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Information Ki & Ki - Das Sonntagskind
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:19 AM - No Replies

Das Sonntagskind

Seit Wochen, also seitdem ich fest mit Sarah zusammen war, liefen meine Sonntage immer nach ein und demselben Schema ab; so auch der vorletzte Sonntag. Wie immer fuhr ich um kurz nach eins zu ihr und wie immer unternahmen wir etwas. Dieses ‚Etwas‘ konnte ein Spaziergang im Park, ein Besuch im Zoo, im Theater oder im Kino sein; sie schwärmt für französische Filme – im Original! Gut, zweimal waren wir in einem Klettergarten, sie liebt dieses im Kraxeln nach Farben. An diesem Sonntag waren wir in der Hamburger Staatsoper, gegeben wurde ‚Die Schöne und das Biest‘.
Nach dem nachmittäglichen Event fuhren wir zum Abendessen zu ihren Eltern und im Anschluss daran tauschte man sich im Wintergarten über Wetter, Politik und ähnliche Belanglosigkeiten aus – auch wie immer. Dann brachte Sarah mich gegen neun nach Hause und wie immer endete die Fahrt von der Villa in Blankenese mit meiner Frage: „Und? Kommst du noch mit rauf?“

Auch an diesem Sonntag beugte ich mich wie immer zu ihr rüber, wollte meine Zunge in ihren Mund bohren. Sanft umfasste meine linke Hand ihr rechtes Knie, wollte den Rocksaum ihres – diesmal schwarzen – Cocktailkleides ein Stück nach oben schieben; vielleicht hatte sie ja doch Lust, vielleicht sähe ich sie endlich mal wieder nackt, von mehr wagte ich gar nicht zu träumen.

Sie stupste mich jedoch wie immer weg, schüttelte energisch ihren Kopf. „Kilian! Schon vergessen, worüber wir den ganzen Abend gesprochen haben? Morgen kommt doch die Delegation aus Chile: erst Hafenrundfahrt zur Einstimmung, dann Imbiss im Le Canard und später geht es an den Konferenztisch. Ich muss wirklich ausgeschlafen sein, von daher … nicht böse sein, aber …“ Sie strich mir über die Wange. „… wir sehen uns ja Mittwoch, auf der Vernissage dieses Kunstmalers; Mama freut sich so, dass du mitkommst und wir nicht wieder als Mutter-Tochter-Duo auflaufen müssen.“

Sarah gab mir wie immer noch einen flüchtigen Kuss, entließ mich dann – wieder einmal unbefriedigt – in die einsame Nacht. Ich blickte ihr nach, zuckte mit den Schultern und machte mich wie immer auf, endlich rauf in meine Wohnung und raus aus diesen Sonntagsklamotten zu kommen.

Es war immer noch warm, wie schon den ganzen Tag über. Nur in Shirt und Boxer stand ich auf meinem innenliegenden Balkon, atmete tief durch und blickte, mit einem Bier in der einen und einem Glimmstängel in der anderen Hand, in den bedeckten Nachthimmel. Aus dem fünfzehnten Stock, so hoch liegt mein Appartement in Hamburg-Bahrenfeld, hat man zwar einen hervorragenden Blick über Altona – gut die nahegelegene Autobahn und die Bahnstrecke sind nicht so die Bringer, aber in so luftiger Höhe hört man fast nichts vom Lärm des ansonsten ziemlich hektischen Stadtteils. Ich setzte mich auf den alten Korbstuhl, starrte in die Weite; mein Blick streifte das Teleskop – noch so ein tolles Geschenk meiner Freundin wie das Opern-Abo.

Ich genoss das Bier und den Rauch der Zigarette, fühlte mich plötzlich besser, erheblich besser. Auf diese profanen Freuden hatte ich in den letzten Stunden verzichten müssen. Sarahs Vater hatte nach einem Herzinfarkt dem Tabakgenuss abgeschworen und Bier in Flaschen war sowieso unter seiner Würde. Aber sonst war Konrad eigentlich ein netter und umgänglicher Zeitgenosse, nie ließ er den Pfeffersack raushängen, war aufgeschlossen und am Leben, auch dem der kleinen Leute, interessiert. Vielleicht war es meine westfälische Bodenständigkeit, die er an mir mochte, oder es war meine klare und logische Sichtweise der Dinge, die er an mir schätzte, ich weiß es nicht. Jedenfalls hatte er, der hanseatische Großkaufmann in achter Generation, mir, dem angehenden Wirtschaftsingenieur, nach einem Praktikum den Job in seiner Firma quasi aufgedrängt.
Durch die Nebentätigkeit, ich überprüfe seine neuen Geschäftsideen auf ihre Realisierungsfähigkeit, lernte ich seine Tochter Sarah, die ab und an als Dolmetscherin für ihn tätig ist, kennen und lieben. Naja, die große Liebe ist es nicht, jedenfalls auf meiner Seite. Sarah ist eigentlich ein nettes Mädchen, schön anzusehen, intelligent, weltgewandt, aber innerlich fehlt ihr dann doch eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, sie ist eher verklemmt, gehemmt; fast der Prototyp einer Eisernen Jungfer, wenn man das so sagen kann und darf.
In den sechs Monaten, solange hatte ich es bis jetzt noch nie mit ein und derselben Frau ausgehalten, waren wir nur zweimal in der Kiste gewesen. Sie blockte meist ab, schob entweder ihre Tage oder wie an diesem Sonntag wichtige Termine vor, um meinen kleinen Kilian nicht spüren zu müssen; dabei sehnte der sich doch so sehr nach Wärme und Geborgenheit eines menschlichen Schoßes. Normalerweise hätte ich sie schon längst in den Wind geschossen, aber sie ist nett und sie ist die Tochter meines Chefs und sie ist eine gute Partie.
Mein Vater hat zwar eine eigene Tischlerei und acht Angestellte, aber reich sind wir wirklich nicht. Gut, meine Eltern zahlen mir die Wohnung und steuern einiges zu meinem Lebensunterhalt bei, Hamburg ist ja nicht gerade billig, aber sie finanzieren gleichzeitig auch die Meisterschule Simons, meines zwei Jahre älteren Bruders, der eines Tages die Tischlerei übernehmen soll. Nur für Anne, die älteste von uns drei Geschwistern, zahlen sie nicht mehr; nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin und mehreren unglücklichen Liebschaften wollte sie sich selbst finden. Ihr letztes Lebenszeichen war eine Ansichtskarte zu meinem 21. Geburtstag, abgestempelt in Kalkutta, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen; das war vor etwas mehr als fünf Jahren.

Mein Bier war leer, ich musste, ob ich wollte oder nicht, wieder an den Kühlschrank. Auf dem Rückweg, ich achtete wohl nicht so sehr auf meine Schritte, stieß ich mit dem linken Fuß an dieses gottverdammte Teleskop; wie ich dieses Dingen hasste! Gut, es war ein Geschenk von Sarah zu meinem Geburtstag gewesen, ganz gewiss nicht billig, aber was sollte ich mit dem Scheiß? Aber ich war ja selbst schuld, hatte ich ihr doch den Floh mit meinem angeblichen Faible für die Welt der Sterne in den Kopf gesetzt.

Wir waren gerade frisch zusammen und kamen aus einer dieser schicken Cocktailbars, die jetzt wie Pilze aus dem Boden schießen, gingen Hand in Hand durch Planten un Bloomen, Hamburgs City-Park für alle, betrachteten die Sterne. Den Polarstern im Kleinen Wagen erkennt ja ein Blinder mit dem Krückstock und von da aus zum Großen Wagen ist auch kein großes Problem; die Frauen stehen halt drauf, wenn man ihnen romantisches Zeug vom Sternenhimmel erzählt, von Gestirnen und fernen Planeten faselt. Die Methode klappt meistens und ich wollte sie mit dem Süßholzgeraspel ja eh nur ins Bett kriegen, aber plötzlich fand ich mich in einer akademischen Auseinandersetzung zwischen Astrologie und Astronomie wieder; nicht nur der kleine Kilian hatte daran keine große Freude.
Und dann kam sie zu meinem Geburtstag mit diesem Sternenguckgerät an, einem Skywatcher MC 127/1500. Ich war sprachlos, meinte sie doch, ich sollte doch lieber meinen Verstand als mein Herz bei der Betrachtung des Firmaments gebrauchen. Aufgebaut hatte ich das Teil ja, sie könnte mich ja mal in meiner Wohnung besuchen, aber wirkliches Interesse an interplanetarer Beobachtung hatte ich nicht. Gut, zwei- oder dreimal hatte ich mir schon den Sternenhimmel über Hamburg angeschaut; den Mann im Mond hatte ich dabei aber noch nicht gefunden.

Was sollte ich mit dem Gerät machen? Der Himmel war wolkenverhangen, das nervige Teil war echt zu nichts zu gebrauchen. Am liebsten hätte ich es vom Balkon geworfen, aber das hätte dann wohl das endgültige Aus mit Sarah bedeutet. Aber Halt! In irgendeinem amerikanischen Streifen hatte ich einmal gesehen, wie ein Mann im Rollstuhl durch ein Fernrohr einen Mord in seiner Nachbarschaft beobachtet; einen Toten wollte ich aber nicht sehen.
Ich blickte durch das Okular, konnte aber Dank der verdammten Wolken weder den Mond noch einen der unzähligen Sterne richtig sehen. Also folgte ich dem filmischen Vorbild und richtete die Optik auf das Nachbarhaus, hatte ich doch die vage Hoffnung, wenigstens dort einen himmlischen Körper, in welcher Situation auch immer, zu entdecken. Meine wissenschaftliche Untersuchung begann ich auf der linken Seite im Erdgeschoss, ging Fenster und Fenster weiter, um am Ende mein Augenmerk auf die nächste Etage zu richten; dort startete die Untersuchung erneut, diesmal allerdings von rechts nach links.
So ging es Etage um Etage, ich wollte einen Blick auf einen nackten Frauenkörper werfen, von der Beobachtung eines zufälligen Geschlechtsaktes träumte ich wie von einem Sechser im Lotto. In der achten Etage entdeckte ich eine Frau, die nur in Slip und BH vor dem Fernseher wohl ihr abendliches Fitnessprogramm abarbeitete; mir verging alles: Die Alte hätte meine Mutter sein können, also überhaupt nicht meine Baustelle! Weitersuchen war also angesagt.
Einen nackten Rücken fand ich erst kurz unter dem Dach, dürfte also auch die fünfzehnte Etage sein; das Nachbarhaus und meins waren baugleich. Die Person saß auf der Fensterbank, telefonierte, hielt den Kopf schief. Im obersten Stockwerk hatte ich auch keinen Erfolg, daher fokussierte ich wieder auf die nackte Gestalt, der Rücken sah ja gar nicht so schlecht aus. Aber das Fenster, eben noch Objekt meiner Begierde, war jetzt dunkel, im Nachbarzimmer herrschte dafür jetzt Festbeleuchtung.
Der nackte Rücken drehte sich langsam ins Profil, es war – wie konnte es auch anders sein – ein Mann, also bei Weitem nicht das, wonach ich gesucht, mich gesehnt hatte; mein Glück schien mich verlassen zu haben. Der Typ war groß, schlank, sonnengebräunt; er spielte an sich herum und starrte auf etwas. Ich verschob das teleskopische Rohr nur um einen oder anderthalb Millimeter: Der Kerl hatte einen dieser großen Flachbildschirme und schaute gebannt auf einen Porno. Soviel ich erkennen konnte, eine Gardine versperrte mir die volle Sicht, trieben es zwei Männer miteinander.

Auf der Suche nach sexueller Entspannung für mich und den kleinen Kilian – Sarah ließ mich ja meist eh am ausgestreckten Arm verhungern – war ich im Internet schon auf so manches filmische Epos gestoßen. Einiges konnte man sich anschauen, anderes fand ich dann doch ziemlich abstoßend; reine Schwulenpornos hatten mich nie interessiert, aber Produktionen, in denen es zwei Männer mit einer Frau treiben, schon. Allein der Gedanke, so etwas auch einmal mit Sarah in der weiblichen Hauptrolle zu erleben, ließ mein 19 Zentimeter langes Anhängsel vor Freude hüpfen und tanzen.
Gut, die Passagen, in denen die Kerle es miteinander machten, sah ich mir meistens im Schnelldurchlauf an, aber vorgestern, ich weiß auch nicht warum, schaute ich mir einen dieser Schnipsel mal in voller Länge an. Der Streifen war, wie ich es es mag, ziemlich weich gezeichnet. Die zwei Typen, ungefähr mein Alter, beide blond und mit kurzen Haaren, streichelten und leckten sich genüsslich, saugten sich dann gegenseitig aus und die Alte feuerte sie bei ihrem unkeuschen Treiben auf das Heftigste an. Was auch immer die genaue Ursache war, die Szene schien dem kleinen Kilian sehr zu gefallen, der Kleine entwickelte ein Eigenleben und saftete vor sich hin.

Was tun, sprach Zeus? Ich war hin und hergerissen. Gut, ich hätte auf der Stelle meine doch etwas ungehörigen Beobachtungen einstellen und mich an den Rechner begeben können, um dort nach adäquater Entlastung zu suchen und dann die Handmaschine rattern zu lassen. Aber was hätte das gebracht? Klein-Kilian war bereits im Wachstum begriffen, ihm schienen der Kerl und sein Spiel zu gefallen. Warum sollte ich eine beginnende Liveshow gegen eine aus der Konserve eintauschen?
Aber sollte ich wirklich einen Mann in seinem intimsten Moment beobachten? Gut, bei Thomas, meinem Banknachbarn in der Zehn, hatte ich einmal die ganze Show mitbekommen, vom Anfang bis zum Ende. Wir waren damals bei uns im Freibad, redeten nicht nur mit den Mädels, nein, wir übten uns auch in praktischer Mund-zu-Mund-Beatmung. Es war ein geiler Nachmittag, der bei ihm, später allein in der Umkleide, seinen Höhepunkt fand. Soviel Sperma aus einem Schwanz hatte ich bis dato noch nie gesehen, ich war – ehrlich gesagt – neidisch, aber nur auf die Menge, die aus ihm schoss!

Ich blieb also auf der Beobachtungsposition und, je länger ich durch die Linse schaute, desto eifriger baute der kleine Kilian die Zeltstange in meiner Boxer auf. Dank der Möglichkeiten, die mir dieses Hubble in Kleinformat bot, kam es mir so vor, als wäre ich im gleichen Zimmer, könnte ihm bei seinem Treiben direkt ins Gesicht schauen, aber ich war über 50 Meter von dem dunkelhaarigen Typen mit den mittellangen Haaren entfernt. Ich sah alles, einfach alles! Er hatte ein hübsches Gesicht, eine antik geschwungene Nase, ich konnte sogar, Dank des 1.500 mm Objektivs, jeden einzelnen Bartstoppel des Typen erkennen: Einfach Wahnsinn!
Ich sah die Anspannung, die Erregung in seinem Körper. Seine dunklen Brustwarzen schienen steif zu sein, standen regelrecht empor; sie kamen mir vor wie riesige Mondfelsen. Beim Anblick seiner Bauchmuskulatur wurde mir ganz anders; ich sollte doch endlich wieder ins Fitnessstudio gehen, so einen Sixpack hätte ich auch gerne, liebend gerne sogar. Seine Hand bearbeitete seinen senkrecht stehenden Mammutbaum, der Urwald war gestutzt. Er war, wie ich, unbeschnitten. Seine bräunliche Hand ließ den fleischlichen Sonnenschirm um eine große, violett aussehende Kuppe herum immer wieder auf-und zuklappen. Je schneller er seinen eigenen Mechanismus betätigte, desto größer wurde auch das Verlangen meines Anhängsels nach Befriedigung.
Ich starrte gebannt durch die Linse und plötzlich, wie von Geisterhand gesteuert, spielte auch meine Rechte mit meiner Zeltstange, versuchte, die Elastizität des Gewebes der Boxer zu testen. Auch wenn ich es mir selbst kaum eingestehen wollte, aber ich fuhr unter vollen Segeln. Nie, in meinem ganzen Leben, hätte ich gedacht, dass mir der Anblick eines Mannes, der sich selbst Spaß bereitet, soviel Freude bringen könnte. Ich war über mich selbst erschrocken, sah ich doch voller Entzücken einem Geschlechtsgenossen beim Wichsen zu; ich konnte es kaum fassen!
Immer noch durch die stoffliche Hülle geschützt spielte ich an meinem unteren Kopf, mal zärtlich, mal ängstlich, aber immer aufgeregt. Gott sei Dank war niemand mehr auf den Balkonen zu sehen, mein Treiben würde also unbemerkt bleiben. Aber, unter uns gesagt: So eine harte Latte hatte ich zuletzt bei einem Video, in dem sich zwei vollbusige Blondinen nackt im Schlammcatchen übten.
Der Typ im Haus gegenüber fuhr mit seiner linken Hand plötzlich nach oben. Sein Daumen blieb erst in seinem Bauchnabel liegen, machte dort wohl ein paar Umkreisungen, dann ging er mit der Hand höher, sie kam auf seiner rechten Brust zur Ruhe, aber erschöpft schien sie nicht zu sein. Wenn mich meine Sinne mich nicht täuschten, zwirbelten zwei Finger an seiner aufragenden Brustwarze. Ich tat es ihm nach und fühlte mich wohl dabei, sehr wohl sogar!
Wie durch telepathische Kräfte gelenkt, ahmte ich jedwede seiner Bewegungen nach. Ich spürte die gleiche Erregung, die gleiche Geilheit wie mein Nachbar, das gleiche Zucken durchfuhr unsere weit entfernten Körper. In dem Moment, in dem sich der Typ im Nachbarhaus erleichterte, spritzte auch ich ab. Der einzige Unterschied: Der Typ von Gegenüber spritzte auf seinen Teppich, ich verklebte die Baumwollfasern meiner Boxer.
Wir brauchten wohl beide Zeit, um uns von dem gerade Erlebten zu erholen. Als das Licht auf der anderen Seite gelöscht wurde, er suchte wohl sein Badezimmer auf, verließ auch ich glücklich und zufrieden den Balkon. Eine Liveshow, wenn auch von einem Mann geliefert, ist manchmal doch erheblich besser als ein auf Zelluloid gebanntes Werk zwischenmenschlicher Aktivität.

Zufrieden ging ich ins Bett, war im Einklang mit mir und der Welt. Gut, der Typ, der mir gerade diese Vorstellung geliefert hatte, diesen Mann kannte ich, wenn auch nicht richtig. Ich hatte ihn schon öfter gesehen, ab und an waren wir uns im Supermarkt über den Weg gelaufen oder hatten auf den gleichen Bus gewartet, aber die bisherige Kommunikation zwischen uns beschränkte sich maximal auf ein Kopfnicken, wir wohnten ja nur in der gleichen Gegend, im gleichen Viertel. Wie sollte ich ihm begegnen, falls sich unsere Wege wieder kreuzen würden?

Nach einer etwas unruhigen Nacht, mir ging das Gesehene einfach nicht aus dem Kopf, glaubte ich den Typen, dem ich meinen kolossalen Abgang zu verdanken hatte, auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig der S-Bahn-Station Hamburg-Bahrenfeld zu erkennen. Ich starrte ihn an, aber dann, nach einem Moment, lächelten wir uns an und nickten uns freundlich zu; mehr passierte nicht.

Ich fuhr zur Uni, brauchte noch einige Fakten für meine Masterarbeit, außerdem hatte ich um 17:00 Uhr einen Termin mit meinem Betreuer. Aber die Besprechung mit Professor Wiese, der auch schon meine Bachelorarbeit begutachtet hatte, zog sich wie Kaugummi; er hatte für mein Werk ein paar neue Ideen und die wollte er mit mir beim Essen besprechen. Es war neun, als ich die heimische S-Bahn-Halte verließ und in einen spätsommerlichen Platzregen geriet. Obwohl ich rannte, war ich nass bis auf die Knochen, als ich den Schlüssel in die Haustür steckte.
Nach der notwendigen Dusche machte ich mich bettfertig, mein Wecker würde bereits um 6:00 Uhr in der Früh‘ klingeln; die Dienstage verbringe ich meist in Konrads Firma. Aber vor der Bettruhe wollte ich ein Rauchopfer darbringen, mein Nikotinspiegel musste wieder gehoben werden. Zwar ist meine Wohnung keine rauchfreie Zone, aber auch als Raucher mag ich keinen kalten Qualm in der Bude und den hätte ich beim Frühstück gerochen. So lenkte ich meine Schritte zur Frischluftzone meiner Behausung und steckte mir auf dem Balkon eine Zigarette an, genoss die Ruhe und die Einsamkeit.
Unweigerlich, so groß ist meine Freifläche ja nun auch wieder nicht, tauchte vor meinen Augen das schwarze Gehäuse des Teleskops auf. Sollte ich einen kurzen Blick riskieren? Die Einstellung hatte ich ja seit dem gestrigen Abend nicht geändert, das Wohnzimmer meines Nachbarn war immer noch im Fokus. Nach einer kurzen Abwägung, ob oder ob nicht, führte ich mein rechtes Auge dann doch zur Linse und schaute hindurch.
Gut, eine gewisse Anspannung war vorhanden, das gebe ich ja gerne zu, aber rechnete ich wirklich mit einer Wiederholung der gestrigen Szene? Irgendwie war ich dann doch erleichtert, dass die Wohnung gegenüber verweist war. Ich rauchte zu Ende und ging ins Bett, der Schlaf war traumlos, tat mir mehr als gut.

Die Arbeit bei Konrad war schnell erledigt, ich musste nur noch die Reste vom Freitag, meinem zweiten Bürotag, erledigen. Etwas Neues lag nicht auf meinem Schreibtisch, aber das würde sich sicherlich bald ändern, die Chilenen waren ja gestern da gewesen und das würde wahrscheinlich viel Arbeit bedeuten, genau wie bei den Spaniern, die uns vor drei Monaten heimsuchten.
Früher als gewohnt verließ ich das altehrwürdige Handelshaus, konnte ich doch so wenigstens die Vorräte in meinem Kühlschrank wieder auffüllen, ich brauchte Brot, Butter, etwas Aufschnitt und Bier war auch nicht mehr im Haus. Der Penny in der Friedensallee war – Gott sei Dank – nur etwas über einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt, die Einkäufe würde ich also gerade noch tragen können.
Während ich mit dem Einkaufswagen durch die Gänge fuhr, wieder einmal mehr als nötig einlud, traf ich ihn, meinen Nachbarn. Er stand vor dem Kühlregal mit dem Fleisch, war wohl unschlüssig, was er nehmen sollte. Sollte ich es wagen, ihn anzusprechen? Ich überlegte kurz, entschied mich dann aber für die elegante Lösung und fuhr einfach an ihm vorbei, grüßte ihn nur durch ein kurzes Kopfnicken.
An der Kasse hatte er mich allerdings überholt, stand direkt vor mir; ich konnte mich mal wieder nicht zwischen Pizza Funghi und Pizza Hawaii entscheiden. Bei ihm würde es wohl Steak zum Abendessen geben, eine Packung irischen Rinds lag auf dem Laufband. Ich sah ein Netz mit Kartoffeln und einen Becher Sourcream, daneben einen dieser Beutel Salatmixturen nebst passendem Dressing. Ich beneidete ihn, denn ich bin alles, aber kein begnadeter Koch. Meistens esse ich in der Mensa, den Herd in meiner Wohnung brauche ich nur, um Dosensuppen zu erhitzen oder um Nudeln zu kochen; die passenden Soßen dazu gibt es ja auch schon als Fertigprodukt zum Warmmachen.

Die Pizza servierte ich mir auf dem Balkon, geschnitten hatte ich sie schon in der Küche nach dem Herausnehmen aus dem Backofen. Dazu gab es Bier aus der Flasche, leider nicht gut gekühlt. Aber den Teller mit der Resteverwertung auf Italienisch hatte ich nicht vor mir auf dem kleinen Tisch abgestellt, nein, das Porzellan stand auf der Fensterbank, direkt neben der Tür. Bei jedem Gang zur Nahrungsquelle, sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg, warf ich einen kurzen Blick durch das Okular, beobachtete meinen Nachbarn bei der Nahrungszubereitung.
Die Wohnung meines Nachbarn war etwas anders geschnitten als meine, die trennende Wand zur Küche fehlte, er rannte die ganze Zeit hin und her und das, sehr zur Freude von Klein-Kilian, im Adamskostüm, nackt bis auf ein Paar Hausschuhe an den Füßen. Er aß am Wohnzimmertisch und es schien ihm zu schmecken; wie gern wäre ich jetzt bei ihm gewesen.

Nach der Vernissage am Mittwoch war ich echt froh, wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Die Häppchen, die bei der Bilderschau gereicht wurden, bestanden nur aus kaltem Fisch. Warm serviert mag ich die Meerestiere ja in allen Variationen, aber im kalten Zustand nehme ich dann doch lieber Reißaus. Auch die gezeigten Werke waren mir etwas zu abstrakt, überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Und Diskussionen, was der Künstler uns eigentlich mit seinem Werk sagen wollte, sind mir mehr als zuwider; und von Gesprächen dieser Art gab es reichlich auf dieser Veranstaltung.

Ich machte mir, mein Magen wollte doch noch vernünftig gefüllt sein, ein Sandwich, belegt mit Schinken und einer Scheibe mittelalten Goudas. Diese göttliche Speise genehmigte ich mir auf meiner Aussichtsplattform, diesmal war das Bier auch gut gekühlt. In der Wohnung gegenüber brannte Licht. Nach der Nahrungsaufnahme gab ich meinem Verlangen nach und blickte durch das Teleskop. Ich konnte kaum glauben, was ich sah, mir verschlug es die Sprache!

