randir auf das Sofa im Wohnzimmer und deckte ihn sanft und sehr vorsichtig, mit einer weichen Decke, zu. Jetzt konnte sich der Kleine erholen und ein bisschen schlafen.

Auch Dilara und Reid verhielten sich ruhig. Nun saßen alle drei in dem Zimmer und beobachteten den Kleinen, der so friedlich schlief.

Mit der Ruhe war es allerdings schon bald wieder vorbei, denn es läutete an der Wohnungstür. Dilara sprang sogleich auf, ging zur Tür und öffnete diese. Vor der Tür standen, Angeal, Zack und Genesis.

“Hallo Dilara!”, grüßten die Drei lautstark und beinahe wie aus einem Munde.

Doch Dilara legte ihren Zeigefinger auf ihren Mund, nachdem sie die Drei leise begrüßt hatte und deutete ihnen, dass sie still sein sollten. Dann führte sie die drei Freunde leise ins Wohnzimmer.

Als die Drei Randir auf dem Sofa liegen sahen und den treusorgenden Sephiroth daneben, konnten sie es fast nicht glauben und mussten sich erst mal, in die anderen Sessel setzen, die in diesem Raum standen, um das zu verdauen.

„Seph, seit wann habt ihr hier ein Kind?”, wollte Zack wissen.

„Der Kleine heißt Randir und ich werde mich ab heute um ihn kümmern.”, erklärte Sephiroth stolz und berichtete auch seinen Freunden, was er erlebt und wie er den Kleinen gefunden hatte.

Bestürzt sahen die drei erst Sephiroth, dann Randir an und schüttelten den Kopf.

*-*-*

Kapitel 2:

Irgendwann und ganz langsam erwachte Randir und sah sich, noch etwas schlaftrunken, um. Zuerst blickte er in das Gesicht eines jungen Mannes, mit den langen silbernen Haaren, und glaubte zu träumen. Dann jedoch erblickte er auch andere Menschen in dem Raum und sah sich erschrocken um.

Panik stieg in ihm auf, sein kleines Herz hämmerte ängstlich und ebenso panisch gegen seinen kleinen Brustkorb, so als könnte jeder Schlag der letzte sein, während sein Körper, vor Angst, wie Espenlaub zitterte. Dann sprang er urplötzlich von dem Sofa auf und lief angsterfüllt irgendwohin, wohin das wusste er nicht. Er wusste ja nicht mal wo er sich befand. Schließlich fand er eine kleine Ecke, in die er sich völlig verstört hinein kauerte und vorläufig nicht wieder verließ…

Sephiroth war ebenfalls aufgesprungen und dem Kleinen langsam und achtsam nachgegangen, dann fand er Randir in der Ecke, vollkommen verängstigt und zusammengekauert, sitzen.

Mit einem großen Abstand hockte sich Sephiroth vor Randir hin und sprach beruhigend auf ihn ein:

„Hab keine Angst, mein Kleiner. Du bist hier in Sicherheit, niemand wird dir etwas tun. Ich werde dich beschützen, das verspreche ich dir. Und ich werde jetzt hier solange auf dich warten, bis du aus deiner Ecke heraus kommst. Das verspreche ich dir. Ja, ich weiß, dass sonst niemand für dich da war, aber ich …werde immer für dich da sein. Hörst du, ich werde immer für dich da sein, egal wann und wo. Mein Name ist übrigens, Sephiroth. Aber du kannst mich ruhig Sephi nennen, kleiner Randir.”, dann schwieg Sephiroth und sah Randir einfach nur in die Augen. Doch wollte er ihn nun nicht totstarren, so dass er seinen Blick ab und an von ihm abwand und woanders hinblickte… Randir jedoch immer im Blickfeld behielt.

Nachdem sich Randir verängstigt umgesehen und seinem Gegenüber ebenfalls in die Augen geblickt hatte, kam er nach etwa einer Stunde langsam aus „seiner‟ Ecke heraus. Doch blieb er vorerst auf Abstand.

Erst nach einer ganzen Weile ging Randir langsam auf Sephiroth zu …blieb jedoch beinahe nach jedem Schritt stehen und immer wieder sah er sich nach „seiner” Ecke um. Dann hatte er Sephiroth erreicht, der sich noch immer nicht von der Stelle bewegt und somit sein Versprechen gehalten hatte.

Ganz langsam hob Randir seine Hand und hielt diese Sephiroth entgegen. Auch Sephiroth hob langsam seine Hand und berührte zuerst sanft die Hand des Kleinen, bevor er diese in seine Hand nahm und ihn anlächelte.

„Kommst du mit mir, mein Kleiner?”, fragte Sephiroth Randir.

Der Kleine nickte und ließ sich von Sephiroth wieder ins Wohnzimmer bringen, nachdem Sephiroth aufgestanden und den Kleinen auf den Arm genommen hatte.

Dort angekommen fragte Sephiroth ihn ruhig: „Magst du dich zu mir setzen?”

Wieder willigte der Kleine nur durch ein Nicken ein und sah ihn hoffnungsvoll… mit großen Augen an.

Dann setzte Sephiroth Randir, neben sich auf das Sofa. Randir jedoch krabbelte langsam und vorsichtig auf Sephiroths Schoß, wo er still und ruhig sitzen blieb. Sephiroth lächelte Randir an und drückte ihn dann sanft an sich.

Mit fragendem Blick sah Randir Sephiroth nun an. Er verstand nicht was hier vor sich ging, warum der Mensch so liebevoll zu ihm war. Er kannte so etwas doch gar nicht. War er doch immer nur geprügelt und beschimpft worden.

“Hast du Hunger, Randy?”, wollte Sephiroth sodann von Randir wissen und sah ihm liebevoll in die Augen.

Zaghaft erwiderte er dann:

„Ja.”, schwieg, aber sogleich wieder, aus Angst etwas falsches gesagt zu haben und vor der, zu erwarteten, Prügel …die allerdings ausblieb.

Randy? So hatte ihn doch noch nie jemand genannt.

„Hey, Kleiner, du kannst ja reden.”, versuchte Sephiroth mit Randir zu scherzen und streichelte ihm sanft über sein kleines Köpfchen.

Natürlich zuckte Randir kurz auf, denn ein liebevolles Streicheln kannte er ja ebenfalls nicht, war er doch immer nur geschlagen und getreten worden.

„Mum, könntest du bitte einen Grießbrei für Randy kochen? Ich denke, das wird er mögen.”, bat Sephiroth seine Mutter und drückte Randir sanft und schützend an sich.

„Du magst doch Grießbrei, oder möchtest du was anderes essen, dann sag es bitte, Kleiner.”, ergänzte Sephiroth mit sanfter Stimme.

Aber Randir nickte nur und sah Sephiroth nun fasziniert an.

Dilara nickte und ging sogleich in die Küche, um für den Kleinen etwas zu Essen zuzubereiten.

Derweil saßen die drei Freunde und auch Reid schweigend im Wohnzimmer. Doch jeder von ihnen machte sich seine ganz eigenen Gedanken. Nur bei einem waren sich alle, gedanklich und ohne es zu wissen, einig. Der Kleine sollte auf jeden Fall hier bleiben. Er hatte es nicht verdient Monster als Eltern zu haben.

Sephiroth sprach derweil ruhig mit Randir:

„Siehst du, die Leute, die hier sitzen? Das da drüben ist mein Dad Reid und er ist der beste Dad der Welt. Hier neben uns sitzt Genesis, der daneben ist Zack und da drüben, an dem Tisch, das ist Angeal. Wir sind, alle zusammen, die besten Freunde.”, und zeigte auf die einzelnen Personen, die dem Kleinen dann, freundlich lächelnd, zunickten, wie Reid oder auch, wie im Fall von Zack, Faxen machten oder grinsten, wie Genesis. Der Einzige, der etwas ernster blieb, war Angeal, doch auch er schenkte dem Kleinen ein kurzes freundliches Lächeln.

Schließlich hatte Dilara das Essen fertig und auch wunderschön garniert, dann brachte sie es ins Wohnzimmer zu ihrem Sohn und ihrem vielleicht zukünftigen Enkelsohn …dem kleinen Randir.

Die Augen des Kleinen weiteten sich zusehends, als er den Teller vor sich stehen sah. Alles darauf war so schön bunt, so etwas kannte er eben auch nicht, deshalb wagte er es nicht den Teller anzurühren, aus Angst es könnte etwas kaputt gehen. Und er wusste ja, was passierte, wenn er etwas kaputt machte. Dennoch sah er sich alles neugierig an.

Erst als Sephiroth zu ihm sprach:

„Randy, das kannst du essen. Sieh mal, da sind Erdbeeren und Smarties drauf. Koste mal, das schmeckt prima.” und nahm den Löffel in die Hand um Randir gegebenenfalls zu füttern.

Doch Randir streckte vorerst nur seine kleine Hand aus und berührte alles misstrauisch und doch neugierig, mit den Fingern. Es fühlte sich so gut an. Endlich öffnete er den Mund und ließ sich von Sephiroth füttern.

So als würde Randir jeden Bissen auskosten, „kaute” er langsam auf fast allem herum und schluckte es dann runter. Nur ganz allmählich fasste Randir Vertrauen zu Sephiroth. Nach etwa einer halben Stunde war der Teller dann leer und Sephiroth streichelte Randir sehr liebevoll.

„Und hat es dir geschmeckt, Kleiner?”, fragte Dilara leise und sah den Kleinen mit sanften Blicken an.

Leicht erschrocken blickte Randir Dilara an, als sie ihn ansprach, zu ihm kam und ihn ebenfalls sanft liebkoste. Randir klammerte sich mit einer Hand an Sephiroth fest, doch sah er Dilara trotzdem an und antwortete kaum hörbar:

„Ja.”.

Danach drehte er sein Köpfchen wieder zu Sephiroth hin, krallte sich an ihm fest und blickte niemand anderen mehr an…

Es war schon recht spät, als sich Genesis, Angeal und Zack verabschiedeten und das Haus verließen. Sie wollten jetzt auch nicht weiter stören und würden ein anderes Mal wiederkommen.

Sephiroth brachte seine Freunde, mit Randir auf dem Arm, zur Tür und verabschiedete sie, freundschaftlich.

Dann bat er seine Mutter ihm zu zeigen, wie man so ein kleines Kind badete, anzog und zu Bett brachte. Selbstverständlich zeigte ihm Dilara alles, was ihr Sohn wünschte, gern.

Sephiroth ging mit Randir ins Badezimmer und Randir begann sogleich zu weinen und zu zittern, denn auch im Bad hatte er sehr schlimme Erfahrungen machen müssen.

„Schhh …ganz ruhig, mein Kleiner. Ich bade dich jetzt, kleide dich an und bringe dich in deinem Zimmer zu Bett, okay. Vertraust du mir, Randy?”

Schüchtern nickte Randir und sah Sephiroth an, der ihn liebevoll anlächelte.

Dilara hatte derweil angenehm warmes Wasser in die Badewanne eingelassen und versetzte es mit duftendem Entspannungs – und Heilöl.

Sephiroth tauchte seine Hand in das Wasser und benetzte anschließend vorsichtig Randirs Gesicht damit.

„Siehst du, nichts passiert. Es ist angenehm, nicht.”, sprach Sephiroth beruhigend auf Randir ein.

Wieder sah Randir Sephiroth mit ganz großen Augen an …war er es doch ebenfalls nicht gewohnt, dass jemand so liebevoll zu ihm sprach und ihm wirklich nichts passierte.

Allmählich und unter vielem gutem Zureden kleidete Sephiroth Randir aus und sah auch schon die vielen Hämatome, auf dem kleinen Körper. Beinahe schossen ihm die Tränen in die Augen, doch er schluckte und riss sich zusammen. Was musste der arme kleine Randir durchlebt haben. Das muss doch die Hölle gewesen sein, durch die der Kleine gegangen war…

Behutsam nahm Sephiroth den Kleinen auf den Arm und setzte ihn vorsichtig in die Badewanne. Ebenfalls sehr vorsichtig benetzte er dann die Haut von Randir, mit dem angenehm warmen und duftenden Wasser. Und so langsam wuchs Randirs Vertrauen, in Sephiroth, ein bisschen mehr.

Dilara holte derweil einen kleinen Schlafanzug, den sie noch von ihrem Sohn aufbewahrt hatte, herbei und auch ein weiches Badetuch. Beides brachte sie ins Bad und legte es auf die Kommode.

Sie blieb bei ihrem Sohn und sah ihm genau zu, dabei gab sie ihm auch ein paar nützliche Tipps.

Sephiroth hielt sich genau an ihre Anweisungen.

Behutsam holte er den Kleinen wieder aus der Wanne heraus, wickelte ihn vorsichtig in das Badetuch und trocknete ihn sanft ab.

Anschließend betupfte er die Hämatome mit einer leichten Heilcreme, kleidete Randir an und brachte ihn dann in eines der vielen Zimmer, das nun seines werden sollte.

Sacht legte Sephiroth Randir in das große weiche Bett und deckte ihn zu. Dann wünschte er ihm eine Gute Nacht und wollte das Zimmer schon verlassen, als er leise Worte zu hören bekam:

„Bitte kannst du …hier …bleiben …ja …bitte…”, bat Randir stotternd und sah Sephiroth hoffnungsvoll und immer noch ein wenig ängstlich an.

„Natürlich, bleibe ich bei dir, wenn du das möchtest.”, versprach Sephiroth und ergänzte: „Warte bitte kurz auf mich, ja, ich gehe mich nur schnell waschen und umziehen.”, dann zwinkerte er dem Kleinen zu und verließ das Zimmer kurzzeitig.

Randir blieb derweil genau da liegen, wo ihn Sephiroth hingelegt hatte. Er wagte es nicht sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.

Nur wenig später betrat Sephiroth das Zimmer wieder und legte sich zu Randir ins Bett. Er nahm ihn sanft in den Arm, streichelte ihn und erzählte ihm eine Gute-Nacht-Geschichte. Randir schlief schon bald in Sephiroths Armen ein, aber auch Sephiroth schlief sehr bald friedlich ein.

Dilara und Reid waren ebenfalls zu Bett gegangen und schliefen auch sehr bald ein, nachdem sie sich noch etwas über den kleinen Randir unterhalten und Pläne gemacht hatten.

Sephiroth erwachte am anderen Morgen, weil er eine zaghafte Berührung spürte. Langsam öffnete er die Augen und sah, vor sich, den kleinen Randir sitzen, der sanft über Sephiroths Gesicht strich.

Leise sprach Sephiroth:

„Guten Morgen, mein Kleiner. Na, du, hast du gut geschlafen?”

Nur leicht zuckte Randir zurück, als Sephiroth die Augen geöffnet und mit ihm gesprochen hatte. Aber es waren ja gar keine schlimmen …Worte dabei… wunderte sich Randir still.

„Schon gut, Kleiner, du kannst mir vertrauen.”, beruhigte Sephiroth Randir sogleich, denn er hatte gesehen wie Randir zusammengezuckt war.