Mein Nachbar saß nackt auf seiner Couch, räkelte sich lasziv; aber er war diesmal nicht allein. Ein anderer Mann, ebenfalls nackt, blickte grinsend auf ihn herab, auch der Typ spielte an sich herum. Sein Teil schien erheblich größer zu sein als der kleine Kilian, dem es langsam wieder zu eng in der Hose wurde. Im Fernseher lief, quasi als Anregung, wieder ein schwuler Porno.
Der Typ, der vor dem Sofa stand, man konnte fast jede Ader auf dem kahlrasierten Schädel erkennen, war ebenso gebräunt wie mein Nachbar, aber sein Körper war noch definierter, noch muskulöser. Der Glatzkopf ging auf das Sofa zu, fuchtelte dabei mit seiner Männlichkeit, hielt sie meinem Nachbarn dann direkt vor die Nase. Dessen Lippen leckten an der Kuppe des fremden Stabes, erst langsam, dann immer heftiger, später ließ er ihn gänzlich in seinem Mund verschwinden.
Klein-Kilian meldete sich erneut, wollte endlich aus seinem Gefängnis befreit werden. Ich nestelte am Gürtel, schob den Bund etwas nach unten und meine Rechte in meinen Schritt; sofort spürte ich die Feuchte, die bereits in meiner Hose herrschte. Der Gefangene hüpfte vor Freude, als mir endlich die letzte stoffliche Mauer seiner Haftanstalt auf die Oberschenkel rutschte.
Auf der gegenüberliegenden Seite bewegte der Fremde seine Hüften nun schneller, bockte richtig. Seine Linke schien den Kopf meines Nachbarn umschlungen zu haben, als wollte er noch tiefer in dessen Mund eindringen, dabei stießen seine Bälle sich doch jetzt schon bei jedem Stoß heftig vom Kinn des Bläsers ab. Der Glatzkopf tat einen Schritt zurück, gab den Blick aber nur kurz frei, sein Teil schlug er jetzt auf Nase, Mund und Wangen, meinem Nachbarn schien es zu gefallen.
Noch nie in meinem Leben hatte ich den körperlichen Akt eines Paares live beobachten können, ich war bis jetzt immer nur Ohrenzeuge gewesen. Sollte ich meine diesbezügliche Unschuld bei einem Spiel zweier Männer verlieren? Wollte ich das wirklich? Ich war unsicher, aber zugleich ziemlich heiß. Ich schaute dann doch durch die Linse: Die Spiele konnten beginnen!
Das Schlagen hatte aufgehört, mein Nachbar nuckelte wieder, seine Nasenspitze drückte sich tief in die Bauchdecke des muskulösen Glatzkopfes. Wie kann man nur so viel aufnehmen? Ich bekäme Maulsperre, aber der Mann von Gegenüber saugte und saugte und das mit einer Inbrunst, die ich nie für möglich gehalten hätte. Seine Hände ließ er dabei über den Körper des anderen Mannes gleiten, der aber, wohl mit der gleichen Hingabe, den Bläser streichelte, ihn liebkoste.
Meine Beinfreiheit war zu eingeschränkt, ich zog meine Hose noch tiefer, versuchte meinem Schritt die notwendige Frischluft zu verschaffen; beinahe wäre ich dabei gefallen, konnte mich aber gerade noch rechtzeitig fangen. Meine Beinkleider schob ich mit dem Fuß zur Seite. Der nicht mehr kleine Kilian wollte gestreichelt werden, bettelte regelrecht nach Berührung; gerne tat ich ihm den Gefallen, spielte auch mit den Murmeln in meinem Beutel.
Wie ich durchs Okular feststellen konnte, hatte sich die körperliche Lage drüben nicht groß geändert: Der Glatzkopf hatte einen Fuß auf das Sofa gestellt, sich leicht zu meinem immer noch nuckelnden Nachbarn gebeugt und spielte jetzt liebevoll mit dessen Männlichkeit. Diesem Muskelprotz, dem ich unter normalen Umständen nicht gern im Dunklen begegnet wäre, dieser durchtrainierte Körper legte eine Zärtlichkeit an den Tag, die mich erschaudern ließ. Es war so fremd und doch so nah!
Aber groß Zeit zum Nachdenken hatte ich nicht, ich ließ den Blickkontakt nicht abbrechen und spielte an mir. In meinen Bällen kribbelte es gewaltig, meine Finger flogen nur so über mein bestes Stück. Der Glatzkpf bockte plötzlich auf. Als ich, einen Wimpernschlag später, weißen Glibber aus dem Mund meines Nachbarn rinnen sah, biss ich mir fast die Zunge ab, um meinen eigenen Orgasmus nicht laut in die Nacht zu schreien. Der Schwanz in meiner Hand explodierte gewaltig, die Überreste verteilten sich auf dem ausgeblichenen, grünen Kunstrasen, mit dem ich meinen Balkon ausgelegt hatte. Immer noch wimmernd, gleichzeitig aber auch mehr als erleichtert, ließ ich mich blind in den alten Korbstuhl fallen und rang nach Atem.

Am Donnerstag wurde mir erneut eine Solonummer geboten, aber irgendwie, ich weiß nicht warum, war es anders als beim ersten Mal. Die Rechte meines Nachbarn war wieder mit seinem Baum beschäftigt, er schien zu stöhnen, wand sich wie ein Aal. Wo aber war seine Linke? Ich justierte die Teleskopeinstellung etwas nach und sah einen fleischfarbenen Gegenstand, der immer wieder von den Fingern seiner linken Hand in sein Loch gedrückt wurde.
Ich konnte nicht anders, öffnete meine Hose, gönnte dem kleinen Kilian die Bewegungsfreiheit, die er wieder dringend brauchte. Mein Nachbar spielte an sich, ich an mir. Er hatte seinen Spaß und ich hatte meine Freude an seiner Lust. Wir kamen nicht gleichzeitig, er war diesmal etwas schneller; anscheinend hatte er den fleischlichen Speer, der ihn gestern beglückt hatte, vermisst. Und ich? Als ich kam, wusste ich es: Ich wäre gerne das Teil in seinem Hintern gewesen.

Direkt nach der Arbeit am Freitag fuhr ich zu meinen Eltern, Tom, mein Schulfreund aus Kindertagen, heiratete am Samstag. Sarah hatte die Teilnahme dankend abgelehnt, sie kenne dort eh niemanden und ich solle doch auch mal etwas ohne sie unternehmen, wir träfen uns ja am Sonntag im Kletterpark; was wir dann auch taten. Dieser Tag verlief wie all die Sonntage zuvor, es gab nur eine kleine Ausnahme: Die Frage, ob sie noch mit hochkommen wolle, die Frage stellte ich nicht.

Irgendwie hoffte ich auf ein neues Spektakel im Nachbarhaus, auf eine neue Show, hatte ich doch meine heimlichen Beobachtungen in den letzen zwei Tagen fast schmerzlich vermisst. Dieser Vorfreude war es wohl auch zu verdanken, dass ich nur einen Bademantel überzog und auf meine Freifläche ging. Dank der Tatsache, dass drei Viertel meines Balkons überdacht waren, machte mir der leichte Regen draußen nichts aus. Allein der Anblick der Nachbarwohnung reichte, um den kleinen Kilian zum Hüpfen zu bringen; Platz hatte er ja genug, unter dem Frottee trug ich nur Haut.
Plötzlich klingelte es, ich erschrak regelrecht. War es Sarah, die wiedergekommen war? Wollte sie mich ranlassen oder hatte sie die fehlende Frage bemerkt und war stutzig geworden? Aber noch war die Situation ja unverfänglich. Ich atmete tief durch, ging zur Tür, drückte den Öffner und wartete auf das, was und wer da käme.
Zwei Minuten später öffnete sich die Fahrstuhltür, ich traute meinen Augen nicht: Es war nicht meine Zukünftige, es war der Typ aus dem Nachbarhaus, der die Kabine verließ und direkt auf mich zu kam. Er trug einen dieser tiefblauen Regenmäntel aus PVC, die fast bis zum Boden reichten – etwas übertrieben für den leichten Nieselregen. Als er mir direkt gegenüberstand, musste ich schlucken, so nah hatte ich ihn noch nie gesehen, obwohl ich in den letzten Tagen fast alle seine Poren schon eingehend studiert hatte.

„Hallo, ich bin der Kiriakos von nebenan.“ Seine Stimme war weich. „Ich darf doch reinkommen? Ich glaube, wir müssen uns mal über eine gewisse Sache etwas näher unterhalten.“ Ich schnappte wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft, ließ ihn wortlos passieren. Von Nahem sah der Kerl ja noch besser aus als durch die Spiegel meines Teleskops; ich folgte ihm. Die Balkontür stand offen, er ging in die Richtung, blieb aber im Wohnbereich stehen, deutete nach draußen, auf mein einsatzbereites Sternenguckgerät. „Und zwar über das Teil da!“
Ich fühlte mich plötzlich schlecht, ertappt; Sprechen ging gar nicht! Der Typ von nebenan drehte sich in meine Richtung, lehnte sich an mein Sofa und grinste breit. „Ich hab mitgekriegt, dass du mich beobachtet hast, nicht nur einmal! Du hättest ruhig rüberkommen können, wäre einfacher gewesen und hätte wahrscheinlich auch mehr Spaß gemacht, als mich mit dem Teil zu bespannen.“
Meine Knie wurden weich, ich musste mich am Türrahmen festhalten. Der Typ grinste plötzlich noch frecher, öffnete dann seinen Regenmantel, ließ ihn langsam von den Schultern gleiten. Meine Augen traten mir fast über, denn darunter war er nackt, nackt wie Gott ihn erschaffen hatte. In dem warmen Licht der Deckenlampe glänzte sein Körper wie Bronze, glatt und hart, seine Brustwaren waren erregt, steif und fest, sein Schwanz hing lang und schwer zwischen seinen Beinen.

Klein Kilian, gerade eben noch schlaff und schrumpelig, erwachte plötzlich zu neuem Leben und begann, sich wieder zu regen. „Aber …“ Mein Sprachvermögen hatte ich also doch noch nicht verloren. „… aber dein Freund?“

„Ach, du meinst Yannis, den mit der Glatze?“ Ich nickte stumm. „Yannis kommt ab und an vorbei, wenn seine Alte ihn nicht ranlässt und er Druck hat.“ Die Handbewegung, die er machte, war eher abfällig. „Aber er spielt auch gerne mal Gruppenspiele … also … du hättest auch Mittwoch anklingeln können. Wir hätten echt nichts dagegen gehabt.“ Er musterte mich, wie ich ihn gemustert hatte, nur direkt, Aug in Aug. „Für was steht eigentlich das K auf deinem Klingelschild?“

Ich räusperte mich kurz, der Frosch aus meinem Hals musste irgendwie weg. „K für Kilian. Meine Eltern kommen vom Land …“ Ich zuckte entschuldigend mit den Schultern, reichte ihm meine Hand, die er ergriff und hielt. Nach einer Minute jedoch wich ich zurück. „Aber … ich bin nicht schwul.“

Er lachte und dieses Lachen war nicht unberechtigt, denn meine blauen Augen, die gebannt auf seinen Körper starrten und jeden Quadratzentimeter seiner Haut noch einmal taxierten, und das Teil zwischen meinen Beinen, das sich mittlerweile selbstständig den Weg durch die Falten meines Bademantels in die Freiheit gebahnt hatte, ließen meine Aussage mehr als fragwürdig, ja einfach lächerlich erscheinen. Aber meine Ausführungen waren ja wahr, ich hatte noch nie tiefe oder gar romantische Gefühle gegenüber einem Mann gehegt, geschweige denn Sex mit ihm gehabt. Sollte sich das hier und jetzt ändern? Ich konnte nur noch schlucken.

„Ob schwul oder nicht, mir gefällt, was ich sehe.“ Kiriakos stieß sich von der Lehne ab und kam mir ziemlich nahe. Seine schlanken Finger wuselten durch meine Haare, zeichneten die Konturen meines Gesichts nach, mir lief ein Schauer nach dem anderen den Rücken herunter; dann grinste er. „Und ich glaube, dir gefällt auch, was du jetzt siehst und schon gesehen hast. Oder etwa nicht?“
Zu dieser unbestreitbaren Tatsache konnte ich nur nicken. Er kam noch näher, ich spürte plötzlich die Wärme, nein, die Hitze seines Körpers durch das Frottee, dann suchten seine Lippen den Kontakt mit meinen, zuerst zaghaft, dann härter, fordernder. Ich konnte mir nicht helfen, ich umfasste seinen Nacken und gab meiner Zunge den eindeutigen Befehl, seinen Mundraum zu erobern.
Der Kuss war innig, zärtlich, erregt, leidenschaftlich, wir hielten uns fest, die Kronen unserer Stämme berührten sich, schienen in der Hitze der Leidenschaft fast zu verschmelzen. Er roch irgendwie süß und dieser Duft brachte mich fast um den Verstand, als seine Zunge durch meine Lippen hindurch zum Gegenangriff ansetzte. Unsere Geschmacksorgane trafen sich, betasteten sich erst vorsichtig, um dann ein elektrisierendes Pas de deux in dem feuchten und warmen Ballsaal, mal in seiner Hälfte, mal in meiner, zu tanzen; es war einfach nur phänomenal!
Er schob mir den Bademantel von den Schultern, nestelte an dem Gürtel, öffnete ihn, unsere Zungen waren immer noch miteinander beschäftigt. Das Teil aus weißem Frottee fiel auf den Boden, nun waren wir beide nackt und das störte mich nicht im Geringsten. Im Gegenteil, ich drückte ihn nur noch fester an mich, waren gerade eben lediglich unsere Lippen verschmolzen, traten nun auch die Köpfe unserer Teile in näheren Kontakt, ich wurde fast verrückt!
Er löste die Verbindung unserer Münder, warf seinen Kopf in den Nacken, blickte mich dann mit einem breiten Grinsen an. „Wird da jemand etwa etwas schwul?“

Für Kiriakos wäre ich gerne die leidenschaftlich lodernde und schwärmend tobende Schwuchtel, denn er allein war der anbetungswürdige Stern an meinem ansonsten leeren Sexhimmel. Meine Lippen machten sich auf den langen Weg seinen Hals hinab. Ich leckte seine bräunliche Haut, knabberte an dem weichen, aber zugleich festen Fleisch seines Oberkörpers. Meine Zähne legten sich sanft um seine Brustwarzen, meine Zunge tanzte über die steifen Nippel.
Ihm schien mein Zungenspiel ziemlich zu gefallen, sein wohliges Stöhnen war die Zustimmung, die ich hören wollte, von ihm hören wollte. Ich schwelgte im Geschmack seines Körpers, saugte an seinen Zitzen, unbehaart wie bei einer Frau. Die vernarbt aussehende dunkle Haut auf der Spitze seiner beiden Hügel war wie Manna für mich, ich hätte sie nur allzu gern verspeist, beließ es aber dann doch nur beim Knabbern und Saugen, er wand sich vor Lust unter meinen Berührungen, wollte anscheinend noch mehr und ich war mehr als bereit, ihm das auch zu geben.
Ich ging tiefer, meine Hände griffen in seine schlanken, glatten Seiten und mit meiner Zunge zog ich die feine Linie zwischen Brust und Bauchnabel nach, saugte mich daran regelrecht fest. Sein Teil stieß unter mein Kinn. Es war einfach unglaublich! Ich fühlte seine Hitze, seinen Schweiß, seine Erregung auf meinen Fingerkuppen, und, als ich sie noch tiefer gleiten ließ, meine Fingernägel bohrten sich regelrecht in seine Hüften, verbrannte ich innerlich an seiner lodernden Glut. Ich kniete nun vor ihm, seine harte Männlichkeit zuckte vor meinen Augen; konnte es einen besseren Anblick geben?

„Blas mich!“ Kiriakos stöhnte vor Geilheit. „Blas meinen Schwanz!“

Nur zu gern erfüllte ich seinen Wunsch. Meine Augen fokussierten die geschwollene Kapuze, sanft legten sich meine Hände um den Schaft, mein Mund war trocken, ich musste schlucken. Seine Vorhaut schob ich nach hinten, meine Zungenspitze ließ ich erst durch die Öffnung des violetten Pilzes gleiten, um ihn dann ganz in meinem Mund zu versenken. Meine Lippen umschlossen die Kuppe, sofort schmeckte ich den Vorsaft, den er absonderte, meine Zunge klopfte erneut an das Tor, wollte Nachschub erhalten.

„Ja!“ Ich blickte kurz nach oben, mein Nachbar keuchte und zitterte vor Lust. Er packte meinen Kopf, forderte mich so auf, noch mehr von seinem schönen Schwanz zu inhalieren. Ich tat es, ich wollte es. Zentimeter für Zentimeter rückte ich vor, um dann wieder etwas zurückzugehen, legte aber gleich wieder den Vorwärtsgang ein. Drei Viertel seiner Erektion hatte ich in mir, dann stieß seine Spitze an meine Mandeln. Ich wunderte mich selbst über mich am meisten: Ich hatte den Schwanz eines Mannes im Mund und dieser Schwanz pochte und zuckte in meinem Mund, füllte ihn mehr als nur aus und ich fühlte mich mehr als wohl dabei!
Als ob ich noch nie etwas anderes gemacht hätte, ich bewegte jetzt meinen Kopf hin und her und begann heftig, an seinem Lustspender zu saugen, ihn mit meinen Zähnen zu bearbeiten. Je mehr ich sein Teil einspeichelte, desto schneller konnte ich auf diesem göttlichen Fleisch auf-und abgleiten. Meine Hände griffen nach seinen festen Backen, suchten einen besseren Halt. Er zitterte, bog seinen Rücken durch, seine Spitze stieß an das Ende meiner Kehle. Er schien die Liebkosungen, die ich seinem Freudenspender zuteilwerden ließ, zu mögen und ich mochte es, ihm diese Liebkosungen zu geben. Ich saugte mal schneller, mal langsamer, mal gefühlvoll und sinnlich, mal angriffslustig und fordernd. Mal umkreiste ich nur die Spitze mit meiner Zunge, mal nahm ich so viel auf, wie ich konnte. Ich blies ihn so, wie ich schon immer geblasen werden wollte.
Meine Hände wanderten über seine Hügel, meine Finger erforschten sein Tal. Als meine Kuppen in den natürlichen Spalt eindrangen, zitterten seine Knie, ziemlich heftig sogar. Der Druck seiner Hände auf meinem Kopf wurde stärker und plötzlich schoss er mit seinen Hüften nach vorn, seine Bauchdecke fing wie ein Sprungtuch der Feuerwehr den Aufprall meiner Nase ab. Was war das denn? Er hatte scheinbar meine Mandeln wie Flügeltüren aufgestoßen, war nun ganz in mir. Und ich? Ich genoss einfach nur diese Nähe, dieses Ausgefülltsein.
Bei der nächsten Ausfahrt, Haltestelle für meine Zunge war die Öffnung in der Spitze seines Pilzes, blickte ich wieder nach oben. Ich sah das Feuer in seinen Augen, sah seine Lust und sein Verlangen, mich mit seinem menschlichen Löffel zu füttern und ich wollte endlich seinen Brei, wollte ihn schmecken, ihn mir auf der Zunge zergehen lassen. Immer schneller und hektischer bohrte sich sein Essgerät in meine Futterluke, ich war einfach nur glücklich. So glücklich, dass ich mit meiner Rechten mein Teil bearbeitete und meiner Linken das Graben in seinem Tal überließ.
Als mein kleiner Finger halb in ihm war, stolperte er nach vorn und die Fütterung begann; endlich! Er zuckte und ich spürte ein gewaltiges Pumpen in meinem Mund. Die ersten Löffel wurden wohl direkt in meine Kehle gegeben, aber der Rest überflutete meine Geschmacksknospen, ertränkten sie mit seinem göttlichen Nektar und ich? Ich schluckte zufrieden und glücklich das Ambrosia, das er mir schenkte und versprühte dabei meine eigene Sahne auf dem Laminat, auf dem ich kniete.

Ewigkeiten später saßen wir gemeinsam auf der Couch, rauchten, füllten unseren Flüssigkeitsverlust durch Bier wieder auf und quatschten; und das ziemlich intensiv. Noch nie hatte ich mit einem Mann über mein Intimleben gesprochen, noch nie hatte ich einem Mann meine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte mitgeteilt, noch nie hatte ich mich einem Mann gegenüber überhaupt offenbart, aber ich hatte mich auch noch nie bei einem Gespräch mit einem Mann so wohl und geborgen gefühlt wie zu diesem Zeitpunkt. Es kam mir so vor, als ob wir uns schon Jahre kannten, so ein Vertrauen, so eine Harmonie, so eine Herzlichkeit herrschte zwischen uns. Es war unglaublich!
Bei diesem Gespräch kamen wir uns immer näher und das nicht nur menschlich. Zu Anfang saß jeder in seiner Ecke, aber je intensiver unser Dialog wurde, desto näher rückten wir auch körperlich wieder zusammen, am Ende saß er auf meinem Schoß. Meine Hand lag auf seiner Hüfte, die andere spielte in seinen Haaren und mein Mund saugte plötzlich wieder an seiner muskulösen Brust. Meine Zunge fuhr sabbernd durch seine Achsel, allein der Geruch seines Körpers berauschte mich; aber die gleiche Wirkung hatte er auch auf den kleinen Kilian, der nun gar nicht mehr klein war.

Plötzlich, mitten im Satz, sprang er auf, ging zu seinem immer noch auf dem Boden liegenden Regenmantel, meine Augen verfolgten ihn bei jedem seiner Schritte. Mit einer weißen Tube in der Hand und einem breiten Grinsen auf den Lippen stand er wieder vor mir. Den Verschluss schraubte er langsam ab, nahm den Behälter in die eine und drückte auf seine andere Hand eine große Portion der gallertartigen Masse, die aussah wie eine durchsichtige Salbe.
Er drehte sich um die eigene Achse, warf den Salbenbehälter auf den Tisch und schmierte sich den größten Teil davon zwischen seine Halbkugeln. Dann drehte er sich wieder, beugte sich zu mir runter, streifte Klein-Kilian die Kapuze herunter und salbte meinen gesamten Stamm mit dem Rest, der noch in seiner Handfläche war; ein wohliger Schauer durchzuckte meinen ganzen Körper, ich wusste nicht, wie mir geschah, so geil war das Gefühl!
Kiriakos hüpfte wieder auf die Sitzfläche, seine versteifte Männlichkeit tänzelte erneut vor meinen glänzenden Augen. Er drückte mich runter, ich saß nicht mehr, ich lag fast auf der Sitzfläche meines Wohnzimmermöbels. Je tiefer ich rutschte, desto tiefer ging auch er. Er japste vor Geilheit. „Kilian, ich … ich will dich jetzt spüren … dich … dich … in mir haben!“

Mein Verstand setzte aus, als meine Spitze seine hinteren Backen berührte, Tausende Elektronen fuhren Amok. Ich griff nach meinem Teil, dirigierte es in Richtung seiner Öffnung, und er zog mit seinen Händen seine Backen auseinander, klemmte dann mein Anhängsel ein. Unsere Oberkörper stießen aneinander, ich spürte nur noch Hitze, oben wie unten. Sehen konnte ich mein Teil nicht mehr, es war hinter ihm verschwunden, ich konnte nur noch fühlen. Erst spürte ich etwas Kaltes, dann wurde das Kalte glitschig, mein Nachbar ging ein Stück höher und da ertastete meine Spitze die natürliche Öffnung in seinem Tal; ich hätte vergehen können vor Lust!
Er griff nach hinten, gab meinem Kolben wohl noch die letzten Hilfestellungen. Mein Pilz wurde arg gedrückt, aber er wollte, nein, er musste in seinen Korb. Wir blickten uns direkt an, er wirkte in dem Moment etwas angespannt, aber in seinen Augen leuchteten nur noch die Sterne der Geilheit, heller und klarer als die am Firmament in einer lauschigen Sommernacht. Er sog scharf die Luft ein, als er sich auf meiner Stange nach unten fallen ließ, auch mir fiel das Atmen mehr als schwer!
Von dieser Art der Vereinigung hatte ich bisher nur träumen können; nur Marion, die sexbesessene Friseurin, die ich letzten Sommer auf Malle traf, ließ überhaupt den Versuch zu, aber der scheiterte bereits im Anfangsstadium, ich war wohl zu aufgeregt. Aber jetzt steckte mein Schwanz bis zum Anschlag im Hintern eines Mannes und ich fand das einfach nur galaktisch geil, überhaupt nicht abstoßend. Im Gegenteil, es war heißer, enger, erregender in ihm als in jeder Frauengrotte, in der ich bis jetzt gesteckt hatte. Ich fühlte mich gut, mehr als gut!
Ich spürte, wie der kleine oder große Kilian pulsierte, dabei von den heißen Wänden seines Darms fast erdrückt wurde. Ich drückte mich tiefer in die Sitzfläche, um dann wieder nach oben zu schnellen, noch tiefer in ihn rein. Er hatte wohl verstanden, denn als er mich küsste, meinen Mund in einen luftleeren Raum verwandelte, hob er sein göttliches Hinterteil etwas an, sodass ich genügend Platz hatte für meine Hammerschläge, die jetzt in immer schnellerem Tempo ausgeführt wurden.
Der Typ von nebenan schien ein Meister seines Faches zu sein, denn er begann, meinen Stößen sacht entgegen zu arbeiten, achtete aber darauf, mich nicht aus dem mühsam gefundenen Takt zu bringen, unseren Rhythmus nicht zu stören. Dieser geile Gleichklang, diese Harmonie der Lust, ließ uns stöhnen und hecheln. Die Hitze in seiner Grotte, die mein Teil umfing, die Wärme seines Körpers, der sich eng an meinen presste, sein heißer Atem, der auf mein Gesicht blies, die Glut seines Stabes, der sich auf meinem Bauch rieb, all das ließ mich vergehen, ich hob ab – ab zu den Sternen der Lust, ich tauchte in ein Universum der Geilheit ein.

„Ich … ich kann … ich …“ Die Bewegung meiner Hüften wurde unkontrollierter, heftiger, fordernder. Ich konnte nicht mehr, war schweißgebadet. Mein Nachbar grunzte, schien ebenfalls nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein; er schwankte gewaltig auf meinem Fahnenmast. Als er sich abrupt fallen ließ, ob absichtlich oder ungewollt, feuerte ich eine Bremsrakete nach der anderen aus meinem glühenden Rohr, direkt in seine heiße Grotte; das Tempo meiner Stöße nahm ab.
Er aber bewegte sich weiter auf mir, hatte seinen Takt wohl wieder gefunden, schien glücklich zu sein, mehr als glücklich. Seine Zungenspitze fühlte ich an meinen Mandeln. Als ich zwischen uns griff, sein Strahlrohr umfasste und den fleischlichen Hebel nach hinten zog, da spritzte eine Fontäne aus ihm, der Druck war enorm. Mein Kinn wurde feucht, mehr als feucht, sein weißes, zähflüssiges Löschwasser rann erst an meinem Hals herunter, verteilte sich dann auf Brust und Bauch.

Er sackte zusammen, kam auf mir zu liegen. Ich spürte seinen rasenden Herzschlag, seine Hitze, seinen Schweiß. Es war einfach nur unbeschreiblich, so etwas hatte ich noch nie erlebt.

Ich weiß nicht, wie lange wir uns noch verklebt und eng umschlungen abknutschten, aber die gemeinsame Dusche, die mehr als fällig war, tat uns beiden gut. Nach einem Abschlussbier ging er, nicht ohne mir vorher das Versprechen eines Gegenbesuches abgenommen zu haben. Diese Visite sollte keine 24 Stunden später erfolgen; ich freute mich wie ein Schneekönig!

Tja, diese Ekstase erlebte ich am letzten Sonntag und seitdem spielen Kiri, wie ich meinen Nachbarn nenne, und ich jeden Abend gemeinsam. Seine Küsse sind einfach phänomenal geil und gestern spürte ich ihn zum ersten Mal auch in mir, er sorgte in meinem bis dahin unberührten Kanal für eine regelrechte Überschwemmung; es war einfach nur galaktisch, anders kann man das Gefühl, das ich hatte, nicht beschreiben. Gut, erst hatte Kiri sich geziert, wollte mich nicht beglücken, er wäre lieber der passive Part unserer geheimen Beziehung. Aber dann konnte er meinen blauen Augen und meiner Logik doch nicht widerstehen und hat eingesehen, dass man nicht immer nur nehmen kann, ab und an auch mal geben muss. Gut, ich konnte heute im Kino neben Sarah zwar nicht richtig sitzen, aber ich denke mal, daran werde ich mich auch noch gewöhnen. Ich kann ihn aber verstehen, es ist einfach nur geil, von einem himmlischen Wesen vollkommen ausgefüllt zu sein.