Randir krabbelte langsam wieder auf Sephiroth zu und schenkte ihm ein kleines Lächeln, obgleich er noch immer Angst hatte. Sephiroth lächelte einfach nur zurück und streichelte Randir, der sich dann an Sephiroth anschmiegte und diesen Moment einfach nur genoss.

Und es war wirklich nur ein Moment, denn schon klopfte es an der Zimmertür und herein kamen, Dilara, Reid, Angeal, Zack und Genesis.

Sie alle hatten ein paar kleine Päckchen, Tüten und andere Sachen dabei.

Das alles legten sie im Zimmer auf das Bett und überall, wo sie Platz fanden ab. Nun, das Zimmer war ja auch groß genug.

Dilara hatte schon am frühen Morgen beschlossen mit ihrem Mann Reid einkaufen zu gehen und alles Mögliche für den kleinen Randir zu besorgen. Dilara und auch Reid hatten den Kleinen schon jetzt sehr in ihr Herz geschlossen, denn für sie war er schon ihr Enkelsohn. Er war beiden wirklich ans Herz gewachsen.

Unterwegs trafen sie auf die Freunde ihres Sohnes und spannten diese gleich mit ein.

Dilara sprach dann nur ganz kurz und lächelnd:

„Kleiner Randy, das ist alles für dich. Viel Spaß, mein Kleiner.”, mit diesen Worten, kicherte Dilara noch einmal, dann verließen die fünf Personen das Zimmer wieder und ließen Sephiroth mit Randir wieder allein.

Natürlich hatten sie es gut gemeint, doch konnte der kleine Junge damit nicht umgehen, da er so etwas eben auch nicht kannte.

Randir konnte nun wirklich nicht glauben was er hier sah. Das alles sollte ihm …ausrechnet ihm …gehören? Das konnte doch gar nicht sein …oder doch…?

Weinend, weil er so etwas doch wirklich nicht gewohnt war, legte er sich bäuchlings auf das Bett und konnte sich nicht beruhigen. Randir war schlichtweg überfordert… andere Kinder hätten sich sicher gefreut… aber er… nun ja…

Schnell räumte Sephiroth alles weg …in einen Schrank. Er nahm nur einen kleinen flauschigen hellbraunen Teddybären und begab sich wieder auf das Bett, zu Randir.

Sanft streichelte Sephiroth Randirs Rücken und nahm ihn ganz vorsichtig, damit nur nichts passierte, in die Arme.

Leicht drückte er den Kleinen an sich und streichelte über sein kleines Köpfchen.

„Ist ja gut, mein Kleiner, das war jetzt sicher alles etwas viel für dich …hm? Ich verstehe dich.”, sprach Sephiroth beruhigend auf Randir ein.

Dann zeigte er ihm den kleinen Teddybären und sprach:

“Sieh mal, Randy, das hier ist ein Teddybär. Ich schenke ihn dir und du kannst mit ihm spielen, ihm all Geheimnisse erzählen und er wird immer bei dir sein, solange du willst. Wenn du dich einsam fühlst, sprich mit ihm und er wird dir immer zuhören. Niemals wird er ein Geheimnis verraten. Genau wie ich …auch immer für dich da sein werde und du auch mir alles anvertrauen kannst. Auch ich werde niemals ein Geheimnis verraten. Magst du dem Kleinen, hier, vielleicht einen Namen geben …hm?”, und sah Randir sanft lächelnd an.

Randir nahm den Teddybären und drückte ihn sanft an sich. Dann sah er ihn an, nickte leicht mit dem Kopf, überlegte kurz und sprach dann sehr leise:

„Mondenkind …der Teddybär soll Mondenkind heißen. Ist das gut oder ist es falsch?”, sorgte sich Randir und sah Sephiroth fragend und ein wenig ängstlich zugleich an.

Sephiroth hörte ihm still zu, nickte und erwiderte:

„Das ist ein sehr schöner Name, Randy. Und du hast auch ganz sicher nichts falsch gemacht, Kleiner. Vertrau mir, Randy.”

Währenddessen sah Randir erst Sephiroth, dann den kleinen Teddybären, mit großen Augen, an.

Schließlich nahm Randir seinen Teddybären Mondenkind in die Arme, schmiegte sich an Sephiroth an und schloss die Augen. Jetzt fühlte er sich geborgen und in Sicherheit. Er fühlte sich hier langsam wirklich geliebt.

Sephiroth streichelte ihn weiter sanft…

„Ja, so ist es gut, mein Kleiner, entspann dich und hab keine Angst. Ich bin da und passe auf dich auf.”, flüsterte Sephiroth, dem Kleinen zu.

Irgendwann standen die Beiden auf und gingen ins Bad. Zuerst duschte Sephiroth den Kleinen ab und kleidete ihn anschließend an. Randir schnappte sich noch Mondenkind. Dann brachte Sephiroth Randir hinunter in die Küche, zu den anderen und setzte ihn auf den Stuhl am Fenster. Sanft streichelte Sephiroth dem Kleinen über das Köpfchen und sprach ruhig:

„Randy, ich geh jetzt auch duschen und mich anziehen, okay und ich lasse dich bei den Leuten hier. Du brauchst hier vor niemandem Angst zu haben. Denn du kennst diese Leute jetzt auch, nicht wahr. Diese Leute hier sind alle sehr lieb, das kannst du mir glauben. Ich bin gleich wieder bei dir, mein Kleiner.”, und verließ dann die Küche, während Randir ihm erschrocken und ängstlich nachsah.

Zack war der Erste, der sich an den Kleinen heran traute.

„Hey, Kleiner, erinnerst du dich an mich? Ich bin Zack. Hast du auch so großen Hunger, wie ich? Komm, wir essen was, okay.”, versuchte Zack den Kleinen aufzumuntern, der jedoch schon Tränen in den Augen hatte.

„Sephi kommt doch gleich wieder, Randy. Hab keine Angst.”, ergänzte Zack und wollte den Kleinen streicheln.

Doch Randir begann schon laut zu weinen.

“Lass ihn doch…”, meinte Genesis gelangweilt, aber auch Angeal war der Meinung, dass Zack den Kleinen besser in Ruhe lassen sollte.

Nur Dilara ließ es sich nicht nehmen, nahm den Kleinen in ihre Arme und versuchte ihn zu beruhigen.

„Schhh …ganz ruhig, mein Kleiner. Du bist nicht allein, und niemand tut dir etwas zuleide. Dein Sephi kommt gleich zurück, okay. Na, sag mal, was hast du denn da für einen niedlichen Teddybären. Hat der auch einen Namen …hm?”, sprach Dilara liebevoll zu dem Kleinen, in den sie so sehr vernarrt war und versuchte ihn ein wenig abzulenken.

Randir hörte auf zu weinen und sah Dilara erstaunt an. Dann nickte er und erzählte ihr leise und mit tränenerstickter Stimme:

„Der Teddybär heißt, Mondenkind.”

„Das ist aber ein sehr schöner Name, Randy. Hast du dir den Namen selbst ausgedacht?”

„Ja.”, erwiderte Randir, während Dilara ihn sacht an sich drückte und streichelte.

Langsam versiegten Randirs Tränen und er beobachtete nun alles und jeden.

Reid machte derweil das Essen, während sich die drei Freunde auf die weichen Polsterstühle, in der Küche, setzten …außer Zack natürlich, er konnte es nicht lassen und versuchte abermals Kontakt zu Randir zu bekommen. Ruhig, aber ein wenig ängstlich sah Randir Zack nun an, während er sich an Dilara festkrallte und seinen Kopf an ihre Schulter lehnte.

Das Essen stand endlich auf dem Tisch und auch Sephiroth war endlich fertig. Er betrat die Küche und sah, dass Randir bei Dilara war. So wollte er es eigentlich auch lassen. Dennoch machte er sich bemerkbar. Er ging zu seiner Mutter, streichelte dem Kleinen über den Rücken und sprach, lächelnd:

„Na, Randy, alles klar, hm?”

Sofort hob Randir seinen Kopf und seine Augen strahlten, als er „seinen Sephi” sah.

Prompt ließ er Dilara los und streckte seine kleinen Ärmchen Sephiroth entgegen.

Sephiroth nahm ihn in die Arme und drückte ihn sanft an sich.

„Hast du mich so sehr vermisst, mein Kleiner?”, fragte Sephiroth Randir und setzte sich, mit ihm, an den Tisch.

Das Essen verlief ohne größere Zwischenfälle, außer dass Randir eben auch keine Brötchen kannte, sie aber doch, nach vielem guten Zureden, seitens Dilara und Sephiroth, aß.

Ein wenig misstrauisch blieb Randir, trotzdem er in dieser Familie so viel Gutes erlebte. Alles musste ihm natürlich erst erklärt werden, bevor sich der Kleine auf irgendetwas einließ.

Nach dem Essen fragte Sephiroth seine Freunde:

„Wie sieht’s aus, habt ihr Lust ein bisschen rauszugehen? Wir können ja Randy mitnehmen, wenn er denn will.”, sich an seine Mutter wendend fragte Sephiroth: „Sag mal, Mum, haben wir noch den Schlitten?”

„Ja, den haben wir noch, der müsste oben auf dem Dachboden stehen, Seph.”, erwiderte Dilara.

„Okay, dann holen wir den Schlitten runter.”, beschloss Sephiroth, sah Randir an und fragte ihn:

„Na, Kleiner magst du denn mit uns kommen? Du kannst aber auch bei Dilara bleiben, wenn du möchtest.”

Randir sah erst Sephiroth, dann Dilara an und entschied sich:

„Darf ich bei Lara bleiben?”, antwortete Randir fragend.

„Natürlich, mein Kleiner. Ich bin auch bald wieder zu Hause, okay.”, erwiderte Sephiroth, drückte seinen kleinen Liebling noch mal sanft an sich und hatte auch schon eine Idee, was er tun wollte…

„Mum, ist es für dich auch in Ordnung, wenn der Kleine bei dir bleibt?”, fragte Sephiroth und blickte seine Mutter bittend an.

„Natürlich, kann der Kleine hier bleiben. Wir werden uns schon beschäftigen, nicht wahr, mein Schatz.”, sprach Dilara zu Randir, nahm ihn sogleich behutsam aus Sephiroths Armen und ging mit ihm ins Wohnzimmer…

Sephiroth zog sich seinen langen Mantel an und verließ mit seinen Freunden das Haus. Gemeinsam stiegen sie in Sephiroths Auto, dann fuhr er los. Wohin er wollte wusste er.

Schon bald hatte er das Dorf, aus dem Randir stammte, erreicht und fuhr in die Straße hinein, in der Randirs Eltern wohnten. Die genaue Adresse hatte er anderweitig heraus bekommen.

„Ähm… Sephiroth? Kannst du uns mal bitte aufklären was du vor hast!?”, forderte Genesis, fragend.

Sephiroth hielt genau vor dem Haus an, in dem die Eltern wohnten und sprach entschlossen:

„Hier wohnen Randirs Eltern …diese Monster …und ich werde ihnen jetzt mal erklären wie man mit einem kleinen Kind umgeht.”

„Sephiroth, bitte mach jetzt keinen Fehler, okay.”, sorgte sich Angeal.

„Keine Sorge ich werde mir an diesem Bestien nicht die Hände dreckig machen. Ihr könnt hier warten, wenn ihr wollt, oder aber ihr kommt mit.”, erklärte Sephiroth und stieg aus.

Die Freunde hatten sich entschlossen ihn zu begleiten, denn auch ihnen tat der kleine Hosenmatz unglaublich leid. Und der Kleine hatte echt Glück, dass Sephiroth ihn gefunden hatte. Sie mussten sich zwar auch erst noch daran gewöhnen, dass es ihren Freund, von nun an, nur noch im Doppelpack gab, aber der Kleine war ja auch echt niedlich und sie alle würden sich sicher schnell an die neue Situation gewöhnen.

*-*-*

Kapitel 3:

Sephiroth stellte sich genau vor die Haustür und läutete. Seine Freunde standen geschlossen hinter ihm.

Nur wenig später hörten sie ein schlurfendes Geräusch, dann öffnete ein Mann die Tür, der ziemlich verbraucht aussah.

„Was gibt es denn?”, fragte der Mann unwirsch.

„Guten Tag, Mr.. Ich würde mich gern mit ihnen über ihren Sohn unterhalten. Dürfen wir eintreten?”, antwortete Sephiroth so höflich es ihm möglich war, wenn er daran dachte was für ein Monster er vor sich hatte.

„Ja, okay, kommen sie rein. Wo ist der Bengel überhaupt?”, fragte der Mann beiläufig.

Die vier Freunde betraten das Haus und folgten dem Mann in die Wohnstube …die eher einer Müllhalde glich, genau wie eigentlich das ganze Haus.

In einem Sessel, nahe des Fernsehgerätes, saß eine betrunkene Frau, die zuerst überhaupt nicht mitbekam, dass irgendwer da war und folglich auch nicht grüßte.

Der Mann bot den fremden Männern einen Platz an, den diese jedoch entschieden ablehnten.

„Hören sie, wir sind nicht hier um mit ihnen ein Kaffeekränzchen abzuhalten. Und um auf ihre Frage zurückzukommen. Der „Bengel” heißt Randir und er wird nicht mehr zu ihnen zurückkommen! Sie werden nie wieder auf ihm herum trampeln! Ist das klar!?”

Sogleich schienen der Mann und auch die Frau stocknüchtern zu sein, denn auch die Frau erhob sich nun aus ihrem Sessel und blickte die „Gestalten“, vor sich, fragend an.

„Was soll das heißen?!”, fragte die Frau nun entrüstet.

„Was das heißen soll, werde ich ihnen sagen. Das heißt, dass Randir von nun an bei mir lebt und ich ihn adoptieren werde. Solche Monster, wie sie, hat der Kleine nämlich nicht verdient!”, regte sich Sephiroth auf und auch Genesis gab seinen Senf dazu:

„Der Kleine hat solche Angst vor allem, das ist ja schon nicht mehr normal, was haben sie dem Kleinen bloß angetan? Man, wenn man solche Eltern hat, braucht man echt keine Feinde mehr.”

Zack und Angeal hielten sich da raus und dachten sich ihren Teil.

„Das werden sie noch bereuen, wir werden es nicht zulassen, dass sie uns unseren Sohn einfach so wegnehmen. Verlassen sie sich darauf.”, sprach der Mann sehr laut und aggressiv.

„Ist das so?! Das werden wir ja noch sehen. Notfalls werden wir vor Gericht ziehen und dann wird ein Richter entscheiden, wo der Kleine bleibt. Das …Mr. …ist ein Versprechen. Und was meinen sie, wird der Richter tun, wenn er erfährt, was sie mit dem Kleinen angestellt haben? Im Übrigen läuft ohnehin eine Anzeige gegen sie.”

„Das ist doch wohl nicht ihr ernst! Zudem können sie überhaupt nichts beweisen!”, brüllte die Frau nun herum.

„Doch, Miss, das ist mein voller Ernst und ich kann es sehr wohl beweisen. Sie beide werden sehr bald von der Polizei hören. Guten Tag …die Herrschaften…”, sprach Sephiroth nun wieder gelassen und verließ anschließend mit seinen Freunden diese …Müllhalde…

An der frischen Luft atmeten alle erst mal tief durch. Der Gestank da drinnen war wirklich widerlich und unerträglich gewesen und der Kleine tat den Freunden nun noch mehr leid.

Genesis machte dann den Vorschlag:

„Freunde, was haltet ihr davon, wenn wir noch ein paar Geschenke für den Kleinen kaufen gehen, ich mein morgen ist ohnehin Heiligabend und da passt das doch ganz gut.”

„Das ist eine gute Idee, Genesis. So machen wir das.”, willigten Sephiroth, Zack und auch Angeal ein.

Sogleich stiegen die Vier wieder ins Auto ein und fuhren davon. Wieder in London angekommen fuhr Sephiroth zum besten Kaufhaus, das er kannte, hielt an und alle vier verließen das Auto.

Dann ging es erst mal auf große Shoppingtour für …Randir…

Derweil beschäftigte sich Dilara mit dem Kleinen ein wenig und sie hatte auch schon das Jugendamt angerufen und ihnen den Fall geschildert.

Der Sachbearbeiter stimmte dem Adoptionsantrag zu und bat die Familie, mitsamt dem kleinen Randir und Sephiroth, nach dem Weihnachtsfest, zum Amt zu kommen. Die Adoption würde dann sogleich vollzogen werden. Der Sachbearbeiter kannte Dilaras Familie, aber auch die Familie des kleinen Randir sehr gut und hatte deshalb nichts dagegen einzuwenden. Denn sie hatten schon sehr oft Pflegekinder aufgenommen und diesen immer viel Liebe angedeihen lassen.

Randir saß derweil in seinem Zimmer und spielte mit seinen Spielsachen. Aber auch Dilara saß, nach dem Telefonat, bei ihm und spielte mit dem Kleinen, damit er nicht so allein war.

Ganz langsam fasste Randir auch zu Dilara ein wenig Vertrauen und seine Angst wurde ebenfalls weniger …das alles ging zwar langsam, aber stetig, vor sich.

Er begann auch sich normal, und ohne Furcht, zu bewegen und zu verhalten. Er konnte sogar schon ein wenig lachen …und er hatte ein süßes Lachen, wie Dilara fand. Wenn Randir lachte, lachten seine Augen mit …ja sie strahlten richtig…

Es war noch früh am Abend, als Sephiroth nach Hause kam und seinen Vater bat, das Geschenk für den Kleinen gut aufzubewahren. Reid willigte ein und musste grinsen.

„Ähm …Dad, ist es in Ordnung, wenn meine Freunde morgen auch hier sind, denn auch sie möchten Randy eine kleine Freude bereiten.”, fragte Sephiroth seinen Vater.

„Natürlich, das ist kein Problem. Aber du weißt schon, dass du Randir nicht mit Geschenken kaufen solltest.”, willigte Reid ein wenig mahnend ein.

„Danke Dad. Und …ja, das weiß ich.”, erwiderte Sephiroth.

Anschließend verließ er das Wohnzimmer und ging hinauf ins Zimmer von Randir. Lässig lehnte er sich an den Türrahmen und sah Dilara und Randir eine Weile beim Spielen und Lachen zu. Dann räusperte er sich und sprach lächelnd:

„Na, wo ist denn mein kleiner Engel?”

Sofort drehte sich Randir um, ließ alles Spielzeug fallen und rannte auf Sephiroth zu.

„SEPHI!!!!”, freute sich Randir und mit einem Satz sprang er Sephiroth beinahe in die Arme.

Sephiroth fing den Kleinen auf, hob ihn hoch und wirbelte ihn herum. Randir begann zu lachen und zu strahlen.

„Ja, hallo, mein Kleiner, du kannst ja richtig süß lachen. Ich hab dich so lieb, Randy.”, sprach Sephiroth sanft.

Dilara sah beiden, angetan, zu und sie freute sich, dass es Randir endlich gut ging.

Nach der großen Begrüßung, setzte sich Sephiroth mit seinem kleinen Schatz in den Sessel am Fenster. Dilara setzte sich auf das Bett, dann sprach sie:

„Sephiroth, ich habe heute das Jugendamt angerufen. Sie leiten die Adoption in die Wege und wir sollen nach Weihnachten zum Amt kommen, um die Papiere zu unterschreiben.”

„Wirklich! Hey, Mum, du bist echt die Beste. Danke.”, freute sich Sephiroth und umarmte seine Mutter freudig.

Sodann sah er seinen kleinen Schatz an und sprach:

„Hast du das gehört, Randy!? Du musst nie wieder woanders hin und kannst für immer bei uns bleiben. Aber sag mal, willst du das denn überhaupt?”, wollte Sephiroth, ein wenig scherzend, von Randir wissen.

Aber Randir nickte nur heftig mit dem Kopf und sprach dann:

„Will …hier …bei mein Sephi bleiben.” und strahlte Sephiroth einfach nur an.

„Das hab ich mir gedacht.”, freute sich Sephiroth und drückte Randir sanft an sich.

„So, mein Kleiner, jetzt wird gebadet und dann gehst du ins Bettchen. Morgen ist Weihnachten und da willst du doch ausgeschlafen sein, richtig.”, sprach Sephiroth zu Randir, der ihn nur fragend ansah.

„Sag nicht, dass du auch Weihnachten nicht kennst… Oh weh, was hat man dir nur angetan… Na, komm, ich erkläre es dir.”, und Sephiroth erklärte Randir, mit wenigen Worten was Weihnachten ist, das verstand Randir dann auch, ging freiwillig mit ins Bad und ließ sich von “seinem Sephi” bettfein machen.

Da Dilara und Reid mit dem Kleinen schon gegessen hatten, konnte der Kleine gleich ins Bett gehen.

Randir wurde von Sephiroth, Dilara und auch Reid zu Bett gebracht. Alle streichelten ihn liebevoll, nur Sephiroth las ihm dann noch eine kleine Gute-Nacht-Geschichte vor. Zum Schluss fragte er seinen kleinen Liebling noch:

„Schläfst du heute allein, mein Schatz?” und legte ihm noch seinen kleinen Teddybären „Mondenkind” mit ins Bett.

Randir nickte lächelnd und erwiderte:

„Ja, ich will versuchen. Hab dich lieb, Sephi.”, bei diesen Worten stiegen Sephiroth die Tränen in die Augen und er musste echt schlucken, um nicht zu weinen.

Er drückte den Kleinen noch mal ganz sanft an sich.

„Ich hab dich auch lieb, Kleiner.”, erwiderte Sephiroth leise.

Dann stand er auf, ging zur Tür und sprach:

“Kleiner, wenn irgendetwas sein sollte, wenn du schlecht träumst, oder dich einsam fühlst, dann komm ruhig zu mir, ja. Ich bin gleich in dem Zimmer nebenan. Gute Nacht, mein Schatz. Schlaf gut.”, mit diesen Worten löschte Sephiroth das Licht, ließ die Tür aber, einen Spalt, offen und ging dann hinunter zu seinen Eltern ins Wohnzimmer, wo sie sich noch zusammen einen Film, im Fernsehen, ansahen und sich unterhielten.

Randir lag derweil in seinem Bett, sah noch eine ganze Weile an die Zimmerdecke und lächelte. Das erste Mal, in seinem Leben, war er glücklich. Er fühlte sich hier sehr willkommen und geliebt. Er drückte Mondenkind an sich, kuschelte sich in das Kissen und die Decke, dann schlief er selig ein…

Sehr spät am Abend begaben sich auch Reid, Dilara und Sephiroth in ihre Schlafgemächer. Vorher jedoch sahen sie noch einmal nach dem Kleinen, ob es ihm auch gut ging.

Leise öffneten sie die Tür und betraten das Zimmer.

„Seht, wie er schläft, ganz lieb und brav. Ist er nicht allerliebst…”, schwärmte Dilara, die Randir am Liebsten sofort in die Arme genommen und an sich gedrückt hätte.

Doch hielt sie sich natürlich zurück. Reid flüsterte seinem Sohn zu:

„Du hast gut daran getan, den Kleinen hierher zu bringen. Und ich stimme deiner Mutter zu …der Kleine ist wirklich allerliebst.”

Sephiroth nickte nur und sah seinen kleinen Schatz noch lange an, dann streichelte er ihn noch einmal und ging dann ebenfalls ins Bett.

Am nächsten Tag stand Randir schon sehr zeitig auf, lief ins Bad, duschte, so gut es ging, vergaß auch das Zähneputzen nicht, zog sich an und rannte die Treppen hinab, als ihm Reid entgegen kam:

„Hey, hey, hey …nicht so stürmisch …kleiner Mann.”, lachte Reid und strich über den Kopf des Kleinen. Dann sprach er liebevoll weiter.

„Mein Kleiner, heute darfst du noch nicht ins Wohnzimmer gehen, okay …erst wenn wir dich rufen.”, erklärte Reid Randir, der ihn dann mit großen Augen ansah und nickte.

Schließlich lief er weiter und ging in die Küche, wo er sich brav ans Fenster setzte und hinaussah. Reid hatte dem Kleinen nur lächelnd nachgesehen und freute sich, dass sich der Kleine schon einigermaßen eingelebt hatte.

Sephiroth schlief noch, denn er war sehr müde gewesen und gönnte sich diese Auszeit.

Dilara war derweil auch schon aufgestanden, hatte geduscht und sich angekleidet. Dann ging sie ebenfalls in die Küche, wo sie auf Randir traf, der ganz brav am Fenster saß.

„Guten Morgen, mein Schatz.”, begrüßte Dilara Randir freudig, nahm ihn liebevoll in die Arme und drückte ihn sanft an sich. Randir freute sich auch, als er Dilara sah und schlang seine kleinen Ärmchen um sie.

„Ja, mein Kleiner. Ich hab dich lieb. Weißt du was, wir zwei machen jetzt Frühstück, okay. Möchtest du mir helfen?”, fragte Dilara Randir und streichelte Randir sanft.

Randir sah Dilara an und nickte freudestrahlend.

„Na dann, komm, mein Schatz. Hier sind die Teller, die stellst du da auf den Tisch.”, erklärte Dilara Randir.

Er strahlte und tat was ihm Dilara erklärte. Dilara gab ihm die Teller und er stellte sie auf den Tisch …an jeden Platz einen. So ging es weiter bis der Tisch vollständig gedeckt war …dann jedoch läutete es an der Haustür…

Sephiroth erwachte, als es an der Haustür geläutet hatte. Er stand auf, blickte aus dem Fenster und dachte sich seinen Teil. Er zog sich nur schnell etwas an, dann rannte er die Stufen hinab, doch er kam zu spät, denn seine Mutter hatte schon die Tür geöffnet und auch sein Vater stand neben Dilara.

Sephiroth stellte sich hinter seine Eltern und bat sie, sich um Randir zu kümmern, das hier würde er allein klären.

Dilara und Reid nickten und ließen Sephiroth allein, mit den beiden Personen.

„Solltest du Hilfe brauchen…”, sprach Reid noch zu Sephiroth, im Weggang, wurde dann jedoch von seinem Sohn unterbrochen:

„Ich weiß, dann sag ich euch Bescheid. Aber Vater, mach dir bitte keine Sorgen. Ich weiß was ich tue.”, sodann verschwanden Dilara und Reid von der Tür und gingen in die Küche zu Randir.

„Nun, zu ihnen. Wie ich ihnen schon sagte, bleibt Randir bei uns und ich werde ihn adoptieren, haben sie mich verstanden!? Ich werde ihnen den Kleinen nicht herausgeben!”, erklärte Sephiroth konsequent und erahnend was die Beiden wollten.

„Dann zwingen sie uns die Polizei einzuschalten!”, drohte der Vater von Randir nun.

„Bitte, soll ich ihnen vielleicht das Telefon bringen?! Ich bin gespannt, was die Polizei zu den Hämatomen, die von ihren Misshandlungen her rühren, sagen wird, die Randir am ganzen Körper hat!”, drohte Sephiroth ebenfalls und Wut lag in seiner Stimme, doch er riss sich zusammen.

„Schon gut, schon gut… Lassen sie uns doch vernünftig miteinander reden.”, erwiderte die Mutter von Randir beschwichtigend.

„Ja, klar, ich soll ihnen Randir geben. Niemals! Ich liebe den Kleinen und auch meine Eltern haben den Kleinen ins Herz geschlossen und er ist hier Willkommen. Seien sie doch mal ehrlich, sie lieben ihren Sohn doch gar nicht. Sie brauchen doch eh nur ihren „Fußabtreter“ wieder. Nein, aber nicht mit mir. Trinken sie doch lieber noch eine Kiste Bier…!!!!”, verhöhnte Sephiroth die Beiden und sah sie verächtlich an.

Der Mann und die Frau hatten keine Chance gegen Sephiroth und mussten unerledigter Dinge wieder von dannen ziehen. Sephiroth ließ die Tür ins Schloss fallen und ging in die Küche zu seinen Eltern und Randir.

Zuerst wurde Randir von Sephiroth begrüßt.

„Hallo, mein Kleiner. Guten Morgen. Hast du gut geschlafen und was schönes geträumt?”, fragte Sephiroth Randir, sah ihn dann genauer an und fragte ihn dann weiter:

„Na sag mal, du bist ja schon angezogen …hat dich Dilara fertig gemacht?”

Randir schüttelte den Kopf und erwiderte: „Hab mich allein gewaschen und angezogen und Zähne hab auch geputzt.” und senkte den Kopf.

„Hey, Kleiner, das ist doch kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Du hast das sehr gut gemacht, mein Schatz. Ich bin sehr stolz auf dich.”, munterte Sephiroth den Kleinen auf und nahm ihn liebevoll in die Arme.

Dilara mischte sich nun ein und sprach:

„Unser Kleiner hat sogar schon den Tisch für das Frühstück gedeckt.”, mit diesen Worten zwinkerte Dilara Randir zu und lächelte.

Auch Randir schenkte Dilara ein liebes Lächeln. Sephiroth ließ den Kleinen gar nicht mehr los und lobte ihn, nachdem er sich den Tisch angesehen hatte:

„Das hast du aber wirklich sehr schön gemacht, Randy. Ich hab dich lieb..”

Randir sah Sephiroth an und errötete leicht. Belobigungen kannte er ja auch nicht und musste sich somit auch daran erst gewöhnen. Doch es fühlte sich, für ihn, so gut an …ganz anders, als …ja als bei seinen …Eltern …obwohl er glücklich war und alle hier ihn liebten …stiegen ihm die Tränen in die Augen und er begann zu weinen. Sephiroth sah, dass Randir zu weinen begann und auch Dilara und Reid sahen ihren kleinen Schatz weinen.

„Du hast viel durch, Kleiner …hm …es ist alles gut. Du kennst das nicht, hab ich recht? Aber, wir lieben dich, Randy und das wird sich niemals ändern. Du wirst auch nie wieder zu diesen Monstern zurück müssen. Ich …nein, wir alle beschützen dich und werden uns für dich einsetzen. Nie wieder wird dir jemand so weh tun.”, versuchte Sephiroth Randir zu trösten.