Sind Kiri und ich ein Paar? Bin ich etwa schwul geworden? Vor vier Tagen verbrachen wir die Nacht miteinander, schliefen miteinander ein und standen am anderen Morgen auch gemeinsam auf, aber ich weiß es nicht, echt nicht. Ich bin, nach wie vor, immer noch mit Sarah zusammen; sie meinte am Freitag im Büro, ich wäre jetzt ausgeglichener, nicht mehr so auf das Körperliche fixiert. Kein Wunder, die Streicheleinheiten, die sie mir verweigert, die hole ich mir jetzt bei Kiri und das tue ich gerne, sehr gerne sogar.
Ich weiß echt nicht, was die Zukunft bringen wird. Sarah ist immer noch ein nettes Mädchen und immer noch eine gute Partie, aber Kiri ist ein Mensch mit Gefühlen, der mein Sehnen nach Wärme und Geborgenheit wie selbstverständlich erfüllt. Warum ist das Leben nur so kompliziert?

Und heute ist wieder Sonntag und ich warte, dass das Licht in der Wohnung gegenüber angeht, denn das ist das Zeichen für mich: Sobald drüben der Fernseher läuft, werde ich mich auf den Weg machen und zu Kiri gehen, wir spielen heute zu dritt. Yannis hat sich angesagt; mal schauen, ob der auch uns beide glücklich machen kann!

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Information Japanese Dreams
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:19 AM - No Replies

Japanese Dreams

Nein, ich verrate euch jetzt nicht, worum es in dieser Kurzgeschichte gehen wird.

Nur eines ist mir sehr wichtig:

Die beiden Süßen, Hyde und Gackt, gehören niemanden, außer sich selbst. Ich habe mir ihre Namen, für diese Geschichte, nur ausgeborgt.

Nur Damien gehört mir allein. Ich habe mir diesen Charakter ausgedacht, so wie er ist. Natürlich habe ich den Namen nicht selbst kreiert, ist ja klar.

*-*-*

„Bitte, komm doch zu mir, dann können wir mal wieder reden oder irgendwas anderes machen.“, hatte Hyde seinen englischen Freund Damien, der erst seit Kurzem hier in Japan wohnte, gebeten… ja, beinahe angefleht. Da Damien seinem Freund Hyde nichts abschlagen konnte, hatte er zugesagt.

*-*

Damien, 22 Jahre alt, hatte Hyde kennen gelernt, als er vor zwei Jahren hier in Japan auf Geschäftsreise war. Beide hatten sich beinahe auf Anhieb gut verstanden. Nun, es hatte eine ganze Weile gedauert bis Damien seine Schüchternheit, Hyde gegenüber, überwunden hatte. Hyde war nun mal nicht der Typ der vorschnell aufgab und hatte sich das Vertrauen von Damien hart erkämpfen müssen.

*-*

Nachdem sich Damien fertig gemacht hatte, sah er noch einmal in den Spiegel. Ja, er legte sehr viel Wert auf gutes Aussehen. Seine langen schwarzen Haare hatte er, nach hinten, zu einem Zopf zusammengebunden. Ansonsten trug er, wie immer, schwarze Bekleidung. Diese ließ seinen Körper zwar noch etwas schlanker und schmaler aussehen, als er ohnehin schon war, aber er mochte halt schwarze Bekleidung sehr gern. So machte er sich auf den Weg zu Hyde, nachdem er das Haus verlassen hatte.

Unterwegs dachte er immer wieder darüber nach, warum Hyde wollte, dass er – Damien – ausgerechnet jetzt und unbedingt noch heute zu ihm kommen sollte. Aber Damien war nun mal der Typ, der Freunden nichts abschlagen oder NEIN sagen konnte. Also ging er in die Garage und wollte seinen Wagen raus holen, doch dann überlegte er es sich anders. Denn dieser Abend war einfach viel zu schön und die Luft roch heut so wunderbar, dass er beschloss zu laufen.
Zudem war der Weg eh nicht so sehr weit.

Er genoss die frische Abendluft richtig und ging, etwas langsamer, als er wollte, die Straßen entlang. Aber noch hatte er eh genug Zeit.

Schon bald erreichte er die Wohnung seines Freundes, klingelte und sein Freund öffnete ihm, nur wenig später, die Tür.

„Hallo Damien, schön, dass du hier bist.“, freute sich Hyde.

„Hallo Hyde. Ich freu mich auch dich wiederzusehen.“, antwortete Damien freundlich, wie immer.

„Bitte, komm doch rein.“, bat Hyde ebenfalls freundlich.

„Danke.“, erwiderte Damien kurz und betrat die Wohnung, nachdem er sich vor seinem Freund kurz verneigt hatte.

Hyde schloss hinter Damien die Tür und grinste, aber Damien konnte es nicht sehen, denn Hyde stand mit dem Rücken zu ihm, als er die Tür schloss.
Anschließend führte er ihn ins Wohnzimmer, wo Damien ziemlich erschrocken und schüchtern stehen blieb, denn sie waren nicht allein. In einem Sessel saß ein ziemlich großer schlanker Typ, mit kurzen schwarzen Haaren.

Hyde war Damien gefolgt und schob ihn nun weiter vorwärts,

„Hey, lass das!“, beschwerte sich Damien, bis sie kurz vor dem Sessel zum Stehen kamen und Hyde beide vorstellte, während der andere aufstand.

„Gacchan, darf ich vorstellen, das ist Damien, mein Freund, von dem ich dir schon so viel erzählt habe.“

Dann wand er sich an Damien: „Damien, das ist Gackt… Er ist auch ein sehr guter Freund von mir.“

Ziemlich schüchtern und mal wieder errötend, verbeugte sich Damien höflich vor Gackt, wie es sich gehörte, und begrüßte ihn:

„Freut mich dich kennen zu lernen, Gackt-san.“

Ebenso höflich erwiderte Gackt, dann: „Mich freut es auch sehr, dich kennen zu lernen, Damien-san.“, verbeugte sich ebenfalls kurz und lächelte sein Gegenüber an.

Damien behagte das alles gar nicht, aber er erwiderte das Lächeln seines Gegenübers. Doch wand er sich nun an seinen Freund:

„Hyde, ich hätte dich gern mal gesprochen… es ist wichtig.“

Hyde nickte grinsend, denn er konnte sich schon denken, was Damien mit ihm zu „besprechen“ hatte.
Beide gingen hinaus, während sich Gackt wieder in den Sessel setzte und beiden nachsah.
Als beide in der Küche waren, sprach Damien:

„Was soll das Hyde? Du hast mir nicht gesagt, dass du Besuch hast. Du weißt doch ganz genau, dass ich…“, doch wurde er nun von Hyde unterbrochen:

„…dass du schüchtern bist… das weiß ich und hätte ich dir gesagt, dass ich Besuch habe, wärst du nicht zu mir gekommen, stimmt’s?“

Damien nickte: „Ja, stimmt, ich… wäre niemals… na ja, egal…“, und seine Röte wurde nun noch ein wenig stärker.

„Ach, komm schon, Damien, du schaffst das. Du vertraust mir doch, oder?“

„Ja, ich… ist schon gut.“

„Na dann, lass uns wieder reingehen, okay.“

„Okay.“, erwiderte Damien leise, dann gingen Beide wieder zurück ins Wohnzimmer.

Wieder im Wohnzimmer angekommen setzte sich Damien, wie immer, in den anderen Sessel und schwieg vorerst.

Hyde fragte Damien: „Und …trinkst du das selbe, wie immer?“

„Ja, danke.“, sagte Damien leise und sah zu Boden.

„Okay, bin gleich wieder da.“, erwiderte Hyde und freute sich… endlich mal seine Freunde zusammen in seiner Wohnung zu haben, das würde sicher lustig werden.

Während Hyde in der Küche war, versuchte Gackt Damien in ein Gespräch zu verwickeln.

„Sag mal, Damien, was machst du so beruflich und woher kommst du?“

Damien überwand sich, sah Gackt an, denn es war unhöflich, wenn jemand mit einem sprach und man weg sah.

Er antwortete dann: „Ich komme aus England und ich …ich bin Modedesigner.“.

Gackt lächelte und antwortete: „So, du bist also Engländer. Du sprichst, für einen Engländer, perfekt japanisch, mein Kompliment. Wie kommt das?“

Damiens Gesicht schien nichts anderes mehr tun zu wollen, als immer weiter zu erröten, doch antwortete er wieder:

„Na ja, Japan, war schon immer mein Lieblingsland und so … habe ich alles, was ich darüber lernen konnte…. gelernt… so auch… die Sprache und die… Schrift… na ja… eben alles.“, dann sah er wieder kurz zu Boden, bevor er sich abermals überwand und Gackt ansah.

„Das bewundere ich, sehr. Nur wenige Leute haben wirklich die Ausdauer das alles zu lernen. Zudem ist es für Europäer ja auch nicht ganz einfach, oder.“

„Dankeschön.“, bedankte sich Damien für das Kompliment seines Gegenübers. „Ja, das stimmt, es war für mich nicht einfach, aber ich wusste wie ich all das lernen konnte… ich musste einfach nur japanisch denken.“, antwortete er und fügte fragend hinzu:

„Und was machst du so… beruflich?“, und war noch immer ziemlich schüchtern, denn er kannte Gackt ja noch nicht so genau.

„Ich bin Musiker.“, antwortete Gackt und grinste Damien an.

Dann kam auch schon Hyde wieder ins Wohnzimmer und stellte Damien was zu Trinken auf den Tisch.

„Dankeschön.“, sagte Damien kurz, dann sah er wieder zu Boden.

Er fühlte sich mehr als unwohl, was nicht an Gackt lag… oder vielleicht ein wenig schon, aber er mochte es allgemein nicht, sich mit fremden Leuten zu treffen… geschweige denn sich mit ihnen zu unterhalten.

Da sein Freund Hyde jedoch, logischerweise, auch hier war, überwand er sich, denn er wusste, dass Hyde ihm so was nicht durchgehen ließ. So wurde es, trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, doch noch ein schöner Abend. Die Drei verstanden sich sehr gut miteinander und Damien taute langsam auf.

Da Damien jedoch am nächsten Tag früh aufstehen musste, verabschiedete er sich schon bald von den Beiden anderen.

„Also, ich muss dann mal los.“, sagte er, stand auf, ging zunächst auf Gackt zu, verbeugte sich, wie es sich gehörte, vor ihm und sprach:

„Auf Wiedersehen, es hat mich gefreut, deine Bekanntschaft gemacht zu haben.“

Gackt stand ebenfalls auf, lächelte Damien an, machte ebenfalls eine kurze Verbeugung und erwiderte:

„Mich hat es ebenfalls sehr gefreut, dich kennen gelernt zu haben, Damien. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns mal wieder sehen. Sayonara, Damien.“

Natürlich errötete Damien gleich wieder, doch antwortete er, mehr aus Höflichkeit:

„Ich würde mich auch freuen, dich wieder zu sehen.“, dann brachte Hyde seinen Freund nach draußen und beide verabschiedeten sich voneinander.

Anschließend machte sich Damien auf den Heimweg.

Währenddessen war Hyde wieder ins Wohnzimmer, zu Gackt, zurückgekehrt und setzte sich nun in den Sessel, in dem Damien gesessen hatte. Er grinste Gackt an und fragte ihn:

„So, nun sag mal, Gacchan: Der Kleine hats dir ganz schön angetan, oder?“

„Wie kommst du denn darauf?“, antwortete Gackt, mit gespielter Empörung.

„Wie ich darauf komme… bitte, halt mich nicht für blöd. Ich hab doch Augen im Kopf und ich hab gesehen, wie du Damien angesehen hast. Ich kann dich sogar verstehen… er ist ja auch sehr niedlich.“

„Ja, du hast recht, er ist wirklich niedlich.“

„Ich habs gewusst. Tja, dann versuch mal dein Glück, denn so schnell vertraut Damien niemandem und er ist sehr, sehr schüchtern. Ich selbst hab lange gebraucht, ehe ich sein Vertrauen hatte.“

„Ich schaffe das schon, du wirst es sehen. Aber ich könnte schon deine Hilfe brauchen, denn ich weiß ja nicht wo er wohnt und seine Telefonnummer hab ich auch nicht. Wie wäre es also, wenn du noch ein Treffen mit ihm vereinbarst und ich bin dann eben auch dabei, dann könntest du mich ja mal mit ihm allein lassen… vielleicht hast du ja, plötzlich, was ganz wichtiges zu tun.“, schlug Gackt vor.

„Au man, du hast dich ziemlich in Damien verguckt, was. Und er hat dir ganz schön den Kopf verdreht. Hab ich recht?“

Gackt sah seinen Freund ziemlich verträumt an.

„Nein, sag nichts, ich sehe es dir an.“, meinte Hyde und grinste in sich hinein.

„Ist schon okay, ich mach mit. Aber nur, weil du es bist.“

So vereinbarten Beide noch, wann und wo sie das nächste Treffen stattfinden lassen und wie sie es anstellen wollten, dass Damien keinen Verdacht schöpfte und womöglich abhauen konnte… was er eh gern tat, wenn er sich überfordert fühlte oder ihm etwas nicht in den Kram passte.

Endlich war Damien wieder Zuhause angekommen und betrat sein Haus sogleich. Er schloss die Tür und lehnte sich an diese, mit geschlossenen Augen, an. Endlich wieder zuhause… er atmete tief ein und aus. Nein, noch einmal würde er sich nicht auf ein Treffen mit Hyde einlassen… nein, nicht noch mal. Aber er wusste eh, dass er es nicht durchhalten würde. Dazu konnte er Hyde einfach viel zu gut leiden, um ihm etwas abschlagen zu können.

Nachdem Damiens Nerven wieder einigermaßen ruhig waren, zog er seine Schuhe aus, hängte die Schlüssel an den Haken, auch seine Jacke hängte er ordentlich, wie er es gewohnt war, auf.
Anschließend ging er ins Schlafzimmer, zog sich aus und ging ins Bad, wo er ausgiebig duschte und das warme Wasser, das so lieblich seinen Körper benetzte, genoss. Irgendwann trocknete er sich ab, wickelte sich das Badetuch um die Hüften und ging wieder ins Schlafzimmer, wo er sich bequeme Sachen anzog und sich anschließend ins Wohnzimmer begab.

Er nahm sich dann ein Glas Wein, setzte sich auf die Couch, stellte das Glas auf den Tisch, schaltete den Fernseher ein und lehnte sich entspannt zurück. Den Film, im Fernsehen, sah er gar nicht… er musste jetzt einfach erst mal alles verarbeiten… dass ihn sein Freund derart hintergehen würde… hätte er nicht gedacht.

Er hatte ja nichts gegen Gackt, oder wie Hyde ihn nannte, Gacchan, aber sein Freund wusste doch, wie er – Damien – auf so etwas reagierte. Jetzt wollte er erst mal nur noch seine Ruhe.
Von wegen, Gackt würde sich freuen ihn wiederzusehen.

Damien glaubte nicht daran… vor allem, was konnte man sich mit diesem eingebildeten Typen schon unterhalten… lächerlich…

Und doch fragte sich Damien, warum ihn genau dieser eingebildete Typ die ganze Zeit so gemustert und ständig angesehen hatte. Das war ihm sehr unangenehm gewesen. Moment mal… und warum dachte er ausgerechnet jetzt an IHN?! Au man, na toll… super gemacht… Hyde… (ironisch)
Mit all diesen Gedanken, in seinem Kopf, schlummerte Damien schließlich, noch immer auf der Couch sitzend, ein.

Gackt war bei seinem Freund Hyde geblieben und übernachtete dort, denn beide hatten beschlossen, Damien schon am nächsten Tag noch einmal mit einem Treffen zu konfrontieren. Gackt konnte es kaum erwarten Damien wiederzusehen.

Da Hyde Damien aber nicht zu sehr, mit dem Treffen überfallen wollte und Damien sich auch nicht noch mal zurückgemeldet hatte, ob er gut zu Hause angekommen war, sorgte sich Hyde schon ein wenig und wählte Damiens Nummer. Es klingelte…

Damien war grad so richtig schön eingeschlafen, als er unsanft von diesem dämlichen Telefon geweckt wurde. Also erhob er sich, latschte zum Telefon hin, hob den Hörer ab und ließ ein ziemlich brummiges:

„Ja, bitte?“ hören.

„Hallo Damien. Ich bins Hyde.“, hörte Damien am anderen Ende der Leitung.

„Ja, Hyde, was gibt es denn nun wieder?“, brummte Damien in den Hörer.

„Ups, hab ich dich bei irgendwas gestört?“

„Ja, ich, hatte ein wenig geschlafen. Was ist los, Hyde?“

„Na ja, weißt du… Ich wollt nur wissen, ob du gut nach Hause gekommen bist, weil ich mir Sorgen gemacht hab. Und dann… na ja… wollte ich eigentlich noch was mit dir besprechen, das hatte ich vorhin ganz vergessen, deshalb wollte ich dich fragen, ob wir uns morgen noch mal ganz kurz treffen könnten. Es ist wirklich sehr wichtig.“, bat Hyde, ein wenig hinterlistig.

Während Gackt genau neben ihm saß und alles mitanhörte, denn Hyde hatte das Telefon, auf Gackts Wunsch hin, auf laut gestellt. Er musste grinsen… Hyde machte seine Sache wirklich sehr gut.

„Was, morgen schon wieder?! Man, das ist doch echt nicht dein ernst, oder! Ich muss arbeiten, das weißt du doch. Ich lieg eh schon ziemlich weit im Zeitplan zurück. Können wir das nicht verschieben?“

„Bitte, Damien… es ist wirklich wichtig. Und erzähl mir keine Märchen, du hast noch nie in deinem Zeitplan zurückgelegen… das hast du dir doch jetzt nur ausgedacht… mein kleiner Perfektionist.“

„Hach, ja, man… schon okay… du lässt ja eh nicht locker. Also, wann und wo, treffen wir uns morgen?“, erwiderte Damien leicht genervt.

Hyde sagte Damien dann, wann und wo er sich, am nächsten Tag, mit ihm treffen wollte. Damien willigte ein, dann verabschiedeten sich beide und legten auf.

Damien schüttelte über sich selbst nur den Kopf… über sich und seine Unfähigkeit NEIN sagen zu können. Wieder einmal hatte es Hyde geschafft ihn umzustimmen. Na ja, ihm sollte es egal sein, wenn es denn so wichtig war… mit diesen und anderen Gedanken ging er schließlich ins Bett, nachdem er den Fernseher abgeschaltet und das Glas Wein ausgetrunken hatte.

Er legte sich hin und schlief sogleich ein…

Gackt dankte seinem Freund, dass er dieses Treffen so gut eingefädelt hatte. Hyde ging schließlich in sein Zimmer und Gackt ging ins Gästezimmer. Beide schliefen irgendwann friedlich ein.

Es war noch sehr früh am Morgen, als Damien schweißgebadet erwachte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es viertel nach sechs war und er eigentlich noch ein wenig schlafen konnte, doch er konnte es eben nicht, dieser Traum, den er geträumt hatte, hatte ihn sehr erschreckt, auch wenn er nicht wusste, was dieser zu bedeuten hatte. Na ja, er gab eh nichts auf Träume… er glaubte einfach nicht an sie.

Da es ohnehin keinen Sinn hatte, einen erneuten Versuch zu starten, um schlafen zu können, stand Damien schließlich auf und machte sich fertig. Er hatte ja noch so viel Zeit, also ging er zunächst in die Küche kochte sich einen Kaffee und ging mit der Tasse in sein Arbeitszimmer, wo er die Tasse auf den Tisch stellte und sich gleich an die Arbeit machte. Die Arbeit ging ihm sehr gut von Hand, so dass er viel Spaß bei der Arbeit hatte.

Ja, Damien arbeitete immer von zuhause aus. Seine Angst vor fremden Menschen, hatte ihn, mehr oder weniger, dazu gezwungen.
Diese Ruhe hier und das entspannte Arbeiten… taten ihm gut und war Balsam für seine Nerven.
Nun war Damien, aber ein Perfektionist und sehr arbeitsam, so dass er doch glatt die Zeit vollkommen vergaß….

Hyde und Gackt waren inzwischen auch aufgestanden und machten sich ebenfalls nacheinander fertig. Hyde machte dann was zu Essen und, nachdem beide fertig waren, aßen sie erst mal eine Kleinigkeit, während sie sich über Damien unterhielten und noch mal den Plan durchgingen, den sie sich zurecht gelegt hatten. Beide …na ja, eher Gackt, hofften, dass Damien mitspielte und nichts schief ging.

Es war schon Mittag, als sich Beide auf den Weg, zum Treffpunkt, machten…

Damien hatte die Zeit vollkommen vergessen, er arbeitete noch immer. Nur ganz kurz sah er auf die Uhr, als er einen Schluck seines, nunmehr kalten, Kaffees nahm. Er sah wieder weg und wollte sich weiter seiner Arbeit widmen, als ihm siedend heiß einfiel, dass er sich ja noch mit Hyde treffen wollte.

Au man, jetzt war aber höchste Eile geboten, wenn er nicht zu spät kommen wollte. Schnell zog er sich, wie immer, sehr modisch-elegante, aber wieder schwarze Sachen, an, doch ließ er seine langen schwarzen Haare diesmal offen, so dass sie seine Schultern sanft umhüllten.

So schnell er konnte verließ er sein Haus, schnappte sich seine Schlüssel und ging zur Garage. Er öffnete die Garage, setzte sich in seinen schwarzen Ferrari, startete den Motor, gab Gas und fuhr aus der Garage heraus, die sich anschließend, automatisch wieder schloss…

Gackt und Hyde waren schon am Treffpunkt angekommen und warteten nun schon seit etwa zehn Minuten auf Damien. Gackt wurde nun irgendwie traurig und sprach:

„Hmm… sieht wohl so aus, als würde Damien nicht kommen, oder.“

„Warts ab, der kommt, wenn er sagt, dass er kommt, dann tut er es auch, glaub mir. Der hat sicher wieder so lange gearbeitet, dass er die Zeit, wie immer, vollkommen vergessen hat, das kommt schon mal vor, bei ihm.“, antwortete Hyde, ruhig, denn er kannte seinen Freund sehr genau.

So warteten beide noch eine Weile…

Damien fuhr so schnell er konnte und durfte und kam nur wenig später, ebenfalls, bei dem Treffpunkt an.
Hyde sah sofort, dass Damien im Anmarsch war, denn er kannte ja das Auto seines Freundes sehr genau.

Grinsend wand er sich an Gackt und sagte, nickend auf die Straße zeigend:

„Siehst du, da kommt er.“

Gackt sah sich um und fragte erst mal, weil er mit seinen Gedanken ganz woanders gewesen war:

„Wo denn?“

„Na da, der schwarze Ferrari… das ist Damiens Wagen, ich kenne ihn genau.“, grinste Hyde.

„Wow, er fährt so einen Wagen?!“, staunte Gackt und hatte somit gleich ein neues Gesprächsthema, über das er mit Damien reden konnte.

Damien kam am Treffpunkt an, doch sah er Beide noch nicht, denn er achtete erst einmal nur auf den Verkehr und wo er jetzt parken konnte. Sehr schnell hatte er einen Parkplatz gefunden, stellte sein Auto dort ab, stieg aus, schloss es ab und ging dann die paar Meter zu dem Treffpunkt, zu Fuß.

Dort angekommen, musste er feststellen, dass Gackt wieder dabei war und er wurde nun,… nein, nicht rot… wie sonst… ziemlich wütend, traf es eher und sagte zu seinem Freund, ohne beide zu begrüßen:

„Kannst du mir mal sagen, was das soll?! Sag mal du musst mich doch für total verblödet halten, oder was!?“

„Damien… ich… also… na ja, weißt du… Gackt und ich haben uns eben erst getroffen… und …uns unterhalten.“, versuchte Hyde die Situation zu erklären.

„Verkauf mich nicht dumm… denkst du wirklich, dass ich dir das glaube?!“, wütete Damien.

„Damien, warum sollte ich dich denn belügen, hm?“

Damien dachte nun nach. Ja, es stimmte, Hyde hatte ihn eigentlich nie belogen.

„Also gut… aber noch sein Ding und unsere Freundschaft ist beendet, ist das klar?!“

Hyde nickte schuldbewusst. Es fiel ihm nun sehr schwer, das was er sich mit seinem Freund ausgedacht hatte, durchzuführen und doch hatte er es Gackt versprochen… so saß er nun sprichwörtlich zwischen zwei Stühlen.

Gackt sah Damien derweil bewundernd an… diese langen schwarzen Haare… dieses hübsche Gesicht… wie niedlich er Kleine war. Und heute gar nicht mehr so schüchtern… er konnte ja richtig wütend werden… wie süß…

„So, und nun… was wolltest du mit mir besprechen, das du vergessen hattest mir gestern zu sagen.?“, fragte Damien, nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte.

Hyde sah Damien an und antwortete: „Ähm… das macht sich hier auf der Straße sehr schlecht. Warum gehen wir nicht einfach irgendwo was trinken und reden dann darüber? Was meinst du, Damien?“

„Ja, okay, gehen wir.“

„Was haltet ihr von dem kleinen Cafe da drüben?“, fragte Gackt die Beiden anderen.

Damien und Hyde waren einverstanden und machten sich auf den Weg zu dem Cafe. Dort angekommen, betraten sie es und suchten sich einen Platz am Fenster.

Kurz nachdem sich die Drei gesetzt hatten, sah Hyde plötzlich auf die Uhr und schlug sich, mit der flachen Hand, an den Kopf.

„Mensch, Leute, ich hab ganz vergessen, dass ich heute noch nen anderen Termin hab. Ich muss los… sonst kann ich das alles vergessen.“ und schien es sehr eilig zu haben, Gackt grinste nur in sich hinein, den er wusste ja Bescheid.

„Aber, du wolltest doch…“, wollte Damien erwidern, wurde aber von Hyde unterbrochen:

„Sorry, Damien, aber das ist echt wichtig… wir reden dann später drüber, okay.“, erwiderte Hyde, stand auf und verließ das Cafe, so schnell er konnte.

Damien sah Hyde nach.

„Hyde… du kannst mich doch nicht….“, doch da war sein Freund schon verschwunden und hatte ihn doch glatt mit Gackt allein gelassen.

Was nun?!

Damien sah auf den Tisch und sein Gesicht nahm nun wieder eine ziemlich ungesunde rote Farbe an.

„Nun, dann werde ich wohl auch mal wieder.“, sagte Damien ruhig.

„Bitte, Damien, ich würde mich freuen, wenn du bleiben würdest. Bitte.“, bat Gackt und konnte seine Augen kaum von Damien abwenden.

Verdammt, warum war er so schwach? Warum konnte er nicht mal NEIN sagen? Also erwiderte er:

„Na gut, wenn du willst.“

„Was ist los, Damien? Habe ich dir was getan?“, fragte Gackt mit sanfter Stimme.

„Nein, es …ist nichts… ich… ach, schon gut. Es ist nur… ich…“, stotterte Damien, wie er es immer tat, wenn er mit fremden Menschen Kontakt hatte.

Er holte tief Luft und sprach dann weiter, während er auf den Tisch vor sich sah:

„…also… ich… ähm… ich habe Angst… vor fremden Menschen, deshalb arbeite ich auch nur von… Zuhause …aus.“, gestand er.

Währenddessen kam die Bedienung an den Tisch und nahm die Bestellung der Beiden auf, die sich je einen Cappucchino bestellt hatten.

„Sag mal, warum hast du solche Angst? Ich mein, hast du schon mal schlechte Erfahrungen mit fremden Menschen gemacht?“

„Nein, eigentlich nicht… ich …ähm… war schon …immer so.“

Die Bedienung brachte dann die Bestellung für Beide und stellte alles auf den Tisch. Gackt bezahlte beides und lud Damien somit ein.

„Dankeschön.“, bedankte sich Damien schüchtern.

Damien taute, nach einer Weile, langsam auf und beide unterhielten sich über Dinge, wie Damiens Ferrari, seine Arbeit und auch über Gackts Arbeit, als Musiker. So verbrachten beide noch eine ziemlich lange Zeit in dem Cafe und verstanden sich immer besser, was insbesondere Gackt sehr freute. Auch Damiens Gesichtsfarbe hatte sich inzwischen wieder einigermaßen normalisiert.

Schließlich erklärte Damien:

„Also, ich fand es sehr schön, mich mit dir zu unterhalten und es war sehr interessant, wirklich, aber ich muss nun leider wieder… meine Arbeit ruft.“

„Schade, ich fand es auch sehr interessant, mich mit dir zu unterhalten. Werde ich dich wieder sehen, Damien?“

„Ja, ich würde mich freuen.“, willigte Damien lächelnd ein.

Dann überlegte er kurz und fügte hinzu:

„Ähm… also … wenn du magst, kann ich dich ja mitnehmen und dich vielleicht Zuhause absetzen… oder… magst du mit zu mir kommen?“

Niemals hätte Gackt erwartet, dass Damien ihm dieses Angebot machen würde, doch er freute sich sehr und antwortete:

„Danke, das Angebot nehme ich gern an… ich würde mir gern mal deine Arbeiten ansehen, wenn ich darf.“

„Okay, dann gehen wir.“, willigte Damien ein, stand dann auf und ging zur Tür… auch Gackt stand auf und folgte Damien. Beide gingen gemeinsam zu Damiens Wagen. Damien schloss das Auto auf, ließ erst Gackt einsteigen, dann stieg er selbst ein, startete den Motor, gab Gas und fuhr, mit Gackt zu sich nach Hause…

Hyde war inzwischen nach Hause gegangen und hoffte, dass sich beide gut verstehen würden und Gackt keinen Fehler machte… oder Damien geflüchtet sein könnte, was ja für ihn nicht untypisch war.

Nur eine halbe Stunde später erreichten Damien und Gackt das Haus von Damien.
Damien parkte den Wagen in der Garage, wie es sich, für ihn, gehörte, anschließend betrat er, mit seinem neu gewonnenen Freund sein Haus und führte ihn ins Wohnzimmer:

„Bitte, setz dich doch und fühl dich wie Zuhause.“, bot Damien seinem Gast an.

„Ich danke dir.“, erwiderte Gackt mit sanfter Stimme.

„Kann ich dir vielleicht etwas zu Trinken anbieten?“, fragte Damien freundlich.

„Gern. Könnte ich vielleicht einen Tee bekommen?“

„Ja, natürlich gern. Warte bitte kurz, ich bin gleich wieder da.“, sagte Damien und ging in die Küche, wo er, für sich und Gackt Tee zubereitete, diesen anschließend ins Wohnzimmer brachte und beide Tassen auf den Tisch stellte.

„Vielen Dank.“, bedankte sich Gackt, während er Damien ansah, der sich auf die Couch gesetzt hatte.

„Kein Problem, gern geschehen.“, erwiderte Damien höflich.

Nachdem Gackt eine Weile nachgedacht hatte, sprach er:

„Damien, bitte, höre mir zu, ich glaube, ich sollte dir etwas gestehen. Es war kein Zufall, dass wir uns heute getroffen haben… auch das Treffen, gestern war kein Zufall. Ich habe Hyde gebeten dich treffen zu dürfen, denn mein werter Freund hatte mir sehr viel über dich erzählt und so wollte ich dich unbedingt sehen und mit dir sprechen.“, noch einmal holte er tief Luft und sprach dann weiter:

„Damien… ich… habe mich in dich verliebt.“, dann sah er Damien an und wartete auf dessen Reaktion.

Damien sah Gackt an und hatte während dessen Erzählung große Augen bekommen. Nun schüttelte er den Kopf:

„Nein, das …ist nicht wahr… bitte, sag mir, dass das nicht wahr ist. Ihr… habt mich… beide hintergangen? Und jetzt…. sagst du mir, dass du in mich verliebt bist… nein… das ist ein Scherz, oder…“, erwiderte Damien und Tränen traten ihm in die Augen, dann rannen sie auch schon über seine Wangen.

„nein…“, sagte er, doch war es nunmehr nur ein Flüstern.

Damien sah Gackt nur noch geschockt an, sprang auf und rannte in sein Schlafzimmer, wo er sich auf das Bett legte und bitterlich weinte.

Gackt tat es nun sehr leid, doch er wollte nur ehrlich, zu Damien, sein. Allerdings fragte er sich nun, ob er nicht doch einen Fehler begangen hatte und Damiens Angst vor fremden Menschen nun noch schlimmer werden würde.

Schließlich erhob er sich und ging Damien nach. Er blieb an der offenen Tür zu dem Zimmer stehen, lehnte sich an den Rahmen, sah Damien bäuchlings auf dem Bett liegen und weinen. Es tat ihm in der Seele weh, ihn so sehen zu müssen.

Dann ging er auf das Bett zu, setzte sich zu Damien und sagte leise:

„Damien, bitte… verzeih mir und bitte hab keinen Hass auf Hyde, er konnte nichts dafür…. es ist allein meine Schuld.“ und strich sanft mit seiner Hand über Damiens Rücken.

Als Damien spürte, dass Gackt über seinen Rücken strich, sprang er wieder von dem Bett auf und sah Gackt an:

„Was soll das? Lass mich in Ruhe!“, sagte er sehr laut und verkrümelte sich an die Wand hinter sich.

Gackt stand langsam auf, doch blieb er wo er war, denn er wollte Damien nicht bedrängen, oder ihn gar verschrecken.

„Damien, ich wollte nur ehrlich zu dir sein. Es tut mir leid, dass es dich so sehr aufregt. Verzeih mir, bitte. Es tut mir wirklich leid.“, mit diesen Worten drehte er sich um und wollte, mit den Worten:

„Ich geh dann wohl besser.“ das Zimmer und auch das Haus wieder verlassen.

Damien überlegte jedoch nicht lange und bat leise:

„Nein… bitte… bleib.“, während die Tränen noch immer über sein Gesicht liefen.

Gackt drehte sich um und sah Damien an.

„Bist du sicher, dass du das willst?“

Damien nickte: „Ja, ich …bin sicher.“

Nach dieser Einwilligung, ging Gackt auf Damien zu und blieb, mit geringem Abstand, vor ihm stehen. Damien sah Gackt nur mit vollkommen verweinten Augen an. Behutsam nahm Gackt Damien nun, noch ein wenig unsicher, in die Arme und streichelte sanft dessen Rücken.

„Schhh…ist ja gut. Ich… weiß, wie du dich fühlst.“

Damien lehnte sich an Gackt an und langsam versiegten seine Tränen. Gackt war nun irgendwie glücklich… vielleicht würde er Damien ja doch noch… erobern.

Eine ganze Weile standen die beiden noch so da, dann lösten sie sich wieder voneinander und sahen sich an, doch getraute sich keiner der Beiden auch nur ein Wort zu sagen… sie sahen sich einfach nur an… und doch… begann die Luft zu knistern… als stünde sie unter einer gewaltigen Spannung…

Gackt war es schließlich, der Damien sanft, aber kurz küsste. Nun konnte auch Damien nicht anders, erwiderte diesen Kuss und schloss dabei seine Augen, genießend. Er hatte mit einem mal das Gefühl sein Herz würde so laut pochen, dass man es hören könnte.

Dieser sanfte Kuss, von diesen so unglaublich weichen Lippen, ließ ihn schwach werden, es würde wohl nicht mehr lange dauern bis …Damien IHM vollkommen erlegen ….verfallen wäre.
Schließlich lösten sie sich wieder voneinander und sahen sich in die Augen.

„Ist alles okay, Damien?“, fragte Gackt flüsternd.

Damien nickte fast unmerklich:

„Ja, alles okay.“, erwiderte er und konnte seine Augen nun auch nicht mehr von Gackt lassen, der ihn immer mehr faszinierte.

„Ich liebe dich.“, flüsterte Gackt Damien zu und strich sanft über dessen Gesicht.

Allerdings fiel es Damien noch sehr schwer diese Liebe offen zu erwidern, obgleich er spürte, dass es in seinem Bauch, wie verrückt, kribbelte. So blickte er wieder zu Boden und fragte:

„Ähm… können… ach, schon… gut… hör mir einfach nicht zu. Ich rede Unsinn.“

„Was hast du denn, hm?“, fragte Gackt besorgt.

„Ich… nichts… ich…“, er konnte nicht weiter reden, denn irgendwie hatte er grad das Bedürfnis ganz tief im Erdboden versinken zu müssen. Diese Berührungen und auch der sanfte Kuss, waren nicht ganz spurlos an ihm vorbei gegangen. Also drehte er sich, vollkommen errötet, von Gackt weg und verließ, so schnell er konnte, das Schlafzimmer.

Er musste sich dringend ablenken, denn er hatte seine Gefühle nicht mehr wirklich im Griff, was ihm die leichte Beule, die sich an seiner Hose bereits abzeichnete, bewies. So ging er wieder ins Wohnzimmer und stellte sich ans Fenster… ablenken… er musste sich doch nur ablenken.
Er war sehr empfindlich, denn in Sachen Liebe hatte er noch keine Erfahrungen machen können, da seine Angst vor fremden Menschen dies bislang nicht zugelassen hatte.

Gackt grinste in sich hinein, natürlich hatte er mitbekommen, was mit Damien los war, immerhin war er ja nicht dumm. Langsam folgte Gackt Damien ins Wohnzimmer und sah Damien am Fenster stehen. So ging er auf ihn zu, stellte sich hinter ihn und legte seine Arme vorsichtig um dessen Hüfte. Dann flüsterte er ihm zu:

„Das was du vermutlich fühlst, ist ganz normal, glaub mir. Du musst dich dafür nicht schämen.“

Damien schwieg noch einen Moment und versuchte sich krampfhaft auf etwas anderes zu konzentrieren. Doch es half ihm nicht, er konnte sich nicht mehr konzentrieren, dazu duftete Gackt einfach viel zu gut und diese Berührungen… ließen ihn schon jetzt fast wahnsinnig werden, obgleich noch nichts passiert war.

Langsam drehte Gackt Damien zu sich um und küsste ihn sanft, er wusste, dass Damien ihm längst verfallen war. Während er ihn küsste, wanderten seine Hände unter Damiens Kleidung und streichelten vorsichtig über die Haut des Jüngeren. Damien erwiderte den Kuss, abermals und begann leise in den Kuss hinein zu seufzen. Das alles fühlte sich viel zu gut an, als dass es wahr sein konnte.

Natürlich merkte Gackt sofort, dass es Damien gefiel, was er tat und er fuhr fort, mit dem was er gerade tat. Dann flüsterte er ihm leise zu, nachdem er den Kuss kurz gelöst hatte:

„Gehen wir besser ins Schlafzimmer… das ist bequemer….“

Damien nickte nur, bevor Gackt ihn noch einmal küsste, ihn dann hoch hob und ins Schlafzimmer brachte, wo er ihn auf das Bett legte. Er selbst kniete sich über Damien und streichelte dessen Oberkörper zärtlich, während er ihn weiter küsste. Gackt merkte sehr wohl, dass der Damien ziemlich unter Druck stand, doch er ließ ihn noch ein bisschen schmoren, denn so schnell wollte er ihn nun nicht erlösen… ein bisschen wollte er noch mit ihm „spielen“…

Langsam begann er nun Damien von seinem schwarzen Hemd zu befreien, nicht zu schnell, denn er wollte ihn ja nicht verschrecken. Wiederum küsste er ihn zärtlich, wanderte langsam am Hals des Schwarzhaarigen herab, bis er den Oberkörper erreichte und diesen ebenfalls mit zärtlichen Küssen bedeckte.

Damien stöhnte nun leise auf. Er konnte kaum glauben was gerade passierte und sein Körper begann langsam vor Erregung zu zittern, während er genießend die Augen schloss.

Nachdem er Damiens Oberkörper ausgiebig erkundet hatte, wobei er erst sanft, dann etwas stärker die Brustwarzen seines Lieblings „gequält“ hatte, wanderte er, küssend wieder zurück zu Damiens weichen Lippen, die er sogleich liebevoll verwöhnte.

Unterdessen öffnete er, mit geschickten Fingern Damiens Hose, lenkte ihn aber mit seinen Küssen ab. Behutsam ließ er anschließend seine Hand in Damiens Hose gleiten und begann den „kleinen Damien“ sanft zu streicheln und zu massieren.

Damiens Gefühle kochten derweil schon über, er war nur noch am Stöhnen und sein Körper schien seinen eigenen Willen zu haben, denn sein Becken versuchte sich Gackt entgegen zu heben, was ihm nicht gelang, da Gackt dies verhinderte.
Nur kurz ließ Gackt von Damien ab und befreite ihn nun vom Rest seiner Kleidung, die er achtlos neben das Bett fallen ließ.

Als Damien nun so nackt vor ihm lag, betrachtete er den so zarten, sehr schlanken Körper seines Liebsten und hatte wirklich Mühe ihn nicht gleich zu vernaschen. Kaum zu glauben, so erregt sah sein Liebster noch sehr viel hübscher aus, als er ohnehin schon war.

Schließlich küsste er Damien erneut und massierte den „kleinen Damien“, der sich ihm so schön entgegen zu strecken schien, nun schon etwas härter, was Damien laut aufstöhnen ließ.
Sein Rücken bog sich durch, sein Becken hob sich seinem Wohltäter entgegen, seine Atmung ging schnell und keuchend und seine Hände krallten sich, nach Halt suchend, in die Decke unter sich.

Nur wenig später bäumte sich Damien Körper auf, als er sich laut stöhnend „mmhmmm… ngnnh… aaahh…“, in Gackts Hand ergoss.

Gackt lächelte zufrieden, auch wenn ihm Damien ein bisschen zu schnell gekommen war, aber er dachte sich schon, dass es wohl das erste Mal für Damien sein musste.

Nur sehr ungern löste sich Gackt noch einmal von Damien, aber nur um sich selbst ebenfalls zu entkleiden, wobei er eine kleine Tube Gleitgel und ein Kondom aus der Tasche zog. Ein leises unterdrücktes Stöhnen kam nun auch über seine Lippen, als er sich seiner Hose entledigte und dabei, seine schon sehr schmerzhafte, Erregung streifte.

Sodann tat er sich ein wenig des Gleitgels auf seine Finger und küsste er seinen Liebling wieder, während er erst einen dann zwei Finger in seinen Liebsten gleiten ließ und ihn, für das was er gleich tun wollte, sanft weitete.

Damien stöhnte laut, in den Kuss hinein. Es war, für ihn zunächst ein wenig schmerzhaft und unangenehm, doch gewöhnte er sich schnell daran, zudem wurde er sowieso, durch den Kuss abgelenkt.

Gackt fuhr, mit dem was er tat, fort und weitete seinen Liebling weiter. Währenddessen verkrampfte sich Damien schon ein wenig.
Natürlich bemerkte Gackt dies sofort und flüsterte Damien zu:

„Schhh… hab keine Angst… ich tu dir nicht weh.“ und küsste ihn sehr leidenschaftlich.

Nein, Damien sollte keine Angst haben, nicht wenn ER bei ihm war. Es sollte auch für ihn schön sein. Langsam ließ Damiens Verkrampfung wieder nach und er stöhnte nur noch laut auf.

Nach einer, für Gackt, quälend langen Zeit, zog er seine Finger wieder aus Damien zurück, streifte sich das Kondom über seine, schon sehr schmerzhafte Erregung und drang vorsichtig in seinen Liebsten ein, doch bewegte er sich vorerst nicht in ihm, damit sich Damien an ihn gewöhnen konnte.

Erst vor Schmerz, dann vor Erregung und fast schon qualvoller Lust, stöhnte Damien nun auf, während sich seine Männlichkeit langsam wieder aufrichtete.

Dann bewegte sich Gackt zunächst sehr sanft in seinem Liebling, doch wurden seine Stöße schon sehr bald heftiger und er drang sehr viel tiefer in ihn ein, während er Damiens Beine noch etwas mehr spreizte und den „kleinen Damien“ dann in genau dem selben Rhythmus massierte, wie er in ihn stieß.

Weiter in Damien stoßend, konnte sich Gackt nun auch nicht mehr wirklich beherrschen und stöhnte ungehemmt auf. Auch sein Körper war sehr angespannt und zitterte vor Erregung.
Gleichzeitig erreichten beide ihren Höhepunkt und stöhnten laut auf….

Ein wenig blieb Gackt noch in seinem Liebsten, dann zog er sich vorsichtig aus ihm zurück und legte sich neben ihn.

„Ich liebe dich, Damien.“, flüsterte er ihm, noch völlig außer Atem, zu und streichelte zärtlich den wunderschönen Körper seines Liebsten.

„Ich …liebe dich auch.“, erwiderte Damien nun, der ebenfalls vollkommen außer Atem war.

Doch er kuschelte sich an Gackt an, der ihn so zärtlich streichelte….

*-*-*

Epilog:

Gackt und Damien erlebten eine wunderschöne gemeinsame Zeit miteinander und blieben für immer zusammen. Damien begleitete seinen Liebsten, wenn er Zeit hatte, auf dessen Konzerte, egal wohin. Und so langsam löste sich auch seine Angst, vor fremden Menschen, in Luft auf.
Gackt half ihm wo er konnte und Damien wurde so ein wenig aufgeschlossener.

Natürlich blieben Gackt, Hyde und auch Damien die besten Freunde und wenn es deren Zeit erlaubte, unternahmen sie sehr oft und etwas miteinander.

Damien war Hyde mehr als dankbar, dass er ihn mit Gackt zusammen gebracht hatte. Aber Hyde hatte nun keine Gewissensbisse mehr, dass er Damien ein wenig hintergangen hatte…

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Information Jan und der Fehlerteufel
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:17 AM - No Replies

Jan und der Fehlerteufel

Jan saß am Nachmittag vor seinem Textverarbeitungsprogramm, um endlich den Aufsatz für die Berufsschule zu beenden, der eigentlich schon kein Thema mehr sein sollte, weil bereits seit Tagen überfällig. Aber, wie so oft, fiel ihm so gar nichts mehr ein, den Text betreffend. Nur, was er bei dem Sonnenschein da draußen besser hätte tun können, diese Gedanken schoben sich ständig in den Vordergrund.

Dabei war der Aufsatz schon mal fertig gewesen, aber gerade, als er die abgespeicherte Datei öffnen wollte, um den Text auszudrucken, bekam er nur die Mitteilung: Datei ist fehlerhaft und kann nicht gelesen werden! Nach endlosen Wiederherstellungsversuchen, Schweiß- und Wutausbrüchen und letztendlich neu installiertem Betriebssystem war er dabei, den gesamten Text zu reproduzieren.

Nur in sehr kleinen Einheiten purzelten die Wörter aus seinen grauen Zellen, bildeten Sätze und füllten wieder die 10 Seiten. Beim letzten Zeichen dann war es bereits nach Mitternacht. Nur noch die Rechtschreibkontrolle, die Grammatik, dann, endlich – es war geschafft! Abspeichern, ausdrucken und Kiste aus. Befreites Aufatmen, als die Lüftergeräusche verstummt waren.

Zwölf Stunden später:

Jan wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Nein, dieser Tag war definitiv nichtsein Tag: Erst kam er zu spät zur Berufsschule, weil ein Nagel auf dem Radweg lag, der einen platten Reifen zur Folge hatte. Dann bekam er seinen Aufsatz, der ihm so viel abverlangt hatte, zurück. „Jan, da hat der Fehlerteufel aber wieder voll bei Ihnen zugeschlagen. Einmal neu bitte, bis morgen!“, bekam er zu hören. Zu Mittag stolperte er über ein ach so zufällig da stehendes Bein. Der Eintopf machte ihn nicht mehr satt, aber lustig war er allemal, fanden seine Kumpels, so auf seiner Kleidung verteilt.

Nun war der Reifen geflickt, der Aufsatz wieder und wieder geprüft, die Kleidung hing sauber gewaschen auf der Leine. Warum nur ging immer so viel in seinem Leben schief, obwohl Jan sich eigentlich für einen fleißigen und gewissenhaften Menschen hielt. Sollte wirklich ein Fehlerteufel Schuld haben, wie der Lehrer immer sagte? Nein, so ein Quatsch, Jan war doch nicht abergläubisch, in seinem realistischen Denken war für solchen Unfug einfach kein Platz.

Am nächsten Morgen konnte er sich noch schemenhaft an einen Traum erinnern: Ein hämisch grinsendes, winziges Männchen, welches Jan bei der Arbeit auf dem Rücken saß und ständig die Ergebnisse verschlimmbesserte, ärgerte ihn. Und, ja, er konnte sich an zwei kleine Hörner auf dessen Kopf erinnern, die zwischen grünen Zottelhaaren spitz hervor traten. Jan spürte eine Wut auf diesen Wicht, der ihm das Leben so schwer machte, aufkommen – irgendjemand oder was musste doch für sein Missgeschick verantwortlich zu machen sein. ‚Den nehme ich mir vor!‘, war sein Gedanke, wusste aber nicht, wie. ‚Aber Teufel sind doch Hirngespinste von Leuten aus gruseligen Sekten. Quatsch mit Soße, war doch nur ein ganz blöder Traum.‘

Die Tage gingen vorüber, der Aufsatz blieb eine Katastrophe, seine verlorene Geldbörse hatte er abgeschrieben, das blaue Auge vom Zusammenprall beim Handballspiel war schon nicht mehr so blau, und dass er beim Online-Spielen ständig verlor – na ja, ist ja nicht so schlimm. ‚Er ist wohl halt ständig da, mein persönlicher Begleiter, hat seinen Spaß mit mir.‘ Nur Jan, der verlor bald jeden Spaß und sein ganzes Selbstvertrauen, denn einfach alles, was eben schief gehen konnte, ging schief. Seine Freunde lachten ihn nur noch aus und distanzierten sich zunehmend von ihm. „Mit Dir Blödmann und Loser wollen wir nichts mehr zu tun haben!“

‚Jetzt hat er es überspannt. Nun reicht es!‘ In ohnmächtiger Wut kam Jan der Gedanke: ‚Ich müsste es diesem Wicht von Fehlerteufel mal so richtig heimzahlen. Dann wird er mich vielleicht in Ruhe lassen… Aber wie?‘ Seine Aufgeregtheit war keine gute Voraussetzung für einen schnellen Gedankenblitz, doch nach Stunden erfolglosen Grübelns, endlich der erlösende Gedanke: ‚Oh, jetzt weiß ich…‘ Schnell ging er an die Umsetzung seines Planes.

Auf dem Monitor prangte bereits die Überschrift für ein neues Aufsatzthema: Die Entwicklung der Europäischen Sprachen während der letzten 2000 Jahre – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Oh ja, das ist wohl das passende Aufsatzthema… Dabei kann ER mir helfen, wenn er denn kann… Die Wut spornte Jan kräftig an, und so nahm seine selbst gestellte Aufgabe mittels Wikipedia, diversen Diplom- und Doktorarbeiten sowie den verschiedenen Ländereinstellungen am Computer rasch Gestalt an. Russischer Font wechselte mit Altgriechisch, Latein mit Portugiesisch, Finnisch mit Serbokroatisch. Er zog wirklich alle Register seines Könnens und pausenlos füllten sich die Seiten. Noch nie in seinem Leben widmete Jan sich einer Aufgabe mit so großer Hingabe. Dann endlich, und 173 A4-Seiten weiter, konnte er ein Stöhnen aus undefinierbarer Richtung vernehmen, welches garantiert nicht bei Jan seinen Ursprung hatte, als er gerade von Alter Deutscher Rechtschreibung auf die neue Form wechselte. Vom Fußboden ertönte ein leichtes Poltern und seine Schulter fühlte sich irgendwie erleichtert an. „Hau bloß endlich ab! Geh und besuch Deine Großmutter!“ Als er diesen Gedanken unbewusst ziemlich laut aussprach, ertönte ein Jammern, welches in seiner Intensität und nie gehörten Art Jan erschaudern ließ. „Ich, ich kann nicht mehr. Ich halt das einfach nicht mehr aus! Was, zum Teufel, ist in diesem blöden Text richtig, und was falsch… Omi, so hilf mir doch, bitte“, hörte er es schwach und weinerlich stöhnen, dann sprang krachend das Fenster auf. Danach war es wieder ruhig und Jan konnte es deutlich fühlen: Nun war er ganz allein und von seinem Plagegeist befreit. Mit einem erleichterten Gefühl ging er endlich schlafen.

Tage später:

„Nachdem ich mir Jans Aufsatz angesehen habe, kann ich feststellen, dass ihm hiermit eine besonders gute Arbeit gelungen ist. In allen Bewertungskriterien 100%. Sie haben deutliche Lernfortschritte gemacht. Jan, ich bin stolz auf Sie!“

In den folgenden Tagen und Wochen verwandelte sich Jan nahezu vollständig. War er wirklich mal dieser allerletzte Loser – dieser selbstbewusst auftretende Junge, um dessen Freundschaft alle buhlten? Einfach unvorstellbar. Auch seine Freunde nahmen an diesem Glück teil, denn was sie auch anpackten und sich vornahmen, alles klappte wie am Schnürchen. Der früher häufig verwendete Satz, „Da hast Du aber Glück gehabt“, verlor vollkommen an Bedeutung, denn diese Art von Glück war nun normal.

Nach einigen Monaten begann das Leben öde und langweilig zu werden. Früher, da konnte man sich ja noch richtig freuen, wenn man ein sich selbst gestecktes, schwieriges Ziel endlich nach harter Arbeit erreichen konnte. Weil es dieses Glücks- und Erfolgsgefühl nun nicht mehr gab, fingen die Leute an, mit sich und ihrer Arbeit nachlässig zu werden. Wer sich am Ende eines schwierigen Weges nicht mehr freuen kann, endlich am Ziel anzukommen, beginnt gar nicht erst mit der Wanderung! Und so konnte Jan spüren, wie es mit dem Leben der Leute nur so den Bach runter ging. Alle kümmerten sich nur noch um die wirklich notwendigsten Dinge. Essen und Trinken – na gut, Arbeit – bitte nicht. Selbst seinen Lehrern waren Missmut und Unlust deutlich anzusehen. Klassenarbeiten und Prüfungen waren bereits abgeschafft worden, da die Ergebnisse doch immer nur ziemlich gleichförmig ausfielen. Man dachte auch schon über Sinn und Unsinn des pädagogischen Personals nach.