Auch Dilara und Reid trösteten Randir sehr liebevoll.

Eine ganze Weile ging es so weiter, dann hatte sich Randir wieder ein wenig beruhigt, seine Tränen versiegten und alle frühstückten gemeinsam.

Nach dem Frühstück schnappte sich Sephiroth seinen kleinen Schatz, zog ihm eine warme Jacke an, nahm ihn an die Hand und machte mit ihm einen Spaziergang.

Währenddessen bereitete Dilara das Mittagessen vor und Reid schmückte den Tannenbaum. Zudem wurden, von Reid, alle Geschenke unter den Tannenbaum gelegt, außer das von Sephiroth, das Sephiroth Randir selbst geben wollte.

Randir amüsierte sich prächtig, denn Sephiroth war mit ihm in einen großen Park gegangen, in dem ganz viel Schnee lag.

Zuerst waren sie einen etwas größeren Hügel, mit einem Schlitten, hinunter gerodelt, danach bauten sie gemeinsam einen Schneemann und lieferten sich anschließend eine richtig große Schneeballschlacht. Noch nie hatte sich Randir dermaßen amüsiert und gefreut.

Beobachtet wurden die beiden von Randirs Eltern, die sich natürlich nicht näher, an die beiden heran trauten. Die Beiden waren Randir und Sephiroth, den ganzen Weg lang, gefolgt. Sie hatten solange gewartet, bis jemand das Haus verlassen würde, dass es ausgerechnet Sephiroth und Randir waren, konnten sie jedoch nicht wissen.

Am Liebsten hätten sie Randir gleich wieder mit sich genommen, doch mit einem Typen, wie Sephiroth, legten sie sich nicht an. Sie wussten ganz genau, dass Sephiroth den Kleinen mit aller Macht beschützen würde, so schien es den Beiden zumindest, so wie der junge Mann sich für ihren Sohn eingesetzt hatte.

Nun, sie würden sich den Kleinen schon noch wieder holen …dessen waren sie sicher…

Irgendwann machte sich Sephiroth mit Randir wieder auf den Weg nach Hause. Nachdem Beide das Haus betreten hatten, ging es erst mal ins Bad …Hände waschen. Danach stand das Essen auf dem Tisch und alle gemeinsam ließen sich das Essen schmecken. Der kleine Randir wurde immer wieder von neuem überrascht…

Danach wurde Randir von Dilara, für kurze Zeit, in sein Zimmer gebracht.

„Randy, du bleibst jetzt schön hier, bis wir dich rufen, okay.”, mit diesen Worten streichelte Dilara Randir über sein Köpfchen und lehnte die Tür nur ein wenig an, damit der Kleine sich nicht eingesperrt fühlte.

Es läutete an der Wohnungstür und Dilara, ging hin und öffnete die Tür, um die drei Gäste einzulassen.

Alle versammelten sich im Wohnzimmer, dann holte Dilara den Kleinen aus seinem Zimmer und brachte ihn langsam ins Wohnzimmer.

Dort angekommen, bekam Randir seinen Mund beinahe nicht mehr zu. Seine Augen weiteten sich zusehends und begannen heller zu strahlen, als die Sonne selbst.

Noch nie, in seinem bisherigen Leben, hatte Randir solch einen …oder überhaupt einen Weihnachtsbaum gesehen. Er blieb, wie angewurzelt, vor dem Baum stehen und bekam sich vor Freude kaum noch ein. Sprachlos sah er sich nun den Baum etwas genauer an und berührte ihn sacht. Dann drehte er sich um und sah Sephiroth, Dilara, Reid und auch die Freunde von Sephiroth in dem Raum stehen.

Reid und Dilara waren die ersten, die auf Randir zugingen und ihm ein schönes Weihnachtsfest wünschten. Dann durfte er sich drei Päckchen, die unter dem Baum lagen, wegnehmen. Natürlich öffnete er diese Geschenke gleich und freute sich riesig, über alles.

Aber auch die Geschenke von Sephiroth, Genesis, Zack und Angeal öffnete er sogleich und bekam sich auch weiterhin, vor Freude, nicht mehr ein. Er wusste nicht was er zu allem sagen sollte… außer:

„Danke…“, und schien nun wieder sehr überfordert zu sein…

Inmitten der ganzen Geschenke und der ganzen lieben Leute, stand Randir plötzlich da und sprach kein Wort mehr …schließlich sah er sich fragend um, während ihm nun schon die ersten kleinen Tränen an seinem Gesicht herab liefen und nun weinend davon rannte.

Schnell verließ er das Haus und rannte soweit ihn seine kleinen Beine trugen …das heißt eigentlich wollte er soweit laufen, wenn da nicht …nein, nicht Sephiroth, sondern …Genesis gewesen wäre, der dem Kleinen nachrannte und ihn schon bald eingeholt hatte. Aber auch Sephiroth war Randir, schnell, gefolgt und hatte ihn ebenfalls bald eingeholt…

Sanft hielt Genesis Randir fest:

„Hey, Kleiner, was ist denn los …hm?”, fragte Genesis liebevoll.

Doch Randir sah ihn nur an und die Tränen liefen in Strömen an seinem Gesicht hinab.

Sephiroth kniete sich vor Randir hin, nahm ihn vorsichtig in die Arme und tröstete ihn. Währenddessen deutete er Genesis, dass er wieder ins Haus gehen sollte. Das tat Genesis auch.

Anschließend sprach Sephiroth mit Randir, ganz ruhig:

„Hör mir bitte zu, mein Kleiner. Ich weiß, dass du das alles nicht kennst und es tut mir auch sehr leid, dass wir dich wiederum ein wenig überfordert haben, aber ich bitte dich, lauf nicht davon, wenn dir etwas zu viel wird. Ich habe einfach Angst, dass dir etwas passieren könnte. Verstehst du? Ich hab dich sehr lieb und alles was ich möchte ist, dass du glücklich bist, und dass es dir gut geht. Es war jetzt wahrscheinlich wieder ein bisschen viel für dich …hm. Das verstehe ich gut. Kommst du trotzdem wieder mit rein, oder …wollen wir noch etwas hier draußen bleiben?”, tröstete Sephiroth seinen kleinen Engel.

Randir sah Sephiroth an und antwortete leise:

„Reingehen. Ist so kalt hier draußen. Entschuldigung, ich weggelaufen bin. Das wollte ich nicht.”, mit diesen Worten schmiegte sich Randir an Sephiroth an und hoffte er würde ihm verzeihen.

„Hey, schon gut, mein Kleiner. Du brauchst dich für nichts zu entschuldigen. Na, komm, gehen wir rein. Es ist wirklich sehr kalt hier draußen. Und noch etwas: Wenn dir was zu viel wird, dann sprich mit mir, okay. Und mit den ganzen Geschenken, kannst du tun was du willst, tu bitte alles sehr langsam und nur soweit, wie es dir angenehm ist, okay.”

Randir nickte, während er Sephiroth ansah. Danach nahm Sephiroth den Kleinen auf den Arm und ging mit ihm wieder ins Haus hinein. Im Wohnzimmer angekommen, setzte er den Kleinen auf das Sofa und auch die Anderen ließen ihn erst einmal in Ruhe, unterhielten sich untereinander ein wenig und tranken derweil ihren Tee, wobei sie Randir nicht ganz aus den Augen ließen und ihn ein wenig beobachteten. Für sie alle war ja auch klar gewesen, dass sich Randir an alles erst richtig gewöhnen musste…

Zuerst blieb Randir ganz still auf dem Sofa sitzen, dann jedoch sah er sich noch einmal aufmerksam um und verließ dann langsam das Sofa. Noch einmal ging er auf den Weihnachtsbaum zu, stellte sich davor und betrachtete diesen ausgiebig von allen Seiten.

Ganz langsam ging er zum Gabentisch und sah sich ein Geschenk, nach dem anderen ganz genau an. Alles tat er mit viel Gefühl und sehr achtsam.

Unter den vielen Geschenken befanden sich zwei kleine Spielkonsolen …mitsamt den dazu gehörigen Spielen. Er setzte sich mit den Konsolen auf den Fußboden und betrachtete diese eine zeitlang. Schließlich schaltete er eine der Konsolen ein, betrachtete aufmerksam den Bildschirm und so langsam begriff er, was er tun musste. Somit war er für eine ganze Weile beschäftigt. Er war jetzt nicht zu hören, nur zu sehen… Mondenkind hielt er trotzdem in seinen Armen…

Logischerweise wurde er von den Anwesenden ein wenig beobachtet. Sie waren froh und sehr glücklich, dass sich Randir beruhigt hatte und sich nun doch zu freuen schien.

Ihn störte jetzt allerdings nichts mehr …diese Konsolen hatten sein ganzes Interesse geweckt…

Zack, der sich ebenfalls für Videospiele interessierte, stand auf, ging zu Randir, setzte sich neben ihn und sah ihm interessiert zu.

„Hey, Kleiner, du machst das echt spitze. Spielst du schon lange und hast du früher schon einmal so was gespielt?”, sprach Zack den Kleinen an.

Randir sah Zack nicht an, doch er erwiderte leise:

„Nein, so was hat ich noch nie gespielt. Ist das erste Mal.”

Zack bekam große Augen und sah den Kleinen, neben sich erstaunt an.

“Wow, dafür, dass du das zum ersten Mal spielst, bist du echt super, Randy.”, sprach Zack lobend zu dem Kleinen und grinste.

Randir sah Zack an und schenkte ihm ein stilles Lächeln.

Nach einer Weile schließlich amüsierten sich beide prächtig und kamen gut miteinander aus…

*-*-*

Kapitel 4:

So langsam gewöhnte sich Randir an die Leute um sich herum. Und so sah er diese …seine Leute:

Reid Crescent – der Ruhige, der Vernünftige und derjenige für alle

Entscheidungen und Problemlösungen;

Dilara Crescent – die Fürsorgliche, die Freundliche und immer zu Scherzen

aufgelegte;

Sephiroth Crescent – er war alles was Randir hatte und was er liebte …er war sein

Leben …sein Retter und das Beste was ihm passieren konnte;

Zack Fair – war ein sehr guter Kumpel …der passte einfach in diese Welt hinein,

Mit ihm konnte man sozusagen „Pferde klauen“;

Angeal Hewley – war sehr ruhig und still, doch konnte man auch mit ihm viel Spaß

haben und auch er konnte ein sehr guter Freund sein;

Genesis Rhapsodos – jagte ihm ab und an ein wenig Angst ein. Bei ihm wusste er

nie woran er war und ob er ihm trauen konnte.

Er war ihm ein wenig unheimlich.

Aber auch an ihn gewöhnte sich Randir bald;

Der Rest, der Weihnachtsfeiertage wurde wunderschön und Randir erlebte das erste Mal was es hieß eine Familie zu haben und ein Fest zu feiern.

Leider gingen die Feiertage viel zu schnell vorbei und der Alltag hielt wieder Einzug.

Als jedoch die Familie Crescent, wie besprochen, zum Jugendamt kam, wurde ihnen mitgeteilt, dass sich auch Randirs Eltern bereits an das Amt gewandt hätten und der Adoptionsvertrag somit vorerst nicht zustande kommen konnte.

Sephiroth Crescent klagte gegen die Eltern vor Gericht und es kam zu einer Verhandlung.

Während der Verhandlung wurde bewiesen, wie sehr Randir unter diesen Eltern gelitten hatte und wie sehr ihn diese misshandelt hatten. Hierzu war extra ein Kinderpsychologe hinzugezogen worden, der sich lange mit Randir unterhalten und beschäftigt hatte. Die Ergebnisse, seiner Untersuchung, teilte er bei der Anhörung, dem Gericht mit.

Leider konnte man Randir eine Gegenüberstellung mit seinen Eltern, während der Verhandlung, nicht ersparen, so dass er seinen Eltern, noch einmal, in die Augen sehen musste. Woraufhin er leichenblass wurde und wieder zu zittern begann. Das wollte man dem Kleinen natürlich keinesfalls allzu lange antun und schickte den Kleinen, mit Dilara und Reid, aus dem Saal.

So wurde Randir vom Richter extra und allein befragt und er antwortete diesem immer wahrheitsgemäß. Natürlich stand ihm der Kinderpsychologe, die ganze Zeit, schützend, helfend und fürsorglich zur Seite.

Schlussendlich gelangte das Gericht zu der Überzeugung, dass Randir bei Sephiroth Crescent sehr viel besser, als bei seinen leiblichen Eltern, aufgehoben war.

Somit wurde den Eltern von Randir, das Sorgerecht, für ihren Sohn, auf Dauer, entzogen. Zudem wartete auf die Beiden noch ein weiteres Gerichtsverfahren wegen Kindesmisshandlung.

Sephiroth Crescent wurde das Sorgerecht für Randir, mit sofortiger Wirkung, übertragen und die Adoption war damit, nach fast einem Jahr, abgeschlossen.

Alle, bis auf Randirs Eltern, atmeten erleichtert auf, als der Richter das Urteil verkündet hatte.

Der kleine Randir Crescent, wie er nun hieß, freute sich riesig und umarmte „seinen Sephi”, der nun sein Adoptivvater war, freudestrahlend …was natürlich auf Gegenseitigkeit beruhte und Sephiroth den Kleinen auch, liebevoll, in seine Arme nahm. Endlich gehörte Randir offiziell zu Sephiroth und seiner Familie.

*-*-*

Die Zeit verging und schon bald hatte sich Randir an sein neues Zuhause, an seine neue Familie und auch an die neue und andere Lebensweise gewöhnt.

So erreichte der Kleine das sechste Lebensjahr und kam in die Schule. Wie nicht anders zu erwarten, war die Einschulung im großen Stil gefeiert worden.

Randir wurde ein sehr, sehr guter Schüler. Er lernte und begriff sehr schnell. Das Lernen fiel ihm erstaunlich leicht und so kam es, dass Randir einige Klassen übersprungen hatte. Im zarten Alter von nur fünfzehn Jahren hatte er bereits die zehnte Klasse erreicht und es wunderte auch niemanden, dass Randir mit seinen erst sechzehn Jahren das Abitur ebenfalls schon bald geschafft hatte.

Jetzt war Randir siebzehn Jahre alt und schrieb sich an der Universität, für Naturwissenschaften und Informatik ein.

Irgendwann kamen die ersten Semesterferien und Randir, inzwischen 1,85m groß, hatte mal wieder viel Spaß mit seinem Vater, seinen Großeltern, Angeal, Zack und Genesis. Die Freunde seines Vaters waren zwischenzeitlich auch zu seinen Freunden geworden.

*-*-*

An einem wunderschönen Sommermorgen betrat Randir leise das Zimmer seines Vaters und legte sich zu ihm ins Bett …eben so, wie in früheren Zeiten, als er noch ein kleines Kind war.

Noch schlief Sephiroth friedlich, doch dann begann Randir seinen Vater zu streicheln und zärtlich, an Stellen zu berühren, die für ihn, als Sohn, tabu waren.

Davon erwachte Sephiroth schließlich und sah sich, noch etwas schlaftrunken, um.

Wie ein Blitz sprang er aus dem Bett und sah Randir an.