Langsam bohrte sich der Gedanke in Jans Gehirn, dass er an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig sein könnte. Er dachte, wenn doch wenigstens eine verkleinerte und harmlosere Ausgabe des Fehlerteufels seinen Dienst tun würde, wäre das Leben wieder schön und lebenswert! Doch wie sollte er diesen Fehlerteufel wieder zurück bitten können, nachdem er ihn doch so sehr verärgert hatte. Und, vor allem, wie könnte er mit ihm Verbindung aufnehmen… Mit seinem Mailprogramm verfasste er diverse Bittschriften, die er an selbst erdachte, mit dem Fehlerteufel eventuell in Zusammenhang zu bringende Mailadressen schickte. In diversen Suchprogrammen war ernsthaft an keine passende Information zu kommen, außer Verweise zu kindgerechten Inhalten. Er schalt sich ja selbst einen Narren, aber es war doch schon sehr eigenartig, dass niemals eine Fehlermeldung des Providers zurück kam und scheinbar alles richtig zugestellt wurde…

Dann, an einem Nachmittag nach der Schule, fiel ihm beim Betreten seines Zimmers auf, dass das morgens fest verschlossene Fenster geöffnet war. Auch war sein Bett vorzüglich aufgeräumt. Da seine Mutter ihn in seinem Zimmer für gewöhnlich schalten und walten ließ, es eigentlich auch sehr selten betrat, und er es für gewöhnlich morgens nicht schaffte, noch für Ordnung zu sorgen, war er schon ein wenig erstaunt. Als das Fenster dann geschlossen war, bemerkte er anhand der Lüftergeräusche, dass sein PC lief. Allerdings hatte sich der Bildschirm abgeschalten. Die dann wieder erwachte Leuchtkraft der Bildröhre erweckte seine ganze Aufmerksamkeit. Ihm fiel ein in roten, fetten Buchstaben verfasster Text auf:

Hallo Jan!

Bitte verzeihe mir, dass ich Dich in den letzten Jahren so sehr geärgert habe. Ich sehe ein, ich habe großen Schaden unter die Menschen gebracht und mich fehlerhaft verhalten. Meine Großeltern haben mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass mir, falls ich mich nicht bald ändern würde, ein Einsatz im Innendienst in der „Antragsstelle auf Genehmigung eines Antrags zur umweltgerechten Beseitigung alten Bratenöls“ droht. Ich sehe ja ein, ich habe großen Mist gebaut, will nun aber alles besser machen. Falls Du mich wieder haben möchtest, werde ich Dir auch einen Deiner allerliebsten Wünsche erfüllen! (Ich kenne ja alle Deine Träume. Die zu erfahren, damit vertreibe ich mir immer die langweilige Zeit in der Nacht. Entschuldigung.) Wenn Du jetzt das Fenster wieder öffnest, so soll es mir das Signal sein, gleich wieder zu verschwinden.

Liebe Grüße,

Dein Fehlerteufel Markmurx jun.

Endlich gab es mal wieder einen richtigen Grund zur Freude! Und das seit wirklich langer Zeit! Natürlich blieb das Fenster zu und ich war gespannt darauf, wie sich das Leben in den folgenden Tagen für mich entwickeln würde. In Erwartung dessen schlief ich abends ein.

Auf dem Weg zur Berufsschule:

„Guten Morgen, Jan.“

„Morgen, Markus.“

Markus! Der, der mich mit seinem hübschen Engelsgesicht, den langen schwarzen Haaren und den großen Mandelaugen immer um den Verstand brachte. Und der, dessen Gestalt mir unruhige Träume bescherte. Der, in den ich mich schon im Kindergarten verliebt hatte, und dem ich immer nur hinterher schmachtete, weil ich, um ihn mal direkt anzusprechen, viel zu schüchtern war. „Du, Jan, sag mal, hast Du nicht Lust, mal etwas mit mir am Nachmittag zu unternehmen? Du hast mich doch nun schon so viele Jahre immer nur angeschaut, genau wie ich Dich…“

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Information Ewigkeit
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:16 AM - No Replies

Eilig rannte Damien durch die Straßen, ohne sich umzusehen. Er hasste die Dunkelheit, mehr sogar als den Tod …schlimmer noch …er hatte unsägliche Angst vor der Dunkelheit. Und die paar Straßenlaternen, die nicht allzu viel Licht abgaben, konnten ihm seine Angst nicht nehmen.

Normalerweise ging Damien niemals um diese Zeit auf die Straße, doch diesmal musste es sein, denn ein guter Freund, von ihm, hatte ihn um einen Gefallen gebeten und Damien war, nachdem ihm seine Ausreden ausgegangen waren, doch zu seinem Freund gegangen.

Eigentlich waren es nur dreißig Minuten Fußweg, doch Damien kamen diese dreißig Minuten wie Stunden, anstatt Minuten, vor. Immer wieder sah er sich um, doch da war niemand. Er blieb stehen, lehnte sich an eine Häuserwand an und atmete tief ein und aus.

Die Angst saß in jeder Faser seines Körpers. Er schüttelte heftig den Kopf und hämmerte gegen seine Schläfen. Doch es half ihm nichts. Die Angst blieb. Schließlich lief er schnell weiter, denn er wollte so schnell wie irgend möglich nach Hause.

„Es wird dir nichts passieren, glaub mir.”, hatte sein Freund Randir noch gesagt.

Ja, ja, der hat gut reden. Er ist ja auch zu Hause und muss nicht weg, dachte Damien, sich noch immer umsehend.

*-*-*

Randir und er waren jetzt zwanzig Jahre alt und seit je her die besten Freunde. Es war sozusagen eine „Sandkastenfreundschaft”, dann gingen beide auch in dieselbe Schule und auch in die selbe Klasse.

Randir hatte Damien immer vor prügelnden Klassenkameraden gerettet und Damien hatte Randir dafür Nachhilfestunden in verschiedenen Unterrichtsfächern gegeben. So hatten sich beide immer irgendwie ergänzt.

*-*-*

Nur noch ein paar Meter, dann hätte es Damien geschafft und könnte endlich sein Zuhause betreten. Immer wieder redete er sich ein, dass er keine Angst zu haben brauchte… doch auch das half ihm leider nicht.

Als er sich wiederum umdrehte und dann weiterlief… ging es nicht weiter… war er etwa an einen Laternenpfahl gelaufen? Au man, warum musste immer ihm so was passieren…? Er drehte sich wieder nach vorn um und konnte nicht zu Ende denken, denn vor ihm hatte sich jemand gestellt, den er nicht kannte.

Na, das war’s ja dann …jetzt rutschte Damien beinahe das Herz in die Hose …während er jetzt immer weiter rückwärts lief. Denn dieser Fremde, vor ihm, vom Mondlicht geheimnisvoll umhüllt, machte ihm Angst.

Ganz plötzlich blieb er stehen und konnte sich, warum auch immer, nicht mehr bewegen. Jedoch bewegte sich der Fremde auf ihn zu und Damiens Angst hatte beinahe ihren absoluten Höhepunkt erreicht.

Wäre doch jetzt Randir bei mir, dachte Damien noch, als der Fremde zu reden begann.

„Guten Abend!”, grüßte der Fremde.

„Du brauchst keine Angst zu haben, Damien. Ich werde dir keinen Schaden zufügen. Das verspreche ich dir”, fügte er hinzu.

Damien glaubte sich erhört zu haben, wieso und woher wusste DER da, vor ihm, wer er war? Langsam glaubte Damien seinen Verstand zu verlieren. Das konnte doch nur eine Halluzination sein …ja , es war sicherlich eine Sinnestäuschung. Etwas anderes konnte er sich nicht vorstellen.

„Wer bist du, verdammt noch mal?! Und woher kennst du meinen Namen?!”, fragte Damien und versuchte verzweifelt seine Angst in den Griff zu bekommen.

„Woher ich deinen Namen kenne, spielt jetzt keine Rolle. Ich wollte dich lediglich kennen lernen. Das ist auch schon alles. Übrigens, mein Name ist, Raven. Und wenn du dich von deiner Angst befreit hast und mit mir reden möchtest, dann rufe mich bei meinem Namen und ich werde bei dir sein…”, mit diesen Worten verschwand der geheimnisvolle Fremde, der sich Raven nannte, wieder.

Endlich, Damien konnte sich nun wieder bewegen und rannte jetzt schneller, als der Wind, zu seinem Haus. Eilig schloss er die Haustür auf, lief hinein und schloss die Haustür sehr sorgfältig wieder ab. Erst jetzt fühlte er sich wieder wohl und sicher.

Nachdem er seine Jacke irgendwo in eine Ecke geworfen hatte, ging er zum Telefon und wählte die Nummer seines Freundes Randir. Freizeichen …und endlich meldete sich Randir.

„Ja, bitte?”

„Randir? Hier ist Damien. Ich bin einigermaßen gut heim gekommen.”, erwiderte Damien.

„Na, siehst du. Ich hab dir doch gesagt, dass dir nichts passiert.”

„Ja, aber ich hatte trotzdem Angst. Und dann ist mir doch glatt so ein Kerl, mit Namen Raven, begegnet. Ich sag dir, der war bleich wie eine Kalkwand, aber er sah trotzdem sehr hübsch aus. Randir, so was hast du noch nicht gesehen.”, fing Damien, ohne es wirklich zu merken, an zu schwärmen.

„Damien? Ist alles okay mit dir? Hast du unterwegs noch was getrunken, oder so?”, fragte Randir nur ungläubig.

„Nein, wieso. Ich bin stocknüchtern.”

„Man Alter, hast du dir eben mal zugehört? Hallo… du hast von einem Kerl geschwärmt. Sag mal, bist du jetzt schwul geworden, Dam?”

Jetzt fiel es Damien auch auf.

„Ähm, na ja, so war das gar nicht gemeint, ich hab mich nur verkehrt ausgedrückt…”

Bloß gut, dass ihn jetzt niemand sehen konnte, denn sein Gesicht war puterrot angelaufen und er schämte sich fast zu Tode.

„Na, das hörte sich aber eben ganz anders an.”, bohrte Randir weiter, „und wenn schon, meinst du wirklich, dass es unserer Freundschaft abträglich wäre, wenn du schwul bist? Das kannst du vergessen. Du weißt doch ganz genau, dass ich immer zu dir stehe, egal was passiert. So, und nun spann mich nicht auf die Folter: Was hat er gesagt? Wie genau sah er aus?”

„Eigentlich nichts weiter. Er meinte nur, dass er mir keinen Schaden zufügen würde und ich keine Angst zu haben brauche. Tja… und dass er mich lediglich kennen lernen wollte. Und eben, dass er Raven heißt. Aber das merkwürdigste war, dass er meinen Namen kannte. Das war schon mehr als unheimlich, sag ich dir. Wie er aussah …na ja, er war eigentlich ganz normal mit Jeans und einem T-Shirt bekleidet, aber er war blass wie eine Wand. Er hatte schwarze kurze Haare und er war schon unheimlich hübsch …und er war ziemlich groß und schlank. Das war alles was ich, trotz meiner Angst, sehen konnte.”, erzählte Damien seinem Freund.

„Sag mal, hattest du denn gar keine Angst?”, wollte Randir nun wissen und hatte seinem Freund anscheinend nicht wirklich gut zugehört.

„Hab ich dir doch schon gesagt… du kennst mich doch. Ich hab gezittert, wie Espenlaub. Eben wie immer, wenn ich was nicht kenne.”

„Schon gut, mein Alter, ich geh jetzt ins Bett. Wir sehen uns. Mach es gut und schlaf gut. Bye, bye.”

„Okay, schlaf du auch gut, Randir. Bye, bye.”, dann legten beide auf und Damien saß noch sehr lange in dem Sessel am Kamin und dachte über alles nach…

Was hatte Randir gesagt? Ob er sich wirklich für das andere „Ufer” entschieden hatte? Zugegeben dieser Raven hatte etwas Reizvolles an sich. Und irgendwie zog er ihn magisch an, doch sein ganzer Körper warnte ihn vor Raven.

Nur das „Warum“ …konnte er sich nicht erklären. Diese unnatürliche Blässe war schon etwas beängstigend. Damien war der geborene Realist, deshalb las er niemals Phantasiegeschichten, oder andere Bücher, die von unnatürlichen Ereignissen oder Wesen berichteten. Denn er glaubte an solche „Sachen” nicht.

Natürlich hatte er schon von einigen übernatürlichen Wesen, durch Randir, gehört. Aber er hatte ihn immer nur belächelt. Eigentlich war Damien zum Umfallen müde, aber er wollte jetzt Antworten und probierte jetzt einfach mal das aus, was ihm Raven gesagt hatte.

Dabei war er sich ziemlich sicher, dass das eh nicht funktionieren würde…

„Raven!”, rief Damien so laut, so dass er sich beinahe, vor seiner eigenen Stimme, erschreckt hätte.

„Ich bin hier. Du brauchst nicht so zu schreien, Damien.”, ertönte eine Stimme und Damien sah sich erschrocken um.

Dann sah er auch schon Raven vor sich stehen. Schnell sprang Damien von seinem Sessel auf, stellte sich hinter den Sessel und sah Raven skeptisch an. Raven blieb genau da stehen, wo er erschienen war.

„Du hast mich gerufen, hier bin ich. Was willst du?”

„Nun, ich möchte ein paar Antworten. Erst mal will ich wissen, warum du gerade mich kennen lernen wolltest. Dann möchte ich noch wissen, was genau du von MIR willst und warum du so einfach hier in meinem Haus erscheinen kannst?”, erwiderte Damien fragend.

„Diese Fragen kann ich dir jetzt noch nicht beantworten, denn du bist noch nicht reif dafür. Du bist noch zu sehr an deine Realität gebunden. Du würdest nicht glauben, was ich dir erzähle.”

„Ist das so?! Woher willst du das alles überhaupt wissen? Du bist doch nicht etwa ein Hellseher, oder so etwas Ähnliches?”, fragte Damien nun, etwas ironisch.

„Nein, ich bin kein Hellseher. Aber mehr möchte ich dir jetzt nicht sagen, denn du bist mir zu ironisch und ich habe das Gefühl, du machst dich über mich lustig. Deshalb werde ich dich jetzt wieder verlassen.”

Schon war Raven wieder verschwunden… als hätte ihn der Erdboden verschluckt.

Todmüde, aber immer noch grübelnd, ging Damien ins Bad. Er badete, dann trocknete er sich ab und ging ins Schlafzimmer, wo er sich aus dem Schrank frische Boxershorts, ein T-Shirt und Socken herausholte und sich sogleich anzog.

Ja, Damien schlief immer mit Socken, denn er fror sehr schnell. Dann ging er zu Bett und schlief, mit einem Gedanken an Raven, ein. Was er jedoch, während er schlief, träumte ließ ihn schweißgebadet wieder erwachen.

Er setzte sich, in seinem Bett auf und blickte sich vorerst um. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es viertel vor vier war. Warum verfolgte Raven ihn auch noch in seine Träume? Was konnte er von ihm wollen?

Er stand auf, lief in die Küche und nahm sich ein Glas Wasser, das er sofort austrank. Die Flasche Wasser nahm er mit sich und auch das Glas, dann ging er ins Wohnzimmer, schaltete das Fernsehen an, setzte sich auf das Sofa und hüllte sich in eine flauschige Decke ein.

Die Dokumentation, im Fernsehen, sah er eigentlich nicht, denn seine Gedanken kreisten um Raven und was er von ihm wollen konnte. Und warum hatte er von Raven geträumt? Hatte Randir vielleicht doch recht, mit dem was er gesagt hatte?

War er – Damien – wirklich Männern zugetan? Er wusste es nicht, denn er hatte bis dahin noch nie eine Freundin oder einen Freund, in der Art, gehabt. Sein einziger Freund war Randir, aber er war mit ihm nicht in der Art und Weise, was man Liebe nannte, zusammen.

Sie waren eben nur Freunde. Randir war seine Familie, sein Freund …einfach alles. Somit wusste Damien nicht wie sich Liebe anfühlte… wie es sich anfühlte, wenn man jemanden liebte oder verliebt war.

Den Fernseher anstarrend… mehr hindurchsehend… schlief Damien endlich wieder ein. Sehr unsanft wurde Damien, durch das Läuten des Telefons, geweckt. Er schreckte hoch, sprang vom Sofa auf, hastete zum Telefon und griff nach dem Hörer.

„Ja, bitte?”, meldete er sich.

„Dam? Hier ist Randir. Na du, hast du gut geschlafen?”

„Ach, du bist es, Randir. Na ja, es geht so. Was ist denn los? Kann ich dir helfen?”

„Nein, Dam. Ich wollte dich nur fragen, ob du nicht nachher zu mir kommen magst, dann können wir beide doch mal wieder was unternehmen oder wenn du magst, können wir auch nur reden. Oder hey, ich könnte auch zu dir kommen, wenn dir das lieber ist.”, schlug Randir Damien vor.

„Okay, du kannst gern zu mir kommen. Ich würde mich eh gern mal mit dir unterhalten.”

„Gut, dann bis nachher. Ist dir 14 Uhr recht?”, fragte Randir noch mal nach.

„Gern. Ich freu mich auf dich. Bye, bye.”, antwortete Damien.

„Bye, bye, Dam.”, verabschiedete sich Randir noch, dann legten beide auf und Damien ging ins Bad, wo er duschte und sich danach im Schlafzimmer anzog.

Aber er war nicht allein in seinem Haus, denn während der Nacht hatte sich ein Einbrecher Zutritt, zu Damiens Haus verschafft. Noch ahnte Damien nicht, was ihn erwartete. Doch als er das Schlafzimmer wieder verließ, vernahm er Geräusche, die von der Bibliothek her kommen mussten. Denn die Geräusche waren sehr laut und somit unüberhörbar.

*-*-*

Damien war sehr reich. Er hatte ein riesiges Vermögen von seinen Eltern geerbt, nachdem diese bei einem Flugzeugabsturz vor zwei Jahren, ums Leben gekommen waren. Seine Eltern hatten ihren Sohn sehr geliebt und Damien hatte sie geliebt, umso mehr hatte es ihn getroffen, als beide starben.

Nach einer langen Zeit der Trauer, viel Hilfe und Trost von Randir, hatte er sich entschlossen, in dem Haus wohnen zu bleiben, obgleich ihn hier alles an seine Eltern erinnerte.

*-*-*

Langsam verließ Damien das Schlafzimmer und schlich zur Bibliothek. Obwohl er sehr große Angst hatte, wollte er doch sein Eigentum schützen und betrat vorsichtig die Bibliothek. Nach wenigen Metern konnte er sehen, wie sich der Einbrecher an dem Tresor zu schaffen machte, den er jedoch nicht öffnen konnte.

Mit einem Baseballschläger bewaffnet, den er einst von Randir bekommen hatte, schlich er sich an den Räuber heran und wollte ihm eben den Baseballschläger über den Kopf ziehen, als sich der Räuber umdrehte und aufstand.

Nun war Damien, mit einer Größe von einem Meter Fünfundsiebzig, nicht grade sehr groß und als dann der Räuber auch noch aufgestanden war, wäre Damien am Liebsten davongelaufen. Aber er lief jetzt eben nicht davon, sondern stand, mit erhobenem Schläger, vor dem Räuber.

Doch der Dieb hatte leichtes Spiel mit Damien. Denn Damien war starr vor Angst. Der Einbrecher nahm ihm den Schläger aus der Hand und schlug damit mehrmals auf Damien ein, bis er reglos, blutend und dem Tode nahe, liegen blieb.

Danach wollte der Einbrecher die Villa verlassen, doch wurde er aufgehalten. Raven stellte sich dem Räuber in den Weg und schlug ihm den Baseballschläger aus der Hand. Dann griff Raven den Einbrecher an, labte sich dann an dessen Blut und verbrannte ihn anschließend mit einem magischen Feuer.

Schnell begab sich Raven zu Damien, den er reglos und beinahe leblos auf der Erde liegend vorfand.

„Verdammt,”, fluchte er leise: „wäre ich doch nur hier geblieben…”

Vorsichtig hob er Damien hoch und brachte ihn ins Schlafzimmer, wo er ihn auf das Bett legte. Jetzt musste schnell etwas geschehen, wenn er Damien retten wollte. Er beugte sich über Damien, fletschte die Zähne und saugte ihm das Blut aus den Adern.

Mit seiner Zunge schloss er die Wunde an Damiens Hals wieder und ritzte sich anschließend die Pulsader, am Handgelenk auf. Mit ein ganz klein wenig Gewalt, öffnete Raven Damiens Mund und träufelte ihm sein Blut in den Mund hinein.

Zwischen Leben und Tod schwebend, schluckte Damien, instinktiv, die ihm verabreichte Flüssigkeit, konnte er doch nicht wissen, dass es sich dabei um Blut handelte. Hoffnungsvoll wartete Raven nun, was passieren und ob Damien wieder zu Bewusstsein kommen würde. Währenddessen strich Raven sanft über Damiens lange schwarze Haare.

„Bitte, Damien, kämpfe… und komm zurück… bitte, komm zu mir zurück.“, bat Raven flüsternd.

Doch Damien war kein Kämpfer. Er hatte sich eigentlich schon längst aufgegeben. Irgendetwas in ihm begann nun aber doch zu kämpfen und wollte nicht sterben. Aber auch Raven war nicht bereit Damien dem Tod zu überlassen.

„Damien, komm schon, wach auf. Du musst kämpfen, hörst du. Ich werde dich nicht aufgeben. Das kann ich dir versprechen.”, flehte Raven leise.

Ravens Blut hatte bereits angefangen zu wirken und begann Damiens Körper zu heilen. Ganz langsam kam Damien, nach einer Weile, wieder zu sich. Damiens Augen öffneten sich und wollten sich schon wieder schließen, als er Ravens Stimme hörte

„Nein, Damien, komm bleib bei mir. Du darfst deine Augen jetzt nicht wieder schließen.”

Erst jetzt bekam Damien mit, dass sich jemand bei ihm befand. Schnell öffnete er seine Augen und sah Raven sehr erstaunt an. Leise fragte Damien:

„Raven! Warum bist du hier? Was ist denn nur passiert?”

Vorsichtig legte Raven seinen Zeigefinger auf Damiens Mund.

„Schhh…. ruhig, Damien, du darfst jetzt nicht reden. Es ist alles in Ordnung und du wirst wieder gesund.”

Ein wenig lächelte Damien Raven an, denn langsam begann sich Damien zu erinnern, was passiert war.

„Da war doch ein Einbrecher …wo ist der hin? Er hat doch …”

„Ja, er hat dich niedergeschlagen. Aber er hat seine Strafe schon bekommen. Er wird dir nichts mehr antun können. Und dir ist nichts weiter passiert.”

„Hast du mich gerettet, Raven?”, wollte Damien wissen.

„Nur ein wenig. Es war nicht der Rede wert. Bitte, mach dir k….”, Raven wollte noch etwas sagen, als es an der Haustür zu läuten begann.

Damien wollte sich erheben, doch fiel es ihm noch etwas schwer.

„Das ist sicher mein Freund Randir.”, sprach Damien, als Raven ihm hoch half und ihn zur Tür brachte.

Dann verschwand Raven wieder und Damien stand allein an der Tür… Damien öffnete die Tür und sah seinen Freund vor sich stehen, der erst Mal einen tüchtigen Schreck bekam. Randir sah seinen Freund, mit großen Augen an.

„Dam, wie siehst du denn aus?! Was ist denn mit dir passiert?! Komm, ich helfe dir.”, bot Randir seinem Freund an.

Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer, wo Randir seinen Freund auf das Sofa legte. Er setzte sich neben Damien auf den Sofarand und sah seinen Freund an.

„Was ist denn passiert? Du bist ja so blass, wie weiße Farbe …beinahe wie ein Geist.”

„Ich weiß nicht was passiert ist. Ich weiß nur, dass ein Einbrecher hier war und ich ihn überraschte. Dann schlug er mich nieder und irgendwie hat mich Raven gerettet. Ich glaub sonst wäre ich jetzt tot.”, erzählte Damien seinem Freund.

„Aber, wo ist Raven denn jetzt? Ich möchte ihm danken, dass er dich gerettet hat …falls er nicht nur eine Einbildung von dir ist.”, sprach Randir und befühlte Damiens Stirn.

„Du glühst ja! Warte, ich hole dir eine kalte Kompresse.”, bot Randir seinem Freund an und lief sogleich in die Küche, an die Tiefkühltruhe, wo er solch eine Kompresse fand und diese der Truhe entnahm.

Er wickelte die Kompresse in ein Handtuch ein, brachte diese dann zu Damien und legte sie auf dessen Stirn. Die Kälte tat Damien gut und er schloss ein wenig die Augen.

Sich vor das Sofa kniend sah ihn Randir an.

„Dam, kann ich noch etwas für dich tun? Ich bleib auch ein wenig bei dir, wenn du magst.”, bot Randir seinem Freund an.

*-*-*

Randir nannte Damien immer Dam …schon vor je her.

*-*-*

„Nein, Randir, ich brauche jetzt nichts weiter. Aber ich danke dir.”, erwiderte Damien ein wenig nachdenklich.

Randir umarmte seinen Freund. Währenddessen fühlte Damien eine unbekannte Lust …einen Hunger nach irgendetwas …er wusste nur nicht wonach. Aber er hörte und spürte plötzlich Randirs Herz schlagen …die Halsschlagader schien deutlich hervorzutreten…

Beinahe wie eine Einladung. Was war das? Er hatte so etwas doch sonst nie so gespürt. Damien ergriff die Panik. Er sprang auf, stieß Randir von sich und rannte, so schnell es ging, davon …irgendwohin… nur weg von hier…

Randir konnte sich das nicht erklären und stand, nachdem er sich erhoben hatte, völlig verwirrt mitten im Raum. Was konnte denn nur mit Damien passiert sein …was war mit ihm los? Der Freund konnte sich keinen Reim darauf machen und folgte Damien.

Doch er konnte ihn zunächst nicht finden… Damien war aus dem Haus gelaufen. Er wusste nicht mehr wohin er eigentlich lief oder laufen wollte… sollte, wie auch immer. Aber irgendwann blieb er erschöpft stehen und ließ sich vollkommen entkräftet auf das Pflaster der Straße fallen.

„Na, du hast wohl schon mitbekommen, dass etwas mit dir nicht stimmt, hm.”, ertönte hinter Damien plötzlich eine, ihm sehr bekannte, Stimme und als Damien sich umdrehte, sah er tatsächlich Raven vor sich stehen.

Mit letzter Kraft sprang er auf und giftete seinen „Retter” teils wütend, teils verzweifelt an.

„Was hast du mit mir gemacht?! Was hast du mir angetan?!”

„Beruhige dich, Damien. Ich werde dir erklären, was mit dir los ist, okay. Als ich dich fand, warst du mehr tot als lebendig. Ich wollte dich retten und dich nicht dem Tod überlassen. Denn es hätte nicht mehr viel gefehlt und es wäre zu spät gewesen. Deshalb machte ich dich zu einem Vampir. Ja Damien, du bist jetzt ein Vampir. Du wurdest praktisch neu geboren. Und du wirst dich von nun an vom Blut der Menschen ernähren müssen. Du hast sicher schon bemerkt, dass du einen besonderen Hunger hast. Dieser Hunger entsteht, wenn dein Körper nach dem Blut der Lebenden …der Sterblichen verlangt. Denn du, Damien, bist nun unsterblich, aber hab keine Angst, ich werde dir zur Seite stehen und dir alles beibringen, was du wissen musst. Ich werde sozusagen sein Lehrmeister sein…”, erläuterte Raven ruhig.

„Du lügst doch! Es gibt gar keine Vampire! Also erzähle mir keine Märchen! Denn ich bin kein kleines Kind mehr, klar!”

Damien wurde nun, zum ersten Mal in seinem Leben, richtig wütend.

„Ich kann dich nicht belügen. Denn ich bin ebenfalls ein Vampir. Und du brauchst auch nicht wütend auf mich zu sein. Denn ohne mich wärst du jetzt tot.”, erwiderte Raven mit ruhiger Stimme.