„Was soll das werden, Randir?!”, fragte Sephiroth seinen Sohn, erschrocken.

„Sephiroth, ich glaube, ich habe mich in dich verliebt.”, gestand Randir und sah seinem Adoptivvater verliebt in die Augen.

„Randir, nein, das geht nicht, hörst du?! Ich liebe dich zwar auch, aber eben “nur” so, wie ein Vater seinen Sohn liebt, verstehst du mich?!”, erklärte Sephiroth seinem Sohn Randir sehr ernst, nachdem er seinen ersten Schock weitgehend überwunden hatte.

*-*-*

Kapitel 5:

Natürlich verstand Randir sehr gut, was ihm sein Vater erklärte, er war ja schließlich nicht dumm.

Aber Randir wollte es eben nicht verstehen und seinen Dickkopf, den er mit der Zeit bekommen hatte, da man ihn sehr verwöhnte, durchsetzen.

Also rannte Randir aus dem Zimmer und verließ irgendwann fluchtartig das Haus…

Randir hastete, so schnell er konnte, die Straßen entlang ..wohin er wollte wusste er bereits. Dass er jedoch an Leuten vorbei lief, die er sehr gut kannte, hatte er allerdings nicht registriert.

„Randy?! RANDIR!”, rief Zack Randir nach, der jedoch nicht reagierte und weiter lief.

Angeal hatte dies ebenfalls mitbekommen, wählte Sephiroths Nummer und erzählte seinem Freund, nachdem dieser das Gespräch angenommen hatte, was los war.

„Wo ist Randy jetzt?”, wollte Sephiroth wissen.

„Er läuft auf das Schulgebäude zu …wart mal …er geht hinein …Mist …ich denke wir sollten ihm schnellstens folgen, bis gleich, Seph.”, erwiderte Angeal hastig.

„Okay, bis gleich. Folgt ihm …ich bin auch gleich bei euch.”, entgegnete Sephiroth und beendete das Gespräch, ebenso wie Angeal.

Schnell zog er sich an, lief aus dem Haus, setzte sich in sein Auto und raste zum Schulgebäude…

Angeal, Zack und Genesis folgten Randir und erreichten das Dach des Schulgebäudes relativ schnell.

Auf dem Dach angekommen, sah Genesis Randir, in der Ferne auch schon auf dem Rand des Daches stehen. Eilig rannten die Freunde auf Randir zu, doch noch bevor sie in seine Nähe gelangen konnten, rief Randir:

„Bleibt sofort stehen, oder …ich springe!”

Zack rief zurück: „Was ist denn los, Randy?!”

„Lasst mich alle in Ruhe! Ich werde eh nie das haben, was ich will!”, schrie Randir weinend Zack an.

„Was willst du denn?!”, fragte Zack weiter, denn er wollte Randir, so lange wie möglich, von dessen Vorhaben, ablenken.

Dann kam prompt die Antwort: „Mich …er will mich …er hat mir vorhin seine „Liebe“ gestanden!”, ertönte es aus nächster Nähe.

Genesis, Zack und Angeal drehten sich beinahe gleichzeitig um.

„Seph?”, erwiderte Zack erstaunt: „Er ist in dich …verliebt?!” und seine Augen weiteten sich zusehends.

„Genauso ist es, Zack.”

„Aber du bist doch …und er ist doch dein …”, begann Angeal den Satz stotternd.

„…ja, er ist mein Sohn und ich bin sein Vater!”, beendete Sephiroth diesen Satz.

Sephiroth ging an seinen Freunden vorbei und gab ihnen ein Zeichen. Fast unmerklich nickten die Drei, denn sie wussten genau was Sephiroth von ihnen erwartete.

Sephiroth redete mit seinem Sohn:

„Randy, du bist mein Sohn und ich liebe dich, als Vater, aber ich werde niemals dein Geliebter sein, hörst du!?”

„Nein, lass mich in Frieden! Verschwinde doch ein…”, weiter kam Randir nicht, denn während Sephiroth mit ihm gesprochen hatte, hatten sich Zack von Links und Angeal von Rechts, unauffällig, an ihn herangeschlichen, ihn dann schnell, an den Armen, gepackt und ihn vom Rand weg, auf das Dach in Sicherheit gebracht.

Natürlich hatte sich Randir heftig zur Wehr gesetzt. Doch Angeal und Zack waren sehr viel stärker, als Randir. Sephiroth sah auf Randir herab, der nun am Boden lag, von Angeal und Zack festgehalten wurde, sich noch immer gegen sie zu wehren versuchte, und fragte ihn:

„Was sollte das, Kleiner …hm?”

„Das dürfte dir doch so ziemlich egal sein! Lass mich doch einfach in Ruhe!”, schrie Randir seinen Vater, voller Wut, an.

Genesis gab allen einen Wink, dann ging Sephiroth zur Seite, Zack und Angeal ließen Randir los. Sofort packte Genesis Randir, legte ihn sich über die Schulter und grinste.

„Sehr freundlich, der Kleine.”, stellte Zack, grinsend, fest und Sephiroth fragte Genesis: „Was hast du jetzt mit ihm vor?”

An Zack gewandt, erwiderte Genesis:

„Pah …das ist ein Jugendlicher, der hat nur ne große Klappe, sonst nichts. Lasst mich mal machen. Mit kleinen verwöhnten Gören kenne ich mich aus…” und sprach ein paar Worte mit seiner Last auf der Schulter: “…nicht wahr, mein Kleiner…”, dann wand er sich an Sephiroth:

„Seph, du hast ihn sehr verwöhnt, nun ist es an der Zeit, dass dein lieber kleiner Randy, mal was anderes kennen lernt.“, verließ das Dach des Schulgebäudes und lief mit Randir, über seiner Schulter, zu sich nach Hause.

Was nicht gerade einfach war, da Randir versuchte sich, mit aller Kraft, zu wehren. Doch da biss er, bei Genesis, auf Granit.

Sephiroth vertraute seinem Freund und er wusste, dass er Randir kein Haar krümmen würde.

Zack, Angeal und Sephiroth gingen zu Sephiroth nach Hause und warteten auf das was eventuell kommen würde …oder …eben auch nicht. Die drei Freunde waren zufrieden, dass diese Sache gut ausgegangen war. Sie mochten gar nicht daran denken, was hätte passieren können. Sie hofften nur, dass Genesis bei dem Kleinen etwas erreichen konnte. Natürlich wusste Sephiroth ganz genau, dass er Randir sehr verwöhnt und ihm wirklich jeden Wunsch erfüllt hatte …ebenso seine Eltern…

Bei sich Zuhause angekommen, setzte Genesis Randir auf das Sofa und hielt ihn noch ein wenig fest.

„So, nun hör mir mal zu, Kleiner. Du bist ein kleines verwöhntes Bübchen und Sephiroth hat sich etwas zu gut um dich gekümmert und dich dabei verwöhnt, wo er nur konnte. Und wie dankst du es ihm? Du willst dir das Leben nehmen, nur weil er sich nicht von dir lieben und verführen lässt. Mensch Junge, er ist dein Vater, wenn auch nur dein Adoptivvater. Aber er liebt dich, als wärst du sein eigen Fleisch und Blut. Er hat sich immer für dich eingesetzt. Wenn du so unter Druck stehst dann …”, Genesis tat so als würde er überlegen, dann sprach er weiter:

„…dann …nimm mich, Kleiner. Ich bin nämlich nicht dein Vater, aber …ICH… habe mich in dich verliebt, Randir Crescent. Deshalb …wenn du mich brauchst …ich bin für dich da. Egal wann und wo …auch wenn du reden willst …bin ich immer für dich da.”, bot Genesis Randir an und meinte es absolut ehrlich.

Jedoch war Randir bei Genesis’ Worten und dessen Geständnis puterrot angelaufen und rückte nun, wie automatisch, von Genesis weg.

„Was ist los mit dir, Kleiner …hm?”, fragte Genesis Randir.

„Ich …also ich …hatte …doch noch nie …eine …Beziehung oder so und …ich, …weißt du …ich …hab ziemlich …Angst davor …”, gab Randir ehrlich zu und blickte zu Boden.

„Ich weiß, aber hey, ganz ruhig, Kleiner. Du brauchst keine Angst davor zu haben. Ich kenne mich in Beziehungen aus. Vertrau mir, Randy, ich weiß was ich tue.”, erklärte Genesis liebevoll und rückte etwas näher an Randir heran.

Dann nahm er ihn in die Arme und küsste ihn zärtlich, aber kurz. Damit ließ er es erst mal gut sein, denn er wollte Randir nicht überfordern. Er hatte ihn vorsichtig „angefüttert”, wenn der Kleine mehr wollte, musste er den ersten Schritt tun.

Genesis hoffte inständig, dass Randir schon für Liebe bereit war …wenn nicht, würde er eben warten.

Randir sah Genesis mit hochrotem Gesicht an, sah dann aber wieder zu Boden, als wäre dieser ganz besonders interessant.

„Ich werde dann wohl besser gehen …ähm …ich …also …ich weiß nicht.”, stotterte Randir, obwohl er sonst nie stotterte, doch stand er nicht auf, um zu gehen.

Vielmehr begann Genesis ihn zu faszinieren. Das kribbelnde Gefühl, in seinem Bauch sprach zudem eine eindeutige Sprache. Die Sprache der …Liebe…

Genesis konnte nun doch nicht anders und küsste Randir noch einmal …diesmal jedoch innig und leidenschaftlich. Nun war es Randir, der nicht genug bekam …und sich somit von Genesis verführen ließ…

Randir war glücklich und als Genesis ihm sagte: “Ich liebe dich, Randir.”, errötete Randir abermals, doch erwiderte er: “Ich… liebe dich auch …Genesis.”, dann küsste er ihn sanft und sah ihn verliebt an, was Genesis nur allzu gern erwiderte.

Irgendwann erhoben sich beide aus dem Bett, duschten gemeinsam, zogen sich an und machten sich auf den Weg zum Anwesen der Crescents.

Nachdem beide das Anwesen erreicht und kurz darauf das Haus betreten hatten, suchte Genesis sogleich seinen Freund Sephiroth auf, während sich Randir vorerst in sein Zimmer verkrümelte.

Genesis fand seinen Freund im Wohnzimmer vor, da er aber mit ihm allein reden wollte, gingen beide in den Garten, denn sie wollten auch Dilara und Reid nicht mit ihren Gesprächen belästigen.

Im Garten angekommen begann Genesis das Gespräch:

„Seph, ich muss mit dir reden.”

„Was ist denn los? Konntest du was ausrichten bei Randy?”, wollte Sephiroth fragend wissen.

„Ja, das konnte ich, allerdings nicht so, wie du vielleicht meinst oder denkst.”

„Hä… Wie denn dann?”, fragte Sephiroth seinen Freund und sah ihm prüfend in die Augen.

„Seph …Randy und ich …wir lieben uns. Und ja, ich habe ihn auch schon…”, gestand Genesis seinem Freund, wobei er das letzte Stück des Satzes für sich behielt und nicht weiter sprach.

Sephiroth hatte Genesis schweigend zugehört, dann jedoch rief er, sehr entsetzt:

„DU HAST WAS?! Du willst mir jetzt nicht sagen, dass du ihn verführt hast, oder?!”, denn er hatte ganz genau verstanden was da lief …auch wenn Genesis den letzten Teil weggelassen hatte.

„Ja, genau das will damit sagen. Ich habe Randy verführt und auch er liebt mich. Bitte, sei nicht sauer, Seph.”, bat Genesis seinen Freund.

„Ich bin nicht sauer, aber Randy …er ist mein Sohn und er ist …doch noch ein Kind, Genesis.”, erwiderte Sephiroth sorgenvoll.

Grinsend antwortete Genesis: „Also Seph, jetzt hör’ mir mal zu: Dein Sohn Randir ist alles andere, aber er ist sicher kein Kind mehr, glaub mir. Seph, ich liebe ihn.”

„Ja, schon okay. Meinen Segen habt ihr. Aber ich schwöre dir, Genesis, tust du Randy weh, kannst du dein Testament machen.”, drohte Sephiroth nun sehr ernst.

„Ich werde Randy ganz sicher nicht wehtun, warum sollte ich auch?! Ich liebe ihn. Und nun mach nicht so ein Gesicht “Daddy”, deinem Sohn geht es gut.”, scherzte Genesis, um die Situation ein wenig aufzulockern.

„Ja, natürlich, aber ich werde gleich noch einmal mit ihm reden, wenn …du gestattest.”, bestimmte Sephiroth.

„Mach nur, Seph, red’ mit deinem Sohn.”, antwortete Genesis und beide gingen gemeinsam wieder ins Haus hinein.

Während Genesis ins Wohnzimmer ging, lief Sephiroth nach oben in das Zimmer seines Sohnes. Er klopfte an, dann öffnete er die Tür und sah seinen Sohn auf dem Bett sitzen …den Oberkörper nach vorn über gebeugt …nur den Kopf hebend sah er seinen Vater an:

„Dad.”, sprach Randir, während sich Sephiroth neben ihn auf das Bett setzte und eine Hand auf Randirs Rücken legte.

„Hey Kleiner, na, alles klar bei dir?”

„Ja …Dad …schon gut. Bitte verzeih mir, dass ich… na ja, du weißt schon…”, sprach Randir sah Sephiroth an und errötete mal wieder.

„Hey, es ist okay, ich habe dir doch längst vergeben. Aber sag mal, Randy, liebst du Genesis, wirklich?”, wollte Sephiroth von seinem Sohn wissen.

„Ja, Dad, ich liebe ihn. Er zeigte mir wie schön Liebe sein kann und ..na ja, weißt du …wir ..”, erzählte Randir leicht schüchtern und auch er verschluckte einige Worte des Satzes.

„Schon okay, ich weiß Bescheid. Er hat dich verführt, stimmt’s, Kleiner. Tja, du wirst nun ein Mann und du hast dich in einen anderen Mann verliebt. Das ist völlig okay, mein Sohn. Ich hoffe, dass Genesis dir nicht weh getan hat und dir nicht weh tun wird. Ihr Beide habt meinen Segen und solltest du doch mal Hilfe brauchen …dann weißt du ja, wo du mich findest.”, bot Sephiroth seinem Sohn an.

„Danke, Dad.”, erwiderte Randir.

Sephiroth stand auf und sah Randir noch einmal an:

“Randy …du bist mein ein und alles …schade nur, dass du schon beinahe ein Mann bist, mein Kleiner. Ich hab dich lieb, Randy. Bitte, pass auf dich auf, ja.”, dann zwinkerte er seinem Sohn zu, verließ das Zimmer wieder, traf auf dem Flur auf Genesis und lief grinsend, aber schweigend, an ihm vorbei, nach unten zu seinen Eltern und den anderen.

Genesis betrat nun Randirs Zimmer, schloss die Tür und kniete sich vor Randir hin. Nur ein wenig hob er dessen Kopf, mit dem Zeigefinger, an, so dass Randir ihm in die Augen sehen musste. Natürlich errötete Randir sofort wieder und lächelte verlegen, bevor Genesis ihn vorsichtig auf die weichen Lippen küsste.

Wieder bekam Randir nicht genug …doch diesmal verführte er Genesis und liebte ihn …danach kuschelten beide noch etwas miteinander.

Sephiroth, Zack und Angeal verließen das Haus und gingen gemeinsam in den Garten, wo Sephiroth den Beiden erst mal beibrachte, was zwischen Genesis und Randir lief.

Während Zack grinste, als hätte er es geahnt, kam von Angeal nichts außer:

„Lass doch die Beiden tun was sie wollen. Wenn Randir unseren Genesis so sehr liebt und umgekehrt genauso …dann ist es doch in Ordnung. Merkwürdig ist nur, dass Randir noch vor kurzem dich, angeblich so sehr zu lieben glaubte und nun …Genesis. Wer, frag ich mich, ist als nächster dran? Na ja, egal …sollen die Beiden glücklich werden.”

„Ja, das denke ich auch.”, erwiderte Zack, noch immer grinsend.

„Sag mal Zack, warum grinst du eigentlich so dämlich?”, fragte Sephiroth seinen Freund, scherzend.

Doch bevor Zack etwas erwidern konnte sprach Angeal: „Was er sagen wollte ist, dass wir dir auch etwas zu erzählen haben.”

Sephiroth fragte fordernd nach: „Und das wäre?!”

Nun sprang Zack wieder ein: „Dass wir, also Angeal und ich, ebenfalls zusammen sind.”

„Wie lange schon?”, antwortete Sephiroth fragend, fast schon ein wenig gleichgültig und nachdenklich zugleich.

„Seit fünf Jahren. Und dass Genesis auf Randy fliegt …wussten wir ebenfalls schon sehr viel länger.”, erläuterte Angeal ergänzend.

„Hmm …und der letzte der davon erfährt …bin mal wieder ich. Warum habt ihr nicht schon früher mit mir darüber gesprochen? Ich mein, ich hab nichts dagegen, dass die Beiden jetzt zusammen sind …aber …Randy ist doch noch ein Kind.”, erwiderte Sephiroth noch immer ein wenig sorgenvoll.

„Seph, also mal ehrlich, dein Randy ist alles, aber er ist sicher kein Kind mehr. Das kannst du vergessen. Er ist zwar „erst” siebzehn Jahre alt, aber glaub mir, ein Kind ist er nicht mehr. Oder glaubst du wirklich, dass sich unser Freund Genesis an einem Kind vergreifen würde?!”, erwiderte Zack grinsend.

„Lass Randy und Genesis ihre Liebe ausleben. Genesis liebt den Kleinen abgöttisch.”, ergänzte Zack.

„Ja, und andersrum scheint es ja genauso zu sein. Mein Sohn scheint Genesis ebenfalls sehr zu lieben.”, sprach Sephiroth mit nachdenklichem Gesicht.

„Hey, nun mach mal nicht so ein Gesicht. Davon geht doch die Welt nicht unter. Dein Sohn hat die Liebe entdeckt …na und… Freu dich für ihn und Genesis.”, sprach Angeal weiter und lächelte freundschaftlich.

Sephiroth erwiderte nichts mehr, sondern drehte sich um und ging wieder ins Haus hinein. Auch wenn es ihn nicht wirklich störte und er sich eigentlich ja freute, dass Randy endlich „erwachsen” wurde und die Liebe entdeckt hatte, so musste er das alles doch erst verarbeiten und drüber nachdenken.

Also nahm Sephiroth seine Schlüssel an sich und verließ das Haus, um ein wenig spazieren zu gehen und besser nachdenken zu können…

Angeal und Zack hatten sich Schulterzuckend angesehen und waren dann ebenfalls ins Haus zurückgekehrt. Da beide noch etwas anderes vor hatten, verabschiedeten sie sich in aller Höflichkeit von Dilara und Reid und verließen das Haus anschließend. Genesis und Randir standen jetzt eh nicht zur Verfügung, die beiden hatten besseres zu tun, als sich von ihren Freunden zu verabschieden.

*-*-*

Kapitel 6:

Nachdenklich spazierte Sephiroth die Straßen entlang. War ihm doch immer noch so, als wäre Randir erst vier Jahre alt und als hätte er ihn eben erst aufgefunden. Ja, er machte sich Gedanken um seinen Sohn, denn es fiel ihm unglaublich schwer zu akzeptieren, dass sein Randy …sein kleiner Engel, nun doch schon ein Mann wurde.

Mit diesen Gedanken in seinem Kopf lief Sephiroth weiter die Straßen entlang und bemerkte dabei nicht, dass er schon seit einer ganzen Weile verfolgt und beobachtet wurde…

Ein junger Blondschopf war zu dieser Zeit ebenfalls auf den Straßen unterwegs, denn heute hatte er frei und seinen freien Tag wollte er an der frischen Luft verbringen. Doch was ihm dann über den Weg lief, ließ seinen Atem stocken. Dieser Kerl sah ja verdammt umwerfend aus, der da gerade an dem Blondschopf vorbei gelaufen war.

Diesem Kerl musste er einfach folgen …möglichst unauffällig natürlich.

Der blonde Jüngling erinnerte sich: War der Kerl nicht der „General” eines riesigen Konzerns gewesen? Eines Konzerns, der dessen Vater gehörte.

Der junge Mann kannte diesen Konzern und den Chef sehr gut. Hatte doch sein Vater ehemals auch dort gearbeitet, bis er eines Tages, bei einem Autounfall, ums Leben gekommen war.

Cloud erinnerte sich, dass er, als Kind sehr oft, mit seinem Vater in der Firma war und er hatte auch des öfteren einen anderen Jungen, mit langen silbernen Haaren, dort gesehen, der ihn jedoch nie bemerkte, da er viel zu hochnäsig, eingebildet und arrogant gewesen war.

Tja, mit einem Boss als Vater, war das wahrscheinlich auch nicht weiter verwunderlich. Und doch hatte der Blondschopf genau diesen Jungen immer schon bewundert. Ja, er war regelrecht fasziniert von ihm gewesen.

Und nun sah er eben diesen Jungen, der zwischenzeitlich ein …wunderschöner Mann geworden war, hier auf der Straße herum laufen.

Sicher Cloud hatte ihn eine Weile nicht gesehen… Seit dem Tod seines Vaters. Aber eines wusste Cloud …Sephiroth lief nicht ohne Grund in den Straßen hier spazieren, wo er doch immer nur mit dem Auto unterwegs war, wenn überhaupt.

Er musste wissen, was mit Sephiroth los war …also blieb er ihm auf den Fersen…

Sephiroth lief noch eine Weile herum, dann setzte er sich in ein Cafe und bestellte sich einen Espresso. Das Wetter war wunderschön, die Sonne schien vom Himmel herab, also hatte sich Sephiroth draußen hingesetzt und bekam dort seinen Espresso serviert.

Er schloss ein wenig die Augen und genoss die Wärme der Sonne, als es vor ihm ganz plötzlich schattig wurde und ihn jemand ansprach…

Jetzt …ja jetzt sah Cloud seine Chance gekommen… Er ging auf den Platz von Sephiroth zu und fragte ihn höflich:

„Sir, darf ich mich zu ihnen setzen?”

Sephiroth öffnete seine Augen und sah sein Gegenüber an, dann erwiderte er:

„Ja, bitte, der Platz ist frei.”, und schloss die Augen wieder, um die Sonne auch weiterhin genießen zu können.

Er kümmerte sich nicht weiter um den jungen Mann, der sich an seinen Tisch gesetzt hatte. Dennoch dachte er bei sich, ob es hier nicht auch andere Plätze gab und warum es ausgerechnet der Platz ihm gegenüber sein musste? Jedoch wollte er ja nicht unhöflich sein, zudem war es gar kein Gedanke wert, er hatte ganz andere Sorgen…

Doch wenn Sephiroth nun dachte seine Ruhe zu haben, hatte er sich geirrt. Denn Cloud begann sein Gegenüber, von dem er genau wusste, wer er war, unschuldig und Unwissenheit vorzutäuschend, anzusprechen.

„Der Tag ist sehr schön, nicht wahr.”, begann Cloud, denn irgendwie musste es ihm doch gelingen mit Sephiroth ins Gespräch zu kommen.

„Ja.”, kam es kurz und knapp von Sephiroth, der sich in seiner Ruhe gestört fühlte und nun seine Augen öffnete.

Seine Ruhe war dahin, doch trank er nun seinen Espresso, ohne sein Gegenüber auch nur einmal anzusehen.

Aber noch war Cloud nicht bereit aufzugeben.

„Sagen sie bitte, darf ich sie mal etwas fragen?”

„Ja, bitte, was gibt es denn?”, antwortete Sephiroth, fragend, und klang nun schon recht genervt.

„Kennen sie sich in dieser Stadt aus?”, wollte Cloud wissen, um das Gespräch aufrecht zu erhalten.

„Ja, ich kenne mich hier aus. Was möchten sie denn wissen?”, erwiderte Sephiroth und sah schon auf die Uhr.

„Nun, ich wollte zum Hydepark. Dort in der Nähe soll es nämlich einen großen Konzern geben.”

„Ja, das stimmt. Was wollen sie denn dort?”

„Ich möchte nur einen alten Freund besuchen.”

„Aha, und darf ich fragen wer ihr Freund ist? Vielleicht kenne ich ihn ja. Denn ich arbeite dort.”

„Na, das trifft sich ja gut. Mein Freund ist Sephiroth Crescent. Kennen sie ihn?”

Jetzt sah Sephiroth sein Gegenüber grimmig, aber prüfend, in die Augen.

„So, ihr Freund ist also Mr. Crescent? Hmm… das ist aber merkwürdig, denn ich bin der Boss des Unternehmens, aber einen Mitarbeiter mit diesem Namen kenne ich nicht. Tut mir leid, Sir. Wissen sie denn wie der Herr aussah?”, fragte Sephiroth den Blondschopf und wurde nun sehr misstrauisch.

„Na ja, wissen sie, es ist schon sehr lange her, als ich ihn das letzte Mal sah und ich könnte mir deshalb denken, dass er sich vielleicht sehr verändert hat.”, antwortete Cloud brav.

Jetzt platzte Sephiroth sprichwörtlich der Kragen und er sprach:

„Jetzt passen sie mal auf, sie Spaßvogel: Ich weiß nicht was die ganze Fragerei hier soll. Aber sie haben ganz sicher keinen Freund mit dem Namen Sephiroth Crescent, denn …ICH bin Sephiroth Crescent und SIE kenne ich ganz sicher nicht. Und an einen Freund, wie sie, müsste ich mich doch erinnern können, meinen sie nicht auch! Wer sind sie eigentlich, wenn ich fragen darf?!”

Cloud errötete, denn Sephiroth hatte ihn doch schneller enttarnt, als ihm lieb war. Dann erzählte er ihm die Geschichte, von seinem Vater, und dass dieser in dem Konzern gearbeitet hatte. Aber auch von sich selbst und was er dabei empfand, wenn Sephiroth, als Kind des Bosses, an ihm vorbeiging, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen.

Sephiroth sah sein Gegenüber nun doch sehr erstaunt und mit einem etwas wärmeren Blick an.

„Das, mit ihrem Vater, tut mir wirklich sehr leid und auch, dass ich sie nicht beachtete… Sorry. Aber jetzt hab ich noch eine Frage, bevor ich meinen Weg fortsetze: Was, genau, wollen sie jetzt von mir?”

Nun schwieg Cloud …ihn hatte sein Mut verlassen, doch wenn er Sephiroth nicht schon wieder aus den Augen verlieren wollte, musste er sich jetzt zusammen nehmen und die Frage beantworten, auch wenn er vielleicht einen Korb kassieren würde.

„Ich …also wissen sie …ich habe sie schon immer bewundert und sehr verehrt. Und ehrlich gesagt, bin ich ihnen hierher gefolgt. Ich wusste schon vorher wer sie sind und genau deswegen habe ich sie verfolgt. Und ich möchte ihnen sagen, dass ich mich schon seit damals in sie …verliebt habe.”, stotterte Cloud und versuchte dem Blick des Silberhaarigen auszuweichen.

Jetzt war es Sephiroth, der nicht mehr wusste, was er sagen sollte und nur vor sich hin starrte. Dann jedoch stand er auf, sah auf Cloud herab und sprach:

„Es tut mir leid, aber ich muss jetzt gehen.” und wollte sich entfernen, als Cloud, geistesgegenwärtig, aufsprang, Sephiroth schnell folgte und ihn, an der Hand, fest hielt.

„Nein, bitte, …bitte geh jetzt nicht weg.”, bat Cloud flehend.

„Lassen sie mich sofort los! Ich habe ganz andere Probleme, als ….hach …was geht es sie überhaupt an?”, erwiderte Sephiroth kalt und machte sich dann auf den Weg nach Hause, nachdem er sich aus Clouds Griff befreit hatte….

*-*-*

Kapitel 7:

Endlich Zuhause angekommen, begab sich Sephiroth sogleich in sein Zimmer. Er musste nachdenken und es schein niemand da zu sein, bei dem er sich einen Rat hätte holen können. Gern hätte er sich jetzt mal bei jemandem ausgeheult, obgleich er nicht der Typ dafür war …aber jetzt… hmm…

Er war immer für andere da gewesen und nun…? Für ihn war keiner da. Oder war es vielleicht seine Schuld. Versank er vielleicht imSelbstmitleid?

Sich auf sein Bett setzend, ließ Sephiroth seufzend seinen Oberkörper nach vorn sinken.

Was hatte Cloud zu ihm gesagt? Er liebt ihn? Nein, er hatte gesagt, dass er sich in ihn verliebt hätte. Aber Sephiroth hatte doch nie eine Beziehung gehabt, da er sich ausschließlich um Randir gekümmert hatte. Er hatte doch auch nie an Liebe oder eine Beziehung gedacht.

Tränen benetzten seine Augen, bahnten sich ihren Weg nach draußen und tropften leise zu Boden. Er hatte sich für Randy so vieles versagt, aber er hatte es auch nie bereut.

Und nun, …nun hatte ihm der junge Mann – Cloud – der ihn, allem Anschein nach, zu kennen schien, seine Liebe gestanden. Was sollte er denn jetzt tun? Er wusste ja noch nicht mal, ob er überhaupt Männern zugetan war.

Doch würde er es wahrscheinlich nie heraus bekommen, da er Cloud ja hatte einfach so stehen lassen und davon gelaufen war. Gestört, in seinen Gedankengängen, klopfte es an der Tür…

Randir und Genesis waren aufgestanden, hinunter in die Küche gegangen und hatten erst mal was gegessen. Beiden sah man ihre Liebe wirklich an. Schließlich suchte Randir nach seinem Vater und fand ihn schließlich in seinem Zimmer, auf dem Bett sitzend, nachdem er angeklopft und das Zimmer betreten hatte.

Langsam ging Randir auf Sephiroth zu, setzte sich zu ihm aufs Bett und fragte ihn:

„Dad? Was ist los? Kann ich dir irgendwie helfen?”, dabei streichelte er sanft über den Rücken seines Vaters.