Damien wollte noch etwas erwidern, als Randir die Beiden fand. Er war seinem Freund irgendwie gefolgt, denn er hatte sich Sorgen um Damien gemacht und ihn deshalb gesucht. Vorsichtig ging er auf Damien zu und sah auch Raven bei seinem Freund stehen, den er als erstes begrüßte.

„Hallo, du musst Raven sein. Ich bin Randir, Dams Freund. Er hat mir schon von dir erzählt. Ich möchte mich bei dir bedanken, dass du meinen Freund Damien gerettet hast.” und reichte Raven höflich die Hand.

Raven nahm Randirs Hand an, schüttelte diese leicht und entgegnete nickend.

„Das habe ich gern getan.”

Nachdem sich die Hände von Raven und Randir wieder gelöst hatten, sah Randir seinen Freund an:

„Was ist los, Dam?”, fragte Randir seinen Freund.

Denn er sah wohl, dass Damien verärgert war. Doch Damien antwortete nicht. Er sah auch Randir nicht an. Er sah nur zu Raven und wusste nicht, ob er glauben sollte, was dieser ihm erzählt hatte.

„Dam? Ist alles okay mit dir?”, fragte Randir seinen Freund noch einmal.

Aber auch diesmal bekam er keine Antwort von ihm. Stattdessen drehte sich Damien um und lief wieder davon. Er musste nachdenken, doch es schien beinahe so, als wollte er vor sich selbst weglaufen.

Randir wollte seinem Freund abermals folgen, aber Raven hielt ihn nun zurück und erklärte.

„Warte, Randir. Lass ihn laufen, er kommt von allein wieder. Weißt du, er hat gerade etwas erfahren, worüber er sich klarwerden muss. Lass ihm etwas Zeit.”

„Aber ich muss ihm doch helfen. Ich habe ihm immer geholfen. Woher willst DU überhaupt wissen, was für Damien gut ist?! Ich kenne meinen Freund schon seit einer halben Ewigkeit und ich weiß ganz genau, dass er mich braucht!”, beharrte Randir auf seiner Meinung, die er, lauter als gewohnt, kundtat.

„Nein, lass ihn. Er hat sich sehr verändert. Du wirst jetzt nicht mit ihm reden können. Ich werde mich jetzt um ihn kümmern, okay”, antwortete Raven mit sanfter Stimme.

Randir überlegte ein wenig, doch dann nickte er zustimmend.

„Ich denke, du hast recht, Raven. Vielleicht sollte ich ihn jetzt wirklich in Ruhe lassen.”, sprach er noch und ging, mit gesenktem Kopf und etwas enttäuscht nach Hause.

Ohne größere Probleme spürte Raven Damien auf und war, im gleichen Moment, auch schon bei ihm. Damien saß, zusammengekauert, irgendwo in einem Park, auf einer Wiese und wusste nicht was er denken sollte, als Raven ihn ansprach.

„Damien, jetzt hör mir mal zu! Du kannst nicht davonlaufen …verdammt, du kannst vor dir nicht davonlaufen. Das wirst du nicht schaffen. Ergib dich in dein Schicksal und sei dankbar, dass du noch „lebst“.”

Jetzt blickte Damien auf und sah Raven an, der mit verschränkten Armen vor ihm stand.

„Lass mich in Ruhe!”, motzte Damien Raven an.

„Nein, verdammt noch mal, ich werde dich nicht in Ruhe lassen!”, entgegnete Raven mit nun etwas lauterer Stimme, denn ihn nervte es jetzt langsam, dass sich Damien derart uneinsichtig und undankbar verhielt.

Nach diesen Worten von Raven sprang Damien auf und sah Raven noch etwas wütender an, während er ihn anschrie.

„Was willst du von mir?! Warum ich?! Was soll das alles?! Ich verstehe das nicht!”

„Damien, was passiert ist, tut mir Leid. Ich wollte dich lediglich retten. Aber wie mir scheint willst du wirklich lieber sterben. Dann tu was du willst. Ich habe keine Lust mehr mich von dir verbal angreifen zu lassen. Aber komm nicht bei mir angekrochen, wenn es dir schlecht geht.”

Mit diesen Worten verschwand Raven und ließ Damien allein zurück. Nun war Damien ganz allein. Niemand war für ihn da. Niemand stand ihm jetzt bei und niemand war da, um mit ihm zu reden und ihm alles zu erklären.

Dachte Damien doch nicht daran, dass er sich falsch verhalten und Raven damit in die Flucht geschlagen hatte. Er war einfach nur verwirrt. Traurig und einsam ging Damien nach Hause. Er schloss sich ein und legte sich auf das Sofa, in der Wohnstube.

Weinend suchte er nach Antworten, doch er bekam keine Antworten. Schließlich stand er wieder auf, ging hinunter in die Küche und entnahm dem Messerblock ein großes scharfes Messer. Damit bewaffnet ging er langsam wieder ins Wohnzimmer, setzte sich auf das Sofa und sah auf das Messer in seiner Hand.

Wie im Trance setzte er das Messer an sein Handgelenk an und ritzte sich damit die Haut, vorerst nur ein wenig, auf. Doch wie erstaunt war er, als der Schnitt schneller wieder verheilte, als dies normalerweise der Fall war.

Und noch einmal …und noch einmal versuchte er es, mit immer tieferen Schnitten. Natürlich taten ihm diese Schnitte höllisch weh, dennoch überwog die Neugier. Immer wieder verheilte der Schnitt sehr schnell.

Hatte Raven etwa doch nicht gelogen? Aber Damien glaubte nicht an Vampire. Er hatte nie an so etwas geglaubt. Schließlich setzte er das Messer erneut an, aber diesmal nicht am Handgelenk, sondern am Hals…!!!

Mit einem lauten „NEIN!”, schlug Raven das Messer aus der Hand seines Schützlings. Dann hielt er ihn an den Handgelenken fest und sah Damien in die Augen …in seine wunderschönen braunen Augen… in denen er sich verlieren würde, wenn er nicht aufpasste.

„Sag mal, was ist los mit dir? Warum willst du dich umbringen? Los, antworte!” wurde Raven nun doch langsam zornig.

Damien ließ seinen Kopf hängen, Tränen füllten seine Augen und tropften leise zu Boden. Vorsichtig schob Raven seinen Zeigefinger unter Damiens Kinn, nachdem er seine Handgelenke losgelassen hatte, und hob Damiens Kopf ein wenig hoch. Mit dem Kopf schüttelnd sah er Damien an.

„Warum weinst du jetzt …hm? Du hast doch gar keinen Grund zu weinen.”, sprach Raven mitfühlend und lächelte Damien nun ein wenig an.

Doch Damien antwortete nicht. Er sah Raven nur traurig an. Aber Raven zog seinen hübschen Schützling, an der Hand, hoch und verließ anschließend mit ihm das Zimmer und auch die Villa. Damien sträubte sich etwas, weil er nicht wusste, wohin Raven mit ihm gehen wollte. Doch jetzt ließ sich Raven nicht erweichen, denn er wollte ihn, verdammt noch mal, nicht verlieren.

Es war eine schöne laue Sommernacht und Raven ging gemeinsam mit Damien durch die Straßen, nachdem sich Damien ein wenig beruhigt hatte, und hatte sich schon ein Opfer ausgesucht. Dieses Opfer wurde in eine dunkle Gasse gelockt.

Raven bannte das Opfer und zeigte Damien, wie sich ein Vampir ernähren musste.

*-*-*

So hatte er es auch mit Damien getan, als er ihn das erste Mal getroffen hatte. Denn eigentlich sollte Damien seine nächste Mahlzeit werden… doch dann spürte er etwas in sich, das er nie für möglich gehalten hätte.

Damien ließ, in dem Vampir Gefühle erwachen, die er nicht kannte, die er jedoch ergründen wollte. Er war sich sicher, dass Damien der Schlüssel zu diesen seltsamen Gefühlen war.

*-*-*

Damien war zwar ein wenig erschrocken und, was er sah, ekelte ihn etwas an, aber er sah Raven dennoch interessiert zu. Nachdem Raven seine Mahlzeit beendet hatte, fragte Damien: „Und das kann ich auch?”

„Ja, wenn du es versuchst, kannst du das auch. Du musst dich nur überwinden”, erklärte Raven seinem „Schüler“.

Damien nickte und Raven ließ die Leiche in Flammen aufgehen. Wieder gingen beide auf die Straße und suchten ein Opfer für Damien. Schon bald war eines gefunden und wieder wurde dieses Opfer in die dunkle Gasse gelockt.

Obwohl Damien nicht wusste, wie er das Opfer bannen musste, tat er es instinktiv. Sodann machte er sich langsam, und mit einigen Selbstzweifeln, an das Opfer heran. Intuitiv spürte er die Schlagader, am Hals, auf und biss hinein.

Jetzt hatte der Vampir, in ihm, die Kontrolle übernommen und Damien trank gierig das Blut des Opfers. Nachdem Damien damit fertig war, lobte Raven seinen Schüler und ließ den Körper dieses Opfers ebenfalls in Flammen aufgehen.

„Das hast du gut gemacht, Damien. Und du hast nicht einen Tropfen vergossen. Sehr gut”, fügte Raven lobend hinzu.

Damien merkte, dass es ihm nunmehr sehr viel besser ging. Jetzt konnte Damien schon ein wenig lächeln und er lächelte Raven an. Damiens braune Augen begannen zu glänzen.

Und Raven freute sich sehr, als er dies sah. Aber er nahm sich zusammen, denn auch er hatte Angst vor diesen Gefühlen die, wie hungrige Wölfe, an ihm nagten.

„Damien, ich denke du kommst jetzt ganz gut zurecht, ich werde dich einstweilen verlassen, aber wir sehen uns bald wieder.”

Aber Damien, wollte nicht, dass sich Raven gerade jetzt verkrümelte.

„Bitte, lass mich jetzt nicht schon wieder allein, Raven. Ich bitte dich.”

Noch nie hatte Damien jemanden gebeten bei ihm zu bleiben, aber nun …er wusste auch nicht warum er dies tat, aber er wollte Raven jetzt einfach bei sich haben. Zeitgleich ergriff Damien Ravens Hand und sah ihn mit seinen braunen Augen, bittend …beinahe flehend… an.

Jedoch konnte Raven jetzt nicht bei Damien bleiben, auch wenn er dieser Bitte gern nachgekommen wäre. Doch er wusste nicht, wie lange er sich noch zurückhalten und diesen Gefühlen widerstehen konnte.

Denn tief in seinem Innern spürte er die tiefe Liebe, die er für Damien empfand, doch wollte er seinen Schützling nicht erschrecken oder gar bedrängen.

„Nein, Damien, ich kann jetzt nicht bei dir bleiben. Es tut mir Leid.”

Damit war Raven schon wieder verschwunden, ohne dass es Damien hätte verhindern können.

„Aber…”

Damien wollte noch etwas erwidern, allein… Raven war schon weg. Traurig, aber auch irgendwie glücklich lief Damien wieder nach Hause. Das heißt, eigentlich wollte er nach Hause gehen, machte dann aber doch eine Kehrtwendung und stattete Randir einen Besuch ab.

Er läutete an der Haustür und nur wenig später öffnete ihm sein Freund die Tür.

„Hey Dam, komm doch rein!”, freute sich Randir.

Mit strahlenden Augen betrat Damien das Haus. Auch Randir entging dieser Glanz in Damiens Augen nicht und er fragte ihn, während beide ins Wohnzimmer gingen.

„Wie geht es dir? Und, sag mal, ist irgendwas passiert? Du strahlst ja, dass selbst die Sonne gegen dich verblassen würde.”

„Wirklich? Das ist mir gar nicht aufgefallen”, erwiderte Damien.

„Ja, wirklich. Du siehst aus …Moment mal …als wärst du …total verknallt”, antwortete Randir grinsend.

„Verknallt? Ich? Wie kommst du denn darauf?“, fragte Damien, den Unschuldigen spielend.

„Ja, du und mach mir bloß nichts vor. Ich kenne solche Blicke… nur zu gut. Wer ist denn der oder die Glückliche? Nein… lass mich raten… Raven… es ist Raven. Hab ich recht?“, stellte Randir, fragend, fest.

Verdammt, musste Randir ausgerechnet jetzt Raven erwähnen…? In Damiens Magen breitete sich, mit einem Mal, ein Gefühl aus, das er nicht kannte und das sich doch so wunderbar anfühlte. Doch Damien sah seinen Freund nur an und hätte er erröten können, dann hätte er einer überreifen Erdbeere durchaus Konkurrenz machen können.

Randir kannte seinen Freund zu genau und er wusste, dass Damien irgendwie glücklich zu sein schien und er war ganz sicher verliebt. Dass Damien den Unschuldigen nur spielte wusste Randir nun nicht.

„Na, was ist. Stimmt doch, oder? Du hast dich in Raven verliebt, richtig? Ich könnte es gut verstehen, denn „dein“ Raven ist ein Bild von einem Mann.”, sprach Randir weiter.

„Ja, du hast Recht. Ich hab mich in Raven verliebt. Nur ich weiß nicht, ob er auch in mich… na du weißt schon…”, gab Damien, mit gesenktem Kopf, zu.

„Hey, das ist doch klasse, dann wirst du endlich mal glücklich! Ich freu mich für dich. Und was Raven angeht, lass ihm etwas Zeit. Vielleicht will er dich nicht bedrängen und hat sich dir deshalb noch nicht offenbart”, erklärte Randir seinem Freund.

Damien nickte und er verstand sehr gut, was ihm sein Freund zu sagen versuchte, denn er war ja schließlich nicht dumm.

„Randir, ich muss dir etwas sagen und ich weiß nicht, ob du es verstehen wirst…”, begann Damien, „…ich bin ein Vampir. Und ich muss mich, von nun an, von dem Blut der Menschen ernähren….”

Mehr sagte Damien nicht, dann sah er beinahe schuldbewusst zu Boden, so als gäbe es da etwas ganz Tolles zu sehen. Er getraute sich nun nicht mehr Randir ins Gesicht zu sehen. Randir grinste nur, nahm Damiens Hände in die Seinen.

„Ich glaube dir jetzt zwar nicht, weil es so was nämlich gar nicht gibt, aber wenn du der Meinung bist …bitte. Oder kannst du es beweisen?”, forderte Randir seinen Freund heraus.

Damien hob seinen Kopf wieder und sah Randir an. Dann öffnete er seinen Mund und ließ zwei scharfe weiße überlange Eckzähne sehen. Um dem noch ein wenig Ausdruck zu verleihen, fletschte Damien seine Zähne und grinste dabei.

Das hatte Randir nun doch nicht erwartet und rückte instinktiv ein Stück weg von seinem Freund.

„Okay, okay. Ich glaube dir. Aber zieh bloß deine Beißerchen wieder ein, ja.”, bat Randir und lächelte leicht gequält.

„Nur unsere Freundschaft wird das dennoch nicht beenden, damit das klar ist.”, sprach Randir freundschaftlich, trotzdem er leicht geschockt war.

„Ich werde, dessen ungeachtet, immer zu dir stehen, egal was passiert. Das weißt du auch, nicht wahr, Damien. Und auch wenn du jetzt ein Vampir bist, ich bleibe immer dein Freund.”

Damiens Augen begannen nun noch mehr zu leuchten, als Randir ihm diese Worte gesagt hatte.

„Danke Randir, danke für deine Freundschaft. Das werde ich dir nie vergessen.”, erwiderte Damien dankbar.

„Na, sag mal, das ist doch selbstverständlich. Wir sind und bleiben Freunde, egal ob du nun ein Vampir, oder sonst was, bist.”, grinste Randir und bot Damien etwas zu trinken an.

Damien bedankte sich, doch lehnte er, das ihm angebotene Getränk ab.

„Nein, danke, ich bin nicht durstig.”

Randir nahm sich jedoch ein Glas Wein und prostete Damien zu. Er fand es schon irgendwie sehr interessant, nun einen Vampir zum Freund zu haben. Beide redeten noch lange miteinander. Und es wurde ziemlich spät. Schließlich machte sich Damien auf und verabschiedete sich von seinem Freund. Dann verließ er Randirs Haus.

Auf seinem Weg nach Hause, fiel Damien auf, dass er gar keine Angst mehr hatte. Er lief jetzt durch die dunklen Straßen, als sei es heller Tag. Endlich daheim, betrat er seine Villa, ging nach oben ins Bad und gönnte sich ein entspannendes Bad mit duftenden Ölen.

Anschließend betrat er sein Schlafzimmer, um sich frische Sachen anzuziehen. Danach legte er sich ins Bett, deckte sich zu und schloss die Augen. Seine Gedanken galten jetzt Raven und er wünschte sich so sehr, dass sein „Lehrer“ jetzt, in diesem Augenblick, bei ihm wäre.

„Ich bin hier, Damien.”, ertönte es von der Tür her und Damien setzte sich sogleich in seinem Bett auf.

An die Tür gelehnt, stand Raven lässig und mit verschränkten Armen da und sah Damien mit einem Schmunzeln, auf den Lippen, an. Damiens schöne braune Augen, begannen, bei Ravens Anblick, sofort wieder zu leuchten.

„Raven!”, freute sich Damien und kriegte sich kaum mehr ein. Würde sein Herz noch schlagen, hätte es jetzt sicher einen Luftsprung gemacht.

„Was willst du, hm?”, fragte Raven Damien, mit einen geheimnisvollen, erotischem Lächeln.

„Ich weiß nicht. Ich …also…”, erwiderte Damien, ein wenig stotternd, und sah ziemlich schüchtern weg. Während er jedoch weg sah gestand er: „Raven …ich habe mich in dich verliebt.”, nach diesen Worten getraute er sich nun erst recht nicht mehr Raven anzusehen.

Seine Gefühle fuhren nun Achterbahn mit ihm, denn er wusste nicht, was ihn jetzt erwarten würde.

Aber Raven stand längst neben Damiens Bett und setzte sich nun drauf. Er konnte ganz deutlich spüren, dass Damien ihm die Wahrheit gesagt hatte.

„Du kannst mich ruhig ansehen, mein Schöner.”, mit diesen Worten hob Raven seine Hand und strich sanft über Damiens lange schwarze Haare.

Schließlich überwand Damien seine Scheu, drehte sich zu Raven um und berührte sanft Ravens Gesicht.

„Du bist sehr hübsch, weißt du das.”, flüsterte Damien und sah Raven an.

Raven sah Damien ebenfalls an.

„Du bist auch sehr hübsch, Damien. Und auch ich habe mich… in dich verliebt.”, erwiderte Raven und begann Damiens Körper zu streicheln, während dieser genussvoll die Augen schloss, während er einfach nur glücklich war, dass Raven seine Liebe tatsächlich erwiderte.

In Damien regten sich nun Gefühle, …Gefühle, die er so nie …noch nie empfunden hatte… Raven behielt die „Führung“, während er Damien sanft auf das Bett zurück drückte. Zärtlich streichelte Raven Damien und zog ihn langsam und vorsichtig aus.

Damien sah Raven erwartungsvoll an, um dann seine Augen genießend zu schließen. Nur ganz kurz ließ Raven von Damien ab, um sich nun auch zu entkleiden. Anschließend widmete er sich wieder seinem schönen Geliebten.

Sich über Damiens Körper beugend bedeckte Raven ihn mit liebevollen Küssen. Damien war nicht mehr Herr seiner Sinne, als sich Ravens Hand an den Innenseiten seiner Schenkel hocharbeitete und schon bald sein heißes Zentrum erreicht hatte.

Jetzt stöhnte Damien nur noch auf und seine Augen waren noch immer genussvoll geschlossen, während seine Hände den Körper seines Geliebten sehnsuchtsvoll streichelten. Ravens Mund hatte sich, nur wenig später, die Innenseiten, der Schenkel von Damien, hinauf gearbeitet, dessen Männlichkeit erreicht und bearbeitete diese erst sanft, dann etwas härter.

Beider Lust steigerte sich beinahe ins Unermessliche. Behutsam begann Raven seinen Liebsten auf das vorzubereiten, was er gleich tun würde, indem er den „Eingang“ seines schönen Geliebten, vorsichtig weitete.

Damien kam aus dem Stöhnen nicht mehr heraus und wand sich unter Raven, wie eine Schlange. Denn einerseits tat es ihm ein bisschen weh, als Raven erst mit einem, dann mit zwei Fingern in ihn eingedrungen war, und andererseits schenkte Raven ihm damit so wundervolle Gefühle.

Schließlich hielt es Raven nicht mehr aus und drang mit seiner Männlichkeit, die sich schon zu einer schmerzhaften Schwellung aufgerichtet hatte, sacht in Damien ein. Zuerst vor Schmerz, dann vor Lust stöhnte Damien nun auf.

Jedoch ließ Raven ihm etwas Zeit sich an ihn zu gewöhnen, bevor er begann sich langsam und sehr vorsichtig in Damien zu bewegen. Immer wieder traf er so, auf einen sehr empfindlichen Punkt, in Damien, was diesen dann beinahe Sterne sehen ließ.

Damien legte indes selbst Hand an sich und „streichelte“ seine Männlichkeit. Irgendwann erreichten beide fauchend ihren Höhepunkt und lagen, nur wenig später, aneinander gekuschelt in dem Bett, wo sie sich noch sehr lange gegenseitig streichelten und küssten.

* * *

Damien und Raven blieben auf ewig Gefährten. Sie liebten sich von ganzem Herzen und niemand hätte es je vermocht sie zu trennen. Raven brachte Damien, im Laufe der Zeit, alles bei, was er wissen musste und Damien lernte sehr schnell und gut.

Damiens Freund Randir blieb, noch eine Weile, ein Mensch. Doch irgendwann ließ er sich von Damien zu einem Vampir machen, denn er wollte seinen Freund niemals verlassen, denn Beider Freundschaft war ungebrochen.

ENDE

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  Herbstzeitlose
Posted by: Frenuyum - 12-06-2025, 10:15 AM - Replies (1)

Herbstzeitlose sind schöne Blumen, die jeder kennt und die nur im Herbst wunderschön blühen. Sie zeigen, dass auch am Ende des Sommers noch leuchtende und lebendige Farben möglich sind.
So kann man den Titel vielleicht auch besser verstehen – die Story schildert die Geschichte zweier Männer, die sich einst geliebt hatten und im Herbst ihres Lebens zufällig wieder begegnen. In jeder Minute, in der sie sich an diese gemeinsame Zeit erinnern, treten mehr und mehr Details von damals in den Vordergrund und lassen sie die Welt, in der sie augenblicklich leben, vergessen. Gleichzeitig ahnen sie, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt.


Kleine Schneehäufchen unter den Hecken des Parks zeugten vom letzten Aufbäumen des Winters. Noch vor vier Tagen lag die Landschaft unter einer dünnen Schneedecke, die der abziehende Winter wie einen Schwanz hinter sich hergezogen hatte. Nun schien die Sonne von einem blitzblauen Himmel, die Luft war frisch und warm.
Um diese Vormittagszeit gingen nur wenige Leute durch den mitten in der Stadt liegenden Park. Vor allem Mütter mit ihren Kindern, Hausfrauen mit Einkaufstüten, Jugendliche die offenbar die Schule schwänzten, junge Leute die man als Studenten einstufen konnte, einige wenige Gestalten schoben Einkaufswagen, mit bis zum Rand durch allerlei Gerümpel gefüllt – offenbar ihr ganzes Hab und Gut – vor sich her und vor allem ältere Leute waren hier jetzt unterwegs.
Manche der Alten hatten Zeitungen zusammengefaltet, als Sitzpolster für die noch kalten Holzbänke benutzt und ließen sich ihre müden Glieder von der schon kräftigen Maisonne aufwärmen.

Auch Andreas Feger war unterwegs. Das kalte Wetter setzte dem zwar sonst rüstigen Mittsechziger regelmäßig zu und er verließ sein Haus nur dann freiwillig, wenn so schönes Wetter herrschte wie an diesem Tag. Im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten im Park hatte er ein kleines Sitzkissen in einer Stofftasche, die noch einige andere Utensilien barg.
Er nahm das Kissen heraus und setzte sich etwas abseits vom Hauptweg auf eine freie Bank. Andreas wollte seine Ruhe haben, seinen Gedanken nachhängen. Nichts störte ihn mehr als ein quasselnder Nachbar auf der Bank, oft genug schon war ihm das passiert. Wenn Andreas merkte dass der Redner so gar nicht aufhören wollte, verabschiedete er sich und verschwand wenn möglich in eine ruhige Ecke des Parks.
Nun zog er noch die Tageszeitung aus der Tasche und zündete sich eine Zigarillo an. So, dachte er, könnte der Tag jetzt weitergehen.
Vorübergehenden Fußgängern schenkte er ab und an einen kurzen Blick, um sich danach wieder der Zeitung zu widmen.

»Ist hier noch frei?«, hörte er nach einer Weile eine schöne, angenehme Stimme.
Er sah zu dem Fragenden hoch. Auch wenn es ihm in der ersten Sekunde nicht recht war, so schwanden seine Bedenken, den Rest des Vormittags mit inhaltslosem Gerede eines anderen verbringen zu müssen. Denn der Mann war in seinem Alter, von großer, aber drahtiger Figur, hatte wohl schon ziemlich graues Haar, das in ihm etwa einen Professor vermuten ließ, trug einen etwas abgenutzten Lodenmantel und braune Stoffhosen. Die Schuhe waren ordentlich geputzt und auch sonst machte der Mann einen recht gepflegten Eindruck. Andreas spürte sofort dass es sich bei dem Mann nicht um einer dieser üblichen Zeitdiebe handelte.
»Bitte«, sagte er dann auch höflich und zeigte mit der Hand neben sich. Er rückte ein Stück beiseite um sein Willkommen zu unterstreichen.

»Danke«, bekam er als Antwort und der Mann setzte sich, ohne eine Unterlage.

»Das ist aber noch recht kalt..«

Der Mann sah ihn an und zum ersten Mal sahen sie sich in die Augen. In diesem Zustand verharrten die Augenpaare eine zeitlang. Andreas Feger als auch sein Nachbar überkamen das Gefühl, diese Augen zu kennen.

»Macht mir nichts aus, bin zum Glück nicht empfindlich«, lächelte der Mann zurück.

Andreas Feger sah als erster wieder weg. Zu dumm war sein sekundenlanger Glaube, diesen Mann irgendwie zu kennen und dennoch blätterte er eher unruhig in der Zeitung.
Sein Nachbar saß aufrecht da, nicht gesenkten Hauptes wie so viele, die er hier schon beobachtet hatte. Aufrecht war vielleicht auch sein Leben..
So saßen sie eine ganze Weile, bis der Mann in seinen Taschen kramte und eine Packung Zigarettentabak herausfischte.
Andreas sah nur kurz nach der Bewegung neben ihm, dann vertiefte er sich wieder in den Artikel. Wieso kam er sich so merkwürdig vor, nur weil sie stumm nebeneinander saßen? Er sollte doch froh sein dass ihm niemand ein Gespräch aufzwang. Aber zum ersten mal fühlte er sich so nicht wohl dabei.

»Die wollen doch tatsächlich das alte Denkmal in der Heinrichstraße entfernen, nur weil es ein paar Leuten nicht passt. Sollen doch froh sein dass es noch so etwas wie Kultur in dieser Stadt gibt«, äußerte er sich dann auch zu diesem Artikel. Er hatte einfach das Bedürfnis, sich mit diesem Mann zu unterhalten. Vielleicht erging es ihm nun so wie sonst nur denjenigen, die ihn anquatschten.