Sephiroth sah Randir traurig an und schüttelte den Kopf: „Schon gut, Randy. Es ist alles in Ordnung.”

„Nein Dad, mich führst du nicht hinters Licht. Du hast mich damals gerettet, du warst immer für mich da …nun ist es an mir, auch mal für dich da zu sein. Denn du hast mir so viel gegeben, dass ich, wahrscheinlich, ewig in deiner Schuld stehen werde. Dad, bitte, rede mit mir. Ich bin kein kleines Kind mehr, du kannst ruhig mit mir reden.”, erklärte Randir liebevoll, aber mit Nachdruck.

Sephiroth sah seinen Sohn an und lächelte nun etwas. Dann erwiderte er:

„Ich sehe schon, ich hab dich gut erzogen, Kleiner. Danke, dass du …für mich da bist. Aber du bist mir absolut nichts schuldig. Bitte vergiss das, mein Sohn. Alles was ich für dich tat, tat ich, weil ich dich sehr liebe.”

„Hey, schon gut. Ich bin trotzdem immer für dich da, genau, wie du auch für immer da warst. Und nun sag mir, was ist mit dir los …hm?”, fragte Randir, denn er ließ sich nicht so einfach ablenken.

Sephiroth grinste: „Dir kann man aber auch nichts vormachen, wie? Und ablenken lässt du dich auch nicht. Also gut. Ich bin vorhin etwas spazieren gewesen …ich musste einfach ein wenig nachdenken und mir über so vieles klar werden, weißt du. Na ja, und ich setzte mich dann in ein Straßencafe und wollte einfach die Sonne ein wenig genießen. Nach einer Weile setzte sich ein junger Mann zu mir und sprach mich an. Er behauptete mich, von früher, zu kennen. Dann, …dann weißt du …dann gestand er mir, dass er mich liebt. Damit kam ich nicht zurecht und bin …davon gelaufen. Was soll ich denn jetzt tun?”, erzählte Sephiroth seinem Sohn und wieder bahnten sich Tränen ihren Weg aus seinen Augen.

„Dad? Ganz ehrlich, was fühlst du für den jungen Mann und wie heißt er überhaupt?”, wollte Randir weiter wissen.

„Er heißt Cloud und …was …also was ich für ihn fühle… Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß ja noch nicht einmal wie es ist …jemanden zu lieben …eine Beziehung zu führen …ich kenne so was doch gar nicht.”, erwiderte Sephiroth ehrlich.

Nun war es Randir, der zu schmunzeln begann. „Dad, das ist doch wohl nicht dein Ernst, oder? Du hattest echt noch nie eine Beziehung?”

„Genauso ist es. Ich habe mich doch immer nur um dich gekümmert und dabei alles andere außer acht gelassen.”, erklärte Sephiroth seinem Sohn.

„Na, dann wird es aber mal Zeit. Weißt du denn, ob du überhaupt Männern zugetan bist? Ich mein, nicht jeder kann damit was anfangen.”, fragte Randir.

„Das ist es ja, ich weiß es nicht.”, erwiderte Sephiroth und senkte seinen Blick.

Wieder konnte sich Randir ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Dad, dann solltest du es herausfinden. Etwas anderes gibt es nicht.”

„Aber wie denn? Ich habe Cloud doch einfach so stehen lassen und nun, …nun wird er mich ….hassen und ziemlich sauer auf mich sein.”, sorgte sich Sephiroth, ohne es zu merken.

„Weißt du, was ich glaube, Dad? Du bist auf dem besten Wege dich ebenfalls zu verlieben. Sonst würdest du dich jetzt nicht darum sorgen, ob Cloud sauer auf dich sein könnte. Glaub mir, alles wird gut.”, mit diesen Worten nahm Randir seinen Vater in die Arme und drückte ihn sanft an sich, wobei er ihm sacht über den Rücken strich.

Eine Weile saßen die Beiden schon da, dann hörten sie, dass es an der Tür läutete. Doch kümmerten sie sich nicht darum, da Sephiroths Eltern ja unten waren und Dilara, wie üblich, die Tür öffnen würde, was sie auch tat.

Nur wenig später hörten Sephiroth und auch Randir Dilara rufen:

„Sephiroth, komm doch bitte mal runter.”

Sephiroth stand von dem Bett auf und rief zurück:

„Sorry, Mum, aber ich bin grad beschäftigt.”

Dann war erst mal Ruhe, aber nur damit es wenig später an der Tür zu klopfen begann.

„Sephiroth, darf ich reinkommen. Hier ist Besuch für dich.”, sprach Dilara durch die Tür durch und öffnete diese sogleich.

Vor der Tür standen Dilara und ein blonder junger Mann.

„Ach, sorry, Randy, aber ich denke du solltest jetzt erst mal das Zimmer verlassen.”, sprach Dilara und nahm Randir mit sich.

Randir zwinkerte seinem Vater zu, denn er konnte sich schon denken, wer das war.

„Alles wird gut, du schaffst das.”, flüsterte Randir seinem Vater zu und klopfte ihm auf die Schulter.

Dann betrat auch schon Cloud das Zimmer. Dilara schloss hinter ihm die Tür und nahm Randy mit sich.

„Hallo, Sephiroth. Schön dich wieder zu sehen.”, begann Cloud Sephiroth anzusprechen und stand nun mitten im Raum.

Sephiroth seinerseits war aufgesprungen und ging nun immer weiter rückwärts.

“Nein, verschwinde. Verlass mein Zimmer.”, erwiderte Sephiroth leise und hatte schon bald die Wand hinter sich erreicht.

Cloud ging ganz langsam auf ihn zu.

“Was ist los, Sephiroth? Hast du Angst vor mir, hm? Ich habe dir nichts getan, soweit ich weiß.”

Aber Sephiroth erwiderte nun nichts mehr, sondern sah sein Gegenüber einfach nur an.

Cloud ging noch etwas näher an Sephiroth heran, doch blieb er in einem geringen Abstand vor ihm stehen. Dann fragte er ihn, um die Situation ein wenig aufzulockern und Sephiroth ein wenig abzulenken:

„Wer war das eigentlich eben?”

Sephiroth sah Cloud an, doch erwiderte er nun: „Das war Randir.”

„Ein Freund von dir?”, fragte Cloud nach.

„Nein, er ist mein Adoptivsohn.”, erwiderte Sephiroth wahrheitsgemäß.

Cloud lächelte: „Niedlich, der Kleine.”

„Gib dir keine Mühe, Cloud. Randir ist in festen Händen. Er ist vergeben.”

„Oh, ich habe gar nicht gesagt, dass ich was von ihm will, oder. Ich meinte nur, dass er niedlich ist. Aber du, …du weißt schon, von wem ich was will… Wie du es so schön nennst. Sephiroth …ich liebe dich. Deshalb bin ich dir hierher gefolgt. Ich hoffe du kannst mir verzeihen.”

„Nein, ich habe dir nichts zu verzeihen. Denn eigentlich bin ich es der sich entschuldigen müsste. Da ich dich einfach stehen ließ.”, erwiderte Sephiroth mit gesenktem Blick.

„Ach, vergiss es. Ich habs ja überlebt.”, scherzte Cloud und lächelte. „Dafür habe ich dich ja gefunden und ich möchte dich nie wieder verlieren, hörst du? Ich liebe dich, Sephiroth.”, sprach Cloud aufrichtig und sah Sephiroth an, der seinen Blick gesenkt hatte.

Cloud ging jedoch noch etwas weiter an Sephiroth heran, stellte sich dann genau vor ihn hin und hob, mit seinem Zeigefinger, Sephiroths Kopf ein wenig an und sah ihm in seine wunderschönen Augen …in dessen grün-blauer Unendlichkeit man sich …verlieren konnte.

Vorsichtig legte Cloud seine Lippen auf die von Sephiroth und küsste ihn zärtlich.

Sephiroths Herz begann, wie wild zu pochen, so als könnte jeder Schlag der letzte sein. Diese sanften Lippen …dieser so zärtliche Kuss …das träumte Sephiroth jetzt nur, oder nicht?!

Aber auch Cloud glaubte zu träumen…

Sich dessen gewahr was er… zugelassen hatte, stieß er Cloud etwas unsanft von sich:

„Nein, lass das. Ich kann das nicht …ich …”, sprach Sephiroth leicht stotternd, obwohl er nicht der Typ dafür war.

„Schon gut. Ich lasse dich in Ruhe, wenn du es willst.”, erwiderte Cloud. „Möchtest du, dass ich gehe?”

Sephiroth sah Cloud an und schüttelte den Kopf. „Nein… Bitte, …bitte bleib. Ich…”, antwortete Sephiroth und wand seinen Kopf von Cloud ab.

Oh je, er schien wohl mächtig verwirrt zu sein.

„Was ist los?”, fragte Cloud nun.

„Nichts. Ich denke, du solltest jetzt doch besser gehen. Ich… möchte allein sein.”, bat Sephiroth Cloud, dann ging er zum Fenster, sah hinaus und schwieg nun.

Cloud sah Sephiroth nach und grinste frech. „Ich gehe, aber wir werden uns wieder sehen, Sephiroth.”, sprach Cloud noch, bevor er das Zimmer verließ.

Er verabschiedete sich von Sephiroths Eltern und auch von Randir und Genesis. Doch als er das Haus verlassen wollte, hielt Randir ihn auf, da er ihm nachgelaufen war.

„Bitte warte …Cloud!”, bat Randir und stellte sich vor Cloud hin.

„Was ist denn los, Randir?”, fragte Cloud und sah diesen bildhübschen Jungen, vor sich, mit den langen schwarzen Haaren, an.

„Ich wollte nur mal mit dir reden, Cloud. Also, mein Dad, ich glaube er liebt dich auch, denn er hat sich schon gesorgt, dass du böse auf ihn sein könntest, weil er dich einfach stehen ließ. Bitte, sei ihm nicht böse. Er kennt sich in Beziehungsdingen nicht so aus, weißt du. Weil er hatte noch nie eine Beziehung, da er sich, doch die ganze Zeit, um mich kümmerte. Bitte, hab ein wenig Geduld mit ihm, ja.”

Cloud legte seine Hand, freundschaftlich, auf Randirs Schulter und erwiderte:

„Mach dir keine Sorgen um Sephiroth und um meine Geduld schon gar nicht. Ich liebe deinen Vater und glaub mir, ich werde so schnell nicht aufgeben.” und grinste Randir an:

„Du bist ein guter Sohn, Randir. Sephiroth kann wirklich stolz auf dich sein. Machs gut, Randir. Bye, bye, man sieht sich.”, mit diesen Worten verließ Cloud das Haus und machte sich auf den Heimweg.

Randir ging indes noch einmal in das Zimmer seines Vaters. Dort sah er ihn am Fenster stehen und hinaussehen.

„Dad? Ist alles okay, mit dir?”, fragte Randir und näherte sich seinem Vater langsam.

Ohne sich umzudrehen erwiderte Sephiroth: „Ja, es ist alles okay.”

„Dad? Du …lügst mich doch nicht an, oder?”, fragte Randir und drehte seinen Vater zu sich um, so dass er ihm in die Augen sehen konnte. „Vater, ich weiß, dass du Angst hast. Aber es wird dir nicht helfen, wenn du davon läufst. Stell dich dem was du fühlst. Du kannst nicht ewig davor weglaufen.”, erklärte Randir seinem Vater und lächelte ihn liebevoll an.

Sephiroth sah seinen Sohn an und erwiderte: „Randy, was würde ich nur ohne dich tun? Natürlich hast du recht. Ja, ich habe Angst, …Angst vor dem Unbekannten, verstehst du?”

„Ja, das verstehe ich, aber sag mir, wie viele Kinder hattest du, bevor du mich aufgenommen hast …hm? Das war doch sicher auch neu für dich und du hast dich der Herausforderung gestellt. Hab ich recht?!”, bemerkte Randir.

Nun wusste Sephiroth nicht mehr was er sagen sollte und welche Ausrede er benutzen konnte, die halbwegs logisch klang. Jetzt richtete er seinen Blick zu Boden.

„Es stimmt also. Na ja, du schaffst das schon. Nur, wie gesagt, stelle dich deinen Gefühlen und höre auf dein Herz, Vater.”, mit diesen Worten verließ Randir das Zimmer seines Vaters wieder und begab sich ins Wohnzimmer zu den Anderen.

Doch blieb er bei Genesis stehen und fragte ihn:

„Wie sieht’s aus, gehen wir ein bisschen raus?”

Genesis grinste seinen Liebsten an, nickte und stand dann auf.

„Natürlich, wenn du möchtest …gehe ich mit dir überall hin.”, dann verschwanden beide aus dem Zimmer und bald verließen sie das Haus….

Sephiroth hatte sich wieder auf sein Bett gesetzt und dachte noch einmal über alles nach. Er dachte an die Worte, die Cloud und Randir an ihn gerichtet hatten. Schließlich sah er auf, fasste sich an seinen Kopf und schalt sich, in Gedanken, einen Dummkopf. Das konnte doch echt nicht wahr sein. Da musste ihn doch wirklich sein siebzehnjähriger Sohn über die Liebe aufklären und ihm sagen was er tun konnte. Au man, das war doch völlig verrückt, dachte Sephiroth bei sich. Von nun an würde er seine Belange wieder selbst in die Hand nehmen und sich nicht wieder an seinen Sohn wenden.

Doch was war jetzt mit Cloud? Sollte er sich ihm wirklich hingeben. Sollte er ihm wirklich gestehen, dass auch er ihn mochte …nein …gern hatte …ach quatsch …liebte…? Oh je, Sephiroth war vollkommen verwirrt, was dachte er denn da?

Schließlich erhob sich Sephiroth, selbstbewusst, von seinem Bett. Er würde das Geständnis von Cloud einfach ignorieren… noch besser …vergessen und verdrängen. So war es am einfachsten und er musste sich keine Gedanken mehr drüber machen.

Er verließ sein Zimmer, begab sich in die Küche und nahm sich erst mal was zu trinken. Anschließend begab er sich ins Wohnzimmer zu seinen Eltern und setzte sich zu ihnen. Gemeinsam unterhielten sie sich ein wenig, wobei auch die Sprache auf Randir und Genesis kam und auch auf …Cloud.

Sephiroth erklärte seinen Eltern:

„Mum, Dad …Randir und Genesis lieben sich und sie sind ein Paar. Und was Cloud angeht: Ich habe mich entschlossen nicht auf sein Geständnis einzugehen.”

„Aber willst du denn nun für immer allein bleiben? Ich mein, Randir wird bald aus dem Haus gehen, fürchte ich. Denn ich hab schon bemerkt, dass Genesis ihn schon seit einer ganzen Weile bewundert hat und wenn die Beiden, wie du sagst, jetzt zusammen sind, werden sie bald zusammen ziehen. Sephiroth, überlege dir alles noch einmal.”, erklärte Reid seinem Sohn und Dilara stimmte ihrem Mann zu.

Sephiroth sprang nun auf und erwiderte sehr aufgebracht: „Ich weiß nicht was ihr von mir denkt, aber ich werde euch jetzt mal was sagen! Ich bin nicht schwul! Ich stehe nicht auf Männer und …und ich werde mich auch auf Cloud nicht einlassen! Ich lebe nur für Randir und die Firma!”, dann verließ Sephiroth das Zimmer und wollte auch das Haus verlassen, als ihn sein Vater aufhielt, ihn an den Schultern packte, ihm in die Augen sah und sprach:

„Jetzt passt du mal auf, mein Sohn: Der Boss der Firma bleibst du, auch wenn du dich verliebst …egal in wen. Die Firma wird dir nicht weglaufen und Randir …schon mal gar nicht. Und was wir von dir denken, mein Sohn …weißt du.”

Sephiroth sah seinen Vater an, dann rannen ihm auch schon die Tränen über seine Wangen. Reid nahm seinen Sohn in die Arme und drückte ihn sanft an sich.

„Schhh… Ist ja gut, mein Sohn. Ist es denn so schlimm? Du hast dich auch verliebt …stimmt’s? Hey, Kleiner, du musst dich dessen nicht schämen. Du hast keinen Grund dazu.”, versuchte Reid Sephiroth zu trösten.

Dilara hatte sich zu Beiden gesellt und nahm ihren Sohn ebenfalls in die Arme.

Beide nahmen ihm seinen kleinen Ausbruch von vorhin nicht übel. Sie hatten viel Verständnis für ihren Sohn.

Nachdem nun alles wieder einigermaßen im Lot war, machte Dilara den Vorschlag:

„Wie sieht’s aus? Ich mach uns jetzt einen Tee und wir reden alle noch mal miteinander, okay.”

Vater und Sohn sahen zuerst sich an, sahen dann zu Dilara und nickten lächelnd, bevor sie sich wieder ins Wohnzimmer begaben.

*-*-*

Kapitel 8:

Genesis und Randir hatten sich in ein Straßencafe begeben und dort ein großes Eis gegessen. Dann hatten die Beiden noch einen Schaufensterbummel gemacht und sich dabei köstlich amüsiert. Aber beide hatten auch viel miteinander gesprochen, als sie sich in einem Park, auf eine Bank, gesetzt hatten.

Angeal und Zack waren ins Kino gegangen und hatten sich einen guten Film angesehen.

Später waren sie, in einem Pub, noch was Trinken gegangen und hatten sich über die vergangenen Erlebnisse unterhalten.

Cloud war nach Hause gegangen und noch immer war er nicht bereit seine Liebe zu Sephiroth aufzugeben. Er wusste, dass er Sephiroth irgendwann erobern würde …auch wenn es eine Ewigkeit dauerte. Er hatte Zeit und viel Geduld.

Dilara hatte den Tee zubereitet und ihn ins Wohnzimmer gebracht, wo sie Reid und Sephiroth je eine Tasse hinstellte, so auch sich selbst. Dann setzte sie sich zu ihren „beidenMännern”.

Gemeinsam tranken sie ihren Tee und unterhielten sich.

„Dir fällt es sehr schwer, Randy loszulassen, nicht wahr.”, begann Dilara und sah ihren Sohn fragend an.

Sephiroth nickte leicht. „Ja, er ist schon so …groß und doch habe ich das Gefühl, dass er noch ein Kind ist. Und …er hat doch so viel durch machen müssen.”, antwortete Sephiroth seiner Mutter.

„Ja, mein Sohn so ist das nun mal. Kinder werden groß und erwachsen und auch wir werden dich sicher irgendwann sehr vermissen, wenn du einst dieses Haus hier verlässt. Aber weißt du, wir wissen, dass wir dich gut und mit viel Liebe erzogen haben und wir wissen auch, dass du uns niemals vergessen wirst. Deshalb wird es uns nicht gar schwer fallen, wenn du uns verlässt.”, sprach Dilara liebevoll zu Sephiroth.

Und Reid fügte hinzu:

„Lass Randy sein Leben leben. Du hast ihn gut erzogen, du hast ihm so viel Liebe gegeben, dass er seine schlimme Vergangenheit hinter sich lassen und weitgehend vergessen konnte. Du hast dir nichts vorzuwerfen, mein Sohn. Du hast alles für Randy getan, was in deiner Macht stand. Nun musst du ihn gehen lassen. Zudem ist es doch kein Abschied für immer. Ihr könnt euch doch gegenseitig besuchen …Randy ist doch nicht aus der Welt.”

„Ja, ich weiß, Vater …ich weiß. Aber es fällt mir trotzdem unglaublich schwer.”, erwiderte Sephiroth ruhig.

„Und was wird nun mit dir und …Cloud? Hast du dir schon mal Gedanken drüber gemacht?”, fragte Dilara ihren Sohn weiter und wusste genau, dass sie ihrem Sohn grad mal wieder mächtig in den Hintern trat.

Aber sie wusste auch, dass er es ab und an brauchte.

Sephiroth senkte seinen Kopf und sah zu Boden, als gäbe es da was unheimlich Tolles zu sehen. Dann antwortete er:

„Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht. Ich denke, ich sollte ihn erst mal richtig kennen lernen und dann schauen ob ich was für ihn empfinde oder ob sich etwas entwickelt.”

„Ja, das ist eine gute Idee. Nur so kannst heraus finden was du fühlst oder für ihn empfindest. Lern ihn ruhig erst mal kennen und vielleicht entwickelt sich ja eine Freundschaft zwischen euch.”, stimmte Reid seinem Sohn zu und wollte noch etwas ergänzen als das Telefon läutete.

Reid ging ans Telefon, hob ab und sprach: „Ja bitte, hier bei Crescent.”

Am andere Ende erwiderte eine Stimme:

„Ja, Reid, ich bins Randir. Ähm …könntest du mir bitte mal Dad ans Telefon holen?”

„Ja, natürlich Randy.”, erwiderte Reid und rief: „Sephiroth, Telefon für dich …dein Sohn.”

Sogleich erhob sich Sephiroth und stürmte beinahe zum Telefon. „Randy? Was ist los?”, fragte Sephiroth ein wenig sorgenvoll.

„Dad, es ist alles okay, ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass ich heute Nacht bei Genesis bleibe und erst Morgen wieder heim komme, okay.”, sprach Randir fragend.

„Ist okay, Randy, aber bitte pass auf dich auf, ja. Ich liebe dich, mein Engel.”, erwiderte Sephiroth und bat ergänzend: „Könntest du mir mal bitte Genesis ans Telefon holen?”

„Ich liebe dich auch, Dad. Ähm …ja… Moment.”, sprach Randir, dann war auch schon Genesis am Apparat.

„Ja, Seph, was gibt es denn?”, fragte Genesis.

„Genesis, du passt auf Randy auf, ja. Wenn ihm was passiert …”, sprach Sephiroth ein wenig drohend und doch voller Sorge, wurde dann jedoch von Genesis unterbrochen:

„Jetzt halt mal die Luft an, Seph. Randy geht es gut und jetzt sag mir mal, was dem Kleinen passieren soll?! Ich werde ihm sicher nicht weh tun und wie du weißt, liebe dich deinen Sohn abgöttisch. Und jetzt mach dir keine Sorgen um Randy.”, dann legte Genesis auf und kümmerte sich um seinen Liebsten.

Wenn Sephiroth jetzt gekonnt hätte, wie er wollte …aber nein. Er musste sich damit abfinden, dass Randir eben kein kleines Kind mehr war. Also legte auch Sephiroth den Hörer auf und gesellte sich wieder zu seinen Eltern. Doch saß er nun schweigend in dem Sessel und starrte vor sich hin. Reid und Dilara hielten sich nun zurück. Sie hatten sich genug zu allem geäußert und fanden nun, dass ihr Sohn ein wenig Ruhe haben und selbst nachdenken sollte.

Cloud sehnte sich derweil nach Sephiroth. Er musste ihn wieder sehen. Also zog er sich um und verließ sein Haus. Auf dem Weg zu Sephiroth, dachte er über alles mögliche nach. Was sollte er eigentlich zu ihm sagen? Worüber würden sie reden?

Fragen über Fragen gingen Cloud durch den Kopf. Dann stand er auch schon vor dem Anwesen der Crescents. Er trat durch das offene Tor und ging geradewegs auf das Haus zu. Dann stand er vor der Tür, hob seine Hand und betätigte die Türklingel.

Familie Crescent saß gerade vor dem Fernseher, als es an der Tür läutete. Dilara stand auf, ging zur Tür und öffnete diese. Dann schmunzelte sie und begrüßte den Gast:

„Guten Abend, Cloud. Komm doch rein.”, mit einer einladenden Handbewegung machte sie ihm den Weg frei und bat ihn herein.

„Guten Abend. Dankeschön, ich nehme das Angebot sehr gern an. Könnte ich bitte mit …”, erwiderte Cloud, doch wurde er von Dilara unterbrochen.

„Ich weiß schon, du möchtest mit Sephiroth reden, richtig. Komm ruhig mit mir.”, mit diesen Worten führte Dilara Cloud ins Wohnzimmer und sprach:

„Sephiroth, du hast Besuch.”, sogleich drehte sich Sephiroth um und sprang von seinem Sessel auf. Er blickte Cloud an, doch bewegte er sich nun nicht.

„Hallo Cloud.”, begrüßte er sein Gegenüber zumindest.

Dilara gab ihrem Mann, mit ihrem Blick einen Wink, dieser stand auf, nachdem er Cloud ebenfalls begrüßt hatte und verließ das Zimmer mit seiner Frau.

Beide verließen das Haus und gingen für eine Weile spazieren…

Nun saß …stand Sephiroth ziemlich in der Falle… zumindest fühlte er sich so. Niemand war da der ihn jetzt ablenken konnte …hach verdammt und seine Eltern schienen ihn nun auch im Stich gelassen zu haben.

„Hallo Sephiroth.”, grüßte nun auch Cloud sein Gegenüber. „Wollen wir uns nicht setzten …hm? Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, Sephiroth. Ich werde nichts tun, was du nicht willst. Das verspreche ich dir. Aber bitte, Sephiroth, rede wenigstens mit mir. “, bat Cloud.

Sephiroth nickte und sprach flüsternd:

„Ich weiß.”, doch errötete er und blickte wieder zu Boden.

„Wovor hast du nur solche Angst, Sephiroth?”

„Ich hab …also ich habe eigentlich keine Angst …na ja, vielleicht ein bisschen.”, begann Sephiroth und sprach dann weiter: „Also …weißt du …ich war bisher immer single …ich hatte nie eine Beziehung. Und nun hab ich Angst davor, weil …na ja , weil ich es eben nicht kenne. Und das macht mir große Angst.”, gestand Sephiroth nun und sah Cloud mit hochrotem Gesicht an.

Cloud schmunzelte und ging auf Sephiroth zu.

„Hey, das ist doch vollkommen in Ordnung. Hab keine Angst, Sephiroth. Ich kenne mich mit solchen Dingen gut aus. Was hältst du davon, wenn du uns eine Chance gibst?.”

Sephiroth sah Cloud nun doch an und nickte beinahe unmerklich.

„Ja, okay …ich …gebe uns eine Chance.”, willigte Sephiroth nun ein.

Cloud grinste Sephiroth an.

„Hey, es braucht dir nichts peinlich zu sein. Lass mich einfach machen. Ich zeige dir, alles …wenn du mich lässt.”, sprach Cloud noch, bevor er auf Sephiroth zuging und ihn vorsichtig auf den Mund küsste.

Sephiroth konnte nun nicht mehr anders und erwiderte den Kuss.

Nur wenig später verführte Cloud Sephiroth zärtlich und Sephiroth machte nun seine Erfahrungen …die er, schon bald, nie wieder missen wollte. So langsam erwachte seine Liebe zu Cloud.

Cloud war es auch, der Sephiroth, die Träume zur Wirklichkeit machte…

*-*-*

Epilog:

Was ist aus den Personen in dieser Geschichte geworden?

Cloud hatte seinen Sephiroth endlich erobert und beide wurden ein sehr glückliches Paar. Sephiroth zog bald zu Cloud ins Haus und beide meisterten ihre Beziehung sehr gut. Und auch wenn es mal ein paar Unstimmigkeiten gab, so vertrugen sie sich doch immer wieder. Doch blieben sie ein Leben lang zusammen.

Sephiroth arbeitete sehr viel, manchmal kam er erst sehr spät, in der Nacht heim und arbeitete dann zu Hause weiter, was Cloud ab und zu sehr nervte.

Irgendwann hatte Cloud mit seinem Liebsten darüber gesprochen. Sephiroth hatte Cloud verstanden und arbeitete nicht mehr, wenn er nach Hause kam, sondern verbrachte stattdessen mehr Zeit mit seinem Liebsten.

*-*-*

Randir war irgendwann, wie nicht anders zu erwarten, zu seinem Liebsten Genesis gezogen, nachdem er sein achtzehntes Lebensjahr vollendet hatte. Beide liebten sich von ganzem Herzen und sie trennten sich niemals voneinander. Beider Beziehung war sehr harmonisch. Streit gab es zwischen den Beiden nie.

Nachdem Randir sein Studium beendet hatte wurde er ein sehr guter Informatiker und arbeitete zwischendurch auch mal als Dolmetscher. So dass er viel und oft auf Reisen war und seinen Liebsten viel zu oft vermisste, wenn dieser grad nicht mitreisen konnte. Allerdings tat dies ihrer Liebe, zueinander, nie einen Abbruch.

*-*-*

Zack und Angeal erging es nicht anders als ihren Freunden. Sie wohnten allerdings schon seit langem zusammen und meisterten ihr Zusammenleben in voller Harmonie. Auch für diese beiden gab es niemals eine Trennung.

Sie verbrachten ihre Zeit damit anderen zu helfen und sich um Kinder und Jugendliche, die auf der Straße lebten, zu kümmern, was wohl darauf zurückzuführen war, was sie mit Randir erlebt hatten.

*-*-*

Dilara und Reid genossen ebenfalls ihr Leben, das sie nun allein meisterten, da das Haus von allen verlassen war. Sie bekamen zwar ab und an von ihrem Sohn oder ihrem Enkelsohn, mit samt Anhang, Besuch, doch blieben sie weitgehend allein.

Allerdings hatten sie nun endlich Zeit sich die Welt anzusehen, etwas das sie ohnehin schon immer tun wollten. Folge dessen, waren sie fast nie oder nur sehr selten Zuhause anzutreffen.

Sie genossen ihr Leben nun in vollen Zügen.

*-*-*

Randirs leibliche Eltern mussten, für die Misshandlungen an ihrem Sohn, eine mehrjährige Haftstrafe verbüßen. Als man sie nach vielen Jahren wieder entlassen hatte, fanden sie sich in dieser Welt nicht mehr oder kaum noch zurecht. Man hatte sie zwar in eine Wohnung einquartiert, doch auch diese Wohnung glich sehr bald nur noch einer Müllhalde. Sie dachten auch nicht mehr an ihren Sohn Randir …sie hatten ihn schlicht und einfach vergessen.

Beide waren stark alkoholabhängig und starben irgendwann an einer Leberzirrhose.

Ihre Leichen wurden tot, in der Wohnung liegend, aufgefunden.

*-*-*

ENDE

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