»Ja, eigentlich schon, aber sie haben in der Vergangenheit dieses Denkmals – beziehungsweise in dessen, dem es gewidmet ist – herumgekramt. Hatten wahrscheinlich nichts anderes zu tun. Jetzt ist man der Meinung, dieser Schatten der Vergangenheit würde reichen um das Denkmal wegzunehmen. Ich halte mich da raus, man kann es eh nicht ändern. Oder gar allen recht machen.«

Er hatte genau zugehört. Diese Stimme.. auch die Art, wie der Mann etwas sagte.. Und schließlich diese Kenntnisse. Er hatte recht gehabt, das war nicht einer der üblichen Schwätzer bei denen es nur um Geld oder Gesundheit ging.

Ein Ball flog genau zwischen sie, knallte an die Rücklehne der Bank und fiel herunter. Beide Männer überflog ein Lächeln, als ein kleiner Junge herangerannt kam, die beiden kurz ansah, seinen Ball schnappte und davonrannte.

Der Mann an Andreas’ Seite seufzte. »Tja, das ist wohl vorbei.«

Andreas sah ihn an. »Was ist vorbei, wenn ich fragen darf?«

»Einem Ball so hinterherzulaufen.«

Er lächelte und nickte. »Ja, das würd ich meinen..«

Er hob die Zeitung erneut hoch und versuchte zu lesen. Die folgende, merkwürdig bedrückende Stille nahm ihn gefangen. Er hatte so etwas schon lange nicht mehr erlebt. Aber er fragte sich schließlich, ob sein Nachbar vielleicht auch nur seine Ruhe haben wollte. Immerhin hatte er selbst ein Gespräch angefangen, was schon ziemlich außergewöhnlich war.

Eine ältere Frau kam vorüber, offenbar war sie den Taschen nach zu urteilen einkaufen gewesen. Sie hob den Kopf im vorbeigehen, hielt einen Moment inne und rief dann:
»Hallo, guten Morgen Herr Urig. Schöner Tag heute, wie? Für Rentner genau das Richtige.«

Der Mann nickte, hob die Hand zum Gruß. »Morgen Frau Weber. Ja, so könnt es bleiben.«

Sie nickte und ging geschäftig weiter.

Andreas Feger traf der Name wie ein Keulenschlag. Wolfgang Urig.. Das konnte gar nicht sein. Aber er begann, eins und eins zusammenzuzählen. Die Augen, die Stimme. Er schielte kurz neben sich, versuchte bestimmte Merkmale herauszufinden. Die Nase, ja, die passte auch. Und der Mund… Er musste schon genauer hinsehen um einigermaßen sicher zu sein, aber da waren unverkennbare Zeichen..
Rentner, genau wie er selbst. Also in etwa die gleiche Altersklasse.

Er räusperte sich. Es galt, der Sache auf den Grund zu gehen. »Darf ich Sie mal etwas fragen?«

Der Mann sah ihn an und nickte. »Nur zu.«

»Sind Sie hier aus der Stadt?«

»Ja, aber ich habe nicht immer hier gewohnt.«

Andreas nickte, er hoffte die restliche Antwort käme von allein – was dann auch passierte.

»Geboren und aufgewachsen bin ich in Heidelberg.«

Andreas Feger nickte, und ein ganz leichtes Lächeln überzog sein Gesicht. Ein Zufall war ausgeschlossen. Nun atmete er auf. »In der Rohrbacher Straße, richtig?«

Plötzlich stutzte der Mann.

»Und Ihr Vorname ist Wolfgang…«

Wolfgangs Augen wurden groß und rund. Ähnlich, als würde ihm ein Gespenst in die Augen sehen. »Ja, aber woher wissen Sie..«

Andreas beugte sich leicht zu seinem Nachbarn und reichte ihm die Hand. »Andreas Feger.«

Wolfgang stand so schnell auf wie noch selten in den letzten Jahren und starrte ihn an.
»Andreas?.. Nein, das kann… Moment..« Hastig fummelte er erst in seiner Manteltasche, dann in seinen Hosentaschen, in der Westentasche wurde er schließlich fündig und setzte mit zitternden Händen seine darin gefundene Brille auf. Dann starrte er weiter, musterte den noch sitzenden Mann ganz genau. Schien ihn wie mit einem Scanner abzufahren und Andreas ließ es sich gefallen. Noch immer hatte er dieses Lächeln nicht abgelegt.

Nach einer Weile, als sich Wolfgangs Überraschungsgesicht entspannt hatte, deutete er auf den Platz neben sich. »Komm, setz dich doch wieder.«

Nur langsam ließ sich Wolfgang neben ihm nieder, scheinbar immer noch nicht sicher ob das alles kein Traum war.

»Andy, was um Himmels Willen..?«

»Wolf, ich bin genauso überrascht wie du..«

»Hatte meine Brille nicht auf, sonst wär mir vielleicht dies oder das aufgefallen.. Obwohl..«

Sie saßen Minutenlang da und sahen sich an. Niemand der gerade vorüberging bekam etwas mit von der knisternden Spannung, die sich zwischen den beiden Männer immer stärker aufbaute.

»Andy, wie lange ist das jetzt her?«

Der grübelte eine Weile. »Wir sind jetzt 65.. äh du müsstest 64 sein.. dann ist das jetzt… das sind fast.. oh je, 45 Jahre?«

»So etwa. Anfang der Sechziger Jahre«, bestätigte Andreas Wolfgangs Rechenexempel und schüttelte den Kopf. »Die Zeit.. Damals wurde die Mauer gebaut..«

»Ja«, spann Wolfgang die Gedanken fort, »und nun ist sie schon seit 16 Jahren wieder weg.«

»Und du bist Rentner.. Was hast du denn gemacht in all den Jahren?«, fragte er anschließend.

»Ich bin im Job geblieben.«

Andreas machte große Augen. »Du hast bis zum Schluss im Gaswerk gearbeitet? Diese Kräne an der Kokshalde und die kleinen Dampfeisenbahnen gefahren auf dem Werksgelände? Und immer im Schichtbetrieb..«

Wolfgang drehte seine Finger umeinander, etwas das er schon immer tat wenn er verlegen wurde. »Ja, genau das. War dann Schichtführer bis zum Schluss. Und du, was hast du gemacht? Wolltest du nicht nach der Lehre studieren?«

»Ja, wollte ich. Aber ich hab dazu auf einmal keinen Bock mehr gehabt. Bin auf die Meisterschule und hab bis letztes Jahr im Kfz-Handwerk gearbeitet. Als die Firma schließen musste hab ich aufgehört. Es reicht zum leben und das ist alles was zählt.«

»Hm, obwohl dein geplantes Studium.. «

».. das Ende unserer Freundschaft war, ich weiß. «

Wieder sahen sie sich an, schienen die Augen nicht voneinander lassen zu können. Sie ahnten, ja wussten, dass dieser Tag sehr lange werden würde. Jeder wartete darauf, seine Geschichte zu erzählen, überlegte wo er anfangen könnte.
Aber das alleine war es nicht. Wollten sie überhaupt von dem Zeitpunkt ab erzählen, an dem sich ihre Wege damals trennten oder war es nicht viel schöner, die gemeinsame Zeit noch einmal wie in einem Film ablaufen zu lassen? Beide wussten jedoch, dass sie in den Erzählungen irgendwann an die Stelle kommen würden, an der sie einen Schnitt gemacht hatten. So wie man schlechte Szenen aus einem Film herausschneidet. Aber was damals hinter ihnen lag war nicht schlecht. Es war schön. Viel zu schön als es auch nach Jahren irgendwo im Hinterkopf vergraben zu lassen.
Gleichzeitig geschah mit beiden Männern Unerklärliches. Es kam etwas in Gang, was sie lange, sehr lange vermisst hatten ohne dessen wirklich bewusst zu werden. Absolut vertraute Gefühle begannen sich auf den Weg in ihr Gedächtnis zu bahnen; Gefühle, Worte, Taten. Handlungen, Szenen, Erlebnisse. Wie ein gesprengter Staudamm ergossen sich die alten Zeiten über die beiden Männer, schlugen wie tosenden Wogen über ihnen zusammen und ließen alles, was nach ihrer gemeinsamen Zeit kam, in Bedeutungslosigkeit versinken.
Andreas spürte Tränen aufsteigen, aber er hatte gelernt mit seinen Gefühlen umzugehen. Er würde es nicht zeigen, auch Wolfgang gegenüber nicht.
Sie kamen gleichzeitig an dem Punkt an, wo sich die Frage der Schuld zu stellen begann. Was und warum war das damals passiert? Wer trug die größte Last an der Trennung, die so schnell und unerwartet kam?
Sie wussten es beide nicht, jeder nahm einen Teil der Schuld auf sich. Die Zeiten, wo man auf einen anderen mit den Fingern zeigte und eindeutig Schuld zuwies, waren vorbei. Das Leben hatte beide geprägt, sie wussten wie sie mit solchen Situationen umgehen mussten ohne zu verletzen.

»Wie geht es dir?«, unterbrach Andreas dann auch die verwirrenden Gedankengänge.

»Man schlägt sich halt durch. Und dir?«

»Könnte auch meine Antwort sein. Lebst du alleine?«

Wolfgang holte hörbar Luft und nahm seine Brille ab, um sie wieder sorgfältig in der Tasche zu verstauen. »Ich bin wieder alleine«, antwortete er.

Andreas nickte. »Ah so.«

»Meine Frau ist vor drei Jahren gestorben.«

»Das tut mir leid..«

»Muss es nicht, Andy. Sie war sehr krank am Ende und ihr Tod eine Erlösung.«

»Hast du je geheiratet?«, wollte Wolfgang im Gegenzug wissen.

»Nein, ich hab es immer verhindern können. War nicht einfach manchmal, schon wegen meiner Eltern, aber ich konnte es einfach nicht.«

»Ich habe einen Sohn«, setzte Wolfgang das Gespräch fort, während sie die Leute, die vorüberkamen, gar nicht mehr beachteten. »Lebt in den Staaten mit seiner Familie.«

Schweigen. Erneut schwappte eine Woge der Erinnerung über beiden zusammen. Ihre Blicke trafen sich. Jeder konnte in den Augen des anderen lesen, wie damals, so lange sie sich nahe waren.

»Du warst all die Jahre alleine?«, wollte Wolfgang wissen.

Andreas lächelte, obwohl ihm die Erinnerungen daran weh taten. »Nein, nicht immer. Ich war es, ja, drei oder vier Jahre.. danach. Aber dann konnte und wollte ich nicht mehr alleine sein. Es waren aber keine Jungs darunter, die mir das geben konnten.. «

Wolfgang spürte wie schwer sich Andreas mit den Worten tat. Er legte seine Hand auf Andreas’ Arm. »Du musst dazu nichts sagen wenn..«

»Nein, ist schon in Ordnung. Nach der ewigen Suche habe ich es dann aufgegeben. Ich war der Meinung, den Richtigen gibt’s gar nicht für mich. Danach waren es nur noch Abenteuer. Ich wollte, dass wenigstens meine Gefühle hin und wieder zu ihrem Recht kamen.«

Wolfgang verstand. Er hatte diesen Mut nicht, danach niemals mehr gehabt. »Ich habe mein Leben dann geändert«, gestand er ein, »der Druck meiner Eltern und Verwandten war zu groß.«

Zwei Tauben landeten fast direkt vor der Parkbank und blickten unruhig die beiden Männer an.

»Ach so, entschuldigt, euch hab ich fast vergessen«, ließ sich Andreas von den beiden Vögeln ablenken. Er kramte in seiner Tasche und förderte ein paar Stücke trockenes Brot zu Tage. Sorgfältig riss er kleine Bröckchen ab und warf sie den Tauben hin.

»Das ist eigentlich verboten«, murmelte Wolfgang mehr zu sich selbst.

»Ich weiß, aber ich hab mich schon einige Male in meinem Leben über Verbote hinweggesetzt..« Er beugte sich zu Wolfgang hinüber um leiser sprechen zu können. »Es ist wegen dem Kick, erwischt werden zu können, weißt du?«

Wolfgang grinste breit, denn das war eindeutig eine Anspielung auf ihr damaliges Treiben.
Aus anfänglichen Erinnerungsfetzen begannen sich jetzt Szenen zu formen. Nie wirklich Vergessenes wurde wieder griffig, verlor seine Durchlässigkeit. Ganze Abschnitte ihres damaligen Lebens fügten sich zu einem Ganzen zusammen, festigten sich und ergaben ein buntes Bild der Vergangenheit. Nicht mehr einfarbig oder Schwarz-Weiß. Und auch längst gelöscht geglaubtes tauchte wieder auf.

Wolfgang beobachtete Andreas, wie er das Brot zerteilte. Da waren noch immer diese filigranen Finger, ein wenig dürrer heute und mit dunklen Muttermalen übersät, aber dennoch so zart und geschickt.
Er sah auf, in den blauen Himmel und breitete seine Arme auf der Rücklehne aus, so dass ein Arm hinter Andreas zum liegen kam. »Weißt du, als mir im Tanzkurs Christine über den Weg lief, war plötzlich alles so anders…«

Andreas fütterte die Tauben weiter ohne aufzusehen. »Hast du sie wirklich geliebt?«

»Ich habe mich das nach ihrem Tod oft gefragt, sehr oft, vielleicht zu oft. Denn ich konnte mir die Antwort bis heute nicht geben. Kurzum – ich weiß es nicht. Ich habe einfach Probleme mit diesem Wort. Als unser Sohn geboren wurde schwebte ich in einer anderen Welt. Mir war klar, ich bin nicht schwul, nie gewesen, was immer auch zwischen uns beiden vorher war. Glücklich und zufrieden, so könnte man es nennen.«

»Wenn man es von außen betrachtet, vielleicht. Aber wie sah es ganz tief in dir drin aus?«

»Ich habe es geschickt vermieden, so tief in mich zu sehen. Wenn ich mit Christine im Bett lag, so dicht beieinander, wenn wir miteinander schliefen – ich habe es genossen, jede Minute ausgekostet. Sie war eine ganz wundervolle Frau, das bestimmt.«

»Du hast meine Frage nicht beantwortet. Ich bin sicher, du hast an uns beide gedacht, sehr oft glaube ich sogar.«

»Ja, ich kann das nicht leugnen. Aber ich habe es als Phase betrachtet, als Ersatz für nicht vorhandene Möglichkeiten. Du weißt ja wie wenig junge Mädchen in unserem Viertel wohnten. Sehnsucht danach oder so, das hab ich nie gehabt. «

Andreas lächelte. »Das hast du dir als Ausrede zurechtgelegt, all die Jahre?«

Wolfgang verschränkte seine Arme vor der Brust und sah verlegen zu Boden. »Schon möglich.«

»Damit hast du mit ..Christine?.. nie über uns gesprochen..«

»Nein, wozu auch. Ich wollte die Vergangenheit bewältigen und war selig, dass mir das gelungen war. Ich konnte es auch nicht.«

»Klar, dein Kartenhaus wäre zusammengestürzt..«

Wolfgang spürte, dass aus diesem Gespräch ein Vorwurf entsehen könnte. Andreas versuchte ihm einzureden, dass er sich ein Leben lang betrogen hatte. Aber nach allem was mit Christine passiert war, durfte er das nicht zulassen.
Er beobachtete Andreas weiter und begann angestrengt nachzudenken. Hatte er doch recht, irgendwie? Oder wenigstens teilweise? Hatte er nie an ihn gedacht, wenn er mit Christine schlief? Oder konnte er seine wirklichen Gefühle tatsächlich so geschickt vor sich selbst verbergen? Nein, dazu ist niemand in der Lage, beruhigte er sich. Er war eben einer Menschen, die sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlen, auch wenn er jetzt der Meinung war, dass die weibliche Variante bei weitem überwog. Andreas war ein Abenteuer, auch wenn es fünf Jahre gedauert hatte.

»Hättest du an meiner Stelle alles riskiert? Frau, Kind, Haus, den Rest der Familie, den Arbeitsplatz?«, fragte er dann fast vorwurfsvoll.

Andreas zog die Schultern hoch. »Das weiß ich nicht. Vielleicht bist du einfach zu weit gegangen.«

»Das sagst du so einfach. Ich habe Christine geliebt, zumindest ordne ich dieses Gefühl für sie so ein. Was hätte ich für einen Grund haben sollen, sie nicht zur Frau zu nehmen? Nachdem du weg warst, hatte ich nie wieder solche Gefühle für einen Jungen. Für mich war dieses Thema abgeschlossen.«

»Schwulsein ist für dich nur ein Thema? Oder ein Gefühl? Oder eine unumstößliche Tatsache..«

Wolfgang begann das Gespräch unangenehm zu werden. Aber dennoch konnte er sich dem ständig anwesenden Gefühl der Geborgenheit und Wärme nicht entziehen. Andreas war sicher nicht mehr der attraktive, äußerst hübsche Junge von damals, aber er war auch kein abgetakeltes Wrack. Was in aller Welt kochte plötzlich in ihm hoch? Wut, Trauer, Zorn? Oder war es etwas ganz anderes?

»Andreas, ich werde mein Leben nicht rechtfertigen. Vor Gott vielleicht einmal, aber bestimmt nicht vor dir oder jemand anderem.«

Andreas spürte dass er zu weit gegangen war. Absicht war das nicht, vielleicht ein wenig Vergangenheitsbewältigung. Im Gegensatz zu Wolfgang hatte er diese kurze, wunderschöne Zeit mit ihm nie vergessen. Dazu musste er nur andere Jungs sehen, wenn sie eindeutig etwas miteinander hatten. Und er hatte sein Schwulsein nie verleugnet; zumindest dann nicht, wenn es angebracht schien, darüber zu reden, mit wem auch immer. Einfach war das vor allem damals nicht, wo das Wort Schwul nicht einmal ausgesprochen wurde. Er hatte auch verbale Prügel bezogen, mehr als einmal. Anfangs war das ein echtes Problem für ihn, dann aber stumpfte er dagegen ab. Und mit jedem Outing ging es ihm besser.
»Ist schon gut, ich wollte dir nicht zu nahe treten«, versuchte er die Lage zu entschärfen.

»Bist du nicht, Andreas, ich kann dich verstehen. Aber sieh es doch mal so: Wir haben beide versucht, das Beste aus unserem Leben zu machen. Du auf deine, ich auf meine Art. Welche besser war oder ist, das werden wir sicher nicht zu Ende diskutieren können. Auch wenn du Single geblieben bist, warst du denn nicht oft so richtig todunglücklich?«

Andreas warf den Tauben den Rest des Brotes zu und klopfte die Krümel aus seinen Händen. »Nein, eigentlich nicht. Bin vielleicht Rastloser gewesen. Denk mal wie lange du verheiratet warst – in all der Zeit war ich irgendwie auf der Suche. Auch wenn ich es nachher aufgegeben habe, es gab trotzdem noch das Prinzip Hoffnung.«

Wolfgang sah sich um als würde er jemanden suchen. »Hast du Lust? Ich möchte dich zu einem großen Kaffee einladen, drüben im Cafe am Teich.«

Andreas überlegte nicht lange. Dort gab es viele kleine Tische, fast versteckt hinter den Büschen. Ein geeigneter Ort, um das Gespräch fortzusetzen. Zudem war ein Kaffee jetzt wirklich angebracht. Er nickte und stand sogleich auf.

Schweigend gingen sie den sich durch blühendes Gestrüpp windenden Weg, vorbei an einem Pavillon, einem größeren Platz, dessen Bodenfläche mit zweifarbigen Karos gepflastert war und auf dem einige Leute mit übergroßen Figuren Schach spielten. Einige der Spieler hoben die Hand zum Gruß, man kannte sich hier. Ein Hort der Ruhe und Besinnung dachten die beiden Männer und hörten dennoch das Toben der Kinder vom gegenüberliegenden Spielplatz.

Als sie an dem Cafe ankamen waren ihre gedanklichen Puzzles zusammengefügt. Aus
Teilen zusammengesetzt war ein Spielfilm entstanden, ohne dass dort wichtige Dinge fehlten.
Immer noch ohne ein Wort zu sprechen setzten sie sich an einer der abgelegensten Tische und befanden genau die Richtige Stelle gefunden zu haben. Keine Blicke vom Weg hierher waren möglich, der nächste Tisch weit genug um sich ungehört mit normaler Lautstärke unterhalten zu können. Sie hatten immer noch ein starkes Mitteilungsbedürfnis, nur fehlte noch der Regisseur. Jener Aktzionist, der Anweisungen gibt wie etwas richtig ablaufen sollte.

Wenig später standen zwei Kaffee vor ihnen auf dem Tisch, die Sonne blinzelte ab und zu durch das überhängende Blätterdach der Büsche und nun war es, als hätte jemand die Klappe geschlagen.

Wolfgang lehnte sich zurück und fixierte eine unbedeutende Stelle neben seinem Gegenüber. »Weißt du, es ist so schrecklich lange her.. Aber ich glaube ich habe kaum einen Tag vergessen.«

Andreas nickte und nippte an der Kaffeetasse. »Ich glaube das können wir beide nicht.«

»Ich werd nie vergessen, als damals einige Klassen zusammengelegt wurden und du damals in unsre kamst«, begann Wolfgang das Gespräch. »Wie alt waren wir da? Fünfzehn, Sechszehn? Ja, Sechzehn. Du standest da vorne an der Tür und hast in die Klasse geguckt. Ziemlich hilflos muss ich sagen. Zumindest kam mir das so vor. Und dann hat dich Frau Emmerich auf den Platz neben mich diktiert. Eigentlich hab ich dich ja gar nicht richtig wahrgenommen, denn im Grunde war mir immer egal wer neben mir sitzt, Hauptsache der konnte gut Mathe. Zum abschreiben..« Wolfgang schmunzelte.

»War ja auch ein Scheißgefühl da vor der Klasse, so allein. Ich kannte ja keinen richtig. Vom sehen her, ja, aber ich hatte mit keinem vorher gesprochen. Und dann diese Lehrerein.. so alt und schrumpelig, mit ihrer Dutt hinten im Genick. Ich ahnte nichts Gutes, hab mich richtig unwohl gefühlt. Und dann hat die Emmerich den Platz neben dir für mich ausgesucht. Ich weiß noch dass da mehrere Plätze frei waren, aber ausgerechnet neben dich musste ich mich setzen. Na ja, ich hab dich schon genauer betrachtet beim hinlaufen, die anderen haben mich nicht so interessiert. Und dann, als ich neben dir saß, du hast nichts gesagt, nicht mal Tach oder so. Das war frustrierend. Ich kam mir vor wie ein Fremdkörper.«

Wolfgang nickte. »Ich sag ja, ich legte keinen Wert auf Nachbarschaft. Die erste gemeinsame Stunde war dann aber Mathe und ich hab dich genau beobachtet wie du mit den Zahlen umgegangen bist. Schon nach ein paar Minuten war ich begeistert. Ein Rechengenie, neben mir. Besser konnte es gar nicht laufen bei meinen miesen Noten.«

»Hab’s gemerkt wie du mir auf die Finger geschaut hast. Das war erst mal nichts besonderes, aber dann ging mir das beinahe auf den Geist. Ich war froh als die Stunde um war und der Unterricht zu Ende. Ich hab meine Sachen gepackt und wollte aus der Klasse als du mich gerufen und aufgehalten hast. Zuerst wusste ich nicht was das werden sollte, aber dann.. ja ich glaub dann nahm das irgendwie seinen Anfang. Ich meine heute, es war genau diese Stelle.«

»Ja«, setzte Andreas fort, »das sehe ich auch so. Als du aufgestanden bist und rauslaufen wolltest hab ich dich von hinten gesehen. Deinen Knackarsch konntest du auch in den damals relativ weiten Hosen nicht sonderlich gut verbergen. Der ist mir wie ins Auge gesprungen. Mein Blick ging dann über deinen ganzen Körper. Ich dachte noch, ui, der macht bestimmt viel Sport so wie der gebaut ist. Ich mein, ich wusste damals schon dass ich mit Jungs viel mehr am Hut hatte als mit den Weibern. Ich hab das Gefühl, dass sich da zum erstenmal so richtig in mir breit machte, zugelassen. Alle Bedenken waren auf einmal vom Tisch. Ich bekam keinen Steifen oder so, aber mein Interesse an dir war geweckt. Von einer Sekunde auf die andere. Ich dachte, das geht nicht dass der jetzt einfach rausgeht, auch wenn ich heute nicht mehr weiß wieso ich das gedacht hab. Ich meine, ich wusste ja dass wir ab dem Tag nebeneinander sitzen würden, aber ich konnte gegen mein neues Verlangen nichts machen.«

»Ich bin ja auch gleich stehen geblieben als du mich gerufen hast. Die Klasse war schon leer, keiner mehr da. Und dann hab ich dir in die Augen gesehen. Diese dunkle Augen, die so was melancholisches an sich hatten. Traurig und dennoch voller Leben. Dein Gesicht ist mir dann aufgefallen. Dieser makellose Teint, die vollen, rosigen Lippen. Das dichte, dunkle Haar, das völlig im Gegensatz zu den pomadigen, glatten Scheiteln der anderen chaotisch auf deinem Kopf lag. Ich denke das richtige Wort weiß ich heute: Ich war auf einmal fasziniert. So, als hätte ich endlich das Spielzeugauto bekommen das ich mir schon so lange gewünscht hatte.«

Andreas musste laut lachen. Es war dieses beherzte, ungekünstelte Lachen einer unbeschwerten Jugend. Unglaublich dass es nichts von seiner Ansteckung verloren hatte.
»Du warst ja brav gekämmt; jedes einzelne, dunkelblonde Haar lag fein säuberlich auf seinem Platz. Aber deine blauen Augen, umrahmt von diesen langen Wimpern, diese niedliche Stupsnase und deine stolpernde Stimme zogen mich an. Magisch eigentlich und ich konnte mich, nach diesen ersten Minuten, deiner Anziehungskraft nicht mehr entziehen. Ich hab gewartet was du von mir willst, aber du hast ja erst mal gar nichts gesagt.«

»Nein, ich wusste ja auch auf einmal nicht mehr was ich sagen wollte. Da standest du so vor mir, mit dem weiten, beigen Hemd, den Schulranzen noch in der Hand und sahst mich an. Ich denke, tatsächlich wie ein Auto.«

»Dann fiel es mir wieder ein«, sagte Wolfgang und trank seinen Kaffee leer. So, als legte er eine künstlerische Pause ein. »Ich hab ganz banal gefragt, woher du so gut rechnen kannst. Ne saublöde Frage, aber ich musste irgendwie zum Punkt kommen. Dir direkt zu sagen dass du mir gefällst – das war damals so ja kaum möglich, selbst wenn da keiner in der Nähe war. Und an Sex und Freundschaft dachte ich überhaupt nicht. Da war nur dieses Gefühl, das ich bis dahin so nicht gekannt hatte.«

»Wenn ich es heute betrachte, empfand ich für dich erst mal gar nicht so viel. Du bist mir sozusagen aufgefallen, das ja, aber dass ich behaupten könnte es hat Klick gemacht, nein, mit Sicherheit nicht an dem Tag. Zumal die Emmerich plötzlich wieder in der Klasse stand. Sie hatte, wenn ich mich recht erinnere, was im Pult vergessen. Sie hat noch gefragt was da los wäre und uns aus dem Zimmer gescheucht.«

»Ja, Andy, eben fällt es mir wieder ein. Sie fragte wörtlich „habt ihr was auszutragen? Nicht in der Schule. Geht rüber auf den Sportplatz, da könnt ihr euch meinetwegen blaue Flecken holen.“ Tja, richtig genommen war sie Zeuge des Beginns einer… wunderbaren Freundschaft.«
Wolfgang war beim letzten Satz leiser geworden. Zu intensiv wurden plötzlich seine Gefühle, zu deutlich tauchte die Vergangenheit samt allen möglichen Schattierungen wieder auf. Hatte er sie verdrängt, die Vergangenheit? Oder doch verleugnet, vor allem vor sich selbst? Und die Gefühle? Nur getauscht gegen das, was man von ihm verlangte? Saß er ein Leben lang hinter Gittern ohne es zu wissen? Er schämte sich der Gefühle nicht, die plötzlich wieder da waren. So frisch, so neu, so faszinierend und nach Neugier jappend. Sie bestimmten einst einen Teil seines Lebens, sie waren Lebenswichtig für ihn. Und was waren sie heute? Nur eine Erinnerung, eine Phase die er durchlebt hatte? Nein, es wäre vermessen gewesen sie als bloße Begleiterscheinung abzustempeln, als gegeben dahinzunehmen. In der Tat, so einfach konnte er es sich nicht machen. Sie waren schließlich einmal da, lenkten sein Denken und Handeln, bestimmten über einen Zeitraum seinen Lebensrhythmus. Sie verbanden ihn mit einem Jungen, und die Zuneigung zu ihm würde er auch heute noch, so wie damals, als Liebe bezeichnen.
Vielleicht war ja Christine eine Phase. Sie war da, sonst niemand. Sie kümmerte sich, sie liebte ihn, schenkte ihm einen Sohn und sie war eine großartige Ehefrau und Mutter. Als sie starb, ging ein Stück mit von ihm ins Grab. Mit einem Mal war er alleine. Leonhard war schon vor fünfzehn Jahren in die Staaten ausgewandert, sie hatten nur wenig Kontakt miteinander. Trotzdem hielt Wolfgang nicht an der Vergangenheit fest. Er trennte sich von seinen Gefühlen, gleich welcher Art. Auch Andreas blieb in den Tiefen seiner Seele verschollen, er suchte ihn dort nicht einmal. Und plötzlich war alles wieder da. Er drehte sich auf seinem Stuhl und suchte die Bedienung. »Ich glaube, ein Gläschen Wein wäre um diese Zeit nicht verkehrt«, sagte er.

Andreas nickte. »Nein, bestimmt nicht.«

Sie bestellten sich Merlot, fahren mussten sie beide nicht mehr. Und sie gerieten in eine Art Feierstimmung. Wiedersehensfreude. Es war klar, dass man sich nach so vielen Jahren etwas zu sagen hatte, aber dies hier war etwas Besonderes. Vielleicht eine Art Abrechnung mit der Vergangenheit. Eine Bilanz ziehen aus ihrem Leben. Niemand sonst konnte an diesem kleinen Tisch mitreden, sie waren die einzigen, die wussten, was hinter ihnen lag.

Langsam wanderte die Nachmittagssonne um die Büsche, schickte ab und zu ihr blankes Licht auf die Gesichter der beiden Männer. Wohlwollend nahmen sie die wärmenden Strahlen in sich auf. Es war, als würden sie die restlichen, dunklen Stellen in den Köpfen erhellen. Letzte Eisreste schmolzen in ihnen dahin.

Die beiden prosteten sich zu und stießen an. Noch während sie absetzten knüpfte Wolfgang das Gespräch wieder an.
»Jaja, die Emmerich.. sie ist ein Jahr später in Pension. Aber nach diesem Rausschmiss sind wir dann am Sportplatz vorbeigekommen. Ich weiß noch dass es geschüttet hat wie aus Eimern und wir in den Umkleideräumen Schutz gesucht hatten. Patschnass standen wir da und das war überhaupt nicht lustig. Unsere Eltern waren ja beide streng und wenn wir so nach Hause kamen gab’s ja immer ne ganze Menge Probleme. In den Räumen war niemand und es war schön warm. Ich hab wohl gesagt, wir könnten die Klamotten hier wenigstens ein bisschen trocknen. Außerdem wäre dann vielleicht der Regen weg. Genau weiß ich’s nicht mehr, aber ich hab mir nichts dabei gedacht mich so einfach da auszuziehen. Bis auf die Unterhosen, die hab ich angelassen..«

»Oh ja, Wolf, dieses Bild.. Als du fast nackt vor mir standest wurde mir erst mal ganz anders. Man muss schließlich wissen dass ich ohne Geschwister aufgewachsen bin während du noch zwei Brüder hattest.. Ihr habt euch ein Zimmer geteilt und sowas war für dich deswegen nichts besonderes. Aber ich hatte bis dahin noch nie einen Jungen so fast nackt gesehen. Ich bin vor Scham beinahe im Boden versunken und dachte noch, das werd ich nicht machen. Ich zieh mich nicht aus, egal was zu Hause passiert. Aber dennoch.. ich musste dich betrachten. Wie du so vor mir deine Sachen ausgezogen hast regten sich eigentlich auch zum ersten Mal Gefühle einer Art, die ich noch nicht kannte. Es zog zwischen meinen Beinen und ne Erklärung hatte ich eigentlich gar nicht. Ich sehe aber noch immer deinen schönen Körper vor mir. Diese Vollkommenheit.. Du hast mich in deinen Bann gezogen in dem Moment.«

Wolfgang grinste. »Schon komisch hab ich gedacht. Der steht da und guckt.. Ich hab wohl schon meine Brüder gesehen, auch ganz nackt, in der Badewanne. Aber die waren ja jünger als ich, Kinder eigentlich noch. Kein Vergleich zu einem Jungen in deinem Alter damals. Ich hab mich dann auch nicht mehr so wohl gefühlt als du mit deinen triefend nassen Klamotten so herumgestanden bist und ich hatte nur diese altmodischen Boxer an. Ich hab dir den Rücken zugedreht damit du mich nicht von vorn sehen sollst, obwohl ich das später irgendwie immer bereut habe. Ich glaub ich hab sogar die Hände zwischen meine Beine gehalten. War wohl Angst, du könntest da mehr haben und mich auslachen.«

»Ja, das war wirklich komisch. Du hast dich nicht gemuckst, ne ganze Weile nicht. Ich sah nur auf deinen Rücken und wusste überhaupt nicht was ich tun sollte. Aber dann wurde mir richtig kalt in dem nassen Zeug. Ich hab geguckt ob ich mich da irgendwie ausziehen konnte ohne dass du das siehst. Aber das war ja nichts, nur dieser große Raum mit den hölzernen Bänken. Da gab’s das Klo und die Duschen, aber da wollte ich nicht hin, das wäre dir sicher zu sehr aufgefallen. Letztendlich ist mir ja nichts geblieben als es da auf der Stelle zu tun. Immerhin warst du mir weggedreht und da dachte ich dass du das extra machst, um mich nicht zu verunsichern. Dann hab ich erst Hemd und Unterhemd abgestreift, die Schuhe und Strümpfe ausgezogen. Es war alles so eklig glitschig und kalt und hat so schrecklich auf der Haut geklebt.. Dann hab ich meine Hose aufgemacht und dich ganz intensiv fixiert. Ich dachte nur, hoffentlich dreht er sich jetzt nicht um. War natürlich Quatsch irgendwie. Einmal mussten wir uns ja ansehen. Aber soweit hab ich da echt nicht gedacht.«

Sie waren beim zweiten Glas Wein, die Sonne begann allmählich im Häusermeer der Stadt unterzugehen.

Andreas sah nach oben und hielt den Atem an. »Sieh mal, Wolf, die Mauersegler sind wieder da!«

»Echt? Wo?«

»Da oben, ein ganzer Schwarm. Und hör, jetzt hört man sie auch. Wolf, der Sommer ist heute gekommen.«
Andreas sagte das in einem Ton, dass Wolf ganz anders wurde. Ja, sie hatten früher immer die Ankunft dieser schnellen Segler gefeiert. Das war das Zeichen für warme und heiße Tage, mit der Rückkehr aus dem Süden brachten sie den Sommer mit.
Ihre Laune wurde dadurch noch einen Tick besser. Vorbei die dunklen Tage, nicht nur im Herzen. Vorbei der Frost, Schnee, eisiger Wind. Jetzt begann in der Natur ein neues Leben. Und so fühlten sich die beiden plötzlich. Erfüllt mit neuem Leben.

Andreas blickte Wolfgang seit Beginn ihres Gesprächs an dem Tisch wieder in die Augen. Nein, sie hatten nichts an Glanz verloren und in ihnen spiegelten sich langsam die kleinen bunten Birnchen aus den Lichterketten wider, die überall in den Büschen angebracht waren. Die Stadt wurde Schritt für Schritt ruhiger, immer leiser wurde die Geräuschkulisse im Hintergrund. Jetzt zog es auch die Liebespaare in das Cafe.

»Spätestens als ich mich umdrehte wird dir das gedämmert sein«, setzte Wolfgang das Gespräch fort. »Ich hab dich gemustert, ein anderes Wort gibt es dafür wohl nicht. Du hattest nicht deine Hände in den Schritt gelegt um deine Beule in der Unterhose zu verbergen. Und da hab ich zum ersten mal bewusst auf so eine Stelle gesehen. Du weißt ja noch, die Anzugshosen, alles andere als hauteng und man konnte sich den Inhalt nur zusammendichten. Aber soweit war ich damals ja noch gar nicht. Du hast da gestanden, die Arme hingen herab und deine Haare klebten nass auf deinem Kopf, ein paar Strähnen waren in die Stirn gefallen. Das hat mich unheimlich angemacht. Das sah so frech und erotisch aus..« Er kicherte. »Meine Güte, mit dem Wort konnte ich auch noch nichts anfangen. Aber am meisten musste ich mir deine süße Beule betrachten. Ich weiß ja nicht ob du da schon.. langsam einen Steifen kriegen wolltest oder ob das der Ruhezustand war. Glaub mir, von dem Bild hab ich Nächtelang geträumt, selbst heute hab ich es nicht vergessen. Aber auch nicht dein bedeppertes Gesicht dabei. Wärst du völlig nackt da gestanden hättest du nicht anders dreinschauen können.«

Andreas grinste, fast so frech wie früher wenn er etwas unanständiges im Schilde führte.
»Weißt du noch die Farbe meiner Unterhose?«

»Da muss ich nicht nachdenken. Grau. Ein ekliges, verwaschenes, dumpfes Grau. Die Dinger waren die reinsten Liebestöter.«

Sie lachten beide laut auf, so laut, dass die jungen Leute von den Nachbartischen herüberschauten. Aber es war ihnen egal. Zu köstlich war das Bild, das sie jetzt beide gleichermaßen im Kopf hatten. Sie waren nicht mehr hier in diesem kleinen Cafegarten, nicht wirklich. Sie waren dort, im Umkleideraum der Sporthalle, die längst einer Schnellstraße an der Schule weichen musste. Diesen Ort gab es nicht mehr, aber die Erinnerung an ihn war geblieben, eingebrannt für die Ewigkeit in den Köpfen der beiden Männer.

»Und deine war wohl irgendwann einmal weiß, Wolf. Hundertmal gekocht gab sie das aber auch nicht mehr her. Ich hab mich erst nicht getraut dir zwischen die Beine zu sehen. Mein Gott, was waren wir verklemmt. Obwohl, ich denke das war wohl auch viel Schüchternheit. Wann gab man sich denn damals so freizügig? Nur im Schwimmbad, wenn der ganze Pulk dabei war spielte es keine Rolle. Aber in dem Raum, nur zu zweit und dann ohne einen richtigen Grund. Den hat man beim schwimmen ja. Aber außerdem war da noch was in der Kabine. Etwas, das man nicht greifen kann, nicht sieht, schmeckt oder riecht. Es war meine erste Begegnung damit, aber es sollten ja noch so viele folgen..«

»Oh Andy, meine Unterhose war nicht nur nicht mehr weiß. Ich kann mich erinnern dass sie sogar schon brüchig war. Nicht viel später ist sie regelrecht auseinander gefallen. Aber auch kein Wunder, viel Geld hatten meine Eltern nicht. Es war nicht immer einfach in dieser Zeit, obwohl es das Wirtschaftswunder gab. Aber Vater war ja krank wie du dich sicher noch erinnern kannst.. «

»Ich weiß was du meinst, ich hab dieses Etwas erst später so richtig kennen gelernt. An dem Tag war ich viel zu aufgeregt um das wahrzunehmen. Du meinst doch auch – diese Mordsspannung. Hochbrisant. Aufreizend?«

»Ja, die, genau. Erotik halt. Mensch, wie einfältig diese erste Begegnung. Ähm, naja, die ersten Minuten.«

Wolfgang grinste. »Der Vorteil war, dass es nichts gab um diesen Zustand schnell zu ändern. Es war nicht kalt da drin, keine Menschenseele und Zeit hatten wir auch, weil wir ja nach der Schule Fußball spielen wollten. Dass das nicht geht bei dem Wetter würden die Eltern schon wissen, aber wenn schon mal so eine Situation war, sind wir einfach ins Clubhaus gegangen.«

Allmählich wurde es kühl, zu kühl um draußen zu sitzen. Wolfgang schlug den Kragen seines Mantels hoch. »Wollen wir reingehen?«, fragte er, nachdem auch Andreas seine Hände in die Jackentaschen gesteckt hatte.
Er nickte und sie gingen, beladen mit ihren Gläsern, hinüber zu dem Cafe, das noch lange offen haben würde. Außerdem war Andreas schon etwas bekannt bei den Besitzern, er kam hier öfter zu Besuch.
Sie fanden einen freien Tisch in einer Ecke, wo die Musik nicht zu laut war und einem auch sonst keine Nachbarn zu arg auf die Pelle rückten.

»Irgendwie hat das Rentnerdasein doch seine Vorteile. So selten wie in der letzten Zeit hab ich noch nie auf die Uhr gesehen«, bemerkte Wolfgang, nachdem sie Jacke und Mantel abgelegt und sich hingesetzt hatten.

»Ja, ohne Zweifel. Ich schlaf ja immer aus Morgens, wozu in aller Herrgottsfrühe im Dunkeln in der Wohnung herumschleichen.«

Andreas nickte zustimmend. Sie nahmen einen Schluck, zündeten sich ihre Rauchwaren an und kehrten an den Ort des Geschehens zurück. Hin zu den Umkleideräumen des Sportplatzes.

Andreas kicherte. »Ich würd sagen, ein Bild für die Götter wie wir so dastanden. Wobei – ein kleiner Gott warst du dann schon für mich. Das hat auch mein kleiner Freund gemeint und ist langsam größer geworden. Ich muss rot geworden sein in dem Moment wo ich sah, dass du das bemerkt haben müsstest. Zum Glück konnte ich mich ablenken, indem ich an ganz andere Sachen dachte in dem Moment. Ich hab einfach nicht gewagt dich so zu betrachten wie du mich, sonst hätt ich wohl sehen können ob du auch „reagierst“ «

»Dazu war ich zu angespannt, im Inneren meine ich. Trotzdem überkam mich dann dieses Gefühl, dich anfassen zu wollen. Überall wollte ich dich streicheln.. Und kam irgendwann an den Punkt wo ich sogar daran dachte, dich zu küssen. Klar ging das nicht, aber der Gedanke ließ mich nicht los. Bis du irgendwas in der Form sagest, dass die Klamotten nie und nimmer trocknen würden. Sie lagen einfach so da auf dem Boden herum und natürlich war klar dass diese Idee Blödsinn ist. Es gab ja keine Möglichkeit sie aufzuhängen, die Heizkörper waren kalt und einen Fön gab’s auch nirgends.«

Die Bedienung stellte nun kleine Teelichter auf die Tische und die Atmosphäre in dem kleinen Cafe wurde heimelig. Ruhige Hintergrundmusik störte kaum, die Gespräche der anderen Gäste glichen eher einem Murmeln. Die beiden Männer fühlten sich in dieser Umgebung sichtlich wohl.

»Das schlimme an sich war aber«, setzte Andreas fort, »dass die Kleider jetzt richtig kalt waren. Ich wusste dass ich empfindlich bin dagegen und auch, dass ich mir eine Erkältung holen würde wenn ich sie dann wieder so einfach angezogen hätte. Davor hatte ich mehr Angst als vor allem anderen. Aber wir hatten ja keine Chance, die Zeit begann uns ja dann doch davonzulaufen und wir hätten uns alles leisten können, nur nicht zu spät nach Hause zu kommen.«

Wolfgang zog an seiner Zigarette. »Ja, die einzige Möglichkeit bestand letztlich darin, zu demjenigen nach Hause zu gehen der am nächsten wohnte. Und das war ich. Wie einfach das heute wäre – man nimmt das Handy und sagt zu Hause was Sache ist. Aber dergleichen gab’s ja noch nicht. Fernseher gab’s kaum und Telefon auch nicht unbedingt. Wir hatten eins und da fassten wir den Entschluss, zu mir zu gehen. Ich fand das nicht gut, mir gefiel es so wie es grade war. Ich hätte dich stundenlang ansehen können, aber mir war klar dass wir hier nicht ewig herumstehen konnten. Wie das dann bei mir zu Hause weitergehen sollte wusste ich auch nicht so genau, aber ich dachte dann schon dass ich dir ein paar Klamotten von mir ausleihen könnte, wir hatten die gleiche Größe. Und dann waren meine Brüder bei der Oma für ein paar Tage, weil Vater die Wohnung renovieren wollte. So stellte ich mir vor, dass du dich n unserem Zimmer wieder ausziehen müsstest. Das hat mich richtig aufgewühlt und da spürte ich dann auch dass sich etwas an mir regte. Um Schlimmeres zu verhindern hab ich ja dann zum gehen gedrängelt. Also rein in die eiskalten, nassen Klamotten. Es war wirklich furchtbar.«

»Ich hätte heulen können, Wolf. Denn als wir rauskamen regnete es immer noch. Bis wir endlich bei dir zu Hause ankamen war ich fertig. Ich hab gefroren wie ein Schneider und wusste, das gibt ne Erkältung. Zum Glück haben meine Eltern nichts gesagt als ich sie anrief um ihnen mitzuteilen dass es später werden würde. Und deine Mutter war auch nicht böse dass ich bei euch so einfach aufgetaucht bin. Sie hat uns ja ins Bad gescheucht..«
Andreas grinste und nahm einen Schluck. Diesen Tag hatte er fast minutiös im Kopf.

Aber auch Wolfgang erinnerte sich an einzelne Sätze. »Oh ja. Ich hab dich meiner Mutter kurz vorgestellt – wobei mir jetzt einfällt dass sich das alles am ersten Tag unserer Begegnung abgespielt hat. „Marsch, alles ausziehen“, hat sie ohne Umstände befohlen und die Badewanne eingelassen. Mann oh Mann, da standen wir also mit den Unterhosen im Bad und warteten, bis die Wanne soweit voll war. Mutter blieb dabei, damit das Wasser die richtige Temperatur haben würde. Uns hat sie das ja nicht zugetraut.
„Ihr bleibt wenigstens ne halbe Stunde da drin“, hat sie noch gesagt. Dann endlich ist sie raus und hat die Tür zugemacht. Du bekamst einen roten Kopf, ich seh ihn noch vor mir. Groß war unser Bad eh nicht, wir hatten kaum räumlichen Abstand voneinander. Wer zog zuerst die Unterhosen runter? Ich glaub jeder hat da auf den anderen gewartet. Dabei wurde es so richtig schön warm im Bad und meine Gefühle begannen erneut ihr Eigenleben zu führen. Die einzige Chance, dass du das nicht mitbekamst war, so schnell wie möglich unter dem von Kernseife trüben Wasser zu verschwinden. Also Hosen runter und mit einem Satz saß ich im heißen Wasser. Ich dachte, mein Arsch verglüht so heiß kam es mir vor. Dabei war es ja nur weil wir so abgekühlt waren. Tja, und du Armer standest vor der Wanne und dein Kopf ist noch röter geworden.. Denn jetzt warst du dran und ich konnte dich genau beobachten. „Sei kein Frosch, komm schon rein“, hab ich zu dir gesagt. Aber du hast nur geguckt und bist immer kleiner geworden. Und ich bekam bei deinem Anblick zum ersten Mal einen richtigen Steifen. Ich mein, du standest direkt an der Wanne, deine Beule war nur ein Griff weit weg. Ein saugeiles Gefühl war das und der hauchdünne Schaumteppich auf dem Wasser gab mir Sicherheit.«

»Das alles war mir furchtbar peinlich«, fügte Andreas an, »ich wusste überhaupt nicht wo mir der Kopf stand. Zum einen hätte ich mich direkt vor deinen Augen ausziehen sollen, dann war mir klar was es bedeuten konnte – ich und du, da in der Wanne. Enger konnte es gar nicht werden und wir mussten uns berühren, ob wir wollten oder nicht. Mit der Situation bin ich überhaupt nicht klar gekommen. Selbst deine Aufforderung und die Bezeichnung Frosch konnten mich nicht aus dieser komischen Lähmung bringen. Ich hab ernsthaft überlegt, ob ich nicht einfach mit der Unterhose in die Wanne steigen sollte, egal was du darüber sagst oder denkst.«

»Ich dachte dann ich seh nicht recht – du bist tatsächlich mit samt deiner Unterhose reingekommen. „Sag mal, spinnst du? Wieso ziehst du deine Hose nicht aus?«, hab ich gefragt. „Ich will das nicht“, hast du total verschämt gesagt. „Ich will’s nicht und ich kann’s nicht. Punkt.“
Freilich war ich mächtig enttäuscht, aber was hätt ich machen sollen? Jetzt aber saßen wir uns da gegenüber, die Beine übereinander und näher konnten wir uns unfreiwillig so nirgends kommen. „Dann zieh sie wenigstens jetzt aus. Oder meinst du ich guck dir etwas ab?“, hab ich gefragt. Dann hast du nach einer Weile genickt und die Dinger umständlich ausgezogen. Aber das war ja noch schlimmer als alles andere. Es war einfach obergeil wie du dich angestellt hast. Ich konnte ja nichts sehen, aber die Vorstellung dass wir nun beide völlig nackt waren, nachdem du die Hose vor dem Bad auf den Boden fallen ließt.. das war schon ziemlich heftig. Mein Schwanz tat schon weh, so hart war er geworden und irgendwie hab ich gehofft dass du das mitkriegst. Ich war drum und dran mir einen runterzuholen, denn so geil war ich in meinem ganzen Leben noch nie. Dauernd hab ich an meinem Sack herumgespielt, während ich dich betrachtet hab. Irgendwie kam der Schwamm ins Spiel…«

»Sag mal, hast du keinen Hunger?«, unterbrach Andreas das Gespräch. »Ich für meinen Teil könnte jetzt was gescheites vertragen.«

Wolfgang nickte. »Aber wohin und was?«

»Hm, bin ja immer noch Hobbykoch, aber ich hätte da auch Pizza im Angebot.. Im Gefrierfach mein ich..«

»Andy, der Koch.. Ja, das hab ich noch in Erinnerung. Deine Kreationen.. Aber klar, ich bin nicht abgeneigt.«

Wenig später verließen sie das Cafe, durchquerten den Park und setzten sich in ein Taxi. Andreas wohnte etwas außerhalb der City und so waren sie schneller an ihrem Ziel.

*

»Dein Stil hat sich all die Jahre nicht geändert«, stellte Wolfgang fest, nachdem er Andreas’ Wohnung inspiziert hatte. Natürlich gab es keine Poster mehr an den Wänden, auch keine knalligen Tapeten. Nur im Schlafzimmer, direkt über dem Bett, prangte ein unbekannter Mann, fast nackt. Kunst würde man eher dazu sagen. Ansonsten legte Andreas Wert auf Zweckmäßigkeit. Und alles ordentlich. Eigentlich sahen die Zimmer so aus, als würde momentan dort gar niemand wohnen.

»Ich hab ja Zeit.. «, erklärte Andreas diesen Zustand.

Während er sich um die Pizzen kümmerte, stöberte Wolfgang in der CD-Sammlung.
»Nicht schlecht, dein Musikgeschmack hat sich dann doch ein bissen… hm, entschärft«, rief er in die Küche.

»Leg auf was dir gefällt.. heute kann ich alles hören – was nicht immer der Fall ist«, antwortete Andreas zurück.

Rasch hatte er den Tisch im kleinen Esszimmer gedeckt, die Pizzen und eine Flasche Wein aufgetragen.

»Wenn ich jetzt noch zwei Gläser trinke…«, stellte Wolfgang nachdenklich fest.

»Komm, dieser Tag ist einmalig. Ich ruf dir ein Taxi nachher, da kann gar nichts schief gehen.«

»Der Schwamm, ja..«, knüpfte Andreas an Wolfgangs Ausführungen an, während sie sich über die Pizzen hermachten. »Ein echter Schwamm sogar. Sündhaft teuer damals.. Du hast ihn aus der Seifenschale an der Wand genommen, ordentlich mit Wasser vollgesaugt, bis dann damit über dein Gesicht gefahren und hast ihn über deinem Kopf ausgedrückt. Von einer Sekunde auf die andere saß da ein anderer Wolfgang. Deine Haut schien plötzlich wie durchsichtig, Strähnen deiner Haare fielen über deine Stirn und das Wasser tropfte von deinem Kinn. Du sahst um Jahre jünger aus, fast noch wie ein kleiner Junge. Der Anblick hat mich sofort gefesselt und ich meine, du hast das auch gemerkt. Und dann hast du den Schwamm neuerlich mit Wasser aufgesogen und.. mir über dem Kopf ausgedrückt. Es war angenehm wie das warme Wasser so über mein Gesicht lief und du hast dabei ganz entzückt geguckt.. Dann bist du mit dem Schwamm ganz sanft über mein Gesicht gefahren und hast gelächelt dabei. Später wusste ich, in diesem Moment haben wir uns ineinander verliebt. Zumindest waren das die ersten, zarten Triebe, oder? Schüchtern, zärtlich, vorsichtig.. so sind wir uns näher gekommen und dies war der Anfang. Du bist dann mit dem Schwamm über meine Schultern gefahren, ganz langsam und wir haben kein Wort gesprochen..«

»Stimmt, Andy, ohne Worte. Ich glaube die waren auch gar nicht notwendig. Mutter rief irgendwann im Flur dass sie mit Vater einkaufen ginge und wir keine Dummheiten machen sollten. Außerdem müssten wir langsam wieder raus aus der Wanne. Aber die Tür ging zu, die beiden waren weg und wir waren allein in der Wohnung, allein da in der Wanne. Ich wusste, dass meine Eltern vor einer Stunde nicht zurücksein würden, das waren sie noch nie. Als ich dir dann so mit dem Schwamm über deinen zarten Oberkörper gefahren bin dachte ich ans ausflippen. Ich war so dermaßen erregt.. Und immer hoffte ich, du würdest das bei mir auch machen. Aber hast nur da im Wasser gesessen und die Augen zugemacht damit dir keine Seife in die Augen kam. Das war auch schön anzusehen. Ganz still hast du gehalten, wie ein Lämmchen das man hinter den Ohren krault.« Wolfgang grinste schelmisch..»Hat nur gefehlt dass du schnurrst wie eine kleine Katze.«

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